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Sy. 4924 - Sarah Nemtsov - EN FACE

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Sarah Nemtsov EN FACE

für großes Orchester mit Solo-Schlagzeug und Schauspieler/Sprecher 2018

Partitur

Sy. 4924/01 ISMN 979-0-2042-4924-4

EN FACE (2018)

für großes Orchester (3.3.3.3/4.3.2.1/hrp/pno/3 perc/str 12.10.8.6.4)

mit Schlagzeug solo und Schauspieler/Sprecher

zu der Erzählung „Einsamkeit“ von Bruno Schulz

Uraufgeführt durch das Philharmonische Staatsorchester Cottbus unter Leitung von Dirigent Felix Bender am 5.4.2019 im Großen Haus / Auftrag des Staatstheater Cottbus

Für D.

CopyrightbyRicordiBerlin/Onlyforperusal

„Kein Zimmer ist derartig zugemauert, daß es sich mit einer solch vertrauten Tür nicht öffnen ließe wenn nur die Kräfte reichen, ihm diese zu insinuieren.“

(Bruno Schulz)

EINSAMKEIT von Bruno Schulz (1892‐1942)

Daß ich nun in die Stadt gehen kann, ist für mich eine bedeutende Erleichterung. Doch wie lange habe ich mein Zimmer nicht verlassen! Es waren bittere Monate und Jahre.

Ich kann die Tatsache nicht erklären, daß es mein Zimmer von früher ist, aus der Kindheit, die letzte Kammer auf der Pawlatsche, die schon damals selten aufgesucht wurde und immer vergessen worden war, als gehörte sie nicht zur Wohnung. Ich weiß nicht mehr, wie ich dorthin gekommen bin. Ich glaube, es war eine helle Nacht, eine wäßrigweiße, mondlose Nacht. Ich sah jedes einzelne Detail im grauen Schein. Das Bett war aufgedeckt, als sei ihm soeben jemand entstiegen, ich lauschte in die Stille, ob ich nicht noch das Atmen von Schlafenden hörte. Doch wer sollte hier atmen? Seitdem wohne ich hier. Seit Jahren hocke ich hier und langweile mich. Hätte ich doch beizeiten daran gedacht, Vorräte anzulegen! Ach, ihr alle, die ihr das noch könnt, denen noch eine eigene Zeit dafür gegeben ist, sammelt Vorräte, sammelt Getreide, gutes und nahrhaftes, süßes Getreide, denn es kommt ein großer Winter, es kommen die mageren Jahre des Hungers, und der Boden im Ägyptenlande wird keine reiche Ernte tragen. Leider bin ich nie wie der emsige Hamster gewesen, ich war wie die leichtsinnige Feld‐maus, lebte in den Tag hinein und sorgte mich nicht um morgen, zufrieden mit mir und mit meinem Talent zum Hungerkünstler. Wie die Maus dachte ich: Was kann mir schon der Hunger tun? Im schlimmsten Fall kann ich auch Holz knabbern oder mit meinem Schnäuzchen Papier zu kleinen Blättchen zerkrümeln. Das ärmste Tier, die graue Kirchenmaus am grauen Ende im Buch der Schöpfung braucht zum Leben nichts. Und so lebe auch ich von nichts, in diesem toten Zimmer. Die Fliegen hier sind schon lange verendet. Ich lege ein Ohr ans Holz, ob da drinnen nicht ein Wurm knispert. Totenstille. Nur ich, die unsterbliche Maus, der einsame Nachgeborene, ich raschele in diesem toten Zimmer, laufe in einem fort über den Tisch, die Etagere und die Stühle. Ich husche hin und her, ähnlich wie Tante Tekla in ihrem bodenlangen grauen Kleid, klein, flink und behende, und ich ziehe raschelnd ein Schwänzchen hinter mir her. Jetzt sitze ich am hellichten Tag auf dem Tisch, reglos, wie ausgestopft, meine Äuglein, wie zwei Glasperlen, sind vorgewölbt und glänzen. Nur die Spitze meines Schnäuzchens pulsiert kaum wahrnehmbar und knabbert ein wenig, aus‐purer Gewohnheit. Das ist natürlich metaphorisch zu verstehen. Ich bin ein Pensionist und keine Maus. Eine der Eigenschaften meiner Existenz ist mein Metaphern‐Parasitentum, ich lasse mich sehr leicht hinreißen, von der erstbesten Me‐tapher. Wenn ich mich einmal so verrannt habe, muß ich mich erst mühsam zurückpfeifen und komme nur lang‐sam wieder zur Besinnung. Wie ich aussehe? Manchmal sehe ich mich im Spiegel. Das ist komisch, lächerlich und schmerzhaft. Ich schäme mich, es zuzugeben. Ich sehe mich niemals en face, von Angesicht zu Angesicht. Doch etwas tiefer, etwas weiter entfernt, dort stehe ich, im Inneren des Spiegels, etwas seitlich, etwas im Profil, ich stehe nachdenklich da und blicke zur Seite. Reglos stehe ich da und blicke zur Seite, ein wenig nach hinten, hinter mich. Unsere Blicke tref‐fen sich nicht mehr. Wenn ich mich bewege, bewegt auch er sich, jedoch leicht abgewandt, als wüßte er nichts von mir, als sei er hinter die vielen Spiegel getreten und könne nicht mehr zurück. Es zerreißt mir das Herz, wenn ich ihn sehe, so fremd und gleichgültig. Das bist doch du, möchte ich rufen, du warst mein getreues Abbild, du hast mich so viele Jahre begleitet, und jetzt erkennst du mich nicht! Oh, Gott! Fremd stehst du da, schaust irgendwo hin zur Seite und scheinst in die Tiefe hineinzulauschen, auf ein Wort zu warten, das von dort kommt, aus der gläsernen Tiefe, als gehorchtest du einem anderen, als erwartetest du Befehle von irgendwoher. Ich sitze am Tisch und blättere in alten vergilbten Universitätsskripten meine einzige Lektüre. Ich blicke auf die verschlissene, verschossene Gardine und sehe, wie sie sich leicht im kalten Hauch vom Fenster her bauscht. An der Vorhangstange könnte ich turnen. Ein perfektes Reck. Wie leicht könnte man dort Pur‐zelbäume schlagen, in der schalen, so oft benutzen Luft. Ein federnder Salto mortale gelingt fast von alleine kühl, ohne innere Beteiligung, sozusagen rein spekulativ. Wenn man so equilibristisch auf diesem Reck steht, auf Zehenspitzen, mit dem Kopf an der Decke, dann hat man das Gefühl, es sei in dieser Höhe etwas wärmer, man hat die kaum spürbare Illusion einer milderen Aura. Seit meiner Kindheit liebe ich es, ein Zimmer aus der Vogel‐perspektive zu betrachten.

Ich sitze da und horche in die Stille. Das Zimmer ist ganz schlicht und weiß gekalkt. Manchmal springt die Zimmerdecke auf, und ein Krähenfuß schießt hervor, manchmal löst sich mit leisem Knacken ein Stückchen Verputz. Soll ich verraten, daß mein Zimmer vermauert ist? Wie denn das? Vermauert? Wie könnte ich es dann verlassen? So ist es eben: Der gute Wille kennt keine Barrieren, dem intensiven Verlangen kann sich nichts widersetzen. Ich muß mir die Tür nur vorstellen, eine gute, alte Tür, wie die in der Küche meiner Kindheit, mit einem eisernen Griff und einem Riegel. Kein Zimmer ist derartig zugemauert, daß es sich mit einer solch vertrau‐ten Tür nicht öffnen ließe wenn nur die Kräfte reichen, ihm diese zu insinuieren.

Aus: Bruno Schulz, „Das Sanatorium zur Sanduhr“, S. 270‐273, Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 2013, Lizensausgabe  mit Genehmigung des Carl Hanser Verlags, © 2011 Carl Hanser Verlag, München – Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Hanser  Verlags

BESETZUNG / SETTING (3.3.3.3/4.3.2.1/pno/hr/3 perc/ 12.10.8.6.4 + 2 soli)

Schlagzeug solo / percussion solo

Schauspieler bzw. Sprecher / actor or narrator

3 Flöten / 3 flutes (1+2 = auch Piccolo / also piccolo, 3 = Altflöte / alto flute)

3 Oboen / 3 oboes (3 = Englischhorn / Cor Anglais)

3 Klarinetten / 3 clarinets (3 = Bassklarinette / bass clarinet)

3 Fagotte / 3 bassoons (3 = Kontrafagott / contra bassoon)

4 Hörner / 4 french horns

3 Trompeten / 3 trumpets

2 Posaunen / 2 trombones

1 Tuba / 1 tuba

2 Schlagzeuger / 2 percussionists Pauke / timpani

Harfe / harp Klavier / piano

Streicher mindestens / strings minimum

12 Violinen I / 12 violins I

10 Violinen II / 10 violins II

8 Violen / 8 violas

6 Violoncelli / 6 celli

4 Kontrabässe (mind. zwei 5‐Saiter) / 4 double basses (min. 2 of them with 5 strings)

Verstärkung für Schlagzeug solo und Schauspieler / amplification for percussion solo and actor

Außerdem / Besides

 12 Stück Noppenfolie (manche gröber, manche feiner) für alle Holzbläser / 12 pieces of bubble  wrap for all wood wind players

 14 Steine (handtellergroß, rau, Kiesel o.ä.) – je 2 für 4 Hörner und 3 Trompeten / 14 stones  (palm‐sized) – 2 each for all french horn and trumpet players

 7 Vogelpfeifen (mit Wasser, unterschiedlich, möglichst schön und laut) – für 4 Hörner, 2 Posaunen und Tuba / 7 bird calls (beautiful, with water, each sounding a bit different, quite  loud) for french horns, trombones and tuba

 22 Stücke Pappe (an der Kante gestrichen, Stücke von Pappkartons) für Violinen I und II / 22  pieces of card board for violins (bowed at the edge)

 18 Stücke Styropor (Größe zwischen DinA5 min bis DinA4, gut in der Hand zu halten) für Violen, Celli und Kontrabässe / 18 pieces of styrofoam for violas, celli and doublebasses

Dämpfer für Blechbläser / mutes for brass

Hörner benötigen cup mutes, Trompeten cup und straight, 1+2 auch wahwah, Posaunen cup und wahwah, Tuba den regulären Dämpfer / Cup mutes for french horns – trumpets need cup and straight,  1+2 also wahwah – trombones need cup and wahwah – tuba needs regular mute

Klavier / piano benötigt 7 Haarklammern (Plastik mit Drahtspirale und sechs Zacken) zur Präparation, sie können im Stück zu Beginn auf die Saiten gesteckt werden (die Zacken greifen zwischen und über die Saiten, es entsteht en leicht verstimmter gongartiger Klang) und hinterher sofort wieder spurlos und in ein paar Sekunden entfernt werden – folgende 7 Saiten werden präpariert: G, c, c#, d, g#, d#‘, f#‘ / piano needs  seven hairclips (plastic, with metal spring, 6 teeth) for easy and fast piano preparation – sound is gong  like, out of tune – following 7 strings are tob e prepared: G, c, c#, d, g#, d#‘, f#‘

Je nach Raum und akustischer Situation könnte es sinnvoll sein, Harfe und Klavier subtil zu verstärken. / Depending on the space and acoustics it might be helpful to subtly amplify harp and piano

Schlagwerk Instrumente und Notation / percussion instruments and notation:

Perk 1: Marimba (a‐c‘‘‘‘), Floortom, Snare, Conga (darauf liegend eine Haarbürste mit Drahtborsten mit Plastiknoppen), 1 großes Tamtam, 1 Becken, 1 Hihat, Metallspirale/‐feder, Holzblock Marimba (a‐c‘‘‘‘), floor tom, snare, conga (with plastic hairbrush on skin), 1 large Tam tam, 1 suspended cymbal,  1 hi hat, metal (spring) coil, wood block

Perk 2: Große Trommel (Naturfell), 2 Timbales und/oder 1 Timbales und 2 Toms, 1 mittleres Tamtam, Windmaschine, Holzblock, 3 Thai‐Gongs (es, b, e‘)

Large bass drum (natural skin on both sides), 2 timbales and/or 1 Timbales and 2 toms, 1 middle sized Tamtam,  wind machine, wood block, 3 Thai gongs (e flat, b flat, e‘)

Pauke / Perk 3: 3 Pauken (zu Beginn: E, G, d), außerdem folgende Utensilien, die z.T. auf die Pauken gelegt werden: 1 kleines Becken, 2 Crotales (f#‘‘‘ und h‘‘‘), 1 kleine Metallkette (klimpernd in Händen, leicht rasselnd auf Pauke), Sandpapierblock (zum Beipiel auf dünner Holzplatte) und Sandpapier, Peitsche

3 Timpani (E, G, d), small things as preparation on timpani: 1 small cymbal, 2 crotales (f#‘‘‘ and b‘‘‘), 1 light metal  chain, sand paper block and sand paper, whip

*

Anreger / mallets

Trommelstöcke, weiche, mittlere bis harte Schläge, Bögen, Superballs, Brushes, Metallstricknadeln, Hände, zum Dämpfen ggf. ein Stück Stoff / drum sticks, soft to hard mallets, bows, super balls, brushes ,  metal knitting needles, hands, piece of cloth for damping

*

Schlagwerk Instrumente für Solist / instruments and objects for percussion soloist

1 Holztür, 2 Holzkisten (mit Kies und Laub), Donnerblech, Spiegel, 5 Fragmente/Scherben, 2 Plastikkästchen, 2 Steine, 1 Holzregal, 1 Menorah, 2 Glasflaschen, 2 Porzellanteetassen auf Untertasse, 2 Almglocken (b und e‘), 2 Klangschalen, 3 Sorten Chimes (Glühbirnen, Schlüssel, Shell), 1 Vogelpfeife, 2 Metallteile, 2 (Metall‐)Dosen, 4 Becken und 1 symphonischer Gong. Außerdem ad lib. extra Spiegel und 1 leerer Fensterrahmen. 2 Mikrophone an Handgelenken, 1 Mikrophon am Boden. Ständer.

1 old wooden door, 2 wooden boxes (with gravel and dry leaves), thunder sheet, mirror, 5 fragments, 2  small plastic boxes, 2 stones, 1 wooden shelve, 1 menorah, 2 glass bottles, 2 porcelain cups on saucers,  2 cow bells (b flat und e‘), 2 temple bowls, 3 sorts of chimes (light bulbs, keys, shell chimes), 1 bird call,  2 metal pieces, 2 (metal) cans, 4 cymbals und 1 symphonic gong. Ad lib. extra mirrors and 1 empty  window frame. 2 microphones on wrists, 1 microphone on the floor. Stands.

Schlagzeug solo / percussion soloist

Der Solo‐Schlagzeuger hat auf der Bühne quasi seinen eigenen Raum. An vier, möglichst miteinander verbundenen Ständern steht und hängt sein Instrumentarium um ihn herum – zu allen vier Seiten. Seine Instrumente sind dabei vielfach Objekte und nur wenig klassisches Schlagwerk. Die Seiten werden mit a‐d bezeichnet, wobei a und b zum Publikum hinweisen, c und d backstage bzw. zum Orchester hin. Skizze siehe weiter unten.

a: hängend – 1 großer symphonischer Gong, 2 größere Metallteile (1 hellerer, ein dunklerer Klang), 1 Paar Meditationszimbeln (Fingerzimbeln), an extra Ständern vom Boden 4 Becken: 10‘, 14‘, 14‘, 16‘ –crash, crash, trash, ride z.B.

b: hängend – 3 Sorten Chimes: Glühbirnen‐Chimes (selbstgebaut), Schlüssel‐Chimes (selbstgebaut: aus Metallschlüsseln und einigen kleinen extra Metallteilen, silbriger Klang), Shell‐Chimes (klassisch). Außerdem hängt hier (ad lib.) ein leerer Fensterrahmen (Holz). Desweiteren steht auf Seite b zum Publikum hin ein hüfthohes Holzregal – gerne etwas älter, mit abblätternder Farbe oder nur gebeizt, leicht schief – eindeutig benutzt – auf dem mehrere Objekte liegen: 1 Messing Menorah, 2 Glasflaschen, 2 Porzellan Teetassen auf Untertassen, 2 Metalldosen, 2 Klangschalen (mit traditionellen Anregern, Klöppeln – größere und mittlere Klangschale, auf Kissen), 2 Almglocken (b und e‘ – liegend auf Stück Dämmschaum), 1 Vogelpfeife (die nicht mit der Hand gehalten werden muss)

c: hängend – 1 großes Donnerblech (klassisch), hängend 1 Spiegel, auf einer kleineren Ablage 5 Fragmente/Scherben (Keramik, Fliese, Schiefer), außerdem 2 kleine Plastikkästchen (je eine Seite offen, zum Schaben und für Quietschgeräusche) und 2 handtellergroße Steine (rau, Kiesel o.ä.)

d: eine Holztür, die falsch (nämlich liegend) aufgehängt wird – ideal ist eine alte, weiß gestrichene Holztür, mit altem Griff und vielleicht leicht verziert, sie sollte gut klingen, wenn man auf ihr mit Händen trommelt. Sollte es ein Platzproblem auf der Bühne geben, kann die Tür auch richtig rum aufgehängt werden, sie sollte dann aber mehrere Zentimeter (zu hoch) über dem Boden hängen.

Außerdem stehen auf dem Boden an dieser Seite 2 Holzkisten (sie sollten groß genug sein, um hinein treten zu können) – eine gefüllt mit Kies, Schotter, Sand, kleinen Steinchen, die zweite gefüllt mit trockenem Laub

Der Solo Schlagzeuger spielt nur mit den Händen!

An seinen Handgelenken sind 2 Mikrophone befestigt (mit tape und ggf. unterstützt durch Pulswärmer o.ä. – am besten kabellos, wenn es nicht kabellos geht, sollten die Kabel lang genug ein und ggf. noch etwas am Körper befestigt und geführt werden, sodass sie keine Stolperfalle darstellen). Durch die Schläge und Bewegungen wird somit immer in einen Klang, in ein Instrument „reingezoomt“. Die Klänge werden wie unter Mikroskop genommen. Die Verstärkung sollte stark sein, sodass auch kleinste Geräusche hörbar werden. Ggf. im Mix Bass etwas unterstützen. Mit den Händen gibt es hauptsächlich folgende Arten von Schlägen: flache Hand (mit Fingern), Handballen, Faust, Fingerknöchel (klopfen), nur Finger und Fingernägel, außerdem ab und zu Ellbogen. An manchen Stellen wird auch ein Objekt mit anderen angeregt (etwa mit Dosen, Steinen oder auch Almglocke auf Gong etc.).

Die Hände machen nach dem Anschlag häufig extra Bewegungen, um Resonanzen einzufangen, zu verstärken, zu rhythmisieren – etwa kreisen über dem Gong oder näher‐weiter (ran‐zoomen und wieder weg) oder hin und her zwischen zwei Becken. Bei Gong, Becken und Donnerblech sollte das Resultat durchaus „synthetisch“ klingen (fast wie rein elektronische Musik). Die Bewegungen sind manchmal schneller, manchmal langsamer. Zum Teil sind sie rhythmisch exakt notiert, teilweise nur ungefähr – angedeutet – zum Teil gar nicht notiert, aber mitgedacht, denn natürlich gibt es auch Bewegungen durch Instrumentenwechsel etc. Wenn kleine Bewegungen und Geräusche im Ablauf

zufällig entstehen (Hand an Kleidung oder Haut z.B.), so sind diese keine Störung, sondern ebenfalls erwünscht.

Auf Seite d sollte ein extra Mikro am Boden den Klang der zwei Kisten verstärken. Falls die Holztür zu wenig resoniert, könnte es sinnvoll sein, hier noch ein Kontaktmikrophon auf der Rückseite anzubringen.

Der Solist bewegt sich in seinem Raum und spielt mitunter mit dem Rücken zum Publikum und Dirigent. (Meistens ist es mitgedacht an den Stellen und über Ohr zu spielen oder ein leichtes Auseinanderdriften ist einkalkuliert.) Im Setting ist bereits ein Spiegel vorgesehen. Sollte die Kommunikation zu schwierig sein, können weitere Spiegel aufgehängt werden, die den Dirigenten spiegeln, sodass der Solist ihn immer im Blick hat. Monitore sind zu vermeiden.

Der Schlagzeuger bewegt sich in seinem Raum, ist dort zugleich geschützt und schutzlos. Grundsätzlich geht es in diesem Solopart um eine besondere Form von Choreographie (und Koordination). Zugleich um Innerlichkeit. Der Solist hat keine Schlägel (die übliche „Waffe“ eines Schlagzeugers), seine Hände werden Ohren, er nimmt alles überdeutlich wahr und ist darüber in seiner Intimität auf der Bühne verletzlich. Die Virtuosität ist also anderer Art, es ist eher ein innerer Raum und eine Virtuosität der Empfindsamkeit. *

The solo percussionist has his own space, his own “room” on stage.

His instruments are placed and hung around him on four, possibly interconnected high stands. His  instruments are less classic percussion instruments, but more objects.

The sides are labeled a‐d – a and b towards the audience – c and d backstage, or towards the  orchestra. Sketch below.

a: hanging – 1 large symphonic gong, 2 larger pieces of metal (1 brighter, the other a darker sound), 1 pair of meditation cymbals (finger cymbals), on extra stands from the floor 4 cymbals: 10', 14', 14', 16' ‐  crash, crash, trash, ride e.g.

b: hanging – 3 sorts of chimes: light bulb chimes (self‐made), key chimes (self‐made: of metal keys and  some small extra metal parts, silvery sound), shell chimes (classic). In addition, (ad lib.) an empty window frame (wood) hanging. Furthermore, side b to the audience a hip‐high old wooden shelf ‐ with  peeling paint or just stained, slightly crooked ‐ clearly used – with several objects: 1 Menorah, 2 glass bottles, 2 porcelain tea cups on saucers, 2 metal cans , 2 singing/temple bowls (with traditional mallets ‐  larger and medium temple bowl, on cushions), 2 cow bells (b flat and e'‐ lying on pieces of insulating  foam), 1 bird call (to be played free‐handed)

c: hanging – 1 big thunder sheet (classic), 1 mirror (reflecting the percussionist’s image/head shot), on a  smaller stand 5 fragments, broken pieces (ceramic, tile, slate), also  2 small plastic boxes (one side open)  and 2 palm‐sized stones (rough – pebble or similar)

d: a wooden door that is hung up wrong (lying down) ‐ ideal is an old, white‐painted wooden door, with  an old handle and perhaps slightly decorated, it should sound good when you drum on it with your  hands. If there is not enough space on stage, the door can also be hung up properly, but it should then  hang several centimeters (too high) above the ground. There are also 2 wooden boxes on the floor (they  should be big enough to step in) ‐ one filled with gravel, sand , small stones, the second one filled with  dry leaves.

The solo percussionist plays only with his hands!

2 microphones are attached to his wrists (with tape or similar – best would be wireless, if it is not  wireless, the cables should be long enough and possibly somehow attached to the body, so they do not  become a trip hazard). Hitting the instruments and movements therefore always "zoom in" into a  sound, or into an instrument/object. The sounds are taken under a microscope. Amplification should be  heavy, so that even the smallest noise can be heard. Perhaps boost the bass frequencies (in mix).

There are mainly these following ways of using the hand: flat hand (with fingers), palm, fist, knuckles  (knocking sound), only fingers and fingernails, also occasionally elbows. In some places, an object is  also stimulated with other objects (with cans, stones or even a cow bell on gong, etc.).

The hands often make extra movements after the attack to capture resonances, to amplify, and to  rhythmize them – for example, circles above the gong or nearer (zoomed in and out) or back and forth  between two cymbals. As for gong, cymbals and thunder sheet the result should sound "synthetic"  (almost like pure electronic music). The movements are sometimes faster, sometimes slower. Some of  them are rhythmically exact notated, sometimes kind of – sometimes not at all (but thought of,  because of course there are also movements by instrument change etc.!). If small movements and  noises happen just coincidentally (hand on clothes or skin, for instance), these are no flaws, but also  considered and embraced.

On side d, an extra mic on the floor should amplify the sound of the two boxes. If the wooden door does  not resonate enough, it might be useful to attach a contact microphone on the back here.

The soloist moves around in his room and occasionally plays with his back to the audience and  conductor. (Mostly, in these places, it is thought to play over ear or a slight divergence is calculated.) In  the setting (side c), a mirror is already placed. If the commun ication is too difficult, additional mirrors  can be hung that reflect the conductor, so that the soloist always has him/her in view. Monitors are to  be avoided.

The soloist moves in his room, w here he is both protected and defenseless.

Basically, this solo part is about a special form of choreography (and coordination). At the same time,  inwardness. The soloist has no mallets (the usual "weapon" of a drummer), his hands become ears, he  perceives everything very intensely and is vulnerable in his intimacy on stage. The virtuosity is thus of a  different kind, it is more of an inner space and a virtuosity of sensibility.

Schauspieler – Sprecher / actor – narrator

Der Schauspieler sitzt an einem Tisch. Vielleicht als eine Art falsches, imaginäres Spiegelbild des Solo‐Schlagzeugers. Vielleicht das mögliche „Ich“ der Erzählung. Auf seinem Tisch ist vielleicht eine Lampe, vielleicht sind dort Bücher, Papier, Stifte, vielleicht eine (Porzellan) Teetasse auf Untertasse, vielleicht ein Schlüsselbund.

Ein Miniatur‐Bühnenbild.

Der Schauspieler spricht den Text bestenfalls auswendig (oder der Text ist auf Zetteln, in einem Buch o.ä. verfügbar auf dem Tisch) und bekommt Cues vom Dirigenten, der wiederum seinerseits mehrere Fermaten auch an die Dauer des Texts anpasst.

Die Sprache ist verstärkt (mit Headset) Ggf ist noch ein Kontaktmikrofon am Tisch

Freiheit: ich stelle mir vor, dass der Schauspieler immer wieder auch Geräusche macht, die auf den Schlagzeugpart reagieren oder ihn sogar vorwegnehmen. So kann es Geraschel geben, Knistern, ein Klimpern des Schlüsselbundes in der Hand. Vielleicht wird die Teetasse mit zitternden Händen

(klirrend) zum Mund geführt, wie auch der Solo‐Schlagzeuger seine Tassen zitternd hochhält. Vielleicht zieht der Schauspieler sogar, ganz am Ende, absurderweise, eine kleine Vogelpfeife aus einer Tasche, vielleicht fallen ihm andere Geräusche oder Gesten ein. Vielleicht schlägt er mal dumpf auf den Tisch, vielleicht steht er irgendwann auf (in Rage) oder kratzt an der Tischunterkante oder sonst etwas (der Freiheit sind hier quasi keine Grenzen gesetzt). Die Geräusche sollten deutlich musikalisiert sein, aber zugleich nicht übertrieben (eher punktuell, nicht die ganze Zeit über) – aus dem Gefühl für die Rolle und im musikalischen/klanglichen Kontext des Stücks entstehend. Diese Aspekte gern mit Komponistin und auch Dirigent, sowie Solo‐Schlagzeuger absprechen/erarbeiten.

Es ist auch möglich, den Part weniger theatral darzubieten: als Sprecher Der Sprecher braucht kein Bühnenbild, er kann quasi nüchtern auf der Bühne, am Rand oder beim Solo‐Schlagzeuger – mitunter sogar in dessen „Raum“ stehen oder auf einem Stuhl sitzen. Die Sprache sollte jedoch auch hier verstärkt werden, es braucht dann keine Geräusche und 1 Mikrophon (im besten Fall Headset) genügt.

The actor sits at a table. Maybe like a kind of false, imaginary reflection of the solo percussionist.  Possibly the "I" of the short story. There may be a lamp on his desk, maybe there are books, paper,  pens, maybe a (porcelain) teacup on a saucer, maybe a bunch of keys.

A miniature stage setting.

At best, the actor speaks the text by heart (or the text is available on slips of paper, in a book, etc. on  stage) and receives cues from the conductor, who in turn adapts several fermatas to the duration of  the text.

The language is amplified (via head set). Maybe, in addition, there is a contact microphone attached to  (underneath) the table.

Freedom: I imagine that the actor produces sounds and noises reacting to the percussion solo part or  even anticipating it. So there can be rustling, crackling, a jingling of keys, or a chain in his hand.  Perhaps the teacup is led to the mouth with trembling hands (clinking), just as the solo percussionist  holds his cups trembling. The actor may even, at the very end, absurdly pull a small bird call, whistle  out of his bag, perhaps he makes other sounds or gestures. Maybe he hits the table, maybe he gets up  suddenly (in rage) or scratches the table or something else (no limits to imagination here). The noises  should be clearly musical, but at the same time not exaggerated (rather punctual, not happening all  the time) – coming out of the feeling for the role and within the musical context of the piece.  These aspects are to be discussed and maybe developed in exchange with the composer and  conductor, as well as the solo percussionist.

It is also possible to perform the part less theatrically: as a narrator. The narrator does not need a set  design, he can just be on stage, standing or sitting on a chair , maybe close to the solo percussionist ‐  perhaps even inside his "room". However, the text should be amplified here, no extra noises needed,  and 1 microphone (in the best case head set) is enough.

Fragen / Questions? >>> bitte Komponistin kontaktieren / please contact composer via feedback@sarah‐nemtsov de or sarah deborah@gmx de

Fermaten / fermatas . U U . ,

sehr lang very long ziemlich lang quite long lang long kürzer shorter sehr kurz very short Zäsur coesura

schneller werden getting faster accel. langsamer werden getting slower rit. kurze Note short note schnell fast so schnell wie möglich as fast as possible

Viertelton tiefer quarter tone lower höher higher Dreiviertelton höher threequarter tone higher minimal höher / tiefer (1/6-1/8) little higher / lower (1/6-1/8)

vib. s.v. gliss. vibrato molto vibrato senza vibrato glissando

Spieltechnik beibehalten keep this playing technique

Streicher / strings vib.

s.v. gliss. s.p. tasto norm ord. gett. spicc. col l. col l. e crini trem. batt. pizz.

con sord.

(Abstrich / Aufstrich)

vibrato langsames, leierndes vibrato (mikrotonal) / slow, microtonal vib. nervöses Zittern, irregulär, beide Hände zittern / nervous, both hands trembling senza vibrato glissando sul ponticello sul tasto normale (Spielposition) / position on string ordinario (Spieltechnik) / bow gettato (fallen lassen, ggf. etwas "nachhelfen") / "drop" bow on strings spiccato col legno (mit Bogenstange), Holz / wood Bogenholz und -haare / wood and hair tremolo battuto pizzicato linke Hand pizz. / left hand pizz. Bartok-pizz. con sordino

Bläser / winds slaptongue ram bisbigliando Klangfarbentriller, ggf. mikrotonal colour trill, probably microtonal

con sord. con sordino bisb.

starker Bogendruck (schneller Bogen, verzerrt) overpressure, fast bow, distorted sound (down, up bow) "gepresster" Klang, viel Druck, zu langsamer Bogen, je nach Dynamik und Position leicht geräuschhaft bis extrem verzerrt / overpressure, slow bow depending on dynamics and position noisy, soft to very distorted and ugly sounding results

Flatterzunge fluttertongue multiphonic

Luft durchs Instrument (atmen ein, aus) air through instrument (breathe in, out) Luf knapp über Mundstück air right above mouth piece or reed Klappengeräusch o.ä. key clicks or similar

Verhältnis Luft zu Ton (norm.) air-tone combination

Harfe / harp

p.d.l.t.

p.d.ch. près de la table près des chevilles

Korpus schlagen (perkussiv) hit body of the instr. (wood) dämpfen ansonsten immer klingen lassen damp - otherwise l.v. mit Fingernagel with fingernail mit der Hand with hand

Bei Flageolets ist immer die Saite notiert, auf der gespielt wird es klingt eine Oktave höher flageolets are always notated on the string that is to be plucked resulting sond 1 octave higher Klavier / piano

Präparation (kann zu Beginn des Stückes erfolgen): 7 Haarklammern Plastik mit Drahtfeder, sechs Zacken/Zähne, werden auf 7 Saiten (G, c, c #, d, g, d #', f #') gesteckt. preparation: 7 hairclips (plastic, with 6 teeth) on 7 strings (G, c, c #, d, g, d #', f #')

Schlagzeug (Orch. + Solo) Instrumente & Aufbau: percussioninstruments&setting

Spieltechnik beibehalten / keep this playing technique

Sehr gepresst, extrem langsamer Bogen, stockend / extremely slow bow, heavy pressure, granulated, faltering sound kreisen / circles

verticales tremolo, entlang der Saite / vertical trem. along string dämpfen, ggf. perkussiv / damp perkussiv (mit Hand) schlagen / percussively

Saiten hinterm Steg behind the bridge

auf dem steg on the bridge

weitere Spieltechniken sind direkt in der Partitur bzw. in den Stimmen beschrieben further techniques are directly described in score and /or parts

Anreger / mallets:

1 weich / soft mittel / medium hart / hard

Gr.Tr. Bassdrum Timbales/Toms TamTam Becken cymbal Holzblock woodblock Windmaschine windmachine 3 Thaigongs

3 Pauken / timpani [

Gong 4 Becken / cymbals

Menorah 2 Tassen porcelain cups

Peitsche whip kl. Becken smallcymbal Sandpapier auf Sandpapierblock sand paper block + Metallkette 15metalchain Crotales

Meditationszimbeln fingercymbals

2 Metallteile metalpieces

2 Flaschen glass bottles 2 Klangschalen templebowls Chimes Almglocken cowbells + 2 Dosen/ cans + bird call + Fensterrahmen window frame

Donnerblech Thundersheet Spiegel / mirror 5 Scherben / fragments + 2 Plastikkästchen smallplasticboxes + 2 Steine / stones

Tür / door Kiste 1 (Kies, Schotter) / box1 ( gravel) Kiste 2 (Laub) / box2 ( leaves)

Trommelstock / drumstick

Superball

Metallnadel / knitting needle Bogen / bow Besen / brush (jazz) Bürste /brush (plastic)

Hands / hands: flache Hand / flat hand Faust / fist

Handballen / palm Knöchel / knuckels

Fingernägel / fingernails Ellbogen / elbow

Bewegungen / movements:

naher - ferner closer - far

kreisen (über Instr.) circles (above instr.) zwischen Instr. between instr.

ruckartig, schnell hoch, runter - weg, nah fast up and down - close, far vibrato

> EN FACE < (2018) für großes Orchester mit Solo-Schlagzeug und Schauspieler/Sprecher

Mundstück (auf Instrument) schlagen - sehr schnell, unregelmäßig - jeder im eigenen Tempo, nicht synchron

Hand auf Mundstück (auf Instrument) schlagen - sehr schnell, unregelmäßig - jeder im eigenen Tempo, nicht synchron / hand on mouth piece - fast, irregular, asynchronous

Snare (ohne Schnarrsaiten) (without snares)

Klavier Präparation piano preparation (während der Takte 2-14 möglich / between

Haarklammern auf Saiten stecken so dass ein gong-artiger, leicht scheppernder, verstimmter Klang entsteht

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Doch wie lange habe ich mein Zimmer nicht verlassen! Es waren bittere Monate und Jahre.

kann die Tatsache nicht erklären, daß es mein Zimmer von früher ist,

CopyrightbyRicordiBerlin/Onlyforperusal

Das Bett war aufgedeckt, als sei ihm soeben jemand entstiegen, ich lauschte in die Stille, ob ich nicht noch das Atmen von Schlafenden hörte.

Akzente durch ruckartiges Hin u. Her mit dem Stoff (der Kurbel) / back and forth Windmaschine / wind machine

klopfen / knock

/ dome)

poco cresc.

Klangschale temple bowl klopfen / knock (Mikro ab u. zu auch über Klangschale kreisen) (sometimes circle also above temple bowl)

Seitdem wohne ich hier. Seit Jahren hocke ich hier und langweile mich. Hätte ich doch beizeiten daran gedacht, Vorräte anzulegen! Ach, ihr alle, die ihr das noch könnt, denen noch eine eigene Zeit dafür gegeben ist, sammelt Vorräte, sammelt Getreide, gutes und nahrhaftes, süßes Getreide, denn es kommt ein großer Winter, es kommen die mageren Jahre des Hungers, und der Boden im Ägyptenlande wird keine reiche Ernte tragen.

Leider bin ich nie wie der emsige Hamster gewesen, ich war wie die leichtsinnige Feldmaus, lebte in den Tag hinein und sorgte mich nicht um morgen, zufrieden mit mir und mit meinem Talent zum Hungerkünstler.

Im schlimmsten Fall kann ich auch Holz knabbern oder mit meinem Schnäuzchen Papier zu kleinen Blättchen zerkrümeln. Das ärmste Tier, die graue Kirchenmaus am grauen Ende im Buch der Schöpfung braucht zum Leben nichts. Und so lebe auch ich von nichts, in diesem toten Zimmer. Die Fliegen hier sind schon lange verendet. frei über die nächsten

leicht zwischen

mit Almglocke leicht auf Gong schlagen slightly hit gong with cow bell

Nur ich, die unsterbliche Maus, der einsame Nachgeborene, ich raschele in diesem toten Zimmer, laufe in einem fort über den Tisch, die Etagere und die Stühle. Ich husche hin und her, ähnlich wie Tante Tekla in ihrem bodenlangen grauen Kleid, klein, flink und behende, und ich ziehe raschelnd ein Schwänzchen hinter mir her.

sitze ich am hellichten Tage auf dem Tisch, reglos, wie ausgestopft, meine Äuglein, wie zwei Glasperlen, sind vorgewölbt und glänzen.

aus purer Gewohnheit.

CopyrightbyRicordiBerlin/Onlyforperusal

Das ist natürlich metaphorisch zu verstehen. Ich bin ein Pensionist und keine Maus. Eine der Eigenschaften meiner Existenz ist mein Metaphern-Parasitentum, ich lasse mich sehr leicht hinreißen, von der erstbesten Metapher. Wenn ich mich einmal so verrannt habe, muß ich mich erst mühsam zurückpfeifen und komme nur langsam wieder zur Besinnung.

Das ist komisch, lächerlich und schmerzhaft. Ich schäme mich, es zuzugeben. Ich sehe mich niemals en face, von Angesicht zu Angesicht.

du hast mich viele Jahre begleitet, und jetzt erkennst du mich nicht!

Oh, Gott! Fremd stehst du da, schaust irgendwo hin zur Seite und scheinst in die Tiefe hineinzulauschen, auf ein Wort zu warten, das von dort kommt, aus der gläsernen Tiefe, als gehorchtest du einem anderen, als erwartest du Befehle von irgendwoher.

Ich blicke auf die verschlissene, verschossene Gardine und sehe, wie sie sich leicht im kalten Hauch vom Fenster her bauscht. An der Vorhangstange könnte ich turnen. Ein perfektes Reck. Wie leicht könnte man dort Purzelbäume schlagen, in der schalen, so oft benutzten Luft. Ein federnder Salto mortale gelingt fast von alleine kühl, ohne innere Beteiligung, sozusagen rein spekulativ.

Hubschrauber-Klang Hubschrauber-Klang

diesem Reck steht, auf Zehenspitzen, mit dem Kopf an der Decke, dann hat man das Gefühl, es sei in dieser Höhe etwas wärmer, man hat die kaum spürbare Illusion einer milderen Aura. Seit meiner Kindheit liebe ich es, ein Zimmer aus der Vogelperspektive zu betrachten.

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sitze da und horche in die Stille. Das Zimmer ist ganz schlicht und weiß gekalkt.

Manchmal springt die Zimmerdecke auf, und ein Krähenfuß schießt hervor, manchmal löst sich mit leisem Knacken ein Stückchen Verputz.

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freeze ! ) ( freeze ! ) Chimes mit Flasche bewegen touch chimes with bottles η U

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(Instrument ablegen) Soll ich verraten, daß mein Zimmer vermauert ist? Wie denn das? Vermauert? Wie könnte ich es dann verlassen?

(Instrument ablegen)

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U

Pappe piece of cardboard

Stück Pappe piece of cardboard ( ) ( ) (

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Kiste 2 anheben - leicht schütteln (rascheln) take

Kein Zimmer ist derartig zugemauert, daß es sich mit einer solch vertrauten Tür nicht öffnen ließe wenn nur die Kräfte reichen, ihm diese zu insinuieren.

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