Themenheft
studis Azubis & Co.
Gr체beln hinter Glas Die neue Uni-Bibliothek
Uni Special
Oktober 2014 Ausgabe Nr. 22 gratis
Studierende als chilli-Autoren
Zusammen wachsen Guerilla-G채rtner in Freiburg
Anz_Medienkaufleute_10_2014_Layout 1 10.10.14 18:43 Seite 1
Die chilli Freiburg GmbH ist ein wachsendes Unternehmen in der Medienbranche. Wir publizieren fünf Magazine für Freiburg und Region, mit denen wir unterschiedliche Zielgruppen erreichen. Dazu gehören:
B. Zettis findefuchs – Familienmagazin, f79 – Schülermagazin, chilli – Freiburger Stadtmagazin cultur.zeit – Kulturmagazin für das Dreiländereck, business im Breisgau – Wirtschaftsmagazin Wir bieten zum 1. September 2015 zur Verstärkung unseres Teams einen Ausbildungsplatz zum/zur
Medienkaufmann/-frau Print und Digital Berufsbild: Durch die steigende Bedeutung der digitalen Medien in der Verlagsbranche gewinnt der Beruf des/der Medienkaufmanns-/kauffrau immer mehr Aufmerksamkeit. Neben gedruckten Erzeugnissen treten vermehrt auch crossmediale Dienstleistungen auf. Medienkaufleute lernen die gesamte Medienbandbreite kennen. Aufgaben: Innerhalb der Ausbildung werden alle kaufmännischen Bereiche durchlaufen. Schwerpunkte bilden die Bereiche Anzeigenverkauf, Zeitschriftenvertrieb, Messe-Events, Promotion und Social Networking. Kundenberatung, Abonnementverwaltung, Marketingstrategien, Rechnungswesen sowie Redaktionsassistenz sind ebenso Bestandteile der Ausbildung.
Freiburg GmbH
Voraussetzungen: Kaufmännisches BK II, allgemeine Fachhochschulreife oder Abitur, gute Kenntnisse in Deutsch, Mathematik und einer Fremdsprache (Englisch und/oder Französisch), Kontaktbereitschaft, Kommunikationstalent, Koordinationsvermögen, Zielstrebigkeit, schnelle Auffassungsgabe, Sorgfalt, Zuverlässigkeit, Ausdauer. Wir wünschen uns ein vierwöchiges Praktikum zum gemeinsamen Kennenlernen.
Interessiert? Dann senden Sie Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen bis zum 30.11.2014 an: chilli Freiburg GmbH Personalabteilung Neunlindenstraße 35 79106 Freiburg oder per E-Mail an: personalabteilung@ chilli-online.de
Editorial
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Die Blattmacher
echtzeitig zum Semesterstart präsentieren die Studierenden der Uni Freiburg im chilli ihre redaktionellen und gestalterischen Arbeiten aus dem BOK-Kurs »Magazinjournalismus in der Praxis«. Die Zusammenarbeit zwischen dem Zentrum für Schlüsselqualifikationen (ZfS) und dem chilli geht nun ins achte Jahr. Erneut nutzten die Studis die Gelegenheit, ihre journalistischen Qualitäten zu erproben.
Johanna Wagner
Medienkulturwissenschaften, 4. Semester Motto: »Es gibt nur eine Richtung. Abwärts.«
Christian Neumann
Medienkulturwissenschaften, 5. Semester & Kunstgeschichte, 1. Semester Motto: »Be the Hero of your own Story.«
Leon Grünig
Politikwissenschaften, 3. Semester Motto: »In Vino Veritas.«
Markus Wenning
Sportwissenschaften (BA) mit Nebenfach Psychologie, 4. Sem. Motto: »Das Chaos ist eine Ordnung, die entschlüsselt werden muss.« (J. Saramago)
Die Ergebnisse können sich sehen lassen: So berichten wir über die Freiburger Filmszene, blicken hinter die Kulissen der neuen Unibibliothek, besuchten die illegale Graffiti-Szene, schauten uns die Akt-Kunst im Artik an, führten ein Gespräch mit drei jungen Gemeinderäten und beobachteten einen Guerilla-Gärtner. Die chillisten wünschen spannende Unterhaltung.
Benedikt Merkle
Medienkulturwissenschaften, 4. Semester Motto: »Nur langweilige Menschen langweilen sich.«
Finn Waterstradt
Soziologie & Geschichte, 5. Semester Motto: »Man kann nicht den ganzen Tag trinken, wenn man nicht morgens damit anfängt.«
Daniel Begus
Soziologie, 5. Semester Motto: »Ein Lannister begleicht stets seine Schuld.«
Gabriel Ohanowitsch Geschichte & Neuere Deutsche Literatur, 8. Semester Motto: »Auch wenn der Fuß dir in Gülle versinkt, der nächste Tag vielleicht Goldregen bringt.«
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chilli | studis, azubis & co. | 10.2014 | 3
ART & Weise
Die Kunst des Schmierens
Fotos: © Gabriel Ohanowitsch
Illegale Graffitis in Freiburg
aggen, malen, sprühen. Auch an Freiburgs Wänden ist leicht zu erkennen: Graffiti lebt. Sprayer wie der Freiburger „rokus“ hinterlassen ihre Spuren auch an Orten, die eigentlich nicht dafür vorgesehen sind.
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Auf der anderen Seite stehen Menschen wie die Rechtsanwältin Senta Möller, die farbenfrohe Hinterlassenschaften der Sprüher von ihren Hauswänden entfernen müssen. Der Fall Graffiti bleibt auch im Jahr 2014 umstritten.
Vandalismus und Kriminalität. Solche Begriffe fallen unweigerlich, denkt man an das Wort Graffiti. Dabei scheint die Akzeptanz für diese Kunstform heute eigentlich gewachsen zu sein. Die seit wenigen Jahren allseits präsente „Street Art“ ist, so sagt man, aus dem Graffiti entwachsen. Berühmte Straßenkünstler wie Keith Haring oder Banksy haben einst in der GraffitiSzene begonnen, bevor man anfing, ihre Werke aus Wänden, ihrer ursprünglichen Projektionsfläche, herauszuschneiden und zu konservieren. Street Art hat es in Museen und Galerien geschafft. Die Annahme, Street Art habe Graffiti abgelöst oder sei sogar das Gleiche, ist aber falsch. Obwohl immer mehr Straßenkünstler mit dem Malen von Bildern beauftragt werden und Flächen für Graffiti und Street Art freigegeben werden, ziehen junge Künstler hinaus und besprühen unerlaubt Wände, Tunnel, Züge. 110.172 Fälle wurden im
Jahr 2012 von der Polizei bundesweit erfasst. Graffiti behält seinen rebellischen, verbotenen Ruf. Ist das der Grund, warum echte Graffiti-Künstler auf keinen Fall mit den akzeptierteren Street Artists verwechselt werden wollen? Dabei hat Graffiti den Schritt aus den Schatten schon längst getan. Der Freiburger Sprayer rokus ist dafür lebender Beweis. Montagnachmittag Ende Mai unter der Schnewlinbrücke. Der gar nicht kriminell aussehende junge Mann packt aus seinem bunt verschmierten Stoffbeutel einen Eimer weißer Farbe, einige halbleere Dosen und beginnt ganz ungezwungen zu sprühen. Die Stelle hat er ausgewählt, weil sich einige Meter weiter eine legale Wand befindet. „Das verwirrt die Polizei“, grinst er. Somit ist die Sprühaktion zwar nicht legal, fällt aber angesichts der vollgemalten Wand nicht weiter auf.
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KUNST AUS DER DOSE
rokus hat ein Werk des Sprayers PA.C zum Übermalen erwählt. „Das findet der sicher nicht lustig, aber so ist das nun mal beim Malen“, sagt er, während er hochkonzentriert präzise Linien an die Wand zieht. Überhaupt sei das erst mit der Street Art gekommen, diese Vorstellung, dass man ein „Piece“, also ein größeres Graffiti, als unantastbares Kunstwerk betrachtet. Für rokus liegt der Reiz von Graffitis in ihrer Kurzlebigkeit. „Graffiti entsteht aus dem Moment heraus.“ Deswegen verwendet er auch keine Skizzen. Natürlich übt er zu Hause auf Papier, aber selbst dort ist ihm das Einfangen des Momentes wichtig. Ein Radiergummi kommt ihm nicht in die Tüte. Anfangs braucht man sehr viel Fantasie, um zu erkennen, was die Linien, die rokus vorgebeugt und konzentriert an die Wand sprüht, ergeben sollen. Bald jedoch ergibt das Gesprühte mehr Sinn. „Graffiti ist von Grund auf böse“, habe er früher immer gesagt. Vielleicht deswegen hatte er mit der Polizei bereits „ein, zwei mal“ zu tun, den Eindruck eines Kriminellen vermittelt er jedoch nicht. Der Zusammenstoß mit „den Cops“ kam ihn teuer zu stehen. „Freiburg hat zwar mehr legale Flächen als Berlin“, behauptet er, „dafür wird aber illegales Malen unverhältnismäßig hart verfolgt.“ Seitdem er erwischt wurde, sprüht er nur noch an legale Wände. Oder halt sehr nah neben solchen. „Street Art ist nicht Graffiti.“ rokus zieht da entschieden eine Grenze. In seiner Meinung über Graffiti und Street Art zeigt sich der Sprayer relativ dogmatisch. Street Art habe das Interesse an Graffiti geweckt, der Effekt ist, dass vorbeilaufende Menschen ihn beim Sprayen auch mal nach seiner Tätigkeit fragen und nicht nur mit der Polizei drohen. Gleichzeitig hat sie aber auch dazu geführt, dass zahllose Sprayer mit tiefen politisch oder philosophisch aufgeladenen Bildern aufwarten. Das hat mit dem ursprünglichen Graffiti laut rokus nichts zu tun. „Wenn man ein Gesicht malt, finden’s die Leute gleich cool. Aber für einfache Buchstaben haben sie kein Verständnis“, bedauert er. Anders als viele Sprayer und Street Artists legt er auf „fame“, also Ruhm in der Szene für besonders häufiges oder riskantes Malen, nicht viel Wert. „Das hat mich schon lange interessiert, vor ungefähr fünf Jahren habe ich mich dann endlich auf die Straße getraut. Aber ich mache das nur für mich.“ Ob es das Streben nach „fame“ war, der einen anderen Tagger dazu bewogen hat, den Slogan „A.C.A.B." (All Cops Are Bastards) und „No Justice – No Peace“ am Anwaltsbüro Möller & Münchow in der Wallstraße in Freiburg zu hinterlassen, bleibt ungeklärt. Eindeutig geklärt ist allerdings, dass der Schmierfink, nachdem Rechtsanwältin Senta Möller das Auftauchen des Graffitis bei den Behörden meldete, von der Polizei dank seines Tags, also
seines an viele Stellen gesprühten Erkennungsmerkmals, wiedererkannt wurde. „Anfangs fand ich das Graffiti ja ganz amüsant“, sagt die Rechtsanwältin. Auf sie wirkte der Spruch beinahe ironisch, es konnte sich doch nicht um einen Zufall handeln, dass ein solcher Schriftzug ausgerechnet an ihrem Anwaltsbüro landete. Da sie schon in der Vergangenheit mit Tags an ihrer Hauswand zu tun hatte, wusste sie, was passieren würde: „Taucht ein Graffiti auf, lassen weitere nicht lange auf sich warten, schnell ist eine ganze Straße voll.“ Und da der A.C.A.B.-Tag schnell von einem Nachzügler Gesellschaft erhielt, der zudem „ein
»Taucht ein Graffiti auf, lassen weitere nicht lange auf sich warten« fürchterliches Gekrixel“ war, wie Möller es beschreibt, erstattete sie trotz Sympathie für den Spruch Anzeige. Der Schuldige, ein nach Aussage der Anwältin „eigentlich sympathischer junger Herr“, wurde dann auch schnell gefasst. Sichtlich verlegen tat er mit einem Eimer Wandfarbe in der Hand Buße. „Graffiti ist im juristischen Sinne Sachbeschädigung, wenn ohne Erlaubnis gesprüht wird.“ Im Zusammenhang der kriminellen Möglichkeiten sei das laut Möller ein verhältnismäßig harmloses Vergehen. Die Entfernung erweist sich aber stets als kostspielige Angelegenheit. Außerdem will sie an ihrer Hauswand schlicht keine Graffitis haben.„Es gibt doch genug Flächen, die von der Stadt zum Bemalen freigegeben sind, zum Beispiel an der Leo-Wohleb-Brücke“, meint die Anwältin, „da findet man auch einige schöne Bilder.“ Woher sich Sprayer und Tagger das Recht nehmen, fremdes Eigentum ungefragt zu besprühen, das versteht sie einfach nicht: „Es gibt doch die legalen Stellen.“ Die Position von Sprayern und deren Opfern scheint auf den ersten Blick unvereinbar. Zwar hat Graffiti von der Popularität der Street Art profitiert, und viele Wände werden zum Sprühen freigegeben. Rechtlich gesehen ist das Bemalen von nicht freigegebenen Wänden aber eindeutig verboten. An manchen Stellen machen Staat oder Eigentümer sehr deutlich, dass Graffiti unerwünscht sind. „Manche Tunnel und Wände werden innerhalb weniger Stunden neu gestrichen, wenn man was gesprayt hat“, ärgert sich rokus. Das wiederum müsste eigentlich in seinem Sinne sein. Das ständige Malen und Übermalen gehört doch schließlich bei Graffiti dazu. Gabriel Ohanowitsch chilli | studis, azubis & co. | 10.2014 | 5
ART & Weise
Akt im Artik Zeichnen unter der Erde
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enschen ziehen sich vor anderen Menschen aus und posieren. Was manch einer im ersten Moment mit roter Beleuchtung und zwielichtigen Gestalten verbinden mag, findet in einem Freiburger Jugend- und Kulturzentrum einen anderen Rahmen. Alle zwei Wochen trifft sich eine freie Zeichengruppe zum Aktzeichnen in den Tiefen des „Artik“ am Siegesdenkmal. Die Gruppe setzt sich aus Hobbyzeichnern zusammen, die aus Interesse an der Darstellung des menschlichen Körpers der Veranstaltung beiwohnen. Die Modelle werden speziell angeworben und sind oft genauso unerfahren wie die meisten „Künstler“. Aber was macht den Reiz am Aktzeichnen aus, und was bewegt Menschen dazu, sich gegen Bezahlung von einer Gruppe stundenlang anstarren zu lassen?
Gekachelter Boden, alte Sofas, niedrige Decke, Neonsonne. Irgendwo probt eine Band. Die Stimmung ist entspannt, das Mädchen bereits nackt, aber noch in eine Decke gehüllt. Die Leiterin der Gruppe stellt ihr letzte Fragen. „Magst du auf der Couch liegen oder auf dem Boden sitzen? Brauchst du Wärmestrahler?“ Es treffen die letzten Zeichner ein. Mit dem Modell sind es nun neun. Eine überschaubare Gruppe, ganz privat. Ein Blick in die Runde offenbart: Die Zeichengruppe besteht vorwiegend aus jungen Studierenden. Da sitzt der Aktzeichen-Erstling, der ohne Zeichenmaterial (das hat ja niemand gesagt!) gekommen ist und nun mit überschlagenen Beinen, nervös wippend auf seinem Stuhl herumrutscht. Ein oder zwei mehr oder weniger erfahrene Bleistiftkünstler haben sich dagegen bereits in Arbeitshaltung begeben und inspizieren umsichtig ihre Utensilien. Der professionell anmutende Zeichner ist dagegen gerade mit riesigen Blöcken in speziell dafür vorgesehenen Taschen durch die Tür getreten und beginnt nun, seine eigenartigen Kohlestifte gekonnt mit dem Fingernagel zu spitzen. Die Zeichner heben die Blicke. Es geht los. Das Modell lässt die Decke fallen. Sie steht so im Raum, wie Gott sie schuf – und wirkt dabei sehr selbstsicher. Kein kurzes Kichern, kein Räuspern, nicht einmal ein halbwegs nervöses Herumrutschen auf dem Stuhl. Die versammelten Künstler starren abwechselnd auf die Nackte oder ihren Block.
Sexualität
Fotos & Zeichnung: © B. Merkle
Spielt keine Rolle
„Also weißt du, du brauchst nichts zu machen, was du nicht willst. Magst du dich hier ausziehen oder sollen wir noch mal rausgehen?“ Diese Gesprächsschnipsel sind mit das Erste, was einem auf dem Weg durch die unterirdischen Gänge des Freiburger Kunstzentrums „Artik“ entgegenschallt. Auf der Suche nach der freien Aktzeichengruppe fallen mehrere schwere Türen ins Schloss. Vor dem Raum entsteht kurzes Zögern – was wäre, wenn das Modell sich gerade umzieht? – doch dann wird eingetreten. 6 | chilli | studis, azubis & co. | 10.2014
KUNST AUS KOHLE
Steffi heißt die zu Zeichnende, und sie hat es sich auf einem Teppich am Boden bequem gemacht. Im Halbkreis davor angeordnet und mit etwa einem Meter Abstand beginnen die Künstler, eifrig ihre Stifte auf dem Blatt zu schaben. Angekündigt wurden für den Anfang Posen von zwei Minuten Länge. Ein Blick über die Schultern der Anwesenden offenbart ein wiederkehrendes Muster: Zunächst werden die groben Umrisse der vom Modell vorgeführten Verrenkungen aufs Blatt gebracht. Kaum will der Zeichnende jedoch zu detaillierten Schattierungen ansetzen, gibt die Leiterin auch schon den Posenwechsel bekannt. Verwirrt linsen einige der Teilnehmer auf die Werke ihrer Mitzeichner. Viel weiter sind die auch nicht gekommen. Nach einiger Zeit werden die Stellungen des Modells länger und die Striche der Künstler zunehmend sicherer. Stets sitzend drapiert die Studentin Mal ums Mal ihre Arme und Beine neu. Das Modell-Stehen hat etwas meditatives, meint Steffi: „Als Modell musst du stehen bleiben. Du kannst nicht herumgehen, du wirst nicht von Musik oder Gesprächen abgelenkt. Alles was du hörst ist das Kratzen der Stifte, und so kann man sich endlich mal wieder auf sich selbst konzentrieren.“ Außerdem gefällt es der Mittzwanzigerin, die gern anonym bleiben möchte, in unmittelbarer Weise am künstlerischen Schaffensprozess beteiligt zu sein. Nach eineinhalb Stunden zeigen alle ihre Ergebnisse, und zusammen mit dem (wieder bekleideten) Modell werden die Leistungen der anderen inspiziert. Es wird gelobt und vergli-
chen. Für das Aktmodell ist es interessant zu sehen, was die Zeichner aus dem eigenen Körper machen und wie sie den eigenen Körper sehen. Sie empfindet das Vorlage-Sein sogar als sehr aufbauend für das eigene Selbstbewusstsein: „Es herrscht Interesse am Körper, selbst wenn er nicht den heutigen Schönheitsidealen total entspricht.“ Sexualität spielt für die Zeichner keine Rolle mehr. „Sobald man beginnt, existiert der Körper als Zeichenvorlage, nicht mehr als ein sexuelles Bild“, meint Jörg. Der Rest der Gruppe stimmt ihm zu. Selbst bei Modellen, die der Zeichner persönlich als äußerst attraktiv ansehe, wäre der sexuelle Aspekt vergessen. Es wird dann aber doch eingeräumt, dass intensiver Blickkontakt mit dem Aktmodell zu beidseitiger Verwirrung und einer „irgendwie peinlichen Situation“ führt. Auch das Modell fühlte sich nicht angestarrt oder peinlich berührt. „Natürlich ist man am Anfang aufgeregt“, gibt die braunhaarige Studentin zu, „aber am besten überspielt man das einfach und lässt die Decke ganz selbstbewusst fallen.“ Je-
Dann ist der Kurs vorbei. In den Tiefen des Artiks beginnen alle damit, zusammenzupacken. Zeichenutensilien werden verstaut, Blöcke zusammengeklappt, Stühle gerückt und Tische verschoben. Wiederum fallen mehrere Türen ins Schloss, bis endlich wieder Tageslicht zu sehen ist. Entspannte Unterhaltungen werden lauter und man verabschiedet sich. Johanna Wagner & Benedikt Merkle
»Peinlich berührt fühlte ich mich nicht« denfalls würde sie die Blicke der Zeichner jederzeit starrenden Blicken in einer Bar vorziehen. Nachdem die Stifte weggelegt werden, fällt die fehlende Kleidung des Modells in einer anderen Art und Weise ins Auge. So bekleiden sich die meisten direkt danach wieder. Es soll allerdings auch Modelle geben, die sich in ihrer natürlichen Form so wohl fühlen, dass sie in der Pause nackt mit den Zeichnenden Muffins essen, erzählt uns eine Künstlerin.
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JUNG & POLITISCH
Kurz und knapp
Drei junge Stadträte im Frage-Antwort-Duell 1. So lenke ich mich von der Politik ab: 2. Politik ist (k)ein schmutziges Geschäft, weil … 3. Ein Politikerzitat, das dich beschreibt: 4. Die schlimmste Politikerfloskel? 5. Was können junge Gemeinderäte besser als alte? 6. Kommunalpolitik ist langweilig. Dein Gegenargument?
Fotos: © www.carolin-jenkner.de, privat, www.jungesfreiburg.org, iStock
Carolin Jenkner, 27 Jahre, CDU, Doktorandin 1. Reiten, Sport allgemein. 2. Zu 90 Prozent kein schmutziges Geschäft, es wird hart verhandelt, meistens jedoch fair. 3. Kein Zitat, aber mir ist es wichtig, gute Kompromisse in einem guten Gesamtkonzept zu finden. 4. „Das haben wir schon immer / noch nie so gemacht.“ 5. Junge Gemeinderäte können frisch an Themen herangehen und können neue Ideen einbringen. 6. Auf keinen Fall langweilig, man ist im Gegensatz zur Bundes- bzw. Landespolitik nah an den Themen dran, und die Ergebnisse sind direkter sichtbar. 7. Schuldenabbau. Das ist nicht unbedingt in den nächsten fünf Jahren möglich, aber es muss weiter daran gearbeitet werden. Hier geht es vor allem um Generationengerechtigkeit. 8. Der Öko-Gedanke ist zwar von der Idee her gut, manches ist jedoch spießig und nicht tolerant. 9. Es gab in der Innenstadt schon viele Ideen und Konzepte, wirklich funktioniert hat bisher nichts. Deshalb ist der als Projekt auf Zeit geplante KOD einen Versuch wert. Falls das Projekt scheitern sollte, muss man sich weiter Gedanken über eine Lösung machen. 10. Klar dagegen. Die Junge Union konnte die CDU hier von ihrer Meinung überzeugen. Im Gegensatz zu einem KOD trifft ein Alkoholverbot alle Menschen in der Stadt und nicht nur jene, welche Probleme verursachen.
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7. Wenn ich dieses Ziel nicht erreicht habe, war meine Arbeit umsonst: 8. Tocotronic singen, was sie alles an Freiburg hassen. Was passt dir nicht an Freiburg? 9. Deine Meinung zum KOD: 10. Und wie stehst du zu einem Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen? (von Leon Grünig)
Julia Söhne, 20 Jahre, SPD, Studentin
Lukas Mörchen, 18 Jahre, Junges Freiburg, Abiturient
1. Handball als sportlicher Ausgleich, mit Freunden treffen und feiern gehen. 2. Politik ist kein schmutziges Geschäft, es wird versucht, möglichst transparent zu arbeiten, und es bestehen Möglichkeiten, sich mit Wahlen und Ähnlichem zu beteiligen. Es kann jedoch nicht immer nur Gewinner geben. 3. „Wir brauchen die Herausforderung der jungen Generation, sonst würden uns die Füße einschlafen.“ (Willy Brandt) 4. Das war schon immer so. 5. Sie sind unvoreingenommener und nicht verharrt in Positionen. Außerdem können sie die Interessen junger Menschen besser vertreten. 6. Nirgendwo sonst wird so häufig konkret über den Lebensraum der Menschen entschieden. Die Ergebnisse lassen sich vor der eigenen Haustür erkennen. 7. Der Fortbestand des Artik in neuen Räumlichkeiten und mit verbesserten finanziellen Möglichkeiten. 8. Nach außen stellt man sich grün und tolerant dar, im Alltag merkt man an vielen Stellen, dass dies leider nicht so ist. 9. Ich bin gegen den KOD, weil er nicht die richtige Lösung für das Innenstadtproblem ist, positiv an der Debatte ist, dass meine Forderung nach einem durchgängigen Straßenbahnverkehr jetzt umgesetzt wird. 10. Alkoholverbote verdrängen das eigentliche Problem nur und sind damit Quatsch.
1. Volleyball, Jugendarbeit in der Kirche und Zeit mit Freunden verbringen. 2. Es ist eher kein schmutziges Geschäft, kann aber sehr schnell dazu werden. 3. Hier fällt mir spontan nichts ein. 4. Dafür steht momentan kein Geld zur Verfügung. 5. Sie sind spritziger, frischer und wissen, was die Freiburger Jugend braucht. 6. Lokalpolitik ist auf keinen Fall langweilig, gerade für mich persönlich ist es sehr spannend, und die Beschlüsse sind direkt im Alltag spürbar. 7. Mein erstes Anliegen ist die Abschaffung des KOD, außerdem möchte ich Spaß haben, lernen und Erfahrungen sammeln. 8. Freiburg ist ziemlich geil. Es gibt zwar immer Kleinigkeiten, die besser gemacht werden könnten, aber die Chance, etwas zu bewegen, habe ich ja jetzt. 9. Muss in meinen Augen wieder abgeschafft werden, es muss anders an das Problem herangegangen werden. 10. Finde ich nicht sinnvoll, da es alle betrifft, die einfach nur draußen was trinken wollen. Außerdem ist es kaum umzusetzen.
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ART UND WEISE
Heroin, Nordic Walking & Entmannung Foto: © Manfred Fakler
Foto: © Blackwood Films
Foto: © Easy Entertainment
Was drei Freiburger Filmemacher auf die Leinwand bringen
Hartes Handwerk statt Bling-Bling à la Hollywood: Die Freiburger Filmemacherinnen Cosmea Spelleken (Foto mitte) und Lena Fakler (re.) verwirklichen ganz unterschiedliche Projekte mit bewegten Bildern.
T
il Schweiger ist hier geboren worden, Heike Makatsch soll demnächst als Tatortkommissarin rund ums Münster auf Verbrecherjagd gehen. Zwei Fakten, die Freiburg noch nicht zu einer Filmstadt wie Hamburg, Berlin oder München machen. Doch auch hier gibt es sie: Kreative Filmschaffende, die fernab vom Glanz der großen Studios und Sendeanstalten ihre Projekte verwirklichen. Diese reichen von Musikvideos über Imagefilme bis hin zu Kurzund Spielfilmen. chilli-Autor Christian Neumann hat drei Filmschaffende getroffen, die in der lokalen Szene verwurzelt sind.
Über Blackwood nach Hollywood Cosmea Spelleken ist Schülerin und macht nächstes Jahr Abitur. Zum Film ist die 18-Jährige durchs Schauspielern gekommen. Seit 2007 steht sie regelmäßig beim Freiburger Cargo Theater auf der Bühne, doch Film ist stets ihr erklärtes Ziel gewesen: 10 | chilli | studis, azubis & co. | 10.2014
„Anfangs war da noch das Bild von Hollywood, alles Bling-Bling und so.“ Doch hat sie schnell gemerkt, dass man klein anfangen muss. In Freiburg hat die junge Frau lange nach Gleichgesinnten gesucht, bis sie vor zwei Jahren auf BlackwoodFilms stieß. Diese seit 2005 bestehende unabhängige Filmgruppe, die sich mindestens zwei Mal monatlich trifft, lebt vom kreativen und handwerklichen Input ihrer Mitglieder. Einen speziellen Schwerpunkt gibt es nicht – ob Kurzfilm, Spielfilm oder Dokumentation, gedreht wird, was realisierbar ist. Jeder kann dazukommen, es gibt keine Hierarchie. Einzige Bedingung ist, dass man sein Equipment und sein Können zur Verfügung stellt. Cosmea hat inzwischen die organisatorische Leitung der Gruppe übernommen, die mittlerweile den Zusatz „creative pool“ trägt. „Die Organisation macht zwar sehr viel Spaß, ich würde aber gerne selber auch mehr drehen“, sagt sie. Die Gruppe hat bereits zahlreiche Projekte verwirklicht, aktuell den Episodenfilm „Es war einmal …“ zum The-
ma Märchen, bei dem Cosmea auch eine Episode inszeniert hat. Ihre Episode ist eine moderne Variante des Andersen-Märchens „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“. „Bei mir ist das Mädchen eine Prostituierte, die mit den Zündhölzern ihr Heroin aufkocht“, berichtet die angehende Abiturientin. Um die Szene möglichst authentisch darstellen zu können, war Cosmea sogar in der Drogenberatungsstelle. Schwierig bleibt die Finanzierung und Vermarktung der Filme. Es besteht eine gute Zusammenarbeit mit dem Freiburger Kommunalen Kino und dem ArTik, in dem sich die Mitglieder auch regelmäßig treffen. Die jungen Filmemacher organisieren Workshops oder reichen ihre Filme bei Wettbewerben ein. Der Lohn ist allerdings meist nur die Publicity. Neben der Arbeit bei BlackwoodFilms verwirklicht Cosmea auch eigene Projekte. Ihr Kurzfilm „Pfefferminzträume" beschäftigt sich mit philosophischen Fragen: Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Was ist Leben? Was macht Glauben und Bewusstsein aus? „Ich habe versucht,
KUNST VON DER ROLLE
Über Imagefilme zum Erfolg Einen anderen Weg, ihren Traum vom Film zu verwirklichen, hat Lena Fakler eingeschlagen. Die 23-Jährige studiert in Freiburg Medienkulturwissenschaft und Germanistik. Im ersten Semester lernte sie bei einem Kurzfilmdreh Alexander Schröder und Joachim Lutz kennen, mit denen sie nun eine Firma gründet. Gemeinsam haben die drei bereits zwei Kurzfilme inszeniert – „Heißkalt“ und „Werdegang“ –, die beide letztes Jahr auf den 35. Biberacher Filmfestspielen liefen. „Werdegang" war sogar für den diesjährigen Jugendvideopreis nominiert, der wichtigsten bundesweiten Auszeichnung für junge Filmemacher. Der Film kam unter die besten Dreißig und wurde auf dem zugehörigen Festival in Halle gezeigt. In dem knapp zweiminütigen Streifen geht es darum, sich nicht den gesellschaftlichen Zwängen und Erwartungen zu beugen und auch mal „Nein" zu sagen, um so dem Druck zu entfliehen. In „Heißkalt" malt sich ein Junge die möglichen Folgen einer Beziehung zu einem Mädchen aus, das er grade erst gesehen hat. Der Schwerpunkt von Blendkultur, so der Name der neuen Filmschmiede, soll aber auf Subkultur liegen. „Videos von Bands, Konzerten, Festivals und Skaterzeug“, meint Lena. Diese Richtung haben sie schon mit ihren Akustik-Session Videos vom Pirate Satellite Festival 2014 in Stuttgart eingeschlagen. Auch ein Musikvideo für die junge Freiburger Band „Redensart" haben die drei realisiert.
Unter ihren Projekten können aber auch schon mal so kuriose Dinge wie ein Imagefilm zur Nordic Walking WM sein. „Wir lernen und sammeln Erfahrungen und versuchen, ein bisschen was damit zu verdienen. So können wir uns ein Portfolio aufbauen", erklärt Lena. Auftragsarbeiten wie Image- oder Hochzeitsvideos gehören da eben dazu.
Über die Philosophie
ins Filmbusiness Für Serhad Yuvanc alias Chepo Gewez ist Filmemachen mehr als
Foto: © Helin Yuvanc
es in einem Dialog zwischen einer Person und ihrem Unterbewusstsein zu erzählen", berichtet die junge Regisseurin. Ihre Filme sollen den Zuschauer emotional berühren und in ihm ein Gefühl auslösen. „Welches das im Endeffekt ist, ist gar nicht mal so wichtig.“
Chepo Gewez will den Zuschauer mit unbequemen Themen konfrontieren.
nur ein Beruf. Der „aus dem türkischen Teil von Kurdistan“ stammende Regisseur und Drehbuchautor hat in der Heimat Psychologie studiert. Er floh vor rund 16 Jahren nach Deutschland, wo er zunächst in Mainz an der Volkshochschule Deutsch lernte, um dann in Berlin Philosophie, Germanistik und Filmund Theaterwissenschaften zu studieren. Die akademische Laufbahn endete, als er seine Familie ernähren musste. Mit dieser zog er dann nach Freiburg, um vor allem seinen Kindern ein ruhigeres Umfeld zu bieten. Im Bezug auf seine beruflichen Chancen hat er diesen Schritt bis heute jedoch bereut.
Die Studienzeit in Berlin war von Theorie geprägt, die Praxis des Filmemachens hat sich Chepo selber beigebracht. Als Autorenfilmer schreibt er seine Geschichten selber, diese hat er bisher in zwei Kurzfilmen und zwei Spielfilmen inszeniert. „Die Lage der Immigranten hier in Deutschland aus einer Innenperspektive heraus zu erzählen“ ist für ihn wichtig, allerdings sei er nicht dafür da, „Brücken aufzubauen oder Integrationsarbeit zu leisten“. Seine Filme sind politisch, aber nicht politisch korrekt. Sein erster Film „Cherx – Das Rad" etwa handelt von einem kurdischen Mädchen, das in der Türkei zwangsverheiratet werden soll. Als sie auf dem Weg dorthin flieht, wird sie umgebracht. Sie kehrt als Geist zurück und rächt sich an den Männern. „Wir hatten lauter Entmannungsszenen, wo sich das Mädchen daran macht, Männern der Reihe nach den Penis abzuschneiden.“ Das stieß auf harte Kritik und Ablehnung aus den eigenen Reihen. Doch das kümmert Chepo nicht. Er will den Zuschauer mit unbequemen Themen konfrontieren und ihn gegebenenfalls zum Umdenken bewegen. „Kunst muss verstören, um überhaupt Aufmerksamkeit zu erzielen.“ Ein großes Problem ist allerdings die Finanzierung seiner Projekte. Etwas Geld kommt durch Sponsoring rein, für eine Filmförderung von Stadt oder Land hatte er sich beworben, jedoch eine Absage bekommen. „Ein Kurde, der versucht einen Kannibalenfilm zu machen, hat da keine Chance“, erklärt er. Also sorgt er für die Vermarktung seiner Filme selbst. Sein zweiter Spielfilm „GAV – In Zeiten des Wandels" lief in Freiburg, Berlin und auf dem London Kurdish Film Festival. In Zukunft will sich Chepo mehr auf Kurzfilme konzentrieren, die sich mit den Ängsten, Wünschen und Erwartungen von Jugendlichen beschäftigen. Der erste dieser Filme, „Down up", soll noch dieses Jahr Premiere feiern. Christian Neumann chilli | studis, azubis & co. | 10.2014 | 11
RUBRIK UMSONST & DRAUSSEN
Zusammen wachsen Wie Guerilla-Gärtner Freiburg grüner machen
I
Fotos: © Markus Wenning
m Herbst 2011 fragten sich einige Studenten: Wie kann Leben in der Stadt sein, wenn nicht einmal die Bienen und die Blumen leben, wie sie wollen? Für Malena Lutz fehlten die Mauerblümchen und die blühenden Freuden zwischen all dem neuen und grauen Beton. So begann sie gemeinsam mit Gleichgesinnten, Baumscheiben zu bepflanzen. Zunächst vor der eigenen Tür und im Jahr darauf zusammen mit und vor dem Theater. „Bambis Beet“, wie die dort angelegten Grünflächen genannt werden, blieb auch diesen Sommer der präsenteste aller urbanen Gärten der Stadt. Insgesamt gibt es davon inzwischen mehr als zehn. Dennoch hängt die Green City dem Bundestrend hinterher. Freiburg ist spät und sehr verhalten auf den Zug des „urbanen Gärtnerns“ aufgesprungen. In Berlin stehen die 2009 ausgehobenen Prinzessinnengärten beinahe schon im Reiseführer. Dort wird kostenneutral Selbstangebautes in einem urbanen Gartencafé verkauft, und im neu-grünen Prenzlauer Berg ist beinahe jede zweite Baumscheibe eingezäunt und bepflanzt. In Dessau gibt es eine urbane Farm mit „LeasingZiegen“, und in Düsseldorf wachsen Yuccas aus Autoreifen. Ehemalige Guerilla-Gärtnerinnen wie die Düsseldorferin Tita Giese arbeiten bereits bundesweit zusammen mit Architekten an neuen Stadtbildern. Von Guerilla ist Malena Lutz inzwischen auch weit entfernt. „In meiner Vorstellung geben die urbanen Gärtner der Stadt einfach ein bisschen Leben zurück“, erklärt die studierte Ethnologin und beschreibt, was Leben für sie bedeutet: „Wilde Blumen, natürliche Ästhetik, ein Teppich aus kleinen bunten Flecken, an denen man sich entspannen und wohlfühlen kann.“ Das sehen nicht alle so: Eine ältere Passantin beschimpfte Lutz und ihre Mitgärtner neulich als Chaoten; dieser „Stadtdschungel“ sei einfach nur unordentlich und furchtbar. Andererseits erfreuten sich die selbst gezimmerten Bänke vor dem Theater stets vieler Nutzer. 12 | chilli | studis, azubis & co. | 10.2014
Im umgebenden urbanen Garten darf prinzipiell auch jeder alles säen und ernten. Beinahe. Duftendes Marihuana vor dem Theater klingt zwar nach (Sub-)Kultur, wurde von Lutz aber bereits entfernt. Und spätestens als in einem urbanen Garten im Rieselfeld ein Kompost brannte, sahen sich denn auch die wildernden Stadtbegrüner gezwungen, Unkraut und Rüben zu trennen. Regeln mussten her, seither haben sich die Freiburger Wildgärtner organisiert: Transition Town Freiburg und Initiative Essbares Rieselfeld sind nur die beiden größeren von insgesamt inzwischen mehr als acht gut strukturierten Gärtnergruppen. Geht es nach Martin Leser vom Gartenbauamt der Stadt Freiburg, dürften die Gärtner gerne noch ein paar Ableger mehr bilden. Dabei war man sich nicht Immergrün, wie Leser feststellt: „Es kann sich ja nicht irgendjemand irgendwelcher Flächen bemächtigen, daher haben wir einen konkreten Ansprechpartner gefordert.“ Inzwischen hat der Trend aber auch die Stadt erreicht und derart schadlose Graswurzelbewegungen sehe man im Grunde gerne. Material oder Werkzeug gibt es zwar keines, aber man lasse der Bewegung freie Hand auf zugewiesenen Flächen. Ein grüner Tisch im Herbst soll den guten Kontakt zudem weiter bewässern. Themen wie ortsnahe Nahrungsmittelproduktion, soziales Engagement oder Umweltschutz von unten verkaufen sich gut. „Das ist definitiv in unserem Sinn“, unterstreicht Leser. Für ein Projekt im Sinne der Berliner Prinzessinnengärten stünde aber keine Fläche zur Verfügung. Urbane Flächen zurückzuerobern und wieder nutzbar, lebenswert zu machen, war aber das Vergissmeinnicht. Einige Gärtner haben bereits das „blaue Wäldchen“ neben der Fahrradbrücke ins Visier genommen, dort ein „Allgemeingut-Café“ an- und aufzubauen wäre ein kleiner Schritt back to the roots. Man darf gespannt sein, welcher Spaten bald wo sticht und welche nächste Nische im Frühjahr Blüten trägt. Markus Wenning
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chilli | studis, azubis & co. | 10.2014 | 13
erste einblicke
Grübeln hinter Glaswänden
Fotos: © chilli, Daniel Begus
Was die neue UB den Studierenden zu bieten hat
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nnovativ und nachhaltig oder einfach nur unansehnlich und zu eckig? Das Design der neuen Universitätsbibliothek (UB) hat schon für so manche Diskussion unter Studierenden, Anwohnern und Passanten gesorgt. Die chilli-Reporter Daniel Begus und Finn Waterstradt haben sich darum gemeinsam mit dem stellvertretenden UB-Direktor Hans Adolf Ruppert auf ins Innere des Neubaus gemacht, wo sich bereits erahnen lässt, was die Besucher ab der Eröffnung im Frühjahr 2015 erwartet.
samten UB im Vordergrund stehen. Das soll durch Sichtlinien erreicht werden, die durch das ganze Gebäude laufen. Durch die extrem großen Fenster – 70 Prozent Glas und 30 Prozent Wandfläche auf der der Uni zugewandten Seite (auf der anderen Seite ist das Verhältnis umgekehrt) – fällt viel Licht nach innen. Um Beleuchtung im zentralen Bereich wird
Beim Eintreten fällt sofort die Helligkeit ins Auge. Wegen der kaum vorhandenen Wände wirken die Räume zudem unglaublich groß. Es kann erahnt werden, wie die neue UB zukünftig von innen aussehen wird. Ruppert ist der Stolz sichtlich anzumerken. Als Verantwortlicher für die Gestaltung der Innenräume liegt es an ihm, die in der Planung beschlossenen Konzepte nun optimal umzusetzen. Das Fehlen von Wänden ist nicht etwa auf schlampige Arbeit, sondern auf das Konzept des Schweizer Architekten Heinrich Degelo zurückzuführen: „Transparenz” soll in der ge-
man aber dennoch nicht herumkommen, die meisten Arbeitsplätze für Studierende und Mitarbeiter werden daher an den Fenstern platziert werden. Im Zentrum befinden sich dagegen hauptsächlich Freihandregale und durch ca. 1,30 Meter hohe Wände voneinander getrennte Gruppenarbeitsplätze. Generell erfordern die schrägen Wände eine besondere Möblierung, immerhin sollen in der neuen UB 1200 Arbeitsplätze für Studenten und Studentinnen sowie Büroraum für 70 bis 80 Angestellte Platz finden. Realisiert werden soll dies durch sogenannte „Open-Space-Bereiche“, die
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Transparenz ist das Konzept
das Konzept der Transparenz zusätzlich unterstützen. Dadurch ist es möglich, an einigen Stellen im Gebäude von einer Seite bis zur anderen zu schauen und das nicht nur horizontal, sondern auch vertikal. So kann man in bestimmten Bereichen vom Keller bis in den 4. Stock sehen. Insgesamt geht der Plan auf. „Transparenz war Degelos Ziel, und das hat er geschafft", findet Ruppert. Auf der Noch-Baustelle fällt auf, dass es, trotz laufender Arbeiten, ungewöhnlich ruhig ist. Durch einen Blick an die Decke kann dieses Phänomen erklärt werden. Schachbrettmusterartig sind dort graue Quadrate, sogenannte Deckensegel, angebracht. Diese dienen sowohl zur Schalldämmung als auch zur Temperaturregulierung. „Wasserleitungen im Beton sowie in den Segeln sorgen für eine konstante Temperatur von ungefähr 20 Grad Celsius – sowohl im Sommer als auch im Winter", erklärt Ruppert. Dieser Effekt soll auch bei großen Besucherzahlen noch wirksam sein. „Menschen bringen 90 Watt pro Nase ins Gebäude. Bei 2000 Besuchern ist das ein erklecklicher Wert und der muss wieder raus“, eröffnet der stellvertretende UB-Direx eine
UB-neubau
grobe energetische Überschlagsrechnung. Diese sogenannte Hydrokerntemperierung sei deutlich energieeffizienter als in der alten UB, wo die Energiekosten mit rund einer Million Euro pro Jahr zu Buche schlugen. Überhaupt sei das neue Gebäude sehr umweltfreundlich. Das Wasser für die Hydrokerntemperierung kommt aus einem Brunnen unter dem KG1, an kalten Tagen wird es durch Dampf aus dem Stadtklinikum erhitzt. Des Weiteren befindet sich statt eines Gartens, den sich einige zu Beginn gewünscht hatten, nun eine Solaranlage auf dem Dach, die einen Teil des Energieverbrauchs decken wird. Neben den Energiekosten habe zudem die Baufälligkeit des alten Gebäudes den Ausschlag für einen Neubau gegeben. Das alte Gebäude sei „abgenutzt“ gewesen, angefangen beim bröckelndem 70er-Jahre-Beton bis hin zu den abgenutzten Türklinken. Zudem sei die Raumausnutzung ineffizient gewesen. So war beispielsweise das Erdgeschoss durch einen fehlenden Zugangsbereich fast komplett ungenutzt geblieben. Das soll in der neuen UB anders werden. Der Haupteingang wurde ins Erdgeschoss verlagert, ein zweiter Eingang wird sich gegenüber auf der Rückseite des Gebäudes befinden. Des Weiteren wird im Erdgeschoss neben einem vollautomatischen Rückgabesystem für die Bücher eine Cafeteria eingerichtet werden. Spezialräume, zum Beispiel für Bild- und
Das noch unfertige Parlatorium mit Blickrichtung zum Stühlinger. Foto: © Daniel Begus
Tonaufnahmen, und Arbeitsplätze für die Studierenden werden im ersten bis vierten Stock sein. Die Verwaltung sitzt im Fünften, von wo man einen erstklassigen Ausblick auf den Platz der alten Synagoge und die Universität hat. An den Regeln hingegen hat sich wenig geändert. Generell gilt, wie in jeder Bibliothek: Ruhe! Wer sich unterhalten möchte, kann dies im Parlatorium – der „Quasselbude“, wie Ruppert es nennt – in der nordwestlichen Ecke der
Mehr als 450 Stellplätze für Fahrräder UB tun. Dieser Bereich zieht sich durch fast alle Stockwerke und gibt den Studierenden die Möglichkeit, sich in Gruppen auszutauschen, ohne andere bei der Arbeit zu stören. Der Freihandbereich wird in der neuen UB wesentlich größer ausfallen als in der Zwischenlösung Stadthalle. Dort stehen momentan lediglich 200.000 Bände im Freihandbereich zur Verfügung, in der neuen UB sollen es zwischen 600.000 und 700.000 Bände werden. Durch die Nähe zum Archiv kommen Studierende zudem wesentlich schneller an bestellte Bücher. Momentan müssen diese in mehreren Touren zwischen Archiv und Stadthalle hin und her gefahren werden. In der alten UB betrug die Lieferzeit lediglich zwei Stunden. Dieses Tempo soll wieder erreicht werden. Apropos Tempo: Wer aus Zeitgründen mit dem Fahrrad anreist, dürfte sich freuen: In der ehemaligen Tiefgarage werden zukünftig 450 Drahtesel Platz finden. Weitere Fahrradständer befinden sich auf der Rückseite des Gebäudes. Wie voll der Parkplatz dann wird, kann man ab dem Sommersemester 2015 sehen: Dann soll der Bau in Betrieb genommen werden. Daniel Begus & Finn Waterstradt
Glänzendes GroSSraumbüro Die neue UB hat das Potenzial zu glänzen, vor allem aufgrund ihrer Fassade, die es einem ermöglicht, sich dort morgens zu rasieren und/oder zu schminken. Im Anschluss könnte man womöglich noch ein paar Spiegeleier auf der Straße braten, wie es Journalisten in London vor dem „Walkie Talkie“-Gebäude taten, das durch den Brennglaseffekt seiner Glasfassade sogar Autos zum Schmelzen brachte. Auch der ausgebildete Physiker und stellvertretende UB-Rektor Ruppert meint: „Das ein Gebäude mit Glasfassade spiegelt, hätte man ahnen können.“ Macht aber nichts. Wenn die Blenderei überhandnimmt, muss man die Fassade eben abdecken. Unser Vorschlag: Werbeplakate. Vielleicht bringt das als Nebeneffekt ja sogar ein wenig Stabilität in den angespannten Haushalt der Uni? Wem der Anblick nicht gefällt, kann ihm leicht entfliehen: Einfach reingehen. Drinnen kann man sich dann an einen der 1200 Arbeitsplätze setzen. Wobei viele die Bücher vielleicht lieber gleich mit nach Hause nehmen. In der neuen UB ist man nämlich niemals für sich. Durch die Open Space Bereiche sitzen alle in einem großen Raum, was besonders für die Verwaltungsangestellten unangenehm werden könnte. Da immer mehr Firmen sich wieder vom Konzept der Großraumbüros entfernen, weil diese offenbar die Arbeitsleistung negativ beeinflussen, lässt das befürchten, dass diese Bereiche ihren Weg in die neue UB nur aus designtechnischen Gründen gefunden haben. DB & FW Foto: © iStock
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Ausbildung & Studium
Chancen noch bis Weihnachten
Noch ist der Ausbildungsmarkt in Bewegung – Tipps für Nachzügler
Eine Stelle für alle Fälle
Bleib dran! – Anlaufstelle bei Ausbildungskonflikten in Freiburg
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er jetzt noch keinen Ausbildungsplatz hat, sollte den Kopf nicht hängen lassen. Noch ist der Ausbildungsmarkt in Bewegung. Experten von der Bundesarbeitsagentur geben Tipps, was nun wichtig ist.
Viele Jugendliche beginnen im August und September ihre Ausbildung – trotzdem ist mancher noch ohne Lehrstelle. Noch gibt es aber keinen Grund zur Panik, sagt die Bundesagentur für Arbeit. Noch sind Ausbildungsplätze unbesetzt, gleichzeitig werden Lehrstellen wieder frei, weil sich einige Betriebe in der Probezeit von ihren Azubis trennen. „In der Regel stehen die Chancen bis Weihnachten gut, auch verspätet noch in das Ausbildungsjahr einzusteigen“, erklärt Ilona Mirtschin von der Arbeitsagentur. Danach werde es schwierig, weil Jugendliche in der Berufsschule viel Lernstoff verpasst hätten. Wer noch keinen Ausbildungsplatz hat, wendet sich am besten an die Ausbildungsvermittler der Jobcenter oder Arbeitsagenturen, rät Mirtschin. Sie haben den Überblick, wo es noch freie Lehrstellen gibt. Möglicherweise haben sie auch Kenntnis von freien Ausbildungsplätzen, die Jugendliche bei einer Netz-Recherche nicht finden. BZ 5
Heidrun Walter und Armin Späth beraten kostenlos und unbürokratisch.
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it dem Projekt „Bleib dran! Anlaufstelle bei Ausbildungskonflikten“ gibt es in Freiburg ein Beratungsangebot für Auszubildende, die Fragen oder Schwierigkeiten haben. „Wir sind eine Stelle für alle Fälle“, betonen die Berater Armin Späth und Heidrun Walter, „wir beraten unabhängig vom Beruf, vom Ausbildungsbetrieb oder wie schwerwiegend ein Problem ist.“
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Die Beratung, die sie anbieten, ist kostenlos, unbürokratisch und flexibel und zielt darauf ab, dass die jungen Menschen ihre Ausbildung erfolgreich abschließen. Für die Ratsuchenden stehen Armin Späth von der Fördergesellschaft der Handwerkskammer und Heidrun Walter von BBQ Berufliche Bildung als Ansprechpartner zur Verfügung. Sie ermutigen jeden, sich auch bei scheinbar kleinen Anliegen an die Anlaufstelle zu wenden. Typische Themen in der Beratung sind Überforderung in der Berufsschule oder im Betrieb, Schwierigkeiten mit dem Chef oder Ausbilder und finanzielle Probleme. Wer ohne Termin und unverbindlich mit den Beratern sprechen möchte, kann sie dienstags 9 – 11 Uhr und donnerstags 14.30 – 17 Uhr in der Eschholzstraße 86 antreffen. Ansonsten wird eine telefonische Kontaktaufnahme empfohlen unter 0761/201-3877 oder -3878. BZ / Huber 16 | chilli | studis, azubis & co. | 10.2014
Ausbildung & Studium
Dual studieren
– jetzt informieren Studieninfotag der DHBW Lörrach am 19. November
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ür ein duales Studium an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Lörrach mit abwechselnden Theorie- und Praxisphasen sprechen viele Gründe: unmittelbare Praxisnähe, erste Berufserfahrung sowie finanzielle Unabhängigkeit dank monatlicher Vergütung bereits während des Studiums, individuelle Betreuung, anerkannte Hochschulabschlüsse und exzellente Jobaussichten. Was genau es heißt, dual zu studieren, erfahren Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrer am Studieninformationstag der DHBW. Die Hochschule stellt an diesem Tag ein Programm aus Infoveranstaltungen, Campusführungen und Firmenvorträgen zusammen. Zentraler Programmpunkt sind dabei die Präsentationen der Studiengänge und der beteiligten Partnerunternehmen. Studieninteressierte haben die Möglichkeit, gezielt mit Dualen Partnern ins Gespräch zu kommen und Näheres über die Studienplätze sowie das Bewerbungsverfahren zu erfahren. 30 Studenten stehen als Schülerscouts zur Verfügung und berichten aus ihrem Studienalltag. Vorgestellt wird das komplette Studienangebot, das sich in vier Bereiche gliedert: Die technische Fakultät umfasst die Bachelor-Studiengänge Elektrotechnik, Maschinenbau, Mechatronik Trinational und Wirtschaftsingenieurwesen. Das Studienzentrum IT-Management/Informatik bündelt die Studienbereiche Angewandte Informatik und Wirtschaftsinformatik, und die Studiengänge der Fakultät Wirtschaft gliedern sich in die Bereiche Finanzdienstleistungen, Gesundheitsmanagement, Handel, Industrie, International Business (englischsprachig), Personalmanagement, Spedition, Transport und Logistik, Tourismus, International Business Management Trinational. Zudem können Studenten ihren Bachelor in Physiotherapie machen. chilli
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INFOS
Studieninformationstag: Mittwoch, 19. November, 9 bis 15 Uhr DHBW Lörrach, Hangstraße 46-50, 79539 Lörrach
www.dhbw-loerrach.de/go/sit www.facebook.com/studieninfotag chilli | studis, azubis & co. | 10.2014 | 17
Advertorial
Verantwortung von Anfang an Das Emmendinger Autohaus Schmolck bietet Ausbildungsund Studienplätze in zehn verschiedenen Berufen
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Foto: © Schmolck
m Lehrbetrieb kann man nicht aufsteigen“ – wer heute noch an diese alte Binsenweisheit glaubt, kann sich beim Autohaus Schmolck eines besseren belehren lassen. In einem Team von 280 Mitarbeitern arbeiten hier 79 Auszubildende, von denen mehr als zwei Drittel übernommen werden. Auch für 2015 gibt es noch offene Ausbildungs- und Studienplätze: An den drei Standorten in Emmendingen, Müllheim und Vogtsburg wird in zehn verschiedenen Berufen ausgebildet – vom Mechatroniker bis hin zum Automobilkaufmann. Bewerber sollten sich beeilen, denn bei Schmolck gilt: Wer zuerst kommt, lernt zuerst. Zwei bis drei Bewerbungen flattern Geschäftsführer Jürgen Henninger täglich auf den Schreibtisch – und werden von ihm sofort durchgeschaut. Um die besten Bewerber nicht an die Wettbewerber zu verlieren, gibt es bei Schmolck keine feste Bewerbungsfrist. Gefällt Henninger eine Bewerbung, geht die Einladung zum Vorstellungsgespräch sofort raus, was dazu führt, dass viele der Ausbildungsstellen bereits im Dezember des Vorjahres besetzt sind. Denn an guten Bewerbern mangele es dem Emmendinger Unternehmen nicht: „Viele Bewerber werden durch Mund-zu-Mund-Propaganda auf 18 | chilli | studis, azubis & co. | 10.2014
uns aufmerksam“, so Henninger, „wir haben uns mittlerweile einen guten Namen geschaffen.“ Ist das Vorstellungsgespräch gut verlaufen, wird der Bewerber zu einem drei- bis fünftägigen Praktikum eingeladen, wo sich entscheidet, ob der Azubi auch ins Team passt. Denn ohne Teamfähigkeit geht bei dem Emmendinger Unternehmen nichts. Henninger macht das an einem Beispiel deutlich. „Bei einem plötzlichen Wintereinbruch wechseln wir in der Werkstatt 150 Räder am Tag“, erzählt der Geschäftsführer. „Das läuft wie beim Boxenstopp: Eine Gruppe bringt die Räder, eine Gruppe schraubt sie drauf, eine andere checkt, ob alles richtig sitzt – da muss einfach jeder wie ein Zahnrädchen mitlaufen.“ Und so werden auch die Azubis von Anfang an in den Echtbetrieb eingebunden und in die Verantwortung genommen. Doch die jungen Mitarbeiter sollen nicht nur von ihrem eigenen Beruf ein genaues Bild bekommen, durch den Wechsel in verschiedene Abteilungen soll auch das Verständnis für die Arbeit der Kollegen gefördert werden. Und manchmal lassen sich so verborgene Stärken entdecken: Wenn etwa die Kauffrau aus der Buchhaltung im Kundenkontakt voll aufblüht oder der Mechatroniker nach der Ausbildung zum Serviceberater wird. www.news.schmolck.de tbr
Ausbildung & Studium
Ohne Moos nix los
Die Ausbildungsvergütung reicht oft nicht für den Lebensunterhalt – es kann jedoch Unterstützung geben
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eld ist bei Auszubildenden meist knapp. Nicht einmal jeder Zweite (49,2 Prozent), der eine duale Ausbildung macht, kann von seiner Vergütung leben. Das geht aus dem Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) hervor. In einigen Fällen können Auszubildende jedoch finanzielle Unterstützung bekommen. Hier eine Aufstellung.
Foto: © DPA
Die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB):
Wer wegen der Ausbildung zu Hause ausziehen muss, weil etwa der Lehrbetrieb zu weit entfernt ist, kann BAB beantragen. Der Zuschuss beträgt bis zu 584 Euro im Monat, sagt Florian Haggenmiller vom DGB. Antragsvo-
raussetzungen sind etwa, dass es für den Jugendlichen die erste Ausbildung ist, dass sie staatlich anerkannt ist und dass die Eltern unterhalb einer bestimmten Einkommensgrenze liegen. Möglich ist es im Rahmen der BAB weiter, sich Fahrtkosten erstatten zu lassen.
Kindergeld direkt auszahlen lassen:
Wenn die Eltern keinen Unterhalt zahlen, können sich Auszubildende unter Umständen ihr Kindergeld direkt auszahlen lassen. Voraussetzung ist, dass sie überhaupt noch Kindergeld beziehen und nicht mehr zu Hause wohnen. Ein entsprechender Antrag ist bei der Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit zu stellen, erklärt Haggenmiller.
Bafög: Beim Thema Bafög denken die meisten an Studenten. Doch Auszubildende haben unter Umständen ebenfalls Anspruch darauf. Das ist etwa der Fall, wenn sie eine Ausbildung an Berufsfachschulen machen. Ein Antrag ist beim Amt für Ausbildungsförderung zu stellen, sagt Paul Ebsen von der Bundesarbeitsagentur.
Fahrtkosten geltend machen:
Auszubildende sollten ihren Arbeitgeber nach einem Fahrtgeldzuschuss fragen. Werden die Fahrtkosten nicht vom Betrieb übernommen, könnten sie bei der Lohnsteuererklärung geltend gemacht werden, sagt Ebsen. BZ / Huber 5
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AUSBILDUNG & Studium
Orientiert ins Hochschul- & Studium starten Forschungsmesse Foto: ©Deutsch-Französisches Forum
16. Deutsch-Französisches Forum am 28./29. November in Straßburg
Foto: © Hochschule Offenburg
Das Einstiegssemester startING der Hochschule Offenburg
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ie Abiturprüfungen sind vorbei, und viele sind noch auf der Suche nach dem richtigen Studienfach. Für den Bereich der Ingenieurwissenschaften bietet die Hochschule Offenburg mit dem Einstiegssemester startING nun auch im Wintersemester einen Einblick in verschiedene Ingenieurfachrichtungen. Es gibt etliche Studiengänge im Bereich der Ingenieurwissenschaften, und häufig brechen junge Menschen ihr Studium ab, weil sie sich für das falsche Studienfach entschieden haben. Das Thema Orientierung wird nach dem Schulabschluss daher immer wichtiger – und die soll den Studierenden mit startING geboten werden. startING wird künftig jeweils im Winter- und im Sommersemester angeboten. Wer startING erfolgreich absolviert, erhält garantiert einen Studienplatz für das weitere fachspezifische Ingenieurstudium seiner Wahl an der Hochschule Offenburg. Im Einstiegssemester schreiben die Studierenden Prüfungen wie in anderen Studiengängen auch, die später – wenn sie sich für das richtige Fach entschieden haben – als Prüfungsleistungen an der Hochschule Offenburg anerkannt werden. Firmenexkursionen bieten den startING-Studierenden die Möglichkeit, die Tätigkeitsfelder von Ingenieuren vor Ort kennenzulernen. Auch Methodenkompetenzen wie wissenschaftliches Arbeiten, Zeitund Projektmanagement oder Lerntechniken bekommen die Studierenden mit auf den Weg. mos Bewerbungen für das Sommersemester bis 15.01.2015 www.starting.hs-offenburg.de / 0781/205-366. 20 | chilli | studis, azubis & co. | 10.2014
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as unter Federführung der Association Forum Franco-Allemand und der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH) organisierte Forum steht ganz im Zeichen deutsch-französischer Hochschulausbildung. Mehr als 6000 Besucher (Schüler, Studierende, Absolventen und Doktoranden) sowie 125 Aussteller werden beim diesjährigen Forum erwartet. Ziel der jährlich im Herbst veranstalteten Hochschulund Forschungsmesse ist es, Schüler und Studierende, die an einem Studium und einer Karriere im Partnerland interessiert sind, mit Hochschulen und Unternehmen zusammenzubringen. Die Veranstaltung soll dabei helfen, einen passenden deutsch-französischen Studiengang zu finden und ein internationales Profil aufzubauen. Bei zahlreichen Vorträgen, Workshops und Podiumsdiskussionen können sich Besucher über Berufs- und Studienwahl, Studium, Arbeitsmarkt, Fremdsprachenerwerb sowie das Leben im Partnerland informieren. Des Weiteren werden Austauschprogramme und Angebote zum Erlernen der Partnersprache und zum Entdecken der jeweils anderen Kultur vorgestellt. Im neuen Segment „Forschung“ haben Studierende mit Forschungsambitionen auf dem Forum die Gelegenheit, mit wichtigen Institutionen ins Gespräch zu kommen. mos 16. Deutsch-Französisches Forum Fr., 28.11. 10 – 18 Uhr / Sa., 29.11. 9 – 16 Uhr Palais des Congrès – Eingang »Erasme« / Strasbourg
Freier Eintritt, keine Voranmeldung erforderlich www.dff-ffa.org/de/dff/
Ausbildung & Studium
Zentrum
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für Design Ausbildung in Freiburg
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er dreijährige Bildungsgang Grafik-Design vermittelt alles, was für die kreativ-gestalterische Arbeit in Werbeagentur, Verlag oder Marketing-Abteilung eines Unternehmens wichtig ist: Grafik-Design, Freies Zeichnen, Typografie, Fotodesign, Medientechnik und Werbelehre. Zur Ausbildung erhält jeder Schüler ein eigenes Macbook; sie endet mit einer Abschlussprüfung zum/zur „Staatlich geprüfter GrafikDesigner/in“. Das Bestehen der Zusatzprüfung berechtigt zu einem Studium an jeder Fachhochschule. Die vielseitigen Gestaltungsmöglichkeiten des Computers sind Kernthema der zweijährigen Mediendesign-Ausbildung im „Berufskolleg Technische Dokumentation“. Dabei steht das Profilfach „Multimedia“ im Vordergrund. Fächerübergreifend wird der Umgang mit der ganzen Palette multimedialer Anwendungen gelernt. Die Absolventen können später als „staatlich geprüfte technische Kommunikationsassistenten“ arbeiten oder sich bei parallel erworbener Fachhochschulreife (BW) in einem Studium weiterbilden. Wer seine Stärken in kreativer Formgestaltung und einer etwas handwerklicher orientierten Designausbildung sieht, für den könnte das zweijährige Berufskolleg für Produktdesign genau das Richtige sein. Neben der Anwendung klassischer Grafiksoftware und die Umsetzung der Entwürfe in einem 3D-Programm, erlernen die Schüler/innen Techniken zur Erstellung von Modellen ihrer Designentwürfe. mos Akademie für Kommunikation Freiburg Kaiser-Joseph-Str. 168, 79098 Freiburg Tel: 0761/1564803-0
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Fotos: © International Campus AG
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Das Edel-Studentenwohnhaus »The Fizz« ist eröffnet
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s klingt wie ein trendiger Cocktail, doch statt Spirituosen werden hier moderne Architektur und hochwertige technische Ausstattung mit einer lässigen studentischen Atmosphäre gemischt: Das neue Studentenwohnhaus „The Fizz“ in Freiburg-Zähringen zeigt, dass Studentenbude nicht gleich Studentenbude ist. Welcher Student kann schon von sich behaupten, einen Concierge zu haben? Einer, der eines der 149 voll ausgestatteten Einzel- oder Doppelapartments des Edel-Studentenwohnhauses „The Fizz“ bewohnt. Bis zu 38 Quadratmeter groß, mit Balkon oder Terrasse und in zentraler Lage mit guter Verkehrsanbindung – da bleiben keine Wünsche mehr offen. Hinzu kommen noch ein High-Speed-Internetanschluss, ein Kopier- und Druckerservice, eine Wasch-Lounge mit
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IMPRESSUM – Themenheft 10-2014 Das »Studis, Azubis & Co.«Themenheft erscheint im Freiburger Stadtmagazin chilli Herausgeber: chilli Freiburg GmbH, Neunlindenstr. 35, 79106 Freiburg, www.chilli-freiburg.de Geschäftsführung: Michaela Moser (ViSdP) Chefredaktion: Lars Bargmann Redaktion: Michaela Moser Felix Holm, Tanja Bruckert
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