Das Klingental erzählt
Vom Kloster zum Kulturort
Museum Kleines Klingental
Christoph Merian Verlag
Das Klingental erzählt
Vom Kloster zum Kulturort
Museum Kleines Klingental (Hg.) Daniel Schneller, Désirée Hess, Salome Bender, Gian Casper Bott, Frank Löbbecke Konzept, Redaktion und Gestaltung Barbara Piatti, Basil Huwyler Christoph Merian Verlag
Chronik
Inhalt 8
Die über das Buch verteilte fortlaufende Chronik zeigt, wie sich das Klingental und seine Umgebung über Jahrhunderte verändert haben.
Vorwort
Schatztruhe Klingental Daniel Schneller
Kloster – Geschichte einer Gemeinschaft 12 Historische Stimme
Wie hätten wohl der Klostergründer oder die letzte Äbtissin ihr Leben beschrieben? Die semifiktionalen Ich-Erzählungen verbinden gesicherte historische Fakten mit erzählerischen Elementen.
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Chronik | 1233–1559 Essay | Werdegang eines Klosters
Kloster Klingental – Gründung, Blütezeit und Auflösung Salome Bender
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Historische Stimme | Klostergründer Walther von Klingen
Ritter mit Herz und Seele Barbara Piatti
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Essay | Klosterbaugeschichte
Grossbaustelle am Rheinufer Frank Löbbecke
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Raumporträt | Grosse Klosterküche
Wo es brodelte und brutzelte Frank Löbbecke
30 Essay
Die Essays vermitteln Hintergründe und Zusammenhänge. Sie erzählen von Ordensgeschichte, Stadtentwicklung, Wirtschaft, Kunst und Religion und zeigen, wie eng das Klingental mit der Geschichte Basels verbunden ist.
Essay | Stadtplanung im Mittelalter
Wie Klöster die Stadt formten Martin Möhle
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Raumporträt | Dachstock
Ein Dachwerk, gebaut für die Ewigkeit Till Seiberth
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Gewusst? | Bucheinbände aus Notenblättern
Recycelte Choräle Barbara Piatti
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Essay | Dominikanerorden
Zwischen Streitgespräch und Mystik Daniel Schneller
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Highlight | Wandgemälde ‹Die Geburt Jesu Christi›
Die Vision einer Heiligen Daniel Schneller
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Raumporträt | Kleines Refektorium
Speisesaal mit Panoramablick Frank Löbbecke
Raumporträt
Die Raumporträts beleuchten einzelne Orte im Kleinen Klingental und deren wechselnde Nutzung – von kleinen Wohnzellen über Klosterküche und Kräutergarten bis zum Dachstock.
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Essay | Nonnen als Geschäftsfrauen
Das Kloster Klingental: Basels beste Bank Annalena Müller
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Raumporträt | Schaffnei
Geschäfte machen im Klosterbüro Frank Löbbecke
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Historische Stimme | Dominikanerin Clara zu Rhein
Mit vollen Händen oder Die Erbschaft einer Nonne Barbara Piatti
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Gewusst? | Gebetbuch
Poetinnen des Glaubens Barbara Piatti
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Essay | Kloster und Klausur
Spaziergang durch eine verschwundene Welt Frank Löbbecke
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Gewusst? | Klingentaler Totentanz
Wenn der Tod zum Tanze bittet Gian Casper Bott
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Gewusst?
Kurze Beiträge laden zum Staunen ein. Dabei geht es um überraschende Funde, ungewöhnliche Objekte und Details, die leicht übersehen werden könnten.
Essay | Euphrosynegrabmal und Mariä Lichtmess
Wie Heilige zu Publikumsmagneten wurden Jeanette Gutmann
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Raumporträt | Pfründnerzellen
Tiny wohnen im Mittelalter Frank Löbbecke
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Historische Stimme | Äbtissin Walpurga von Runs
«Ich gehe nicht!» Barbara Piatti
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Wandel – Geschichte der Umnutzungen 78 80
Chronik | 1559–1929 Highlight | Wiederentdecktes Wandbild
Vielschichtige Geheimnisse Sabine Maurer und Martin Möhle
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Historische Stimme | Zeichner Emanuel Büchel
«Immerhin, ich war rechtzeitig da» Barbara Piatti
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Schnappschuss | Bourbaki-Armee 1871
In Turban und Pluderhosen Barbara Piatti
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Gewusst? | Ein Neubau für das Militär
Kaserne statt Kloster Barbara Piatti
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Schnappschuss | Teiche und Kanäle
Kleinbasels schmutzige Lebensader Barbara Piatti
Schnappschuss
Manchmal genügt ein einzelnes Bild, um eine ganze Geschichte anzustossen. Die Schnappschüsse versammeln prägnante Augenblicke aus der Geschichte des Klingentals, eingefangen auf einer Fotografie oder einem Gemälde.
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Gewusst? | Soziale Räume
Krankenbetten und Kindergewusel Barbara Piatti
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Schnappschuss | Kleinkinderschule
Verschollen und wiederaufgetaucht Désirée Hess
90 Gewusst? | Kochschule
Fabrikarbeiterinnen lernen kochen Désirée Hess
Museum – Geschichte einer Sammlung 94 96
Chronik | ab 1929 Essay | Münsterskulpturen im Klingental
Ein Kosmos aus Stein Gian Casper Bott
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Bildstrecke | Wasserspeier
Groteske Regenspucker
112 Historische Stimme | Denkmalpfleger Rudolf Riggenbach
«Dinge-Dinge» und das dritte Leben des Klingentals Barbara Piatti
114 Raumporträt | Grosses Refektorium
Ein Saal taucht wieder auf Conradin Badrutt
116 Essay | Freilichtmuseum
Das Klingental als Archiv der Verluste Frank Löbbecke
122 Gewusst? | Skulpturentransport
Heilige Fracht Barbara Piatti
124 Highlight | Heinrich und Kunigunde
Prominenz am Münster: das Kaiserpaar Gian Casper Bott
126 Highlight | Der heilige Georg
Drachentöter mit Haltung Daniel Schneller
128 Highlight | Der heilige Martin
Wie ein Bettler zum Baum wurde Daniel Schneller
130 Highlight | Die Heiligen Drei Könige
Der Stern weist den Weg Daniel Schneller
135 Bildstrecke | Chorgestühl
Hölzerne Barmherzigkeit
Bildstrecke
Die Bildstrecken bündeln Aspekte – etwa die Köpfe und Blicke der Skulpturen oder Materialien wie Stein und Holz. Sie ermöglichen visuelle Erkundungen im Detail.
136 Gewusst? | Vogel Gryff
Ein Adler mit Löwenpranken
Highlight
Das Kleine Klingental ist eine Schatztruhe, und einzelne Objekte verdienen besondere Aufmerksamkeit. Die Highlights stellen ausgewählte Kunstwerke, Fundstücke oder historische Zeugnisse vor und liefern Hintergründe dazu.
Barbara Piatti
137 Schnappschuss | ‹Münsterbauhütte› 1988
Erste Hilfe für die Münsterskulpturen Barbara Piatti
138 Schnappschuss | Stadtmodell
Basel im Miniaturformat Barbara Piatti
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139 Highlight | Glücksrad
Aufstieg und Fall am Glücksrad Gian Casper Bott
142 Raumporträt | Klostergarten
Das Kräuterwissen der Klosterfrauen Eva Renz
145 Bildstrecke | Oberflächen und Materialien
Die Farben des Klingentals
Kulturort – Geschichte eines Neuanfangs 148 Chronik | ab 1997 150 Schnappschuss | Luftaufnahme
Ein Kokon am Fluss Raphael Alù
152 Interview | Museumsretter
«Wir sind immer dem Batzen nachgerannt» Felix Eymann
154 Gewusst? | Original, Kopie, Gipsabguss
Die wundersame Vermehrung der Skulpturen Barbara Piatti
156 Highlight | Gipsabguss Rudolf I.
Verborgener König am Rhein Gian Casper Bott
159 Bildstrecke | Köpfe und Blicke
Emotionen, in Stein gebannt
160 Interview | Modellbauer
«Es ist ein dreidimensionales Bilderbuch» Stephan Jon Tramèr
163 Highlight | Klostermodell
Eine Augenweide in 1:100 Stephan Jon Tramèr
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Interview
Menschen, die das Museum geprägt haben oder heute hier forschen, vermitteln, kuratieren und gestalten, ermöglichen einen Blick hinter die Kulissen.
166 Interview | Ausstellungsgestalter
«Die guten Konzepte sind immer sehr einfach» Christian Stauffenegger
168 Highlight | Stückelberg-Wandmalereien
Erwacht aus dem Dornröschenschlaf Daniel Schneller
170 Gewusst? | Fasnachtsküchlein
Eine süsse Spur führt ins Klingental Désirée Hess
172 Highlight | Denkmalpflege und Städtebau
Im Dialog mit der Stadtentwicklung Daniel Schneller
185 Gewusst? | Verein pro Klingentalmuseum
Ohne sie gäbe es das Museum nicht Désirée Hess
186 Schnappschuss | ‹Basel komponiert›
Kammermusik, verbunden mit Basel Daniel Schneller
187 Interview | ‹monuments musicaux›
«Im Museum wird möglich, was im Konzertsaal kaum denkbar wäre» Lea Boesch, Jakob Pilgram und Mischa Sutter
190 Highlight | Blüthner-Flügel
174 Essay | Bauforschung
Bauforschung oder Was Mauern verraten Frank Löbbecke
179 Bildstrecke | Beschläge, Schlüssel, Nägel
Warten auf den Einsatz
180 Interview | Stiftungsratspräsidentin
«Beim Konzert spitzen die Wasserspeier die Ohren» Barbara Schneider
184 Highlight | Architekturzeichnung
Gewaltiges Gewölbe Gian Casper Bott
Ritterhelm, Glocke, Blume und andere ‹Icons› sind den mittelalterlichen Klingentaler Aktenbündeln entnommen. Damit versuchten die Nonnen, ein System in ihre Papierberge zu bringen. In diesem Buch setzen die Zeichen den grafischen Schlusspunkt hinter längere Texte.
Ein Flügel, der besonders klingt Daniel Schneller
192 Bildstrecke | Ausstellungsplakate
Drei Jahrzehnte Kultur im Klingental
194 Schnappschuss | Museumsnacht
Ring frei im Museum! Désirée Hess
Anhang 198 Bildnachweis 200 Impressum
Die ‹Händchenkreatur› entstammt einer mittelalterlichen Handschrift. Sie lädt dazu ein, den vielen Verbindungen zwischen den Beiträgen zu folgen, im munteren Vor- und Zurückblättern.
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Vorwort
Schatztruhe Klingental Zweimal wurde das Klingental geschlossen – nach der Reformation das mittelalterliche Dominikanerinnenkloster, das aufgehoben wurde, und 1996 das Stadtund Münstermuseum aus Spargründen. Aber es ist immer wiederauferstanden – nach der letzten Schliessung vor über dreissig Jahren als Kulturort und als Museum, das der interessierten Öffentlichkeit offen steht und Einblicke in die Geschichte des Münsters, des Klingentals und der Stadt Basel bietet. Das Besondere an den ehemaligen Klostergebäuden ist der ausgezeichnete Erhaltungszustand. Nirgendwo sonst in Basel sind derart gut erhaltene gotische Innenräume in dieser Dichte und dieser Grösse wie hier im Klingental öffentlich zugänglich. Denkmalpfleger Rudolf Riggenbach fürchtete in den 1920erJahren den Abbruch des Klingentals und den Verlust dieses einmaligen Kulturdenkmals. Durch die Gründung des Stadt- und Münstermuseums 1939 als Plattform für die Öffentlichkeitsarbeit
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der Denkmalpflege in Basel gelang es ihm, das Bauwerk zu retten. Heute verfolgt die Museumsleitung das Ziel, das ehemalige Klostergebäude als lebendigen Ort zu erhalten, wo Basler Kunst, Musik und Kultur erlebt werden können. Es ist ein Ort voller Klänge (‹Klingen-Tal›!) und mit einmaliger Atmosphäre, wo Begegnungen mit den Münsterskulpturen auf Augenhöhe ermöglicht werden. Im Klingental können sich Menschen austauschen und inspirieren lassen: Hier finden Debatten und Ausstellungen über Geschichte und Zukunft der Stadt Basel sowie Tagungen und Workshops zur Erhaltung unserer wertvollen Baudenkmäler statt. Das Klostergebäude ermöglicht der Denkmalpflege, eine ideale Vorstellung eines restaurierten Baudenkmals zu vermitteln. Das Museum trägt mit seinen Ausstellungen und Veranstaltungen dazu bei, die Stadt Basel in ihren gewachsenen Strukturen mit ihren historischen Bauwerken besser zu verstehen.
Das vorliegende Buch ist ein farbenreiches Mosaik der wechselvollen Geschichte der Klosterbauten geworden und bringt die Mauern, Räume und Museumsobjekte zum Sprechen. Es freut mich ausserordentlich, dass wir für die Redaktion und Gestaltung des Buches Barbara Piatti und Basil Huwyler gewinnen konnten, die mit grosser Begeisterung und Erfahrung unsere Beiträge inhaltlich bereichert und attraktiv gestaltet haben. Grosser Dank gebührt den ehemaligen und aktiven Mitarbeitenden des Museums Kleines Klingental sowie der Kantonalen Denkmalpflege und den externen Fachleuten, die sich bereit erklärt haben, ihr Wissen über Vergangenes und Gegenwärtiges zu Papier zu bringen. Wir haben uns auch sehr gefreut, dass engagierte Mitstreiterinnen und Mitstreiter aus dem Verein und der Stiftung pro Klingentalmuseum sich zu Wort melden und ihre persönliche Sicht auf das Klingental preisgeben.
Danken möchte ich schliesslich dem Christoph Merian Verlag – das dort gebündelte verlegerische Können ist uns sehr zugutegekommen. Mit vereinten Kräften ist so ein reich bebildertes Lesebuch über die wechselvolle und bewegte Geschichte des Kleinen Klingentals entstanden – vom Kloster zum Museum und Kulturort. Das Kleine Klingental als lebendigen Kulturort zu erhalten, ermöglichen begeisterte und interessierte Menschen, die sich im Verein pro Klingentalmuseum zusammengeschlossen haben und die sich in der Stiftung pro Klingentalmuseum engagieren. Aber es sind auch die Mitarbeitenden des Museums und der Kantonalen Denkmalpflege, die sich mit viel Enthusiasmus und Überzeugung für historische Klosterbauten und einen lebendigen Kulturort einsetzen.
Dr. Daniel Schneller Direktor Museum Kleines Klingental und Kantonaler Denkmalpfleger Basel-Stadt
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Rheinpanorama: Eine der ältesten Ansichten der Klosterkirche Klingental mitsamt Stadtmauer (links im Bild), alter Rheinbrücke und Münster. Ausschnitt aus einer kolorierten Federzeichnung, Zeichner unbekannt (um 1520/29).
Kloster
Geschichte einer Gemeinschaft 1233–1559 Von der Gründung im 13. Jahrhundert bis zur Reformation lebten im Kloster Klingental Generationen von Dominikanerinnen. Hinter den Mauern entstand über fast drei Jahrhunderte eine eigene Welt mit Kirche, Klausur, Werkstätten,
Gärten und Gottesacker. Dieses Kapitel folgt den Spuren der Frauen des Klingentals und erzählt von Glauben und Alltag, wirtschaftlichem Geschick, Konflikten und erstaunlichen Handlungsspielräumen.
Chronik | 1233–1559
Kloster 1233
Gründung des Dominikanerinnenklosters in Häusern (Elsass).
ab 1270 1274 1356
1256
Grundstücke und Gebäude am Kleinbasler Rheinufer werden gekauft.
Walther von Klingen nimmt die Gemeinschaft in Wehr (Schwarzwald) auf und wird ihr wichtigster Förderer und Namensgeber.
Übersiedlung der Nonnen nach Kleinbasel. Das neu gebaute Kloster Klingental wird bezogen.
1293
Weihe von Kirche und Friedhof; Ausbau der vollständigen Klosteranlage.
Das Basler Erdbeben richtet grosse Schäden in der Stadt und im Umland an; das Kloster Klingental bleibt weitgehend verschont.
um 1400
Blütezeit: 52 Schwestern leben im Kloster.
1429 1480–1482 1529 1559
1524 Basel wird reformiert, der Bildersturm erreicht die Kirchen und Klöster.
1557
Die letzte Chorfrau, Ursula von Fulach, verlässt das Klingental, ausgestattet mit einer Leibrente.
S. 78 setzt sich die Chronik fort, mit dem Kapitel ‹Wandel›.
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Reformwirren: Vertreibung, Rückkehr der Schwestern. Umwandlung des Klosters in ein Augustiner-Chorfrauenstift.
Der erste Reformversuch des Dominikanerordens scheitert am Widerstand der Klingentaler Nonnen.
Erste Schwestern verlassen das Klingental.
Die letzte Äbtissin, Walpurga von Runs, stirbt.
→ Drei Dominikanerinnen. Detail aus dem ‹Tösser Schwesternbuch› (um 1460).
Essay | Werdegang eines Klosters
Kloster Klingental – Gründung, Blütezeit und Auflösung Salome Bender
Das Kloster Klingental entstand nicht aus dem Nichts. Bevor ab 1270 am Kleinbasler Rheinufer ein neues Kloster geplant und gebaut wurde, lagen Jahrzehnte des Aufbruchs, der Unsicherheit und mehrere Ortswechsel hinter den Dominikanerinnen. Aus dieser bewegten Vorgeschichte entwickelte sich das Klingental zu einem der reichsten und einflussreichsten Klöster Basels. Seine Bewohnerinnen verwalteten Besitz, verteidigten Privilegien und prägten das Leben der Stadt selbstbewusst mit – bis zum Ende des Klosters in der Reformationszeit. Das 13. Jahrhundert ist von einer tiefgreifenden Frömmigkeitsbewegung geprägt. In diesen Zusammenhang fällt 1233 auch die Gründung des Klosters Häusern im Elsass, des späteren Klosters Klingental. Der Lokaladel stiftet dem Kloster eine Kapelle, den Friedhof von Häusern sowie Ländereien als eine Art ‹Starterpaket› in eine selbsttragende Existenz. Trotz der geglückten Gründung erwarten die Dominikanerinnen in Häusern unruhige Zeiten. 1250 stirbt Friedrich II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Darauf folgt ein Machtvakuum, da sich in den
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gewalttätigen Kämpfen um die Nachfolge zunächst kein neuer Herrscher durchsetzen kann. Auch das Gebiet rund um das Kloster Häusern ist ab 1250 umkämpft. Die Nonnen ziehen sich deshalb in das nahe gelegene Dorf Pfaffenheim zurück und sind nun ‹obdachlos›. Ohne voll ausgestattete Kirche und ohne Klausur, die ihre Abgeschiedenheit und ihren Reinheitsstatus garantiert, können sie keinem geregelten Ordensalltag nachgehen. Ein Ritter rettet die Nonnen Ritter und Minnesänger Walther von Klingen wird auf die missliche Lage der Nonnen aufmerksam. Er will ohnehin den Ort Wehr im Schwarzwald zu seinem neuen Herrschaftszentrum ausbauen. Zu seinen Plänen gehört auch ein familieneigenes Kloster. Und so gewährt er den Nonnen aus Häusern nicht nur Zuflucht, sondern stattet sie ab 1256 auch mit Gütern und Privilegien aus. Wohl aufgrund dieser Schenkungen wird die Klostergemeinschaft nach ihrem grosszügigen Stifter von nun an Klingental genannt. S. 22 – Ritter Walther von Klingen erzählt, was sein Kloster mit Jenseitsvorsorge zu tun hat.
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Basel
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Wehr
Häusern
Es wird schon wieder ungemütlich Walther von Klingen verliert jedoch nach dem Tod seines letzten Sohnes das Interesse an Wehr als Sitz seiner Dynastie. Nächster Herr über die dortigen Ländereien wird Graf Rudolf von Habsburg, vermutlich hat er Wehr und Umgebung von Walther von Klingen gekauft. Damit rücken neue Unruhen in unmittelbare Nähe der Schwestern. Der Bischof von Basel macht nämlich Rudolf den Landbesitz rund um Wehr streitig. Schon vor 1270 müssen die Nonnen damit begonnen haben, einen erneuten Ortswechsel zu planen. Sie kaufen einige Gebäude am Rheinufer im Gebiet der noch jungen
Der Weg der Nonnen: Von Häusern im Elsass über Wehr im Schwarzwald zogen die Dominikanerinnen nach Kleinbasel. Im Hintergrund liegt die Regionalkarte von Sebastian Münster (1538, Ausschnitt).
Stadt Kleinbasel. 1273 wird Rudolf von Habsburg zum König des Heiligen Römischen Reiches gewählt, und die Nonnen ziehen 1274 definitiv nach Kleinbasel. Als Parteigänger Rudolfs von Habsburg hat Walther von Klingen den Umzugsplan wahrscheinlich gebilligt. Und er selbst zieht nach Basel, um dort seinen Lebensabend zu verbringen. Auf seinen Wunsch hin wird er nach seinem Tod (um 1284) im Kloster Klingental bestattet. Seine Frau Sophie (gestorben 1291) und die drei Töchter Clara von Baden, Katharina von Pfirt und Verena von Veringen finden ebenfalls im Klingental ihre letzte Ruhestätte.
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↑ Im Vordergrund die Kleinbasler Stadtmauer, rechts unten der Chor der Klosterkirche Klingental. Ein Ausschnitt aus der Gesamtansicht von Gross- und Kleinbasel von Nordosten, aus der Weltchronik von Hartmann Schedel (1493, Ausschnitt).
↑ Das Kloster Klingental besass Rebberge, Äcker und Höfe weit über Basel hinaus. Erhaltene Grenzsteine mit der eingemeisselten Wappenfigur der Glocke im Kirchhof von Muttenz erinnern an diesen ausgedehnten Grundbesitz.
→ Ein Eintrag im Klingentaler Jahrzeitbuch (15. und frühes 16. Jahrhundert). Erwähnt wird Walther von Klingen, der wichtigste Förderer des Klosters. Seit seinem Tod um 1284 wird alljährlich für sein Seelenheil gebetet.
Das Klingental wird gebaut Am Rheinufer wird ab 1270 der Bauplatz vorbereitet. Der Gründungsbau mit Dormitorium (Schlafsaal), Klosterküche und Refektorium (Speisesaal), das Kleine Klingental, entsteht in der Nordwestecke der Kleinbasler Stadtmauer. Diese Bereiche sind nach einer kurzen Bauzeit schon ab 1274 bewohnbar. Nördlich des Kleinen Klingentals wird in einer Erweiterung der Stadtmauer das Grosse Klingental mit Kirche, Kreuzgang, grosszügigen Unterkünften für die Nonnen sowie Krankenhaus und Badestuben errichtet. Ein
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Klostergarten wird angelegt. Die Kirche wird 1293 vollendet und zusammen mit dem gesamten Konvent der Gottesmutter Maria geweiht. Durch einen Lettner ist sie in Leutkirche und Chor geteilt. In der Leutkirche dürfen die nicht in der Klausur lebenden Klosterangehörigen, also auch Laienbrüder und -schwestern, Bedienstete und Auswärtige, am Gottesdienst teilnehmen. Zum Chor hingegen haben nur die Klosterschwestern und die Priester Zutritt. Dort feiern sie Gottesdienste und die Stundengebete, deren Anzahl über die Jahrhunderte variiert.
Blühender Mikrokosmos Die Schwestern ziehen nun in diesen Klausurbereich des Klosters um. Im Kleinen Klingental werden die Laienbrüder untergebracht. Diese haben zwar ein Gelübde abgelegt, besitzen aber nicht denselben Status wie theologisch gebildete Mönche. Sie sind für die zahlreichen Gewerbe des Klosters, wie die Mühlen, die Werkstätten, die Küche und Herberge, sowie für die Verwaltung des Klosterguts verantwortlich. Besitz und Reichtum des Klingentals wachsen durch zahlreiche Schenkungen und den ausgeprägten Geschäftssinn der Schwestern kontinuierlich. Zum Kloster gehören Rebberge und Ländereien im Basler Umland, etwa in Muttenz, im Elsass und im Breisgau. In Basel kommen einträgliche Liegenschaften hinzu. Im Monopoly des Mittelalters erwerben die Klingentaler Nonnen Meisterinnenschaft. Das Kloster wird in der Folge rasch zu einem der reichsten in der Stadt. Klostermütter und Klostertöchter Der Alltag der Schwestern ist von ihren religiösen und erzieherischen Aufgaben sowie ihren Klosterämtern geprägt. Zentral ist das Gebet für die Lebenden und Verstorbenen, wofür die Schwestern zahlreiche Stiftungen entgegennehmen. Zu festgelegten Zeiten beten sie im Chor der Klosterkirche die Stundengebete oder feiern Messen, um besonders hoch in Gottes Gunst zu stehen. Als Nachwuchs nehmen sie Mädchen im Alter zwischen fünf und zehn Jahren auf. Das Eintrittsgeld beträgt in der Regel 100 Gulden, was sich nur Angehörige der Aristokratie und des städtischen Patriziats leisten können. Die meisten Klin-
gentalerinnen stammen dementsprechend aus den führenden Basler Familien. Das Kloster ist deshalb nicht nur ein religiöser Ort, sondern eng mit den politischen und wirtschaftlichen Eliten der Stadt verflochten. Viele Ratsherren haben Töchter, Schwestern oder Verwandte im Klingental. Über die Aufnahme neuer Mitglieder entscheiden immer die Klingentalerinnen selbst. Bischöfe, Priester und andere hochgestellte Personen können allerdings um Aufnahme einzelner Frauen oder Mädchen bitten. Jedem ankommenden Mädchen wird eine Nonne als ‹Ersatzmutter› zugeteilt, die für ihre Erziehung verantwortlich ist. Eine solche Klostermutter kann ihrer Klostertochter ihren Privatbesitz vererben. Sie bewohnen gemeinsame Zellen und pflegen Beziehungen bis ins hohe Alter. Die Mädchen legen im Alter von zwölf Jahren Profess ab: die drei Gelübde der Armut, Keuschheit und des Gehorsams. Neben den Schwestern und Laienbrüdern gehören Laienschwestern, Knechte, Mägde sowie Pfründnerinnen und Pfründner zum Kloster. Letztere sind Personen, die ihr Vermögen dem Kloster vermachen und im Gegenzug eine lebenslängliche Versorgung im Alter oder bei Krankheit erhalten. Sie sichern sich auch einen Platz im Jahrzeitbuch. Darin sind alle Personen vermerkt, die die Schwestern in ihre Totengedenken miteinschliessen. Hierarchien und wichtige Ämter Dem Kloster steht eine Priorin vor (und als das Kloster 1482 zum Stift wird, eine Äbtissin), die von Ratsschwestern unterstützt wird. Zu diesen gehören auch die Amtsschwestern, darunter die Jahrzeit-
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Lebenslustige Nonnen Anfang des 15. Jahrhunderts werden Klagen über die lasche Einhaltung der klösterlichen Gelübde laut. Die Dominikaner wollen ihre Klöster entsprechend ‹reformieren›. Bei Frauenklöstern geht es dabei besonders um die Einhaltung der Gelübde Armut, Keuschheit und Gehorsam sowie um die Klausur und um den Verzicht auf Privatbesitz. Die Klingentalerinnen geniessen aufgrund ihres hohen sozialen Status allerdings viele Privilegien. Dazu gehört zum einen Privatbesitz, wie reich ausgestattete Wohnzellen oder Schmuckstücke. Unterweisungen: Johannes Meyer zeigt in seinem ‹Buch der Ämter› Aus Sicht der Klingentalerinnen genügt (1483) eine Novizenmeisterin, die es für das Gelübde der Armut, ihren eine junge Schwester unterrichtet. Besitz nur innerhalb des Konvents zu vererben. Zum anderen pflegen die Nonnen einen lockeren Umgang mit der meisterin, die die Einnahmen aus den Klausur. Sie besuchen Verwandte und Jahrzeitstiftungen verwaltet: Geld, das Bekannte in der Stadt oder empfangen für die Totengedenken gespendet wird. Die Küsterin ist für die liturgischen Berei- Gäste im Kloster. Die Klingentalerinnen dürfen weiblichen Besuch innerhalb der che, darunter Chor, Sakristei und Kirchhof verantwortlich. Ihr obliegt die Pflege Klausur, männlichen nur ausserhalb der Klausur empfangen. 1460 soll eine der wertvollen liturgischen Geräte wie Messkelche, Bücher und Altartücher. Für Nonne sogar ein Kind geboren haben. die wirtschaftliche Leitung des gesamReformwirren ten Klosterbetriebs ist die Schaffnerin zuständig, für die Verwaltung der Getrei- Dank ihrer einflussreichen Position in der Stadt widersetzen sich die Klingendezinsen die Kornhausmeisterin. Die talerinnen den Reformbestrebungen der Schwestern werden in auswärtigen Dominikaner 1429 mit Erfolg – die PriviAngelegenheiten und vor Gericht durch legien sind erst einmal gerettet. Mit einen Schaffner vertreten. Die JahrzeitErlaubnis des Papstes stellen sie sich stiftungen und die Buchhaltung sind 1431 sogar unter die Aufsicht des Bischofs vermutlich in der Schaffnei verzeichnet von Konstanz. worden. Einige, aber wohl nicht alle Trotzdem folgen zwischen 1431 und 1477 Klingentaler Schwestern müssen entweitere Reformversuche. Unterlegt wersprechend lesen, schreiben und rechnen den diese von polemischen Parolen. So können. Ende des 14. Jahrhunderts sollen die Nonnen regelmässig die Frühleben 52 Schwestern im Kloster – ein messen verschlafen und sogar ihre HausHöchststand.
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Zeitgenössische Abbildungen von Dominikanerinnen sind selten: GesangbuchDetail aus einem niederländischen Frauenkloster (um 1330). Oben die Verkündigung, unten die Ordensschwestern.
für den Austritt und erhalten ihren Besitz zurück. Viele der Nonnen begeben sich in der Folge zu ihrem alten Wohnsitz Wehr. Reformschwestern aus dem Elsass übernehmen nun das Kloster. Doch bald stellt sich heraus, dass die Elsässer Reformnonnen wesentlich besser im Beten als im Wirtschaften sind. Über ihr hervorragendes Beziehungsnetzwerk organisieren die ‹alten› Klingentalerinnen Die Vertreibung der Nonnen eine ‹Widerstandsgruppe›, zu der der Im Januar 1480 ziehen die Dominikaner Erzherzog von Österreich, der Bischof mit einer Delegation zu den Klingentavon Konstanz sowie eine Mehrzahl der lerinnen, um die Reform durchzusetzen. eidgenössischen Stände gehören. 1482 Doch die Schwestern wehren sich lauterhalten die Klingentalerinnen aus Rom stark und drohen, das Kloster anzuzündie Bestätigung eines neuen Vertrags. den. Nachdem gutes Zureden nichts nützt, setzen die Prediger die Reform mit Sie dürfen in ihr Kloster zurückkehren Gewalt durch. Die Schwestern werden in und werden direkt dem Papst unterstellt. ihre Zellen gesperrt, alle Rechte und Nach ihrer Lossagung von den PredigerÄmter werden ihnen entzogen. Schliess- mönchen sind die Schwestern nun ein lich wird zwischen der Reformpartei und Augustiner-Chorfrauenstift und kehren den Nonnen ein Vertrag ausgehandelt. im Herbst 1482 triumphierend in ihr Die Schwestern können wählen: sich der Kloster zurück, um die Reformschwestern zu vertreiben. Reform beugen oder das Kloster verlassen. 37 Klosterfrauen entscheiden sich tiere mit in den Gottesdienst nehmen. Die Basler Ratsherren und der Bischof von Konstanz greifen trotzdem nicht ein, da sie wirtschaftlich vom Kloster profitieren. Erst die Zustimmung des Papstes zur Reform des Klingentals bringt den Reformbefürwortern 1477 auch Unterstützung der Ratsherren ein.
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Geblieben ist das Archiv Von der ehemals so reichen Ausstattung des Klosters haben sich nur ganz wenige Objekte in unsere Zeit retten können – die Statuettengruppe der heiligen Ursula, ein prächtiger Wirkteppich und Handschriften wie das Gebetbuch der Margret Zschampi. Weshalb wissen wir dennoch so viel über das Kloster? Das verdanken wir einerseits der Bauforschung und Das Siegel des Klosters andererseits dem Umstand, dass ausserKlingental mitsamt gewöhnlich viele Rechnungs- und ZinsBasler Wappen und bücher, teils mit Siegel versehene UrkunKlingentaler Glocke. den und andere Dokumente erhalten geblieben sind. Der sorgsame Umgang Das Ende des Klosters mit den Akten war für die RechtsnachNach der Rückkehr engagieren sich die folge entscheidend, denn das Kloster Stiftsdamen im Ausbau ihres Konvents. wurde ja fortan von der Stadt verwaltet. Etwas mehr als vier Jahrzehnte bleiben Die Akten sind in 125 Schachteln verpackt ihnen noch. Erst die Reformation setzt dem herrschaftlichen Leben der Klingen- und in 35 Bände gebunden. Total ergibt das 14,5 Laufmeter ‹Kloster Klingental› talerinnen ein endgültiges Ende. Die im Staatsarchiv Basel-Stadt – ein unerBasler Ratsherren empfehlen den Nonschöpfliches Reservoir für die Forschung. nen 1524, aus dem Kloster auszutreten und sich auszahlen zu lassen, was vierzehn Schwestern auch tun. Der Übergang des Klosters an die Stadt ist fliessend. Bis zu ihrem Tod 1557 amtet die letzte Äbtissin Walpurga von Runs. S. 48 – Ein Blick in die Klingentaler 1559 verlässt Ursula von Fulach als Zinsbücher zeigt, dass die Nonnen ausallerletzte Nonne das Kloster. gezeichnete Geschäftsfrauen waren. ← Schreiben an den Generalmeister des Dominikanerordens Salvus Casseta, Basel, in dem sich die Elsässer Reformnonnen im Kloster Klingental über den Reformverlauf beschweren (1482). → Das Kloster Klingental, von Norden gesehen. Ausschnitt aus Emanuel Büchels ‹Prospect der Statt Basel von Seiten der kleinen Statt› (um 1743/1747).
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Historische Stimme | Klostergründer Walther von Klingen
Ritter mit Herz und Seele Barbara Piatti
Oh, ein Bild von mir, aber mit geschloswill Kinder. Ich habe auf meinen Reisen senem Visier! Rechts, das bin ich, bei fromme Frauen getroffen, die ihr Leben einem Turnier, mit dem Pfauenfederganz Gott widmen wollen. Diese Frauen schmuck als Helmzier. Und dem Löwenbrauchen Schutz, sie brauchen einen wappen. Das macht was her, nicht wahr? sicheren Ort ganz für sich. Sie wollen Ich habe damals gewonnen, das sieht beten, arbeiten und ein friedliches Leben man ja. Aber vielleicht sollte führen, hinter Mauern, ich mich erst einmal vorstelmit Räumen zum Essen, len: Ritter Walther von Klin«Diese Frauen brauchen zum Schlafen, vielleicht gen mein Name, ich besitze sogar mit einer SchreibSchutz, sie brauchen Ländereien diesseits und einen sicheren Ort ganz stube, mit einem Garten. jenseits des Hochrheins, Da kann ich helfen. Denn für sich.» darunter Schloss Klingnau, ich besitze alles Nötige dort nehme ich zuweilen dazu: Geld und Land. Vor Wohnsitz. Ich bin reich, ich habe Einfluss, einigen Jahren habe ich im Wehratal ein ich habe Beziehungen. Ich bin ein enger Kloster gegründet, einen Zufluchtsort im Vertrauter des Königs, Rudolf von Habs- Wald. Doch ein Bleiben war meinen burg – nicht viele können das von sich Schutzbefohlenen dort nicht vergönnt. behaupten. Schon über fünfzig Jahre alt Unruhe hat diese heilige Stätte ergriffen, bin ich. In zahlreichen Kämpfen habe ich Gefahr hat von aussen gedroht. Meine tapfer gefochten. Und ich habe Lieder Nonnen haben sich, notgedrungen, nach geschrieben, Lieder, die die Schönheit einem neuen Bauplatz umsehen müssen – und Klugheit der Frauen besingen. Minne und haben ihn gefunden, in Basel, am eben, ich bin auch ein Minnesänger. Ufer des Rheins. Die Mauern sind rasch Kennt ihr das hier? «Ach, got! wie brinnet in die Höhe gewachsen. Mächtige mir min herze / nach der lieben frowen Eichenstämme sind zusammengebunmin / noh mere danne tusent kerze! / ach, den und rheinabwärts zur Baustelle got! wan solde ich bi ir sin?» Schön, fingeflösst worden. Für den Dachstuhl, der det ihr nicht auch? Zweifellos eines meisich über dem Schlafsaal der Nonnen ner besten Lieder. Frauen! Ach, ich verwölbt. Bald, sehr bald ist alles bereit für ehre Frauen, nicht zuletzt meine eigene, den Einzug der Klingentalerinnen. Denn die unvergleichliche Sophie … Aber nicht Klingental wird das Kloster heissen, wie jede Frau will heiraten, nicht jede Frau schmeichelhaft für mich! Die Frauen
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werden sich dort einrichten, sie leben nach strengen Regeln. Dominikanerinnen sind es. Die Klosterkirche … nun, sie wird noch geplant, das ist eine grössere Sache … So, und etwas will ich euch noch verraten, ganz unter uns: Also, vollkommen uneigennützig ist meine Unterstützung der frommen Frauen
«Ich bin Stifter, wer stiftet, tut Gutes für das Leben nach dem Tod, sozusagen für sein Sparbüchlein im Jenseits.» dann doch nicht. Ich bin Stifter, wer stiftet, tut Gutes für das Leben nach dem Tod, sozusagen für sein Sparbüchlein im Jenseits. Wenn ich dereinst sterben werde – und so fern ist der Tag wohl nicht mehr –, dann kommt mir diese Klosterstiftung zugute, sie wird mir angerechnet. Meine Nonnen im Klingental, sie werden immer für mich und mein Seelenheil beten … – Walther von Klingen, Gründer und Stifter des Klosters Klingental (1220–1284). Hoch zu Ross, Visier geschlossen. Ein Porträt des Ritters und Minnesängers Walther von Klingen in Turnierrüstung ist in der berühmten Liederhandschrift ‹Codex Manesse› (um 1300) zu finden. Davon inspiriert, hat der wissenschaftliche Illustrator Joe Rohrer eine neue Darstellung geschaffen (2020).
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Essay | Klosterbaugeschichte
Grossbaustelle am Rheinufer
Frank Löbbecke
Innerhalb weniger Jahrzehnte entstand am Kleinbasler Rheinufer eine der grössten Klosteranlagen der Region – mit Kirche, Kreuzgang, Klausur, Wirtschaftshof und Gärten. Archäologische Befunde, Bauuntersuchungen und historische Quellen erlauben heute, diese Entwicklung Schritt für Schritt nachzuvollziehen.
in den gerade fertiggestellten Bau zwischen Teich und Rhein. Er ist im Grundriss L-förmig, mit dem kürzeren Flügel direkt am Rheinufer und dem längeren parallel zur geplanten Klosterkirche. Dieser erste Bau bildet heute den Kern des Kleinen Klingentals. Die Stadtmauer wird nun als Rückwand des Klosterbaus genutzt.
Das Dominikanerinnenkloster Klingental ist in mehreren Schritten gewachsen, wie bei Bettelorden üblich – gebaut wird, wenn Geld vorhanden ist. Bei den Klingentalerinnen geht das allerdings erstaunlich schnell: 1270 werden erste Grundstücke im Nordosten der jungen Stadt Kleinbasel gekauft: drei Mühlen und eine Säge am Hinteren Teich, dem nördlichen Gewerbekanal, sowie ein im Bau befindliches Steinhaus. Drei Jahre später wird das Areal mit weiteren Grundstücken am Rhein vergrössert. Und 1274 ziehen die Nonnen schon von Wehr am Hochrhein
Die Stadt erweitern Dann werden Parzellen vor der Stadtmauer gekauft, es wird mit Stadtrat und Schultheiss verhandelt. 1278 erhält der Konvent das Recht, auf eigene Kosten die ‹uzzeren mure› zu bauen, die einzige Stadterweiterung Kleinbasels im Mittelalter. Man darf sich die Verhandlungen wie heute bei der Ansiedlung eines solventen Investors vorstellen: Beide Seiten stellen Forderungen, und am Ende kommt hoffentlich ein annehmbarer Kompromiss heraus. Die junge Stadt bekommt ein vorgeschobenes, mit zwei Ecktürmen gesichertes Bollwerk, die Nonnen erhalten ein grosszügiges Areal. Neben den Konventsbauten ist nun auch Raum für Küchen- und Kräutergärten und weitläufige Obstwiesen. In dem bisherigen Mauerring hätte die grosse Kirche samt Klausur keinen Platz gefunden – zumal mit den Franziskanern (am Standort des späteren Claraklosters) schon ein Bettelorden in der Stadt angesiedelt war.
Gotisches Schlitzfenster aus dem Gründungsbau von 1274 im Erdgeschoss des Nordflügels, später zugemauert.
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1280
1510
Eine Kirche, so gross wie das Münster Auch die Kirche wird rasch fertiggestellt: Nach einer massiven Aufschüttung des zuvor zum Rhein abfallenden Baugeländes werden der Chor (Dachwerk 1289) und anschliessend das westlich anschliessende Langhaus errichtet (1291). Geweiht wird die Kirche 1293. Der Sakralbau ist sehr gross, seine Länge
↑ Die Geschichte des Klosters Klingental, verdichtet in zwei Zeitfenstern: oben kurz nach der Fertigstellung des Gründungsbaus um 1280, unten um 1510, zwei Jahrzehnte vor der Reformation, die das Klosterleben beenden sollte. Rekonstruktionsdarstellungen nach dem Klostermodell von Stephan Jon Tramèr.
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von 71 Metern entspricht jener des Basler Münsters! Grösse und Baufortschritt sprechen dafür, dass die Klosterfrauen über erhebliche Geldmittel verfügt haben, und tatsächlich gilt das Kloster als das reichste in Basel. Das Kloster wächst Beim Bau der Kirche ist der Kreuzgang samt Klausur zumindest schon mitgeplant, denn die Lage der Türen, Fenster und Gänge verrät einen klaren Gesamtplan. Der Kreuzgang ist das Herz der Klausur. Um ihn gruppieren sich im Erdgeschoss die Gemeinschaftsräume wie der Kapitelsaal und das Refektorium mit benachbarter Küche. Im Obergeschoss liegt das Dormitorium, später in privatere
Einzelzellen unterteilt. Der Bau von Kreuzgang und Klausur ist nicht datiert; von ihm sind nur noch archäologische Relikte vorhanden. Er dürfte aber um 1300 schon nutzbar gewesen sein. Mit dem Umzug der Nonnen vom ‹alten tormenter› zum neuen Dormitorium ist die Teilung des Klosterbezirks in Laienund Klausurbereich abgeschlossen. Mühle und Sägerei sowie weitere Bauten wie das Haus der vom Kloster angestellten Priester (‹Beichtigerhaus›) oder das des Bannwarts bilden nun den vorgelagerten Wirtschaftshof, den Bereich der für das Kloster arbeitenden und zum Teil dort wohnenden Handwerker und Verwalter. Zu diesem sogenannten ‹frowen hove vom klingendal› gehört auch der
Garten
Baumgarten
1274 1293 um 1300 14. Jahrhundert 15.– 16. Jahrhundert 18. Jahrhundert 19. Jahrhundert – heute
❶ Refektorium (1274/umgebaut um 1500) ❷ Küche (1274 /umgebaut 14.–15. Jh.) ❸ Durchgang/Treppe (1274 / umgebaut 14.–15. Jh.) ❹ Lager (1274) ❺ Rheinflügel (1274 / erweitert 1508) ❻ Chor (1285–89, Weihe 1293) ❼ Leutkirche (1288–91, Weihe 1293) ❽ Katharinenkapelle (Ende 13. Jh.) ❾ Klausur + Kreuzgang Anfang (um 1300) Ecktürme Stadtmauer (Ende 13. Jh.)
Euphrosynegrab (Anfang 14. Jh.) Schaffnei (1347) Kapelle (15. Jh.) Priorinnenhaus (2. Viertel 15. Jh.) Sakristei (1441–1445) Totenleuchte (1520) Ziehbrunnen Färberhaus (vor 1738, erweitert 1751) Schopf (18. / 19. Jh.) Kaserne (1860–1863)
Garten
Klausur
Kirche
Rhein
Kleines Klingental
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Teich
Bau von 1274. Das alte Dormitorium wird Neue Nutzungen in alten Mauern vermutlich von den Laienbrüdern, den Die religiösen Veränderungen, die mit Konversen, als Schlafraum genutzt. Spä- der Reformation in Basel Einzug hielten, ter kommen immer mehr Pfründner und waren gross, die baulichen Auswirkungen Pfründnerinnen dazu – Menschen, die an dagegen überschaubar. Das Langhaus das Kloster stiften und im Gegenzug ein der Klosterkirche wurde zu einer reforlebenslängliches Recht auf Wohnen und mierten Kirche umgebaut, während der Betreuung erhalten. 1347 wird ein zweiChor zum mehrstöckigen Lagerhaus geschossiges Gebäude mit Satteldach mutierte. Neue Nutzungen zogen in alte angefügt: die Schaffnei. Und 1508, kurz Hüllen, so dass der Merian-Plan von vor dem Ende des Klosterlebens, wird 1615/17 noch weitgehend den spätmitder Flügel am Rhein verlängert und telalterlichen Zustand zeigt. Allerdings aufgestockt. Dabei werden das alte Pfört- deutet der Teileinsturz der rheinseitigen chen zum Rhein und der Teichausfluss Kloster- und Stadtmauer 1551 auf manüberbaut und im Obergeschoss ein präch- gelnden Bauunterhalt hin – ein Problem, tiger, holzvertäfelter Saal eingebaut. das bis zum 20. Jahrhundert bestehen bleiben sollte. Ein Lebensraum mit klaren Grenzen Von diesem den irdischen Belangen Abrisse und Umbau gewidmeten Klosterbereich ist die KlauErst in den folgenden Jahrhunderten griff sur durch eine Mauer abgetrennt. In der man stärker in die Bausubstanz ein. Das Kirche sind zwar Laien zugelassen, aber Färberhaus, im Hof am Unteren Teich nur im Westen, der sogenannten Leutkir- gelegen, wurde kurz vor 1738 erbaut und che, die für die Gottesdienstteilnahme 1751 erweitert. Dabei wurden ältere Klosder Konversen und Gäste gedacht ist. Im termauern genutzt. Ende des 18. und im Osten beten und singen die Nonnen im 19. Jahrhundert häuften sich dann die Chorgestühl, während die Priester am Abrisse: 1779 wurde der Glockenturm Altar die Messe zelebrieren. Die Klausur abgebrochen, um Unterhaltskosten zu nördlich der Kirche ist den Dominikanesparen, fünf Jahre später die Friedhofsrinnen und dem weiblichen Personal kapelle, dann 1806 der rheinseitige Eckvorbehalten. In der ersten Hälfte des turm und 1860 schliesslich die ganze 15. Jahrhunderts errichtet die Priorin Stadtmauer mitsamt Klausur. Es brauchAnna von Tierstein im Garten ein Haus, te Platz für die 1860 bis 1863 erbaute das mit seinem Fachwerkobergeschoss Kaserne, die mit den zinnenbewehrten die rheinseitige Stadtmauer überragt und Türmen zumindest einen letzten formalen mit einer gedeckten Holzbrücke mit der Nachklang an die alte Mauer wahrt. Klausur verbunden ist. Weitere Um- und Der militärische Nutzen der Anlage war Neubauten sind für das 15. Jahrhundert gering – trotzdem blieb die Armee bis überliefert, so die Errichtung der zwei1966. Dann zogen Schulkinder und geschossigen Sakristei im Eck zwischen Kunstschaffende ein. Zu diesem ZeitChor und Kreuzgang. 1466 vernichtet ein punkt war das Kleine Klingental schon Feuer das neue Dormitorium; ein Überseit dreissig Jahren ein Museum. greifen auf die Kirche kann aber verhindert werden. Kurz darauf werden das Obergeschoss mit Fachwerk zum Kreuzganghof und das Dach neu erbaut. 27