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chilli – das Freiburger Stadtmagazin

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Ausgabe Juni 11. Jahrgang / #100

Ausgabe 06- 0 7/14 2,50 Euro

Was da wieder los ist: Termine & Partys 14.06. – 20.07.14

Ausgabe

100

Ab 10. Juli im kino

Welcome to Crime-City Spurensuche in der kriminellsten Stadt des Landes

Paukenschlag Wahlschlag Die illustre Welt der Drehbuchautoren

Freiburg braucht jetzt neue KulturkĂśpfe

Lidschlag

Die Nuggets fahren nach Manchester

mit T h em en HE FT Jugend & Beruf


Raum der Angst

Spurensuche in der kriminellsten Stadt des Landes

Foto: Š Steve Przybilla

von Steve Przybilla


Titel Freiburg

S

eit Jahren steht Freiburg in der baden-württembergischen Kriminalitätsstatistik auf Platz eins. Dem Wohlfühlfaktor hat das bisher keinen Abbruch getan. Seit sich aber in jüngster Zeit Überfälle und Einbrüche häufen, kippt das Sicherheitsempfinden. Berechtigte Sorge oder reine Panikmache? Den Kopf gesenkt, die Arme mit Handschellen fixiert: So hockt der junge Randalierer vorm „Elpi“. Daneben, sichtlich außer Atem, drei Türsteher, die den Mann vor die Studenten-Disko gezerrt haben. Einen Augenblick wirkt die Szene wie eingefroren. Dann gerät mit einsetzendem Regen alles in Bewegung: die Jugendlichen, die ihren angetrunkenen Kumpel verteidigen wollen, die Türsteher, deren Geduld am Ende ist. Und die Blutstropfen, die sich auf den Pflastersteinen mit dem Regen vermischen. Es ist kurz nach 1 Uhr nachts in Freiburg. Für Partygänger aus der ganzen Region beginnt das Wochenende – für die Polizei der ganz normale Wahnsinn. Als die Beamten vorm Elpi eintreffen, streckt ihnen der Türsteher seine blutige Hand entgegen: „Gebissen hat er mich! Durch den Handschuh!“ Der Kumpel des Delinquenten lallt: „Die haben doch angefangen. Wir wollen sie anzeigen. Alle. Und zwar sofort.“

Fälle wie dieser sind noch harmlos gegen das, was die Polizei in anderen Nächten erlebt. Hauptkommissar Peter Wagner, Einsatzleiter an diesem Abend, erinnert sich an eine „Mega-Schlägerei“ im Nachtbus: „Es war wie im Film. Wir mussten die Bundespolizei und die Hundestaffel zur Verstärkung rufen, bevor wir die Streithähne rausziehen konnten. Während wir Handschellen anlegten, wurden die anderen Leute – locker über 200 – schon unruhig, weil sie mit dem Bus nach Hause wollten.“ Dass in einer Großstadt schon mal die Fäuste fliegen, ist nichts Besonderes. Die Situation in der Freiburger Innenstadt hatte sich seit Mitte der Nuller Jahre aber so zugespitzt, dass die Polizei 2007 die „Gewa City“ ins Leben rief, eine Spezialeinheit, die an den Wochenendnächten im Bermudadreieck patrouilliert, um alkoholbedingte Gewalt einzudämmen. Laut offizieller Statistik ist Freiburg, gemessen an der Einwohnerzahl, die kriminellste Stadt in Baden-Württemberg. Im Jahr 2013 registrierte die Polizei im Stadtgebiet 26.462 Straftaten – ein leichter Anstieg um 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei den Wohnungseinbrüchen gab es einen rasanten Anstieg um 46,7 Prozent auf 496 Fälle. Stark zugenommen haben Raubüberfälle (+ 18,4%), Gewaltverbrechen

(+ 8,2%) und Drogendelikte (+ 6,6%). Auch in diesem Jahr haben Langfinger Hochkonjunktur: Bis Anfang Mai registrierte die Polizei 259 Taschendiebstähle in der Innenstadt – ein rapider Anstieg um 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dem Wohlfühlfaktor hat die hohe Kriminalitätsrate bisher keinen Abbruch getan. Schließlich ist Papier geduldig und – das darf nicht verschwiegen werden – in Freiburg dominieren die leichteren Übeltaten. In den vergange-

Nachtschwärmer in angst und Schrecken nen Wochen jedoch geriet das Sicherheitsgefühl ins Kippen. Erst schlug sich der Stühlinger Kirchplatz wegen dubioser Gestalten und Drogengeschäften in die Schlagzeilen. Dann wurden Nachtschwärmer durch eine Überfallserie in der Innenstadt in Angst und Schrecken versetzt. Kurzzeitig sah es sogar so aus, als würde sich eine Bürgerwehr gründen: Türsteher des „Cräsh“ dachten Mitte Mai laut darüber nach, im Sedanviertel selbst für Ordnung zu sorgen. Obwohl sie nach einem

» Die Stadt muss Verantwortung tragen « Landesinnenminister Reinhold Gall (SPD) über die Crime-City Freiburg chilli: Herr Minister, Freiburg ist die kriminellste Stadt des Landes. Woran liegt das? Reinhold Gall: Die Kriminalitätsbelastung in Freiburg ist tatsächlich seit Jahren am höchsten, bezogen auf die Einwohnerzahlen. Allerdings muss man sich die Statistik genau ansehen. Beispielsweise wurden im vergangenen Jahr in Stuttgart 18.516 Diebstähle registriert, in Freiburg waren es 25.865.* Da stellt sich die Frage: Ist es die Grenznähe oder woran kann es noch liegen? Gehen Sie davon aus, dass dies vom Polizeipräsidium Freiburg analysiert wird.

chilli: Was unternimmt Ihr Ministerium, um die Lage zu verbessern? Gall: Das Polizeipräsidium hat einen sehr kompetenten Präsidenten und genügend Spezialisten, die sich vor Ort um die Probleme kümmern. Sie müssen bei manchen Deliktformen den Beamtinnen und Beamten aber auch die Zeit lassen, um diesen Phänomenen langfristig entgegenzusteuern.

Foto: © ZVG

chilli: Anfang Februar willigten Sie ein, den beiden Freiburger Polizeirevieren fünf zusätzliche Beamte zuzuweisen. Ein Tropfen auf den heißen Stein? » Juni 2014 CHILLI 9


Titel freiburg

Kriminalität in Freiburg

Statistik 2013: von 26.462 Straftaten entfallen auf...

Quelle: Polizei / Grafik: © chilli

Sonstige Straftatbestände 18,2 %

Strafrechtliche Nebengesetze 7,6 %

Vermögens- & Fälschungsdelikte 19,5 %

Rohheit /  persönliche Freiheit 14 %

Leichter Diebstahl 16,5 %

Schwerer Diebstahl 23,8 %

Gespräch mit der Polizei zurückruderten, zeigt der Vorfall, dass mancherorts die Nerven blank liegen. Erschwerend hinzu kommt der Personalmangel bei der Polizei – ebenfalls ein Problem, das nicht erst seit gestern besteht. In einem Brief an Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) kündigte Innenminister Reinhold Gall (SPD) zuletzt fünf zusätzliche Beamte für die hiesigen Polizeireviere an – „enttäuschend“, wie Salomon urteilte. Wie viel Personal tatsächlich notwendig wäre, lässt eine Aussage des ehemaligen Polizeichefs Heiner Amann im Gemeinderat erahnen: „Mit 100 Leuten mehr ließe sich etwas machen.“ Zusätzlich ist eine neue Tätergruppe in Erscheinung getreten: unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Gegen 40 von ihnen ermittelt derzeit die Polizei,

15 sitzen in Untersuchungshaft. Sie werden mit 233 Straftaten in Verbindung gebracht (Stand: 3. Juni). Rechte Hetzblogs wittern bereits Morgenluft und pöbeln über „kriminelle Asylanten, sinnlose runde Tische und hilflose grüne Politiker“.

» Gall: Lassen Sie es mich deutlich sagen, die Vorgängerregierungen haben mir die geringste Polizeidichte der gesamten Bundesrepublik hinterlassen. 2004 wurden 1000 Stellen bei der Polizei mit fadenscheinigen Begründungen abgebaut. Mit der Polizeireform bringen wir wieder circa 650 Vollzugsbeamte an die Basis. Viel wichtiger ist, dass durch die großen Präsidien wesentlich mehr Flexibilität möglich ist und der Streifendienst entlastet wird.

chilli: Sie gelten als Befürworter eines Kommunalen Ordnungsdienstes. Müssen die Gemeinden den Personalmangel der Polizei ausbaden? Gall: Jede Stadt muss auch selbst Verantwortung für die Sicherheit tragen. Primär geht es um Ordnungswidrigkeiten wie Ruhestörung oder Vermüllung der Parkanlagen. Die Stadt als Ortspolizeibehörde kann doch nicht nur verfügen, was wer wann und wo darf, sie ist durchaus auch in der

10 CHILLI Juni 2014

Straftaten gegen sexuelle Selbstbestimmung 0,5 %

Rechte Hetzblogs wittern Morgenluft „Die Situation taugt als Bedrohungsszenario, das vermeintlich einfache Antworten liefert“, warnt Sabrina Ellebrecht vom Zentrum für Sicherheit und Gesellschaft der Uni Freiburg. Nämlich: Ordnung und Abschiebung.

Umgekehrt habe gerade das grüne Klientel oft Probleme damit, eine stärkere Polizeipräsenz zu akzeptieren – eine Zwickmühle. „Panik sehe ich nicht“, sagt hingegen Dietrich Oberwittler, Kriminalitätsexperte am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht. Statt in Hysterie zu verfallen, hätten die Freiburger besonnen reagiert, zum Beispiel durch Bürgertreffen auf dem Stühlinger Kirchplatz, um diesen „zurückzuerobern“. Dennoch: „Gewaltkriminalität“, sagt Oberwittler, „gab es bisher vor allem zu bestimmten Uhrzeiten an bestimmten Orten.“ Wer Samstagnacht durchs Bermudadreieck schlendere, wisse das. Neu sei die Dimension im Stühlinger: „Ich verstehe, dass das ein Angstraum ist. Dort kann es inzwischen jeden treffen.“

Pflicht, diese Auflagen durchzusetzen. Sobald es sich um keine geringfügigen Delikte handelt, ist selbstverständlich die Polizei zur Stelle.

* Gemeint ist nicht nur Freiburg, sondern das Gebiet der Polizeidirektion, zu dem auch die Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald, Emmendingen, Lörrach und Waldshut gehören.


Sparkassen-Finanzgruppe

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SZENE Gastrotest

Urlaubsfeeling über den Dächern Edles Loungeambiente im Skajo – Freiburgs schönste Dachterrasse

Foto: © tbr

W

eiße Korbstühle, weiße Marmortische, weiße Sonnenschirme. Mango-Ingwer-Spritz, Moscow Mule, Lillet Wildberry. Eine Bar unter freiem Himmel, gechillte Loungemusik, Blick über die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Welcome to St. Tropez? Nein, willkommen auf Freiburgs schicker neuer Dachterrasse. Willkommen im Skajo. Die Freiburger mussten Geduld aufbringen: Zwar hat das Skajo im neuen Sparkassengebäude an der Kaiser-Joseph-Straße schon seit April geöffnet, die Dachterrasse wird jedoch erst seit Ende Mai bewirt-

schaftet. Der Blick war das Warten wert: Wir sitzen direkt an der Kajo, gefühlt auf einer Höhe mit dem Dattler, und genießen die Aussicht auf Martinstor und Münsterturm – wer hätte gewusst, dass da in luftiger Höhe Geranien hängen? Die Sonne versteckt sich hinter Wolken, der Münsterplatz ist bis auf sporadisch vorbeiflanierende Touristengruppen menschenleer, lediglich die Musik eines Saxophonspielers tönt hinauf in den sechsten Stock. Doch die Dachterrasse ist auch an diesem Montagabend gut besucht: Geschäftsmänner trinken einen Feierabend-Caipirinha (wie alle Cocktails 9,50 Euro), eine Frau schmökert bei einem Glas Rosé (7,20) in einem Bali-Reiseführer, eine Gruppe, die nach BWL-Studenten aussieht, bestellt von der Sommer-Spritz-Karte (Acai-Spritz, Exot Tonic & Co. je 7 Euro). Wir bestellen ein Crosstini-Dreierlei zu den Drinks und bekommen eine köstliche Auswahl an Bruschetta, Lachstartar und Ziegenkäsecreme (11 Euro für 6 Stück, 17 für 9). Da die Speisenauswahl auf der Terrasse vor allem aus Salaten besteht, geht es danach einen Stock tiefer ins Restaurant. Die weißen Möbel der Terrasse weichen

dunklem Holz und goldenem Kunstleder, indirektes Licht und leise Jazzmusik vervollständigen das edle Ambiente. Lediglich die Papierservietten scheinen nicht ganz passen zu wollen. Qualität statt Quantität ist das Motto der Karte, auf der die Fischgerichte im Vordergrund stehen. Wir entscheiden uns für Penne Thunfisch mit Avocado, weißer Schokolade und Cashewnüssen (mit 16 Euro das günstigste Gericht auf der Fischkarte) sowie Wiener Schnitzel mit Kartoffel-Gurken-Salat (19,50). Kaum haben wir den Gruß aus der Küche verspeist – lauwarmer Linsensalat –, bekommen wir auch schon die Pasta mit einer cremigen, fein abgeschmeckten Sauce und glasig gebratenen Thunfischwürfeln sowie einen Turm aus zarten Kalbschnitzelchen. Fein. Fazit: Um sich auf eine Partynacht im Crash einzustimmen, ist die Skajo-Dachterrasse der falsche Ort – das Publikum erinnert eher an die andere Freiburger Bar mit Höhenluft am Hauptbahnhof. Wer es jedoch edel mag und etwas Kleingeld locker hat, bekommt hier feines Essen und Cocktails, die es in der Stadt nicht an jeder Ecke gibt. Tanja Bruckert

Gastro & Gusto Begehrte Kringel

Wofür man in New York stundenlang Schlange steht, gibt es nun auch in Freiburg: Der neue Donutladen im Bermudadreieck verkauft Cronuts – eine Mischung aus Donut und Croissant. Schlangestehen muss hier niemand, doch auch im „Hello Donuts“ haben sich die süßen Teile bereits zum Verkaufsschlager entwickelt. 14 CHILLI Juni 2014

Eis statt Kaffee

Die Coffee Factory in der Habsburgerstraße bekommt einen neuen Pächter: Inhaber Thomas Schneider wechselt von dem Café zu einer Eisdiele in Gundelfingen. Am Konzept der Coffee Factory soll sich laut Aussage einer Mitarbeiterin nichts ändern, Schneider selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Neue Weinbar Freiburg hat ein neues Hotel mit Weinbar: Geschäftsführer Alexander Beinert hat das ehemalige Hotel Atlanta in der Rheinstraße grundlegend renoviert und unter dem Namen „The Alex Hotel“ wiedereröffnet. Neu ist auch die Hotelbar „Winery 29“, in der der Weinliebhaber edle Tropfen von vier badischen Weingütern anbietet. tbr


SZENE grillen

Wagner macht das Würstchen

Spitzenkoch verrät bei Freiburgs ersten Barbecuekursen wie die nächste Grillparty perfekt wird

G

rillen kann jeder: Steak auf den Rost, Bierf lasche in die Hand, fertig. Dass grillen aber nicht gleich grillen ist, zeigt Gourmetkoch Klaus-Werner Wagner in Freiburgs ersten Grill-Kochkursen. Auf Zedernholz gesmokter Lachs, hausgemachte Bratwürste, Parmesantomaten, gefüllte Maishähnchenbrust, Cayenne Potatoes – Wagner zeigt, wie der Grillabend zur Gourmeterfahrung wird. Und das mit ein paar ganz einfachen Tricks. „Die meisten braten das Fleisch über der heißesten Glut, bis sie es servieren“, beschreibt Wagner den schlimmsten Grillfehler, die „Todgarmethode“. Doch was die meisten in der Küche schon beherrschen, klappt auch auf dem Grill: Das Niedergaren. „So verliert das Fleisch weder Farbe, noch Saft oder Geschmack“, preist der Koch die Vorteile an.

Klaus-Werner Wagners Chil(l)i-Garnelenspieße Zutaten Marinade: 3 EL Sojasauce, 1,5 EL Harisapaste, 1 TL Tamarindenpaste, 1 Knobizehe (fein gewürfelt), 10 g Ingwer gerieben, 1 EL Sake (ersatzweise trockener Sherry), 2 EL Sojasauce, 1 EL Erdnussöl, 1 rote Thaichili geschnitten weitere Zutaten: 8 mittelgroße Garnelen, 4 rote Thaichilli am Stück, 1 Zitrone geviertelt Zubereitung: Zutaten für die Marinade in einer Schüssel gut vermengen, die geschälten Garnelen darin mindestens 15 Minuten ziehen lassen. Je zwei Garnelen, eine Chilischote und ein Zitronenviertel auf einen Spieß stecken und rund drei Minuten rösten.

Fotos: © prz

Spitzenkoch Wagner zeigt, wie’s geht: Lachs auf Zedernholz und Zucchinipäckchen mit Schafskäse.

Am besten funktioniert das auf Hightechgrills, wie sie an diesem Abend auf der Terrasse des Freiburger Kochstudios „Cook & Live“ stehen. Wagner setzt hier auf die Gaskugelgrills von „Outdoorchef“, auf denen sich die Temperatur exakt regulieren lässt – doch auch auf dem einfachsten Holzkohlegrill ist seine Sanftgarmethode möglich. Mit einem Blech unterteilt man den Grill in zwei Hälften, auf der einen wird mit Kohle richtig eingeheizt, auf der anderen darf das Fleisch nur mit der Hitze von der anderen Seite langsam garen. Wagner legt ein mit Sojasauce, Erdnussöl, Teriyakisauce, Mirin (japanischer Würzessig), Rohrzucker und Szechuanpfeffer eingeriebenes US-Weiderind-Steak – dick wie ein Unterarm und 800 Gramm schwer – auf den 400 Grad heißen Rost. Sofort züngeln Flammen rund um das Fleisch auf, die Marinade färbt sich schwarz. Schon nach zwei Minuten ist Schluss mit den Röstaromen, der Fleischfetzen darf sich auf der kühleren Seite des Grills ausruhen. Geduld sollte man für diese Art des Grillens schon mitbringen – je nach Dicke braucht das Steak an die dreißig Minuten. Dafür kann es hier auch unbegrenzt lange liegen – selbst eine Hähnchenbrust könne man bei der richtigen Temperatur

stundenlang auf dem Grill lassen, ohne dass sie trocken wird, so Wagner. Wann das Fleisch fertig ist, bestimmt er durch Draufdrücken.„Das geht bei den ersten paar Versuchen sicherlich mal schief“, ist sein gleichmütiger Rat für Anfänger, „aber irgendwann bekommt man das Gefühl dafür, wann das Fleisch perfekt ist.“ Währenddessen wärmen sich die Würstchen auf dem oberen Rost schon mal auf, und die bereits gegrillten Garnelen (siehe Rezept) warten in der Marinade auf hungrige Mäuler. Nicht lange: Kaum stehen die Teller auf dem Tisch, machen sich zwölf Kochkursteilnehmer über glasigen Lachs, rosa Rindersteaks, butterzartes Schweinefilet & Co. her. Und wer bei all den Gourmetspeisen das Grillfeeling vermisst, darf dazu sein Bier aus der Flasche trinken. Tanja Bruckert

bbq info > Grillkurse bei „Cook & Live“: 17., 23. Juni / 1., 15., 22. Juli / 6., 26., 27. August / 2., 17., 24. September > Mehr Infos & Anmeldung: www.cook-and-live.de Juni 2014 CHILLI 15


The Teddyshakers – am 18.7. live im Spielgelzelt des ZMF / Foto: © ZMF

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14.6. – 20.7.

SAMSTAG

14.6.2014 AUSSTELLUNGEN Lesser Ury & das Licht Wiederentdeckung & Neubewertung des Berliner Impressionisten, 5.4.-31.8. Museum LA8, Baden-Baden Info: www.la8.de

Künstlerpaare Malerei & Grafiken von Michaela HöhleinDolde & Manfred Dolde, 7.4.-18.7. Amtsgericht, Freiburg Info: www.gedok-freiburg.de

Luisa Richter Ölgemälde & Collagen 26.3.-29.6. Kunstmuseum Stuttgart Info: www.kunstmuseum-stuttgart.de

Panorama Werke von Konstantin Grcic 22.3.-14.9. Vitra Design Museum, Weil am Rhein Info: www.design-museum.de

26 CHILLI JUNI 2014

Le Corbeau et le Renard

Circus Circus

Das Leben ist Ausland

Aufstand der Sprachen mit Marcel Broodthaers, 22.3.-17.8. Kunstmuseum, Basel Info: www.kunstmuseumbasel.ch

Gemälde von Mark Grotjahn, 16.5.-27.7. Kunstverein, Freiburg Info: www.kunstvereinfreiburg.de

Melinda Nadj Abonji im Gespräch mit Sreten Ugricic Foyer Schauspielhaus, Theater Basel ★ 18 Uhr Info: www.theater-basel.ch

JR

Eine starke Frau

Die Wanderhure

Fotos & Videos, 1.3.-29.6. Museum Frieder Burda, Baden-Baden Info: www.museum-frieder-burda.de

Werke von Elvira Bach, 24.5.-19.7. Galerie Arthus, Zell a. H. Info: www.arthus-kunstgalerie.de

Landart

EVENTS

Die große Show der Naturwunder

Spanische Feria

Aufzeichnung der Fernsehshow Messe, Offenburg ★ 20 Uhr Info: www.messe-offenburg.de

Installationen von Rudi Witt, 7.5.-26.6. Rathausgalerie, Rheinfelden Info: www.rheinfelden.de

Mit Gott für Kaiser & Reich Grenzüberschreitendes Museumsprojekt zum 1. Weltkrieg, 17.5.-21.9. Haus Salmegg, Rheinfelden Info: www.rheinfelden.de

Gego. Line as Object Rauminstallationen von Gertrud Goldschmidt, 29.3-29.6. Kunstmuseum Stuttgart Info: www.kunstmuseum-stuttgart.de

Die Welt nach Ponk & Replonk Special: Ansichten von Basel, 22.3.-22.6. Cartoonmuseum, Basel Info: www.cartoonmuseum.ch

Spanisches Straßenfest mit Tages- & Abendprogramm, 6.-15.6. Europa-Park, Rust ★ 9 Uhr Info: www.europapark.de

Wein & Musik 2014 3 Tage Live-Musik , 13.-15.6. Innenstadt, Staufen ★ 14 Uhr Info: www.gewerbeverein-staufen.de

Dries Verhoeven – Ceci n’est pas ... Performative Installation im Rahmen von performaCITY, 6.-15.6. Claraplatz, Basel ★ 15 Uhr Info: www.kaserne-basel.ch

Schauspiel-Führung mit FR-Living History Martinstor, Freiburg ★ 19 Uhr Info: www.freiburg-living-history.de

Geister, Spuk & weiße Frauen Die verfluchte Tour Am Predigertor, Freiburg ★ 20 Uhr Info: www.historix-tours.de

8. Internationales Magie-Festival mit Michel Gammenthaler & Ohne Rolf Kurtheater, Baden ★ 20 Uhr Info: www.badenmagisch.ch

DreamMen Drink, Play & Pleasure Grand Casino, Basel ★ 20.30 Uhr Info: www.grandcasinobasel.com

➔ Das volle Programm auf chilli-freiburg.de


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VERANSTALTUNGSKALENDER

Kurzfilme

Nachtalb, Vollmond, Geisterhäuser

WM-Opening

Die paranormale Tour mit Historix-Tours Am Predigertor, Freiburg ★ 21 Uhr Info: www.historix-tours.de

Internationale Getränke, Fußball-Wetten & Spezial-Deko Discothek Bergwerk, Offenburg ★ 21 Uhr Info: www.bergwerk-offenburg.de

MUSIC Greenfield Festival Linkin Park, Iron Maiden, Soundgarden u.a., 12.-14.6. Obere Bönigstraße 1, Interlaken Info: www.greenfieldfestival.ch

Festival der Klassik 2014 mit dem Festivalleiter Philippe Olivier, 7.6.-15.6. verschiedene Locations, Straßburg Info: www.festival-musique-strasbourg.com

Martin Stadtfeld Klavierabend: Chopin, Bach, Bartholdy, Schumann Festspielhaus, Baden-Baden ★ 19 Uhr Info: www.festspielhaus.de

Noche de Salsa mit DJ Chriss Latinclub Mamasita, Freiburg ★ 21 Uhr Info: www.mamasita-club.de

The Soulship The grooviest Party in Town Jos Fritz Café, Freiburg ★ 21 Uhr Info: www.josfritzcafe.de

80er 90er Mixed Music guten Abend, Kaiser-Joseph-Str. 278, Freiburg ★ 21.30 Uhr Info: www.gutenabend-freiburg.de

Sean Kingston Sänger, Produzent & Miamis Rap & Reggae-Multitalent Universal D.O.G., Lahr ★ 22 Uhr Info: www.universaldog.de

Party mit DJ Hank The DJ Das Klassische aus dem Punkrock, das Wilde aus den 60s’, schräge Countrysongs EL.PI, Freiburg ★ 22 Uhr Info: www.elpi-freiburg.de

Museum für Neue Kunst, Freiburg

Steilvorlagen 3. Juni bis 13. Juli Foto: © Raphael Spielmann, The Global Ball

Alfonso Gómez Klavierabend mit Werken von Boulez, Händel, Murail & Scarlatti Galerie depot.K, Freiburg ★ 20 Uhr Info: www.depot-k.com

Hinz & Kunz

WM trifft Kunst Die wohl beliebteste Sportart der Welt in elf Kurzfilmen: Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft zeigt das Museum für neue Kunst Videos rund um den Ballsport. Michael Klant und Raphael Spielmann haben für diesen Anlass außergewöhnliche Beiträge zusammengestellt: Ein Ball, der endlos über einen Strand rollt. Eine Bushaltestelle, die kurzerhand zur Trainerbank umfunktioniert wird, und auf der pantomimisch die Höhen und Tiefen eines Spiels durchlebt werden. Passanten und Prominente, die versuchen, das „Abseits“ zu erklären. Jungen aus einem Dorf in Mosambik, die sich aus Kondomen und Wollknäueln Self-MadeFußbälle basteln. Oder auch ein Video, das auf der Biennale bereits 2001 zu sehen war: Zwei Schweizer Profimannschaften, die im Businesslook gegeneinander antreten und mit Aktenkoffern um sich werfen.

Wenn Männer Musik für Frauen machen Stadthalle am Nollen, Gengenbach ★ 20 Uhr Info: www.gengenbach.info/Kultur/Kultursommer-Gengenbach

Aliéksey Vianna Trio mit Viviane de Farias Bird's Eye Jazz Club, Basel ★ 20.30 Uhr Info: www.birdseye.ch

Freier Eintritt für alle Gäste in weißer Kleidung Big7Club, Freiburg ★ 22 Uhr Info: www.big7club.de

Alte Wache, Freiburg

Mit gekonnten Pinselstrichen Mo.-Fr., 10-17.30 Uhr bis Mitte Juni Freitag & Samstag House/Black/Clubtunes/Tech & more Dreieck, Freiburg ★ 22 Uhr Info: www.dreieck-freiburg.de

Heimat Klang

House/Tech-House/Techno/Minimal Schmitz Katze, Freiburg ★ 22 Uhr Info: www.schmitz-katze.com

Love your local DJs, mit Chris Veron, Martin Mingres, Oliver Sylo Klangraum, Im Hauptbahnhof, Freiburg ★ 23 Uhr Info: www.klangraum-freiburg.de

Crash Classix

Meet & Greet

mit DJ Lobo Crash, Freiburg ★ 22 Uhr Info: www.crash-freiburg.de

Progressive- & Deep-House, Black & more Schneerot, Freiburg ★ 23 Uhr Info: www.schneerot.de

Bassblütentherapie No. 22

KiK meets ...

Festspiele Breisach

Versuch 23 & Flow Effect Music & Waterford KiK – Kultur in der Kaserne, Offenburg ★ 21 Uhr Info: www.kik-online.de

Mostly Harvest Acid-Pop-Prog Mehlsack, Emmendingen/Mundingen ★ 21 Uhr Info: www.mehlsack.de

Tay/Son Album Release: Slave to Gravity Parterre, Basel ★ 21 Uhr Info: www.danzeria.ch

Karmasutra/House Selection DJ Royal/DJ Daniel S. Karma/Buddha-Club, Freiburg ★ 23 Uhr Info: www.karma-freiburg.de

MUSICAL Dirty Dancing Der Welterfolg als Original-Bühnenshow Theater 11, Zürich ★ 19.30 Uhr Info: www.theater11.ch

Münsterberg, Breisach

Die deutschen Kleinstädter 14./21./28. Juni

Hänsel wird gegretelt Rockige Musiktheatershow Galli Theater, Freiburg ★ 20 Uhr Info: www.galli-freiburg.de

OPER

Foto: © Andrea Löwl

Der falsche König

Der Mantel & Blaubarts Burg Abend mit Einaktern von Puccini & Bartók Theaterhalle, Gelände der Brauerei Ganter, Freiburg ★ 19.30 Uhr Info: www.theater.freiburg.de

The Indian Queen Oper von Henri Purcell Große Bühne, Theater Basel ★ 19.30 Uhr Info: www.theater-basel.ch

PARTY

www.freiburg.de/museen Das Museum für Neue Kunst ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Eintritt: 3 Euro

White Night

Foto: © Alte Wache

Internationale Evergreens Hits der 70er, 80er & 90er Jahre mit DJ Markthalle, Freiburg ★ 20 Uhr Info: www.markthalle-freiburg.de

after shopping meets style night bis 24 Uhr flying buffet, Prosecco & Bier Kagan, Freiburg ★ 20.30 Uhr Info: www.kagan-lounge.de

➔ Alle Termine auf chilli-freiburg.de

Liebe entgegen der gesellschaftlichen Erwartungen – das Thema hat bereits den Stoff für zahlreiche Dramen geliefert. Auch in der Breisacher Festspiel-Komödie „Die deutschen Kleinstädter“ möchte Sabine nicht den angesehenen Inspektor heiraten, sondern hat ihr Herz einem anderen geschenkt. Zu Turbulenzen kommt es, als ihre Oma bei ihr ein Bild des Angebeteten entdeckt. Kurzerhand behauptet Sabine, es sei ein Bildnis des Königs. Und so ist der Tumult groß, als der angebliche König das Städtchen besucht. Wird er seine Sabine auch ohne echten Adelsstatus, ohne Titel und standesgemäße Umgangsformen zur Frau nehmen können? www.festspiele-breisach.de, Karten-Infos: 0761/496-8888 Gewinnspiel auf www.chilli-freiburg.de

JUNI 2014 CHILLI 27


Musik Festivals

Alexander Heisler

Les Saxofous

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Fotos: © Klaus-Polkowski, ZMF

er auf die Plakate des ZMF schaut, dem springen große Namen wie Zaz, Gregory Porter, Dieter Thomas Kuhn, Sportfreunde Stiller oder Marteria ins Auge. Insofern unterscheidet sich die Veranstaltung nur unwesentlich von anderen Festivals in ähnlicher Größe. Neben dem tollen Flair, der aus dem ZMF in den Augen seines Gründers Alexander Heisler „den tollsten Hock im Sommer“ macht, gibt es aber eine weitere Komponente, die fast bundesweit ihresgleichen sucht: Auf dem Musikfest spielen Jahr für Jahr zig Bands, die unmittelbar aus Freiburg und der Region kommen. Lokalmatadore werden zusammen mit internationalen Stars ins selbe Programm gehievt. Nicht wenigen diente der Auftritt am Mundenhof schon als Sprungbrett für eine große Laufbahn. Auch in diesem Jahr ist wieder viel Freiburg auf den großen und kleinen Bühnen zu sehen und zu hören. „Über die großen Namen erhält das Festival seine internationale Akzeptanz“, sagt Heisler in seinem Garten in Teningen. Neulich habe er Marius Müller-Westernhagen getroffen, „der wusste sofort Bescheid, was das ZMF ist“, erzählt der bald 65-Jährige mit einem Grinsen. Der Sänger wollte selbst nicht zu einem Unplugged-Konzert ins Freiburger Zelt kommen, hätte aber gerne seine neue Freundin Lindiwe Suttle im Programm untergebracht. „Bei uns werden die Künstler von unten aufgebaut“, erklärte ihm Heisler kurzerhand. Er bot Westernhagen daher an, seine Freundin auf dem ZMF-Lastwagen mitzunehmen, der während des Festivals mit kleinen Konzerten in der Innenstadt die Werbetrommel für das Event rührt. So wie Michi Stein. Der junge Mann erlangte im vergangenen Jahr beim Open-Air der Toten Hosen an der Freiburger Messe ein wenig lokale Berühmtheit, als er von Campino auf die Bühne geholt wurde und dort den Song „Paradies“ singen durfte. Mit seiner inzwischen gegründeten Band „Back to Paradise“ ist er jetzt am 19. und 26. Juli auf eben jenem ZMF-Laster vor dem KG II zu sehen. „Das ist für mich der Geheimtipp des Festivals“, freut sich Heisler über und auf diese Freiburger Neuentdeckung. Auf dem Lastwagen startete vor vielen Jahren auch die Karriere von Heislers Sohn Frederik. Der Drummer ist inzwischen ein anerkannter und preisgekrönter Musiker, spielt mit seiner Magnetband im Sommer unter anderem im Vorprogramm von Jazzlegende Til Brönner und darf beim ZMF erstmals im Rahmen des Perry-Robinson-Abends am 22. Juli im Spiegelzelt aufspielen. 64 CHILLI JUNI 2014

Magnetband

Margulis Family Trio

Heimspiel am Sprungbrett ZMF: Das seine Lokal Und er ist bei weitem nicht der einzige local hero, der in diesem Jahr die große Bühne betritt: Den Start machen am zweiten Festivaltag gleich mal die Creole-Gewinner Äl Jawala. „Der Saxophonist Krischan Lukanow hat vor 15 Jahren schon auf meinem 50. Geburtstag gespielt“, erinnert sich Heisler, „das ist eine urregionale Band, die sich wirklich von der Straßenmusik hochgearbeitet hat.“ Gleich am nächsten Abend geht es beim Auftritt der Teddyshakers mit einem echten Stück ZMF-Geschichte weiter. „Die Großen waren immer Many und seine Teddyshakers“, schwärmt Heisler heute noch von den Auftritten der auch über die Grenzen Freiburgs hinaus bekannten Rock’n‘RollBand. Nach dem Tod von Many hatte sich die Gruppe zurückgezogen, tritt am 18. Juli aber zum zweiten Mal in Folge am Mundenhof wieder auf. Zwei Tage später, am 20. Juli, geben dann RasgaRasga ihr Debüt im Spiegelzelt – aber nicht auf dem ZMF. Ganz im Sinne der Festivalphilosophie haben sich die Balkan-Pop-Brass-Folklore-Musiker hochgearbeitet: Im vergangenen Jahr waren sie noch bei freiem Eintritt im Action-Programm zu hören. Dann kommt die Perry-Robinson-Nacht. Zu Ehren des weltbekannten Klarinettisten, der selbst seit Jahren ein Freund und Förderer des Freiburger Festivals und auch ZMF-Ehrenpreisträger von 2006 ist: Robinson wird von einer ganzen Reihe Freiburger Bands supported: Ins Zelt gebracht wird er von den 16 Saxophonisten „Les Saxofous“. Aufspielen wird er dann mit der bereits erwähnten Magnetband und auch mit dem Jazztrio Sax‘n Hop, bestehend aus dem ehemaligen Leiter der Freiburger Jazz- und Rockschulen Werner Englert, dem baden-württembergischen Jazzpreisträger (1993) Matthias Stich und dem Freiburger Jazz-Urgestein Mike Schweizer. Für Heisler gehört aber auch der aus der Nähe von Waldshut stammende Sänger Max Mutzke, der am 23. Juli im Spiegelzelt auftritt, zum Kreis der Lokalmatadoren auf dem ZMF: „Der ist ja schon als 15-Jähriger bei uns in den Dienstags-Sessions aufgetreten.“ Wenn man so will, ist also nicht Stefan Raab, sondern der Freiburger Festivalmacher der eigentliche Entdecker des Musikers, der 2004 in Istanbul für Deutschland beim Eurovision-Song-Contest Achter wurde und seither eine beachtliche Karriere hingelegt hat. Wie verbunden sich Mutzke dem Fetsival fühlt, zeigte er jüngst selbst, indem er Mitglied des Förderkreises wurde.


Musik Festivals

Judith Holofernes

Rainer Trueby

RasgaRasga

The Teddyshakers

Sax’n Hop

Mundenhof Freiburger Festival & matadore

Exakt 24 Stunden später geht es weiter mit Freiburg, wie Heisler Chef betont: „Auch Judith Holofernes ist eine wichtige Freiburgerin.“ Holofernes verbrachte ihre Jugend in Freiburg, startete hier als Straßenmusikerin ihre Karriere und stand laut Heisler gemeinsam mit einer weniger bekannt gewordenen Combo schon vor Jahren auf einer ZMF-Bühne. Berühmtheit erlangte sie später vor allem als Sängerin der Band „Wir sind Helden“, mit der sie 2008 ebenfalls auf dem Festival zu Gast war. Am 27. Juli tritt im Rahmen der Matinée-Session, die in diesem Jahr unter dem Motto des Tango steht, der aktuelle ZMF-Preisträger Volker Rausenberger (wir berichteten im April) mit seinem Akkordeonorchester auf. Der 45-Jährige ist ebenfalls Freiburger und Dozent an der Musikhochschule. Ebenfalls an dem Nachmittag dabei: Trommler Murat Coskun. „Das ist mit Sicherheit der einzige Freiburger, der je vor einer Million Menschen live gespielt hat“, weiß Heisler zu berichten. SWR-Weltmusikpreisträger Coskun hatte seinen größten Auftritt beim Papstbesuch 2005 in Köln und ist selbst Ausrichter und Gründer des alljährlich in Freiburg stattfindenden Tamburi-Mundi-Festivals. Mit viel Lokalkolorit geht es weiter: Die junge Band Teddy Smith & The Foreigners spielt im Rahmenprogramm vom Schottenmusiker Jack Lukemann (29.7.), DJ Rainer Trüby wird wieder sein Root-Down-Special abfeiern (2.8.), und klassische Töne gibt es vom hier aufgewachsenen Margulis-Trio zu hören.

Auch auf der größten ZMF-Bühne im Zirkuszelt werden 2014 Freiburger präsent sein: In der Galanacht am 28. Juli werden neben dem Rausenberger-Orchester viele weitere Freiburger Kombos einen kurzen Auftritt haben – das Programm des ZMF ist freiburgdurchtränkt. Das wird auch auf den Nebenbühnen deutlich, für die seit stolzen 13 Jahren Carola Mohr zuständig ist. Jedes Jahr sortiert sie aus fast 1000 Anfragen die heraus, die sich am Mundenhof einem größeren Publikum präsentieren dürfen. Ein großer Teil der Gruppen und Künstler, die auf der Open-AirBühne, im Gastrozelt oder im Clubzelt spielen, kommt aus der Gegend. „Jeder Freiburger Musiker, der in einem Kontext mit Topsellern wie Gregory Porter oder Dieter Thomas Kuhn auftreten kann, will so eine Gelegenheit natürlich wahrnehmen“, kann Heisler gut verstehen, dass der Andrang groß ist. Das ZMF ist ein Riesensprungbrett. Oder vielleicht eher ein Lastwagen. Einer, der schon so manchen Musiker ins große Showbusiness gekarrt hat.

Felix Holm

Gewinnen!

Teilnahme via www.chilli-freiburg.de chilli & ZMF verlosen je 2 x 2 Tickets für folgende Veranstaltungen mit Freiburger Beteiligung: Tante Frieda & RasgaRasga 20.07. | 20.30 Uhr | Spiegelzelt Perry Robinson’s Jazz Jubilee 22.07. | 20 Uhr | Spiegelzelt ZMF-Gala 28.07. | 19.30 Uhr | Zirkuszelt A-cappella-Nacht 30.07. | 19.30 Uhr | Zirkuszelt (mit dem Freiburger Chor Voice Event) Root Down Special 02.08. | 23.00 Uhr | Spiegelzelt JUNI 2014 CHILLI 65


KINO Filmtipp

Ein Schrei im Nichts Eine geschichte vom Lieben und Sterben

M Das Schicksal ist ein mieser Verräter USA 2014 Regie: Josh Boone Mit: Shailene Woodley, Ansel Elgort, Laura Dern u. a. Verleih: Fox Start: 12.6.2014

Fotos: © Fox

68 CHILLI Juni 2014

öchte man als junger Mann bei gleichaltrigen Mädchen landen, kann es durchaus von Vorteil sein, wenn man ein Buch des BestsellerAutors John Green gelesen hat. Wie kaum ein anderer Schriftsteller trifft er den Ton und ins Herz der heutigen TeenagerGeneration. Nun ist sein lebensbejahendes Krebsdrama „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ziemlich werkgetreu von Jungregisseur Josh Boone verfilmt worden. Auch Augustus „Gus“ Waters, zum Verlieben überzeugend gespielt von Shooting Star Ansel Elgort, punktet bei seiner Traumfrau, indem er ihr absolutes Lieblingsbuch liest und sich mit ihr darüber austauscht. Gus’ Schwarm ist die 16-Jährige Hazel Grace, einfühlsam dargestellt von Shailene Woodley. Die beiden lernen sich in einer Selbsthilfegruppe für Krebspatienten kennen. Hazel, die seit ihrem 13. Lebensjahr an unheilbarem Schilddrüsenkrebs leidet und deshalb stets eine Sauerstoffflasche hinter sich herziehen muss, geht zunächst nur sehr zögerlich auf die Avancen des vom Knochenkrebs gezeichneten, aber dennoch optimistischen jungen Mannes ein. Das Mädchen, das vor allem von ihrer Mutter (großartig: Laura Dern) sehr hingebungsvoll umsorgt wird, empfindet sich selbst als „Granate“, die jeden Moment hochgehen und Menschen in ihrem Umfeld furchtbar wehtun kann. Doch der smarte junge Mann lässt nicht locker ... Das klingt womöglich nach einem Film, den man auf keinen Fall sehen möchte,weil Kitsch, Geigen und Rührseligkeit vorprogrammiert

scheinen. Doch Regisseur Boone gelingt es, den leichten, lebensbejahenden Geist der Vorlage aufrechtzuerhalten und auch deren Galgenhumor zu transportieren. Boone überzeugt mit klugen Regieentscheidungen wie der einfallsreichen Visualisierung der SMS-Kommunikation der frisch Verliebten, Hazels trockenen Kommentaren aus dem Off und nicht zuletzt durch die Wahl seiner beiden Hauptdarsteller. Elgort und Woodley gelingt es, die von Hunderttausenden von Teenagern weltweit geliebten Helden auf ihre Weise zum Leben zu erwecken. Boone hat mit dieser einfühlsamen Verfilmung bewiesen, dass er ebenso wie Green einen Draht zur heutigen Generation hat. Eine wunderbare Wahl traf Boone auch mit Nat Wolff: Der 19-Jährige spielt einen erblindeten Freund des Paares, der von seiner Freundin nach einer weiteren Krebsoperation per SMS verlassenen wurde. Wenn die drei Todgeweihten gemeinsam das Auto der fiesen Ex-Freundin mit Eiern bewerfen, weiß man wieder, worum es im Leben geht: Die Zeit, die einem gegeben ist, möglichst „sinnvoll“ mit den Menschen zu verbringen, die man liebt. Auch wenn „die Liebe nur ein Schrei im Nichts“ ist, wie Gus einmal zu seiner Hazel sagt. Tragik, Romantik und Witz zeichnet John Greens Jugendbuchbestseller um zwei todkranke Teenager aus. Der Verfilmung von Josh Boone gelingt es ebenso schonungslos und klar diesem Geist treu zu bleiben. Gabriele Summen


KINO FILMTIPPS

Boyhood

Einmal Hans mit scharfer SoSSe

Chasing The Wind

USA 2014 Regie: Richard Linklater Mit: Ethan Hawke, Patricia Arquette, Ellar Coltrane u.a. Verleih: Universal Start: 5.6.2014

Deutschland 2013 Regie: Buket Alakus Mit: Idil Üner, Adnan Maral, Siir Eloglu u.a. Verleih: NFP Start: 12.6.2014

Norwegen 2013 Regie: Rune Denstad Langlo Mit: Marie Blokhus, Sven-Bertil Taube, Tobias Santelmann u.a. Verleih: Neue Visionen Start: 12.6.2014

Magie des Augenblicks

Wo ist der Supermann? Familienaufstellung

Von 2002 bis 2013 arbeitete Regisseur Richard Linklater an insgesamt nur 39 Drehtagen mit dem anfangs sechsjährigen Ellar Coltrane und seiner sympathischen Patchwork-Film-Familie. Der talentierte Coltrane spielt den gleichaltrigen Mason, der mit seiner zwei Jahre älteren Schwester Sam bei ihrer alleinerziehenden Mutter Olivia in Texas lebt. Als die junge Frau, die im Laufe ihres Lebens immer an den falschen Mann gerät, beschließt, zurück nach Houston zu ziehen, taucht auch der Vater der Kinder wieder öfter in ihrem Leben auf. In den drei Kinostunden werden die Zuschauer Zeuge von Masons Kindheit und Jugend im konservativen Texas. Sein Aussehen wandelt sich, dem Zuschauer stockt der Atem, wenn er die ersten Bartstoppeln bei Ellar/Mason entdeckt. Die Musikrichtung ändert sich, politische Ereignisse und technischer Fortschritt beeinflussen das Leben der Patchwork-Familie. Man nimmt großen Anteil, wie Mason Senior sich vom Musik machenden Nichtsnutz mit Herz in einen verantwortungsbewussten Familienvater wandelt.

Was bin ich eigentlich – deutsch oder türkisch? Stellte die Frage in „Almanya“ noch der sechsjährige Knirps der Familie, ist die Antwort für Hatice halbwegs klar: Sie, die Älteste von drei Geschwistern, fühlt sich mehr als Deutsche, solange sie nicht bei ihren Eltern auf der Couch sitzt. Muss sie da hin, zieht sie sich auf halber Strecke einen längeren Rock an und versucht die sonst gelebte Unabhängigkeit als Journalistin unter den Wohnzimmertisch zu packen. Davon, dass ihr Freund Stefan sehr viel Zuneigung für türkische Traditionen entwickelt, fühlt sich Hatice eher im Stich gelassen denn geschmeichelt. Der sehnlich erwartete Schwiegersohn in spe kommt beim Antrittsbesuch nicht bei der Familie in Salzgitter an: Hatice lässt ihn auf halber Strecke am Straßenrand stehen. Mit Beziehungen macht sie öfter kurzen Prozess.Von ihr aus kann das so weitergehen bis der Richtige kommt, die perfekte Mischung aus deutschem und türkischem Supermann. Doch dann erfährt sie, dass sie sich ziemlich schnell entscheiden muss ...

Anna ist glücklich. Mit ihrem Freund lebt die junge Norwegerin in ihrer Wahlheimat Berlin, und auch beruflich läuft es gut. Dann aber stirbt ihre Großmutter, und Anna kehrt zurück in das Dorf, in dem sie aufgewachsen ist. Und auf einmal ist sie sich gar nicht mehr so sicher, was Glücklichsein für sie eigentlich bedeutet ... Drei Jahre war Anna alt, als ihre Eltern starben. Forthin wuchs sie bei ihren Großeltern auf, in einem kleinen, abgelegenen Fischerdorf, irgendwo in der Einsamkeit Norwegens, wo die meisten nur noch eines wollen: weg. Geblieben sind nur die Alten, und auch Håvard, der Ex-Freund von Anna, lebt hier noch, zusammen mit seiner kleinen Tochter, die er nach dem Tod seiner Frau alleine aufzieht. Als Anna in dem Dorf ankommt, um der Beerdigung ihrer Großmutter beizuwohnen, trifft sie auf altbekannte Gesichter, doch willkommen fühlt sie sich nicht. Es ist ein zweites Kennenlernen eigentlich vertrauter Menschen, die die Distanz zwar getrennt, nicht aber entfremdet hat.

Gabriele Summen

Claudia Nitsche

Sven Hauberg


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Dies war eine Leseprobe der Juni-Ausgabe 2014. Haben sie Lust auf mehr? Das komplette Heft ist unter abo@chilli-online.de oder im Handel erh채ltlich.


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