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Parks entwerfen

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Inhalt

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LEONARD GROSCH / CONSTANZE A. PETROW

Parks für Menschen ROBERT HAMMOND

Parallelen

LEONARD GROSCH

Learning from Gleisdreieck

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Bilder im Kopf: Was mich antreibt

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Park am Gleisdreieck: Strategien der Gestaltung

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Ort – Bedürfnis nach Geschichte

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Gerüst – Halt und Orientierung

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Programm – Aktivität und Gemeinschaft

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Mehrfachkodierung – Alltägliche Benutzbarkeit und Selbstentfaltung

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Bühne und Tribüne – Großes Kino

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Maßstab – Geborgenheit und Freiheit

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Naturen – Wildheit und Gestaltung

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Detail – Präzision und Sinnlichkeit

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Atmosphären – Mittendrin und richtig draußen

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Ausblick: Weiter geht’s

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Park am Gleisdreieck Facetten eines Freiraums in Berlin


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CONSTANZE A. PETROW

Parks als lebendige Orte entwerfen

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Landschaftsarchitektur als urbanistische Disziplin

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Performativer Ansatz

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Ein Blick zurück: Parks in der Moderne

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Parks als lebendige Orte entwerfen – 12 Stellschrauben

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1. Vielstimmig entwickeln

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2. Komplex gestalten

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3. Intensiv programmieren

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4. Geschickt positionieren

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5. Naturversprechen einlösen

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6. Geschichte(n) erzählen

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7. Bilder finden und verstärken

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8. Mit der Stadt verweben

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9. Aneignung ermöglichen

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10. Alle willkommen heißen

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11. Öffentlichkeitsgrade verschränken

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12. Gemeinsam weiterentwickeln

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Fazit: Parks für die Open City

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FRIEDER BECKMANN / MEIKE HAKEN / ANTONIA MUSCHNER

Ein Park voller Atmosphären

Wahrnehmung und Herstellung von Atmosphären im Park am Gleisdreieck

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Quellen

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Impressum /Bildnachweis


Parks für Menschen „Das ist bis heute für unsere Disziplin eine der schwierigsten Aufgaben: einen zeit­ genössischen Typus von Park zu entwickeln.“ GÜNTHE VOGT

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tadtgesellschaften wandeln sich derzeit tiefgreifend. Sie werden ethnisch und kulturell vielfältiger, aber auch älter. Städtische Milieus und Lebensstile differenzieren sich aus, und die Ungleichheit zwischen arm und reich wächst. Für ein gutes und spannungsfreies Miteinander sind belebte und integrative öffentliche Freiräume daher wichtiger denn je. Sie stellen ein leistungsfähiges und zudem vergleichsweise günstiges Mittel dar, um das friedliche Zusammenleben in Städten zu fördern. „Leistungsfähig“ bedeutet in diesem Zusammenhang das Vermögen, unterschiedliche Bevölkerungsgruppen anzuziehen, verschiedenste Nutzungen zu ermöglichen und dadurch einen lebendigen Ort mit entspannter und sicherer Atmosphäre zu bieten. Erst so ein Ort erlaubt ein wesentliches Moment urbanen Lebens: die Begegnung zwischen Fremden. Bei vielen landschaftsarchitektonischen Projekten der letzten zwei Jahrzehnte – und insbesondere jenen, die aus Wettbewerben hervorgegangen sind – wurden Fragen des ästhetischen Stils und das Ziel formaler Originalität vor die Nutzungsmöglichkeiten und die Aufenthaltsqualität gestellt. Publikationstauglichen Bildern wurde der Vorrang vor der Leistungsfähigkeit eines Ortes als öffentlicher Raum gegeben. Die Alltagseignung wurde der Eventtauglichkeit untergeordnet. In der Konsequenz zog man den Markt den Interessen der Öffentlichkeit vor – sowohl den Markt innerfachlicher Aufmerksamkeit1 als auch die ökonomische Verwertung von Stadträumen im Zuge einer unternehmensorientierten Stadtentwicklungspolitik. Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten folgten hier nicht nur ihren eigenen Wertvorstellungen; sie reagierten auch auf Wünsche der Bauherren. Zu kurz kamen dabei jedoch oft die sozialen und psychologischen, aber auch die politischen Aspekte städtischer Freiräume: ihr Vermögen, zu gesellschaftlicher Integration, sozialer Stabilität und einem vitalen öffentlichen Leben beizutragen. Wulf Tessin hat vor einigen Jahren eine wichtige Debatte über die ästhetischen Vorlieben von Parknutzern angestoßen, die im Widerspruch zu vielen zeitgenössischen Gestaltungen stehen.2 Die Kontroverse, die sich daran anschloss, 1 vgl. Franck 1998; 2 Tessin 2008

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verdeckte indes die politische Brisanz einer Landschaftsarchitektur, die sich selbst genügt und von Entwerfern vor allem als ästhetisches Objekt begriffen wird. Öffentliche Räume, die nicht ausdrücklich mit dem Ziel entworfen werden, Menschen anzuziehen und im Alltag intensiv nutzbar zu sein, bleiben oft öde und leer – und damit weit hinter ihren Möglichkeiten als städtische Begegnungsorte zurück. Nachdem in den 1990er Jahren das Terrain der Gestaltung in der Landschaftsarchitektur zurückgewonnen wurde und seit den 2000er Jahren die ökologischen Aspekte von Freiräumen im Zuge der gestiegenen gesellschaftlichen Wahrnehmung des Klimawandels neue Aufmerksamkeit erfuhren, gilt es nun, die soziale Rolle der Landschaftsarchitektur wieder zu schärfen. In diesem Buch geht es deshalb nicht in erster Linie um Fragen der Ästhetik, sondern um die soziale Leistungsfähigkeit von Freiräumen. Wie kann es gelingen, dass ein Park oder Platz „brummt“? Wie schafft man es, dass ihn möglichst viele Menschen besuchen, weil er Entspannung, Abwechslung und Überraschung verspricht und die Großartigkeit des Lebens in der Stadt zelebriert? Indem es versucht, diese Fragen zu beantworten, ergänzt dieses Buch in gewissem Sinne das 2003 erschienene Werk „Freiräume(n). Entwerfen als Landschaftsarchitektur“ von Hans Loidl und Stefan Bernard. Jenes vermittelt Studierenden das Handwerkszeug der Raumgestaltung in der Landschaftsarchitektur – es zeigt, wie man Räume entwirft. Wie aber schafft man Orte? Uns geht es also um die Möglichkeiten, Freiräume zu Bühnen des städtischen Lebens zu machen – Bühnen, die intensiv bespielt werden und die für die Menschen Bedeutung haben. Diese Herangehensweise bezeichnen wir als „performativen Ansatz“. Den menschlichen Maßstab zu adressieren und städtische Räume voller Leben zu schaffen, wie dies Jan Gehl für die Architektur und den Städtebau propagiert,3 ist auch in der Landschaftsarchitektur kein Selbstläufer. „If your goal is to create a place [...], a design will not be enough.“, stellt das Project for Public Spaces fest.4 Landschaftsarchitektur kann mehr als konzeptionell originell und formal auf der Höhe ihrer Zeit sein. Dazu muss ein Entwurf aber nicht nur ein starkes ästhetisch-räumliches Konzept, sondern zugleich auch eine anspruchsvolle Idee von einem Ort als sozialem Raum enthalten: eine Idee davon, was eine Gestaltung an Nutzungen ermöglicht, an Atmosphäre(n) entstehen lässt und an Settings zur Begegnung und zum gemeinschaftlichen Erleben bietet. Es geht dabei um die Zusammenhänge zwischen Form und Nutzung, Programmatik und Lebendigkeit, gestalterischer Geste und der Beliebtheit eines Ortes, zwischen Mitsprachemög3 Gehl 2010; 4 www.pps.org

Parks für Menschen

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Parallelen Grußwort von OBET HAMMOND, Initiator des High Line Parks in New York

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ie Parallelen zwischen dem High Line Park und dem Park am Gleisdreieck sind bemerkenswert: angefangen bei der Nutzung durch den Schienenverkehr und dem Verfall über die Bürgerinitiativen zur Rettung dieser Orte bis hin zur Integration gestalteter und wilder Flächen in die Parks. Beide wurden abschnittsweise eröffnet und offenbarten sich dem Publikum erst nach und nach. Zwischen Konzept und Realisierung lag beide Male beinahe ein Jahrzehnt. Beide dienten dem Güterverkehr, und beide fielen brach infolge einer veränderten Wirtschaftslage. Im Falle des Gleisdreiecks kamen der Zweite Weltkrieg und die Teilung der Stadt hinzu. Nachdem sie ihr Leben als Bahnfläche hinter sich gelassen haben, wurden beide zu neuem Leben erweckt. Statt Güter zu transportieren, verbinden sie nun Quartiere. Und innerhalb dieser Quartiere verbinden sie die Menschen, die dort leben. Die jahrzehntelangen Bemühungen Berliner Bürger, das Gleisdreieck zu bewahren und wiederzubeleben, begeistern mich. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie leicht einen Projekte dieser Größenordnung entmutigen können. Als ich 1999 das erste Mal am Treffen eines Nachbarschaftsrats teilnahm, ging ich davon aus, dass eine solche Gruppe das Ziel hätte, die High Line zu retten. Ich lag falsch. Tatsächlich wollte man sie abreißen. Auf jener Versammlung lernte ich Joshua David kennen. Kurz nach dieser zufälligen Begegnung gründeten wir Friends of the High Line, einen Non-Profit-Verein zur Rettung der Hochbahn. Wir wussten: Um erfolgreich zu sein und die High Line vor dem Abriss zu bewahren, mussten wir die Öffentlichkeit einbeziehen. Keiner von uns verfügte über finanzielle Mittel oder über Erfahrungen im Bereich des bürgerschaftlichen Engagements oder der Stadtplanung. Also verließen wir uns auf das, was die Bürger sich von diesem Ort erhofften. Als wir begannen, die verlassene Bahntrasse zu erkunden, entdeckten wir einen geheimen Garten, einen verwilderten Ort. Auch auf dem Gleisdreieck hatte sich nach Jahren des Brachliegens eine reichhaltige Natur entwickelt. Was die beiden zeitgenössischen städtischen Parks so einzigartig macht, ist die Tatsache,

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dass sie von der Community geschaffen wurden und auf das Bedürfnis nach öffentlichen Freiräumen reagieren. Die Bürgerinnen und Bürger haben diese grünen Räume verlangt und für sie gekämpft. Wenn ich an Parks in europäischen Städten denke, kommen mir gestriegelte Gärten in den Sinn, angelegt vor Jahrhunderten zum Ruhm von Familien wie den Habsburgern oder den Medici. Das sind prächtige Orte, aber sie sind abgekoppelt von der Erfahrung, in einer Stadt zu sein, und von allem, was das Leben in der Stadt interessant macht. Zugleich sind solche Schmuckkästchen-Parks von ihrem Umfeld abgekoppelt. Wer darin sitzt, weiß wohl, dass er in einem Park ist, aber er spürt kaum, dass er sich an einem großartigen Ort wie Berlin oder New York befindet. Die neuen Parks bieten neue Ansatzpunkte, mit der Stadt in Kontakt zu treten und sie zu beobachten. Am Gleisdreieck mag ich gerade die Verbindung von gestalteter und nichtgestalteter Natur. Eine Sache, mit der Josh und ich haderten, als wir die High Line planten und entwickelten, war die Zerstörung jener Wildnis, die uns so am Herzen lag. Die Planer des Gleisdreiecks haben sie „Gleiswildnis“ genannt – ein perfekter Ausdruck, um das Wesen dieser Orte zu beschreiben. Eines der schönen Dinge am Park am Gleisdreieck ist, dass man sich an manchen Stellen fühlt, als entdeckte man etwas, das nie zuvor ein anderer gesehen hat. Beide Projekte gaben ihren Planern die einmalige Gelegenheit, einen großen Bereich innerhalb einer bestehenden Stadt neu zu denken und zu gestalten. Diese beiden Parks waren einmal vergessene Orte, assoziiert mit Verfall. Dank gemeinschaftlichen Engagements und innovativer Gestaltung sind die einstigen Überbleibsel nun begehrte Ziele und Orte, an denen man gern seine Zeit verbringt. Verwoben mit der Stadt und dem Leben ihrer Bürger.

Parallelen

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Learning from Gleisdreieck LEONARD GROSCH


Ort

Bedürfnis nach Geschichte Die Charakteristika eines Ortes sorgfältig zu analysieren, sie zu bewerten und zu interpretieren bleibt die Grundlage eines jeden landschaftsarchitek­ tonischen Entwurfs. Die Qualitäten eines Ortes sind einzigartig. Sie sind schon da. In Zeiten einer immer stärkeren globalen Angleichung ist es wich­ tig, unverwechselbare Orte zu entwerfen, indem man ihre Eigenarten stärkt. Zugleich ist es ein Gebot der Ressourcenschonung, das räumliche und funktio­ nale Grundgerüst aus dem Ort abzuleiten. Dieses Weiterbauen der Geschichte erhöht bei vielen Menschen die Akzeptanz: Solche Freiräume werden wie selbstverständlich angenommen. Aus der Wertschätzung für das Erbe vergan­ gener Zeiten erwächst eine besonnene und überlegte Auseinandersetzung mit einem Ort. Es geht um den Wunsch, in Orten Bedeutung zu finden. Beliebig­ keit wird abgelehnt. Zu guter Letzt ist es auch einfacher für den Landschafts­ architekten: Warum Ortsfremdes ersinnen, wenn eine genaue Beobachtung des Ortes das räumliche und thematische Konzept liefern kann? Was also bedeutet Ort? In meinem Verständnis setzt sich ein Ort zusammen aus räumlichen Qualitäten, aus den konkreten, baulichen Hinterlassenschaften von Menschen vergangener Zeiten, aus einer Atmosphäre, die Auskunft darüber gibt, was ein Ort braucht, was dort angemessen und was schädlich wäre, aus technischen Zwängen, und all das: zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Raum Der erste Schritt besteht für mich darin, die substanziellen Qualitäten des vorgefundenen Raumes zu empfinden und die entscheidenden landschaftlichen Elemente zu beschreiben, die ihn prägen. Gleichzeitig (oder zumindest bewusst kaum davon zu trennen) findet eine Bewertung und Interpretation statt. Als wir 2005 das Gelände des ehemaligen Anhalter Güterbahnhofs betraten, das aufgeschüttete Bahngelände hinaufliefen und den rahmenden, dichten Sukzes-

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RASEN WIESEN RUDERALWALD KLEINGÄRTEN FRAGMENTE RETTUNGSPLÄTZE

Westpark U1

Hochbahn Viadukt

GEHÖLZRAHMEN Tunnelmund

Ladestraße

LICHTUNG

U2

Ostpark

Museumsbahn

Stellwerk KLEINGÄRTEN

Mauer

Schienen & Prellböcke

GEHÖLZRAHMEN LICHTUNG

PLATEAU

PLATEAU

Gleiswaage Bunker Stellwerk

Yorckbrücken SCHNELLBAHN GEHÖLZRAHMEN

Stellwerk

Flaschenhalspark

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Bühne und Tribüne Großes Kino

Ein Park soll Menschen zusammenführen. Es soll ein Gefühl sozialer Nähe und Zusammengehörigkeit entstehen. Eine entspannte Atmosphäre zu schaffen, kann ein Beitrag dazu sein, soziale Spannungen zu mildern oder gar nicht erst aufkommen zu lassen. Um das zu erreichen, ist es zum einen nötig, Kommu­ nikation gezielt zu fördern, und zum anderen, ein Gefühl des Miteinander her­ zustellen. Wie lässt sich das landschaftsarchitektonisch umsetzen? Das Prinzip von Bühnen und Tribünen inszeniert das Aufeinandertreffen von Menschen, die sich sonst nicht zur Kenntnis nehmen würden. Menschen sollen und wollen etwas tun im Park: sich ausleben und zur Schau stellen, andere teilhaben lassen an ihren Fähigkeiten und Hobbys. Dazu braucht es jemanden, der etwas macht, und jemanden, der zuschaut, vielleicht sogar bewundert. So entstehen Interaktion und Kommunikation. Im Park am Gleisdreieck gibt es in beiden Parkhälften formelle Bühnen und Tribünen, die als solche unmittelbar erkennbar sind: die schon beschriebene ­Tribüne am Tunnelmund, die Kleine Tribüne am Tanzplatz und die Stelcon-­Tribüne, die wir aus vor Ort vorgefundenen Schwerlastplatten mit Stahlrahmen schichten l­ießen. Wichtig ist die Ausrichtung: Die eine weist nach Westen, weshalb sie als Feierabendtribüne besonders am späten Nachmittag und Abend zum Sitzen, ­Fläzen und Weintrinken genutzt wird, die andere ist nach Süden orientiert und wird zum Sonnenbaden, Picknicken, Lesen stark frequentiert. Allen drei Tribünen sind – gleichsam als Bühnen – Flächen vorgelagert: der großen Tribüne am Tunnelmund eine Sandfläche und die große Wiese, der kleinen Tribüne die Tanzfläche aus geschliffenem Asphalt und der Stelcon-Tribüne ebenfalls eine Fläche aus Asphalt. Im Nachhinein beobachte ich, dass einige Bühnenflächen offenkundig immer noch zu wenig Animationsqualität haben, um interessante Aktivitäten anzulocken. Für diese Flächen wäre eine Kuratierung durch einen Träger oder durch Bürgergruppen wünschenswert, um etwa kleinere, alltägliche Sport- oder Musikereignisse auf die Bühne zu holen. Auch eine Bespielung mit temporären Installationen oder

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FORMELLE TRIBÜNE FORMELLE BÜHNE INFORMELLE TRIBÜNE INFORMELLE BÜHNE Die Bühnen und Tribünen sind ebenfalls Teil des Programms.

NEST mit besitzbarem Zaun SPIELTOPOGRAFIE mit Balkenbänken

GROSSE TRIBÜNE mit Stadtstrand BRETTERBUDE mit Tribüne

LAUFSTEG

LICHTUNG mit Sitzbalken

KLEINE TRIBÜNE mit Tanzfläche STELCON-TRIBÜNE mit Kreuzplatz SKATEBOWL

KINDERZIMMER mit besitzbarem Zaun LICHTUNG mit Balkenbänken

STANGENWALD mit Sitzkante

AUFGÄNGE YORCKSTRASSE mit Cortenstahl-Treppen

STREETBALL MONUMENTENBRÜCKE

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Ort 1 Das Gleisdreieck liegt im Herzen Berlins nahe dem Potsdamer Platz. Einst beherbergte dieses Areal Güterbahnhöfe. Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel es brach, weite Teile verwilderten. Zwei U-Bahn-Viadukte führen über das Gelände hinweg. Eine Bahntrasse läuft in NordSüd-Richtung mitten hindurch und stellt damit eine starke räumliche Zäsur dar.

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25  Vor allem im Flaschenhalspark kommt ein intensives Gefßhl von Wildnis in der Stadt auf. Relikte der Bahnnutzung verhelfen diesem Ort zu seiner besonderen Aura. Mulchwege auf einem ehemaligen Gleisbett fßhren durch diesen Teil des Parks. Sie machen ihn auf ruhige Weise erlebbar und eignen sich gut zum Joggen.

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26 – 28  Neben der landschafts­ architektonischen Gestaltung und wild belassenen Flächen bietet der Park am Gleisdreieck Orte lebendiger Gartenkultur. Im inter­ kulturellen Garten „Rosenduft“ gärtnern Migrantinnen gemeinsam und bauen ihnen vertraute Obstund Gemüsesorten an. In den Park integrierte Kleingärten bringen eine weitere Pflanzenwelt und „Sozio-Natur“ ein.

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42  Ein sehr intensiv genutzter Bereich ist die Spieltopografie auf dem grünen Platz im Westpark. Der Boden aus weichem Gummi­ granulat ermöglicht allerlei ­Fortbewegungsarten und zieht ­Menschen unterschiedlichen Alters an, die sich diesen Ort wie selbst­verständlich teilen.

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Nutzungsoffen 51 Neben spezifischen und mehrdeutigen Nutzungsangeboten muss es in einem Park auch großzügige nutzungsoffene Bereiche geben. Sowohl im Ostpark als auch im Westpark bieten sich die weiten Lichtungen für Betätigungen aller Art an.

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Aneignung 57 Etliche Nutzungen im Park am Gleisdreieck wurden von den Bürgern ausgehandelt, so auch das Café Eule. Sein Charme des Alternativen, mit wenigen Mitteln Realisierten sowie das umfangreiche, liebevoll zubereitete Angebot an kleinen Speisen und Getränken machen es zu einem besonderen Ort im Park.

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„Activity in human life is the greatest attraction in cities.“ JAN GEHL, LAS GEMZØE

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arks sind Orte des Wandels. Das Gleisdreieck war einst eine „eiserne Landschaft“, ein „großartiger Tempel der Technik unter freiem Himmel“.1 So feierte Joseph Roth den Ort im Jahr 1924. Entstanden in der Hochphase der Industrialisierung Berlins, beherbergte das Gleisdreieck den Potsdamer und den Anhalter Güterbahnhof. Jahrzehnten unermüdlicher Betriebsamkeit folgten nach dem Zweiten Weltkrieg Jahrzehnte des Brachliegens und der Vergessenheit des Areals. Die eiserne Landschaft wurde zur Wildnis. Mit Beginn des neuen Jahrtausends erlebte das Gleisdreieck erneut eine grundlegende Transformation – hin zu einem Ort der Freizeit, Erholung und Naturerfahrung. Im Wandel sind aber nicht nur die Orte, an denen Parks entstehen. Auch die Parks selbst wandeln sich und mit ihnen die Vorstellungen davon, was eine gute Parkgestaltung ausmacht. Der Park am Gleisdreieck ist ein Meilenstein der Parkentwicklung der vergangenen Jahrzehnte. Nicht nur ist er ein destination park geworden, ein Freiraum also, der mehr Menschen anzieht, als in seinem Umfeld wohnen. Er vereint auch eine Vielzahl von Ideen, die anderswo bereits erfolgreich erprobt worden sind. Seine Entstehungsgeschichte, seine Gestaltung und die Praxis seiner Weiterentwicklung haben das Rad dessen, was schon dagewesen ist, ein Stück weiter gedreht. Am Beispiel des Parks am Gleisdreieck und mit Querbezügen zu vielen anderen Projekten der letzten Jahrzehnte diskutiere ich in diesem Beitrag aktuelle Tendenzen in der Gestaltung und Governance von Parks als großen, grüngeprägten Freiräumen. Im Mittelpunkt steht der Entwurf des Atelier Loidl in seiner Fähigkeit, vielfältige Nutzungsmöglichkeiten zu eröffnen und dadurch einen belebten und beliebten Ort zu schaffen. Zugleich manifestiert sich im Park am Gleisdreieck eine umfangreiche bürgerschaftliche Einflussnahme. Sie schlägt sich in den Angeboten des Parks und seiner Atmosphäre und damit auch in seiner Rolle als Freiraum in der Stadt nieder. Der Park ist ein Produkt aus beispielgebender landschaftsarchitektonischer Setzung, kollektiver Kreativität und einer neu erprobten Aushandlungskultur unterschiedlicher Interessen im städtischen Freiraum. Aus diesem Zusammenspiel lassen sich Schlussfolgerungen für das Entwerfen von Parks ableiten. Wie gestaltet man sie als Orte, die eine große Bandbreite an Nutzungen ermöglichen und ausdrücklich darauf ausgerichtet sind, viele Menschen 1 Roth 1924/ 1984: 295

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anzuziehen – und sich nicht damit begnügen, formal-ästhetisch innovativ zu sein? Wie also lässt sich die „Wohltat der Lebendigkeit“, wie dies Jane Jacobs nannte,2 entwurflich beeinflussen? Und wie können Mitbestimmung und Aneignungsmöglichkeiten zu integralen Bestandteilen städtischer Parks werden? Meine Schlussfolgerungen zum Entwerfen von Parks beziehen empirisch abge­sichertes Wissen und die Lehren großer Urbanisten über die Bedingungen vitaler ­städtischer Räume ein. Dennoch sind sie zwangsläufig normativ: Sie folgen Wertvorstellungen und verkörpern eine bestimmte Haltung zur Stadt. In dieser unterscheiden sie sich zum Teil deutlich von den Parkgestaltungen der 1990er und 2000er Jahre. In einem ersten Schritt werde ich diese Haltung näher charakterisieren. Im zweiten Schritt skizziere ich den gestalterischen Ansatz, der daraus erwächst. Als Drittes verorte ich den Freiraumtyp, den er hervorbringt – den Bürgerpark des 21. Jahrhunderts – innerhalb der Parkentwicklung der Moderne und umreiße ihn in ­seinen wesentlichen Neuerungen. Im vierten und umfangreichsten Teil folgt dann das praktisch Anwendbare: konkrete Empfehlungen für das Entwerfen lebendiger Parks.

2 Jacobs 1963: 72

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Geschickt positionieren Ein weiterer Baustein guter Parkgestaltung besteht darin, dass die Angebote und Ausstattungselemente in einer Beziehung zueinander stehen. Sie werden dann häufiger genutzt als solche, die isoliert positioniert sind.67 Verschiedene Nutzungs­ angebote nah beieinander anzuordnen, kann in Gang setzen, was William H. Whyte Triangulation genannt hat: Nähe und Dichte liefert den sozialen Kitt, der Fremde aufeinander zugehen lässt. Anders gesagt: Weil an einem Ort vieles zugleich geschieht, entstehen Anlässe, miteinander ins Gespräch zu kommen.68 Es wird geselliger im Park. Im Park am Gleisdreieck kann man diese kommunikative Wirkung gut an der Skatebowl beobachten → Abb. 110. Gleich gegenüber dieser Sportanlage liegen ein Café und Toiletten. Ein Hauptweg führt vorbei, und die Kunststücke der Skater veranlassen Passanten dazu, stehen zu bleiben und zuzuschauen. Auch am Eingang Hornstraße im Ostpark konzentrieren sich die Angebote: Eine Treppe und eine Rampe führen vom Straßenniveau hinauf zum Parkplateau. So betreten immer neue Leute die Szene. Auf der einen Seite wird Tischtennis gespielt, während auf der anderen ein Kiosk und der Spielplatz Stangenwald Anlaufpunkte bilden → Abb. 111. Zwei Hauptwege kreuzen sich hier. Die Wiese daneben ist offen für allerlei Aktivi­ täten. Zusätzlich bietet sie zwei Schaukeln, die auch dem Gewicht von Erwachsenen standhalten.

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67 siehe Project for Public Spaces, www.pps.org; 68 Whyte 1980: 94

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Die Gestaltung des Parks am Gleisdreieck entspricht den fünf Grundregeln für lebendige Räume, die der dänische Architekt und Städtebauer Jan Gehl formu­liert hat: konzentrieren statt verteilen, integrieren statt trennen, einladen statt abweisen, öffnen statt schließen, erhöhen statt reduzieren.69 Was eine gleichmäßige Verteilung ohne Höhepunkte bewirkt, kann man auf kleiner Fläche im ULAP-Park → Abb. 112 nahe dem Berliner Hauptbahnhof studieren. Sitzquader sind dort im Raster unter einem Baumdach angeordnet – gerade so weit voneinander entfernt, dass jeder für sich bleibt. Es gibt keine Rückenlehnen und keinen Ort im Park, an dem mehr geschehen könnte als ein isoliertes Sitzen. Auch der Berliner Invalidenpark → Abb. 113 bietet ein Anschauungsbeispiel für die Crux gleichmäßiger Verteilung. Statt Menschen zusammenzubringen und ein Gefühl des Gemeinsam-im-Park-Seins aufkommen zu lassen, isoliert die räumliche Anordnung sie. Die Mitte des neueren Teils des Parks besetzt ein großes Wasser­ becken – zu groß, als dass die wenigen Besucher sich nicht verlieren würden. Die steinerne Rampe, die sich darin erhebt, wirkt monumental und verhindert den Blickkontakt von einer Seite des Beckens zur anderen. Im Winter ist das Becken leer, die Mitte des Parks wird zum toten Punkt. Die Anordnung der Bänke längs der Invalidenstraße folgt vor allem entwurfsästhetischen Motiven. Für das Entwerfen von Parks bedeutet das, die Angebote so anzuordnen, dass sie sich aufeinander beziehen. Dadurch entstehen Kristallisations- und Schnittpunkte, an denen mehrere Dinge zugleich passieren. Menschen treffen aufeinander. Innerhalb des Parks entstehen Orte, die besonders belebt und interessant sind und deshalb viele Besucher anziehen. Als Entwerfer sollte man solche Hotspots im Park vorsehen. 69 Gehl 2010: 233

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Alle willkommen heißen Angeeignete Räume ziehen Menschen in den Park, die ihn andernfalls nicht nutzen würden.110 Ihr Charme des Alternativen, Selbstorganisierten und mit wenigen Mitteln Realisierten – ihr shabby chic – wirkt niedrigschwellig. Auch Landschaftsarchitektur kann diese Botschaft vermitteln: indem sie einfache Materialien benutzt, funktional ist, mit dem Bestand arbeitet und Nischen anbietet – statt nur den Präsentierteller. Wie sich solch eine entspannte Gestaltung auf die Atmosphäre eines Parks auswirkt, kann man im Mainuferpark → Abb. 136, 137 in Frankfurt erfahren.111 Teure Materialien, exotische Pflanzen und eine „konsequente Überdetaillierung“112 signalisieren dagegen Exklusivität. Herausgebildet hat sich eine von Wulf Tessin als „Präventionsarchitektur“ beschriebene Designstrategie, die über subtile oder offene Kontrollmechanismen die Art der Nutzung und das Spektrum der Besucher gezielt beeinflusst.113 Auch raumgreifendes Verhalten wie Skaten kann darüber gesteuert werden. Ist ein Park belebt, bedeutet das also nicht automatisch, dass jeder sich dort willkommen fühlt. Gestaltungen und Materialien, besonders aber Atmosphären können von Jugendlichen anders wahrgenommen werden als von Erwachsenen. Auch aus einer Mittelschichtsperspektive stellen sie sich deutlich anders dar als von einer Position am gesellschaftlichen Rand. Das Besucherspektrum von Parks wird nicht nur über ihren öffentlichen Charakter und ihre physische Zugänglichkeit

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110 vgl. Francis 1987 für Gemeinschaftsgärten; 111 vgl. Petrow 2011; 112 Galmar 2009 in Bezug auf die Magellan-Terrassen in der Hamburger HafenCity; 113 vgl. Tessin 2009

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reguliert, sondern ebenso über eine Willkommensgeste gerade gegenüber unterprivilegierten Bevölkerungsgruppen. Menschen müssen spüren, dass ein Park für sie da ist.114 Dabei sollte keine Gruppe einen öffentlichen Raum dominieren → Abb. 138. Eine große Zahl an Besucherinnen ist ein guter Indikator dafür, dass ein Park ein sicherer, sozial gut ausbalancierter Ort ist. Wenn der Anteil von Frauen an einem städtischen Ort deutlich unter dem Durchschnitt liegt, stimmt etwas nicht,115 notierte William H. Whyte. Der Park am Gleisdreieck zeigt eine gute Ausgewogenheit zwischen sorgfältiger Detaillierung und Robustheit → Abb. 139. Es könnte noch mehr Nischen geben, in denen sich Menschen komfortabel und geschützt fühlen. Ebenso könnte die Gestaltung noch stärker auf die Bedürfnisse älterer Menschen eingehen. Kurze Wege, bequeme Bänke und, ja, auch Blumen machen Parks für sie attraktiv.116 Für das Entwerfen von Parks bedeutet das, Ausschlusssignale bewusst zu vermeiden. Statt verhindernder Gestaltungsstrategien sollte der Gesamt­ raum so strukturiert werden, dass er unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht wird. Wenn der Park aus der Perspektive von Frauen und Mädchen, von Kin­ dern und Jugendlichen, von älteren und behinderten Menschen und von Leu­ ten mit kleinem Geldbeutel gedacht wird, profitieren davon auch alle ande­ ren. Denn dann vermittelt er Sicherheit, ist leicht zugänglich, bietet bequeme Sitzmöglichkeiten, Toiletten, viele Möglichkeiten zur Teilhabe am Geschehen und erschwingliche Imbissangebote. Er ist ein entspannter Ort, der jedem Menschen signalisiert, dass er willkommen ist.

114 Low, Taplin, Scheld 2005: 199; 115 Whyte 1980: 18, Übersetzung: Petrow; 116 zu den Präferenzen älterer Menschen in Parks vgl. Gröning et al. 1985

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Der Besuch eines Parks ist im Alltag vieler Menschen eher ein Routineereignis. Gerade diese Alltäglichkeit ist für soziologische Untersuchungen besonders reizvoll, eröffnet sie doch die Möglichkeit, die Verknüpfung von individuel­ lem, ganz banal wirkendem Handeln und gesellschaftlichem Kontext genauer in den Blick zu nehmen. In diesem Sinne ist eine Untersuchung des Park­ge­ schehens und der dort stattfindenden, komplexen Interaktionen eine gute Gelegenheit, mehr Licht auf das Verhältnis von menschlichem Handeln und architektonisch gestaltetem Raum zu werfen. Im Rahmen einer empirischen Untersuchung haben wir danach gefragt, wie die Gestaltung eines Parks mit dem subjektiven Erleben seiner Besucherinnen und Besucher verwoben sein könnte. Der Park am Gleisdreieck erscheint als Beispiel geradezu ideal, weil sich hier das Spiel zwischen Architektur und deren Gebrauch und Aneignung noch entwickelt. Die Wahrnehmung, oder vielleicht besser: das Erleben einer Atmosphäre hat sich im Laufe der Untersuchung als eine bedeutsame, wenn auch oft unbemerkte, grundlegende Praxis eines Parkbesuchs erwiesen. Die ganz offensichtlich große Rolle, die Atmosphären im Erlebnis des Parkbesuchs spielen, führte uns zu der Idee, die Art und Weise, wie Atmosphären hergestellt werden, in den Mittelpunkt unserer Arbeit zu rücken. Um den komplexen Grundlagen von Atmosphären auf den Grund zu gehen, haben wir zwei Dinge betrachtet: die Vorstellungen von der Atmosphäre des Parks am Gleisdreieck, die in dessen Planung entwickelt wurden, und die Atmosphären, die Parkbesucher tatsächlich erleben. Unser Grundinteresse galt den Möglichkeiten, das Handeln von Individuen mittels landschaftsarchitektonischer Gestaltung zu beeinflussen. Bei der Auswertung unseres empirischen Materials haben wir immer wieder Aussagen der Planer zu den Intentionen der Gestaltung mit der von Besuchern und Besucherinnen wahrgenommenen Wirkung dieser Gestaltung kontrastiert. Als Soziologinnen und Soziologen interessierte uns, was konkret dafür sorgt, dass Menschen Parkräume auf eine spezifische Art und Weise erfahren, ­welche Faktoren auf die Raumerfahrung Einfluss nehmen und wie diese ­Faktoren wirksam werden. In der Summe fragte die diesem Beitrag zugrunde liegende Forschung danach, wie im Park am Gleisdreieck Atmosphären hergestellt werden.1

1 Der institutionelle Rahmen unserer einjährigen Arbeit war ein Lehrforschungsprojekt an der TU Berlin. Unter der Leitung von Prof. Martina Löw und Dr. Gunter Weidenhaus wurde untersucht, wie sich Raumkonstitutionen und die Bedeutungszuschreibungen dieser Räume im Laufe der Zeit ändern.

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Wie erforscht man einen Park?

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iel war es nicht, verallgemeinerbare Aussagen über einen bestimmten Sachverhalt zu treffen, sondern die spezifischen Praktiken und Interaktionen zu untersuchen, die für die „affektive Betroffenheit“2 von Menschen in einer spezifischen Umgebung relevant sind. Aus diesem Grund entschieden wir uns für Methoden der qualitativen Sozialforschung. Sie erlauben es, schon mit relativ geringen Fallzahlen die Sinnkonstruktionen und Bedeutungszuschreibungen zu rekonstruieren, die dem Handeln von Menschen zugrunde liegen und in ihren Handlungen Ausdruck finden. Im Sinne eines ethnomethodologischen Forschungsprogramms fragten wir nach den situativen Praktiken der Nutzungen, die im Park stattfinden. Zur Annäherung an den Gegenstand haben wir zunächst drei Experten­ inter­­views geführt: mit Leonard Grosch, dem Planer des Parks, zwei in der Grün­ flächenplanung beschäftigten Mitarbeiterinnen aus Berliner Bezirksämtern und einer Dozentin für Freiraumplanung an der Technischen Universität Berlin. Des Weiteren haben wir 16 Parkbesucher und -besucherinnen im Alter von etwa 18 bis 65 Jahren vor Ort angesprochen und mit ihnen überwiegend fünf- bis fünfzehnminütige, leitfadengestützte Kurzinterviews geführt. Die dabei gestellten Fragen zielten vor allem auf ihr persönliches Befinden in diesem Freiraum ab. Soziodemografische Merkmale wurden dabei nicht erhoben. Dass das Wetter eine Rolle bei der Wahrnehmung des Parks spielt, wurde in den zusätzlichen, leitfadenorientierten Tiefeninterviews deutlich.3 Für diese führte im Herbst und Winter 2014 jeweils ein Forscher einen Mann und eine Frau durch den Park am Gleisdreieck und befragte sie zu ihren Eindrücken. Beide Interviews haben eine Länge von etwa einer Stunde. Zudem wurden teilnehmende Beobachtungen und Selbstbeobachtungen durchgeführt.4 Die Erhebung lässt sich damit methodisch unter dem Begriff der fokussierten Ethnografie einordnen.5 Insgesamt erstreckte sich die Datenerhebung über mehrere Wochen; der Datenkorpus, den sie erbrachte, umfasst 250 Seiten. Auch eine explorative empirische Untersuchung kann jedoch nicht auf theo­ retische Grundlagen verzichten. Um eine gewisse Offenheit bei der Arbeit im Park 2 Böhme 2006: 26; 3 Breidenstein et al. 2013: 80 ff.; 4 zum Methodenmix vgl. Breidenstein et al. 2013: 71 ff.; 5 vgl. Knoblauch 2001

Ein Park voller Atmosphären

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LEONARD GROSCH ist Landschaftsarchitekt. Er wuchs in München auf, absolvierte dort eine Ausbildung zum Staudengärtner und studierte an der TU Dresden, der Royal Danish Academy of Fine Arts in Kopenhagen und der TU Berlin. Seit 2003 leitet er die Wettbewerbsabteilung im Atelier Loidl, seit 2007 ist er Partner im Atelier Loidl. Mit seinem Team gewann er zahlreiche große Wettbewerbe und realisierte die daraus hervorgegangenen Projekte. Der Park am Gleisdreieck wurde 2015 mit dem Deutschen Landschaftsarchitekturpreis ausgezeichnet. Leonard Grosch lebt in Berlin. DR. CONSTANZE A. PETROW ist Landschaftsarchitektin. Sie wuchs in Berlin auf, studierte an der TU Berlin, arbeitete in verschiedenen Planungsbüros und promovierte an der Leibniz Universität Hannover. Neben ihrer umfangreichen publizistischen Tätigkeit und ihrer Forschung, die dem zeitgenössischen Werk der Landschaftsarchitektur und seinen Wechselwirkungen mit gesellschaftlichen Entwicklungen gewidmet ist, lehrt sie seit 2001 das Entwerfen, zunächst an der Bauhaus-Universität Weimar, als Gastdozentin am Washington Alexandria Architecture Center (Virginia Tech) in Washington D.C. und seit 2009 am Fachgebiet Entwerfen und Freiraumplanung der TU Darmstadt. Constanze A. Petrow lebt in Frankfurt am Main.


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