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Basel. Eine neue Geschichte der Stadt

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Tobias Ehrenbold, Brigitte Röder, Marcus Sandl, Patrick Kury Mit Beiträgen von Oliver Kühschelm, Isabel Koellreuter und Franziska Schürch ISBN 978-3-03969-010-7 ISBN 978-3-03969-010-7

9 783039 690107

merianverlag.ch

CHRISTOPH MERIAN VERLAG

Basel

Eine neue Geschichte der Stadt

Basel

Basel ist Wirtschaftsstandort, Kulturmetropole und Einwanderungsstadt. Doch wie sind diese Merkmale entstanden? Welche historischen Entwicklungen wirken bis heute, welche Bilder halten einer näheren Betrachtung nicht stand? Dieses Buch folgt zentralen Themen und Narrativen der Gegenwart zurück in die Vergangenheit. Es macht Kontinuitäten und Brüche sichtbar und verbindet archäologische, historische und zeitgenössische Quellen zu einer neuen Erzählung der Stadt. Von den ersten Spuren menschlichen Lebens vor über 50 000 Jahren bis in die Gegenwart entsteht so ein vielschichtiges Bild voller überraschender Verbindungen und unerwarteter Perspektiven. Basel wird neu lesbar.

Eine neue Geschichte der Stadt


Basel. Eine neue Geschichte der Stadt


Basel

Eine neue Geschichte der Stadt

Tobias Ehrenbold Brigitte Röder Marcus Sandl Patrick Kury

CHRISTOPH MERIAN VERLAG


Inhalt 8

Geleitwort

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Eine neue Geschichte der Stadt 50 000 v. Chr. bis 500 n. Chr.

15 Alles ist im Fluss 42

Wann beginnt die Stadt? 500 bis 1250

61 Basels Weg zur Bischofsstadt 88

Mensch und Umwelt – Eine jahrtausendealte Wechselbeziehung 1250 bis 1510

107 Aufstieg der Bürgerschaft 132

Die ‹Humanistenstadt› Basel 1510 bis 1750

149 Disziplin und Ungehorsam 174

Eliten und soziale Ordnung 1750 bis 1840

193 Aufbruch hinter Mauern 220

Das ‹fromme Basel› 1840 bis 1910

237 Die Stadt im rasanten Wandel 262 Basel als Global Player 1910 bis 1965

279 Basel erfährt seine Grenzen 308 Stadt der Migration 1965 bis 2025

327 Bewegungen im Stadtgefüge 354 Die Kunststadt Basel

373 Anhang 374 376 379 380

Bildnachweis Personenregister Autorinnen und Autoren Dank


Geleitwort

Von den ersten Siedlungsspuren bis ins 21. Jahrhundert: Die neue Stadtgeschichte erzählt in neun Bänden die lange und bewegte Geschichte Basels und seiner Bewohnerinnen und Bewohner. Bei der Planung des Projekts wurde beschlossen, den acht chronologisch orientierten Bänden und dem neunten thematischen Band zum städtischen Raum eine eigenständige Überblicksdarstellung folgen zu lassen, die die historischen Entwicklungen nachzeichnet und dabei die Ergebnisse der zuvor publizierten Bände aufnimmt, ohne in eine blosse Zusammenfassung zu münden. Den Autor:innen Tobias Ehrenbold, Brigitte Röder, Marcus Sandl und Patrick Kury gilt unser Dank für die Übernahme dieser herausfordernden Aufgabe. Besonderer Dank kommt Patrick Kury zu. Er hat zusätzlich zu seiner Funktion als Projektleiter nach dem unerwarteten Tod von Tobias Ehrenbold dessen Entwürfe ausgearbeitet, weiterentwickelt und mit eigenen Forschungen ergänzt. Entstanden ist ein Buch, das auf instruktive wie innovative Weise Orientierung in der langen Geschichte Basels bietet. Die Haupttexte sind in chronologische ­Kapitel geordnet, der Überblick wird jeweils vom Zeitstrahl, der Kürzestform der Chronologie, unterstützt. In den Fokustexten werden langfristige Entwicklungen, aber auch Entwicklungsbrüche zusammenhängend erfasst. Danken möchten wir auch den Förderern des Gesamtprojekts Stadt.Geschichte.Basel. Aufgrund des grossen Engagements des Vereins Basler Geschichte, der Unterstützung durch die Regierung, die Universität, das Departement Geschichte und die Vindonissa-Professur des Departements Altertumswissenschaften sowie dank der grosszügigen Förderung durch den Grossen Rat des Kantons Basel-Stadt, verschiedene Stiftungen und Institutionen, Unternehmen und zahlreiche Einzelpersonen wurden die Voraussetzungen für die Erarbeitung einer neuen, umfassenden und zeitgemässen Darstellung der Geschichte Basels geschaffen. Für den vorliegenden Band haben die Christoph Merian Stiftung, die Ernst Göhner Stiftung, die Berta Hess-Cohn Stiftung, die Historische und Antiquarische Gesellschaft zu Basel sowie ­Basel Tourismus zusätzliche Mittel gesprochen, und mit der L. + Th. La Roche-Stiftung, der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige (GGG), Heivisch, der Warteck ­Invest AG und verschiedenen privaten Gönnern konnten wir weitere Unterstützer:innen gewinnen.

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Geleitwort zur Stadt.Geschichte.Basel


Mit ‹Basel. Eine neue Geschichte der Stadt› geht die lange und produktive Zusammenarbeit zwischen den Autor:innen, dem Herausgeber:innengremium, der Projektleitung, dem Verein Basler Geschichte und dem Christoph Merian Verlag an einem umfassenden Werk zu Ende. Allen Beteiligten herzlichen Dank.

Im Namen des Stiftungsrats Regina Wecker

Geleitwort zur Stadt.Geschichte.Basel

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Eine neue Geschichte der Stadt Tobias Ehrenbold, Brigitte Röder, Marcus Sandl, Patrick Kury

Mit dem Projekt Stadt.Geschichte.Basel hat sich Basel eine neue Geschichte ge­ geben. Die neun Bände, die 2024 und 2025 erschienen sind, decken die Zeit von der Altsteinzeit bis in die Gegenwart ab. Sie umfassen nahezu dreitausend Seiten und bringen gut acht Kilo auf die Waage. Wozu braucht es angesichts dieses umfangreichen und auch inhaltlich gewichtigen Werks noch ein weiteres Buch zur Stadtgeschichte? Tatsächlich war es genau der grosse Umfang der neunbändigen Reihe, der die Idee für eine eigenständige Abschlusspublikation aufbrachte – für einen Band, der die grossen Linien der Basler Geschichte in kompakter Form nachzeichnet. Dieser Band liegt nun vor. Er soll Lust darauf machen, Themen, die besonders interessieren, in den Bänden 1 bis 9 zu vertiefen. Darüber hinaus möchte er ein noch breiteres ­Publikum ansprechen – besonders auch Menschen, die sich zunächst mehr für Fragen der Gegenwart als für Geschichte interessieren. Aus diesem Grund haben wir die Perspektive dieses ‹Geschichtsbuchs› umgedreht: Statt bei den Anfängen in der Vergangenheit anzusetzen, um von dort aus die Geschichte linear bis in die Gegenwart zu erzählen, waren unser Ausgangspunkt Themen, die im heutigen Basel eine wichtige Rolle spielen. Dazu gehören die ­Zuwanderung, die Entwicklung zu einer in die Höhe und Fläche ausgreifenden Agglo­ meration, die Rolle Basels als Grenzstadt im Dreiländereck mit ihren Beziehungen zur Schweiz jenseits des Juras, Basel als wirtschaftlicher Global Player, aber auch die wachsende soziale Ungleichheit. Hinzu kommen identitätsstiftende Selbst- und Fremdbilder – etwa ‹Basel tickt anders›, ‹Das reiche Basel›, ‹Die Humanistenstadt› oder auch ‹Stadt der Kunst und der Museen›. Diese Themen und Narrative der Gegenwart bilden die Leitfäden, an denen entlang die Geschichte Basels hier erkundet wird. Manche von ihnen reichen weit in die Vergangenheit zurück. Andere sind überraschend jungen Datums. In der Langzeitperspektive erweisen sich schliesslich auch unerwartete Aspekte als wesentlich für die Geschichte der Stadt und ihres Umlands: So war die verkehrsgünstige Position am Rhein keineswegs zu allen Zeiten von einem überregional ausstrahlenden Zentrum besetzt. Vielmehr wechselt die Rolle Basels beständig zwischen Zentrum und Peripherie.

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Eine neue Geschichte der Stadt


Von heute ausgehend, haben wir im Lauf unserer Erkundung festgestellt, dass alle Leitfäden der Basler Geschichte irgendwann in der Vergangenheit enden. Kein ­Faden reicht bis an den ‹Anfang› oder ‹Ursprung› Basels zurück. Wo wäre ein s­ olcher Beginn angesichts der ältesten menschlichen Spuren zur Zeit der Neandertaler auch anzusetzen? Zu den auslaufenden kommen stets neue Fäden hinzu, die sich mit den bereits vorhandenen zu einem Strang verspinnen. Dieser Strang verbindet die ­Gegenwart mit der Vergangenheit; er bildet die Geschichte, die wir mithilfe archäologischer, historischer und zeitgenössischer Quellen für das heutige Kantonsgebiet rekonstruieren können. Die lange Perspektive von der Altsteinzeit bis in die Gegenwart macht es möglich, das Kommen, Gehen und Verschmelzen von Bevölkerungsgruppen sowie die Vielfalt menschlicher Lebensformen im Wechselspiel mit der sich verändernden Umwelt in diesem Raum zu entdecken. Alles ist im Fluss – einmal schnell, einmal langsam.

Stadtgeschichte neu erzählen Das Verständnis der Basler Stadtgeschichte als ein Strang aus Fäden unterschiedlicher Länge hat sich auch in der Konzeption dieses Buches niedergeschlagen. Grundsätzlich orientiert es sich an der Reihe Stadt.Geschichte.Basel und nimmt die chronologische Gliederung der Bände 1 bis 8 in seiner Kapitelstruktur auf. Die acht Kapitel bieten somit einen kompakten Überblick von den Neandertalern bis heute. Um aber innerhalb jedes Zeitabschnitts das Nebeneinander von langen und kurzen Fäden beziehungsweise das Entstehen und Abbrechen von historischen Entwick­ lungen und Traditionslinien aufzuzeigen, haben wir unterschiedliche Textformate respektive Rubriken entwickelt. Sie sollen ein facettenreiches Bild der einzelnen Zeitabschnitte vermitteln und strukturieren jedes der acht Kapitel in gleicher Weise. Auf eine kurze Einleitung ins Kapitel folgt jeweils ein visueller Auftakt, die ­Vogelperspektive. Ausgehend von einer Abbildung, die aus einer übergeordneten Position einen Blick auf Basel zu einem bestimmten Zeitpunkt festhält, werden die Ausdehnung und die bauliche Struktur der Stadt in ihrer Umgebung erkennbar. So wird deutlich, dass Basel nicht nur ein sich stetig veränderndes Bauwerk ist, sondern immer auch ein vernetzter Lebensraum, der ohne sein Umland nicht zu verstehen ist.

Eine neue Geschichte der Stadt

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Die darauffolgende Spurensuche dringt unter die Oberfläche der Basler Geschichte. Welche Überreste, Objekte und Schriftquellen stehen überhaupt zur Verfügung, um eine Epoche zu rekonstruieren? Mit welchen Methoden werden sie ausgewertet? Anhand ausgewählter Beispiele werden die Erkenntnismöglichkeiten und Grenzen der vorhandenen Quellen illustriert. Diese zeigen auch, an wen erinnert wird und an wen nicht. Einen Schwerpunkt in der Kapitelstruktur bildet der Zeitraffer. Er kommt dem Bedürfnis nach zeitlicher Orientierung entgegen und setzt deshalb mit einem Zeitstrahl ein, auf dem wichtige historische Ereignisse markiert sind. Diese Ereig­nisse – bekannte und weniger bekannte – werden im nachfolgenden Text erläutert. Somit können jene grösseren historischen Veränderungen verständlich gemacht werden, die eine Epoche definieren und die sich oft so langsam vollzogen, dass sie den Zeitzeug:innen selbst wohl gar nicht aufgefallen sind. Der anschliessende Fokus, dessen Thema jeweils im Inhaltsverzeichnis aufgeführt und der im Kapitel farblich abgesetzt ist, vollzieht einen Bruch in der chronologischen Darstellung. Hier werden Themen oder Narrative, die in der Gegenwart oder für das heutige Selbstverständnis Basels von besonderer Bedeutung sind, ­vertiefend betrachtet. Der Fokus ist zugleich das Element, mit dem sich über ­Epochengrenzen hinweg eine Langzeitperspektive entwickeln lässt. Mithilfe dieser longue durée werden der Anfang, aber auch das Abreissen langer ‹Geschichts­ fäden› erkennbar. Zudem werden Zusammenhänge, Strukturen und allmähliche Veränderungen fassbar, die in epochenspezifischen Übersichten zwangsläufig ­unscharf bleiben müssen oder oftmals gar nicht auszumachen sind. Im Hinblick auf aktuelle Narrative wird untersucht, wann sich Selbst- und Fremdzuschreibungen verfestigt haben. Wer identifiziert sich mit ihnen, wer distanziert sich davon? Der Fokus nimmt diese Narrative zu scheinbar baseltypischen Themen gezielt in den Blick und verfolgt sie über weite Zeiträume. Dadurch verflüssigen sich gängige ­Bilder, Basel wird neu lesbar. Die nachfolgende Rubrik Menschenleben setzt für jedes Kapitel ein biografisches Schlaglicht – etwa auf Kinder in spätkeltischer Zeit, auf Kranke und Reisläufer im Mittelalter, auf Arbeiter in einer Chemiefabrik oder auf einen jüdischen Flüchtling, der später den Nobelpreis erhielt. Im Sinne der historischen Anthropologie werden einzelne

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Eine neue Geschichte der Stadt


Baslerinnen und Basler zu verschiedenen historischen Zeiten porträtiert. Ihre Schick­sale öffnen zugleich den Blick auf unterschiedliche soziale Milieus und Existenzweisen in der Stadt. Abgeschlossen werden die Kapitel jeweils mit einer Nahaufnahme. Diese bildet ­zusammen mit der einleitenden Vogelperspektive eine Klammer: Hat der Blick aus der Distanz eine Aussensicht ermöglicht, so tauchen wir nun tief in die Stadt ein und leuchten ihre Lebensräume in Form einer Innensicht aus. Wiederum ausgehend von einer Abbildung wird danach gefragt, wie sich die Menschen zwischen und in den Häusern der Stadt bewegten, was ihr Leben rhythmisierte, und welche sichtbaren und unsichtbaren Muster Basel geformt haben.

Ausblick Wenn wir heute an einem ganz normalen Tag den Basler Marktplatz überqueren, dürften wir dabei mehr Menschen zu Gesicht bekommen als ein Mensch der Alt­ steinzeit in seinem ganzen Leben. Die karge eiszeitliche Landschaft war nur spärlich bevölkert. Die Anlage des spätkeltischen Oppidums auf dem Münsterhügel vor ­etwas mehr als zweitausend Jahren war der Beginn der Stadtentwicklung am Rheinknie. Seither ist der Münsterhügel kontinuierlich besiedelt. Heute sind die Stadt und ihr Umland längst zu einer grenzüberschreitenden Agglomeration zusammen­ gewachsen. Wie geht die Geschichte dieses Ortes weiter? Wie wird Basel in zehn, fünfzig, hundert oder zweitausend Jahren aussehen? Wer wird hier leben? Und wie wird das Leben dann sein? Was die nächsten zehn Jahre anbelangt, so haben wir vermutlich noch eine Vorstellung. Aber wer wagt angesichts der atemberaubenden Geschwindigkeit der gegenwärtigen Veränderungen eine Prognose für die Zeit in fünfzig, geschweige denn in hundert oder gar zweitausend Jahren? Doch was sind schon zweitausend Jahre innerhalb von drei Millionen Jahren Menschheitsgeschichte …

Eine neue Geschichte der Stadt

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BRIGITTE RÖDER

50 000 v. Chr. bis 500 n. Chr.

Alles ist im Fluss Alles ist im Fluss. Nichts bleibt, wie es war. Das gilt für die bewegte Geschichte Basels ganz besonders. Selbst die Lage am Rheinknie war keine fixe, alle Zeiten überdauernde Rahmenbedingung. Das Rheinknie entstand nämlich erst vor rund 3500 Jahren. Aber nicht nur der Lauf des Rheins hat sich immer wieder verändert, auch die Landschaft samt Flora und Fauna war in stetigem Wandel: von einer fast menschenleeren Kältesteppe in der Altsteinzeit über eine nahezu geschlossene Walddecke in der Jungsteinzeit bis zum heutigen hochverdichteten Stadtraum. Auch ‹unsere Vor­ fahren› sind nicht dieselben geblieben: In der Altsteinzeit folgten auf die Neandertaler und ihre Vorläufer die anatomisch modernen Menschen. Sie waren mobil und lebten vom Jagen, Sammeln und Fischen. Auch nach der Aufgabe der nomadisierenden Lebens­ weise in der Jungsteinzeit fanden immer wieder Migrationen statt; sie veränderten die Zusammensetzung der Bevölkerung jeweils massgeblich. Wer also waren die Menschen, die in der Vergangenheit dort lebten, wo heute Basel liegt? Und wann in diesem kontinuierlichen Veränderungsprozess beginnt die Geschichte der Stadt? Mit der ersten befestigten Siedlung auf dem Münsterhügel in der Spätbronzezeit, mit der ersten städtischen Siedlung am Rhein in spätkeltischer Zeit, oder in römischer Zeit, für die der Ortsname Basilia erstmals in einer Schriftquelle belegt ist?


VOGELPERSPEKTIVE

Nichts bleibt, wie es war – auch nicht der Rhein

Schwarzwald

Dinkelberg

Wiese

Ungefähre Lage der späteren Stadt Basel

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Alles ist im Fluss


Hochrheintal

Birs

Wenn das Riesenrad auf dem Münsterhügel während der Herbstmesse eine Weile auf dem höchsten Punkt stehen bleibt, kann man einen atemberaubenden Rundblick genies­ sen. Ausser nach Süden, wo die Jurakette aufragt, erstreckt sich in alle Richtungen eine enorme Weite, sodass die Augen ungehindert in die Ferne schweifen. Die spezielle Posi­ tion Basels wird auf einen Blick erkennbar: Am Rheinknie gelegen, besetzt die Stadt ­einen verkehrsgeografischen Knotenpunkt. Der Fluss schafft eine fast neunhundert Kilo­ meter lange schiffbare Wasserstrasse zur Nordsee. Das Hochrheintal bietet eine Verbindungsachse nach Osten. Und im Westen öffnet die Burgundische Pforte über den sich anschliessenden Bressegraben und das Rhonetal letztlich den Zugang zum Mittel­ meer. Auf dem Riesenrad wird der Blick von der Weite magisch angezogen und so aufs benachbarte Ausland gelenkt. Die Schweiz liegt hinter der Jurakette verborgen, quasi im Rücken der Stadt. Die Vogelperspektive macht neben den weiträumigen Verbindungs­ möglichkeiten zugleich die heutige Grenzposition Basels deutlich. Doch Grenzen entstehen und vergehen – zumindest, wenn man einen grösseren historischen Zeitraum in den Blick nimmt. So ist auch die Geschichte Basels von wech­ selnden Zugehörigkeiten und Positionen mal am Rand, mal im Zentrum gekennzeichnet. Um einiges stabiler ist die Topografie – allerdings nur, wenn man lediglich die letzten 3500 Jahre betrachtet. Davor war auch sie im Wandel, insbesondere am Ende der letzten Eiszeit vor 12 000 Jahren. Ein wichtiger Akteur der Landschaftsentwicklung war der Rhein. In der Eiszeit verästelte er sich auf einer Breite von bis zu neun Kilometern in viele kleine Wasserläufe. Mit den Schmelzwasserströmen von den Gletschern im Mittelland und in den Alpen führte er riesige Mengen Schotter heran und türmte sie in der Region Basel bis zu d ­ reissig Meter hoch auf. Mit dem Ende der Eiszeit brachen die Aufschotterungen ab, und Rhein, Birs und Birsig begannen sich in die Schotterflächen einzugraben. Auf diese Weise ent­ standen die heutigen Geländestufen in der Innenstadt, darunter der Münsterhügel, der zum Rhein rund 25 Meter abfällt. Das Rheinknie existierte damals noch nicht, es bildete sich in der Bronzezeit zwischen 1600 und 1300 v. Chr.

Birsig

1 Mögliches Aussehen der Rheinebene

während der letzten Eiszeit, Blick vom Sundgau in Richtung Schwarzwald.

Vogelperspektive: Nichts bleibt, wie es war – auch nicht der Rhein

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SPURENSUCHE

«Die Eingeweide der Erde reden, wo die Geschichte schweigt»

Lange hielt man archäologische Funde für natürliche Dinge. So gab es die Vorstellung, dass Keramikgefässe bei den Zwergen in der Erde wachsen und Steinbeilklingen bei Gewitter vom Himmel ­fallen; deshalb wurden sie ‹Zwergentöpfe› oder ‹Donnerkeile› ­genannt. Nach ersten Zweifeln im 18. Jahrhundert verdichteten sich im 19. Jahrhundert die Hinweise, dass die Erde wesentlich älter sein muss als die rund sechstausend Jahre, die ­anhand von Zeit­angaben in der Bibel errechnet worden waren. Damals begann man, die Tiefe der Menschheitsgeschichte zu ahnen. Heute wissen wir, dass sie ca. 2,8 Millionen Jahre umfasst. Dass die ‹heidnische Vorzeit› so lang gewesen sein könnte, lag damals jenseits des Vorstellbaren; noch heute ist diese zeitliche Tiefe ­eigentlich ­unermesslich. Mit wachsenden Zweifeln am biblischen Geschichtsbild stieg die Aufmerksamkeit für Spuren, die die ‹­heidnischen Vorfahren› im Boden hinterlassen haben – beispielsweise in Form von Schichten und Verfärbungen sowie den darin ­eingebetteten Keramikscherben, Stein­ geräten etc. Die «Eingeweide der Erde», so der frühe Pfahlbauforscher Franz Sigmund von Wagner 1828 in einem Brief an einen Freund (zit. nach Hafner 2012, S. 239), wurden im 19. Jahrhundert ‹zum Reden gebracht› und als Geschichtsquelle für die Zeiten entdeckt, aus denen keine Schriftquellen vorliegen. Denn wo Menschen sich aufhalten, hinterlassen sie Spuren. Diese ­reichen von mikroskopisch kleinen Überresten im Boden, über den ­tagtäglich angefallenen Müll bis zu massiven, die Jahrhunderte über­ dauernden Bauwerken wie dem Basler Münster. Im Lauf der Zeit bilden sich Schichten, die mehrere Meter stark werden können. Auf dem

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Alles ist im Fluss


2 Schichtpakete in einem

Leitungsgraben auf dem Münsterhügel, Grabung 1978.

Münster­hügel hat sich in den letzten 2000 Jahren, seit der spätkeltischen Zeit, ein zwei Meter mächtiges Schichtpaket aufgetürmt. Hier steht man auf geschichtsträchtigem Boden. An manchen Stellen reichen die Schichten rund 3000 Jahre bis auf das bronzezeitliche Siedlungsniveau zurück.

Spurensuche: «Die Eingeweide der Erde reden, wo die Geschichte schweigt»

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Mehr als Dreck – Der Boden als Geschichtsarchiv Nach einer verbreiteten Vorstellung wühlen die ­Archäologinnen und Archäologen im Dreck. Doch dieser ‹Dreck› hat es in sich: Er gibt Auskunft, ob und vor allem auch wie ein Ort samt Umgebung in der Vergangenheit genutzt wurde. Ausserdem ermöglicht er Aufschlüsse über die natürlichen und die vom Menschen veränderten Umweltverhältnisse. Um das reiche Erkenntnispotenzial zu nutzen, arbeiten kulturgeschichtliche und naturwissenschaft­ liche Disziplinen eng zusammen und integrieren die gewonnenen Daten zu einer Gesamtschau. In Basel besonders gut untersucht sind die Bodenschichten aus der spätkeltischen Siedlung im St. Johannsquartier aus der Zeit von 170 bis 90 v. Chr. Bereits seit den 1970er-Jahren wurden in die Aus­ grabungen der in der Archäologie ‹Basel-Gasfabrik› genannten Fundstelle systematisch naturwissenschaftliche Analysen eingebunden. Die auf der ­Grabung geborgenen Tierknochen und die aus ­Sedimentproben ausgewaschenen Pflanzen- und Tierreste – darunter kleinste Fischknochen – zeigen, wie sich die Menschen ernährt, welche Art von Landwirtschaft sie betrieben und wie sie die Landschaft genutzt haben. Unter dem Mikroskop lassen sich aus Sedimentproben vielfältige Informationen gewinnen. So konnten Hausböden und Ausplanierungen des Geländes identifiziert werden, die mit blossem Auge nicht zu erkennen waren. Besondere Überraschungen waren der Nachweis von Gartenflächen, die Herstellung von Glas und die Nutzung von Dung als Brennmaterial. Rätselhaft bleibt, weshalb Gräber vor der Bestattung tage- bis wochenlang offen­ standen. Hatte man sie ‹auf Vorrat› angelegt? Doch unter dem Mikroskop sind nicht nur im Boden konservierte Spuren von Handlungen zu erkennen: Eier von Spul- und Peitschenwürmern führen direkt zu den Bewohner:innen. Die Parasiten aus ihren Eingeweiden finden sich nach mehr als zweitausend Jahren noch in den «Eingeweiden der Erde».

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Alles ist im Fluss

3 Ein über zweitausend Jahre altes Parasitenei

in einer Bodenprobe aus der spätkeltischen ­Siedlung Basel-Gasfabrik unter dem Mikroskop.


Zwei Millionen Funde und kein Ende Während die Entdeckung neuer Schriftquellen

­allem Keramikscherben und Tierknochen erhalten

­Seltenheitswert hat, wächst die Zahl der archäolo-

haben. Andere Dinge aus organischen Materialien

gischen Quellen stetig an. Wegen der starken Bau-

– beispielsweise Holzgegenstände und Textilien –

tätigkeit finden laufend Eingriffe in den Boden statt,

sind vergangen. Die Tonnen an Funden stellen letzt-

und die Chance, dabei auf Überreste aus der Ver-

lich nur einen winzigen Ausschnitt der ehemals

gangenheit zu stossen, tendiert insbesondere in der

­vorhandenen materiellen Kultur dar, der dem Zahn

Basler Innenstadt gegen hundert Prozent. Diese Kul-

der Zeit getrotzt hat.

turgüter zu sichern, zu erforschen, zu bewahren und

Die beiden Beispiele sind Extremfälle, die auf-

die erzielten Ergebnisse der Öffentlichkeit zu vermit-

zeigen, wie unterschiedlich die archäologische

teln, ist der gesetzliche Auftrag der 1962 eingerich-

Quellenlage ausfallen kann. Eine entscheidende

teten Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt.

Rolle spielen dabei die Lebensweise und das mit ihr

Aktuell beherbergt sie über zwei Millionen Ob-

einhergehende Konsum- und Abfallverhalten. Inso-

jekte in ihren Depots. Zu den ältesten Funden gehört

fern hat allein die schiere Menge der Funde aus der

ein mindestens fünfzigtausend Jahre alter Faust-

spätkeltischen Siedlung am Rhein einen grossen

keil aus Bettingen. Er stammt von nomadisierenden

historischen Aussagewert. Wie wird eine künftige

Neandertaler:innen, die hier vielleicht einen Lager-

Archäologie wohl mit den aberwitzigen Mengen an

platz hatten. Während der Faustkeil ein seltenes

materieller Kultur umgehen, die wir heute produzie-

Einzelstück ist, haben die Bewohner:innen der etwa

ren und zurücklassen?

siebzehn Hektaren grossen städtischen Siedlung Basel-­Gasfabrik gleich tonnenweise Material zurückgelassen. Die Masse davon besteht aus dem tagtäglich angefallenen Müll, von dem sich vor

4 Untersuchung von Keramikscherben

aus Basel-Gasfabrik in der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt.

Spurensuche: «Die Eingeweide der Erde reden, wo die Geschichte schweigt»

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Materielle Spuren ehemaliger Handlungen Archäologische Funde sind vor allem dann auf-

Das Phänomen ist aus allen Epochen der Ur- und

schlussreich, wenn über den Kontext, in dem sie

Frühgeschichte bekannt, aber am häufigsten für die

­entdeckt wurden, genaue Informationen vorliegen.

Bronzezeit belegt.

Dann lassen sich aus ihnen Handlungen rekonst­

Vom Basler Kantonsgebiet stammen mehrere

ruieren, die zur jeweiligen Fundsituation geführt

Objekte, die einst im Rhein deponiert wurden, da­

­haben. Treten die identifizierten Handlungen wie-

runter zwei Steinäxte aus der Jungsteinzeit. Doch

derholt auf, spricht man von kulturellen Praktiken.

auch Gegenstände, die der Erde übergeben wurden,

Dazu gehören beispielsweise Bestattungspraktiken,

sind bekannt; beispielsweise ein absichtlich ver­

die aus der minutiösen Analyse von Gräbern er-

bogenes Schwert aus der Bronzezeit, das in Riehen

schlossen werden.

zutage kam. Diese Objekte bieten für uns einen

Eine auf uns etwas befremdlich wirkende Prak-

­faszinierenden Einblick in rituelle Praktiken. Ihre

tik ist das Deponieren von Gegenständen. Ziel da-

Bergung wäre allerdings wohl nicht im Sinn der

bei war es offenbar, die Objekte, die häufig von

Menschen gewesen, welche sie ‹für immer› dem

­besonderem Wert gewesen sein dürften, dem Alltag

­Zugriff entziehen wollten.

zu entziehen. Teils wurden sie durch Zerbrechen oder Verbiegen unbrauchbar gemacht, bevor sie vergraben oder in Gewässern und Mooren versenkt wurden. Die Orte waren nicht zufällig gewählt, sondern weisen Regelhaftigkeiten auf und scheinen in den weltanschaulichen Konzepten bedeutungsvoll gewesen zu sein. Die meisten dieser Deponierungen

5 Absichtlich verbogenes Schwert aus

werden deshalb als Opfer an Gottheiten gedeutet.

der Bronzezeit, gefunden in Riehen.

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Alles ist im Fluss


Knochen und Zähne: Quellen für frühere Lebensverhältnisse Den unmittelbarsten Zugang zu Menschen der

die manchmal als Todesursache ausgemacht wer-

Vergangenheit bieten ihre sterblichen Überreste.

den können. Verheilte Verletzungen wiederum sind

Weil sich Weichteile nur unter speziellen Bedingun-

ein Indiz für medizinische Kenntnisse. Schliesslich

gen – beispielsweise in Mooren oder wie die Glet-

lassen sich an den körperlichen Überresten auch

schermumie ‹Ötzi› im Eis – erhalten, sind körperliche

Informationen zum Ernährungs- und Gesundheits-

Überreste meist in Form von Skeletten überliefert.

status sowie zu bestimmten Erkrankungen und zur

Naturwissenschaftlich untersucht, geben sie wert-

Arbeitsbelastung gewinnen. Die chemische Zusam-

volle Aufschlüsse über das biologische Geschlecht

mensetzung von Knochen und Zähnen, die durch

und das Sterbealter von Individuen sowie über indi-

die Nahrung und das Trinkwasser – und damit auch

viduelle und kollektive Lebensverhältnisse.

durch den geologischen Untergrund des Aufent-

Da der menschliche Körper plastisch ist und

haltsorts – geprägt wird, gibt Aufschluss über die

sich durch die Lebensverhältnisse verändert, schrei-

Ernährungsweise (vegetarische oder fleischliche

ben sich diese in den Körper ein. Zum Teil hinter­

Kost) und über Ortswechsel. Mit DNA-Analysen

lassen sie Spuren an Knochen und Zähnen, sei es

­können Migrationsbewegungen, Epidemien wie die

äusserlich oder in der chemischen Zusammenset-

Pest oder auch genetische Verwandtschaftsbezie-

zung. So führen häufig und lange ausgeübte Tätig-

hungen nachgewiesen werden.

keiten zu spezifischen Aktivitätsmustern (z. B. kleine

Kurz: Sterbliche Überreste enthalten eine Fülle

Vertiefungen an den Ansatzpunkten der Muskeln

historischer Informationen. Diese bilden eine solide

am Knochen) und Abnutzungserscheinungen. Aus

Basis für weiterführende Untersuchungen, beispiels­

ihnen kann noch Jahrtausende später auf körper­

weise der Geschlechterverhältnisse.

liche Aktivitäten rückgeschlossen werden. Auch Verletzungen geben Hinweise auf Tätigkeiten. Teils

6 Bergung eines Skeletts aus spätkeltischer Zeit

gehen sie aber auch auf Gewalterfahrungen zurück,

im St. Johannsquartier durch einen Anthropologen.

Spurensuche: «Die Eingeweide der Erde reden, wo die Geschichte schweigt»

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7 Römische Schreibgriffel (stili) aus Knochen vom Basler Münster-

hügel und Steinplättchen zum Nachschärfen der Spitzen.

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Alles ist im Fluss


Erste Schriftzeugnisse und Schreibgeräte 99,9 Prozent ihrer Geschichte kam die Menschheit

genheiten die griechische Schrift verwendeten.

ohne Schrift aus. Die ersten Schriftsysteme ent­

­Caesar berichtet auch, dass es den Druiden streng

wickelten sich um 3300 v. Chr. in Mesopotamien

verboten war, ihr Wissen aufzuschreiben. Dieses wur-

(Keilschrift) und um 3200 v. Chr. in Ägypten (Hiero-

de auswendig gelernt und mündlich weitergegeben.

glyphen), offenbar, um in diesen frühen Staaten

Aus heutiger Sicht ist das Gebot, das Wissen

die immer komplexer werdenden Verwaltungsauf-

ausschliesslich mündlich weiterzugeben, höchst

gaben zu meistern. Die ältesten Schriftzeugnisse

­bedauerlich. Denn so sind wir auf die wenigen

auf Schweizer Gebiet sind in keltischer Sprache ver-

­Bemerkungen Caesars über ‹Land und Leute› an-

fasst und wurden im Tessin und im Misox entdeckt.

gewiesen, die er in seinen Kriegsbericht eingestreut

Überliefert sind vor allem Inschriften auf Grab- und

hat. Und diese sind nicht nur von seiner Aussensicht

Weihesteinen, Münzaufschriften sowie Eigennamen,

als Römer, sondern auch von seiner politischen

die in Gefässe und Schmuck eingeritzt sind. Sie

Agenda als Sieger im Hinblick auf seine Leserschaft

­beruhen auf einer Variante des etruskischen Alpha-

in Rom geprägt.

bets und datieren in die Zeit ab 550 v. Chr. Schrift-

Zu den Veränderungen, welche die römische

zeugnisse aus der nordalpinen Schweiz sind wesent-

Herrschaft und die Eingliederung in ein staatlich

lich seltener und jünger: Sie stammen aus dem

organisiertes Weltreich mit sich brachten, gehör-

2. und 1. Jahrhundert v. Chr. und sind überwiegend

te der vermehrte Schriftgebrauch. Archäologisch

im griechischen Alphabet abgefasst.

schlägt er sich vor allem in Form von Inschriften

In Siedlungen dieser Zeit, auch in Basel-Gas­

­nieder. Bis zur Abfassung von längeren Texten, aus

fabrik, wurden vereinzelt Schreibgriffel gefunden.

denen sich die historische Entwicklung Basels

Wer sie benutzt hat – ob Einheimische oder an­

­erschliessen lässt, sollte es jedoch noch einige hun-

wesende Händler:innen oder Gesandte aus dem

dert Jahre dauern.

Mittelmeergebiet –, ist unklar. Aus Bemerkungen in Caesars Bericht über den Gallischen Krieg, der wahrscheinlich 51 v. Chr. in Rom veröffentlicht wurde, geht hervor, dass zumindest Druiden (Gelehrte und Priester) in privaten und öffentlichen Angele-

8 Lateinische und griechische Aufschriften auf spätkelti-

schen Münzen vom Basler Münsterhügel; oben: Touronos Cantorix, Vorder- und Rückseite, unten: Kaletedou-Quinar, Vorder- und Rückseite (Umzeichnungen).

Spurensuche: «Die Eingeweide der Erde reden, wo die Geschichte schweigt»

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ZEITRAFFER

50 000 v. Chr. bis 500 n. Chr.

Kältesteppe in der Region Basel Befestigte Siedlung in der Spätbronzezeit Entstehung des Rheinknies

20 000 v. Chr.

130 000 v. Chr.

1600/1300 v. Chr.

4000 v. Chr.

Erste Hinweise auf Menschen in der Region

Alles ist im Fluss

800–450 v. Chr. Spärliche Funde, Siedlungen und ­Grabhügel im Umland

‹Inseln im Waldmeer›: bäuerliche Siedlungen

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900 v. Chr.


Der römische Kaiser ist zur Grenzsicherung in Basilia und lässt in Kleinbasel eine Festung bauen

Städtische Zentren in spätkeltischer Zeit

ab 170 v. Chr.

Römische Quellen berichten über Ereignisse in der Region

Kleinstadt im römischen Weltreich

ca. 70 v. Chr.

ab ca. 30 v. Chr.

58 v. Chr.

44/43 v. Chr.

Helvetier und Rauriker wandern nach Süden aus und werden von Caesar zurückgeschickt

Gründung der Colonia Raurica

ca. 52 v. Chr.

3. Jh. n. Chr.

374 n. Chr.

400 n. Chr. Hinweise auf christlichen ­Glauben

Krisenzeit, Alamanneneinfälle; Basilia wird eine befestigte Grenzstadt

Unter römischer Herrschaft

Zeitraffer: 50 000 v. Chr. bis 500 n. Chr.

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