Water-covered Hypar Shell: Museum by Schulz und Schulz
Massivbau
Solid Construction
Als Ansgar Schulz erstmals das sächsische Adorf besucht, regnet es. In der Kleinstadt werden seit Jahrhunderten Perlmuscheln aus dem Wasser der Elster gefischt; ein örtliches Heimatmuseum, das erweitert werden soll, erzählt die reiche Geschichte. Der Architekt beobachtet, wie sich das Regenwasser seine Wege über die Dachflächen des Bestandsgebäudes bahnt. Der Gedanke, dass über die Fassade des neuen Museums auch stetig und leise etwas Wasser fließen soll, entsteht. Mit dem doppelt gekrümmten Vordach verbindet das Museum Perlmutter zwei Bestandsbauten – und kleidet sich in einen wasserdichten Beton, auf dessen Oberfläche leise Wasser fließt, als wäre es nie anders gewesen. Das performative Detail außen wird zum sinnlichen Verweis auf die Perlmuscheln im Inneren. Massivbau gilt als schwer, dauerhaft, unbeweglich. Diese Ausgabe zeigt das Gegenteil. Handgepresste Ziegelsteine, mit Wachs behandelter Stampflehm aus Abbruchmaterial, Zyklopenbeton
aus Kalkstein und Bruchstein, Hanfkalk als nachwachsender Baustoff der Zukunft – die Details in diesem Heft erkunden, was Stein alles kann, wenn man ihn neu denkt. Hat der schwerste Baustoff die leichteste Zukunft?
Ein Forschungsteam der TU Braunschweig kombiniert Lehm und Ziegel für tragende Außenwände. Die Architekturfakultät in Hasselt von Bovenbouw Architectuur und David Kohn Architects zeigt, wie Barock und zeitgenössische Baukultur zu einer Collage werden können. Zwei Datenbanken zu Materialien im Innenraum arbeiten an einem möglichen Hebel zur Materialwende. Und ETH ZürichProfessorin Elli Mosayebi führt in neue „Temperaturlandschaften“, in denen Energiequellen im Raum spürbar werden.
Alles kann fließen. Man muss es nur zulassen.
Jeanette Kunsmann zchefredaktion@detail.de
Die Leichtigkeit des Steins
The Lightness of Stone
Camps Felip Arquitecturia hat im katalanischen Flix ein Lagerhaus in einen Kulturort verwandelt.
In the Catalan town of Flix, Camps Felip Arquitecturia transformed a warehouse into a cultural venue.
When Ansgar Schulz first visits Adorf, a small town in Saxony, it is raining. For centuries, freshwater pearl mussels have been fished from the Elster river here; a local heritage museum earmarked for expansion documents their rich history. Watching rainwater trace its way across the existing roofs, the architect imagines the same for the facade of the new building. With its double-curved canopy, the Mother-of-Pearl Museum connects two existing structures. Clad in waterproof concrete, the building lets water run quietly down its surface – as if it were always meant to. Outside, the performative detail becomes a sensory echo of the pearl mussels inside.
Solid construction is associated with weight, permanence, and immobility. This issue argues otherwise. Hand-pressed bricks, wax-treated rammed earth composed of demolition material, cyclopean concrete from limestone and rubble, hemp lime as a renewable material for the future –each detail explores what masonry can do when it is rethought. Does the heaviest building material have the lightest future?
A research team at TU Braunschweig combines clay and brick for loadbearing exterior walls. The architecture faculty building in Hasselt by Bovenbouw Architectuur and David Kohn Architects forms a collage of Baroque and contemporary building culture. Two interior materials databases map a path toward a shift in material practice. And ETH Zurich Professor Elli Mosayebi introduces “temperature landscapes”, where energy sources become perceptible. Everything flows – if you let it.
108 Projektbeteiligte & Hersteller Project Teams & Suppliers
Ein kreisrunder Tordurchgang führt in den Beginenhof von Hasselt. Bovenbouw und David Kohn Architects haben das historische Ensemble zur Architekturfakultät umgebaut.
A circular opening leads into the Hasselt beguinage. Bovenbouw and David Kohn Architects converted the historic ensemble for a university faculty of architecture.
Thermisch aktivierte Küchenelemente und raumbildende Vorhänge gliedern das „Wohltemperierte Haus“ von EMI in unterschiedliche Temperaturzonen.
Thermally activated kitchen elements and space-defining curtains organise the “welltempered house” by EMI into distinct temperature zones.
Roland Bernath
Stijn
Bollaert
Massivbau Solid Construction
Dokumentation Documentation
44 Kulturzentrum in Katalonien (ES) Cultural Centre in Catalonia (ES) Camps Felip Arquitecturia
50 Erlebnismuseum Perlmutter im Vogtland (DE)
Mother-of-Pearl Immersive Museum in the Vogtland (DE) Schulz und Schulz
66 Kunstzentrum in Asse (BE) Arts Centre in Asse (BE) Felt architecture & design, Oskar Architecten
74 Wohnhaus aus Stampflehm in Südengland (GB)
Rammed Earth House in Southern England (GB)
Tuckey Design Studio
90 Mehrfamilienhaus auf Mallorca (ES)
Multifamily House in Mallorca (ES)
Joan Fortuny Arquitectos, Alventosa
Morell Arquitectes
Technik Technology
Jakob Schoof
98 Hanfkalk: Massivbau ganz natürlich
Hemp Lime: All-Natural Solid Construction
Für das Mehrfamilienhaus auf Mallorca kamen überwiegend regionale Materialien zum Einsatz, darunter auch Steine und Erde aus dem Aushub sowie lokales Abbruchmaterial.
The apartment building in Mallorca was built mainly from regional materials, including stone and earth from the excavation, as well as locally sourced demolition material.
WErgänzende Fotos, Pläne und weitere Projekte zu dieser Ausgabe haben wir auf unserer Webseite für Sie zusammengestellt.
We have compiled additional photos, plans, and further projects for this issue on our website.
detail.de-7-8-2026
José Hevia
José Hevia
Kulturzentrum in Katalonien
Cultural Centre in Catalonia
Camps Felip Arquitecturia
Text: Nils Freiwald
Der neue Kulturort in Flix erscheint puristisch, offenbart bei genauerer Betrachtung aber seine Vielschichtigkeit. Der massive Bestand unterstützt die Klimatisierung, die dazugehörige Technik verbirgt sich hinter einer handgefertigten Ziegelschale. The new cultural space in Flix has a purist appeal. Upon a closer glance it reveals its multifaceted character. The solid existing construction supports climate control and the related building services are concealed by a hand-moulded brick shell.
Die Metallschütten erinnern an die frühere landwirtschaftliche Nutzung (oben) und bringen gleichzeitig frische Luft ins Haus (rechts). Bei den Iconic Awards 2025 wurde der Umbau in der Kategorie „ Best of Best“ ausgezeichnet.
The metal chutes recall the prior agricultural function (above). At the same time, they allow fresh air to enter the building (right). On occasion of the Iconic Awards 2025, the conversion was awarded the “Best of Best” label.
Fertigstellung
Sanierung
Completion renovation 2023
Gross floor area 425 m 2
Usable floor area 345 m 2
Baukosten
Construction costs 468 483 €
U-Werte W/m 2K U
2,50
0,25
Roof
Bodenplatte 0,50 gegen Erdreich Floor to subsoil
Heiztechnik Heating technology
Heat pump
CO 2-Emissionen
CO 2 emissions 4660 kg/m 2a
Das heutige Kulturzentrum in der katalanischen Gemeinde Flix war in seinem ersten Leben Lagerort und Produktionsstätte einer Genossenschaft für Olivenöl, Wein und Nüsse. Weil die ursprüngliche Nutzung nach dem Umbau sichtbar bleibt, entsteht eine einzigartige Atmosphäre: Die Metallschütten an der Eingangsfassade, der Fülltrichter im Innenraum sowie die alten Lagertanks aus massivem Beton im Untergeschoss erinnern als historische Relikte an die landwirtschaftliche Vergangenheit. Mit der Entscheidung, diese Elemente in die neue Architektur zu integrieren, beweisen Camps Felip Arquitecturia aus Girona großes Feingefühl für Ort und Ressource. Über den an der Straße liegenden Eingang gelangt man direkt in den großen Veranstaltungsraum. An diesen grenzt im Westen eine Bar, im Osten befinden sich Nebenräume. Der Kulturort eignet sich gleichermaßen für politische, kulturelle und festliche Veranstaltungen sowie für Konzerte oder Schachturniere.
The cultural centre in the Catalan municipality of Flix used to be a storage space and a production facility where a cooperative processed olive oil, wine, and nuts. Traces of the original function remain visible after the conversion. This results in a unique atmosphere: The metal chutes along the entrance facade, the hoppers in the interior, and the old storage tanks consisting of solid concrete in the basement were preserved and recall the agricultural purpose of the past. Camps Felip Arquitecturia from Girona demonstrate sensitivity for the place and its resources by integrating these elements in the new architecture. The entrance facing the street directly accesses the large event space. A bar is situated along its western perimeter, ancillary rooms are arranged in the east. The space is equally suited for political, cultural, and festive events and occasions or concerts and even chess tournaments.
Schnitte • Grundriss
Maßstab 1:400
1 Hauptraum
2 Bar
3 Lager
Sections • Floor plan scale 1:400
1 Main room 2 Bar 3 Storage
Erdgeschoss
Die ursprüngliche Gestalt des Gebäudes wurde im Zuge der Sanierung kaum verändert. Fassade und Dachhaut sind ausgebessert, das Dach ist zusätzlich gedämmt. Alle neuen Elemente sind klar ablesbar. Der Innenraum ist durch handgepresste und bei Niedrigtemperatur gebrannte Ziegel geprägt. Lediglich die bestehenden Einbauten der landwirtschaftlichen Nutzung und die Dachträger aus Beton, welche zusätzlich mit Zugstäben ertüchtigt wurden, setzen sich von der homogenen Klinkerhaut ab. Durch den Wechsel zwischen glatten Oberflächen an Giebelwänden und Boden und den kassettenartigen Ziegelwänden wirkt der Hauptraum abwechslungsreich. Zudem sorgt die offene Wandstruktur für eine verbesserte Akustik. Trotz der geringen Stärke der einzelnen Formteile trägt die Wand sowohl ihr eigenes Gewicht als auch die Lüftungsauslässe am unteren und oberen Ende. Ringanker aus Beton verbinden die Klinkerschalen kraftschlüssig mit den Bestandswänden. Zwischen der
In the course of the renovation, the original shape of the building remained largely unchanged. The facade and roofing were repaired, an additional layer of insulation was added on top of the ceiling. All newly added elements are clearly recognisable as such. Hand-moulded brick fired at low temperatures defines the appeal of the interiors. Only the existing built-in elements that served agricultural purposes and the concrete roof beams, which were retrofit with tension rods, distinguish themselves from the homogeneous clinker brick envelope. By contrasting the smooth gable walls and floors with the coffered brick enclosure, the main room presents its users an atmosphere of visual variety. The open wall structure also improves the acoustic quality of the space. Despite the minimal shell dimensions of the custom brick elements, the wall is self-loadbearing and also bears the loads of the ventilation openings along its lower and upper edge. Concrete ring beams establish
inneren Ziegelschale und der äußeren Bestandswand sind auch die Lüftungskanäle untergebracht. Außerdem dient dieser Zwischenraum als thermische Isolationsschicht. Das Lüftungskonzept stützt sich auf die Begebenheiten vor Ort. Durch den Höhenversprung kann das Gebäude gut und energiesparend quergelüftet werden. Die Frischluft wird zunächst durch die umgenutzten Schütten an der Südfassade in die Lagertanks im Untergeschoss geführt. Dort wird die Luft natürlich temperiert und über die Kanäle hinter der Klinkerschale in den Raum abgegeben. Verbrauchte Luft wird im Bodenbereich abgesaugt und durch einen Wärmetauscher aus dem Gebäude geführt. Das System sorgt für ein angenehmes Raumklima, weil die vortemperierte Luft und die thermische Masse des Bauwerks, allzu große Temperaturschwankungen vermeiden. Dadurch muss nur in seltenen Fällen die Wärmepumpe ihren Betrieb aufnehmen.
a force-fit connection between the clinker shell and the existing walls. The ventilation ducts are arranged within the cavity between the interior brick layer and the existing exterior shell. This interstitial space also serves as thermal insulation buffer. The ventilation concept is adapted to the climatic conditions on site. The elevation change allows cross ventilating the building in a sufficient and energy-saving manner. Fresh air is led through the repurposed chutes along the southern facade and into the storage tanks in the basement, where air is naturally regulated and fed into the main room of the building through the ducts behind the clinker shell. Exhaust air is extracted in the floor area, passes a heat exchanger, and is discharged from the interior of the facility. The system maintains a pleasant indoor climate by using regulated air and thermal building mass to avoid major temperature fluctuations. The heat pump is hardly required for standard building operations.
Der Innenraum wirkt trotz des homogenen Materials sehr lebendig. Die Ziegelschale verbirgt die technischen Installationen.
The interiors have a very vivid appearance despite the homogeneity of the material. The clinker brick shell conceals the building services.
Schnitt
Maßstab 1:20
1 Dachaufbau:
Ziegeldeckung Mönch und Nonne (Bestand) 30 mm Dünnbettmörtel
Nut- und Federklinker (Bestand) 42 mm
(Bestand) 100/180 mm
(Bestand) mit Zugstab Stahl × HEB 140 (Bestand)
5 Zuluftdüse integriert in Ziegelformteil
6 Sonnenschutz Textilmarkise
7 Stahlbetonsturz 150/350 mm
Armierung Stahlgitter im Mörtelbett
Belag Ziegel handgefertigt 20 mm
8 Ziegelelement handgefertigt 445/220/30 mm
9 Isolierverglasung in Stahl-
10 Ziegelelement handgefertigt 100/220/21 mm
11 Mauerwerk 150 mm
Mörtelschicht
Stahlbeton (Bestand) 300 mm
12 Ringanker Stahlbeton 240/350 mm
13 Bodenaufbau:
21 mm
Mörtelbett
Estrich 40 mm
Decke Stahlbeton (Bestand) Öllagertank (Bestand)
Section scale 1:20
1 roof construction:
30 mm barrel roof tile (existing) thin-bed mortar
60 mm XPS thermal insulation
42 mm interlocking structural clinker brick (existing)
2 100/180 mm prefabricated concrete purlin (existing)
3 reinforced concrete truss beam (existing) with steel tension rod
4 2× 140 mm wide flange steel beam (existing)
5 supply air nozzle integrated in custom-moulded brick
6 fabric sun protection awning
7 150/350 mm reinforced concrete lintel steel mesh reinforcement in mortar bed
20 mm hand-moulded brick veneer
8 445/220/30 mm hand- moulded custom brick
9 insulation glazing in steel frame with opening sash
10 100/220/21 mm hand- moulded custom brick
11 150 mm masonry brick mortar layer
300 mm reinf. conc. (exst.)
12 240/350 mm reinf. conc. ring beam
13 floor construction:
21 mm brick floor tile, sealed mortar bed
40 mm screed
40 mm XPS thermal insulation reinf. conc. slab (existing) oil tank (existing)
Rammed Earth House in Southern England
Tuckey Design Studio
Text: Julia Liese
aber weiterhin ein Nischendasein. Mit dem Landhaus in Wiltshire ist ein außergewöhnliches Gebäude entstanden, das förmlich mit seiner Umgebung verschmilzt.
however, it remains a niche material. Yet, it was used to build the country house in Wiltshire, an exceptional building that seemingly merges with its surroundings.
Mit seiner kleinteiligen Struktur aus verschiedenen Baukörpern wirkt der Landsitz wie ein kleines Dorf. Zwei bestehende Ziegelbauten sind in das Anwesen integriert.
With its small-scale structure consisting of different building volumes, the country estate resembles a small village. Two existing brick buildings are integrated into the complex.
blicken auf die freie Landschaft. Verbunden sind diese Bereiche durch einen Mittelbau, der die großzügige Küche und den Essplatz aufnimmt – das produktive Herzstück des Hauses, in dem selbst angebautes Obst und Gemüse verarbeitet werden. Während alle anderen Gebäudeteile von den monolithischen, burgartigen Lehmwänden geprägt sind, sorgen Glasfassaden hier für eine leichte, lichte Atmosphäre und den Bezug zu den beiden angrenzenden Gärten.
Mit seiner natürlichen erdigen Oberfläche prägt der archaische Stampflehm den Charakter des Hauses. Im Innenbereich erhielten die Wandoberflächen eine Kaseinbeschichtung, die übermäßige Staubbildung verhindert und den Zuschlagstoff schützt. In einigen Räumen sind sogar die Böden aus Stampflehm. Ihre mit Wachs behandelten Oberflächen erinnern an Terrazzo. Das handwerkliche Bauen mit Stampflehm findet in zahlreichen sorgfältig ausgearbeiteten Details eine logische Fortsetzung – wie eingelassene Nischen, integrierte Sitzbänke oder eigens gestaltete Türgriffe.
Trotz seiner einfachen Bauweise ist das Landhaus ein komfortables Gebäude mit moderner Technik, die zum Großteil regenerative Energien nutzt. Heizung und Warmwasser werden mithilfe einer Erdwärmepumpe bereitgestellt, Solarziegel liefern einen Teil des Stroms und das Regenwasser wird in einem großen Tank aufgefangen. Seine vergleichsweise großzügige Wohnfläche kompensiert das Landhaus durch seine ressourcenschonende Bauweise. Gleichsam aus seinem Boden erwachsen, fügt es sich in vollendeter Symbiose in die südenglische Landschaft.
areas are connected by a central wing that features the generous kitchen and dining area. It is the productive heart of the house. Here, home-grown fruit and vegetables can be prepared. All other building parts are characterised by the monolithic clay walls that recall the characteristics of a medieval castle. Here, glass facades provide an atmosphere of lightness and brightness, emphasising the connection to the two adjacent gardens.
The natural surfaces of the rammed earth walls and their archaic texture defines the appeal of the house. In the interior, the walls feature a casein finish that prevents excessive dust formation and protects the aggregate. In some rooms, rammed earth floors were installed and treated with a wax finish. They are reminiscent of terrazzo flooring. The craftsmanship required for building with rammed earth finds its logical extension within numerous and meticulously designed details. They include recessed niches, built-in benches, or custom door handles. While the building method appears simple, the country house manifests architectural comfort equipped with modern services that draw from regenerative power sources to a major degree. Heating and hot water are provided by a geothermal heat pump. Solar slates generate a large part of the required electricity. Rainwater is collected in a large tank. The country house offsets its comparatively generous living area with its resource-efficient construction method. Ascending from the earth, it harmonises with the southern English landscape in a state of consummate symbiosis.
Primärenergiebedarf Primary energy demand 60,87 kWh/m 2a
Das Wohnhaus ist in verschiedene Baukörper gegliedert.
Während die Diele einen Blick in das Obergeschoss gewährt (rechts), hat man im Wohnzimmer Aussicht auf die freie Landschaft (oben).
The residential house is structured into different volumes. The hallway offers a glance of the upper floor (right). In the living room, the view opens to the vast bucolic landscape (above).
James Brittain
James Brittain
Die Konstruktionsdetails sind auf den Baustoff Lehm abgestimmt. In den Außenwänden verhindern
Trasskalkmörtel eine zu starke Erosion.
The construction details are optimised for rammed earth as building material. In the exterior walls, thin trass lime layers prevent damages due to erosion from occurring.
Jim Stephenson
Jim Stephenson
Schnitt
Maßstab 1:20
1 Dachaufbau:
Dachschindeln Zedernholz
Lattung 50/25 mm
Unterdachbahn
Konterlattung 50/50 mm / Hinter-
OSB-Platte 12 mm
Holzstegträger g 220 mm dazw. Wärmedämmung Mineralwolle
Dampfsperre
Holzfaserplatte 100 mm
Lehmputz 10 mm
2 Fußpfette abgeschrägt 200 mm
3 Entwässerungsrinne Kupfer
4 Abdichtung Bitumen
5 Ringbalken Trasskalkmörtel
6 Fassadenaufbau:
kalkmörtelschicht
Holzunterkonstruktion / Wärmedämmung Mineralwolle
2×100 mm
Dampfsperre
Holzfaserplatte 100 mm
Lehmputz 10 mm
7 Deckenaufbau:
Dielen Eiche 22 mm
Unterboden 18 mm
Fußbodenheizung auf Trägerplatte
Kantholz dazwischen Akustikdämmung 70 mm
Schalung Douglasie 35 mm
Holzbalken 250/80 mm
8 Kantholz 2× 150/75 mm
9 Fensterlaibung Eiche 20 mm
10 Fenstersturz Trasskalkmörtel bewehrt
11 Dreifachverglasung in Holzrahmen Eiche
12 Fensterbank Naturstein
13 Fensterbank Naturstein 65 mm abgeschrägt mit Tropfkante Horizontalsperre
Wärmedämmung PIR-Hartschaumplatten 200 mm Abdichtung
Aufbeton 75 mm
Bodenplatte aus Betonträgern
Luftschicht 225 mm
Section scale 1:20
1 roof construction: cedar shingle roofing
50/25 mm battens
sarking membrane
50/50 mm counterbattens/ back ventilation
12 mm OSB
220 mm timber G-joist inlaid mineral wool thermal insulation
vapour barrier
100 mm wood fibre panel
10 mm clay render
2 200 mm wall plate, bevelled
3 copper drainage gutter
4 bituminous sealing layer
5 trass lime mortar ring beam
6 facade construction:
400 mm rammed earth with trass lime mortar layer
2× 100 mm timber framing / mineral wool thermal insulation vapour barrier
100 mm wood fibre panel
10 mm clay render
7 ceiling construction:
22 mm oak floorboards
18 mm subfloor
underfloor heating mounted to substrate panel
70 mm wood joist
infilled soundproofing
35 mm Douglas fir panelling
250/80 mm timber beam
8 2× 150/75 mm solid construction
grade timber
9 20 mm oak window reveal
10 reinforced trass lime mortar window lintel
11 triple glazing in oak frame
12 natural stone window stool
13 65 mm natural stone window sill bevelled, with drip groove horizontal barrier
14 plinth construction:
102.5/65/215 mm masonry, slurry finish
190 mm lean concrete liquid sealing layer, with reinforcement strip
100/215/440 mm masonry
2× 100 mm timber frame/mineral wool thermal insulation vapour barrier
100 mm wood fibre panel
wood battens/cavity
20 mm oak siding
15 floor construction:
20 mm clay tile, glued to PE/PP
substrate mat
65 mm screed
PE film separation layer
200 mm PIR rigid foam thermal
insulation panel
sealing layer
75 mm concrete top layer
150 mm floor slab, concrete beams and infill blocks
225 mm cavity
Gebäudehülle, Dach Building Envelope, Roof
Redaktion Editors:
Heike Kappelt, Claudia Hildner
Starke Welle am Schulcampus A Strong Wave on the School Campus
Nach Plänen der Dresdner Büros Rohdecan und Querfeldeins ist in Hamburg-Altona der neue Campus Struenseestraße entstanden. Zwei Gymnasien und eine Ganztagsgrundschule auf dem 2,85 ha großen Areal bieten Platz für 2200 Schüler. Großzügige Gemeinschaftsflächen und teils mehrgeschossige Sportanlagen mit zwei Einfach- und zwei Dreifachhallen, auch für Vereine, ergänzen die Bebauung.
Bereits früh im Planungsprozess definierten die Architekturbüros eine keramische Fassadenbekleidung als charakteristisches Gestaltungsmerkmal. Die expressiven Hüllen von Moeding interpretieren die ortstypische Ziegelarchitektur neu und versprechen zugleich eine hohe Lebensdauer und ästhetische Beständigkeit, auch auf großen Flächen. Jedes Volumen und jeder Gebäudeteil erhielt eine andere Farbgebung, die sich über den Campus verteilt wiederholt. So umhüllen die rot und grün glasier-
ten Platten auch den gemeinsamen Baukörper der beiden Gymnasien. Grau glasierte Elemente markieren den Verbindungsbau und die Gebäudeecken. Die leicht transparenten Farbglasuren lassen den champagnerfarbenen keramischen Scherben dezent durchscheinen. Zusammen mit den Planenden hat Moeding zwei Platten- und sechs Baguettetypen entwickelt, die auf der Produktreihe Longoton basieren. Die großformatigen, bis zu 2 m hohen Platten bilden konkave Flächen aus, die entlang der Gebäuderiegel eine wellenförmige Struktur erzeugen. Innerhalb der Elemente bewirken feine Rillen und Fugen einen gewissen Grad an Kleinteiligkeit und so ein lebendiges Fassadenbild. Um die charakteristische Wellenform zu erzeugen und die Elemente in einer Ebene an der standardisierten Unterkonstruktion sicher zu fixieren, weicht die Ausführungsart minimal vom Produktstandard ab. Dafür gab es eine vorhabenbezogene Bauartgenehmigung.
zmoeding.de
The new Struenseestraße School Campus in Hamburg’s Altona district has been built to plans by the Dresden-based firms Rohdecan and Querfeldeins. Two grammar schools and an all-day primary school on the 2.85-ha site provide space for 2200 pupils. Spacious communal areas
and sports facilities – some of which are multi-storey – featuring two single-pitch and two triplepitch halls, which are also available for use by local clubs, complete the development. Early on in the planning process, the architectural firms defined ceramic cladding as a characteris-
tic design feature. The expressive facades by Moeding reinterpret the brick architecture typical of the area whilst promising a long service life and aesthetic durability, even over large areas. Each building volume has been given another colour scheme that is repeated across the cam-
pus. Thus, the red and green glazed panels also clad the shared structure of the grammar schools, whilst grey glazed elements mark the connecting building and the corners. The slightly transparent coloured glazes allow the champagnecoloured ceramic body to shine through subtly. Together with the designers, Moeding developed two slab and six baguette types based on the Longoton product range. The large-format slabs, up to 2 m high, form concave surfaces that create a wave-like structure along the building blocks. Within the elements, fine grooves and joints create a certain degree of detail, resulting in a lively facade appearance. To achieve the characteristic waveform and securely fix the elements in a single plane to the standardised substructure, the method of execution deviates slightly from the product standard. A project-specific type approval was granted for this.
David Matthiessen
Strenges Raster
Strict Grid
Am historischen Landungsort der Alliierten in Arromanches-lesBains in der Normandie ersetzt der Neubau des Musée du Débarquement den Vorgänger aus den 1950er-Jahren. Zwischen Dorf und Meer hat das Büro Projectiles einen klar gefassten Baukörper aus hellem Beton mit großformatiger Verglasung gestellt, der die Küstenlandschaft in die Ausstellung einbezieht. Stahlprofilsysteme von Forster bewirken die großflächige Transparenz der Fassade. Durchlaufende Betonstützen, das weit auskragende Vordach und Unterzüge mit Spannweiten von bis zu 12 m definieren das konstruktive Raster des Museums und ermöglichen großzügige,
Textile Anmutung
Textile Appearance
Der Erweiterungsbau für die Georg-Kerschensteiner-Berufsschule Regensburg entstand nach Plänen von Bez + Kock Architekten. Er ergänzt ein Gebäude aus den 1980er-Jahren, den eine Klinkerfassade prägt. Das Planungsteam griff das Material auf und entwickelte daraus eine reliefartig modellierte Hülle, die ihre Anmutung einem fünfeckigen Sonderformat von Gima verdankt. Letzteres entspricht in seiner Geometrie einer sogenannten Bischofsmütze, die einen Querschnitt von einem Rechteck mit aufgesetztem Dreieck aufweist. Die Formsteine in den Maßen
The extension to the GeorgKerschensteiner Vocational School in Regensburg was designed by Bez + Kock. It complements a building from the 1980s, which is characterised by a clinker brick facade. The design team took up this material and used it to develop a relief-like, sculpted cladding for the new building, which owes its appearance to a specially developed, pentagonal custom format from Gima. The geometry of the latter corresponds to a so-called ‘bishop’s mitre’ – a format that, in crosssection, resembles a cuboid with a triangle placed on top. The
shaped bricks, measuring 300 × 90 × 71 mm and 300 × 125 × 71 mm, were laid in courses, each course offset from the one below. This layering and the profiling of the bricks have created a relief that brings the facade to life through the interplay of light and shadow. The approximately 12 different-shaped brick variants were each produced as a single piece using special tools. This process e nsures high precision and durability of the clinker bricks, which derive their colour from a special firing process. The facade is complemented by precast concrete elements from Gima’s own plant.
stützenfreie Ausstellungsflächen. Um der salzhaltigen Gischt des Meeres dauerhaft zu begegnen, wurde eine differenzierte Materialstrategie entwickelt. Die großformatigen, bis zu 4,5 m hohen Scheiben sind mit sehr schlanken Profilen kombiniert. An der bewitterten Außenseite der Pfosten-Riegel-Fassade (System Forster Thermfix Vario) mit schützen Deckschalen aus Edelstahl vor Korrosion. In die Fassadenebene sind zweiflügelige Eingangstüren und Notausgänge mit dem System Forster Unico integriert. Die thermisch getrennten Profile fügen sich nahtlos in die PfostenRiegel-Konstruktion ein und übernehmen zugleich sicherheitsrelevante Funktionen innerhalb der transparenten Gebäudehülle.
zforstersystems.com
At the historic Allied landing site in Arromanches-les-Bains, Normandy, the new Musée du Débarquement, designed by Altelier Projectiles, has replaced its 1950s predecessor. Situated between the village and the sea, a clearly defined structure of lightcoloured concrete with large-scale glazing has been created, incorporating the coastal landscape into the exhibition. Steel profile systems from Forster provide the facade with its extensive transparency, while continuous concrete columns, the widely cantilevered canopy and beams with spans of
up to 12 m define the structural grid of the museum and enable spacious, column-free exhibition areas. A differentiated material strategy was developed to withstand the salty sea spray in the long term. The large-format panes, up to 4.5 m high, are combined with very slender profiles. On the weather-exposed outer face of the mullion-transom facade featuring Forster thermfix vario, stainless steel cladding ensures high corrosion resistance. Double-leaf entrance doors and emergency exits using the Forster unico system are integrated into the facade plane.
300 × 90 × 71 mm sowie 300 × 125 × 71 mm wurden lagenweise gegeneinander versetzt. Durch diese Schichtung und Profilierung erhalten die Fassaden ein Relief mit ausdrucksstarkem Licht- und Schattenspiel. Die rund zwölf verschiedenen Formsteinvarianten wurden mit speziellen Werkzeugen jeweils in einem Stück produziert. Der Prozess gewährleistet laut Gima eine hohe Präzision und Dauerhaftigkeit der Klinker, die ihre Farbigkeit einem speziellen Brennverfahren verdanken. Betonfertigteile des Herstellers ergänzen die Fassade. Sie wurden unter anderem als bis zu 6 m lange Fensterfaschen verbaut
zgima-ziegel.de
∂
Zeitschrift für Architektur + Baudetail Review of Architecture + Construction Details
ISSN 2627-2598
DETAIL Architecture GmbH
Messerschmittstraße 4, 80992 München Munich, Germany
strobo B M (Matthias Friederich, Sabrina Baumann, Monnier Ostermair), München Munich, Germany
CAD-Zeichnungen
CAD-Drawings:
Dejanira Ornelas Bitterer, Marion Griese, Barbara Kissinger, Martin Hämmel; Julia Voitl, Martin Zott (Werkstudierende Student Trainee), Rana Aminian, Ralph Donhauser (Freie Mitarbeit Freelance Contributors)
Herstellung
Production, DTP: Peter Gensmantel (Leitung Manager), Michael Georgi, Natalia Shelenina, Roswitha Siegler, Simone Soesters
dieser Ausgabe
Photographers of this issue: Roland Bernath, Alexander Bernhard, Stijn Bollaert, Ruben Beilby, Blickpunkt Photodesign Bödeker, David de Bruijn, James Brittain, Beat Bühler, Antoine Cardi, Croce & Wir, Elodie Dupuis, Jens Ellensohn, Ditz Fejer, Heike Fischer, Alexander Gebetsroither, Celine de Groot, José Hevia, Nick Ingram,
Jonathan Lunkenheimer, Matterialista, David Matthiessen, Giaime Meloni, Anne Morgenstern, Dennis Morton, Rob Parrish, Philippe Piraux, Podehl Fotodesign, Klemens Renner, Sabrina Rothe, Valentina Seidel, Jim Stephenson, Albrecht Voss, Tom Wilkenson, Gustav Willeit
Autorinnen und Autoren dieser
Ausgabe Authors of this issue: Helga Blocksdorf, Linda Gehrke, Salufa Isa, Moritz Scheible, Tom Wilkinson
Übersetzungen Translations: Alisa Kotmair, Mark Kammerbauer, Raymond Peat, MarcSelway
Director Sales & Events:
Margit Färber
Tel. +49 (0)89 381620-836
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Tel. +49 (0)89 381620-879
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Tel. +49 (0)89-381620-868
Detail Events:
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Tel. +49 (0)89 381620-887
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Die Projekte aus dieser und allen aufunserer Online-Plattform Detail Inspiration: inspiration.detail.de all previous issues on our online platform Detail Inspiration: inspiration.detail.de/en
∂ 2026 Vorschau Preview
9Vorfertigung und Modulbau
Prefabrication and Modular Construction
10Kulturbauten
Cultural Buildings 11Bauen im Bestand Building in Existing Contexts 12Fassaden Facades 1/2Zirkuläres Bauen Circular Construction
Projekteinsendungen jeweils sechs Monate vorher an Project submissions six months in advance to: einsendungen@detail.de submissions@detail.de
Cover 7/8.2026:
Gestaltung Design: Sabine Drey
Kulturzentrum in Katalonien Cultural Centre in Catalonia