BASLER WOHN
GRUNDRISS
Q U A R T E T T
E S S AY
IMPRESSUM Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über dnb.dnb.de abrufbar. © 2025 Christoph Merian Verlag Alle Rechte vorbehalten; kein Teil dieses Werkes darf in irgendeiner Form ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Verlags reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Konzept und Gestaltung: Céline Dietziker, Lukas Gruntz, Luigi Middea Beratung: Dorothee Huber Fotos: Lukas Gruntz Lektorat und Korrektorat: Iris Becher, Ronja Schmidt, Basel Druck: Gremper AG, Pratteln (Inhalt); PEG Kartonagen, Urdorf (Schachtel) ISBN 978-3-03969-052-7 2., erweiterte Auflage 2025 Christoph Merian Verlag St. Alban-Vorstadt 12 4052 Basel, Schweiz info@merianverlag.ch Verantwortliche Person gemäss EU-Verordnung 2023/988 (GPSR): GVA Gemeinsame Verlagsauslieferung Göttingen GmbH & Co. KG Postfach 2021 37010 Göttingen, Deutschland info@gva-verlage.de
I N T R O
Wie keine andere Bauaufgabe hat das Wohnen die Baukultur im letzten Jahrhundert geprägt. Wohnen ist ein Grundbedürfnis, Wohnen betrifft alle; jede und jeder wohnt. Von den ersten Geschosswohnungen für die Arbeiterschicht in der Gründerzeit bis zum trendigen Loftwohnen im Hochhaus zu Beginn des 21. Jahrhunderts hat sich viel getan. Und dennoch sind die Grundbedürfnisse der Bewohnerschaft heute dieselben wie früher: Man schläft, kocht, isst oder wäscht sich in der eigenen Wohnung. Von einer starken Gewichtung wohnhygienischer Fragen – Stichwort «Luft, Licht, Sonne» – in der Architektur der Moderne hat sich in der Gegenwart der Fokus auf die Vermittlung von Lifestyle verschoben: Wohnen als Statussymbol. Wo früher die funktionalen Aspekte der Wohnung im Vordergrund standen, wird heute die Selbstverwirklichung des Individuums thematisiert. Das Wohngrundrissquartett fasst den Basler Wohnungsbau der letzten 125 Jahre in kompakter Form zusammen. 76 Grundrisskarten repräsentieren die relevanten Beiträge zum Wohnungsbau seit Ende des 19. Jahrhunderts. Für jede Epoche sind besonders exemplarische Bauten ausgewählt:
vom repräsentativen gründerzeitlichen Haus am Viadukt von Baumeister Rudolf Linder, diversen Genossenschaftssiedlungen der Nachkriegszeit über die Postmoderne mit den Bebauungen Hammer I und II von Diener & Diener Architekten im Kleinbasel bis zum LysP8 auf dem Lysbüchel von Loeliger Strub Architektur. Teilweise stehen die gezeigten Grundrisse stellvertretend für grössere Ensembles oder einen an verschiedenen Adressen vertretenen Typus. Die Auswahl ermöglicht sowohl spezifische als auch exemplarische Antworten auf die Frage nach der Art und Weise des Wohnens. Bei den Beispielen handelt es sich mehrheitlich um Dreizimmerwohnungen, da dies die durchschnittliche Wohnungsgrösse in Basel am besten repräsentiert. Das Verhältnis zwischen Geschoss- und Wohnfläche gibt Aufschluss über die flächenmässige Effizienz der Wohnungen, wobei das Treppenhaus jeweils anteilsmässig mitgerechnet wird. Sämtliche Grundrisse sind in einheitlichem Massstab 1:250 und in Plangrafik nachgezeichnet. Die Umzeichnungen der Pläne können von den tatsächlich gebauten Projekten oder dem heutigen Zustand geringfügig abweichen. Der Blick auf 125 Jahre Wohnungsbau in Basel ist auch ein Blick auf eine Gesellschaft, die sich in
konstantem Wandel befindet. In diesem Essay wagen wir eine vergleichende Betrachtung der einzelnen Funktionsbereiche einer Wohnung. Folgende Fragen stehen dabei im Fokus: Wie verändern sich Grösse und Anordnung der Küche im letzten Jahrhundert? Wie unterscheidet sich die Form der Balkone? Wie hat sich die räumliche Ausprägung des Wohnraums entwickelt? Welche Rolle spielt das Bad? Es hat sich viel getan – und gleichzeitig wenig. Auf Trends folgen Gegentrends. Die Frage der Suffizienz – der Reduktion des individuellen Flächenverbrauchs – war noch bis Anfang der 1950er-Jahre ein rein ökonomisches Thema. Den radikalsten Vorschlag lieferte die Mustersiedlung der WOBA (Schweizerische Wohnungsausstellung Basel) von 1930 unter dem Titel «Wohnen für das Existenzminimum» mit Reihenfamilienhäusern, die teilweise unter 50 Quadratmeter Wohnfläche besassen. Heute werden insbesondere bei genossenschaftlichen Wohnbauten wie dem Haus Abakus von Stereo Architektur oder dem Projekt Deux Chevaux von kollektive architekt dieselben Themen verhandelt, allerdings angetrieben durch die ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Doch das ist nur ein Aspekt unter vielen. Das Wohngrundrissquartett erlaubt eine lustvolle, spielerische Auseinandersetzung mit typologischen Fragen des Wohnens in Basel.
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KÜCHE Bei den Küchen hat eine bemerkenswerte Entwicklung stattgefunden. In der Gründerzeit war die Küche oft der einzige Raum mit fliessendem Wasser in der ganzen Wohnung – ein funktionaler Ort, der zugleich als Bad, Waschküche und Kochstelle diente. Seit den späten 1920er-Jahren etablierte sich mit der Frankfurter Küche das Prinzip der rationellen Arbeitsküche, das auch in Basel zum Vorbild für die moderne Einbauküche wurde. Diese Entwicklung brachte erstmals eine systematische Organisation von Arbeitsabläufen und ergonomische Gestaltung in die Grundrissplanung. Seit den 1960er-Jahren lässt sich eine zunehmende räumliche Öffnung beobachten: Küche, Essbereich und Wohnzimmer verschmelzen zu einem offenen, kommunikativen Raum. Am Beispiel des Hochhauses Hechtliacker von Otto Senn lässt sich das gut beobachten: Die Küche ist als Teil des Wohnraums lediglich durch eine grosse Schiebetür abgetrennt. Heute ist die Wohnküche nicht nur ein Ort der Essenszubereitung, sondern sozialer Mittelpunkt des Wohnens – ein Raum der Begegnung und des sozialen Austauschs: Beim Haus Abakus von Stereo Architektur reicht der Blick von der Küche durch ein grosses Fenster sogar bis in das Treppenhaus.
SPIELREGELN
Die Karten gründlich mischen und gleichmässig an alle Spieler:innen verteilen. Das Ziel: so viele Quartette wie möglich sammeln – also vier Karten mit demselben Buchstaben. Wer an der Reihe ist (im Uhrzeigersinn), zieht bei der Person links von sich eine Karte nach Wahl. Sobald man ein komplettes Quartett hat, ist dieses offen auf den Tisch zu legen. Dann ist der oder die nächste Spieler:in an der Reihe. Am Ende gewinnt, wer die meisten Quartette vor sich auf dem Tisch liegen hat.
A1 | WOHNHAUS WASSERSTRASSE Architektur: Gregor Stächelin Baujahr: 1891 Wasserstrasse 19 Adresse: Anzahl Zimmer: 2 Wohnfläche: 38 m2 72 % Wohnfläche / Geschossfläche: 5m
A2 | EISENBAHNERHÄUSER AM TELLPLATZ Architektur: Vischer & Fueter Baujahr: 1891–92 Adresse: Bruderholzstrasse 61 Anzahl Zimmer: 2 Wohnfläche: 38 m2 Wohnfläche / Geschossfläche: 70 % 5m
A2 | EISENBAHNERHÄUSER AM TELLPLATZ Architektur: Vischer & Fueter Baujahr: 1891–92 Adresse: Bruderholzstrasse 61 Anzahl Zimmer: 2 Wohnfläche: 38 m2 Wohnfläche / Geschossfläche: 70 % 5m
A3 | WOHNHAUS ANDLAUERSTRASSE Architektur: Söll & Sand Baujahr: 1898 Adresse: Andlauerstrasse 11 Anzahl Zimmer: 3 Wohnfläche: 79 m2 Wohnfläche / Geschossfläche: 76 % 5m
A4 | WOHNHAUS KRAFTSTRASSE Architektur: Albin Kaufmann-Gass Baujahr: 1904 Adresse: Kraftstrasse 5 Anzahl Zimmer: 2 Wohnfläche: 49 m2 Wohnfläche / Geschossfläche: 76 % 5m
A4 | WOHNHAUS KRAFTSTRASSE Architektur: Albin Kaufmann-Gass Baujahr: 1904 Adresse: Kraftstrasse 5 Anzahl Zimmer: 2 Wohnfläche: 49 m2 Wohnfläche / Geschossfläche: 76 % 5m
B1 | WOHNHAUS KANNENFELDSTRASSE Architektur: Rudolf Sandreuter Baujahr: 1904 Kannenfeldstrasse 26 Adresse: Anzahl Zimmer: 4 Wohnfläche: 99 m2 Wohnfläche / Geschossfläche: 74 % 5m
B2 | WOHNHAUS BACHLETTENSTRASSE Architektur: Johann Jakob Stamm Baujahr: 1906 Adresse: Bachlettenstrasse 18 Anzahl Zimmer: 4 Wohnfläche: 120 m2 Wohnfläche / Geschossfläche: 75 % 5m