Lebensläufe: Den Lügen auf der Spur 24.10.2011 09:00 Vertrauen ist gut, Kontrolle besser: Das gilt auch bei Lebensläufen von Stellenbewerbern. Denn immer öfter wird hier getrickst. Eine spezialisierte Firma zeigt Schummeleien und Fallgruben. Pascal Meisser Man muss nicht Politiker oder eine Miss Schweiz sein, um einer Unwahrheit im eigenen Curriculum Vitae (CV) überführt zu werden. Der frühere deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg stolperte über Plagiatsvorwürfe in der eigenen Doktorarbeit. "Miss Bschiss" Kerstin Cook, die Miss Schweiz des letzten Jahres, wurde vorgeworfen, die von ihr im CV genannte Universität in England existiere gar nicht - worauf sich Cook in Widersprüche verstrickte. Zwei Beispiele, die zeigen, dass es längst nicht alle mit der Wahrheit so genau nehmen. Auch im Job-Leben greift die Seuche mit dem Lebenslauf-Lügen um sich. Deshalb lassen Firmen bei der Suche nach neuen Arbeitskräften immer häufiger die Dossiers von potenziellen Kandidaten auf Herz und Nieren überprüfen, bevor sie ihnen einen Arbeitsvertrag anbieten. Immer beliebter wird der so genannte "Background Check", bei dem externe Firmen unter anderem die Angaben der Kandidaten in ihren Lebensläufen unter die Lupe nehmen. Zunehmendes Bedürfnis nach CV-Checks "Die Nachfrage nach Curriculum-Vitae-Checks ist in den letzten zwei, drei Jahren deutlich gestiegen", sagt Claude Arato vom Zürcher Informationsrecherchebüro Millwisch & Arato – nicht zuletzt, weil publik gewordene Fälle wie jener von Politiker zu Guttenberg das Thema salonfähig gemacht hatten. Seit fünf Jahren beschäftigt sich der ehemalige Mitarbeiter einer Headhunting-Firma zusammen mit seinem Geschäftspartner Michael Millwisch mit der Suche nach verborgen gebliebenen Informationen. Allerdings sei die Schweiz in dieser Beziehung lange ein Entwicklungsland gewesen, während in USA und Asien solche Praktiken längst gang und gäbe gewesen seien, sagt Arato. Den Grund dafür vermutet er in den engen Verflechtungen im Schweizer Arbeitsmarkt und dem generalisierten Vertrauen. Doch dieses sei in jüngster Vergangenheit aufgebrochen worden. Zudem arbeiten immer häufiger im Ausland aufgewachsene und geschulte Personen in der Schweiz. Für HR-Manager und Personalberater wird es zunehmend schwieriger, Werdegänge und Bildungsabschlüsse zu beurteilen. Anonymisierte reale Beispiele Dass solche Kontrollen notwendig sind, zeigen nachfolgend einige anonymisierte reale Beispiele, die das Büro Millwisch & Arato zur Verfügung gestellt hat. Im Sinne einer besseren Verständlichkeit hat cash den Personen einen fiktiven Namen gegeben.
www.cash.ch | Ringier AG, cash, Dufourstrasse 23, 8008 Zürich
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