

Jahresbericht 2025
3 Vorwort
6 Daten und Fakten
12 Zukunftsaussichten «Wir waren bei vielen Krankheiten kurz vor dem Ziel» – Interview mit Ntuli Angyelile Kapologwe
14 2025 auf einen Blick
28 Partnerschaften
31 Organisation
32 Finanzen

20 Vom Labor zur Behandlung von Kindern
2025 wurde in Uganda erstmals ein Kind mit einem neuen Medikament gegen Bilharziose behandelt. Ein beispielhafter Weg vom ungedeckten Bedarf zur konkreten Verbesserung der Kindergesundheit.

22 Psychische Gesundheit in der Schweizer Landwirtschaft Eine nationale Kohortenstudie zeigt, dass sich die Belastung Schweizer Landwirt:innen negativ auf ihre psychische Gesundheit, Lebenszufriedenheit und finanzielle Sicherheit auswirkt.

24 Partnerschaft für Resilienz im Gesundheitswesen Seit 30 Jahren arbeiten wir mit ukrainischen Partnern, um Gesundheitsdienste zu stärken. Ein Fundament aus Vertrauen und lokalem Wissen, das sich in Krisenzeiten als entscheidend erweist.
Titelbild: Eine Immunzelle (Makrophage) greift Tuberkulosebakterien an. Am Swiss TPH infizieren wir menschliche Makrophagen mit dem Mycobacterium tuberculosis, um besser zu verstehen, wie die Bakterien und unser Immunsystem interagieren. Bildnachweis: Science Photo Library
Im Fokus
Eine kluge Investition für die Schweiz
Das vergangene Jahr hat eindrücklich gezeigt, wie wichtig das Engagement der Mitarbeitenden und Partnerorganisationen des Swiss TPH ist – ihnen gilt mein herzlicher Dank. Ihre Arbeit an der Schnittstelle von Forschung, Lehre und Umsetzung ist heute wichtiger denn je.
Die globale Gesundheit und die internationale Forschungszusammenarbeit befinden sich im Wandel. Zunehmend unsichere Finanzierungsbedingungen erschweren das Engagement und machen langfristige Planung anspruchsvoller. Diese Entwicklungen betreffen auch die Schweiz – und damit die Voraussetzungen, unter denen Institutionen wie das Swiss TPH arbeiten.
Gerade vor diesem Hintergrund wird die strategische Bedeutung des Swiss TPH für unser Land besonders deutlich. Seine Arbeit trägt einerseits dazu bei, gesundheitliche Herausforderungen in der Schweiz und weltweit anzugehen, und schafft andererseits Wissen und Partnerschaften, die die Fähigkeit der Schweiz stärken, Risiken frühzeitig zu erkennen, Innovation voranzutreiben und international vernetzt zu bleiben.
Das Swiss TPH ist fest im LifeSciencesStandort Basel verankert und vernetzt Forschung, Gesundheitspolitik und Praxis weit über die Landesgrenzen hinaus. Es stärkt damit die Rolle der Schweiz als Innovationsstandort und als verlässliche Partnerin in der internationalen Zusammenarbeit.
Um diese Position zu sichern, braucht es Kontinuität und Weitsicht. Parlamentarische Entscheide zur Entwicklungszusammenarbeit sowie zur Bildungs und Forschungsfinanzierung werden entscheidend dafür sein, ob die Schweiz weiterhin eine führende Rolle einnimmt oder in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Umfeld an Boden verliert.
Als Präsidentin des Verwaltungsrats setze ich mich weiterhin dafür ein, dass das Swiss TPH seinen Auftrag erfolgreich erfüllen und einen nachhaltigen Beitrag zur Gesundheit und zum Wohlbefinden von Menschen weltweit leisten kann.

«Das Swiss TPH verbindet Forschung, Gesundheitspolitik und Praxis über Grenzen hinweg und stärkt damit die Rolle der Schweiz als Innovationsstandort und verlässliche Partnerin.»
Dr. Eva Herzog

Präsidentin des Verwaltungsrats des Swiss TPH
Ein verlässlicher Partner in unsicheren Zeiten

«In einer Zeit, in der Programme zurückgefahren werden und sich Prioritäten verschieben, ist unser Auftrag wichtiger denn je.»
2025 markierte einen Wendepunkt für die globale Gesundheit. Der Rückzug wichtiger internationaler Geldgeber –insbesondere die faktische Auflösung von USAID – hatte unmittelbare Folgen für Prävention, Behandlung und Krankheitskontrolle sowie für den Zugang zu qualitativ hochwertiger Gesundheitsversorgung. Wichtige Gesundheitsprogramme wurden unterbrochen, Lieferketten gestört und essenzielle Gesundheitsleistungen eingeschränkt. Erste Analysen zeigen, dass diese Entwicklungen zu Zehntausenden zusätzlichen Todesfällen, einer steigenden Krankheitslast und einem erneuten Anstieg von Krankheiten wie Malaria und Tuberkulose geführt haben.
Dies zeigt, wie schnell Fortschritte verloren gehen können und wie fragil selbst hart erarbeitete Erfolge sind, wenn Finanzierung, Forschung und internationale Partnerschaften wegbrechen.
Trotz dieser Herausforderungen hat das Swiss TPH gemeinsam mit seinem weltweiten Partnernetzwerk seine Arbeit konsequent fortgesetzt. In mehr als 400 Projekten in über 130 Ländern haben unsere Teams Forschung vorangetrieben, Gesundheitsfachpersonen ausgebildet und Gesundheitssysteme dabei unterstützt, wirksame Lösungen dorthin zu bringen, wo sie am dringendsten gebraucht werden.
Gerade in einer Zeit, in der internationale Programme zurückgefahren werden und sich Prioritäten verschieben, ist unser Auftrag wichtiger denn je. Wir stärken globale Gesundheit durch Forschung,
Lehre und Partnerschaften – mit Wirkung in der Schweiz und weltweit. Nachhaltige Investitionen in diese Arbeit sind entscheidend – nicht nur für die Gesundheit weltweit, sondern auch für die Rolle der Schweiz als verlässliche Partnerin und führender Standort für Forschung, Innovation und internationale Zusammenarbeit.
Dass wir diesen Weg weitergehen können, verdanken wir dem grossen Engagement unserer Mitarbeitenden, Studierenden und Partnerorganisationen weltweit. Ihr Wissen, ihre Expertise und ihre Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, machen jeden Tag einen entscheidenden Unterschied. Dahinter steht ein gemeinsames Verständnis: We are one, we are Swiss TPH.
In Zeiten des Wandels bleibt das Swiss TPH ein verlässlicher Pfeiler der globalen Gesundheit und entwickelt partnerschaftliche Lösungen für eine nachhaltige Verbesserung der Gesundheit.

Direktor des Swiss TPH
«Hier
sehe ich ganz konkret, wie unsere Arbeit etwas bewirkt: Menschen die aktiver, besser informiert und darauf vorbereitet sind, Verantwortung für ihre eigene Gesundheit zu übernehmen.»

Ala Curteanu leitet das Projekt Healthy Life in Moldau. Ziel des Projekts ist es, die Belastung durch nichtübertragbare Krankheiten zu verringern, unter anderem durch die Stärkung von Prävention, der Grundversorgung und gemeindenaher Angebote.
Auf lokaler Ebene setzt das Projekt auf Modelle gesunder Gemeinden und integrierter Dienstleistungen. Dabei arbeiten lokale Behörden, Gesundheits
und Sozialfachpersonen sowie Mitglieder der Gemeinden eng zusammen.
Im Rahmen des Projekts wurden bereits 105 gesunde Gemeinden aufgebaut, darunter auch neue Begegnungsund Bewegungsräume für Freizeit und körperliche Aktivität. Ausserdem haben mehr als 10 000 Menschen durch Initiativen zu Bewegung und gesunder Ernährung gesundheitsfördernde Gewohnheiten in ihren Alltag integriert.
Ala Curteanu, Projektleiterin in Moldau
Gesundheit weltweit verbessern
Zusammen mit Partnerorganisationen arbeiten wir zurzeit an 416 Projekten in 135 Ländern.
Swiss TPH Standorte weltweit
Langjährige Partnerschaften
Das Swiss TPH unterhält langjährige Kooperationen mit: Ifakara Health Institute (IHI), Tansania, Centre Suisse de Recherches Scientifiques (CSRS), Côte d’Ivoire, Centre de Support en Santé Internationale (CSSI), Tschad, Lao Tropical and Public Health Institute (Lao TPHI), Laos, Universidad Peruana Cayetano Heredia, Peru und Papua New Guinea Institute of Medical Research (PNGIMR).
≥ 10 Projekte
≥ 5 Projekte
≥ 1 Projekt
90
Nationalitäten sind am Swiss TPH vertreten
135
Länder, in denen wir arbeiten
933
Mitarbeitende und Studierende am Swiss TPH
162
Mitarbeitende im Ausland
Swiss TPH Standorte weltweit
Europa Schweiz (Hauptsitz), Albanien, Kosovo, Moldau, Ukraine
Afrika Benin, Burkina Faso, Burundi, Côte d’Ivoire, Demokratische Republik Kongo, Gambia Guinea, Kamerun, Liberia, Mali, Niger, Ruanda, Senegal, Tansania, Tschad
416
Projekte, um die Gesundheit zu verbessern
«Tuberkulose lässt sich nur beseitigen, wenn auch Ungleichheit überwunden wird, und das wird so bald nicht geschehen. Deshalb ist Forschung so wichtig. Neue Diagnoseverfahren und neue Behandlungsmöglichkeiten bringen uns dem Ziel näher, Tuberkulose auch in einer ungleichen Welt zu eliminieren.»

Galo A. Goig,
Postdoktorand
Galo A. Goig erforscht mithilfe gross angelegter vergleichender Genomanalysen die Faktoren, die zur Übertragung von Tuberkulose und zur Entstehung von Medikamentenresistenzen beitragen.
Eine seiner Studien, die in Zusammenarbeit mit dem National Centre for Tuberculosis and Lung Diseases in Georgien durchgeführt wurde, ergab, dass bereits Resistenzen gegen das von der WHO neu empfohlene sechsmonatige Behandlungsschema für multiresistente Tuberkulose aufgetreten waren und
sich zwischen den Patient:innen ausbreiteten. Mehr als ein Viertel der stark medikamentenresistenten Fälle waren dabei auf direkte Übertragung zurückzuführen.
Die Studie basierte auf einer Analyse von fast 90 000 Stämmen von Mycobacterium tuberculosis aus aller Welt und wurde im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Für diese Arbeit erhielt Goig den Swiss TB Award 2025 der Swiss Foundation for Tuberculosis Research.
Unser Ansatz
Durch Forschung, Lehre und Partnerschaften
verbessern wir die Gesundheit der Menschen nachhaltig –in der Schweiz und weltweit.
Unsere fünf strategischen Schwerpunkte
Seit über 80 Jahren verbessern wir die Gesundheit weltweit, indem wir Evidenz schaffen, Kapazitäten stärken und Lösungen entwickeln, die Millionen Menschen erreichen. Von Malaria und Tuberkulose bis hin zu Krebs und klimabedingten Gesundheitsrisiken gehen wir die Herausforderungen unserer Zeit an.
Entdeckung
Wir entwickeln neue Diagnostika, Medikamente und Impfstoffe und vertiefen das Verständnis darüber, wie Krankheiten entstehen, sich ausbreiten und gestoppt werden können.
Evidenz
Wir schaffen wissenschaftliche Evidenz durch Studien unter realen Bedingungen und zeigen, was wirkt und warum.
Anwendung
Wir arbeiten eng mit Verantwortlichen in Politik und Praxis und der Bevölkerung zusammen, damit neue Erkenntnisse in Entscheidungen einfliessen und Innovationen die Menschen erreichen, die sie benötigen.
Klima und Umwelt
Wir zeichnen uns durch transdisziplinäre und handlungsorientierte Forschung an der Schnittstelle von Klimawandel, Umwelt und Gesundheit aus, um den wachsenden globalen Herausforderungen im Gesundheitsbereich zu begegnen.
Infektionskrankheiten
Wir bekämpfen Infektionskrankheiten durch innovative Forschung, nachhaltige Lösungen und globale Zusammenarbeit und gehen Herausforderungen an wie Antibiotikaresistenzen, neu auftretende Erreger und Krankheiten.
Nichtübertragbare Krankheiten
Wir verbessern die Prävention und Kontrolle nichtübertragbarer Krankheiten durch innovative, kostengünstige, nachhaltige und wirksame Ansätze, die an lokale Gegebenheiten angepasst sind und soziale Gerechtigkeit fördern.
Gesellschaftlicher und kultureller Kontext
Wir fördern gesundheitliche Chancengleichheit, indem wir Gemeinschaften, die Zivilgesellschaft und die Bevölkerung in Forschung und Umsetzung einbeziehen, soziale Risikofaktoren berücksichtigen und integrative, kontextspezifische Gesundheitslösungen entwickeln.
Systeme und Policies
Wir stärken Gesundheitssysteme und fördern Gesundheit, indem wir Gemeinschaften, Gesundheitsfachkräfte und Entscheidungstragende einbinden, um integrative, evidenzbasierte und nachhaltige Gesundheitsmassnahmen für alle zu gewährleisten.
Forschung, Lehre und Umsetzung sind eng miteinander verknüpft. Gemeinsam erzielen sie Wirkung für eine bessere Gesundheit der Menschen in der Schweiz und weltweit.

539
Publikationen mit Peer-Review in 2025
16 000
Konsultationen jährlich in unserem Zentrum für Tropenund Reisemedizin
Forschung
Wir erforschen Infektionskrankheiten und nichtübertragbare Krankheiten entlang des gesamten Spektrums – von den biologischen Mechanismen bis zu ihren Auswirkungen auf Bevölkerung und Gesundheitssysteme. Dabei verbinden wir Grundlagenforschung, Epidemiologie und Implementierungsforschung, um wirksame Lösungen zu entwickeln.
Wissenschaftliche Reichweite 2025 veröffentlichten wir 539 Publikationen mit Peer Review zu Themen wie Infektionskrankheiten, Public Health, Umweltgesundheit, Immunologie und Mikrobiologie.
Forschung zu Hochrisiko-Erregern In unserem BSL-3-Labor untersuchen wir die Erreger von Tuberkulose, ChagasKrankheit und BuruliUlkus. Dabei erforschen wir Arzneimittelresistenzen und WirtErregerInteraktionen, um die Entwicklung von Diagnostika, Impfstoffen und Medikamenten zu beschleunigen.
30
Nationalitäten vertreten bei unseren neuen Masterund PhD-Studierenden
91

Lehre
Wir bilden die nächste Generation von Führungspersönlichkeiten für die globale Gesundheit aus. In unseren Studiengängen und berufsbegleitenden Weiterbildungsprogrammen arbeiten Studierende und Berufstätige gemeinsam mit Expertinnen und Experten an realen Herausforderungen. Sie entwickeln die nötigen Fähigkeiten, um Verantwortung zu übernehmen und die globale Gesundheit aktiv mitzugestalten.
Gefragter Studienort für globale Gesundheit 2025 begannen 66 Studierende ihr Master of ScienceStudium – so viele wie noch nie –sowie 25 neue Doktorierende aus insgesamt 30 Nationen.
Von der Ausbildung in die Praxis 39 Doktorierende, 10 MAS und MBA-Studierende sowie 27 DAS und CAS-Teilnehmende schlossen ihre Ausbildung in Naturwissenschaften, Medizin, globaler Gesundheit, Management oder interkultureller Zusammenarbeit ab.
Führung mit Wirkung
Umsetzung
Unser Anspruch ist messbar: Malariabehandlungen erreichen Neugeborene, Evidenz fliesst in nationale Leitlinien ein, neue Gesundheitsrisiken werden früher erkannt. Unsere Erkenntnisse und Innovationen können konkret umgesetzt werden und verbessern die Gesundheit dort, wo es zählt.
Schweizer Kompetenzzentrum für Tropen- und Reisemedizin
Neue Master- und PhD-Studierende in 2025 15
Unsere Absolventinnen und Absolventen übernehmen Führungsrollen in nationalen Gesundheitsministerien, WHO-Programmen und internationalen Organisationen und gestalten so Entscheidungen, die Gesundheitssysteme weltweit prägen.
Unser Zentrum für Tropen und Reisemedizin führt jährlich rund 16 000 Konsultationen durch und fungiert gemeinsam mit unserem Diagnostikzentrum als nationales Referenzzentrum für Malaria in der Schweiz.
Beitrag zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung
Unsere Projekte in Forschung und Umsetzung tragen zu 15 der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) bei –mehr als 50 Prozent davon zu SDG 3: Gesundheit und Wohlergehen.

SDGs unterstützt durch unsere Forschungs- und Umsetzungsprojekte
«Wir waren bei vielen Krankheiten kurz vor dem Ziel»
In einer sich wandelnden globalen Gesundheitslandschaft spricht Ntuli Angyelile Kapologwe über Fortschritte, drohende Rückschritte und darüber, was Länder wie Tansania und die Schweiz voneinander lernen können. Der Swiss TPH-Alumnus ist Generaldirektor der East, Central and Southern Africa Health Community.
Was war für Sie der entscheidende Moment, eine Laufbahn im Bereich der globalen Gesundheit einzuschlagen?
Als ich als Arzt im ländlichen Tansania arbeitete, wurde mir schnell klar, dass viele gesundheitliche Herausforderungen keine rein klinischen Probleme sind, sondern strukturelle Ursachen haben. Ich habe unmittelbar erlebt, wie Führung, Planung und Ressourcenverteilung die Gesundheitsversorgung ganzer Gemeinschaften verbessern – oder einschränken – können. Das hat meinen Fokus verändert: weg von der Behandlung einzelner Menschen hin zur Stärkung des gesamten Gesundheitssystems.
Was hat sich im öffentlichen Gesundheitswesen in Tansania in den vergangenen 15 Jahren am stärksten verändert?
Tansania hat in mehreren zentralen Bereichen grosse Fortschritte erzielt. Die Mütter und Kindersterblichkeit ist um rund 80% gesunken. Die Impfquote ist in den meisten Distrikten von etwa 60% auf über 90% gestiegen. Auch die Überwachung von Krankheiten wie Polio, Masern, Cholera, Ebola und COVID-19 wurde deutlich gestärkt, was sich in einer besseren Vorbereitung und Reaktion auf Krankheitsausbrüche zeigt. Gleichzeitig wurde die Primärversorgung ausgebaut
«Derzeit haben nur 10 von 100 Menschen Zugang zu Angeboten im Bereich psychische Gesundheit, gleichzeitig verursachen nichtübertragbare Krankheiten bereits fast 37% aller Todesfälle.»
und durch digitale Gesundheitslösungen ergänzt – ein wichtiger Schritt für die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems.
Sie haben am Swiss TPH einen MBA in International Health Management absolviert. Wie hat Sie dieses Studium geprägt?
Es hat meine Führungskompetenz stark erweitert. Das Programm hat mir geholfen, Gesundheitssysteme kritisch zu analysieren und komplexe, länderübergreifende Projekte zu steuern. Ich wurde Teil eines vielfältigen internationalen Netzwerks von Fachpersonen, was mir die Bedeutung von Partnerschaften und grenzüberschreitender Zusammenarbeit noch stärker vor Augen geführt hat.
Sie sind Generaldirektor der East, Central and Southern Africa Health Community. Wo setzen Sie Ihre Schwerpunkte? Im Zentrum steht die regionale Gesundheitssicherheit: bessere Vorbereitung, stärkere grenzüberschreitende Überwachung und koordinierte Reaktionen auf Gesundheitsrisiken. Wir treiben auch die universelle Gesundheitsversorgung voran und befassen uns mit nichtübertragbaren Krankheiten und psychischer Gesundheit. Derzeit haben nur etwa 10 von 100 Menschen Zugang zu Angeboten im Bereich psychische Gesundheit, gleichzeitig verursachen nichtübertragbare Krankheiten bereits fast 37% aller Todesfälle. Hinzu kommt ein gravierender Mangel an Gesundheitsfachkräften. Deshalb investieren wir in Ausbildung, Strategien zur Personalbindung und die Zusammenarbeit von Fachpersonen über Ländergrenzen hinweg. Forschung ist ebenfalls zentral – wir setzen auf evidenzbasierte Gesundheitspolitik und Umsetzung.
Was ist aus Ihrer Sicht derzeit die dringendste Herausforderung für die globale Gesundheit?
Mit dem Rückzug von USAID und anderen grossen Akteuren hat sich die Finanzierungslandschaft stark verändert. Bei Krankheiten wie Tuberkulose, HIV und Malaria waren wir eigentlich auf der Zielgeraden –nun wird es zunehmend schwierig, diese Fortschritte zu sichern. Viele Länder waren darauf nicht vorbereitet, weil sie davon ausgingen, dass externe Finanzierung bestehen bleibt. Gleichzeitig ist Gesundheitssicherheit angesichts des Klimawandels sowie neu auftretender und wiederkehrender Epidemien ein zentrales Thema. Wir müssen widerstandsfähige Systeme aufbauen, um solche Bedrohungen zu verhindern, frühzeitig zu erkennen und wirksam darauf zu reagieren.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Wir bewegen uns hin zu einer sogenannten SouveränitätsAgenda. Länder sollen ihre Eigenfinanzierung stärken und Gesundheitsausgaben effizienter einsetzen. Gleichzeitig entstehen neue Ansätze der Gesundheitsfinanzierung – etwa durch Mischfinanzierungen und stärkere Kooperationen zwischen öffentlichem und privatem Sektor. Wir beobachten zudem ein wachsendes Engagement nichttraditioneller Partner, darunter auch Länder aus dem Nahen Osten – eine Entwicklung, die auch durch die aktuellen geopolitischen Veränderungen beeinflusst sein dürfte.
Was können die Schweiz und Tansania voneinander lernen?
Die Schweiz kann viel von Tansanias Erfahrung mit kosteneffizienter, gemeindebasierter Primärversorgung unter begrenzten Ressourcen lernen. Umgekehrt kann Tansania von den stabilen Finanzierungsmodellen der Schweiz und der engen Verknüpfung von Forschung und Gesundheitspolitik profitieren. In vielen afrikanischen Ländern besteht noch eine Lücke zwischen Industrie, Wissenschaft und Forschung. Entscheidend ist, dass unsere Partnerschaft auf gegenseitigem Respekt und gemeinsamem Lernen basiert.

Über Ntuli Angyelile Kapologwe Ntuli Kapologwe ist Gesundheitsdiplomat und Arzt mit einem PhD in Public Health der Universität Dodoma in Tansania. Zudem absolvierte er am Swiss TPH einen MBA in International Health Management.
Von 2010 bis 2024 bekleidete er aufeinanderfolgende Führungspositionen im Bereich der öffentlichen Gesundheit zuerst in der regionalen und schliesslich in der nationalen Verwaltung Tansanias.
2025 wurde er Generaldirektor der East, Central and Southern Africa Health Community (ECSA-HC), einer zwischenstaatlichen Organisation zur Förderung der regionalen Gesundheitszusammenarbeit. In dieser Funktion unterzeichnete er Anfang 2026 ein Memorandum of Understanding mit dem Swiss TPH, um die Zusammenarbeit in Forschung und Innovation, in der Stärkung von Gesundheitssystemen sowie im Wissensaustausch weiter auszubauen.
2025 auf einen Blick
Januar
Arzneimittelresistente Tuberkulose breitet sich aus
Eine im New England Journal of Medicine veröffentlicht Studie zeigte, dass sich gegen das von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene neue Behandlungsschema für multiresistente Tuberkulose bereits Resistenzen unter Patient:innen ausgebreitet hatten. Die Ergebnisse verdeutlichten, dass dringend bessere Massnahmen in der Überwachung und Infektionskontrolle erforderlich sind, um dem Anstieg der Antibiotikaresistenzen entgegenzuwirken.

Das Swiss TPH und seine Partner analysierten rund 90 000 TuberkuloseStämme aus aller Welt.
Februar
Verkehrslärm gefährdet die Gesundheit von Kindern

Forschende des Swiss TPH stellten fest, dass die Belastung durch Verkehrslärm in der Schule und zu Hause die kognitive Entwicklung, das Verhalten und das körperliche Wohlbefinden von Tausenden von Kindern in Europa negativ beeinflusst. Der Bericht wurde von der Europäischen Umweltagentur veröffentlicht.
564 000 Kinder weisen aufgrund von Verkehrslärm Leseschwierigkeiten auf.
April
Globale Forschungsagenda zur Bekämpfung von Noma
Im Fachjournal PLOS Neglected Tropical Diseases wurde eine globale Forschungsagenda zur Bekämpfung von Noma veröffentlicht. Die schwerwiegende Krankheit betrifft vor allem Kinder in extremer Armut und kann tödlich verlaufen. Die Agenda definiert acht dringende Forschungsprioritäten und basiert auf einem Swiss TPHSymposium, das Fachleute und NomaÜberlebende aus aller Welt zusammenbrachte.

Noma ist eine schwere und schnell fortschreitende Erkrankung, von der vor allem Kinder betroffen sind.
Mai
Todesursachen bei älteren Menschen in der Schweiz variieren je nach Region
Forschende des Swiss TPH und Partnerinstitutionen veröffentlichten den ersten Mortalitätsatlas für die ältere Bevölkerung der Schweiz. Die Studie analysierte knapp 520 000 Todesfälle von Menschen ab 75 Jahren im Zeitraum 2010 bis 2020 und deckte dabei erhebliche regionale Unterschiede bei den Todesursachen auf.

Räumliche Verteilung der Sterblichkeitsrate aufgrund von HerzKreislaufErkrankungen bei Menschen ab 75 Jahren in der Schweiz.
Juni
Pestizidbelastung bei Kindern
Eine im Auftrag des Kantons Wallis durchgeführte Studie untersuchte die Pestizidbelastung von Kindern, die in der Nähe von Rebbergen oder Obstgärten leben. Die Ergebnisse zeigen, dass alle 206 teilnehmenden Kinder Pestiziden ausgesetzt waren. Ein kurzfristiger Zusammenhang zwischen Pestizidbelastung und Atemwegssymptomen wurde jedoch nicht festgestellt. Auf der Grundlage der Erkenntnisse erarbeitete das Swiss TPH Empfehlungen zur Reduktion der Belastung.

Insgesamt nahmen 206 Kinder aus Schulen in Chamoson, Salgesch und Saxon an der Studie teil.
Neue parasitäre Wurmart entdeckt

Im Rahmen einer klinischen Studie in Côte d’Ivoire wurde eine neue parasitäre Wurmart entdeckt: Trichuris incognita. Die Entdeckung hat weitreichende Folgen für Diagnostik und Medikamentenentwicklung, denn unter dem Mikroskop ist die neue Art von bekannten Peitschenwürmern nicht zu unterscheiden, spricht aber deutlich schlechter auf die Standardbehandlung an. Formell anerkannt wurde die neue Spezies durch die Übergabe konservierter Proben an das Naturhistorische Museum Basel.
Die neue Spezies Trichuris incognita wurde im Rahmen einer klinischen Studie in Côte d’Ivoire entdeckt.
Juli
Swissmedic genehmigt erstes Malariamedikament für Neugeborene
Swissmedic hat das erste Malariamedikament für Neugeborene und Säuglinge unter 5 kg zugelassen. Der Entscheid könnte die behördlichen Zulassungsverfahren in acht afrikanischen Ländern beschleunigen. Die Grundlage lieferten Daten aus der länderübergreifenden klinischen Studie CALINA, geleitet von Novartis und Medicines for Malaria Venture, in der das Swiss TPH eine zentrale operative und wissenschaftliche Rolle übernahm.

Neugeborene wurden bei der Entwicklung neuer Malariabehandlungen lange vernachlässigt, da geeignete Präparate für diese Altersgruppe fehlten.
Juni
Digitale Tools in der Grundversorgung: Potenzial vorhanden, Zugang zu Spitälern bleibt Hürde
Eine Studie in Indien, Kenia, Senegal und Tansania zeigt: Pulsoximeter und digitale Entscheidungshilfen können in der Grundversorgung dazu beitragen, schwere Erkrankungen bei Kindern frühzeitig zu erkennen und den Antibiotikaeinsatz zu reduzieren. Ohne stärkere Überweisungssysteme und einen besseren Zugang zu Krankenhäusern bleibt das Potenzial dieser Hilfsmittel zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung jedoch begrenzt.

Kinder unter fünf Jahren sind einer hohen Belastung durch vermeidbare Krankheiten und Todesfälle ausgesetzt.
Frühe LegionellenTests verbessern die PneumonieBehandlung
Eine Studie in der Schweiz zeigte, dass die routinemässige Untersuchung auf Legionellen bei hospitalisierten Pneumoniepatient:innen zu einer schnelleren Diagnose und einer gezielteren Behandlung führt. Die Ergebnisse weisen zudem darauf hin, dass eine kürzere Behandlungsdauer die Patientensicherheit erhöht und der Entstehung antimikrobieller Resistenzen entgegenwirkt.

Die Studie ergab, dass mehr als ein Drittel der Patient:innen länger als empfohlen mit Antibiotika behandelt wurde.
September
Bessere Versorgung für Menschen mit chronischen Erkrankungen
Das Swiss TPH brachte über 80 Fachleute aus Gesundheits und Sozialwesen, öffentlicher Verwaltung, Forschung und Privatwirtschaft zu einem Symposium über integrierte, personenzentrierte Versorgung zusammen. Diskutiert wurden innovative Versorgungsmodelle, das Potenzial digitaler Instrumente zur Verbesserung der Koordination sowie Erfahrungen von Patient:innen und Leistungserbringern.

Chronisch Kranke haben oft komplexe Bedürfnisse, die eine enge Zusammenarbeit vieler Beteiligter erfordern.
Oktober
Neuer Impfstoffkandidat gegen Malaria stärkt
Immunantwort bei
Erwachsenen
SUM-101, ein neuer MalariaImpfstoffkandidat, erwies sich als sicher und löste bei Erwachsenen in einem endemischen Malariagebiet in Tansania eine starke Immunantwort aus. Die von Forschenden des Ifakara Health Institute, des Swiss TPH und Sumaya Biotech durchgeführte Studie stellte einen wichtigen Schritt zur Entwicklung von Impfstoffen der nächsten Generation dar, die die bestehenden Mittel zur Malariaprävention ergänzen sollen.

Beim ersten klinischen Test an Malariaexponierten Erwachsenen in Tansania löste der Impfstoffkandidat eine starke Immunantwort aus.
November
Neues Projekt zur Stärkung des ukrainischen Rehabilitationssystems
TRUE, ein vierjähriges Projekt zur Stärkung des ukrainischen Rehabilitationssystems, wurde von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit lanciert und wird vom Swiss TPH und Patients of Ukraine umgesetzt. Das Projekt zielt darauf ab, ein personenzentriertes Rehabilitationssystem aufzubauen, zu einem Zeitpunkt, an dem rund 250 000 ukrainische Patient:innen aufgrund des Krieges jährlich auf hochwertige Rehabilitationspflege angewiesen sind.

Das
Langzeitstudie untersucht die psychische Gesundheit in Gaza von 2020 bis 2025
Eine langjährige Kohortenstudie des Swiss TPH und der AlQudsUniversität ergab, dass sich die Zahl der Erwachsenen in Gaza, die unter schweren psychischen Belastungen leiden, seit Ausbruch des Krieges im Oktober 2023 mehr als verdreifacht hat. Die Studie liefert seltene Längsschnittdaten zur psychischen Gesundheit in einem Konfliktgebiet und kann somit bei der Planung von Massnahmen in der psychischen Gesundheitsversorgung helfen.

Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit, neben der akuten Nothilfe in Gaza auch die psychische Gesundheitsversorgung längerfristig zu planen.
Projekt wurde in Kyjiw offiziell von Jacques Gerber, Delegierter des Bundesrats für die Ukraine, und Viktor Liashko, Gesundheitsminister der Ukraine, lanciert.
Dezember
Internationale Reisen begünstigen die Ausbreitung antibiotikaresistenter Bakterien
Studien des Swiss TPH zeigen, dass internationale Reisen ein zunehmend wichtiger Faktor für die weltweite Zunahme antibiotikaresistenter Bakterien sind. Je nach besuchter Region tragen bis zu drei Viertel der Reisenden bei ihrer Rückkehr asymptomatisch multiresistente Bakterien in sich.

Weltweit erfolgt die Ausbreitung antibiotikaresistenter Bakterien durch Patiententransporte, Medizintourismus und Reisen.
Durchbruch im Kampf gegen Malaria erzielt

Forschende des Ifakara Health Institute und des National Institute for Medical Research in Tansania entwickelten in Zusammenarbeit mit dem Swiss TPH und dem Imperial College London erfolgreich gentechnisch veränderte Mücken, die die Malariaübertragung blockieren. Mit der im Fachjournal Nature veröffentlichten Studie gelang es afrikanischen Forschenden erstmals, einen mit dem GeneDriveKonzept kompatiblen Mückenstamm in Afrika zu entwickeln.
Das Swiss TPH unterstützte den Aufbau des mobilen Labors und die Doktoratsausbildung des lokalen Personals.

Ein kleines Mädchen erhält im Distrikt Bugiri in Uganda das neue Arzneimittel Arpraziquantel.
Vom Labor zur Behandlung von Kindern
Im März 2025 wurde in Uganda erstmals ein Kind mit Arpraziquantel behandelt – einem neuen Medikament gegen Bilharziose für Kinder im Vorschulalter. Die Geschichte zeigt beispielhaft den Weg von einem bislang ungedeckten medizinischen Bedarf bis hin zu einer konkreten Verbesserung der Gesundheit von Kindern.
Bilharziose, auch Schistosomiasis genannt, wird durch parasitäre Würmer verursacht, die über Süsswasserschnecken übertragen werden. Weltweit sind mehr als 250 Millionen Menschen betroffen, darunter schätzungsweise 50 Millionen Kinder im Vorschulalter. Die Erkrankung kann Wachstum, kognitive Entwicklung und die langfristige Gesundheit beeinträchtigen. In Afrika gehört Bilharziose zu den am weitesten verbreiteten parasitären Erkrankungen.
Eine kritische Behandlungslücke
Obwohl Kinder unter sechs Jahren gefährdet sind, gab es lange Zeit keine geeignete Behandlung für diese Altersgruppe. Um diese Lücke zu schliessen, wurde 2012 das öffentlichprivate Pediatric Praziquantel Consortium gegründet, das Partner aus Forschung, Pharmaindustrie und dem NonProfitSektor vereint. Das Swiss TPH gehörte zu den Gründungsinstitutionen und unterstützte entlang des gesamten Entwicklungswegs – von früher Laborforschung über klinische Studien bis hin zur Einführung des neuen Medikaments in den ersten Ländern.
«Praziquantel ist seit Jahrzehnten das wichtigste Medikament gegen Bilharziose. Lange war jedoch nicht klar, welcher der beiden Bestandteile des Moleküls hauptsächlich für die Abtötung der Para
siten verantwortlich ist», erinnert sich Jennifer Keiser, Leiterin der Forschungsgruppe Helminth Research and Medicines am Swiss TPH. In Laborstudien verglichen Forschende des Swiss TPH die Wirkung der beiden Molekülformen auf verschiedene Schistosomenarten und Entwicklungsstadien. Damit lieferten sie die wissenschaftliche Grundlage für die Entwicklung einer gezielteren und kindgerechten Behandlung.
Das Konsortium arbeitete dann daran, die geeignete Dosierung festzulegen, den Geschmack zu verbessern und eine einfach zu verabreichende Formulierung zu entwickeln. Das Ergebnis ist Arpraziquantel: eine auflösbare, kindgerechte Tablette, die auch unter tropischen Bedingungen stabil bleibt.
Von der Evidenz zur Umsetzung Klinische Studien konnten aufzeigen, dass Arpraziquantel für Kinder im Alter von drei Monaten bis sechs Jahren sicher und wirksam ist. Die Ergebnisse unterstützten die regulatorische Zulassung: Das Medikament erhielt 2023 eine positive wissenschaftliche Bewertung durch die Europäische ArzneimittelAgentur (EMA) und wurde 2025 in die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der WHO aufgenommen.
Das Swiss TPH leitete die klinischen Studien in Tansania, Côte d’Ivoire und Kenia in enger Zusammenarbeit mit lokalen
Partnern. Dies erforderte nicht nur die Umsetzung der Studien gemäss internationalen Standards, sondern auch den Aufbau der notwendigen Infrastruktur und die Stärkung von Fachkompetenzen. «Früher gab es für Kinder im Vorschulalter mit Bilharziose keine geeignete Behandlung. Heute verfügen wir über ein geprüftes, wirksames und sicheres Medikament für diese Altersgruppe», sagt Eric Huber, Projektleiter der klinischen Studien am Swiss TPH.
Kinder erreichen
Die letzte Herausforderung bestand darin, die neue Behandlung für Kinder zugänglich zu machen. Im März 2025 wurde in Uganda erstmals ein Kind im Vorschulalter ausserhalb einer klinischen Studie mit dem neuen Medikament behandelt –ein Meilenstein auf dem Weg von wissenschaftlicher Evidenz zur konkreten Verbesserung der Gesundheit von Kindern. Gemeinsam mit Gesundheitsministerien führte das Konsortium Arpraziquantel im Rahmen von Pilotstudien in Uganda, Côte d’Ivoire und Kenia ein. Im Fokus standen dabei die praktische Umsetzung unter realen Bedingungen, die Akzeptanz sowie die Integration in bestehende Gesundheitssysteme.
«Dieser Meilenstein trägt dazu bei, die Behandlungslücke für kleine Kinder zu schliessen und die Eliminierung der Bilharziose als Problem der öffentlichen Gesundheit voranzutreiben», sagt Peter Steinmann, PublicHealthSpezialist am Swiss TPH. Parallel dazu laufen Vorbereitungen, um eine grossflächige Produktion des Medikaments in Afrika zu ermöglichen. Damit sollen ein langfristiger und nachhaltiger Zugang gesichert sowie lokale Produktionskapazitäten gestärkt werden. Die Einführung wird derzeit auf weitere Länder ausgeweitet, darunter Tansania und Senegal. Die Entwicklung von Arpraziquantel – von der frühen Forschung über klinische Studien bis hin zum Zugang – zeigt, wie langfristige Partnerschaften wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Lösungen übersetzen können, die die Gesundheit von Kindern nachhaltig verbessern.
Weitere Informationen über das Pediatric Praziquantel Consortium
Psychische Gesundheit in der Schweizer Landwirtschaft
Schweizer Landwirtinnen und Landwirte produzieren Nahrungsmittel, bewirtschaften Land und tragen eine zentrale Verantwortung für nachhaltige Ernährung und eine gesunde Umwelt – häufig unter hoher Arbeitsbelastung und sich stetig wandelnden Anforderungen. Eine nationale Kohortenstudie zeigt, dass diese Belastungen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, die Lebenszufriedenheit und die finanzielle Sicherheit haben.
R«In der Direktzahlungsverordnung wird immer mehr verlangt, und die Entschädigung dafür wird immer kleiner.
Die Behörden erschweren es zunehmend, den Betrieb weiterzuentwickeln.»
Martin, 32, Landwirt
und 150 000 Menschen arbeiten in der Schweiz in der Landwirtschaft. Sie sehen sich zunehmend mit Herausforderungen durch den Klimawandel konfrontiert sowie durch gesellschaftliche und politische Veränderungen. BurnoutRaten sind bei Schweizer Landwirtinnen und Landwirten höher als in der Allgemeinbevölkerung; männliche Landwirte weisen zudem eine erhöhte Suizidrate im Vergleich zu Männern in anderen Berufsgruppen auf.
Um diese Belastungen besser zu verstehen, lancierte das Swiss TPH die FarmCoSwissKohorte, die erste nationale Gesundheitskohorte zur Landwirtschaft in der Schweiz. Sie umfasst mehr als 870 Landwirtinnen und Landwirte aus dem ganzen Land.
Psychosoziale Belastungen im Fokus
Die bisherigen Ergebnisse zeigen: Landwirtinnen und Landwirte berichten über ein geringeres Wohlbefinden als die Allgemeinbevölkerung, insbesondere in den Bereichen psychische und körperliche Gesundheit, Lebenszufriedenheit und finanzielle Sicherheit. Psychosoziale Risiken wie Schlafprobleme, Stress, Einsamkeit und zwischenmenschliche Konflikte
wurden als besonders belastend für die Gesundheit eingeschätzt. Körperliche Belastungen wie schwere körperliche Arbeit oder der Umgang mit Maschinen sind zwar häufig, wurden aber als weniger schädlich wahrgenommen.
Die Daten zeigen zudem tiefere Werte bei der psychischen Gesundheit von Frauen im Vergleich zu Männern. Dies hängt möglicherweise damit zusammen, dass Frauen häufig sowohl Verantwortung im Haushalt als auch auf dem Hof tragen.
Auch Betriebsgrösse und Bewirtschaftungsform spielen eine Rolle. Landwirtinnen und Landwirte auf den kleinsten Betrieben unter fünf Hektaren berichteten über eine deutlich geringere finanzielle Stabilität, was auf strukturelle Herausforderungen im Sektor hinweist. Während Biobäuerinnen und Biobauern in Bereichen wie psychischer und körperlicher Gesundheit, Lebenszufriedenheit und Sinnhaftigkeit höhere Werte erreichten, schnitten sie bei sozialen Beziehungen etwas tiefer ab.
Auf die Frage, welche Gründe sie dazu bewegen würden, die Landwirtschaft aufzugeben, nannten die Studienteilnehmenden am häufigsten gesundheitliche
Probleme (54%), gefolgt von finanziellen Belastungen sowie politischem und gesellschaftlichem Druck (je 49%).
Gleichzeitig berichteten Landwirtinnen und Landwirte im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung über ein stärkeres Gefühl von Sinnhaftigkeit. Auf die Frage, weshalb sie sich erneut für die Landwirtschaft entscheiden würden, nannten sie am häufigsten die Freiheit, ihre Arbeit selbst zu gestalten (77%), körperliche Arbeit draussen in der Natur (70%) und die Sinnhaftigkeit ihrer Tätigkeit (65%).
Pestizide: ein differenzierteres Bild
Der Einsatz von Pestiziden gehört zu den umstrittensten Themen in der Schweizer Landwirtschaft. In der öffentlichen Debatte werden Landwirtinnen und Landwirte mitunter als Umweltverschmutzende dargestellt. Die Studie zeigt jedoch ein differenzierteres Bild: Landwirtinnen und Landwirte beurteilen Risiken im Pflanzenschutz aktiv und äussern häufig grössere Sorgen um Umweltfolgen als um ihre eigene Gesundheit. Sowohl biologische als auch konventionelle Betriebe begrüssen die Entwicklung weniger gefährlicher Produkte und neuer Technologien, was die Bedeutung eines konstruktiven Dialogs zwischen Landwirtschaft, Gesellschaft und Politik unterstreicht.
Soziale Resilienz stärken
Auf Grundlage der ersten Ergebnisse der FarmCoSwissStudie plädieren die Forschenden für einen mehrschichtigen Ansatz, der Individuen stärkt sowie soziale, strukturelle und politische Rahmenbedingungen berücksichtigt. Dazu gehören etwa Dialogplattformen zwischen Stadt und Land, Kampagnen zur psychischen Gesundheit für Bauernfamilien sowie Informationsangebote, die das Verständnis für die Realität der Landwirtschaft fördern.
Auf politischer Ebene braucht es evidenzbasierte Massnahmen, die nachhaltige und klimaangepasste Landwirtschaftssysteme unterstützen, sowie einen OneHealthAnsatz, der die Gesundheit von Landwirtinnen und Landwirten, Tierwohl und Umweltgesundheit ganzheitlich berücksichtigt.
Eine Stärke der Studie besteht darin, dass die Anliegen und Prioritäten der Landwirtinnen und Landwirte die For

Angesichts der raschen Urbanisierung und des gleichzeitigen Rückgangs der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte ist es zentral, die Gesundheit und das Wohlbefinden jener Menschen zu priorisieren, die zur globalen Ernährungssicherheit beitragen.
schung von Beginn an mitgeprägt haben. Dieses partizipative Modell wurde seither für vergleichbare Studien in Uganda und Südafrika angepasst.
Digitalisierung in der Landwirtschaft
Die nächste Forschungsphase wird den Einfluss von Klimawandel, Bürokratisierung und Digitalisierung auf die psychische Gesundheit untersuchen. Da digitale Technologien wie Robotik, Drohnen oder KIbasierte Anwendungen zunehmend in der Landwirtschaft eingesetzt werden, liegt ein besonderer Fokus darauf, wie sich diese Entwicklungen auf die Arbeit im ländlichen Raum auswirken.
Eine Studie in Uganda untersucht, wie ein WhatsAppChatbot Kaffeebäuerinnen und bauern dabei unterstützen kann, im Arbeitsalltag auf praxisrelevante Informationen zuzugreifen. Eine vergleichbare Studie in der Schweiz ist geplant.
FarmCoSwiss ist Teil des interdisziplinären TRAPEGO-Projekts, das die Transformation der PestizidGovernance in der Schweiz untersucht. Die Studie wurde vom Schweizerischen Nationalfonds finanziert. Die Kohorte wurde von Nicole ProbstHensch initiiert und wird von Samuel Fuhrimann geleitet.
«Trotzdem bin ich zufrieden, weil ich etwas Wichtiges mache und von meinen Kundinnen und Kunden Wertschätzung erhalte.»
Kristin, 58, Biobäuerin
Simulationsbasiertes Lernen gibt Medizinstundent:innen und Gesundheitsfachpersonen die Möglichkeit, praktische Fähigkeiten mit realitätsnahen Puppen und moderner medizinischer Ausrüstung zu trainieren. So können sie klinische Kompetenzen aufbauen, bevor sie Patientinnen und Patienten behandeln.

Schweizerisch-ukrainische Partnerschaft für Resilienz im Gesundheitswesen
Fast drei Jahrzehnte Zusammenarbeit mit ukrainischen Partnern haben es dem Swiss TPH ermöglicht, Gesundheitsdienstleistungen nachhaltig zu verbessern und das Gesundheitssystem zu stärken. Diese langjährige Partnerschaft hat eine Grundlage aus Vertrauen und lokalem Wissen geschaffen, die besonders in dieser von Konflikten geprägten Zeit von entscheidender Bedeutung ist.
Zu Beginn der 2000erJahre war die Mütter und Säuglingssterblichkeit in der Ukraine höher als in Westeuropa. Das Swiss TPH unterstützte Reformen in der perinatalen Versorgung, unter anderem durch aktualisierte klinische Leitlinien, verbesserte Aus und Weiterbildung sowie Investitionen in die Infrastruktur. Diese Massnahmen führten dazu, dass die perinatale Sterblichkeitsrate bis 2009 auf 3 pro 1 000 Geburten gesenkt werden konnte. Heute sind diese Fortschritte weitgehend zunichte gemacht, denn ein grosser Teil der Infrastruktur wurde beschädigt oder zerstört. Die Fruchtbarkeitsrate ist infolge des anhaltenden Krieges, Flucht und Vertreibung sowie des wirtschaftlichen Drucks auf ein Rekordtief von circa 0,9 Kindern pro Frau gesunken.
Kriegsbedingte Unterbrechungen und steigender Gesundheitsbedarf Russlands Krieg gegen die Ukraine hat den Zugang zur Gesundheitsversorgung stark beeinträchtigt, die Belastung durch nichtübertragbare Krankheiten erhöht und zu einem starken Anstieg des Bedarfs an psychischer Gesundheitsversorgung geführt.
65% der Bevölkerung haben nur eingeschränkten Zugang zu Gesundheitsleistungen, unter anderem aufgrund der
Kosten für Medikamente, fehlender Transportmöglichkeiten, Sicherheitsbedenken und Unterbrechungen der regulären Versorgung, beispielsweise bei Impfprogrammen. 27% der Ukrainerinnen und Ukrainer berichten von verzögerten Behandlungen nichtübertragbarer Krankheiten, was zu fortgeschritteneren Krankheitsstadien und schlechteren Behandlungsergebnissen führt. Gleichzeitig geben 88% der Menschen an, unter Symptomen wie Angstzuständen, Depressionen oder posttraumatischem Stress zu leiden.
Das Swiss TPH arbeitet mit nationalen und internationalen Partnern, um diese akuten Herausforderungen zu bewältigen und gleichzeitig die langfristige Entwicklung des Gesundheitssystems zu unterstützen. Bis vor Kurzem setzte das Swiss TPH ein gross angelegtes, von USAID finanziertes Programm um, das die globale Gesundheitssicherheit stärken und essenzielle öffentliche Gesundheitsdienste sicherstellen sollte. Dazu gehörte die Ausstattung regionaler Notfallteams sowie Kampagnen zur Stärkung der routinemässigen Impfungen, mit denen mehr als 58,6 Millionen Menschen erreicht wurden.
Mit dem Ende dieses Programms im Jahr 2025 infolge der Auflösung von USAID wurde deutlich, wie schnell Fortschritte gefährdet sind, wenn langfristige Finanzierungen wegfallen. Dies unterstreicht zugleich, wie wichtig nachhaltige und verlässliche Investitionen sind, insbesondere in fragilen und von Konflikten betroffenen Kontexten.
Systeme wiederaufbauen: Gesundheitspersonal, Rehabilitation und Inklusion Unsere aktuelle Arbeit in der Ukraine konzentriert sich auf das Gesundheitspersonal, die Stärkung des Rehabilitationssystems sowie die Förderung der Rechte von Menschen mit Behinderungen. In Zusammenarbeit mit der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und lokalen Partnern engagiert sich das Swiss TPH für eine patientenzentrierte Weiterentwicklung der medizinischen und pflegerischen Ausbildung. Das ukrainische Primärversorgungssystem leidet unter einem akuten Mangel an qualifizierten und motivierten Gesundheitsfachkräften, was die Qualität der Versorgung erheblich beeinträchtigt.
Das Projekt zur Weiterentwicklung der medizinischen Ausbildung setzt hier an, indem es sowohl die universitäre Grundausbildung als auch die postgraduale
Fachausbildung stärkt. Ein Schwerpunkt liegt auf der kontinuierlichen Weiterbildung von Ärztinnen, Ärzten und Pflegefachpersonen in der Primärversorgung.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Aufbau klinischer Kompetenzen von Medizinstudierenden durch simulationsbasiertes Lernen. So können Studierende praktische Erfahrungen in einer sicheren Umgebung sammeln.
Während des Krieges haben diese Simulationszentren zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Sie dienen nicht nur der Ausbildung von Medizinstudierenden, deren Zugang zu klinischen Einsatzorten stark eingeschränkt ist, sondern auch dem Training von Notfallfachkräften, Militärärzt:innen, Sanitäter:innen sowie der Zivilbevölkerung.
Mit lokalen und internationalen Partnern
Gleichzeitig wird die Kapazität des Gesundheitssystems im Bereich Rehabilitation gestärkt, wo der Bedarf aufgrund kriegsbedingter Verletzungen stark zugenommen hat. Dazu gehört die Förderung von Partnerschaften zwischen ukrainischen und schweizerischen Physiotherapeut:innen und Ergotherapeut:innen, um bewährte Verfahren auszutauschen und Patientinnen und Patienten dabei zu unterstützen, Funktionen wiederzuerlangen und in den Alltag zurückzukehren. Der Ansatz von Swiss TPH verbindet Evidenzgenerierung, Umsetzung und Kapazitätsstärkung und erfolgt in enger Zusammenarbeit mit ukrainischen Institutionen. So wird sichergestellt, dass Massnahmen auf lokale Prioritäten ausgerichtet sind und langfristig wirken. Zu den Partnern gehören Universitäten, Gesundheitsbehörden, Berufsverbände sowie Gesundheits und Sozialdienstleister. Im Bereich Rehabilitation arbeitet das Swiss TPH im Rahmen des TRUE-Projektes eng mit Patients of Ukraine und Protez Hub zusammen. Darüber hinaus arbeitet das Swiss TPH mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), UNICEF Ukraine und der Norwegian Church Aid zusammen.
Über die unmittelbaren Verbesserungen in der Gesundheitsversorgung hinaus stärken diese Aktivitäten die Resilienz der Ukraine. Der Ausbau der Gesundheitsund Rehabilitationsfachkräfte fördert Be
schäftigung und wirtschaftliche Stabilität. Investitionen in Krankheitsüberwachung und öffentliche Gesundheitsfunktionen verbessern die Gesundheitssicherheit, indem sie eine frühere Erkennung und Reaktion auf neue Risiken ermöglichen. Gleichzeitig tragen gezielte Massnahmen dazu bei, dass vulnerable Gruppen den Zugang zu essenziellen Dienstleistungen möglichst behalten.

Vasyl ist ein Patient in Rehabilitation im Regionalspital von IwanoFrankiwsk in der Ukraine. Nach einer schweren Verletzung durch eine Panzerabwehrmine, bei der er ein Bein verlor und das andere schwer verletzt wurde, befindet sich Vasyl seit über einem Jahr in Behandlung und Rehabilitation. Mit Unterstützung eines interdisziplinären Teams hat er begonnen, seine ersten Schritte mit einer Prothese zu machen.
«Das Wichtigste ist, dass die Knochen heilen, damit ich das Bein wieder sicher belasten kann. Danach wird alles andere folgen.»
«Mensch, Tier und Umwelt beeinflussen sich gegenseitig in ihrer
Gesundheit. Der One-Health-Ansatz macht diese Wechselwirkungen sichtbar und schafft damit eine Grundlage für konkretes Handeln, auch in politisch schwierigsten Verhältnissen.»

Chiara Carrara, PhD-Studentin in Epidemiologie und Public Health
Chiara Carrara untersucht antimikrobielle Resistenz (AMR) nicht nur als klinische, sondern auch als soziale, ökologische und politische Herausforderung. Unter Anwendung eines OneHealthAnsatzes stützt sie sich auf Epidemiologie, Anthropologie und Politikwissenschaft, um zu verstehen, wie AMR in vernetzten Systemen entsteht und sich ausbreitet.
Ihr aktuelles Projekt, das in Zusammenarbeit mit der BirzeitUniversität im Westjordanland entwickelt wurde, konzentriert sich auf die Determinanten von AMR in Flüchtlingslagern in den besetzten palästinensischen Gebieten.
Forschungsbesuche vor Ort haben gezeigt, wie politische und strukturelle Rahmenbedingungen den Zugang zu Gesundheitsversorgung und Antibiotika direkt beeinflussen. Eingeschränkte Bewegungsfreiheit und Checkpoints können beispielsweise Menschen daran hindern, medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen, was manche dazu veranlasst, Antibiotika über informelle Netzwerke zu beschaffen. Die Erkenntnisse des Projekts sollen dazu beitragen, die Gesundheitsversorgung und den verantwortungsvollen Einsatz von Antibiotika in humanitären Kontexten zu verbessern.
Gemeinsam für eine gesündere Welt
Partnerschaft steht im Zentrum unseres Handelns. Seit über 80 Jahren arbeiten wir eng mit Forschungsinstitutionen, Regierungen, dem Privatsektor und der lokalen Bevölkerung zusammen, um die Gesundheit weltweit zu verbessern.
2025 arbeiteten wir mit Partnern weltweit an Forschung und Interventionen zu Malaria, Tuberkulose und vernachlässigten Tropenkrankheiten. Wir setzten Programme zur Eindämmung nichtübertragbarer Krankheiten um, erzielten Fortschritte bei der Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen und stärkten OneHealthAnsätze. Diese Herausforderungen erfordern langfristige, sektorübergreifende und lokal verankerte Partnerschaften.
Das Swiss Leading House für Afrika, ein vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) für 2025–2028 erneuertes Mandat, das gemeinsam mit den Universitäten Basel und Bern umgesetzt wird, ist ein Beispiel für dieses langfristige Engagement.
Als assoziiertes Institut der Universität Basel und fest verankert in der Schweizer Bildungs, Forschungs und Innovationslandschaft, überführen wir Wissenschaft in Wirkung – in der Schweiz und weltweit.
416 aktive Projekte
135 Länder
80+ Jahre Partnerschaft
500+ Partnerschaften weltweit
Über
verschiedene Kontinente und Kontexte hinweg engagierte sich das Swiss TPH 2025 von Osteuropa über Afrika bis nach Asien und in die Pazifikregion, stärkte bestehende Beziehungen und erschloss neue Kooperationen.

Südafrika Von links nach rechts: Mirko Manzoni, Schweizer Botschafter; Martina Hirayama, Staatssekretärin SBFI; Jürg Utzinger, Direktor Swiss TPH; Ismail Abodala, Amtierender Direktor der Technology Innovation Agency; Thandi Mgwebi, Stv. Bereichsleiterin, Geschäftsentwicklung bei der National Research Foundation.

China Von links nach rechts: WenFeng Dong, Stv. Direktor, Health Innovation Partnerships, Gates Foundation China; Jürg Utzinger; Eva Herzog, Präsidentin Swiss TPH-Verwaltungssrat; ZhiJie Zheng, Direktor, Gates Foundation China; XiaoNong Zhou, Leitender Wissenschaftler, China CDC; Mathias Kronig, Leiter Operations, Swiss TPH.
Moldau
Seit 2006 arbeitet das Swiss TPH in Moldau, um die Gesundheit von den kleinsten Babys, bis zur älteren Bevölkerung zu verbessern. In ländlichen Gemeinden mit begrenztem Zugang zur Gesundheitsversorgung bekämpft das aktuelle Projekt nichtübertragbare Krankheiten durch Gesundheitskompetenz, bessere Ernährung, Bewegung und integrierte Versorgung. In Zeiten massiver Kürzungen der globalen Gesundheitsfinanzierung zeigt es eindrücklich, was nachhaltige, lokal verankerte Partnerschaften leisten können.
Südafrika
Im Rahmen einer von Staatssekretärin Martina Hirayama geleiteten Schweizer Wissenschaftsmission tauschte sich das Swiss TPH mit dem südafrikanischen Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Innovation, der National Research Foundation, der Technology Innovation Agency sowie führenden Universitäten in Pretoria, Kapstadt und Stellenbosch aus. Die Gespräche unterstrichen den Wert der Vernetzung schweizerischer und südafrikanischer Forschungsökosysteme und stärkten die Rolle der Schweiz in der Wissenschaftsdiplomatie.
China
Von Shanghai über Peking bis Hainan –zur Stärkung einer 30jährigen Partnerschaft. Gemeinsam mit führenden chinesischen Institutionen, der WHO, der FAO und Swissnex stimmte das Swiss TPH Prioritäten in der Bekämpfung parasitärer Krankheiten, OneHealthGovernance und Antibiotikaresistenz ab. In Zeiten von Klimawandel und wachsenden Arzneimittelresistenzen ist sektorübergreifendes, nachhaltiges Engagement entscheidend.
Tschad
Der Tschad hat eine der höchsten Müttersterblichkeitsraten der Welt. Seit 2014 arbeiten das Swiss TPH und das Centre de Support en Santé Internationale (CSSI) mit dem tschadischen Gesundheitsministerium zusammen, um die Gesundheitsversorgung zu stärken und eine gemeindebasierte Gesundheitsfinanzierung zu fördern. Die Unterzeichnung eines Memorandums of Understanding mit dem neuen Institut National de Santé Publique du Tchad eröffnete ein neues Kapitel dieser langjährigen Partnerschaft.
Côte d’Ivoire
In Yopougon bietet ein in Partnerschaft mit Novartis Global Health und dem Centre Suisse de Recherches Scientifiques en Côte d’Ivoire (CSRS) entwickeltes Gesundheitszentrum Grundversorgung und Spezialpflege für die Sichelzellkrankheit, eine der häufigsten Erbkrankheiten in der Region. Das neue Zentrum wurde vom Kanton BaselStadt im Rahmen seiner Städtepartnerschaft mit Yopougon unterstützt. Angesichts des wachsenden Drucks auf die globale Gesundheitsfinanzierung sind innovative öffentlichprivate Partnerschaften wichtiger denn je.
Papua-Neuguinea
Das Swiss TPH und das PNG Institute of Medical Research arbeiten seit den späten 1970erJahren zusammen und haben eine Generation lokal ausgebildeter Forschender hervorgebracht, die heute innovative Gesundheitsforschung in PNG vorantreiben. Ein gemeinsamer Besuch auf Direktorenebene in Goroka und Madang 2025 bekräftigte den gemeinsamen Willen, bestehende Projekte zu vertiefen und neue Forschungsbereiche zu erschliessen.
«Am meisten freut es mich, wenn Teilnehmende nach einer Veranstaltung erzählen, dass sie neue Erkenntnisse gewonnen oder hilfreiche Wege gefunden haben, mit herausfordernden Situationen umzugehen. Das sind Momente, in denen ich spüre, dass unsere Arbeit etwas bewirkt.»

Semira Mathlouthi, HR-Assistentin
Semira Mathlouthi begann 2022 ihre Ausbildung am Swiss TPH und ist seither zu einer wichtigen Ansprechpartnerin für die Weiterentwicklung und Förderung der Mitarbeitenden geworden. Sie war mitverantwortlich für die Lancierung eines Programms, das Mitarbeitende dabei unterstützt, sich sicher in einem komplexen und international geprägten Arbeitsumfeld zu bewegen. Im Fokus stehen dabei Themen wie interkulturelle Kommunikation, Konfliktmanagement, psychische Gesundheit und persönli
ches Wohlbefinden. Ausserdem koordiniert sie das MentoringProgramm des Swiss TPH, an dem seit der Einführung im Jahr 2021 bereits mehr als 100 Mitarbeitende teilgenommen haben. Das Programm bringt Personen aus unterschiedlichen Teams zusammen und schafft einen geschützten Raum für Wissensaustausch und berufliche Weiterentwicklung. Dazu gehört auch Reverse Mentoring, bei dem jüngere Mitarbeitende ihre Perspektiven mit erfahreneren Kolleg:innen teilen.
Organisation
Geschäftsleitung
Prof. Dr. Jürg Utzinger Direktor
Mathias Kronig Leiter Operations
Prof. Dr. Julia Bohlius Leiterin Education
Dr. Alexander Schulze Leiter Implementation
Prof. Dr. Sébastien Gagneux a.i. Leiter Platforms (bis 31. März 2026)
Dr. Christoph Rösli Leiter Platforms (seit 1. April 2026)
Prof. Dr. Jürg Utzinger a.i. Leiter Research (bis 31. Juli 2026)
Prof. Dr. Nicole Ritz Leiterin Research (ab 1. August 2026)
Verwaltungsrat
Dr. Eva Herzog
Verwaltungsratspräsidentin, Ständerätin Kanton BaselStadt
Dr. Rolf Borner
Direktor Infrastruktur und Betrieb, Universität Basel
Dr. Ariane Bürgin Leiterin Hochschulen, Erziehungsdepartement, Kanton BaselStadt
Prof. Dr. François Chappuis Chefarzt Abteilung für Tropenund humanitäre Medizin, Universitätsspital Genf
Prof. Dr. Sabina De Geest Institut für Pflegewissenschaft, Universität Basel (bis 31. Dezember 2025)
Prof. Dr. Christiane Pauli-Magnus CoLeiterin Departement Klinische Forschung, Universität Basel (seit 1. April 2026)
Prof. Dr. Jacques Fellay Leiter des Forschungslabors Human Genomics of Infection and Immunity, EPFL, Lausanne
Dr. Alban Frei
Leiter Hauptabteilung Hochschulen, Bildungs, Kultur und Sportdirektion, Kanton BaselLandschaft
Dr. Lutz Hegemann Präsident Global Health and Swiss Country Affairs, Novartis
Dr. Barbara Wieland Direktorin des Instituts für Virologie und Immunologie, Bern
Dr. Deborah Studer Beisitzerin, Wissenschaftliche Beraterin, Nationale Forschung, Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation, Bern
Prof. Dr. Jürg Utzinger
Direktor Swiss TPH (ex officio)
Mathias Kronig
Leiter Operations, Swiss TPH (ex officio)
Organisation gültig Mai 2026:
Finanzen 2025
98.1 Mio.
Total Finanzierung (2024: 104.9 Mio. CHF)
Finanzierung
Bund: CHF 7.5 Mio.
Universität Basel: CHF 7.1 Mio.
Kanton BaselStadt: CHF 4.2 Mio.
Kanton BaselLandschaft: CHF 4 Mio.
Forschungsmittel
(z. B. SNF, EU): CHF 35.2 Mio.
22.8 Mio.
Kernfinanzierung (2024: 23.1 Mio. CHF)
Lehre (z. B. Kurse für Graduierte): CHF 1.8 Mio.
Zweckgebundene Mittel (SBFI): CHF 2 Mio.
Dienstleistungen für Global Health (z. B. DEZA, Global Fund, Gates Foundation): CHF 24.9 Mio.
Medizinische Dienstleistungen (z. B. Reisemedizin und Diagnostik): CHF 10.2 Mio.
Übriges Einkommen: CHF 1.2 Mio.
75.3 Mio.
Kompetitiv erworbene Drittmittel (2024: 81.8 Mio. CHF)

Forschung und Lehre CHF 61.8 Mio.
36.8% Kernfinanzierung
63.2% Kompetitiv erworbene Drittmittel
77 Prozent unseres Gesamteinkommens stammt aus kompetitiv erworbenen Drittmitteln öffentlicher und privater Geldgeber. 23 Prozent sind Kernfinanzierung vom Bund, den Kantonen BaselStadt und BaselLandschaft und der Universität Basel, die in Foschungsund Lehraktivitäten fliessen.
Vollständiger Finanzbericht 2025
Dienstleistungen CHF 36.3 Mio.
100% Kompetitiv erworbene Drittmittel
Kernfinanzierung
Kompetitiv erworbene Drittmittel
In Mio. CHF; Bandbreite entspricht dem Finanzierungsanteil
Partner und Förderer
• Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit
• Europäische Kommission
• European and Developing Countries Clinical Trials Partnership
• Gavi, the Vaccine Alliance
• Global Fund
• Pharmaindustrie (z. B. Bayer, Merck, Novartis, Roche)
• Schweizerischer Nationalfonds
• Stiftungen (z. B. Gates Foundation, Wellcome Trust)
• UN-Organisationen (z. B. UNICEF, Unitaid, WHO)
Eine Übersicht aller Partner und Förderer auf:
«Es ist ein Privileg, Menschen direkt im klinischen Alltag helfen zu können und gleichzeitig Forschung zu betreiben, die einen positiven Einfluss auf die Gesundheit ganzer Bevölkerungsgruppen hat.»

Roberto Pineda Reyes,
Assistenzarzt und Doktorand
Roberto Pineda Reyes ist sowohl in der medizinischen Versorgung als auch in der Forschung tätig. Als Assistenzarzt am Zentrum für Tropen und Reisemedizin des Swiss TPH berät er Patient:innen zu reisespezifischen Gesundheitsfragen und empfohlenen Impfungen sowie zu allgemeinen Fragen der Tropenmedizin und Reisegesundheit. Parallel zu seiner klinischen Tätigkeit hat er ein Doktorat in Epidemiologie und Public Health begonnen, in dem er die zystische Echinokokkose untersucht –eine durch parasitäre Würmer verur
sachte Zoonose. Sein aktuelles Forschungsprojekt befasst sich mit der urbanen Übertragung dieser vernachlässigten Tropenkrankheit im Hochland von Cusco, Peru. Dabei analysiert er die Übertragungswege des Parasiten von Schafen über Hunde auf den Menschen sowie die Faktoren, die seine Verbreitung begünstigen. Ziel der Studie ist es, wissenschaftlich fundierte Ansätze zur Bekämpfung eines Gesundheitsproblems zu entwickeln, das zahlreiche Gemeinden in dieser Region betrifft.
Konzept und Redaktion:
Layla Hasler
Weitere Beiträge:
Sabina BeatriceMatter, Valérie Busson, Danielle Powell, Anna Siegrist, Eva Herzog, Jürg Utzinger, Swiss TPH Mitarbeitende
Layout und Gestaltung: Studio Neo, Basel
Bildnachweis:
AdobeStockfotos, Max Bär, Nicu Binzari, Olivier Brandenberg, Ifakara Health Institute, Claire Jeantet – Fabrice Catérini / Inediz, Maksym Kozmenko, Justin Makangara/Swiss TPH/ Fairpicture, Kibuuka Makisa/ Candid Local, Gesundheitsministerium Ukraine, Patients of Ukraine, Joachim Pelikan, Danielle Powell, Meera Saxena und Swiss TPH Mitarbeitende.
Umschlagfoto: Science Photo Library
Druck: Gremper AG
Copyright: Swiss TPH, 2026


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