Inhalt Content 5 Baukollegium Berlin / Einleitung
Reflektionen
Introduction
6
Reflections
Entwerfen ist Verwerfen / Gespräch mit der Senatsbaudirektorin Regula Lüscher Creating Is Discarding / Discussion with Senate Building Director Regula Lüscher Zeitgewinn durch Zeitverzögerung / Beobachtungen im Baukollegium Saving Time by Delaying Time / Observations in the Baukollegium
10 34
58
Das Baukollegium / Gestaltungsbeirat unter kooperationsbedürftigen Umständen When Circumstances Call for Cooperation / Manfred Kühne
64
Berlin ist immer noch eine Hippiestadt / Gespräch mit Sir David Chipperfield Berlin Is Still Sort of a Hippie Town / Discussion with Sir David Chipperfield
74
Projekte 1 2 3 4 5 6 7 8
Projects
Kreuzberg Tower Institut am Hausvogteiplatz Postscheckamt Schultheiss Quartier Estrel Tower Am Lokdepot Upper West Anschutz-Areal
84 104 124 144 162 184 208 232
Anhang
257
Appendix
4
Inhalt Content 5 Baukollegium Berlin / Einleitung
Reflektionen
Introduction
6
Reflections
Entwerfen ist Verwerfen / Gespräch mit der Senatsbaudirektorin Regula Lüscher Creating Is Discarding / Discussion with Senate Building Director Regula Lüscher Zeitgewinn durch Zeitverzögerung / Beobachtungen im Baukollegium Saving Time by Delaying Time / Observations in the Baukollegium
10 34
58
Das Baukollegium / Gestaltungsbeirat unter kooperationsbedürftigen Umständen When Circumstances Call for Cooperation / Manfred Kühne
64
Berlin ist immer noch eine Hippiestadt / Gespräch mit Sir David Chipperfield Berlin Is Still Sort of a Hippie-Town / Discussion with Sir David Chipperfield
74
Projekte 1 2 3 4 5 6 7 8
Projects
Kreuzberg Tower Institut am Hausvogteiplatz Postscheckamt Schultheiss Quartier Estrel Tower Am Lokdepot Upper West Anschutz-Areal
84 104 124 144 162 184 208 232
Anhang
257
Appendix
// Zu meinen Kernaufgaben gehört die Sicherstellung der architektonisch-städtebaulichen Qualität. Das beinhaltet sehr unterschiedliche Maßstäbe, in denen ich die öffentlichen Interessen im Gegensatz zu privaten Interessen aushandle.
Entwerfen ist Verwerfen
Gespräch mit der Senatsbaudirektorin Regula Lüscher
Frau Lüscher, worin besteht die Arbeit der Senatsbaudirektorin? Ich bin zuständig für das Planungs- und Baurecht. Dies umfasst eigentlich alle Aspekte des Bauens, die ein öffentliches Interesse betreffen. Etwa die Nutzungsart, die verträgliche Dichte, die Höhenentwicklung oder Fragen der Wohn- und Lebensqualität in Bezug auf Licht, Luft, Ausblick. Zu meinen Kernaufgaben gehört aber primär die Sicherstellung der architektonisch-städtebaulichen Qualität. Das beinhaltet sehr unterschiedliche Maßstäbe: von der Sorgfalt architektonischer Details und der Wertigkeit von Materialien über den Umgang mit dem Bestand bis hin zu Fragen des Kontextes und des Städtebaus. Dazu gehört natürlich auch die Gestalt- und Aufenthaltsqualität des öffentlichen Raumes. In allen genannten Aspekten handle ich die öffentlichen Interessen im Gegensatz zu privaten Interessen aus. Wie wichtig ist dem Bürger architektonische Qualität? Architektonische Qualität ist existenziell wichtig. Wer von einer Reise in eine andere Stadt zurückkommt, beschreibt gern, warum es dort schön war. Dass man etwa an einem bestimmten Platz gesessen und dort angenehme Stunden verbracht hat. Es scheint ein menschliches Grundbedürfnis zu sein, sich an schönen, angenehmen Orten aufhalten zu können. Umgekehrt kenne ich niemanden, der sich nicht auch über die Unwirtlichkeit der Städte beklagt. Diese starke Polarität ist für mich Beweis genug, dass die Schönheit der Städte eine zentrale Rolle spielt für unser Leben. Es geht aber doch nicht nur um Schönheit … Richtig, Städtebau und Architektur müssen bestimmte Dinge leisten. Das öffentliche Interesse zielt heute zum Beispiel auf eine funktional wie sozial durchmischte Stadt. Entwickler allerdings planen nach wie vor lieber monostrukturell, das heißt entweder nur Wohnen oder nur
11
// FĂźr mich ist beim Entwerfen das Verwerfen fast die wichtigste Aktion, um am Schluss das Kondensat zu haben, was an der Stelle, an diesem Ort, zu diesem Thema die beste LĂśsung ist.
Entwerfen
ist Verwerfen
einem direkten Dialog zu einer besseren Lösung findet. Das war auch ein Grund, warum ich das Baukollegium vor einigen Jahren geschaffen habe. Ich wusste, dass wir irgendwann alle froh sind, ein Instrument zu haben, das sehr effektiv und kurzfristig agieren kann. Jetzt, da der Zeitdruck durch das schnelle Wachstum der Stadt groß ist, bewährt sich dieses schlagkräftige, weil sofort verfügbare Gremium sehr. Können Sie diese Rolle des Baukollegiums in Ihrer Arbeit näher erläutern? In den Sitzungen des Baukollegiums, dem Gestaltungsbeirat, kommen alle Beteiligten zusammen und daher die unterschiedlichen Interessen auf den Tisch. Indem alle zusammen in einem Raum sind, kann niemand gegen den anderen ausgespielt werden // und Probleme müssen Indem alle zusammen in gemeinsam gelöst wereinem Raum sind, kann den. Der Bauherr muss zur Kenntnis nehmen, niemand gegen den anderen dass er einen Beitrag ausgespielt werden und im Sinne des öffentliProbleme müssen chen Interesses zu leisten hat. Die Architekten gemeinsam gelöst werden. müssen bereit sein, Hinweise anzunehmen. Die Behörden und politischen Vertreter des Bezirkes müssen sich mit den Problemen und Herausforderungen der Vorhabenträger auseinandersetzen. Die Baukollegiumsmitglieder müssen die politischen Setzungen und Vorgaben des Bezirkes und des Senates in ihre Empfehlungen einbeziehen. Alle müssen also zuhören und den Standpunkt der anderen ernst nehmen. Alle lernen dazu und am Ende entsteht meistens die spannendere Lösung. Durch den Blick aus verschiedenen Richtungen und den Druck, direkt in der Sitzung schon die Empfehlungen zu formulieren, entsteht eine qualitative Verdichtung der Argumente.
21
// One of my key responsibilities is guaranteeing high-quality Âarchitecture and urban development. This covers quite a variety of benchmarks in which I represent public interests in negotiations, Âas opposed to private interests.
Creating Is Discarding
Discussion with Senate Building Director Regula Lüscher
Frau Lüscher, what makes up the work of the senate building director? I am responsible for planning and construction regulations. That encompasses all aspects of construction that have to do with the public interest, including usage category, the level of acceptable density, building height limitations, or issues having to do with quality of life when it comes to light, air, and view. But one of my key responsibilities is guaranteeing highquality architecture and urban development. This covers quite a variety of benchmarks: from attention to architectural detail and diligence when it comes to the quality of materials to the way that existing buildings are treated, all the way to context and city-planning issues. Of course this also includes the public areas and ensuring that they are welcoming and well designed. In all these aspects I’ve identified, I represent public interests in negotiations, as opposed to private interests. How important is architectural quality to everyday citizens? Architectural quality is important to our very existence. When someone comes back from a trip to another city, they tend to describe what was so nice about their trip. That they sat in a certain place for a while and spent a few pleasant hours there. It seems to be a basic human need to be able to pass time in beautiful and pleasurable locations. In contrast, I don’t know anyone who doesn’t complain about the inhospitableness of cities. This extreme polarity is proof enough for me that the beauty of cities plays a central role in our lives. But it’s not just about a beautiful appearance … It’s true that city planning and architecture have to achieve certain things. For example, one of the goals that serves public interests right now is to create a city that is integrated both functionally and socially. Developers, however, still tend to plan in a single structural way, meaning that their focus is either just residential or just shopping and industry. For them that
35
// For me, the discarding process within the act of creating is crucial. Because, at the end of this process you have a condensed answer that represents the best Âsolution for this place, this location, this issue.
Creating
Is Discarding
Can you explain in more detail this role that the Baukollegium plays in your work? In Baukollegium sessions and at the design council, all partners come together, with everyone at the table representing different interests. Because everyone is in one room, people can’t be played off each other. All problems have to be solved together. The building owners have to recognize that they have to contribute something that serves public interests. The architects have to be ready to accept feedback. The authorities and district political representatives have to be ready to grapple with the problems // and challenges the proBecause everyone is in one ject developers are facing. room, people can’t be played The Baukollegium memoff each other. All problems bers have to be ready to create recommendations have to be solved together. that account for political priorities and plans on both the level of the District and the Senate. Everyone has to listen and take everyone else’s standpoint seriously. This means everyone will learn, and at the end usually there is an exciting solution. A qualitative concentration of arguments usually develops through the various perspectives and the pressure to formulate recommendations directly in the session. But aren’t you already familiar with these competing interests and sensibilities, and couldn’t you make these decisions at your desk? Why do you still need the Baukollegium? First of all, I don’t want the investor to feel like they are subject only to me and my opinion. An investor shouldn’t get the impression that, when it comes to aspects that have to do with city planning and architecture, it’s all about questions of personal taste. Even though I know that this can be a hard thing for them to comprehend. This is why I like to advise through
45
Saving Time by Delaying Time Observations in the Baukollegium
58
It is the subtle changes which come to attention during a session in the Baukollegium— particular formulations voiced in a polite tone uncommon in Berlin. This council, which was called into being for the first time in 2008, consists of six people with similar professional backgrounds who gather together once every six weeks on Monday mornings at 10 in the imposing yet modern Rittersaal, located in a relatively enchanting corner of the capital, vis à vis the Märkisches Museum, this quiet custodian of Berlin history. If you walk through the main entrance past the reception desk, you arrive at a room a few steps down where a massive model of the inner city is on display. All the structural changes of the last twenty years along with pending projects are visible. This is where the council met in the beginning, in a circle in a side room. It was relatively relaxed back then. Because it was actually considered almost too relaxed by the senate building director, a decision was made to exchange this for a more formal setting. If you take the nearby elevator up three stories you arrive at the Rittersaal. Framed by half-wall wainscoting, the room is dominated by a large square table that opens on one side. This set-up focuses the attention of the protagonists directly on the design plans, as well as the models placed directly in the middle. Everyone is busy preparing for the next session. The council is currently taking the obligatory tour of the project locations to be discussed in today’s session. Each building site of this project is closely examined directly on site. In the backroom, catering awaits the return of the council members. Behind the scenes the anticipation is palpable: the session is about to begin. “City planning,” the senate building director begins while putting down her empty tea cup on the trolley, “City planning has to do with ambiguity, most of all it has to do with the courage to experience ambiguity.” She looks out again into the circle of people. “So, let’s get started.” Project developers wait in the vestibule. Investors rarely come, but project developers often attend and bring their architects. The hard parquet floors creak underneath the steps of those entering the room. After a short round of introductions, especially of the council members, the project developers are asked to present their designs. After the project has
Zeitgewinn durch Zeitverzögerung Beobachtungen im Baukollegium
Es sind kleine Wendungen, die während einer Sitzung des Baukollegiums auffallen, Formeln, in höflichem Ton vorgetragen in einer in Berlin eher ungewohnten Weise. Dieses 2008 zum ersten Mal einberufene Kollegium aus sechs Personen mit ähnlichen Berufen versammelt sich alle sechs Wochen montags am Vormittag um zehn Uhr im imposanten, aber doch modern durchwirkten Rittersaal, in einer eher verwunschenen Ecke der Hauptstadt, vis-à-vis zum Märkischen Museum, diesem leisen Hüter Berliner Stadtgeschichte. Schreitet man durch den Haupteingang am Pförtner vorbei, gelangt man in einen leicht tiefer gelegenen Saal mit einem riesigen Modell der inneren Stadt. Alle baulichen Veränderungen der letzten 20 Jahre wie auch noch ausstehende Vorhaben sind erkennbar. Hier tagte das Baukollegium in der ersten Zeit, in einem Nebenraum, im Kreis. Recht locker ging es damals zu. Zu locker, befand irgendwann die Senatsbaudirektorin und entschied sich für einen etwas förmlicheren Rahmen. Fährt man mit dem nahe gelegenen Fahrstuhl drei Stockwerke hoch, so gelangt man zum Rittersaal. Von halbhoher Vertäfelung eingefasst, wird der Raum von einem Tischkarree dominiert, das zu einer Seite geöffnet ist. Diese Konstellation fokussiert die Aufmerksamkeit der Protagonisten auf die Pläne sowie auf die in der Mitte positionierten Modelle. Noch wird geschäftig die kommende Sitzung vorbereitet. Das Kollegium befindet sich gerade auf Exkursion, auf der obligatorischen Rundfahrt zu den Örtlichkeiten der heute zu besprechenden Projekte. Jeder Bauplatz dieser Vorhaben wird vor Ort in Augenschein genommen. Im Hinterzimmer des Sitzungssaals wartet Verpflegung auf das nun zurückgekehrte Kollegium. Die leichte Anspannung, dass es gleich losgeht, ist auf dieser Hinterbühne schon zu spüren. „Stadtplanung“, lässt die Senatsbau direktorin vernehmen, während sie ihre leere Teetasse auf den Geschirrwagen stellt, „Stadtplanung hat etwas mit Unschärfe und vor allem mit dem Mut zur Unschärfe zu tun.“ Sie schaut noch einmal in die Runde. „So, nun wollen wir beginnen.“ Im Vestibül warten die Vorhabenträger. Investoren selten, häufig Projektentwickler mit ihren Architekten. Nun knarzt das helle Parkett unter den Schritten der Hereintretenden
59
Berlin Is Still Sort of a Hippie Town Discussion with Sir David Chipperfield
74
How would you describe Berlin and London with regard to their urban development? Berlin and London are completely opposite environments. First, Germany still has a sort of state system. You have some notion that the state provides and organizes. In the UK, we’ve been destroying our state ever since Thatcher. There is no notion of responsibility in that way; the Anglo-Saxon model has essentially been deregulated. The only reliable force is the market, and the free market is what designs our cities. There are no proactive planning guidelines in Britain like a German Bebauungsplan or a Flächennutzungsplan. The Greater London Council (1965 –1986) employed an architectural department with over 250 people at its peak. They were producing guidelines, social housing projects, and so on. But I am talking about the nineteen-fifties and the sixties. We now just have a form of zoning. Ten years ago in Berlin there wasn’t a big investors’ market. It’s going to change now, and buildings are slowly becoming more valuable. As Germany is moving slowly from a state-controlled system to an investmentcontrolled system, the question is, can you stop at the right place and find a balance? But there is still a continuous debate in Berlin that is thoroughly reflected in the city’s many daily newspapers. This creates a sense of public engagement that we don’t have here in London. When there is a lot of investment, no one seems to have the time to discuss what the city should be like. When there are no investors, you have plenty of time to discuss what the city should be like, but maybe no one to build it.
Berlin ist immer noch eine Hippiestadt Gespräch mit Sir David Chipperfield
Wie würden Sie Berlin und London hinsichtlich ihrer städtebaulichen Entwicklung beschreiben? Die Bedingungen in Berlin und London sind vollkommen unterschiedlich. Zunächst einmal gibt es in Deutschland noch so etwas wie eine funktionierende, öffentliche Verwaltung, die verlässlich organisiert und einen sicheren Rahmen bietet. In Großbritannien haben wir seit Thatcher diese Staatlichkeit durch Deregulierung zerstört. Das angelsächsische Modell nimmt man heute als nicht verantwortlich war. Die einzig verlässliche Kraft ist der freie Markt, der die Planung unserer Städte bestimmt. In Großbritannien gibt es keine vorausschauenden Planungsrichtlinien wie etwa den deutschen „Bebauungsplan“ oder einen „Flächennutzungsplan“. Der Greater London Council (1965 –1986) hatte eine Architekturabteilung mit 250 Mitarbeitern in der Hochphase. Sie entwickelten eine strategische Planung für die künftige Stadtentwicklung, Sozialbauprojekte und so weiter. Das war allerdings in den 1950ern und 60ern. Heute haben wir lediglich eine Art von zoning. Vor zehn Jahren gab es in Berlin noch keinen großen Markt für Investoren, das ändert sich gerade, da Gebäude wieder an Wert gewinnen. Da Deutschland allmählich von einem staatlich kontrollierten auch zu einem marktwirtschaftlich dominierten System übergeht, stellt sich die Frage: findet man den richtigen Punkt der Balance? In Berlin findet permanent ein Diskurs über diese Themen in den Tageszeitungen statt. Ein solches öffent liches Engagement haben wir in London nicht. Wenn die Investitionen groß sind, bleibt meist kaum Zeit darüber nachzudenken, wie die Stadt eigentlich sein soll; ist der Investitionsdruck gering, werden viele Ideen dazu entwickelt, aber meist gibt es niemanden, der sie dann auch baut.
75
82
Projekte Projects 83
1
Kreuzberg Tower
84
Common Ground für Baukultur schaffen
2
Institut am Hausvogteiplatz
Brüche sichtbar lassen
3
Schultheiss Quartier
162
Cultivating Ambitions
Am Lokdepot
184
Rückhalt für einen innovativen Stadtbaustein
7
Support for an Innovative Urban Cornerstone
Upper West
Feinheiten machen den Unterschied
8
144
Betting on the Future
Estrel Tower
Ambitionen kultivieren
6
124
From Detached to Attached
Eine Wette auf die Zukunft
5
104
Unveiling Discontinuities
Postscheckamt
Solitär wird Quartier
4
Common Ground for a Culture of Building
208 Details Make All the Difference
Anschutz-Areal
West Side Story an der East Side Gallery
232 West Side Story at the East Side Gallery
90
// Wenn ein ganzes Fachgremium die Bedeutung eines gebauten Ensembles f체r die Baukultur hervorhebt, dann macht das einen Unterschied auch f체r die Wertsch채tzung des Eigent체mers. Robert Slinger, Architekt und Aktivist
// When a whole committee of experts emphasizes the quality of built ensembles for building culture, then that also makes a difference in how the owner evaluates it. Robert Slinger, architect and activist
91
Kreuzberg Tower, Bessel-/Charlottenstraße, John Hejduk, 1986–88, westlicher Flügelbau heute, Detail markanter Elemente: Balkone für eine Person und Sonnenschutz in Farbe RAL 6021 Kreuzberg Tower, Besselstrasse and Charlottenstrasse, John Hejduk, 1986–88, west wing today, detail of striking elements: balcony for one person and sunshade in the color RAL 6021
94
Vorhaben In diesem Zustand kaufte die Berlinhaus GmbH das Ensemble zu einem günstigen Preis. Wie die meisten der während der IBA entstandenen Gebäude war auch der Kreuzberg Tower als sozialer Wohnungsbau errichtet worden und unterlag einer Mietpreisbindung. Nach 25 Jahren, also ab 2012 fielen die IBA-Wohnbauten sukzessive aus der Bindung; damit können nun marktübliche Mieten erzielt werden. So kalkulierte wohl auch der neue Eigentümer des Towers und wusste aber, dass für eine s olche Maßnahme die Sanierung des Bestandes die Voraussetzung sein würde.
Entwurf Der Entwurf für die Sanierung sieht einige markante Eingriffe in die Architektur Hejduks vor. Um den Häusern zu einem freundlicheren Aussehen und damit einer „positiven“ Ausstrahlung zu verhelfen, entwickeln die Eigentümer ein n eues Farbkonzept. Der graue Anstrich und die vorkragenden grünen Elemente sollen in ein helles Weiß für den Putz und in Fuchsia bzw. Pink für die Balkone verändert werden. Die Fensterüber dachun gen sind in diesem Entwurf ganz entfernt und funktional durch herkömmliche
Plan This condition of neglect was how the ensemble looked when Berlinhaus GmbH bought it for a good price. Like most of the structures built during the IBA, the Kreuzberg Tower was constructed as public housing, which means it was rent controlled. Rent control for IBA buildings began successively lapsing after twentyfive years, starting in 2012. Owners can now charge standard market rental rates. The new owners of the towers were probably counting on this, but they also realized that in order to be able to charge these kinds of rents, they needed to renovate the existing building.
Design The renovation plans included significant changes to Hejduk’s architecture. The owners developed a new color concept to give the buildings a friendlier appearance and a more positive aura. The gray color and the protruding green elements were to be changed to bright white for the plaster-clad walls, with the balconies redone in fuchsia or bright pink. The renovation completely eliminated the window awnings, and conventional slatted sun shades would instead serve this function. The owners also
Bildunterschrift Bildunterschrift
95
122
Institutsgebäude, Anderhalten Architekten, 2016, Details der Fassadenumgestaltung Institute building, Anderhalten Architects, 2016, details for façade redesign
course of the twentieth century. But urban spaces are not two-dimensional pictures. Instead they are a four-dimensional reality that should stay open to the interpretations and appropriations of many. The Baukollegium objected to taking the artistic freedom of turning the historical development of Hausvogteiplatz completely into finished pictures, even though in doing so, it possibly went against the aesthetic preferences of its members.
weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts immer deutlicher in das Stadtbild einschreiben sollte. Stadträume aber sind keine zweidimensionalen Bilder, sondern vierdimensionale Wirklichkeit, die offen sein sollte für Interpretationen und Aneignungen von vielen. Gegen die künstlerische Freiheit, die historische Gewordenheit des Hausvogteiplatzes vollends in geschlossene Bilder zu ver wandeln, hat das Baukollegium – möglicherweise auch entgegen den ästhetischen Vorlieben seiner Mit glieder – Einspruch erhoben.
123
134
onal eher durchmischten Quartieren jenseits des Landwehrkanals und der südlichen Friedrichstadt auf der anderen Seite. Natürlich ist eine so durchdachte Entwicklung auch eine Möglichkeit, das unmittelbare Umfeld des Berliner Vertical Village im XBerg Tower zu bestimmen, der im Besitz des Investors verbleiben wird.
Entwurf Im Auftrag der CG Gruppe hat das Büro Eike Becker_Architekten eine Studie zur Quartiersgestaltung und alternative Konzepte zur Verteilung der künftigen Baumassen erarbeitet. Die Varianten reichen von der Einbindung des Hochhauses in eine Blockstruktur bis zur Ergänzung mit weiteren Hochbauten zu einem aus dem Stadtkörper herausragenden Ensemble. In allen Varianten des Bebauungskonzeptes werden die Flachbauten des Postscheckamtes abgerissen, die Hochhausscheibe erhalten und Flächen im Nordteil des Gebietes zu seiner besseren Gliederung mit Flächen der angrenzenden Grundschule und Kindertagesstätte getauscht. „Wir fühlen uns
surroundings of the Berlin Vertical Village in XBerg Tower, land that will remain under the investor’s control.
Design Contracted by the CG Guppe, the office Eike Becker_Architects conducted a study on the shape and layout of the quarter and on alternative concepts for dividing up the area’s future cubic capacity. The variations ranged from incorporating the high-rise into a block structure up to building further high-rises so as to form an ensemble of buildings rising above the existing city structure. In all variations of the development concept, the flat buildings of the Postscheckamt are torn down, the high-rise slab retained,
Ehemaliges Postscheckamt, Eike Becker_Architekten, 2014. Die Modelle zeigen vier von acht im Baukollegium besprochenen städtebaulichen Varianten. Ehemaliges Postscheckamt, Eike Becker_Architects, 2014. The models show four of the eight planning variations discussed in the Baukollegium.
and a better organization for the area is established by switching spots in the north of the area with neighboring schools and day cares. “As the builder, we are the ones who come up with the ideas. Creating value isn’t everything; we have too much responsibility for that. As the project developer of course you try to steer the thing in one direction. You try to avoid an urban-development competition because so many architects take part in those, and the results can be, to some extent, completely uncontrollable. That’s why I decided to go with Eike Becker and take his variations to the Baukollegium,” explains Christoph Gröner.
Baukollegium The District Friedrichshain-Kreuzberg also feels the need to discuss the project in the Baukollegium. The leader of the department for city planning, Matthias Peckskamp, explains that, according to land-use planning from 1971, this area is zoned for postal usage. In a zoning plan from 2009, this usage is specified as located in the southern portion of the block.
als Ideengeber, als Bauherren. Wertschöpfung ist nicht alles, dafür haben wir zuviel V erantwortung. Aber als Projektentwickler versuchen Sie natürlich schon, den Standort in eine Richtung zu lenken. Man versucht, einem städtebaulichen Wettbewerb zu entgehen, weil so viele Architekten beteiligt sind und die Ergebnisse teilweise unkontrollierbar werden können. Deshalb habe ich entschieden, mit Eike Becker und seinen Varianten in das Baukollegium zu gehen“, erklärt Christoph Gröner.
Baukollegium Auch von der Seite des Bezirkes Friedrichshain-Kreuzberg besteht der Bedarf, das Projekt im Baukollegium zu bespre-
Topos
146
Topos Seit längerem werden die innerstädtischen Zeugen des Industriezeitalters als großartige Raumressource entdeckt. Nachdem sie nicht mehr so recht dazu taugten, wofür sie einmal gebaut wurden oder die industrielle Großproduktion aus den dichten Wohnquartieren verbannt wurde, wurden sie abge rissen, standen leer oder boten Handwerkern, Bastlern und Künstlern eine fruchtbare Lebens- und Arbeits
For some time now, it’s been clear that leftovers from the industrial age make for an incredible spatial resource in city centers. As time passed, these buildings reached a point where they no longer suited their original purpose, or they witnessed industrial mass production be banned from residential zones. And so they were torn down, left vacant, or converted into something that offered craftspeople, DIYers, and artists productive spaces for living and working. But regardless of their usage or state of deterioration, these “cathedrals of work” never stopped shaping their urban fabric. By now, they undoubtedly can be said to be monuments forging the very identities of many European cities. Built as pragmatic, functional buildings, they surprise today’s generation with how solidly built their structures are and how beautifully ornamental their architecture can sometimes be.
Schultheiss Quartier Entwurfsplanung; Fassadenplanung Design planning; Façade planning Bauherr Builder High Gain House Investments GmbH Architekt Architect Entwurfs- und Objektplanung Design and building planning: Pechtold Gesellschaft von Architekten mbH Fassadenplanung Façade planning: Max Dudler Bezirk District Mitte Zeitraum Time Frame 2013– Größe Size L
The former Schultheiss brewery, located at the intersection of Turmstrasse and Stromstrasse in Berlin Moabit, is a prime example of this. In 1826, construction first began on this brewery, and piece by piece it grew into a picturesque ensemble replete with towers, gables, and battlements. Operations at the brewery were shut down in 1980. This monument to industry has a powerful yellow brick façade, which is visually structured by arched windows and pilaster strips on the building’s elongated front. Looking at it, you can’t fail to notice the influence of the Schinkel school, and yet, the singu-
stätte. Doch haben diese „Kathedralen der Arbeit“ ungeachtet ihres Gebrauchs oder Verfalls niemals auf gehört, ihre Stadtviertel zu prägen und sie zählen inzwischen zweifellos zu den Identität gebenden Monumenten vieler europäischer Städte. Sie, die als pragmatische Zweckbauten erstanden sind, überr aschen uns heute angesichts ihrer handwerklich solide ausgeführten und nicht selten auch reich geschmückten Architektur. Ein prägnantes Beispiel dafür ist die ehemalige Schultheiss-Brauerei an der Kreuzung von Turm- und Stromstraße in Berlin-Moabit. 1826 begann hier der Aufbau einer Brauerei, die etappenweise mit all ihren Türmchen, Giebeln und Zinnen zu einem pittoresken Ensemble wuchs. 1980 wurde der Betrieb still gelegt. Die mächtige gelbe Backsteinfassade des Industriedenkmals ist an der langgestreckten Front durch Rundbogenfenster und schmale Lisenen
147
178
im Baukollegium waren bemerkenswert. Sie hat sehr viel Wohlwollen ausgestrahlt, aber auch gesagt, dass sie sich für Qualität einsetzt. Dafür habe man sie schließlich nach Berlin geholt. Das schafft Respekt.“
Überarbeitung Dieser Wettbewerb um den Estrel Tower wird im Februar 2014 entschieden. Sechs namhafte deutsche Architekturbüros hat der Bauherr dazu eingeladen, der erste Preis geht schließlich an das Berliner Büro Barkow Leibinger. Auf der Website des Büros ist eine Grafik zum Projekt zu sehen, in der zwei Quadrate, die schematisch das Entwurfsgrundstück repräsentieren, in verschieden große Dreiecke aufgeteilt sind. Diese Dreiecke werden zu einer Figur zusammengelegt, und unterschiedlich hoch extrudiert, woraus sich ein Ensemble ergibt, bei dem zwischen großen und flachen Körpern (Veranstaltungshallen und Parkhaus) und dem sehr hohen Hotelturm durch mittel hohe Bau-
Revision The competition for Estrel Tower is decided in February 2014. The builder invited six well-known German architectural offices to participate, and the first prize went to the Berlin office Barkow Leibinger. The office’s website pictures a graphic on
Estrel Tower, Barkow Leibinger, 2014, Visualisierung Estrel Tower, Barkow Leibinger, 2014, Baumassenstudie Estrel Tower, Barkow Leibinger, 2014, visualization Estrel Tower, Barkow Leibinger, 2014, study of building’s cubic capacity
the project in which two squares, which schematically represent the plot of land for the design, are divided into various large triangles. Together, these triangles merge into one shape, and are extruded to varying heights; an ensemble emerges from all of this, one that mediates between large structures and flat ones (events hall and parking garage) and between the tall hotel tower and the mid-height building structures. With slanted lines on the roofs and ground plan, the shape of the triangle can be seen everywhere in the project, making it the ensemble’s fundamental element of design. This demonstrates how the designers respond to the builder’s wish that the project have its own complete architectural language but also create a connection to the existing Estrel ensemble. The jury is especially impressed by Barkow Leibinger’s design because of the solutions it offers for the central formal parameters discussed in the Bau-
körper vermittelt wird. Das Ganze lässt in den schrägen Dach- und Grundriss linien das Dreieck als elementares Formelement überall erkennen. Damit nehmen die Entwerfer den Wunsch des Bauherrn auf, trotz einer völlig selbstständigen Architektursprache einen Bezug zum bereits bestehenden Estrel-Ensemble herzu-
179
198
Fassadenansichten, 2016: Das Rot ist ein starkes Zeichen und entwickelt sich aus dem Ziegelsockel, der sorgfältig gestaltete Vorplatz wird lebendig genutzt. Depictions of the façade, 2016: The red makes a strong statement and grows out of the brick base; the carefully designed forecourt is put to lively use.
ings with residential usage. Furthermore, the design succeeds at incorporating historical traces of the site and its industrial character. Nils Buschmann explains this connection, “The idea of having the building materials be red initially came from recycled tiles, which reference the roundhouse and thus draw a connection to industrial culture. Given the background of the current debate around residential buildings, we are interested in reinterpreting industrial building structures as a way of rethinking types of housing. But this is not just about surface-level fetishism but instead about robust and usageindependent structuring of space that invites the residents to adapt space to their needs. This way there won’t be a bedroom and a living room but many different modular possibilities according to residents’ needs.” The Baukollegium agreed with how the design as a whole reacts to the urban space around it. It’s not enough, however, to just adopt a respectful attitude towards existing development. The planning should strategically create ways for the residents of Eylauer Strasse to profit from the new situation. As a way of refining the quality of the individual land parcels, the next planning step should analyze the conditions of their surroundings. This leads to a discussion of how the
wicklung“ und einen innovativen Beitrag zum städtischen Wohnen. In der Diskussion wird die Idee gelobt, die Tradition der „Kreuzberger Mischung“ von Ge werbehöfen hinter Vorderhäusern mit Wohnnutzung neu zu interpretieren. Außerdem gelingt es dem Entwurf, die Spuren des historischen Geländes und des industriellen Charakters aufzunehmen. Nils Buschmann erklärt diesen Zusammenhang: „Die Idee zum roten Materialspektrum der Bauten kommt zunächst von den recycelten Ziegeln, und die haben über die Lokschuppen einen Bezug zur Industriekultur. Vor dem Hintergrund der aktuellen Wohnbaudebatte interessierte uns, Gewerbebaustrukturen neu zu interpretieren und so Wohnformen neu zu denken. Dabei ging es gerade nicht um einen Oberflächenfetischismus, sondern um robuste und nutzungsunabhängige Raumstrukturen, die eine Aneignung der Bewohner provo zieren, sodass es nicht das Schlafzimmer und das Esszimmer gibt, sondern je nach Lebensbedürfnis verschiedene Möglichkeiten angeboten werden.“ Das Baukollegium ist sehr einverstanden damit, wie die große Figur der Planung auf die stadträumliche Umgebung reagiert. Allerdings sollten den Bewohnern der Eylauer Straße offensive Angebote gemacht werden, von der
199
208
Feinheiten machen den Unterschied Details Make All the Difference
Upper West
209
Upper West KurfĂźrstendamm 11 10179 Berlin
234
Topos Der Fall der Berliner Mauer im November 1989 war die Initialzündung für eine der größten Herausforderungen auf dem Gebiet der Stadtentwicklung in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg: das Zusammenwachsen von Ost- und West-Berlin. Zwei Teile der ehemaligen und künftigen deutschen Hauptstadt, die sich unter dem Einfluss konkurrierender politischer Systeme und der von ihnen hervorgebrachten Leitbilder und Lebensweisen zu zwei Städten auseinanderdividiert hatten. Quasi über Nacht wurden nun auch im geografischen Zentrum der Doppelstadt immense Flächen frei, die auf beiden Seiten des Mauerstreifens innerhalb von drei Jahrzehnten zur Peripherie der Stadthälften herabgesunken waren. Nach ersten Ordnungs-, Planungs- und Restitutionsvorgängen herrschte Anfang der 1990er Jahre unter in- und ausländischen Entwicklern eine
Topos When the Berlin Wall fell in November 1989, it set off one of the biggest urbandevelopment challenges in Europe since the Second World War: merging East and West Berlin. The two cities made up two halves of the former and future German
capital, and under the influence of com- Art „Goldgräberstimmung“: Unter ökopeting political systems, as well as the nomisch und politisch für sie besonders principles and ways of life these systems günstigen Bedingungen konnten sie had birthed, they had gone their sepa- große Areale für langfristige Projekte rate ways. On both sides, areas border- sichern. Nicht nur Freiflächen standen ing on the Berlin Wall had sunk into ob- nun im Zentrum der Begehrlichkeiten. scurity over the three decades that they Auch viele infrastrukturelle Einrichtungen had served as peripheral areas of each und Industriebauten der Doppelstadt city half. Practically overnight, these immense Anschutz-Areal swathes of land, some of Entwurfs- und Objektplanung; them even in the double Landschaftsplanung Design and building planning; Landscape planning city’s geographic center, Bauherr Builder AEG Anschutz were suddenly freed up. Af Architekt Architect Entwurfs- und Objektter initial procedures were planung Design and building planning: Callison RTKL, London put in place for public or Landschaftsplanung Landscape planning: der, planning, and restitu TOPOTEK 1, Berlin tion, the early nineteen Bezirk District Friedrichshain-Kreuzberg Zeitraum Time Frame 2001– nineties witnessed a kind Größe Size XL of “gold rush” for domestic and international investors. They could secure large plots of land for longterm projects under conditions that were economically and politically ad vantageous for them. The hottest spaces weren’t just the unbuilt ones. A lot of the infrastructural facilities and industrial buildings in the double city were already becoming obso-
235
252
sensiblen Schnittstellen zur East Side Gallery und den Gedenkorten ein völlig falsches Signal. Für die Gestaltung des Freiraums fordert die Senatsbaudirek torin die Durchführung eines Wettbewerbs. „Frau Lüscher hat gesagt: Sie machen die East Side Gallery zum ‚Ankermieter‘ des Entertainment Centers. Das geht nicht!“, berichtet Michael Kötter von der Berliner Dependance der Anschutz Entertainment Group. Auf Wunsch der Vorhabenträger wird die Diskussion um den Charakter des Areals und den vorgelegten Entwurf auf die politische Ebene des Regierenden Bürgermeisters verlegt. In einem gemeinsamen Gespräch, an dem auch der Senator für Stadtentwicklung und Umwelt sowie die Senatsbaudirektorin beteiligt sind, einigt man sich schließlich darauf, ein qualifizierendes Workshopverfahren durchzuführen. Als Hauptargument für die Überarbeitung wurde seitens der Politik wieder auf die Nachbarschaft zur East Side Gallery verwiesen.
plot and the suggested design is taken to a political level, to the governing mayor. In a joint discussion, in which the senator for urban development and the environment and the senate building director also take part, all agreed to hold a qualified workshop process on this issue. The main argument for reworking the plan cited by the politicians was, again, con-
Anschutz-Areal, Rendering nach Workshop. Überarbeitung der Oberflächen und Atmosphäre Anschutz-Areal, Lageplan nach vollständiger Bebauung des Areals Anschutz area, rendering after a workshop. Reworked surfaces and atmosphere Anschutz area, site plan of the area’s complete development
cern about the neighborhood around the East Side Gallery. “The city had really different things in mind, particularly when it came to the meaning that the East Side Gallery would take on,” recalls Michael Kötter. “We felt like it came out of left field. Sure, Bernauer Strasse, Checkpoint Charlie, those places were memorials, but the East Side Gallery had n ever been treated as holy before. But eventually it made sense to us, and we were able to convey this to our colleagues in the USA. The way the East Side Gallery is perceived truly has changed recently, and most recently with the light installation on the twentyfifth anniversary of the fall of the wall. Nowadays it is much more of a memorial than a party place.” The company headquarters in the USA were open to the arguments for a calmer atmosphere in the public spaces in the neighborhood where remains of the Wall were located. With help from the Berlin architectural landscaping
„Die Stadt hatte eine ziemlich andere Sicht auf die Dinge, besonders auf die Bedeutung der East Side Gallery“, erinnert sich Michael Kötter. „Wir waren stark irritiert: Bernauer Straße, Checkpoint Charlie, das waren Gedenkorte, ja, aber die East Side Gallery war doch nie heilig! Wir haben das aber eingesehen und konnten das auch den
253
Biografien Biographies
258
Prof. Claus Anderhalten 1962 in Morken/Bedburg geboren. Das 1984 begonnene Architekturstudium an der TU B erlin setzte er 1985 an der RWTH Aachen fort und beendete es 1990 mit Auszeichnung. Er gründete 1993 das Büro Anderhalten Architekten in Berlin und wurde 1995 Mitglied des BDA Berlin, zu dessen Vorstand er von 2003 bis 2008 gehörte. Seit 1998 nahm Claus Anderhalten verschiedene Lehraufträge wahr, so an der TU Berlin, der TFH Berlin und der FH Lippe. 2000–2003 war er Mitglied im „Arbeitskreis Junger Architektinnen und Architekten“ des BDA. Professuren an den Universitäten Siegen und Kassel begleiten seine Arbeit als Architekt. Claus Anderhalten war von 2008 bis 2012 Mitglied des Berliner Baukollegiums und von 2011 für ein Jahr auch im Baukunstbeirat der Stadt Nürnberg. Seit 2012 pflegt er Mitgliedschaften im Planungs- und Gestaltungsbeirat der Stadt Rostock, im Gestaltungsbeirat der Stadt Karlsruhe und seit 2014 im Gestaltungsgremium der Stadt Bremen.
Prof. Claus Anderhalten was born in Morken in Bedburg, Germany, in 1962. In 1984 he began studying architecture at the TU Berlin. In 1985, he continued his studies at the RWTH Aachen, where he graduated in 1990 with honors. In 1993 he founded the office Anderhalten A rchitekten in Berlin. In 1995 he became a member of the BDA Berlin, where he sat on the board from 2003 to 2008. Since 1998 Claus Anderhalten has held various teaching positions—at the TU Berlin, the TFH Berlin and the FH Lippe. From 2000 to 2003 he was a member of the group Young Architects of BDA. He holds professorships at the Universities of Siegen and Kassel, which accompanies his work as an architect. Claus Anderhalten has been a member of the Baukollegium Berlin from 2008 to 2012; in 2011 he sat on the architectural a dvisory board of the City of Nuremberg. Since 2012 he has maintained memberships in the planning and design committees of the City of Rostock, the design committee for the City of Karlsruhe, and since 2014 the design committee of the City of Bremen.
Dr. Sonja Beeck Dr. Sonja Beeck 1965 in Memmingen geboren. Sie studierte Architektur an der RWTH Aachen und promovierte zum Thema „Theming als eine Methode zur semantischen Programmierung von Raum“ an der Universität Karlsruhe. Für die IBA Stadtumbau 2010 entwickelte sie acht Jahre lang Szenarien und Projekte für 19 schrumpfende Städte in Sachsen-Anhalt. Nach einer Gastprofessur an der Universität Innsbruck für Städte-
was born in Memmingen, Germany, in 1965. She studied architecture at the RWTH Aachen and worked for several years in Cologne and London. After performing research in the US, she returned to Germany and received her PhD from the University of Karlsruhe in 2003 with a dissertation entitled “Theming as a Method of Semantic Programming Space.” She has
been a member of the academic staff at the Bauhaus Dessau Foundation and developed scenarios and projects for nineteen shrinking cities in Saxony-Anhalt in the context of the IBA Urban Redevelopment 2010. After a visiting professorship at the University of Innsbruck for Urban and Regional Planning (2006–09), she taught at the University of Kassel (2010–13). As a consultant for local authorities dealing with questions of urban development, such as the IBA Berlin 2020, she has developed strategic concepts for Nuremberg and Bremen. Along with Detlef Weitz, she is CEO of chezweitz, an agency for scenography based in Berlin.
Sir David Chipperfield was born in London, UK, in 1953. He established David Chipperfield Architects in 1985. He was a professor of architecture at the Staatliche Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart, from 1995 to 2001. Along with Norman R. Foster he was a visiting professor of architectural design at Yale University in 2011. He has taught and lectured worldwide at schools of architecture in Austria, Italy, Switzerland, the UK, and the US. In 2012 David Chipperfield curated the thirteenth International Architecture Exhibition of the Venice Biennale. In 2014 he was appointed artistic director of the Italian furnishings firm Driade. He is an honorary fellow at the American Institute of Architects and the Bund Deutscher Architekten and a past winner of the Heinrich Tessenow Gold Medal, the Wolf Foundation Prize in the Arts, and the Grand DAI (Verband Deutscher Architekten- und Ingenieurvereine) Award for Building Culture. David Chipperfield was appointed commander of the order of the British Empire in 2004, appointed a royal designer for industry in 2006, and elected to the royal academy in 2008. In 2009 he was awarded the Order of Merit of the Federal Republic of Germany, and in 2010 he was knighted for services to architecture in the UK and Germany. In 2011 he received the RIBA Royal Gold Medal for Architecture and in 2013 the Praemium Imperiale from the Japan Art Association, both given in recognition of a lifetime’s work.
bau und Regionalplanung (2006–2009), lehrte sie an der Universität Kassel als Vertretungsprofessorin für Stadt- und Regionalplanung (2010–2013). Für die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung entwickelte sie 2011 gemeinsam mit Martin Heller ein Konzept für eine IBA Berlin 2020. Seit 2013 ist sie geschäftsführende Gesellschafterin des Büros für urbane Szenografie chezweitz GmbH in Berlin.
Sir David Chipperfield 1953 in London, Großbritannien geboren. Die Gründung des Büros David Chipperfield Architects erfolgte im Jahr 1985. Von 1995 bis 2001 war David Chipperfield Professor für Architektur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und 2011 N orman R. Foster Visiting Professor of A rchitectural Design an der Yale University. Er lehrte überdies weltweit Architektur an Universitäten in Österreich, der Schweiz, Italien, Großbritan nien und den USA. 2012 war er Kurator der 13. Internationalen Architekturbiennale in Venedig. 2004 wurde David Chipperfield zum Commander of the Order of the British Empire (CBE) ernannt. 2006 wurde er zum Royal Designer for Industry (RDI) berufen und 2008 folgte die Ernennung zum Royal Academician (RA). 2009 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und 2010 von Queen Elizabeth II in den britischen Adelsstand erhoben. 2011 erhielt David Chipperfield die RIBA Royal Gold Medal und 2013 den Praemium Imperiale – beides Preise als Anerkennung für sein Lebenswerk. David Chipperfield ist Ehren mitglied des American Institute of Architects (AIA) sowie des Bundes Deutscher Architekten (BDA).
Prof. Roger Diener 1950 in Basel, Schweiz geboren. Nach dem Studium der Architektur an der ETH Zürich 1976 Eintritt in das Architekturbüro Marcus Diener Architekten Basel, als dessen Partner er ab 1980 fungiert (Diener & Diener Architekten Basel). Er war von 1985 bis 1988 Professor
259
Projektdaten Project Data
266
Nr. Projekte No Projects
Bezirk District
Sitzungsnr. Meeting-No
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32
Mitte Mitte Mitte Mitte Mitte Mitte Mitte Mitte Mitte Mitte Mitte Mitte Mitte Mitte Fri.-Kreu. Mitte Mitte Tre.-Köp. Mitte Mitte Mitte Mitte Mitte Mitte Mitte Mitte Licht. Mitte Tem.-Schö. Mitte Mitte Fri.-Kreu.
1 1, 2, 3 2 3 3 2, 4 5 5, 6 7 7, 8 7, 8 9 10 11 12 12, 14, 30, 34 12, 14 13 13 14, 15 11, 15 16, 28 17 10, 17 17 18, 27 18 16, 19 19, 21 20 21 22
Aussichtsrad am Zoo „Great Berlin Wheel“ Alexanderstraße, Block lV Wohnen an der Luise Bahnhof Gesundbrunnen Masterplan Heidestraße Lehrter Stadtquartier Blöcke MK 4–7 Gestaltungsverordnung Historische Mitte Institutsgebäude HU, Hausvogteiplatz OSZ Gesundheit, Schwyzer Straße OSZ Banken und Versicherungen, Alt-Moabit OSZ Fertigungstechnik, Kühleweinstraße Büro- und Textilzentrum, Oberwallstraße Medienzentrum Mitte GmbH Rathausforum (Visionen für das Rathausforum) Kreuzberg Tower IBA 1987 (John Hejduk) Leipziger Platz, ehemaliges Wertheim-Areal Mendelsohn-Bartholdy-Park 1 Fachmarkt Schnellerstraße Wohnhaus in der Kleinen Rosenthaler Straße Umfeld ehemalige Blumengroßmarkthalle Holiday Inn Express, Voltairestraße Wohnbebauung, Mittelstraße Humboldthafen Ost Kronprinzengärten, Am Werderschen Markt Postfuhramt, Oranienburger Straße Lehrter Stadtquartier, Hotelneubau Kraftwerk Klingenberg, Neubau Evangelisches Werk, Invalidenstraße Bebauungsplan Am Lokdepot Zimmerstraße 88/89, Umbau zum Hotel IBA 1987 in Berlin, Strategien für den Bestand IBA 1987, Strategien mit den Bestandsgebäuden
Nr. Projekte No Projects
Bezirk District
33 Mercedes-Benz Vertriebszentrale Deutschland Fri.-Kreu. 34 Hellweg Baumarkt an der Yorckstraße Fri.-Kreu. u. Tem.-Schö. 35 Sockelbebauung „park inn“ am Alexanderplatz Mitte 36 Berliner Volksbank, Budapester Straße Mitte 37 Karl-Marx-Allee 2. Bauabschnitt Mitte 38 Energetische Sanierung Hochhaus Wilhelmstraße 2–6 Fri.-Kreu. 39 Neue Müllerhalle, Müllerstraße Mitte 40 Haus am Max-Rheinhardt-Platz Mitte 41 Hotelneubau am Hauptbahnhof (LSQ MK5) Mitte 42 Sanierung des Bettenturms der Charité, Neubau OP-Trakt Mitte 43 Masterpan Anschutz-Areal Fri.-Kreu. 44 Wilhelmstraße 56–59 Mitte 45 Flottwellstraße, Wohnbauten auf der östlichen Seite am Park Fri.-Kreu. 46 Hotel- und Office-Campus an der Mühlenstraße Fri.-Kreu. 47 Otto-Braun-Straße/Mollstraße, Wohn- und Geschäftshaus Mitte 48 Alexanderplatz, Baufeld A 6 Mitte 49 Torhäuser Monbijoupark Mitte 50 green.media.carloft.living & hotel, Alexanderstraße Mitte 51 East-Hotel, Apartementhaus, Voltairestraße Mitte 52 Wohnen am Lützowplatz Mitte 53 Wohnungsneubau Fischerinsel, Mühlendamm Mitte 54 Upper West, Kurfürstendamm 11, Breitscheidplatz Char.-Wilm. 55 Poelchau-Oberschule im Haus des Deutschen Sports Char.-Wilm. 56 Estrel-Tower Neuk. 57 Alexanderstraße, Block III A „Volt“ Mitte 58 Bötzow-Brauerei Pank. 59 Cuvryhöfe, Cuvrystraße Fri.-Kreu. 60 Neubau Umspannwerk Sellerstraße Mitte 61 Europa-City, Block 9 Mitte 62 Europa-City, Baufeld 08 Mitte 63 Nachverdichtung Großsiedlungen, Heinrich-Heine-Straße Mitte 64 Information Sachstand Alexanderplatz und Karl-Marx-Allee 2. Bauabschnitt Mitte 65 Wohnungsbau und Appartmenthotel am Adenauerplatz Char.-Wilm. 66 Bürogebäude Otto-Suhr-Allee 6–16 Char.-Wilm. 67 Information über die Wohnungsbauleitstelle 68 Friedrichstraße 33, IBA’87-Projekt, Architekt Abrahams Fri.-Kreu. 69 Wohnungsbau Pistoriusplatz, Weißensee Pank. 70 Umplanung Stadtplatz Europacity Mitte 71 Baufeld MK 6, Hauptbahnhof Mitte 72 Fassadenbemusterung Hotel Invaliden-/Heidestraße Mitte 73 Wohnhochhäuser „Max und Moritz“ Fri.-Kreu. 74 Eckbebauung Invaliden-/Ackerstr. Mitte 75 Spreepark Schimmang, Köpenicker Str. 21–29 Fri.-Kreu.
Sitzungsnr. Meeting-No 21, 22, 23 23, 25 24 17, 24, 53 24, 29 24 16, 25 25, 11 26 19, 26 26 27 28 26, 28 19, 20, 28, 46 29, 31 29 30 29, 30, 56 31 32 30, 31, 32, 44 33 33 34 34 35 27, 32, 34, 35, 39 35 36 36 36 37 37, 39 37 38 38 39 39, 40, 41, 49 40, 44 40 41, 48 41, 44
267