

EIN TAG FÜR IMMER
TEXTE VON JUGENDLICHEN
CHRISTOPH MERIAN VERLAG
Trägerschaft
Verein Schreibwettbewerb ‹Die Basler Eule›, Sennheimerstrasse 20, 4054 Basel baslereule.ch
Gegründet wurde der Schreibwettbewerb 1993 von der Basler Jugendschriftenkommission und dem Basler Buchhändler- und Verlegerverein.
Wettbewerbsjury 2025
Kat. I: Michelle Felder, Julie Klapdor, Josephine Kunz, Rafael Pulfer
Kat. II: Sofía Dunetz, Florence Häfele, Valentina Perriard, Marina Silenzi
Kat. III: Noëmi Blättler, Mia Rudolph, Aline Steiger
Juryklassen 2025
Kat. I: Jahrgänge 2005–2009, Gymnasium Muttenz, Klasse 2B
Kat. II: Jahrgänge 2010–2012, Sekundarschule Reinach, Klasse 2Pk
Kat. III: Jahrgänge 2013–2015, Primarschule Bottmingen, Klasse 5A
Herausgeberin
Charlotte Butty
Um die Ausdrucksform der jungen Autor:innen unverfälscht zu erhalten, wurde darauf verzichtet, die Texte mehr als erforderlich zu redigieren. Korrigiert wurden jedoch die Zeitenfolge und die Rechtschreibung.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über dnb.dnb.de abrufbar.
© 2026 Christoph Merian Verlag
Alle Rechte vorbehalten; kein Teil dieses Werkes darf in irgendeiner Form ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Verlags reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Lektorat: Iris Becher, Basel
Gestaltung: weishaupt design, Sybil Weishaupt, Basel
Illustration: Manuel Guldimann, Basel
Druck: Steudler Press AG, Basel
Bindung: Buchbinderei Grollimund AG, Reinach
Papier Inhalt: Munken Lynx 100 g/m2
ISBN 978-3-03969-064-0 1. Auflage 2026
Christoph Merian Verlag
St. Alban-Vorstadt 12 4052 Basel, Schweiz info@merianverlag.ch
Verantwortliche Person gemäss EU-Verordnung 2023/988 (GPSR): GVA Gemeinsame Verlagsauslieferung Göttingen GmbH & Co. KG
Postfach 2021
37010 Göttingen, Deutschland info@gva-verlage.de
INHALT
Nicolas Biedermann, * 2007
Lilian Herbster, * 2008
Aline Macquat, * 2009
Runa Schüpbach, * 2007
KATEGORIE III
Jahrgänge 2013–2015
Marlene Baer, *
Cléo Besset, * 2015
Veronika Gorboi, * 2013
Vera Gosteli, *
Emily Hamers,
Milena Anna Landin,
Giulia Stöckli, *
Navin Tamarut, * 2013
Luisa Thien, * 2015
VORWORT
Welche Gefühle und Vorstellungen weckt das Thema ‹Ein Tag für immer›? Ist es der perfekte Tag, den man immer wieder erleben möchte, weil er ein warmes Gefühl von Glück, Liebe und Freude hinterlässt? Oder eher der letzte Tag, bevor alles endet? Vielleicht wirkt das Thema auch wie eine Falle oder ein Rätsel, dem man entkommen möchte oder das gelöst werden muss, damit das Leben weitergehen kann. Möglicherweise regt es unmittelbar zu philosophischen Überlegungen über Zeit und Ewigkeit an.
Die 251 Teilnehmenden der 31. Ausgabe des Schreibwettbewerbs ‹Die Basler Eule› haben sich auf ganz unterschiedliche und kreative Weise mit diesem Thema, das von einer Förderklasse der Primarschule Erlenmatt in Basel ausgewählt wurde, auseinandergesetzt.
Die 24 Texte, die in dieser Anthologie zu finden sind, stellen eine erlesene Auswahl dar. Der ‹Basler Eule› geht es jedoch nicht nur um das Buch als Endprodukt, sondern ebenso um den gesamten Prozess: Kinder und Jugendliche aus dem Grossraum Basel werden dazu ermutigt, sich mithilfe von Wörtern mit ihren Gefühlen, Träumen, Fantasien oder Sorgen auseinanderzusetzen. Die Teilnehmenden haben sich bemüht, ein eigenes Werk zu schaffen. Vielleicht hat diese Übung ihnen geholfen, sich selbst und andere besser zu verstehen, schwierige Momente und Erlebnisse zu verarbeiten, oder sie hat ihnen einfach Freude bereitet. All das betrachtet die ‹Basler Eule› bereits als grossen Erfolg.
Die Auswahl der Beiträge war für die Jurys nicht leicht. Alle Einsendungen werden drei Alterskategorien zugeteilt. In jeder Kategorie liest eine drei- bis vierköpfige Jury sämtliche Texte und wählt die Beiträge aus, die in der Publikation erscheinen. In diesem Jahr konnte die ‹Basler Eule› mit Studen-
tinnen eines Seminars zur Literaturvermittlung an der Universität Basel zusammenarbeiten. Die Jurys setzten sich somit aus Studentinnen der Literatur und literaturbegeisterten Menschen aus Basel zusammen. In einem zweiten Schritt werden die ausgewählten Beiträge an eine Schulklasse der jeweiligen Alterskategorie weitergegeben, die den Hauptpreis innerhalb dieser Kategorie bestimmt. Die drei Hauptpreise werden während der Buchvernissage bekanntgegeben. In diesem Buch sind auch Texte enthalten, die schwierige Themen wie Selbstmord oder Gewalt behandeln. In Einzelfällen sind diese Beiträge zu Beginn mit einer Triggerwarnung gekennzeichnet. Daneben gibt es auch leichte, humorvolle und fantasievolle Geschichten sowie Gedichte zu entdecken. Den Jurys war es wichtig, eine kontrastreiche Auswahl zu präsentieren.
Die Kraft der Literatur, Empathie zu fördern, wird in dieser Ausgabe besonders deutlich. Die Autor:innen übernehmen häufig die Perspektive eines anderen Wesens – sei es einer älteren oder kranken Person, eines Tieres oder sogar eines Baumes. Auch formal beeindrucken viele Beiträge – durch lebendige Bildsprache, sorgfältige Beschreibungen sowie einen durchdachten Aufbau und konzise Erzählstränge.
Wir danken allen Teilnehmenden ganz herzlich für ihre Beiträge und wünschen viel Freude beim Lesen!
Charlotte Butty
DANK
Der Schreibwettbewerb und diese Publikation können nur dank finanzieller und ideeller Unterstützung realisiert werden.
Den folgenden Institutionen, Körperschaften und Unternehmen gebührt – oft zum wiederholten Male – grosser Dank für ihr Vertrauen und ihre Grosszügigkeit.
Basel-Stadt, Erziehungsdepartement
Basel-Landschaft, Amt für Kultur
Basler Kantonalbank
Forlen Stiftung Basel
Gemeinde Binningen
Gemeinde Muttenz
Gemeinde Riehen
Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige (GGG)
IDEA Helvetia
Primavera Stiftung
Schweizer Bücherbon
Sulger-Stiftung
Wilhelm und Ida Hertner-Strasser Stiftung
Gedruckt mit Unterstützung der Berta Hess-Cohn Stiftung, Basel
FÖRDERER, UNTERSTÜTZER UND SPONSOREN




KATEGORIE I
Jahrgänge 2005–2009
DIE EWIGE FAHRT
DES LEBENS
NICOLAS BIEDERMANN
* 2007
Ich will aus dieser Gondel raus. Schon das fünfte Mal kann ich nun die Talstation in der Ferne erkennen. In der Gondel ist es stickig und warm. Auch das kleine Kippfenster kann mir nicht helfen. Die Sitzpolster sind alt und wie dafür gemacht, Staub anzuziehen. Aus Langeweile habe ich damit begonnen, die Stützmasten, an denen das Seil der Gondelbahn hängt, zu zählen. Es gibt 34 Stück. Mit jeder Sekunde, die auf dem Weg zum Tal verstreicht, breitet sich das mulmige Gefühl weiter in mir aus. Eine graue Wolkenschicht verdeckt das Tal, die Sonnenstrahlen schaffen es nicht, zur Erdoberfläche durchzudringen. Es scheint, als ob dort kein Mensch glücklich sein könnte.
Die Gondel wird abgebremst, rastet ein und dreht sich langsam durch die Talstation. Die Station ist düster und verlassen. Wo sich normalerweise Menschen drängen, wartet niemand. Die Türen öffnen sich nicht. Verzweifelt hämmere ich gegen das Plexiglas. Nichts geschieht. Ich kann nur dabei zusehen, wie die Gondel erneut ihren Weg zur Bergspitze antritt. Die Fahrt nach oben erlebe ich nun zum sechsten Mal. Ich bin immer noch im Schatten des Tals gefangen, die Welt um mich herum erscheint mir grau und lustlos. Es lassen sich Strassen erahnen, Autos erblicke ich keine.
Mit jedem Höhenmeter, den die Gondel zurücklegt, dringt mehr Licht durch die Wolkendecke. Zusammen mit den Sonnenstrahlen dringt auch mehr Lebensenergie zu mir hindurch. Schliesslich durchbricht die Gondel die Wolkendecke und ich habe klare Sicht. Ich fühle mich lebendig, aufgewacht aus der Dunkelheit, welche mir zuvor noch endlos erschien. Ich sehe einen dichten Wald unter mir und höre durch das gekippte Fenster das leise Plätschern eines Bachs. Die Grüntöne der Baumkronen und die weiten Wiesen, die sich unter meiner Gondel erstrecken, scheinen vor Leben zu strotzen. Aufmerksam sehe ich zu, wie meine Gondel über die Landschaft schwebt.
Ein energisches Holpern reisst mich aus den Gedanken. Meine Gondel scheint wohl über den letzten Stützmast zu
fahren. Ich will aussteigen, sofort. Ich habe Angst davor, wieder zurück ins Tal zu fahren. Noch während ich aufstehe, wird die Gondel abgebremst, rastet ein und dreht sich langsam durch die Bergstation. In der Station drängen sich viele fremde Menschen. Ich will raus, mit den anderen sprechen, neue Kontakte knüpfen. Doch die Türen öffnen sich nicht. Wieder hämmere ich verzweifelt gegen das dünne Plexiglas der Türen und versuche sie mit aller Kraft aufzustossen. Doch ich muss zusehen, wie meine Gondel langsam die Bergstation verlässt.
Auf der Fahrt zum Fuss des Berges kommt mir die Welt bekannt vor. Der Wald, die Wiesen und auch das Plätschern des Bachs interessieren mich nicht mehr. Ich sehe zu, wie die Bergstation kleiner wird. Frage mich, warum ich existiere. Ich sehe dabei zu, wie die Wolkendecke, die über dem Tal hängt, näherkommt. Ich setzte mich, das Sitzpolster lässt Staub aufwirbeln, und ich schliesse meine Augen. Den Anblick des grauen und einsamen Tals will ich nicht noch einmal ertragen.
Da, die Gondel bremst ab. Kein Einrasten und kein langsames Drehen. Verwirrt öffne ich die Augen. Ich realisiere, dass die Gondel kurz vor der Wolkendecke stehengeblieben ist. Die Türen öffnen sich. Die Gondel schaukelt sanft, und ein kalter Wind strömt mir entgegen. Ich schaue in den Abgrund und beschliesse auszusteigen. Ich drehe mich um und blicke auf meine Gondel. Sie ist nicht perfekt, aber schön – und auch mich selbst sehe ich, dort auf dem staubigen Polster. Fallend erinnere ich mich an das Gefühl, das ich verspürte, als ich den Berg hinaufgefahren bin.
WARUM DER WUNSCH NACH EINEM TAG FÜR IMMER EINE
FALSIFIZIERUNG
VERDIENT
LILIAN HERBSTER
* 2008
‹Immer› reimt sich auf ‹schlimmer›. Das ist nicht nur ein reiner Reim, sondern sogar eine Assoziation, eine Gedankenverknüpfung. Etymologisch kommt das vom lateinischen ‹associare›, verbinden oder vereinigen. Aber eigentlich mihi non interest. Ich finde Latein langweilig, und Etymologie ist auch nicht grad mein Metier. Da gehts nur so um tote Materie, also Materie im Sinne von Thema oder Gegenstand einer Untersuchung, nicht im Sinne von ‹Grundlage des dinglich Vorhandenen›. Also es geht ja um dasselbe, im Kern, denn die Grundlage des dinglich Vorhandenen von uns allen und alle Themen und Gegenstände unserer Untersuchungen sind irgendwann mal tot, futsch, foutu, mortuus est. Irgend so ein Philosophentyp, also ich nehm jetzt mal an, es war ein Typ, wegen Geschlechterrollen-Klischees und so, also der meinte mal: «Den Tod fürchten die am wenigsten, deren Leben den meisten Wert hat.» Das steht in so nem dicken KlugdysenterieBuch, ‹Metaphysik der Sitten› heisst das. Und da steht ganz viel so Zeug drin. Ich habs nicht gelesen, ist aber kein Grund zum Schämen, weil viele von euch es vermutlich auch nicht getan haben. Aber ich kenn Ausschnitte daraus und diesen Ausschnitt kenn ich eben auch, den über den Tod, meine ich. Und wie in all den anderen Partien, die ich kenne, ist auch dieser Schnapsschnipsel wirklich schnippelig. Da muss man sich alles selber zurechtreimen. Also nicht Reimen im Sinne von ‹immer› und ‹schlimmer›, sondern so zurechtreimen, im Sinne von Nachgrübeln, Fitness für den prämotorischen Cortex betreiben und dabei das limbische System ignorieren, sonst wird man nur pessimistisch. Aber ihr habt Glück, denn nach reichlich Synapsengeschwitze und Schwitzsynapsen teile ich hier mein Fazit: Der Philosophentyp sieht den Tod gar nicht als negativ an – «Du Du Du Duuuuu» – Beethovens Anakrusis im Allegro con brio. Genug Philosophie für heute, meine arme Amygdala. Also eigentlich ist der Gedanke jetzt auch nicht so genial, das muss man gar nicht so in den Himmel loben. Also der Gedanke, dass der Tod das Leben wertvoll
macht, meine ich. Weil ist ja logisch, dass es extraordinär geisttötend und öde wäre, erlebten wir einen Tag für immer. Jeden Morgen aufstehn, irgendwas machen und wieder ins Bett, und das immmmmerrr. Es gibt da so Plastik-Kitschzeug, wo ‹BFF› draufsteht, also im Sinne von Akrostichon für ‹best friends forever›, nicht von ‹Bioexpression and Fermentation Facility› der Universität Georgia. Für mich geht da immer der Tritonus des Kitsch-Alarms an. Kitsch und kitschig – tolles Wort, es kommt nämlich von ‹kitschen›, also schmieren oder anstreichen, und das wiederum ist mit dem sehr deliziösen Begriff ‹Kitsche› verbunden – Strassenschlamm. Auf jeden Fall wünsch ich mir nicht so immer und für immer den gleichen Tag, egal wie viel Geld und Pokale und Preise und Dampfknödel und Pommes Rot-Weiss ich dafür kriege –strassenschlammig wär das nämlich. Die Diversität machts aus, die Abwechslung, das Achterbahnfahren. Achterbahnfahren ist auch schon toll, so einmal im Jahr, aber immer und für immer? Nein danke, obwohl ich eigentlich schon voll Adrenalinjunkie bin. Weniger Adrenalin gibt mir über so Philosophentypen und deren verbale Präzipitation nachdenken. Auch wenns natürlich schon wichtig sein kann, Ethik und so. Aber dass ein unendliches Leben oder ein Tag für immer gar nicht so aussichtsreich ist, hab ich schon bei KIKA mit glaub acht gelernt. Da gabs mal so ne Serie namens ‹Marco Polo› und davon gabs eine Folge, wo der jeden Tag irgendwie Geburtstag gefeiert hat, und dann ab dem dritten Tag ists ihm verleidet und das, obwohl der infantile Wunsch, jeden Tag Entbindungsjubiläum feiern zu wollen, schon logisch erscheint. Aber eigentlich schauten mein Bruder und ich eh nur Dokus, nicht so schleimphilosophisches Kinder-TV. Das taten wir auch recht gern, aber glücklich bin ich trotzdem, dass ich das nicht tun muss für immer. Das Leben wär sonst nämlich echt viel schlimmer.
WIE IMMER
ALINE MACQUAT
Wenn die Dämmerung sich in den Himmel schleicht und ihm diesen sehnsuchtsvollen Ausdruck verleiht, dann treffen wir uns bei der alten Linde.
Du wirst vor mir da sein und mit der morschen Schaukel träge hin und her pendeln. Dein Blick leer, bis du mich entdeckst und ein Lächeln dein ganzes Gesicht erleuchtet. Als könnte ich das Licht in dir anschalten. Dein Lächeln wird mich wärmen. So, wie es das schon immer getan hat. So, wie ich es dir nie gesagt habe, aber instinktiv wusste, dass du es weisst.
Meine Füsse werden sich zu einem holprigen Rennen beschleunigen, und ich werde dein Lächeln erwidern. Wie immer. Unsere Blicke werden sich treffen, sich intensivieren, und es wird sich anfühlen, als würde das verschmitzte Schmunzeln in unseren Mundwinkeln bald Feuer fangen. Das verschmitzte Schmunzeln, das schon immer bedeutete: Hab dich lieb.
Der Blickkontakt bricht erst ab, wenn ich hinter dich trete und die Schaukel für dich anstosse. Die Schaukel, die zu klein für uns geworden ist und deren Seile uns nun in die Seiten schneiden. Wir benutzen sie trotzdem. Das ist unser Ort und unsere Schaukel. Wir lassen uns nicht vertreiben.
Du wirst vor Vergnügen lachen. Kurz vor dem höchsten Punkt immer besonders laut. Da, wo das Seil auf dem Ast der Linde nachrutscht und es einen kleinen Ruck gibt. Nach einer Weile, von der wir beide nicht wissen werden, wie lange sie wohl war, werden wir Plätze tauschen. Du wirst mich anstossen, und dann werde ich bei jedem Ruck lachen.
Weil es schön ist, zu schaukeln, und weil es schön ist, Zeit mit dir zu verbringen. Es ist wie früher, aber irgendwie auch nicht. Wir sind leiser geworden. So viel leiser. Oh, hätte Peter Pan uns doch mitgenommen und für immer auf Nimmerland behalten. Doch Peter Pan kam nicht. Stattdessen wurden wir erwachsen. Viel zu gross für die Schaukel und viel zu klein, um all die Zweifel zu stemmen.
Aber immer noch sind wir wir. Sind wir hier, jeden Abend. Leiser, aber immer noch da. So leise, dass wir uns nach dem Schaukeln hinsetzen und der Sonne beim Untergehen zusehen werden. Kaubonbons wird es keine geben. Der Kiosk am Dorfplatz hat schon vor langer Zeit geschlossen. Einige Jahre später war er weg, einer Busstation gewichen. So, als wäre er nie da gewesen.
Die Sonne wird Stück für Stück hinter den Kornfeldern verschwinden. Wie eine bronzefarbene Münze, die langsam vom Horizont gefressen wird. Wir werden versuchen, das Wispern unserer Herzen zu hören. Es ist so leise geworden. So zaghaft. Doch es wird immer noch da sein.