AB 11.6. IM KINO!

LITERATUR RICHTUNGSWEISENDES IM LITERATURHAUS

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AB 11.6. IM KINO!

LITERATUR RICHTUNGSWEISENDES IM LITERATURHAUS

Fragmente: An der Wörterwand vor der Zollhalle formen die Passanten Sätze und Fragen zum Leben im Quartier am Güterbahnhof
DAS AKTIONSTHEATER PAN.OPTIKUM ERKUNDET DEN ZUSAMMENHALT
Auf der langen, leuchtend orangeroten Bank vor einer Ladenzeile im Quartier Brühl-Güterbahnhof haben viele Leute Platz. Allerdings muss man sie erst einmal in die Waagerechte bringen: Bodenhaftung hat sie nur an einem Ende, das andere ragt in die Luft: Die Bank ist auf einen grasgrün gestrichenen Standpfosten montiert, der höher ist als ihre Beine lang.
Das schräge Möbel ist Teil des neuen Projekts des Aktionstheaters Pan.Optikum, dessen internationales Ensemble seit Jahren – nicht nur in Freiburg – mit spektakulären Auftritten im öffentlichen Raum von sich reden macht. „Who cares?“ ist das auf Mitwirkung angelegte Vorhaben benannt. „Im Zentrum steht die Frage, wie Fürsorge, Aufmerksamkeit und gemeinsame Verantwortung in einem neu entstehenden Stadtteil erfahrbar werden können“, sagt Leonie Fritsch.
Sie ist bei Pan.Optikum hauptsächlich für Dramaturgie zuständig – und hat mit ihren Kollegen die Entstehung eines Stadtteils hautnah miterlebt: Seit 13 Jahren hat das Aktionskunst-Kollektiv seine Produktionsstätte in der Lokhalle auf dem Güterbahnhofsareal. Und während dieser Zeit hat sich das Gelände komplett verändert: Zoll- und Lagerhallen, Geleise und Kleinbetriebe sind Büro- und Wohnhäusern gewichen, Infrastruktur entstand, viele Menschen zogen her.
Von denen, so Fritsch, wisse man aber nicht viel. Alles wirke „irgendwie steril“, ohne sichtbare gemein- oder nachbarschaftliche Aufenthalts- und Begegnungsräume. Deshalb wollen sie jetzt hinausgehen in ihr Quartier. Wollen mit den Menschen in Kontakt kommen, ausbalancieren, was fehlt und was es braucht, damit sich auch in einer sich wandelnden Gesellschaft ein Gemeinwesen entwickeln kann. Deshalb die Bank-Wippe. Bis zum 18. Juni befinden sich im Stadtteil noch weitere Elemente aus
der Pan.Optikum-Werkstatt: An der Lokhalle steht ein Klang-Hexagon, in dem sich sechs Menschen gleichzeitig zurücklehnen und einer Sound-Collage lauschen können. Und an einer riesigen „Wörterwand“ auf dem Zollhof-Platz können 24 einseitig beschriftete Schilder so gedreht werden, dass sich etwa Fragen wie „WIRKLICH IMMER ALLEIN?“ ergeben. Fragen, die man sich womöglich im Privaten stellt. Die nun aber mit anderen Bewohnern verhandelt werden können.
Die über einen am jeweiligen Element befindlichen QR-Code in den virtuellen Raum von Pan.Optikum übertragenen Fotos und Statements werden ab 11. Juli in einer interaktiven Ausstellung in der Lokhalle präsentiert – begleitet von mehreren Performances. Hier werden Laien und Profis zusammengebracht – zu einem Austausch, der über den Zeitraum des vom Land Baden-Württemberg mit 40.000 Euro geförderten Projekts hinaus weitergeführt werden soll. von Erika Weisser
Avon Erika Weisser
n sonnigen Tagen sind sie gut zu sehen: die feinen weißen Fäden aus merzerisiertem Baumwollgarn, die Elke Maier derzeit im Innenraum des Mittelschiffs des Freiburger Münsters zu einem eigenen transzendenten Raum verwebt. „Sichtbar – Unsichtbar“ ist das eigens für das Münster konzipierte Projekt benannt, an dem die Künstlerin im Auftrag der Kunstkommission der Erzdiözese derzeit täglich acht bis zehn Stunden arbeitet.
Seit 13. April ist sie am Werk. Sie ließ zunächst einzelne Fäden vom Deckengewölbe herab, spannte sie, zog sie diagonal nach vorne zum Chorraum und verknüpfte sie mit geeigneten Teilen des Mauerwerks. Schritt für Schritt, wie sie sagt – und in ständigem Dialog mit dem Raum. Die feinen Fäden ziehen sich 100 Meter weit durch das ganze Langhaus des Sakralbaus – von der Michaelsempore im Westturm über das silberne Böcklin-Kreuz bis zu dem von Hans Baldung Grien geschaffenen Hochaltar. Das Werk, dessen Teil sie „im Lauf des Arbeitsprozesses selbst geworden hat“, ist fast fertig. Am Pfingstmontag, 25. Mai, ist feierliche Vernissage. Hernach bleibt die Installation bis zum 28. September an Ort und Stelle. Den Sommer über können Besucher zu den Öffnungszeiten des Münsters dann jederzeit erleben, wie sich die Wahrnehmung des Raums, je nach Tageszeit und Sonnenposition, stetig verändert. Das einfallende natürliche Licht wird durch die Fäden reflektiert, lässt sie erstrahlen und macht sie und damit auch das Licht selbst sichtbar.
Oder auch nicht: An trüberen Tagen bleiben sie im Halbdunkel des Innenraums verborgen. Sie sind kaum wahrzunehmen, aber dennoch da. So wie das Licht selbst.
Etwa 50 Kilometer des feinen, leicht glänzenden Nähgarns hat sie für ihr Projekt „mit höchster Präzision und Sorgfalt“ verwoben. Und es ist nicht der erste Lichtraum, den sie schafft: Neben vielen anderen Kirchen hat sie bereits die Innenräume des Stephansdoms in Wien und des Bamberger Doms umgestaltet. Bilder dieser Installationen sind bis 20. Juni im Münsterforum ausgestellt.
INFO www.ebfr.de
Sichtbar: Elke Maiers Fadeninstallation verwandelt den Innenraum des Münsters in einen Lichtraum.




Startschuss

Proberäume sind oft muffig. Nicht so im neuen Freiburger Modul-Park: Für 1,6 Millionen Euro hat das Rathaus beim Eschholzpark 7 Räume für 20 Bands geschaffen. Zur Eröffnung gibt’s Lob, aber auch eine Forderung. Ein Musiker ist begeistert –obwohl die Akustik noch klingt wie im Schuhkarton.
Zweimal hat Philipp Valara mit seiner Band im neuen Modulproberaum gespielt: „Es ist noch relativ schwierig, die Wände sind innen komplett kahl“, berichtet der Drummer. Das Gefühl: „Akustisch wie in einem rechteckigen Schuhkarton.“ Da haue es einem alles um die Ohren. Mit seiner Band Valara teilt er sich den 35-Quadratmeter-Raum mit zwei weiteren Acts. Ihr Plan: „Wir werden da massig Dämm-Material reinpacken.“ Wenn die Akustik stimmt, könnte das rund werden: „An sich sind die Räume mega cool!“, schwärmt Valara. Drei Schlagzeuger könnten ihr Drumset durchgehend stehen lassen.
Vorher probte Valara im Kulturraum: „Da gab es diverse Sachen, die nicht ideal waren.“ Der neue Raum
sei ein Upgrade: Man könne ranfahren zum Be- und Entladen, nach außen hin sei das krass gedämmt, finanziell zudem mega fair: 150 Euro zahlt seine Gruppe im Monat.
Kosten lassen hat sich die Stadtverwaltung das 1,6 Millionen Euro. Der Park auf dem Areal der EdithStein-Schule neben dem Eschholzpark hat sieben Proberäume und einen Sharing-Room für Workshops und Tourproben. Betreiber ist der Verein Multicore.
von Till Neumann
neue Proberäume. Wir haben auch einen Ort für Kreativität, Begegnung und Entwicklung.“
Wo Musik entstehen solle, brauche es Platz und Verlässlichkeit. „Damit wir morgen geile Bands aus Freiburg in die Welt schicken können.“ Einen Proberaum hier zu ha-
Euphorie und Forderung:
„Bedarf ist nicht gedeckt“
ben, sei Luxus, viele Acts stünden noch auf der Straße.
Zur Eröffnung Ende April kam auch Freiburgs neuer Kulturbürgermeister Roland Meder. Er lobte die Holzbauweise: „Das passt zu Freiburg.“ Der Mangel an Proberäumen sei ein „drängendes Problem“. Schwieriger als gedacht sei die Suche nach einem passenden Standort gewesen. Meder betont: „Wir hoffen, dass von den neuen Räumen ein starker Impuls in die Szene geht.“
Aus 32 Bewerbungen hat die Jury 20 Acts ausgewählt. Juror war auch Multicore-Chef Franck Mitaine. „Der Park ist fertig, das ist Wahnsinn“, sagte er zur Eröffnung sichtlich gerührt. Für eine freie Rede seien es zu viele Emotionen, daher las er: „Ab heute haben wir nicht nur
Mitaine mahnte: „Der Bedarf ist nicht gedeckt.“ Es brauche eine weitere Perspektive. Überlegungen zu Flächen im Schildacker oder an der Schönauer Straße seien wichtig. Zu Letzterer ist eine Machbarkeitsstudie in Auftrag.
Für fünf Jahre ist der Standort geplant, teilt das Rathaus mit. Nun werde geprüft, wo die Module der Firma Meom hinwandern könnten. Auch Meder betont: „Das ist eine temporäre Lösung.“
Für Philipp Valara hat sie einen weiteren Vorteil: Man kann mit anderen Bands connecten. „Ein Gemeinschafts-Ding ist halt irgendwie cooler als ein Keller irgendwo im Nirgendwo.“
DAS FREIBURGER ZMF STARTET AMBITIONIERT IN DEN 42. JAHRGANG
Die 42 ist die Antwort auf die ultimative Frage nach dem Leben, dem Universum und allem. Wer „Per Anhalter durch die Galaxis“ gelesen hat, weiß das. Das Freiburger Zelt-Musik-Festival (ZMF) startet am 15. Juli in seine 42. Auflage. Und das Programm ist mithin die Antwort auf fast alles, was es in der Musik so an Richtungen gibt. Noch mehr Vielfalt in der Stadt der Vielfalt ist schwer.
gar zum ZMF, das durch viele Höhen und Tiefen gehen musste, sich erst vom Verein in eine GmbH und nun in eine gemeinnützige GmbH verwandelt hat, ohne je Tausende Fans, Freunde, Supporter zu verlieren. Sportfreunde Stiller. LaBrassBanda. Katie Melua. Meute. Till Brönner. Von wegen Lisbeth. Burning Spear. Razorlight. Die Programmmacher um Dieter Bös und Xhavit Hyseni haben ein – auf einem immer schwieriger werdenden Konzertmarkt – ambitioniertes Line-up in die Zelte gebracht. Und je tiefer man
von Lars Bargmann
auf die Bühne, das Freiburger Akkordeon Orchester ist bei einer musikalischen Spurensuche nach Astor Piazzola zu bestaunen.
DJ Rainer Trüby feiert auf dem ZMF 30 Jahre Root down – die Clubnight, die durchaus Legendenstatus hat. Und die deutsch-französische Hiphop-Band Zweierpasch –frisch gebackene Bundesverdienstkreuzträger – bringen die „Two-ToTango-Tour“ auf die Bretter, die Freiburg vom 15. Juli bis zum 2. August bewegen.
Im größten Biergarten Freiburgs

Sieben Leute, eine große Liebe: gemeinsam Musik machen. Die Freiburger Band Soundgauallee mischt seit 2023 auf Regio-Bühnen mit. Ihre Musik ist trotz des Bandnamens keine Liebeserklärung an das Viertel Betzenhausen. Ihr Herz schlägt vor allem für eins.
Alles begann mit einer Anzeige von Keyboarderin Tatiana: „Wer hat Lust auf eine Fusion verschiedener Musikrichtungen?“ So annoncierte es die Musikerin 2023 rund ein Jahr lang. „Das Wichtigste war, dass man gute Vibes mitbringt“, erinnert sie sich.
Rund drei Jahre später hat die siebenköpfige Band schon 23 Gigs gespielt. Sie war im Actionprogramm des ZMF, trat im Ruefetto auf und rockte beim Sommerfest der Ziegenwiese. Sänger Jonas, Bassist Pedro und Tatiana sind fürs chilli-Interview zusammengekommen und berichten von aufregenden Anfängen.
„Wir sind eine wild zusammengewürfelte Truppe“, erzählt Jonas. Ska trifft auf Reggae, Hiphop, Pop oder Latin. „Wir setzen uns da keine Grenzen – ich glaube, das macht das Projekt besonders“, so der Sänger weiter. Ihre Mission: Sie wollen Spaß verbreiten und Menschen in Bewegung bringen. „Tanzen, tanzen, tanzen, die Leute müssen tanzen – das sagt Tati bei jeder Probe“, berichtet Jonas und lacht. Für Balladen sei wenig Platz. Entschieden wird gemeinsam. „Wir versuchen, eine Demokratie zu sein“, berichtet Bassist Pedro. Das sei zwar nicht immer einfach bei so einer großen Crew. Tatiana ist dennoch überzeugt: „Das ist die Magie der Band.“
Herauskristallisiert hat sich bei den Auftritten ihr erster kleiner Hit:
Wollen Menschen in Bewegung bringen: Soundgauallee
von Till Neumann

„Meine Allee“ heißt der treibende Track mit einer Bläser-Line, die ins Ohr geht. „Meine Allee hat kaum nen Baum und auch das Straßenschild ist blau“, heißt es darin. Das klingt nach einer Liebeserklärung an die Straße, die ihren Bandnamen ziert. Doch das stimmt nur bedingt: „Wir proben in der Sundgauallee, wohnen aber nicht da – uns hat vor allem das Wortspiel gefallen“, berichten sie. Etwas Lokalkolorit könne zudem nicht schaden.
Die Songs entstehen beim gemeinsamen Proben – jeder bringt dort Ideen ein. Material für mehr als eine Stunde Liveprogramm steht bereits. Doch veröffentlicht haben sie noch keinen einzigen Track. „Produktion ist bisher kein Fokus gewesen“, sagt Sänger Jonas. Doch das soll sich bald ändern. Es sei
schon gut, wenn sich Fans nach Konzerten was anhören könnten. Am liebsten mögen sie das gemeinsame Musikmachen: „Die schönsten Momente sind die Gigs“, erzählen sie. Das Kribbeln davor, die Euphorie danach. Doch auch Krisen haben sie schon hinter sich. Im Januar hat sich die Band umformiert – Jonas ist jetzt Sänger. Daraus wollen sie gestärkt hervorgehen. „Wir sind gute Teamplayer“, betont Jonas. Und die Band hätte richtig Bock, im Sommer mehr Gigs zu spielen. Zu sehen sind sie unter anderem bei „Freiburg Stimmt ein“ am 3. Juli im Colombipark. Mit viel Power, catchy Melodien und viel Liebe für Musik wollen sie dann wieder das versuchen, was ihnen am meisten Spaß macht: Leute zum Tanzen bringen.


(tln). Schwelgen in alten Zeiten: Das macht der Sound von Rika Bender möglich. Die Freiburger Sängerin hat gerade ihre Single „Zerbricht“ releast. Nostalgischer Diskosound trifft da auf nachdenkliche Zeilen.
Irgendwo zwischen Nena und Falko oszilliert dieser Tune. Synthies flirren, die Drums schieben sanft nach vorne.
„Du hältst dich für den Richter der Nacht, denkst die Welt gehört dir, weil du laut genug bist“, singt Rika. Ein Song über Lügen, Trugschlüsse und die Schönheit der Zerbrechlichkeit. Wer das hört, beamt sich zurück in die 60er oder 70er. Retro-Kunst, die einhüllt. Dazu gibt’s ein SchwarzWeiß-Video mit beschmierten Wänden, einer Schaufensterpuppe mit abgeklebten Brüsten und ein paar Shots auf der Theke.
Ein Song mit Ohrwurm-Potenzial. Eine Zeitreise, die nicht aufdrängt, sondern einlädt. Von einer Künstlerin, die mit regelmäßigem Output von sich reden macht. Aufgewachsen am Bodensee, dann studiert in Freiburg, jetzt eine umtriebige Musikerin mit Gespür für Töne und Texte. Als Inspiration nennt sie Depeche Mode und Apache. Wie das live klingt, gibt’s in Schopfheim zu sehen: Rika Bender tritt am 20. Juni im Café Irrlicht auf. Am 15. Oktober ist sie in Berlin im „Schokoladen“ auf der Bühne.
(tln). Das Freiburger Quintett Pak Choi meldet sich zurück mit der Single „Reincarnation Frustration“. Auf die Ohren gibt’s knallharte Gitarren, wilde Drums und Screaming, das schon beim Zuhören heiser macht.
Pak Choi ist eigentlich Chinesischer Senfkohl. Aromatisches Gemüse für Wok-Gerichte, Suppen oder Salate. Doch in Freiburg steht das auch für eine Progressive-Metal-Band, die es laut und rotzig mag. Zu ihrer Single gibt’s ein Lyric-Video in gewohnt grimmiger Optik. Ein furchteinflößendes Insekt schaut böse drein. Der Sound ist nicht weniger milde.
„I want to spread my wings, get carried away“, textet die Sängerin. Dann ein Schrei: „By the Storm“. Den Sturm entfacht hier ihre Stimme, mindestens so furchteinflößend wie das Tier auf dem Cover.
Die Band ist viel unterwegs in Freiburg. Sie hat im Elpi, im „Eimer“ und im Kulturraum gespielt. Aber auch in Basel war die Crew live zu sehen.
Mit ihrer frustrierten Wiedergeburt stellt die Gruppe erneut klar: Ihre Musik zählt zur härteren Sorte. Wer es laut und dreckig mag, wird hier fündig. Donnernder Metal zum Auf- und Durchdrehen. Man könnte auch sagen: Pak Choi liefert wilde Vitamine. Nachwürzen nicht nötig. Zu hören gibt’s den Song auf Streamingportalen aller Art.
... zur Fußball-WM und den Verunreinigten Staaten von Amerika
Die Freiburger Geschmackspolizei ermittelt schon seit 20 Jahren gegen Geschmacksverbrechen, vor allem in der Musik. Für die cultur.zeit verhaftet Kommissar Ralf Welteroth fragwürdige Werke von Künstlern, die das geschmackliche Sicherheitsgefühl der Bevölkerung empfindlich beeinträchtigen.
Welch ein Land! Auch bekannt als The Land of the unbegrenzte Möglichkeiten. Nicht zu verwechseln mit Baden-Württemberg, dem Ländle der Kehrwoche und des Bausparvertrags! Oft geschmackssicher besungen – The 51st State of America, This is not America, Born in the USA vom echten und einzigen Boss Bruce Springsteen – da ist Donald Trump nur ein abgehalfterter Revolver- und Maulheld dagegen. Sein Spezi Kid Rock wäre der ideale Partner für ein Duett – zwei American Idiots!
1994, zur ersten Fußball-WM in den USA, veröffentlichte die Deutsche Fußballnationalmannschaft zusammen mit den Village People (ja, genau die!) den Song „Far away in America … we’re gonna make it, find the chance and take it, away in America, we’re gonna make it, get it out and shake it, you’re gonna fight for the light, make it come on and go, it’s alright, Far away in America!” Die Ermittlungen laufen immer noch.
Berti der „Terrier“ Vogts schweigt beharrlich, auch das Video dazu ist nichts für schwache Nerven. Die National-Hymnen sind in diesen Tagen und Wochen dann ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit. Der Text der amerikanischen Hymne „The Star-Spangled Banner“ wurde übrigens auf die Melodie eines bereits existierenden Trinkliedes gesetzt.
Cheers, wir sind dann mal far away in America!
Ihre GeschPo Freiburg

Man kann sich Freiburg ohne Weingarten gar nicht mehr vorstellen. Dabei ist es gerade einmal knapp 60 Jahre her, dass die ersten Familien in die von der Freiburger Stadtbau ab 1964 errichteten Mietwohnungen der Hochhaussiedlung zogen. Heute wohnen rund 11.000 Menschen in dem inzwischen selbstständigen Stadtteil. Wie sie ihr Leben und Zusammenleben gestalten, zeigt der Film „Weingarten – ganz und anders“.
Die Großsiedlung wurde konzipiert, um der zunehmenden Wohnungsnot entgegenzuwirken – gerade für junge Familien, die in Freiburg bleiben oder zuziehen wollten. Und so manche „Ureinwohner“ leben noch immer und sehr gerne dort – etwa die betagte Frau, die Filmemacher Julian Bell am Rand des Wochenmarkts nach ihrem Wohlfühlfaktor in dem oft als sozialer Brennpunkt stigmatisierten Stadtteil befragt. Wie viele, die in seinem Film zu Wort kommen, kann sie sich „überhaupt nicht vorstellen, woanders zu wohnen“. Und sie würde „jederzeit nachts um zehn durch den Park am Dorfbach gehen“.
Bemerkungen wie „solange du nicht nach Weingarten oder Landwasser ziehen willst, ist Freiburg wunderschön“ empfinden sie alle als diffamierend und verletzend. So geht es etwa den drei Frauen, die zwar zu einer Familie, doch zu drei verschiedenen Generationen
gehören: Sie haben immer hier in dem bunt gemischten Quartier gelebt, engagieren sich im Mehrgenerationenhaus und erzählen den Leuten vom Filmteam, dass sie es unfair finden, als Ghettobewohnerinnen be- und damit „eigentlich abgewertet“ zu werden. Die Leute, bestätigen auch die beiden Frauen aus der Sinti-Community, „sind im Lauf der Jahre zusammengewachsen“. Sie fühlen sich wohl hier, „gehören einfach zu Weingarten dazu“ – auch wenn es gelegentlich Reibereien gebe. Wie überall, wo Menschen mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen und -entwürfen auf engem Raum zusammenleben. Doch inzwischen hätten die meisten das Gefühl, Teil einer multikulturellen Gemeinschaft zu sein und dazu beizutragen, dass das nachbarschaftliche Zusammenleben funktioniert.
Man akzeptiert und respektiert sich gegenseitig, sagt auch Berthold Dietz, der an der ebenfalls im Stadtteil ansässigen Evangelischen Hochschule Soziologie lehrt. Zumindest toleriere man die jeweils anderen. Dass der integrative Prozess weitgehend gelungen sei, liege auch an der vernetzenden und beratenden Quartiersarbeit der engagierten Mitarbeiter des Nachbarschaftswerks und des Stadtteilbüros, die zusammen mit den Bewohnern langfristige sozial-kulturelle Projekte voranbringen.
von Erika Weisser

Vom Nachbarschaftswerk ging auch die Initiative zum Film aus, für den sich der aus Australien stammende Filmemacher Julian Bell etwa zwei Jahre lang intensiv mit den Menschen und Strukturen des Stadtteils beschäftigte, „der nicht gerade den besten Ruf hat“. Er wohnt seit vielen Jahren in Haslach, hat auch diesen Stadtteil bereits filmisch porträtiert. Dennoch sei er am Anfang skeptisch gewesen, habe sich im Lauf der insgesamt 27 Filmtage aber zu einem „großen Weingarten-Fan“ entwickelt. Denn im Kontakt mit den Menschen habe er selbst erlebt, „was für ein toller Stadtteil das ist“.
INFO
Premiere: Donnerstag, 21. Mai, ab 18 Uhr, Parkdeck - Krozinger Straße



Niederlande 2025
Regie: Bart Schrijver
Mit: Bart Harder, Carles Pulido, Olly Bassi u.a.
Verleih: Piffl
Laufzeit: 131 Minuten
Start: 21. Mai 2026
(ewei). Über 600 Kilometer zu Fuß durch Moore und Wuthering Heights auf dem schottischen West Highland Way – bei Wind und Wetter und nur mit Rucksack und Zelt: Chris und Lluis, die sich einst sehr nah und beste Freunde waren, sich dann aber aus den Augen verloren, beschließen, diese Tour miteinander zu wagen. Dafür nehmen sie sich 30 Tage Zeit.
Doch 30 Tage können lang sein, wenn zwei Menschen 10 Jahre nichts voneinander gehört und sich in so verschiedene Richtungen entwickelt haben, dass es fast keine Gemeinsamkeiten mehr gibt. Und wenn sie erst unterwegs feststellen, dass dies so ist. Denn als es nicht mehr nur um Erinnerungen geht, geraten die Gespräche ins Stocken, häufen sich Krisensituationen und Spannungen. Als diese immer größer werden, bleibt den beiden Männern erst einmal nur das abendliche Kartenspiel, das Vertrautheit vorgaukelt.
Ein sehr schöner Film über das Wandern und über männliche Verhaltensmuster, die wirkliche Nähe oft nicht zulassen können.


Großbritannien 2025
Regie: Kirk Jones
Mit: Robert Aramayo, Maxine Peake, Peter Mullan u.a.
Verleih: Wild Bunch
Laufzeit: 121 Minuten
Start: 28. Mai 2026
(ewei). John ist 13, als er auffällig wird: Der talentierte Fußballtorwart hat nervöse Zuckungen, kann keinen Ball mehr halten, flucht und spuckt dem Direktor die gerade in seinem Mund befindlichen Erbsen aufs Jackett. Dabei hatte der nur gefragt, wie den Neuen das Schulessen schmeckte.
Nicht lange danach muss er die Schule verlassen, verlässt der Vater die Familie, muss er beim Abendessen allein auf dem Boden vor dem Kamin sitzen, um Mutter und Schwestern vor Spuckattacken zu verschonen.
13 Jahre später wohnt John noch immer bei der Mutter. Wegen seiner inzwischen als Tourette-Syndrom diagnostizierten Krankheit nimmt er starke Medikamente und kann nicht arbeiten. Dann begegnet er Dottie, die nicht nur die Mutter seines Schulfreunds Murray ist, sondern auch psychiatrische Krankenschwester. Und die baut ihn auf, vermittelt ihm einen Job und begleitet ihn durch die Stationen seines persönlichen Spießrutenlaufs. Und John entwickelt sich zum anerkannten Tourette-Aktivisten.


Frankreich 2025
Regie: Laurent Slama
Mit: Agathe Rousselle, Alex Lawther, Suzy Bemba u.a.
Verleih: Port au Prince
Laufzeit: 77 Minuten
Start: 11. Juni 2026
(ewei). Wir erinnern uns: Im Juli 2024 begannen in Paris die Olympischen Spiele. Eröffnet wurden sie aber nicht mit dem Einzug der Sportler in ein Stadion, sondern mit einer öffentlichen Bootsparade auf der Seine. Und während sich Einwohner und Besucher auf dieses Spektakel vorbereiten, hetzt Elisabeth kreuz und quer durch die Straßen der Stadt, um auch gestresste Last-Minute-Gäste in ihre Apartments zu bringen. Die junge hörgeschädigte Frau, die für eine Concierge-Firma arbeitet, kämpft in diesem Ausnahmezustand nicht nur gegen die Zeit, sondern auch um ihr inneres Gleichgewicht. Doch zur dafür nötigen Ruhe kommt sie nur, wenn sie ihre Hörgeräte abschaltet und sich für kurze Momente dem Trubel entzieht. Sie geht auf Abstand – bis sie Elijah begegnet. Zwischen der introvertierten Elisabeth und dem unbeschwerten, quirligen Rucksacktouristen entwickelt sich eine leise Freundschaft, in der das Sichtbare eine wesentlichere Rolle spielt als das – oft unnötige –Hörbare.

Kompass“ heißt die Veranstaltungsreihe, die im Sommerprogramm des Literaturhauses Freiburg die zentrale Rolle spielt. In acht visionären Präsentationen ganz unterschiedlicher Genres wird ausgelotet, wie Literatur richtungsweisend oder ermutigend sein kann und zum Handeln anregt. Gefördert werden die Lesungen in verschiedenen Formaten und Räumen von der Stiftung Literatursommer Baden-Württemberg.



Die Stiftung, sagt Katharina Knüppel, setze lediglich das Thema des im Zweijahresturnus veranstalteten Literatursommers. Die Umsetzung liege dann bei den örtlichen Veranstaltern. Und das von ihr und Martin Bruch geleitete Freiburger Team hat – zusammen mit zwölf Kooperationspartnern – ein facet-
tenreiches Programm auf die Beine gestellt, das viele existenzielle Aspekte der heutigen Gesellschaft beleuchtet. Den Auftakt der Reihe machte Judith Schalansky, die in „Marmor, Quecksilber, Nebel“ gleichermaßen wissenschaftlich wie poetisch die Bedingungen des Lebens und Schreibens auf unserem zunehmend bedrohten Planeten erforscht. Auch Saša Stanišić war schon mit von der Partie; er kam mit dem früheren SC-Trainer Christian Streich ins Gespräch –über Haltung, Herkunft, Humor und gesellschaftliches Engagement. Stoff für den Abend unter Fußballfreunden im Theater lieferten Stanišićs „Reden gegen das Nichtstun“ aus seiner Sammlung „Mein Unglück beginnt damit, dass der Stromkreis als Rechteck abgebildet wird“.
Der nächste illustre Gast im Sommerprogramm gehört zwar nicht in die Kompass-Reihe, hätte darin nach Knüppels Worten durchaus einen Platz: Gleich nach den Pfingstferien, am 8. Juni, bringt Angela Merkel ihre Biografie „Freiheit“ nach Freiburg. Im Großen Haus des Theaters erzählt sie aus ihrem privaten und politischen Leben.
Auf dieses Plädoyer für die Freiheit folgt eines für Unerschrockenheit: Über ihre unter dem Titel „Extremwetterlagen“ veröffentlichten literarischen Reportagen über die nicht nur im Osten spürbaren Veränderungen des gesellschaftspolitischen Klimas unterhalten sich Manja Präkels, Barbara Thériault und Alexander Leistner. Auch darüber, wie Gegenwind wirksam organisiert werden kann (16.6.).
Drei Tage darauf geht es ebenfalls um das Durchbrechen des Schweigens: Comicautorin Birgit Weyhe, für die „Erinnerung ein Akt des Wi-
von Erika Weisser

derstands geworden“ ist, kommt im Augustinermuseum mit Ella Detscher vom NS-Dokuzentrum ins Gespräch. Dabei geht es um ihre Graphic Novel, in der sie dokumentiert, wie das Auswärtige Amt nichts unternimmt, als die Militärdiktatur Argentiniens zwei deutschstämmige Frauen verschwinden lässt. Wegen der bevorstehenden Fussball-WM. Federleicht kommt hingegen Frieda Paris daher, die in der Sonntags-Matinee am 21. Juni ihr aus Fundstücken aus dem Nachlass von Friederike Mayröcker entstandenes Langgedicht „Nachwasser“ präsentiert. „Im Handgelenk ein Vogel“ ist das Lesekonzert betitelt, das die Autorin zusammen mit dem Ensemble Recherche in Szene setzt. Schwerer wird es dann wieder, wenn Judith Hermann (26.6.) ihr jüngst erschienenes Großvater-Buch „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“ in Freiburg präsentiert. Und auch Helene Bukowski, die am 17. September mit dem Kollektiv „bauschen & biegen“ ihren Roman „Wer möchte nicht am Leben bleiben“ präsentiert, verarbeitet ein trauriges Thema: den Freitod einer jungen Pianistin.

von Oliver Bottini
Verlag:
Dumont, 2026
476 Seiten, Hardcover
Preis: 26 Euro
(mos). Im Frühjahr 2018 häufen sich rätselhafte Vorfälle: In Duisburg nimmt sich ein Mann das Leben, in London wird ein anderer unter mysteriösen Umständen überfahren, und auf Capri scheint ein Mord geschehen zu sein – nur fehlt jede Spur von Leiche oder Blut. Für die Frankfurter Polizistin Vera Berg sind diese Ereignisse mehr als bloße Zufälle. Während sie noch um ihren verstorbenen Mann Zaid trauert, reist sie nach Capri, um Antworten zu finden. Dort stößt sie auf ein Netz aus Lügen, verschwundenen Menschen und dunklen Geheimnissen aus der Vergangenheit ihres Mannes.
Im Zentrum stehen Zaid und seine alten Studienfreunde Freddy und Erik, die einst gemeinsam vom schnellen Reichtum träumten. Ihre riskanten Aktiengeschäfte bewegen sich jahrelang in einer rechtlichen Grauzone, bis eine ehrgeizige Staatsanwältin beginnt, gegen sie zu ermitteln. Nach und nach wird deutlich, wie eng persönliche Beziehungen, wirtschaftliche Interessen und kriminelle Machenschaften miteinander verflochten sind.
Mit „Die Summe aller Dinge“ verbindet Oliver Bottini persönliche Tragödien mit einem brisanten Finanzskandal – ein atmosphärischer Thriller über Gier und Macht.
Am 2. Juni liest Oliver Bottini um 19.30 Uhr aus seinem Roman beim Ebneter Kultursommer in der Kulturscheune.

von Christine Koschmieder
Verlag:
Kanon, 2026
176 Seiten, gebunden
Preis: 22 Euro
(ewei). Christine Koschmieder ist 47, als sie zum ersten Mal ein Haus kauft. Nach 21 Umzügen in 33 Jahren, nach falschen Schlüssen und ebensolchen Beziehungen, nach unbeständigen, wenig lukrativen Berufstätigkeiten, nach einer jahrelangen, fast überwundenen Alkoholkrankheit und drei alleine großgezogenen Kindern hat sie ihre mühsam angesparten 21.000 Euro vom Bausparkonto gekratzt und in einem Dorf bei Dessau ein 160 Jahre altes Fischerhäuschen erstanden.
Ein sofortiger neuer Umzug ist damit nicht verbunden. Denn es muss saniert, ausgebaut, umgebaut und neu gestaltet werden, damit aus dem plötzlichen Eigentum ein eigener, ganz auf sie zugeschnittener Lebensort wird. Ein Ort, der ihr sowohl rechtlich als auch atmosphärisch gehört. Dass sie hierfür ein Vielfaches des Kaufpreises aufbringen muss, erkennt sie erst später.
Doch sie kämpft sich durch, baut mit Handwerkern und anderen Menschen neue Gemeinschaften auf, kauft sich ein Schlafsofa fürs Dachgeschoss, um andere Teile des Hauses vermieten zu können. Und sie macht sich Gedanken über die Baustellen ihres Lebens. Aber auch über den Zusammenhang von hohen Wohnkosten und leeren Kühlschränken. Und den möglicherweise daraus resultierenden steigenden Zuwachsraten einer rechtsgedrehten Partei.

von Kristina Nenninger
Verlag:
Derk Janßen Verlag, 2026
184 Seiten, Hardcover
Preis: 20 Euro
(ewei). Nina ist Mitte 30 und Akademikerin. Sie ist mit ihrem Mann, der nie – nicht einmal namentlich –in Erscheinung tritt und der kleinen Tochter Ada für eine befristete Zeit nach Rom gezogen. Doch nur er hat dort zu tun; sie findet weder Beschäftigung noch Sinn in diesem Aufenthalt.
Sie stürzt in eine Leere, gerät aus den geregelten Tagesabläufen, streift nachts ziellos durch die Straßen der Stadt, schläft am Tag und vergisst immer wieder, Ada von der Kita abzuholen. Nicht eben zur Freude ihres Mannes, der immer öfter seine Arbeit unterbrechen muss, um dies zu tun. Ein Entfremdungs- und Ablösungsprozess beginnt, der schließlich darin endet, dass er und die Tochter allein nach Freiburg zurückkehren.
Nina bleibt. Denn sie hat zufällig eine Zeitungsnotiz über einen rätselhaften, 40 Jahre zurückliegenden Kriminalfall gelesen und plötzlich ihre Berufung darin gesehen, diesen Fall aufzuklären. Sie mietet sich in einer billigen Pension ein und begibt sich auf Spurensuche –auch zu sich selbst. Was sie dabei erlebt und welche inneren Auseinandersetzungen sie führt, lässt die Freiburger Autorin Kristina Nenninger die Leser·innen durch ein Tagebuch erfahren, in dem Nina ihrer Tochter die Beweggründe für ihre Entscheidungen zu erklären versucht.





















