Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick 2021 – Lörrach SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
Nicht hinkucken und nichts gespürt: Kira (7) beim ersten Kinderimpftermin des Landkreises im Dezember in Rheinfelden..
Foto: Rolf Rombach
„Ich fühlte mich oftmals traurig und hilflos“
Corona | Kinderärztin Bettina Volkmer berichtet über ihr Jahr mit der Pandemie und den Folgen für die Jüngsten n
Von Bettina Volkmer
Lörrach. Das Jahr 2021 war für mich sehr wechselhaft und wohl das beruflich anstrengendste, an das ich mich erinnern kann. Und natürlich war es durch Corona bestimmt. Als ich im Frühjahr 2020 im Fernsehen die Bilder aus Bergamo sah, war ich erschüttert. Ich nahm mir vor, alles in meiner Macht Stehende zu tun, um so etwas in Deutschland zu verhindern. Da ich nur in Teilzeit arbeite-
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Immer mehr Kinder und Jugendliche kamen mit gravierenden psychischen Problemen zu uns, und die ambulante und stationäre Vermittlung zur Weiterbehandlung dieser Patienten gestaltete sich äußerst schwierig.« te, engagierte ich mich von Beginn an bei der Fieberambulanz und der Abstrichstelle. 2021 versprach besser zu werden. Es gab Impfstoffe, und ab Januar wurde im Landkreis in mobilen Teams und im Impfzentrum geimpft. Es war für mich selbstverständlich, auch hier meinen Beitrag zu leisten, und ich meldete mich frühzeitig zur Mitarbeit. Der Zusam-
menhalt in diesem interdisziplinären Team war hervorragend, alle brachten ihre Kenntnisse ein, und man profitierte von diesem Austausch, immer mit dem Ziel, die Corona-Pandemie zu bekämpfen. Wir alle waren mit Enthusiasmus und Hoffnung dabei. Die Tatsache, dass ich als Kinderärztin es zunächst nur mit hochbetagten Menschen zu tun hatte, machte mir nur anfangs Sorgen, da ich von den Kollegen viel Unterstützung erhielt. Ich erinnere mich daran, dass mein Mann und unsere Kinder zu Hause arbeiteten. Das Jahr begann für alle Schüler mit Homeschooling. Es dauerte viele Wochen, bis alle Schüler wieder in die Schule gehen durften. An mehreren Rechnern wurde also gleichzeitig Homeoffice und Homeschooling betrieben. An den Wochenenden genossen wir den winterlichen Schwarzwald. Der lange schneereiche Winter war ein guter Ausgleich für Kontaktbeschränkungen und mangelnde Freizeitangebote. Meine Kinder, wie so viele andere in diesem Alter, akzeptierten die Einschränkungen und den fehlenden Präsenzunterricht gut. Das machte mich stolz und glücklich. In der kinderärztlichen Praxis musste ich jedoch erkennen, dass das keine Selbstverständlichkeit war.
Einschulung mit Maske aber immerhin als Präsenzveranstaltung. Immer mehr Kinder und Jugendliche kamen mit gravierenden psychischen Problemen zu uns, und die ambulante und stationäre Vermittlung zur Weiterbehandlung dieser Patienten gestaltete sich äußerst schwierig. Ich fühlte mich oftmals traurig und hilflos angesichts der Probleme, die die Schulschließungen bei manchen Kindern und Jugendlichen auslösten. An Ostern ermöglichte uns der Einsatz von Schnelltests den Besuch der in Hessen lebenden Familie, die wir geraume Zeit nicht gesehen hatten. Es war gerade auch für die Kinder schön, Oma und Opa, Tanten und Onkel nicht nur am Bildschirm, sondern in echt zu sehen. Im Mai feierten wir die Kommunion unserer jüngsten Tochter ohne Großeltern und ohne Restaurant-Besuch. Es war eine denkwürdige Feier mit Masken in der eher leeren Kirche und Festmahl zu Hause. Der einzige Ehrengast war die Patentante. Zu dieser Zeit war es in den Kinderarztpraxen ruhig. Durch Hygieneregeln und Kontaktbeschränkungen blieb die Infektzeit im Winter quasi aus, es gab nur wenige Kinder, bei denen wir SARS-CoV2 nachwiesen, und diese hatten milde Verläufe. Gleichzeitig wurde im Impfzentrum immer mehr geimpft, die Prioritäten erweitert, und das machte Hoffnung. Den Sommerurlaub verbrachten wir als Familie, ähnlich Corona-konform wie im vorangegangenen Jahr, in
einer Ferienwohnung an der Nordsee, Anreise im eigenen Auto. Es tat gut, woanders zu sein und auf andere Gedanken zu kommen. Wir entspannten bei Fahrradtouren und langen Strandtagen. Im Sommer kamen dann zunächst die Zulassung und später die Empfehlung der Impfung für Jugendliche von zwölf bis 15 Jahren durch die Stiko. Wir sahen uns in den Kinderarztpraxen plötzlich mit einer Menge von Anfragen konfrontiert, die wir
Foto: Sven Hoppe nicht bewältigen konnten. Kurz nach dieser Empfehlung folgte dann der Entschluss der Landesregierung, die Impfzentren zu schließen. Das bedeutete, dass nach Ende der Sommerferien noch zweieinhalb Wochen lang im Impfzentrum geimpft wurde. Im Anschluss waren wir Kinderärzte gefragt, und das zu Beginn des Herbstes und später Winters, der die Infektwelle des vergangenen Jahres gerade bei den kleine-
ren Kindern nachzuholen schien. Hinzu kamen bei den regelmäßigen Testungen in Schulen und manchen Kitas immer mehr positive Schnelltests, die eine Nachtestung per PCR in der Praxis nach sich zogen. Diese Mischung aus Alltagsgeschäft mit Vorsorgen, Impfungen und Beratungen, einer heftigen saisonalen Infektwelle und zusätzlicher Belastung durch Corona war für uns in den kinderärztlichen Praxen sehr herausfordernd. Ich fühle mich nun zum Ende des Jahres 2021 enttäuscht, müde und ausgelaugt. Was bleibt, ist der Ausblick auf das kommende Jahr. So optimistisch wie letztes Jahr bin ich diesmal nicht. Trotz Impfungen, Kontaktbeschränkungen und Tests haben wir die Pandemie nicht soweit einschränken können wie erhofft. Und die schlechten Nachrichten aus anderen Ländern über die Omikron-Variante machen mir Sorgen. Für 2022 habe ich nun die Hoffnung, dass Corona und der politische Umgang mit der Pandemie die Gesellschaft nicht noch weiter spalten. Manchmal macht es mir regelrecht Angst, wie respektlos manche Menschen mit anders Denkenden umgehen. Wir leben in einer freien Gesellschaft, und das bedeutet, jeder hat ein Recht auf seine Meinung. Anfeindungen von Politikern oder Impfärzten sind genauso wenig zu tolerieren wie eine Stigmatisierung Ungeimpfter. Die Krise Corona bewältigen wir nur gemeinsam. Ich wünsche allen einen guten Rutsch in ein hoffentlich gesundes Jahr 2022!
ZUR Person
Dr. Bettina Volkmer
Bettina Volkmer: „Was bleibt, ist der Ausblick auf das kommende Jahr. So optimistisch wie letztes Jahr bin ich diesmal nicht. Trotz Impfungen, Kontaktbeschränkungen und Tests haben wir die Pandemie nicht soweit einschränken können wie erhofft.“ Foto: Privat
Dr. Bettina Volkmer arbeitet als angestellte Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin in zwei Kinderarztpraxen in Lörrach sowie in der Notfallpraxis am St. Elisabethen-Krankenhaus. Sie wohnt mit ihrer Familie in Lörrach.
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Jahresrückblick 2021 – Lörrach SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
Zwischen Hoffen und Bangen Axel Rulf, Leiter der Volkshochschule Lörrach und Steinen, blickt zurück auf das Jahr 2021
Ein Paradies für Naturliebhaber: die VHS-Studienreise nach Kirgistan konnte im August trotz der Pandemie stattfinden. n
Von Axel Rulf
Januar
Bonjour tristesse! Tausende der neuen Programmhefte werden verteilt und verschickt, obwohl durch den harten Lockdown das öffentliche Leben still gelegt ist. Eine skurrile, unwirkliche Situation. Angst und Schrecken vor Corona bestimmen den Alltag. Dabei beschäftigt mich ein Spiegel-Artikel des Philosophen Alexander Grau, der Folgendes zum Thema macht. Der westliche Mensch der späten Moderne hat Angst. Angst vor Corona, Angst vor Pandemien, vor dem Klimawandel, vor Kriminalität und Terror. Dennoch lebten Menschen nie ri-
sikofreier, und die Legitimität der Moderne beruht auf dem Versprechen, den Menschen endgültig die Angst zu nehmen. Dieses Versprechen durch Wohlstand, Aufklärung, Technik und Wissenschaft, ein angstfreies Paradies schon auf Erden zu schaffen, wird zunehmend fragwürdig. Dabei ist Angst evolutionsgeschichtlich betrachtet überlebensnotwendig und daher das Archaischste der Gefühle, und wir sind gut beraten, damit zu leben. Menschliche Existenz war und ist immer mit Risiken behaftet.
März
Der geplante Semesterbeginn kann nur online stattfinden. Skype, Zoom, Teams
WebEx, Big Blue Button, vhs-Cloud und Home-Office werden zu alltäglichen Begleitern. Kein gewohntes, lebendiges Treiben im Alten Rathaus. Die neue Fusion mit der VHS Steinen besteht nur aus Absagen der Präsenzveranstaltungen. Wie traurig.
Mai
Verzweifelte Anrufe der Dozent*innen, die ihre Kursteilnehmenden und ihr Einkommen schmerzlich vermissen.
Juni
Die Pfingstferien sind vorbei und erste zaghafte Versuche von Präsenzveranstaltungen gibt es. Die Hörspiel-Reihe und Lyrik-Matinees in der Bar Drei König als Open-Air Veranstaltung. Was für eine wunderbare, neue Erfahrung. Die Dieter Kaltenbach-Stiftung, die Volkshochschule und andere Partner sind in der Kategorie „Lokales Bündnis für frühe Bildung“ im Finale des Deutschen Kita-Preises. Die Preisverleihung, moderiert von Barbara Schöneberger, findet in Berlin statt. Leider auch hier nur online. Eine große Nachfrage nach Exkursionen und Studienreisen signalisiert die neu gewonnenen Freiheiten.
delns sein?
September
Der Start in das neue Semester der zweiten Jahreshälfte ist geprägt von großem Optimismus und Vorfreude auf eine unbeschwerte Zeit. Aber die Nachfrage ist nicht wie gewohnt. Vorsicht und Skepsis sind allerorten immer noch zu spüren. Und dunkle Wolken erscheinen bereits am Horizont. Nicht alle möchten sich impfen lassen. Auch unsere Dozent*innen nicht. Die Fronten zwischen Impfbefürwortern und Gegnern verhärten sich. Desinformation, Fake News und Verschwörungstheorien zeigen, dass sich liberale Gesellschaften nicht mehr auf eine gemeinsame Realität einigen
Foto: Volkshochschule Lörrach können. Der Philosoph Kant hat sich – um es sehr verkürzt darzustellen – schon früh mit der erkenntnistheoretischen Frage befasst, woher wir wissen, was wir wissen. Was ist Wirklichkeit? Was ist Wahrheit? Statt faktenbasierter Argumente wird ein Glaubenskrieg geführt. Und die Informationsflut im Netz wird mit Wissen gleichgesetzt. Jede Partei sieht sich sich als Retter in der Not, und es bleibt Sprachlosigkeit bei mir zurück.
Dezember
Die Infektionszahlen steigen in ungeahnte Höhen, boostern wird Teil meiner Erfahrungswelt, aber restlos überzeugt bin ich nicht. Müssen wir uns jetzt jedes halbe Jahr
Zur Person Axel Rulf
August
Statt im Alten Rathaus fanden viele Veranstaltungen nur virtuell statt. Foto: Kristoff Meller
Ein unbeschwerter Sommer, und die VHS-Studienreise führt nach Kirgistan. In ein Paradies für Naturliebhaber, fernab des Massentourismus‘ mit freundlichen, gelassenen und schicksalsergebenen Menschen, die in diesem armen Land kein einfaches Leben haben. Die Impfzentren sind geschlossen, die Infektionszahlen niedrig, die Medien sind nicht mehr beherrscht vom Virus. Die Politik setzt in Wahlkampfzeiten auf die Eigenverantwortung der Bürger, an die gesamte Bevölkerung zu denken und entsprechend zu handeln. Ich bin da skeptisch. Woher soll dieser plötzliche Gesinnungswandel kommen? Nach Jahrzehnten der Individualisierung und Selbstoptimierung soll plötzlich das Gemeinwohl die Maxime des Han-
impfen lassen? Nach einem schmerzhaften Abwägungsprozess entscheiden wir Anfang Dezember, das VHS-Semester frühzeitig zu beenden. Diese Entscheidung findet naturgemäß nicht nur Befürworter. Von Hexenverfolgung, Unfähigkeit, Unflexibilität und Unvermögen sind alle negativen Zuschreibungen dabei, die die Mitarbeitenden aushalten müssen. Aber auch Verständnis wird vermittelt. Korrekturlesen der neuen VHS-Broschüre, die üblichen Vorbereitungen für das kommende Semester werden routinemäßig absolviert. Was kommen kann, weiß keiner. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntermaßen zuletzt.
Axel Rulf und die Volkshochschule erlebten skurrile, unwirkliche Situationen. Foto: Bernhard Konrad
Axel Rulf ist seit 1985 in der städtischen Kulturarbeit tätig und seit 1992 Leiter der Volkshochschule Lörrach. Mit 800 Veranstaltungen im Jahr und 16 000 Unterrichtsstunden von 226 Dozenten ist die Volkshochschule Lörrach inzwischen „ein mittelständisches Unternehmen“, erklärte Axel Rulf in einem Sachstandsbericht im Lörracher Gemeinderat einige Monate vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Im Februar 2021 wurde die Fusion der Volkshochschulen Lörrach und Steinen vollzogen.
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Jahresrückblick 2021 – Lörrach SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
Corona-Ausbrüche und Bakterien im Wasser Lörracher Streiflichter I | Januar bis Juni 2021 – Corona bremst Vereine und Veranstalter aus / Lutz will OB bleiben n
Von Peter Ade
1. Januar: Für Silvester und Neujahr meldet das Gesundheitsamt 164 neue Corona-Fälle. Die 7-Tage-Inzidenz steigt damit auf 184,2. 8. Januar: Oberbürgermeister Jörg Lutz bestätigt, dass er für eine zweite Amtszeit 2022 kandidieren werde. Seine Schlüsselthemen: Klimawandel, Bildung, Wohnungsbau und Soziales. 8. Januar: Nach dem altersbedingten Ausscheiden von André Marker und Klaus Jost aus dem Vorstand der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden wird diese nun von Rainer Liebenow als Vorstand zusammen mit Christian Eschbach als Doppelspitze geführt. Die Sparkasse ist mit 412 Mitarbeitenden der größte Finanzdienstleister in der Region. 12. Januar: Die Wege der Stadt und von Burghof-Geschäftsführer Markus Muffler werden sich trennen. Unüberbrückbar waren die Differenzen um die Frage, wie hoch der Kulturzuschuss für den Burghof sein muss. 20. Januar: Die „Hauger Holzsteigerig“ findet nur online statt. Dennoch wird sie stark nachgefragt. 35 Einzelund fünf Doppelster und 68 Festmeter Langholz werden angeboten. 22. Januar: Im Kreisimpfzentrum im Freizeitcenter Impulsiv werden die ersten 50 Impfungen vorgenommen. 25. Januar: Die Stadt muss die Notbetreuung in der Kita im Innocel-Quartier schließen. Es sind Corona-Fälle bei Betreuerinnen nachgewiesen. Rund 40 Kinder sind be-
troffen. 27. Januar: Bernhard Escher verlässt die CDU-Fraktion im Lörracher Gemeinderat, der er seit 1999 angehört. Sie verliert damit einen ihrer bisher sieben Sitze. Escher wird dem Gremium weiterhin als fraktionsloses Mitglied angehören. 4. Februar: Die Stadt bekommt für die Entwicklung des Lauffenmühle-Areals weitere 2,5 Millionen Euro vom Land aus der Städtebauförderung. Insgesamt stehen damit Fördermittel in Höhe von 7,5 Millionen Euro zur Verfügung. 6./7. Februar: In der Nacht zum Sonntag brennt es in der Hauinger Turn- und Festhalle. Nur dem schnellen Eingreifen der Feuerwehr ist es zu verdanken, dass es nicht zu einem Großbrand kommt. Offensichtlich handelt es sich um Brandstiftung. 10. Februar: Die Stadt gibt die Warnung heraus, Trinkwasser vor Gebrauch abzukochen. Bei Routineproben wurde eine mögliche Verunreinigung mit coliformen Bakterien festgestellt. 16. Februar: Andrés Ibarra wird für den Übergang neuer Geschäftsführer des Burghofs. 20./21. Februar: Seit Sonntag bietet die evangelische Stadtkirche erstmals seit Weihnachten wieder Präsenzgottesdienste an. 22. Februar: Heute öffnen wieder Schulen und Kitas. Allerdings nur für die Grundschulen im Wechselunterricht und für die Abschlussklassen an allen Schularten. Die übrigen Schüler erhalten nach wie vor Fernunterricht.
Im Februar musste das Trinkwasser abgekocht werden, weil coliforme Bakterien nachgewiesen wurden.
Der strahlende Schein trügt: Die Betreiberin des Hotels „Steigenberger“ leitet im Mai ein Insolvenzverfahren ein.
Das neue Wohn- und Geschäftshaus „Lö“ wurde ab dem Frühjahr sukzessive bezogen. 24. Februar: Es wird verkündet: sowohl die Regio-Messe als auch das Festival „Between the Beats“ werden 2021 nicht stattfinden. 25. Februar: In seiner Sitzung beschließt der Gemeinderat die Offenlage für den Bebauungsplan nördlicher Engelplatz. Die Firma Vukovic investiert in eine Bebauung mit 90 neuen Wohnungen. Umstritten ist ein geplantes Hochhaus mit 14 Stockwerken. 4. März: Bei der Firma Präzisionsdrehteile NSI hat es einen größeren Corona-Ausbruch gegeben. Unter den rund 170 Beschäftigten hat es 30 Fälle gegeben. Der Betrieb wird bis 9. März eingestellt. 6./7. März: Über 5000 virtuelle Besucher nehmen die Angebote der Job- und Bildungsmesse Cult wahr. 13./14. März: Bei einer Wahlbeteiligung von 57 Prozent erzielen die Grünen dem Landestrend folgend bei der Landtagswahl mit 39,1 Prozent einen überragenden Erfolg. Dahinter folgen CDU mit 25,3, SPD mit 13,9 und FDP mit 9,2 Prozent. Im Wahlkreis kann Josha Frey für die Grünen sein Direktmandat verteidigen. Jonas Hoffmann zieht für die SPD über die Zweitauszählung in den Landtag ein. 4./5. April: Zu Ostern müssen die Gottesdienste in den christlichen Gemeinden anders gefeiert werden. Doch für alle bleibt die Botschaft der Osternacht die gleiche: „Dunkel trifft auf Licht, Tod trifft auf Leben.“ 6. April: Im „Lö“ hat mit dem Bekleidungsgeschäft „Kult“ der erste Laden eröffnet. 26. April: Zur Jahresmitte wird das Möbelhaus „In puncto“ in der Weilerstraße nach 22 Jahren geschlossen. Die 31 Mitarbeiter können an den Stammsitz des Unternehmens in Maulburg wechseln. 29. April: In der Gemeinderatssitzung wird der bisherige stellvertretende Feuerwehrkommandant Stephan Schepperle der Freiwilligen
Feuerwehr verabschiedet. Zu seinem Nachfolger wird Thomas Göttle gewählt. 6. Mai: Die Betreiberin des Hotels „Steigenberger“ hat ein Insolvenzverfahren eingeleitet. Durch die Pandemie hat der Hotelbetrieb massive Einbußen erlitten. 17. Mai: Heute findet der symbolische Spatenstich für das Projekt „Soziales Wohnen Schlichtergasse“ beim Brombacher Bahnhof statt. Die Städtische Wohnbau will 57 neue Wohneinheiten erstellen und investiert 23 Millionen Euro. 18. Mai: Die Sanierung der Villa Aichele wird mit der Bronzeplakette des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. 18. Mai: Bei der Vorstellung der Kita-Bedarfsplanung im Gemeinderat zeigt sich, dass fast 200 Plätze fehlen. 21. Mai: OB Jörg Lutz kann bei der Verleihung des European Energy Awards (eea) in Ulm zum vierten Mal für die Stadt Lörrach die Auszeichnung in Gold entgegennehmen. 28. Mai: Den „teuersten Roten Punkt aller Zeiten“ in Lörrach übergibt OB Jörg Lutz an Armin Müller, den Geschäftsführer des Kreisklinikums, und Projektleiter
Thorsten Stolpe. Damit kann offiziell mit dem Bau des neuen Zentralklinikums begonnen werden. 31. Mai: An den neuen Polleranlagen beim Aicheleknoten und am Senser Platz hat es in vier Wochen neun Unfälle gegeben. Insgesamt ist dabei ein Schaden von 30 000 Euro entstanden. 2. Juni: Nach einer Übergangszeit ist nun die Nachfolge an der Kinderklinik geregelt. Nachfolger von Prof. Hubert Fahnenstich, der im März seinen Ruhestand angetreten hatte, wird der 59-jährige Prof. Tilmann Humpl. Er war zuletzt am Inselspital in Bern.
Fotos (4): Kristoff Meller 9. Juni: Die Vertreterversammlungen der Volksbank Dreiländereck und der Volksbank Schopfheim-Maulburg beschließen die Fusion. 11. Juni: Der Autozulieferer ARaymond, der seine Produktion in Weil-Märkt hat, bleibt seinem Sitz in Lörrach treu. Die gesamte Verwaltung soll auf dem bisherigen Areal durch Neubauten konzentriert werden. 23. Juni: Nun ist der Verbund der drei Tiefgaragen geschaffen: Bahnhof, „Lö“ und Rathaus. 29. Juni: Ein Wolkenbruch mit Starkregen führt am frühen Nachmittag zu 27 Einsätzen der Feuerwehr.
An den neuen Polleranlagen ereignen sich in vier Wochen neun Unfälle. Foto: zVg/privat
Flinke Finger: Bei der Landtagswahl im März hatten die Wahlhelfer viel zu tun.
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Jahresrückblick 2021 – Lörrach SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
Absagen, Unwetter und zwei Banküberfälle
Lörracher Streiflichter II | Juli bis Dezember 2021 – Bau des Zentralklinikums schreitet voran / Neue Fahrradstraße 1. Juli: Der Gemeinderat beschließt eine Redezeitbeschränkung für die Stellungnahmen zu Tagesordnungspunkten, die Stellenausschreibung für den neuen Geschäftsführer des Burghofs und ein Tempolimit für die Straße nach Tüllingen. 16. Juli: Nach Starkregenereignissen in Brombach und Tüllingen trifft es nun Tumringen besonders hart: Am Nachmittag fallen knapp 50 Liter Regen pro Quadratmeter in wenigen Minuten und sorgen für reihenweise überflutete Keller. Auch Oberbürgermeister Jörg Lutz starrt wie gebannt auf die sich durch seinen Wohnort wälzenden Wassermassen. 21. Juli: Die Bürgerstiftung engagiert sich trotz Pandemie und niedrigen Zinsen weiterhin für ihre Ziele. Die Bilanzsumme liegt mittlerweile bei 2,7 Millionen Euro. 27. Juli: Auch in diesem besonderen Corona-Sommer gibt es Angebote für Senioren. Zum einen wurde wieder eine Senioren-Zittig erstellt, zum anderen ein musikalisches Live-Programm organisiert. 31. Juli/1. August: Die Pandemie ist weiterhin präsent. Abgesagt werden das Stroßefescht in Stetten, das Schlossgrabengfest in Brombach und der Tüllinger Weinmarkt. 4. August: Man kann es sicherlich als Meilenstein bezeichnen: die Grundsteinlegung für den Bau des Zentralklinikums. Dafür waren Sozialminister Manfred Lucha und Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer nach Lörrach gekommen. 16. August: Der vom Gemeinderat beschlossene Ausbau der Weinbrenner- und Spitalstraße zur Fahrradstraße beginnt. 18. August: Nachdem der bbv die Versorgung der städtischen Schulmensen aufgegeben hat, ist es bisher noch nicht gelungen, einen neuen Betreiber zu finden. 1. September: Wegen ekla-
Wassermassen bahnen sich am 16. Juli ihren Weg durch die Luckestraße in Tumringen. tanter Baumängel musste die Halle der Eichendorff-Schule schon nach 15 Jahren grundlegend saniert werden. Jetzt steht sie dem Schul- und Vereinssport wieder zur Verfügung. 2. September: Nach vielen erfolgreichen Jahren gibt es einen Wechsel an der Spitze der Aktion „Leser helfen“ des Verlagshauses Jaumann. Für Chefredakteur Guido Neidinger und Uta Schroeder übernehmen Marco Fraune und Christiane Guldenschuh die Leitung. 6. September: Vor 40 Jahren begann in Baden-Württemberg die Erfolgsgeschichte der Berufsakademien – seit 2009 Duale Hochschule. Auch Lörrach wurde nach der Schließung der Pädagogischen Hochschule Standort. Zurzeit werden 2100 Studenten von 50 Professoren und etwa 650 nebenberuflichen Dozenten unterrichtet. 13. September: In ihrer Mit-
Uta Schroeder und Guido Neidinger bei der „Binzener Runde“ 2019. Im September geben sie Aktion „Leser helfen“ des Verlagshauses Jaumann nach vielen erfolgreichen Jahren ab.
Das Zentralklinikum wächst langsam in die Höhe.
gliederversammlung wählen die Freien Wähler Stadtrat Jörg Müller mit 16 zu elf Stimmen gegen Dirk Hitzfeld zum Vorsitzenden. Müller war 2020 wegen umstrittener Äußerungen auf einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen zurückgetreten. 17. September: An der Albert-Schweitzer-Schule wird Richtfest gefeiert. 20. September: Die neugegründete Schöpflin-Ganztagsgrundschule startet mit 20 Erstklässlern. 26. September: Bei der Bundestagswahl erreichen die Parteien in Lörrach folgende Zweitstimmenergebnisse: SPD 23,2 Prozent, Grüne 22,5, CDU 19,7; FDP 14,8; AfD 7,7; Linke 4, Sonstige 8,1 Prozent. Bei den Erstimmen liegt Gerhard Zickenheiner (Grüne) mit rund drei Prozent vor Takis Mehmet Ali (SPD) und Diana Stöcker (CDU). Dennoch reicht es Zickenheiner nicht für das Direktmandat, das Diana Stöcker trotz Verlusten für die CDU behaupten kann. Über ihre Platzierungen auf den Landeslisten ihrer Parteien ziehen Ali Mehmet (SPD) und Christoph Hoffmann (FDP) ebenfalls in den Bundestag ein. Die Wahlbeteiligung liegt bei 72,6 Prozent. 27. September: Nicht nur die Katholiken sind schockiert, als die Erzdiözese Freiburg mitteilt, dass Pfarrer Thorsten Becker von allen seinen Ämtern beurlaubt wird. Als Grund wird eine „ungute Vermischung von Privatgeldern mit Geldern der Kirchengemeinde“ genannt.
28. September: Das Dreiländermuseum Lörrach erhält in Zusammenarbeit mit dem Museumsverband den Lotto-Museumspreis 2021 in Höhe von 20 000 Euro. 1. Oktober: Die erste Fahrradstraße ist befahrbar. 6. Oktober: Für ihren Einsatz für das jüdische Leben bekommt Hanna Scheinker den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. 12. Oktober: Burghof und Stimmenfestival müssen weiterhin mit dem städtischen Zuschuss von jährlich 1,48 Millionen Euro klarkommen. Ausgenommen sind Mitarbeitergehälter. 19. Oktober: Die Hauptstelle der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden an der Haagener Straße wird von einem Unbekannten überfallen, der mit erbeutetem Bargeld flüchtet. 20. Oktober: René und Johannes Gessler, die neuen Geschäftsführer des Hotels Stadt Lörrach, erläutern ihr Konzept eines „Hauses mit Herzblut und Schwimmbad“. 28. Oktober: Die traditionsreiche Geschichte der KBC in Lörrach wird im kommenden Jahr wohl endgültig zu Ende gehen. Produziert werden soll zukünftig an einem anderen Ort in der Region. 9. November: Die 30. Kinderbuchmesse „Lörracher Leselust“ wird vom 26. bis 28. November als Hybridveranstaltung stattfinden. 10. November: Ein Österreicher soll Geschäftsführer des Burghofs werden: Der Gemeinderat empfiehlt Timo Sadovnik aus Graz für die Geschäftsführung des Burghofs an den Aufsichtsra.
Fotos: Kristoff Meller 11. November: Wenngleich coronabedingt vieles noch in der Schwebe ist – der Auftakt der Fasnachtskampagne mit der Losung „…und witer goht’s“ geriet beim Schnägge-Esse gewohnt scharfzüngig und amüsant. 18. November: Im Gemeinderat gibt es eine knappe Mehrheit für den Bau eines Hochhauses am Engelplatz mit 14 Geschossen. 23. November: Das Stadtbuch Lörrach 2021 mit insgesamt 256 Seiten wird vorgestellt. 6. Dezember: Die Enttäuschung ist groß: Die Hellbergschule Brombach soll wegen dringend notwendiger Brandschutzmaßnahmen an der Tumringer Grundschule abermals länger auf ihre bauliche Aufwertung warten. 9. Dezember: Ohne Beute flieht ein bewaffneter Einbrecher aus der BBBank an der Luisenstraße.
13. Dezember: Die Bürgerstiftung Lörrach gewährt dem Trägerverein „Frauen helfen Frauen“ einen zinslosen Kredit in Höhe von 400 000 Euro zum Kauf und Umbau eines Hauses zur Verdoppelung der Zahl der Frauenhausplätze auf 24. 16. Dezember: Der Gemeinderat verabschiedet den Haushalt 2022. Mit Ausnahme der Freien Wähler stimmen alle Fraktionen zu. Das Volumen der Investitionen in Höhe von 25,81 Millionen Euro konzentriert sich auf die Bereiche Bildung, Infrastruktur und Klimaschutz. 20. Dezember: Die Stadtspitze zieht eine sehr positive 2021er-Bilanz. Oberbürgermeister Jörg Lutz betont beim Jahresmediengespräch, dass „viel geleistet und erreicht“ wurde. „Wir haben eine tolle Bilanz hingelegt“, zeigt sich auch Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic sehr zufrieden.
Wir fahren nach Berlin: Takis Mehmet Ali (r.) und Diana Stöcker bei der Bundestagswahl im September.
Seit Oktober ist die erste Fahrradstraße in Betrieb.
Fotos: Kristoff Meller
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick 2021 – Lörrach SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
„Wir spüren den Klimawandel bereits“
Blaulicht | Feuerwehrkommandant Manuel Müller über das zweite Pandemie-Jahr / Lob für unermüdlichen Einsatz des Teams n
Von Manuel Müller
Lörrach. Es wäre schön, wenn es wieder mal ein „Feuerwehrjahr“ gäbe, auf das man positiv zurückblicken möchte. Doch im Jahr 2021 hat das Pandemiegeschehen weiterhin unseren Feuerwehralltag dominiert. Was zurückbleibt, sind die Erinnerung an einen Dienstbetrieb, der mal mehr und auch mal weniger möglich war. In Vergessenheit gerät dabei leider viel zu oft: Selbst wenn auch ein Großteil unserer Feuerwehrwelt stillstand – ganz still stand sie nie! Denn die Welt der Notfälle – Brände, Verkehrsunfälle sowie das Retten von Menschen und Tieren aus Notlagen – drehte sich weiter. Und auch das normale Alltagsgeschäft konnten wir nicht gänzlich auf null reduzieren. Deshalb wäre es an dieser Stelle fast unfair, das zurückliegende Feuerwehrjahr nur auf das Thema Corona zu reduzieren. Vor allem dem unermüdlichen Einsatz unserer derzeit etwa 240 Einsatzkräfte, die überwiegend im Ehrenamt tätig sind, wäre es respektlos gegenüber. In mehreren Interviews habe ich in diesem Jahr bereits meine Begeisterung über die Leistungen unseres Ehrenamts und die gute Zusammenarbeit von Ehren- und
Feuerwehrmänner tragen eine Pumpe zum Keller des „Mättle“, der mehr als einen Meter unter Wasser stand. Fotos: Kristoff Meller Mit großer Geduld hat die Mehrzahl der Feuerwehrangehörigen die teilweise wöchentlich angepassten Corona-Regeln diszipliniert umgesetzt. Wenn wir in der Feuerwehrführung teilweise selbst über die Sinnhaftigkeit der Vorgaben von den entsprechenden Behörden nur mit dem Kopf schütteln konnten, war in der Mannschaft das Vertrauen in unsere Arbeit und die daraus resultierenden Dienstanweisungen uneingeschränkt. Und im Rückblick ist es eigentlich traurig, dass wir
chen. Den Angehörigen unserer Altersabteilung, also den Kameraden die sich bereits im wohlverdienten Ruhestand befinden, konnten wir fast gar keine Treffen in Präsenz in unseren Räumlichkeiten ermöglichen. Die Aktivitäten der Einsatzmannschaft waren ebenfalls ganzjährig auf die nötigsten Zusammenkünfte, die zur Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit dienten, wie zum Beispiel Übungen etc., beschränkt. Dennoch konnten wir zumindest die bereits seit 2020 liegengebliebenen Ehrungen und Beförderungen unter strengen Auflagen durchführen. Das Thema Kameradschaft, vom dem die Feuerwehr wie keine andere Organisation lebt, kam auch im Jahr 2021 wieder viel zu kurz.
820 Einsätze – auch wegen Extremwetterlagen
Neben den vielen Unwetterereignissen war die Feuerwehr auch bei diversen Brandeinsätzen gefordert – wie bei diesem Dachstuhlbrand im August am Imbachweg. Hauptamt hervorgehoben. Die vielen ehrenamtlich erbrachten Stunden meiner Feuerwehrkameradinnen und Feuerwehrkameraden ist für unsere Stadtgesellschaft unbezahlbar. Gerade in den vergangenen zwei Jahren, die eben durch die Pandemie geprägt waren, spielt das Thema Solidarität und Gemeinschaft eine überproportionale Rolle.
erneut nicht allen Bereichen unserer Feuerwehr – mit insgesamt etwa 440 Angehörigen – einen störungsfreien Dienstbetrieb im vergangenen Jahr ermöglichen konnten. So konnte sich beispielsweise die Jugendfeuerwehr teilweise über Monate hinweg nicht treffen. Und wenn sie den Dienstbetrieb wieder aufnehmen konnten, dann maximal für ein paar Wo-
Trotz allem sind wir mit einer deutlichen Zunahme der Einsatzzahlen im Jahr 2021 gut zurechtgekommen. Waren es im Jahr 2020 noch 583 Einsätze, schließen wir dieses Jahr mit 820 Einsätzen ab – eine deutliche Zunahme. Viele Einsätze haben uns dabei die Extremwetterlagen im Januar mit viel Schnee und im Juli mit viel Regen beschert. Der im Jahr 2021 so oft in der Öffentlichkeit diskutierte Klimawandel ist im Feuerwehrwesen deutlich spürbar. Gerade in den sehr trockenen und heißen Sommermonaten sind unsere Einsatzkräfte bei verschiedenen Einsätzen „wie die Fliegen“ umgekippt. Die gute und sichere Einsatzkleidung verträgt sich einfach nicht mit den teilweise hohen Temperaturen. Auch die Waldbrandgefahr war dauerhaft hoch und auf Grund der langen Trockenheit wirkt es fast schon wie ein Wunder, dass wir nur kleinere Einsätze im Stadtwald zu verzeichnen haben. Jeder achtlos weggeworfene Zigarettenstummel kann dabei schon ein Feuerinferno auslösen. Die Extremunwetter im Juli haben uns erneut vor Augen geführt, dass uns das Thema Wasser zukünftig mehr beschäftigen wird. Dabei sind es nicht die Einsatzlagen auf der breiten Fläche, wie im Ahrtal, die uns große Sorge bereiten, sondern vor allem die unvorhersehbaren und punktuellen Unwetterzellen, die sich örtlich heftig entladen. Als in der Nacht zum 16. Juli erstmals alle Abteilun-
gen des Stadtgebiets nach heftigen Regenschauern überwiegend im Norden des Stadtgebiets bis in die frühen Morgenstunden mit den Aufräumarbeiten beschäftigt waren, hat zu diesem Zeitpunkt noch keiner damit gerechnet, dass noch am gleichen Nachmittag ein noch heftigeres Starkregenereignis zu weit über 150 Einsätzen führen wird. Ich selbst lag am Nachmittag des 16. Juli zum Zeitpunkt der ersten Alarmierungen noch im Bett, um den fehlenden Schlaf aus der Nacht nachzuholen. Als ich den Anruf bekam, dass ich dringend nach Lörrach kommen muss, da wir eine Extremunwetterlage hätten und bereits mehrere Notrufe eingegangen seien, hielt ich dies vorerst für einen schlechten Scherz der Kollegen. In Inzlingen, meinem Wohnort, herrschte zu diesem Zeitpunkt strahlender Sonnenschein und klarer Himmel. Als ich allerdings im Dienstwagen die ersten Funksprüche der bereits alarmierten Einsatzkräfte mitbekam, war mir schnell klar, dass es sich nicht um einen Scherz handeln konnte. In der Feuerwache angekommen, begab ich mich sofort in die Einsatzzentrale um mir einen Überblick über die Lage zu verschaffen. Bereits zu diesem Zeitpunkt waren mehr als 30 Einsatzstellen offen, darunter sehr viele Noteinsätze. Im ersten Augenblick fühlte ich mich in meine Prüfung zum Brandoberinspektor zurückversetzt. Dort werden den Prüflingen teilweise auch abstrakte Einsatzlagen eingespielt, um ihr Können zu beurteilen. Doch in diesem Fall handelte es sich leider nicht um eine Prüfungslage sondern um einen Realfall, bei dem schnelle Entscheidungen getroffen werden mussten. Erneut hat dieser extreme Tag uns allerdings aufgezeigt, wie gut wir als Team innerhalb der Feuerwehr funktionieren. Und es war beispielsweise an diesem Tag nicht der hauptamtliche Feuerwehrkommandant, der die Einsatzlage aus dem Stabsraum in der Wache leitete, sondern einer unserer ehrenamtlichen Abteilungskommandanten, der teilweise weit über 300 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Polizei und Rettungsdienst koordinierte. Chapeau! Um den bereits vorhandenen, aber auch zukünftigen Herausforderungen gewach-
sen zu sein, müssen wir uns auf unsere Technik verlassen können. Daher können wir auch im Jahr 2021 positiv festhalten, dass wir die Ziele des Feuerwehrbedarfsplans 2020-2025 weiterhin umgesetzt haben. So konnten zwei Großfahrzeuge, jeweils ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug für die Abteilungen Brombach und Lörrach, in
der Polizei, dem Rettungsdienst und dem Technischen Hilfswerk. Es ist mittlerweile selbstverständlich, dass wir uns bei unserer Aufgabenwahrnehmung so gut und unbürokratisch wie möglich unterstützen. Respekt und Anerkennung für die Arbeit des anderen ist dabei unerlässlich. Für Sie, liebe Leserinnen und Leser, mag das vielleicht selbstverständlich sein, aus vielen anderen Kommunen wissen wir allerdings, dass dem nicht so ist. Die gute Zusammenarbeit ist vor allem auf eine vertrauensvolle und freundschaftliche Arbeit unter den Führungskräften im normalen Dienstbetrieb zurückzuführen. Dabei gilt: „In Krisen Köpfe kennen“. Liebe Leserinnen und Leser, am Ende dieses Jahres vermisse ich einmal mehr die Fähigkeiten, in einer Glaskugel das Jahr 2022 vorher sehen zu können. Gerade für meine tägliche Arbeit für unsere Feuerwehr. Doch solche überirdischen Fähigkeiten besitze ich, wie Sie sich sicherlich vorstellen können, leider nicht. Dennoch schöpfe ich aus einem Zitat von Al-
Die Luckestraße in Tumringen am 16. Juli während des Starkregens den Dienst gestellt werden. Außerdem wurde der Abteilung Lörrach ein neuer Mannschaftstransportwagen übergeben. Des Weiteren sind wir bereits in die Planungen für zwei weitere Großfahrzeuge, einem Rüstwagen und einem Gerätewagen-Logistik, für die Beschaffung ab dem Haushaltsjahr 2022, eingestiegen. Weiterhin erfolgreich gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt bei diversen Fahrzeugbeschaffungen. Hier konnten wir zum Beispiel die gemeinsame Bestellung eines neuen Einsatzleitwagens umsetzen. Das Fahrzeug wird zukünftig auch für Großeinsatzlagen in den Landkreis Lörrach alarmiert.
bert Einstein Kraft und Hoffnung für ein „normaleres“ Feuerwehrjahr 2022: „Wenn’s alte Jahr erfolgreich war, dann freue Dich auf’s Neue. Und war es schlecht, dann erst recht!“ Im Namen aller Angehörigen der Feuerwehr der Stadt Lörrach möchte ich Ihnen einen guten Start in das Jahr 2022 wünschen. Bleiben Sie gesund!
Zur Person
Interkommunale Kooperation ausgebaut
Ebenso konnten wir im Bereich der immer wichtiger werdenden interkommunalen Kooperation neue Wege gehen. Mit der Feuerwehr Inzlingen wurde eine Kooperationsvereinbarung für die gegenseitige Hilfe im Einsatzfall geschlossen, mit der Feuerwehr Weil am Rhein steht diese kurz bevor. Neben Personal und Einsatzkräften sollen Fahrzeuge, die von einer Feuerwehr alleine nicht besonders häufig genutzt werden, künftig gemeinsam beschafft werden. Erneut – und gerade in der Krise – zeigte sich bei diversen Einsatzlagen das gute Zusammenspiel der „Blaulichtfamilie“, wie zum Beispiel
Manuel Müller Manuel Müller ist seit knapp dreieinhalb Jahren hauptamtlicher Feuerwehrkommandant. Mit Wirkung zum 1. Oktober in das Beamtenverhältnis zum Stadtbrandamtsrat übernommen. Der 1985 in Heidelberg geborene Müller war zuvor Ordnungsamtsleiter und stellvertretender Hauptamtsleiter der Gemeinde Bammental. Der Eintritt in die Jugendfeuerwehr erfolgte bereits im neunten Lebensjahr – seitdem ist er mit großer Begeisterung bei der Feuerwehr.
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick 2021 – Weil am Rhein SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
Am Weiler Kant-Gymnasium geht ein bewegtes Jahr zu Ende.
Fotos: Saskia Scherer
Ein Jahr mit gewaltigen Herausforderungen
Schule | Der Rektor des Kant-Gymnasiums blickt zurück / Ein Mehr an Belastung für sämtliche Gruppen der Schulgemeinschaft
n
Von Martin Haas
Weil am Rhein. In der Rückschau auf ein so bewegtes Jahr fällt das Augenmerk wie von selbst auf das alles beherrschende Thema unserer Zeit. Ich will jedoch den vielfältigen Ausführungen zu mutierenden Erscheinungsformen und Schlagwörtern in Bezug auf Corona keine weitere Ergänzung hinzufügen. Ein anderer Blick scheint mir als Schulleiter bedeutsamer, zumal er das Pädagogische und Zwischenmenschliche betrifft: Wie strahlen Beschränkungen, Umwälzungen und gar der Verlust von Gewohntem auf das Gesamtgefüge der Institution Schule und auf die Befindlichkeit der Mitglieder unserer Schulfamilie aus? Zwangsläufig resultiert daraus die Frage nach dem Kern von Schule und den erforderlichen Rahmenbedingungen. Einige Stationen im Jahresverlauf mögen diese Zusammenhänge beleuchten. Der Jahresbeginn – Verwaiste Klassenzimmer und überquellende digitale Postfächer Als ich nach den Weihnachtsferien das Schulgebäude betrat, herrschte eine unbekannte Stille überall auf den Fluren, auf dem Schulhof, in den Klassenräumen und im Lehrerzimmer; mit Ausnahme des Verwaltungstraktes – im Modus höchster Betriebsamkeit – war unsere Schule menschenleer. Ein befremdliches Gefühl, das lediglich vom Pausen-Gong jäh unterbrochen wurde, bis der Hausmeister auch diesen verstummen ließ. Die einzelnen Klassenzimmer im virtuellen Raum benötigen dieses gemeinschaftliche Signal der analogen Schulwelt nicht. Dafür war der Austausch über E-Mails, über die Lernplattform oder gar in Videokonferenzen mit dem Senden, Bearbeiten und Empfangen von Nachrichten vom Zuhause der Lernenden in das Zuhause der Lehrenden und zurück umso intensiver. Selbst die Rückgabe von Klassenarbeiten nahm den digitalen Weg. Folgerichtig fanden auch Konferenzen und Elternsprechtermine digital statt. Die Schulen erwiesen sich in dieser Phase als wahre Pfadfinder in der Er-
schließung von innovativen Kommunikationswegen. Ein reger Austausch zwischen den Schulleitungen belegt dies: „Wir machen es so, wie läuft es bei euch?“ Der Aufbau der nötigen technischen Infrastruktur ist die eine Seite. Die Kehrseite holt einen im Alltag nur allzu schnell ein: „Darf man das?“ „Ist das kompatibel mit dem Datenschutz?“ Letzterer stellt hohe Hürden – und dies zurecht! Noten und persönliche Daten müssen vor dem Zugriff Unbefugter geschützt werden. Wir Schulen fühlten uns in diesem Zwiespalt mitunter allein und überfordert. Abhilfe könnten standardisierte Instrumente schaffen, die rechtlich abgesichert eingesetzt werden können. Eine andere Frage beschäftigte im März dieses Jahres Schülerinnen und Schüler ganz besonders: „Soll ich freiwillig wiederholen?“ Der Jahreseinstieg belegt, wie sehr Corona in das gesamte Schulleben hineingreift: Der Verlust an Verlässlichkeit und Kontinuität im Alltag, der Verlust der täglichen Begegnung zwischen allen Beteiligten trübt die Stimmung und erzeugt Verunsicherung auf allen Ebenen. Schülerinnen und Schüler vermissen eine Rückkopplung und Einordnung des eigenen Vermögens im Vergleich zur Klassengemeinschaft. Lehrkräften fällt es zunehmend schwer, digitale Wahrnehmungen in messbare Größen von Leistung, Belastung oder Arbeitsverhalten zu transferieren. Vor diesem Hintergrund wurde durch das Ministerium die Möglichkeit eines freiwilligen Wiederholens eingeräumt. Freiwillig bedeutet, dass die Einstufung als Nichtversetzung außer Kraft gesetzt war. Der Weg zur Entscheidungsfindung führte über zahlreiche Gespräche zwischen Lernenden, Erziehenden und Lehrenden: Was ist im Einzelfall die richtige Entscheidung für eine erfolgversprechende Schullaufbahn? Bedeutsam für das Empfinden der Jugendlichen: Die Belange des Einzelnen hatten Priorität vor allem anderen. Das Frühjahr – vielfältige Organisationsformen des Unterrichts erblühen und wöchentlich treiben neue
Blätter und Knospen aus Ein Bündel unterschiedlichster Ausprägungen reihte sich aneinander: Notbetreuung für die Stufen fünf bis sieben, Präsenz der gesamten Unterstufe in geteilten Gruppen, geteilte Klassen der Mittelstufe im Wechsel zwischen Präsenz- und Fernunterricht, Kursstufen eins und zwei präsent, jedoch möglichst nicht gemeinsam außer bei Klausuren, Abiturprüfung für „getestete“ und „nicht getestete“ Kandidaten in zwei Turnhallen. Ob zwischen der Heftigkeit dieser Wechsel und der heißen Phase des Wahlkampfs eine Korrelation bestand, soll hier nicht näher untersucht werden.
In diesem Jahr wurde dem Kant-Gymnasium das Oberrheinsiegel verliehen. Unstrittig ist, dass die Dynamik einer Pandemie von allen Betroffenen ein Höchstmaß an Flexibilität und Spontaneität erfordert. Unstrittig ist aber auch die Wirkung einer ausgeprägten Dynamik auf die Schulgemeinschaft. Die Abteilung Organisation sieht sich zunehmend in einen Zustand versetzt, der mit Schnappatmung vergleichbar ist. Dabei sind Stabilität und Verlässlichkeit in den administrativen Abläufen unverzichtbare Rahmenbedingungen für eine gedeihliche Arbeit an den Schulen, sonst droht Orientierungsverlust. Umso erfreulicher zu verzeichnen war, dass mit fort-
schreitender Jahreszeit, steigenden Temperaturen und sinkenden Inzidenzwerten wenigstens für den Rest des Schuljahrs ein Teil dieser unabdingbaren Kontinuität zurückgekehrt ist. Das Schuljahr 2020/21 – Zwischen Dienstleistung und Digitalisierung Corona hat für sämtliche Gruppen der Schulgemeinschaft ein Mehr an Belastung gebracht. Für die Eltern immensen Betreuungsaufwand und nötige Hilfestellungen für ihre Kinder. Für die Jugendlichen selbst ein Mehr an Auf-sich-selbst-gestelltsein und das bei eingeschränktem Aktionsradius. Für die Lehrkräfte ein Mehr durch neue Zuständigkeiten und Wandlungen im Berufsbild. Corona hat dabei für viele die Einstufung von Schule als Dienstleistungsbetrieb befördert. Die Testungen auf Corona sind ein deutliches Beispiel dafür. In der Außenwirkung taugt der Schülerausweis (noch) als Nachweis für eine wöchentliche Dreifach-Testung der Nicht-Geimpften oder Nicht-Genesenen. Die mit der Zugehörigkeit zur Schule bescheinigte Corona-Unbedenklichkeit ist aber kein Automatismus, sondern Resultat harter Arbeit. Der Status jedes Einzelnen ist dynamisch, die Erfassung damit kontinuierlich. Die Durchführung eines Tests erfordert eine halbe Unterrichtsstunde. Eine wichtige Schutzmaßnahme, aber eben auch kostbare Zeit, die an anderer Stelle fehlt. Diese schleichende Zunahme – die Überprüfung auf Masern-immunisierung als weiteres Beispiel – absorbiert personelle Ressourcen zulasten des originären Erziehungs- und Bildungsauftrags. Diesem Bildungsauftrag selbst wurde eine weitere Dimension hinzugefügt: die Digitalisierung der Schule. Digitalisierung umfasst dabei weit mehr als die Zuweisung von Geldmitteln für die Bereitstellung von Rechnern. Vom Auspacken des Pakets mit Laptop, PC oder Tablet bis hin zur pädagogisch sinnvollen und didaktisch effektiven Einbindung in Lern- und Lehrszenarien ist es ein weiter Weg. Eine große Etappe dieses Wegs wurde in diesem
Schuljahr am Kant-Gymnasium zurückgelegt: der Aufbau eines „Lern-Management-Systems“, der sogenannten „Lernplattform“ oder kurz „LP“, einer digitalen Kommunikationsbörse zwischen Lehrenden und Lernenden. Der Umgang damit fördert grundlegend die Kompetenz in der Handhabung elektronischer Medien. Aus den Anfängen zu Beginn des Schuljahrs verbirgt das Kürzel LP mittlerweile ein Alltagswerkzeug des Unterrichts in beiden Formen, in „Fern“ und „Präsenz“. Zu verdanken ist dies dem großen Engagement von Lehrkräften und deren Offenheit für dieses Medium. Die nächste und größte Etappe dieser Digitalisierung ist bereits eröffnet. Diese befasst sich mit den Änderungen von Didaktik und Methodik des Unterrichts durch den Einsatz digitaler Endgeräte, von fachspezifischer Software und des Internets. Corona hat damit eine Weiterentwicklung des Unterrichts geradezu zwangsweise befördert, die in den letzten Jahren zu wenig bedacht war. Das Schuljahr 2021/22 – Ein zuversichtlicher Blick nach vorne Trotz und auch mit Corona lebt Schule auch vom Miteinander außerhalb des Pflichtunterrichts und dem Erleben in der Gruppe. Unsere SMV hat geradezu rührend diesen Kern von Schule im Bewusstsein gehalten. Jährliche Projekttage sind ein Anliegen der SMV. Nachdem diese im letzten Schuljahr nicht stattfinden konnten, beantragte die SMV ein rasches Nachholen. Die Durchführung unmittelbar nach den Sommerferien hat sehr dazu beigetragen, das Wir-Gefühl in den Klassen nach den langen Unterbrechungen zu stärken und soziale Kompetenzen zu rehabilitieren. Diverse Aktionen jetzt in der Adventszeit zeugen von dem großen Interesse der Schülerinnen und Schüler an dem Miteinander in der Gemeinschaft. Im Blick nach vorne legt unser Schulträger den Kern der Schule im wahrsten Sinn des Wortes frei. Umfangreiche Sanierungen, Modernisierungen und Sicherheitsmaßnahmen führen im Alt-
bau bis zu einer Freilegung von Fassade und tragenden Teilen. Mit den Anstrengungen unterstreicht der Schulträger sein Anliegen, das Kant-Gymnasium auf der Höhe der Zeit zu halten. Aussicht Ein bewegtes Jahr neigt sich dem Ende entgegen, ein Jahr mit gewaltigen Herausforderungen. Es ist ein Moment gekommen, um innezuhalten. Gerade die Widrigkeiten gebieten es, sich auf den Kern von Schule zu besinnen. Schule gründet auf dem Miteinander von Menschen und dem Auftrag, eine umfassende Bildung zu vermitteln, aus dem Jugendliche einen eigenen Kompass für ihre Zukunft entwickeln können. Beides gehört in den Blick: sowohl das Aufgreifen von Impulsen der Erneuerung als auch die Bekräftigung von Bewährtem als Haltepunkte. Ich wünsche dem Kant-Gymnasium, dass diesem doppelten Auftrag viel Erfolg beschert ist und ihm dabei reiche Unterstützung zuteilwird.
Der Autor
Martin Haas Martin Haas ist im Schwarzwald in der Nähe von Schramberg aufgewachsen. In Freiburg hat er die Fächer Mathematik und Chemie studiert. Nach dem Studium trat er eine Assistentenstelle am Mathematischen Institut an und promovierte in Mathematik. Seine Laufbahn am Weiler Kant-Gymnasium begann im Jahr 2001, als er als neuer stellvertretender Leiter an die Schule kam. Zuvor hatte er am Hans-Thoma-Gymnasium in Lörrach unterrichtet. Im Jahr 2005 wurde er Rektor des KantGymnasiums. Ende des Schuljahrs 2021/2022 wird Martin Haas in den Ruhestand gehen.
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick 2021 – Weil am Rhein SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
Das erste Weiler Autokino lockte zahlreiche Besucher vor die aufblasbare Leinwand auf dem Parkplatz des Dreiländergartens.
Trotz Corona einiges auf die Beine gestellt
Foto: Saskia Scherer
Kultur | Ein ganz besonderes Jahr für den neuen Amtsleiter Peter Spörrer / Freischaffende trifft die Pandemie hart n
Von Peter Spörrer
Weil am Rhein. 2021 war für die meisten ein extrem herausforderndes Jahr. Der Lockdown zum Jahreswechsel, die große Hoffnung auf die Impfstoffe gegen die Pandemie, die leichte Entspannung im Sommer und dann der herbe Rückschlag nun zum Jahresende hin: Es war eine Achterbahnfahrt. Während einige wenige Branchen sogar von der Pandemie profitierten, gehörte der Kulturbereich zu den großen Verlierern. Doch innerhalb dieses Sektors gibt es Unterschiede. Für die Mitarbeitenden des Kulturamts bedeuten beispielsweise Hygienekonzepte und Zutrittskontrollen mehr Arbeit, und lang geplante Veranstaltungen absagen zu müssen, kann frustrierend sein. Wesentlich härter trifft es jedoch die vielen freischaffend Tätigen im Kulturbereich, seien es Musiker, Künstlerinnen oder Technikdienstleister, denen vielfach die Einkommensgrundlage entzogen wurde. Über finanzielle Hilfsprogramme konnte einiges aufgefangen werden, gegenüber der Situation vor der Pandemie hat sich die Lage für viele jedoch verschlechtert. Ganz abgesehen von einem Punkt, der auch die Kulturvereine von Weil am Rhein betrifft, nämlich das Hinarbeiten auf einen Auftritt oder eine Präsentation. Wer Kunst schafft, Musik macht oder Theater spielt, der will sich und das Erarbeitete in der Regel einem möglichst großen Publikum zeigen. Ohne den Auftrittstermin oder die Premiere fehlt einigen der Antrieb und es sinkt die Motivation, beispielsweise immer nur allein zu Hause auf dem eigenen Instrument zu üben.
schnitten ein großes Mosaik erstellt wird, aktuell wieder durch. Die Teilnahme ist für alle offen und kostenfrei. Kunst im öffentlichen Raum war im Frühjahr 2021 eine der wenigen Optionen, Präsenz-Kontakt mit Kultur zu haben. Daher haben wir auch im Mai die „Public Poster Gallery“ nach Weil geholt. Diese Wanderausstellung nachdenklicher, oft doppelbödiger Plakate, die sich inhaltlich um die Pandemie drehen, wurde an Bauzäunen auf dem Sparkassenplatz gezeigt.
Neue Ausstellungen in den Museen
Im Stapflehus, das wir gemeinsam mit dem Kunstverein Weil am Rhein bespielen, konnten in diesem Jahr mit einer rund einmonatigen pandemiebedingten Unterbrechung seit Mitte März mehrere Ausstellungen gezeigt werden, zum Beispiel die sehenswerte Schau „ich träume von innen und aussen“ der Künstler Christine Fausten und Takakazu Takeuchi, der hierfür extra aus Japan anreiste. Mitte Juni konnten wir im Museum am Lindenplatz die Ausstellung „Menschen im Museum“ eröffnen, die einen Blick vor und hinter die Kulissen wirft und an der sich mehr als 200 Kinder und Jugendliche mit nachgestellten Kunstwerken beteiligt haben (noch zu sehen bis 24. Juil 2022). Besonderer Dank gilt hier dem Museumskreis, der intensiv an der Vorbereitung der Ausstellung mitgewirkt hat. Ende November haben wir das 50-jährige Bestehen des Museums gefeiert, be-
dingt durch Corona leider in einem viel kleineren Rahmen, als es sonst der Fall gewesen wäre. Nachdem es 2020 komplett geschlossen bleiben musste, war die Wiederöffnung des Landwirtschaftsmuseums im Juni ein wichtiges Signal der Rückkehr zum regulären Betrieb. Ein Highlight für dieses Museum war die Erstellung eines Ausstellungskatalogs, in dem unter anderem die Objekte des Museums mit vielen hochwertigen Fotos dokumentiert werden. Der Katalog kann über die Buchhandlung Lindow in Alt-Weil bezogen werden. Im Museum Weiler Textilgeschichte haben wir Anfang November die neue Sonderausstellung „Kunstvoll verwoben“ eröffnet. Dort wird die Arbeit der Berufshandweberin Karola Kaufmann portraitiert (noch zu sehen bis 17. Juli 2022).
„Kunstbaustelle“ lockt Besucher
Eine einmalige Aktion im Kunstbereich haben wir Anfang Dezember veranstaltet. Der mit seinem Atelier im Kulturzentrum Kesselhaus beheimatete Künstler Patrick Luetzelschwab hatte die Idee, eine leerstehende ehemalige Fabrikhalle direkt neben dem Kulturzentrum mit einer Ausstellung zu bespielen. Am 5. Dezember haben dort Kunstschaffende sowie die Fotografische Gesellschaft Dreiland Werke an Wänden, Decke, Boden und Bauzäunen gezeigt. Mehrere hundert Besucher ließen sich davon nach Friedlingen locken. Wir haben die Aktion als Video dokumentiert, das
über www.weiler-kultur.de abrufbar ist. Das Internationale Bläserfestival und unser Kieswerk-Open-Air sind normaler Weise Highlights des Weiler Veranstaltungskalenders. Beide Events konnten wir auch 2021 nicht im üblichen Rahmen und Umfang durchführen. Stattdessen haben wir „corona-konforme“ Alternativen angeboten, die von vielen Gästen dankbar angenommen wurden.
Autokino und Parkdeck-Festival
So haben wir zum einen im August erstmalig ein zehntägiges Autokino auf dem Parkplatz des Dreiländergartens veranstaltet. Am meistbesuchten Abend ließen sich davon knapp 1000 Personen, verteilt auf zwei Vorstellungen, nach Otterbach locken. Als Alternative zum Internationalen Bläserfestival haben wir das Parkdeck-Festival entwickelt. Mitte September spielten an drei Tagen insgesamt sieben Ensembles bei freiem Eintritt auf dem Parkdeck 7 des Rhein-Centers. Thematisch standen auch hier Blasinstrumente im Vordergrund, die Bandbreite der Genres reichte von Klassik über Alphorn und mittelalterliche Musik bis hin zu deutsch-türkischer Blasmusik-Fusion und Hip-Hop. Auch Weiler Kulturvereine haben wir in diesem Jahr speziell gefördert, indem wir den Kulturring sowohl finanziell als auch organisatorisch unterstützt haben, Anfang Oktober im Läublinpark ein Konzert zu veranstalten, in dessen Rahmen unterschiedliche Musikformationen auf-
Möglichkeiten sinnvoll nutzen
Wir haben 2021 als Kulturamt versucht, die wenigen Möglichkeiten, die uns die Pandemie gelassen hat, sinnvoll zu nutzen. So haben wir beispielsweise zu Beginn des Jahres die Aktion „Zusammen 2021“ ermöglicht. Die Idee dazu stammt von Ania Dziezewska und Volker Scheurer vom Kunstraum Kieswerk. Aufgrund des großen Erfolgs führen wir dieses Public-Art-Projekt, bei dem aus vielen kleinen Scheren-
Im September fand das Parkdeck-Festival als Alternative zum Bläserfestival statt.
Foto: Fraune
getreten sind. Die Musikschule kann 2021 erneut Erfolge bei „Jugend musiziert“ vorweisen, so erspielte sich beispielsweise Emma Gadesmann (Fagott) einen zweiten Preis auf Bundesebene. Die Umstellung auf Online-Unterricht wurde von den Lehrenden und der Verwaltung ebenso gemeistert wie die Einführung eines neuen Musikschulverwaltungsprogramms, welches nun über eine App nicht nur den Online-Unterricht erleichtert, sondern auch die Unterrichtsplanung und die Kommunikation von Lernenden, Lehrenden und der Verwaltung vereinfacht.
Volkshochschule feiert „70-Jähriges“
Ein Höhepunkt der Volkshochschule war die Feier des 70-jährigen Bestehens der Einrichtung am 5. November im Haus der Volksbildung. Festredner Professor Klaus M. Leisinger referierte über die Ambivalenz der Technologie als Herausforderung. Zuvor war im Oktober das Diskussionsformat „Am Puls der Zeit“ mit dem Thema „Tempolimit“ wieder aufgenommen worden. Mit dem „reforum Binzen“ wurde eine Kooperation begonnen, deren Start eine gut besuchte Lesung des Autors Henning Beck unter dem Titel „Das neue Lernen heißt Verstehen“ war.
Stadtbibliothek fast fünf Monate zu
Die Stadtbibliothek musste aufgrund des Lockdowns in diesem Jahr fast fünf Monate geschlossen bleiben. Mit der Ausleihe von E-Medien, der sogenannten Onleihe, gab es trotzdem weiterhin zumindest digitalen Lesestoff. Zudem bietet die Bibliothek nach wie vor einen Bestellund Abholservice an. Seit dem Sommer hat die Stadtbibliothek eine neue Webseite, die mit vielen neuen Funktionen punktet. Zum Beispiel ist jetzt das Anlegen von Merklisten möglich und für viele Serviceangebote finden sich Online-Bestellformulare. Für mich als Kulturamtsleiter war es ein ganz besonderes Jahr und das nicht nur wegen der Pandemie. Zum 1. Februar habe ich das Amt offiziell von meinem Vorgänger Tonio Paßlick übernom-
men, nachdem er mich zuvor mehrere Monate eingearbeitet hatte. Dass wir trotz Corona dieses Jahr einiges auf die Beine stellen konnten, ist zuallererst meinem tollen Team und den Mitarbeitenden aller unserer Abteilungen sowie dem Rückhalt und der Unterstützung durch die Weiler Bürgermeister und die Kolleginnen und Kollegen im Rathaus sowie dem Gemeinderat geschuldet. Dafür herzlichen Dank! Es ist ein äußerst positives Zeichen, dass unser Etat für 2022 nicht gekürzt wurde. Ich sehe dies als Ansporn und gute Grundlage, im kommenden Jahr – hoffentlich mit einer baldigen Entspannung der Lage – weiter für ein abwechslungsreiches, anspruchsvolles und möglichst viele Menschen erreichendes Kulturprogramm zu arbeiten.
Der Autor
Peter Spörrer Seit Februar leitet Peter Spörrer das Kulturamt der Stadt Weil am Rhein, er ist der Nachfolger von Tonio Paßlick. Spörrer studierte Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste in Berlin. Seit 18 Jahren arbeitet er im und für den öffentlichen Dienst, hauptsächlich im Bereich des Kultur- und Bildungsmanagements. Bis Ende September 2020 leitete er in Berlin ein Kooperationsprojekt der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen und der Universität der Künste Berlin. Als Geschäftsführer des Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschulwettbewerbs hatte er die Gesamtverantwortung in administrativer, finanzieller und organisatorischer Hinsicht. Der gebürtige Schwarzwälder ist in Villingen-Schwenningen aufgewachsen.
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
n Splitter
Jahresrückblick 2021 – Weil am Rhein SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
2021
„Juno II“ öffnet seine Pforten Weil am Rhein (ilz). Nachdem im Oktober 2019 die Arbeiten begonnen hatten, konnte das Kinder- und Jugendzentrum „Juno II“ im Dezember des zu Ende gehenden Jahres fertiggestellt werden. In dem Gebäudekomplex, der sich entlang der Blauenstraße bis zur Ecke Tullastraße zieht, finden zudem die Kindertagesstätte „Hand in Hand“ sowie das Jugendzentrum „La Loona“ Platz. In direkter Nachbarschaft befinden sich zwei Sportplätze sowie die überdachte Freiluftsportanlage „McArena“. Aber auch am „Juno II“ stehen Freiflächen für die jungen Besucher zur Verfügung, auf denen sie sich austoben können. Eine offizielle Einweihnungsfeier hatte bislang aufgrund der Pandemie noch nicht stattfinden können. Sie soll nachgeholt werden, sobald es die Situation zulässt. Die Baukosten belaufen sich auf etwa 8,7 Millionen Euro. Insgesamt waren etwa 40 Firmen am Bau beteiligt.
In eine Richtung geöffnet Weil am Rhein-Haltingen (ilz). Zumindest eine Öffnung gab es an der Heldelinger Unterführung, wenn auch eine kleine: Im August wurde die Straße halbseitig im Einbahnverkehr geöffnet. Hierbei wurde die Fahrtrichtung von Haltingen West nach Haltingen Ost – also Richtung B 3 – freigegeben. In beide Richtungen konnte indes der Fußverkehr die Unterführung weiterhin nutzen. Im Vorfeld hatten zwei Optionen für die Straßensanierung zur Wahl gestanden. Zum einen wäre es möglich gewesen, die Unterführung für den Zeitrum der Arbeiten weiterhin komplett gesperrt zu halten, zum anderen zeichnete sich ab, dass eine halbseitige Öffnung der Straße möglich sei. Die Wahl fiel denn auch auf die zweite der beiden Möglichkeiten. Festgelegt wurde zudem, dass Rettungskräfte die Straße auch in die andere Richtung befahren können. Die Eröffnung der Unterführung soll 2022 erfolgen.
Umzug einige Monate später Rathauserweiterung | Verzögerungen beim Bau / Feierliche Grundsteinlegung n
Von Saskia Scherer
Weil am Rhein. Große Fortschritte sind beim Weiler Rathauserweiterungsbau zu sehen. Zum Ende des ersten Quartals des neuen Jahres soll das Gebäude bezogen werden – einige Monate später als ursprünglich geplant. Eigentlich sollten die Rathausmitarbeiter nämlich jetzt schon in ihren neuen Büros sitzen. Denn das ursprüngliche Ziel lautete, dass das Gebäude am 29. November 2021 fertig gebaut, eingerichtet und betriebsbereit übergeben werden kann. Doch Corona und Lieferengpässe hatten für Verzögerungen gesorgt. Besonders machten sich letztere bei Materialien zur Dämmung des Dachs und der Fassade sowie bei den metallenen Fassadenelementen bemerkbar. Zudem war die überhitzte Baukonjunktur spürbar – zum Teil waren Firmen überlastet oder es konnten Termine nicht eingehalten werden. Die Pandemie sorgte für personelle Ausfälle. Ende Oktober stand ein besonderer Tag an: Im Erweiterungsbau ist der symbolische Grundstein in Form einer Zeitkapsel gelegt worden. In diese platzierte Oberbürgermeister Wolfgang Dietz Erinnerungen für die Nachwelt:
Über den Dächern vom Weil: Gemeinderäte und Verwaltungsmitarbeiter beim Rundgang über die Baustelle des Rathauserweiterungsbaus. Foto: Saskia Scherer eine Baubeschreibung, eine Kopie der Beschlussvorlagen sowie Protokolle, einen Satz Euro-Münzen, einen Corona-Schnelltest, eine FFP2-Maske, Zeichnungen der Klasse 4a der Karl-Tschamber-Schule sowie je eine aktuelle Ausgabe der beiden Tageszeitungen. Der Grundstein wurde dann in eine Aussparung in der Wand eingefasst. Er wird unter griechischem Marmor verborgen – versehen mit der Jahreszahl 2020, dem Jahr des Spatenstichs. Bei einem anschließenden
Rundgang sahen sich Verwaltungsmitarbeiter und Gemeinderäte die neuen Räume, in denen der Innenausbau in vollem Gang ist, genauer an.
Umzug wird geplant Im Erweiterungsbau entstehen 69 Büros, drei neue Besprechungsräume inklusive Stabsraum, ein IT-Schulungsraum sowie ein Trauraum hoch über den Dächern von Weil am Rhein. Bis zu 80 Mitarbeiter sollen vom alten
Gebäude und Kosten weiter gewachsen Der neue Einkaufstempel „Dreiländergalerie“ nahm im Lauf der vergangenen zwölf Monate weitere Formen an. Die Rohbaumaßnahmen waren bereits im Spätsommer zum größten Teil abgeschlossen. Die Eröffnung ist im kommen-
den Jahr geplant. Im Jahresverlauf wuchs jedoch nicht nur das Gebäude stetig nach oben, sondern auch die Baukosten, die inzwischen die die 100-Millionen-Euro-Marke überschritten haben. Foto: wz
Land unter in Haltingen
Gefahrenstelle entschärft
Weil am Rhein-Haltingen (ilz). Bei einem Unwetter leifen in Haltingen im Sommer zahlreiche Keller voll. Auch Weil am Rhein, Friedlingen und Ötlingen waren betroffen, wobei es Haltingen aber am schlimmsten erwischte. Ein regelrechter Strom von Wasser und Geröll bahnte sich seinen Weg durch das Dorf. Vor allem die Feuerwehr war mit sämtlichen Abteilungen über Stunden gefordert. Die Abteilung Ötlingen musste sich hingegen um einen abgerutschten Hang kümmern, wovon die Verbindungstraße nach Lörrach betroffen war. Daneben packten aber auch viele Bürger fleißig mit an und hoben im knöcheltiefen, fließenden Wasser etwa die Schachtabdeckungen an, um einen schnelleren Abfluss des Wassers zu ermöglichen. Glücklicherweise wurde niemand verletzt.
Weil am Rhein-Märkt (ilz). Zahlreiche Bürger, die den Recyclinghof ansteuerten, mussten sich dieses Jahr an die neue Abbiegeregelung gewöhnen. Denn in das Gelände der Entsorgungseinrichtung darf von Märkt kommend nicht mehr nach links abgebogen werden. Hintergrund ist, dass auf diese Weise eine Gefahrenstelle – gerade auch in der Kurve – entschärft werden soll.
Ein Ort der Begegnung Der aufgewertete und erweiterte Rheinpark ist im Juni eröffnet worden – coronabedingt nur in einem kleinen, symbolischen Rahmen. Auch die Uferlinie wurde im Zuge des gemeinsamen Projekts mit dem Titel „Vis-à-vis“ der Städte Weil am Rhein und Huningue neu gestaltet, ein „Rheinbalkon“ ist entstanden. Es wächst nun auch Gemüse im Rheinpark, das beim Urban-Gardening-Projekt des Quartiersmanagements angebaut wird. sas/Foto: Ingmar Lorenz
in das neue Gebäude umziehen. Für die Planung des Umzugs wurde eigens eine Arbeitsgruppe gebildet. Wenn die Rathauserweiterung fertig ist, werden die Umbauarbeiten im Bestandsgebäude angegangen. Maßnahmen für den Brandschutz und die Digitalisierung stehen an. Im Untergeschoss werden außerdem Duschen und Umkleiden eingebaut. Aus dem Gemeinschaftsraum mit Küche wird das neue Archiv. Für die Fertigstellung wird Ende August anvisiert.
Neue Kunstwerke im Art-Dorf Weil am Rhein-Ötlingen (sas). Eigentlich findet alle zwei Jahre der „Tag der Kunst“ im Art-Dorf in Ötlingen statt. 2021 wäre es wieder soweit gewesen – doch die Veranstaltung, bei der stets auch Künstlern bei der Arbeit über die Schulter geschaut werden kann, fiel wie so vieles der Corona-Pandemie zum Opfer. Da an diesem Tag stets viele Besucher nach Ötlingen strömen, wären ein Hygienekonzept und die Einhaltung der Abstandsregeln nicht möglich gewesen. Außerdem konnte sich Art-Dorf-Initiator Gerhard Hanemann nur schwer vorstellen, einen „Tag der Kunst“ mit Maskenpflicht zu begehen. Dennoch hat sich etwas getan in der Freilichtgalerie: Anfang November fiel der Startschuss für einen Kunstwerke-Tausch, so wie er sonst eigentlich auch zum „Tag der Kunst“ üblich ist. Die Gruppe „Fotografie K6“ verlieh ihrem Ausstellungsort auf einer Freifläche an der Dorfstraße neuen Glanz. Vorher war dort eine dreiteilige Panorama-Aufnahme zu sehen, nun finden sich dort drei neue großformatige Fotos von Günter Schoch, Rolf Pessel und Hanspeter Weiß. Sie tragen den Titel „Wasserlinien“. Insgesamt sollen rund 30 Kunstwerke gewechselt werden, wie Hanemann angekündigt hat.
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick 2021 – Rund um Schopfheim SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
Modellgemeinde mit Zukunft Rückblick | Neuen Kindergarten eingeweiht / Heimbau macht Fortschritte n
Von Gerald Nill
Hausen. Das wichtigste Bauprojekt in Hausen konnte in diesem Jahr mit der Fertigstellung des neuen Kindergartens realisiert werden. Drei Millionen Euro wurden an der Wiese investiert, um vier Gruppen für über Dreijährige zuschauen. Außerdem wurden die Voraussetzungen für zwei Gruppen für unter Dreijährige geschaffen, von denen eine in Betrieb ist. Anfang Oktober ging die Einrichtung mit einem Tag der offen Tür in Betrieb. Bürgermeister Martin Bühler verweist auf die interkommunale Zusammenarbeit mit der Stadt Zell. Viel Geld floss auch in den Untergrund. Im Viertel Baldersau / Schulstraße wurden Wasser- und Abwasserleitungen erneuert und das Nahwärmenetz aufgebaut. Jetzt setzt die Hebel-Gemeinde einen Schwerpunkt beim Thema Verkehr. Unter Bürgerbeteiligung wurde ein Antrag auf Einrichtung einer Fahrradstraße von der Maibergstraße bis zum Dorfausgang gestellt. „900 Meter, auf denen Radfahrer Priorität haben, aber Autos auch fahren dürfen“, erläutert Bühler. Damit werde dem Bedarf des zunehmenden Zweiradverkehrs Rechnung getragen. Der Bürgermeister
möchte den Auftrag im nächsten Jahr an ein Planungsbüro vergeben und im Jahr darauf bauen. Es geht um ein 1,6 MillionenEuro-Projekt, das zu 90 Prozent vom Land gefördert wird. Eine geplante Verkehrsberuhigung soll bereits im nächsten Jahr umgesetzt werden. Seinem Frust freien Lauf lässt Martin Bühler bei der Abbiegesituation von der B 317 ins Dorf. Seit Jahren fordere er eine Linksabbiegespur, was machbar wäre, weil das Grundstück zwischen der Wiese und der Straße der Gemeinde gehört. Eine vergleichsweise kleine Maßnahme mit einer potenziell großen Entlastung. Aber auch der Vorschlag, die Ortsstraße zu verschwenken, bis zum Abzweig Raitbach zu führen und dort einen Kreisel anzulegen stoße auf taube Ohren, bedauert der Bürgermeister. Die Suppe löffeln die Pendler aus, die auf der Heimfahrt im Stau stehen. Erfreulich sei hingegen, dass Hausen in das Programm „Kinderbildungszentrum“ aufgenommen wurde. Hausen werde eine von 20 Modellgemeinden, die den Übergang vom Kindergarten in die Schule verbessern wollen. Eine Projektmanagerin habe in dem 316 000- Euro-Projekt bereits
ihre Arbeit aufgenommen. Hausen sei eine Gemeinde der kurzen Wege. So habe eine öffentlich-private Zusammenarbeit den unbürokratischen Aufbau eines Impfzentrums im Feuerwehrsaal ermöglicht. Eine Kooperation, von der viele Bürger - über die Gemeindegrenzen hinweg - profitieren. Der Baufortschritt beim Neubau eines Seniorenheims mit Tagespflege in Hausen geht zügig voran. Bei einem Baustellenrundgang überzeugte sich der Betriebsleiter des Eigenbetriebs Heime im Landkreis Lörrach, Reinhard Heichel, davon, dass der Rohbau so gut wie fertig ist. Es ist ein wuchtiger Baukörper, der in der Bündtefeldstraße, gleich hinter dem Kindergarten, entsteht. „Wir schaffen hier 60 Plätze für Heimbewohner“, erläutert Heichel. „Zusätzlich entstehen noch 15 Plätze in der Tagespflege, an fünf Tagen in der Woche.“ Der Neubau ist durch die aktuelle Landesheimbauverordung erforderlich geworden“, erklärt der Betriebsleiter. Großeinrichtungen mit 245 Plätzen wie in Wiechs sind nicht mehr erlaubt, das dortige Markus-Pflüger-Heim lässt sich aber nicht mehr zeitgemäß umbauen.
Bei einem Baustellenrundgang überzeugte sich der Betriebsleiter des Eigenbetriebs Heime im Landkreis Lörrach, Reinhard Heichel, davon, dass der Rohbau des Seniorenzentrums in Hausen so gut wie fertig ist. Foto: Gerald Nill
In zehn Monaten soll der Betrieb schließlich starten, und am Bau vergeht so eine Frist wie im Flug. Insgesamt rund 14,2 Millionen Euro investiert der Landkreis in Hausen, um das Seniorenheim an der Wiese zu errichten. Bereits im September 2022 sollen 60 Bewohner einziehen. Die besten Freunde haben oftmals vier Beine und eine Fellnase. Gerade ältere Menschen sind oftmals auf die Gesellschaft von Vierbeinern angewiesen, um der drohenden Einsamkeit zu entgehen. Viele alte Menschen scheuen aber, sich ein Tier zuzulegen aus Sorge, der Vierbeiner könnte bei Krankheit oder Tod unversorgt zurückbleiben. Aus dieser Erkenntnis heraus hat die Hausener Tierärztin Dagmar Engel jetzt den Verein Seniorenpfoten gegründet, um keinen Menschen alleine zu lassen. Die Berichterstattung über den neuen Verein Seniorenpfoten, der alten Menschen in der Region das Halten von eigenen Tieren ermöglichen will, hat bereits eine Riesenresonanz ausgelöst. Was Initiatorin Dagmar Engel aus Hausen besonders freut: „Viele meiner Kunden sind begeistert von der Sache und spenden Geld, damit ältere Menschen sich ein Tier, zum Beispiel aus dem Tierheim, zulegen können.“ Tiere seien im Alter oft die einzigen Lebewesen im Haushalt und von beinahe therapeutischen Wert. Poppig in leuchtendem Rot eingerüstet war dieses Jahr der Kirchturm der evangelischen Kirche. Vor allem Holzelemente an Dach, Schallläden und Fenstern, aber auch die nordseitige Fassade mussten saniert werden. Die Maßnahme hatte einen längeren Vorlauf. „Wir sind froh, dass die Arbeiten endlich durchgeführt wurden“, sagt Pfarrerin Ulrike Krumm. Wirklich dringend wurden die Arbeiten jetzt, weil Holzschindeln vom Dach fielen. Ende November konnte das Gerüst bei einsetzendem Schneefall abmontiert werden.
1200 Jahre besteht das Dorf am Fuße des Schwarzwalds. Auf Feierlichkeiten musste verzichtet werden. Bürgermeister Helmut Kima präsentiert das Buch mit der Chronik. Foto: Gerald Nill
Jubiläum ohne Fest Rückblick | Erdmannshöhle blieb zu Hasel (gni). Wenn man in Hasel das Jahr Revue passieren lässt, wird schnell klar, dass es kaum einen Bereich gibt, der nicht unter der Pandemie gelitten hätte. Allen voran das Jubiläum zum 1200-jährigen Bestehen der Gemeinde, das ohne Feste und Feiern auskommen musste. Bürgermeister Helmut Kima drückt es drastisch aus: „Praktisch das gesamte Dorfleben kam im zweiten Jahr zum Erliegen.“ Kima sorgt sich nun insbesondere um die Zukunft der Vereine. Komplett ohne Öffnungen musste im zweiten Jahr die beliebte Erdmannshöhle auskommen. In früheren Zeiten zog die Höhle rund 20 000 Besucher pro Jahr an, war fast schon ein kleiner Wirtschaftsbetrieb. Jetzt springen die Saisonarbeitskräfte ab.
Automatisierung des Höhlenzutritts Die Gemeinde musste sich etwas einfallen lassen und setzt jetzt auf Automatisierung. Für 50 000 Euro ist der Auftrag an eine Fachfirma vergeben worden, die die Erdmannshöhle weitgehend ohne Personal betreiben lässt - von der Einlasskontrolle bis hin zum Ampelbetrieb an den Engstellen im Schlund, die nur ein Besucher passieren kann, während der Entgegenkommenden warten muss. Von der automatischen Beleuchtung bis hin zu Infotafeln wird die Höhle umgerüstet. Der Naturpark Südschwarzwald fördert die Maßnahme mit 60 Prozent. Die bitterste Absage war aber in diesem Jahr die Streichung der Aktivitäten rund um die 1200-Jahrfeier. „Wir hatten einen großen historischen Markt in der Dorfmitte geplant“, blickt Bürgermeister Kima wehmütig zurück, denn das Ereignis musste annulliert werden. Einzig ein Ausstellungswochende im Bürgerzentrum konnte stattfinden. Auf 15 Stellwänden wurden historische Aufnahmen aus Hasel gezeigt. Die Veranstaltung war gut besucht, aber kein Vergleich zu den 40 bis 50 Veranstaltungen, die bei einem früheren Jubiläum 2005 stattfanden. Eine Dokumentation in Buchform bleibt wenigstens als unvergängliches Werk erhalten, erschaffen von ehrenamtlichen Stützen aus dem Dorf. Kein Oldtimertreffen, kein
Dorfhock und keine Grillfeste - praktisch das gesamte dorfgesellschaftliche Leben fiel 2021 aus. „Das ist eine extrem schwierige Situation für die Vereine“, sagt Bürgermeister Kima. Wie wichtig die Vereine seien, habe man beim Zulauf des Fußballvereins gesehen, als die Kinder und Jugendlichen nach dem Lockdown auf den Sportplatz strömten. Extrem kontrovers diskutiert wird das Thema Reaktivierung der alten Wehratalbahn, deren Betrieb in den 1970er Jahren eingestellt worden war. Zweifel meldet auch der Bürgermeister an. Er sei grundsätzlich für einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Aber diese Bahn, „am tiefsten Punkt der Gemarkung und weit entfernt vom Ort“ sei doch schwer erreichbar. Wenn man darauf abziele, dass vor allem ältere Menschen ihren Führerschein abgeben und umsteigen sollen, dann sei der Weg für diese Klientel, womöglich noch bepackt mit Einkaufstaschen, schlicht nicht zumutbar, findet Kima. Und: Busse würden ja weiterhin fahren müssen, um die Schüler an ihre Ziele zu bringen. Schließlich müsse man auch den finanziellen Aspekt sehen.
Wehratalbahn schwer zu realisieren Eine Reaktivierung der Strecke von Wehr nach Schopfheim und des langen Fahrnauer Tunnels mit zeitgemäßer Sicherheitsausstattung sei vielleicht für rund 150 Millionen Euro machbar. Selbst wenn das Land davon 80 Prozent übernehme, sei die „finanz- und strukturschwache Gemeinde Hasel nicht mal in der Lage, 500 000 Euro zu übernehmen, das würde uns überfordern“, sagt Kima, der sich an der aktuell laufenden Studie noch beteiligt hat. Sein salomonisches Fazit: „Wir torpedieren das Projekt nicht.“ So ist die größte Baustelle in Hasel die Breitbandverkabelung, die nun auch im zweiten Jahr läuft. Die Hauptleitung liegt im Boden, jetzt werden die Hausanschlüsse verlegt. Und wo die Stromleitungen noch über Dachständer verlaufen, werden diese Kabel vom Energiedienst gleich mit unter die Erde verfrachtet. Bilanz: Das 1201. Jahr kann in Hasel eigentlich nur besser werden.
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick 2021 – Rund um Schopfheim SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
Erdrutsche, Erdkabel und eine Vision
Rückblick | Im Kleinen Wiesental geht es 2021 hoch her / Entwicklung nimmt mit Hilfe etlicher Projekte an Fahrt auf n
Von Gerald Nill
Kleines Wiesental. Das Jahr fing turbulent an im Kleinen Wiesental. Zunächst führte ergiebiger Schneefall Ende Januar zu Schneebruch, infolgedessen einige Straßen zeitweilig gesperrt werden mussten. Dann folgte Tauwetter, was in Kombination mit Schneeschmelze zu Hochwasser führte. Die Streichmühle in Wieslet glich einem Wasserschlösschen, schrieb die Presse. Dann folgten auch noch Erdrutsche und Schlammlawinen, die die Talstraße unter anderem vor Wieslet bei der alten Fabrik blockierten. Für die fleißigen Hände von Bauhof, Feuerwehr und Forst gab es reichlich aufzuräumen. Zu Schaden kam bei diesen Naturereignissen niemand. Fest im Griff hielt Corona besonders das Vereinsleben. Die Vorstände praktisch aller Vereine entschieden, von geplanten Festen und Feiern auch 2021 abzusehen, um kein Risiko einzugehen. Die Geselligkeit, Tradition und Brauchtum, die gerade im Kleinen Wiesental groß geschrieben werden, blieben weitgehend auf der Strecke. Einige wenige kulturelle Akzente konnten gesetzt werden, angefangen bei einem gut besuchten Konzert der Dorfrocker in Niedertegernau bis hin zu den überschaubaren Tanztheaterveranstaltungen im Kulturraum Rosenhof in Schwand. Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelten umfangreich nach einer Anzeige der Initiative Vernunftskraft Schwarzwald gegen die Verursacher von illegalen Bau-
schuttablagerungen im Wald. Nicht weniger als 19 verschiedene Stellen und Wege wurden den Ermittlern genannt, an oder auf denen das Material aus dem Straßenabbruch abgelagert oder verbaut worden ist. In fünf der 19 Fälle sah die Staatsanwaltschaft den Anfangsverdacht einer Umweltstraftat für gegeben und leitete fünf Ermittlungsverfahren ein. Bei diesen fünf Ermittlungsverfahren handelt es sich zum einen um vier Fälle der ungenehmigten Lagerung des Straßenabbruchs in den Ortschaften Wies, Neuenweg, Tegernau und Malsburg-Marzell. In dem fünften Fall, in dem die Staatsanwaltschaft den Anfangsverdacht einer Straftat bejaht hat, handelt es sich um die Befestigung eines Holzlagerplatzes mit Aushubmaterial in Neuenweg, Obere Belchenhöfe. Diese Stelle liegt im Naturschutzgebiet Belchen. Anschließend wollte die Initiative, die vor allem als Windkraftgegnerin auftritt, auch noch gegen den Verein Erneuerbare Energien Kleines Wiesental schweres Geschütz auffahren und zeigte eine ehrenamtliche Pflanzaktion der Windkraftbefürworter mit Libanon-Zedern bei der Polizei an. Dann stellte sich aber heraus, das Pflanzgebiet am Fuße des Belchen liegt überhaupt nicht im Naturschutzgebiet und ist deshalb vollkommen rechtens. Aber das Tal bleibt offenbar weiter zerrissen, wie dieser Fall zeigt. Auf der Anfahrt zu einem schweren Verkehrsunfall am Hau verunglückte ein Fahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr. Nun ist es definitiv
Das gab’s auch im Kleinen Wiesental, einfach entspannen wie hier bei der Sonnenliege bei Hohneck.
Turbulenter Jahresauftakt im Kleinen Wiesental: Schneebruch, Dauerregen und Schneeschmelze führen zu Hochwasser. Am 29. Januar hat eine von mehreren Muren auf Höhe der alten Fabrik in Wieslet die Straße nach Tegernau verschüttet. Fotos: Gerald Nill klar: der Feuerwehr Kleines Wiesental fehlen gleich zwei Fahrzeuge. Somit steht in der Wache Tegernau nur noch ein Unimog zur Verfügung. Bürgermeister Gerd Schönbett schlug vor, dass ein Feuerwehrfahrzeug „so schnell wie möglich „ gebraucht und unter anderem mit Hilfe des Versicherungsbetrages beschafft werden solle, um die eine Lücke zu schließen. Bei der anderen Lücke braucht die Gemeinde einen langen Atem. Sie will ein Löschfahrzeug neu mit Hilfe des Ausgleichsstocks beschaffen. Einen langen Atem benötigt die Gemeinde auch bei den Großprojekten. Der Gemeinderat hat beschlossen, ein Betreuungsangebot für alte Menschen zu schaffen und das Evangelische Sozialwerk Wiesental als erste Wahl auf dem Weg zur Realisierung auserkoren. Als möglicher Ort ist Wieslet im Gespräch. Das Seniorenheim, wie es sich das ESW vorstellt, basiert auf drei oder vier Säulen, der Tagespflege, einer Begegnungsstätte und dem ambulant betreuten Wohnen in einer Wohngemeinschaft, eventuell ergänzt durch einen Stützpunkt für ambulante Pflege im Tal.
Das Evangelische Sozialwerk bevorzugt einen barrierefreien Flachbau und hatte die kostenfreie Überlassung eines Grundstücks zur Bedingung gemacht. Falls der Gemeinderat grünes Licht gebe, könne bereits im nächsten Jahr mit einer Bauplanung und dem Finanzierungskonzept begonnen werden. 2023 und 2024 wären im günstigsten Fall die Bauphase mit Eröffnung. Bürgermeister Gerd Schönbett sprach von einem „ambitionierten Projekt“, das den gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung trage. Hoffnungsvolle Ansätze scheint es bei der Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs zu geben. Die Seniorenbeauftragte Melanie Mühlhäuser freute sich bei der Vorstellung des elektrischen Bürgerbusses über einen „Baustein, der einen Verbleib in den eigenen vier Wänden im Kleinen Wiesental noch länger möglich macht.“ Oft seien die letzten zwei bis vier Kilometer bis zur nächsten Haltestelle die entscheidenden Hindernisse auf dem Weg zur Fahrt ohne eigenes Auto. Der Bus soll per Ruf also künftig zum Beispiel die Strecke von Demberg nach Wies oder von Elbenschwand nach Holl rollen.
Vier Jahre lang war Neuenweg eine Großbaustelle. Praktisch alles, was an Leitungen unter der Erde liegt, wurde in einem Kraftakt erneuert: Eine Gesamtinvestition von rund fünf Millionen Euro! Das feierte die Gemeinde im Herbst mit den Anwohnern bei einem Tag der OffenenTür am Weideschuppen. Bauleiter Harald Lais: „Jetzt hat Neuenweg eine Top-Infrastruktur“. Denn neben den neuen Wasserleitungen sind in Neuenweg in den vier Jahren auch noch 8900 Meter Kabel für die Breitbandversorgung verlegt worden, zudem 650 Meter Kabel für neue Straßenlaternen, außerdem 6700 Meter Erdkabel für die Stromversorgung sowie schließlich noch 2100 Meter Leitungen für die Nahwärmeversorgung. „Das addiert sich zu einer kaum vorstellbaren Gesamtlänge von 26 400 Metern, die in Neuenweg in die Erde kamen.“ Aber es gibt keinen Stillstand bei der Bautätigkeit. Gleich zweimal lud der Zweckverband zu Spatenstichen für einen Ausbau des Breitbandkabels, um das schnelle Internet ins Kleine Wiesental zu bringen Im März rollten die Bagger in Tegernau an: dort
werden aktuell 16 Kilometer Kabel in den Boden gebracht, um 160 Haushalte ans Netz anzuschließen. Kostenaufwand: Drei Millionen Euro. Im November wurde eine zweite Baustelle in Bürchau eingerichtet. 9000 Meter Gräben müssen dort gezogen werden, um das Glasfaserkabel in die Erde zu bringen und dereinst das schnelle Internet möglich zu machen. Außerdem werden 5000 Meter für den sogenannten Backbone-Strang verlegt, das ist die Hauptleitung. Hinzu kommen 4000 Meter Hausanschlüsse. 90 Haushalte gilt es in Bürchau zu versorgen. Die Kosten für diesen Abschnitt in Bürchau beziffert der Bauleiter auf 1,5 Millionen Euro. Ortsvorsteherin Katharina Matzken wirkt erleichtert: „Wir sind froh, dass das Kabel endlich kommt.“ Es ist beschlossene Sache, dass auf den Ausflugsparkplätzen im Kleinen Wiesental künftig eine Parkgebühr erhoben werden soll. Gerd Schönbett versichert, die Gemeinde bleibe bei der Realisierung des Vorhabens am Ball. Die Gemeinde will durch die Parkraumbewirtschaftung im Grünen die Einnahmeseite der defizitären Kassenlage verbessern. Die Ampel steht auf Grün für den geplanten Radweg auf dem 3,5 Kilometer langen Abschnitt zwischen Wieslet und Tegernau. Bürgermeister Schönbett berichtete dem Gemeinderat, dass das Land komplett die Baukosten inklusive des Grunderwerbs und nun auch die Hälfte der Planungskosten übernimmt. Das 1,55-Millionen-Euro-Projekt soll in zwei Jahren realisiert werden. Als Vorgabe für die Planung ist wesentlich, dass grundsätzlich dem Verlauf der Landstraße oder dem Verlauf der Kleinen Wiese gefolgt werden soll. Das Kleine Wiesental blickt in die Zukunft, will wachsen und verabschiedete einstimmig ein Entwicklungskonzept mit dem markigen Titel „Vision 3000“. Bis zum Jahr 2035 soll die Bevölkerungszahl von aktuell 2850 auf 3000 gesteigert werden.
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick 2021 – Steinen/Maulburg SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
Personalien bestimmen den Jahresreigen Rückblick Steinen | Corona-Pandemie und Unwetter stellen Gemeinde vor besondere Herausforderungen n
Von Harald Pflüger
Steinen. Die Corona-Pandemie und die Unwetter, die das Wiesental heimsuchten, stellten die Bewohner im zu Ende gehenden Jahr vor besondere Herausforderungen. Januar Wie ein roter Faden zog sich die Corona-Pandemie durch den Jahreslauf. Nach einem coronabedingt ruhigen Jahreswechsel und einem Sommer mit relativer Normalität stiegen die Fallzahlen gegen Jahresende wieder an. Erneut mussten gegen Jahresende wieder Events abgesagt werden. Im Januar wurde auch bekannt, dass in den beiden von der Mühlehof gGmbH betriebenen Senioreneinrichtungen in Steinen (Mühlehof) und Schopfheim (Seniorenhaus) bis dahin 14 Personen am Coronavirus gestorben waren. Zu einem Wintereinbruch, wie es ihn in der Gemeinde Steinen schon viele Jahre nicht mehr gab, kam es Mitte Januar. Aufgrund umgestürzter Bäume mussten auf Steinener Gemarkung Straßen gesperrt werden. Weil ein Bagger bei Grabarbeiten im Teichweg in Höllstein eine Gasleitung beschädigte, kam es zu einem Großaufgebot an Rettungskräften. Vorsorglich wurden 30 Bewohner aus drei umliegenden Häusern evakuiert. Februar Im Steinener Gemeinderat schlugen Stadtplaner eine Brücke zur Überquerung der Bundesstraße 317 vor. Eine so genannte Passarelle könnte künftig Steinen und Höllstein verbinden. Der Leiter des evangelischen Fröbelkindergartens, Thomas Seubert, ging Ende Monat in Ruhestand. Nachfolger wurde Björn Bauer. März 7515 Stimmbürger waren am 14. März in Steinen dazu aufgerufen, über die Zusammensetzung des Landtags von Baden-Württemberg abzustimmen. Von ihrem demokratischen Recht machten 4714 Wähler Gebrauch, was einer Wahlbeteiligung von 63,57 Prozent entspricht. Von den 4656 gültigen Stimmen entfielen 1617 (34,73 Prozent) auf Josha Frey (Grüne), 1046 (22,47 Prozent) auf Christof Nitz (CDU), 463 (9,94 Prozent) auf Dubravko Mandic (AfD), 578 (12,41 Prozent) auf Jonas Hoffmann (SPD), 435 (9,34 Prozent) auf Felix Düster (FDP). April Das Seniorenzentrum Mühlehof öffnete nach
einem Rechtsstreit von bundesweiter Bedeutung unter großem Medieninteresse seine Gastronomie für geimpfte Bewohner. In Höllstein wurde eine Querungshilfe auf der B 317 offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Auf der Landesstraße 136 zwischen Wieslet und Weitenau kam es zu einem schweren Verkehrsunfall, bei dem ein 19-jähriger Kraftradfahrer sein Leben verlor. In Hüsingen fand der Spatenstich für die Erweiterung und Sanierung der Kindertagesstätte statt. Bei der konstituierenden Sitzung des Zweckverbands Musikschule Mittleres Wiesental wurde Steinens Bürgermeister Gunther Braun zum Vorsitzenden gewählt. Sein Stellvertreter ist Schopfheims Bürgermeister Dirk Harscher. Mai Unter Coronabedingungen öffnete der Vogelpark Steinen seine Saison, später folg-
Spatenstich für das Nahwärmenetz in Höllstein. außer Frage. Der Gemeinderat hat sich für die Sanierung des Steinener Freibads ausgesprochen. Ein Förderverein soll dem Steinener Schwimmbad künftig mit Geld und Ideen unter die Arme greifen.
Hagelschaden am Schulzentrum Steinen. te das Bauernhausmuseum Schneiderhof in Kirchhausen. Rund eine Million Euro hat die Sparkasse in ihr neues Domizil am Cornimont-Platz in Steinen investiert und damit ein klares Bekenntnis zum Standort Steinen abgegeben. Juni Unter Corona-Bedingungen öffnete der neue Betreiber, die Bäder Competence GmbH, in Steinen die Badesaison. Allerdings zog das Anfang Juni kühle Wetter nur wenige Besucher an. Für zusätzliche Kritik sorgte, dass die Eintrittskarten bei einer online-Buchung nur über einen Bezahldienst bezahlt werden können. Auch das Wetter gab Anlass zur Kritik, was dazu führte, dass nach Saisonende nur knapp 20 000 Besucher gezählt wurden. Badbetreiber und Gemeinde trennten sich. Dass beim Freibad Handlungsbedarf besteht, steht im Gemeinderat
Spatenstich für den Hüsinger Kindergarten. Foto: Vera Winter
Foto: Petra Martin
Ein Unwetter richtete in Steinen hohen Schaden an. Die Feuerwehr hatte Einsätze beim Schulzentrum, beim Fröbelkindergarten und in Weitenau, nachdem sich sintflutartiger Regen mit Hagel über die Gemeinde ergossen hatte. Juli Die Gemeinde Steinen beteiligte sich an der Aktion „Stadtradeln“. Dabei legten die Steinener Teilnehmer in drei Wochen knapp 38 000 Kilometer zurück. Dauerregen hatte in Steinen Spuren hinterlassen. In Schlächtenhaus konzentrierten sich die Einsätze auf den Bereich Kreuzung Austraße und Hofener Straße, in Endenburg musste Hangwasser, das eine Zimmerei bedrohte, umgeleitet werden, in Steinen musste die Feuerwehr wegen Wasser in der Hutmatt ausrücke. In Hägelberg brach oberhalb des Ziegelackers die Hauptwasserleitung, mit der Folge, dass Hägelberg zeitweise ohne Wasser war. Und im Bereich des Klosters Weitenau blockierte ein Erdrutsch die L 135. Drei Arbeiten von Thomas Raschendorfer wurden vom Landesinnungsverband Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk Baden-Württemberg beim Gestaltungswettbewerb Grabzeichen ausgezeichnet. Nach 30 Jahren als Rektor der Nachbarschaftsgrundschule Weitenau-Wieslet wurde Joachim Veit in den Ruhestand verabschiedet. Wechsel am Steinener Ratstisch: Einstimmig hatte sich der Gemeinderat für Kai
Bornschein als Nachrücker von Karlheinz Götz (SPD) ausgesprochen. August Pfarrer Ingo Meißner trat am 1. August in der Petrusgemeinde Steinen seinen Probedienst an. Unter Corona-Auflagen konnte nach einem Unterbruch das Spieldorf am Höllbach in Schlächtenhaus wieder öffnen. Da sich immer nur 50 Kinder auf einmal auf dem Gelände aufhalten durften, war die Gemeinde Steinen als Veranstalter gezwungen, die Gesamtgruppe zu teilen. September Die christliche Botschaft kindgerecht verpackt, das bot die AB-Gemeinde bei ihrem Kinderferienclub, einem der größten Kinderferienprogramme im Landkreis Lörrach. Im Alter von 91 Jahren starb Pfarrer im Ruhestand Klaus Steyer. 32 Jahre lang betreute Steyer als Seelsorger das Kirchspiel Weitenau, Schlächtenhaus und Endenburg. Bei der Generalversammlung der AWO Steinen sprach sich die Mehrheit der Teilnehmer für eine Fusion mit dem Ortsverband Maulburg aus. Der VdK-Ortsverband Weitenau kündigte bei der Generalversammlung die Auflösung an. Bei der Bundestagswahl verlor die CDU in Steinen 13,6 Prozentpunkte und erzielte 21,5 Prozent der gültigen Zweitstimmen. Die SPD erreichte 24,8 Prozent und gewann 7,4 Prozentpunkte. Die AfD kam auf 10,3 Prozent und verlor 2 Prozentpunkte. Die FDP gewann 4,1 Prozentpunkte und kam auf 14,3 Prozent. Die Linke er-
Foto: Hans-Jürgen Hege reichte 2,8 Prozent (-2,8 Prozentpunkte). Die Grünen erzielten 16,9 Prozent und gewannen leicht (+2,6 Prozentpunkte). Oktober Neuer Name, neue Besitzer, neuer Look: In Steinen eröffnet auf einem Areal in Ortsrandlage, auf dem bisher der „Go Club“ regelmäßig für Party gesorgt hat, für Nachtschwärmer das Maze. Peter Schwarz wurde neu-
ginn für das Nahwärmenetz, das auch die Breitbandversorgung beinhaltet. Der Ortschaftsrat Hägelberg hält an der Tradition fest, dass das Glöckli auf dem Kindergartengebäude auch weiterhin nachts läuten soll. November Der Frauenverein Schlächtenhaus-Hofen feierte seinen 50. Geburtstag unter Corona-Bedingungen mit rund 100 Gästen.
Wiedereröffnung der Cafeteria im Mühlehof. Foto: Gerald Nill er Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde Steinen-Lörrach. Am 31. Oktober fand in der Christuskirche der Einführungsgottesdienst statt. Nach dem Wunsch des Gemeinderats soll auf einem großen Teil der Ortsdurchfahrt Steinen in Zukunft Tempo 30 gelten. Dieser Wunsch wurde in Hüsingen bereits Realität. Eine Baustelle, dreifacher Netzausbau – einen Moment mit Seltenheitswert feierten die Elektrizitätswerke Schönau, der Eigenbetrieb Breitbandversorgung des Landkreises und ED Netze mit dem symbolischen Baube-
Die AB-Gemeinde erwarb von der Kommune ein Grundstück auf dem Weberei-Areal. Dort sollen eine fünfgruppige Kindertagesstätte und ein Begegnungszentrum für 250 Personen entstehen. Dezember In Steinen wurde der Förderverein für das Schwimmbad ins Leben gerufen. Vorsitzender des neuen Vereins wurde Patrick Byrne. Der Verein zur Erhaltung des Schneiderhofs in Kirchhausen erhielt 17 000 Euro vom Bund für die Sanierung der westlichen Dachseite des Bauernhausmuseums.
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick 2021 – Steinen/Maulburg SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
TV und TikTok bringen Maulburger groß raus Jahresrückblick Maulburg | Gemeinderäte der BVM lösen sich von der politischen Gruppierung n
Von Harald Pflüger
Maulburg. Die Corona-Pandemie und die Unwetter, die das Wiesental heimsuchten, stellten die Bewohner der Gemeinden Steinen und Maulburg im zu Ende gehenden Jahr vor besondere Herausforderungen. Und da waren noch die Landtags- und die Bundestagswahl. Bei ersterer blieb es beim Status Quo, der grün-schwarzen Regierung, bei zweiter zeichnet sich ein Wechsel ab. Januar Coronabedingt verlief der Jahreswechsel 2020/2021 anders als gewohnt. Eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 20 und 5 Uhr, Kontaktbeschränkungen und ein Böllerverbot im öffentlichen Raum sorgten dafür, dass das neue Jahr ruhiger angegangen wurde. Party machen durfte hingegen Andres Mühlhans. Der Maulburger Hobby-Schotte und Dudelsackspieler war in der Sendung „Schlager-Spaß mit Andy Borg“ zu sehen, die am 23. Januar im SWR-Fernsehen gezeigt wurde. Gerne Party gemacht, aber es nicht gedurft so wie gewollt, hätte die Narrenzunft Maulburg. Coronabedingt
Waldkindergarten. geschehen in Maulburg beobachtet. Die Wiese hatte dort größere Teile der Böschung weggerissen. Sorge machte man sich zudem um die Statik der erst kürzlich neu installierten Wiesebrücke.
Die Gemeinderäte der BVM lösen sich von der Vereinigung. Foto: Christoph Schennen mussten die Fasnächtler kürzer treten. Nichtsdestotrotz wurde ein Motto kreiert. „Mit Abstand zum Stillstand“ lautete es und wurde verkündet, als der Narrenbaum aufgestellt wurde. Keinen Stillstand gab es auch in der Gemeinderatsarbeit. Das Gremium hatte beschlossen, den Waldkindergarten um eine weitere VÖ-Gruppe mit 20 Kindern zu erweitern. Weniger erfreulich war, dass Schneeschmelze und lang anhaltende Regenfälle die Pegel von Bächen und Flüssen haben ansteigen und über die Ufer treten lassen. Mit Argusaugen wurde das Hochwasser-
Februar Stühlerücken im Maulburger Ratsrund hieß es im Februar. Eva Krumm, ein Urgestein der Bürgervereinigung Maulburg (BVM), legte ihr Mandat nieder. Nachfolger wurde Alexander Speck. Dass die BVM im späteren Verlauf des Jahres noch von sich reden machen würde, war da noch nicht bekannt.
Fontänenfeld. Foto: H. Pflüger
Hangrutsch am Scheinberg.
März Zum ersten Mal in diesem Jahr wurden die 2990 Stimmbürger im März an die Wahlurnen gerufen, als es galt, über die Zusammensetzung des künftigen Landtags abzustimmen. Von ihrem Stimm-
Foto: Christoph Schennen recht machten 1778 Personen Gebrauch, was einer Wahlbeteiligung von 59,56 Prozent entspricht. Bei der Landtagswahl 2016 lag die Wahlbeteiligung bei 63,6 Prozent. Von den 1757 gültig abgegebenen Stimmen entfielen 35,23 Prozent auf Josha Frey (Grüne), 21,46 Prozent auf Christof Nitz (CDU), 8,71 Prozent auf Dubravko Mandic (AfD), 13,38 Prozent auf Jonas Hoffmann (SPD) und 7,97 Prozent auf Felix Düster (FDP). Zum Vergleich: 2016 kamen die Grünen auf 34,5 Prozent der gültig abgegebenen Stimmen, die CDU auf 22,6 Prozent, die SPD auf 17,7 Prozent, die AfD auf 13,1 Prozent und die FDP auf 6 Prozent. April Noch einen Wechsel gab es im Maulburger Gemeinderat. Dort rückte Christian Henning für Matthias Lang (CDU) nach. Lang musste sein Mandat wegen Wegzug aus der Gemeinde niederlegen. Apropos Gemeinderat: Es rumorte bei der Bürgervereinigung Maulburg (BVM). Nicht nur, dass die Vorstandsspitze ihren Rücktritt verkündet hatte, auch die drei aktuellen Gemeinderäte der BVM wollten künftig nicht mehr unter dem Banner der Gruppierung am Ratstisch Platz nehmen. Sie sprachen von unüberbrückbaren Differenzen. Die Loslösung von der BVM begründete Gemeinderätin Stephanie Scarr mit unüberbrückbaren Differenzen und grundlegend unterschiedlichen Denkansätzen und Herangehensweisen mit einigen Gremiumsmitgliedern der
Foto: Harald Pflüger
BVM. Endress+Hauser hatte in Maulburg ein Testzentrum eingerichtet, in dem sich Mitarbeiter einmal wöchentlich freiwillig auf das Coronavirus testen lassen konnten. Mai Gut für die Umwelt: Die Gemeinde Maulburg nahm ein Elektrofahrzeug als neuen Dienstwagen in Betrieb. In erster Linie dient das Auto dem Essenstransport von der Schulmensa zum Steegmattkindergarten. Apropos Kindergarten: Die Kinder des Natur- und Waldkindergartens waren in Maulburg in ihren Bauwagen eingezogen. In Maulburg baute Endress+Hauser zusammen mit der Faller GmbH ein eigenes Impfzentrum auf. Auch bei der Firma Busch gab es Impfaktionen für die Mitarbeiter. Die Vertreterversammlung stimmte einer Verschmelzung der VR-Bank mit der Volksbank Dreiländereck zu. Juni Die Grundherausforderung bei der Gestaltung des Rathausplatzes war, eine große Zahl von Funktionen auf kleiner Fläche unterzubringen. Zwischen Rathaus und Frischemarkt „Hug“ wurden beidseits einer Fahrgasse Parkplätze angelegt. Die Zufahrt erfolgt allein über die Hermann-Burte-Straße. Die Zufahrt vom Lettenweg her, so wie vor der Neugestaltung des Rathausplatzes, ist nicht mehr möglich. Das i-Tüpfelchen bei der Neugestaltung des Rathausplatzes ist ein Fontänenfeld. Juli Der Dauerregen der vergangenen Tage hatte in Maulburg Spuren hinterlassen. In Maulburg schwoll nicht nur der Pegel der Wiese an. Am Scheinberg geriet Erdreich in Bewegung und rutschte in die Wiese. Wegen einer ganz anderen Sache waren die Einsatzkräfte im Juli ein weiteres Mal gefordert: Mit einem starken Aufgebot machte die Polizei einer Rave-Party in einem Waldgebiet bei Maulburg ein Ende. In Maulburg hatte der Gemeinderat den Auftrag für die Erstellung eines neuen Corporate Designs an eine Firma aus Dunningen vergeben. August
Die Sitzung am 30. August war eine der kürzesten in der jüngsten Geschichte des Maulburger Gemeinderats. Weil das Gremium nicht beschlussfähig war, musste die Sitzung um eine Woche verschoben werden. Ich bin ein Star, ich komm` groß raus: Der 19-jährige Tobias alias tobi.you aus Maulburg produziert als Influencer Video-Clips und hat auf TikTok 2,3 Millionen Follower. September Bei der Bundestagswahl verlor die CDU in Maulburg stark (-12,4 Prozentpunkte) und kam auf 18,9 Prozent der gültigen Zweitstimmen. Die SPD erreichte 27,0 Prozent und gewann 5,2 Prozentpunkte. Die AfD erzielte 9,6 Prozent und verlor leicht (-1,5 Prozentpunkte). Die FDP gewann 4,3 Prozentpunkte und kam in Maulburg auf 14,4 Prozent. Die Linke erreichte 2,9 Prozent (-2,1 Prozentpunkte). Die Grünen erzielen 17 Prozent und legten gegenüber der letzten Bundestagswahl 1,5 Prozentpunkte zu. Darauf haben alle Schwimmer gewartet: Unter der 3G-Regel öffnete in Maulburg am 13. September das Hallenbad. Oktober Endress+Hauser weihte in Maulburg sein neues Produk-
tions- und Bürogebäude mit Parkhaus offiziell ein. Das Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren rund 46 Millionen Euro in die Erweiterung des Standorts Maulburg investiert. November Einrichten Schweigert eröffnete nach eineinhalbjähri-
Elektrofahrzeug.
Foto: zVg
gem Umbau in Maulburg den „In Puncto-Store“. Die Maulburger AWO stimmte Fusionsgesprächen mit der AWO Steinen zu. Dezember Die Gemeinde Maulburg und das Evangelische Sozialwerk Wiesental hatten eine Absichtserklärung für den Bau und Betrieb eines Seniorenzentrums in der Köchlinstraße unterschrieben.
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick 2021 - Rheinfelden SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
Damit Werte nicht nur ein Wort sind
„Teelädeli“-Abriss sorgt für Diskussionen
Rheinfelden (mv). Solidarität, Toleranz, Respekt, Verantwortung Meinungsfreiheit und Offenheit sind den Bürgerinnen und Bürgern von Rheinfelden besonders wichtig. Diese sechs zentralen Werte wurden in Rheinfelden am meisten genannt, als in diesem und dem Jahr zuvor ein breiter gesamtgesellschaftlicher Diskurs zum Thema „Werte“ angeregt wurde. Mit dem sogenannten Werte-Jahr wollte man der Frage nachgehen, welche Werte eigentlich eine Gesellschaft tragen und welche Werte auch für das Miteinander einer Stadtgesellschaft wichtig sind. Daneben ging es aber auch um die entscheidende Frage, ob auch die Corona-Pandemie das Verständnis der Menschen in Bezug auf Werte gewandelt hat.
In einer Stadt wie Rheinfelden, die historisch bedingt kaum alte Bausubstanz hat, ist man bei Abbruchplänen besonders sensibel
Folgeprojekt ist bereits aufgegleist
Den Fragen nachgegangen wurde im Rahmen von Fotoaktionen, Filmprojekten, Gottesdiensten, der Kulturküche sowie über Fortbildungen zu Hasskriminalität bis hin zu Einkaufshilfen oder Maskennähen. Obwohl das Werte-Jahr offiziell im Sommer zu Ende gegangen ist, wird man sich auch künftig mit dem Thema beschäftigen, etwa im Rahmen des Folgeprojekts „Demokratische Verantwortung stärken“ sowie der Weiterführung von Projekten aus dem Werte-Jahr.
Wo einst das Teelädeli und sein Nachbargebäude standen, klafft nun eine Lücke. n
Von Heinz Vollmar
Rheinfelden. Der Abriss des „Teelädeli“ und seines Nachbargebäudes an der Karl-Fürstenberg-Straße hat in diesem Jahr für erheblichen Diskussionsstoff in Rheinfelden gesorgt. Nicht nur bei den Bürgern, sondern auch in den politischen Gremien. Fest steht, dass die Top Invest GmbH an gleicher Stelle
ein Wohn- und Geschäftshaus errichten will. Um den Wunsch der Bauherrschaft erfüllen zu können, musste eigens der Bebauungsplan „Stadtgebiet-Teilbereich IV“ geändert werden. Umstritten war das Projekt allein deshalb, weil befürchtet wurde, dass nach dem Abriss der bisherigen Gebäude die Fußgängerzone durch den Neubau an dieser Stelle ihren Charme verlieren
könnte. Kontrovers diskutiert wurde der Wunsch der Top Invest GmbH so auch im Gemeinderat, während der Investor auf den „desolaten Zustand“ der Gebäude verwies. Ein wichtiges Thema in Bezug auf den Abriss der alten Häuser und den geplanten Neubau war das Stichwort Denkmalschutz. Hintergrund war, dass vom Bebauungsplan „Stadtgebiet Teilbereich IV“, der seit 1967 in
Foto: Heinz Vollmar Kraft ist, auch die nicht denkmalgeschützten „Steffen-Häuser“ am Oberrheinplatz erfasst werden. Aufgrund der für die Neubaupläne nötigen Änderung des Bebauungsplans hatte der Gemeinderat Bedenken, dass gegebenenfalls auch die „Steffen-Häuser“ eines Tages abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden könnten. Diese Sorgen gehören mitt-
lerweile jedoch der Vergangenheit an, und so klaffen aktuell zwei große Baulücken anstelle der bereits abgerissenen Häuser an der Karl-Fürstenberg-Straße. Bauen kann die Top Invest GmbH derzeit aber noch nicht, denn nach Auskunft der Baurechtsbehörde sind noch einige formale Dinge zu klären, bevor eine entsprechende Genehmigung erteilt werden kann.
Früher einfach ungenutzt verpufft, heute sinnvoll eingesetzt Klimaschutz | Überschüssige Abwärme von Evonik wird in großes Nahwärmenetz eingespeist / Vorzeigeprojekt in Rheinfelden Rheinfelden (mv). Als Vorzeigeprojekt muss in Rheinfelden das Nahwärmenetz bezeichnet werden, das seit Januar dieses Jahres Prozesswärme der Firma Evonik in das Nahwärmenetz Grendelmatt einspeist. Für die Umsetzung verantwortlich ist die Energiedienst AG, die nicht nutzbare Wärme aus einer der Produktionsstätten der Evonik mit einer Temperatur von rund 95 Grad Celsius abnimmt, um sie über ein neues Nahwärmenetz in Häuser und Wohnungen in Rheinfelden zu liefern. Aus der überschüssigen Wärme gewinnen Dampfturbinen wieder Strom. Im Sommer, wenn der Bedarf für Heizen und Warmwasser sinkt, kommen die Kühler zum Einsatz. Sie
saugen Umluft an, um die Restwärme abzukühlen. Rund 13 000 Tonnen Kohlendioxid lassen sich dadurch jährlich einsparen. Mehrere tausend Haushalte können mit der Abwärme heizen und Wasser erwärmen. Um die Wärme vom Evonik-Gelände zur Energiezentrale nahe dem Umspannwerk von Energiedienst zu transportieren, verlegte das Unternehmen eine rund 900 Meter lange Fernwärmeleitung, teils oberirdisch über Rohrbrücken, teils im Boden.
Klimaziele voranbringen
Wie Energiedienst mitteilt, bringe das Projekt auch die Stadt ihren Klimazielen näher. Man habe daher bereits einen weiteren Nahwärmenetzausbau avisiert und auch
Die Energiezentrale nahe dem Umspannwerk steht an der Schildgasse. Foto: Heinz Vollmar
mit den Stadtwerken verhandelt. Unter anderem sei der Zusammenschluss mit dem Netz der Stadtwerke bereits für das kommende Frühjahr fest eingeplant. Dadurch
könne die industrielle Abwärme über 40 Gigawattstunden Gas verdrängen. Zudem werde aus der überschüssigen Wärme vor allem im Sommer Strom für das Bü-
rogebäude und den Elektrofuhrpark von Energiedienst erzeugt. Dies erfolgt über eine ORC-Anlage (Organic Rankine Cycle). Sie wandelt überschüssige Wärme in
einem Kreisprozess in Strom um. Die Abwärme wird vom Verdampfer in die Anlage übertragen. Der entstehende Dampf treibt eine Turbine mit Generator an, kondensiert anschließend und wird mit einer Pumpe wieder zum Verdampfer gefördert. Bis zu 250 Kilowatt elektrischer Leistung können so erzeugt werden. Dank der ORC-Anlage und der integrierten Kühlprozesse ist auch im Sommer die Wärmeabnahme garantiert, wie Energiedienst-Sprecher Alexander Lennemann bekräftigt. Das Projekt hat im November den Energy Efficiency Award der deutschen Energieagentur (dena) in der Kategorie „Think Big. Komplexe Energiewendeprojekte“ gewonnen.
Wortgewandt, engagiert und hartnäckig Abschied | SPD-Urgestein Alfred Winkler hat die politische Bühne verlassen
Im Ortschaftsrat Herten wurde Alfred Winkler (rechts) von Ortsvorsteher Frank-Michael Littwin verabschiedet. Foto: Vollmar
Rheinfelden (mv). Im Februar dieses Jahres ist das Rheinfelder Urgestein der SPD, Alfred Winkler, aus dem Gemeinderat ausgeschieden. Winkler gehörte dem Gremium seit 1989 an. Von 1980 bis 2012 war er darüber hinaus Ortschaftsrat, davon 13 Jahre lang Ortsvorsteher Hertens, des größten Stadtteils von Rheinfelden. Dem Kreistag gehörte der Sozialdemokrat von 1994 bis 2004 an. Von 2002 bis 2014 wirkte
er außerdem als Landtagsabgeordneter von Baden-Württemberg.
„Politisches Unikum“
Bei seiner Verabschiedung dankte die Fraktionsvorsitzende der SPD, Karin Paulsen-Zenke, dem scheidenden SPD-Politiker für seine über Jahrzehnte geleistete Arbeit und nannte ihn „wortgewandt und hartnäckig bis zum Schluss“. In der Fraktion werde er sehr fehlen, so
die Fraktionsvorsitzende der SPD im Gemeinderat von Rheinfelden. Als „politisches Unikum“ mit einer enormen Wirkungsbreite bezeichnete Oberbürgermeister Klaus Eberhardt seinen Parteigenossen. Er sagte damals, dass Alfred Winkler, der seit 1979 Mitglied der SPD ist, durch seinen Charakter, seine Beiträge, seine Art des Diskurses und seine Eigenart aus „Alfred Winkler“ eine Marke ge-
formt habe. Dazu gehöre auch das Pfeifenrauchen, das, geschickt inszeniert, manchmal wichtiger gewesen sei als die „spannenden Debatten am Ratsrund.“ Winkler habe mithin als Kommunalpolitiker herausragende, auch streitbare Arbeit geleistet, bilanzierte der Oberbürgermeister. Im Ortschaftsrat Herten wurde Alfred Winkler von Ortsvorsteher Frank-Michael Littwin verabschiedet.
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick 2021 - Grenzach-Wyhlen / Rheinfelden SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
Autobahn führt jetzt bis Minseln Rheinfelden. Die größte Verkehrsinfrastrukturmaßnahme in der Region ist erst vor wenigen Tagen vollendet worden: die Freigabe eines weiteren, 2,8 Kilometer langen Autobahnabschnitts auf dem Dinkelberg. Sozusagen das Herz des neuen Teilstücks ist der 480 Meter lange Herrschaftsbucktunnel. Die Gesamtkosten des Abschnitts A 98.4 liegen bei 110 Millionen Euro. Seit Sommer 2017 wurde an der knapp 500 Meter langen Röhre unter dem Herrschaftsbuck gearbeitet. Das Jahr 2019 – damals anvisiertes Datum der Freigabe – konnte jedoch nicht gehalten werden. Zuletzt brachten Lieferengpässe bei der Tunneltechnik den Zeitplan ins Wanken. Der Abschnitt A 98.4 bringt der Stadt Rheinfelden eine Verkehrsentlastung, nicht aber dem Ortsteil Minseln, wo die Trasse auf unbestimmte Zeit enden wird. Für den fünften Abschnitt – von Minseln/Karsau in Richtung Schwörstadt – müssen einige Gutachten aktualisiert werden.
Ehrungsreigen für Heinz Intveen: Seit 50 Jahren im Gemeinderat von Grenzach-Wyhlen So ein Jubiläum gibt es höchst selten: Heinz Intveen blickte auf 50 Jahre Tätigkeit als Gemeinderat in der SPD-Fraktion in Grenzach-Wyhlen zurück. Genauso lange ist er auch Mitglied der sozialdemokratischen Partei. So gut die Pandemie es zuließ, wurde dieser Anlass im Frühsommer gefeiert. Bürgermeister Tobias Benz (CDU) holte den Jubilar mit einer Rikscha daheim ab
und fuhr ihn damit ins Haus der Begegnung. Im besten Sinn des Wortes: Der rote Heinz wurde vom schwarzen Benz chauffiert. Intveen, der von der Aktion nichts gewusst hatte, genoss die Fahrt in der mit Blumen und Luftballons geschmückten Rikscha von Wyhlen entlang der B 34 nach Grenzach. Die Überraschung war gelungen. Alle hatten dichtgehalten. Selbst die Rik-
scha-Übungsfahrt des Bürgermeisters im Emilienpark, die Intveen rein zufällig beobachtet hatte, hatte seinen Argwohn nicht wecken können. Eine der Höhepunkte der Veranstaltung: Der Jubilar wurde mit der Goldenen Ehrennadel der SPD ausgezeichnet. Ortsvereinsvorsitzender Marius Kipfmüller heftete sie ihm ans Revers. Vor ziemlich genau einem Monat dann erhielt
Intveen das Verdienstabzeichen des Städtetags Baden-Württemberg in Gold mit Brillant. Als Mitglied des Kreistags, im Regionalverband und in der Städtepartnerschaft – Heinz Intveen hat viele Spuren hinterlassen mit Wort und Tat. Hier sei beispielhaft die Unterstützung des Kinderheims in der Schwesterstadt Sacueni genannt. mh/rom/Foto: Manfred Herbertz
Auch 2021 ist ein „Jahr des Bauens“
Baustellen | In Grenzach-Wyhlen gehörten Bagger, Sperrungen, Ampeln und Umleitungen zum Alltag
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Von Rolf Reißmann
Grenzach-Wyhlen. Viele Einwohner der Doppelgemeinde werden 2021 wohl als „Jahr des Bauens“ in Erinnerung behalten. Gewiss, notwendig waren alle Baustellen, aber manche eben auch nervig. Am ärgsten betroffen waren die Nutzer der Bundesstraße 34 an der Hebelschule in Wyhlen. Viele Wochen lang gab es dort per Ampel geregelten, einspurigen Verkehr. Grund für die tiefe Aufgrabung war der notwendige Austausch des Hauptsammlers. Dann wanderten die Bauarbeiten in die Eisenbahnstraße. Etliche andere Abschnitte an der Bundesstraße und in den Nebenstraßen waren ebenfalls von Behinderungen betroffen, auch wegen der Verlegung der Breitbandkabel.
Erschließung von Kapellenbach-Ost
Auf dem großen Areal des künftigen Wohngebietes Kapellenbach-Ost begann die Erschließung. Mit Aufmerksamkeit verfolgten die Einwohner die Grabungsarbeiten im Sinne des Denkmalschutzes, schließlich ist dies historisches Gelände und der Boden überdeckt immer noch so manche archäologische Kostbarkeit. Etliches wurde auch gefunden, unter
anderem die Reste eines römischen Brunnens.
Kreiselbau am Gmeiniweg
Im Zuge dieser Erschließung wurde der Radweg vom Kreisverkehr bis zum Sernussweg neu gebaut, und, wie zugesagt, noch vor Jahresende wieder eröffnet. Eine Baustelle begleitet Einwohner und Durchfahrende aber bis ins neue Jahr hinein. Das ist jene für den künftigen Kreisverkehr, der den Gmeiniweg an die jetzige Bundesstraße anbinden wird. So dürfen alle Autofahrer ganz beruhigt auf kommende Behinderungen blicken.
Bahnhof Wyhlen modernisiert
Beendet wurde im Frühjahr die Modernisierung am Bahnhaltepunkt Wyhlen. Das modernisierte Gebäude bietet nun wieder dem beliebten Kiosk eine feste Unterkunft, und die Toiletten wurden zeitgemäß ausgestattet.
Wälder leiden
Revierförster Markus Dischinger spazierte im Spätsommer mit interessierten Einwohnern durch den Gemeindewald. Anschaulich erklärte er, wie die vergangenen trockenen Jahre dem Wald zusetzten. Selbst die einst als robust geltenden Bu-
chen nahmen dabei Schaden, weil der Grundwasserspiegel sehr weit abgesunken ist. Die wenigen Fichten, die es noch gab, „erledigte“ zum größten Teil der Borkenkäfer.
Gericht segnet Pläne der BASF zur Keßlergrube ab
Während der Aushub der Keßlergrube auf dem Roche-Areal weiterlief, wurde wegen der vorgesehenen Umspundung der Altlast auf dem BASF-Teil nochmals prozessiert. Der BUND zog wegen der Genehmigung zur Umspundung vor Gericht. Mitte Juli erörterte der Verwaltungsgerichtshof Mannheim erneut den Sachstand mit den Beteiligten. Wenige Wochen später folgte die Bestätigung, dass der Entscheid des Landratsamtes korrekt war, welches die Pläne der BASF genehmigt hatte.
Kein Andrang im Freibad
Corona beeinflusste auch in diesem Jahr den Betrieb des Freibades. Schutzvorschriften gab es, nur diesmal war das Wetter eben nicht sehr sommerlich, so dass ohnehin kein Massenandrang im Bad zu erwarten war.
Hörspaziergang
Da stattdessen das Spazierengehen hoch im Kurs stand, ließen sich die Volkshochschule und der Verein für Heimatgeschichte etwas Besonderes einfallen. Sie gestalteten gemeinsam einen Hörspaziergang durch die beiden Ortsteile. An mittlerweile 14 Ruhebänken können über das Smartphone jeweils eine kleine Geschichte zur Historie der jeweiligen Örtlichkeit und Fotos aus alter Zeit abgerufen werden.
Schäden nach Starkregen am 16. Juli Für den neuen Kreisverkehr, der die heutige B 34 und den Gmeiniweg verbinden wird, ist zumindest schon die erste Rechtsabbiegespur angelegt. Foto: Rolf Reißmann
Weniger gemütlich ging es am 16. Juli zu. Da schwemmte wieder einmal nach einem Starkregen von den Hängen
Mitte Mai war der offizielle Spatenstich für das Neubaugebiet Kapellenbach-Ost mit Frank Lorkowski (KE), Sabine Schneider und Markus Ludwig (beide Bauamt), Bürgermeister Tobias Benz, Ralph Kutsche (Rapp-Regioplan) und André Vögt von der Firma Schleith (von links). Foto: Heinz Vollmar strömendes Wasser Schlamm und Holz in den Ort. Vor allem die Rührbergstraße und der Leuengraben waren diesmal betroffen, so dass es sowohl auf der Bundesstraße 34 in Wyhlen als auch auf der Straße zwischen Wyhlen und Herten zu etlichen Behinderungen kam. Einmal mehr mühten sich Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr und andere Helfer darum, weitere Schäden zu vermeiden und möglichst bald die gesperrten Straßen wieder zu beräumen.
Sparkasse weicht Neubau
Verschwunden ist die Wyhlener Sparkasse. Nach ihrem Abriss im Sommer wird bereits am neuen Gebäude gearbeitet.
Bürgerverein gegründet
Angesichts der Diskussion um die Gestattung der Ortsmitte Wyhlen suchten Einwohner nach weiteren Formen zur aktiven Mitgestaltung in der Gemeinde und gründeten im Oktober einen Bürgerverein. Hintergrund war der anstehende Verkauf
der Wyhlener Klostermühle.
Kultur leidet unter Corona
Leider wirkte sich in diesem Jahr erneut die auf- und abschwellende Coronawelle nachteilig aus. So blieb die Römervilla geschlossen, das Konzertleben erreichte bei weitem nicht die sonst übliche Intensität, auch fielen etliche Feste ins Wasser.
Fasnacht fällt flach
Zwar stand ein Narrenbaum in der Grenzacher Ortsmitte, doch vieles andere, was zur fünften Jahreszeit gehört, fand nicht statt. Zum Beispiel die gern gesehenen Zunftabende. Erfreulicherweise konnte in der zweiten Jahreshälfte das Konzertleben wieder aufleben, auch wenn es bei weitem nicht die Vielzahl früherer Jahre erreichte. Im August lud die Seniorenbeauftragte der Gemeinde zu einem öffentlichen zugängigen Seniorennachmittag in die Kirche St. Georg ein. Dort spielte die Alphorngruppe aus Herten. Die fünf Spieler gestalteten einen bunten Melodiebogen.
Anfang Oktober war Grenzach-Wyhlen wieder Austragungsort des Abschlusskonzertes im Markgräfler Musikherbst. Diesmal gastierte das Minguet-Quartett, dazu bereicherte die aus Weil stammende Cellistin Isabel Gehweiler das Quartett. Schließlich lud Anfang November nach langer Pause erstmals wieder die evangelische Kantorei in die Grenzacher Kirche ein. Unter ihrem neuen Dirigenten Henry van Engen interpretierten die Sängerinnen und Sänger Choräle und Kantaten von der Reformationszeit bis zur Wiener Klassik.
Pfarrer Uwe Schrempp verabschiedete sich
Einen Abschied gab es, nach gut 14 Jahren Tätigkeit im Ort verließ Pfarrer Uwe Schrempp die katholische Seelsorgeeinheit. In der Schweizer Nachbargemeinde Bettingen wurde im November eine neue Kirche geweiht, Glückwünsche überbrachte auch der evangelische Kirchengemeinderat Grenzach.
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick 2021 - Inzlingen / Schwörstadt SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
Merklin-Orgel ist „nationales Kulturgut“
Im Schneckentempo Durch Schwörstadt fließt so viel Verkehr wie immer, aber dafür langsamer als bisher
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Von Rolf Reißmann
Schwörstadt. Eine Goldene Hochzeit zweier Orte – die gab es dieses Jahr. Denn vor 50 Jahren kamen Schwörstadt und Dossenbach zu einer Gemeinde zusammen. Inzwischen möchten wohl beide nicht mehr voneinander lassen.
Bildungszentrum entsteht
Ist eine Preziose: die Merklin-Orgel in Dossenbachs Kirche. Foto: Rolf Reißmann
Wie eng der obere und der untere Ortsteil zusammen hängen, zeigt sich einmal mehr bei der Kinderbetreuung. Innerhalb von etwa zwei Jahren wurden in der Schule am Heidenstein neue Räume für den kommunalen Kindergarten ausgebaut; in der Zwischenzeit bot die Ortsverwaltung Dossenbach den Mädchen und Jungen ein Übergangsquartier in ihren Räumen.
Gleich zu Beginn des neuen Jahres werden die Kinder in die neue Tagesstätte einziehen. In ein großes Förderprogramm nahm das Land in diesem Jahr die Schule am Heidenstein auf. Sie wird zu einem Kinderbildungszentrum ausgebaut, zusammen mit nur 18 weiteren in ganz Baden-Württemberg. Etliche Partner aus dem Ort und der Umgebung erklärten sich für die inhaltliche Unterstützung bereit.
brachte der Gemeinderat in der letzten Sitzung des Jahres auf den Weg. Das ist die Umgestaltung des Ortszentrums in Schwörstadt. Dazu gab es – so gut es eben unter Corona-Bedingungen möglich war – auch den Gedankenaustausch mit den Einwohnern. Immerhin darf die Gemeinde für die Ortskernsanierung 700 000 Euro Fördergeld erwarten.
Wohngebiet am Rhein und umgestaltetes Ortszentrum
Mehrfach diskutierte der Rat über die erforderliche Vergabe der Betriebsführung der Wasserversorgung an ein Fachunternehmen. Bisher erledigte das derBauhof, doch da dessen langjähriger Leiter Werner Berger in den Ruhestand ging, musste eine neue Lösung geschaffen werden. Nach komplizierter Diskus-
Auf den Weg gebracht wurden die Vorbereitungen für das neue Wohngebiet am Rhein. Letzte Differenzen zum Grundstückserwerb wurden ausgeglichen, nun kann der eigentliche Bebauungsplan erarbeitet werden. Ein anderes Bauprojekt
Neue Betriebsführung der Wasserversorgung
Foto: Rolf Reißmann
Schwörstadt-Dossenbach (rr). Sehr erfreulich für die Gemeinde Schwörstadt ist die Anerkennung der 160 Jahre alten Merklin-Orgel in der Dossenbacher Pelagiuskirche als „Kulturgut von nationaler Bedeutung“. Einer der größeren Posten im Gemeindehaushalt sind 50 000 Euro für die Sanierung der Orgel. Durch Anerkennung als nationales Kulturgut sind 40 000 Euro Fördermittel abrufbar. Eine weitere Förderung ist vom Land zu erwarten. Damit kann mit der dringend notwendigen Generalreparatur des Instruments begonnen werden. Der Eigenanteil der Gemeinde Schwörstadt wird in zwei Jahren insgesamt 100 000 Euro betragen, da die Orgel nicht der evangelischen Kirche, sondern der Kommune gehört. Dennoch reichen diese Mittel noch nicht aus, so dass weitere Spender zu suchen sind. Von dieser Orgel in der Dossenbacher Kirche wird wohl noch zu hören sein, denn sie ist ein ganz besonderes Instrument. Als erste vom Freiburger Meister Fridolin Merklin gebaute verfügt sie über eine „Wiener Flöte“, ein Register, das es in Europa nur achtmal gibt.
sion konnte sich der Gemeinderat dazu entschließen, die Betriebsführung für zunächst zwei Jahre zu vergeben.
für eventuell sehr lange Wasserzuführungen deutlich besser ausgerüstet.
Tempo 30 auf der B 34
Mit viel Aufwand konnte das Freibad am Rhein noch einmal geöffnet werden. Der technische Zustand der Anlage ist allerdings kritisch, sodass eine teure Instandsetzung unumgänglich wird. Für den kommenden Mai sieht die Verwaltung deswegen eine Einwohnerversammlung vor.
2021 war das erste volle Jahr, in dem auf der Bundesstraße 34 durch Schwörstadt nur noch mit 30 Kilometern pro Stunde gefahren werden durfte. Gleichwohl ist die Verkehrsbelastung damit insgesamt nicht zurückgegangen. Es rollt noch immer die gleiche Blechlawine durchs Dorf. Nur eben deutlich langsamer.
Neuer Gerätewagen
Die Feuerwehr konnte im Sommer endlich den lange benötigten neuen Gerätewagen in Betrieb nehmen. Damit ist sie nun auch für die Bekämpfung von Notfällen mit Schadstoffaustritten und
Sorgenkind Freibad
Kultur so gut es geht
Nach vielen Einschränkungen wegen der Coronasituation luden die Musikvereine Schwörstadt und Dossenbach zu Konzerten im Freien ein. Viele Einwohner nutzten gerne diese Gelegenheiten zur gemeinsamen Unterhaltung.
Ein Dorf will noch lebens- und liebenswerter werden Inzlingen | Verkehrskonzept auf den Weg gebracht / SVI will neue Halle am alten Standort bauen / Gleich zweimal Starkregen n
Von Rolf Reißmann
Inzlingen. Feuer und Wasser bleiben wohl von diesem Jahr in der Gemeinde am stärksten in Erinnerung. Nachdem bereits Anfang 2020 die Halle des Sportvereins nahe der Schlossstraße abgebrannt war, stand in diesem Jahr über viele Wochen der geplante Neubau im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Denn der SVI benötigt wieder eine Unterkunft zum Sporttreiben und für die Geselligkeit.
SVI-Mitglieder votieren für Neubau am alten Standort
Um die möglichen Versicherungsleistungen vollständig zu erhalten, muss innerhalb von drei Jahren nach dem Schadenstag ein Neubau beschlossen und gesichert sein. Nach Klärung der grundsätzlichen Frage, dass die Halle wieder aufgebaut werden soll, ging es nun um die Örtlichkeit. Die Gemeinde hatte dem Verein in diesem Jahr die Möglichkeit angeboten, im Rahmen eines Erbbaurechts nahe der Erstelhalle einen Neubau zu errichten. Andererseits besteht auch die Variante, auf dem vereinseigenen Gelände am alten Standort im „Horland“ eine neue Halle aufzubauen. In einer
außerordentlichen Versammlung sprach sich die Mehrheit der Vereinsmitglieder für diese Lösung aus. Nun laufen die erforderlichen Verfahren, um alle weiteren Aspekte für einen Neubau zu prüfen.
tige Wohngebiet Neumatt. Eine der wichtigsten Entscheidungen für bessere Wohnbedingungen war auch die Bestätigung des neuen Verkehrskonzeptes für die Riehenstraße. Dabei geht es vor allem um Erleichterungen für Fußgänger und Radfahrer. So soll bergwärts ein Radschutzstreifen angelegt werden. Außerdem ist die Umgestaltung der Bushaltestellen vorgesehen, damit sie barrierefrei begehbar sind.
Starkregenfälle sorgen erneut für Schäden
Gleich zweimal floss in diesem Jahr zu viel Wasser durch den Ort. Mitte und Ende Juli fiel Starkregen, beide Male gab es kräftige Überschwemmungen. Neben schweren Ausschwemmungen an mehreren Straßen, wie dem Talweg, wurde auch die Minigolfanlage erheblich beschädigt. Ein Jugendlicher im Talweg war sogar durch den Sog des Wassers in Lebensgefahr geraten. Mit am meisten betroffen, wie schon so oft, war die Unterführung an der Schlossstraße.
Feuerwehr arbeitet enger mit Lörrach zusammen
Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr waren wieder maßgeblich an der Schadensbeseitigung beteiligt. Für sie gab es eine sehr erfreuliche Anerkennung im September, als die Badische Versicherung den Inzlinger Blauröcken einen Preis für hervorragende Jugendarbeit überreichte. Sehr nützlich sein
Wasserversorgung bietet auch Überraschungen
Nach einem starken Unwetter Mitte Juli wurde unter anderem der Talweg erneut zum reißenden Strom. Foto: Heinz Vollmar wird auch eine neue Vereinbarung der Feuerwehren Lörrach und Inzlingen. Die weitaus größere Mannschaft aus der Nachbarstadt soll helfen, die Tagesalarmsicherheit im Waieland zu erhöhen.
Schäden von Starkregen
Die Überschwemmungen im Sommer waren auch Grund dafür, dass sich im Herbst
der Gemeinderat mit einem Konzept für Hochwasserschutz befasste. Die Idee: bei Starkniederschlägen möglichst viel Wasser noch vor den Siedlungsbereichen zurück zu halten und dann dosiert abzulassen. Dafür sollen in den kommenden Jahren mehrere kleine Rückhalteflächen an den Waldrändern oberhalb der Ortslage entste-
hen. Auch werden die Grundstücksbesitzer ermutigt, durch eigenständige bauliche Veränderungen den Zufluss an die Gebäude zu verringern. Aufgaben für die nächsten Jahre sind somit formuliert.
Verkehrskonzept soll Entlastung bringen
Beschlossen wurde das künf-
In einer seiner letzten Sitzungen befasste sich der Gemeinderat mit der Stabilisierung des Wassernetzes. In diesem Jahr wurden 440 Meter Leitung und 31 Hausanschlüsse erneuert. Zwar wurden durch das Auffinden vorher nicht bekannter Schachtbauwerke die Kosten überschritten, doch werden mit dem Austausch der alten Leitungen in dieser Straße weitere Wasserverluste vermieden.
Kaum Musik und schon wieder kein Waiefescht
Viele beliebte Dinge sind in diesem Jahr erneut der Pandemie zum Opfer gefallen. In erster Linie zu nennen ist hier das vom Musikverein initiierte Waiefescht.
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick 2021 – Regio SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
Basel-Stadt setzt auch im neuen Jahr auf eine gute Zusammenarbeit mit den Nachbarn jenseits der Landesgrenze.
„Die Region ist zusammengewachsen“
Foto: Michael Werndorff
Bilanz | Corona hat das Jahr auch in Basel geprägt / Regierungspräsident Beat Jans über die Bedeutung des Dreiländerecks n
Von Beat Jans
Basel. 2021 war leider ein weiteres Jahr, das von der Pandemie geprägt war. Die damit verbundenen Folgen werden uns auch noch länger beschäftigen, und wir werden weiterhin mit gewissen Unsicherheiten umgehen müssen. Inmitten dieser Krise war es für mich aber sehr erfreulich zu sehen, dass die Beziehungen zu unseren Nachbarländern nicht gelitten haben, sondern sogar gestärkt wurden. Die Bedeutung der sogenannten „Kleinen Außenpolitik“ und die Pflege der Außenbeziehungen haben gerade in der Pandemie stark zugenommen. Als Kanton mit zwei Dritteln gemeinsamer Grenze mit Frankreich und Deutschland und vielfältigsten Beziehungen zu unseren unmittelbaren Nachbarn können und wollen wir es uns nicht leisten, mit dem Rücken zur Grenze zu stehen.
Gute Zusammenarbeit mit den Nachbarländern
Ohne gute Zusammenarbeit mit den direkten Nachbarn in Deutschland und Frankreich sowie praktikablen Lösungen für die Grenzregion ist der Standort Basel gefährdet. Dies setzt regelmäßig auch Kontakte aus unserer trinationalen Region zu den Regierungen unserer drei Staaten voraus. Trotz Pandemie ist uns diese Beziehungspflege in den vergangenen Jahren gut gelungen. Womöglich haben sogar die besonderen Umstände dazu geführt, dass die Region noch stärker zusammengewachsen ist, die Wege kürzer und die persönlichen Kontakte intensiver wurden – etwa zu Entscheidungsträgern des Landes Baden-Württemberg, wie zum Beispiel Ministerpräsident Winfried Kretschmann oder Regierungspräsidentin des Regierungsbezirks Freiburg Bärbel Schäfer. Die Weiterentwicklung und Pflege der Beziehung ist aber auch aus einem anderen Grund wichtig: Die Schweizer Landesregierung hat im vergangenen Jahr die Verhandlungen mit der Europäischen Union über ein institutionelles Rahmenabkommen abgebrochen. Seither erodiert das Abkommen über den Abbau technischer Han-
delshemmnisse: Getroffen hat es bereits die MedTech-Branche, die in unserer Region besonders stark ist. Ohne Aktualisierung dürfte es in den nächsten Jahren auch die Maschinenindustrie treffen. Die Schweiz kann derzeit auch nicht als vollassoziiertes Mitglied am europäischen Forschungsrahmenprogramm „Horizon Europe“ teilnehmen. Das trifft unsere Hochschulen, unsere Forscher und unseren Life Science-Cluster stark. Sollte dieser Zustand anhalten, wird der gesamte Standort leiden. Zudem sind neue Abkommen blockiert, die für unsere Region ebenfalls wichtig wären, so etwa ein Strom- oder ein Gesundheitsabkommen.
Dabei sollen Strategien, Projekte, Themen und grenzüberschreitende Aktivitäten im Gesundheitsbereich entlang des Oberrheins zusammengestellt und in gemeinsame Handlungsmaßnahmen übergeführt werden. Gleichzeitig sind neue Austauschplattformen entstanden, die über die gesundheitlichen Aspekte dieser Krise hinaus Wirkung entfalten werden. Dazu gehören unter anderem regelmäßige Konferenzschaltungen zwischen dem Land Baden-Württemberg und der Schweiz, aus welcher die Institutionalisierung eines politischen Dialogs zwischen den Schweizer Kantonen mit Deutschland unter Einbezug der nationalen Ebene entstanden ist.
Trinationale Gremien haben sich bewährt
Klimapolitik und Digitalisierung
Die trinationale Gremienarbeit hat sich auch vor diesem Hintergrund in der Krise bewährt. Bestehende Kooperationsgefäße, wie etwa EPI-Rhin und Trisan, haben in der Pandemiebewältigung wichtige Dienste geleistet und sich gleichzeitig weiterentwickelt. Diese werden künftige Herausforderungen noch besser meistern und zur generellen Stärkung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich beitragen. Trisan wird dies im Kontext des Interreg-Projekts „Trinationaler Handlungsrahmen für eine grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung am Oberrhein“ tun.
2022 übernehme ich als Regierungspräsident des Kantons Basel-Stadt die Präsidentschaft der Oberrheinkonferenz (ORK). Ergänzend zur Europa-Politik und Pandemiebewältigung bilden die Klimapolitik und die Digitalisierung weitere zentrale Bereiche. Bei der Klimapolitik will der Kanton Basel-Stadt sich weiter verbessern. Er hat dazu einen Prozess in Gang gesetzt, um sich für den European Green Capital Award zu bewerben und damit für ein Jahr europäische Umwelthauptstadt zu werden. Damit will der Kanton nicht nur ein klimapolitisches Zeichen setzen, sondern auch seine Verbunden-
heit mit Europa zum Ausdruck bringen. Um den grenzüberschreitenden Austausch und die Kooperation in Klimafragen am Oberrhein generell zu verstärken, ist eine Bestandsaufnahme der Klimaschutzmaßnahmen sowie die Durchführung eines weiteren Klima- und Energiekongresses zum Thema „Gesellschaft am Oberrhein im Wandel“ geplant. Die Akteure am Oberrhein können und sollen hier voneinander lernen und gemeinsame Maßnahmen entwickeln. Auch bei der Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel sollen weitere Fortschritte erzielt werden, etwa zur Förderung der Biodiversität und des Tierwohls, zur Stärkung regionaler Produktion und Versorgung von Nahrungsmitteln sowie für einen verantwortungsvollen und nachhaltigen Konsum. Die Digitalisierung und die effiziente und innovative Nutzung von Daten sind Schlüsselfaktoren für die Standortattraktivität und die Entwicklung einer Region. Sie prägen den wirtschaftlichen Strukturwandel, ermöglichen neue Arbeitsmodelle und verändern die Anforderungen an Berufsqualifikationen. Digitalisierung bietet zugleich das Potenzial für diese Veränderungen. Voraussetzungen dafür sind leistungsstarke Infrastrukturen und vernetzte Zusammenarbeit über thematische und organisatorische Grenzen hinweg.
Die Digitalisierung und die effiziente und innovative Nutzung von Daten sind Schlüsselfaktoren für die Standortattraktivität. Foto: Ole Spata/dpa
In den Kooperationsfeldern der ORK soll auch das Potenzial für gemeinsame Digitalisierungsanstrengungen ausgelotet werden. Dazu gehören unter anderem der Aufbau einer Daten-Basisinfrastruktur im Bereich der sta-
Basel heute wie in Zukunft für die Stärkung der persönlichen Beziehungen über die Landesgrenzen hinweg ein und macht sich auch in Bundesbern für regionale Lösungen im Dreiland stark: Das betrifft zum Beispiel die Auf-
Beat Jans ist seit gut einem Jahr Regierungspräsident von Basel-Stadt. Foto: zVg/Kanton Basel-Stadt tistischen Raumbeobachtung und der Geoinformation für den Oberrheinraum. Damit wird die Möglichkeit einer umfassenden Wahrnehmung des Oberrheinraumes für faktenbasierte Entscheide von Politik und Zivilgesellschaft eröffnet.
Grenzüberschreitende Lösungen suchen
Mit der Fokussierung auf diese zentralen Herausforderungen bei der Gestaltung der Kleinen Außenpolitik können grenzüberschreitende Lösungen und Vorhaben angestoßen werden, die sich nachhaltig auf die Grenzregion Basel auswirken. Der Erfolg des Standortes Basel hängt nicht zuletzt von der guten Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg ab. Dies gilt auch für die großen Förderprogramme, welche der Standort Basel für Innovation, Forschung, Mobilität und ganz allgemein für die Stärkung des Lebensraumes aktiv nutzen möchte. Wir blicken mit Zuversicht und Spannung auf die neue Programmperiode von Interreg VI, die im laufenden Jahr begonnen hat und jetzt noch bis ins Jahr 2027 dauern wird. Entsprechend setzt sich
rechterhaltung des Grenzverkehrs in grenzüberschreitenden Lebensräumen auch in Zeiten von Pandemien oder die derzeit blockierte Voll-Assoziierung der Schweiz an Horizon Europe und an Erasmus+. Als Regierungspräsident des Kantons setze ich mich dafür auch in der Europakommission der Konferenz der Kantonsregierungen ein: Im Interesse der guten Beziehungen der Schweiz zur EU, auch im Interesse der Bevölkerung. Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich nach dieser turbulenten Zeit ein gutes und erfolgreiches neues Jahr 2022.
Zur Person
Beat Jans Beat Jans ist ein Politiker der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz (SP) und war bis 2020 Mitglied im Nationalrat, der Großen Kammer des Schweizer Parlaments. Der Umweltnaturwissenschafter ist Regierungspräsident (Leiter der Kantonsregierung) des Kantons Basel-Stadt. Er ist verheiratet und Vater zweier Kinder.
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick 2021 – Regio SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
Ein Jahr wie ein ständiger Spagat
Kreiskliniken | Geschäftsführer Armin Müller über eine herausfordernde Zeit zwischen Pandemie und Klinik-Neubau
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Von Armin Müller
Kreis Lörrach. „Anders als erhofft“, so würde ich auf die Frage antworten, wie denn das Jahr 2021, das Jahr zwei der Pandemie, für unsere Kliniken verlaufen ist. Es war ein Jahr zwischen Pandemieund Normalversorgung, zwischen dem Alltag in den vier Standorten und dem Großprojekt Klinikneubau, ein aufwühlendes Jahr, in dem wir die Verbundenheit und Unterstützung unseres Aufsichtsrates und des Kreistages erfahren durften – und es war ein Jahr des besonderen Wandels in personeller Hinsicht.
Abschiede und Anfänge
2021 begann im Januar mit der Verabschiedung der letzten fünf im St. Elisabethen-Krankenhaus („Eli“) verbliebenen Ordensschwestern. Mitten in einer Hochphase der Corona-Pandemie konnten die meisten Menschen zwar nur über eine Videoübertragung an der Feierstunde teilnehmen, doch die hohen Zugriffszahlen zeigten eine große Anteilnahme. Was bleibt, sind Respekt, Dankbarkeit und ehrende Erinnerung. Personellen Wandel gab es auch in der Geschäftsführung, wo wir die neu geschaffene Stelle der Geschäftsführung Pflege zum Jahresbeginn mit Kathrin Knelange besetzen konnten. Im April kamen gleich zwei neue Chefärzte an Bord: Dr. Till Eßlinger für die Orthopädische Chirurgie in Rheinfelden und Prof. Dr. Tilman Humpl für das Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin im „Eli“. Aber auch Abschiede gab’s: Christina Ade verließ uns nach über 30 Jahren als Leiterin unserer Berufsfachschule für Pflege in den Ruhestand, ebenso Dr. Udo Schwehr, der zuletzt die Rheinfelder Innere Medizin als Chefarzt geleitet hatte. Jüngst hat Dr. Bernhard Hoch seine Stelle als Geschäftsführer Medizin aus persönlichen Gründen aufgegeben.
Marathon ohne Ziellinie?
Das nun endende Jahr begann mit einer Pandemiewelle, die unsere Kliniken besonders hart mit hohen Patientenzahlen traf. Wir hatten für den Jahresverlauf auf eine gewisse Beruhigung der Pandemie gehofft, auf einen Wiederanstieg der Zahlen
Das neue Klinikum soll im kommenden Jahr einen großen Schritt vorankommen. unserer Normalpatienten und auf insgesamt mehr Normalität. Doch es kam anders als erhofft: Derzeit sind wir mit Welle vier stark beschäftigt, während die Nachrichten bezüglich der Omikron-Variante Welle fünf in greifbare Nähe und ein baldiges Nachlassen des Pandemiedrucks in unbekannte Ferne rücken. Die Pandemie entwickelt sich zu einem Marathon, dessen Streckenverlauf uns immer wieder kurzfristig vor ungeahnte Herausforderungen stellt und dessen Ziellinie irgendwo außer Sichtweite liegt.
gen kämpfen als in den Zeiten davor. Ihnen und ihren Angehörigen möchte ich
spruch, Dank und auch finanzielle Hilfen zur Kompensation der enormen pan-
Fotos: zVg/Kliniken des Landkreises Lörrach mal“-Patienten, deren Klinikaufenthalt in Abhängigkeit von der Corona-Lage und je
Große Belastung für alle
Das ist eine große Belastung für alle Menschen – insbesondere jedoch für Klinikmitarbeitende. So viele von ihnen kennen keinen Unterschied zwischen Beruf und Berufung und sie leisten Tag für Tag hervorragende Arbeit. Doch die Gesamtsituation, insbesondere auch die teils pandemiebedingten Ausfälle in den eigenen Reihen, zehrt an Kräften und Nerven. Gerade vor diesem Hintergrund gelten unseren Mitarbeitenden meine große Anerkennung und mein herzlicher Dank! Viele Patienten konnten wir trotz aller Anstrengungen nicht wieder gesund entlassen. Durch die Pandemie mussten und müssen mehr Menschen ihr Leben lassen oder mit langwierigen Fol-
Armin Müller ist Geschäftsführer der Kliniken des Landkreises Lörrach GmbH.
Der Abschied der Ordensschwestern vom „Eli“ hat im Januar viele Menschen bewegt. mein tief empfundenes Mitgefühl ausdrücken.
Hohe Sicherheit
Ständiges aufmerksames Beobachten der pandemischen Situation ist eine unserer wichtigsten Aufgaben. Bei unseren Regeln, etwa für Besucher, halten wir uns nicht nur an die gesetzlichen Anforderungen, sondern sind manchmal auch etwas strenger, wenn es der Sicherheit von Patienten und Mitarbeitern dient. Ob im Alltag „draußen“ oder innerhalb der Kliniken: Masken, Abstand und Hygiene sind weiterhin sehr effiziente Maßnahmen. Das wirksamste Instrument zur Beendigung der Pandemie jedoch ist die Impfung. Selbstverständlich tun wir das Unsrige, um zu einer möglichst hohen Impfquote beizutragen. Für Mitarbeitende gab es mehrere Impfaktionen, und wir freuen uns über eine Impfquote von 86 Prozent. Mit Blick auf die Impfpflicht für Klinikmitarbeitende ab März 2022 entwickeln wir zurzeit Angebote, um mit den Ungeimpften in guten Kontakt zu kommen, denn wir wollen niemanden verlieren. Schön wäre es, wenn sich möglichst alle impfen ließen – medizinisch gut informiert und mit einem möglichst positiven Gefühl.
Enorme Umsatzeinbußen
Erhielten wir zu Beginn der Pandemie noch viel Zu-
demiebedingten Umsatzeinbußen, so scheint die Politik uns Kliniken nun wirtschaftlich im Regen stehen lassen zu wollen. Land auf, Land ab verzeichnen Krankenhäuser große Einbußen bei Patientenzahlen und Umsätzen. Allein unsere Kliniken steuern 2021 nach vielen Jahren mit ausgeglichenen bis positiven Jahresergebnissen auf ein Minus von zehn bis zwölf Millionen Euro zu. Das ist gerade vor dem Hintergrund der außergewöhnlichen Belastungen, die unsere Mitarbeitenden Tag für Tag meistern, besonders bitter.
Neuer Gesundheitsminister
Ein Lichtblick ist für mich, dass mit Karl Lauterbach ein Mann vom Fach Gesundheitsminister geworden ist. Ich hoffe, dass er uns Kliniken mit einer positiven Grundhaltung gegenübertritt und für weniger Bürokratie sorgt. Und ich wünsche mir dringend Anpassungen in der Klinikfinanzierung, so dass diese nicht mehr allein von Fallzahlen abhängt. Kliniken sind elementarer Bestandteil der Daseinsfürsorge für die Bevölkerung, und sie müssen weniger stark von wirtschaftlichen Kriterien abhängen!
Normalbetrieb meistern
Neben dem beherrschenden Thema „Pandemie“ gilt es natürlich auch, den Normalbetrieb zu meistern. Da sind zum einen unsere „Nor-
nach Dringlichkeit manchmal etwas verschoben werden muss. Tag für Tag prüfen wir unsere Kapazitäten insbesondere im OP-Bereich und sind dankbar, dass die meisten Patienten Verständnis haben. Doch es bleibt ein dauerhafter Spagat zwischen Normal- und Covidversorgung. Zum anderen arbeiten wir intensiv an unserer strategischen Weiterentwicklung, die stark geprägt ist von der Perspektive „neues, gemeinsames Klinikum“. So baut die Pflege ihre Arbeit sukzessive nach den Prinzipien des Lean-Managements um und vernetzt sich untereinander immer mehr. Gute interne Vernetzung ist auch das Ziel unseres neuen Social Intranets, das bald startet. Einen Digitalisierungsschub wird uns unser neues, einheitliches Klinik-Informationssystem („KIS“) verleihen; das IT-Großprojekt wird auch ein papierloses Krankenhaus möglich machen. Unser Markenprojekt wird demnächst ein Etappenziel erreichen, und wir sind gespannt, mit welcher Unternehmensmarke wir künftig auftreten werden. Mit der gynäkologischen Praxis Dr. Bechtold in Grenzach ist unser MVZ Landkreis Lörrach 2021 um einen Standort angewachsen, und die orthopädisch-unfallchirurgische Praxis in Schopfheim wird seit neuestem durch Dr. And-
reas Köppen-Castrop verstärkt. Viel Freude bereitet uns die Baustelle unseres neuen Klinikums am Stadtrand Lörrachs, die 2021 eine rasante Entwicklung genommen hat. Konnte man noch Anfang des Jahres kaum erahnen, dass dort eine Großbaustelle entstehen würde, ragen heute an einigen Stellen bereits die Wände des EG in die Höhe. Im Mai erhielten wir die Teilbaufreigabe und konnten, nach dem pandemiebedingt entfallenen Spatenstich, die Grundsteinlegung im August feiern. Dank des enormen Tempos, das der Bautrupp vorgelegt hat, können viele Arbeiter zum Jahreswechsel eine Pause einlegen. Mein Dank und der meiner Geschäftsführungskollegen gilt den Bauarbeitern und unseren Mitarbeitern und wir wünschen ihnen und allen, die direkt oder indirekt mit unseren Kliniken verbunden sind, alles Gute für 2022 – bleiben Sie gesund!
Zur Person
Armin Müller Armin Müller ist seit knapp zehn Jahren als Geschäftsführer für die Kliniken des Landkreises Lörrach verantwortlich. Mit zahlreichen Prozessoptimierungs- und Restrukturierungsprozessen führte er das Unternehmen aus den roten Zahlen und leitete die Entwicklung von möglichen Zukunftsszenarien der Kliniken ein.
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick 2021 – Kandern SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
Aktion aus Frust ins Positive umgekehrt
Werbering | Kanderner Geschäftsleute standen vor enormen Herausforderungen / Kreative Ideen im Lockdown entwickelt n
Von Kaja Wohlschlegel
Kandern. Das „Corona-Jahr“ setzte den Veranstaltungskalender 2021 des Werberings außer Kraft. Nach dem ersten Lockdown waren alle Einzelhändler und Gastronomen überzeugt, dass sie nach diesem „notwendigen Übel“ ihren Betrieb in gewohnter Art fortsetzen können. Die Pandemie belehrte sie eines Besseren: Der Lockdown wurde ein ums andere Mal verlängert, die Vorschriften in verwirrender Weise ständig geändert und die finanziellen Hilfen flossen nur zäh. Kunden wie auch Geschäftsinhaber waren verunsichert. Lieferungen für die Frühjahrsware mussten bezahlt werden, die Mitarbeiter wollten ihre Löhne, Pachtverträge liefen weiter.
Zukunftsängste und Existenzsorgen Geplagt von Zukunftsängsten und Existenzsorgen erreichte der Frust der Einzelhändler seinen Höchststand. In einem gemeinsamen „Hilferuf“ beklebten die Unternehmer im April ihre Schaufenster mit überdimensionalen Todesanzeigen. Die Aktion sollte die Bevölkerung, aber auch die Politik aufrütteln und signalisieren, dass tatsächlich bald die Lichter ausgehen, wenn nicht endlich etwas geschieht. Restaurants und Geschäfte sollten endlich wieder öffnen dürfen. Dieser Aufsehen erregenden Aktion folgte eine Wende: Beim Werbering klingelte das Telefon, am anderen Ende der Leitung war Lars Fiedler von der Weiler Agentur Fiedler Performance: „Wie könnt ihr nur Todesanzeigen aufhängen, so etwas geht gar nicht“, stellte er den Vorstand in den Senkel, präsentierte aber sofort einen innovativen Lösungsansatz: Fiedler Performance unterstützt Einzelhändler und Gastronomen darin, über Social Media zu werben und neue Kundenkreise zu erschließen, damit diese dann nach dem Lockdown in die Geschäfte kommen. Dabei fördere die Handelskammer dieses Coaching mit 2500 Euro pro Betrieb; für Kandern seien bereits 20 Förderplätze reserviert. Der Vorstand des Werberings überlegte nicht lange
und warb für das Angebot. Schnell waren die Fördertöpfe vergeben. Das Fiedler-Team gab Tipps fürs ansprechende Video. Die Kanderner Geschäftswelt wurde auf Facebook und Instagram sichtbar. Seitdem werben die Firmen bald täglich mit pfiffigen Posts für ihre Produkte und Aktionen. „Schnecken“-Wirt Florian Assenheimer lässt den Zuschauer seiner Videos nicht nur miterleben, wie er Neuheiten auf der Speisekarte zubereitet, sondern lässt sich auch ins Rezeptbuch blicken, wenn er unter anderem verrät, wie er ein Bärlauchcremesüppchen kocht. Maik Lenke, Inhaber der Schreinerei MLdrei und Vorsitzender des Werberings, sucht mit einem flotten Film neue Mitarbeiter, während Arno Bossart vom Haushaltswarengeschäft Schneider verrät, wie er hochwertige Messer schleift oder über die Eigenheiten verschiedener Wasserwaagen referiert. Als „Abrundung“ der Social-Media-Kampagne entstand beim Werbering-Vorstand die Idee, mit einem erfrischenden Video für das Leben und Arbeiten generell in
„Genug gejammert, jetzt schauen wir vorwärts!“, lautete die Devise von Arno Bossart von „Eisenwaren Schneider“ und Gerda Siewert von „Raumausstattung Charté“, als sie die Todesanzeigen von den Schaufenstern herunterrissen. Fotos: Kaja Wohlschlegel gleich im April. Zunächst erstellte das Produktionsteam ein „Drehbuch“. Zur Freude der Organisatoren war die Bereitschaft mitzumachen groß. So begleitete das Fiedler-Filmteam unter anderen
das Filmteam beim Kochen über seine Schulter schauen, während Ex-Bürgermeister Bernhard Winterhalter als Goldschürfer in der Kander seinen Wohlstand aufzubessern versuchte.
mengeschnitten hat. Ende September war der „Imagefilm, der keiner sein will“, fertig. Zur Präsentation im Kanderner Kino waren alle Akteure eingeladen, wie auch alle Werbering-Mitglieder sowie Bürgermeisterin Simone Penner und der Gemeinderat. Anschließend wurde das Video auf den Internet-Seiten des Werberings (www.werbering-kandern.de) sowie der Stadt Kandern (www.kandern.de) freigeschaltet. Auf Youtube wurde es bereits mehr als 4000 Mal aufgerufen. Finanziert wurde das Projekt durch eine großzügige Spende der Kanderner Apothekerin Corinna Wenigmann sowie durch einen Zustupf der Stadt Kandern.
Der persönlicher Kontakt zu den Kunden fehlte
Samara Basso von der Agentur Fiedler Performance filmte den Tannenkircher Landwirt Roland Boch bei seiner Arbeit. Kandern wie auch die vielfältigen Freizeitmöglichkeiten und die einzigartige Landschaft zu werben. Der Clip sollte sich von den herkömmlichen Imagefilmen abheben, den Zuschauer zugleich informieren sowie amüsieren, die Kernstadt und auch die Teilorte berücksichtigen. Die Arbeiten starteten
den Tannenkircher Landwirt Roland Boch, der im breitesten Alemannisch launisch zum besten gab: „Ohni Wii goht nüt.“ Der Keramikerin Sabine Kluge folgte das Filmteam in die Werkstatt, wo sie einen Krug gestaltete. Der Kanderner Gastwirt Florian Assenheimer vom Gasthaus zur Schnecke ließ
Als Ausflugsziele präsentiert der Film unter anderem den Walderlebnispfad, die Wolfsschlucht und das Freibad. Der Kanderner Sänger und Musical-Darsteller Nicolo Alesi beschreibt als Sprecher mit humorvollen Kommentaren die Szenen, die das Fiedler-Team originell zusam-
Die Frühaufsteher vom Werbering packten am Pfingstsonntag 300 vorbestellte Frühstücksboxen in der Schreiner-Werkstatt von Maik Lenke, bevor Holger Weh mit vollgepacktem Kofferraum seine Auslieferungsrunde starten konnte (rechtes Foto).
Natürlich organisierten die Einzelhändler sowie die Gastronomen einen Abholund Lieferservice während des Lockdowns, was zumindest geringe Umsätze generierte. Doch sie vermissten den täglichen Kontakt im Laden oder im Restaurant. „Wenn der Kunde schon nicht zum Händler darf, dann kommt der Werbering zu seinen Kunden“: Diese Intension stand hinter dem „Frühstücksdienst“ für den Pfingstsonntag. Über 300 Boxen waren bestellt. Bepackt wurden sie bevorzugt mit Produkten von Werbering-Mitgliedern beziehungsweise heimischen Anbietern. Die Frühaufsteher des Vorstands richteten ab 6.30 Uhr die Boxen und lieferten sie an die Haustüren der Besteller. Als weiteren Anreiz in Kandern einzukaufen, starteten die Verantwortlichen des Werberings im Sommer eine Stempelkarten-Aktion. Die Kunden sollten ihren Einkauf in zehn verschiedenen Geschäften jeweils mit einem Stempel „quittieren“ lassen. 133 Teilnehmer gaben eine volle Stempelkarte bei der Tourist-Information ab und nahmen damit an einer Verlosung teil. Schnell war dann klar, dass die Weihnachtsaktionen nur sehr eingeschränkt stattfinden können. Im Rahmen des Erlaubten lud der Werbering an zwei Freitagen zum stimmungsvollen Abendeinkauf
im liebevoll geschmückten Städtli ein. Allerdings durfte coronabedingt weder eine Bewirtung noch ein Rahmenprogramm stattfinden. Immerhin: Mehr als 100 Kinder freuten sich über ein voll bepacktes „Säckli“ vom Werbering-Nikolaus. Das Vorstandsteam des Werberings erfuhr während dieses Pandemiejahrs viel Unterstützung durch treue Kunden. So verschenkten zahlreiche lokale Unternehmen, Organisationen und Vereine an ihre Mitarbeiter, Mitglieder oder Jubilare Gutscheine. Jetzt blickt der Werbering voraus: Der Städtlitag soll kommendes Jahr am Sonntag, 19. Juli, stattfinden. Am Vorabend, 18. Juli, ist eine „Open-Air-Vorstellung“ des Stücks „Jedermann“ vor der Stadtkirche geplant. Der Kartenvorverkauf hat bereits begonnen.
Die Autorin
Kaja Wohlschlegel Kaja Wohlschlegel ist stellvertretende Vorsitzende im Kanderner Werbering. Seit 2015 ist sie als Immobilienmaklerin bei Immobilien Seiter in Kandern tätig. Davor war sie Inhaberin des Kanderner Sportgeschäfts „K 1 Sport- und Bergwelt“. Die gebürtige Kandernerin hat ihren Realschulabschluss an der August-Macke-Schule gemacht. Sie war als Personalsachbearbeiterin und als Redakteurin für unsere Zeitung tätig. Auch absolvierte sie eine Weiterbildung als Personalfachfrau. Kaja Wohlschlegel war mehr als zehn Jahre lang Mitglied des Gemeinderats in Kandern. Dort trat sie auch als Fraktionssprecherin für die Freien Wähler auf.
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick 2021 – Kandertal SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
Christian Iselin wird Bürgermeister
Schallbach | Herausforderer gewinnt Wahl mit 64 Prozent / Ideen aus dem Wahlkampf bereits angegangen
n
Das Gasthaus „Maien“ soll nun verpachtet werden. Foto: zVg
Zwei Projekte bemühten sich um Genossen Kandertal (ag). Zwei Genossenschaftsprojekte machten im Kandertal im vergangenen Jahr von sich reden. Während das eine gerade Fahrt aufnimmt, wird aus dem anderen wohl nichts werden. Denn Genossenschaften brauchen Teilhaber – und die sind nicht immer ganz leicht zu finden. Gut sieht es für die neue „Dorfmitte Holzen“ aus. Die Dorfgemeinschaft will die ehemalige Seniorenakademie kaufen und daraus einen Treffpunkt und Veranstaltungsort für die Bevölkerung machen. Das zentral gelegene Gebäude mit seinen barrierefreien Räumen, zu denen sogar ein kleiner Konzertsaal gehört, erscheint dafür geradezu ideal. Die drei Wohnungen im Obergeschoss werden vermietet, um als sichere Einnahmequelle zu dienen. Für den Gastronomiebereich, der das Dorf beleben soll, wird derzeit noch ein Pächter gesucht. Im Januar steht der Notartermin an, im Februar soll die Genossenschaft gegründet und zugleich der Kauf der Immobilie vollzogen werden. Nachdem das Gasthaus „Maien“ in Vogelbach im Januar von einem Geschwisterpaar aufgekauft wurde, das das alte Gebäude zusammen mit Ehrenamtlichen wiederbeleben wollte und will, bekam das zwei Jahre zuvor im Sande verlaufene Genossenschaftsprojekt wieder neuen Auftrieb. Doch gerade in Corona-Zeiten erwies es sich als schwierig, für ein solches Gemeinschaftsprojekt zu werben. Am Ende konnte trotz zunächst viel versprechender Anläufe das benötigte Stammkapital nicht erreicht werden. Und die Interessengemeinschaft entschloss sich Ende September dazu, das Projekt zu beenden. Der Gasthof ist nun zur Pacht ausgeschrieben. Sollte sich kein Pächter finden, bliebe als letzte Option der Umbau zu Wohnungen. Das Ziel der Besitzer ist das nicht. Sie wollten im „Maien“ eigentlich einen Ort der Begegnung schaffen.
Von Alexandra Günzschel
Schallbach. Schallbach hat einen neuen Bürgermeister. Am 10. Oktober wurde Christian Iselin mit 64 Prozent der abgegebenen Stimmen überraschend eindeutig zum Nachfolger von Martin Gräßlin gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 74 Prozent. Auf den Amtsinhaber entfielen 35 Prozent der Stimmen. Am 1. Dezember hat der neue Bürgermeister sein Amt angetreten. Mit Iselin haben die Schallbacher einen erfahrenen Kommunalpolitiker gewählt. Er war 14 Jahre Mitglied im Gemeinderat und fungierte dort zuletzt auch als Bürgermeisterstellvertreter. Bei der Kommunalwahl 2019 wurde er als Stimmenkönig in das Gremium gewählt. Darüber hinaus war er schon vor seiner Wahl zum Bürgermeister Mitglied in Gremien des Gemeindeverwaltungsverbands Vorderes Kandertal.
Ein erfahrener Kommunalpolitiker Der gebürtige Schallbacher ist in zahlreichen örtlichen Vereinen Ehren-, Aktiv- oder Passivmitglied. Neben seiner Tätigkeit als ehrenamtlicher Bürgermeister arbeitet er im Schichtbetrieb in der Chemiebranche in der Schweiz.
Christian Iselin an seinem ersten Arbeitstag als Bürgermeister an seinem neuen Schreibtisch im Rathaus Schallbach Foto: Alexandra Günzschel Bei seinem bisherigen Nebenerwerb als Landwirt will er mit der Wahl zum
Bürgermeister nun kürzertreten, wie er im Wahlkampf erklärte.
Beherrschende Themen, mit denen Iselin im Wahlkampf offenbar punkten
konnte, waren seine Idee, in Schallbach ein Nahwärmenetz zu installieren sowie der Hochwasserschutz. Schon mehrfach wurde die kleine Kandertalgemeinde nach Starkregenereignissen von Schlammlawinen heimgesucht. Bei der Errichtung von Reisigwällen in Eigenleistung zum Schutz gegen die Wassermassen war Iselin vor einigen Jahren eine treibende Kraft. Mittlerweile wurde unter seiner Ägide eine Arbeitsgruppe gegründet, die die Reisigwälle wieder instandsetzen soll. Denn für das große Maßnahmenpaket gegen Überschwemmungen, das der Gemeinderat beschlossen hat, will man Fördergelder beantragen, was erst noch vorbereitet werden muss. Amtsvorgänger Gräßlin hatte sich zuletzt darum bemüht, das auch kleinere Maßnahmen, die schneller umzusetzen sind, gefördert werden können. Für diese Herangehensweise fand er jedoch keine Mehrheiten. Iselin will Schallbach zur „einwohner- und umweltfreundlichsten kleinen Gemeinde im Landkreis“ machen, so sein ambitioniertes Ziel. Die Chancen für ein Nahwärmenetz jedenfalls wurden im Gemeinderat jüngst erörtert und sollen nun genauer untersucht werden.
Der lange Weg zur neuen Langenebene-Hütte
Wiederaufbau | Beliebter Ort der Einkehr für Waldbesucher dank großzügiger Spenden neu errichtet
n
Von Alexandra Günzschel
Kandern-Sitzenkirch. Zu Beginn des Jahres herrschte noch Frust. Viele hatten sich, unter anderem im Rahmen einer Online-Petition, für den Wiederaufbau der beliebten Langenebene-Hütte im Wald bei Sitzenkirch ausgesprochen. Die Schutzhütte brannte im März des Jahres 2020 komplett nieder. Die abgebrannte Hütte lag am Westweg. In unmittelbarer Nähe befindet sich eine Grillstelle, die von dem Brand nicht betroffen war, sowie ein Brunnen. Nahe liegende beliebte Wanderziele sind die Sausenburg, Schloss Bürgeln und der Hochblauen. Für Touristen, Forstarbeiter oder Wanderer war sie ein wichtiger Ort zur Einkehr, zum Schutz oder gar zur Übernachtung. Nicht zu-
Die neue Langenebene-Hütte in der Bauphase Foto: Günzschel letzt führte das Dorf Sitzenkirch dort seine Brennholzversteigerungen durch. Es gab Geldspenden, Zusagen für Sachspenden sowie Hilfsangebote von Unternehmern und am Ende mehr als 900 Unterschriften für den Wiederaufbau. Dennoch
herrschte lange Stillstand. Die Erlaubnis der ForstBW stand noch aus. Der Aufbau am selben Standort im Staatswald war offenbar mit Schwierigkeiten verbunden. Ende Februar schließlich war ein neuer Standort im Gemeindewald gefunden –
auf der gegenüberliegenden Seite des Waldweges und 22 Meter vom alten Platz entfernt. Die Planungen für den Wiederaufbau konnten somit beginnen. Treibende Kraft dabei war der Sitzenkircher Ortsvorsteher Tobias Buss, der schon die Online-Petition ins Leben gerufen hatte. Gemeinsam mit der Stadt wurde nun offiziell ein Spendenaufruf gestartet, bei dem mehr als 16 500 Euro zusammenkamen. Mit dem Aufbau war das Team vom städtischen Bauhof maßgeblich betraut, zuvor hatte das Baugeschäft Munz die Bodenplatte betoniert. Der Forst BW spendete Geld für das Holz, das wiederum von der Schreinerei Wetzel aus Käsacker zugesägt wurde. Die Firma Coramic lieferte die Dachziegel. Am Ende konnte der Wieder-
aufbau für die Stadt Kandern nahezu kostenneutral bewerkstelligt werden. Mitte November schließlich konnten wir vermelden: „Beliebtes Ausflugsziel steht wieder“. Gefeiert wurde mit allen am Aufbau Beteiligten im kleinem Kreis. Eine offizielle Einweihungsfeier soll in Abhängigkeit von der Pandemielage später nachgeholt werden. Der mutmaßliche Brandstifter, allem Anschein nach ein Serientäter, wurde im August bei einem Waldbrand, den er vermutlich verursacht hatte, angetroffen. Ein Prozess vor dem Landgericht Lörrach ist bereits im Gang. Bei dem Angeklagten handelt es sich offenbar um einen Mann mit psychischen Problemen, der sich derzeit auf Anraten um einen stationären Therapieplatz bemüht.
Gedenken an Friedrich Neff Jubiläum | 200. Geburtstag des Rümminger Freiheitskämpfers
Ein Denkmal auf dem Friedhof erinnert noch heute an Friedrich Neff. Foto: Günzschel
Rümmingen. Nicht so ausgiebig wie gewollt, konnte die Gemeinde Rümmingen den 200. Geburtstag des Freiheitskämpfers Friedrich Neff am 26. April 2021 feiern. Der gebürtige Rümminger war ein leidenschaftlicher Mitstreiter der Badischen Revolution. Sein Einsatz für die Freiheit endete für ihn mit einem Todesurteil. Er wurde im Alter von 28 Jahren am 9. August 1849 in der Nähe des Freiburger Friedhofs in der Wiehre erschossen. Die Gemeinde erinnert an einigen Orten an ihren revo-
lutionären Heimatsohn. So gibt es auf dem Friedhof ein Denkmal, und auch eine Straße wurde nach ihm benannt. Darüber hinaus sind auf der Homepage der Gemeinde einige Texte über das kurze Leben von Neff veröffentlicht. Auch kann der Abschiedsbrief, den der Revolutionär in seinen letzten Stunden an seine Mutter Anna Maria Neff schrieb, nachgelesen werden. Weniger bekannt ist das Lied über Neff von Volkmar Staub: „Die letzten Tage des
Revolutionärs“, das ebenfalls auf der Homepage nachgelesen werden kann. „Die revolutionären Grundwerte, um die damals gekämpft wurde, werden teilweise wieder in Frage gestellt. Umso wichtiger ist es, uns unserer Geschichte zu erinnern und uns für Freiheit, Bildung, Wohlstand und Demokratie einzusetzen“, betont Bürgermeisterin Daniela Meier. Unter dieses Motto hätte sie gerne auch den Neujahrsempfang gestellt, der jedoch pandemiebedingt ausfallen musste.
Malergeschäft Rolf Stammler Kandertalstraße 9 D-79599 Wittlingen Tel. 0 76 21 - 570 468 Fax: 0 76 21 - 570 467 Handy: 0162- 4320440 E-mail: RolfStammler-Malergeschaeft@web.de
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick 2021 – Binzen/Eimeldingen SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
Straßen wurden überflutet Binzen/Rümmingen. Innerhalb kurzer Zeit überflutete Starkregen im Sommer mehrere Straßen, zahlreiche Keller sowie Garagen. Stark betroffen waren auch die Gemeinden Binzen und Rümmingen. In Rümmingen waren rund 25 Häuser insbesondere in der Lörracher-, Röttler-, Lucke- und Hermann-Scherer-Straße, der Dorfstraße sowie im Kreuzungsbereich der Wittlinger Straße, aber auch die Wege oberhalb der Karl-Friedrich-Böhringer-Straße betroffen. In Binzen traf es die Gebäude an der Hauptstraße, Kirchstraße, den Hermann-Daur-Weg und die Mühlenstraße sowie auch den Wohnpark im Gewerbegebiet. Bis spät am Abend waren die Feuerwehren gefordert. An etwa 50 Einsatzorten waren rund 150 Feuerwehrleute hauptsächlich mit Auspumpen beschäftigt. Schon während der Einsätze machten sich Bürgermeisterin Daniela Meier und Bürgermeister Andreas Schneucker vor Ort ein Bild von den Schäden, aber auch von der geleisteten Nachbarschaftshilfe. So wurden Abwasserdeckel geöffnet, damit das Wasser schneller abfließen konnte, und Geröll und Schlamm von den Straßen und Grundstücken geräumt. Der Werkhof des Gemeindeverwaltungsverbands wurde zur Unterstützung angefordert und kümmerte sich unter anderem um die Abfuhr des angeschwemmten Gerölls. Der Rümminger Landwirtschaftsbetrieb Hügin half mit seinem Schaufelradlader mit. Der Gartenbaubetrieb Hügel stellte zusätzliche Pumpen zur Verfügung. Und die Straßenmeisterei reinigte die Hauptverkehrsstraßen in Rümmingen und Binzen.
Wo im Moment noch Wiese – beziehungsweise der alte Sportplatz – ist, wird ein neues Wohngebiet entstehen.
„Kandergrund“ nimmt Gestalt an
Foto: Ingmar Lorenz
Bebauung | Vier Projekte für den ersten Hof ausgewählt / Mit Wohnraum und Gesundheitszentrum
n
Von Ingmar Lorenz
Binzen. Eines der großen Projekte der Gemeinde Binzen kam im zu Ende gehenden Jahr ein gutes Stück voran: Insgesamt zehn Bewerbungen, von denen acht gewertet werden konnten, erhielt die Gemeinde Binzen im Zuge des Ideenwettbewerbs für die Bebauung des ersten Hofs im „Kandergrund“. Im Zuge der Anliegervergabe wurden vier Projekte ausgewählt. In einem der Gebäude wird eine Baugemeinschaft ein Mehrgenerationenhaus mit rollstuhlgerechter Erschließung realisieren. Dort ist auch ein weiterer Gemeinschaftsraum geplant, der als
Ergänzung zum Gemeinschaftsraum im Ankerprojekt entstehen soll. Die konkrete Nutzung ist von der Gruppe bewusst offengelassen worden und soll im Austausch mit den Nachbarn entschieden werden. Errichtet wird zudem ein „Haus der Senioren“. Es soll rollstuhlgerechte Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen geben. Als zusätzlicher Aufenthaltsbereich sind Laubengänge vorgesehen. Im kleinsten Gebäude des Hofs plant ein Einzelbauherr darüber hinaus die Einrichtung eines Gesundheitszentrums mit Arztpraxis, Ernährungsberatung und Krankengymnastik. Vorgesehen ist zudem Platz für Wohnungen
und Nachbarschaftsangebote. Auch eine Erweiterung der Praxisräume sei bei Bedarf möglich.
Auch eine WG für Senioren ist geplant
In einem länglichen Baukörper, für den im städtebaulichen Entwurf eine Reihenhausbebauung vorgesehen war, wird unter anderem eine Senioren-WG entstehen. Dabei gibt es Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen, die um einen Gemeinschaftsraum herum angeordnet sind. Auch ein Apartment für Pflegekräfte oder Gäste sowie familientaugliche Wohnungen sind hier geplant. Die Projekte, die im Zuge
der Anliegervergabe ausgewählt wurden, werden in Ergänzung und zugleich enger Abstimmung mit dem sogenannten Anker realisiert werden. Dieser kümmert sich unter anderem um den Bau von zwei Gebäuden sowie um die Realisierungen der Tiefgarage, die gemeinschaftlichen Freianlagen sowie die Wärmeversorgung und ist zudem ein verbindendes Element. Sichergestellt wird zudem, dass der im „Kandergrund“ ausgelöste Parkraumbedarf auch im „Kandergrund“ selbst nachgewiesen werden muss. Dadurch soll eine zusätzliche Belastung des Parkraums an den angrenzenden
Straßen verhindert werden. Bis zum Spätsommer oder Herbst des kommenden Jahres sollen voraussichtlich die Bauanträge auf dem Tisch liegen. Falls Ende 2022 oder Anfang 2023 mit dem Bau begonnen wird, kann bis Mitte 2024 mit der Fertigstellung gerechnet werden. Wann ein Parallelverfahren für die anderen beiden Höfe im Gebiet eingeleitet wird, muss sich noch zeigen. Da mit der Umsetzung der Projekte auch die Anzahl der Einwohner von Binzen steigen wird, will die Verwaltung mit Bedacht vorgehen, auch um die bestehende Infrastruktur in der Gemeinde nicht zu überlasten.
Tempo 30 gefällt vielen – aber nicht allen Verkehr | Neue Geschwindigkeitsbegrenzung entlang der Eimeldinger Hauptstraße n
Von Ingmar Lorenz
Eimeldingen. Auf Grundlage des Lärmaktionsplans hatte die Gemeinde Eimeldingen schon vor längerer Zeit die Einführung von Tempo 30 entlang der Ortsdurchfahrt beschlossen. Im Sommer war dann alles Organisatorische erledigt und der Werkhof konnte die neue Beschilde-
rung an der B 3 anbringen. Seitdem rollen die gut 20 000 Fahrzeuge, die jeden Tag auf der Eimeldinger Hauptstraße unterwegs sind, deutlich langsamer durchs Dorf.
Geteilte Meinung
Die neue Regelung wurde sowohl vom Gemeinderat, als auch von zahlreichen Bürgern gelobt. Denn neben
dem Abnehmen der Lautstärke sei mit Tempo 30 auch ein Plus an Sicherheit im Straßenverkehr gewährleistet. Bei anderen Bürgern kam die neue Regelung weniger gut an. Ihrer Meinung nach wirke sich das Fahren in niedrigen Gängen eher negativ auf den Lärm entlang der Hauptstraße aus. Auch sei es schwerer, auf die Fahrbahn
einzubiegen, weil die Fahrzeuge nun zwar langsamer, aber dafür stetig auf der B 3 daherkämen. Und wieder andere Bürger sahen die Einführung von Tempo 30 als einen Schritt zur Minderung der Verkehrsbelastung in Eimeldingen, der unbedingt fortgeführt werden müsse – etwa durch die Verbannung des Schwerlastverkehrs.
Startschuss für die Sanierungsarbeiten an der Reblandhalle Ein zentrales Ereignis in der Gemeinde Eimeldingen war in diesem Jahr auch der Beginn der Sanierungsarbeiten an der Reblandhalle. Die verschiedenen Gewerke
hatten zuvor in verschiedenen Sitzungen den Gemeinderat passiert. Dabei wurden immer wieder auch Fragen der künftigen Gestaltung kontrovers diskutiert. Die Bau-
maßnahmen, die mit mehr als drei Millionen Euro zu Buche schlagen werden, sollen – wenn alles nach Plan läuft – im kommenden Jahr abgeschlossen sein. Foto: ilz
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick 2021 – Efringen Kirchen SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
Impftermin: Absage erhitzte die Gemüter Efringen-Kirchen (ilz). Gut eine Woche lang erhitzte der Impf-Streit im März des abgelaufenen Jahres die Gemüter. Nachdem in Efringen-Kirchen ein von Ehrenamtlichen organisierter Impftermin sozusagen in letzter Minute vom Landratsamt abgesagt worden war, kochten die Emotionen hoch. Die Ehrenamtlichen fühlten sich vom Vorgehen der Behörde in ihrem Bestreben ausgebremst. Beim Landratsamt wiederum warf man den Ehrenamtlichen vor, sich bei der Organisation des Impf-Termins nicht an die geltenden Spielregeln gehalten zu haben. Von einem „Handeln hinter dem Rücken“ und gar von einem „Vertrauensbruch“ war die Rede.
Termin in letzter Minute abgesagt
Das Landratsamt hatte in einer Stellungnahme betont, dass der für den von den Ehrenamtlichen organisierte Impfstoff bereits anderweitig eingeplant war, das Mobile Impfteam also im Gemeindehaus nicht habe impfen können. Diese Ansage kam aber sehr kurzfristig, so dass sich die Ehrenamtlichen in einer Situation wiederfanden, in der sie zahlreiche bereits vereinbarte Termine – auch für den Transport zum Gemeindehaus – in letzter Minute absagen beziehungsweise ändern mussten. Dies stellte sich als umso gravierender dar, als dass es sich bei den Impfwilligen um Senioren handelte. Nach einigem Hin und Her wurde einem Großteil der Bürger, die eigentlich im Gemeindehaus hätten geimpft werden sollen, dann das Vakzin im Kreisimpfzentrum doch noch verabreicht.
Landrätin Dammann
Scharfe Kritik am Landratsamt
Marion Foto: zVg
Zahlreiche Bürger und politsche Vertreter meldeten sich im Nachgang zu Wort und sprangen für die Ehrenamtlichen in die Bresche. Unverständnis über das Vorgehen des Landratsamts beherrschte dabei den öffentlichen Diskurs. Sowohl im Efringen-Kirchener Gemeinderat als auch zwei Tage später in der Sitzung des Kreisrats sahen sich das Landratsamt und auch Landrätin Marion Dammann mit teils scharfer Kritik konfrontiert. Im weiteren Verlauf der Woche kam es dann allerdings wieder zu einer Annäherung zwischen Landratsamt und dem Team der ehrenamtliche Engagierten in Efringen-Kirchen und der Streit wurde schließlich beigelegt.
Unablässig machten sich die Ehrenamtlichen in Efringen-Kirchen fürs Impfen stark.
Das Jahr kannte nur ein Thema
Foto: dpa/Daniel Karmann
Corona | Sonja Pagenkopf berichtet über ihr Engagement bei den Impfangeboten in Efringen-Kirchen
n
Von Sonja Pagenkopf
Efringen-Kirchen. Von Anfang an war mir klar: Unsere Seniorinnen und Senioren im Dorf sind am meisten gefährdet, sie müssen sofort geimpft werden. Da wollte ich mitmachen. Zusammen mit dem BürgerBus-Team. Ehrenamtlich. Mit unserem Einkaufsservice waren die älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger seit November 2020 zuhause zwar gut versorgt. Aber Impftermine buchen – das wollten wir ihnen gern abnehmen. Die meisten haben ja weder Computer noch Smartphone, und das Verfahren war ja wirklich kompliziert. Sobald die ersten Termine Anfang Januar freigeschaltet wurden, habe ich zusammen mit anderen Teammitgliedern versucht, Impftermine zu ergattern. Ein Lotteriespiel! Ich habe Codes generiert, Listen angelegt und unzählige Telefongespräche geführt. Impftermine gab es nur um Mitternacht. Und bis ich die ganzen Personalien eingetragen hatte, war es oft schon zu spät: Um vier Minuten nach Mitternacht waren alle Termine weg. Das war deprimierend. Und die alten
Leute waren traurig, weil ich sie immer wieder vertrösten musste. Christiane Breuer hatte schon Anfang Januar die Idee, hier bei uns in Efringen-Kirchen eine Impfmöglichkeit zu schaffen. Aber das Landratsamt wollte, dass wir die Impfwilligen nach Lörrach ins Kreisimpfzentrum bringen. Das haben wir auch gemacht – mit dem Bürgerbus und auch mit Privatwagen. Weil die alten Leute aber teilweise zwei Stunden bei Wind und Wetter warten mussten, haben wir hartnäckig für eigene Impfungen in unserer Gemeinde gekämpft.
Mit Rückschlägen umgehen
Wir hatten schon alles vorbereitet und wollten am 23. März Einwohnerinnen und Einwohner über 80 Jahre im evangelischen Gemeindehaus in Efringen-Kirchen impfen, aber wir durften nicht – das Landratsamt war dagegen (siehe nebenstehenden Bericht). Das war für mich der schlimmste Tag: Ich musste allen, die sich schon auf die Impfung freuten, absagen. Manche waren sprachlos, andere wütend oder verzweifelt und viele
vorankamen. Nach einer halben Stunde war für die Impflinge meistens alles erledigt. Als das mobile Impfteam aus Freiburg nicht mehr kam, haben wir ab Mitte Juli das Impfen in unserer Gemeinde nahtlos selbst übernommen. Alles hat reibungslos geklappt. So haben wir erreicht, dass zuerst die über 80-Jährigen, später alle anderen Altersstufen vor Ort geimpft werden konnten. Und jetzt sogar geboostert werden. Und damit geschützt sind.
Sonja Pagenkopf haben geweint. Es war kaum auszuhalten. Als ich ein paar Wochen später dann doch die ersten Impftermine in Efringen-Kirchen vergeben konnten und meine Telefonnummer in der Zeitung stand, hat bei uns zuhause Tag und Nacht das Telefon geklingelt, morgens ab 5.30 bis nachts um 23 Uhr. Wenn ich nicht zuhause war, hat meine 86-jährige Mutter das Telefon bedient oder meine Kinder haben ausgeholfen. Zeitweise haben wir zu zweit oder zu
Foto: Breuer dritt Terminwünsche am Telefon entgegengenommen. Wieder habe ich Listen geführt, Anamnese- und Aufklärungsbogen verschickt, ein Riesenaufwand. Planung und Organisation liegen mir, aber die Bürokratie hat mir manchmal wirklich das Leben schwer gemacht. Ich wollte keine Warteschlangen, ich habe deshalb die Termine immer so organisiert, dass wir mit Registrierung, Kontrolle der Fragebögen und Impfausweise zügig
Viel Arbeit, aber auch viel Freude
Für mich war es einfach wichtig, das zu ermöglichen. Und darauf bin ich ein bisschen stolz. Es war viel Arbeit, hat mir aber auch viel Freude gemacht, vor allem, wenn die Leute nach dem Impfen so gestrahlt haben! Wenn ich meine Listen anschaue, dann habe ich mitgeholfen, bis jetzt weit über 5000 Menschen zu immunisieren. Darunter auch viele Kinder. Sehr viele Menschen haben sich bei mir bedankt. Jetzt, am Ende dieses Jahres, habe ich mich zurückgezogen und die Verantwortung in andere Hände gelegt.
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick 2021 – Efringen-Kirchen SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
Neue Spitze des Bauamts
Auf Suche nach Blindgängern
Efringen-Kirchen (ilz). Nachdem sich die Wege der Gemeinde Efringen-Kirchen und Klaus Lehmeyer getrennt hatten, war die Kommune auf der Suche nach einem neuen Bauamtsleiter. Mit dem bisherigen Stellvertreter Marc Braun konnte die Stelle schließlich besetzt werden. Durch seine bisherige Tätigkeit im Bauamt war Braun auf seine neue Leitungsposition bereits bestens vorbereitet. Interimsmäßig hatte er dem Efringen-Kirchener Bauamt bereits einige Monate vorgestanden.
Huttingen (ilz). Es war ein Besuch, der sich nicht alle Tage einstellt. Ende April kam der Kampfmittelräumdienst erstmals nach Huttingen, um eine Fläche nach Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg abzusuchen. Vermutet wurde, dass sich auf dem Ackerland Überbleibsel des Granatbeschusses befanden. Tatsächlich wurden die Experten vom Kampfmittelräumdienst denn auch fündig. Neben allerlei Altmetall bargen sie tatsächlich Granatblindgänger. Die Suchaktion war erforderlich geworden, nachdem im Vorfeld einer Verpachtung der Fläche durch die Gemeinde der Verdacht aufgekommen war, dass der Acker womöglich belastet sein könnte.
Ein besonderes touristisches Angebot Die Gemeinde Efringen-Kirchen ist seit diesem Jahr um ein touristisches Angebot reicher. Im Sommer eröffnete der „Erlebnisweg Steinbruch Kapf“. Dieser bietet
neben Erholung in der Natur auch einen einmaligen Blick in die laufende Produktion im Isteiner Kalkwerk. Gut zwei Jahre hat es gedauert, den Erlebnisweg zu reali-
sieren. Der Weg ist Teil der Ausgleichsmaßnahmen und verläuft in Teilen auf einem inzwischen wieder verfüllten ehemaligen Abbaugebiet. Foto: Ingmar Lorenz
Neues Konzept gesucht
Gebäude | Zukunft der Güterhalle am Efringen-Kirchener Bahnhof
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Marc Braun wurde im Sommer neuer Bauamtsleiter. Foto: zVg
Bodenverwertung nimmt Betrieb auf Kleinkems (ilz). Im Gebiet „Vollenburg Ost“ hat die Firma „Bodenverwertung Efringen-Kirchen“ im Sommer ihren Betrieb aufgenommen. Der Betrieb nutzt moderne Technik, um Aushub von Baustellen aufzubereiten, um diesen dann als sogenannten Flüssigboden wieder nutzbar zu machen. Mehr als 180 Anwendungsgebiete und 1000 Rezepturen stehen dabei zur Verfügung. Im Rahmen einer Feierstunde wurden die Vorteile der Technologie vorgestellt und den Gästen erläutert.
Von Ingmar Lorenz
Efringen-Kirchen. Was als verzwickte Situation begann, entpuppte sich im Lauf des Jahres als eine Möglichkeit der Aufwertung für die Gemeinde Efringen-Kirchen. Die ehemalige Güterhalle am Bahnhof ist sanierungsbedürftig, gerade was das Dach
angeht. Zugleich steht die Halle, die sich im Besitz der Gemeinde befindet, unter Denkmalschutz. Das bedeutet, dass ein Abriss des baufälligen Gebäudes nicht infrage kommt. Was also tun? Da die Gemeinde letztlich nicht umhinkommt, Geld in das Objekt zu investieren, kam die Idee auf, das Gebäude so
instand zu setzen, dass es künftig nicht mehr nur als Lagerraum genutzt werden kann.
Vorschläge für künftige Nutzung werden geprüft
Der Gemeinderat zeigte sich von diesem Vorschlag angetan und gab seine Zustimmung, verschiendene Kon-
zeptvorschläge für eine künftige Nutzung des Gebäudes einzuholen. In der Sitzung fielen Schlagworte wie Geschäft, Café oder auch Kiosk. Wie die Zukunft des denkmalgeschützten Gebäudes aber konkret aussehen wird, darüber muss im kommenden Jahr erst noch entschieden werden.
Wechsel bei der Pfarrstelle
Kirche | Johanna Pähler wird Nachfolgerin von Steffen Mahler
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Von Ingmar Lorenz
Efringen-Kirchen. Die evangelische Kirchengemeinde fand im zurückliegenden Jahr mit Johanna Pähler eine Nachfolgerin für Steffen Mahler. Dieser hatte die Gemeinde nach 13 Jahren ver-
lassen, um eine Stelle als Dekan im Kirchenbezirk Baden-Baden und Rastatt anzutreten. Nachfolgerin Johanna Pähler lebte sich gut in der Gemeinde ein. Von den Bürgern fühlte sie sich willkommen geheißen. „Ich schlage langsam Wurzeln“, sagte
Pähler einige Wochen nach ihrer Ankunft in Efringen-Kirchen. Nach dem Studium der Psychologie und Theologie absolvierte Johanna Pähler ihr Vikariat in Freiburg und entschloss sich im Anschluss für die Pfarrstelle in Efringen-Kirchen.
Die „Traube“ in Blansingen konnte ihren Michelin-Stern verteidigen. Foto: sas
„Traube“ behält ihren Stern Blansingen (ilz). Große Freude herrschte im Blansinger Restaurant „Traube“. Anfang März war bekannt geworden, dass das Restaurant seinen Michelin-Stern verteidigen konnte. Das Restaurant hatte die begehrte Auszeichnung nach einem Pächterwechsel erstmals im Vorjahr erhalten.
Ein Projekt der Gemeinschaft Johanna Pähler
Foto: zVg
Efringen-Kirchen (ilz). Ein Zeichen des Zusammenhalts setzten zahlreiche professionelle Künstler aus der Gemeinde Efringen-Kirchen mit der Organisation der Ausstellung „Zämme“. Bei dieser waren erstmals die Werke der beteiligten Künstler gemeinsam im Museum „Alte Schule“ ausgestellt. Mit initiiert hatte die Schau die SPD-Kreistagsabgeordnete Marion Caspers-Merk, die angeregt hatte, für die Ausstellung auf Mittel aus dem Fonds Schlossgut Istein zurückzugreifen.
Neues Habitat Einen lang gehegten Wunsch konnte sich Gemeinde- und Kreisrätin Selina Denzer in diesem Jahr erfüllen. Denn in der Isteiner Grundschule wurde ein neues Aquarium aufgebaut. Denzer hatte den Umzug der Fische von ihrem alten in ihr neues Habitat persönlich organisiert und begleitet. Foto: Ingmar Lorenz
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick 2021 – Bad Bellingen / Neuenburg SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
„Unsere Branche wird sich sehr verändern“
Gastronomie | Dehoga-Kreisvorsitzender Marcus Ciesiolka, der in Bad Bellingen das Restaurant „Das Park“ betreibt, blickt auf 2021 n
Weihnachtsfeiern wurden weitestgehend abgesagt – 1200 Platzreservierungen insgesamt –, und die Eisbahn ging nur eingeschränkt in Betrieb. Aber wir sind froh, dass wir arbeiten dürfen und dass wir weiterhin die Solidarität erleben dürfen.
Von Marcus Ciesiolka
Bad Bellingen. Neu für unsere Branche war sicher, so ruhig ins Jahr zu starten. Es gab kein rauschendes Fest, keinen Neujahrskarpfen, keine Kollegen und Gäste um uns herum. Anfang 2021 war uns allen klar, es würde dauern, bis wir wieder öffnen dürfen. Und es war klar, es würde dauern, bis wir Unterstützung erhielten. Als Unternehmer ist man prinzipiell ein optimistischer Mensch. Dieser Optimismus wurde im Jahr 2021 indes schwer auf die Probe gestellt. Seit 2012 betreibe ich das Restaurant „Das Park“ im Kurhaus. Unser zehntes Jahr in Bad Bellingen sollte ein weiterer Schritt in der Entwicklung sein. Neue Veranstaltungen wie den Pflanzenund Gartenmarkt wollten wir an den Start bringen. Allerdings bremste uns Corona im zweiten Jahr in Folge aus.
Branche wird stark bleiben
Viel Ruhe und Zeit für Pläne
Auf jeden Fall brachte der Januar Ruhe mit sich. Gelegenheit, sich einmal zurückzulehnen und zurück und nach vorne zu schauen. Also hieß es: Pläne machen, die Aufgaben angehen, die man immer liegen ließ und einfach loslegen. Dazwischen den Schnee genießen, denn den gab es im Winter 2020/21 reichlich. Und sich mit Kollegen und Partnern austauschen.
Gutes Netzwerk wichtig
Es zeigte sich wieder einmal, wie wichtig ein gutes Netzwerk ist. Zusammen mit meinem Betriebsberater, meinem Steuerberater, den Kollegen und den Hauptberuflichen vom Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) sind wir Problem für Problem angegangen. Haben uns gegenseitig frühzeitig informiert und waren für die Branche da. Regelmäßige Videokonferenzen wurden eingeführt, und es wurden auch Videokonferenzen zum Beispiel mit Winfried Kretschmann organisiert, der mitten in den Koalitionsverhandlungen war, und hören wollte, wie es in der Gastronomie denn so aussieht. Einen Satz von ihm habe ich mir gemerkt: „Das Virus ist nicht gerecht und unsere Entscheidungen sind
Die Gastro-Branche hat im zweiten Jahr in Folge mit den Auswirkungen der Pandemie zu kämpfen. es auch nicht.“ Ich bin mir sicher, er hatte auch schon mal mehr Spaß im Leben. Auch die Videokonferenz mit Uwe Lahl, dem Leiter des Gesundheitsministeriums, war ernüchternd, aber zeigte ganz klar: Wir müssen informieren und mit den Verantwortlichen reden und als verlässlicher Partner auftreten.
Gastroimpftage
Als im Februar die ersten Tests flächendeckend zur Verfügung standen, hat die Branche in Baden-Württemberg 6000 Mitarbeiter in Online-Schulungen mit Lisa Federle vom Tübinger Modell als Tester zertifiziert. Als wir geimpft werden durften, wurden Gastroimpftage zum Beispiel in Lörrach (1000 Mitarbeiter) und später auch in Freiburg organisiert. Dazwischen wurde mit den Azubis kräftig gelernt, vom Fische filetieren bis zu Hygie-
ne-Themen und vieles mehr. Aber auch beim Herrichten des Abenteuergolfs für die Saison waren die Bad Bellinger Azubis aktiv. Und als die ersten Sonnenstrahlen
»
Und da haben wir zum ersten Mal etwas gespürt, was wir bis heute jeden Tag erleben dürfen: die Solidarität unserer Mitbürger.« über dem Markgräflerland erschienen, wurde der Kiosk des Abenteuergolfs im Bad Bellinger Kurpark zur „To-Go-Anlaufstelle“: Hier gab es Burger, Pommes und Eis zum Mitnehmen. Und da haben wir zum ersten Mal etwas gespürt, was wir bis heute jeden Tag erleben dürfen: die Solidarität unserer Mitbürger. Man kommt sich mit Abstand nä-
her. Es wird keiner zurückgelassen, der sich in die Gesellschaft einbringt. Bevor wir wieder öffnen durften, haben wir Baustellen in der Küche zu Ende gebracht und „am“ und nicht nur „im“ Betrieb gearbeitet.
Ein fantastischer Sommer
Und dann kam ein fantastischer Sommer. Das Wetter spielte für uns mit. Die Menschen wollten raus. Die ersten Hochzeiten, die wir schon drei und vier Mal verschoben hatten, fanden statt, und die Gäste kamen in den Park und auf die Terrasse. Unser konsequentes Hygienekonzept bescherte uns viele neue Gäste. Und es zeigte sich, wie wichtig und richtig der ordentliche Umgang mit dem Personal all die Jahre war. Bis auf eine Stelle blieben alle besetzt und wir bekamen Bewerbungen, obwohl nichts
Im Zeichen der Landesgartenschau 2022 LGS | Bau der Daueranlagen und viele Projekte in Neuenburg / Bürger mit im Boot n
Von Alexander Anlicker
Neuenburg am Rhein. Auch im Jahr 2021 prägten Baukräne das Bild der Zähringerstadt. Die Sanierung der Schlüsselstraße stellte den dortigen Einzelhandel und die Gastronomie einmal mehr vor Herausforderungen. Voran ging es insbesondere beim Neubau des Parkhauses am Kronenrain. Zwischenzeitlich ist der Rohbau weitgehend fertiggestellt. Voran ging es auch beim Thema Landesgartenschau 2022. Nicht nur beim Bau der Daueranlagen gab es sichtbare Fortschritte, auch viele Projekte sind in die Umsetzung gestartet. Im Februar fiel der Startschuss für das Bürgerprojekt Bürgergarten, der von Frei-
willigen bepflanzt und gepflegt wird. Im März wurde unter dem Stichwort Intensivobst eine Obstplantage als Ergänzung zu den bestehenden Streuobstwiesen angelegt. Im April startete der Bau des Zähringergartens – ein Beitrag der ZähringerSchwesterstädte. Ebenfalls im April wurde das Wechselflorkonzept für das Ausstellungsjahr fertiggestellt, und die Landesgartenschau GmbH verteilte „LGS To Go“-Tütchen statt des geplanten „Ein-Jahr-vorher-Fests“, das coronabedingt nicht stattfinden konnte. Im Mai rief die LGS unter der Überschrift „Rheinheimische gesucht“ Helfer zur Mitarbeit auf. Weitere Bürgerprojekte liefen im Juni an, angefertigt wurden zum Beispiel
ein Stelenwald und Fahnenkunst; dazu kamen viele Schülerprojekte wie der Bau von Nistkästen. Ende Juli präsentierten sich die verschiedenen Projekte für Ehrenamtliche mit einem Ehrenamtstag im künftigen Eingangsbereich der Gartenschau. Im August wurde das lange gehütete Geheimnis gelüftet, wer bei der Landesgartenschau die Bewirtung übernehmen wird: Es ist die Freiburger Bellini-Gruppe, die unter anderem auch das Catering im Europa-Park-Stadion übernimmt. Landrätin Dorothea Störr-Ritter besuchte im September das LGS-Areal anlässlich der Fertigstellung des Beitrags des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald, dem Landkreis-Spielplatz. Im
selben Monat erfolgte der Spatenstich der „Gärten in Rheinkultur“ des Verbands Garten,- Landschafts- und Sportplatzbau. Ein Höhepunkt war der Start des Vorverkaufs der LGS-Dauerkarten am 3. Oktober im Rahmen des Kartoffelmarkts, der einzigen großen Veranstaltung mit verkaufsoffenem Sonntag, die im zweiten Corona-Jahr möglich war. Eine Abordnung aus Neuenburg fuhr im Oktober zum Abschluss der Landesgartenschau in Überlingen an den Bodensee, präsentierte sich mit einer Tanzaufführung und nahm die Landesfahne entgegen. Bereits am 19. Oktober wurde die 1000. Dauerkarte für die LGS 2022 in Neuenburg verkauft.
Foto: dpa/Bernd Thissen ausgeschrieben war. Das Team hat funktioniert und damit neue Mitarbeiter angezogen. Die ersten indonesischen Lehrlinge bestanden ihre Prüfungen und es war klar, das ist der richtige Weg. Im September war die Politik noch immer mehr mit sich selbst beschäftigt. Die Nachfolge Angela Merkels nach 16 Jahren wollte ja gewonnen werden. Und wir bereiteten uns langsam auf den Winter vor. Nach den Sommerferien kommen immer die Buchungen für die Weihnachtsfeiern rein und es sah zunächst gut aus. Ich war ab September im Park und habe die Eisbahn und das Winterdorf aufgebaut – ein neues Projekt, das wir zusammen mit Bade- und Kurverwaltung und der Gemeinde starten wollten.
Weihnachtsfeiern abgesagt
Am Ende kam es allerdings nicht so wie erhofft. Die
Unsere Branche wird sich verändern, und das sehr. Aber sie wird stark bleiben. Im vergangenen Jahr gab es in unserer Region mehr Gastro-Neueröffnungen als Schließungen. Die letzte Zeit hat auch gezeigt, wie viel an der Gastronomie hängt. Spargelfelder, die nicht abgeerntet wurden, Winzer, die feststellten, dass sie die Hälfte ihrer Produkte an Gaststätten lieferten, oftmals auch indirekt über Händler. Regionalität war schon immer das Thema in der Branche. Deshalb mein Ratschlag für das kommende Jahr: Genießen Sie ein paar Stunden bei Ihrem Lieblingswirt und tun sich und ihm etwas Gutes. Aber schätzen Sie auch unsere besondere Situation im Dreiländereck und erleben Sie die Kulturen auf den anderen Rheinseiten. In der Gemeinschaft hat sich unsere Region immer besonders gut entwickelt.
Der autor
Marcus Ciesiolka ist seit 2016 Dehoga-Kreisvorsitzender. Seit 2012 betreibt er in Bad Bellingen das Restaurant „Das Park“ im Kurhaus; von 2003 bis 2016 bewirtschaftete er zudem das Bürgerhaus-Restaurant in Müllheim. Ciesiolka ist gelernter Hotelfachmann, darüber hinaus absolvierte er ein Studium zum Hotelbetriebswirt. Der Bad Bellinger Gastronom ist 49 Jahre alt und in Breisach geboren.
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick 2021 – Schliengen / Müllheim / Auggen SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
Auggen hat einen neuen Bürgermeister
Auf dem Weg zur großen Kreisstadt
Auggen (boe). Das Jahr 2021 hat der Gemeinde Auggen einen neuen Bürgermeister gebracht: Am 11. Juli wurde der Winzer Ulli Waldkirch (33) aus Müllheim-Feldberg zum Nachfolger von Fritz Deutschmann gewählt, der nach 16 Jahren im Amt nicht mehr kandidierte. Mit rund 55 Prozent der Stimmen setzte sich Waldkirch bereits im ersten Wahlgang gegen seine Mitbewerber durch, die 32,6 Prozent (Peter Danzeisen) beziehungsweise 13,2 Prozent (Chris-Robert Berendt) der Auggener Stimmen holten. Der vierte Bewerber, Dauerkandidat Samuel Speitelsbach, erhielt lediglich eine einzige Stimme. Der 33-jährige Ulli Waldkirch ist wie sein Vorgänger gelernter Kellermeister. An die Ausbildung beim Winzerkeller Auggener Schäf schloss er ein Studium für Weinbau und Önologie an und gründete anschließend ein Weingut. Waldkirch gehörte zwölf Jahre dem Müllheimer Gemeinderat und dem Ortschaftsrat Feldberg an, darüber hinaus war er seit 2019 Ortsvorsteher von Feldberg.
Müllheim (anl). Anfang Juni war es so weit: Nach knapp fünf Jahren Planung und Bautätigkeit war die Erschließung des Neubaugebiets „Am Langen Rain“ in Müllheim (nahe der Helios-Klinik) abgeschlossen. Jetzt fehlen nur noch die Häuser und die knapp 900 erwarteten Bewohner, die der Stadt den Sprung über die Schwelle von 20 000 Einwohnern und damit zur großen Kreisstadt ermöglichen sollen. „Wir haben viele Gutachten erstellen lassen – jede Eidechse persönlich kennengelernt und umgesiedelt“, sagte Müllheims Bürgermeister Martin Löffler bei der Einweihung des Baugebiets. Die Erschließungsarbeiten hatten bereits begonnen, als der Müllheimer Gemeinderat beschloss, den seit 2018 rechtskräftigen Bebauungsplan noch einmal zu ändern, um mehr Wohnraum zu schaffen. „An vielen Stellen wurde ein Geschoss drauf gepackt“, sagte Löffler. Drei Geschosse plus Attikageschoss seien nun Standard. Im rund 7,2 Hektar großen Baugebiet sollen rund 400 Wohnungen für 850 bis 900 Menschen entstehen. Hinzu kommen voraussichtlich 55 Pflegeplätze und eine große Kita mit 80 Plätzen. Das alles habe Auswirkungen auf Schulen, Hallenkapazitäten, Handel, Verkehr, Vereinsleben und ärztliche Versorgung, stellte der Bürgermeister fest. „Dieses Baugebiet eröffnet uns die Möglichkeit, große Kreisstadt zu werden“, sagte Löffler. Wichtiger sei jedoch, dass Müllheim durch dieses Baugebiet eine Belebung und Erneuerung erfahre.
Blick auf das „Wasengärtle I“: Das Neubaugebiet liegt am westlichen Ortsrand, zwischen Gärtnerweg (L 134) und Bellinger Straße. Foto: Claudia Bötsch
Weiter auf Wachstumskurs
Entwicklung | Rege Bautätigkeit in Schliengen / Mehrere Baugebiete und Pflegeheim n
Von Claudia Bötsch
Schliengen. Auch im Jahr 2021 ist die Gemeinde Schliengen weiter auf Wachstumskurs. Maßgeblich dazu beigetragen hat das Baugebiet „Wasengärtle I“ an der Bellinger Straße, wo bereits seit Frühjahr 2020 rege Bautätigkeit herrscht.
Größtes Baugebiet
Seit 14. September offiziell im Amt des Auggener Bürgermeisters: Ulli Waldkirch Foto: zVg
Auf 27 Grundstücken werden Einzel- beziehungsweise Doppelhäuser gebaut. Auf den übrigen fünf Grundstücken entsteht Geschosswohnungsbau, zusammen 135 Wohneinheiten. Allein das Siedlungswerk Stuttgart baut sieben Gebäude mit 69 Wohnungen. Insgesamt sollen im Baugebiet „Wasengärtle“ am Ortsausgang Richtung Bad Bellingen knapp 500 Menschen
eine neue Heimat finden – es ist das größte Baugebiet in der Geschichte der Gemeinde.
In den Teilorten
Neuer Wohnraum entsteht auch in den Teilorten. In Mauchen: Nach dem Baugebiet „Unterm Dorf“, das inzwischen zu großen Teilen bebaut wurde, sind im Februar die Bauarbeiten zur Erschließung des neuen Baugebiets „Haldengässle-Ried“ gestartet. Auf dem rund 16 000 Quadratmeter großen Areal sind insgesamt 23 Einzelund Doppelhäuser vorgesehen. Insgesamt rechnet die Gemeinde mit knapp 100 neuen Einwohnern. Wie groß die Nachfrage nach Bauland in der Region ist, wurde hier wieder einmal deutlich: Insgesamt gingen
im Rathaus 110 Bewerbungen auf 19 zum Verkauf stehende Bauplätze ein. Vier der 23 Bauplätze waren von Bürgern, die Land miteingebracht hatten, direkt zurückgekauft worden. Im Herbst gestartet ist die Bebauung auf dem Areal der „Alten Gärtnerei“ in Liel: In dem kleinen Baugebiet mit acht Bauplätzen steht inzwischen der erste Rohbau. Weiter voran geht es zudem im Obereggener Baugebiet „Ochsenmatt I“, wo insgesamt sieben Häuser entstehen.
Pflegeheim entsteht
Rege Bautätigkeit herrscht zudem rund um das neue Pflegeheim „Haus am Sonnenstück“ in Schliengen, das im Zuge der Dezentralisierung des Markus-Pflüger-Heims in
Schopfheim-Wiechs gebaut wird. Die Eröffnung ist, nach gewissen Verzögerungen, für Juni geplant. Der Eigenbetrieb Heime des Landkreises investiert in Schliengen insgesamt und inklusive Grundstückskosten 14,1 Millionen Euro. Dafür entsteht ein Heim mit 74 Plätzen – davon werden 45 von aktuellen Bewohnern des Markus-Pflüger-Heims belegt. Darüber hinaus können pflegebedürftige Senioren aus der Region hier ihr neues Zuhause finden. Inzwischen sind auch die ersten Bauarbeiten für die Wohnanlage für betreutes Wohnen gestartet, die wie das Pflegeheim auf dem Grundstück zwischen Tankstelle und Tierarztpraxis realisiert wird. Geplant ist der Neubau von 33 Wohnungen.
Das Kreisimpfzentrum in Müllheim startete Anfang 2021 mit angezogener Handbremse. Foto: Alexander Anlicker
70000 Impfungen Kreisimpfzentrum | Schleppender Start n
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Von Alexander Anlicker
Müllheim. Mit angezogener Handbremse startete am 20. Januar das Kreisimpfzentrum des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald in Müllheim in einem ehemaligen Möbelhaus an der Eisenbahnstraße. Zu Beginn standen gerade einmal 100 Impfdosen pro Tag zur Verfügung, wovon die Hälfte von einem mobilen Impfteam verimpft wurde. Ausgelegt war das Impfzentrum für rund 750 Impfungen pro Tag. Erreicht wurde diese Zahl indes nur an wenigen Tagen. Mit der wärmeren Jahreszeit und sinkenden Inzidenzen sowie den Impfungen in den Hausarztpraxen hatte die Nachfrage stark abgenommen. Insgesamt wurden vom 20. Januar bis zur vorläufigen Schließung am 30. Septem-
ber rund 70 000 Impfungen verabreicht. Betrieben wurde das Impfzentrum vom Amt für Brandund Katastrophenschutz des Landkreises mit Unterstützung der Kreisverbände Freiburg und Müllheim des Deutschen Roten Kreuzes. Das Rote Kreuz hatte dafür mehr als 300 Mitarbeiter gestellt. Die anlaufende vierte Welle sorgte dafür, das am 6. Dezember in denselben Räumlichkeiten ein Impfstützpunkt des Landkreises eröffnet wurde. Anfang Dezember stieg die Zahl der gemeldeten Corona-Infektion auf 212 Fälle. Damit war Müllheim Spitzenreiter im Landkreis. Grund war unter anderem ein massiver Corona-Ausbruch an der Freien Waldorfschule mit knapp über 100 infizierten Schülern und Lehrern.
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick 2021 – Zell/Oberes Wiesental SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
Die Aufhübschung schreitet voran Zell | Verschönerung des Stadtbilds im Rahmen des Stadtmarketings / Corona bremst vieles aus, sogar die Fasnacht n
Von Peter Schwendele
Zell. Über weite Strecken hatte die Corona-Pandemie auch im Jahr 2021 die Schwanenstadt im Griff: Kaum Vereinsleben, nur ein Minimum an (eingeschränkten) Veranstaltungen, so gut wie kein fastnächtliches Treiben (die Höchststrafe für Zeller). In vielerlei Hinsicht kann es 2022 also nur besser werden. Einen Holzhieb muss der Schwanenweiher Anfang Februar erdulden: Die drei großen Erlen, die seit Jahrzehnten auf der Insel in die Höhe ragen, sind nicht mehr standfest und müssen aus Sicherheitsgründen entfernt werden. Den wenigsten gefällt die Fällaktion, aber die meisten sind sich einig, dass Sicherheit vor Optik geht. „Holadio...“ Die Zeller sind nur sehr bedingt froh, denn das gewohnte fasnächtliche Treiben ist aufgrund der Pandemiesituation einfach nicht möglich. Man behilft sich mit Schmückaktionen und setzt virtuell Ideen um, doch ein Ersatz für eine „echte“ Fasnacht ist dies natürlich alles nicht. Das finden offenbar auch einige närrisch orientierte Zeitgenossen, die am Fasnachtssonntag trotz Verbot zum großen Teil im Häs in der Innenstadt ein spontanes Treffen abhalten. Die Zusammenkunft von rund hundert Menschen wird denn auch zügig von der Polizei aufgelöst. Eine bekannte Zellerin wird im Februar für ihr Engagement ausgezeichnet: Edith Ganter, engagiert im Verein „Frieden und Entwicklung“ und im Cabanja-Weltladen, Betreiberin einer Galerie in Pfaffenberg und auch als Mitglied von Theatergruppen aktiv, erhält die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg. Und im Juli ist gleich
Die Farbe Rot und das Schwanen-Logo kommen in Zell immer mehr zum Tragen. der nächste Zeller dran: CDU-Urgestein Siegfried Kiefer erhält ebenfalls die Landesehrennadel. Kiefer war nicht nur viele Jahre lang kommunalpolitisch äußerst aktiv, er musiziert auch im Musikverein Atzenbach, wirkt beim Förderverein Textilmuseum mit und hat die Seniorenakademie mitbegründet. Im März zeichnen sich Veränderungen im Pfarrheim, das die katholische Kirchengemeinde seit einigen Jahren verkaufen will, ab. Gastronom Mike Kiefer interessiert sich in erster Linie für den dort befindlichen Pfarrsaal, den er gerne renovieren und für verschiedene Veranstaltungen nutzen möchte. Potentielle Nutzer sollen den Saal im Herzen der Stadt aber auch weiter mieten können, kündigt der „Löwen“-Wirt an, der im Lauf des Jahres bei seinen diversen Versuchen, kreative Lö-
sungen für die Corona-Ausnahmesituation zu finden, von behördlicher Seite immer wieder mal ausgebremst wird. Für die Zeller Ehrenbürger Karl Fritz, Karl Wittig, Gerhard Jung, Hans Fräulin, Bernhard Lederer und Franz
Schulleiterin Renate Maier trat 2021 den wohlverdienten Ruhestand an. Foto: Peter Schwendele
Foto: zVg
Leppert ist ein würdiger Platz gefunden worden. Die Porträts der sechs Männer hängen seit April im Rathaus-Forum – und ihre Verdienste rücken dadurch mehr ins Gedächtnis der Bevölkerung. Das neue Zeller Logo mit dem weißen Schwan auf rotem Grund wird im Stadtbild immer sichtbarer. Im Lauf des Jahres verschönern Bänke, Blumenkübel, Sitzgruppen und einiges mehr die Szenerie in Zell. Sogar Himmelsliegen kommen zum Einsatz, etwa am Schwanenweiher oder im Stadtpark. Das Ziel, federführend vom Bürgerverein verfolgt: Weg vom „Gemischtwarenladen“ und hin zu einem einheitlichen Erscheinungsbild mit Wiedererkennungswert. Veränderungen in den Ortschaften stehen an. In Pfaffenberg zieht sich im Sommer Ortsvorsteher Harald Fritz nach 30 Jahren aus der Kommunalpolitik zurück.
Sein Nachfolger wird Peter Strohmeier. Zum Jahresende hin gibt es dann eine ähnliche Entwicklung in Atzenbach: Tobias Zimmermann löst Bernhard Karle, der aus beruflichen Gründen nicht mehr weitermachen möchte, als Ortsvorsteher ab. Große Pläne hat eine Genossenschaft für das traditionsreiche ehemalige Hotel „Löwen“ in Gresgen. Dreieinhalb bis vier Millionen sollen investiert werden, um die vielfältigen Ideen umzusetzen: Gaststättenbetrieb, Dorfladen, Permakultur-Anbau, Baumhäuser und einiges mehr. Im Juli wird Renate Maier, Rektorin an der Gerhard-Jung-Schule, nach 40 Jahren im Schuldienst und 25 Jahren als Schulleiterin, davon 19 Jahre in Gresgen, in den Ruhestand verabschiedet. Auf einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin wartet man an der Zeller Grundschule noch. In Pfaffenberg freut man sich über die geglückte Sanierung der drei Wasserquellen. Verständlich, nachdem man 2018 sogar mit Tankwagen Trinkwasser ins Bergdorf transportieren musste, nachdem Wurzelgeflechte die Wasserversorgung ausgeschaltet hatten. Der Gresger Verschönerungsverein präsentiert Wanderern und Besuchern im September offiziell eine Panoramatafel auf dem Erlenboden, auf der man Erläuterungen und Erklärungen zu dem imposanten Ausblick findet, den man von dort genießen kann und der an guten Tagen bis zur Schweizer Alpenkette reicht. Kurz darauf geht beim Verschönerungsverein eine Ära zu Ende, denn Erwin Vollmer, der 31 Jahre lang an der Spitze des Vereins stand, zieht sich
aus der ersten Reihe zurück. Seit 75 Jahren steht hoch über Mambach die Kapelle Maria Frieden. Wie vieles andere fiel auch dieses Jubiläum im abgelaufenen Jahr der Corona-Pandemie zum Opfer. Dass es nicht ganz in Vergessenheit geriet, ist zu einem großen Teil das Verdienst von Peter Kiefer. Der Vorsitzende der Seniorenakademie hat eine umfang-
Die Kapelle Maria Frieden wurde vor 75 Jahren errichtet. Foto: zVg reiche Dokumentation über das kleine Gotteshaus erstellt. In vielen Sitzungen beschäftigt sich der Gemeinderat mit der Neugestaltung und Erweiterung des Kindergartencampus in der Bahnhofstraße. Im Oktober fällt die Entscheidung über die Planvariante, die realisiert werden soll – und diese beinhaltet den Erhalt des Gebäudes Bahnhofstraße 9. Im kommenden Jahr soll es losgehen mit dem Projekt. Ein paar Meter weiter, hinter dem Bahnhof, wird bereits gebuddelt. Im zweiten Bauabschnitt des Bahnhofquartiers soll dort, wo früher die Güterhalle stand, eine weitere zentrumsnahe Baulücke geschlossen werden.
Todtnauer müssen Abschied von Thomas Honeck nehmen Todtnau | Ehrenbürger überraschend verstorben / Gesamtstadt darf sich Luftkurort nennen / Orkan deckt Stadiondach ab Todtnau (pele). Große Trauer herrschte in Todtnau, als im November die Nachricht vom plötzlichen Tod Thomas Honecks bekannt wurde, der in der Silberbergstadt das Gesundheitszentrum gegründet und aufgebaut hat. Erst im Juli hatte die Stadt Honeck, der im Februar 75 Jahre alt geworden war, die Ehrenbürgerwürde verliehen. Aufgrund von Honecks Wirken habe man im oberen Wiesental „eine ärzt-
Thomas Honeck verstarb am 16. November. Foto: Archiv liche Versorgung, wie sie nicht besser sein könnte“, hatte Bürgermeister Andreas Wießner bei diesem Anlass erklärt. Auch in Schönau war Honeck beim Aufbau eines
Gesundheitszentrums federführend gewesen. Auch Ursula Honeck, die Frau des verstorbenen Ehrenbürgers, wurde im abgelaufenen Jahr 75 Jahre alt. Die von ihr mitbegründete und gelenkte Organisation „Hilfe für Osteuropa“ besteht seit genau 30 Jahren. Zu Beginn des Jahres 2021 hatte Reiner Trojan die Bürgermedaille der Stadt Todtnau in Empfang nehmen dürfen. Der Geehrte unterrichtete von 1980 bis 2020 an der Silberbergschule in Todtnau, die mittlerweile in die Gemeinschaftsschule Oberes Wiesental übergegangen ist. Trojan war auch Konrektor und kommissarischer Schulleiter und galt zu allen Zeiten als „ein Fels in der Brandung“ an der Schule. Seinen Hut nahm im März der Leiter des Forstbezirks Todtnau, Marco Sellenmerten, der zum Regierungspräsidium Freiburg in die dortige Forstdirektion wechselte. Seine Nachfolge trat am 1. Juni die Rheinländerin Susanne Berger an. Auch der Todtnauer Christoph Glaisner trat im abgelaufenen Jahr eine neue Arbeitsstelle an. Der bisherige Kreisbrandmeister wechselte im September als Be-
zirksbrandmeister zum Regierungspräsidium Freiburg. Zahlreiche Vertreter der Feuerwehren aus dem Landkreis Lörrach bereiteten ihm im August einen würdigen Abschied, indem sie beim Todtnauer Feuerwehrgerätehaus Spalier standen. Über die Neubesetzung der Rektorenstelle durfte man sich nach eineinhalbjähriger Vakanz an der Gemeinschaftschule Oberes Wiesental freuen. Mit Stefanie Waldvogel übernahm eine Pädagogin die Leitung der Schule, der die Gegend alles andere als unbekannt ist, ist sie doch in Muggenbrunn aufgewachsen, in Todtnauberg in die Grundschule und in Schönau aufs Gymnasium gegangen. Im Oktober durfte man sich an der Gemeinschaftsschule dann auch noch über die Erneuerung des „Boris-Siegels“ (Zertifikat im Bereich Berufsorientierung) freuen. Freuen durfte sich auch ganz Todtnau im August, als Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer mit der Urkunde zur staatlichen Anerkennung als Luftkurort im Gepäck erschien. Galt die Bezeichnung bis dato „nur“ für die Kernstadt und die Ortsteile Muggenbrunn und Todtnauberg,
so ist jetzt das gesamte Gemarkungsgebiet in die Auszeichnung einbezogen. Lediglich 39 Kommunen im ganzen Land das Prädikat Luftkurort tragen. Eine Auszeichnung gab es 2021 auch für das Hotel „Waldfrieden“ in Herrenschwand, das im Juni beim Schwarzwald Genuss-Award „Kuckuck21“ in der Kategorie „Restaurant des Jahres“ ganz vorne lag, sowie für die Firma Zahoransky, die im November vom Land Baden-Württemberg als ehrenamtsfreundlicher Arbeitgeber gewürdigt wurde. Respekt verdient mit Sicherheit das Engagement der ehrenamtlichen Organisation CaDiSo. Die Abkürzung steht für Caritas-Diakonie-Soziales. Zehn Jahre ist es her, dass Verantwortliche der katholischen und der evangelischen Kirchengemeinde in Todtnau diese Helfergruppe gründeten, die sich sozialen Themen widmet. Auch 2021 hat das Wirbeln des Corona-Virus so manches ausgebremst, vor allem in ersten und im letzten Drittel des Jahrs, aber nicht alles. Findig zeigte man sich beispielsweise beim traditionellen Schwarzwälder Kirschtortenfestival, das erstmals in
Das Sturmtief Ignatz deckte das Dach der Tribüne im Kandermattstadion ab. Foto: zVg seiner Geschichte als Online-Veranstaltung über die Bühne ging. Neuland betrat die Stadt mit dem Beschluss, auf dem Wanderparkplatz am Radschert Parkgebühren zu erheben. Im Mai wurde der Parkscheinautomat aufgestellt, seither müssen mir dem Auto anrollende Erholungssuchende einen Euro pro Stunde fürs Parken berappen. Um den Tourismus weiter zu fördern, soll es bald eine neue Attraktion in der Bergwelt Todtnau geben: Eine Hängebrücke über die Todtnauberger Wasserfälle. Nach vielen Diskussionen wurde
hierfür im Oktober Nägel mit Köpfen gemacht, als der Gemeinderat den Bauantrag absegnete. Bleibt zu hoffen, dass die Zukunft nicht immer wieder von Witterungskapriolen überschattet wird, von denen der SV Todtnau ein Lied singen kann. Ende Oktober wirbelte das Sturmtief Ignatz durch die hiesigen Lande. Während die meisten Orte das Gebläse unbeschadet überstanden, schlug ausgerechnet in Todtnau eine Windbö unglücklich zu und deckte das Dach der Tribüne im Kandermattstadion komplett ab.
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick 2021– Oberes Wiesental SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
Freude über das neue Schmuckstück Schönau | Neun Millionen Euro teure Mehrzweckhalle eingeweiht / Auszeichnung für den Neubau der EWS n
Von Peter Schwendele
Schönau. Ein echtes Schmuckstück: Im abgelaufenen Jahr konnte man sich in Schönau und im Gemeindeverwaltungsverband über die Fertigstellung der neuen Mehrzweckhalle freuen. Die Einweihung des rund neun Millionen Euro teuren Gebäudes im Juni fiel allerdings coronabedingt etwas schmächtiger aus, als es die Anlage in Sprungweite der Buchenbrandschule verdient gehabt hätte. Immerhin gute zwei Jahre lang war an dem schmucken Bau gewerkelt worden, im direkten Umfeld sind die letzten Anpassungen und Verschönerungen noch nicht komplett vollzogen. Dennoch konnte Schönaus Bürgermeister und Verbandsvorsitzender Peter Schelshorn bei der offiziellen Einweihung vor 70 geladenen Gästen, unter ihnen Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, mit Stolz erklären: „Wir haben eine attraktive und vielseitig nutzbare Halle für Sport, Geselligkeit und für die Schulen gewonnen.“ Dass im Jahr 2021 auch in dessen unbeschwertesten Monaten nicht wirklich groß gefeiert werden konnte, nahm auch einem Jubiläumsfest den Wind aus den Se-
Rund neun Millionen Euro wurden in die neue Mehrzweckhalle des Gemeindeverwaltungsverbands in Schönau investiert. Foto: Peter Schwendele geln, das ursprünglich zusammen mit der Halleneinweihung hätte zelebriert werden sollen: Dem runden Geburtstag des Gemeindeverwaltungsverbands Schönau. Dieser Zusammenschluss der neun Kommunen Schönau, Aitern, Böllen, Fröhnd, Schönenberg, Tunau, Utzenfeld, Wembach und Wieden jährte sich 2021 zum 50. Mal. Im
Der EWS-Neubau wurde mit dem Hugo-Häring-Preis ausgezeichnet. Foto: zVg
Jahr 1971 tat man sich im Zuge der baden-württembergischen Verwaltungsreform auf freiwilliger Basis zusammen, ein halbes Jahrhundert später musste auf den angedachten großen Festakt verzichtet werden. Einige Monate zuvor hatte eine Reihe von Bürgermeistern aus dem Süden des Landes in einem offenen Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann appelliert, trotz der unbestrittenen Gefährlichkeit des Coronavirus wieder mehr öffentliches Leben zuzulassen – unter ihnen auch Schönaus Rathauschef Peter Schelshorn. Der Appell war auch darauf ausgerichtet, Lockdown-Folgeschäden möglichst gering zu halten. Schwer gebeutelt waren beispielsweise die heimische Geschäftswelt, aber auch der Tourismus im oberen Wiesental. Das Land indes wollte sich auf „unvorsichtige Öffnungen“ nicht einlassen. Gleichwohl waren die wärmeren Monate von einer leichten Entspannung in der
belastenden Corona-Krise geprägt – und es waren durchaus auch positive Nachrichten zu vermelden. Etwa bei den Elektrizitäts-
Die neue evangelische Pfarrerin Christine Würzberg. Foto: zVg werken Schönau (EWS), die für ihren Neubau mit der Hugo-Häring-Auszeichnung prämiert wurden. Laut Jury steht das neue Bürogebäude selbstbewusst neben den Bestandsgebäuden und schafft
gut proportionierte Außenräume zur historischen Villa mit einer angemessenen Platzgestaltung. Damit nicht genug, konnten die EWS auch nach einjähriger Bauzeit auf der gegenüberliegenden Straßenseite ihre neue Heizzentrale in Betrieb nehmen. Das die Blicke auf sich ziehende Bauwerk kann als Herzstück des nach wie vor im Ausbau befindlichen Nahwärmenetzes in Schönau gesehen werden. Einen Wechsel gab es an der Buchenbrand-Grundschule: Susanne Spiegelhalder-Rinderle, die seit 2006 als Rektorin an der Schule wirkte, wurde in den Ruhestand verabschiedet. Als neue Schulleiterin konnte die gebürtige Hamburgerin Andrea Krämer begrüßt werden. Im Schönauer Schwimmbad waren in den Sommermonaten nicht so viele Wasserratten zugange wie in „normalen“ Jahren. Vor allem die Kleineren konnten sich jedoch an einer Anschaffung des Freibad-Fördervereins erfreuen: einer riesigen Gummikrake, die Spaß und Spiel dient. Der Förderverein selbst jedoch durchlebte eher schwere Zeiten und sah aufgrund des Rückzugs des bisherigen Vorstands sogar seiner Auflösung ins Auge. Quasi in letzter Minute rissen Alexander Knobel, Jürgen Strohmeier und Pascal Böhler das Ruder herum, indem sie sich als neue Führungsriege zur Verfügung stellten. Für Unruhe sorgte im Jahreslauf ein, wie sich herausstellt, ungenehmigtes Lager für Straßenaufbruchmaterial beim früheren Schlachthof in der Tunauer Straße. Dort wurde Material aus den vielen Baustellen in und um Schönau nicht nur abgelagert, sondern auch geschreddert – zum Leidwesen der Anwohner, die seit Langem über Staub- und Lärmbelästigungen klagen. Erst nach andauernden Protesten gab das
Landratsamt Lörrach die Direktive aus, dass das Straßenaufbruchlager geräumt werden muss. Doppeltes Glück dagegen bei der evangelischen Kirchengemeinde: Im September konnte mit Christine Würzberg endlich wieder eine Seelsorgerin im oberen Wiesental begrüßt werden. Die 55-jährige gebürtige Wuppertalerin, die gerne mal zur Gitarre greift, betreut nun die Kirchengemeinden
Susanne Spiegelhalder-Rinderle, Rektorin der Buchenbrandschule, wurde in den Ruhestand verabschiedet. Foto: Peter Schwendele in Schönau und Todtnau. Dazu gelang die Erneuerung der sogenannten „Schöpfungsfenster“, der Solaranlage auf dem Dach der evangelischen Bergkirche. Das Gotteshaus war 1997 das erste Sakralgebäude im Land gewesen, das mit Photovoltaikanlagen bestückt wurde, jetzt, fast 25 Jahre später, wurde das Versprechen auf eine Unterstützung der Energiewende erneuert. Und noch ein Symbol für umweltverträgliches Gebaren in der Region besteht fort: Die Gondelbahn am Belchen fährt seit 20 Jahren von der Tal- zur Bergstation – und entlastet so den schönsten Berg des Schwarzwalds vom Individualverkehr.
Rekordhalter Harald Lais räumt das Utzenfelder Rathaus Gemeindeverwaltungsverband Schönau | Martin Wietzel gewinnt Bürgermeisterwahl / Fröhnd hat interessante Projekte im Visier Oberes Wiesental (pele). Ein neues Gesicht war zu Jahresbeginn in der Bürgermeisterriege der Gemeinden des Gemeindeverwaltungsverbands Schönau zu sehen: Michael Engesser wurde im Januar als Rathauschef in Fröhnd verpflichtet und soll die Geschicke der weitflächigen Kommune in den nächsten acht Jahren lenken. Und für den „Neuen“ gibt es viel zu tun, unter anderem muss er dafür sorgen, dass – nachdem von den ambitionierten Neubauplänen Abstand genommen wurde – die Sanierung der Gemeindehalle zügig in Angriff genommen werden kann. Und auch mit weiteren Projekten ließ Engesser im Lauf des Jahres aufhorchen. So will er dafür sorgen, dass auf dem „Mutigen Bühl“ mit einem Friedberg ein alterna-
tiver Bestattungsort in der freien Natur entsteht. Und auch die Idee, an den Hängen des Wiesentals einen Solarpark zu schaffen, findet auf Initiative Engessers möglicherweise eine Fortsetzung. Zwar musste die Firma Energiedienst im Sommer ein solches Projekt zu den Akten legen, weil ein bis dato nicht kartiertes Biotop die Realisierung verhinderte, doch ein ähnliches Vorhaben der Elektrizitätswerke Schönau im Süden der Gemarkungsfläche scheint ein größeres Umsetzungspotential zu haben. Die im Dezember vorgestellten Pläne gehen davon aus, dass bei einem Gelingen 1400 Haushalte mit Ökostrom versorgt werden können. Ein neuer Mann gelangte auch in Utzenfeld ans Ruder. Bei der Bürgermeisterwahl
im April setzte sich Martin Wietzel mit 71 Prozent der Stimmen klar gegen den zweiten Kandidaten Hartmut Schwäbl durch, und das, obwohl er seine Bewerbung erst kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist abgegeben hatte. Allerdings findet der neue Rathauschef in Utzenfeld besonders große Fußstapfen vor, denn in der Geschichte des Dorfs war kein Bürgermeister länger im Amt als Wietzels Vorgänger Harald Lais. Sage und schreibe 24 Jahre lang stand dieser an der Spitze der Kommune. Da war es nur folgerichtig, dass die Ortschaft Lais zum Abschied im September einen feierlichen Rahmen bot, in dem – trotz Corona – immerhin hundert Gäste begrüßt werden konnten. Ohne den Einfluss der Pandemie wären es wohl erheblich mehr Men-
Nach 24 Jahren an der Spitze der Gemeinde Utzenfeld nahm Harald Lais seinen Hut. Foto: Archiv
schen gewesen, die Harald Lais in den kommunalpolitische Ruhestand verabschiedet hätten. Apropos Abschied: Nicht nur für die Utzenfelder Bevölkerung, sondern auch für das nähere Umland hieß es im November, den Verlust des Gasthauses „Eiche“, des letzten verbliebenen Wirtshauses im Dorf, zu verkraften. Anna Lais, Gattin des Ex-Bürgermeisters, stellte den Betrieb des Hauses, das
sich seit vier Generationen im Familienbesitz befand, nach 135 Jahren bewegter Geschichte ein. Freude kam im abgelaufenen Jahr hingegen im Nachbarort Wieden auf. Denn an der Grundschule in Wieden, die das Bergmannsdorf und Utzenfeld gemeinsam betreiben, wurde Annette Rodea Fernandez im Oktober offiziell zur Schulleiterin ernannt. Damit wurde unter anderem gewürdigt, dass die
Pädagogin bereits in den zwei zurückliegenden, alles andere als einfachen Jahren als kommissarische Schulleiterin vieles richtig gemacht hatte. In dieses Bild passt eine Nachricht aus dem Frühjahr: Bei einem bundesweiten digitalem Mathematik-Wettbewerb war die Grundschule Wieden-Utzenfeld unter den Schulen im Regierungsbezirk Freiburg ganz vorne gelandet.
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick 2021 – Kultur SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
2021 war besser als 2020 Burghof-Interimsgeschäftsführer Andrés Ibarra über schöne Kulturbegegnungen – trotz Corona
Das Jahr 2021 war besser als das Jahr 2020 Foto: Kristoff Meller
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Von Andrés Ibarra
Regio. Das Jahr 2021 war besser als das Jahr 2020. Eine merkwürdige Überschrift in diesen Zeiten? Stimmt, aber ich möchte einfach mal versuchen, auf ein Jahr zurückzublicken, das uns trotz aller Widrigkeiten auch viele schöne Momente im und rund um den Burghof beschert hat.
Das Stimmen-Festival
Nachdem wir lange Zeit fast zur Untätigkeit verdammt waren, durften wir mit den Planungen zum Stimmen-Festival wieder richtig aktiv werden. Elf Veranstaltungen haben stattgefunden – und das sind genau elf mehr als in dem Jahr zuvor. Zugegeben, es war ein außergewöhnliches Festival – ohne volle Marktplatzkonzerte, ohne das besondere Ambiente im Rosenfelspark und ohne Kirchenkonzerte. Aber wir haben das Beste aus der Situation gemacht. Schon im März hat mein Vorgänger Markus Muffler mit dem Team entschieden, die Rosenfelsparkkonzerte auf die
Burghofbühne zu verlegen, zusätzlich zu den ohnehin gebuchten Burghof-Konzerten. Eine weise Entscheidung, wie sich herausgestellt hat, da auch im Sommer Abstandsregeln für Open-AirVeranstaltungen galten. Die Kosten für bestellte Infrastruktur und Logistik wären bei geringer Auslastung oder einer kurzfristigen Absage horrend gewesen. Also ging es in den Burghof. Am 1. Juli habe ich zum ersten Mal den gut besuchten Burghof-Saal erlebt, obwohl ich bereits am 1. April meine Geschäftsführertätigkeit aufgenommen habe. Schön war es, das Eröffnungskonzert von Lisa Simone. Und so schön sollte es bleiben: Wir hatten eine extrem reduzierte Auslastung nach Corona-Saalplan mit Abstandsregeln, einem Hygienekonzept und ein Publikum mit Maskenpflicht – alles eigentlich keine Garanten für stimmungsvolle Atmosphäre. Aber gerade unser Publikum hat uns spüren lassen, wie dankbar es ist, dass wir uns nicht haben unterkriegen lassen und veranstal-
tet haben. Und schließlich gab es auch ein Lörrach-Novum: Unter dem Motto „Besser klein als nein“ durften wir ein Mini-Open-Air auf dem Kirchplatz der Stadtkirche vor dem Burghof veranstalten. Regionale Künstler und Künstlerinnen sorgten vier Tage lang für Unterhaltung, so konnten wir der Stadt wenigstens etwas Open-Air-Atmosphäre bieten.
Die Mitarbeiter
Ohne motivierte Mitarbeiter geht es nicht – welch ein ab-
dankbar für gute Unterhaltung und hat uns das mit Enthusiasmus gezeigt. Kultur ist für die Gesellschaft wahnsinnig wichtig und rangiert in ihrer Bedeutung eigentlich direkt hinter der Pflege. Dieses Bild wird gerne durch die Politik in der
Die Partner
Dass es im Verhältnis zwischen Burghof und „der Stadt“ Spannungen gab, ist bekannt. Wir haben uns sehr schnell darauf verständigt, fair, transparent und wohlwollend miteinander umzugehen. Und dass wir nie mehr darüber sprechen mussten zeigt, in welch gutem Fahrwasser wir uns mit unserem Oberbürgermeister Jörg Lutz, den Vertretern der für uns relevanten Stadtgesellschaften sowie mit dem Gemeinderat das ganze Jahr über bewegt haben. Kultur braucht aber auch Unterstützung aus der Wirtschaft. Das ist nun die Brücke zu unseren Sponsoren. Wie viel langjährige gute Partnerschaften Wert sind, hat sich in dieser besonderen Krise gezeigt. Alle Stimmen- und Burghofsponsoren haben uns die Treue gehalten. Und das nicht nur mit finanzieller Unterstützung, sondern auch mit vielen aufmunternden Gesprächen und Besuchen bei unseren Veranstaltungen.
Die Burghof-Saison
„Besser klein als nein“: Ein Mini-Open Air fand im Sommer auf dem Kirchplatz der Lörracher Stadtkirche statt. Foto: Burghof
Veranstaltungen durchgeführt haben, wesentlich mehr als im Jahr zuvor, um wieder zum Positiven zu kommen.
Der 7. Oktober war mit Yasi Hofer der Auftakt in die neue Saison. Mit großer Vorfreude und viel Publikumszuspruch hat das Burghofteam losgelegt. Zu der Zeit standen die Zeichen auf Durchstarten mit einem vielfältigen Programm und tollen Künstlern. Endlich durften wir wieder das machen, wofür wir da sind. Und dann doch wieder nicht so ganz. Die Corona-Lage verschlechterte sich zunehmend, und die ersten Künstler haben ihre Auftritte abgesagt. In der Folge durften wir uns nicht mehr ausschließlich mit Ticketverkäufen und Veranstaltungsorganisation beschäftigen, sondern betrieben Absagemanagement. Letztlich werden wir bis Ende des Jahres immerhin 25
gen.“ So wird es in den Medien vollmundig verbreitet. In der Realität sieht es dann so aus, dass wir seit August versuchen, einen Zuschuss aus dem Sonderfonds des Bundes für Kulturveranstaltungen zu bekommen. Ständig müssen zusätzliche Unterlagen und Anforderungen nachgereicht werden, die reinste Zermürbungstaktik. Und das Beste steht immer am Schluss der Seite; der Button: Registrierung zurückziehen.
Schön wars trotzdem
Ich war nun ein knappes Jahr als Interimsgeschäftsführer des Burghofs tätig und übergebe bald den Stab an meinen Nachfolger. Ich blicke auf dieses Jahr mit großer Freude zurück. Viele schöne Erlebnisse, tolle Menschen, unterhaltsame Veranstaltungen und die schönste Branche, in der ich bislang tätig sein durfte. Die Corona-Zeit wird vorübergehen, und die Kultur wird wieder aufleben – da bin ich sicher. Hazel Bruggers Auftritt im November reihte sich bereits in zahlreiche Absagen ein. Foto: Beatrice Ehrlich gedroschener Spruch, den wohl jede(r) schon im Betrieb gehört hat. Was wirklich intrinsische Motivation ausmacht, habe ich 2021 im Burghof erlebt. Menschen, die sich für ihre Arbeit begeistern, die einfach gerne im Burghof arbeiten und sich freuen, anderen Menschen etwas Schönes, nämlich gute Unterhaltung, bieten zu können. Umso frustrierender war die Entwicklung ab November. Trotz allem auch im Kundengespräch immer freundlich zu bleiben oder wiederholt „für die Tonne“ zu arbeiten, ist nicht immer einfach, denn letztlich sind wir auch nur Menschen. Aber es hat faszinierend wenig schlechte Stimmung im Team gegeben, und das allein ist schon etwas Besonderes, manche Manager in besser gestellten Branchen können davon vielleicht nur träumen.
Kultur und Politik
Dieses Jahr hat leider noch einen verhaltenen Zuschauerzuspruch gezeigt. Unser Publikum war aber sichtlich
Öffentlichkeit suggeriert. Und die Realität? Ausgefeilte Hygienekonzepte, ein erstklassiges Belüftungssystem, ständige Flexibilität bei Anpassungen zur neuen Landesverordnung – die Herausforderungen waren groß. „Was gilt denn jetzt eigentlich?“ wurde zur geflügelten Frage. Dass der Schutz der Bevölkerung höchste Priorität hat, ist unzweifelhaft und Politiker sind um ihre Verantwortung sicher nicht zu beneiden. Aber etwas mehr Transparenz und Sinnhaftigkeit täten der Sache wohl gut. Wer in diesen zwei Jahren der Pandemie schon mal in einem normalen Industriebetrieb war und gesehen hat, wie 1000 Menschen Tag für Tag auf engstem Raum an ihren Fertigungsinseln produzieren, der packt sich vor Fassungslosigkeit nur noch an den Kopf, ob der Bestimmungen, die wir in der Kulturbranche zu erfüllen haben! Wenn schon keine Besucher und Verdienstausfälle, dann sollte es Kulturzuschüsse geben. „Wir lassen die Kultur nicht hän-
ZUR PERSOn
Dr. Andrés Ibarra Dr. Andrés Ibarra, 1968 in Santiago de Chile geboren, führt den Burghof seit dem 1. April 2021 als Interimsgeschäftsführer. Er ist in Hamburg aufgewachsen und lebt seit 1999 in Freiburg im Breisgau. In seiner Laufbahn als Unternehmensberater und Managementcoach war er in verschiedenen Branchen tätig. In erster Linie begleitet er Change Management Projekte und übernimmt leitende Funktionen in der Organisations- und Personalentwicklung. Darüber hinaus ist er seit über zehn Jahren Dozent an der DHBW Lörrach.
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick 2021 – Regionalsport SONDERVERöFFENTLICHUNG · Freitag, 31. Dezember 2021 · Nummer 303
„Initiative ist von unserer Seite ausgegangen“
Tischtennis | Im Gespräch mit Hana Arapovic, Neuzugang des Bundesligisten ESV Weil / Fühlt sich in der Grenzecke sehr wohl
Sie ist 17 Jahre alt und eines der größten Talente im europäischen Tischtennis. Neuzugang Hana Arapovic war beim Erstbundesligisten ESV Weil die herausragende Spielerin der Vorrunde. Die junge Kroatin gewann an Position drei und vier sechs der sieben Einzel-Matches.
tet auf das, was auf mich zukommt.
halten. Hana, wie gefällt es dir bei deinem neuen Verein? Ich spiele wirklich sehr gerne hier in Weil. Hier sind alle sehr freundlich und die Fans unterstützen mich bei meinen Spielen großartig. Ich mag es, wie wir bei unseren Heimspielen von so vielen Leuten unterstützt werden. Die Halle ist immer voll. Das bin ich gar nicht gewohnt.
Du spielst beim ESV Weil im unteren Paarkreuz. Fühlst du dich dort wohl oder würdest du viel lieber im oberen Paarkreuz spielen? Aktuell denke ich, dass ich im unteren Paarkreuz gut aufgehoben bin. Dort gibt es auch starke Spielerinnen, die mich fordern. Aber mein Ziel ist es natürlich, eines Tages an Nummer eins oder zwei zu spielen.
Du hast in deiner noch jungen Karriere schon sehr viel erreicht. Welche Ziele setzt du dir noch? Es ist der große Traum aller Sportler. Eines Tages möchte ich an den Olympischen Spielen teilnehmen. Das ist mein großes Ziel. Was sagt deine Familie zu deinem Tischtennis-Engagement in Deutschland? Meine Familie unterstützt mich sehr und alle sind glücklich, dass ich in der 1. Bundesliga spielen darf.
Weil am Rhein. „Sie ist für uns ein absoluter Glücksfall. Hana hat die Erwartungen weit übertroffen, spielt für ihr Alter ein überragendes Tischtennis“, lobt ESV-Trainer Alen Kovac ihren Schützling. Der ESV Weil hat in der Vorrunde die Partien gegen Böblingen (6:4), Bingen/ Münster-Sarmsheim (6:2) und Weinheim (6:3) gewonnen. Bei allen drei Begegnungen war Hana Arapovic dabei. Ihre Stärke ist den Bundesliga-Konkurrenten nicht verborgen geblieben. „Da werden sicherlich Angebote kommen. Wir werden aber alles versuchen, um unser Küken zu halten“, betont ESV-Sportchef Serge Spiess. Nach der Vorrunde haben sich Teamgefährtin Vivien Scholz und unser Redakteur Uli Nodler mit der jungen Ausnahmekönnerin unter-
Wie kommst du mit deinen Teamkolleginnen und Trainer Alen Kovac klar? Ich verstehe mich richtig gut mit meinen Mitspielerinnen und dem Trainer. Ich denke, unser Teamgeist ist klasse.
Uli Nodler (nod)
Michael Hundt (mhu)
Fabian Schreiner (fas)
n Beifall
n Beifall
n Beifall
Applaus und großer Respekt! Die erste Damenmannschaft der Tischtennis-Abteilung des ESV Weil ist auf dem besten Wege, sich in der 1. Bundesliga zu etablieren. Wer hätte das gedacht. In der Premierensaison begeisterte der von vielen eingangs noch belächelte Eisenbahnersportverein mit dem Einzug ins Playoff-Halbfinale um den Deutschen Meistertitel. Mit großem sportlichem Sachverstand und finanziellem Augenmaß entstand ein Damen-Bundesliga-Team, das der hochklassigen Konkurrenz Paroli bieten kann. Vor dieser Tischtennis-Abteilung in der Stadt der Stühle kann man nur den Hut ziehen.
Hurra, wir leben noch! Überstehen mussten die Handballer der HSG Dreiland in der Vergangenheit so einiges. Doch in diesem Jahr zeigten die Herren, was in ihnen steckt und wozu sie unter der Regie von Cheftrainer Bruno Kempf imstande sind. Derzeit rangieren die ESV-Handballer auf dem zweiten Platz in der Südgruppe der Landesliga. Die HSGler werden auf jeden Fall um den Aufstieg in die Südbadenliga spielen. Positiv ist auch, wie sich die SG Maulburg/Steinen präsentiert. Trotz dünner Personaldecke kämpft die SG bravourös in der Liga mit, erweist sich vor allem für alle Teams als zäher Gegner.
Jahrelang kämpfte der FSV in der Landesliga um den Ligaerhalt, sorgte mit Trainerentlassungen und Disziplinlosigkeiten für Aufsehen am Hochrhein. Doch diese Zeiten gehören wohl nun der Vergangenheit an. Seitdem Werner Gottschling gemeinsam mit Peter Johann das Zepter in Rheinfelden übernommen hat, läuft es wie am Schnürchen. Die Löwenstädter haben keines der 16 Ligaspiele verloren und grüßen mit bärenstarken 40 Punkten ungefährdet von der Tabellenspitze. Der Aufstieg in die Verbandsliga ist im Bereich des Möglichen. Wer hätte das vor ein paar Monaten noch gedacht?
n Pfiffe
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Was ist nur in die Fans aus der Muttenzer Kurve gefahren? Eben jene Fans, die in der Vergangenheit immer wieder propagierten, dass sie ihren FC Basel auch in dunklen Stunden ohne Wenn und Aber unterstützen. Die Art und Weise, wie diese Fan-Gruppe Mitte des Jahres gegen FCB-Besitzer Bernhard Burgener und CEO Roland Heri in Wort und Tat gewütet hat, war wohl an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten. Da wurde eine Grenze des fairen Umgangs miteinander weit überschritten. Diese Art von Fan-Protest ist absolut nicht hinzunehmen. Schämt Euch alle miteinander!
Kurzfristige, nicht nachvollziehbare Entscheidungen haben der Südbadische Fußballverband (SBFV) und der Südbadische Handballverband (SHV) kurz vor Weihnachten getroffen. Zeitlich viel zu spät und für die betroffenen Vereine in der Kürze der Zeit verkündeten sowohl der SBFV als auch der SHV die Einführung der 2G+ Regelungen für alle Beteiligten und nahmen so den finanziell bereits gebeutelten Vereinen die Möglichkeit, bei den Spielen doch noch etwas Geld einzunehmen. Die vorzeitig verkündete Winterpause tut nun ein übriges dazu, die Mannschaften im Regen stehen zu lassen.
Wie kam eigentlich der Kontakt zum ESV Weil zustande? Die Initiative ist von unserer Seite ausgegangen. Mein Vater kennt Alen Kovac von früher. Also hat er Alen gefragt, ob Weil Verwendung für mich hat. Dann ging alles sehr schnell, und nun freue ich mich sehr, dass ich hier auf diesem hohen Niveau spielen kann.
Wie schätzt du deine Leistungen in der Vorrunde ein? Ich bin mit meiner Leistung sehr zufrieden. Dass ich auf Anhieb in dieser Top-Liga so gut spiele, hätte ich nicht erwartet. Darüber bin ich schon froh, dass ich dem ESV Weil so gut helfen kann. Entspricht die Liga deinen Erwartungen? Ja unbedingt. Ich wusste, dass die deutsche Bundesliga im Damen-Tischtennis stark ist. du brauchst einen guten Teamspirit, wenn du in dieser hochklassigen Liga bestehen willst. Immerhin
Hana Arapovic
Archivfoto: Grant Hubbs
spielt mit Berlin die aktuell beste Damen-Mannschaft
Europas in der 1. Bundesliga. Also war ich schon vorberei-
Empfindest du die An- und Abreisen zu den Spielen als sehr stressig? In der Vorrunde war mein Terminplan sehr voll, daher war es schon stressig. Ich denke aber, dass es in der Rückrunde besser werden wird und ich dem ESV Weil öfter als in der Vorrunde zur Verfügung stehe.
Info
Beifall & Pfiffe Objektivität ist ein hohes Gut. Aber: Auch wir sind nur Menschen und nehmen sportliche Ereignisse unserer Region subjektiv wahr. Im Jahr 2021 haben wir wieder über eine Vielzahl positiver Momente berichtet, die uns begeisterten und den Arbeitsalltag versüßten. Aber es gab auch Negatives, das
uns missfiel und Kopfschütteln auslöste. In unserem Jahresrückblick nennen wir unter der Rubrik „Beifall & Pfiffe“ die Dinge beim Namen, die uns gefreut oder auch geärgert haben. Ihre Sportredaktion Uli Nodler Michael Hundt Fabian Schreiner
Mit wie viel Jahren hast du mit dem Tischtennis angefangen? Wettbewerbsmäßig habe ich mit sechs Jahren begonnen, Tischtennis zu spielen. Spielt in deiner Familie noch jemand Tischtennis? Und ob. Tischtennis ist bei uns ganz groß. Mein Vater ist mein Trainer und gleichzeitig Nationaltrainer Kroatiens. Meine Mutter spielte in früheren Jahren Tischtennis und mein Großvater war Schiedsrichter. Welches Ziel setzt du dir mit dem ESV Weil? Ich will mit Weil in der Rückrunde noch mehr Siege als in der Vorrunde holen.
n Pfiffe Die Entwicklung des Landesligisten kann keinen der Klub-Verantwortlichen zufriedenstellen. Neun Punkte sammelte der FC Wittlingen lediglich in der Hinrunde. Die Kandertäler finden sich als Tabellenletzter in der Landesliga wieder, der Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz beträgt derweil schon acht Zähler. Ende September warf Tiziano Di Domenico das Handtuch. Fabio Muto soll nun gemeinsam mit Angelo Cascio noch den Klassenerhalt realisieren. Das gelingt jedoch nur, wenn der FCW zurück zu den Tugenden findet, welche die Wittlinger in der Vergangenheit ausgezeichnet hatten.