Baukult Haus der Farbe (Hg.)
Farbkultur in Basel-Stadt Christoph Merian Verlag
Farbkultur in Basel-Stadt
Baukult – Freiwillige Basler Denkmalpflege Haus der Farbe (Hg.) Christoph Merian Verlag
Inhalt 7 Vorwort Beat Aeberhard 9 Das Gesicht der Stadt Silvio Schubiger 11 Von blauen Fassaden und violetten Dächern. Stadtansichten zwischen 1845 und 1966 Simeon Jankovic 41
Farben vom Mittelalter bis zum Barock Karin Rey
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ie Farben des 19. Jahrhunderts. D Neue und alte Quartiere Britta Hentschel
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Moderne Farbigkeiten Isabel Haupt
129 Farben und Farbklänge. Werkzeuge für Farbentscheide Marcella Wenger-Di Gabriele, Stefanie Wettstein 209 Bindemittel. Eigenschaften und Anwendung Luzia Borer, Camille Schneider
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Anhang
5
Vorwort Farben spielen in einer Stadt eine wesentliche Rolle. Auch wenn wir die einzelnen Farben der Bauten um uns herum in der Hektik des Alltags nur selten bewusst wahrnehmen, identifizieren wir uns mit der spezifischen Farbwelt unserer Stadt. Neben den dominanten Grundfarben sind es insbesondere die Sekundärfarben etwa von Fensterläden, Leibungen, Gesimsen oder Dächern, die zu einem atmosphärisch stimmigen Ganzen beitragen. Diese unbewusst gelesenen Farbcodes verantworten einen stimmigen, kollektiv getragenen Stadtcharakter, der durch lokale Handwerkspraktiken entstanden und über Generationen hinweg weitergetragen worden ist. Dabei entsteht die Identität einer Stadt weniger durch einzelne Farben als vielmehr durch ihr Zusammenspiel. Das zeigt sich deutlich bei einem durch Sanierung oder Neubau hervorgerufenen Farbwechsel: Neue Farbspektren werden oft emotional diskutiert. Den Baslerinnen und Baslern liegt die farbliche Fassung ihrer Stadt am Herzen. Wenn man sich ins Thema vertieft, erkennt man, dass Basel über eine spezifische, materiell verankerte Farbgeschichte verfügt. Das kräftige Rot des Basler Sandsteins hat die Stadt am Rheinknie über Jahrhunderte geprägt. Der rote Buntsandstein aus dem nahen Süddeutschland kam insbesondere für die Wahrzeichen der Stadt wie das Münster und das Rathaus, aber auch für Stadttore und prominente Privathäuser wie «Zum Löwenzorn» zum Einsatz. Der Basler Dreiklang aus Weiss als Hauptfarbe, Rot als tektonischer Nebenfarbe und Grün als Akzent, etwa für die Fensterläden, zieht sich in vielfältigen Nuancierungen als Grundrauschen bis heute durch das Stadtgebiet. Erst im 18. Jahrhundert löste Grau das Rot ab, zunächst bei der Oberschicht, als Zeichen von Eleganz. Nach der napoleonischen Zeit brachte der Klassizismus Winckelmanns Ideal des weissen Körpers nach Basel. Der Polychromiestreit, der Farbe zu Beginn des 19. Jahrhunderts als legitimes Gestaltungsmittel propagiert, hatte wenig Auswirkungen auf Basel. Gedeckte Töne wie Ocker, Grau und Beige treten vermehrt auf. Das städtische Rot bleibt jedoch eine Konstante, insbesondere bei Profanbauten wie der Kaserne, der Hauptpost und der Erweiterung des Rathauses. Industrielle Bindemittel und die Industrialisierung der Pigmentpalette schlagen sich im Stadtbild des 20. Jahrhunderts nieder. Beispiele hierfür sind das blaue Petersschulhaus und die NILBO-Siedlungen mit ihrem Falunrot. Parallel dazu prägen die Industrieareale der «Chemischen» mit eigenen, kohärenten Farbsprachen das Selbstverständnis des Stadtbilds. Zunächst dominiert Backsteinrot in der Gründerzeit, dann das Weiss der klassischen Moderne und schliesslich ein gemässigter International Style mit Glas und Metall ab den 1950er-Jahren. Unabhängig davon führen die endlosen Möglichkeiten in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts zu einem «hemmungslosen Halali der Farbfreudigkeit». Diese Warnung von Kantonsbaumeister Luder bleibt bis heute aktuell.
FARBKULTUR IN BASEL-STADT
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Die vorliegende Publikation dokumentiert erstmals die charakteristischen Fassadenfarben Basels. In Feldforschung wurden spezifische Quartierfarbigkeiten ebenso wie die Gesamtfarbigkeit der Stadt untersucht. Drei eigens entwickelte Farbtafeln zu den Bauepochen sowie kommentierte ‹Farbklänge› ausgewählter Bauten ermöglichen die praktische Anwendung. Unser Dank geht an Baukult – Freiwillige Basler Denkmalpflege, die dieses Buchprojekt angestossen und erarbeitet hat, an das renommierte Haus der Farbe für die Erarbeitung der Farbanalysen und der Farbtafeln sowie an alle Autorinnen und Autoren. Entstanden ist ein wissenschaftlich fundiertes und praxisorientiertes Referenzwerk. Es liefert keine Rezepte, rückt aber die baselstädtischen Farbcodes ins Bewusstsein und schafft die sachliche Grundlage für differenzierte und bewusste Farbentscheide. ‹Farbkultur in Basel-Stadt› bietet Bauherrschaften, Architekturschaffenden, Handwerk und Behörden erstmals eine gemeinsame, fundierte Referenz für den bewussten Umgang mit der Basler Farbigkeit. Beat Aeberhard, Kantonsbaumeister Basel-Stadt
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Das Gesicht der Stadt Wenn wir unsere vier Wände verlassen, bewegen wir uns in eine gebaute Umwelt, mit der wir tagtäglich in Begegnung treten. Niemand erklärt uns diese steinerne Kulisse, aber mit der Architektur und der gebauten Stadt fühlen wir uns so stark verbunden, dass sie eine derartige Selbstverständlichkeit erreicht hat, die fast schon zu einer Beiläufigkeit führen könnte. Unsere gebaute Umwelt besteht aus kleinen und grossen Gebäuden, aus Strassen und Wegen und schliesslich aus der Natur, welche darin noch Platz finden darf. Wenn wir durch die Stadt gehen, verändert sich die Kulisse um uns herum ständig, und doch bleibt sie uns vertraut. Selbst wenn wir etwas Unbekanntes wahrnehmen, verlieren wir kaum das Gefühl, am richtigen Ort zu sein. Was gibt uns aber dieses Gefühl, dass wir uns immer noch am gleichen Ort befinden oder zumindest nicht in der falschen Stadt gelandet sind? Es ist das gebaute Umfeld: Das Ortsbild vermittelt uns eine gewisse Sprache, die wir lesen können, ohne uns dessen bewusst zu sein. Jeder Ort trägt ein Gesicht – ein Gesicht, das wir lesen können, wie wir es auch bei unseren Mitmenschen lesen können. Was macht aber ein solches Gesicht lesbar, ohne Augen, ohne Mund? Es sind gebaute Strukturen, Gebäude und Plätze, raumbildende Quartierblöcke und die Morphologie der Stadt. Aber auch die Gesichter der einzelnen Häuser: die befensterten Fassaden, schön ausgebildete Sockelgeschosse, Dachformen, die uns bekannt vorkommen – vor allem aber die Farben und Oberflächen und deren Zierelemente. Sie machen die Gebäude erst richtig lesbar und geben ihnen ein unverkennbares Aussehen, welches nicht zufällig entstanden ist. Wie der Mensch selbst hat jeder Ort auch eine Eigenart, die sich über die Jahre – oder in diesem Fall über die verschiedenen Epochen einer Stadtentwicklung – gewandelt und weiterentwickelt hat. Diese Publikation soll nicht nur die Augen öffnen, sondern bisher Unsichtbares sichtbar und verständlicher machen. Wenn wir das nächste Mal in die gebaute Umwelt hinaustreten, mag vielleicht etwas anders sein – nicht die Stadt, sondern unser Blick auf sie. Die Farben, die Oberflächen, die Spuren der Zeit auf den Fassaden: Sie alle erzählen eine Geschichte. Wer diese Sprache einmal zu lesen versteht, wird sie nicht mehr übersehen – und trägt damit auch eine gewisse Verantwortung. Jede Renovation, jeder Neubau, jede Farbwahl ist ein Beitrag zu dieser Geschichte. Die Stadt Basel ist nicht nur gebauter Stein, sondern trägt ein Gesicht – einzigartig, lesbar und lebendig. Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern viel Vergnügen bei der Lektüre, Inspiration für ihre Projekte und interessante Entdeckungen auf den Spuren der Basler Farbkultur. Silvio Schubiger, Co-Präsident Baukult – Freiwillige Basler Denkmalpflege
FARBKULTUR IN BASEL-STADT
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Farben und Farbklänge. Werkzeuge für Farbentscheide Marcella Wenger-Di Gabriele, Stefanie Wettstein
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Der Ramsteinerhof vom Rhein aus gesehen.
MARCELLA WENGER-DI GABRIELE, STEFANIE WETTSTEIN
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Farbkultur umfasst alles, was die Basler Bevölkerung, die Handwerkerinnen und Handwerker sowie die Architekten und Architektinnen auf dem Gebiet der Fassadengestaltung geschaffen haben und weiterhin schaffen werden. Es ist ein Weitergeben von Werten, gepaart mit der Integration von Neuem. Diese Farbkultur zeigt sich im heutigen Stadtbild an sorgfältig unterhaltenen historischen Bauten mit vielfältigen Farbnuancen, aber auch an neuer Architektur mit aktuellen oder wiederverwendeten Materialien. Um die für BaselStadt typische Farbkultur zu erhalten und weiter zu pflegen, braucht es Überzeugungsarbeit der Behörden, aber auch sensibilisierte und kompetente Bauherrschaften, Planende und denkende Menschen aus dem Handwerk, die über dasselbe reden. Der vorliegende Beitrag hat zum Ziel, eine gemeinsame Basis zu schaffen, sachliche Argumente für Farbentscheide zu liefern und allgemein die Augen für Farben, Farbnuancen und Farbklänge zu öffnen. Ein sinnvolles Werkzeug für fundierte Kommunikation über Farbe muss eine visuelle Übersicht leisten und den tragfähigen Kern der Farbkultur sichtbar machen. Um diesen herum kann regionale Farbkultur lebendig bleiben, ohne dass eine Beliebigkeit entsteht. In der Regel ist ein historisches Gebäude dann stimmig, wenn es auch farblich ein Kleid seiner Entstehungs- oder einer bedeutenden Umbauzeit trägt. Deshalb sind unsere Farbtafeln historischen Epochen zugewiesen: die erste den mittelalterlichen und barocken Bauten, eine weitere der Architektur der Stadterweiterung im 19. Jahrhundert und die dritte derjenigen zwischen 1900 und 1950. Nach 1950, als industriell konfektionierte, standardisierte Farbprodukte auf den Markt kamen, erweiterte sich das Spektrum möglicher Farbtöne sehr schnell. Die typischen Farben aus der Zeit nach 1950 müssten sich auf viel kürzere Zeitabschnitte beziehen, weil eine Mode auf die nächste folgte – es wäre eine Palette von ‹alles ist möglich›. So werden, ergänzend zu den Farbtafeln, mittels Farbklängen auch aktuelle Aspekte der Basler Farbkultur aufgezeigt.
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Unser professioneller Blick, der die Zuordnung von Farben filtert, ist vielfältig. Dank der sorgfältigen Arbeit der Basler Denkmalpflege können wir davon ausgehen, dass restaurierte Bauten eine entsprechend zeittypische Farbigkeit aufweisen. Zusammen mit unserer Erfahrung in historischer Farbgebung und unseren Kenntnissen über Materialien, insbesondere Pigmente, Bindemittel und Putze, analysieren wir den Bestand und suchen möglichst viele beispielhafte Bauten und Situationen. Unsere Vorlieben spielen dabei keine Rolle, sondern die Frage, ob das, was wir sehen, in der jeweiligen Zeit möglich gewesen ist. Die Summe von Beobachtungen schliesst mit der Zeit das Bild. Regionale Besonderheiten werfen Fragen auf, die wir detektivisch zu beantworten suchen. Dabei ist uns das Studium von Literatur, von Quellen und restauratorischen Farbuntersuchen hilfreich. Nach der Sichtung zahlreicher Berichte zu restauratorischen Befunden bleiben allerdings auch viele Fragen offen. Farbuntersuchungen sind als Instrument für Restaurierungen und Renovierungen zwingend. Um Erkenntnisse über epochentypische Farben zu erhalten, fehlen jedoch präzise Farbmuster und die zweifelsfreien Zuschreibungen von Schichten zu Zeitepochen. Ebenso sind kaum Rückschlüsse auf zeitgleiche Farbkombinationen möglich. Auf den Farbtafeln sind folgende Kategorien von Farben abgebildet: Hauptfarben, Nebenfarben und Akzentfarben. Damit sind quantitative Anteile der Farben an einer Fassade gemeint. In der Regel ist die Hauptfarbe jene des Putzes oder von Naturstein, die Nebenfarbe diejenige der fassadengliedernden Elemente wie Pilaster, Lisenen, Sockel, Einfassungen und Gesimse. Die Akzentfarbe ist jene von Fensterläden, Türen, Fensterrahmen und Dekoration. [ 82 ] Jede abgebildete Farbe ist an einem konkreten Gebäude im Kanton Basel-Stadt referenziert worden. Die Gesamtheit der Farben beruht auf der Analyse sämtlicher Quartiere und Regionen mit vorkommenden Mengen, dem Typischen und dem Speziellen. Mit Farbe meinen wir nicht nur Anstrichfarben, sondern auch Materialfarben wie beispielsweise Natur- und Kunststeine, Backsteine und Metalle. In den Legenden zu den Tafeln ist das jeweilige Material bezeichnet. Die Farbtafeln widerspiegeln eine Basis von Farben einer jeweiligen Epoche und dienen als Grundlage für die Diskussion über Farbentscheide. Sie sind nicht als Rezeptauswahl zu verstehen. Die Tafeln zeigen den farblichen Humus einer Epoche, der sinnvoll erweitert werden soll. So wird jede zusätzliche Nuance von sandfarbenem Kalk, bläulichem Grau, Ocker oder Oliv die barocke Bausubstanz von Basel bereichern. Was zwingend vermieden werden soll, ist das Eins-zu-einsKopieren. Es ist stets zu bedenken, dass farbige Anstrichstoffe bis um 1950 direkt auf den Baustellen angemischt wurden. Die Homogenität der späteren Industrieprodukte, die seither riesige Flächen makellos erscheinen lassen, gab es früher nicht. Nicht nur von Bau zu Bau variierten also die Nuancen, sondern auch innerhalb einzelner Flächen. Dieser Nuancenreichtum ist für Bauten aus der Zeit vor 1950 eine Bereicherung.
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St. Johannsvorstadt.
Der ‹Farbklang› ist eine abstrahierte Komposition, die alle Farben von Anstrichen und von Materialien eines ausgewählten Bauwerkes in relevanten Nachbarschaften und Quantitäten zeigt. Er ist als Ergänzung zu den Farbtafeln sowohl didaktisch als auch inhaltlich bedeutend, weil er Kombinationen und deren Wirkung sichtbar macht. Der Farbklang verdeutlicht zudem, dass jede Farbwahl im Kontext zu betrachten ist. Die visuellen Werkzeuge – Farbtafeln und Farbklänge – sind praktische Hilfsmittel, um die spezifische Basler Farbkultur sichtbar zu machen und Farbentscheide fundiert zu treffen. Farbmuster können im Kontext der Farbkarten und Farbklänge betrachtet und justiert werden. Dabei sind restauratorische, denkmalpflegerische und gestalterische Überlegungen abzuwägen. Es stellen sich beispielsweise folgende Fragen: Was waren die Ideale und die Möglichkeiten einer historischen Fassung – und was ist die Absicht der Gestaltung heute? Wann wird ein Gebäude zum Solisten in seinem Kontext?
FARBEN UND FARBKLÄNGE
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Mittelalterliche und barocke Bauten
Hauptfarben
Nebenfarben
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Naturstein Naturstein gestrichen Naturputz Putz gestrichen Holz natur
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Holz gestrichen Dekor auf Putz Dekor Naturputz Ölvergoldungen Metall gestrichen
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Stadterweiterung im 19. Jahrhundert
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Stadterweiterung 1900 bis 1950
Hauptfarben
Nebenfarben
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Akzentfarben
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Naturputz Putz gestrichen Naturstein Kunststein Kunststein gestrichen
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rei Farbtafeln (von oben nach unten): Mittelalterliche und barocke Bauten, Stadterweiterung im D 19. Jahrhundert, Stadterweiterung 1900 bis 1950. Sie zeigen (von links nach rechts) Hauptfarben, Nebenfarben und Akzentfarben. Originale, 40 x 80 cm, handgemischt und collagiert.
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Drei Farbtafeln Mittelalterliche und barocke Bauten Materialfarben von lokal verfügbaren Baustoffen und farbgebende Pigmente der Zeit machen das Kolorit der Bausubstanz bis um 1800 aus. In Basel ist es der Buntsandstein, der in seinem Reichtum an rotbraunen Farbnuancen und teilweise mit kostspieligem Leinöl lackiert, sogar in sattem Rotbraun, die Farbpalette prägt. Ganze Fassaden mit Ölfarbe gestrichen – wie unter anderem die Geltenzunft – sind herausragende Beispiele von Luxus und Repräsentation. [ 85 ] Mehrheitlich sind die Fassaden stattlicher Bürgerhäuser verputzt und hell gekalkt, minimal abgetönt mit farbigen Erden – von Ocker, gebranntem Ocker, Rebschwarz, grünen Erden und Umbra, wie es die Hauptfarben in der vorliegenden Farbtafel zeigen. Zierendes Steinwerk aus Kalk- oder Buntsandsteinen – oftmals in Öl-, zuweilen auch in Kaseinfarbe gestrichen – nobilitierten die Fassaden. [ 90 ] Die Farbanstriche begradigten unregelmässig gebrochene Steine mittels aufgemalter Fugen und vereinheitlichten deren Erscheinung. [ 87 ] Angesichts der Dominanz des lokalen roten Sandsteines liegt der Wunsch, das Buntspektrum zu erweitern, auf der Hand. Statt andersfarbiges Material über beschwerliche Transportwege herbeizuschaffen, konnte Farbe als Anstrich auf den roten Sandstein appliziert werden. Wie zum Beispiel am Wildt’schen Haus, das mit seiner graublauen Nebenfarbe, ursprünglich eine Ölfarbe aus Bleiweiss, Rebschwarz und wenig Smalte, in seiner Zeit ein repräsentatives Signal aussandte. [ 48 ] Die Praxis, mit Rebschwarz sowohl in Öl-, wie auch in Kalkfarbe mit zahlreichen bläulichgrauen Nuancen zu gestalten, war in Basel weit verbreitet. [ 80 ] [ 86 ] Bei der Recherche im Archiv der Denkmalpflege von BaselStadt fällt auf, dass die Farbschichten bei Bauten des Mittelalters, des Barocks und auch des 19. Jahrhunderts im Lauf der Zeit oft radikal änderten: Fenstergewände und Lisenen waren in einer Fassung rot, später grau, dann blaugrau, danach olivgrün. Ob Moden, Launen oder die Suche nach Einzigartigkeit die Beweggründe waren, den Stadtraum so facettenreich zu schmücken, bleibt verborgen. Weiss als Hauptfarbe, Rot als Nebenfarbe und grüne Akzente: ein Dreiklang, wie er heute im Basler Stadtraum in mannigfaltigen Nuancierungen anzutreffen ist. Die Akzentfarbe kann den Charakter von Fassadengestaltungen signifikant prägen. Sie erscheint einerseits als Ölfarbenanstrich an Bauteilen aus Eisen und Holz, andererseits oft auch als Materialfarbe von Hölzern [ 81 ] [ 83 ] – hier oder da sogar von exklusivem Gold. Bunte Pigmente mit starker Deckkraft waren in der Zeit nur im eingeschränkten Spektrum der Eisenoxide verfügbar. Die Grünpalette bewegte sich in den Mischungen von Ocker und Rebschwarz, also Olivgrün, mit der Zutat Kreide als Füllstoff im Charakter etwas milchig. Grüne Erden waren ebenfalls beliebt für graugrüne Lacke. [ 84 ] Bunte
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Münsterplatz.
[ 84 ]
Münsterplatz.
Grün, wie wir sie als schon immer dagewesene Tradition einordnen, fügen sich in mittelalterliche Ensembles ein, entsprechen aber kaum der möglichen Buntheit dieser Zeit. [ 88 ] Das tiefe und brillante Chromoxidgrün wurde erst im 19. Jahrhundert entwickelt und produziert. Im Archiv der Denkmalpflege Basel-Stadt aufgeschnappt: Heuberg 13, Fensterläden, 1. Fassung, «Grün gegen Kupferhydratgrün». Wenn Kupferhydratgrün im Spiel war, ein bläulich grünes Pigment mit äusserst geringer Deckkraft, könnte es, auf dunklen Grund lasiert, einen grünlichen Schimmer hinterlassen haben.
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Geltenzunft (Zunft zu Weinleuten), Marktplatz.
[ 86 ]
Blaues Haus, Rheinsprung.
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Zum obern Aarau, Heuberg.
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St. Alban-Vorstadt.
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Keim’sche Mineralfarbe Rathaus Marktplatz 9 Mehrfach erweiterter Renaissancebau. Die Erweiterung und Bemalung der Platzfassade erfolgten 1898 bis 1904. 2011 restauriert Architektur: Vischer & Fueter Dekorationsmalerei: Wilhelm Balmer und Franz Baur 1901 Als das erweiterte Rathaus 1904 abgerüstet wurde, erstrahlte die Fassade zum Marktplatz in einer bis dahin in Basel noch nie dagewesenen Buntheit. Die Möglichkeiten der zum Ende des 19. Jahrhunderts auf den Markt gekommenen Mineralfarbe wurden hier in allen Facetten zelebriert. Zu kräftigem Oxidrot gesellen sich Kobaltblau, lichter Ocker und Grün, die sich dank unmittelbarer Nachbarschaften gegenseitig steigern. Die narrativen Szenen präsentieren sich in diversen Nuancen von Ocker, Grau, Weiss, Dunkelgrün und gebrannter Umbra. Mittels der sogenannten A- und B-Technik, die, eine hohe Kunstfertigkeit voraussetzend, nur von wenigen Meistern beherrscht wurden, sind damals die dekorativen und die grossflächigen roten Partien bemalt worden. Ihre Wirkung bleibt bis heute unerreicht.
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[ 109 ] Rathaus.
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Fassade, Anstrich Fassade, Dekorationsmalerei Fensterrahmen, Anstrich Heraldik, Anstrich und Vergoldung
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[ 110 ] Rathaus.
Keim’sche Mineralfarbe A-Technik: Die Pigmente werden mit Wasser angerührt und auf den Untergrund aufgetragen. Anschliessend wird das Bindemittel (Wasserglas) aufgestrichen oder -gesprüht, um das Pigment nachträglich chemisch im Untergrund zu verankern. Dieses Verfahren ist nur für Dekorationsmalerei geeignet. B-Technik: Das Pigment und das flüssige Bindemittel (Wasserglas) werden vor der Anwendung direkt miteinander vermischt. Dies geschieht Schritt für Schritt in jeweils kleinen Mengen. C-Technik: Reinmineralisches Malmittel, konfektioniert und anstrichfertig.
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Konfektionierte Anstrichstoffe Siedlung Papageien St. Johann Ecke Hüningerstrasse/ Beckenstrasse 1950 erbaut Architektur: Willi Müller Renovationen 1980/2023 Farbgestaltung: 2023 Gregor Mahrer in Anlehnung an die Gestaltung der 1980er-Jahre Die unauffällige Wohnbausiedlung aus den 1950er-Jahren, deren plakative Anstriche aus den 1980er-Jahren ihr erst den Übernamen eines bunten Vogels bescherten, ist beispielhaft für die Bedeutung der Farbe. Das prägnante Kolorit der aktuellen Farbgestaltung stammt von der Renovation von 2023 und bildet mit seiner vitalen Strahlkraft im urbanen Kontext des Ortes einen Mehrwert und identitätsstiftenden Gegensatz zugleich. So pragmatisch die Materialisierung mit konfektionierten Putzen und Anstrichstoffen gemäss Codierung in gängigen Farbsystemen ausgeführt wurde, so gekonnt wurde die Intention der 1980er-Jahre in eine aussergewöhnlich bunte Komposition transformiert. Was beim ersten Anblick wie ein Kinderspiel anmutet, ist es keineswegs, denn die Palette des Farbklangs besticht mit Farbwerten, -nachbarschaften und Farbquantitäten und hält dem zweiten Blick stand. Sie ist keine Kopiervorlage, sondern eine einzigartige und fragile Solistin in der Stadt.
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[ 124 ] Siedlung Papageien, St. Johann.
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Fassaden und Fensterläden, Anstriche Markisen, Textil Abdeckungen und Blenden, Metall Fensterrahmen, Anstrich Lagerraum, Holz natur Lagerraum, Beton
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[ 125 ] Siedlung Papageien, St. Johann.
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