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Marco Tutino, Falscher Verrat

Page 1


©Casa RicordiMilano

FALSCHER VERRAT

Oper in zwei Akten

über den Kieler Matrosenaufstand von 1918

(2017)

Libretto von Luca Rossi und Wolfgang Haendeler

PARTITUR

RICORDI

©Casa RicordiMilano

Auftragswerk der Oper Kiel

PERSONEN:

LOLA, eine Hure, vormals Henriette (lyrischer Sopran)

ELSA VON STAHL, Gattin von Arno von Stahl (Mezzosopran)

GABRIEL JENSEN, ein junger Heizer auf der „Helgoland“ (Tenor)

HELMUT SCHULZE-ROHR, Oberleutnant der Marine (Tenor)

ARNO VON STAHL, Korvettenkapitän (hoher Bariton)

RICHARD, ein Matrose und Freund Gabriels (Bariton)

BARMANN (Bariton)

RUFUS KROPP, Admiral der Marine und Elsas Vater (Bass)

ZWEITER UNTEROFFIZIER (Tenor)

DRITTER UNTEROFFIZIER (Tenor)

ERSTER UNTEROFFIZIER (Bariton)

VIERTER UNTEROFFIZIER (Bass)

Chor:

MATROSEN UND HEIZER DECK- UND UNTEROFFIZIERE

HUREN

AUFSTÄNDISCHE (Frauen und Männer)

SOLDATEN DER KAISERLICHEN MARINE

Die Handlung spielt in Kiel 1918 gegen Ende des ersten Weltkrieges.

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ORCHESTER:

Kleine Flöte

2 Flöten

2 Oboen

Englishhorn

2 Klarinetten in B

Bassklarinette in B

2 Fagotte Kontrafagott

4 Hörner in F

3 Trompeten in C

3 Posaunen Basstuba

Pauken

Schlagzeug (2 Spieler): Große Trommel, Hängendes Becken, Becken, Rototoms, Tamtam, Kleine Trommel, Röhrenglocken, Schuss.

Harfe

Streicher

1

©Casa RicordiMilano

AKT 2

Marco Tutino

FALSCHER VERRAT

Oper in zwei Akten

Libretto von Luca Rossi und Wolfgang Haendeler

AKT 1

Szene 1 –An Bord der „Helgoland“

Große Trommel

An Bord der SMS Helgoland, einem der Hauptkriegsschiffe der Deutschen Hochseeflotte. Eine Gruppe von Matrosen und Heizern versammelt sich an Deck. Bootsmänner rufen laut Befehle und blasen in ihre Trillerpfeifen, während die Matrosen sich aufstellen.

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AlleMannherhören!

HiersinddieneuenMengenvor

Die Matrosen stellen sich in Reihen auf; sie murren verächtlich und ironisch, aber auch hoffnungsvoll: Werden ihre Rationen erhöht?

©Casa RicordiMilano

Arno blickt die Meute an und lässt sie mit einem Blick verstummen. Als die Männer aufhören zu murren, wendet er sich wieder dem Papier zu.

großzügig!

großzügig!

J œn ˙ großzügig!

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Oh,wie

Oh,wie

großzügig!

©Casa RicordiMilano

Arschtrittund

Arschtrittund

Arschtrittund

Große Trommel

GABRIEL

(laut rufend, um sich Gehör zu verschaffen)

Ein junger Heizer, Gabriel, macht einen Schritt nach vorne und spricht Arno an. Jeder schaut auf ihn.

Darfichetwasdazusagen?

SeitdemBeginndesKrieges

RicordiMilano

Gedemütigt und zugleich ängstlich, dass sie bestraft werden könnten, beginnen die Männer, die Reihen aufzulösen. Aber Gabriel wendet sich erneut an Arno und zieht einen Zettel aus seiner Tasche hervor.

brauchezweiTageUrlaub,um

Immernochaufmüpfig?

Gabriel geht auf Arno zu und zeigt ihm das Telegramm. Arno blickt kurz auf das Stück Papier.

Arno schlägt seine Hacken zusammen, salutiert und geht; er verschwindet in einer Kabinentür. Militärische Disziplin zwingt Gabriel, seinem Vorgesetzen ebenfalls zu salutieren, während die anderen Männer die Reihen auflösen und sich wieder ihren Aufgaben zuwenden. Ein Matrose, Richard, tritt mit einer Bürste und einem Eimer an Gabriel heran und reicht sie ihm mit einem aufmunternden Lächeln.

Dabinichmirnichtsosicher,

Daswarrichtigvondir,

Richard umarmt Gabriel kurz, dann geht er ab. Gabriel beginnt, das Deck zu schrubben. Eine junge Frau kommt über die Gangway gelaufen, die zum Dock führt. Sie ist sehr hübsch und sexy gekleidet, augenscheinlich eine Prostituierte; sie überquert das Deck und verschwindet in derselben Kabine, in die Arno gegangen ist. Gabriel schaut ihr nach, schüttelt verächtlich seinen Kopf und macht sich wieder an die Arbeit. Kurz darauf kommen zwei weitere Mädchen, noch attraktiver und aufreizender als die erste. Gabriel hält mit seiner Arbeit inne und schaut ihnen nach, während sie lachend und schwatzend über das Deck gehen und ebenfalls in der besagten Kabine verschwinden. Dann kommt eine vierte Dame, sie ist die hübscheste von allen. Aber es ist nicht ihre Schönheit, die Gabriel erstarren lässt, sondern die Tatsache, dass er sie sofort erkennt.

Lola entfernt sich von Gabriel und geht – einer Königin gleich – zur Kabinentür. Gabriel sieht ihr nach, immer noch lächelnd, träumend, während in der Kabine allmählich das Licht angeht und sich die Kabine als das Offizierskasino entpuppt.

(Ortswechsel: Im Offizierskasino)

Arno steht milde lächelnd gegen eine Wand gelehnt, trinkt etwas und schaut zu, wie sich Oberleutnant Helmut Schulze-Rohr und zwei andere Offiziere mit den drei Prostituierten amüsieren. Sie essen, trinken, reden, lachen und tanzen zu der Musik eines Grammophons und küssen sich.Die Prostituierten sind schon halb nackt, eine von ihnen tanzt auf dem Tisch, Schulze-Rohr küsst deren Fuß, als Lola hereinkommt. Sie schaut umher, den Raum beherrschend, vollkommen gelassen.

(zu Schulze-Rohr, dem Oberleutnant)

(lässt den Fuß der Prostituierten

Mit einer kurzen Drehung packt Schulze-Rohr Lola und beginnt, mit ihr zu tanzen. Nach ein paar Schritten versucht er, sie zu küssen, aber sie entzieht sich ihm graziös und elegant, lächelt und tanzt ein paar Schritte alleine, bevor sie von einem Offizier gepackt wird, der Schulze-Rohrs Manöver wiederholt, mit ihr tanzt und versucht, sie zu küssen. Wieder entwischt sie auf dieselbe Weise, nur um in den Armen des nächsten Offiziers zu landen, der genau dasselbe unternimmt, bis Lola vor Arno landet, der immer noch still steht, nur lächelt und sie beobachtet. Er bewegt sich nicht, er verhält sich nicht wie die anderen, und das überrascht Lola.

allererstsindwirim

Krieg.

Lola fängt an zu lachen, während die anderen sich schon wieder ihrem Vergnügen widmen.

Heizerbestrafen.

Mehrnicht.

liegtimSterben:

? & & B ? ?

RicordiMilano

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Sie lehnt sich an ihn, packt seine Jacke, zieht ihn an sich und beginnt, ihn zu küssen. Überwältigt und erregt erwidert Arno leidenschaftlich ihren Kuss. Sie beginnen sich zu umarmen und ihre Leiber aneinander zu reiben. Die anderen Paare im Hintergrund kümmern sich nicht darum, sind mit ihren eigenen Spielen beschäftigt.

So bemerkt niemand, dass sich auf der Rückseite des Zimmers eine Tür öffnet und Admiral Rufus Kropp hereinkommt.

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Die Männer unterbrechen sofort ihr Tun. Verlegen versuchen sie, sich und ihre Sachen in Ordnung zu bringen, dem Admiral zu salutieren und verharren dann in der Stillgestanden-Position. Rufus, der offensichtlich weiß, was hier vor sich geht – und dass es nicht das erste Mal ist –, schüttelt leicht den Kopf, nimmt aber die Situation mit einer Art von weisem Sarkasmus.

ZurückmitdenPferdcheninihre

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Die Huren nehmen sofort ihre Kleider und gehen. Sie verschwinden auf der dunklen Seite der Szene, wo sich das Deck befindet, auf dem Gabriel seine Strafarbeit verrichtet.

Lola, die einzige, die noch vollständig bekleidet ist, nimmt sanft Arnos Hand. Er hält ihre Hand einen Moment zu lange, um sie dann mit sanfter Wehmut loszulassen. Dann geht sie ab. Rufus sieht diese Geste und auch den Blick, den die beiden sich zuwerfen: ein zu tiefer Blick für eine Hure und einen Offizier. Noch schlimmer: Arnos Blick folgt Lola, als sie hinaus geht. Rufus schaut Arno streng an.

Offiziere sind überrascht, Arno noch mehr als

linführenbereitsFriedensge

NurfürdieEhredesVaterlandes?

Große Trommel

(mit Genugtuung)

horchen.

Augenblickzögern,selbstmeinen

Standgerichtzubringen.

Verstanden?

Arno ist in die Ecke gedrängt; wenn er noch mehr sagt, würde er der Meuterei angeklagt werden. Aufgebracht und wütend verlässt er den Raum, ohne seinem Vorgesetzten noch einmal zu salutieren.

Der Raum wird langsam dunkel, während das Licht an Deck wieder angeht. Arno tritt aus der Tür, immer noch aufgebracht. Er will gerade zu seiner Unterkunft gehen, als er Gabriel sieht, der seine Strafarbeit ableistet und das Deck schrubbt. Einem Gedankenblitz folgend hält Arno inne.

Papier.

HieristdeinPassierscheinfürachtundvierzigStunden.

Gabriel ist verwirrt und traut seinen Augen kaum. Er bleibt mit dem Papier in der Hand stehen und sieht Arno nach, der – immer noch erregt und wütend – abgeht.

Ein Chor der Matrosen füllt die Zeit des Szenenwechsels.

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MannindenMatten.

MannindenMatten.

MannindenMatten.

MannindenMatten.

NachtunterDeck

NachtunterDeck

NachtunterDeck

NachtunterDeck

©Casa RicordiMilano

AtemundSchweiß.

AtemundSchweiß.

AtemundSchweiß.

AtemundSchweiß.

hörenSirenen,

hörenSirenen,

hörenSirenen,

hörenSirenen,

kreischenimNebel.

kreischenimNebel.

kreischenimNebel.

schwerenMaschinendes

schwerenMaschinendes

©Casa RicordiMilano

immerallein.

immerallein.

immerallein.

lein,nochimTode,

lein,nochimTode,

lein,wenndieKugel

lein,wenndieKugel

Herzunszerfetzt.

Herzunszerfetzt.

Herzunszerfetzt.

leineamAbend,

leineamMorgen,

leineamMorgen,

leineamMorgen,

©Casa RicordiMilano

leinefürimmer,al

(Dämpfer vorbereiten)

RicordiMilano

©Casa

Das Licht geht an in einem eleganten Salon, in dem einige imposante, dunkle Porträts von Arnos Ahnen hängen. Arno hat das Schiff verlassen; er spricht erregt mit seiner Frau Elsa, Rufus’Tochter. Er ist immer noch wütend und läuft aufgeregt im Raum auf und ab. Sie versucht, ihn zu beruhigen.

Szene 2 –Arnos Haus bei Nacht

RicordiMilano

dirselberschützen.

(scheinbar verständnisvoll, mütterlich)

Elsa geht in die Ecke des Zimmers zu einem Tisch, auf dem ein paar Flaschen stehen. Sie nimmt eine Flasche Portwein, schenkt ein Glas ein und bringt es Arno.

©Casa RicordiMilano

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Elsa wird ernst, sie geht auf Arno zu und streichelt ihn zärtlich.

RicordiMilano

©Casa RicordiMilano

Elsa deutet ihm an innezuhalten und nimmt ihre Geige zur Hand. Sie beginnt, etwas von Bach zu spielen. Sie spielt sehr gut, bricht aber plötzlich mitten im Spiel ab.

RicordiMilano

aus der Haut fahrend)

Stecktdasineuren

einem Anfall von Wut schleudert er das Glas an die Wand, es zerbirst in tausend Stücke.

Arno nickt mit dem Kopf und atmet heftig. Ohne ein weiteres Wort dreht er sich um und verlässt das Zimmer. Elsa will ihm folgen, bleibt dann aber hilflos stehen.

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Szene 3 – Haus von Gabriels Mutter

Röhrenglocken

Das Licht im Raum erlischt und geht auf der anderen Seite der Bühne an: ein sehr anderer Innenraum, das Haus von Gabriels Mutter. Ein sehr einfacher Raum, ärmlich, kaum möbliert: ein altes Sofa, ein Tisch, ein Ofen, ein kleiner Schrank. Gabriel räumt ein paar einfache Dinge weg, die seiner Mutter gehörten: einen Schal, ein Foto von ihr als junger Frau, ein Holzkreuz. Er öffnet eine Schublade und findet einen kleinen Teddybären: alt und abgenutzt, aber er erkennt ihn sofort. – Gabriel fällt auf die Knie. Teddy, Schal, Kreuz und Bild fallen zu Boden, und er beginnt, leise zu weinen. Er lehnt seinen Kopf gegen den Schrank und fängt an, ein Gebet zu flüstern.

Frauen,undver

Plötzlich klopft es an der Tür. Gabriel öffnet sie, und Lola steht vor ihm. Er schaut sie verblüfft an.

Ichdurftenicht

die Tränen auf seinen Wangen und berührt sanft sein Gesicht)

rechtzeitigfort.

(sie tritt ein und sieht das Bild von Gabriels Mutter. Sie hebt es auf, mit Tränen in den Augen)

zog,umden

Groschen.

vorbereiten)

(sie lässt das Bild fallen)

RicordiMilano

(ihn etwas ungläubig anlächelnd)

liebt!

æ Er zieht sie an sich und küsst sie leidenschaftlich. Lola wird von seinem „Angriff“ überrascht, aber dann überlässt sie sich Gabriels Umarmung und erwidert seine stürmische Zärtlichkeit.

Berührt umarmt sie ihn wieder, und sie küssen sich. Da klopft es plötzlich an der Tür, und sie lassen voneinander ab.

(fassungslos)

Gabriel zuckt mit den Schultern. Er öffnet die Tür und ist überrascht: Es ist Arno, sein Kapitän. Arno tritt ein.

Ich.LassenwirdieFormalitäten,

dichgesprochen.

(überrascht und etwas misstrauisch)

Kapitän?!

GABRIEL

UndeinengutenGe

(barsch; bemüht, schnell zur Sache zu kommen)

schneller,alsduesfürmöglich

ÜbermorgenwirddiegesamteHochsee

flottegegenEngland

auslaufen,inihrVer

GABRIEL

FeuerindenKesselnlöschen,an

LandgehenundgegendieSoldaten

EsisteinlegitimerGegen

& & ? & & ? ? & ? & V & & & ? ?

(ihn unterbrechend)

Duhastesselbstgesagt:WirhabendieWahl!

DasisteinneuerAnfang!

(er lächelt glücklich und umarmt sie)

Duhastrecht,Lola.

IchkämpfefürunsergutesLeben.

(2. Spieler Dämpfer vorbereiten)

(er küsst sie)

Ichmussmichbeeilen.

LebeninGabrielsHändegelegt.

Männerzubetrügen,istmeintäglich

RicordiMilano

Arno greift sie am Handgelenk und zieht sie zu sich, sodass sie auf seinen Schoß fällt. Sie ist überrascht, reagiert beinahe ängstlich, aber Arno lächelt sanft.

RicordiMilano

Er küsst sie. Sie sträubt sich für einen Moment, aber dann gibt sie sich ihm hin und küsst ihn ebenfalls. Sie löst sich jedoch schnell von ihm und steht verschämt auf.

Nein,

Sie entfernt sich von ihm, und ihr Blick fällt zufällig auf den Tisch, wo sie den von Gabriel vergessenen Passierschein sieht.

sagt:Dubist

Dieses Mal ist es Lola, die Arno ergreift, sie küsst ihn leidenschaftlich. Sie umarmen sich und fallen aufs Sofa. Lola sitzt wieder auf Arnos Schoß, aber dieses Mal übernimmt sie die Initiative und beginnt, sich auszuziehen. Wir sehen ihren nackten Rücken, während Arno schon seine Jacke und Hose aufgeknöpft hat. Er küsst und berührt sie; in einem Rausch des Begehrens beginnen sie, miteinander zu schlafen.

©Casa RicordiMilano

Von der anderen Seite der Bühne kommt Gabriel herangestürmt. Er atmet schwer, er ist den ganzen Weg zurückgerannt, als er bemerkte, dass er seinen Passierschein vergessen hatte.

Gabriel erreicht das Haus seiner Mutter und schaut durch das große Fenster neben der Tür. Er sieht, wie Arno und Lola miteinander schlafen. Er erstarrt. Er fällt auf die Knie und kann seinen Augen kaum trauen. Er hält die Luft an und schüttelt verzweifelt den Kopf. Dann beginnt er zu weinen.

Szene 1 –An Bord der „Helgoland“ (Arbeitszimmer vonAdmiral Kropp)

Admiral Rufus Kropp ist in seinem Arbeitszimmer und spricht mit seiner Tochter Elsa über das Verhalten ihres Mannes Arno.

RicordiMilano

&

& B

? & ? & & B ? ?

derben.

(aufgeregt)

(sie unterbrechend)

Lassmichmitihmreden.

Herein.

Sie werden durch ein Klopfen an der Tür unterbrochen. Rufus dreht sich zur Tür.

Oberleutnant Helmut Schulze-Rohr tritt ein.

Sollvortreten.

Rufus ist überrascht und beginnt sich zu sorgen.

©Casa RicordiMilano

(zu Elsa, auf eine Tür zeigend)

Bittewartesolangein

Während Schulze-Rohr geht, um den Heizer zu holen, dreht Rufus sich zu Elsa.

Schulze-Rohr öffnet die andere Tür und lässt Gabriel eintreten, dann schließt er die Tür und verschwindet. Gabriel schlägt seine Hacken zusammen und salutiert.

©Casa RicordiMilano

Wie eine Furie stürzt Elsa plötzlich in den Raum.

noch größerer Empörung)

Elsa schaut ihn entgeistert an, Rufus springt wütend auf.

Trp.1.2.
Trp.3.

SoldunddeineigenesBü

Gattinbeleidigt.

Rufus nickt zustimmend und schaut Gabriel geradewegs in die Augen.

Das Licht im Zimmer wird langsam dunkler, während Gabriel aufsteht und zur Tür hinausgeht. – Das Licht an Deck geht langsam an; eine Gruppe von Matrosen und Heizern arbeitet an Deck, sie räumen eine große Ladung Kohlen und Munition von einem Behälter in die Lagerräume. Sie sind schwarz von Kohlenstaub: Unter ihnen ist Richard, Gabriels Freund.

täglichHunger,

Dienstmitleerem

Schlacht,

Kampf,

Kampf,

wennausder

wennausder

Richard hält plötzlich inne: Er hat Gabriel gesehen, der eine Tasche tragend näher kommt.

jederdenkt,ein

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jedermeint:„Oh,

J œ . J œ wiegemeinund

hässlich!“

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J

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j

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j œ# j œ œ j wiegemeinund J œ# J œ . J œ wiegemeinund

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hässlich!“

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J

Wir

Hurensagen

j

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Hurensagen

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Hurensagen

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& & & ? & & ? & & & & & & B

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j

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dir’sinsOhr:„Die

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dir’sinsOhr:„Die

Sünde,dieist j œ jœ# Sünde,dieist j œ# j

Sünde,dieist j œ

Sünde,dieist

lässlich.“

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J œ Wer

j œb Wer

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©Casa RicordiMilano

immersagt:„Ich

immersagt:„Ich

immersagt:„Ich

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liebedich!“Der

Schwuristschnellge

brochen.

liebedich!“Der

Schwuristschnellge

brochen.

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Schwuristschnellge

j

brochen.

liebedich!“Der

Schwuristschnellge

brochen.

Kein

j Kein

Kein

j Kein

Ringschütztvorder

Ringschütztvorder

Ringschütztvorder

HureKuss,was

HureKuss,was

HureKuss,was

vorherauchver

sprochen.

sprochen.

sprochen.

HureKuss,was

RicordiMilano

sprochen.

aufderWeltdie

aufderWeltdie

wahreLiebge

funden.Drum

wahreLiebge

funden.Drum

wahreLiebge

wahreLiebge

findeTrostbei

j

findeTrostbei

findeTrostbei j

findeTrostbei

unsfüreinpaar

unsfüreinpaar

Stunden.

Stunden.

Stunden.

Stunden.

trug,Verrat?

trug,Verrat?

trug,Verrat?

trug,Verrat?

©Casa RicordiMilano

nurdesWürfels

Augen.Und

nurdesWürfels

Augen.Und

nurdesWürfels

Augen.Und

Augen.Und

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machdieEinsge

j œ. j œ machdieEinsge J œ J œ j œ machdieEinsge j

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machdieEinsge

schwindzurSechs,dann

schwindzurSechs,dann j

schwindzurSechs,dann

wirddasLosdir

wirddasLosdir

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& & & ? & & ? ? & ? & & & & & & B ? ?

taugen.Denn

taugen.Denn

taugen.Denn

Nachtzuuns,dann

Nachtzuuns,dann

RicordiMilano

ginnen.

ginnen.

Nachtzuuns,

Nachtzuuns,

wirddeinGlückbe

ginnen.

wirddeinGlückbe

ginnen.

Gabriel sitzt trinkend an der Bar. Im Hintergrund sitzen ein paar Matrosen mit einer Prostituierten an einem Tisch, sie reden und trinken. Gabriel ist offensichtlich betrunken.

Die Matrosen und die Prostituierte drehen sich zu ihm um, sie lächeln ob seiner Trunkenheit und prosten ihm leicht zurück. In dem Moment geht die Tür auf, und Lola kommt herein. Sie ist überrascht.

platz!

Lola bleibt stocksteif stehen und geht sofort zum Gegenangriff über.

Unsinn.Dubistbetrunken.

(mit leichtem

Wasistpassiert,Gabriel?

Erzähl’mirkeinenMist,ichhab’euchgeseh’n.

Lola befreit sich aus seinem Griff und fährt mit kalter Wut den Gegenangriff.

©Casa RicordiMilano

Lola streitet nichts ab, sie versucht nicht, sich zu rechtfertigen. Stattdessen attackiert sie ihn, und das – zusammen mit der Menge Alkohol, die er schon getrunken hat – trifft Gabriel tief. Er ist verwirrt; Bilder von Lola mit Arno kommen ihm wieder in den Sinn, und er fängt beinahe an zu weinen. Er bedeckt sein Gesicht mit den Händen.

(noch mehr zitternd vor Verzweiflung)

(beinahe wie zu sich selbst murmelnd)

(erstaunt und entsetzt)

lässteszu,dasstausende

deinerKameradenindenTodgeschickt

werden,nurweil

accel. accel.

(überwältigt, keine Worte findend)

(voller Wut, gesprochen)

Du hast mit ihm geschlafen!

kannstdusograusamund

selbstsüchtigsein?

Damit trifft sie Gabriel hart, er weiß auf diesen Vorwurf keine Antwort. Lola nutzt die Gelegenheit und fährt mit ihrer Attacke fort.

Begreifdochmeine

©Casa RicordiMilano

jedenanderen

Lola geht zur Tür, Gabriel steht still, als sei er für eine Sekunde benommen, dann folgt er ihr und erreicht sie noch vor der Tür.

Angst,

lieren,der

Dichkannichnichtzu

besseresSelbst:

Gabriel starrt in Lolas Augen, beinahe weinend. Selbst wenn es sie berühren sollte, so zeigt sie es nicht. Ohne ein Wort dreht sie sich um, öffnet die Tür und verschwindet.

Vor dem Vorhang auf der Bühne fällt ins Dunkel dichter Nebel. Eine Person erscheint von rechts: Sie ist vorsichtig, schaut sich misstrauisch um. Von der anderen Seite kommt eine andere Person herein, und als das Licht angeht, erkennt man Richard und Gabriel.

Beide gehen in entgegengesetzter Richtung auseinander. Plötzlich dreht Richard sich noch einmal um und ruft Gabriel.

dreht sich auch um. Sie gehen aufeinander zu und umarmen sich. (sich umdrehend)

Arno tritt ins Zimmer; er ist gerade erst vom Schiff zurückgekehrt und noch mit Mantel, Mütze und Handschuhen bekleidet. Er lässt die Handschuhe und die Mütze auf den Tisch fallen und beginnt, den Mantel auszuziehen, als er ein Geräusch hört. Er dreht sich um und schaut auf die Rückenlehne eines Sessels. Jemand sitzt dort und stellt eine Teetasse auf den Beistelltisch ab.

Nein,ichbinnichtElsa.

Eine männliche Stimme ertönt aus dem Sessel.

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Lasstdas!Ichbinreinpri

vathier.

Rufus steht auf und wird hinter dem Sessel sichtbar. Arno geht sofort in Habachtstellung, schlägt die Hacken zusammen und salutiert. Rufus winkt ab.

KönntIhrEuchdenkenwarum?

(vorsichtig ausweichend)

Rufus zündet sich eine Zigarre an und kommt auf Arno

MannvonAdelundausgutemHause.

Mutigundgradheraus,ein

Hauses:denGattenmeinerTochter,

jungerHeizerhiererschien.

GabrielJensenistseinName.

Weißtdu,wovonersprach?!

Ichkannesmirdenken.

WarumhabtIhrunsver

Während Rufus spricht, betritt Elsa leise den Raum. Arno begreift allmählich, dass die Dinge nicht gut für ihn stehen.

UntergebenenwieTiere

kundegezögerthat,

Ricordi-

dichzuverraten.

anders.

FortwiedeinguterRuf.

Unter dieser doppelten Attacke bricht Arno ein, er wird überwältigt von der Nachricht, von den Folgen seiner Handlungen, von der Wut seiner gekränkten Gattin. Er möchte antworten, aber er wird durch das Klopfen an der Tür unterbrochen. Die drei schauen sich an, verwirrt. Wer kann das sein? Elsa öffnet die Tür. Oberleutnant Helmut Schulze-Rohr tritt ein, er salutiert kurz.

Siesindbewaffnet.

Ó

J œ# J œ J œ j œ ˙ EinHeizerführtsiean.

J œ ˘ ‰ŒÓ Ó j

Œ J J œ ˙ ˙ DieserBastard.

©Casa RicordiMilano

wn æ . wn æ

fl ‰ŒÓ Ó J œ# ˘ ‰ŒÓ Ó w# æ . w# æ p p rit. rit. p p (zu sich selbst)

Rufus wechselt kurz einen Blick mit Arno, der ihn mit einem herausfordernden Lächeln zu provozieren scheint.

Arno steht mit dem Rücken zur Wand, er muss eine Entscheidung treffen.

©Casa RicordiMilano

(mit großer und unerbittlicher Strenge sich selbst gegenüber)

In diesem Moment hört man von weit her ein Lärmen, das näherkommt. Alle wenden sich der Richtung zu, aus der es kommt.

Frieden!

Frieden!

Frieden!

(skandierend, gesprochen)

(skandierend, gesprochen)

(skandierend, gesprochen)

(skandierend, gesprochen)

Wirwollen

Frieden!

J ¿ J ¿Œ Frieden!

©Casa RicordiMilano

Wirwollen

J ¿ J ¿Œ Frieden! J ¿ J ¿Œ Frieden!

¿ R ¿ ¿ KeinenKrieg J ¿ R ¿ ¿ KeinenKrieg

Frieden!

Wirwollen

Frieden!

Wirwollen

Frieden!

Frieden!

Der Vorhang fällt.

Die Melodie der Nationalhymne des Deutschen Kaiserreiches erklingt im Orchester und wird dann von den Matrosen und Heizern aufgegriffen.

Frieden!

Vaterlands,

Vaterlands,

Vaterlands,

Vaterlands,

Herrscherthron

©Casa RicordiMilano

Vaterlands,

Vaterlands,

Die Worte der Hymne werden leicht abgeändert.

Frieden!

RicordiMilano

Frieden!

Frieden!

Frieden!

Frieden!

Frieden!

Frieden!

Frieden!

Frieden!

Frieden!

Frieden!

Frieden!

Frieden!

Frieden!

Frieden!

Frieden!

Frieden!

Frieden!

Frieden!

Frieden!

Frieden!

Frieden!

Frieden!

AUFSTÄNDISCHE

Völker,

Völker,

Völker,

fecht!Die

fecht!Die

recht!Männer,

recht!Männer,

recht!Männer,

gnale!Aufzum

gnale!Aufzum

gnale!Aufzum

Frieden!

Frieden!

Frieden!

Frieden!

RicordiMilano

Szene 4 –An Land unter freiem Himmel, unweit des Kieler Rathauses

©Casa RicordiMilano

AUFSTÄNDISCHE

Heizer und Matrosen, in einer Parade, die von Gabriel und Richard angeführt wird, betreten die Szene, immer noch skandierend. Sie sind bewaffnet und schwenken rote Fahnen.

(zu den Soldaten)

Die Soldaten legen die Gewehre an und richten sie auf die Menge.

Trp.1.2.
Trp.3.

(wieder mit lauter Stimme) Mit Dämpfer 1. p

Männern,

müssen,

©Casa RicordiMilano

(laut und immer wieder jubelnd) (laut und immer wieder jubelnd)

Die Soldaten schauen einander an. Dann senken sie unter dem Jubel der Matrosen langsam, einer nach dem anderen, ihre Gewehre.

und immer wieder

KeinenSchritt

Gabriel geht auf Arno zu, der seinen Degen auf ihn richtet.

Gabriel geht weiter: einen Schritt, noch einen…

RicordiMilano

umdichaufzuhalten.

Weise.

Aber Gabriel lässt ihn seine Drohung nicht zu Ende sprechen. Er greift Arnos Handgelenk, zieht den Degen zu sich heran und wirft ihm gleichzeitig seinen Oberkörper entgegen. Der Degen bohrt sich in ihn und erweckt aus der Sicht von Gabriels Kameraden den Eindruck, als hätte Arno ihm den Degen in den Bauch gestoßen. Gabriel bewegt sich nicht und schaut Arno mit einer Art Lächeln in die Augen.

(aufschreiend, zu allen) f

©Casa RicordiMilano

Dann sackt er – vom Degen getroffen – auf die Knie. Schließlich fällt er ganz zu Boden. Richard läuft zu ihm, will ihm helfen, aber er kann nichts mehr tun: Gabriel ist tot.

Arno steht noch immer unter Schock; plötzlich begreift er sein Schicksal und versucht noch ein letztes Mal, sich zu verteidigen.

Aber Richard hat schon seinen Revolver gezogen, er schießt auf Arno aus kurzer Distanz. Arno fällt sofort: Er ist tot.

AUFSTÄNDISCHE

(laut und wie entfesselt)

(laut und wie entfesselt)

(laut und wie entfesselt)

(laut und wie entfesselt)

©Casa RicordiMilano

StürmtdasRathaus!

StürmtdasRathaus!

StürmtdasRathaus!

(gesprochen) (gesprochen) (gesprochen) (gesprochen)

StürmtdasRathaus!

StürmtdasRathaus!

StürmtdasRathaus!

StürmtdasRathaus!

StürmtdasRathaus!

StürmtdasRathaus!

StürmtdasRathaus!

StürmtdasRathaus!

StürmtdasRathaus!

StürmtdasRathaus!

StürmtdasRathaus!

StürmtdasRathaus!

StürmtdasRathaus!

StürmtdasRathaus!

StürmtdasRathaus!

StürmtdasRathaus!

RicordiMilano

StürmtdasRathaus!

StürmtdasRathaus!

StürmtdasRathaus!

StürmtdasRathaus!

StürmtdasRathaus!

¿ J ¿ J ¿Œ

StürmtdasRathaus!

¿ J ¿ J ¿Œ

StürmtdasRathaus!

¿ J ¿ J ¿Œ

StürmtdasRathaus!

Rufend und ihre Waffen und Fahnen schwenkend folgen die Matrosen und Heizer Richard und laufen weiter; die beiden toten Körper bleiben zurück; leichter Nebel beginnt zu fallen.

StürmtdasRathaus! ¿ ¿ J ¿ J ¿Œ

StürmtdasRathaus! ¿ ¿ J ¿ J ¿Œ

StürmtdasRathaus!

StürmtdasRathaus!

StürmtdasRathaus!

StürmtdasRathaus!

StürmtdasRathaus!

StürmtdasRathaus!

©Casa RicordiMilano

Aus dem Nebel erscheint eine Figur: Lola. Sie geht langsam auf die Leichen zu, kniet zwischen ihnen nieder, berührt erst Gabriels Kopf und dann Arnos Hand.

& & & ? & ? & & & B ? ?

dochichschenke

euchkeine

(betrachtet die Leichen ihrer beiden Geliebten)

glücklich,dank

& & & ? & ? ? & ? & & & B ? ?

Lola steht auf und wendet sich ab; wie von magischer Hand erheben sich auch Arno und Gabriel. Zusammen mit Lola in der Mitte, Hand in Hand, verschwinden die drei im Nebel.

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Große Trommel

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Marco Tutino, Falscher Verrat by Ricordi - Issuu