Handelsblatt | März 2026
Eine unabhängige Sonderveröffentlichung von Contentway
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Handelsblatt | März 2026
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SCHLÜSSEL ZU SOUVERÄNITÄT UND NACHHALTIGKEIT
Wer weniger natürliche Ressourcen, weniger Rohstoffe verbraucht, steht am Ende besser da – ökologisch, ökonomisch und strategisch. Die Kreislaufwirtschaft ist deshalb ein zentrales Projekt für die Modernisierung der Wirtschaft und die Zukunftsfähigkeit unseres Landes.
DER CIRCULAR ECONOMY ACT IST EINE CHANCE
Um Kreislaufwirtschaft zu einem strategischen Baustein der EU-Industriepolitik zu machen, müssen Hindernisse abgebaut und Anreize geschaffen werden.

DER „DER REZYKLAT-MARKT FUNKTIONIERT NICHT“
Die nationalen und europäischen Kunststoffrecycler befinden sich aktuell in einer kritischen Situation, denn bis Ende 2025 ist fast eine Million Tonnen Kunststoffrecyclingkapazität durch Werkschließungen und/oder Insolvenzen verloren gegangen.
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4. – 7. Mai 2026
Messe München Jetzt Ticket sichern: ifat.de

AUSGABE #207
Key Account Manager:
Aljoscha Sandvoß
Geschäftsführung:
Nicole Bitkin, Fredrik Thorsson
Creative Director:
Franziska Bredehorn
Redaktion und Grafik:
Franziska Bredehorn, Nadine Wagner, Julia Schmidt, Negin Tayari
Text:
Armin Fuhrer, Thomas Soltau, Julia Butz, Jakob Bratsch
Coverfoto:
unsplash
Distribution & Druck:
Handelsblatt, März 2026
Contentway
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WEITERE INHALTE
4. Matthias Harms, BDE
6. Dr. Natalie Brandenburg, DVI
12. Harald Friedl
14. Dr. Britta Bookhagen, DERA
CONTENTWAY.DE
Autos der Zukunft werden wiedergeboren
Die deutschen Automobilhersteller setzen verstärkt auf Kreislaufwirtschaft, um Ressourcen zu schonen und die Umweltbelastung zu reduzieren.
CONTENTWAY.DE
„Der Wandel beginnt beim Umdenken“ Cradle to Cradle hat großes Potenzial und ist bereits weit verbreitet. Gleichwohl benötigen die Unternehmen Unterstützung durch die Politik.
EINLEITUNG
Wer weniger natürliche Ressourcen, weniger Rohstoffe verbraucht, steht am Ende besser da – ökologisch, ökonomisch und strategisch. Die Kreislaufwirtschaft ist deshalb ein zentrales Projekt für die Modernisierung der Wirtschaft und die Zukunftsfähigkeit unseres Landes.
Foto: Bundesregierung/Bergmann
Jeder Rohstoff, der bei uns gespart, wiederverwendet oder recycelt wird, muss nicht aufwendig aus dem Boden geholt oder über lange Strecken zu uns transportiert werden. Das schont Natur, Böden und Wasserreserven, und es vermeidet CO2Emissionen. Die Kreislaufwirtschaft hilft uns, unsere Klimaziele zu erreichen und gleichzeitig die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen.
Kreislaufwirtschaft ist weit mehr als Abfallwirtschaft. Sie ist ein Schlüsselfaktor für eine auch in Zukunft wettbewerbsfähige Wirtschaft. Unternehmen aller Branchen profitieren davon, wenn ihre Prozesse effizienter werden und wenn sie weniger abhängig von volatilen Rohstoffmärkten sind. 88 Prozent der Unternehmen erwarten von einer konsequent umgesetzten Kreislaufwirtschaft positive Effekte. Das zeigt: Hier liegt ein riesiges Potenzial, das wir für Deutschland nutzen sollten.
Deutsche Produkte und Technologien der Kreislaufwirtschaft haben bereits jetzt weltweit einen exzellenten Ruf.
Seit 35 Jahren arbeiten wir mit unseren Zero Waste Solutions an einer Welt ohne Abfall.
Erfahren Sie mehr unter interzero.de/35
Unsere Unternehmen sind bei Patenten für die Technologien der Kreislaufwirtschaft international führend. Mit einem Exportvolumen von rund 23 Milliarden US-Dollar steht Deutschland hinter den Vereinigten Staaten auf Rang 2. In den vergangenen 15 Jahren hat der Umsatz im Bereich Kreislaufwirtschaft in Deutschland um knapp 47 Prozent zugenommen, die Zahl der Arbeitsplätze um 13 Prozent. Wir haben eine lebendige, nachhaltige Start-up-Szene. Kurzum: Kreislaufwirtschaft boomt! Und wir schaffen die politischen Voraussetzungen, damit sie weiter wächst.
In Zeiten von Kriegen und Konflikten, hohen Zöllen und störungsanfälligen Lieferbeziehungen hat die Kreislaufwirtschaft darüber hinaus noch eine weitere Funktion. Sie wird neben der Diversifizierung unserer Rohstoffversorgung zum zentralen Element unserer Resilienz und Sicherheit. Ob seltene Erden in Smartphones, Edelmetalle in Elektrogeräten oder Wirkstoffe in Medikamenten –Rohstoffe sind Machtfaktoren. Jeder geschlossene Kreislauf bei uns macht uns unabhängiger von Importen.
CONTENTWAY.DE
Kreislauf schlägt Einweg Wegwerfen war gestern. Wer heute klug recycelt, spart Kosten, stärkt die Marke – und kreist sich ganz nach oben im Wettbewerb.

Carsten Schneider, Minister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit
Die EU hat im Dezember den Aktionsplan ReSourceEU aufgelegt, um die Versorgung mit kritischen Rohstoffen langfristig zu sichern. Darin spielt Zirkularität eine entscheidende Rolle. Kreislaufwirtschaft sorgt für Ressourcensouveränität.
Mit dem Aktionsprogramm zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) geben wir den Anschub, damit neue Technologien, Geschäftsmodelle und Marktanteile entstehen können. Das Aktionsprogramm wird konkrete Maßnahmen für die nächsten zwei Jahre enthalten. Dazu gehören eine Plattform zur Vernetzung der Akteure, eine Digitalisierungsinitiative und ein Förderprogramm „Zukunft Kreislaufwirtschaft“. 260 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt sind dafür eingeplant. Das ist ein klares politisches Bekenntnis zu dem Zukunftsprojekt Kreislaufwirtschaft – und einem wirtschaftlich stärkeren, nachhaltigen und souveränen Land.

Kreislaufwirtschaft soll Klima schützen und den Standort stärken. Doch zwischen Innovationsanspruch und wirtschaftlicher Realität liegt oft eine Lücke.
Deutschland gilt technologisch als stark, wenn es um zirkuläre Lösungen geht. Gleichzeitig verschärft sich der internationale Wettbewerb, während andere Volkswirtschaften strategisch immer mehr Tempo aufnehmen. Innovation allein genügt nicht mehr, wenn sie nicht in Wertschöpfung übersetzt wird.
Parallel dazu stehen politische Strategien auf dem Prüfstand. Die EU treibt ihre industriepolitischen Rahmenwerke voran, Deutschland setzt mit der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie einen eigenen Fahrplan. Entscheidend wird sein, wie ambitioniert und verbindlich dieser umgesetzt wird. Zwischen Patenten, Marktmechanismen und Regulierung entscheidet sich, ob Kreislaufwirtschaft zum Wettbewerbsfaktor wird oder ein gut gemeintes Konzept bleibt.
Darüber sprechen wir im Interview mit Marc Wolinda, Wirtschaftsexperte der Bertelsmann Stiftung.
Laut Ihrer Innovationsanalyse zur Circular Economy liegt Deutschland mit knapp 17 Prozent der weltweiten Patente auf Rang zwei. Welches ökonomische Wertschöpfungspotenzial steckt hinter dieser Innovationsstärke? Konkrete Wertschöpfungsprognosen enthält unsere Studie nicht. Die EU erwartet im Circular Economy Action Plan jedoch ein zusätzliches BIPWachstum von 0,5 Prozent bis 2030 sowie 700.000 neue Jobs. Das Umweltbundesamt rechnet bei konsequenter Nachhaltigkeitspolitik bis 2045 mit nahezu verdoppelter Bruttowertschöpfung der GreenTech-Branche. Fazit: Circular Economy birgt erhebliches ökonomisches Potenzial.

Die NKWS ist ein wichtiger politischer Schritt, bleibt jedoch bei verbindlichen Zielen und der Umsetzung hinter ihren Möglichkeiten zurück.
Sie zeigen zugleich, dass China und Südkorea bei der Patentdynamik seit 2019 deutlich zulegen. Wie bewerten Sie diese Entwicklung für Deutschland? Aus der Perspektive der Nachhaltigkeit ist es eine gute Nachricht, dass sich auch China und Südkorea stärker auf Innovationen für die Circular Economy fokussieren. Wir können in einer globalisierten Welt nur länderübergreifend die nötige Nachhaltigkeitstransformation schaffen.
Für den deutschen Standort bedeutet diese Innovationsdynamik in Fernost jedoch einen stärkeren Wettbewerbs -

druck. Deshalb ist es aus unserer Sicht wichtig, dass Deutschland seine schwache Dynamik wieder deutlich steigert, um auch künftig in diesem wichtigen Wirtschaftssektor international wettbewerbsfähig zu bleiben.
Deutsche CE-Patente weisen eine überdurchschnittliche Zitationsrate auf. Warum schlägt sich diese technologische Qualität bislang nicht stärker in der realen Kreislaufleistung nieder?
Da wir die Circular Economy als umfassendes Konzept verstehen, das weit über das bloße Recycling von Materialen hinausgeht, schlägt sich nicht jede Innovation unmittelbar in einer höheren sogenannten „Circular Material Use Rate“ nieder. Der beste Rohstoff ist der, der gar nicht erst gebraucht wird. Daher erfasst die Studie auch Innovationen bei effizienteren Produktionsmaschinen, der Reparierbarkeit von Produkten oder Second-Life-Anwendungen.
Hinzu kommt, dass es Sekundärrohstoffe am Markt häufig schwer haben. Entweder, weil sie teurer als Primärrohstoffe sind, oder, weil sie die technischen Anforderungen der Hersteller nicht erfüllen.
In der Vergleichsstudie zu EUStrategien und Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) stellt die Bertelsmann Stiftung Unterschiede in Ambition und Verbindlichkeit fest. Wo sehen Sie die größten Defizite in der Strategie und bei der Umsetzung in Deutschland?
Die NKWS ist ein wichtiger politischer Schritt, bleibt jedoch bei verbindlichen Zielen und der Umsetzung hinter ihren Möglichkeiten zurück. Die Empfehlung des International Resource Panel von
Mit ihren Projekten, Studien und Veranstaltungen regt die Bertelsmann Stiftung Debatten an und gibt Impulse für gesellschaftliche Veränderungen. Gemeinnützige Arbeit und nachhaltige Wirkung sind die Grundlagen ihres Handelns.
Die Initiativen der Stiftung zeigen nicht nur Lösungen auf, sondern schaffen empirisch gestützte Orientierung in einer breiten Öffentlichkeit. www.bertelsmann-stiftung.de

Marc Wolinda, Wirtschaftsexperte der Bertelsmann Stiftung
Der beste Rohstoff ist der, der gar nicht erst gebraucht wird.
sechs bis acht Tonnen Primärrohstoffverbrauch pro Kopf ab 2050 wird nur als Leitbild geführt. Das Aktionsprogramm zur Umsetzung der NKWS liegt seit Oktober 2025 als Entwurf vor, wurde von der Bundesregierung aber noch nicht beschlossen. Die EU setzt dagegen verbindliche Ziele wie 24 Prozent Circular Material Use Rate bis 2030 und flankiert diese mit klarer Regulatorik. Aus Berlin kommen derzeit eher bremsende Signale.
Welche politischen Prioritäten sind jetzt entscheidend, damit Innovationskraft zu wirtschaftlicher Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit wird?
1. Zügige Verabschiedung des Aktionsprogramms zur Umsetzung der NKWS.
2. Stärkung der CE-Forschung, z. B. durch zielgerichtete Förderungen, um die Innovationsdynamik wieder anzukurbeln.
3. Schaffung von Planungs- und Investitionssicherheit durch eine verlässliche Regulatorik auf Bundesebene.
Die Kreislaufwirtschaft gilt als Schlüssel zur Rohstoffsicherheit. Doch ohne verlässliche Regeln und Investitionsanreize droht sie zu scheitern, warnt Matthias Harms, kommissarischer Präsident des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft.
Text: Thomas Soltau Foto: Presse, Logan Weaver/unsplash

Matthias Harms, kommissarischer Präsident des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft
Herr Harms, die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie ist beschlossen. Woran entscheidet sich jetzt konkret, ob sie in der Praxis wirkt oder folgenlos bleibt? Die Strategie setzt wichtige Signale: weniger Primärrohstoffe, mehr Rezyklate, mehr Zirkularität. Gleichzeitig bleibt sie eine Rahmenstrategie mit langen Zeithorizonten. Wirksam wird sie erst, wenn sie in verlässliche Vorgaben übersetzt wird. Aus Sicht eines Wirtschafts- und Arbeitgeberverbands ist entscheidend, ob Investitionsentscheidungen ausgelöst werden. Dafür braucht es messbare Zwischenziele, rechtssichere und zügige Genehmigungen sowie einen konsistenten Vollzug.
Kreislaufwirtschaft wird oft als Umweltprojekt wahrgenommen. Warum ist sie aus Ihrer Sicht ein zentraler Standortfaktor für Deutschland?
Kreislaufwirtschaft ist Standortpolitik. Deutschland ist eine stark industrialisierte Volkswirtschaft und auf Rohstoffsicherheit angewiesen. In Zeiten
geopolitischer Risiken ist langfristiger, verlässlicher Zugang zu Rohstoffen von strategischer Bedeutung. Recyclingrohstoffe tragen dazu bei, Importabhängigkeiten zu verringern und Lieferketten zu stabilisieren. In volatilen Märkten wird die Fähigkeit, Materialien im Wirtschaftskreislauf zu halten, zu einem Wettbewerbsfaktor. Kreislaufwirtschaft ist weit mehr als ein umweltpolitisches Projekt, sondern eine industrie- und wirtschaftspolitische Notwendigkeit, die über Kosten, Versorgungssicherheit Innovationsfähigkeit und Arbeitsplätze entscheidet.
Unternehmen kritisieren, dass Rezyklate teuer und energieintensiv sind. Wo liegen die strukturellen Ursachen? Rezyklate konkurrieren mit Primärrohstoffen, deren ökologische Folgekosten nur unvollständig eingepreist sind. Hinzu kommen hohe Energiepreise, wachsende Regulierung und lange Genehmigungsverfahren. Schwankende Mengen und Qualitäten der Inputstoffe begrenzen Skaleneffekte und erhöhen wirtschaftliche Risiken.
Neuplastik ist häufig günstiger als Recyclingmaterial. Was muss sich ändern, damit Rezyklate wirtschaftlich konkurrenzfähig werden?
Erforderlich sind faire Marktbedingungen: langfristige Rezyklateinsatzquoten, einheitliche Qualitätsstandards und ein funktionierender EU-Binnenmarkt für Recyclingrohstoffe. Planbare Nachfrage ermöglicht Investitionen. Gleichzeitig
müssen Primärmaterialien ihre Umweltund Klimakosten widerspiegeln; flankierend können zeitlich befristete Anreize den Markthochlauf unterstützen.
Welche Themen treiben Sie aktuell besonders um?
Besonders kritisch ist die Lage im Kunststoffrecycling. In Europa sind zwischen 2023 und 2025 nach Branchenschätzungen rund eine Million Tonnen jährlicher Recyclingkapazität verloren gegangen. Fehlen Kapazitäten, laufen Quoten ins Leere.
Wenn Sie fünf Jahre vorausblicken: Welche Entscheidungen sind ausschlaggebend?
Entscheidend ist, ob Politik Kreislaufwirtschaft als wirtschafts- und industriepolitisches Kernprojekt versteht. Investitionen in Anlagen, Digitalisierung und Innovation sind kapitalintensiv und benötigen stabile Rahmenbedingungen. Dazu zählen Bürokratieabbau, wettbewerbsfähige Energiepreise und ein konsistenter europäischer Ordnungsrahmen. Gelingt das, bleibt Deutschland ein leistungsfähiger Industriestandort.

Zero-Waste-Agentur – Partner Content
Für die Transformation zur Circular Economy ist ein Umdenken in Produktion, Konsum und Nutzung von städtischer Infrastruktur erforderlich.
In Deutschland entsteht jährlich ein erheblicher Ressourceneinsatz, doch trotz steigender Recyclingquoten sind noch viele Materialströme linear. Dabei ist längst bekannt, dass es effizienter ist, Ressourcen wiederzuverwenden und hierfür effektive Materialkreisläufe auf- und auszubauen. Dies unterstreicht die strukturellen Herausforderungen einer echten Circular Economy, die ein Umdenken in Produktion, Konsum und Nutzung von städtischer Infrastruktur erfordert. Zur Stärkung der Transformation zur Kreislaufwirtschaft wurde
in Berlin 2023 die Zero-Waste-Agentur ins Leben gerufen: eine Initiative von Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt sowie der Berliner Stadtreinigung (BSR). Ihr jüngst veröffentlichter Impact Report 20232025 zeigt: Die Agentur konnte bereits sichtbare Netzwerke zwischen Politik und Verwaltung, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und lokalen Initiativen knüpfen und damit Handlungsräume eröffnen, um die Themen Ressourcenschonung und Circular Economy voranzutreiben. So wurden mit einem Zero-Waste-

Damit echte Kreislaufwirtschaft gelingt, brauchen wir die intersektorale Zusammenarbeit.
„Die Schaffung einer Gesamtstruktur führt zum Erfolg“
Herr Kurrat, ist EPR ein Instrument, um Produktkreisläufe zu schließen? Absolut. Die EPR-Regulatorien verpflichten Hersteller dazu, Verantwortung für die gesamte Lebensdauer ihrer Produkte und Verpackungen zu übernehmen – einschließlich Sammlung, Sortierung und Verwertung. Ziel ist, Ressourcen im Kreislauf zu halten und Abfälle zu minimieren.
Wie verändert denn EPR das Produktdesign?
Einige Unternehmen haben bereits heute kreislauffähige, innovative Verpackungen entwickelt. Die PPWR schafft nun einen Rahmen, durch den eine Veränderung des Produktdesigns eine deutlich größere Dynamik erhält. Zum Beispiel durch die Anforderung, Rezyklate, die aus Verpackungen aus dem Post-ConsumerKreislauf stammen, einzusetzen.
Macht EPR Recyclingsysteme effizienter?
Nicht die eigentliche Herstellerverpflichtung macht ein Recyclingsystem effizienter, sondern die damit einhergehende Schaffung einer Gesamtstruktur führt zum Erfolg – vorausgesetzt, alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette arbeiten zusammen.

Meike Al-Habash, Leiterin Zero-Waste-Agentur
Monitoring erstmals belastbare Daten zur Verbreitung und Umsetzung von Zero-Waste-Strategien in Berlin erhoben. Es hat u. a. gezeigt, dass Menschen, die die Angebote der ZWA kennen, statistisch signifikant mehr abfallvermeidende Maßnahmen umsetzen. Weitere Aktivitäten der Agentur umfassen zum Beispiel Task Forces zur sektorübergreifenden Zusammenarbeit, Beratung zu abfallarmen Veranstaltungen, Wissensvermittlung für Unternehmen und die Zero-Waste-Aktionswochen.
Der Impact Report der Zero-Waste-Agentur liefert praxisnahe Anhaltspunkte, wie Wirkung messbar gemacht und Politik mit Stakeholder-Kooperationen verknüpft werden kann: www.zerowasteagentur.de
Von Philipp Eisenmann, Exhibition Director IFAT Munich
Kreislaufwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren von einem primär ökologischen Leitbild zu einem entscheidenden Faktor wirtschaftlicher Stabilität entwickelt. Angesichts geopolitischer Spannungen, fragiler Lieferketten, wachsender Rohstoffkonkurrenz und zunehmender Klimaextreme rückt eine zentrale Frage in den Fokus: Wie sichern Volkswirtschaften langfristig ihre industrielle Leistungsfähigkeit und Versorgungssicherheit? Die Antwort führt immer häufiger zur Circular Economy. Sie ist kein optionales Nachhaltigkeitsprogramm mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit.
Ressourcenabhängigkeit und Standortfrage Deutschland und Europa stehen dabei unter besonderem Druck. Die hohe Abhängigkeit von importierten Primärrohstoffen trifft auf ambitionierte Klima- und Umweltziele sowie steigende Anforderungen an Resilienz und Standortattraktivität. Kritische Rohstoffe, Wasser, Energie und funktionierende Infrastrukturen sind zu geopolitischen und wirtschaftlichen Schlüsselfaktoren geworden. Klassische lineare Wirtschaftsmodelle geraten hier an ihre Grenzen, weil sie Abhängigkeiten verstärken, Ressourcen verschwenden und Risiken auslagern.
Kreislaufwirtschaft setzt genau an diesem Punkt an. Sie reduziert den Bedarf an Primärrohstoffen, verlängert Produkt- und Materiallebenszyklen, erschließt Sekundärressourcen und stärkt Wertschöpfung im eigenen Wirtschaftsraum. Unternehmen und Kommunen, die zirkuläre Prinzipien konsequent umsetzen, erhöhen ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Preisschwankungen und Versorgungsengpässen, senken langfristig Kosten und sichern sich strategische Handlungsfähigkeit. Circularity verbindet ökologische Verantwortung mit ökonomischer Rationalität –und wird damit zu einem relevanten Standortfaktor.
Von der Technologie zur industriellen Anwendung
Diese Entwicklung spiegelt sich auch auf der IFAT Munich 2026 wider, die vom 4. bis 7. Mai 2026 erneut zum internationalen Treffpunkt für Umwelttechnologien wird. Als Weltleitmesse für Weltleitmesse für Wasser, Recycling und Zirkularität zeigt sie, wie Kreislaufwirtschaft entlang kompletter Wertschöpfungsketten praktisch umgesetzt wird. Im Fokus stehen Technologien und Systeme, die bereits heute im Einsatz sind oder kurz vor der Marktreife stehen – von Recycling- und Aufbereitungstechnologien über digitale Stoffstromlösungen bis hin zu modularen Infrastruktursystemen.
Eine besondere Rolle spielt dabei der Wasserbereich. Wasser ist Lebensgrundlage, Produktionsfaktor und zunehmend ein limitierender Standortfaktor. Extremwetterereignisse, Nutzungskonflikte und steigende Qualitätsanforderungen

Philipp Eisenmann
Exhibition Director IFAT Munich

erhöhen den Handlungsdruck auf Industrie und öffentliche Hand. Technologien zur Wasserwiederverwendung, zur Rückgewinnung von Nährstoffen aus Abwasser oder zur energieeffizienten Aufbereitung stehen exemplarisch für modernes zirkuläres Denken. Funktionierende Wasserkreisläufe sind Voraussetzung für industrielle Prozesse, öffentliche Daseinsvorsorge und resilienten Hochwasserschutz – und damit für wirtschaftliche Stabilität.
Resilienz, Sicherheit und Green Defense Kreislaufwirtschaft entfaltet ihre Wirkung insbesondere dort, wo sie als Teil funktionierender Infrastrukturen gedacht wird. Geschlossene Stoff- und Wasserkreisläufe erhöhen die Widerstandsfähigkeit gegenüber externen Schocks, reduzieren Abhängigkeiten und schaffen Planungssicherheit. Resilienz entsteht nicht durch Verzicht, sondern durch intelligente Systeme, die Effizienz, Flexibilität und Sicherheit verbinden.
Vor diesem Hintergrund gewinnt auch die sicherheitspolitische Dimension der Circular Economy an Bedeutung. Umwelttechnologien leisten einen Beitrag zur wirtschaftlichen Souveränität, indem sie Ressourcen im eigenen System halten und kritische Abhängigkeiten reduzieren. In diesem Sinne wird Kreislaufwirtschaft zur „Green Defense“: Sie schützt nicht nur Umwelt und Klima, sondern auch industrielle Handlungsfähigkeit und gesellschaftlichen Wohlstand.
Der IFAT Circularity Monitor 2025 unterstreicht diese Wahrnehmung. Eine klare Mehrheit der Bevölkerung sieht Kreislaufwirtschaft als wichtigen Beitrag zur Rohstoffsicherheit und als Treiber wirtschaftlicher Entwicklung – zugleich besteht ein erheblicher Informationsbedarf über konkrete Zusammenhänge und Lösungsansätze. Genau hier setzt die IFAT Munich an: als Plattform für Austausch zwischen Technologieanbietern, Industrie, Kommunen und Politik. „Circularity is a must“ steht damit für einen Paradigmenwechsel. Weg von linearen Abhängigkeiten, hin zu resilienten, zukunftsfähigen Systemen. Kreislaufwirtschaft wird zur strategischen Infrastruktur Europas – technologisch fundiert, wirtschaftlich sinnvoll und gesellschaftlich notwendig.



Die interpack wird vom 7. bis 13. Mai 2026 erneut zum globalen Treffpunkt der Processing- und Packaging-Branche. Rund 2.800 Aussteller aus mehr als 60 Ländern präsentieren in 18 ausgebuchten Hallen ihre Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Lebensmittel- und Pharmatechnologien bis hin zu Verpackungsmaterialien und Kennzeichnungstechnik.
Im Zentrum steht mehr denn je die Kreislaufwirtschaft. Mit der europäischen Verpackungsverordnung (PPWR) rücken Wiederverwendbarkeit, Recyclingfähigkeit und Materialeffizienz in den Fokus. Die Regulierung betrifft nicht nur Endkundenverpackungen, sondern auch Transporthilfsmittel wie Paletten und Behälter. Gefordert sind tragfähige Mehrwegkonzepte, reduzierte Materialeinsätze und transparente Nachweise zur Herkunft sowie zur Recyclingfähigkeit von Packstoffen. Hersteller entwickeln hierfür neue Materialien und Strategien, um Abfall zu ver-
meiden und Stoffkreisläufe über alle Materialarten hinweg zu schließen.
Digitale Technologien spielen dabei eine Schlüsselrolle. KI-gestützte Systeme optimieren z.B. Verpackungen im Versand, indem sie Abmessungen großer oder unregelmäßig geformter Packstücke präzise erfassen. So lassen sich Materialeinsatz und Transportvolumen reduzieren, Schäden vermeiden und Prozesse effizienter gestalten – ein wichtiger Beitrag zu Ressourcenschonung und Klimaschutz.
Angesichts steigender Nachfrage, begrenzter Ressourcen und komplexer Regularien bietet die interpack 2026 eine internationale Plattform für zukunftsweisende Lösungen, Austausch und Einordnung.
Fakten
Umfangreiche Informationen, die Aussteller- und Produktdatenbank sowie der Ticketshop sind online verfügbar unter: www.interpack.de

„Der Rezyklat-Markt funktioniert nicht“
VERPACKUNG
Die nationalen und europäischen Kunststoffrecycler befinden sich aktuell in einer kritischen Situation, denn bis Ende 2025 ist fast eine Million Tonnen Kunststoffrecyclingkapazität durch Werkschließungen und/oder Insolvenzen verloren gegangen.
Text: Armin Fuhrer Foto: André Wagenzik, Zyanya Citlalli/unsplash+

Dr. Natalie Brandenburg, Geschäftsführerin des Deutschen Verpackungsinstituts e. V.
Diese negative Entwicklung gefährdet Arbeitsplätze, Wirtschaftswachstum, Innovation, Klimaziele und Deutschlands Unabhängigkeit im Bereich wichtiger Sekundärrohstoffe. Der Mangel an geeignetem Rezyklat wird sich mit voller Wucht aber erst ab 2030 zeigen, wenn feste Rezyklateinsatzquoten greifen – und das nicht nur im Bereich Verpackung, sondern beispielsweise auch in der Automobilindustrie. „Ein Hauptgrund für diese Entwicklung ist der niedrige Ölpreis, der zu deutlich sinkenden Preisen für Neuware führt“, erklärt Dr. Natalie Brandenburg, Geschäftsführerin des Deutschen Verpackungsinstituts e. V. (dvi).
Frau Brandenburg, welche weiteren Gründe gibt es für den Mangel an Rezyklaten?
Ein Problem ist auch, dass es bei der Deklaration von Kunststoffen als „Rezyklat“ insbesondere im internationalen Handel zu Unklarheiten, Fehl- und Überdeklarationen und uneinheitlichen Standards kommen kann. Zudem sind im Ländervergleich die Energiekosten hierzulande sehr hoch.
Wie wichtig ist es denn, Rezyklatquoten festzulegen?
Die PPWR, die am 12. August verbindlich in Kraft tritt, legt konkrete Rezyklateinsatzquoten fest. So müssen Kunststoffverpackungen ab 2030 je nach Art zwischen zehn und 35 Prozent PostConsumer-Rezyklat (PCR), also Rezyklat, das von Verpackungen aus der Wertstofftonne (Gelber Sack/Tonne) stammt, enthalten. Bis 2040 steigen die Quoten auf bis zu 65 Prozent. Grundsätzlich ist dieses Festschreiben sinnvoll, denn Recycling ist ja kein Selbstzweck. Aber: Die reine Vorschrift für sich schafft noch keine funktionierende und nachhaltige Kreislaufwirtschaft. Solange Rezyklat teurer ist als neuer Kunststoff oder sogar „fake recyclate“ aus Neukunststoff in Drittländern her-
gestellt und billig importiert wird, geht der Plan nicht auf. Außerdem müssen die Materialströme innerhalb Europas gehalten und in einem geschlossenen System hochwertig geführt werden.
Wie wichtig sind Innovationen für die Kreislaufwirtschaft?
Innovationen sind der Schlüssel für Fortschritt und die Verpackungswirtschaft ist eine hochinnovative Branche. Da Kreislaufwirtschaft schon seit vielen Jahren ein Fokus der Innovationsarbeit ist, gibt es regelmäßig neue Lösungen, beispielsweise beim Design for Recycling, das von Anfang an dafür sorgt, dass die Wertstoffe aus gebrauchten Verpackungen einfach und effizient recycelt werden können.
Und müssen alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette enger zusammenarbeiten?
Die Zusammenarbeit ist längst unverzichtbar geworden. Denn die Ansprüche und Erwartungen, die Konsumentinnen und Konsumenten, Politik, Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit an Verpackungen stellen, sind zu vielfältig und zu komplex geworden. Als Deutsches Verpackungsinstitut ist es Teil unserer DNA, die richtigen Akteure zusammenzubringen. Wir sind das einzige Netzwerk der Branche, das materialübergreifend Unternehmen aus der ganzen Wertschöpfungskette zu seinen Mitgliedern zählt.
Fakten
Die PPWR ist die neue EUVerpackungsverordnung. Sie ist seit 2025 in Kraft und ab 12. August 2026 voll gültig. Ihr Ziel: Verpackungen nachhaltiger machen, Abfälle reduzieren und die Kreislaufwirtschaft stärken.

dm-folien GmbH – Partner Content
Beratung hilft, mit den richtigen Materialien Prozesse zu optimieren, Material Compliance einzuhalten und Kosten zu senken.
Mit EU-Vorgaben wie PPWR und der EUDR rücken Verpackungen stärker in den Fokus unternehmerischer Verantwortung. Themen wie Recyclingfähigkeit, Rezyklatanteile und Lieferkettennachweise werden verbindlicher, geben Unternehmen aber auch die Chance, Verpackungsmittel nachhaltiger und effizienter einzusetzen. Viele Lösungen sind bereits am Markt verfügbar: kreislauffähige Monomaterialien, clever gestaltetes Design für Recycling und Materialien mit hohen Rezyklatanteilen.
Die Herausforderung für die Wahl der richtigen Produktverpackung besteht dabei weniger im Mangel an Möglichkeiten, als vielmehr in deren Vielfalt. Umso wichtiger ist eine fundierte Einordnung der Optionen und eine praxisnahe Begleitung bei der Auswahl wirtschaftlich und nachhaltig sinnvoller Lösungen. Der Folien- und Verpa-

Marc Steinberg (links) & Maximilian Schuller,
Geschäftsführer dm-folien GmbH
Gerade in der Verpackungsbranche ist fundierte Beratung entscheidend.
ckungsmittelhändler dm-folien GmbH vertreibt mehr als 3.000 Artikel und unterstützt Kunden aktiv beim Umstieg auf kreislauffähige Verpackungen. „Wir setzen konsequent auf Monomaterialien, weil sie der Schlüssel zu echter Kreislauffähigkeit sind.
80 Prozent unserer gehandelten Waren bestehen aus PE-Monomaterial“, er-
Weitere Informationen zur dm-folien GmbH unter: www.dm-folien.com
klärt Maximilian Schuller, Geschäftsführer bei dm-folien und verantwortlich für das Qualitäts- und Umweltmanagement, „Auch, wenn wir als dm-folien bekannt sind, reicht unser Sortiment mit über dreitausend Produkten heute weit über Folien hinaus.“
Der Großhändler versteht seine heutige Rolle vor allem darin, Verpackungslösungen in den Markt zu bringen, die sich nahtlos in bestehende Recyclingsysteme integrieren lassen. In enger Zusammenarbeit mit Herstellern stellt das Unternehmen die eigenen Qualitätsansprüche und Kreislauffähigkeit der Produkte sicher und koordiniert Marktbedarfe zwischen Kunden und Produzenten.
„Gerade in der Verpackungsbranche ist fundierte Beratung entscheidend“, so Marc Steinberg, ebenfalls Geschäftsführer. „Nicht jeder Unternehmer kann die komplexen Material- und Zusammensetzungsfragen einzelner Verpackungslösungen im Detail beurteilen – und das muss er auch nicht. Auf Basis von 40 Jahren Markterfah-
Neudorff – Partner Content
Wir setzen konsequent auf Monomaterialien, weil sie der Schlüssel zu echter Kreislauffähigkeit sind.
rung und unserem global gewachsenen Partnernetzwerk identifizieren wir Optimierungspotenziale und entwickeln praxisgerechte Verpackungslösungen, die technisch, wirtschaftlich und ökologisch überzeugen.“
Dabei analysieren die Spezialisten Verpackungsanforderungen von landwirtschaftlichen bis zu Produktions- und E-Commerce-Anforderungen, auch unter Berücksichtigung von Bewertungen nachhaltiger Materialalternativen mit höherem Rezyklatanteil. Die fundierte Beratung kann die Prozesse so optimieren, dass sich Effizienzsteigerungen durch flüssigere Abläufe, geringeren Materialeinsatz oder verbesserten Produktschutz spürbar bemerkbar machen.

Nachhaltig wachsen: Die Umstellung auf kreislauffähige Verpackungen gestaltet sich je nach Ausgangslage individuell herausfordernd.
Unternehmen, die wenige Produktarten in großen Mengen produzieren und sich auf einige Standardverpackungen konzentrieren können, haben es beim Einstieg in die Circular Economy mitunter etwas einfacher: Klare Strukturen und hohe Volumina erleichtern die Umstellung auf Verpackungen, die kreislauffähig sind. Anders sieht es bei Unterneh-

men aus, die ein breites Sortiment mit unterschiedlichen Verpackungstypen vertreiben. Je vielfältiger das Produktportfolio, desto differenzierter muss der Weg zur Kreislauffähigkeit geplant werden – und das in Stückzahlen, die auch für Rezyklat- und Altstofflieferanten wirtschaftlich attraktiv sind. Zudem erfordern internationale Märkte eine smarte Navigation durch unterschiedliche Zulassungsregeln. „Unsere große Produkt- und Verpackungsvielfalt macht die Umstellung teilweise herausfordernd“, sagt Marie Hühne, Verpackungsingenieurin bei Neudorff. Das 1854 gegründete mittelständische Familienunternehmen produziert nachhaltige Gartenprodukte aus möglichst regionalen, schnell nachwachsenden Rohstoffen, von torffreien Erden über organische Dünger bis zu Pflanzenschutzmitteln für den ökologischen Landbau. Mehrfach für sein Nachhaltigkeitsengagement ausgezeichnet, setzt der Hersteller bei Verpackungen auf Recyclingstrategien: Bei den Erdenfolien liegt der Rezyklateinsatz seit langer Zeit bei über 80 Prozent, ein Großteil der Kunst-
stoffflaschen besteht zu über 80 Prozent aus Rezyklat. Neudorff Umkartons weisen einen Altstoffanteil von über 90 Prozent auf, Faltschachteln als Produktverpackung mit wenigen Ausnahmen ebenso. „Derzeit stellen wir auch unsere Standbodenbeutel und Alu-Wickeldosen vom Mehrschichtverbund auf ein Monomaterial um“, erklärt Marie Hühne. Da viele Neudorff-Produkte in Baumärkten mit Gartenabteilungen stehen, fordern Temperaturwechsel, Lichteinstrahlung und hohe Luftfeuchtigkeit Verpackung und Drucke extrem. Daher gilt es, den optimalen Kompromiss zwischen Kreislauffähigkeit und Produktschutz zu finden.
Neudorffs Engagement für den Kreislauf erstreckt sich über Verpackungen hinaus: Am Verwaltungsstandort betreibt Neudorff ein eigenes Wasserkraftwerk. Früher floss viel Energie ins öffentliche Netz, heute speichert ein Batteriespeicher den Strom für Gebäude und Fuhrpark. Damit erreicht der Gartenproduktehersteller einen Autarkiegrad von bis zu 95 Prozent. „Nachhaltigkeit ist Teil der
Neudorff ist ein mittelständisches Familienunternehmen mit Sitz in Emmerthal im Weserbergland mit langer Tradition. 1854 von Carl Wilhelm Neudorff gegründet, entwickelt und produziert das Unternehmen möglichst gut umweltverträgliche Produkte für Haus und Garten, aber auch für Landwirtschaft und Gartenbau. www.neudorff.com
Unternehmens-DNA und Kreislaufwirtschaft der Kern unserer Philosophie“, sagt Silke Conrad, Director Sustainability & Integrated Management bei Neudorff. „Unser Anspruch ist es, nachhaltiges Gärtnern weiterzuentwickeln und eine zirkuläre Zukunft zu ermöglichen.“

Silke Conrad, Director Sustainability & Integrated Management bei Neudorff
Klare Strukturen und hohe Volumina erleichtern die Umstellung auf Verpackungen, die kreislauffähig sind.

Um Kreislaufwirtschaft zu einem strategischen Baustein der EU-Industriepolitik zu machen, müssen Hindernisse abgebaut und Anreize geschaffen werden.
Die bisherigen Aktionspläne und gesetzlichen Einzelmaßnahmen der EU zur Circular Economy haben zwar wichtige Fortschritte gebracht, konnten aber die Zersplitterung der geltenden Regeln im europäischen Binnenmarkt nicht ausreichend überwinden. Dies liegt auch an der unterschiedlichen Auslegung von Vorschriften zum Abfall- und Kreislaufwirtschaftsrecht in den einzelnen Mitgliedstaaten. Zudem müssen die Marktbedingungen für Sekundärrohstoffe und Geschäftsmodelle der Circular Economy verbessert werden. Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und Rohstoffrisiken muss die Circular Economy als strategischer Baustein der EU-Industriepolitik verankert werden – zur Stärkung von Europas Wettbewerbsfähigkeit durch langfristige Wertschöpfung und krisenfeste Lieferketten.
„Es reicht nicht mehr, RecyclingFragen am Ende der Nutzungskette zu optimieren. Unternehmensstrategien, Produktportfolios und Geschäftsmodelle müssen so weiterentwickelt werden, dass Design für Langlebigkeit, Reparierbarkeit und hochwertige Wiederverwendung
zum zentralen Bestandteil des Wert- und Leistungsversprechens werden“, ist sich Carsten Wachholz, Leiter für Unternehmens- und Politikdialog der renommierten Ellen Mac-Arthur Foundation, sicher. Pioniere wie etablierte Marktakteure scheinen seiner Ansicht nach bereits von einer reinen Volumen- zu einer erweiterten Wertschöpfungslogik zu wechseln: Ein wachsender Teil der Erlöse entstehe durch Service-, Reparatur-, Refurbishment- und Remanufacturing-Angebote, statt über den Verkauf möglichst vieler, komplett neu produzierter Waren. Allerdings existiert eine Reihe von
Am gravierendsten wirkt sich der regulatorische Flickenteppich im europäischen Binnenmarkt für Unternehmen aus, die Circular EconomyGeschäftsmodelle in mehreren EU-Ländern ausrollen wollen.
Hindernissen, die die Umsetzung dieser Schritte behindern. „Am gravierendsten wirkt sich der regulatorische Flickenteppich im europäischen Binnenmarkt für Unternehmen aus, die Circular Economy-Geschäftsmodelle in mehreren EU-Ländern ausrollen wollen“, betont Wachholz.
Denn unterschiedliche Regeln zum Umgang mit der erweiterten Produzentenverantwortung, zu Abfällen und Sekundärrohstoffen, widersprüchliche Definitionen und ausufernde Berichtspflichten, erhöhten Transaktionskosten und unterbrächen grenzüberschreitende Wertschöpfungsketten. „Das bremst Innovation, verhindert betriebswirtschaftliche Skaleneffekte und verzögert unternehmerische Investitionen.“
Einen wirksamen Ansatz zur Überwindung dieser Hindernisse sieht Wachholz in der „pre-competitive collaboration“. In Industrie-Allianzen entlang spezifischer Wertschöpfungsketten –etwa für Verpackungen, Textilien oder Elektrofahrzeuge – arbeiten Unternehmen vorwettbewerblich zum Beispiel an gemeinsamen Standards, Formaten für den Datenaustausch, Sammel- und Rücknahmelogistik sowie Qualitätskriterien für Gewinnung von Sekundärmaterialien. „Der Nutzen liegt in niedrigeren Systemkosten, mehr Investitionssicherheit und einer schnelleren Skalierung neuer Geschäftsbereiche für alle Beteiligten.“
Im geplanten Circular Economy Act liegt Wachholz zufolge eine Chance für eine Neuausrichtung der europäischen Industriepolitik. Neben Anpassung und Verbesserung bestehender EUGesetzgebungen durch den Circular Economy Act sei vor allem eine Verstetigung des Dialogs mit den Mitgliedstaaten notwendig, um regulatorische Hindernisse auf nationaler Ebene
abzubauen und ökonomische Anreize europaweit neu auszurichten. Nötig sei insbesondere eine koordinierte Neujustierung von Steuer- und Abgabensystemen sowie des öffentlichen Beschaffungswesens, damit Circular Economy-Geschäftsmodelle, zum Beispiel bei Mehrwertsteuer und Vergaberegeln, nicht mehr benachteiligt werden. Parallel müssten industrielle Kooperationsplattformen und Investitions-Pipelines aufgebaut und, wo notwendig, gezielt mit EUFörderung verknüpft werden.
Wachholz: „Entscheidend ist eine gegenseitige Angleichung bzw. Anerkennung von Definitionen, Standards und Regeln zum Datenaustausch mit wichtigen Handelspartnern der EU, damit Circular Economy-Lösungen besser in globale Wertschöpfungsketten integriert werden können.“
Fakten
Der geplante EU Circular Economy Act soll Hindernisse für eine echte Kreislaufwirtschaft beseitigen, um die Wertschöpfung aus der qualitativ-hochwertigen Wiederverwendung von Produkten, Komponenten und Materialien in Europa zu steigern. Die Vorschläge der Europäischen Kommission werden im Herbst dieses Jahres erwartet, bevor sie in den Gesetzgebungsprozess gehen. Ziel ist es, eine einheitliche Rechtsgrundlage zu schaffen.
Wie eine konsequente Rückführung von Wasserfiltern und innovativen Regenerationsverfahren den Weg zu Net Zero 2050 und Ressourcenschonung ebnet.
Die moderne Kreislaufwirtschaft markiert den notwendigen Abschied von der traditionellen Linearwirtschaft, die nach dem Prinzip „Take-Make-Waste“ funktioniert. In einem geschlossenen Kreislauf werden Produkte und Materialien so konzipiert, dass sie nach Ende ihrer Nutzungsdauer nicht als Abfall enden, sondern als wertvolle Sekundärrohstoffe wieder in den Produktionsprozess einfließen. Dies schont endliche natürliche Ressourcen, da der Bedarf an Primärrohstoffen wie Erdöl, Metallen oder Seltenen Erden drastisch sinkt. Für die Umwelt ist dieses Modell von existenzieller Bedeutung. Effektives Recycling reduziert den Energieverbrauch massiv, da die Aufbereitung vorhandener Materialien meist deutlich weniger Energie benötigt als die Gewinnung und Verarbeitung neuer Rohstoffe. Dies führt zu einer erheblichen Senkung der CO2-Emissionen und schützt sensible Ökosysteme. Zudem verhindert eine konsequente Kreislaufführung, dass Schadstoffe und Plastikmüll unkontrolliert in die Weltmeere oder Böden gelangen.
Ein wichtiger Bestandteil der Kreislaufwirtschaft ist das Recycling von Filterkartuschen. Daher hat BRITA bereits im Jahr 1992 ein eigenes Recyclingprogramm für Wasserfilterkartuschen etabliert. Heute leistet dieses Programm einen wesentlichen Beitrag zur Ressourcenschonung und reduziert die Emissionen des Unternehmens.
Das Kartuschenrecycling folgt einem, zum Teil geschlossenen, Kreislauf. Auf die Nutzungsphase der Filterkartuschen folgt die Sammlung und Rück-
gabe von Kundinnen und Kunden –sowohl von Endverbrauchern als auch im B2B-Bereich. Von den Sammelstellen werden sie zur Recyclinganlage von BRITA im hessischen Taunusstein transportiert und dort in ihre Einzelkomponenten zerlegt. Dort erfolgt dann die Aufbereitung des Ionentauschers. Die anderen Bestandteile und Materialien finden ihren Einsatz in neuen Produkten in anderen Industrien.
Der Ionenaustauscher ist bei diesem Verfahren ein zentraler Bestandteil: Er kann mehrfach regeneriert und wiederverwendet werden, ohne dass er einen Qualitätsverlust erleidet. BRITA regeneriert den Ionenaustauscher in einer eigenen Anlage und setzt ihn anschließend erneut in Kartuschen ein. Damit ist ein wesentlicher Teil des Materialkreislaufs für einige zentrale Produktkomponenten geschlossen. Ein regenerierter Ionenaustauscher kann, je nach den regulatorischen Vorgaben, zu einem hohen Prozentsatz in neuen Kartuschen eingesetzt werden.
Die Rückführung gebrauchter Kartuschen erweist sich als Nadelöhr innerhalb des gesamten Recyclingprozesses, wobei die Herausforderungen im ConsumerBereich und im professionellen Segment grundlegend verschieden gelagert sind. Für Endverbraucher erfolgt die Rückgabe primär über Sammelboxen im Einzelhandel oder mittels spezieller Rücksendelabel, die konkrete Ausgestaltung variiert je nach Markt und Land. Der Ausbau dieser Sammelsysteme in den Regionen EMEA (Europa, Mittleren Osten und Afrika) und APAC (Asien und Pazifik)


findet dabei in enger Abstimmung mit dem Handel statt, weist jedoch national eine sehr unterschiedliche Komplexität auf. Während es etwa in Frankreich bereits über 1.300 Sammelstellen gibt, befindet sich das Netz der Abgabestellen in Deutschland noch im Aufbau – Kunden können hier auf eine Postleitzahlensuche auf der Webseite zurückgreifen, um Abgabestellen zu finden.
Trotz dieser Infrastruktur liegt die Rücklaufquote im Privatkundenbereich noch auf einem eher niedrigen Niveau. Das notwendige Lagern, Sammeln und der gezielte Transport zum Laden oder Paketshop sind Hürden, die Verbraucher oft vom Mitmachen abhalten. BRITA will diese Barrieren weiter überwinden.
Im Gegensatz dazu ist das Recycling im Professional-Segment (B2B) bereits tief in die Service- und Wartungsabläufe integriert. Mit der Initiative „Recycling Partner“ bietet BRITA Kunden die Möglichkeit, große Sammelboxen direkt am Standort aufzustellen, die dann abgeholt werden. Teilweise erfolgt die Rückführung der Kartuschen
sogar im Rahmen regulärer Technikereinsätze. Diese Partnerunternehmen erhalten zudem kommunikationsfähige Zertifikate für ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung. Dank dieser engen Einbindung liegt die Rücklaufquote bei professionellen Filterkartuschen aktuell bereits bei circa 55 Prozent.
Sobald die Kartuschen an die zentrale Anlage zurückgeführt wurden, erfolgt die Aufbereitung analog zum Consumer-Recycling durch die konsequente Trennung in verschiedene Materialfraktionen. Durch diese gezielte Wiederverwertung der Komponenten gelingt es, bis zu 85 Prozent der KartuschenBestandteile, gemessen am Gesamtgewicht, erfolgreich in den Wertstoffkreislauf zurückzuführen.
Im Rahmen der Selbstverpflichtung, bis 2050 ein Net-Zero-Unternehmen zu werden, arbeitet BRITA intensiv daran, neue Wege zu finden. Ziel ist es, künftig weitere Materialien wiederzuverwenden und in den Kreislauf zurückzuführen. Erste Ideen und Konzepte werden bereits entwickelt.

DIGITALE TRANSFORMATION
Transformation als Überlebensstrategie: IT- und Digitalisierungsinvestitionen versprechen Resilienz in Zeiten des Wandels.
Text: Julia Butz
Foto: Christina@wocintechchat.com/unsplash
Investitionen in IT und Digitalisierung sind ein zentraler Pfeiler für Unternehmen, die in einem zunehmend herausfordernderen und dynamischen Marktumfeld bestehen wollen. Der IT-Dienstleistungsmarkt bleibt damit ein wachsendes Marktsegment. Denn trotz oder gerade aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheiten zeigt sich die Notwendigkeit, das Potenzial digitaler Technologien zu nutzen, um Innovation voranzutreiben und die Agilität durch automatisierte schlanke Prozesse zu sichern.
Unternehmen, die frühzeitig in digitale Technologien investieren, bleiben langfristig profitabler und wettbewerbsfähiger.
Ein entscheidender Treiber für die Digitalisierung ist die Anpassung an veränderte Kundenanforderungen und Marktbedingungen. Die Pandemie hat diese Notwendigkeit verschärft, indem sie gezeigt hat, wie wichtig digitale Resilienz für die Geschäftskontinuität ist. Unternehmen, die bereits digital aufgestellt waren, konnten schneller auf Disruptionen reagieren und ihre Marktposition behaupten. Dazu kommt der Fachkräftemangel, der den Bedarf an Automatisierungslösungen verschärft. Investitionen in Künstliche Intelligenz, Robotik und Prozessautomatisierung helfen Unternehmen, repetitive Aufgaben zu automatisieren und die Effizienz zu steigern. Auch für die Offenlegung von Nachhaltigkeitskennzahlen im Rahmen des verpflichtenden ESGReportings gewinnen unterstützende Software-Lösungen und Datenanalysesysteme an Bedeutung.
Unternehmen, die frühzeitig in digitale Technologien investieren, bleiben langfristig profitabler und wettbewerbsfähiger. Digitale Vorreiter wachsen um 50 Prozent schneller und erzielen höhere Renditen. Diese Entwicklung ist vor allem auf die Fähigkeit zurückzuführen, Prozesse zu automatisieren, neue Geschäftsmodelle zu erschließen und flexibel auf Marktveränderungen zu re-
agieren. Zu diesen Ergebnissen kommt die Lünendonk Studie 2024 „Der Markt für IT-Dienstleistungen in Deutschland“. Damit bleibt die IT-Dienstleistungsbranche trotz der derzeit schwachen volkswirtschaftlichen Entwicklung weiterhin auf Wachstumskurs. Im Jahr 2023 verzeichneten die führenden ITDienstleister ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 9,7 Prozent. Für das laufende Jahr 2024 wird ein Umsatzwachstum von 10,7 Prozent erwartet, während für 2025 ein Anstieg auf 12,6 Prozent prognostiziert wird.
Angesichts der zunehmenden Bedrohung durch Cyberangriffe investieren Unternehmen verstärkt in Cybersecurity-Lösungen und -Dienstleistungen. Besonders im deutschen Mittelstand zeigt sich dabei nach den Ergebnissen der Lünendonk Studie ein deutliches Spannungsfeld: Viele Unternehmen erkennen die Notwendigkeit der Digitalisierung, kämpfen aber mit hohen Investitionskosten und Fachkräftemangel und setzen daher zunehmend auf externe IT-Dienstleister. Eine besonders hohe Nachfrage nach externer Unterstützung bei Digitalisierungsprojekten bestehe demnach in den Branchen Finanzdienstleistungen und Energie sowie im öffentlichen Sektor.
Angesichts der zunehmenden Bedrohung durch Cyberangriffe investieren Unternehmen verstärkt in Cybersecurity-Lösungen und -Dienstleistungen. Besonders im deutschen Mittelstand zeigt sich dabei nach den Ergebnissen der Lünendonk Studie ein deutliches Spannungsfeld.
Fakten
Lt. Statistischem Bundesamt sollen die weltweiten Ausgaben für digitale Transformation bis 2027 auf 3,9 Billionen US-Dollar steigen. Die USA sind im weltweiten Länderranking zur digitalen Wettbewerbsfähigkeit Spitzenreiter. In Europa gelten Skandinavien und die Niederlande als Vorreiter.
Veröffentlicht von Statista Research Department, 7.2024

Die Anforderungen an Verpackungen verändern sich grundlegend – und mit ihnen die Spielregeln für Hersteller und Marken.
Mit der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) verschieben sich die Anforderungen grundlegend. Ab August 2026 – in knapp vier Monaten – müssen Unternehmen detaillierte Informationen zu ihren Verpackungen bereitstellen, nachweisen und kurzfristig auskunftsfähig sein. Gleichzeitig definiert die Verordnung klare Rollen und Pflichten entlang der gesamten Lieferkette. Damit rückt ein Aspekt in den Fokus, der bislang oft unterschätzt wurde: die Verfügbarkeit und Struktur von Verpackungsdaten.
In der Theorie eine schöne Sache. Wird die Verordnung doch letztlich zu einer Erhöhung von Rezyklaten und zur Reduzierung von Verpackungsabfällen und problematischen Stoffen führen. In der Praxis liegt der Teufel allerdings im Detail und hat einen Namen: Data Gap. Denn die Industrie ist nicht digitalisiert.
Technische Eigenschaften von Verpackungen schlummern in PDFs und können nicht mal eben von einem Werkstudenten via Excel in ERP-Systeme übertragen werden – abgesehen davon, dass sie dort auch gar nicht auswertbar sind. So wundert es nicht, dass Verpackungs- und Compliance-Profis in Unternehmen gerade einen erhöhten Puls bekommen, wenn sie an August denken. Denn können Anfragen zur Konformität nicht innerhalb von zehn Tagen beantwortet werden, drohen Strafzahlungen und Inverkehrsbringungs-Verbote.
Die gute Nachricht: Die SaaS-Plattform Packa kann den Puls wieder in gesunde Bahnen lenken. Mithilfe von KI werden alle vorliegenden Verpackungsdaten digitalisiert und die daraus ersichtlichen Data Gaps automatisiert bei den Lieferanten abgefragt und validiert. Mehr noch: Packa ermöglicht es, Verpackungsdaten mithilfe von KI strukturiert zu erfassen, zu verwalten und regulatorisch auszuwerten. Auf diese Weise entsteht eine zentrale, revisionssichere Datenbasis, mit der sich

PPWR-Anforderungen systematisch umsetzen lassen. Doch die Software analysiert nicht nur Verpackungen hinsichtlich von Umweltaspekten wie Recyclingfähigkeit oder PCR-Anteilen, sondern hilft gleichzeitig Verpackungskosten zu optimieren. Was unter anderem daran liegt, dass die PPWR auch die Regeln für EPR-Gebühren maßgeblich verschärft. So werden die Gebühren ökologisch moduliert. Sprich, schwer recycelbare Materialien führen
Packa ist eine Lösung von Packmatic. Packa bietet digitales Verpackungsmanagement –von der Datenstrukturierung bis zur regulatorischen Compliance. www.packa.com
zu höheren Kosten als nachhaltige Verpackungen.Die Packa-Software ist eine lohnende Investition, denn August 2026 ist erst der Anfang. Über mehreren Etappen werden die PPWR-Anforderungen bis ins Jahr 2040 verschärft. Spätestens jetzt sollte jedem klar sein: PPWR ist eine strategische Aufgabe – und zwar eine, die Einkauf, Qualitätssicherung, Geschäftsführung und Nachhaltigkeit gleichermaßen betrifft.
18. Juni 2026
Zeche Zollverein
Essen
















Das Fachfestival der GELSENWASSER AG
Mit Blick auf die Wasserver- und Abwasserentsorgung sowie die Energiewende intensiviert das forum blau-grün den fachlichen Austausch – Keynotes und Vorträge inklusive.
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STRATEGIE
Zirkuläre Geschäftsmodelle wie Reparaturen können wirtschaftlich mit klassischen Verkaufsmodellen mithalten – wenn sie gezielt gefördert werden.
Text: Armin Fuhrer
Foto: Presse, Curated Lifestyle/unsplash

Kreislaufwirtschaft und ein wachstumsbasiertes System sind keine Gegensätze, sondern eine Frage, von welchem Wachstum die Rede ist. Global hat sich der Rohstoffverbrauch seit 1970 vervierfacht, heute liegt er bei über 100 Milliarden Tonnen pro Jahr –und die Tendenz ist steigend. Gleichzeitig zeigt die EU Erfahrung, dass zirkuläre Strategien Jobs und Wertschöpfung schaffen können. In Europa arbeiten bereits rund 4,3 Millionen Menschen in zirkulären Aktivitäten, Tendenz auch hier klar steigend. Kreislaufwirtschaft sei mit Wachstum vereinbar, solange dieses Wachstum auf Wissensarbeit, Dienstleistung, Nutzung statt Besitz und hochwertiger Wiederverwendung basiert, sagt Harald Friedl, einer der global führenden Experten für Kreislaufwirtschaft. Und er ergänzt: „Wir müssen weg von immer mehr Primärmaterial und Wegwerfprodukten.“
Zirkuläre Geschäftsmodelle wie Reparatur und Langlebigkeit könnten wirtschaftlich mit klassischen Verkaufsmodellen mithalten, ist sich Friedl sicher. „Die Zahlen kippen zunehmend
zugunsten der Zirkularität. Studien für Deutschland zeigen, dass eine ambitionierte Kreislaufstrategie die Bruttowertschöpfung um rund 12 Milliarden Euro pro Jahr erhöhen und bis zu 180.000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen kann.“ Auf EU Ebene rechnen Analysen mit bis zu 0,5 Prozent zusätzlichem BIP und bis zu drei Millionen neuen Jobs durch Kreislaufpolitik.
Eine Entkopplung von Wachstum und Ressourcenverbrauch hat bislang, historisch betrachtet, nur relativ funktioniert. In einigen Industrieländern wächst das BIP schneller als der direkte Rohstoffverbrauch, aber global ist der Materialfußabdruck weiter explodiert. Das Problem: „Effizienzgewinne führen oft zu billigeren Leistungen und damit über den Rebound Effekt zu mehr Gesamtkonsum. Wenn wir Klimaziele und Planetary Boundaries ernst nehmen, reicht ‚grünes Wachstum’ allein nicht aus. Wir brauchen neben Effizienz auch Suffizienz: weniger Verschwendung, andere Geschäftsmodelle, andere Wohlstandsindikatoren“, so Friedl.
Dabei werde stark unterschätzt, wie stark unsere Kultur durch Strukturen geprägt wird. Carsharing, Mietmodelle oder Repair Services setzten sich dort durch, wo sie bequem, verlässlich und finanziell attraktiv sind und speziell auch dort, wo die Infrastruktur stimmt. Der kulturelle Sprung gelinge, wenn drei Dinge zusammenkommen: kluge Anreize, zum Beispiel durch geringere Mehrwertsteuer auf Reparaturen, sicht-

bare Vorbilder im Alltag und digitale skalierbare Lösungen. Dann könne, so Friedl, „Nutzen statt Besitzen so einfach werden wie ein Klick im Onlineshop.“
Dennoch brauche es auch tiefere Eingriffe in die Marktwirtschaft. Innovationen und „bewusster Konsum“ seien wichtig, aber sie stoßen an harte Grenzen, solange das Preissignal falsch ist. Friedl: „Wenn wir ernsthaft kreislauffähig werden wollen, brauchen wir klare Korrekturen am Markt: CO₂ und Ressourcenpreise, ein Verbot besonders destruktiver Produkte, produktbezogene
Wir müssen weg von immer mehr Primärmaterial und Wegwerfprodukten.
Mindeststandards für Langlebigkeit und Reparierbarkeit, aber auch eine andere Steuerlogik.“
Fakten
Harald Friedl ist österreichischer Keynote Speaker, Sozialunternehmer und einer der international profiliertesten Strategen für Circular Economy. Er lebt in Amsterdam und begleitet Unternehmen und Organisationen dabei, lineare Geschäftsmodelle in zirkuläre und regenerative Wertschöpfung zu übersetzen: pragmatisch, wirtschaftlich und wirksam. Kraft und Klarheit findet er im direkten Naturkontakt: beim Skitourengehen im Winter sowie beim Wandern und Bergsteigen im Sommer. www.haraldfriedl.earth

Mit innovativen ökologischen Festdüngern können Hobbygärtner das Wachstum im Frühjahr effektiv und zugleich nachhaltig fördern.
Sobald im Frühling die Temperaturen steigen und die Sträucher erste Knospen tragen, erwacht die Gartenleidenschaft der Deutschen.
Rund 23 Millionen Menschen arbeiten hierzulande regelmäßig im Garten; der Markt für entsprechende Produkte umfasst inzwischen ein Volumen von rund 20 Milliarden Euro. Gleichzeitig steigen die Erwartungen: Nachhaltigkeit allein reicht nicht mehr – gefragt sind Produkte, die ökologische Verantwortung mit hoher Wirksamkeit verbinden. „Ein wichtiger Baustein dafür ist eine moderne Festdüngerproduktion. Der Gartenmarkt ist bereit für einen Technologiesprung“, sagt Stephan Engster, CEO von COMPO.
Herr Engster, wie sieht ein solcher Technologiesprung denn konkret aus? Wir haben eine neue Anlage errichtet, in der nachwachsende und regional bezogene Rohstoffe aus der Kreislaufwirtschaft mit unserer neuen COMPO Advanced Release Technology ® verarbeitet werden.
Auch die Anlage selbst ist konsequent auf Energieeffizienz ausgerichtet. So erreichen wir maximale Effizienz bei minimalem ökologischem Fußabdruck. Damit stehen wir als Green Leader der Gartenbranche für eine konsequente Umsetzung von Kreislaufwirtschaft.
Und wie funktioniert das genau?
Die COMPO Advanced Release Technologie ® zeigt eine einzigartige Kornstruktur. Alle Nährstoffe in unseren organischen Düngern sind in einem Korn vereint. Durch eine ‚aufgebrochene‘ Struktur entsteht eine deutlich größere aktive Oberfläche als bei herkömmlichen, glatten Düngerkörnern. Hier können die Mikroorganismen des Bodens einfach und schnell mit der Umwandlung der Organik in pflanzenrelevante Nährstoffe ansetzen. Das Ergebnis: Ein Dünger, der schnell und effektiv wirkt und gleichzeitig eine optimal gesteuerte Langzeitfreisetzung bietet. Die Nährstoffe stehen den Pflanzen sofort zur Verfügung und
Der Gartenmarkt ist bereit für einen Technologiesprung.
werden anschließend kontinuierlich nachgeliefert.
Wer profitiert wie von dieser neuen Methode?
Alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette: Hobbygärtner erhalten leistungsstarke und zugleich nachhaltigere Produkte und der Handel bekommt ein innovatives und zukunftssicheres Sortiment. Am meisten profitieren jedoch Umwelt und Natur: Das Verfahren spart Energie, reduziert CO₂ und gibt der Natur entnommene Nährstoffe zurück. Das ist ein neuer Maßstab für nachhaltige Düngemittelproduktion in Europa. Vor dem Hintergrund der aktuellen globalen Entwicklung steht dies auch für Versorgungssicherheit, losgelöst von Verfügbarkeiten und Preissprüngen durch geopolitische Krisen.
COMPO gehört zu den führenden Anbietern von Markenartikeln für Pflanzen in Haus und Garten. Endverbraucher finden im vielfältigen Sortiment alles, was Pflanzen für ein gesundes Wachstum benötigen – von Blumenerde und Dünger über Rasensaat bis hin zu Artikeln zur Schädlingsbekämpfung und zum Pflanzenschutz mit Fokus auf biologischen Produkten. www.compo.de
Gelsenwasser – Partner Content
Zwischen Rohstoffsicherheit und Umweltschutz entsteht ein neuer Industriezweig.
Phosphor ist systemrelevant für Ernährung und Landwirtschaft, doch Europa ist bei Phosphat auf Importe angewiesen – aus politisch sensiblen Regionen. Gleichzeitig steigen die Ansprüche an Boden- und Gewässerschutz. Was künftig aus Klärschlamm zurückgewonnen wird, muss hochwertig, entgiftet und wirtschaftlich tragfähig sein. Mit der gesetzlich fixierten Frist 2029 beginnt der Wettlauf um Investitionen, Standards und regionale Wertschöpfung. Die Kreislaufwirtschaft wird damit vom Umweltprojekt zur industriepolitischen Aufgabe. Wie sich Qualität, Versorgungssicherheit und Marktakzeptanz verbinden lassen, erläutert Dr. Agnes Janda, Vorständin der GELSENWASSER AG.
Welche Bedeutung hat Kreislaufwirtschaft für Gelsenwasser und warum spielt Phosphor eine zentrale Rolle? Für uns ist Kreislaufwirtschaft kein
Schlagwort, sondern ein Auftrag. Wir wollen Ressourcen schützen und wirtschaftlich widerstandsfähiger werden, gerade in unsicheren Zeiten. Die Phosphorrückgewinnung spielt dabei eine wichtige Rolle. Wir nutzen einen heimischen Rohstoff, setzen moderne Technologien ein und bringen Investitionen und qualifizierte Arbeitsplätze in die Region. So entsteht Kreislaufwirtschaft, die wirklich Wirkung entfaltet.
Warum ist hohe Qualität bei Produkten aus der Phosphorrückgewinnung so wichtig?
Weil wir Produkte herstellen wollen, die tatsächlich gebraucht werden. Etwas zu produzieren, das künstlich in den Markt gedrückt wird, hilft niemandem. Und als Wasserversorger sind wir beim Bodenschutz besonders sensibel. Es kann nicht sein, dass wir Milliarden in Kläranlagen stecken und am Ende belastete Aschen wieder auf Felder bringen. Deshalb sagen wir klar: Nur vollständig aufbereitete und entgiftete Produkte gehören in den Markt.
Europa bleibt bei Phosphat stark von Importen abhängig. Warum ist das ein Problem?
Weil uns das verletzlich macht. Und weil diese Importe u. a. ein Regime stützen, das Krieg führt. Darauf darf Europa nicht bauen. Andere Regionen liefern zudem Phosphate, die qualitativ häufiger belastet sind. Das ist keine verlässliche Perspektive. Deshalb müssen wir nutzen, was wir im eigenen Land haben. Klärschlammaschen werden immer verfügbar sein, lassen eine saubere Phosphorextraktion zu und sind frei von geopolitischen Risiken. Phosphorrückgewinnung bedeutet Versorgungssicherheit aus eigener Kraft.
Die Frist 2029 steht fest. Was muss jetzt passieren, damit Investitionen anlaufen und der Markthochlauf gelingt?
Die Bestätigung der Frist schafft Klarheit. Viele haben sich gefragt, ob politisch noch einmal nachjustiert wird. Jetzt ist eindeutig, dass 2029 bleibt, und genau das brauchen Investoren. Als Branche müssen wir diese
Gelsenwasser ist ein Spezialist für nachhaltige Infrastruktur und als solcher Partner für Kommunen, Industrie und Gewerbe. www.gelsenwasser.de




Wir nutzen einen heimischen Rohstoff, setzen moderne Technologien ein und bringen Investitionen und qualifizierte Arbeitsplätze in die Region.
Sicherheit nutzen, Kapazitäten ausbauen und die Kosten fair verteilen. Gleichzeitig dürfen wir uns nicht von schnellen Scheinlösungen leiten lassen. Niedrigere Standards würden uns zurückwerfen. Kreislaufwirtschaft ist kein Entsorgungsweg. Und für mich bleibt klar: Asche ist kein Dünger.
ROHSTOFFSICHERHEIT
Rohstoffsicherheit entscheidet zunehmend über industrielle Wettbewerbsfähigkeit. Dr. Britta Bookhagen von der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) erklärt, warum Kreislaufwirtschaft strategisch unverzichtbar ist – aber die Abhängigkeit von Primärrohstoffen nicht vollständig auflösen kann.
Text: Thomas Soltau
Foto: BGR, Yasin Hemmati/unsplash

Dr. Britta Bookhagen, Arbeitsbereichsleiterin „Recyclingrohstoffe“, Deutsche Rohstoffagentur (DERA)
Frau Dr. Bookhagen, ohne Rohstoffe keine Transformation. Wie eng sind Rohstoffsicherheit und Kreislaufwirtschaft heute tatsächlich miteinander verknüpft? Kreislaufwirtschaft ist ein struktureller Baustein strategischer Rohstoffsicherheit. Die effiziente Rückgewinnung von Materialien erhöht die Versorgungssicherheit. Kreislaufwirtschaft kann aber nur ein Standbein der Rohstoffsicherung sein – neben der Primärrohstoffgewinnung, Diversifizierung von Lieferketten, internationalen Kooperationen und anderen Strategien.
Unternehmen sollten genau wissen, welche Rohstoffe sie in welchen Mengen, Qualitäten und Anwendungen einsetzen, wo diese herkommen und was am Ende ihres Lebenszyklus mit ihnen passiert.
Deutschland will unabhängiger von Importen werden. Welche Rolle kann Recycling dabei realistisch spielen und wo liegen derzeit noch klare Grenzen?
Bei einigen Metallrohstoffen kann das Recycling in Deutschland bereits einen bedeutenden Teil zur Bedarfsdeckung beitragen und damit Importe reduzieren. Insgesamt wird das Recycling
auch mittelfristig den Primärabbau von Rohstoffen aber nicht ersetzen können.
Wenn wir auf Recyclingrohstoffe blicken. Bei welchen Materialien steht Deutschland vergleichsweise gut da und bei welchen deutlich schlechter?
Bei Aluminium, Kupfer, Stahl, Blei, Zink und einigen Edelmetallen trägt das Recycling bereits signifikant zur Bedarfsdeckung bei. Insbesondere bei vielen kritischen Rohstoffen wie Gallium, Germanium oder den Seltenen Erden ist das Recycling aus verschiedenen Gründen jedoch noch nicht wirtschaftlich und findet daher kaum oder gar nicht statt.
Viele Unternehmen bekennen sich zur Kreislaufwirtschaft, handeln aber zögerlich. Was bremst aus Ihrer Sicht am stärksten: Technik, Kosten oder fehlende Planungssicherheit?
Die Kreislaufwirtschaft muss als Gesamtsystem wirtschaftlich funktionieren. Sie beginnt beim Produktdesign, reicht über verlässliche Sammel- und Sortierinfrastrukturen, die Berücksichtigung technischer Grenzen der Recyclingprozesse, zügige Genehmigungsverfahren für Anlagen sowie wettbewerbsfähige Energiekosten. Entscheidend ist ebenfalls ein stabiler Absatzmarkt für die Recyclingrohstoffe. Dennoch kann jedes Unternehmen an eigenen Stellschrauben drehen und
einen Beitrag leisten, der zum Gesamtsystem beiträgt.
Mit Blick auf die Gegenwart. Welche ein oder zwei aktuellen Entwicklungen auf den Rohstoffmärkten beschäftigen Sie derzeit besonders?
Die Exportbeschränkungen von China auf verschiedene Rohstoffe wie Seltene Erden, Gallium und Wolfram, da hier zentrale Industrien betroffen sind und Alternativen schwer aufzubauen sind.
Wenn Sie Unternehmen einen zentralen Rat geben müssten. Was ist der wichtigste erste Schritt, um Rohstoffsicherheit und Kreislaufwirtschaft sinnvoll zusammenzudenken?
Eine konsequente Analyse der eigenen Materialflüsse. Unternehmen sollten genau wissen, welche Rohstoffe sie in welchen Mengen, Qualitäten und Anwendungen einsetzen, wo diese herkommen und was am Ende ihres Lebenszyklus mit ihnen passiert. Nur so werden Abhängigkeiten und Rückgewinnungspotenziale sichtbar und gezielte Entscheidungen zu Design, Lieferanten und Recycling möglich. Ohne ein klares Bild der eigenen Materialströme bleibt Kreislaufwirtschaft abstrakt – als Rohstoffbeitrag wird sie jedoch zu einem strategischen Instrument für die Versorgungssicherheit.

Mit starker Vernetzung und innovativen Projekten Kreislaufwirtschaft fördern und nachhaltiges Wachstum schaffen.
Stellen wir uns eine Stadt vor, in der Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft in geschlossenen Kreisläufen zusammenspielen: Gebäude sind modular und langlebig konzipiert, Materialien lassen sich sortenrein zurückbauen und erneut einsetzen. Erneuerbare Energien sichern die Versorgung, Wasser- und Abfallsysteme folgen regenerativen Prinzipien. Produkte werden repariert statt entsorgt und digitale Plattformen erleichtern Tausch und gemeinsame Nutzung.
In begrünten Quartieren entstehen Orte der Begegnung, an denen Reparaturinitiativen, Secondhand-Angebote und Sharing-Modelle den Alltag prägen. So wächst eine urbane Gemeinschaft, die Ressourcen schont und soziale Nähe stärkt. Mit der Idee der Kreislaufstadt und einem klar definierten städtischen Leitbild als realistisches Zukunftsmodell für urbane Räume liegt es in der Hand von Städten und Gemeinden, Grundlagen für mehr Resilienz, Lebensqualität und Unabhängigkeit zu schaffen.
Die Stadt Haar bei München hat dies lange erkannt und schärft als Circular City gleichzeitig ihr Profil als innovativer Wirtschaftsstandort. Mit der Unterzeichnung der europäischen Circular Cities Declaration (CCD) verpflichtet sich Haar als aktiver Gestalter nachhaltiger Wirtschaftsprozesse freiwillig, die Grundsätze einer konsequenten Kreislaufwirtschaft einzuhalten. Vernetzung und Innovation stehen dabei immer im Fokus. „Die linear ausgerichtete Wirtschaft nach dem Prinzip take-makewaste hat ausgedient. Haar will diesem Wandel nicht zuschauen, sondern ihn aktiv gestalten“, sagt Dr. Andreas Bukowski, Erster Bürgermeister der Stadt. „Als erste bayerische Kommune in der Cradle-to-Cradle (C2C)-Bewegung ist es unser Ziel, Kreisläufe konsequent zu schließen und überregional Synergien für nachhaltiges Wirtschaften im globalen Kontext zu fördern.“
Mit dem Circular Summit hat die Stadt dafür ein zentrales Forum geschaffen, das 2025 erstmals rund 160 Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik vereinte. In Keynotes und Diskussionspanels wurden Impulse und Lösungswege entwickelt, wie sich Stoffkreisläufe gemeinsam schließen lassen, welche Chancen KI und Digitalisierung bieten und wie rechtliche Rahmenbedingungen als Motor für Innovationen genutzt werden können. Viele Teilnehmende nutzen die Ge -

legenheit, direkt neue Projekte anzustoßen – von neu gedachten Baustoffen bis zu zirkulären Wasserzählern oder digitalen Produktpässen. Nach dem erfolgreichen Auftakt soll der Summit künftig regelmäßig in Haar stattfinden. Über Pitches auf der Circular Impact Procurement Initiative (CIPI) des Yunus Environment Hub sucht die Stadt gezielt auch den Schulterschluss zu internationalen Partnern.
Zahlreiche Praxisbeispiele zeigen, wie umfassend der Wandel zur Kreislaufwirtschaft in Haar bereits umgesetzt wurde. Im geplanten Business Campus der Stadt werden zirkuläre Prinzipien bereits in die Planung integriert, ebenso bei der Revitalisierung brachliegender Gewerbe- und Industrieflächen. „Wachstum und Nachhaltigkeit sind kein Widerspruch. In Haar finden Unternehmen optimale Rahmenbedingungen, um zirkuläres Wirtschaften erfolgreich umzusetzen“, betont Andreas Bukowski. Durch das Projekt „Digitaler Zwilling“ wird die infrastrukturelle Unterstützung auf ein neu-
es Niveau gehoben, indem Gebäude, Straßen und weitere Infrastrukturen digital abgebildet und perspektivisch um detaillierte Daten zu Materialien, Energieverbrauch und Zustand ergänzt werden. Digitale Gebäudepässe sollen transparent machen, welche Rohstoffe in Gebäuden stecken, um bei Sanierungen oder Abrissen sinnvoll wiederverwendet oder recycelt zu werden. Simulationen testen im Vorfeld, wie Ressourcen geschont und Kreisläufe geschlossen werden.
rei. Mehrwegsysteme, Repair-Cafés, Kleidertauschpartys und Initiativen wie „Haar geht den Mehrweg“, ein Test für ein kommunales Mehrwegsystem, minimieren Abfallströme und sensibilisieren. Der Wertstoffhof wurde bereits zum „Mehrwerthof“ für alle Bürger weiterentwickelt: mit Upcycling-Stationen, Second-Hand-Börse, Büchergarage und sortenreiner Materialiensammlung.
Als erste bayerische Kommune in der Cradleto-Cradle (C2C)-Bewegung ist es unser Ziel, Kreisläufe konsequent zu schließen und überregional Synergien für nachhaltiges Wirtschaften im globalen Kontext zu fördern.
Mehr Informationen über CIRCULAR HAAR unter: www.stadt-haar.de
Kein Müll soll zurückbleiben, alle Materialien wiederverwendbar sein: Nach dem Vorbild der Natur entsteht in Haar das neue Jugendzentrum. Bei Planung und Bau wird auf sortenreine, rückbaubare Komponenten statt auf Verbundstoffe gesetzt. Innen kommen überwiegend C2C-zertifizierte Produkte wie Bodenbeläge aus recyceltem Kautschuk oder Möbel aus aufbereiteten Textilien zum Einsatz. Die Gebäudehülle soll aus einer kreislauffähigen Holz-Stroh-Konstruktion bestehen, zudem sind ein integriertes Regenwassermanagement und die Energieversorgung über eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher aus Recyclingkomponenten geplant. Ein weiteres Projekt in der Umsetzung ist der Bau eines zirkulären Müll- und Gerätehauses aus Recyclingbeton und Holz mit Gründach.
Um den zirkulären Gedanken auch in Verwaltung und Alltag der Bürger zu verankern, informiert das monatliche Rathaus-Blatt über Wege zu einem kreislauffähigen Lebensstil, gedruckt in einer C2C-zertifizierten Drucke-
Die linear ausgerichtete Wirtschaft nach dem Prinzip take-make-waste hat ausgedient. Haar will diesem Wandel nicht zuschauen, sondern ihn aktiv gestalten.

