
Zweites Rondell am Radhaus?
Neuer Auftakt am Ende der Blauen Brücke
Dietenbach
Interview mit Baubürger -
meister Martin Haag
Jubiläum
Unmüssig-Gruppe
feiert 80-Jähriges
Merckle-Gruppe kauft
Freiburger Hauptbahnhof


















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Neuer Auftakt am Ende der Blauen Brücke
Dietenbach
Interview mit Baubürger -
meister Martin Haag
Jubiläum
Unmüssig-Gruppe
feiert 80-Jähriges
Merckle-Gruppe kauft
Freiburger Hauptbahnhof


















Der 26. Februar markiert beim geplanten Stadtteil Dietenbach einen wichtigen Meilenstein. An diesem Tag, fast genau zwei Jahre nachdem Bundeskanzler Olaf Scholz zum Spatenstich in Freiburg keine schlechte Rede gehalten hatte, startet das Rathaus die Vermarktung der ersten Grundstücke tief im Westen der Stadt.
Oberbürgermeister Martin Horn wird da sein, Baubürgermeister Martin Haag und sicher dutzendweise Kaufinteressenten. Die Stadtspitze wird erklären, dass tags drauf die Vermarktungsplattform im Internet freigeschaltet wird. Auf der lässt sich dann für jedes Grundstück ablesen, was man drauf bauen kann und was es kostet. Zum Festpreis. Zum Zuge kommen sollen diejenigen, die das beste Konzept erarbeiten. Darüber und nur darüber haben wir mit Haag für diese Ausgabe unseres Magazins, das damit in seinen 20. Jahrgang startet, gesprochen. Es hängt viel davon ab, dass der erste Aufschlag gelingt.
Aufgeschlagen haben die Bankbosse der Volksbank und der Sparkasse exklusiv fürs BAUEN&Wohnen und vor den Bilanzpressekonferenzen schon ihre Bücher. In denen zu finden ist, dass beide im vergangenen Jahr deutlich mehr private Baufinanzierungen gemacht haben und auch deutlich mehr Geld für Bauträger zur Verfügung stellen durften. Neben einem ebenso facetten- wie umfangreichen Blick ins Bauen in der Region haben wir in dieser Ausgabe auch einen eigenen Vorschlag für ein Bauvorhaben in Freiburg gemacht. Eine buchstäblich runde Sache. Gehen Sie mal vom Konzerthaus über die Blaue Brücke zum Stühlinger Kirchplatz. Sie werden schnell verstehen.
Wir wünschen anregende Lektüre.
Herzlichst
Ihr Lars Bargmann | Chefredakteur



BANKEN
TITEL
Meilenstein: Am 27. Februar startet Freiburg den Verkauf von Grundstücken im Dietenbach. Ein Gespräch mit Baubürgermeister Martin Haag 6 – 8
Sparkasse und Volksbank in Freiburg über das steigende Baufinanzierungsgeschäft 10 – 11
MESSEWESEN
Alles zur GETEC, IMMO und BWGG 12 – 14
PROJEKTENTWICKLER
Die Unmüssig-Gruppe feiert ihr 80-jähriges Bestehen 16 – 17
GENERALUNTERNEHMER
Auch die Dürrschnabel Industriebau ringt mit der Bürokratie 18
BAURECHT
Wenn David gegen Goliath gewinnt 20
STADTENTWICKLUNG
Kleineschholz: erste
Bauanträge gestellt 22 – 23
Hinter den Gärten:
Frischzellenkur für Tiengen 26 – 27
Neues Rondell an Blauer Brücke? 56

IMPRESSUM Bauen & Wohnen
Themenheft 02-2026
Das Bauen & Wohnen-Themenheft erscheint im Freiburger Stadtmagazin chilli
Herausgeber: chilli Freiburg GmbH
Paul-Ehrlich-Straße 13 | 79106 Freiburg fon: 0761-76 99 83-0 | fax: 0761-76 99 83-99 mail: bargmann@chilli-freiburg.de www.bauenundwohneninbaden.de
Geschäftsführung: Michaela Moser (V.i.S.d.P.)
IMMOBILIEN
Der Freiburger Hauptbahnhof hat einen neuen Eigentümer 24
BAUTRÄGER
Stuckert Wohnbau mit breitem
Portfolio 30
Kirschner Wohnbau mit kleinen Objekte in großen Lagen 34
WOHNUNGSBAU
Die Freiburger Stadtbau im Uffhauser Karree erfolgreich 32
BAUGEMEINSCHAFTEN
Nestbau³ auf dem Güterbahnhof taugt als Erfolgsmodell 36
GEWERKSCHAFTEN
IG BAU warnt vor Wohnarmut 38
HANDWERK
Die Schreinerinnung feiert ihren 200. Geburtstag 40 – 41
INFRASTRUKTUR
Freiburg investiert 35 Millionen in ein neues Rettungszentrum 42 – 43

Chefredaktion: Lars Bargmann
Redaktion: Jannis Jäger, Michaela Moser, Marianne Ambs, Sonja Summ
Titel: © StadtModellFreiburg e.V.
Fotos: iStock, freepik
Grafik: Sven Weis (Leitung)
Lektorat: Beate Vogt
Anzeigen: Marion Jaeger-Butt, Nathalie Braun, beiermeister mediaberatung
Abo-Service: Armando Sainovic
VERBÄNDE
Handwerkskammer Freiburg verstärkt den Kampf gegen Schwarzarbeit 44
MIETEN
Vom Sinn und Unsinn von Mietpreisdeckeln 46 – 47
STANDORT
FWI holt mit Endress+Hauser
Schwergewicht nach Freiburg 48
FERTIGHÄUSER
Der HausBauPark in Villingen 48
ARCHITEKTUR
Dreifache Freude bei Sennrich und Schneider 50
MAKLER
Christian Müller bilanziert und stärkt den Nachwuchs 50
S-Immo steigert Verkaufszahlen 58
SCHÖNER WOHNEN
Schön, robust und smart: Küchentrends 2026 52 – 55
POP-UP-STORE
Das StadtModellFreiburg zu Gast an der Schusterstraße 59
GENOSSENSCHAFTEN
Warum die Familienheim den kompletten Vorstand austauscht 60 – 61
KOMMENTAR 62

Druck: Hofmann Druck, Emmendingen Ein Unternehmen der
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Martin Haag vor dem StadtteilModell im Pavillon Dietenbach.

Am 26. Februar startet – deutlich später als geplant – die Vermarktung des ersten Bauabschnitts in Freiburgs neuem Stadtteil Dietenbach. Insgesamt sollen tief im Westen 6900 Wohnungen, ein Schulcampus für 210 Millionen Euro und 1700 Schüler, 22 Kitas und Gewerbeflächen entstehen. Im Dietenbach könnten mal rund 16.000 Menschen leben. Das entspricht etwa der Einwohnerzahl der Stadt Breisach. Der neue Stadtteil wird das Freiburger Rathaus nach aktuellen Zahlen 1,32 Milliarden Euro kosten. 1,14 Milliarden sollen durch die Grundstücksverkäufe erlöst werden. Vor dem Verkaufsstart sprach Chefredakteur Lars Bargmann mit Baubürgermeister Martin Haag.
chilli: Herr Haag, am 26. Februar gibt es in der Messe Freiburg die Auftaktveranstaltung zur Vermarktung des ersten Bauabschnitts in einem der größten Wohnbauprojekte in der Bundesrepublik, dem neuen Stadtteil Dietenbach. Blockbuster oder Arthouse?
Haag: Ich bin optimistisch, dass wir großes Interesse haben werden. Ich hätte mir aber natürlich gewünscht, dass wir viel schneller ins Bauen kommen.
chilli: Wann können die Bauherren auf ihre Grundstücke?
Haag: Vermutlich Anfang 2028.
chilli: Rüdiger Engel, der lange die Projektgruppe Dietenbach geleitet hatte, wollte Ende 2024 kurz vor der Rente noch die ersten Wohnungsschlüssel übergeben … Haag: Ich weiß. Aber wir bauen hier auf einem Acker die Infra struktur für einen Stadtteil von der Größe der Stadt Breisach. Ich empfehle, die Webcam Dietenbach mal zu konsultieren. Da sieht man, was auf dem Gelände alles los ist.
chilli: Offenbar wurde die Erschließung leicht unterschätzt … Haag: Da war ja nichts, kein Frischwasser, keine Abwasserleitung, kein Wärmenetz, kein Stromnetz, keine Straßen, keine Gehwege. Wir müssen das Areal anheben, um aus dem Hochwasser rauszukommen. Allein im ersten Bauabschnitt werden 1600 Wohnungen für rund 3500 Menschen entstehen.
chilli: Was kostet ein Quadratmeter Bauland mit einer GFZ* von 2 ,0?
Haag: 1838 Euro. Das ist der Wert, der sich aus den vom Gutachterausschuss ermittelten Bodenrichtwerten ergibt
*bei einer GFZ von 2,0 können auf einem 1000 Quadratmeter großen Grundstück 2000 Quadratmeter gebaut werden.
und damit in vergleichbaren Lagen in Freiburg heute bezahlt wird. An den sind wir gebunden.
chilli: Der Grundstücksanteil bei den Kosten für die Wohnungen wird mithin über 1000 Euro liegen.
Haag: Das ist so, aber das wirklich Teure sind die Bau- und nicht die Grundstückskosten. Im Rieselfeld kosten die Grundstücke noch etwas mehr.
chilli: Im ersten Bauabschnitt gibt es insgesamt 149 Grundstücke, 107 kommen in die Vermarktung. Die anderen 42 … Haag: … gehören Alt-Eigentümern, der Freiburger Stadtbau, der Kirche.
chilli: Was machen die Alteigentümer? Bauen die selber oder verkaufen sie ihre Grundstücke wieder?
Haag: Die sind gerade am Ü berlegen, wie sie das machen. Die reden auch mit Bauträgern, weil ihre Grundstücke doch in einer Größenordnung liegen, die nicht so einfach zu stemmen ist. Wichtig ist, dass sie am Ende die städtebaulichen Ziele umsetzen, die wir definiert haben.
chilli: Das wichtigste Ziel, neben einer ellenlangen Liste von politischen Wünschen, sind bezahlbare Wohnungen. Das war sogar die Voraussetzung für die Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme, die die Stadt erst in die Position gebracht hat, die Grundstücke von den Privaten zu erwerben. Gibt es am Ende bezahlbare Wohnungen?
Haag: Ja. Wir machen 50 Prozent öffentlich geförderten Wohnungsbau, wo die Mieten bis zu 40 Prozent unter der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen müssen. Die 50 Prozent müssen nicht auf jedem Grundstück erfüllt werden, aber möglichst im Block und auf jeden Fall übers gesamte Gebiet.
chilli: Das sind 3450 Wohnungen, die vom Land, sprich der L-Bank, bezuschusst werden sollen. Glauben Sie, dass das Land in Freiburg überhaupt so viele Wohnungen fördern kann?
Haag: Ich glaube, dass sowohl der Bund als auch das Land erkannt haben, dass die Frage der Wohnraumversorgung in den dynamisch sich entwickelnden Städten wie Freiburg die sozialpolitisch überragende Aufgabe der nächsten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte ist. Und daher bin ich optimistisch, dass wir diese Zuschüsse bekommen.
Reihenhaus. Gerade zu diesen Grundstücken haben wir eine erhebliche Nachfrage von genau der Zielgruppe, die wir damit ansprechen wollen. Private Häuslebauer, sozusagen eine Alternative zum Einfamilienhaus. Das ist ein Bautyp, der hier im Freiburg schon lange nicht mehr auf dem Markt war.

Auftakt zum neuen Stadtteil: Im ersten Bauabschnitt sollen 1600 Wohnungen gebaut werden. Und das Quartiershaus in Holz.
chilli: Uns ist ein konkretes Bauvorhaben bekannt, bei dem das Land jede Sozialwohnung mit rund 200.000 Euro fördert. 3450 mal 200.000 sind 690 Millionen Euro …
Haag: Natürlich mutet diese Zahl gigantisch an, aber das ist auf einen so langen Zeitraum gerechnet keine utopische Zahl.
chilli: Das kleinste Grundstück hat gerade einmal 162 Quadratmeter. Was soll man darauf bauen?
Haag: Ein kleines Stadthaus, in dem es jeweils über zwei Etagen eine Wohnung gibt, die dann übereinandergestapelt sind. Das sogenannte gestapelte
chilli: Das Rathaus, vor allem der Gemeinderat, ist vom grundsätzlichen Plan, Grundstücke nur noch im Erbbaurecht abzugeben, abgerückt.
Haag: Aber in der Konzeptvergabe gibt es natürlich Pluspunkte, wenn die Interessenten Erbbau wollen oder der Stadt ein Wiederkaufsrecht einräumen.
chilli: Weitere Pluspunkte gibt es für Holzhäuser. Die Stadtverwaltung plant aktuell den Dietenbach-Campus. Geht sie da selber mit gutem Beispiel voran?
Haag: Wir werden den Campus in Holzhybrid-Bauweise bauen.
chilli: Auch wenn es teurer als in konventioneller Bauweise wird? Nach unseren Informationen stand die HolzLösung zwischenzeitlich auf der Kippe. Haag: Wir mussten tatsächlich am Entwurf noch ein paar Optimierungen vornehmen, aber das Thema Holzbau stand nicht zur Diskussion. Wir bauen jetzt nur die Treppenhäuser, Schächte und die Unterkellerung aus Stahlbeton, die Decken werden im Holz-Beton-Verbund gebaut. Der Rest ist Holz. Übrigens bauen wir ja auch das Quartiershaus aus Holz.
chilli: Günstiger ist das Bauen mit Holz nicht. Wenn man bezahlbares Wohnen will, müsste man dann nicht
Will am liebsten nur lokale Bauherren:
chilli: Das heißt aber ja nicht, dass da wirklich das gleiche Haus drauf gebaut wird, nur weil der Typ feststeht …
Haag: Wir haben drei oder vier Grundstücke, die fast identisch sind und die wir gemeinsam vermarkten. Da kann der Bauherr diesen Wiederholungsfaktor machen.
chilli: Viel mehr würde viel mehr helfen …
Haag: Nur meinetwegen sechs verschiedene Gebäudetypen zu bauen und die unterschiedlich anzumalen, ist nicht die Grundleitidee für Dietenbach. Aber wir wollen im ersten Vermarktungsabschnitt bestimmte Sachen ausprobieren und Erfahrungen sammeln. Wenn wir sehen, dass es für solch ein Angebot eine große Nachfrage gibt, dass die Bau- und Mietpreise dann auch spürbar nach unten sacken, dann wird das sicherlich etwas sein, was wir in den nächsten Abschnitten nochmal etwas stärker forcieren werden.

mehrere Haustypen entwickeln, die dann immer wieder in den verschiedenen Baublöcken verteilt werden? Da ist dann ein Typ A mit 40 Wohnungen, die Statik ist gemacht, der Brandschutz, der Schallschutz, die Haustechnik. Dann gibt es einen Typ B mit 30 Wohnungen. Die Häuser werden dutzendfach gebaut, unterscheiden sich dann nur durch die Fassadengestaltung oder stehen mal trauf-, mal giebelständig zur Straße. Das würde zig Millionen an Kosten sparen …
Haag: So etwas in der Art ist ja auch geplant, nicht in so einem Extrembeispiel, aber wir haben Gebäudetypen, die sich wiederholen.
chilli: Am 27. Februar wird die Vermarktungsplattform freigeschaltet. Allein mit Freiburger Akteuren wird der Stadtteil nicht zu bauen sein. Wie wird das Rathaus die Möglichkeiten für Bauvorhaben im Dietenbach auch außerhalb von Südbaden bewerben? Ist etwa ein eigener Auftritt auf der Expo Real in München, der größten Fachmesse für Immobilien und Investitionen in Europa, geplant?
Haag: Der Grundansatz von Dietenbach ist, dass wir versuchen, diese Riesenbauaufg abe, die wir ja über viele Jahre strecken, zum großen Teil durch lokale Akteure zu bewältigen. Wir haben unsere Stadtbau, da sind die Traditionsbaugenossenschaften, die hoffentlich in einer ganz anderen Größenordnung jetzt einsteigen, da sind die Mietshäuser-Syndikate, da ist das Land Baden-Württemberg,
das für die Beschäftigten der Uniklinik und Studierende bauen will, da sind aber auch unsere lokalen Bauträger, die ja bei Kleineschholz nicht zum Zuge kamen. Da sind private Bauherren, die Alteigentümer aus Freiburg …
chilli: … allein Freiburger Akteure werden nicht 6900 Wohnungen bauen. Haag: Was wir jedenfalls nicht wollen, dass da ein großer Bauträger von auswärts kommt, baut, das Gebäude an einen Fonds verkauft, nach einer gewissen Zeit wird es an den nächsten Fonds weiterverkauft und zum Schluss haben wir dann einen Bestandshalter, der nichts mehr investiert und die Mieter allein lässt.
chilli: Expo Real?
Haag: Tatsächlich diskutieren wir das gerade. Es ist angesichts der Dimension nicht falsch, auch über den Freiburger Tellerrand hinauszuschauen. Ob wir zur Expo gehen, ist noch nicht entschieden, aber wir werden uns auf jeden Fall überlegen, wie wir auch über Freiburg hinaus Dietenbach zeigen. Wir kriegen übrigens heute schon immer wieder auch Anfragen von außerhalb. Aber ich muss ja auch ein bisschen politisch denken. Wir wollen unseren Freiburger Akteuren nicht die Konkurrenz aus den großen Ballungszentren vor die Nase setzen.
chilli: Es gibt auch institutionelle Anleger, die keine schlechte Presse bekommen …
Haag: Richtig, es gibt auch vernünftige Kapitalanleger, etwa die Rentenfonds, die in Dietenbach sicher gern gesehen werden, und die ja übrigens auch im Rieselfeld die Ersten waren, die sich Kapitalanlagen haben bauen lassen. Die noch heute vernünftig betrieben werden. Wir müssen bei der Konzeptvergabe also auch Wert darauf legen, dass wir die Richtigen bekommen.
chilli: Herr Haag, vielen Dank für dieses Ge spräch.



Tendenz stark steigend: Die Sparkasse und die Volksbank in Freiburg haben im vergangenen Jahr fast 2000 Kreditverträge für private Baufinanzierungen unterzeichnet. Volumen: 636 Millionen Euro. Eine Steigerung um fast 190 Millionen Euro. Auch das Geschäft mit Bauträgern und Projektentwicklungen ging steil nach oben.
Bei der Freiburger Volksbank lag das Volumen der Baufinanzierungen im Jahr 2024 bei 280 Millionen Euro, im vergangenen Jahr waren es 376 Millionen, wie Vorstand Volker Spietenborg im Gespräch mit der Redaktion erzählt: „Wir hatten gleich zu Jahresbeginn spürbares Wachstum, der starke Rückenwind ebbte im Laufe des Jahres nicht ab.“ 2023 lag der Wert noch bei 223 Millionen. „Wir lagen in jedem Monat des Jahres über dem Vorjahresmonat und hatten auch kein Sommerloch“, ergänzt Rolf Dieffenbacher, der stellvertretende Bereichsleiter des Immobilien-Centers. 142 Förderdarlehen mit einem Volumen von rund 20 Millionen Euro im Wohnungsbaubereich hat die Genossenschaftsbank ermöglicht.
tiert. Wer in längeren Zeiträumen denkt, kann vier Prozent durchaus als günstig ansehen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass zu Zeiten, in denen Eigenheim-Kredite deutlich teurer waren, das Bauen deutlich günstiger war.
»Lackmustest am Markt«
Auch das Volumengeschäft mit Bauträgern und Projektentwicklern steigt weiter: 2023 war angesichts der massiven Zinssteigerungen durch die EZB das schwarze Jahr in dem Segment, mickrige 9,9 Millionen Euro Neugeschäft gab es seinerzeit. 2024 ging es bergauf (45,8 Mio.), im vergangenen Jahr summierten sich die Kredite auf 64 Millionen. Zwar ist die Talsohle damit überschritten, aber die Zeiten, in denen die Bauträger wie in den Jahren 2020 und 2021 jeweils über 120 Millionen frisches Volksbank-Geld für ihre Projekte brauchten, würden so schnell nicht wiederkommen. Heute brauchen die Bauträger aber, bevor die Kredittranchen wirklich ausgezahlt werden, erste Vermarktungserfolge. „Das ist der Lackmustest am Markt“, sagt Spietenborg.
Der Zinsschock, so Spietenborg, sei überwunden. Zinsen um die vier Prozent würden als das neue Normal akzep-
Die Käufer sind aktuell fast ausnahmslos Eigennutzer. Der Kapitalanleger, der früher die Transaktionszahlen maßgeblich mit nach oben getrieben hat, der ist „noch nicht wieder ganz da“, resümiert Spietenborg.
Auf der einen Seite sind die Renditen aus der Miete bei den hohen Kaufpreisen vergleichsweise überschaubar, auf der anderen sei die fortwährende Stärkung von Mietern – nicht nur die Mietpreisdeckel – kein Turbo für den Wiedereinstieg von Anlegern. Bei der Sparkasse, berichtet Dorothea Müller, die Leiterin des S-Immobilien Centers, kletterte das Volumen der privaten Baufinanzierungen auf 260 Millionen Euro. 2023 waren es 140, 2024 rund 170 Millionen: „Das vergangene Jahr war wieder ein sehr gutes in dem Bereich.“ Etwa 1050 Baufinanzierungen wurden neu vergeben. 2023 waren es nur 650.
„Die Kunden haben sich offensichtlich an das höhere und wieder normale Zinsniveau gewöhnt“, resümiert auch Müller. Den Löwenanteil bei den Finanzierungen machen mit etwa zwei Dritteln die Eigentumswohnungen aus, wobei davon nur 15 Prozent brand-
neu sind. Neue Einfamilienhäuser oder Doppelhaushälften gebe es in der Region kaum. Bei rund 20 Prozent der Finanzierungen ging es um energetische Sanierungen, Umbauten, Anbauten oder Renovierungen im Bestand. Während die Preise auf dem Immobilienmarkt bei den Neubauten sehr stabil seien, seien sie bei Bestandsprojekten – in Abhängigkeit des Energiestandards – in manchen Fällen rückläufig. Die Käufer seien beim Verhandeln in einer umso stärkeren Position, je schlechter die Daten auf dem Energieausweis der Immobilie sind, weiß auch Dieffenbacher.
Die Sparkasse ist traditionell stark in der Bauträgerfinanzierung engagiert. Und da zog das Geschäft sehr deutlich an: Die Finanzierungszusagen stiegen von 153 Millionen Euro (2023) über 180 Millionen Euro (2024) auf nun 344 Millionen Euro im vergangenen Jahr. „Projektentwickler und Bauträger
kaufen wieder vermehrt Grundstücke, ein klares Signal dafür, dass in Zukunft wieder mehr Neubaugeschäft zu erwarten ist“, sagt Nicole Farrelly, die den neuen Bereich Projektfinanzierungen Bauträger Immobilien Kommunen leitet.
Fürs laufende Jahr ist Farrelly optimistisch: „Die hohe Nachfrage nach Wohneigentum in der Region Freiburg dürfte anhalten, zumal sich Käufer und Bauherren mit dem aktuellen Zinsniveau arrangiert haben und die Planungssicherheit wieder zunimmt.“ Beide Geldinstitute vermitteln auch Immobilien. Bei der Volksbank fanden im vergangenen Jahr 95 Objekte im Wert von rund 39 Millionen Euro neue Eigentümer. Bei der Immobiliengesellschaft der Sparkasse waren es 146 Immobilien im Wert von 72,4 Millionen Euro. Auch hier zeigt die Tendenz nach oben.
Lars Bargmann



Sie ist eine Erfolgsmesse made in Freiburg und Pforzheim, die Gebäude.Energie.Technik. Am 27. Februar öffnet die 17. GETEC ihre Pforten in der Messe Freiburg. Die GETEC ist die führende Messe für energieeffizientes Planen, Bauen, Modernisieren, erneuerbare Energien und gesundes Wohnen im Südwesten. Im vergangenen Jahr waren 7500 Interessierte gekommen.
Nicht nur für Thekla Walter, badenwürttembergische Umweltministerin und Schirmfrau der Messe, bietet die GETEC „eine hervorragende Plattform für Information, Vernetzung und Austausch“. Hervorzuheben sei in diesem Jahr das Expertenforum, das sich gezielt an Handwerker, Planerinnen und kommunale Entscheidungsträger richtet und so „alle relevanten Akteurinnen und Akteure aus Theorie und Praxis ins Gespräch“ bringe. Freiburgs Umweltbürgermeisterin Christine Buchheit betont den praktischen Nutzen der Messe: „Wenn der dringend gebotene Klimaschutz abs-
trakt bleibt, sind die meisten Menschen dafür. Herausfordernd wird es immer dann, wenn die notwendigen Maßnahmen konkret werden.“ Welche technische Lösung ist die passende für Hauseigentümer, welche Förderungen gibt es, was kostet’s? „Die GETEC liefert die richtigen Antworten, hier finden Sie die richtigen Informationen und Kontakte, die Ihnen helfen werden, Ihre Ziele zu erreichen und damit auch Ihren persönlichen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten“, heißt es in einem Grußwort.
Freiburgs Messechef Jens Mohrmann freut sich auch besonders aufs Expertenforum, das sich unter den Blickwinkeln von Industrie und Handwerk mit dem neuen Stadtteil Dietenbach befasst: „Solche Formate sind entscheidend, um Innovationen sichtbar zu machen und gemeinsam Lösungen für die Stadt von morgen zu entwickeln.“
Christof Burger, Präsident der mitveranstaltenden Handwerkskammer Freiburg (HWK), sag t im Vorfeld: „Das Handwerk nimmt bei der praktischen Umsetzung der Energiewende eine
Schlüsselrolle ein. Ambitionierte Ziele allein reichen nicht aus. Es braucht qualifizierte Fachkräfte, gemeinsames Engagement und innovative Technik, um die Energiewende vor Ort in die Tat umzusetzen.“
Ein zentraler Anlaufpunkt ist der „Marktplatz Energieberatung“, wo Interessierte – kostenlos – individuelle und unabhängige Beratung von zertifizierten Energieexperten bekommen können. Neu ist eine individuelle Balkonsolarberatung. Wer Fotos seines Balkons mitbringt, bekommt direkt konkrete Tipps zur optimalen Anbringung und zum sicheren Betrieb der Anlage.
Das Rahmenprogramm ist umfangreich: Es reicht von den Themenwelten wie Gebäude & Wohnen, Wärme & Kälte, Solar & Speicher oder Smart Living bis hin zu Fachveranstaltungen, etwa „Der Holzbau ist in der Stadt“ oder „Zukunftschance Wärmepumpe“. Die Veranstalter, die Freiburg Wirtschaft Tourismus und Messe GmbH (FWTM) und die Solar Promotion GmbH), erwarten 8000 Besucher. bar



Messewesen
Volles Programm auf der Messe BAUEN WOHNEN Garten & Genuss in Offenburg. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen am 7. und 8. März Einrichtungsideen, Beratungen zum Bauen und Wohnen, zu erneuerbaren Energien oder zur Gartengestaltung.
Ein Highlight ist in diesem Jahr die exklusive Soirée, bei der sich die Messehallen am Vorabend des offiziellen Messebeginns in entspannter Atmosphäre für eine begrenzte Besucherzahl öffnen – mit Zeit für individuelle Beratung, persönliche Gespräche, Fingerfood, Sekt und musikalische Akzente. Stargast ist am 8. März die TV-Wohnexpertin und diplomierte Innenarchitektin Eva Brenner, die zeigt, wie aus Räumen individuelle Wohlfühlorte entstehen.
„Wir haben viele hochkarätige Aussteller aus allen Bereichen rund ums Wohnen und Leben sowie ein wirklich spannendes Rahmenprogramm. Das Zusammenspiel verspricht ein rundum gelungenes Messeerlebnis, nicht nur für Häuslebauer, sondern für alle, die das schöne Leben lieben“, sagt MesseProjektleiter Alexander Pohl.
Parallel setzt die kreativ offenburg 2026 ihr erfolgreiches DIY-Messekonzept fort. Pünktlich zum Frühjahr und zur Osterzeit bietet sie zahlreiche Ideen für Dekorationen, Geschenke sowie kreative Projekte für Haus-, Wohnungs- und Gartendekoration. Das Ausstellerangebot reicht von Bastelmaterialien, Stoffen, Wolle und Kurzwaren über Schmuckund Modeunikate bis hin zu handgefertigten Deko-Objekten. chilli





Wenn Projektentwickler und Bauträger, Fertighausanbieter und Finanzierer, Makler und Dienstleister, Verbände und Kommunen an einem Ort zusammenkommen, dann läuft in Freiburg die IMMOMesse. In diesem Jahr am 28. Februar und 1. März. Da parallel auch noch die GETEC und der Kongress Klimaneutrale Kommunen stattfindet, gibt es im Südwesten nichts Vergleichbares.
„Die IMMO bietet eine ideale Plattform, um Käufer, Verkäufer und Marktakteure zusammenzubringen und über aktuelle Entwicklungen im Immobilienmarkt zu sprechen. Besonders freuen wir uns auf den Vortrag ‚Werte schaffen in Dietenbach: Ein Generationenprojekt‘, der spannende Einblicke in die Chancen, den Entwicklungsstand und die Vermarktung dieses zukunftsweisenden
Stadtteils gibt“, erzählt Freiburgs Messechef Jens Mohrmann von der veranstaltenden Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH (FWTM) im Gespräch mit der Redaktion. Bauträger wie die Gisinger-Gruppe, die Wohnbau Baden AG, die Unmüssig Bauträgergesellschaft oder das Freiburger Siedlungswerk zeigen ihre aktuellen Wohnungsangebote, die pro.b Projektentwicklung & Projektsteuerung GmbH stellt den aktuellen Stand beim Baugemeinschaftsprojekt Nestbau³ auf dem Güterbahnhof vor, es gibt sowohl News zum gemeinwohlorientierten Neubau-Quartier Kleineschholz, die Freiburger Stadtbau hat aktuell nicht nur Miet-, sondern auch Eigentumswohnungen im Portfolio. Ein prall gefülltes Vortragsprogramm widmet sich auch losgelöst von südbadischen Themen den aktuellen Entwicklungen der Branche. chilli/bar









Peter (l.) und Maximilian Unmüßig zusammen mit Dennis Bihler im Gespräch. In den 40er Jahren agierte die Firma noch als Bauunternehmung.
Vom Acker in die AssetWelt: 1945, kurz nachdem der Krieg vorbei war und Freiburg in Trümmern lag, hatte Adolf Unmüßig, Sohn einer Bauernfamilie aus der March, ein Architekturbüro gegründet. Ein Jahr später ein Bauunternehmen. Sohn Peter trat 1976, noch am Tag seines Examens als DiplomKaufmann, in die väterliche Firma ein. Seit 2020 ist nun Peters Sohn Maximilian als Geschäftsführer an Bord. Drei Generationen, drei unterschiedlichen Typen. Am 18. September feiern die Unmüßigs das 80jährige Firmenjubiläum.
Pünktlich zum Geburtstag gab es einen Relaunch der Marke Unmüssig samt neuem Web-Auftritt. Und seit Mitte Januar firmieren die Firmen auch nicht mehr unter der Unmüssig Bauträgergesellschaft, sondern als Unmüssig-Gruppe, die Wärme Kontor Freiburg als Energy Solutions, die Immobilien Management als Real Estate Management. Die Freiburger werden internationaler.
Peter Unmüßig machte aus der Baufirma seines Vaters im Laufe der Jahrzehnte – und durchaus stürmischen Zeiten – einen der größten Projektentwickler in Süddeutschland. Heute haben die Freiburger Projekte in Stuttgart und Karlsruhe, in Heidelberg und Ludwigshafen, in Mainz und Weinheim, in Frankfurt und natürlich vor der eigenen Haustür.

Das aktuelle Projektvolumen beläuft sich auf 2,6 Milliarden Euro, 30 Bauvorhaben mit 400.000 Quadratmetern Nutzfläche – das sind 55 Fußballfelder –, um die sich das insgesamt 80-köpfige Team kümmert. Keine Angst vor großen Zahlen, könnte als Slogan über dem Jubiläumsjahr stehen, aber es steht etwas anderes darüber: Vertrauen, Verantwortung, Verlässlichkeit. „Weil das unsere DNA ist“, sagt Peter Unmüßig in seinem Büro auf dem Güterbahnhof. „Auf uns kann man vertrauen, wir übernehmen Verantwortung und sind ein verlässlicher Partner.“ Man müsse eben „auch mal strammstehen,
wenn was falsch läuft“, mal einen Mieter bringen, auch wenn man vertraglich dazu gar nicht verpflichtet sei. Dutzende Projekte hat Unmüßig für institutionelle Anleger gebaut, Versicherungen, Pensionsfonds, Kirchen. Sie alle wollen Rendite sehen. In den vergangenen zehn Jahren, als das Geld nichts kostete, passte die Kalkulation auf einen Bierdeckel. Heute ist das anders. „Wir stehen in Konkurrenz zu Staatsanleihen, wir müssen mehr Rendite bringen und dafür müssen wir kreative Lösungen finden.“
Aktuell richtet sich der Fokus in der Projektentwicklung, dem stärksten Geschäftsbereich, auf Themenimmobilien. „Der frei finanzierte Wohnungsbau geht im Moment nicht, klassische Bürogebäude auch nicht“,
erzählt Unmüßig. So baut die Gruppe aktuell ein Rathaus für die Stadtverwaltung in Ludwigshafen, hat an der Messe das Kopfbau-II-Gebäude fürs Freiburger Stadtarchiv erstellt, Hotels gebaut, Flächen fürs temporary living in den BlackF-Apartmenthäusern, plant in Freiburg ein jüdisches Hotel, in Landwasser ein Hochhaus vor allem für Beschäftigte von Unternehmen, projektiert ein Gebäude allein für Pflegekräfte. „Der Markt ändert sich und mit ihm auch unsere Projekte“, so Unmüßig. Am Güterbahnhof ist ein Neubau mit ausschließlich öffentlich geförderten Mietwohnungen kurz vor der Baueingabe. Die Referenzliste des Unternehmens ist so lang wie die Kajo. Herauszuheben sind der Neubau des Sparkassen-Finanzzentrums, die Westarkaden, das Quartier Unterlinden, der Breisacher Hof, das Motel One oder der Green City Tower in Freiburg. Aber auch das Degerloch Office Center in Stuttgart
mit 45.000 Quadratmetern Mietfläche: Der 20-Jahres-Mietvertrag mit der Alten Leipziger über 25.000 Quadratmeter ging durch die nationale Presse. Allein in dieses Projekt in Schwaben investierten die Badener 280 Millionen Euro. In Frankfurt gehört zu den Referenzen der Wohntower Blue Horizon, in Heidelberg die Westarkaden, in Ludwigshafen die Ludwigstürme, in Mainz das Tele-Haus.
Maximilian Unmüßig war zuvor bei mehreren Private Equity Fonds tätig. In Frankfurt, Berlin, München, London. Warum zurück ins beschauliche Freiburg? „Der Name Unmüßig war ja schon überregional durch viele spannende Großprojekte bekannt und hat eine coole Historie. Es war immer schon klar, dass ich mal ins Unternehmen einsteige.“ In eines, das nicht nur

einer Familie gehört, sondern von der Familie auch aktiv geführt wird. Wie der Vater den Kurs verändert hat, so will auch der Sohn an der Zukunft arbeiten. „Wir wollen das auf die nächste Ebene bringen, expandieren, auch geografisch.“ Mit der neu gegründeten UMX Investment Partners wird er demnächst etwa eine Niederlassung in Frankfurt eröffnen, um von dort aus „die Top-7-Städte zu bespielen“. Neben der Projektentwicklung auch suboptimal funktionierende Bestandsimmobilien kaufen und zu optimal funktionierenden umbauen. Und sie dann als Renditeobjekte – über den Staatsanleihen – zu verkaufen. In den facettenreichen Teilmärkten der Immobilienbranche agieren. Für Peter Unmüßig ist auch das nicht neu. Aber der Maßstab wird sich ändern. Mit nun 80 Jahren ist bei Unmüßigs nur ein weiterer Meilenstein gesetzt. Es wird nicht der letzte sein. Lars Bargmann




Warum sich die Dürrschnabel Industriebau auch mit der Bürokratie rumschlägt
Wenn Stefan Schäfer, Gründer und Geschäftsführer der Dürrschnabel Industriebau GmbH aus Emmendingen, aufs vergangene Jahr zurückblickt, gibt es zwei Perspektiven: Die eine hat nach dem Tod seines CoGeschäftsführers Markus Keune die nicht ganz trivialen Abschlüsse von Keunes Projekten im Fokus; die andere nimmt die neuen Aufgaben in den Blick. Und davon gibt es einige.
Spuren hinterlassen hat er, der Neubau der Sick AG in Waldkirch, wo die Dürrschnabel als Generalunternehmer für rund 29 Millionen Euro ein spektakuläres Gebäude mit 9300 Quadratmetern Nutzfläche erstellt hat. Am Ende gab es Verzögerungen bei der Fassadenfertigstellung, nachdem ein renommierter Fassadenbauer Anfang vergangenen Jahres ins Straucheln geraten war. Nicht nur die Kosten explodierten: Schäfer hatte zudem auch mit dem Bauherrn wegen des zugesagten Fertigstellungstermins regen Meinungsaustausch. Relativ entspannt funktioniert indes die Zusammenarbeit mit dem Fahrradhändler HOTBIKE , für den die Emmendinger schon mehrfach aktiv waren und bald mit dem Bau eines neuen Quartiers mit rund 1000 Quadratmeter Hallenfläche starten wollen. Weil das Grundstück in Teningen in einem Wasserschutzgebiet liegt und der Boden belastet ist, steht Schäfer vor nervenaufreibenden Aufgaben.

Klare Linien: Am Dürrschnabel-Stammsitz in Emmendingen wurde das Foyer samt Besprechungsfläche ansprechend modernisiert.
nen nicht anfangen, weil wir erst mal nach dem geforderten Boden fahnden müssen“, sagt Schäfer. Dass Bauherren andererseits mittlerweile lieber, statt belasteten Boden für sehr viel Geld weit weg auf geeignete Deponien zu verfrachten, Grundstücke zur „Zwischenlagerung“ des Materials kaufen, ist nur ein weiterer Effekt der Regelung.
Knifflig, auch mit Bodenertüchtigung, ist das Dürrschnabel-Projekt beim ehemaligen Gasthaus Ochsen in Zähringen, wo mittlerweile die Kellerdecke gegossen ist. Hier wird direkt an das denkmalgeschützte Gebäudeensemble ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohnungen in KfW55-Bauweise angedockt.
Frisch ins Haus geflattert ist zudem der Auftrag eines ElektrotechnikUnternehmens mit rund 500 Quadratmetern Hallenfläche und 1300 Quadratmetern befestigter Außenanlage in Köndringen. „Planung, Genehmigung und Fertigstellung noch in diesem Jahr“, betont Schäfer. Für dieselbe Firma hatte Dürrschnabel bereits das Betriebsgebäude realisiert. Die SchleithGruppe hat die Emmendinger mit der Planung einer Schlosserei in Achern beauftragt. Und in Kenzingen hofft Schäfer noch auf einen zweistelligen Millionen-Auftrag. Mehr möchte er dazu noch nicht sagen.
Denn nicht einmal nur gering belasteter Boden (früher Z0*, heute BM-0*) darf wiederverwendet werden. Wohlgemerkt: Der Boden ist dort seit Jahrzehnten belastet. Seit Jahrzehnten suchen sich Niederschläge ihren Weg durch diesen Boden ins Grundwasser. Offenbar ein weiterer Beitrag des Gesetzgebers zum Thema bezahlbares Bauen. Wenn Schäfer aber die regionalen Kieswerke anruft und astreines BM- 0 und dafür auch ein Zertifikat anfordert, schütteln sie am anderen Ende der Leitung die Köpfe.
„Die Bürokratie treibt uns schier in die Verzweiflung, auf dem Baugrundstück stehen drei Großgeräte und wir kön-
Leichten Aufwind spürt der Geschäftsführer auch bei der Kernkundschaft, den kleinen und mittelgroßen Gewerbeund Industriebetrieben: „Die noch bis letztes Jahr totale Lethargie im Gewerbe- und Industriebau scheint sich aufzulösen. Denn neben dem Wohnungsbau gibt’s für unsere Kalkulatoren wieder interessantes Industrietragwerk und -Konstruktionen zu rechnen.“
Um gewappnet für die kommenden Aufgaben zu sein, wird zum 1. März ein weiterer Kalkulator eingestellt. Der läuft dann täglich auch durchs komplett neu gestaltete Foyer. Schäfer, der die Firma zusammen mit seinem Sohn Christopher leitet, investiert in die Zukunft.
Lars Bargmann



















B2 U 14/23. Unter diesem Aktenzeichen hat das Bundessozialgericht in Kassel (BSG) unlängst ein Urteil in einem Fall David gegen Goliath begründet. Die KochVoegele GmbH aus Bahlingen hatte geklagt. Gegen die mächtige Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau). Und gewonnen. Ein bemerkenswerter Fall. Den für die Baurechtsspezialistenkanzlei Steiger, Schill und Kollegen zum Schluss Nina Wolber geführt hat.

Das Bahlinger Bauunternehmen hatte vor einigen Jahren für zwei Bauvorhaben einen Nachunternehmer verpflichtet. Der aber war in die Insolvenz geschlittert und hatte sozialversicherungspflichtige Beiträge nicht an die BG Bau abgeführt. Die Berufsgenossenschaft wollte sich das Geld dann in Bahlingen besorgen. Und trug dazu vor, dass Koch-Voegele hätte prüfen müssen, ob der Auftragnehmer jederzeit alle Beiträge ordnungsgemäß bezahlt hat. Im Prinzip sind Auftraggeber, sei es nun wie hier ein Bauunternehmen oder auch
ein Generalunternehmer oder der Bauherr selber, für das Bezahlen dieser Beiträge verantwortlich. Wenn also der Subunternehmer wiederum einen Subunternehmer beauftragt, der wieder einen Subunternehmer unter Vertrag nimmt – die Kette ist beliebig erweiterbar –, dann haftet der originäre Auftraggeber. Was in der Realität auf dem Bau indes kaum durchführbar ist. KochVoegele wehrte sich. Das Sozialgericht in Freiburg hatte im Februar 2022 dann der BG Bau Recht gegeben. Nun ging die Staufener Kanzlei in die Revision vors Landessozialgericht (LSG) in Stuttgart. „Das hat unsere Auffassung bestätigt“, erzählt Wolber. Dagegen legte sodann die BG Bau wiederum Revision ein und so landete die Sache in Kassel. Bei einem Streitwert von gut 20.000 Euro.
Obwohl Koch Voegele lückenlose Unbedenklichkeitsbescheinigungen – sie bestätigen unter anderem das Zahlen der Arbeitsentgelte oder das Abführen der Beiträge – des Auftragnehmers vorgelegt hatte, argumentierte die BG Bau, dass die Beträge ganz offenbar für das Auftragsvolumen nicht ausreichend gewesen seien und dass dies den Bahlingern hätte auffallen müssen. Das LSG schrieb in seinem Urteil im April 2023, dass ein Haupt- oder Generalunternehmer gerade nicht prüfen müsse, ob die gemeldeten Arbeitsentgelte mit dem Auftragsvolumen übereinstimmen. Das BSG schreibt in seinem Urteil: Die BG Bau hat die Koch-Voegele GmbH „zu Unrecht für die Beitragsrückstände ihrer Nachunternehmerin in Haftung genommen“.
„Es ist ja nebenbei bemerkt schon kurios, wenn die BG Bau von unserem Mandanten fordert, die Unbedenklichkeitsbescheinigungen, die sie selber ausstellt, auf Richtigkeit zu prüfen“, sagt Kanzleiinhaber Nicolas Schill. So sahen es auch die Richter in Kassel: „Die Klägerin (Koch-Voegele, d. Red.) hat sich hier allein durch Vorlage der von der Beklagten (BG Bau, d. Red.) ausgestellten Unbedenklichkeitsbescheinigungen von der Haftung befreit.“
»Faktisch gar nicht möglich«
Wichtig für die Auftraggeber sei, so Wolber, nachweisen zu können, dass die Unbedenklich keitsbescheinigungen „absolut lückenlos“ eingefordert werden. Wenn also nur für eine Arbeitswoche was fehlt, kann sich das Blatt gegen den Auftraggeber wenden. Wenn die Kanzlei Verträge für den Auftraggeber erstellt, gäbe es darin entsprechende Regelungen. Das BSG schrieb übrigens in seinem Urteil auch, dass für die Auftraggeber eine „verlässliche Kontrolle der tatsächlichen Beitragszahlung im laufenden Jahr faktisch (gar) nicht möglich“ ist, weil die Unbedenklichkeitsbescheinigungen immer nur für zurückliegende Zeiträume gelten, mithin nur ein retrospektives Bild liefern. Erst Mitte Februar des Folgejahres müssen die für die Beitragsfeststellung maßgeblichen Meldungen erstellt sein. Es ist nicht bekannt, wie oft sich von der BG Bau in die Pflicht genommene Auftraggeber gerichtlich wehren. Das von Steiger, Schill und Kollegen errungene Urteil könnte diese Zahl aber erhöhen.
Lars Bargmann













Beim „gemeinwohlorientierten“ Neubauquartier Kleineschholz im Freiburger Stadtteil Stühlinger sind die ersten vier Bauanträge eingereicht worden. Ob aber auch wirklich alle Bauherren, die bei der Vergabe der Grundstücke zum Zug gekommen sind, ihre Projekte umsetzen können, ist weiter fraglich. Die Stadtverwaltung gibt mehreren Initiativen nun mehr Zeit. Auf der anderen Seite drängt aber genau die: Denn auf dem Spiel stehen mehr als sechs Millionen Euro Förderung.
„Die Entwicklung ist positiv, die ersten Bauanträge sind da, weitere sind angekündigt und wir werden im ersten Quartal auch einen Spatenstich
haben“, sagt Baubürgermeister Martin Haag. Es gebe aber auch noch „zwei, drei Wackelkandidaten“. Ursprünglich sollten die Gewinner der Konzeptvergabe (wir berichteten) bis Ende 2025 mindestens eine Finanzierungsbestätigung vorlegen.
Mitte Februar gibt es mit den Bauherren in spe Gespräche über den aktuellen Stand. Im Einzelfall, heißt es aus dem Rathaus, bekommen sie eine finale Frist bis Anfang Juni. Die Zeit aber läuft bereits gegen die Akteure: Denn die Wohnungen müssen bis Ende 2028 bezogen sein, ansonsten verfällt die von der BImA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) zugesagte zusätzliche Förderung von 25.000 Euro für jede Sozialwohnung.
25.000 Euro pro Einheit, das könnte der einen oder anderen Initiative über die Schwelle helfen. Wer aber jetzt noch keine Finanzierung beisammenhat, der hat auch zeitlich einen Kraftakt vor sich. Und wenn tatsächlich Grundstücke zurückgegeben – und neu ausgeschrieben – werden müssen, ist die BImA-Förderung auf diesen Flächen wohl dahin.
Weil insgesamt mindestens 250 der 500 Wohnungen als Sozialwohnungen gebaut werden müssen, geht es insgesamt um mindestens 6,25 Millionen Euro Sonderförderung durch die BImA. Die Bundestochter hatte aber andererseits beim Verkauf der Grundstücke ans Rathaus zuvor auch kräftig hingelangt: 21,3 Millionen Euro hatten die

Eins von zwei Stadtbau-Projekten: Auf dem Baufeld MU 3 am westlichen Quartiersrand zwischen Quartiersplatz und Bahnlinie haben MBPK Architekten und die Stadtplaner GmbH den Wettbewerb gewonnen. 31 Wohnungen fasst das vierstöckige Gebäude, das in Holzhybridbauweise erstellt wird.
Flächen gekostet, knapp 950 Euro pro Quadratmeter. Die BImA tritt in Kleineschholz auch selber als Bauherr auf. Sie ist kein Wackelkandidat.
Auch keine sind die Freiburger Stadtbau, die die Bauanträge für zwei Mehrfamilienhäuser mit 49 Wohnungen samt fünfgruppiger Kita für Beschäftigte im Konzern Stadt Freiburg schon eingereicht hat; das Siedlungswerk, das ebenfalls einen Bauantrag für 28 ausschließlich geförderte Mietwohnungen gestellt hat und ein Joint Venture der Unmuessig Bauträger GmbH mit dem Einzelhändler Beckesepp. Das Mietshäusersyndikat hat gleich drei Projekte in Vorbereitung (ElinorOstrom-Siedlungsprojekt Haus 1, Velohaven und Birnbaum).
Zwei Projekte, „LifeLab“ und „Wolke“, gehören zur Dachgenossenschaft Wohnen für Alle.
LifeLab hat noch Mitte Januar die Kampagne „500 X 5000“ gestartet, bei der die Kaufsumme des Grundstücks von 500 Unterstützern mit einem Darlehen über 5000 Euro aufgebracht werden soll. Der Verein will zusammen mit der Freiburger Zimmerei Grünspecht ein fünfgeschossiges Mehrfamilienhaus in Holz-Stroh-Lehmbauweise mit 21 Wohnungen bauen, darunter 14 als öffentlich geförderte. Ein Grundstück hat der Verein Urbanova Club bekommen, auch hier liegt der Bauantrag für 32 Wohnungen, darunter 21 geförderte, auf dem Tisch im Baurechtsamt. Je ein Grundstück haben die Genossenschaften Oekogeno und „WMR – Wir machen Raum“ bekommen, ein weiteres die Gemeinschaftsstiftung Kolpingwerk Deutschland und eines die Aktion Mensch. Das höchste Haus am Quartierseingang an der Lehener Straße will die Genossenschaft „GrünHaus“ erstellen, die dort ein gemeinschaftliches, generationenübergreifendes, ökologisches Vorzeigeprojekt realisieren will.
Kleineschholz ist ein Herzensprojekt von Oberbürgermeister Martin Horn, der das ausschließlich Gemeinwohlorientierte im Quartier aufs Tapet gebracht und auch gegen Skeptiker verteidigt hatte. „Unser gemeinwohlorientiertes Modellquartier mitten in Freiburg wird jetzt ab 2026 konkret. Wir gehen hier neue Wege für bezahlbaren und sozialen Wohnraum ohne Spekulation und Profitmaximierung“, so Horn.
Es wäre gelinde formuliert politisch unschön, wenn nicht nur einem gemeinwohlorientierten Akteur schon vor dem Baubeginn die Puste ausgehen würde. Bauen oder nicht bauen, das ist hier die Frage. Lars Bargmann


Einmal Freiburger Hauptbahnhof bitte. Geschnitten oder am Stück? Am Stück. Die Hannover Leasing GmbH & Co. KG hat das Gebäudeensemble für 88 Millionven Euro an „ein süddeutsches Family Office“ verkauft. Nach Informationen des Magazins BAUEN&Wohnen handelt es sich beim Käufer um die Merckle Gruppe. Eine Anfrage der Redaktion blieb unbeantwortet.
Die vom Baukonzern Bilfinger Berger Ende der Neunziger, Anfang der Nul-
ler Jahre gebaute Bahnhofszeile in Freiburg umfasst rund 32.600 Quadratmeter Mietfläche in zwei Bürotürmen – der höhere mit dem Nachtclub Neko ist mit 66 Metern das höchste Gebäude in Freiburg –, eine Ladenzeile sowie bahnbetriebliche Flächen einschließlich der Bahnhofshalle und der Tiefgarage mit 278 Stellplätzen. Im Gebäudekomplex befindet sich zudem das Freiburger Planetarium.
„Der erfolgreiche Verkauf bestätigt die nachhaltige Qualität des Stand-

orts und die Attraktivität langfristig vermieteter, funktional integrierter Immobilien für institutionelle und private Investoren“, lässt sich Stefan Ziegler, Geschäftsführer bei der Hannover Leasing, in einer Pressemitteilung zitieren.
Der Verkauf bedeute „einen Gesamtrückfluss für die Anleger von bis zu 400 Prozent vor Steuern bezogen auf die nominale Kommanditeinlage“. Und unterstreiche die Expertise der Hannover Leasing als Real-Asset-Investmentmanager.
Auch er hat einen neuen Eigentümer:
Der Bahnhofsturm mit dem Nachtclub Neko ist mit 66 Metern Höhe das höchste moderne Gebäude in der Stadt Freiburg.
Wenn die jährlichen sieben Millionen Euro an Kaltmieten stimmen, was die Immobilien Zeitung berichtet hatte, läge die Rendite des Investments brutto bei knapp acht Prozent. Allerdings verringern die Bewirtschaftungskosten diese Zahl in der Regel deutlich. Die MerckleGruppe hat ihren Hauptsitz in Ulm, ist aber auch in Freiburg mit der Merckle Service GmbH vertreten. Diese Firma ist das Family Office der Gruppe. In Freiburg gehört ihr unter anderem das durch einen verheerenden Großbrand überregional bekannt gewordene Areal zwischen Bebel- und Weißerlenstraße im Gewerbegebiet Hochdorf.
Zur Gruppe, die 2022 rund 2,8 Milliarden Euro umgesetzt hat, gehört in Freiburg auch die Spohn & Knoell GmbH, die zuletzt im Gewerbegebiet Haid einen vierstöckigen Bürokomplex mit 3400 Quadratmetern und eine 1900 Quadratmeter große Produktions- und Lagerhalle erstellt hat. Lars Bargmann





















































So stellen sich die Planer das Neubaugebiet vor. Der Plan zeigt die städtebauliche Figur des Quartiers.
Beim neun Fußballfelder großen Neubaugebiet Hinter den Gärten im Freiburger Ortsteil Tiengen laufen aktuell die Tiefbauarbeiten für die Schmutz und Regenwasserkanalisation. Im April soll der Straßenbau beginnen. Die Erschließung macht nicht wie üblich die Stadt Freiburg, sondern eine Erschließungsgemeinschaft der Grundstückseigentümer. Geplant sind rund 350 Wohnungen für 800 Menschen.
Es ist schon wieder fast acht Jahre her, dass aus einer Mehrfachbeauftragung zur Erarbeitung einer städtebaulichen Idee als Sieger das Architektur- und Städtebaubüro Prof. Trojan+Trojan hervorgegangen war. Das Konzept sieht zusätzlich zu den Wohnungsgebäuden im Zentrum des Quartiers
eine als Spielplatz ausgestaltete Grünfläche sowie ein Kita-Gebäude vor. Der ursprüngliche Zeitplan sah –nach einem Spatenstich im Juni 2024 – den Start der Hochbauarbeiten bereits im vergangenen Jahr vor. Archäologische Grabungen streckten den Zeitplan erneut.
Hinter den Gärten war doppelt umstritten: Auf der einen Seite debattierte der Tiengener Ortschaftsrat zuweilen hitzig und die Tiengener Bürgerschaft wehrte sich mit einer Bürgerinitiative und 1500 Unterschriften vor allem gegen die Dichte des Baugebiets – mit bis zu vierstöckigen und 50 Meter langen
Gebäuden im ansonsten eher dörflich geprägten Ortsteil.
Noch während der Planung wurden aus anfänglich 160 dann 350 Wohnungen. Damit würde die Einwohnerzahl auf einen Schlag von 3400 auf 4200 wachsen. Für Freiburgs Baubürgermeister Martin Haag sind mehr Wohnungen richtig, auch wenn „nicht alle das als positiv“ empfunden hätten. Und andererseits hatte die Stuckert Wohnbau AG von privaten Eigentümern schon für rund zwei Millionen Euro drei Grundstücke mit insgesamt 4600 Quadratmetern gekauft, woraufhin die Stadtverwaltung dazwischengrätschte und dem Bauträger den Grundstücksfang – zum selben Preis – wieder abluchste.
Stuckert gab nicht klein bei, zog vors Freiburger Verwaltungsgericht, verlor
dort aber im Herbst 2022. Die Richter befanden es für rechtmäßig, dass die Stadt dort das Vorkaufsrecht ausübt, wenn sie das Wohl der Allgemeinheit voranstellt, somit schnell Bauland in die Finger bekommt, um viel geförderten und barrierefreien Wohnraum zu schaffen. Und zudem eine hinreichende Realisierungschance besteht. Beides ist gegeben: Die Freiburger Stadtbau wird im Neubauviertel 80 öffentlich geförderte Einheiten bauen. Dessen ungeachtet gehören heute mehr als zwei Drittel der Grundstücke mittlerweile den Bauträgern BL Consilium (Joint Venture von Guido Boehlkau und Stuckert) und der Unmüssig Bauträgergesellschaft. Das Freiburger Rathaus hat lediglich rund zehn Prozent. Für Haag ist Hinter den Gärten deswegen ein wichtiges Baugebiet, weil es in der Ortschaft 350 neue Wohnungen sowohl fürs Eigentum als auch zur Miete geben wird. Und schließlich sei Tiengen eine „hoch attraktive Wohnlage“. Das wiederum ist nicht hoch umstritten.
Lars Bargmann













Eyecatcher am Eck: Ende des Jahres wird beim „The Brick“ aus der Visualisierung Wirklichkeit.


Spektakuläre Aussicht: Bei „The Brick“ gibt es nur noch eine freie Attika-Wohnung.
Der Rohbau ist fertig, die ersten Backsteine (Bricks) sind an einer Fassade zu sehen, die in einem Architektenwettbewerb gekürt wurde: Das Bauvorhaben der Stuckert Wohnbau „The Brick“ setzt an der Ecke Freilade und EugenMartinStraße ein markantes Ausrufezeichen. Rund um Ostern wird das Richtfest gefeiert. Ende des Jahres ziehen die ersten Bewohner ein.
Das Architektenbüro MoRe von Fee Möhrle und Tobias Martin Reinhardt hatte die Jury mit der gleichsam in Stein gemeißelten Fassade überzeugt. „Die Fassade kostet im Vergleich zu einer herkömmlichen Putzfassade einen kleinen siebenstelligen Betrag mehr“, erzählt Claudio Stuckert, der die Geschäfte zusammen mit seinem Bruder Marc und dem routinierten Prokuristen Aribert Frece führt. 23 der 63 Wohnungen haben mittlerweile neue Eigentümer. Aktuell arbeiten die Gundelfinger an einer Musterwohnung, damit sich die avisierte Klientel besser vorstellen kann, wie es sich im The Brick so leben lässt. Die günstigste Wohnung kostet 525.000 Euro, die teuerste knapp zwei Millionen.
5350 Quadratmeter Wohnfläche, verteilt auf zwei Häuser, baut Stuckert rund um einen Innenhof, der sich das Prädikat „hochwertig“ verdienen wird (Planung: Cornelis). Rund 50 Millionen Euro investiert das Unternehmen in sein zweites Projekt auf dem Güterbahnhof, wo auch My Urban Living einen städtebaulichen Akzent gesetzt hat.
Nicht weit weg, an der Lameystraße in Zähringen, hat Stuckert in nur neun Monaten (!) ein Gebäude mit 14 Eigentumswohnungen gebaut – aktuell gibt es nur noch eine mit drei Zimmern. „Da sind wir sehr, sehr zufrieden, wir haben
gegenüber anderen Akteuren in der näheren Umgebung auch vergleichsweise günstige Preise“, sagt Marc Stuckert. Raus aus Freiburg, es geht nach Waldkirch-Kollnau, wo Stuckert acht Eigentumswohnungen am Elzufer baut – und obwohl der Rohbau wächst, nur noch drei auf Käufer warten. Die degressive AfA (5 Prozent) und zinsverbilligte KfW-Darlehen sind für Eigennutzer, aber auch Kapitalanleger interessant.
Noch ein Schauplatzwechsel: In Kenzingen zeigen die Stuckerts, dass sie auch für Familien mit kleinerem Geldbeutel ein ordentliches Angebot haben: Beim Projekt an der Wiesenstraße 11a entstehen in vier Bauabschnitten insgesamt 25 Reihenhäuser mit je 120 Quadratmetern und Preisen ab 515.000 Euro. „In Kenzingen bekommst du ein ganzes Haus mit Garten zum Preis einer Zweizimmerwohnung in Freiburg“, betont Marc Stuckert.
Die Häuser werden nach dem ambitionierten KfW40-QNG-Standard erstellt, bieten nicht nur eine voll eingerichtete Küche, Carport, PV-Anlage und Wärmepumpe – sondern auch staatliche Förderungen und 10 Prozent AfA in den ersten vier Jahren. Im Sommer geht’s los, Ende 2027 werden die ersten zehn Häuser bezogen. Unter den Eigentümern, die bei diesem klimafreundlichen Neubau sehr geringe Strom- und Wärmekosten haben werden, wird dann nicht nur ein Kapitalanleger sein.
Beim geplanten Stadtteil Dietenbach in Freiburg würde sich die Stuckert Wohnbau gerne engagieren, aber nur, sagt Frece, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen. Und da sei ein entscheidender Faktor, wie die Politik die ortsübliche Vergleichsmiete festsetzt. Denn von dieser werden im öffentlich geförderten Wohnungsbau die Abschläge gerechnet. Lars Bargmann


Rund 70 Millionen Euro investiert die Freiburger Stadtbau allein ins Haslacher Projekt Uffhauser Karree. Dafür gibt es 259 barrierefreie Wohnungen in sechs KfW55Gebäuden, eine Kita, eine Tiefgarage mit 149 Stellplätzen für Autos und 550 für Räder, Fernwärme, PVAnlagen, begrünte Dächer und Innenhöfe. Was es aber vor allem gibt: Mieten für 9,50 Euro und 60 Eigentumswohnungen, die stadtweit keinen PreisLeistungsVergleich scheuen müssen.
Wo seit den 50er-Jahren dreigeschossige Häuser mit dem damals üblichen Standard standen, ist der erste von zwei Bauabschnitten mit 130 Wohnungen schon bezogen und der zweite wächst gerade nach oben. Auch die Wohnfläche wächst: von 6000 auf 15.700 Quadratmeter. Zum Vergleich: von einem eigentlich zu kleinen Fußballplatz auf dem Dorf auf zwei Bundesliga-Spielfelder plus zwei Strafräume obendrauf.
In 145 öffentlich geförderten Wohnungen liegen die Mieten bei rund 9,50 Euro, in den 54 frei finanzierten rund um 14 Euro. Und in den 60 Eigentumswohnungen, ein knappes Viertel des Gesamtprojekts, kostet ein fangfrischer Quadratmeter rund 7000 Euro. „Das ist doch eine tolle Sache, dass die

Stadtbau nicht nur Mietwohnungen für den Bestand, sondern als Bauträger auch Eigentumswohnungen baut“, sagt der kaufmännische Geschäftsführer Matthias Müller. Damit dürfte er keine Widerrede ernten.
So sind die ersten 20 Kaufwohnungen im ersten Bauabschnitt allesamt verkauft, bei den 40 im zweiten Bauabschnitt sind bereits kurz nach Verkaufsbeginn fünf verkauft, es gibt weitere Notartermine und zudem noch mindestens eine Handvoll Reservierungen, erzählt die technische Geschäftsführerin Magdalena Szablewska. Zu den Käufern zählen nicht nur Eigennutzer, sondern auch Kapitalanleger oder auch mal erwachsene Kinder, die die Wohnung für die Eltern erwerben. Die Geschäftsführer haben für den Bau der Sozialwohnungen keine direkten Zuschüsse, sondern 25 Millionen Euro an zinsvergünstigten Krediten aufgenommen. Die liegen in der Regel bis zu zwei Prozent unter den marktüblichen. „Für uns als Bestandshalter ist das bei diesem Projekt wirtschaftlicher“, so Müller.
Mehr als 25 Prozent ihrer NeubauWohnungen darf die FSB nach gemeinderätlichem Beschluss nicht verkaufen, auch wenn das rein wirtschaftlich betrachtet besser wäre. „Unser Auftrag ist nicht, hohe Gewinne zu erzielen, sondern möglichst günstigen Wohn-
raum für Freiburg zu schaffen“, sagt Szablewska. Der Auftrag sei auch, „jeden Euro bestmöglich zu investieren mit hohem Nutzen für die Bewohnenden und Freiburg“. Um das kommunale Flaggschiff auf Kurs zu halten, schießt der Gesellschafter, das Freiburger Rathaus, immer wieder Geld und Grundstücke zu – im Wert von etwa 100 Millionen in 10 Jahren. Das Architekturbüro Florian Krieger aus Darmstadt hatte den Wettbewerb fürs Karree gewonnen, weil es die Auf gabe, bezahlbaren Woh nraum zu schaffen und dabei ökologische, soziale sowie ökonomische Aspekte einzubeziehen, „vorbildlich gelöst“ hatte. Aufs Soziale legt auch Szablewska großen Wert: „Wir denken bei unseren Projekten immer auch die soziale Infrastruktur mit, hier haben wir neben einer Kita, Begegnungsräumen für die Bewohner auch Kleinstwohnungen für Obdachlose gebaut.“ Das Rathaus hat in den Sozialwohnungen zudem Belegungs- und Benennungsrechte, kann also aus der städtischen Notfallkartei bedürftige Menschen versorgen. Der zweite Bauabschnitt soll Ende kommenden Jahres fertig sein. Dann wird auf den zweieinhalb Fußballfeldern hochmodern, statt auf dem Dorfkickplatz in 70 Jahre alten Hütten gewohnt.
Lars Bargmann







Verglasungen über den Gebäudecken: An der Stephanienstraße 21 wird es acht luxuriöse Wohnungen geben.
Die Kirschner Wohnbau GmbH aus Freiburg umschifft die Untiefen auf dem Immobilienmarkt mit stark gestiegenen Zinsen, Bau und Grundstückspreisen mit ruhiger Hand und immer wieder neuen Projekten – die sich vor allem an eine Klientel wenden, bei der der Zinsmarkt nur eine Nebenrolle spielt.
Nachdem die „LU 36“ mit 13 exklusiven Wohnungen hoch über dem Freiburger Stadtgarten, das Gebäude Kreuzsteinäcker 15 in Littenweiler und der Anemonenweg 24 in Hoch-Zähringen im Laufe dieses Jahres übergeben werden, hat das Team um Geschäftsführer Dennis Kirschner schon wieder zwei kleine Projekte in großen Lagen kreiert.
An der Stephanienstraße 21 am Lorettoberg – mit weitem Blick über Günterstal – wird Kirschner ein Mehrfamilienhaus mit acht Einheiten bauen. Ebenso acht Wohnungen wird es an der Sickingenstraße 37 in Hanglage am Hörchersberg in Littenweiler geben. Aktuell startet bei beiden Projekten der Vertrieb. „Wir haben bei beiden Bauvorhaben wieder super Lagen bekommen“, sagt Detlef Schuster, Kirschners Vermarktungsspezialist. Am Lorettoberg wird es im vom Freiburger Architekten Thomas Nagel entworfenen KfW-40-Gebäude jeweils vier Wohnungen mit drei oder vier Zimmern geben. Die größte Einheit hat 150, die kleinste 97 Quadratmeter. Das Haus liefert vom Dach Sonnenstrom, mit dem auch eine LuftWärme-Pumpe für Warmwasser und Wärme betrieben wird. Die Tiefgarage verfügt über einen Autolift. Das Projekt in Panoramalage besticht nicht zuletzt mit großen Verglasungen, die sich über die Gebäudeecken legen.
An der Sickingenstraße war es der Architekt Udo W. Hoffmann, der ebenfalls ein KfW-40-Haus mit PV-Anlage und Luft-Wärme-Pumpe geplant hat. Hier gibt es von der Zweizimmerwohnung mit 63 Quadratmetern über drei Dreizimmerwohnungen auch drei Einheiten mit vier Zimmern und 136 Quadratmetern. Da auf dem Hanggrundstück kein Platz mehr für eine Tiefgarage war, können die Käufer ihre Autos in großen Carports unterbringen.
Preislich liegen beide Projekte bei rund 9000 Euro für einen hochwertigen Quadratmeter. Es sind zumeist betuchte Eigennutzer, die die Angebote von Kirschner nutzen. „Wir haben viele Kunden, die keine Finanzierungsbestätigung einer Bank benötigen“, erzählt Matthias Tholl, kaufmännischer Leiter, am Kirschner-Stammsitz auf dem Güterbahnhof. Das 1965 gegründete Unternehmen hat mit kleinen Objekten in guten Lagen erfolgreich eine Nische auf dem Freiburger Immobilienmarkt besetzt.
Noch in diesem Jahr fertig wird das Gebäude am Kreuzsteinäcker, wo es nur noch eine Wohnung (5 Zimmer, 150 Quadratmeter) zu kaufen gibt. Am Anemonenweg sind derweil noch drei Einheiten mit drei oder vier Zimmern zu haben. Zwar sind Kirschners Kunden vor allem Eigennutzer, aber am Ortseingang in Gundelfingen plant das Unternehmen aktuell auch ein Mehrfamilienhaus mit 18 Wohnungen. Und das könnte aufgrund seiner KfW-40-QNG-Zertifizierung und den damit verbundenen Fördermöglichkeiten auch für Kapitalanleger interessant sein.
Ob die Kirschner Wohnbau auch im Dietenbach bauen wird? „Wir sind gespannt, was da an Grundstückspreisen aufgerufen wird“, sagt Tholl. Lars Bargmann







Auf dem GüterbahnhofAreal in Freiburg wächst mit Nestbau³ ein Wohnbauprojekt der besonderen Art heran. Anders als bei klassischen Bauträgern setzt das Projekt auf das Modell der Baugemeinschaft: Künftige Bewohnerinnen und Bewohner schließen sich zusammen, planen ihre Häuser gemeinschaftlich und realisieren ihren Wohnraum.
Der Weg in eine Nestbau-Wohnung ist nicht kompliziert. Dabei wird er zum ganz eigenen kreativen Prozess. Dass mit den Projektentwicklern von Nestbau³ während jedes Schrittes den frischgebackenen Bauherren die nötige Expertise zur Seite steht, schafft genau dafür die nötige Sicherheit.
Die Popularität der Idee der Baugemeinschaft wächst, weil sich Mitstreiter einen hohen baulichen Standard zu verhältnismäßig günstigen Kosten sichern. Und das mit wenig Risiko. Zwar plädieren die Projektentwickler dafür, nur einzusteigen, wenn man finanziell auch eine Preissteigerung von fünf Prozent verkraften könnte.
Doch die anfallenden Kosten sind im Nestbau-Universum vergleichsweise gut kalkulierbar. Und der wichtigste Punkt: Preislich lägen die Immobilien der individuellen Bauherren in der Regel 30 Prozent unter dem, was sie in konventionellem Rahmen für ein vergleichbares Objekt bezahlt hätten, erzählt Nestbau³-Projektentwickler Martin Schurr. Nestbau³ umfasst zehn Wohngebäude mit rund 230 Wohnungen. Die Gebäude gruppieren sich um großzügige Innenhöfe und werden von vier Baugemeinschaften getragen.
Jede übernimmt Verantwortung für Planung, Finanzierung und Bau ihres Projekts und entscheidet zusammen über Ausstattungsstandards und gemeinschaftlich genutzte Flächen. Die Beteiligten sind nicht nur Käufer, sondern aktive Bauherren. Sie treffen Entscheidungen demokratisch, können die Grundrisse der Wohnungen bis zu einem gewissen Grad individuell gestalten. „Es geht fast alles – am Ende des Tages“, sagt Schurr. Während der rund zweijährigen Planungs- und Bauzeit können die Bauherren bei regelmäßigen Treffen zudem schon ihre künftigen Nachbarn kennenlernen. Derzeit sind noch ca. 50 Wohnungen zwischen 40 bis zu 128 Quadratmetern frei. Eine Drei-Zimmer-Wohnung mit 78 Quadratmetern ist beispielsweise mit vergleichsweise günstigen 503.000 Euro kalkuliert. Das Projekt zeigt, wie gemeinschaftliches Bauen auch in großem Maßstab möglich ist – durch klare Strukturen und professionelle Begleitung.
Jannis Jäger
Im Kern grün: Rund um großzügige Innenhöfe sind die zehn Wohngebäude angeordnet.
















Herzenssache Wohnungsbau: 19.200 neue Sozialwohnungen fürs Ländle – jährlich.


Vor allem Jüngere und ältere Menschen gehören zu den Verlierern, wenn es ums Wohnen geht. „Etliche der rund 7010 Azubis in Freiburg wohnen noch bei ihren Eltern. Und das nicht immer ganz freiwillig. Denn eine eigene Wohnung können sie sich oft nicht leisten“, sagt Ilse Bruttel, die Bezirksvorsitzende Südbaden der Industriegewerkschaft BauenAgrarUmwelt (IG BAU).
Das Wohnen werde gerade auch für Azubis mehr und mehr zum Problem. Auch das zeigt, heißt es in einer Pressemitteilung der IG BAU Südbaden, der aktuelle „Soziale Wohn-Monitor“ vom Pestel-Institut, den die Gewerkschaft mit in Auftrag gegeben hat.
„Wenn Ausbildungsverträge am Wohnungsmangel und an zu hohen Mieten scheitern, dann ist das Maß voll. Das kann sich die heimische Wirtschaft nicht erlauben“, so Bruttel. Die IG BAU fordert von Bund und Land, den Neubau von Azubi-Wohnungen zu unterstützen, vor allem im Umfeld von Ausbil-
dungszentren. Bruttel spricht sich dabei auch für Steueranreize aus, wenn ein Betrieb dafür sorgt, dass seine Auszubildenden ein Dach über dem Kopf bekommen. Probleme auf dem Wohnungsmarkt hätten auch Studierende: „Deshalb muss es auch in Universitätsstädten eine gezielte Förderung für den Neubau von Studi-Wohnungen geben.“ Zudem warnt die IG BAU Südbaden vor „Wohnarmut“ im Alter. Rund 22.900 Baby-Boomer in Freiburg gehen nach Berechnungen des PestelInstituts bis 2035 komplett in Rente. Viele Baby-Boomer bekämen nur eine niedrige Rente, weil sie häufig auch für niedrige Löhne gearbeitet hätten. Wenn diese in Rente gehen, würden etliche sich ihre bisherige Wohnung kaum oder gar nicht mehr leisten können: „Sie wohnen sich regelrecht arm.“
Ein wichtiger Schritt zu mehr bezahl baren Mieten seien mehr Sozialwohnungen. „Nur mehr günstiger Wohnraum sorgt für Druck auf die Mieten am Markt. Der Neubau von Sozialwohnungen muss zur politischen
Herzenssache und zur Sache der politischen Vernunft werden“, fordert die Bezirksvorsitzende.
Der „Soziale WohnMonitor“ vom Pestel-Institut nenne dabei eine erste Zielmarke: die Verdopplung von derzeit einer auf zwei Millionen Sozialwohnungen bundesweit bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts. Für Baden-Württemberg bedeute das konkret: „Bis 2035 muss es in ganz Baden-Württemberg 224.400 Sozialwohnungen geben“, so Bruttel. Das sind 19.200 zusätzliche Sozialwohnungen – jährlich.
Um diese Zielmarke bei den Sozialwohnungen zu erreichen, sei eine intensive Förderung durch den Bund und das Land Baden-Württemberg notwendig. Vom Bund fordert die IG Bau, dass die Fördergelder gleich zum Baubeginn bereitstehen und nicht erst über Jahre verteilt ausgeschüttet werden. Vom Land, dass es eine öffentliche Statistik führt: „Es ist wichtig, zu wissen, wo in Baden-Württemberg wie viele Sozialwohnungen pro Monat neu gebaut worden sind.“ chilli
















Beständigkeit aus Holz: 200 Jahre Schreiner-Innung
Als 1826 die SchreinerInnung
Freiburg gegründet wurde, ging es darum, die Interessen der Schreiner gegenüber den Herrschenden und gegenüber anderen Handwerkssparten zu vertreten. Zudem wurde die Ausbildung des Schreinernachwuchses durch die Innungsordnung geregelt.
Auch 200 Jahre später sind die Ausbildung der Gesellen, die Vertretung gegenüber der Zivilgesellschaft und die
Bündelung der Interessen die wichtigsten Aufgaben der Innung. Das Jahr 2026 steht im Zeichen des 200-jährigen Jubiläums, das genutzt werden soll, um den Schreinerberuf noch stärker in die Öffentlichkeit zu tragen.
SCHREINERHANDWERK GESTERN & HEUTE
Schwalbenschwanz und Zinken, Zapfen und Nute sind mit dem Schreinerhandwerk seit Jahrhunderten verbunden. Das traditionelle Schreinerhandwerk hat
sich in den vergangenen 200 Jahren aber weiterentwickelt. Wo früher der Hobel angesetzt wurde, erledigen heute computergesteuerte Schreinermaschinen die Arbeit. Es entstehen perfekt geformte Einzelteile, wie sie von Hand niemals möglich wären. Andererseits erlebt seit einigen Jahren altes, krummes Holz, das früher entsorgt wurde, eine Renaissance.
Der Vielfalt des Berufs ist es zu verdanken, dass das Schreinerhandwerk heute so lebendig ist wie vor 200 Jahren. Damit das so bleibt, wird im Jubiläumsjahr auch der Nachwuchs im Fokus stehen. „Mit unserer 200-Jahr-Feier wollen wir uns auch der jungen Generation präsentieren, die unsere Arbeit vielleicht noch nicht so gut kennt und schätzt“, betont Innungsobermeister Bernd Schwär. Holz sei ein wunderbarer Werkstoff; aus einem Baumstamm lasse sich so vieles schaffen. „Das Ergebnis ist etwas Beständiges, das lange Zeit Freude bereitet.“ Meisterwerke, die die Zeit überdauern. Innungsobermeister Bernd Schwär hat mit seinem Vorstandsteam das Jubiläumsprogramm mit Höhepunkten im Juli (Freisprechung der Gesellen) und November (Galaabend) ausgearbeitet. Schwär steht seit 33 Jahren an der Spitze der Schreiner-Innung Freiburg mit

Freiburg
Foto: © Schreiner-Innung
aktuell 72 Mitgliedsbetrieben, will aber Ende des Jahres auf der Hauptversammlung sein Amt in jüngere Hände legen. Er ist überzeugt, dass nun auch dem Vorstandsteam eine Erneuerung guttäte. „Eine neue Generation ist an der Reihe, die jetzt ihren Weg gehen muss“, so Schwärs Überzeugung.
MEISTERPRÜFUNG WIRD
1570 VERPFLICHTEND
Die Geschichte der Schreiner in Freiburg ist bewegt. Erste Handwerkerzusammenschlüsse entstanden schon bei der Gründung der Stadt Freiburg im Jahr 1120. Im Jahr 1293 erließ Graf Egon der II. die erste Zunftverfassung, die 18 Zünfte vorsah, darunter die Zunft „Zum Mond“, der die Schreiner angehörten. Ab 1338 mussten alle Bürger, die ein Handwerk ausübten, Mitglied einer Zunft werden. 1570 führte man die Meisterprüfung im Schreinerhandwerk ein, die vor der Aufnahme in die Zunft abgelegt werden musste. Am 7. Dezember 1826 genehmigte das „hochpreisliche Ministerium des Innern“ die Handwerksordnung. Die Schreiner-Innung Freiburg wird gegründet. Zwei Jahre später, 1828, löste die Innungsordnung – durch großherzogliche Anordnung – die alte Zunftordnung aus dem Jahre 1293 ab. Seither kümmert sich die Schreiner-Innung Freiburg um die Belange der Schreiner in Freiburg und Umgebung.
Das Jahr 2026 steht ganz im Zeichen des 200-jährigen Jubiläums. Zahlreiche Veranstaltungen laden dazu ein, Geschichte, Handwerk und Kultur zu erleben.
Marianne Ambs
Jubiläumsjahr voller Höhepunkte
Donnerstag, 12. März: Auftaktveranstaltung für das Jubiläumprogramm, Hauptversammlung
Samstag, 9. Mai: Präsentation der Innung auf dem Platz der Alten Synagoge in Freiburg – Handwerk hautnah erleben
Juli: Traditionelle Ausstellung der Gesellenstücke und Exponate der Schreiner-Innung Freiburg. Höhepunkt: die Freisprechung der Gesellen am 30. Juli
Samstag, 17. September: Tag des Handwerks gemeinsam mit der Kreishandwerkerschaft – ein Fest für die ganze Familie
Dienstag, 22. September: „Farben Oper“ –Kultur zur 200-Jahr-Feier
Donnerstag, 22. Oktober: Herbstversammlung mit Neuwahlen, Verabschiedung von Bernd Schwär als Innungsobermeister
Samstag, 14. November: Abschluss des feierlichen Jahres mit einem Galaabend zum 200-jährigen Jubiläum www.schreiner-innung-freiburg.de







Jäger
Fotos: © Jannis
Zum Richtfest kam die ganze Blaulichtfamilie zusammen.

Mit dem Richtfest für den Gebäudeteil H hinter der Hauptfeuerwache an der Eschholzstraße ist das neue Freiburger Rettungszentrum einen entscheidenden Schritt weiter. Vertreterinnen und Vertreter von Feuerwehr, DRK, Maltesern, Bergwacht, DLRG und der Tauchergruppe Pinguine kamen zusammen, um den Rohbau des Multifunktionsgebäudes zu feiern –ein rund 35 Millionen Euro schweres Gesamtprojekt.
Nach rund zehn Jahren Vorlauf soll das Rettungszentrum nun im ersten Halbjahr 2027 in Betrieb genommen werden. Baubürgermeister Martin Haag
zeigte sich beim Richtfest zuversichtlich: Zeitplan und Kostenrahmen würden eingehalten.
Das Raumprogramm ist umfangreich: Eine Fahrzeughalle für DRK und Malteser, eine Sporthalle für die Feuerwehr, Übungs- und Lagerräume, Büros, Sozialbereiche, Lehrsäle sowie ein Speisesaal mit Küche. Eine besondere Rolle spielen die neuen Schulungsräume. Diese werden künftig tagsüber von Stadtverwaltung und Berufsfeuerwehr genutzt, abends stehen sie Hilfsorganisationen zur Verfügung. Damit entfällt die bisherige Praxis, externe Seminarräume für einzelne Termine anzumieten. Zwar entstehen dadurch keine neuen Räume für andere Nutzungen im Stadtgebiet, für die Stadtkasse bedeutet es aber eine spürbare Entlastung: Rund 60.000 Euro jährlich für externe Raummieten werden künftig eingespart.
Oberbürgermeister Martin Horn zeigte sich erfreut ob dieses wichtigen Schritts für die Sicherheit der Freiburger. Gleichzeitig nutzte er die Gelegenheit, um die geringe Förderung durch Land und Bund zu kritisieren. Trotz der hohen Investitionssumme flössen nur geringe Zuschüsse – lediglich 655.000 Euro bestätigte Haag. Der Grund: Das Freiburger Rettungszentrum passe in keine bestehende Förderstruktur. Finanz- und Feuerwehrbürgermeister Stefan Breiter schloss sich der Kritik
an, fügte hinzu: Das Projekt könne zum Vorbild für ähnliche Zentren werden, über Freiburg hinaus. Mit dem Neubau ergeben sich für die Stadt zudem neue Perspektiven an anderen Standorten. So kann das stadteigene Katastrophenschutzzentrum an der Schönauer Straße, in dem bislang DRK und Malteser untergebracht waren, nach dem Umzug grundsätzlich neu genutzt werden, erklärt Pressesprecher Toni Klein. In früheren Beschlüssen war vorgesehen, das Grundstück mit einer Fläche von rund 2570 Quadratmetern zu „verwerten“ und so zur Refinanzierung des Rettungszentrums beizutragen. Auf Basis des Bodenrichtwerts würden Einnahmen von etwa 640.000 Euro erwartet. Inzwischen gibt es jedoch auch Überlegungen, das Gebäude anders zu nutzen: Der Gemeinderat hat bereits Haushaltsmittel für eine Machbarkeitsstudie zu einer möglichen sogenannten „Musikzentrale“ an diesem Standort bereitgestellt. Gespräche dazu sollen in den kommenden Monaten stattfinden.
Weitere Flächen werden ebenfalls frei. Bergwacht und Tauchergruppe Pinguine waren bislang in Garagen an der Tellstraße untergebracht, einer Immobilie der Freiburger Stadtbau. Dieser Mietvertrag endete zum 30. Juni 2025. „Über die weitere Verwendung ist uns nichts bekannt“, so Klein. Zudem haben DLRG und Tauchergruppe Pinguine Flächen in der Katastrophenschutzhalle am Mundenhof aufgege-

Im Rettungszentrum wird es auch Tagungsräume etwa für Schulungen geben.
ben. Dort sind aktuell noch weitere Einheiten untergebracht, die im Laufe des Jahres ebenfalls ausziehen sollen. Danach steht die Halle für die Weiterentwicklung des Mundenhofs zur Verfügung.
Die Einsatzeinheiten von DRK und Maltesern nutzten bislang Räume an ihren jeweiligen Organisationsstandorten. Wie diese Flächen künftig verwendet werden, liegt in der Verantwortung der jeweiligen Organisationen selbst.
Jannis Jäger






Frei nach dem Motto Vertrauen gut, Kontrolle ist besser fahndet etwa der Zoll auf Baustellen nach schwarzen Schafen.
Die Handwerkskammer Freiburg (H WK) baut ihre Maßnahmen zur Bekämpfung von Schwarzarbeit und illegaler Handwerkstätigkeit deutlich aus. Ziel ist ein fairer Wettbewerb, mehr Transparenz sowie eine starke, verlässliche Handwerkswirtschaft in der Region.
„Schwarzarbeit schadet unserem Gemeinwesen, gefährdet Arbeitsplätze und untergräbt das Vertrauen in unser Wirtschaftssystem“, betont HWK-Präsident Christof Burger. „Wir wollen verantwortungsvolle Betriebe schützen und diejenigen unterstützen, die sich an Recht und Gesetz halten.“
Die Kammer hat zwar keine eigenen hoheitlichen Befugnisse zur Ermittlung oder Sanktionierung von Schwarzarbeit, kann aber unerlaubte Handwerksausübung prüfen, dokumentieren und an die zuständigen Behörden weitergeben. Prävention, Kooperation und konsequente Kontrolle bilden dabei die drei zentralen Säulen der aktuellen Initiative.
Der bereits gestartete Runde Tisch zur Bekämpfung der Schwarzarbeit mit der
Stadt Freiburg, dem Deutschen Gewerkschaftsbund, der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FGS) sowie der Deutschen Rentenversicherung soll künftig im halbjährlichen Turnus stattfinden und zu einem regionalen Netzwerk ausgebaut werden. „Wir brauchen alle relevanten Akteure an einem Tisch –nur gemeinsam lässt sich der Druck auf dem Schwarzarbeitsmarkt wirksam reduzieren“, so Burger. Parallel bindet die HWK die Wettbewerbszentrale aktiv in die Bearbeitung von Verdachtsmeldungen ein. Zudem werden Betriebsleiterprüfungen über die Handwerksrolle verstärkt, einschließlich unangekündigter Vor-OrtKontrollen. Eine neue abteilungsübergreifende Projektgruppe innerhalb der Handwerkskammer koordiniert alle Aktivitäten und bringt sie strukturell voran. Auch auf der Website der Kammer wird künftig detailliert über Schwarzarbeit, unerlaubte Handwerksausübung, Rechte und Pflichten informiert. Zudem gibt es eine niedrigschwellige Möglichkeit, Verdachtsfälle zu melden. „Aufklärung ist ein entscheidender
Faktor. Jeder und jede kann dazu beitragen, Schwarzarbeit einzudämmen“, betont Burger.
Auch bundespolitisch kommt Bewegung in die Thematik: Die Novellierung des Schwarzarbeitsbekämpfungsgsetzes sieht eine Modernisierung der Prüfverfahren, einen verbesserten Datenaustausch und die Aufnahme des Friseur- und Kosmetikgewerbes in den Katalog der Schwarzarbeitsbranchen vor.
„Ein wirksamer Kampf gegen Schwarzarbeit ist gesamtgesellschaftlich notwendig“, unterstreicht Burger. „Nur wenn wir Prävention, Kontrolle und gute gesetzliche Rahmenbedingungen zusammendenken, sichern wir faire Bedingungen für das Handwerk und für alle Beschäftigten in unserer Region.“
Die für die Schwarzarbeit zuständigen Zollbehörden haben im vergangenen Jahr Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung mit einem Gesamtschaden von 766 Millionen Euro festgestellt. Branchenübergreifend sind fast 150.000 Straf- und Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet worden. chilli







Mieterverein und Haus & Grund über den Mietmarkt in der Region

Die seit fünf Jahren bestehende Mietpreisbremse wurde im Dezember 2025 um ein weiteres Jahr verlängert. Was davon zu halten ist, wie wenig die Mietpreisbremse sich über die Jahre bewährt hat und was den Mietmarkt in der Region auszeichnet, das haben wir mit Manfred Wolf, dem Vorsitzenden des Mietervereins Regio Freiburg, und Stephan Konrad, dem Geschäftsführer von Haus und Grund Freiburg besprochen.

Wolf schildert, dass Mieterhöhungen nach wie vor auf Platz zwei der Streitigkeiten vor den Gerichten liegen. Tendenz steigend. Man habe beim Mieterverein Neuvermietungsangebote erfasst und festgestellt, diese seien fast alle überhöht. In Gegenden, wo die Preisangebote häufig über den zugelassenen zehn Prozent über dem Mietspiegel lägen, habe man sogar Flugblätter eingeworfen mit dem Angebot, sich kostenfrei den Mietspiegelvergleich erstellen zu lassen – allerdings habe es kaum eine Reaktion gegeben. Letztlich hätten Betroffene vielleicht sogar rückwirkend Miete zurückverlangen können.

Stephan Konrad, Geschäftsführer von Haus und Grund Freiburg, berichtet, dass die Angebotsportale den Markt überzeichnen oder sogar verzerren, denn er wisse über die vielen Mitglieder in ihrer Geschäftsstelle, dass das meiste privat, außerhalb der Portale vermietet würde.
Viele Mitglieder kämen und würden sich informieren, was man verlangen könne, wenn man beispielsweise nach zehn Jahren die Miete anpassen müsse. Der Verband vertritt die kleinen Privatvermieter mit meist ein bis zwei Immobilien, oft
älteren Semesters, und man spüre, dass denen ein gutes Verhältnis mit den Mietern wichtiger sei und Gewinn gar nicht ausschlaggebend sei für das Vermieten.
»Der Schutz der Mietpreisbremse richtet sich gegen die Falschen«
„Wir würden niemals Mitglieder haben wollen, welche es wagen würden, mit unserer Hilfe überhöhte Mieten durchzusetzen. Diesen würden wir gleich die Tür weisen, aber der Schutz der Mietpreisbremse richtet sich gegen die Falschen“, sagt Konrad. Große Wohnbaufirmen und wenige Privatvermieter seien jene mit den überhöhten Mieten. „Man muss ja auch sehen, dass ein Vermieter mit langjähriger gleichbleibender Miete weniger hat als noch vor Jahren. In anderen Bereichen des täglichen Lebens gibt es ebenfalls Preiserhöhungen und da gibt es kaum Aufschreie.“
Das müsse man ins Verhältnis setzen und dabei die große Masse der Mieter im Blick haben und berücksichtigen, dass Freiburg schon immer recht teuer gewesen sei. „Wenn wir über unsere Haus und Grund Immobilien GmbH Wohnungsbesichtigungen für fünf gleichzeitig anbieten, dann erscheint

ungefähr die Hälfte meist nicht, ohne Absage. Da frage ich mich dann schon, wo da die Not ist.“
Wolf setzte dagegen, dass bei Menschen mit niedrigem Einkommen zuweilen 44 Prozent in die Miete fließen, was viel sei. Oft treffe es nebst jungen Leuten eben auch die Rentner, die nicht selten beispielsweise aus Scham die Aufstockung über die Grundsicherung nicht beantragen würden. Eine hohe Miete war zuletzt vor dem Bundesgerichtshof verhandelt worden. Ein Berliner, der über längere Zeit im Ausland war, zahlte selber eine Kaltmiete von 460 Euro, kassierte aber durch Untervermietung zwei Jahre lang monatlich 962 Euro kalt. Der zuständige VIII. Zivilsenat hatte am 28. Januar geurteilt, dass in diesem Falle eine Räumungsklage berechtigt sei: Die Untervermietung sei zur Wahrung der Wohnung bei geänderten Lebensumständen vorgesehen, nicht um diese gewinnbringend unterzuvermieten. „Solche Fälle hatten wir in Freiburg noch nicht, das kommt sicherlich immer wieder einmal in größeren Städten wie Berlin vor,“ sagt Konrad. In seinen Augen seien 95 Prozent der Vermieter und auch Mieter „okay“ und die wenigen anderen seien Ausreißer. Auch Wolf vom Mieterverein sagt, 80 bis 90 Prozent der Mietverhältnisse seien unproblematisch.




Wolf erhofft sich auf dem angespannten Wohnungsmarkt Linderung durch den Bau des Quartiers Kleineschholz und den geplanten neuen Stadtteil Dietenbach. Das unlängst bekannt gewordene Projekt der EGK Projektentwicklungs- und Beteiligungs GmbH aus Köln, auf dem ihr gehörenden Einkaufszentrum in Weingarten 91 Wohnungen zu bauen, sei nachahmungswürdig.
Die Mietpreisbremse sieht er genauso skeptisch wie Konrad: Die Erfahrungswerte würden zeigen, dass sie über die vergangenen fünf Jahre kaum Erfolg gebracht habe. Zudem behindere sie die Investitionsbereitschaft der Vermieter. Konrad legt den Finger noch in eine andere Wunde: Der Klimaschutz und bezahlbare Wohnungen stünden in krassem Gegensatz zueinander. Immer mehr energetische Sanierungen im Bestand zu fördern, mache die Mieten teurer. Viele Mieter wollten aber eher einen etwas niedrigeren Standard und dafür weniger bezahlen.
Sonja Summ




15 Aussteller im HausBauPark
Wer bauen möchte, kann im HausBauPark in Villingen-Schwenningen 15 komplett eingerichtete Musterhäuser in Holzfertigbauweise besichtigen und sich über deren Vorteile informieren und beraten lassen. Beim Rundgang durch diese „begehbaren Baupläne“ können Interessenten herausfinden, welcher Baustil ihnen zusagt und welche Raumaufteilung am besten zu ihren Wünschen, ihrem Grundstück und ihrem Budget passt. Offene Wohnlandschaften mit Frühstücksbar sind ebenso möglich wie Ensuite-Bäder, begehbare Kleiderschränke und – als Option – ein Treppenhaus, in das ein Aufzug eingebaut werden kann. Bei der Planung helfen erfahrene Fachberater, die den Bauwilligen von Anfang an zur Seite stehen. Jedes Fertighaus kann individuell geplant werden. Und auch Eigenleistungen beim Innenausbau sind möglich. Der Holzfertigbau ist nachhaltig und energieeffizient. Die Kombination von optimaler Dämmung und modernsten Heiz-Lüftungssystemen kann ein angenehmes Wohnklima schaffen und Energie sparen. Viele Aussteller bieten Finanzierungskonzepte und einen Grundstücksservice an. chilli
Der HausBauPark ist mittwochs bis sonntags jeweils zwischen 11 und 17 Uhr geöffnet. hausbaupark.de

Der FreiburgS Wirtschaftsimmobilien GmbH & Co. KG (FWI) ist eine weitere namhafte Ansiedlung auf den ehemaligen CerdiaFlächen an der HermannMitschStraße gelungen: Die Tochter der Sparkasse Freiburg und der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH (FWTM) hat ein rund 20.000 Quadratmeter großes Grundstück an die Endress+Hauser Gruppe verkauft.
E+H, ein weltweit führender Anbieter von Mess- und Automatisierungstechnik, setzt damit ein starkes Zeichen für den Standort Freiburg. Auf der Fläche entsteht in den kommenden Jahren ein moderner Unternehmenscampus im sogenannten Green-Industry-Park. Die Gruppe will einen „hohen zweistelligen Millionenbetrag“ investieren. Geplant sind ein sechsstöckiges Bürogebäude mit Schulungsräumen sowie ein zweistöckiges Produktionsgebäude mit Erweiterungsoption – insgesamt mehr als 15.000 Quadratmeter Nutzfläche. „Wir investieren in Zukunfts-
fähigkeit, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit, schaffen attraktive Arbeitsplätze, effiziente Abläufe und Raum für weiteres Wachstum“, so Peter Selders, CEO der Gruppe. Die Firmengruppe, die 2024 mit mehr als 17.000 Beschäftigten 3,7 Milliarden Euro umgesetzt hat, will dort etwa 450 Arbeitsplätze bündeln, die bislang über die Region Freiburg verteilt sind. „Die Ansiedlung von Endress+Hauser ist ein klares Bekenntnis zum Standort Freiburg und ein weiterer Meilen stein für die Entwicklung des Green-Industry-Parks“, kommentiert Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn. Für den FWI-Aufsichtsrat und stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Freiburger Sparkasse, Bernd Rigl, ist die Ansiedlung ein weiterer Beweis dafür, „dass das vor über 30 Jahren gegründete Public-PrivatePartnership-Modell FWI auch in Zeiten zunehmender Flächenknappheit er folgreiche Arealent wicklung und Unternehmensansiedlungen umsetzt.“ chilli















Mehr Verkäufe, mehr Volumen

Die Christian Müller Immobilien GmbH aus Freiburg hat im vergangenen Jahr die Zahl der vermittelten Immobilien um gut 20 Prozent auf 37 gesteigert und auch beim Verkaufsvolumen um 15 Prozent zugelegt. Gründer und Geschäftsführer Müller blickt optimistisch ins neue Jahr und hat seiner jungen Crew mehr Verantwortung übertragen.
„Das war ein sehr ordentliches Jahr und weil wir schon jetzt wieder beim Notar waren, läuft das neue Jahr auch gut an“, erzählt der 63-Jährige in seiner Ende 2022 eröffneten Dependance auf dem Güterbahnhof. Der Immobilienwirt stellt demnächst mit dem fast fertig studierten Felix Burger (22) den ersten hauptberuflichen Marketing-Manager in der fast 20-jährigen Firmengeschichte ein und hat sowohl Sarah Gerlach (25) als auch Frederic Winnewisser (25) zu Senior-Maklern befördert. „Christian bildet hier junge Menschen aus, das ist keine Selbstverständlichkeit. Hier ist das Vertrauen da, das Team arbeitet selbstständig. Wir freuen uns über mehr Verantwortung“, sagt Gerlach. „Ich komme ja aus dem Teamsport, wir fördern junge Menschen und haben unser volles Potential noch gar nicht ausgespielt“, so Müller. Aktuell hat CMI rund 50 Angebote im Portfolio, zur Miete, zum Kaufen, gewerblich oder zum Wohnen. Darunter etwa auch die Eigentumswohnungen im Neubau-Projekt Im Rebgarten in Ehrenkirchen, wo die siebenköpfige CMI-Crew im ersten Bauabschnitt bereits 20 von 30 Einheiten vermittelt hat. Zudem warten an der Haslacher Straße noch zwei Reihenhäuser auf neue Eigentümer. Die Immo-Experten arbeiten aber auch für Bestandshalter, darunter 15, die größere Immobilien haben und immer wieder neue Mieter suchen. Der monatliche Newsletter wird mittlerweile an rund 7000 Empfänger geschickt. Tendenz steigend. bar

Ausgezeichnet: Dreiseithof in Willstätt.
20 Jahre Sennrich & Schneider
Das Büro Sennrich & Schneider Architekten aus Breisach hat Ende vergangenen Jahres gleich zwei renommierte Preise gewonnen: Den Architekturpreis Wein 2025 gab es für die Umstrukturierung des Weinguts Kiefer in Eichstetten, den Preis Beispielhaftes Bauen Ortenaukreis 2020–2025 für den Dreiseithof. Zudem gab es noch eine Auszeichnung fürs Weingut Schätzle in Schelingen.
„Das Anwesen erweckt Neugierde und lädt ein. Neues wurde gestalterisch überzeugend und selbstverständlich in den Altbestand integriert“, urteilte die Jury über das Weingut Kiefer und würdigte „die hohe planerische Leistung der Architekten ebenso wie den Mut der Bauherrschaft für diese städtebaulich wie innenarchitektonisch umfassende Maßnahme“. Der Dreiseithof in Willstätt ist hingegen ein Neubau. „Die Typologie des modern interpretierten Dreiseithofes fügt sich äußerst harmonisch in das bestehende Ortsbild ein. Die Wahl des Flachdachs ist an dieser Stelle mutig, durch das Zurückversetzen des Baukörpers und dem Abrücken von der Straßenkante steht der mittlere Flachdachbau jedoch ganz selbstverständlich im Ensemble und tut sehr gut. Der Ort strahlt eine Lässigkeit aus, welche an jeder Stelle des Hauses spürbar wird“, heißt es in der Begründung der Jury. Grund zum Feiern gibt es auch, weil die Gründer Tobias Sennrich und Mike Schneider in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen begehen. Aktuell arbeiten 43 Menschen fürs Büro, das damit zu den größten im Großraum Freiburg zählt. chilli

Schöner Wohnen
Neue Trendküchen 2026: Design trifft Alltagstauglichkeit

Sozialer Mittelpunkt des Wohnens: Moderne Küchenkonzepte fördern die Kommunikation und laden zum gemeinsamen Kochen ein. Foto: ©
Die Küche ist längst mehr als ein Arbeitsraum. Sie ist Treffpunkt, Rückzugsort und gestalterisches Herzstück des Wohnens. Entsprechend hoch sind die Ansprüche an Design, Materialien und Nutzungskomfort. Die Küchentrends 2026 greifen diesen Wandel auf und verbinden ästhetische Klarheit mit wohnlicher Wärme und intelligenten Lösungen für den Alltag. Natürliche Farben, raffinierte Oberflächen, flexible Layouts und sanfte Formen prägen das Bild moderner Küchen – und zeigen, wie vielseitig zeitgemäßes Küchendesign heute gedacht wird.
NATÜRLICHE FARBEN MIT
EDLEN AKZENTEN
Die Farbwelt der Küchen entwickelt sich 2026 deutlich weg von starken Kontrasten hin zu Harmonie und Ruhe. Warme Beige- und Sandtöne, sanfte Grauschattierungen sowie weiche Grünnuancen bestimmen das Bild. Diese Farben wirken unaufgeregt, zeit-
los und lassen die Küche stärker mit dem Wohnraum verschmelzen. Matte Oberflächen verstärken den natürlichen Charakter und verleihen den Farben eine hochwertige Anmutung. Ergänzt wird diese ruhige Basis durch gezielt eingesetzte Metallictöne. Bronze, Kupfer oder Edelstahl kommen vor allem bei Griffen, Armaturen oder feinen Details zum Einsatz und setzen elegante Highlights. Statt dominant zu wirken, unterstreichen sie die Farbwelt mit einem subtil luxuriösen Touch. In Kombination mit erdigen Tönen entsteht so ein ausgewogener Look, der modern wirkt und gleichzeitig wohnlich bleibt.
MATERIALIEN MIT STIL –SCHÖN, ROBUST, SMART
Auch bei den Materialien steht Natürlichkeit im Mittelpunkt. Holz erlebt 2026 eine kreative Renaissance und wird neu interpretiert. Strukturierte Oberflächen, feine Rillenmuster oder Anlehnungen an klassische Techniken wie das Wiener Geflecht bringen Tiefe
und Lebendigkeit in die Küchenfronten. Diese Details sorgen nicht nur optisch für Spannung, sondern sprechen auch den Tastsinn an – ein wichtiger Aspekt moderner Wohnküchen. Parallel gewinnt die Alltagstauglichkeit an Bedeutung. Anti-FingerprintBeschichtungen und robuste Oberflächen sorgen für langlebige, leicht zu reinigende Küchen. Die Schichtstofffront AURA von Häcker beispielsweise überzeugt mit einer porenlosen, kratzund stoßfesten Oberfläche. Erhältlich in elf Farbtönen und kombinierbar mit passenden Regalen, eröffnet sie vielfältige Möglichkeiten für eine funktionale und zeitgemäße Küchengestaltung.
Die Anforderungen an Küchenlayouts wachsen, insbesondere in urbanen Wohnsituationen. Kompakte Räume verlangen nach intelligenten Lösungen, die jeden Zentimeter sinnvoll nutzen. Multifunktionale Möbel, ausziehbare Arbeitsflächen und smarte Stauraumsysteme sorgen dafür, dass auch kleine Küchen effizient und bequem bleiben. Offene Küchenkonzepte sind weiterhin ein zentrales Thema. Kücheninseln verbinden Arbeitsfläche, Stauraum und Sitzmöglichkeiten und werden zum sozialen Mittelpunkt des Wohnens. Sie fördern Kommunikation, laden zum gemeinsamen Kochen ein und strukturieren offene Grundrisse auf natürliche Weise.
Gleichzeitig gewinnen versteckte Küchen an Bedeutung. Mithilfe von Pocket Doors oder verschiebbaren Elementen lassen sich komplette Küchenzeilen optisch im Wohnraum verbergen. So entsteht ein aufgeräumtes, ruhiges Gesamtbild – ideal für





















Sachlich-elegant: Fronten in Olivgrün-Metallic in satiniertem Negresco verleihen der Küche einen eleganten Style – modern, warm und einladend.
minimalistische oder multifunktionale Wohnkonzepte.
Grifflose Küchen bleiben ebenfalls ein wichtiger Trend. Durchgehende Leisten oder moderne Öffnungsmechaniken sorgen für ein klares, reduziertes Erscheinungsbild und schaffen ein harmonisches, aufgeräumtes Gesamtbild. Das Design wirkt ruhig und elegant, lenkt den Blick auf hochwertige Materialien, stimmige Farben und ausgewogene Proportionen und betont gleichzeitig die Funktionalität der Küche. So verbinden grifflos gestaltete Küchen Ästhetik und Alltagstauglichkeit auf elegante Weise und passen perfekt in moderne Wohnkonzepte.
RUND UND EINLADEND –ORGANISCHE FORMEN
Ein weiterer Wohntrend zeigt sich in der Formgebung. Gerundete Wangen, weiche Kanten und runde, aufgesetzte Arbeitsplatten lösen die strenge Linearität früherer Küchen ab. Diese sanften Formen lassen die Küche harmonischer in den Wohnraum übergehen und betonen den geselligen Charakter offener Konzepte. Gleichzeitig unterstützen sie fließende Bewegungen, sorgen für
eine klare Orientierung im Raum und schaffen eine besonders einladende Atmosphäre, in der Kochen, Essen und Zusammensein mühelos miteinander verschmelzen.
RAUCHGLAS ALS MODERNES STATEMENT
Ein Material mit Geschichte feiert 2026 sein stilvolles Comeback: Rauchglas. Bereits in den 1970er-Jahren äußerst beliebt, zeigt es sich heute neu interpretiert – abgedunkelt, leicht transparent und von zurückhaltender Eleganz. In Oberschränken oder Vitrinen eingesetzt, verleiht es der Küche Tiefe und einen Hauch von Luxus. Besonders raffiniert wirken Lösungen mit Glaslamellen und moderner Climber-Technik, bei der sich Schränke per Bewegungssensor sanft und nahezu geräuschlos öffnen. Der Mechanismus spart Platz und schafft zugleich optimal beleuchteten Stauraum für Gläser, Geschirr oder dekorative Elemente. Fazit: Schöne Küchen entstehen dort, wo Design, Funktion und Wohnlichkeit eine Einheit bilden – individuell, durchdacht und ganz nah am Leben. Michaela Moser

Der klassische Landhausstil zeigt sich 2026 überraschend modern. Rahmenfronten bleiben erhalten, wirken aber schlanker und leichter, während zeitgemäße Farben den traditionellen Charme auflockern. So entsteht eine Küche, die Gemütlichkeit und modernen Stil vereint. Clevere Stauraumlösungen, durchdachte Innenaufteilungen und flexible Schubladensysteme sorgen dafür, dass Funktionalität und Alltagstauglichkeit nicht zu kurz kommen. Materialien wie warmes Holz, matte Lackfronten und feine Metallakzente verleihen den Küchen haptische Tiefe, während klassische Details wie Zierleisten oder Sprossen modern interpretiert werden. Das Ergebnis: eine Landhausküche, die Tradition, Komfort und zeitgemäßes Design verbindet – offen, wohnlich und perfekt an heutige Wohnkonzepte angepasst.




Der Stühlinger Kirchplatz in Freiburg ist kein Ort, der durchgängig für positive Schlagzeilen sorgt. Er ist ein Kriminalitätshotspot. Seit vergangenem August gilt dort deswegen eine Waffen und Messerverbotszone. Eingerahmt wird er auf dem Weg zur Blauen Brücke auf der einen Seite vom Radhaus – und auf der anderen von einer Grünfläche, deren Aufenthaltsqualität der eines Autobahnkreuzes nicht unähnlich ist.
Eine Amsel stöbert im Boden nach Brauchbarem. Ein Stahlzaunelement wurde samt Pfosten umgetreten und wurde beim Fall in die komplette Funktionslosigkeit nur von einem jungen Bäumchen aufgehalten. Ein buchstäblich schräger Anblick. Die Amsel wirft Plastikabfall durch die Luft. Die Grünfläche vis-a-vis vom Radhaus ist keine grüne Oase. Kein Ort für Pärchen. Keiner, um gemütlich auf einer Bank sitzend dem Treiben auf den
Gleisen zuzuschauen. Es ist ein, so könnte man sagen, lost place. Aber einer in attraktiver Lage.
Ein Gedankenexperiment. Man nehme das Rondell mit dem FahrradParkhaus, dem Hermann, den Büros von Gleisnost, Verkehrsclub Deutschland und der Volkshochschule, baue daraus einen Zwilling und setze diesen auf die andere Brückenseite. Dann bräuchte die Kubatur-Kopie noch eine gute Funktion, etwa die eines Hauses des Jugendrechts, für dessen Bau der Freiburger Gemeinderat im vergangenen Mai ja die Hand gehoben hatte. „Ein Haus des Jugendrechts ist ein weiterer Baustein, um rechtzeitig zu intervenieren und junge Menschen wieder auf die richtige Bahn zu bringen“, hatte Oberbürgermeister Martin Horn damals gesagt. Es brauche möglichst kurze Wege für alle Beteiligten. Vor allem solle „so Jugendkriminalität eingedämmt und den jungen Menschen eine bessere Chance gege-
ben“ werden. Kurze Wege zur benachbarten Bundespolizei wären gegeben. Im Zwilling könnte es aber zudem Räume für die Sozialarbeiter geben, die sich auch um die Lage auf dem Kirchplatz kümmern. Nun, Gemeinderat und Stadtspitze würden sicher noch weitere aktuell unbefriedigte Flächenwünsche finden.
Auch – und das sicherlich nicht zuletzt – städtebaulich wäre ein zweites Rondell eine überzeugende Lösung, der den Verlust an dieser „Grünfläche“ überkompensieren würde. Ein zweites Rondell wäre mithin eine doppelt runde Sache. Wer vom Konzerthaus über die Blaue Brücke geht, kann diesen Gedanken haben. Und ihn mal auf die politische Bühne bringen. Das geht sogar ohne journalistische Recherche.
Lars Bargmann
Leserpost mit dem Stichwort „Runde Sache“ an: bargmann@chilli-freiburg.de







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Die Immobiliengesellschaft der Sparkasse FreiburgNördlicher Breisgau hat im vergangenen Jahr 146 Immobilien im Wert von 72,4 Millionen Euro vermittelt. Während die Zahl der Kauffälle im Vergleich zum Vorjahr etwa gleich blieb, erhöhte sich das Transaktionsvolumen um gut neun Millionen Euro. Gebrauchte Immobilien machen 88 Prozent des Geschäfts aus. In dem Segment beobachtete Geschäftsführer Oliver Kamenisch im vergangenen Jahr keine Preissteigerungen.

Zieht Käufer an: Beim Projekt Sommerhöfe in Denzlingen hat die S-Immo schon 18 von 25 Wohnungen vermittelt.
„Bei neueren Immobilien stehen wir in unserer Region fast wieder auf dem Preisniveau wie im Sommer 2021, bevor die Zinssteigerungen losgegangen sind“, erzählt Kamenisch. Die Preise betagterer Immobilien befänden sich dagegen eher in einer Seitwärtsbewegung.
Nach einer neuen Studie von ImmobilienScout 24 im Auftrag des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle nimmt der Preisunterschied zwischen sanierten und unsanierten Gebäuden weiter zu: Demnach sind Objekte mit der Energieeffizienzklasse D im Schnitt 23 Prozent teurer als solche mit den Klassen G oder H. Gebäude mit A- oder B-Ausweisen sind sogar 43 Prozent teurer.
Auf Charts zeigt Kamenisch die Preisentwicklungen in Freiburg: Bei Immobilien mit Baujahren zwischen 1950 und 1990 liegt der durchschnittliche Quadratmeterpreis aktuell bei 4850 Euro. Rund 250 Euro über dem Wert von Mitte
2024. Im nördlichen Breisgau hingegen bei 3450 Euro –ohne die jüngste Preissteigerung.
Der Preis bei Gebäuden zwischen 1990 und 2022 liegt in Freiburg bei 5900 Euro, im nördlichen Breisgau liegt er stolze 1900 Euro drunter. „Man kann erkennen, dass die Nachfrage nach Immobilien in Freiburg bei weiterhin knappem Angebot zu weiter steigenden Preisen geführt hat“, sagt Kamenisch. Im nördlichen Breisgau indes habe insbesondere in den vergangenen zwei Jahren ein größeres Immobilienangebot bestanden – und damit kein so großer Preisdruck.
Das aktuelle Portfolio der S-Immo umfasst 62 Immobilien: Die S-Immo hat drei Neubauprojekte in der Vermarktung: In Freiburg das in diesem Sommer bezugsfertige StadtbauProjekt Metzgergrün im Stühlinger mit insgesamt 24 Wohnungen, wo noch zehn Vier- und Fünfzimmerwohnungen zu haben sind. In Denzlingen das Projekt Sommerhöfe, wo bereits 18 von 25 Eigentumswohnungen neue Eigentümer gefunden haben. Und in attraktiver Hanglage in Waldkirch-Kollnau das im Bau befindliche Wohnen an der Sonnhalde.
Kamenischs Team hat zudem erst vor wenigen Tagen ein weiteres Neubauprojekt im Freiburger Stadtteil St. Georgen am Tiroler Weg mit zehn Eigentumswohnungen (mit zwei bis vier Zimmern und 65 bis 150 Quadratmetern) in zwei Gebäuden akquiriert. In Kürze wird hier der Verkaufsstart erfolgen. Die Quadratmeterpreise liegen zwischen 7500 und 7800 Euro.
Von der neuen Landesregierung erwartet der Geschäftsführer „insbesondere transparente, verständliche, einfache Förderregelungen, auch was energetische Modernisierungen angeht“. Und nicht zuletzt, dass Fördertöpfe auch bis zum Jahresende verfügbar sind und nicht bereits im Sommer ausgeschöpft sind. Lars Bargmann
5. März: „Die Immobilie im besten Licht – Worauf es beim Immobilienkauf ankommt“
26. März: „Die Immobilie bei Trennung & Scheidung“
29. April: „Die Immobilie übergeben oder vererben –Was ist zu beachten?“ (mit der Notarin Swantje Woortmann 21. Mai: „Wohnmarktbericht 2026“ (mit Prof. Marco Wölfle)
Freiburger Stadtmodell im Pop-up-Store

Das StadtModellFreiburg (SMF) ist seit Mitte Januar und noch bis zum 20. Februar in einem PopupStore an der Schusterstraße 24 ausgestellt. Damit wird das Modell erstmals seit längerer Zeit wieder öffentlich sichtbar, niedrigschwellig zugänglich und unmittelbar im Stadtraum verortet. Der gleichnamige, 2012 von Architekten gegründete Verein will die komplette Freiburger Bebauung in Holz im Maßstab 1:1000 nachbilden. Dann wäre das Modell 12 mal 8 Meter groß und bestünde aus 25 einzelnen Platten.
Das SMF ist für Besuche, Anwendungen und Veranstaltungen geöffnet. Es versteht sich als Arbeits- und Dialogort, an dem Menschen diskutieren, vergleichen und gemeinsam über die Stadt sprechen können. Über konkrete Öffnungszeiten wird tagesaktuell auf der SMF-Homepage informiert. Mit der öffentlich sichtbaren Aufstellung des Modells „wird erneut deutlich, welche zentrale Rolle ein dauerhaft zugänglicher Ort für das StadtModellFreiburg spielt“, heißt es in einer Pressemitteilung.
Der Popup Store wird vom Land Baden-Württemberg zur Verfügung gestellt. Der Verein dankt dafür insbesondere Ole Nahrwold, Leiter des Amts Vermögen und Bau Baden-Württemberg, sowie Wolfgang Weisbrod für die engagierte Ermöglichung des Standorts. Wenn die Sanierungsarbeiten an der Schusterstraße beginnen, zieht das Stadtmodell für mehrere Monate ins Amt Vermögen und Bau an der Mozartstraße 58. chilli



















Komplett neue Führung bei der Familienheim Freiburg
Die Baugenossenschaft Familienheim Freiburg hat ein neues Führungsteam. Nachdem sich die Vorstände Anja Dziolloß und Christian Brokate unabhängig voneinander aus persönlichen Gründen entschlossen haben, das Unternehmen zu verlassen, werden Alexander Ehrlacher, Markus Scherrle und Georg Selinger künftig die Geschicke der Genossenschaft leiten.
Im Juli 1997 war Anja Dziolloß zur Familienheim gekommen. Und blickt damit auf eine fast 30-jährige Führungsrolle zurück. Am 31. Januar hat die Vorstandsvorsitzende die Genossenschaft nun aus persönlichen Gründen verlassen. „Der Aufsichtsrat bedauert diese Entscheidung sehr, ist aber dem
Wunsch der Vorstandsvorsitzenden nachgekommen und hat sie von ihren Aufgaben entbunden“, wird die Vorsitzende des Aufsichtsrats, Anita Stilz, in einer Pressemitteilung zitiert.
»Exzellente unternehmerische Leistung«
Die Aufsichtsräte dankten Dziolloß für ihre „exzellenten unternehmerischen Leistungen“, die Familienheim verliere mit ihr eine „weitsichtige Strategin und Führungspersönlichkeit“. Während ihrer Vorstandschaft habe sich die Bilanzsumme der Genossenschaft verdoppelt, die Eigenkapitalquote sei um zehn Prozentpunkte auf knapp 50 Prozent gestiegen. Und
während Dziolloß die Geschäfte führte, hatte sie 274 Millionen Euro Investitionen in den Wohnungsbestand und den Neubau verantwortet. Fast zeitgleich hat sich auch der kaufmännische Vorstand Christian Brokate ebenfalls aus persönlichen Gründen entschlossen, seinen Stuhl Ende März zu räumen. Der Aufsichtsrat dankte auch Brokate für die geleistete Arbeit im Dienste der Genossenschaft. Für den technischen Bereich ist bereits seit Anfang November Markus Scherrle zuständig. Der gelernte Bauingenieur war bis Mai 2023 knapp sieben Jahre lang Geschäftsführer der Ganter Grundstücksgesellschaft und arbeitete zuletzt bei der Sick AG als Immobilienmanager: „Ich freue mich sehr, zukünftig meinen Beitrag zu mehr
bezahlbarem Wohnraum in Freiburg und Umgebung leisten zu können.“ Als neuer kaufmännischer Vorstand und damit Nachfolger von Brokate konnte Alexander Ehrlacher gewonnen werden. Der ist bei den Genossen kein Unbekannter, war er doch zwischen 2016 und 2023 schon im Vorstand der Genossenschaft tätig, bevor er sich einer neuen Herausforderung in der digitalen Dienstleistungsbranche stellte. Um einen möglichst reibungslosen Übergang zu gewährleisten, hat Ehrla-

cher seinen neuen Job bereits am 1. Januar angetreten und wird zukünftig auch den Vorsitz des neu formierten Vorstands übernehmen. „Mir ist bewusst geworden, dass man im baugenossenschaftlichen Umfeld vor Ort viel mehr bewegen kann als in der digitalen Welt“, so Ehrlacher. „Umso mehr bin ich froh darüber, dass man mir die Chance gegeben hat, wieder zurückzukehren.“
Ergänzt wird der neue hauptamtliche Vorstand durch einen nebenamtlichen

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Vorstand, Georg Selinger. Er war bis zu seiner Pensionierung Vertriebsvorstand einer Sparkasse im Freiburger Umland und bringt die von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) für den Betrieb der genossenschaftlichen Spareinrichtung geforderten Qualifikationen mit. „Ich bin sehr froh, dass wir mit den neuen Vorständen eine gute und tragfähige Lösung für die zukünftige Leitung der Genossenschaft gefunden haben“, so Stilz. bar
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Der Gamechanger auf dem Wohnungsmarkt wäre bei den Baukosten zu finden
Was wohl Alfred Büchi zum Bauturbo sagen würde?
Der Schweizer hatte den Turbolader erfunden und ihn 1905 zum Patent angemeldet. Im Prinzip bringt der Turbo aktiv mehr Luft in den Zylinder. Der Bauturbo der Bundesbauministerin Verena Hubertz ist vielleicht keine Luftnummer, aber er suggeriert etwas, was Gesetze gar nicht leisten können. Und ihm fehlt auch noch etwas Entscheidendes: das Aktive.
Ein Bauturbo, der seinem Namen alle Ehren machen würde, wäre ein Turbo beim Bauen. Und nicht einer, der Kommunen in der Bauleitplanung neue Spielräume eröffnet. Freiburgs Baubürgermeister Martin Haag macht keinen Hehl daraus, dass der Bauturbo kein Gamechanger ist. Wenn es ums Bauen geht, ist er eigentlich nur eine Randnotiz. Der BauMotor stottert nicht, weil er einen Turbo braucht. Er stottert, weil es einen regenwaldartigen Dschungel von Vorschriften gibt und weil sich –nicht zuletzt deswegen – die Baukosten
allein zwischen 2010 und 2022 um 64 Prozent erhöht haben. Diese Zahl ist keine Luftnummer, diese Zahl hat Ende Januar das Bundesamt für Statistik veröffentlicht. Die Inflationsrate ist übrigens im selben Zeitraum „nur“ um 25 Prozent gestiegen.
Und der BauMotor stottert zuweilen auch, weil die Genehmigungsbehörden oft zu lange brauchen, um Bauanträge zu genehmigen. Hauptsächlich, weil es an Personal fehlt, manchmal aber auch an Fachkenntnis und Routine. Ein Bauturbo richtet da gar nichts aus. Ein kleines Beispiel über die Wirkungsmacht des Bauturbos in der Region: Der Gemeinderat in Stegen hat unlängst beschlossen, den Bauturbo für Dachaufbauten anzuwenden, die maximal die Hälfte der Dachbreite betreffen und das auch nur dann, wenn die bestehenden Höhen von Traufen und First der Gebäude dabei nicht überschritten werden. Dazu passt der Begriff Turbo etwa so trefflich wie der Begriff Techno zum Ruhebereich einer Sauna. Der badenwürttembergische Landesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) forder-
te unlängst von der Politik anlässlich der anstehenden Landtagswahl „weniger Hürden und mehr Realitätssinn“. BFWGeschäftsführer Gerald Lipka bringt das Thema auf einen simplen Punkt: „Bezahlbares Wohnen erfordert bezahlbares Bauen.“
Dazu könnten auch die finanzierenden Banken beitragen, doch das Einfordern von hohen Vorvermarktungsquoten, Eigenkapitalanteilen und Risikoaufschlägen ist eher Team Bremse denn Team Turbo. Es müsse, so der Verband, einerseits zeitnah ein praxisnahes Gesetz zum Gebäudetyp-E her und andererseits „auf überzogene Goldstandards verzichtet“ werden.
BadenWürttemberg solle die Grunderwerbsteuer für Ersterwerber senken, wie dies bereits andere Länder machten. Die Landesbauordnung müsse mit Erleichterungen auch für den Neubau weiter reformiert, und die Eigentumsbildung – etwa durch Eigenkapital ergänzende Landesbürgschaften – gezielt gefördert werden. Die Frage, die der BFW nicht stellt: Warum braucht es in Deutschland 16 Landesbauordnungen?
Lars Bargmann




