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#208 – Bau und Immobilien neu denken

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Eine unabhängige Kampagne von Contentway Handelsblatt | März 2026

BAU & IMMOBILIEN NEU DENKEN

WIR HOFFEN AUF SINNVOLLE VERDICHTUNG

Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB e.V., fordert bei der Bestandssanierung mehr fundiertes Wissen statt bloßer Meinungen – und ein Ende effekthascherischer, ökologisch fragwürdiger Neubauten.

WIE UND WO WOLLEN WIR KÜNFTIG LEBEN?

Als Vertreter der Bauindustrie, einer Schlüsselbranche für Deutschlands Modernisierung, möchte ich hinzufügen: Wie wollen wir künftig bauen, um zukunftsfähige Antworten liefern zu können?

BIM SCHAFFT GRUNDLAGE FÜR KI-ANWENDUNGEN

Im Interview erklärt er, was BIM und KI mit Daten, Mut und Ausbildung zu tun haben.

SAUBERE RAUMLUFT BEGINNT MIT GEPRÜFTER QUALITÄT

Wer ein Haus oder eine Wohnung bauen oder sanieren will, hat dafür unzählige Produkte zur Auswahl. Bevor man allerdings zum erstbesten Sonderangebot greift, lohnt ein kurzer Blick aufs Etikett.

& Zukunftskonferenz mutig. kontrovers. nah dran.

Lesen Sie weitere interessante Artikel auf contentway.de

Interview | Prof. Dr. Cornelius Preidel Artikel | Zertifizierung
Großes Interview I Dr. Christine Lemaitre
Vorwort | Tim-Oliver Müller

BAU & IMMOBILIEN NEU DENKEN

AUSGABE #208

Senior Account Manager:

Rojan Tajbakhsch

Geschäftsführung:

Nicole Bitkin, Fredrik Thorsson

Creative Director:

Franziska Bredehorn

Redaktion und Grafik:

Franziska Bredehorn, Nadine Wagner, Julia Schmidt, Negin Tayari

Text:

Katja Deutsch, Armin Fuhrer, Jakob Bratsch

Coverfoto:

unsplash, Presse

Distribution & Druck:

Handelsblatt, März 2026

Contentway

Wir erstellen Online- und Printkampagnen mit wertvollen und interessanten Inhalten, die an relevante Zielgruppen verteilt werden. Unser Partner Content und Native Advertising stellt Ihre Geschichte in den Vordergrund.

Die Inhalte des „Partner Content“ und „Hotspot Highlight“ in dieser Kampagne wurden in Zusammenarbeit mit unseren Kunden erstellt und sind Anzeigen. Für die Lesbarkeit verwenden wir das generische Maskulinum. Die Formulierungen sprechen alle Geschlechter gleichberechtigt an. Contentway und Handelsblatt sind rechtlich getrennte und redaktionell unabhängige Unternehmen.

Herausgegeben von: Contentway GmbH

Neue Burg 1

DE-20457 Hamburg

Tel.: +49 40 85 539 750

E-Mail: info@contentway.de Web: www.contentway.de

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WEITERE INHALTE

4. Prof. Dr. Shervin Haghsheno

8. Wärmeoptimierung

10. Dr. Christine Lemaitre, DGNB

13. Iris Schöberl, ZIA e. V.

CONTENTWAY.DE

Das Personal von morgen rechtzeitig abholen

Der Fachkräftemangel trifft die Bauindustrie besonders hart. Jetzt sind neue Lösungen gefragt, um die Zukunft nachhaltig zu gestalten.

CONTENTWAY.DE

Besser abgesichert bauen

Bei der Finanzierung des eigenen Hauses sollte man noch ein paar Euro für entsprechende Versicherungen einkalkulieren. Denn Schäden kommen häufig vor und können richtig teuer werden.

Bezahlbarer Wohnraum, Klimaresilienz, Urbanisierung – wie und wo wollen wir künftig leben?

EINLEITUNG

Eine zentrale Frage, die wir diskutieren müssen. Als Vertreter der Bauindustrie, einer Schlüsselbranche für Deutschlands Modernisierung, möchte ich hinzufügen: wie wollen wir künftig bauen, um zukunftsfähige Antworten liefern zu können? Folgende Punkte sind für uns als Branche essenziell.

Foto: Presse

Tempo wird zur politischen Priorität Der Wohnraummangel verschiebt den Fokus der Politik auf schnellere Verfahren: Vorrangregelungen, vereinfachte Planungsprozesse, digitale Genehmigungen und beschleunigte Bauleitplanung sollen Neubauten schneller ermöglichen. Tempo entsteht allerdings nicht allein durch Gesetze, sondern durch einen besseren Gesamtprozess insgesamt – von der Planung bis zur Baufertigstellung. Nach ersten Schritten wie dem „BauTurbo“ müssen deshalb weitere Maßnahmen folgen: ein Bauordnungsrecht, das mehr Freiräume und Gestaltungsmöglichkeiten bietet, ein Umweltrecht, das Habitate und Arten wirksam schützt, aber das Bauen nicht blockiert sowie ein Vergaberecht, dass konventionelle, innovative Verfahren ebenso fördert wie industrielle, serielle Bauprozesse, damit wir Produktivität und Baugeschwindigkeit erhöhen können.

Bezahlbares Bauen im Fokus Steigende Baukosten, hohe Zinsen und wachsende Anforderungen an Gebäude

treiben Kauf- und Mietpreise in die Höhe. Politik und Branche suchen daher nach neuen Instrumenten – von Förderprogrammen bis zu vereinfachten und angepassten Baustandards. Was bedeutet eigentlich „einfaches Bauen“? Wo beginnt Komfort, und wo hört Sicherheit auf?

Deutsche Gerichte bieten eine einfache Lösung: es müssen die sog. „anerkannten Regeln der Technik“ eingehalten werden, dann ist der Vertrag erfüllt. Dieses Jura-Konstrukt hat aber einen Haken, denn dadurch muss nahezu jede Norm eingehalten werden. Der Gebäudetyp E ist in diesem Zusammenhang in aller Munde. Aber wieso sollte es einen neuen Gebäudetyp geben, wenn wir doch immer einfach bauen wollen?

Wir sind deshalb der Meinung, dass der Staat sein Schutzniveau definieren sollte, quasi als Absprungbasis für jedes Bauvorhaben und als Grundlage für gute Wohnqualität. Wer darüber

Energiekosten runter, Immobilienwert hoch: Fußbodenheizung einfach nachrüsten

Effiziente Wärmewende in Bestandsgebäuden: Nordwærme Fußbodenheizungen bietet eine innovative Fräsmethode, mit der Energiesparen und Gemütlichkeit in kurzer Zeit effizient und günstig nachgerüstet werden können.

Fußbodenheizung einfach nachrüsten – und das binnen weniger Tage. Dieses Versprechen erfüllt das norddeutsche Startup Nordwærme Fußbodenheizungen mit einer innovativen Methode: Mit Spezialmaschinen werden Kanäle für die „Fræsbodenheizung” direkt in den Bestand gefräst. „Ein Einfamilienhaus rüsten wir so innerhalb einer Woche auf energiesparende Fußbodenheizung um”, erklärt Mitgründer Sönke Löser.

Die innovative Methode hält auch die Kosten niedrig: Ein komplettes Stockwerk lässt sich oft für unter

5.000 € modernisieren, zuzüglich des neuen Bodenbelags. Diese Investition amortisiert sich zügig, da Öl-, Gas-, Pelletheizungen oder Wärmepumpen mit einer Fußbodenheizung deutlich effizienter arbeiten. Allein durch die Fußbodenheizung sind Energieeinsparungen von 10-15 % möglich.Finanziell gewichtiger ist jedoch die Wertsteigerung der Immobilie: „3-8 % Plus sind meist allein durch die Fußbodenheizung realisierbar“, so Löser. „Das ist besonders bei Bankbewertungen für Darlehen hilfreich.

“Wichtigste Voraussetzung für das Einfräsen ist ein stabiler Untergrund. „Ob Zementestrich, Beton, Guss-asphalt, Terrazzo oder Gipsplatten – wir fräsen in fast jedes feste Material außer Holz“, erklärt Löser von Nordwaerme.de. „Ab 4 cm Stärke nutzen wir das größte Rohr, bei dünneren Estrichen greifen Speziallösungen.“ Zur Vorbereitung lassen Kunden

CONTENTWAY.DE Kreislauf statt Abfall: Die Zukunft der Bauwirt schaft

Beim herkömmlichen linearen Bauen werden Rohstoffe verbraucht und Abfall erzeugt. Das zirkuläre Bauen dagegen setzt auf Wiederverwendung, Recycling und langlebige Materialien.

Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie

hinaus mehr möchte, kann dies dann individuell entscheiden – wie heute auch schon.

Klimaschutz und Ressourceneffizienz prägen Planen und Bauen Der Gebäudesektor steht im Zentrum der Klimapolitik. Neubau, energetische Sanierung, Wärmeversorgung und Quartierslösungen müssen künftig stärker zur CO₂-Reduktion beitragen, ohne die Baukosten weiter stark zu erhöhen. Um diesen Hebel bestmöglich zu nutzen, ist es entscheidend, dass Planerinnen und Planer sowie Ausführende früher zusammenarbeiten. Nur durch eine frühzeitige Kooperation wird es gelingen, Bauverfahren, Baustoffe, Gebäudetechnik und Energiequelle so aufeinander abzustimmen, dass Klima geschützt und Bezahlbarkeit erreicht wird.

Diese Fragen müssen wir gemeinsam beantworten. Klar ist nur: Wir brauchen hierzu die Bauindustrie. Sie schafft unsere Welten.

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Mit Spezialmaschinen fräst Nordwærme Fußbodenheizungen nachträglich in Bestandsböden ein. Ein Stockwerk ist in wenigen Tagen ausgerüstet.

Altbeläge und Klebereste entfernen. Nordwærme fräst Kanäle, verlegt Rohre und schließt bis zum Heizkreisverteiler an. Danach verbindet der lokale Heizungsbauer das System mit der Heizung. Ein Bodenleger kann die Fläche final nivellieren und den neuen Wunschbelag – von Fliesen über Parkett bis Vinyl/Designbeläge – verlegen. Mit Vor- und Nachbereitung ist der Boden nach ca. 2–3 Wochen voll nutzbar für das gemütliche Energiesparen.

Infos: www.nordwaerme.de

Frühzeitiger Einstieg

Dreiklang

Bessere, koordinierte Planung mit Lean Construction

PROJEKTMANAGEMENT

Prof. Dr. Shervin Haghsheno ist Professor für Baubetrieb und Bauprozessmanagement und Leiter des Instituts für Technologie und Management im Baubetrieb (TMB) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Warum Lean Construction auch ohne Stoppuhr zu mehr Effizienz führt, verrät er im Interview.

Text: Katja Deutsch

Foto: Presse

Prof. Dr. Haghsheno, was in der Automobilbranche nach dem Vorbild Toyotas seit Jahrzehnten bis auf Hundertstelsekunden optimiert wurde, sollte doch auch im Bauprozess machbar sein – oder? Zwischen Automobilproduktion und Bauwesen bestehen wesentliche Unterschiede, da viele Rahmenbedingungen auf der Baustelle nicht in vollem Umfang kontrolliert werden können. Trotzdem schließt das keineswegs aus, Optimierungsansätze aus der Industrie übertragen zu können. Häufig wird die Einzigartigkeit von Bauwerken als Gegenargument genannt, obwohl Planung und Bauausführung viele wiederkehrende Abläufe haben. Entscheidend ist dabei, den Bauprozess als Produktionssystem zu verstehen und prozessorientiert zu optimieren. Auch ohne Optimierung auf Sekundenwerte besteht ein großes Potenzial für mehr Effizienz und weniger Verschwendung, wie der konsequente Einsatz von Lean Construction-Methoden in der Praxis zeigt.

Welche typischen Unterbrechungen im Bauablauf verursachen den größten Zeit- und Produktivitätsverlust, und wie lassen sie sich vermeiden? Zeit- und Produktivitätsverluste im Bauwesen haben ihre Ursachen oftmals schon lange bevor die Probleme auf der Baustelle sichtbar werden. Bereits zu Beginn eines Projekts entscheidet sich nämlich, ob effizient gearbeitet oder ver-

schwendet wird. Ein zentraler Punkt ist dabei die Bedarfsermittlung: Werden die tatsächlichen Bedürfnisse der Nutzenden nicht klar definiert, besteht ein erhebliches Risiko, an diesen vorbeizuplanen, mit entsprechenden Folgen für Qualität, Kosten und Termine. Neben mangelhafter Qualität der Bauwerksplanung und unzureichender Koordination der Fachplaner ist besonders die Vergabe von Planungs- und Bauleistungen nach dem Billigstprinzip ein Problem. Das führt häufig zu Nachforderungen, Terminverzögerungen und konfliktbehafteten Projektverläufen. Dazu kommen Defizite in der Prozessplanung sowie in der Produktionssteuerung, die zu Störungen im Bauablauf führen. Wir brauchen professionelles Projektmanagement mit klarer Organisation, transparenter Kommunikation und einem konsequenten Fokus auf Produktionsplanung und Produktionssteuerung.

Was muss im Planungs- und Abstimmungsprozess passieren, damit Zusagen zwischen Gewerken wirklich eingehalten werden (Percent Plan Complete)?

Alle Projektbeteiligten müssen möglichst frühzeitig und spürbar in die Projektpläne eingebunden werden und verlässliche Zusagen erhalten, Nichterfüllung muss ehrlich kommuniziert werden. Dadurch kann eine Aufwärtsspirale aus gegenseitigem Vertrauen zwischen den Gewerken und einer

Prof. Dr. Shervin Haghsheno, Professor für Baubetrieb und Bauprozessmanagement & Leiter des Instituts für Technologie und Management im Baubetrieb (TMB) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

größeren Verlässlichkeit in der Zusammenarbeit entstehen.

Wie kann der gesamte Bauprozess zukünftig effizienter, schneller und damit kostengünstiger werden?

Die Baubranche muss den gesamten Bau als Produkt mit einem Produktlebenszyklus betrachten, der von seiner Entwicklung bis zum Rückbau oder seiner Revitalisierung reicht. Zukünftig muss die Vorfertigung zunehmen, um mehr Teile unter kontrollierten Bedingungen zu produzieren. Planung, Bau und Rückbau sollten stärker systematisiert und modular gedacht werden, unterstützt durch eine koordinierte Planung mit einem durchgängig genutzten Digitalen Zwilling. Ich plädiere auch für Partnerschaftsmodelle, um Erfahrungen frühzeitig einzubinden und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zu fördern. Die Ansätze sind bekannt – jetzt braucht es mutige Akteure, die sie breit umsetzen.

Entscheidend ist dabei, den Bauprozess als Produktionssystem zu verstehen und prozessorientiert zu optimieren.

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FRAGEN AN INGA FRAUENDORF

Inga Frauendorf Projektleiterin der Real Estate Arena

Stichwort Wohnraummangel. Wie helfen Vernetzungen, den Wohnungsbau voranzubringen? Das ist beim Wohnungsbau genauso wie in anderen Immobilienprojekten auch. In der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit schlummern noch Renditen, die gehoben werden wollen. Zudem werden die Projekte durch belastbare Netzwerke schneller und tragfähiger. Wenn Kommunen, Investorinnen, Projektentwickler, Bauunternehmen und Wohnungswirtschaft vernetzt sind, lassen sich Entscheidungen besser abstimmen und Projekte gezielter umsetzen.

Wie innovativ ist die Immobilien- und Bauwirtschaft? Es gibt – wie in anderen Branchen auch – eine weite Spreizung. Einige Unternehmen sind sehr innovativ. Das zeigt sich auf der REA auch durch die große Offenheit für neue Idee und den Mut voranzugehen. Und ganz konkret an den vielen PropTech-Lösungen, die mit ihren digitalen Innovationen für mehr Transparenz und Effizienz sorgen.

Warum ist es wichtig, eine Plattform für Menschen in der Immobilienwirtschaft zu gestalten? Weil die Teilnehmenden so in nur zwei Tagen genau das mitnehmen, was in diesem Markt zählt: relevante Impulse, konkrete Strategien und belastbare Kontakte, die direkt auf ihre Projekte einzahlen.

Text: Jakob Bratsch Foto: Privat

Stadt entsteht im Zusammenspiel von Verantwortung und Umsetzung

Die wvm Gruppe entwickelt seit über drei Jahrzehnten Wohnquartiere in Köln und ist seit mehr als zehn Jahren auch in Berlin aktiv. In beiden Städten entstehen derzeit über 1.000 Wohnungen, getragen von einer Eigenkapitalquote von über 30 Prozent. Während Köln für gewachsene Kontinuität steht, ist Berlin von anhaltender Transformation geprägt. Ein Gespräch mit den Geschäftsführern Erika Werres und Dr. Clemens Paschke über Herausforderungen, Lösungsansätze und die Frage, wie unter veränderten Bedingungen zukunftsfähige Quartiere entstehen.

Frau Werres, wie verändert sich die städtebauliche Entwicklung in Köln aktuell?

Erika Werres: Köln wächst aus seiner bestehenden Struktur heraus. Gleichzeitig haben sich die Rahmenbedingungen spürbar verschärft, steigende Baukosten, komplexere Verfahren und höhere Anforderungen an Nachhaltigkeit.

Umso wichtiger ist es, Quartiere so zu entwickeln, dass sie langfristig funktionie-

Mehr Informationen über wvm unter: www.wvm.de

ren. Es geht nicht nur darum, Wohnraum zu schaffen, sondern lebenswerte Nachbarschaften, die sich selbstverständlich in die Stadt einfügen und deren Qualität auch über Jahre hinweg Bestand hat.

Herr Dr. Paschke, Berlin entwickelt sich mit größerer Geschwindigkeit. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus?

Dr. Clemens Paschke: Berlin verlangt ein außergewöhnlich hohes Maß an struktureller Klarheit. Der Bedarf an Wohnraum ist groß, gleichzeitig steigen die Anforderungen an Planungssicherheit und Effizienz. Wir reagieren darauf mit stärker strukturierten Planungs- und Bauprozessen sowie systematisierten Ansätzen in der Umsetzung. Sie schaffen die Voraussetzung, auch unter komplexen Bedingungen verlässlich zu entwickeln und gleichzeitig Quartiere zu realisieren, die langfristig Bestand haben.

Welche Rolle spielt dabei die Quartiersentwicklung?

Werres: Eine zentrale. Gute Stadtentwicklung endet nicht am Gebäude, sondern umfasst den gesamten städtebaulichen Zusammenhang, Freiräume, Wegebeziehungen und soziale Strukturen.

Dr. Paschke: Gerade in dynamischen Märkten ist es entscheidend, Entwicklung ganzheitlich zu denken. Nur so entstehen Orte, die Bestand haben.

Was braucht es, damit städtebauliche Entwicklung wieder planbarer wird?

Werres: Verlässliche Regeln und Verfahren. Wenn Anforderungen sich ständig verschieben, wird aus Planung ein Dauerprovisorium. Wir brauchen Abläufe und eine Zusammenarbeit mit Verwaltung und Politik, die Kontinuität ermöglicht.

Dr. Paschke: Systematisierte Planungsund Bauprozesse reduzieren Schnittstellen, machen Termine noch belastbarer und helfen, Kosten zu steuern. Standardisierung im Prozess, Differenzierung im Ort: So entsteht Geschwindigkeit, ohne dass eine Stadt ihre Identität verliert.

Was bedeutet das mit Blick auf die Zukunft von Köln und Berlin?

Werres: Dass Kontinuität und Verlässlichkeit weiter an Bedeutung gewinnen werden.

Dr. Paschke: Und dass die Fähigkeit, unter veränderten Bedingungen strukturiert zu entwickeln, entscheidend für die Zukunft der Städte ist.

Erika Werres, Geschäftsführerin wvm Gruppe Köln

Dr. Clemens Paschke, Geschäftsführer wvm Gruppe Berlin

Der Bedarf an Wohnraum ist groß, gleichzeitig steigen die Anforderungen an Planungssicherheit und Effizienz.

BIM schafft Grundlage für KI-Anwendungen

TRANSFORMATION

Prof. Dr. Cornelius Preidel ist Professor für Bauinformatik und Digitales Planen an der Hochschule München und Vorstandsvorsitzender von buildingSMART Deutschland. Im Interview erklärt er, was BIM und KI mit Daten, Mut und Ausbildung zu tun haben.

Text: Katja Deutsch Foto: Energepic/pexels, Glasow

Prof. Dr. Preidel, ist BIM inzwischen etablierter Standard oder eher noch ein Transformationsprozess?

Building Information Modeling ist in Planung und Ausführung heute weitgehend etabliert: Es gibt klare Anforderungen, Leitfäden und Handlungsempfehlungen. Die Mehrwerte sind erkannt. Der eigentliche Transformationshebel liegt jetzt im Übergang in den Betrieb. Zwar werden große Datenmengen erzeugt, doch oft ohne klaren Bezug dazu, welche Informationen im Betrieb tatsächlich benötigt werden oder wie sie dorthin gelangen. Dabei entstehen die höchsten Lebenszykluskosten genau in dieser Phase. Wichtig: BIM ist nur eine Methode im Kontext der digitalen Transformation, über die Daten generiert und gesammelt werden. Denn Daten müssen entlang des gesamten Lebenszyklus und auch über Abteilungsgrenzen hinweg gedacht werden. Ausgangspunkt sollte stets die konkrete Entscheidungsfindung sein. Wer trifft wann welche Entscheidung? Und welche Daten braucht es dafür? Von dort aus kann rückwärts definiert werden, welche Informationen wo entstehen, gepflegt und weitergegeben werden. Nur so werden BIM-Daten zu einer echten Grundlage für datenbasierte Entscheidungen und nachhaltigen Mehrwert.

Welche Akteure treiben die BIMTransformation aktuell am stärksten voran: Bauherren, Planer, Industrie, Forschung und Lehre/Ausbildung oder Politik?

In Planung und Ausführung ist BIM

etabliert und standardisiert. Nun müssen sich die Auftraggebenden bewegen –private wie öffentliche. Bei Ausschreibungen und Verbindlichkeiten ist bereits viel passiert, doch wir brauchen öffentliche Auftraggebende, die BIM gezielt nutzen, um bessere Entscheidungen zu Betrieb, Erhalt und Bestand zu treffen. Angesichts maroder Infrastruktur, Wohnraummangels und hoher Lebenszykluskosten liegt hier großes Potenzial. Der Staat könnte durch modellbasierte Genehmigungs- und Planfeststellungsverfahren Prozesse beschleunigen und so zugleich konsistente Daten für strategische Planung und Infrastrukturmanagement schaffen. Technisch ist das möglich – oft fehlt jedoch der Mut, die digitale Transformation konsequent umzusetzen.

Was wird innerhalb der kommenden fünf bis zehn Jahre der größte Entwicklungssprung im BIMUmfeld sein?

Das Kernproblem ist die Erwartungshaltung: BIM ist kein disruptiver Sprung, sondern eine kontinuierliche Entwicklung. Der Wandel erfolgt leise über lebenszyklusübergreifende Daten und schrittweise Konsolidierung. Neue Impulse kommen durch Künstliche Intelligenz, die BIM ergänzt. BIM liefert die strukturierte Datenbasis, KI ermöglicht darauf aufbauend Automatisierung, Analysen und bessere Entscheidungen. Wer BIM heute in seinem Betrieb etabliert hat, schafft die Grundlage für KI-Anwendungen, deren größter Nutzen in den kommenden Jahren sichtbar wird.

Prof. Dr. Cornelius Preidel, Professor für Bauinformatik und Digitales Planen

Entscheidend sind daher Kompetenzen entlang der gesamten Wertschöpfungskette und vor allem ein grundlegendes

Verständnis für Daten, Informationsflüsse und datenbasierte Entscheidungen.

Wenn Sie jetzt eine einzige Stellschraube für erfolgreiches BIM benennen müssten, welche wäre das?

Der zentrale Hebel ist konsequentes Informationsmanagement: Jede Information braucht von Beginn an einen klaren Zweck. Entscheidend sind daher Kompetenzen entlang der gesamten Wertschöpfungskette und vor allem ein grundlegendes Verständnis für Daten, Informationsflüsse und datenbasierte Entscheidungen. Diese Fähigkeiten müssen deutlich früher in Ausbildung und Lehre verankert werden. Derzeit kompensiert die Industrie diese Defizite durch teure Nachqualifizierungen. Bildung ist damit ein zentraler, bislang unterschätzter Transformationshebel.

Der adaptive hydraulische Abgleich bringt mehr Effizienz

Text: Armin Fuhrer Foto: e24

Während die Debatte um die Energiewende vor allem den Heizungstausch fokussiert, bleibt eine der kosteneffizientesten Maßnahmen oft unbeachtet: der hydraulische Abgleich. Denn in Mehrparteienhäusern führt ein unausgeglichenes System regelmäßig zu paradoxen Zuständen: Hier wird gefroren, dort bei offenen Fenstern überheizt.

Beheben lässt sich das mit einem hydraulischen Abgleich, der durch die optimierte Wärmeverteilung auch die Effizienz der gesamten Heizungsanlage nachweislich verbessert. Deshalb ist er unter anderem verpflichtende Voraussetzung, um bestimmte staatliche Fördermittel beantragen zu können.

Beim klassischen hydraulischen Abgleich stellt ein Fachhandwerker die Heizungsventile einmalig ein, bei Änderungen am System wird der Vorgang wiederholt. Das adaptive digitale Verfahren verfolgt einen anderen Ansatz: Vernetzte smarte Thermostate erfassen kontinuierlich Temperaturverläufe und passen die Ventilstellungen dynamisch an, um eine gleichmäßige Wärmeverteilung zu unterstützen. Das ist nur möglich, wenn die Geräte im Systemverbund zusammenarbeiten. Sie ermöglichen einen TÜV-zertifizierten adaptiven hydraulischen Abgleich.

Für Eigentümer ist dies eine geringinvestive, zudem vom BAFA mit 15 Prozent geförderte Maßnahme mit Hebelwirkung: Das Gebäude kann in eine bessere Energieeffizienzklasse aufsteigen, der Vermieteranteil an der CO₂-Abgabe sinkt. Zudem werden gesetzliche Anforderungen rechtssicher erfüllt. Mieter profitieren von mehr Komfort.

Dr. Bardia Rostami, Head of Business Development bei KALO

Gebäude und Infrastruktur besser schützen

Schutz vor Wetterextremen und physischen Angriffen mit klimaresilienten und krisensicheren Bauprodukten

Unsere Gesellschaft wird durch Naturkatastrophen, geopolitische Spannungen und wachsende Angriffe auf die kritische Infrastruktur erschüttert. Dies fordert eine grundlegende Neubewertung der Gebäudesicherheit, denn die Folgeschäden durch Produktionsausfälle oder Infrastruktur-Dienstleistungen sind deutlich höher als die Schäden am Gebäude selbst. Da Angreifer meistens über Fenster, Türen und Tore in Gebäude eindringen, nimmt deren Sicherheitsniveau eine Schlüsselrolle ein.

Der im Januar 2026 durch Sabotage verursachte Stromausfall in Berlin zeigt deutlich, wie wichtig der Schutz sensibler Gebäude und der kritischen Infrastruktur ist. Doch auch durch klimabedingte Wetterextreme werden Gebäude immer stärker gefährdet. Um hier die Risiken zu minimieren, brauchen wir geeignete bautechnische Lösungen.

Dr. Jochen Peichl, Geschäftsführer ift Rosenheim

Konsequenzen KRITIS-Dachgesetz

Das KRITIS-Dachgesetz sensibilisiert nicht nur für die Risiken der kritischen Infrastruktur, sondern macht auch Mindestvorgaben für deren Resilienz. Dabei gilt der „All-Gefahren-Ansatz“, bei dem alle denkbaren Risiken berücksichtigt werden; das reicht von Naturkatastrophen wie Überhitzung, Überschwemmungen oder Hagelstürmen über Sabotage und Terroranschlägen bis hin zu menschlichem Versagen. Deshalb müssen betroffene Gebäude einer kritischen Analyse unterzogen und bei Bedarf nachgerüstet werden. Das betrifft besonders Gebäudeöffnungen wie Türen, Tore und Fenster.

Aufgrund dieser Risiken kalkulieren Banken und Versicherungen bei fehlenden Schutzmaßnahmen zunehmend höhere Zinsen bzw. Prämien. Deshalb lohnt sich für Immobilienbesitzer und Investoren auch bei „normalen“ Gebäuden ein guter Schutz des Gebäudes.

Sicherheit prüfen und ausschreiben Im ift Rosenheim werden die Eigenschaften von Fenstern, Türen, Fassaden und weiteren Bauprodukten umfassend geprüft. Neben den grundlegenden Eigenschaften wie Wärme-, Schall- und Brandschutz spielen auch sicherheitsrelevante Aspekte eine Rolle, etwa der Widerstand gegen Hagel, Stürme und Hochwasser sowie Anforderungen zum Schutz vor Einbruch, Vandalismus und Sabotage. Damit Planer, Immobilienbesitzer und Investoren die geeigneten Bauprodukte einfach und sicher ausschreiben und auswählen können, hat das ift Rosenheim praxistaugliche Bewertungs- und Prüfverfahren sowie eine objektive Klassifizierung erstellt.

Vandalismusprüfung im ift

Gamechanger

Die Baubranche steht durch die neue Bauproduktenverordnung vor weitreichenden gesetzlichen und normativen Veränderungen, die Nachhaltigkeit, Kreislauffähigkeit und Resilienz stärker in den Fokus rücken. Hersteller tragen künftig Verantwortung über den gesamten Lebenszyklus ihrer Produkte – von der Herstellung über die Nutzung bis hin zu Rückbau und Wiederverwendung. Dafür braucht es neue Konstruktionsansätze sowie Geschäftsmodelle für Reparatur, Ersatzteilversorgung und Recycling.

Seit 60 Jahren prüfen, forschen und zertifizieren nunmehr 230 Mitarbeitende bei ift Rosenheim mit modernsten Prüfgeräten alle Eigenschaften von Bauprodukten, beispielsweise Wärme-, Schall-, Brand- und Witterungsschutz, aber auch Einbruch- und Nutzungssicherheit, Barrierefreiheit und Klimaresilienz. Die Prüfungen erfolgen nach deutschen, EU- und US-Normen sowie selbst entwickelten Standards. www.ift-rosenheim.de

BauGPT:

Wie Künstliche Intelligenz Bau und Handwerk produktiver macht

Von Baustellendokumentation bis Recruiting: Ein Münchner Unternehmen zeigt, wie Künstliche Intelligenz die Produktivität einer der wichtigsten Branchen Deutschlands steigern kann.

Die deutsche Bauwirtschaft steht unter Druck: Fachkräftemangel, ausufernde Bürokratie und stagnierende Produktivität bremsen eine für das Wirtschaftswachstum zentrale Branche. Gleichzeitig wächst täglich der Bedarf an neuen Wohnungen, moderner Infrastruktur und energetischer Sanierung. Genau hier setzt ein Münchner Unternehmen an: BauGPT. Die Gründer Dr. Anna Hocker, Dr.-Ing. Patrick Christ und Jonas Stamm bringen mit Künstlicher Intelligenz ein neues Level an Effizienz in Bauwirtschaft und Handwerk.

Der Bedarf nach einer KI-Technologie, die nicht nur Texte generieren, sondern verlässlich branchenspezifisches Wissen vermitteln kann, wurde in den letzten Jahren immer deutlicher. Aus dieser Idee entstand BauGPT – ein KI-Assistent, der speziell für Architektur, Bau und Handwerk entwickelt wurde. Ob Baustellendokumentation, Angebotserstellung oder schnelle Recherche zu Gesetzen und Regelwerken: BauGPT versteht Fachsprache und unterstützt Fachkräfte genau dort, wo im Arbeitsalltag oft wertvolle Zeit verloren geht.

Für Geschäftsführerin Anna Hocker liegt das größte Potenzial von KI darin, Routineaufgaben zu reduzieren. In vielen Unternehmen werden Leistungsverzeichnisse immer noch manuell geprüft, Angebote händisch verglichen oder Preislisten durchforstet. Künstliche Intelligenz kann solche Prozesse analysieren, strukturieren und beschleunigen.

Aus der Praxis kommt positives Feedback. Christian Winkler, CTO der HERING Gruppe, zeigt sich begeistert von der Software: „BauGPT Pro war für uns in der HERING Gruppe der Sechser im Lotto im Jahr 2025.“

Für Architektur- und Ingenieurbüros sowie Bauunternehmen gibt es mit BauGPT Pro eine erweiterte Lösung. Sie wurde speziell für den professionellen

Einsatz entwickelt, ist vollständig DSGVO-konform und erfüllt die hohen Anforderungen vieler Unternehmen an Datenschutz und Datensicherheit.

Neben Effizienzsteigerung spielt auch das Thema Recruiting weiterhin eine zentrale Rolle. Mit BauGPT Jobs können Fachkräfte passende Stellen im Bau- und Handwerksbereich finden, während BauGPT Recruiting Unternehmen dabei unterstützt, offene Positionen schneller zu besetzen – unter anderem durch KI-gestützte Übersetzungen, automatische Bildanalyse und optimierte Stellenanzeigen.

Heute vertrauen bereits mehr als 1.000 Unternehmen auf Produkte von BauGPT –darunter Baukonzerne wie Strabag, Implenia, Eiffage und die Geiger Gruppe. Was als Gründeridee in München begann, hat sich inzwischen zu einem digitalen Ökosystem entwickelt, das die Bauwirtschaft stärkt und neue Kräfte freisetzt.

BauGPT Pro war für uns in der HERING Gruppe der Sechser im Lotto im Jahr 2025.

Christian Winkler CTO der HERING Gruppe

Weitere Informationen und Zugang zur kostenlosen Version von BauGPT finden Sie unter www.baugpt.com

Rosenheim

Höhere Effizienz bei der Wärmeverteilung

WÄRMEOPTIMIERUNG

Der adaptive hydraulische Abgleich zur Ermittlung der Raumheizlast mittels eines softwarebasierten Näherungsverfahrens setzt sich mehr und mehr durch.

Text: Armin Fuhrer

Foto: Fachrizal Maulana/unsplash

Die Heizungsoptimierung ist ein Schlüssel zur Energiewende im Gebäudesektor. Während der hydraulische Abgleich als effizienteste Maßnahme gilt, stehen Fachplaner und Handwerker im Bestand vor der Herausforderung, zwischen Aufwand, Genauigkeit und den Vorgaben durch Gesetzgeber und Fördergeber abzuwägen. Insbesondere das Verfahren B hat sich hier als Standard etabliert, gerät aber zunehmend in Konkurrenz zu modernen, digitalen Alternativen.

Im Gegensatz zum Neubau, wo alle Daten für eine präzise Berechnung vorliegen, gleicht der Gebäudebestand oft einer Blackbox. Rohrnetzverläufe sind unbekannt, Dämmstoffqualitäten entsprechen selten den heutigen Standards, und die tatsächliche Heizlast der Räume wurde nie exakt ermittelt. In knapp 70 Prozent der deutschen Heizungsanlagen fehlt ein hydraulischer Abgleich. Die Folge ist eine ineffiziente Wärmeverteilung:

Im Gegensatz zum Neubau, wo alle Daten für eine präzise Berechnung vorliegen, gleicht der Gebäudebestand oft einer Blackbox.

Heizkörper strömen hörbar, Räume werden über- oder unterversorgt, und die Anlage verbraucht unnötig viel Energie. Um diese Probleme zu beheben, wurden speziell für den Bestand zwei unterschiedliche Herangehensweisen entwickelt.

Die Vorgehensweise beim hydraulischen Abgleich wird in zwei Hauptverfahren unterteilt. Jahrelang wurde das sogenannte Verfahren A angewendet. Dabei wurden auf Basis einer detaillierten Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 und einer exakten Rohrnetzberechnung die Voreinstellwerte der Ventile ermittelt. Diese Methode ist zwar hochpräzise, aber auch sehr aufwendig, da sie umfassende Daten über das gesamte Rohrleitungsnetz voraussetzt – etwas, das im Bestand oft gar nicht vorhanden ist. Seit Januar 2023 wird für den Erhalt von Fördermitteln (z. B. über die BEG) der hydraulische Abgleich aber nur noch nach dem Verfahren B akzeptiert. Dieses Verfahren, oft als „vereinfachter“ oder „tabellarischer“ Abgleich bezeichnet, wurde entwickelt, um die Datenlücke zu schließen. Bei diesem Ansatz wird die Raumheizlast nicht zwingend durch eine detaillierte Berechnung jedes Bauteils, sondern durch ein softwarebasiertes Näherungsverfahren auf Basis von Baualtersklassen und Raumgeometrien ermittelt. Schätzungen von Rohrlängen sind hier zulässig. Das Ziel ist eine überschlägige, aber normgerechte Ermittlung der notwendigen Wassermengen, um die Thermostatventile entsprechend voreinstellen zu können.

Doch Experten bemängeln, dass es sich bei Verfahren B lediglich um eine einmalige und fehlerbehaftete Berechnung und Einstellung ohne anschließende

Die Vorgehensweise beim hydraulischen Abgleich wird in zwei Hauptverfahren unterteilt.

Funktionsprüfung handelt. Als Reaktion auf diese Schwächen drängen innovative, digitale Systeme als Alternative auf den Markt. Diese „adaptiven“ oder „temperaturbasierten“ Verfahren verfolgen einen völlig anderen Ansatz. Sie nutzen intelligente Thermostate und Gateways, um die tatsächlichen Heizlasten im Betrieb zu messen und das System permanent selbsttätig abzugleichen. Das Institut für Technische Gebäudeausrüstung Dresden (iTG) hat solchen Systemen bereits bescheinigt, dass sie im Bestand mindestens vergleichbar mit einem konventionellen hydraulischen Abgleich nach Verfahren B sind, womit auch sie förderfähig sind. Diese Entwicklung könnte den hydraulischen Abgleich revolutionieren – von einer statischen Berechnung hin zu einem dynamischen, sich selbst überwachenden Zustand.

Fakten

Der adaptive (dynamische) hydraulische Abgleich ist förderfähig und wird im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) oft sogar als besonders effiziente Maßnahme zur Heizungsoptimierung angesehen. Die Förderung erfolgt hauptsächlich über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) oder die Kreditbank für Wiederaufbau (KfW).

Construction & PropTech Summit 2026: Treffpunkt der Bauindustrie

Die Bau- und Immobilienbranche steht vor einem Wendepunkt: Digitalisierung, Nachhaltigkeit und neue Geschäftsmodelle verändern Planung, Bau und Betrieb grundlegend. Der Construction Summit & Proptech Summit bringt am 22. und 23. April 2026 in Hamburg die zentralen Akteure dieser Transformation zusammen.

Auf zwei eng verzahnten Konferenzen treffen Bauunternehmen, Projektentwickler, PropTechs, Investoren, Architektinnen und Technologieanbieter aufeinander. Im Fokus stehen praxisnahe Lösungen von digitaler Planung und Automatisierung über nachhaltige Bauprozesse bis hin zu smarten Immobilien, Datenplattformen und KI-Anwendungen.

Teilnehmende erhalten exklusive Einblicke in Best Practices, Strategien führender Unternehmen und konkrete Use Cases. Aussteller und Partner positionieren sich gezielt vor Entscheidern, erschließen neue Geschäftspotenziale und gestalten die Zukunft der Branche aktiv mit.

Tauch mit uns in die neue Ära der Baubranche ein und sichere dir jetzt dein Ticket!
Text: Jakob Bratsch Foto: Jan Kulke

Kleine Helfer, große Wirkung

Bei steigenden Energiepreisen und strengeren Klimavorgaben wird die Energieeffizienz von Gebäuden immer wichtiger. Smarte Thermostate sind eine Lösung.

Vermieter und Immobilienbesitzer, die eine wirtschaftliche Möglichkeit suchen, in ihren Gebäuden sowohl die CO₂-Bilanz zu verbessern als auch die laufenden Energiekosten zu senken, können auf den Einbau smarter Heizkörperthermostate zurückgreifen. Inzwischen halten solche professionelle Lösungen für den robusten und datenschutzkonformen Einsatz in Mehrfamilienhäusern zunehmend Einzug, etwa im Rahmen von Full-Service-Modellen.

Smarte Thermostate bieten zahlreiche Funktionen: Die intelligente Ventilsteuerung reduziert Überheizen, eine digitale Fenster-offen-Erkennung pausiert den Heizvorgang beim Lüften automatisch. Individuelle Heizpläne ermöglichen eine bedarfsgerechte Nutzung. Bereits ein Grad weniger Raumtemperatur senkt den Energieverbrauch um rund sechs Prozent.

Die zentrale Funktion für den Einsatz im Mehrfamilienhaus ist der adaptive hydraulische Abgleich, den die smarten Thermostate von KALO im Verbund automatisch durchführen. Dabei wird die Wärmeverteilung im Gebäude kontinuierlich so angepasst, dass alle Räume bedarfsgerecht versorgt werden. Das ermöglicht eine kontrollierte Absenkung der Vorlauftemperatur und einen effizienteren Anlagenbetrieb.

Für Eigentümer ergeben sich zusätzliche Vorteile: Niedrigere Energiekosten erhöhen die Attraktivität der Wohnungen und verbessern die Wirtschaftlichkeit im Betrieb. Steigt die Effizienz des Heizsystems, kann sich auch die Energieeffizienzklasse des Gebäudes verbessern – mit Auswirkungen auf die Aufteilung der CO₂-Kosten zwischen Vermieter und Mieter, die an die energetische Qualität gekoppelt ist.

Wohnungswirtschaftliche smarte Thermostate sind also eine überschaubare Investition, die den Wert der Immobilie nachhaltig steigert und sie sicher aufstellt für aktuelle und künftige regulatorische Anforderungen.

KALO verbindet klassische Abrechnungsdienstleistungen mit innovativen Technologien zur Energieoptimierung von Wohngebäuden. www.kalo.de

Retrofit: Der Turbo für die Wärmewende

Digitale Lösungen wie smarte Heizkörperthermostate senken den Energieverbrauch sofort ohne teure Sanierung und ermöglichen schnelle Einsparungen.

Obwohl der Gebäudesektor die von der Politik gesteckten Klimaziele wahrscheinlich verfehlen wird, lässt sich die Wärmewende noch kostengünstig umsetzen. Der Schlüssel liegt in digitalen Retrofit-Lösungen wie smarten Thermostaten mit automatischem hydraulischen Abgleich. Sie senken den Energieverbrauch sofort – ohne massive Investitionen und Großbaustelle. Eine Studie des KIT belegt Einsparungen von durchschnitt-

Große Wohnungsunternehmen treiben die Ausstattung ihrer Bestände bereits aktiv voran.

lich 15 Prozent in Mehrfamilienhäusern.

„Smarte Lösungen ermöglichen sofortige Effizienzsteigerungen zu sehr geringen Kosten – etwa 12 bis 15 Euro pro Quadratmeter, in der Regel förderfähig über das BAFA. Eine klassische Sanierung der Gebäudehülle kostet hingegen schnell das Hundertfache“, sagt Dr. Dirk Then, CEO der Noventic Group.

Herr Then, wie passen die smarten Lösungen in das Spannungsfeld von Vermietern zwischen Klimaschutzauflagen, Wirtschaftlichkeit und Mieterinteressen?

Als Vermieter erreicht man im Vergleich der möglichen Maßnahmen pro investiertem Euro das Maximum. Die Mieter partizipieren durch niedrigere Nebenkosten bei gleichbleibendem Komfort.

Was sind weitere Vorteile gegenüber umfassenden Sanierungsmaßnahmen?

Die smarten Lösungen setzen voll auf Retrofit, nutzen also die bestehende Infrastruktur und wirken sofort. Wir optimieren den Bestand, sammeln Echtzeitdaten zum tatsächlichen Be -

Die Immobilienwirtschaft agiert derzeit eher abwartend.

darf und schaffen so die Grundlage für spätere, punktgenaue Modernisierungsmaßnahmen – egal, ob auf Wärmepumpe oder Biogas. So vermeiden wir eine kostspielige Überdimensionierung von Heizanlagen und senken Investitionskosten.

Da stellt sich die Frage: Warum setzen sich diese Lösungen trotz der Vorteile nicht flächendeckend durch?

Die Immobilienwirtschaft agiert derzeit eher abwartend. Vielen Unternehmen fehlt durch unklare regulatorische Vorgaben und eine noch nicht verlässlich definierte Förderkulisse die nötige Planungssicherheit. Zudem erfordert die Bewertung digitaler Heizlösungen spezielles Know-how – und genau das ist angesichts des Fachkräftemangels nicht überall ausreichend vorhanden. Dort,

noventic bietet Kunden aus Wohnungswirtschaft, Energiewirtschaft und Messdienstleistung vernetzte Lösungen und digitale Anwendungen für die klimaintelligente Steuerung von Gebäuden. www.noventic.com

wo strategisch und langfristig gedacht wird, sehen wir allerdings eine klare Entwicklung: Große Wohnungsunternehmen treiben die Ausstattung ihrer Bestände bereits aktiv voran.

Wie wollen Sie Ihre Rolle als strategischer Partner in diesem Markt weiter ausbauen?

Unser Anspruch ist es, Lösungen so wirtschaftlich und praxisnah zu gestalten, dass sie auch unabhängig von volatilen Rahmenbedingungen tragfähig sind. Denn: Wenn sich Investitionen über Effizienz, Skalierbarkeit und stabile Betriebskosten rechnen, schaffen wir Planungssicherheit – selbst in einem dynamischen regulatorischen Umfeld.

Dr. Dirk Then, CEO der Noventic Group

Wir hoffen auf sinnvolle Verdichtung

DR. CHRISTINE LEMAITRE

GROSSES INTERVIEW

Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB e. V., fordert bei der Bestandssanierung mehr fundiertes Wissen statt bloßer Meinungen –und ein Ende effekthascherischer, ökologisch fragwürdiger Neubauten. Jede Projektleitung sollte sich dabei eine zentrale Frage stellen.

Text: Katja Deutsch Foto: Presse

Frau Dr. Lemaitre, deutschlandweit fehlen 1,4 Millionen Wohnungen. Da kommt doch der ausgerufene Bau-Turbo der neuen Bundesregierung gerade richtig, oder? Kommunikativ bestimmt! In der Realität… wird es nicht so schnell gehen, wie das vielleicht suggeriert wird.

Wann rechnen Sie denn mit den ersten Impulsen?

Ich glaube, die Impulse sind schon erfolgt. Der Bau-Turbo ist ja eigentlich ein Planungs-Turbo. Er hat dazu geführt, dass sich viele Städte und Gemeinden intensiver mit der Frage auseinandersetzen, unter welchen Kriterien bislang nicht berücksichtigte Grundstücke künftig bebaubar sein könnten.

Ob daraus schon konkrete Anträge entstehen, bleibt abzuwarten. Da das Vorhaben zudem bis 2030 als Testphase angelegt ist, glaube ich, dass das Ganze rhetorisch mehr suggeriert, als es bewirken wird.

In welchen Bereichen könnte er vor allem Wirkung zeigen?

„One fits all“ ist oft ein Problem. Während große Städte Kapazitäten haben, um sich mit dem Thema beschäftigen zu können, fehlt sie den kleinen Gemeinden. Planerisch hängt die Entscheidung stark an den politischen Gremien. Wir hoffen auf sinnvolle Verdichtung, sehen

aber die Gefahr zusätzlicher Bebauung im Außenbereich, obwohl Nachverdichtung oft sinnvoll und möglich wäre. Während in manchen Regionen mit viel Leerstand der Abriss zum Teil gefördert wird, fehlt besonders in süddeutschen Ballungsräumen bezahlbarer Wohnraum bei kaum verfügbaren Flächen. In diesem Spannungsfeld müssen sich Kommunen klug positionieren.

Werden durch das vereinfachte Genehmigungsverfahren die Nachhaltigkeitsziele geschwächt? Viele Kommunen machen sich über Innenverdichtung statt neue Baugebiete auf der grünen Wiese zu erschließen schon lange intensive Gedanken. Bei den Standards tendiert die politische Diskussion derzeit leider stark zu „schnell und billig“ bauen – also: billig.

Für Kommunen ist der Druck enorm. Sie bauen nicht selbst, sondern sind auf private Investoren angewiesen, die Nachhaltigkeit oft aus Kostengründen ausklammern, zumal Klima- und Umweltthemen politisch an Priorität verloren haben. So entsteht eine Negativspirale. Dabei sollte es nicht um möglichst billiges Bauen gehen, sondern um guten, bezahlbaren Wohnraum, in dem Menschen langfristig gerne leben.

Gut die Hälfte der sechs Millionen Einfamilienhäuser, die zwischen 1949 und den 1970er-Jahren gebaut wurde, ist energetisch ineffizient gebaut. Sanieren – oder gleich abreißen und einen nachhaltigen und energieeffizienten Neubau hinsetzen?

Es kommt ganz darauf an! Auch hier gilt: Pauschallösungen und -aussagen sind einfach nicht hilfreich, entscheidend sind Standort und Nutzung eines Gebäudes. Ist künftig CO₂-neutrale Fernwärme verfügbar, erübrigt sich etwa ein eigenes Heizsystem.

Auch Dämmstandards müssen projektindividuell und wirtschaftlich sinnvoll

Bei jedem Projekt sollte man sich fragen: Würde ich selbst hier wohnen wollen? Wenn man darüber erst lange nachdenken muss, stimmt etwas nicht.

festgelegt werden. Photovoltaik und Wärmepumpen sind grundsätzlich immer sinnvoll, auch wenn die Politik im gerade vorgestellten Gebäudemodernisierungsgesetz auf eine ominöse Technologieoffenheit setzt, die fossile Optionen wieder legitimieren soll.

Alte Gebäude sind ja nicht automatisch schlecht: Ihre Speichermasse kann im Sommer Vorteile haben, während leichte Holzbauweisen schneller überhitzen. Statt „worst first“ sollte dort investiert werden, wo mit vertretbarem Aufwand die größten Energie- und Emissionseinsparungen möglich sind.

Macht eine Wärmepumpe bei solchen Altbauten Sinn?

Wärmepumpen waren früher im Neubaukontext gedacht, ihr Einsatz im Bestand hat aber in den letzten Jahren zugenommen und die Industrie hat entsprechende Lösungen entwickelt.

Eine Studie der Technische Universität Braunschweig zeigt z. B., dass Wärmepumpen auch im unsanierten Bestand viel bewirken können.

Welche Baustoffe oder Konstruktionsweisen haben die größte nachhaltige Wirkung?

Ich halte es für zu kurz gegriffen, alles auf das Material zu reduzieren. Nachwachsende Rohstoffe sind kein Allheilmittel. Entscheidend ist, was regional verfügbar und konstruktiv sinnvoll ist, inklusive Speichermasse und Bauweise. Bei der Dämmung sollten recycelte oder

nachwachsende Materialien Standard sein, doch das größte Potenzial liegt in der Suffizienz: Wie viel Fläche brauchen wir wirklich? Jeder nicht gebaute Quadratmeter spart Kosten, Wartung und CO₂. Zudem muss die Materialwahl mit dem Energiekonzept zusammengedacht werden, da viele Emissionen erst in der Nutzung entstehen.

Wie sieht ein wirklich zukunftsfähiger Gebäudesektor in zehn Jahren für Sie aus? Ein zukunftsfähiger Gebäudesektor würde endlich auf fundiertem Wissen beruhen. Alle Akteure bräuchten eine gemeinsame, sachliche Orientierung an sinnvollen Lösungen und sollte auf Regionalität, Angemessenheit und langfristige Nutzbarkeit setzen statt auf umweltschädliche Showeffekte.

Was möchten Sie den Verantwortlichen der Baubranche noch mitgeben? Meinungen sind kein Wissen. Nachhaltigkeit ist keine Raketenwissenschaft. Bei jedem Projekt sollte man sich fragen: Würde ich selbst hier wohnen wollen? Wenn man darüber erst lange nachdenken muss, stimmt etwas nicht.

Viele Kommunen machen sich über Innenverdichtung statt neue Baugebiete auf der grünen Wiese zu erschließen schon lange intensive Gedanken.

Dr. Christiane Lemaitre...

• wollte eigentlich Brückeningenieurin werden • ist ein riesiger Hundefreund

Saubere Raumluft beginnt mit geprüfter Qualität

BAUSTOFFE

Wer ein Haus oder eine Wohnung bauen oder sanieren will, hat dafür unzählige Produkte zur Auswahl. Bevor man allerdings zum erstbesten Sonderangebot greift, lohnt ein kurzer Blick aufs Etikett.

Text: Katja Deutsch

Foto: Francesca Cinel/pexels

Beim Hausbau spielen nicht nur Ästhetik und Funktionalität eine Rolle – um sich zuhause dauerhaft wohl zu fühlen, ist auch die Wahl der Baustoffe wichtig. Zertifizierungen helfen dabei, Materialien, die im Haus verbaut werden oder an Wände und Böden kommen sollen, auf Umweltfreundlichkeit und gesundheitliche Unbedenklichkeit zu prüfen. Ohne diese Kontrolle können giftige Stoffe wie flüchtige organische Verbindungen (VOCs), Lösungsmittel oder Schwermetalle in die Raumluft gelangen und langfristig die Gesundheit gefährden. Kopfschmerzen, Atemwegserkrankungen, Allergien oder sogar schwerwiegendere chronische Erkrankungen können die Folge sein.

Nachhaltig zertifizierte Baustoffe sind nichts, was nur aufgrund einer „grünen“ Gesinnung Beachtung finden sollte. Wer ungiftige Materialien um sich haben will, sorgt nicht nur für ein besseres Raumklima, sondern auch für Gesundheit, Konzentration und guten Schlaf, denn er wohnt in einer Umgebung, die (zumindest in den Innenräumen) frei von schädlichen Emissionen ist, in der die Luft frisch bleibt und Materialien ohne versteckte Risiken verbaut wurden.

Es gibt unterschiedliche Zertifizierungen für Baustoffe, die je nach Region, Materialtyp und Verwendungszweck

Bei der Planung von nachhaltigen Gebäuden helfen Zertifizierungen und Siegel.

variieren: Die in der EU für viele Bauprodukte verpflichtende CE-Kennzeichnung (Conformité Européenne) ist eine Mindestanforderung, die anzeigt, dass ein Produkt grundlegende Sicherheits-, Umwelt- und Gesundheitsanforderungen erfüllt.

Das „Ü“-Zeichen (Übereinstimmungszeichen, Deutschland) kennzeichnet in Deutschland über die CE-Kennzeichnung hinausgehende Anforderungen, während „DIN“-Zertifizierungen deutsche Normen definiert, wie DIN 4102 für Brandschutz, oder die IPSchutzbezeichnung, wie IP67 oder IP68 für dauerhaften Schutz gegen Wasser bei elektrischer Außenbeleuchtung. Der weithin bekannte „Blaue Engel“ zeigt umweltfreundliche Baustoffe mit reduzierter Schadstoffbelastung an und prüft auf Emissionen, Recyclingfähigkeit und Nachhaltigkeit. „Cradle to Cradle“ (C2C) zertifiziert nachhaltige Baustoffe, die vollständig recycelt oder biologisch abgebaut werden können, in den Kategorien Materialgesundheit, Kreislauffähigkeit, erneuerbare Energien, Wassermanagement und soziale Fairness. Das Europäische Umweltzeichen für Baustoffe „Natureplus“ prüft nach strengen Kriterien Umweltfreundlichkeit, Schadstofffreiheit und Nachhaltigkeit, und die deutsche Gesellschaft für

Nachhaltiges Bauen DGNB zertifiziert Gebäude und auch Baustoffe anhand Umweltwirkung, Lebenszyklus und gesundheitliche Aspekte.

Spezielle Materialzertifizierungen werden von FSC (Forest Stewardship Council) & PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification) für nachhaltige Holzprodukte, RAL für Farben, Lacke usw., dem amerikanischen LEED (Leadership in Energy and Environmental Design), sowie dem britischen BREEAM (Building Research Establishment Environmental Assessment Method vorgenommen.

Bei den unzähligen Baumaterialien lohnt sich ein kurzer Blick auf Flasche, Tube, Packung, Eimer oder Holzprodukt, um sicherzugehen, dass es nicht nur toll aussieht, sondern tatsächlich auch gesundheitlich unbedenklich ist.

Dr.-Ing.

Es gibt unterschiedliche Zertifizierungen für Baustoffe, die je nach Region, Materialtyp und Verwendungszweck variieren.

Das EMICODE®-Gütesiegel steht weltweit für Vertrauen und Verantwortung im Bauen

Verliehen von der GEV – Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe, Klebstoffe und Bauprodukte e. V., zeichnet es besonders emissionsarme Bauprodukte aus und bietet so eine seriöse Orientierung hinsichtlich des Emissionsverhaltens von Bauprodukten. Ob Putze, Mörtel, Klebstoffe, Parkettlacke, Öle, Wachse oder Dichtstoffe – das GEV-Siegel wird nur an Produkte vergeben, deren gesundheitliche Unbedenklichkeit dank geringstmöglicher Emissionen durch strenge Laborprüfungen festgestellt wurde. Produkte mit dem EmicodeZeichen enthalten keine Lösemittel oder phthalathaltige Weichmacher. Zudem ist ihr Gehalt an flüchtigen organischen

Verbindungen (VOCs) streng begrenzt. Hersteller müssen ihre Produkte regelmäßigen Kontrollen in Form unangemeldeter Stichproben unterziehen. Wenn sie mit einem Emicode EC 1-Zeichen werben, muss dieses spätestens nach fünf Jahren erneuert werden. Der Erfolg des Emicode-Modells ist in den letzten Jahren weiter expandiert. Insgesamt gehören 268 Mitgliedsfirmen aus 24 Ländern zum Verbund. Aktuell sind 17.339 Produkte aus neun Produktkategorien – von Bodenaufbau bis Wandbaustoffe – nach Emicode zertifiziert.

Mehr Informationen über Emicode unter: www.emicode.com

Rosenheim

Game Changer im Hochbau

Prof. Dr.-Ing. Winfried Heusler, Institutsleiter ift Rosenheim, fordert mehr Resilienz im Bauwesen.

Pandemien, Naturkatastrophen, geopolitische Konflikte und Angriffe auf kritische Infrastruktur verändern unsere Gesellschaft spürbar. Technologische, ökologische und sozioökonomische Entwicklungen verstärken diesen Wandel.

Für die Baubranche heißt das: Unsere Gebäude müssen widerstandsfähiger werden. Es bedeutet, Störungen standzuhalten und sich anzupassen: durch robuste Bauweisen, Redundanz und flexible Konzepte.

Digitale Frühwarnsysteme helfen, reichen allein aber nicht aus. Die Umsetzung der 9R-Strategien verändert Konstruktionen, Geschäftsmodelle und Verantwortlichkeiten über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Ab 2027 wird der Digitale Produktpass Transparenz und Digitalisierung deutlich vorantreiben. Während im Basissegment höhere Produktivität, Digitalisierung, industrielle Fertigung und modulare Bauweisen nötig sind, um Kosten zu senken, stehen im Premiumsegment Design, Qualität, Individualität und Smart-Building-Technologien im Fokus. Unternehmen, die sich frühzeitig anpassen und starke Partnerschaften aufbauen, sichern ihre Zukunftsfähigkeit.

Text: Katja Deutsch Foto: Presse
Winfried Heusler, Institutsleiter ift

Der Gebäudetyp E muss das neue Normal werden

WOHNRAUMMANGEL

Iris Schöberl, Präsidentin des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) e. V., fordert eine Abkehr von überzogenen Standards.

Text: Katja Deutsch Foto: Laurence Chaperon

Iris Schöberl, Präsidentin des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) e. V.

Der gesamtgesellschaftliche Mangel an bezahlbarem Wohnraum liegt bei rund 1,4 Millionen Wohnungen in Deutschland. Was sind Ihrer Ansicht nach die größten Hemmnisse für mehr preisgünstigen Wohnraum?

Es ist der Dreiklang aus steigenden Preisen, einem endlosen Wust an Vorschriften und unendlich langen Genehmigungsfristen, der den Wohnungsbau ausbremst. Zum Beispiel Genehmigungen: Warum muss ein Bauantrag heute noch in Papierform

eingereicht werden? Das muss digital möglich sein. Und warum kann es teilweise bis zu fünf Jahre dauern, bis der Antrag bearbeitet ist? Für Investoren bedeutet schon ein einziges Jahr Verzögerung immense Zusatzkosten – ein Grundstück mit einem Millionenwert muss in dieser Zeit auch finanziert werden. Über den Daumen gerechnet machen die Finanzierungs- und Planungskosten bei einem Grundstück in einer größeren Stadt 30 Prozent der Gesamtinvestition aus. Das treibt den Preis für Wohnraum.

Welche konkreten Maßnahmen müssten Ihrer Meinung nach Bund, Länder und Kommunen umgehend priorisieren, um den Wohnungsbau endlich anzuschieben?

Die Novelle des Baugesetzbuches muss schnell kommen. Das aktuelle Planungsrecht ist veraltet, es braucht moderne, schlanke Regeln für schnelleres und zeitgemäßes Bauen. So muss die Staatsmodernisierung insgesamt jetzt schnell vorankommen. Der geplante Deutschlandfonds ist ein richtiger Ansatz, weil er öffentliche Mittel wirksam mit privatem Kapital hebeln kann. Entscheidend ist, dass er auch konsequent für den Wohnungsbau geöffnet wird, und einfach und unbürokratisch in der

Wir müssen darüber reden, wie bei der Umund Nachnutzung von Bürogebäuden mehr möglich gemacht werden kann.

Ausgestaltung ist. Vor allem Ausfallbürgschaften können Investitionen absichern und privates Kapital gezielt in den bezahlbaren Mietwohnungsbau lenken. Und: Die „Staatsquote“ von derzeit fast 37 Prozent muss runter. Der Anteil staatlich versursachter Kosten an der Preisbildung ist viel zu hoch.

Wie könnte schneller und kosteneffizienter gebaut werden, ohne Abstriche bei Qualität und Nachhaltigkeit zu machen?

Das ginge mit dem Gebäudetyp E. Heute gilt kostenbewusstes Bauen als Ausnahme, überzogene Standards sind zur Regel geworden, mit steigenden Kosten und blockierten Projekten als Folge. Der Gebäudetyp E muss das neue Normal werden – rechtssicher und kostengünstig, keine komplizierte Sonderlösung. Normal bauen bedeutet, dass auf

GEwerk – Partner Content

Viele Faktoren wirken zusammen

Die Baubranche wird unter anderem durch die Vorsicht der Banken und den Fachkräftemangel gebremst. Die Digitalisierung kann helfen.

Die weiterhin hohen Gesamtherstellkosten für Immobilien in Deutschland beeinflussen die Branche spürbar. Besonders die veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, geopolitische Unsicherheiten und die zunehmenden Anforderungen an Projekte stellen Investoren und Bauunternehmen gleichermaßen vor große Herausforderungen. Während die Realisationskosten deutlich gestiegen sind, können die Mietpreise diese Entwicklung oft nicht auffangen – zahlreiche Projekte lassen sich wirtschaftlich kaum noch realisieren, Investitionen erfolgen daher zurückhaltender. Neben der Marktlage und politischen Instabilität sind auch die strengeren regulatorischen Vorgaben der EU und die daraus resultierende Anpassung von Finanzierungskonditionen zu nennen. „Im Ergebnis sehen wir, dass derzeit weniger Projekte umgesetzt werden, was die Baukonjunktur spürbar ausbremst“, sagt Yildiray Eyidogan, Geschäftsführer der GEwerk GmbH.

Herr Eyidogan, welche Folgen haben die hohen Baukosten?

Sie wirken sich direkt auf die Wirtschaftlichkeit von Projekten aus. Viele geplante Vorhaben lassen sich nicht mehr rentabel umsetzen, da die steigenden Kosten durch Mietpreise oft nicht aufgefangen werden. Dazu kommen strengere regulatorische Vorgaben sowie weltpolitische Unsicherheiten –gerade im Bereich Energie –, die das Marktumfeld zusätzlich erschweren. Banken, Investoren und Unternehmen agieren daher insgesamt vorsichtiger und passen ihre Konditionen an. Im Ergebnis werden weniger Projekte realisiert, was die Baukonjunktur spürbar bremst.

Welche Rolle kann die Digitalisierung spielen?

Digitalisierung und insbesondere der Einsatz von BIM (Building Information Modeling) können einen wichtigen Beitrag zur Kostensenkung leisten. Durch

die umfassende, digitale Planung werden Abläufe transparenter, Potenziale frühzeitig erkannt und verschiedene Lösungswege realitätsnah simuliert –und das alles bereits in der 3DModellierung. Wer in die Digitalisierung investiert, kann mittelfristig Wettbewerbsvorteile sichern.

Ist die Baubranche vom Fachkräftemangel betroffen?

Sehr deutlich sogar. Die Bereitschaft, wie früher 4 - 5 Tage pro Woche auf der Baustelle zu verbringen, nimmt bei vielen ab. Gleichzeitig gehen in den kommenden fünf Jahren rund 20 bis 25 Prozent der erfahrenen Fachkräfte altersbedingt in Rente. Hier entsteht eine spürbare Lücke, die der aktuelle Nachwuchs kurzfristig nicht schließen kann. Digitale Lösungen und KI können langfristig helfen, sie teilweise zu schließen.

Heute wird immer mehr Wert auf nachhaltiges Bauen gelegt. Begrüßen Sie das?

Ja, denn Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Ziel und aus der modernen Baupra -

Seit ihrer Gründung 2018 als Bielefelder Generalunternehmer steht GEwerk für Bauprojekte, die mehr sind als funktionale Räume: Sie sind Ausdruck von Ideen, Visionen und Verantwortung. Gute Bauprojekte sollen echten Mehrwert schaffen – für Menschen, Unternehmen und Regionen. www.ge-werk.com

überflüssige Ausstattungen verzichtet werden kann. Wir müssen hier wieder lernen, Dinge wegzulassen. Nehmen wir nur die Steckdosen: Die Anzahl der vorgeschriebenen Steckdosen ist ein hervorragendes Beispiel für absurd detaillierte Vorgaben. Wenn wir so übertriebene Anforderungen an die Decken-Dicke, an Schallschutzmaßnahmen sowie an Keller und Tiefgaragen-Stellplätze streichen, bekommen wir einen signifikanten Hebel zur Reduzierung der Baukosten. Und letztlich reduzieren wir damit auch den CO2-Ausstoß.

Wie beurteilen Sie die Option, die vielen leerstehenden ehemaligen Kaufhäuser in Wohnraum umzuwandeln? Der Umbau vieler Immobilien scheitert zuerst an der Struktur der Gebäude und dann oft an den Kosten. Selbst, wenn die Gebäudestruktur eine gewisse Flexibilität erlaubt, behindern lange Genehmigungszeiten, eine hohe Regelungsdichte und der Verlust des Bestandsschutzes inkl. neuer Auflagen (so bspw. beim Brandschutz) den lohnenden Umbau. Wir müssen darüber reden, wie bei der Um- und Nachnutzung von Bürogebäuden mehr möglich gemacht werden kann. Die Branche braucht wirkliche Dynamik, nicht noch mehr Vorschriften.

Yildiray Eyidogan, Geschäftsführer der GEwerk GmbH

xis kaum noch wegzudenken. Allerdings erleben wir in der Praxis, dass viele gute Ansätze durch umfangreiche bürokratische Auflagen ausgebremst und in teils unnötig komplexe Prozesse gegossen werden.

Ist es ein Vor- oder Nachteil, dass Deutschlands Baubranche vorwiegend mittelständisch strukturiert ist? Das ist vor allem wegen ihrer Flexibilität ein Vorteil. In einer Zeit, in der sich Anforderungen an Bauprojekte, Immobilien, Politik und Banken immer schneller verändern, können mittelständische Unternehmen oft viel agiler reagieren als große Konzerne.

Genau diese Anpassungsfähigkeit verschafft dem Mittelstand aktuell einen entscheidenden Vorsprung.

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