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business im Breisgau

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Zankapfel Erbschaftsteuer

Hitzige

Bilanzen

Unternehmen

Der Wachstumsmotor stottert

Freiburg und Schwarzwald als Gravitationszentrum der Start-up-Szene

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im vergangenen Jahr nach zwei Jahren mit Verlusten – seit 2012 gab es überhaupt nur drei Jahre ohne Wachstum, eines war das Corona-Jahr 2020 – wieder gewachsen. Um 0,2 Prozent. Knapp über der Nachweisgrenze. Für laufende Jahr rechnet die Bundesregierung mit einem Plus rund um ein Prozent. Trotz neuer Staatsschulden in Rekordhöhe.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, sagte unlängst den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland: „Der Wachstumsmotor springt nie mehr an.“ Allein schon wegen der demografischen Entwicklung. Es fehlten schlicht die Arbeitskräfte. Also müssten Subventionen wie das Diesel-Privileg oder die Pendler-Pauschale abgebaut und Steuern, vor allem Vermögenssteuern, erhöht werden. Um die Erbschaftssteuer ist eine alte Debatte neu entflammt. Die SPD hat sie angezündet. Wir haben mit lokalen Politikern, Steuerberatern und Vermögensberatern gesprochen. Und die SPD-Vorschläge anhand eines

typischen Mittelständlers mit den bisherigen Steuerregeln verglichen. Das Ergebnis wird sie erstaunen.

Ein weiterer Schwerpunkt dieser Ausgabe sind Start-ups. „Warum Freiburg und der Schwarzwald sich zu einem neuen Gravitationszentrum der deutschen Start-up-Szene entwickeln“, heißt in einer Presseinformation der IHK Südlicher Oberrhein im Vorfeld des Käpsele-Festivals. Das kann man vollmundig nennen.

25 Millionen Euro, mit dieser Summe fördert das Land Baden-Württemberg den Aufbau einer Forschungs- und Entwicklungseinheit im DIGIZ am Freiburger Universitätsklinikum, so auch Start-ups andocken sollen. Freiburg zählt mittlerweile laut Startup-Verband 2025 zu den zehn gründungsstärksten Städten Deutschlands. Eine beachtliche Entwicklung. Beachtlicher als die des BIP.

Herzlichst

Ihr Lars Bargmann | Chefredakteur

Foto: ©
Neithard
Schleier
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Inhalt

Titel

Zwischen Gerechtigkeit und Betriebsbedrohung: Der Streit um die Reform der Erbschaftssteuer ist neu entflammt – spricht Karlsruhe das nächste Machtwort? 6–8

Bilanzen

Die Freiburger Sparkasse gab 2025 neue Kredite in Rekordhöhe aus 10

Die Freiburger Volksbank und das außergewöhnliche Wachstum 2025 11

Die Beteiligungsgesellschaft der Sparkasse Freiburg hat 48 Millionen Euro in Unternehmen investiert 12

Passagierrekord am Euroairport: 9,6 Millionen Fluggäste und 500 Millionen Investitionen 13

Start-ups

Land fördert DIGIZ am Uniklinikum Freiburg mit 25 Millionen Euro 14

Ist die Region Freiburg-Schwarzwald das neue Gravitationszentrum der Szene? 15

Eezee: Südbadische Handwerkerfamilie begeistert in der Höhle der Löwen 16–17

IMPRESSUM business im Breisgau

Themenheft 03.2026

Das business im Breisgau erscheint im Freiburger Stadtmagazin chilli

Herausgeber: chilli Freiburg GmbH Paul-Ehrlich-Straße 13 79106 Freiburg

fon: 0761-76 99 83-0 fax: 0761-76 99 83-99

bargmann@chilli-freiburg.de www.business-im-breisgau.de

Geschäftsführung: Michaela Moser (V.i.S.d.P.)

Politik

Trumps Zollwut: Interview mit dem USA-Kenner und Anwalt Philipp A. Nürnberger 20–21

Unternehmen in der Region

Doppelpass: Lexware wird neuer Hauptsponsor des SC Freiburg 22

Doppel-Investition: Streck Transport baut neue Halle und Trafos 23

Familienunternehmen versus Konzerne: Was sie unterscheidet 24–25

Immobilien

Warum das EMI ein vier Fußballfelder großes Grundstück in Freiburg kauft 26

Die Freiburger Stadtbau gibt den Startschuss im Neubauviertel Zinklern 27

Chefredaktion: Lars Bargmann

Redaktion: Till Neumann, Jannis Jäger

Autoren: Mathias Hecht

Titelcollage: Sven Weis, freepik.com, © iStock.com/Lisa Haney

Fotos: iStock.com, Pixabay, freepik.com

Grafik: Sven Weis

Lektorat: Beate Vogt

Anzeigen: Marion Jaeger-Butt, Nathalie Braun, beiermeister mediaberatung

Druck: Hofmann Druck, Emmendingen

Erneuerbare Energien

Steht die Windkraft im Südwesten vor dem Aus? 22 Unternehmen wenden sich mit Forderungspapier an die Politik 28

Tourismus

Ausnahmsweise mal kein Rekord: In Freiburg sind die Übernachtungszahlen im vergangenen Jahr leicht gesunken 29

Verbände

Das sind die wichtigsten Ergebnisse der Konjunkturumfragen von IHK, HWK und wvib 30–31

Finanzwelt

Mathias Hecht über die SPD-Reformvorschläge zur Erbschaftssteuer 32

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

News aus der südbadischen Wirtschaft 34

Ausbildungsmarkt

Wohnen als Standortfaktor für Azubis: Neues vom Stadtbau-Projekt WIR-SÜD 36

Arbeitsmarkt

Weniger Arbeitslose im Februar. Ausländer tragen immer mehr zum Ergebnis bei 37

Fakten bitte

Die Welt, die Wirtschaft in Zahlen 38

Ein Unternehmen der

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Eine Frage des Erbens

Debatte um Erbschaftssteuer erhitzt die Gemüter

Crash statt Kontinuität? Ob eine höhere Besteuerung großer Erbschaften Privilegien abbaut oder die Übergabe mittelständischer Betriebe innerhalb der Familie schwieriger macht, das wird kontrovers diskutiert.

In Deutschland ist die Debatte um die Erbschaftssteuer neu entflammt. Die SPD hat sie mit ihren Reformvorschlägen evoziert, vor allem die CDU hat sofort abgewunken. Auf der einen Seite steht die Gerechtigkeitsfrage, auf der anderen der Schutz von vor allem viele Millionen schweren mittelständischen Unternehmen. Das business im breisgau hat Steuerberater und Vermögensberater, Politiker und Experten befragt. Das Bundesverfassungsgericht wird im laufenden Jahr erneut über die Steuer urteilen.

Die Reichen werden immer reicher, die Ärmeren immer weiter vom Wohlstandszug abgehängt. Das ist kein Stammtischpalaver, das ist empirisch belegbar. In Deutschland wurden zuletzt etwa 400 Milliarden Euro jährlich vererbt oder verschenkt – das ist übrigens beinahe ein kompletter Bundes-

hauhalt, der 2024 rund 440 Milliarden betragen hatte. Es geht mithin auf den ersten Blick um enorme Summen. Nach den Steuerbegünstigungen in Höhe von 17,1 Milliarden blieben an Erbschafts- und Schenkungssteuereinnahmen am Ende 13,3 Milliarden Euro übrig. Das ist zwar ein neuer Höchstwert (zum Vergleich: 2009 nahm die öffentliche Hand 4,3 Milliarden Euro durch die Steuer ein), aber gemessen am gesamten Steueraufkommen von knapp 950 Milliarden Euro kreist die hitzige Debatte um lediglich ein gutes Prozent. Und das ist – auf den zweiten Blick – keine enorme Summe mehr. Enorm allerdings ist das Aufregungspotenzial, wenn es um hohe Erbschaften geht. Besser: Das Verschonen von hohen Besteuerungen hoher Erbschaften oder Schenkungen. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hatte erstmals 2006 das bestehende Erbschaftssteuergesetz als

gleichheits- und damit verfassungswidrig beurteilt. Sechs Jahre später stellte der Bundesfinanzhof fest, dass „Steuervergünstigungen nicht durch ausreichende Sach- und Gemeinwohlgründe gerechtfertigt sind und einen verfassungswidrigen Begünstigungsüberhang aufweisen“.

Es folgte erneut eine Reform, bis der Bundesfinanzhof im Herbst 2017 erklärte, dass auch das reformierte Gesetz immer noch verfassungswidrig sei. Kurios: Wer ein Mietshaus mit 30 Wohnungen erbt, zahlt darauf Steuern. Wer aber 300 Wohnungen erbt, zahlt keine. Weil er dann als Wohnungsunternehmen zählt. Noch in diesem Jahr wird sich Karlsruhe erneut mit dem Gesetz befassen. Experten gehen davon aus, dass auch das geltende Gesetz einer verfassungsrechtlichen Prüfung nicht standhält.

Unter dem Slogan „FairErben“ hatte die SPD-Bundestagsfraktion im Januar ihre Reformideen präsentiert. Demnach soll anstelle des heute – und seit 2009 unverändert geltenden – Freibetrags von 400.000 Euro pro Kind künftig alle zehn Jahre ein einmaliger „Lebensfreibetrag“ von mindestens 900.000 und höchstens 1.000.000 Euro gelten. Für Betriebsvermögen soll eine Freibetragsgrenze von fünf Millionen Euro gelten, darüber hinaus anfallende Steuern sollen über 20 Jahre lang aus laufenden Gewinnen bezahlt werden.

Die Freiburger SPD-JF-Fraktion unterstützt die Berliner Parteigenossen. „Wenn Kommunen um jeden Euro ringen müssen, während in Deutschland

sehr große Vermögen nahezu steuerfrei vererbt werden können, stimmt etwas im System nicht“, sagt die Fraktionsvorsitzende Julia Söhne. Der Schutz von Arbeitsplätzen und echten Familienbetrieben sei wichtig. Und genau darauf zielten die Vorschläge ab: „Der Bäcker, der Handwerksbetrieb oder das mittelständische Unternehmen vor Ort geraten durch die Reform nicht in Schwierigkeiten“ – denn genau für solche Betriebe sehe der SPD-Vorschlag entsprechende Freibeträge vor.

»Innovationskraft und Arbeitsplätze in Gefahr«

Die „großzügigen Sonderregeln“ kämen vor allem extrem großen Vermögen zugute, teilweise milliardenschweren Konzernen, die nur noch formal als „Familienbetrieb“ firmieren: „Eine Reform muss diese Privilegien endlich beenden.“ Zudem gehöre auch die Vermögensteuer wieder auf die politische Tagesordnung. Kurz nachdem die SPD den Ball aufs Spielfeld gebracht hatte, hat Kanzler Friedrich Merz bei einer Rede vor der Industrie- und Handelskammer in Halle gesagt: „Ich möchte unseren Koalitionspartner bitten, durch steuerpolitische Vorschläge in diesen Tagen nicht eine zusätzliche Verunsicherung in die Bevölkerung und insbesondere in die mittelständischen Betriebe hineinzubringen, wenn es denn um die

Frage der Nachfolge der nächsten Generation in diesen Unternehmen geht.“ CSU-Chef Markus Söder nannte die geplanten Änderungen beim Betriebsvermögen eine „Einladung zur Auswanderung“.

Der Freiburger CDU-Fraktionsvorsitzende Arno Heger sieht in den SPDVorschlägen die Gefahr, dass sie zur deutlichen Mehrbelastung von Betriebsvermögen im Erbfall die „Nachfolge in mittelständischen Betrieben erschweren oder im Extremfall sogar verunmöglichen können“. Eine Erbschaftsteuer „ohne wirksame Verschonungsregelungen für Betriebsvermögen würde viele Unternehmen zwingen, betriebsnotwendige Substanz zu veräußern, um die Steuer zu finanzieren“. Mit negativen Folgen für Investitionen, Ausbildungsplätze und Beschäftigung in Freiburg und der Region. Familienunternehmen hätten häufig hohe Bewertungswerte, aber nur begrenzte Liquidität, denn ihr Vermögen stecke überwiegend im Betrieb, nicht auf dem Konto.

Das sieht der Freiburger Steuerberater Mathias Hecht auch so. Er hat fürs business im Breisgau die Erbschaftssteuer für ein typisches mittelständische Unternehmens mit einem Unternehmenswert von 25 Millionen Euro ausgerechnet. Bei der bisherigen Regelung beläuft sich diese für den Erben auf rund 640.000 Euro, beim SPD-Vorschlag auf 5,16 Millionen Euro (s. Seite 32.) „Für eine ausgewogene Reform ist eine stärkere Berücksichtigung der

Die Freiburger Gemeinderäte Julia Söhne (SPD) und Arno Heger (CDU); Steuerberater Mathias Hecht

Vermögensstruktur und der betrieblichen Bindung einzelner Assets entscheidend, um die Fortführung produktiver Familienunternehmen nicht unbeabsichtigt zu gefährden“, sagt Hecht.

Claus Walter, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Freiburger Vermögensmanagement GmbH, sieht die SPD-Pläne deswegen kritisch, weil deutsche Unternehmen ohnehin schon im internationalen Vergleich sehr hohe Steuern zahlen. Laut OECD-Angaben liegen sie hierzulande bei 29,9 Prozent, in Frankreich und den USA unter 26 Prozent, in der Schweiz bei 19,6 Prozent, in Ungarn gar nur bei 9 Prozent. „Wir investierten für unsere Kunden gerne in deutsche Unternehmen, aber die haben hier jetzt schon viele Standortnachteile, da passt eine höherer Erbschaftssteuer gar nicht rein.“ Die Unternehmer in der Kundschaft ächzten jetzt schon unter vielen Widrigkeiten wie Bürokratie, Energiepreise, Fachkräftemangel. Auch der Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen in Baden (wvib) hat sich mit den SPD-Vorschlägen befasst. „Die meisten Vermögenswerte stecken in Maschinen, Hallen und Immobilien. Wenn Unternehmen Be-

triebsvermögen auflösen müssen, um eine Steuer zu begleichen, geraten Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und Arbeitsplätze in Gefahr“, so Hauptgeschäftsführerin Hanna Böhme. Die jüngste wvib-Umfrage habe gezeigt, dass Unternehmensnachfolgen schon heute mit großen Herausforderungen verbunden sind: „Eine Verschärfung der Steuer würde die Nachfolge in vielen Familienunternehmen gefährden.“

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin hatte Im Januar in einer Pressemitteilung gefordert, dass für eine Erbschaftsteuerreform „Steuerprivilegien abgeschafft, höhere Lebensfreibeträge eingeführt und Steuertarife vereinfacht werden“. Dadurch würden Belastungen gerechter verteilt, die Zahl der Steuerpflichtigen von 200.000 auf knapp 100.000 halbiert und trotzdem Mehreinnahmen von 2,3 Milliarden Euro generiert. Der aktuelle SPD-Vorschlag, so DIW-Steuerexperte Stefan Bach, sei zwar „im Ansatz richtig“, lasse aber die Tarifgestaltung offen.

In Bachs Vorschlag werden neben Lebensfreibeträgen von einer Million Euro für enge Verwandte die derzeit sieben Tarifstufen auf vier reduziert

und die Steuersätze vereinfacht. Die Progression bleibe erhalten. DIWPräsident Marcel Fratzscher sagte dem SWR unlängst, man könne eine Erbschaftssteuer immer so gestalten, dass es nicht zu einer Subtanzbesteuerung kommt: „Wenn man es klug und richtig macht, muss kein Unternehmen verkauft werden.“ Erbschaftssteuern dürften nicht eingezogen werden, wenn das Unternehmen Verlust oder keinen Gewinn macht. Würde man eine Erbschaftssteuer von 20 Prozent auf Unternehmensvermögen erheben und die über zehn Jahre strecken, dann würden die Erben eben zwei Prozent weniger Rendite als üblich erwirtschaften. Bert Rürup, das ist der, nach dem die Rente benannt ist, erinnerte neulich in einem Beitrag fürs Handelsblatt an John Stuart Mill, den bekannten Vordenker des Liberalismus im 19. Jahrhundert. Der war der Ansicht, Erbschaften sollten zur Gänze an den Staat fallen, da der Erbe nichts zur Entstehung dieses Vermögens beigetragen habe. Was der Staat mit einem mittelständischen Maschinenbaubetrieb anstellen soll, sagte der Chefökonom des Blattes nicht.

Lars Bargmann

Claus Walter, Geschäftsführer der Freiburger Vermögensmanagement GmbH und DIW­Präsident Marcel Fratzscher

Rekordsumme bei neuen Krediten

Sparkassen-Kunden heben 792 Millionen Euro in bar ab

Ein gutes, ein ordentliches Jahr sei 2025 gewesen, sagte Daniel Zeiler, der Vorstandsvorsitzende der Freiburger Sparkasse bei der Bekanntgabe der wirtschaftlichen Bilanz Ende Februar. Ein Jahr mit Rekordzahlen bei neuen Krediten, aber auch mit einem leicht gesunkenen operativen Ergebnis (siehe Bilanz-Box).

Feiern 200 Jahre: Bernd Rigl, Philipp Plath, Lars Hopp und Daniel Zeiler (v.l.) Foto:

Die Freiburger haben bei einer Bilanzsumme von nahezu unveränderten 8,379 Milliarden Euro 6,635 Milliarden im prall gefüllten Kreditbuch stehen, das sind 79 Prozent. Damit sind sie landesweit deutlich über dem Schnitt der Sparkassen (67 Prozent). Allein im vergangenen Jahr hat das Geldinstitut 1,632 Milliarden an neuen Krediten bewilligt. Mithin 6,53 Millionen Euro – pro Werktag. Ein Plus im Vergleich zum Vorjahr von 42,8 Prozent. Ein „Rekordergebnis“, so Zeiler, der den langjährigen Vorstand Lars Hopp verabschiedete und seinen Nachfolger Philipp Plath begrüßte. Das rasant gewachsene Kreditgeschäft geht aber nicht von den mittelständischen Unternehmen aus: Hier liegen die Kreditnachfragen und Zusagen auf „normalem Niveau“, erklärte Firmenkundenvorstand Bernd Rigl auf Nachfrage. Die Wohnbaukredite von Privaten stiegen um 106 auf 522 Millionen Euro. Rund 1,1 Milliarden wurden Kommunen, kommunalnahen und gewerblichen Unternehmen zugesprochen. Auf der anderen Seite gingen die Kundeneinlagen leicht auf 6,187 Milliarden zurück. Der Wettbewerb um das Geld der Kundschaft geht auch an der Sparkasse nicht spurlos vorbei. 242 Millionen Euro, drei Millionen mehr als 2024, setzte die Sparkasse am Ende um. 174 Millionen kamen aus dem Zinsgeschäft, 68 aus den Provisionen, sechs mehr als im Vorjahr.

Auf der Kostenseite stehen 116 Millionen Euro, acht mehr als 2024. Zum einen, weil es der Bank gelang, 36 neue Beschäftigte (saldiert 10) zu akquirieren und damit nun 995 Lohntüten füllt sowie zusätzliche Tarifsteigerungen die Kosten auf 71 Millionen Euro erhöhten (im Schnitt also 71.350 Euro pro Kopf).

Zum anderen, weil der Sachaufwand auf 45 Millionen Euro wuchs – vor allem durch die fortschreitende Digitalisierung und die Investitionen in eigene Gebäude. Die größte ist die Modernisierung des Finanzzentrums in Emmendingen mit insgesamt 23 Millionen Euro.

Aus dem operativen Ergebnis von 125 Millionen Euro (Vorjahr: 131) fließen 73 Millionen ins Eigenkapital, nach Bewertungen bleiben 42 Millionen, 13 weniger als 2024. Und nach Steuern – insgesamt 34 Millionen, wovon die Hälfte als Gewerbesteuern an die Trägerkommunen ausgeschüttet wird – unterm Strich wie im Vorjahr 8 Millionen.

Die Risikolage sei weiter „entspannt“, sagte Zeiler. Zur Zahl der Kreditausfälle wollte er sich nicht konkret äußern. Die Risikovorsorge betrage jedenfalls 25 Millionen Euro, diese Summe sei aber „bei weitem“ nicht benötigt worden. Benötigt haben die Kunden trotz aller steigenden Onlinezahlen auch Bargeld. Allein an den Geldautomaten hoben sie im vergangenen Jahr fast 792 Millionen Euro ab.

Lars Bargmann

Bilanzsumme 8,379 Mrd. +1 Mio. Betr. Kundenvolumen* 16,475 Mrd. + 664 Mio. In Krediten 6,635 Mrd. +440 Mio. In Einlagen 6,187 Mrd. - 6 Mio. Ertrag 242 Mio. +3 Mio. – Aus Zinsen 174 Mio. -3 Mio. – Aus Provisionen 68 Mio. +6 Mio. Personal- und Sachkosten 116 Mio. +8 Mio. Operatives Ergebnis 125 Mio. -6 Mio. Ergebnis vor Steuern** 42 Mio. -13 Mio. Steuern 34 Mio. -17 Mio. Überschuss 8 Mio. unverändert CIR*** 49,8 +5,5 Punkte

Eigenkapital 905 Mio. +73 Mio. Mitarbeitende 995 +10 Geschäftsstellen 28 unverändert *inkl. Wertpapiere **nach Reservenbildung und Wertberichtigungen *** so viel Cent gibt die Bank für 1 Euro Ertrag aus

Volksbank wächst kräftig

Bilanzsumme knackt die 4-Milliarden-Grenze

Die Freiburger Volksbank hat im vergangenen Jahr kräftig zugelegt: Die Bilanzsumme wuchs um 241 Millionen auf 4,122 Milliarden Euro. Das betreute Kundenvolumen legte um 417 Millionen auf 8,938 Milliarden zu. Das operative Ergebnis gab – nach dem Rekordjahr 2024 – leicht auf 42,4 Millionen Euro nach.

Stephan Heinisch und Volker Spietenborg kommen gut gelaunt zum Gespräch über die Bilanz. Geplant hatten sie für 2025 ein Bilanz-Wachstum von 2,7 Prozent, es sind 6,8 Prozent geworden. „Ein außergewöhnliches Wachstum“, sagt Heinisch. Es ist die erste Bilanz, die die beiden allein verantworten. Und ganz offenbar hat die Doppelspitze das Ausscheiden des langjährigen Vorstandssprechers Uwe Barth – und damit auch die Verkleinerung des Vorstands –ohne große Reibungsverluste gemeistert.

Die bilanziellen Kundeneinlagen stiegen um 130 Millionen auf nun 3,05 Milliarden Euro. Der Zinsüberschuss – die wichtigste Einnahmequelle – entwickelte sich ebenfalls positiv um 3,2 auf gut 73 Millionen Euro. Der Provisionsüberschuss gab indes leicht nach und beträgt nun 30,2 Millionen, im Vorjahr waren es 30,7 Millionen Euro. „Wir hatten zwar ein sehr starkes Wertpapierjahr, aber weniger Provisionen aus der Immobilienvermittlung und mussten auch mehr Provisionen an Dritte bezahlen, die uns Geschäft gebracht haben“, erzählt Vertriebsvorstand Spietenborg. Der Trend steigender Zinsüberschüsse werde sich „verstetigen“, glaubt Finanzvorstand Heinisch, aber „die brauchen wir auch, um steigende Kosten zu kompensieren“. Der Personal- und Sachaufwand kletterte um 3,4 auf 60,9 Millionen Euro (siehe Bilanz-Box). Die Volksbank stellte im vergangenen Jahr 21 neue Mitarbeiter ein. Auch die IT werde weiter viel Geld verschlingen.

Auf der Neukreditseite stehen 375,7 Millionen Euro allein für den privaten Wohnungskauf zu Buche. 34,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Sowie neue gewerbliche Kredite über 244,1 Millionen Euro (2024: 204,2). Für Bauträger wurden dabei 63,7 Millionen Euro bereitgestellt, 18 Millionen mehr als im Vorjahr. Eine echte Trendwende auf dem Immobilienmarkt sieht das Vorstandsduo aber noch nicht, allenfalls eine positive Stabilisierung. Die Kreditausfälle, so Heinisch, seien „weiterhin unterdurchschnittlich gering“. Der durchschnittliche Wert der baden-württem-

Das Volksbank-Vorstandsduo: Volker Spietenborg (l.) und Stephan Heinisch

bergischen Volksbank läge bei 0,20 der Bilanzsumme: „Wir sind deutlich drunter.“ Spietenborg betont erneut, dass die Volksbank eine mehrfach „ausgezeichnete Beraterbank“ ist und verweist auf erneute Siege im CityContest von FOCUS-MONEY. Und auch ein top Arbeitgeber: „Wenn bei einer internen FeedbackUmfrage 93 Prozent der Mitarbeitenden ihre Zufriedenheit mit ihren Führungskräften ausdrücken, zeigt das etwas.“ „Unsere Ergebnisse für 2025 zeigen eindrucksvoll, wie stabil und leistungsfähig wir aufgestellt sind“, sagt Heinisch. Mit einer Bilanzsumme von über vier Milliarden Euro, einem starken Teilbetriebsergebnis und weiter steigendem Eigenkapital verfüge die Bank über eine robuste Basis, um die Kundschaft weiter mit Krediten zu versorgen. Lars Bargmann

Bilanz-Box 2025 Vgl. zu 2024

Bilanzsumme 4,122 Mrd. +241 Mio. Betr. Kundenvolumen* 8,938 Mrd. + 417 Mio. In Krediten 3,27 Mrd. +210 Mio. In Einlagen 3,05 Mrd. +130 Mio. Ertrag 103,26 Mio. +2,8 Mio. – Aus Zinsen 73,04 Mio. +3,2 Mio. – Aus Provisionen 30,22 Mio. -0,5 Mio. Personal- und Sachkosten 60,9 Mio. +3,4 Mio. Operatives Ergebnis 42,4 Mio. -0,6 Mio. Ergebnis vor Steuern** 37,6 +3,1 Mio. Steuern k. A k. A Überschuss k. A k. A CIR*** 57,7 +2,3 Punkte

Eigenkapital 456,4 +31,4 Mio. Mitarbeitende 431 +21 Geschäftsstellen 17 unverändert *inkl. Wertpapiere **nach Reservenbildung und Wertberichtigungen *** so viel Cent gibt die Bank für 1 Euro Ertrag aus

DBaustein für Lücken in der Finanzierung

SBG schraubt Beteiligungsvolumen auf 48 Millionen

ie Beteiligungsgesellschaft der Sparkasse Freiburg (SBG) hat im vergangenen Jahr 3,7 Millionen Euro in sechs neue Firmenbeteiligungen investiert. Damit wächst das Beteiligungsvolumen auf nun 48 Millionen Euro. Vor Zinsen und Steuern fuhr das Team um Geschäftsführer Nicolai Gerig ein Ergebnis in Höhe von 1,4 Millionen Euro ein.

„Das war ein sehr solides Jahr mit einem guten Neugeschäft“, so Gerig. Allerdings auch eines, in dem zwei Insolvenzen den Gewinn – nach Steuern und Zinsen – in Höhe von 430.000 Euro alles andere als positiv beeinflussten. Drei der sechs neuen Beteiligungen sind quasi Stammkunden der SBG, drei neue Unternehmen waren aus den Branchen Solar und Mobilität an die Freiburger erfolgreich herangetreten. Es gibt aber auch Anfragen, die entweder grundsätzlich nicht in die Firmenphilosophie passen oder bei denen Gerig und der neue Prokurist Thorsten Sillmann das Risiko-Chancen-Verhältnis nicht positiv genug bewerten. Etwa 25 Anfragen nach Risiko-Kapital, denn das ist es, was die SBG aufs Tapet legt, gibt es jedes Jahr. Es geht

um Nachfolge- und Wachstumsfinanzierungen oder Frühphasen-Kapital für Start-ups.

Es geht also auf der einen Seite um routinierte Unternehmer, die sich aus dem Arbeitsleben perspektivisch verabschieden wollen, und auf der anderen um junge Wilde, die den Start in ein eigenverantwortetes Arbeitsleben wagen wollen. „Die Mischung macht’s“, sagt Gerig. Auch fürs Team sei der Spagat zwischen erfahrenen Kaufleuten und jungen Innovatoren gut. Bei den Startups, wo selten schon wirtschaftlich aussagekräftige Bilanzen vorliegen, müssen Gerig und Sillmann auch mal auf ihren Bauch hören: Sitzt da jemand vor ihnen, dem Erfolg wichtiger ist als eine Viertagewoche? Für den Work-Life kein Gegensatzpaar ist? Start-ups sind ein wachsender Markt.

Und so vernetzt sich die SBG immer weiter in der Szene, ist mittlerweile Partner vom BadenCampus, vom Käpsele-Festival oder auch vom neu gegründeten Freiburg Entrepreneurship Institut. Meistens arbeitet sie bei ihren Engagements mit der Mutter, der Freiburger Sparkasse, zusammen. Dort werden die großen Kreditlinien gezogen, dort werden aber auch Eigenkapi-

talanforderungen an die Kreditnehmer gestellt, die sie durch Beteiligungskapital leichter – oder überhaupt erst – erfüllen können.

Und wenn die SBG mal an Bord ist, alles geprüft hat, dann fällt es den Jung-Unternehmern auch leichter, am Markt standfest aufzutreten. Und, so betont Gerig, „wir arbeiten eng mit den Kollegen von der Sparkasse zusammen, was wir also anbieten, kommt aus einer Hand. Das bietet auch Sicherheit, für beide Seiten.“ Da die vielzitierten Boomer auch als Arbeitgeber peu à peu ins Rentenalter kommen, wächst das Thema Nachfolge stetig. Die meisten Gespräche, erzählt Sillmann, werden aktuell darüber geführt, in welche Hände – sei es in der Familie oder extern – Unternehmer ihre Firmen geben. Tendenz weiter steigend. „Wenn wir einen Baustein bei der Finanzierung einer Nachfolge setzen können, damit das Unternehmen weitergeführt werden kann, weiter Umsätze erwirtschaftet, weiter Lohntüten füllt, dann freut man sich auch darüber“, so Gerig. Insgesamt hält die SBG aktuell 56 Beteiligungen an 41 Unternehmen. Alle in der Region.

bar

Meistern den Spagat zwischen Routiniers und jungen Wilden: Nicolai Gerig und Thorsten Sillmann.

Euroairport fliegt auf neue Rekordhöhe

9,6 Millionen Passagiere – Pistensanierung kostet 40 Millionen

Sieger im Wettbewerb: Den Zuschlag für den Anbau an die Ostfassade des Terminals hat die französisch­schweizerische Arbeitsgemeinschaft DRLW Architectes, Vischer Architekten, Egis Bâtiment Nord Est, Gruner AG, LAP'S bekommen.

Der Euroairport Basel-Mulhouse-Freiburg (EAP) hat im vergangenen Jahr den bisherigen Passagierrekord aus dem Jahr 2019 um rund 500.000 auf nun 9,6 Millionen übertroffen. Der Frachtverkehr sackte hingegen leicht ab.

Mit dem Jahresbeginn startete am einzigen binationalen Flughafen der Welt eine Investitionsoffensive mit einem Volumen von 500 Millionen Euro bis 2032. Allein im laufenden Jahr investiert die Crew um Flughafendirektor Tobias Markert 79 Millionen Euro. Die Hauptpiste wird von Mitte April bis zum 20. Mai für rund 40 Millionen saniert, die Boardingzone an den südlichen Gates wird erweitert und modernisiert, die elektrische Infrastruktur und die Servicequalität werden verbessert. Im kommen-

den Jahr beginnt zudem der nicht unspektakuläre 14.000 Quadratmeter fassende Anbau ans Terminal. Im Terminal steht Easyjet mit einem Marktanteil von 53 Prozent weiter klar an der Spitze, Rang zwei belegt Wizz Air mit 14 Prozent. Bei den Destinationen liegt weiter das kosovarische Pristina vorn, vor London und Istanbul. Der Flughafen hat seine Rolle als wichtiger Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor im Dreiländereck weiter gefestigt. Auf der Flughafenplattform arbeiten mittlerweile mehr als 6700 Menschen in unterschiedlichsten Tätigkeitsfeldern. Beim Flughafenbetreiber selber sind es 445. Den neuerlichen Passagierrekord wird der EAP im laufenden Jahr indes nicht knacken: Wegen der Pistensanierung rechnet Markert mit insgesamt 8,6 Millionen Fluggästen. bib/bar

Freiburg bei Start-ups unter den Top Ten

DIGIZ stärkt Uni-Klinik als Gründungsstandort / Käpsele-Festival mit Rekord?

ADas Käpsele-Festival soll 2026 noch einmal wachsen.

m Universitätsklinikum Freiburg entsteht mit dem Digitalen Innovationszentrums (DIGIZ) eine neue Schnittstelle zwischen Medizintechnik, Digitalisierung und klinischer Patientenversorgung. Das Land Baden-Württemberg fördert das Vorhaben mit 25 Millionen Euro. Der Aufbau einer Forschungs- und Entwicklungseinheit soll noch in diesem Jahr beginnen. Die Inbetriebnahme des DIGIZ ist für das Jahr 2030 geplant. Damit baut das Klinikum auch seine Rolle als Wirtschaftsstandort aus.

Das DIGIZ soll darüber hinaus aber Raum für Start-ups sowie kleine und mittlere Unternehmen bieten – darunter auch solche, die sich aus der Sphäre des Universitätsklinikums selbst heraus gründen. Die unmittelbare Nähe zum Campus gilt dabei als entscheidender Vorteil: Kurze Wege erleichtern den Austausch zwischen Forschung, klinischer Anwendung und industrieller Entwicklung.

„Wir stärken gezielt die Infrastruktur und die Vernetzung von Forschung, Versorgung und Unternehmertum“, erklärt Frederik Wenz, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums. Man schaffe damit außerdem noch bessere Bedingungen für innovative Start-ups in Freiburg. Für das Klinikum bedeutet das Projekt einen strategischen Entwicklungsschritt. Investiert werden soll etwa in hochmoderne bildgebende Diagnostik, leistungsfähige IT-Infrastruktur sowie qualifiziertes Fachpersonal. „Das DIGIZ ermöglicht es, klinische Exzellenz, moderne Medizintechnik und datengetriebene Innovationen mit KI systematisch zusammenzuführen“, so Wenz. Ein zentrales Element des Projekts ist die Zusammenarbeit mit der Industrie: Am Standort Freiburg werden Siemens Healthineers und dessen Tochterunternehmen Varian angesiedelt, wie das baden-württembergische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus bekannt gab.

Forschung

Unter dem Namen „Industry on Campus“ bildet das UniKlinikum eine gute Anschlussmöglichkeit und ein ideales Umfeld für Unternehmen. Hier bieten sich ihnen Zugang zu klinischer Expertise, klinischen Daten und modernster Infrastruktur. „Gerade junge Unternehmen profitieren von diesem geschützten Raum und von unserem hohen Digitalisierungsgrad – bundesweit gehören wir hier zur Spitzengruppe und sind auch international sehr gut aufgestellt“, erklärt Wenz. Ein gutes Beispiel ist die „Emuno Therapeutics GmbH“, eine Ausgründung des Universitätsklinikums und der Universität Freiburg. Das Start-up arbeitet an einem neuen Wirkstoff zur Unterstützung des Immunsystems bei der Krebsbekämpfung, insbesondere bei fortgeschrittenem Darmkrebs. Anfang 2025 wurde das Unternehmen mit einer Fördersumme des European Innovation Council (EIC) in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro ausgezeichnet.

Das Uni-Klinikum baut mit dem DIGIZ perspektivisch seine Standortvorteile für junge Unternehmen weiter aus. „Freiburg zählte laut Start-up-Verband bereits 2025 zu den zehn gründungsstärksten Städten Deutschlands“, so Wenz.

„Das ist auch ein Ergebnis der engen Verzahnung von Spitzenmedizin, exzellenter Forschung und einer seit Jahren starken Gesundheitswirtschaft.“

Aus der Perspektive der Landesregierung soll sich das DIGIZ zu einem Innovationsmotor entwickeln. Im Fokus stünden etwa Anwendungen der Künstlichen Intelligenz, moderne Bildgebung und datenbasierte Präzisionsmedizin, wie aus einer Pressemitteilung des Wirtschaftsministeriums hervorgeht. Das Land fördert damit gezielt den medizinischen Wirtschaftsstandort.

„Das DIGIZ stärkt Baden-Württemberg als führenden Standort für digitale Gesundheitsinnovationen“, betont die Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut. Die enge Verzahnung von exzellenter klinischer Forschung mit industrieller Entwicklung beschleunige den Transfer von Innovationen in die Versorgung und den Markt.

Der Aufbau der Forschungs- und Entwicklungseinheit des DIGIZ soll noch in diesem Jahr beginnen. Damit etabliert sich das Universitätsklinikum Freiburg weiter als Forschungs-Hotspot. Im Herbst 2025 zählte das Klinikum bereits zu den forschungsstärksten Krankenhäusern Europas. Das geht aus einer Studie des Europäischen Patentamtes (EPA) hervor, die gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für

Start-ups

System- und Innovationsforschung (ISI) erstellt wurde. Mit 369 europäischen Patentanmeldungen zwischen 2001 und 2020 belegt das Universitätsklinikum Freiburg in Deutschland Platz drei – und europaweit Platz sieben. Die Förderung, die nun vom Land BadenWürttemberg in das DIGIZ fließt, zahlt auf diesen Erfolg ein. Für Wenz wird durch die Studie eines noch einmal deutlich: Sie zeige schwarz auf weiß, dass Freiburg einer der innovativsten Medizinstandorte in Europa ist. Dass Freiburg im medizinischen Bereich immer mehr zur Start-up-Schmiede avanciert, fügt sich in ein größeres Bild ein. Denn die Stadt und der Schwarzwald würden mehr und mehr „zu einem neuen Gravitationszentrum der deutschen Start-up-Szene“, wie es Florian Kech, Pressesprecher bei der IHK Südlicher Oberrhein, ausdrückt. Der Grund liege in einem besonderen Zusammenspiel von Spitzenforschung an renommierten Universitäten, einem innovationsoffenen Mittelstand und darauf aufbauende technologiegetriebene Gründungen aus Bereichen wie etwa KI oder Green Tech.

Draus entsteht insgesamt ein vorteilhaftes Klima für Gründer, das sich auch messen lässt – etwa im „Next-Generation-Report 2025“ des Start-up-Verbandes, der Freiburg deutschlandweit als eine der zehn besten Start-up-Stand-

orte listet. Geprüft wurden dafür Neugründungen pro 100.000 Einwohner in 2025. Freiburg erreichte einen Wert von 10,9. Für den Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn kommt das nicht von ungefähr: „In den vergangenen Jahren haben die Stadt Freiburg und die Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH (FWTM) gezielt die Gründungsinfrastruktur ausgebaut –beispielsweise mit Räumen wie der Lokhalle Freiburg, Grünhof und BadenCampus sowie Beratungsangeboten“, schreibt Horn via Instagram. Besonders sichtbar werden soll diese Entwicklung wieder beim dritten Käpsele-Festival, das am 16. Juli auf dem Freiburger Messegelände stattfindet. Das Festival ist Schaubühne sowie Networking- und Bildungsevent. Neben hochkarätigen Gästen wie Birte Hackenjos, CEO der Haufe Group, und Joe Kaeser, Aufsichtsratsvorsitzender Siemens Energy und Daimler Truck, werden zahlreiche Gründerinnen, Talente und Investoren erwartet, um sich auszutauschen, Erfahrungen und Visionen zu teilen. Im vergangenen Jahr fanden sich über 1200 Gäste ein. Und die Veranstalter der FWTM sind zuversichtlich, in diesem Jahr noch eine Schippe drauflegen zu können: „Save the Date – das Käpsele 2026 wird größer denn je!“, lautet das Motto.

Jannis Jäger

Ring frei! Das Gründertrio Tom ­ Lewis, Sandra und Heiko Geffers wählte den Löwen Ralf Dümmel (2. v. l.) als Investor für ihre Fugenring ­ Idee.

»Es ist irre, was da passiert«

Wie Familie Geffers die hungrigen Löwen begeisterte

Es kam wohl noch nie vor, dass 200 Gäste in der BrunnerLounge im Freiburger EuropaPark-Stadion zusammen Fernsehen schauen – wenn es nicht um Fußball geht. Aber an diesem 23. Februar lief auf den Bildschirmen eine Folge der Sendung „Die Höhle der Löwen“. Mittendrin statt nur dabei: Die Freiburger Familie Geffers mit einer Innovation, die alle Löwen aus ihren Stühlen holte: Eezee. Klingt so wie es ist. Eine Silikonfuge als Ring oder Band, die Anwender einfach über Sanitärgegenstände ziehen können.

Sandra, Heiko und Tom-Lewis Geffers hatten ein Heimspiel. Über viele Jahre ist die Familie schon SC-Sponsor. Heiko hat den über Jahrzehnte aufgebauten

Haustechnik-Betrieb Franz Herbstritt GmbH im vergangenen Jahr verkauft, seither widmet sich die Familie, zu der auch der jüngste Sohn Tiago zählt, vor allem ihrem Start-up Eezee silicone.

Patente in Europa und USA

Die Idee dazu hatte Sandra. Schon vor vielen Jahren. Im Handwerksbetrieb war sie für den Kundendienst zuständig – und viel zu häufig waren schlecht gezogene oder gerissene oder vergilbte Silikonfugen ein Ärgernis. Irgendwann hatte ihr Mann dann mal ein offenes Ohr für ihre Idee, wie sie den Löwen

erzählte. Dann ging es schnell voran. Mit dem Geschäftsführer Ronny Eisen von der Albtal-Gummiwerke Hartwig GmbH aus Marxzell-Frauenalb im nördlichen Schwarzwald fand die Familie einen, der die Ware produziert. Eisen erzählte dem Autor dieser Zeilen im Stadion die Geschichte von den verschiedenen Entwicklungsstufen des Materials. Gleichzeitig liefen die verschiedenen Patentanmeldungen in ganz Europa und den USA. Dass es so etwas noch gar nicht gab? Die Patente liegen vor. Drei, vier Jahre dauerte der Prozess. Mit dem dauerelastischen Fugenring brauchen Endverbraucher nun für die Fugen gar keine Handwerker mehr. Keine Kartuschen, keine Trocknungszeit. Und Handwerksbetriebe brauchen

auch keinen Fugenspezialisten mehr auf die Baustellen zu schicken.

Dass alle Löwen für 100.000 Euro 10 Prozent der eezee Vertriebs GmbH kaufen wollten, ist selten. Immer wieder brandet Beifall auf in der Brunner Lounge. Die Familie kommt sehr authentisch rüber, dass sie ihren Betrieb verkauft hat und nun alles auf eine Karte setzt, nötigt den Löwen Respekt ab. Als schließlich Ralf Dümmel den Zuschlag bekommt, springt der Investor auf und jubelt, als ob er gerade das entscheidende Tor im DFB-Pokalfinale geschossen hätte. „Jeder, der schon einmal mit Silikonfugen gekämpft hat, versteht dieses Produkt in Sekunden. Genau das liebe ich, einfache Lösungen für echte Alltagsprobleme. Ich freue mich riesig, gemeinsam mit der Familie Geffers diese Weltneuheit aus der Praxis in jedes Bad und jede Küche zu bringen“, sagt Dümmel später.

»Mails aus der halben Welt«

Seit dem späten Abend des 23. Februar geht es ab im eezee-Shop. Allein bis zum nächsten Mittag waren 75.000 Produkte verkauft. Rund drei Millionen Aufrufe hatte keine zwei Wochen nach der TV-Ausstrahlung der eezee-Instagram-Kanal. „Es ist irre, was da passiert, wir kriegen Mails aus der halben Welt“, erzählt Heiko Geffers. Unter den Interessenten ist etwa auch die Meyer-Werft aus Papenburg, die auf Kreuzfahrtschiffe mit Tausenden von Kabinen spezialisiert ist. Auf dem Shopping-Sender QVC lief eezee und machte dort pro Minute 1200 Euro Umsatz – bei einem Stückpreis von 14,99. Wie üblich auf den sogenannten sozialen Medien gibt es aber auch Kritik. „Das ist zum Teil auch berechtigt, wir werden aber fortlaufend besser werden“, so Heiko Geffers. „Wir waren schon überwältigt von der Resonanz, wir hatten ja vorher keine Berührungspunkte mit dem Fernsehen“, sagt Sandra Geffers. Die ersten Tage danach seien eine „extreme Herausforderung“ gewesen. Eezee werde im Prinzip auf der ganzen Welt gebraucht. Unter den Interessenten seien nun auch mehrere Hotelketten. Im B2B-Bereich kennt sich die Handwerkerfamilie gut aus, ist gut vernetzt. Auf der Freiburger GETEC-Messe hatte Eezee einen Stand und weitete das Netzwerk aus. Als der Auftritt der Geffers-Family bei den Löwen mit vielen Umarmungen endet, gibt es langanhaltenden Beifall in der Brunner-Lounge. Ein Heimspiel, drei Punkte. Im Visier nun ein europäischer Platz.

Lars Bargmann

Machen es scharf: Olivia und Horst Lehmann in ihrer Produktionsküche

»Soll

nicht wehtun«

Freiburger kreieren Chili-Pasten in Eigenregie

Der Name klingt frech: „Heul doch“. Die Chili-Produkte von Horst Lehmann (58) und seiner Tochter Olivia (28) sind jedoch nicht auf Schmerz ausgelegt. Die beiden Freiburger experimentieren mit außergewöhnlich scharfen Schoten – und setzen dabei auf Humor und Eigenanbau. Ein Besuch in ihrer Produktionsküche

Die Töpfe dampfen. Horst Lehmann steht am Herd vor einem großen Topf voller Habanero-Schoten. Daneben arbeitet seine Tochter Olivia an einem Chili-Salz. Es wird gekocht und gerührt an diesem Montag in der Küche des Blumencafé in Freiburg-Lehen. „Das hier wird eine Paste Heul Doch Classic – pure Habaneros, ein bisschen Öl und Zwiebeln, fertig“, sagt Horst Lehmann und rührt um. Rund 400.000 Scoville soll sie am Ende haben. Klassische Tabasco-Sauce hat nur bis zu 5000 Scoville.

Seit 2025 gibt’s die Heul Doch GmbH. Doch mit Chili-Schoten arbeitet Horst Lehmann schon lange: „Locker zehn Jahre.“ Erst verteilte er seine Pasten an Freunde. Dann stieg die Nachfrage so lange, bis klar war: Die beiden wollen es professioneller aufziehen.

Bei einem Halbmarathon kam Lehmann die Idee zum Namen. Auf einem Schild stand „Lauf, du Sau, heul später.“ Dennoch betonen beide: Wehtun soll ihr Produkt nicht. „Das ist nicht für Mutproben“, sagt Vater Lehmann. Es soll vor allem Spaß machen und schmecken. Auch deswegen bieten sie drei Stufen an: Leise mit 20.000 Scoville (7,50 Euro), Classic mit 400.000 Scoville (7,50 Euro). Und Extra mit 2 Millionen Scoville für 10 Euro. Wer sich die schärfste Variante kauft, bekommt den Hinweis: „Wir empfehlen diese Paste nur geübten SchärfeExpert·innen ab 18 Jahren.“ Zudem gibt es im Online-Shop ein Chutney und pikantes Salz. Noch im März folgt eine BBQ-Sauce. Basis ihrer Arbeit sind Habaneros. Als fruchtig und tropisch beschreibt Lehmann den Geschmack, „ein richtig gutes Aroma“. Angebaut werden sie im Freiburger Familiengarten, den vor allem Horsts Frau Bettina Lehmann betreut. Die Samen für ihre Schoten brachten die Lehmanns von Reisen mit. Fündig wurden sie etwa in New York, Sri Lanka oder Neapel. Rund 600 Gläser haben sie bisher verkauft – bundesweit. Lehmann führt das auch auf die Herkunft zu-

rück. „Freiburg hat einfach ein sehr sympathisches Image.“ Zu finden sind die Sachen im Heul-Doch-OnlineShop sowie in Läden in Freiburg und Hamburg. Dort leben die beiden: Olivia Lehmann arbeitet in der Hansestadt als Fotografin und kümmert sich bei Heul Doch ums Marketing. Horst ist das Gesicht der Marke und Produktionsleiter.

Der Rahmen soll überschaubar bleiben: „Das soll kein Heinz Ketchup werden“, betont Horst Lehmann und lacht. Dann drehen sie das nächste Video für ihren Instagram-Kanal. Vor der Kamera steht Horst Lehmann und preist auf lockere Art ihre Produkte an. Von Social-Media-Challenges mit scharfem Essen hält er nix. Ihnen geht es um Genuss und gute Laune. Um Kund·innen vor fahrlässigen Experimenten zu schützen, haben sie ihre schärfste Paste teurer gemacht. Und gestehen: Sie haben das selbst noch nicht gegessen – einfach zu hot. Ihre Lieblingsrezepte mit der Paste? „Ich find’s in der Pasta am besten“, sagt der Vater. Eine Löffelspitze in die Tomatensauce und fertig. Die Tochter empfiehlt Asia-Gerichte oder vegane Frischkäse-Brote. Das schmecke hervorragend. Till Neumann

»Schwieriger Spagat«

Der Freiburger USA-Experte Philipp A. Nürnberger über Trump, Zölle und Dekrete

Die New York Times hat neulich in einem Kommentar die Frage aufgeworfen, ob die Entscheidung des Supreme Courts, die von Donald Trump im Alleingang verhängten Zölle auf der Grundlage eines Notstandgesetzes als illegal zu werten, die „wichtigste des Jahrhunderts“ sei. Und mit „ja“ beantwortet. Möglicherweise habe das Gericht die Gewaltenteilung und damit die Demokratie gerettet. Trump hat gewohnt unsouverän reagiert und trotzig erst 10, dann 15 Prozent auf alles verkündet. Außer auf Tiernahrung, möchte man sich fragen. Gefragt hat Chefredakteur Lars Bargmann aber einen, der seit neun Jahren als New Yorker Anwalt zum amerikanischen Recht berät und seit gut einem Jahr wieder in Freiburg ist, wo er einst auch sein Abitur gemacht hatte: Philipp A. Nürnberger.

Herr Nürnberger, Vertrauen und Verlässlichkeit sind Grundpfeiler von Geschäftsbeziehungen. Würden Sie Geschäfte mit Donald Trump machen?

Nürnberger: Ich persönlich nicht. Aber die Unternehmen mit USA-Geschäft, die ich berate, machen ja keine Geschäfte mit Trump, sondern mit etablierten Partnerunternehmen in den USA und das vielfach schon seit Jahrzehnten.

bib: Wie macht man einen Deal mit einem, der am nächsten Morgen die Spielregeln ändert?

Nürnberger: Wir müssen zwei Ebenen unterscheiden, eine wirtschaftliche und eine politische. Politisch sind die Verlautbarungen von Trump ein unglaublich destruktiver Störfaktor. Aber es gibt auf der wirtschaftlichen Ebene trotz allem ein sehr gut funktionierendes, businessfreundliches Umfeld. Ich kann etwa in den USA in einer Stunde ein Unternehmen gründen. Und deutsche Firmen können in den USA immer noch hervorragende Geschäfte machen. Die Kaufkraft der Amerikaner ist sehr hoch, das ist und bleibt ein riesiger Markt.

bib: Unter dem Dach der IHK Südlicher Oberrhein oder auch des Wirtschaftsverbands Industrieller Unternehmen in Baden sind nicht wenige Firmen mit USA-Geschäft. Wie sollen oder können sich diese in diesen Zeiten mit diesem Präsidenten verhalten?

Nürnberger: Investitionsentscheidungen werden nicht auf wenige Jahre getroffen, da denken Unternehmen oft in Zeiträumen von zehn Jahren und mehr. Im November sind die Midterm-Wahlen, es sieht nicht danach aus, dass Trump aus diesen gestärkt hervorgehen wird.

bib: Seine zweite Amtszeit endet erst im Januar 2029

Nürnberger: Ich kenne, auch aus meiner eigenen Mandantschaft, viele Unternehmen, die jetzt entscheiden, lieber auf einem unsicheren Terrain zu arbeiten, als sich aus dem USGeschäft zu verabschieden. Momentan gibt es einfach nicht mehr Sicherheit. Man darf aber nicht vergessen, dass die USA noch föderaler sind als Deutschland. Wenn Sie einen

Gouverneur haben, gleich welcher Partei, der in seinem Bundesstaat starke Auslandsbeziehungen hat, dann kann Trump dem nicht so einfach per Dekret vorschreiben, wie er im Umgang mit ausländischen Firmen vor Ort was zu regeln hat. Dann würde er eine Abfuhr kassieren.

bib: Der bisherige wirtschaftliche Erfolg von Trumps Zollpolitik ist in den USA sehr bescheiden – auch schon vor dem Urteil des Supreme Courts. Warum sind die Zölle Trumps Lieblingsinstrument in der Wirtschaftspolitik?

Nürnberger: Trump fokussiert stark aufs Außenhandelsdefizit und wähnt die USA in der Opferrolle

bib: … wie sich selbst ja auch Nürnberger: … das ist so. Aber die Zölle sind in ihrer Botschaft so simplifiziert, die passen so gut ins „America first“, das versteht jeder.

bib: Trügt der Eindruck, dass „America first“ nur der Slogan, das Narrativ ist

und dass im Wesentlichen die Elite und natürlich das eigene Trump-Netzwerk profitiert?

Nürnberger: Es ist sicher richtig, dass vor allem die Milliardärs-Klasse profitiert. Das war ja bei seiner Amtseinführung auch gut zu sehen, als die Techbosse direkt hinter Trump standen.

bib: Baden-Württemberg ist als Automotive-Standort besonders von den USA abhängig. Allein bei Mercedes habe der US-Zoll im vergangenen Jahr rund eine Milliarde Euro Gewinn gekostet. Rechnet Trump sich solche Nachrichten als Erfolg an?

Nürnberger: Trump rechnet sich eher als Erfolg an, dass alle Autobauer angekündigt haben, in den USA zu investieren.

bib: Wie bewerten Sie, dass die USTechriesen in Europa weiter so gut wie steuerlose Gewinne machen können. Müsste die EU nicht das, was Google, Meta, Amazon und Co. in Europa mit

Werbung und Internetdienstleistungen verdienen, besteuern?

Nürnberger: Die europäische Kommission muss einen ganz schwierigen Spagat machen. Einerseits eine gewisse Stärke und möglichen Gegendruck zeigen, andererseits aber auch vermeiden, irrationale Reaktionen zu provozieren und damit mehr kaputtzumachen als sinnvoll ist.

bib: Dennoch kann es kein Plan sein, das in den nächsten Jahrzehnten einfach so weiterlaufen zu lassen. Nürnberger: Zölle und auch Steuern sind historisch gesehen auf physische Produkte fokussiert. Aber ja, man kann darüber nachdenken, sie auch auf Internetdienstleistungen anzuwenden. Im Moment aber gibt es nachvollziehbare Gründe dafür, Konfliktherde unter Kontrolle zu bringen als sie weiter auflodern zu lassen.

bib: Herr Nürnberger, vielen Dank für dieses Gespräch.

Gemeinsam am Ball:

Christian Steiger, Oliver Leki, Birte Hackenjos und Jochen Saier (v.l.).

Lexware wird neuer Hauptsponsor des SC

Zwei Freiburger Vorzeigeunternehmen bauen Partnerschaft

aus

Der SC Freiburg ist auf dem Winter-Transfermarkt erfolgreich gewesen – neben dem Rasen: Nachdem der DienstradLeasinganbieter Jobrad seinen Sponsorenvertrag beim Erstligisten nicht mehr über die laufende Saison hinaus verlängert hat, wird ab der kommenden nun ein weiteres Freiburger Vorzeigeunternehmen neuer Hauptund Trikotsponsor bei den Männern: Lexware.

Die Freiburger Softwareschmiede ist schon seit 1999 Partner des SC. Was mit kleineren Engagements in der Freiburger Fußballschule begann, baute Lexware in den vergangenen Jahren sukzessive aus: Seit der Saison 2023/24 ist das zur Haufe Group gehörende Unternehmen Exklusivpartner des SC und ziert auch die Trikotärmel, seit 2024/25 zudem Hauptsponsor der Fußballschule. Nun wandert das Logo vom Arm auf die Brust – auch bei der U23. Und erstmals auf die Ärmel des Frauenteams. Lexware engagiert sich nicht nur bei den Profis, sondern seit mehr als 30 Jahren bei mehr als 150 Breitensportvereinen in der Region.

Um Unterstützung geht es Lexware auch bei seinen Software-Lösungen, die buchhalterische Prozesse komplett automatisieren, sodass sich die Zielgruppe von rund vier Millionen deutschen Selbstständigen aufs Wesentliche fokussieren kann. Unter dem Kampagnendach „Tell your Story“ (wir berichteten) porträtiert Lexware seit 2019 regelmäßig Unternehmerinnen, Startups, (Solo-)Selbstständige, aber auch Sportler. Lexware schafft damit eine Bühne, um andere Menschen zu inspirieren. Vom SC Freiburg erzählten etwa Spieler Noah Atubolu, Christian Günter, Igor Matanović oder Nils Petersen dort schon ihre Geschichten. „Es freut uns sehr, dass Lexware als starke Marke unserer Gruppe künftig auf einer der sichtbarsten Bühnen des Landes präsent ist. Mit dem SC Freiburg teilen wir ein gemeinsames Werteverständnis. Die Partnerschaft unterstreicht unsere enge Verbundenheit mit der Region, deren Entwicklung wir seit vielen Jahren aktiv mitgestalten“, sagt Birte Hackenjos, CEO der Haufe Group. Für SC-Finanzvorstand Oliver Leki ist Lexware ein „verlässlicher und starker Partner, der mit seiner Professio-

nalität, mit seinen Wurzeln in Freiburg und seiner erfolgreichen Unternehmensentwicklung hervorragend zu uns passt“.

Lexware-Geschäftsführer Christian Steiger: „Über vier Millionen Selbstständige in Deutschland machen jeden Tag das, was sie lieben. Wir erledigen für sie den Bürokram. Mit diesem Engagement sind wir dort präsent, wo viele von ihnen Woche für Woche mitfiebern.“

Zur Höhe des Sponsorings machten die Partner keine Angaben. Die BILD-Zeitung schrieb von sieben bis acht Millionen Euro. Lexware hat mittlerweile 600.000 Kunden, allein im vergangenen Geschäftsjahr kamen 150.000 dazu. Wenn auf dem Platz alles so automatisch liefe wie bei der Lexware-Software, hätte SC-Coach Julian Schuster mit dem Erreichen eines europäischen Platzes in der Liga keine Probleme. Die Haufe Group setzte mit 2700 Beschäftigten zuletzt 562 Millionen Euro um, rund 250 Millionen Euro steuerte Lexware bei – ein Führungsspieler im Konzern. Und einer, der trefflich zum SC passt.

Lars Bargmann

Wo 100 E-Autos gleichzeitig laden

Streck Transport mit Neubau ohne fossile Brennstoffe

Die Streck Transportgesellschaft mbH baut auf ihrem Firmengelände im Freiburger Gewerbegebiet Hochdorf eine 30 Meter hohe neue Lagerhalle und investiert dabei auch in umweltfreundlichere Technik.

Die große Logistikhalle 1 aus den 80er-Jahren auf dem Gelände von Streck Transport in Freiburg-Hochdorf ist Geschichte. Der Freiburger Logistik-Spezialist brauchte mehr Platz auf gleicher Grundstücksfläche, den aber konnte die bestehende Bodenplatte nicht schultern. „Wir brauchen mehr Platz für Neukunden, die wir bisher aufgrund fehlender Kapazitäten oft abweisen mussten“, sagt Streck-Geschäftsführer Gerald Penner. Er nutzte die „Zwangslage“, um den Neubau auch energetisch auf den aktuellen Stand zu bringen.

Die Wärme oder Kälte bezieht der Neubau aus einer Grundwasser-Geothermieanlage, den Strom liefert eine PV-Anlage auf dem Dach. „Wir können unseren Kunden in der neuen Halle eine Temperaturspanne je nach Bedarf zwischen 15 und 25 Grad garantieren“, sagt Penner. Der Betrieb sei auch damit „ohne fossile Energieträger möglich“.

Zur Offensive am Standort Freiburg zählen auch drei neue, 16 Tonnen schwere Trafostationen, die bis zu 15 Megawatt bereitstellen können. Mit 15 Megawatt könnten übrigens 100 herkömmliche E-Autos gleichzeitig geladen werden. „Mit unserer neuen Strominfrastruktur setzen wir einen wichtigen Meilenstein für die nachhaltige Energieversorgung und die Elektromobilität der Zukunft“, sagt Leonie Kaufholz, die bei Streck im Bereich Technik und Immobilienmanagement für die Umsetzung des Projekts zuständig ist.

Die moderne Anlage stärke nicht nur die Netzkapazität, sondern schaffe auch die Grundlage für den weiteren Ausbau von PV-Projekten. Der werde gebraucht, weil größere Gebäude ebenso mehr Energiehunger haben wie die eigene Elektro-Lkw-Flotte.

Die neuen Trafo-Häuschen seien auch ein Beispiel dafür, wie technologische Innovation und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können: Die Holzkonstruktion trägt ein begrüntes Dach und verhindert unnötige CO2-Emissionen. „Auch das ermöglicht uns, unseren Kunden Dienstleistungen mit sehr hohen Nachhaltigkeitskriterien anzubieten“, so Kaufholz. bib

Bekommt eine neue, 30 Meter hohe Halle: Streck­Standort am Rande des Gewerbegebiets Hochdorf.

Immer im Spiel bleiben

Was Familienunternehmen anders machen als Konzerne

In Deutschland werden laut einer Studie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung 88 Prozent aller privaten Unternehmen von Familien kontrolliert. Die Familienunternehmen erwirtschaften mit 18,3 Millionen Beschäftigten 46 Prozent des Umsatzes der deutschen Privatwirtschaft. Eines dieser Unternehmen ist die Unmüssig-Gruppe aus Freiburg, die in diesem Jahr ihr 80-jähriges Bestehen feiert. Wie unterscheidet sich das Lenken einer eigenen Firma vom Steuern eines Konzerns?

Maximilian Unmüßig hat schon für große Unternehmen gearbeitet, etwa für das US-amerikanische Investmentbankinghaus Morgan Stanley mit Hauptsitz in New York und mehr als 10.000 Beschäftigten. Er kennt die unterschiedlichen Strukturen von

Konzernen und Familienunternehmen.

„Familien denken langfristig, Konzerne haben kurzfristigere Ziele“, findet der Sohn des Seniorchefs Peter Unmüßig eine bündige Formel. CEOs großer Konzerne mit Shareholdern stehen fortwährend stark unter Druck, kurzfristige Erfolgsmeldungen zu produzieren. Bringen sie die nicht, darf der nächste ran.

Die Geschäftsführer von Familienunternehmen müssen zudem verbindlicher, persönlicher auftreten, erzählt Annabell Unmüßig, die die Geschäfte der Boarding-Marke BlackF leitet.

„Wir sind immer sehr nah dran an Kunden, Auftragnehmern, an den Menschen, mit denen wir zu tun haben. Bei uns muss das Wort so viel zählen wie ein Vertrag. Das hat man schon als Kind gemerkt.“

Für Peter Unmüßig zählt die persönliche Verantwortung zu den distinktiven

Merkmalen: „Wir müssen kommunalpolitische und gesellschaftliche Verpflichtungen übernehmen und auch mal uneigennütziger agieren als Konzerne.“ Ein Beispiel: Am Anfang der Corona-Krise – Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn hatte am 21. März 2020 ein eingeschränktes Ausgehverbot verfügt, Masken waren bundesweit Mangelware – hat die Familie Unmüßig kurzentschlossen innerhalb von nur vier Wochen 250.000 Masken aus China besorgt und jeweils 50.000 an die Heiliggeistspitalstiftung, die Freiburger Caritas, die Evangelische Stadtmission, das Deutsche Rote Kreuz und ans Freiburger Rathaus gespendet. Wenn die Gruppe Mietshäuser baut und im Bestand hält, in denen 40 Jahre lang die Mieten 40 Prozent unter dem Mietspiegel liegen, dann macht sich das in der wirtschaftlichen Bilanz nicht als großer Gewinnbringer

Denken in Generationen: Annabell, Peter und Maximilian Unmüßig

Unternehmen in der Region

bemerkbar, aber die Enkelkinder hätten dann etwas, worauf sie aufbauen und das Familienerbe weiterführen können. Und: „Manchmal müssen wir auch nur im Spiel bleiben und nicht gewinnen. Damit wir beim nächsten Mal wieder mitmischen können.“

Peter Unmüßig ist selber als Sohn von Adolf Unmüßig in die Firma gekommen. Vor 50 Jahren. Er kennt eitel Sonnenschein ebenso gut wie die düsteren Himmel eines Gemäldes von Caspar David Friedrich. Dass nun zwei seiner drei Kinder im Familienunternehmen arbeiten, macht den Vater „überaus glücklich“. Wenn Peter und Maximilian nun über den Bilanzen ihrer zahlreichen Firmen sitzen, dann gehe es auch nicht darum, möglichst viel Gewinne auf

die private Seite zu ziehen, sondern Gewinne zu thesaurieren, um für schlechtere Zeiten was auf der Seite zu haben. „Wir schütten gar nicht aus, sondern reinvestieren unsere Gewinne in Wachstum“, sagt Maximilian. Es gebe, erzählen die drei Unmüßigs bei einer Videokonferenz, noch einen weiteren wichtigen Unterschied: Die Schnelligkeit bei anstehenden Entscheidungen. „Manche Konzerne verhalten sich ja wie Behörden, je weniger der Entscheider auch Eigentümer ist, desto langsamer wird oft agiert“, sagt Annabell.

Die Gruppe, die aktuell ein Projektvolumen von 2,6 Milliarden Euro vor allem im Südwesten der Republik stemmt, beschäftigt rund 130 Menschen. bar

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EMI kauft vier Fußballfelder in Freiburg

FWI erneut mit Erfolgsmeldung auf dem Cerdia-Areal

Es ist der nächste Erfolg für die Freiburg S-Wirtschaftsimmobilien GmbH (FWI) auf dem ehemaligen Cerdia-Areal an der Hermann-Mitsch-Straße: Die gemeinsame Tochter der Freiburger Sparkasse und der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH (FWTM) hat ein 28.000 Quadratmeter großes Grundstück an das Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik, das Ernst-Mach-Institut (EMI), verkauft.

Das EMI plant dort den Bau eines KurzzeitdynamischeTechnologien-Centers (KTC) mit Laboren und Arbeitsräumen. Zum Kaufpreis gibt es keine Angaben. Der Bodenrichtwert liegt bei 200 Euro. Wenn es dafür verkauft wurde, kostete es 5,6 Millionen Euro. Das Grundstück wird mit Mitteln des Bundesverteidigungsministeriums finanziert. „Der Neubau des KTC durch das EMI ist eine bedeutende Entwicklung für Freiburg als attraktiver Standort für Forschung und Entwicklung“, kommentiert Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn. Das Institut ist in der militärischen und zivilen Sicherheitsforschung tätig und in seinen Bestandsgebäuden in Freiburg „räumlich und baustatisch an Grenzen gestoßen“, so Institutsleiter Stefan Hiermaier. „Im Sinne der Zukunftsfähigkeit des Instituts besteht dringender Bedarf, die jetzt benötigte, moderne Forschungsinfrastruktur in geeigneten Räumen unterzubringen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Der bislang nur grob geplante Neubau ermöglicht den Wissenschaftlern, nicht nur weiterhin Spitzenforschung in Freiburg zu betreiben, sondern sie auch auszubauen.

Stephan Schoeller, der die Geschäfte der FWI zusammen mit Nicole Farrelly führt, hat den Verkauf begleitet. Für ihn ist die erfolgreiche Ansiedlung „ein zentraler Meilenstein für die Entwicklung des Areal Nord. Sie bestätigt unseren Anspruch, den neuen Life-Science-Standort im Green Industry Park Freiburg mit hoher Qualität und klarer Zukunftsorientierung zu gestalten.“ In den offiziellen Verlautbarungen wird vonseiten der Stadt und „angeschlossener Gewerke“ nicht mehr vom Industriegebiet Nord gesprochen. Ob „Areal Nord“ nun ein trefflichere Bezeichnung ist, sei dahingestellt.

Den Job aber, die Ende 2023, Anfang 2024 erworbenen insgesamt 21,5 Hektar am Rande des Cerdia-Areals hochwertig zu vermarkten, den macht die FWI trefflich. Drei Hektar hatte sie an die Intuitive Surgical Optics GmbH verkauft, die dort deutlich über 60 Millionen Euro in einen neuen Campus

Raumbedarf gesprengt: Stammsitz des EMI in Freiburg

investiert. Zwei Hektar samt einer großen Halle verkaufte sie an die Reuter Chemische Apparatebau. Ende vergangenen Jahres der nächste Meilenstein: Auch der Messtechnik- und Automationsspezialist Endress+Hauser kauft zwei Hektar für den Bau eines neuen Unternehmenscampus. Nun gehen 2,8 Hektar oder vier Fußballfelder ans EMI.

„Mit dem Neubau des KTC entsteht in der Wissenschaftsstadt Freiburg ein weiterer kraftvoller Brückenschlag zwischen Spitzenforschung und ihren vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten“, sagt FWTM-Geschäftsführer und FWI-Aufsichtsrat Jens Mohrmann. Die Fraunhofer-Gesellschaft betreibt in Freiburg fünf Institute, in denen rund 2700 Menschen arbeiten. Damit ist das vergleichsweise kleine Freiburg einer der größten FraunhoferStandorte in Deutschland.

Das EMI wurde 1959 als Spin-off aus dem drei Jahre zuvor gegründeten Institut für angewandte Physik an der Uni Freiburg gegründet. Hauptsitz ist – noch – das Gebäude an der Ernst-Zermelo-Straße im Stadtteil Herdern.

Lars Bargmann

Stadtbau setzt Startschuss

130 von 550 Wohnungen im Zinklern baut die Stadt-Tochter

Zügig“, so stand es in der Urkunde zur Eingemeindung des Dorfes Lehen in die Stadt Freiburg, soll das Gebiet „Im Zinklern“ zwischen südlichem Ortsrand und Dreisam bebaut werden. Man schrieb das Jahr 1971. Nun hat die Freiburger Stadtbau GmbH (FSB) auf zwei Grundstücken die Vorarbeiten für insgesamt rund 130 Wohnungen gestartet. Insgesamt soll im rund 20 Fußballfelder großen Neubaugebiet Wohnraum für 1400 Menschen entstehen. Derzeit hat Lehen um die 2500.

550 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern, darunter 100 öffentlich geförderte, sowie 32 Reihenhäuser und Doppelhaushälften. Das ist mehr als nur ein Schluck aus der Pulle für den Stadtteil tief im Westen von Freiburg. 130 Einheiten nimmt die FSB nun in Angriff. Am künftigen Quartiersplatz entstehen auf Grundlage des Entwurfs des Freiburger Büros Böwer Eith Murken Hautau Winterhalter Architekten rund 60 Eigentumswohnungen auf einer fünfgruppigen Kita im Erdgeschoss. Und auf einem zweiten Grundstück am südlichen Quartiersrand hat das Büro Appels Architekten aus Zürich ein Gebäudeensemble als Holzhybridkonstruktion entwickelt, in dem rund 70 geförderte und frei finanzierte Mietwohnungen Platz finden. Insgesamt schafft die Stadtbau rund 10.000 Quadratmeter Wohnfläche, die über umweltfreundlichere Fernwärme versorgt werden sollen. Und wird dafür nach Informationen der Redaktion mindestens 40 Millionen Euro investieren. Bevor aber für Menschen gebaut werden kann, muss zunächst die Zauneidechse umgesiedelt werden. So will es das Gesetz. Was der ZauneidechsenMigrationspakt die Stadtbau kosten wird, ist unklar. „Die Kosten für arten-

Direkt am neuen Quartiersplatz: 60 Eigentumswohnungen und eine Kita werden in diesem

schutzrechtliche Maßnahmen belaufen sich in der Regel auf einen niedrigen fünfstelligen Betrag“, sagt FSB-Sprecherin Stefanie Bersin. Zum Vergleich: Bevor im Freiburger Neubaugebiet Kleineschholz die Bagger anrollen durften, mussten dort die Mauereidechsen umgesiedelt werden. Kosten: 900.000 Euro.

„Wir freuen uns sehr, dass wir das Baugebiet Zinklern mitentwickeln und im neuen Wohnquartier im äußersten Westen als eine der ersten Akteurinnen ein attraktives, modernes und zukunftsorientiertes Angebot schaffen können“, so die FSB-Geschäftsführer Magdalena Szablewska und Matthias Müller. Die Stadtbau darf aus politischen Gründen nur 25 Prozent Eigentumswohnungen bauen. In Lehen sind es fast 50. Die Quote gilt aber nicht projektbezogen, sondern für die Offensive FSB 2030 mit insgesamt 2500 neuen Wohnungen bis eben 2030. Der Bau-

beginn für die beiden Gebäude erfolgt im kommenden Jahr.

Die meisten Flächen im Lehener Neubauquartier gehören der UnmüssigGruppe und der Treubau aus Freiburg, das Freiburger Rathaus hat selbst etwa ein Viertel. Der Familienheim Freiburg gehört ein 6600 Quadratmeter großes Grundstück. Die Baugenossenschaft wird voraussichtlich 2028 loslegen, wenn sie ihr Neubauvorhaben in Umkirch abgeschlossen hat. Wie die Stadtbau ist auch die Familienheim ein Garant für möglichst günstige Mieten. Dass im dörflich geprägten Lehen mal fünfgeschossig gebaut wird, hätte das politische Freiburg noch vor zehn Jahren verstört. Ist aber nachvollziehbar und steht im Einklang mit den Leitmotiven des Freiburger Perspektivplans: Dort, wo hochwertige Freiflächen in der Nähe sind, vertragen Quartiere auch höhere bauliche Dichten.

Lars Bargmann

Gebäude Platz haben.

Windkraft im Süden vor dem Aus?

22 Unternehmen fordern Korrekturen von Bundesregierung

In der jüngsten Ausschreibungsrunde der Bundesnetzagentur haben Windkraftprojekte im Südwesten kaum noch Chancen. Die Badenova AG und 21 weitere Windpark-Projektierer warnen jetzt vor einem Windkraft-Aus in Baden-Württemberg und haben sich mit einem Forderungspapier an politische Entscheidungsträger gewandt.

Zu den unterzeichnenden Unternehmen zählen unter anderem Badenova, Ökostrom und EWS Schönau. Der Auslöser ist die dramatische Überzeichnung der jüngst erfolgten „EEG-Ausschreibung für Windenergieanlagen an Land“ der Bundesnetzagentur. Baden-Württemberg war in den Ausschreibungen der vergangenen Jahre bislang deutlich unterrepräsentiert.

Eine Prognose der Unternehmensberatung enervis zeigt, dass Baden-Württemberg und Bayern in der aktuellen Ausschreibungsrunde vollständig leer auszugehen drohen. Die Folge: Keine neuen Windkraftanlagen. Mit gravierenden Auswirkungen auf die regionale Energiewende und die Versorgungssicherheit bundesweit. So heißt es in einer Pressemitteilung.

im Südwesten still“, erklärt Matthias Welss, kaufmännischer Geschäftsführer der Badenova Erneuerbare GmbH.

Die Zahl der Genehmigungen in Baden-Württemberg ist zuletzt zwar gestiegen. Das sei jedoch „bedeutungslos, wenn Projekte keine wirtschaftliche Perspektive haben“. Zahlreiche bereits genehmigte Windparks der unterzeichnenden Unternehmen lägen baureif in der Schublade und bräuchten jetzt den Zuschlag.

„Kein Projektierer wird in neue Standorte investieren, wenn sogar genehmigte Projekte nicht mehr realisiert werden“, sagt Badenova-Vorstand Dirk Sattur: „Das bricht der Energiewende im Süden das Genick. Und dabei wollen wir nicht tatenlos zusehen.“

»Das bricht der Energiewende im Süden das Genick«

Der aktuelle Mechanismus des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, der den Ausbau grüner Energien durch eine vorrangige Abnahme und garantierte Vergütungen für Anlagenbetreiber fördert, missachte zentrale Kostenfaktoren im Südwesten: Höhere spezifische Projektkosten durch anspruchsvolle Topographie und Genehmigungsverfahren sowie kleinteiligere Projekte, teure Infrastrukturmaßnahmen wie Erschließungswege, Kabeltrassen und Speziallogistik oder auch für das Energiesystem vorteilhafte Erzeugungsprofile, die Netzengpässe reduzieren könnten.

„Wenn die Bundesregierung in der anstehenden EEG-Novelle auf die Besonderheiten von Windkraftparks in Baden-Württemberg keine Rücksicht nimmt, steht der Windkraftausbau

Das Bundeswirtschaftsministerium bereitet derzeit eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes vor. Darin stecke noch die Chance zur Korrektur. Die unterzeichnenden Unternehmen fordern Gegenmaßnahmen, um den wirtschaftlich erforderlichen sowie netz- und systemdienlichen Ausbau der Windkraft in Süddeutschland weiter zu ermöglichen. Die Systemvorteile von Windenergieanlagen im Südwesten müssten finanziell berücksichtigt, die Ausschreibungsmenge müsste erhöht werden.

Der Wind weht im Süden zeitlich anders als im Norden. Wenn durch Ausschreibungen nur im Norden des Landes weitere Anlagen entstehen, dann braucht es dort noch mehr Speicherkapazitäten und weitere Stromtrassen, die in den Süden führen. Es sei energiewirtschaftlich und volkswirtschaftlich also sinnvoll, Windenergieanlagen auch im Süden zu errichten – nah an industriellen Verbrauchern und mit hohem Nutzen für die Netzstabilität.

„Die Energiewende kann nur gelingen, wenn Windkraft in ganz Deutschland ausgebaut wird“, betont Michael Klein, technischer Geschäftsführer von Badenova Erneuerbare: „Wir brauchen faire Rahmenbedingungen für alle – und zwar jetzt!“ bib

Leichter Absacker

FWTM veröffentlicht Tourismuszahlen für 2025

In Freiburg gibt es keinen neuen Übernachtungsrekord. Die Zahl in den Betrieben mit mindestens zehn Betten ging um 1,9 Prozent auf 2,13 Millionen zurück. Die Hoteliers meldeten 1,52 Millionen Übernachtungen, 1,6 Prozent weniger als 2024. „Die Rückgänge sind angesichts der gedämpften Konjunktur als Normalisierung auf hohem Niveau zu interpretieren“, heißt es in einer Pressemitteilung.

2025 ging es leicht talwärts: Die Schauinslandbahn zählt zu den Touristenzielen in Freiburg.

Die durchschnittliche Bettenauslastung in der Hotellerie hingegen legte um 1,2 Punkte auf 55,2 Prozent zu und liegt deutlich über dem Landeswert von 41,3 Prozent. Auch im Gesamtreiseverkehr (einschließlich Campingplätzen und Jugendherberge) wurde mit 50 Prozent eine überdurchschnittliche Auslastung erreicht.

Positiv entwickelten sich auch die internationalen Zahlen: Die ausländischen Übernachtungen stiegen auf 632.347 (+3,1 Prozent). „Die Zahlen zeigen, dass Freiburg auch in einem anspruchsvollen Umfeld strukturell stark bleibt. Wir konsolidieren uns auf hohem Niveau, bauen unsere internationale Marktposition aus und investieren gezielt in Qualität“, so Christian Gross, der bei der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH (FWTM) die Abteilung Tourismus und Innenstadt leitet.

Der Tourismus in Freiburg stützt sich auf ein strukturell stabiles Modell. Freizeit-, Kultur- und Naturtourismus sowie der Kongress- und Geschäftsreisetourismus sorgen für eine verlässliche Nachfrage. Die strategischen Maßnahmen des Tourismuskonzepts – etwa die Profilierung des Themenfelds „Natur & Aktiv“, die internationale Marktbearbeitung oder die Weiterentwicklung des MICE-Segments – stärken diese Entwicklung nachhaltig.

Eine repräsentative Studie der FWTM hatte im Dezember belegt, dass die überwiegende Mehrheit der Freiburger dem Tourismus in ihrer Stadt positiv gegenüberstehen. Die Steigerung der Tourismusakzeptanz und des Tourismusbewusstseins ist ein zentrales Ziel des Tourismuskonzepts für Freiburg und bildet die Grundlage für eine nachhaltige Destinationsentwicklung.

65 Prozent von 400 Befragten hatten die Auswirkungen des Tourismus auf Freiburg als „eher oder überwiegend positiv“ bewertet. 91 Prozent sehen den Tourismus als wichtigen Wirtschaftsfaktor, 86 Prozent als bedeutenden Imagetreiber, 74 Prozent betonen die Rolle des Tourismus für attraktive Arbeitsplätze, 77 Prozent für das vielfältige gastronomische Angebot.

„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass Freiburg im Tourismus solide aufgestellt ist. Gleichzeitig wird deutlich, dass tragfähiges Wachstum kein Selbstläufer ist“, kommentiert Christoph Glück, der Vorsitzende des Dehoga Freiburg. Um zusätzliche Impulse zu setzen, brauche es eine konsequente Umsetzung des Tourismuskonzepts, insbesondere mit Blick auf das Business- und MICE-Segment: „Die kontinuierliche Qualitätsentwicklung und Stärkung dieser wichtigen Querschnittsbranche sollte dabei klare Priorität haben.“

Wie in Freiburg hat sich auch der Tourismus in Baden-Württemberg als robust erwiesen. Laut den Zahlen des Statistischen Landesamts sind im vergangenen Jahr rund 24,1 Millionen Gäste ins Land gekommen (plus 1,5 Prozent zum Vorjahr) und haben für rund 58,7 Millionen Übernachtungen gesorgt. 2024 war im Ländle ein Rekordjahr, auch wegen der Fußball-Europameisterschaft. bib

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Warten auf den Aufschwung

Handwerk, Handel und Industrie kritisieren fehlende Reformen

Die jüngsten Konjunkturumfragen von IHK Südlicher Oberrhein, Handwerkskammer Freiburg und Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen in Baden (wvib) zeichnen ein Bild zwischen Hoffen und Bangen für die Wirtschaft im Südwesten. Vor allem pochen die Unternehmen darauf, dass die Politik endlich konkrete Reformen anbietet.

Die Wirtschaft am südlichen Oberrhein ist mit vorsichtigem Optimismus ins Jahr 2026 gestartet. Eine Konjunkturumfrage der Industrieund Handelskammer Südlicher Ober-

rhein (IHK) zeigt: Zu Beginn des neuen Jahres bezeichnen knapp ein Drittel der Betriebe die aktuelle Situation als gut. „Hier spiegeln sich die positiveren Erwartungen aus dem Herbst wider“, sagte Alwin Wagner, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer. Dem gegenüber stehen 17 Prozent an Unternehmen, die mit den aktuellen Geschäften unzufrieden sind. Ein echter Trend liegt allerdings nicht vor. „Es wäre schön, wenn wir sagen könnten: In den kommenden zwölf Monaten geht es weiter bergauf“, sagte Wagner, „aber genau das sehen wir nicht.“ Nur 15 Prozent der Unterneh-

men rechnen mit besseren Geschäften im weiteren Jahresverlauf, mehr als jedes fünfte blickt eher pessimistisch in die Zukunft.

Wagner sieht dafür vor allem politische Gründe: Aus Sicht vieler Unternehmer seien die Reformen bislang hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Zuviel Raum werde durch populistische Diskussionen um Themen wie Lifestyle oder Teilzeitarbeit eingenommen, ohne dass spürbare wirtschaftliche Impulse folgten.

Die Unsicherheit schlägt sich deutlich in den Investitionsplänen der Unternehmen nieder. Investiert wird vor allem in

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Bestehendes: 65 Prozent nennen den Ersatzbedarf als Hauptmotiv für Investitionen. Kapazitätserweiterungen spielen mit 14 Prozent nur noch eine kleine Rolle. Die Erhöhung des Mindestlohns, ein allgemein steigendes Lohnniveau und höhere Beitragssätze in der Sozialversicherung brächten viele Unternehmen in Zeiten schwacher Konjunktur zunehmend in die Bredouille, so Wagner.

Angespannte Situation beim Handwerk

Auch die Handwerkskammer Freiburg stellte Anfang Februar ihre Konjunkturumfrage vor. Demnach sei auch beim Handwerk weiterhin eine konjunkturelle Schwäche spürbar. Das Jahr 2025 war geprägt von Investitionszurückhaltung, rückläufigen Industrieaufträgen, vorsichtiger werdenden Verbrauchern und weiter sinkenden Fertigstellungen im Wohnungsbau, lässt Pressesprecher Jürgen Galle verlauten. Besonders im vierten Quartal standen viele Betriebe unter Druck: Aufträge gingen zurück, die Kapazitätsauslastung sank. Die Stimmung bleibt gedämpft. Zwar bewerteten 55 Prozent der Betriebe ihre aktuelle Lage als gut, doch die Erwartungen für die kommenden Monate fallen verhalten aus. 29 Prozent gehen von sinkenden Umsätzen aus. Kammerpräsident Christof Burger: „Die Zahlen zeigen, dass weiterhin akuter Handlungsbedarf seitens der Politik besteht“, mahnt Burger. „Weniger Bürokratie, verlässliche Programme und faire Wettbewerbsbedingungen müssen spürbar werden. Daran wird sich jede Landesregierung messen lassen müssen.“

Klare Forderungen von der Industrie

Auch die Industrie in Baden-Württemberg kommt kaum voran. 2025 reicht es laut der aktuellen Konjunkturumfrage des wvib nur zu einer schwarzen Null – die Rezession wurde erneut knapp vermieden. „2025 war das dritte Jahr in Folge ohne Wachstum. Die Schwächephase in BadenWürttembergs Industrie hält noch immer an“, sagt wvibHauptgeschäftsführerin Hanna Böhme.

Doch laut der wvib-Umfrage zeigt sich: 39 Prozent der Unternehmen rechnen in den kommenden sechs Monaten mit steigenden Umsätzen, nur 13 Prozent dagegen mit Rückgängen. Allerdings: Viele Probleme bleiben. 70 Prozent der Unternehmen melden eine geringe Kapazitätsauslastung, die Investitionsquote liegt nur noch bei 4,8 Prozent. Vor einem Jahr lag sie noch bei 6,1 Prozent. Mehr als die Hälfte der Betriebe hat im vergangenen Jahr Stellen abgebaut, die Beschäftigungsaussichten bleiben durchwachsen.

Böhme fordert daher politische Reformen: „Der ‚Herbst der Reformen‘ ist ausgeblieben, trotzdem zeigt sich an

Bei der Vorstellung des IHK-Konjunkturberichts zum Jahresbeginn in Freiburg : Alwin Wagner, Stellvertreten der Hauptgeschäftsführer der IHK (links), und Ralf Brotte, Geschäftsführer des Denzlinger Messebauers Externe Messeabteilung

manchen Stellen Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Wir dürfen jetzt nicht in alte Muster verfallen.“ Nötig seien Bürokratieabbau, wettbewerbsfähige Steuern und niedrigere Energiekosten. „Kurz: Um die Volkswirtschaft wieder in Schwung zu bringen, braucht es eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik, die strukturelle Probleme löst“, so Böhme.

Jannis Jäger

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Wo Steuerpolitik Realität trifft

Mathias Hecht zur Debatte über die Erbschaftsteuerreform

Die Reform der Erbschaftsteuer gehört derzeit erneut zu den steuerpolitischen Kernthemen. Während politisch insbesondere eine stärkere Besteuerung großer Vermögen diskutiert wird, zeigt die Beratungspraxis, dass Unternehmensnachfolgen häufig weniger ein Vermögens- als vielmehr ein Liquiditätsproblem darstellen. Denn gerade im deutschen Mittelstand besteht der Unternehmenswert überwiegend aus produktiv gebundenem Vermögen, das nicht ohne Weiteres zur Steuerzahlung eingesetzt werden kann.

Ein Praxisbeispiel verdeutlicht das: Unternehmer A vererbt seinem Kind B ein produzierendes Familienunternehmen mit einem Gesamtwert von 25 Millionen Euro. Die Vermögensstruktur ist typisch für viele mittelständische Betriebe: 20 Millionen entfallen auf betriebsnotwendige Immobilien, 3 Millionen auf Maschinen und Anlagen sowie „lediglich“ 2 Millionen auf liquide Mittel. Die Immobilien und Maschinen sind für den Geschäftsbetrieb existenziell und können nicht ohne Substanzverlust veräußert werden.

Bemessungsgrundlage: 19,1 Mio. Euro; Bei einem Steuersatz von 27 %: rund 5,16 Mio. Euro Erbschaftssteuer**

Im Vergleich zur vorhandenen Liquidität von 2 Millionen würde die Steuer damit deutlich über den verfügbaren Mitteln liegen. Selbst über eine 20-jährige Stundung ergäbe sich eine jährliche Steuerlast von rund 258.000 Euro, die dauerhaft aus Gewinnen oder anderen Finanzierungsmitteln erwirtschaftet werden müsste.

Aus praktischer Erfahrung zeigt sich, dass Unternehmensnachfolgen bereits heute eine langfristige steuerliche und finanzielle Planung erfordern. Immobilien werden häufig bewusst im Betriebsvermögen gehalten, um Produktionsabläufe zu sichern und Mietrisiken zu vermeiden. Eine stärkere steuerliche Belastung solcher Strukturen würde daher nicht primär „vermögende Privatpersonen“, sondern vielfach operativ tätige Unternehmen treffen.

Mathias Hecht, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Gesellschafter bei der Hecht, Budai & Partner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Freiburg

Nach aktueller Rechtslage kann begünstigtes Betriebsvermögen im Rahmen der Regel- oder Optionsverschonung weitgehend steuerfrei übertragen werden, sofern insbesondere der Betrieb nicht nur mindesten fünf Jahre lang mit ähnlichen Lohnkosten fortgeführt wird. Unterstellt man im Beispiel die Regelverschonung (85 Prozent), ergibt sich vereinfacht: Unternehmenswert: 25 Mio. Euro; Verschonung: 21,25 Mio. Euro; Steuerpflichtiger Erwerb: 3,75 Mio. Euro; Abzüglich Freibetrag Kind (400.000 Euro): 3,35 Mio. Euro; Bei einem Steuersatz von 19 %*: rund 636.500 Euro Erbschaftsteuer Die Steuerbelastung bleibt damit zwar spürbar, bewegt sich jedoch in einer Größenordnung, die regelmäßig aus vorhandener Liquidität oder laufenden Gewinnen tragbar ist. Die SPD schlägt insbesondere einen Lebensfreibetrag von 900.000 Euro innerhalb der Familie, einen Unternehmensfreibetrag von 5 Millionen sowie die weitgehende Abschaffung der bisherigen Verschonungsregelungen vor. Gleichzeitig soll eine Stundungsmöglichkeit über bis zu 20 Jahre eingeführt werden. Dasselbe Beispiel auf Basis des SPD-Reformvorschlags ergibt vereinfacht: Unternehmenswert: 25 Mio. Euro; Abzüglich Unternehmensfreibetrag: 5 Mio. Euro; Abzüglich Lebensfreibetrag: 0,9 Mio. Euro; Steuerpflichtige

Die Reformdiskussion verstärkt zudem Unsicherheit in Nachfolgeprozessen: Familienunternehmen planen Generationenwechsel regelmäßig über viele Jahre hinweg. Unklare steuerliche Rahmenbedingungen können dabei Investitionsentscheidungen beeinflussen oder zu strukturellen Anpassungen führen.

Die Reformdebatte bewegt sich somit im Spannungsfeld zwischen der Gerechtigkeitsdebatte und der Standortpolitik, zwischen steuerlicher Gleichbehandlung großer Vermögen und dem Schutz unternehmerischer Substanz. Auf der einen Seite versprechen weniger Begünstigungen stattliche Mehreinnahmen für den Staat, auf der anderen könnten sie die Investitionsfähigkeit und Stabilität mittelständischer Unternehmen beeinträchtigen.

Während der Reformvorschlag mit erweiterten Freibeträgen und Stundungsregelungen auf eine höhere Besteuerung großer Vermögen abzielt, zeigt die Praxis, dass die Abschaffung der bisherigen Verschonungsmechanismen erhebliche Liquiditätswirkungen entfalten kann. Für eine ausgewogene Reform ist aber eine stärkere Berücksichtigung der Vermögensstruktur und der betrieblichen Bindung einzelner Assets entscheidend, um die Fortführung produktiver Familienunternehmen nicht unbeabsichtigt zu gefährden.

*Erbschaftssteuersatz Klasse 1 bei dieser Höhe des Erbes

** Da konkrete neue Steuersätze im Reformpapier noch nicht festgelegt sind, kann zur Illustration der heutige progressive Tarif für Kinder herangezogen werden. Bei einer Bemessungsgrundlage in dieser Größenordnung ergäbe sich überschlägig eine Steuerbelastung von etwa 27 Prozent.

NEWS AUS DER WIRTSCHAFT

Stiegeler mit Rekord-Geschäftsjahr

Wachstum statt Glasfaserkrise: Der Schönauer Internetanbieter Stiegeler hat im vergangenen Jahr, dem erfolgreichsten Geschäftsjahr der Firmengeschichte, seinen Umsatz um 15 Prozent auf rund 30 Millionen gesteigert und dabei sieben Millionen Euro investiert. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen allein 2025 rund 10.000 neue Kunden gewonnen.

„Dass wir inzwischen rund 90.000 Privat- und Geschäftskunden in Baden-Württemberg mit Internet, Telefon, Fernsehen und Mobilfunk versorgen dürfen, zeigt das Vertrauen in unsere Arbeit“, so Geschäftsführer Felix Stiegeler. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs über das Jahr hinweg auf aktuell 80 an sieben Standorten in der Region.

Jobrad baut Stellen ab Beim Freiburger Dienstradleasing-Anbieter Jobrad fallen bis Ende des Jahres 107 Jobs weg. Nach monatelangen Verhandlungen zwischen Geschäftsführung, Betriebsrat und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sind das rund 65 weniger als im vergangenen Oktober angekündigt. „Das Abfindungsprogramm umfasst überdurchschnittliche Konditionen und berücksichtigt soziale Aspekte umfassend“, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung. Das Unternehmen wurde von Ulrich und Sandra Prediger 2008 gegründet. Seither ging es immer steil bergauf. Bei der Jobrad GmbH und der Jobrad Leasing GmbH arbeiteten im vergangen Herbst rund 1000 Menschen. Bei der Jobrad Holding etwa 1400 in verschiedenen Tochtergesellschaften in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Belgien und den Niederlanden.

Naturenergie Holding mit mehr Investitionen

Die Naturenergie Holding AG hat im Geschäftsjahr 2025 ein operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern von rund 214 Millionen Euro erwirtschaftet – zehn Millionen weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig investierte der Energieanbieter 174 Millionen Euro in seine Netze, 27 Millionen Euro mehr als 2024. Unterm Strich blieben 188 Millionen Euro Jahresgewinn.

Volksbank Breisgau Nord mit weniger Gewinn

Die Volksbank Breisgau Nord mit Hauptsitz in Emmendingen hat im vergangenen Jahr 13 Millionen Euro Jahresüberschuss erwirtschaftet. 2,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Das Kreditvolumen steigt indes leicht an. Vor allem wegen allein 90 Millionen Euro für Baufinanzierungen. Bei den Firmenkunden waren es 87 Millionen Euro nach 50 Millionen im Jahr 2024. Das Zinsgeschäft brachte 38,2 Millionen Euro Erlöse, das Provisionsgeschäft 15 Millionen. Die eigenen Kosten lagen bei 30,4 Millionen.

Welcome Center gefragt wie nie

Zum ersten Mal hat das Welcome Center Südlicher Oberrhein im vergangenen Jahr mehr als tausend Beratungen durchgeführt. Gut 50 Prozent mehr als 2024. Die meisten Anfragen kommen aus der Ukraine und der Türkei. Neu auf Platz drei: Indien. „Die Nachfrage hat enorm zugenommen“, sagt Leiterin Sophie Figueredo-Hardy. Mit ihrem Team hilft sie Unternehmen bei der Suche nach Fachkräften aus dem Ausland und bei Fragen zur aktuellen Gesetzeslage. 196 waren es im vergangenen Jahr. bib

Eine Kabeltrommel für den Glasfaserausbau im Schwarzwald

Bezahlbare Wohnungen für Azubis

Stadtbau-Projekt WIR-SÜD im August fertig

In Deutschland gab es Ende Februar rund 345.000 offene Azubi-Stellen. 52.000 weniger als im Vorjahresmonat. Auf der anderen Seite ist die Zahl der Bewerber im Jahresvergleich um 4000 auf 298.000 gestiegen. In Freiburg sowie den Landkreisen Emmendingen und Hochschwarzwald gab es zum Start des Ausbildungsjahres Ende September (neuere Zahlen gibt es noch nicht) 3250 unbesetzte Stellen und 3284 Anwärter.

Eine Besonderheit in Freiburg ist der angespannte Wohnungsmarkt. „Für viele junge Menschen ist die Frage nach bezahlbarem Wohnraum eng mit der Entscheidung für einen Ausbildungsplatz verknüpft“, sagt Hanspeter Fakler von der Pressestelle der Freiburger Arbeitsagentur auf Anfrage. Gerade wenn Azubis aus dem Umland, aus anderen Regionen oder aus dem Ausland kommen, „wird die Wohnungssuche schnell zur entscheidenden Hürde“.

Um Auszubildenden auf dem schwierigen Freiburger Wohnungsmarkt eine bezahlbare Alternative zu bieten, baut die Freiburger Stadtbau (FSB) für 19 Millionen Euro aktuell das Azubi-Wohnheim WIR:SÜD an der Wirthstraße in Landwasser (wir berichteten). Und erntet Zuspruch: Nach FSB-Angaben liegen mittlerweile für rund 100 der 145 Plätze in den 89 Apartments Reservierungen vor. Aktuell werden die Mietverträge ausgearbeitet. Das Azubi-Wohnheim sei „ein starkes und zukunftsweisendes Signal für den Ausbildungsstandort Freiburg“, so Fakler.

Viele Betriebe seien auch auf Bewerber angewiesen, die nicht im unmittelbaren Pendelbereich wohnen. Einerseits ist Freiburg äußerst attraktiv und zieht junge Menschen an, andererseits „stellen die hohen Mieten für Auszubildende mit begrenztem Einkommen häufig ein erhebliches Hindernis dar“. Das neue Azubi-Wohnheim stärke den Wirtschaftsund Ausbildungsstandort, unterstützt die Unternehmen bei der Gewinnung von Nachwuchskräften und eröffnet jungen Menschen reale Chancen auf eine Ausbildung in Freiburg: „Aus Sicht der Agentur für Arbeit ist das ein großartiges Projekt, das genau an der richtigen Stelle ansetzt.“

Die reservierenden Unternehmen im WIR:SÜD kommen aus unterschiedlichen Branchen, vom Friseurhandwerk über den Einzelhandel bis hin zu Pflegeeinrichtungen. Und nicht nur aus Freiburg, sondern auch aus dem Umland. Unter ihnen ist auch das Freiburger Rathaus. Im kommenden August soll das Gebäude bezugsfertig sein.

Die Gesamtmiete (Grundmiete, Nebenkosten mit Heizung, Wasser, Strom, WLAN und Betreuungsleistung) wird vom Ausbildungsunternehmen im Pilotprojekt direkt

an die FSB entrichtet. Angemietet werden die Ein- oder Zweizimmer-Apartments nur für die Dauer der Ausbildung. Die Azubis zahlen monatlich ab 430 Euro. Das Ausbildungsunternehmen unterstützt den Auszubildenden mit einem Drittel der Mietkosten – und kann das steuerlich geltend machen.

Viel Holz an der Hütte: Mit den bis zu elf Meter langen und rund 2,5 Tonnen schweren Elementen konnte in nur einer Woche jeweils ein komplettes Geschoss fertiggestellt werden.

„Wir verbinden bezahlbaren Wohnraum mit einem begleitenden Konzept und reagieren damit konkret auf die Situation am Ausbildungs- und Wohnungsmarkt“, sagt Isabell Werner, Abteilungsleiterin Wohnen & Vermieten bei der FSB. Zentraler Bestandteil sei das Betreuungskonzept in Kooperation mit der gemeinnützigen timeout-Stiftung aus Freiburg. Unter dem Titel „Team WIR:SÜD“ entsteht vor Ort eine Struktur, die Auszubildende nicht nur mit Wohnraum versorgt, sondern sie auch im Alltag begleitet. Manuel Da Pian von timeout: „Mit unserem Wohn- und Förderkonzept Team WIR:SÜD schaffen wir ein positives Umfeld, in dem Wohnen, Lernen und persönliches Wachstum für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben Hand in Hand gehen.“

Lars Bargmann

Neuer Beirat: „Nicht über, sondern mit der Wirtschaft reden“, so Alexander Merk (2. v. r.).

Demografie verschärft Engpässe

Agentur gründet Arbeitgeber-Beirat

Die Arbeitslosigkeit im Bezirk der Agentur für Arbeit Freiburg ist im Februar leicht gesunken. Zum Stichtag waren in der Stadt Freiburg sowie den Landkreisen Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen insgesamt 16.773 Frauen und Männer ohne geregelte Beschäftigung. Das sind 299 weniger als im Januar. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Punkte auf 4,3 Prozent.

„Die Arbeitslosigkeit ist nicht weiter gestiegen. Der Rückgang im Februar ist eine gute Nachricht für unsere Region“, sagt Alexander Merk, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Freiburger Agentur für Arbeit. Allein in Freiburg waren Ende Februar 10.748 Menschen ohne geregelte Arbeit. Während in der Stadt die Quote leicht um 0,1 Punkte auf 4,6 Prozent zurückging, stieg sie in dem Zuständigkeitsbereich der Geschäftsstellen in Emmendingen, Müllheim und Titisee-Neustadt ebenso leicht auf 3,5, 4,2 und 4,8 Prozent.

Die Lage insgesamt bleibe, so Merk, angespannt, auch weil die Nachfrage nach Arbeitskräften deutlich hinter dem Vorjahresniveau zurückbleibt (-27,2 Prozent auf 816) und die zurückhaltende Einstellungspolitik der Betriebe widerspiegelt. „Wer jetzt Personal abbaut, riskiert bei einer konjunkturellen Belebung ins Hintertreffen zu geraten. Fachkräfte lassen sich nicht kurzfristig zurückgewinnen, und die demografische Entwicklung wird die Engpässe zusätzlich verschärfen“, betont Merk.

Ende Februar hat die Freiburger Arbeitsagentur einen ehrenamtlichen Arbeitgebenden-Beirat mit Unternehmen aus der Region ins Leben gerufen. Ziel ist, an Lösungen zur Fachkräftesicherung, Qualifizierung und Weiterentwicklung digitaler Services zu arbeiten. „Wir wollen nicht über die Wirtschaft sprechen, sondern mit ihr“, sagt Merk: „Der Beirat ist für uns ein strategisches Dialogforum. Wer Beiträge zahlt, darf zu Recht erwarten, dass wir effizient, modern und passgenau arbeiten. Genau dafür holen wir uns systematisch Feedback aus der Praxis.“ Mit der Einrichtung des Beirats setzt Freiburg ein klares Zeichen für mehr Dialog, mehr Transparenz und eine noch stärkere Kundenorientierung.

Bundesweit beträgt die Arbeitslosenquote im Februar 6,5 Prozent. 3,07 Millionen Menschen sind hierzulande ohne festen Job. 81.000 mehr als vor einem Jahr. Der Arbeitsmarkt wird vermehrt von Ausländern gestützt. Nach Angaben der Bundesarbeitsagentur seien Zuwächse nur durch Menschen außerhalt der EU erfolgt. Zum Jahresende 2025 waren 5,89 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ohne deutschen Pass. 224.000 mehr als im Dezember 2023. bib/bar

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Die Welt, die Wirtschaft in Zahlen

der ausländischen Belegschaft zwischen 2004 und 2024 (in %) 219

Steigerung der ausländischen Belegschaft in Baden-Württemberg zwischen 2004 und 2024 (in %) 140,9

Steigerung der ausländischen Belegschaft in Thüringen zwischen 2004 und 2024 (in %)

So viele Ukrainer waren im Januar 2023 in Südbaden erwerbsfähige Leistungsberechtigte

So viele Ukrainer waren im Oktober 2025 in Südbaden erwerbsfähige Leistungsberechtigte

So viele Ukrainer hatten im Januar 2023 einen sozialversicherungspflichtigen Job

So viele Ukrainer hatten im

Schuldenstand der öffentlichen Haushalte in Deutschland im Jahr 2004 (in Mrd. Euro) 1395

Schuldenstand der öffentlichen Haushalte in Deutschland im Jahr 2024 (in Mrd. Euro) 2689

Geldvermögen privater Haushalte in Deutschland 2004 (in Mrd. Euro) 3830

Geldvermögen privater Haushalte in Deutschland 2024 (in Mrd. Euro) 9062

Idee: brandeins / bar

Quellen: Deutsche Bundesbank, Bundes­ und Landesamt für Statistik, Bundesagentur für Arbeit, IAB, eigene Recherchen

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