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Sy. 4845 - Jan Dvorak - 20.000 Meilen unter dem Meer

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Jan Dvorák

20.000 Meilen unter dem Meer

Popmusiktheater frei nach Jules Verne 2009-2011 Sy. 4845/01 ISMN 979-0-2042-4845-2

Jan Dvo řák

2 0 0 0 0 M E I L E N U N T E R D E M M E E R

Popmusiktheater frei nach Jules Verne

P E R S O N E N

Hauptrollen

P r o f e s s o r A r o n n a x , französischer Zoologe, um die 50, Bariton

N e d L a n d , Harpunier, Amerikaner, 30, Tenor mit Brustregister

K a p i t ä n N e m o , Alter und Herkunft unbestimmbar, Bassbariton

S u r i , Tochter des Kapitäns, 18, Sopran mit Brustregister

C o n s e i l , Aronnax’ Diener, Sprechrolle

Nebenrollen

O f f i z i e r , Nemos rechte Hand, Tenor

M a m s e l l , eine resolute ältere Frau, Alt

M a a t , weiblicher Offizier, Mitte 20, Sopran

Kleine Rollen

1 F r a n z ö s i n , Passagierin auf dem Ozeandampfer, Sopran

2 . F r a n z ö s i n , ihre Freundin, Alt

F r a n z o s e , Mann der 1. Französin

E i n e W a c h e , Besatzung der Nautilus, Sprechrolle

D e u t s c h e s P a a r , Passagiere auf dem Ozeandampfer

A m e r i k a n i s c h e s P a a r , Passagiere auf dem Ozeandampfer

E i n M a s c h i n i s t , Besatzung der Nautilus, Bass

Chor und Ballett

P a s s a g i e r e eines Ozeandampfers, gemischter Chor und Ballett

B e s a t z u n g der Nautilus, gemischter Chor und Ballett

D A U E R

Akt 1 & 2: ca. 75 Minuten, Pause nach dem 2. Akt, Akt 3 & 4: ca. 50 Minuten

O R T E D E R H A N D L U N G

An Deck eines Ozeandampfers

Offene See/Auf dem Rücken der Nautilus

In einer eisernen Zelle

Salon an Bord der Nautilus

Oberdeck der Nautilus

Maschinenraum der Nautilus

Offene See/Im Beiboot

Z E I T D E R H A N D L U N G April 1867 bis Februar 1868

„20.000 Meilen unter dem Meer“ ist ein Auftragswerk des Landestheaters Eisenach, 2011

Mitarbeit: Roman Vinuesa (Instrumentationsergänzungen)

Xiao Fu (Zuspielungen)

Peter Häublein (Notensatz)

Alle Rechte beim Autor

¥ Flöte 1

¥ Flöte 2 (auch Piccolo)

¥ Oboe 1

¥ Oboe 2 (auch Englischhorn in F)

¥ Klarinette 1 in B

¥ Klarinette 2 in B (auch Bassklarinette in B)

¥ Fagott 1

¥ Fagott 2 (auch Kontrafagott)

¥ 2 Hörner in F

¥ 2 Trompeten in B

¥ 2 Posaunen

¥ 1 Bassposaune

¥ Kontrabasstuba

Schlagzeug (3 Spieler)

¥ Spieler 1 (Pauke)

3 Pauken (2 Bass-, eine Tenorpauke)

Röhrenglocken

¥ Spieler 2 (Schlagwerk)1

Crotales

Glockenspiel

Windchimes

Rührtrommel

Große Trommel

Beckenpaar

Großes Hängebecken

Buckelgong in A (mit aufsteigendem Glissando)

Forperusalonly

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Bühnenmusik 6

Tamtam

Vibraphon (mit Motor)

¥ Spieler 3 (Drumset)

2 Hängetoms und 1 Standtom ( klein, hoch gestimmt, stark abgedämpft)

Bassdrum, stark abgedämpft

Hi-hat, tiefer Klang

Snare Drum, heller Klang

Crash-Becken

Ride-Becken, auch mit Kugelkettchen (Sizzle)

Großes China-Becken

Schiffsglocke, ungefähr 15 cm Durchmesser, Tonhöhe ca. d’

Bongos auf Ständer

3 Tempelblöcke

Triangel am Ständer

Guiro (in der Hand zu halten)

Schellenkranz (in der Hand zu halten)

¥ Halbakustische Jazzgitarre, verstärkt 2 (mit Plektron / Verzerr-Effekt / Vibrato-Effekt)

¥ Bassgitarre, verstärkt 3

¥ Harfe

¥ Klavier

¥ Sampler für musikalische Soundeffekte4

¥ 12 erste Violinen 5

¥ 10 zweite Violinen

¥ 8 Bratschen

¥ 6 Celli

¥ 4 Kontrabässe (mit 5 Saiten)

¥ Sechssaitige Westerngitarre mit Pickup und K apodaster

¥ Jazz-Kontrabass mit Pickup

¥ Solovioline mit Pickup

1 Hier müssen Schlagzeuger 1 und 2 gelegentlich aushelfen.

2 Spielt auch Bühnenmusik

3 Spielt auch Bühnenmusik

4 evtl. beim Tonpult, Sicht auf Dirigenten ist erforderlich

5 ein Violinist auch Bühnenmusik

6 besteht aus oben genannten Orchestermusikern, muss auswendig gespielt werden

B a n d s o u n d

Die Gitarre sollte ein e halbakustische E-Gitarre mit einem Röhrenverstärker sein, auf keinen Fall darf etwa eine Fender Stratocaster verwendet werden. Verzerrung und Vibratoeffektgerät sollten gute Einzelgeräte sein, möglichst keine Multieffektgeräte. Das Vibrato sollte deutlich wahrnehmbar sein, aber die Tonhöhe dadurch nicht undeutlich machen. Ideal sind für das Vibrato sind drei Schwingungen in der Sekunde. Ein voller, runder Klang ist angestrebt.

Der E-Bass sollte nicht zu brillant klingen, sondern sich am Klang der Kontrabä sse orientieren. Der Bassverstärker steht ebenfalls im Orchestergraben.

Das Schlagzeug muss sehr stark abgedämpft und hoch gestimmt werden, die Toms und die Bassdrum sollten wenig Nachklang haben. Hierbei können Gelkissen oder Tücher helfen. Die Verstärkung sollte sich ebenfalls nach diesen Maßgabe richten: Keinesfalls sind die Bassfrequenzen des Schlagzeugs anzuheben. Im Ergebnis sollten die Trommeln ein wenig wie Pappkartons klingen.

Der Bereich, in dem die Band sitzt, muss nach vorne durch Glaswände abgeschirmt, auf der Rückseite jedoch durch Schallwände oder dichte Vorhänge zusätzlich abgedämpft werden.

Ziel soll sein, ein annähernd normales, dynamisches Spiel zu ermöglichen, ohne das Orchester zu überdecken.

S o u n d e f f e k t e / S a m p l e r

In der Partitur sind Klangeffekte im Notensystem „Ton“ notiert Darin enthalten sind Angaben für den zu wählenden Hallraum und rhythmisch notierte Einsätze für den Sampler. Diese Klänge sind geloopt oder klingen aus. Eine Liste der verwendeten Einzelklänge und eine Sound-CD sind beigefügt.

Forperusalonly

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Die Dynamik der Sampler-Klänge richtet sich nach der Orchesterdynamik, keinesfalls sollten sie bedeutend lauter als das Orchester sein, sondern klanglich mit dem Orchester verschmelzen.

V e r s t ä r k u n g

Alle Solisten müssen mit Mikroports verstärkt werden, aber so, dass der akustische Klang von der Bühne noch deutlich wahrnehmbar ist. Ob der gesamte Chor verstärkt wird oder nur die gesamte Bühne über Raummikrophone angehoben wird, sollte von der Raumakustik abhängig gemacht werden

Auch das Orchester sollte mit einem Stereomikrophon und einigen gezielt gestellten E inzelmikrophonen (z.B. beim Schlagzeug) auch mikrophoniert werden Maßgabe ist eine Stützverstärkung, die nicht die Lautstärke erhöht, sondern Klangräume herstellt und Ungleichgewichte ausgleicht. Nur an einigen, speziell vermerkten Stellen sind größere Hallräume vorgeschrieben. In der Regel sollte die Tontechnik für den Zuhörer unmerklich sein.

¥ Im ersten Akt spielt auf der Bühne eine für die Zuschauer sichtbare "Bordkapelle" mit der Besetzung Kontrabass, Geige, Westerngitarre. Diese Instrumente müssen drahtlos mit Anklemmmikros verstärkt werden

¥ Es gibt einige Chorpassagen hinter der Bühne; hierfür müssen Mikrophone bereitgestellt werden.

¥ Der Klang von Nemos Orgel sollte akustisch lokalisierbar von der Bühne kommen.

¥ FŸr die VerstŠrkung ist au§er der normalen PA eine zentrale Box im Portal Ÿber der BŸhnenmitte erforderlich, die in erster Linie für die Sprache benutzt wird

Z u m S t ü c k a u f b a u

Die Erzählung „20.000 Meilen unter dem Meer“ besteht aus drei Ebenen: der epischen Rahmenerzählung von Professor Aronnax, die sich direkt wie ein Vortrag an das Publikum richtet, der Handlung, die sich in filmisch geschnittenen Szenen naturalistisch vorwärtsbewegt, und den „ILLUSTRATIONEN“. Diese bilden im Fluss des Stückes Inseln einer anderen Zeitstruktur; sie sind gefrorene oder verlangsamte Zeit, manchmal auch innere Zeit. Als Hommage an Neuvilles berühmte Stiche für Vernes Bücher sollen sie durch deutlich abgesetzte szenische Mittel realisiert werden. Die großen Ballettszenen sind ein So nderfall. So ist für die „Unterseeischen Landschaft“, das Lied „Volle Fahrt“, den Krakenkampf und das Finale an tänzerische Lösungen für die Darstellung von Elementen, Tieren und Kampf gedacht.

Z u r B e s e t z u n g

Die Figuren des Stückes werden unter anderem durch unterschiedliche Gesangsstile charakterisiert. Professor Aronnax singt sehr sprachnah, fast moritatenhaft, Kapitän Nemo und die Mamsell haben einen eher opernhaften Duktus. Die höheren Stimmen von Ned Land, Maat und Suri müssen auch mit Bruststimme gesungen werden; die Interpreten sollten Erfahrungen mit Popmusik haben. Conseil ist eine reine Sprechrolle, die sich aber an musikalischen Zeitfeldern orientieren muss. Die kleineren Rollen sind für Chorsolisten gedacht. Alle Solisten, auch Sprechstimmen und Chorsolisten, müssen verstärkt werden.

Die Passagiere und die Besatzung der Nautilus sollten von Opernchor und Tanzensemble gemeinsam dargestellt werden, um fließende Übergänge zwischen den Darstellungsformen zu ermöglichen.

Z u m G e s a n g s s t i l

Der Ausdruck der Figuren dieses Stückes reicht vom natürlichen Sprechen über Sprechgesang und das "Aussingen" von Kommandos bis hin zum eigentlichen Lied; unablässig fließende Übergänge sind erwünscht.

Sprechen: Hier ist an ein filmnaturalistisches Sprechen gedacht. Der Rhythmus der Einsätze soll sich nach der Szene richten, nur bei gestrichelten Linien ist ein musikalischer Auslöser gegeben.

Sprechgesang: In diesen Passagen müssen die Tonhöhen zwar klar erkennbar sein, der Text steht hierbei aber immer im Vordergrund. Vokale sollten abgekürzt, Konsonanten gut artikuliert oder verlängert werden (z.B. „m“ und „n“). Schleifen und Ziehen der Tonhöhen ist ebenso wie Hauchen oder Verzerren möglich. Vorbilder hierfür sind der traditionelle Blues oder Lieder nach Texten von Brecht

Kommandos und Rufe: Diese sollen sehr direkt, hart und naturalistisch klingen, jedoch immer auf den angegebenen Tonhöhen. (Im nautischen Bereich nennt man das singende Rufen von Kommandos „Aussingen“). Mikrotonale Abweichungen sind erlaubt, zum Teil auch notiert. Sängerische Tonformung wie z.B. Vibrato oder Vokalangleichung ist unbedingt zu vermeiden. Kommandos und Rufe sind in der Partitur als rautenförmige Notenköpfe notiert

Liedgesang: Dem inneren Monolog dient der eigentliche, liedhafte Gesang. Dieser sollte nicht abrupt einsetzen, sondern sich aus dem gesprochenen Umfeld allmählich entwickeln.

Forperusalonly

1. Szene – An Deck eines Ozeandampfers

1. Auftritt (Passagiere, 1. Französin, Ned Land)

2.

(Ned Land, Zwei Französinnen, Conseil, Passagiere)

2. Szene – Schiffbrüchig auf offener See

1.

2.

3. Szene – Salon der Nautilus 1. Auftritt (Mamsell, Nemo, Ned, Aronnax, Conseil) ........................................................

4. Szene – Unterseeische Landschaft 1.

(Ballett) ........................................................................................................

6. Szene – Außendeck 1.

8. Szene – Außendeck 1.

9. Szene – Im Salon

1. Auftritt (Ned, Conseil, Aronnax)

2. Auftritt (Vorige, Nemo, Suri, Mannschaft)

10. Szene – Pausenfinale, Außendeck

1. Auftritt (Solisten, Chor, Ballett)

11. Szene – Im Salon

1.

(Maat, Suri, Ned )

(Vorige)

(Ned, Aronnax, Conseil) ...............................................................................

12. Szene – Schleuse und Salon

1.

2.

3.

4.

(Vorige, Nemo)

(Mamsell,

13. Szene – Außendeck

14. Szene – Im Maschinenraum der Nautilus

1. Auftritt (Aronnax, Conseil, Ned, Wache)

2.

3.

(Vorige, Nemo, Offizier)

(Vorige, Suri)

(Ned, Wache, Conseil, Aronnax)

(Vorige, Maschinist, Offizier, Mannschaft)

(Vorige, Suri) ................................................................................................

(Vorige, Nemo)

1. AK T – Die Jagd nac h dem Ungeheuer

q = 70

Vorspiel in zehn Variationen

Maestoso,

1. SZENE – AN DECK EINES OZEANDAMPFERS

1. AUFTRITT (PASSAGIERE, 1. FRANZÖSIN, NED LAND)

Auf dem Oberdeck eines Ozeandampfers. Überfahrt von New York nach Frankreich, April 1867.

Harpunier?Esgreiftuns

Harpunier?Esgreiftuns

Harpunier? Esgreiftuns

Harpunier? Esgreiftuns

schießdoch!Nunschießdoch,Mann!

schießdoch!Nunschießdoch,Mann!

schießdoch!Nunschießdoch,Mann!

schießdoch!Nunschießdoch,Mann!

Ned kommt durchnässt zurück an Bord. Statt der Harpune hat er das Horn eines Narwals dabei, vielleicht einen Meter fünfzig lang.

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3. AUFTRITT (VORIGE, ARONNAX)

Professor Aronnax erscheint in der Menge, ein grauhaariger, charismatischer Mann.

4. AUFTRITT

(VORIGE, DREI PAARE, BALLETT)

Die Kapelle beginnt zu spielen. Ned tanzt mit der Französin, der er das Horn geschenkt hat. Die Passagiere schließen sich an. Stewards bieten Getränke an und zünden Lampions an. Man hört Gesprächsfetzen der Tanzenden.

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Ballade, q = 132

Ballade, q = 132

Gitarre von Ned zurücknehmen

lingdinghay

lingdinghayo

lingdinghayo

lingdinghay

lingdinghayo

lingdinghay

n n

n n n n n n

n n n n n # # n n n n # # # n n n n # # # n n n n n n # n n n n n n #

2. SZENE – SCHIFFBRÜCHIG AUF

1. AUFTRITT

(ARONNAX, CONSEIL)

Dunkelheit, Nebel, unbegrenzte Fläche des Wassers. Nach einer Zeit sieht man allmählich im Vordergrund Aronnax festgeklammert an einem abgebrochenen Mast. Etwas entfernt schwimmt Conseil in den Wellen.

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2. AUFTRITT

(NED, ARONNAX, CONSEIL)

Stunden später. Morgendämmerung, der Nebel weicht zurück. Im Hintergrund ist ein schwarzes Gebilde zu erkennen, das aus dem Wasser ragt.

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(NED, CONSEIL, ARONNAX, MANNSCHAFT)

In diesem Augenblick geht ein Ruck durch das Boot. Ein stampfendes Geräusch erklingt

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ILLUSTRATION

Plötzlich nur noch Schatten. Eine Platte hebt sich, ein Mann kommt zum Vorschein, stößt einen sonderbaren Schrei aus und verschwindet wieder. Eine Gruppe Uniformierter erscheint, überwältigt die Schiffbrüchigen und zieht sie in die Maschine.

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(Eiserner Vorhang)

(Eiserner Vorhang)

ENTR'ACT – VOR DEM EISERNEN VORHANG

(ARONNAX, CONSEIL, NED, NEMO, MAAT, MANNSCHAFT)

Eine Metalltür schlägt zu. Völlige Dunkelheit. Aronnax tritt wie zu Anfang in einem schmalen Lichtkegel vor das Publikum. Der Rest der Szene ist weiterhin in Dunkelheit getaucht.

ARONNAX

Wir waren gefangen. Wo? Wie lange? – Wir wussten es nicht. Alles um uns war schwarz und blieb schwarz. Irgendwann hörten wir, wie ein Riegel zurückgeschoben wurde. Die Tür öffnete sich und im blendenden Licht stand ein Mann. Er war groß gewachsen und hatte eine hohe Stirn, die weitreichende Gedanken bergen mochte. Wie alt er war, woher er stammte, hätte ich nicht sagen können. Ich stellte uns vor und schilderte unserer Erlebnisse. Aber nichts ließ erkennen, ob er mich und mein Französisch verstand. Wir versuchten es auf Englisch, auf Deutsch, sogar mit meinem Schullatein. Nichts. Nur dieser Blick! Er drang durch uns hindurch, durch die Wände des Schiffes und bohrte sich bis auf den Grund des undurchdringlichen Meeres.

Das Dunkel beginnt sich langsam zu lichten. Man sieht die beschriebene Szenerie. Außer dem Kommandanten ist noch der weibliche Maat und ein Matrose zu sehen, der Ned mit Gewalt auf den Boden drückt.

NEMO

Missliche Umstände haben Sie in die Nähe eines Mannes gebracht, der mit der Menschheit gebrochen hat. Sie stören meine Lebensweise...

ARONNAX (geht in die Szene zurück) ...unfreiwillig!

NEMO Bin ich unfreiwillig von Ihnen angegriffen worden? –

ARONNAX Aber wir wussten ja nicht...

NEMO

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Nein, mein Herr! Ich könnte Sie wieder nach draußen auf die Plattform bringen und vergessen, dass Sie jemals existiert haben.

ARONNAX Sie sind doch ein zivilisierter Mensch!

NEMO (verächtlich) Ich bin kein Teil jener Gesellschaft, die sich zivilisiert nennt. – Meine Herren, ich will es kurz machen. Sie können an Bord bleiben.

Er gibt ein Zeichen, Ned loszulassen. Dieser steht langsam auf, sich die Arme reibend.

Colla par te

cresc. poco a poco

Und wann kehren wir in unsere Heimat zurück?

Das ist Grausamkeit!

Der Verzicht auf „Heimat“ ist weniger Pein, als Sie alle glauben.

Colla par te

durchgängig SOUND

(Rauschen) weiche Schlägel

(bitter) Meine Freunde, darauf gibt es keine Antwort.

Das ist Gnade. Ich lasse Ihnen selbst die Wahl zwischen Leben und Tod. Entscheiden Sie! W

(nach einer eisigen Pause, im Plauderton)

Bei der Gelegenheit, Professor: Ich habe Ihr Werk über die Tiefsee gelesen.

Interessant...aber unvollständig. Heute treten Sie in ein neues Element ein. Sie werden sehen, was noch kein Mensch gesehen hat.

Wer...wer sind Sie?

nenne mich Kapitän Nemo

Aber vielleicht haben die Herren im kalten Wasser Appetit bekommen? Die Tafel ist gedeckt. (alle ab)

(Wiederholen, bis alle abgegangen sind.)

(Wiederholen, bis alle abgegangen sind.)

2. AKT – An Bord der Nautilus

3. SZENE – SALON DER NAUTILUS

1. AUFTRITT

(MAMSELL, NEMO, NED, ARONNAX, CONSEIL)

Der Vorhang öffnet sich. Man sieht einen Salon in phantastischem Stil. Bücherregale, Ölgemälde, Schätze des Meeres in leuchtenden Vitrinen. Ein Springbrunnen und eine in die Wand eingebaute Orgel vervollständigen das Bild. In der Mitte eine reich gedeckte Tafel; eine Mamsell trägt ein Schild mit der Aufschrift „An Bord der Nautilus“ durch das Bild.

Leggiero, q = 126

Leggiero, q = 126

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2. AUFTRITT

(VORIGE, SURI)

Er reißt erregt die Ausgangstür auf und erstarrt: Ein schönes Mädchen, auch sie von südländischem Typus, wollte gerade von außen öffnen.

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Leggiero, q = 126

Leggiero, q = 126

Dämpfer

Dämpfer

Dämpfer

4. SZENE – UNTERSEEISCHE LANDSCHAFT

1. AUFTRITT

(BALLETT)

Unterseeische Landschaft. Wie ein barockes Bühnenbild ziehen sich Korallenbänke und Algenbüsche in die Ferne. Der Boden ist mit fein gewelltem Sand bedeckt; unzählige Seesterne, Muscheln, Polypen, Krebstiere aller Größen beleben ihn.

Ballett der Seetiere, schwereloses Schweben und Schwanken, Pulsieren und Zusammenziehen. Korallen durchstreifen mit ihren Armen das Wasser und ziehen sich bei Berührung konvulsisch zurück. Fischschwärme schwimmen durchs Bild. Kleine Szenen spielen sich ab: Ein Seestern versucht, sich aus dem Sand freizuwühlen; ein Krebs kämpft mit einem Konkurrenten.

Rubato mister ioso, q = 60

SOUND 6 (Unterwasserklänge)

P etwas größerer, obertonreicher Hallraum

Rubato mister ioso, q = 60

(Oktavierungsschlüssel beachten)

(Der Vorhang öffnet sich)

Forperusalonly

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2. AUFTRITT

(BALLETT, NEMO, ARONNAX, NED, CONSEIL)

Im Bild erscheint eine kleine Gesellschaft von Menschen in schweren Tauchanzügen, die mit tappenden Bewegungen vorwärtsgehen und Druckluftharpunen oder große Netze bei sich haben. Aronnax untersucht mit Conseil die Flora und Fauna. Ned will einige der Tiere fangen oder schießen und verwickelt sich in groteske Verfolgungsjagden, bei denen er immer den Kürzeren zieht. Als schließlich ein Hai in der Entfernung erscheint, sind sie starr vor Schrecken. Nemo drŸckt die drei AnfŠnger ßach auf den Boden Ð der Hai dreht ab.

Forperusalonly

(Die Taucher)

(Alle ab, Verwandlung)

5. SZENE – SCHLEUSE UND SALON

1. AUFTRITT

(NED, NEMO, CONSEIL, ARONNAX)

Auf der VorbŸhne vor dem Salon beÞndet sich eine Schleuse, aus der die Taucher wassertriefend emporsteigen und sich die Helme abschrauben, die dann von der schweigsamen Besatzung fortgetragen werden.

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2. AUFTRITT (NEMO, ARONNAX)

Sie gehen in den dunklen Salon hinein. Das Panoramafenster ist noch immer geöffnet, das Meer leuchtet in tausend Farben.

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(Wendet sich mit seiner Zigarre an das Publikum, während sich Nemo setzt.)

Der Salon der Nautilus war ein Museum, in dem von verschwenderischer Hand alle Schätze der Natur und der Kunst zusammengetragen waren. Ich war sprachlos. Besonders bewunderte ich die Apparate, die in die Wände eingelassen waren, und unter denen ich nur ein Manometer zur Messung der Tiefe erkannte. Auf meine Fragen erklärte mir Nemo, dass es an Bord des Schiffes eine königliche Kraft gebe. Eine Kraft, die leuchte, wärme und antreibe: die Elektrizität. – Ich war vollkommen überrascht, denn damals war Elektrizität noch eine physikalische Spielerei ohne jeden praktischen Nutzen. - (zu Nemo) Kapitän!

haben gefunden, wonach

3. AUFTRITT

(ARONNAX, NED)

Aronnax bleibt einen Moment wie betäubt zwischen den Vitrinen stehen. Plötzlich steckt Ned seinen Kopf zur Tür herein.

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6. SZENE – AUSSENDECK

1. AUFTRITT

(SOLISTEN, CHOR, BALLETT)

Einen Tag später, auf dem Außendeck der Nautilus. Sonnenaufgang, kein Land weit und breit. Die Mannschaft ist mit dem Einholen von Schleppnetzen beschäftigt. Ein weiblicher Maat bestimmt mit dem Sextanten die Koordinaten.

Dämpfer

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ILLUSTRATION

Der Vorhang öffnet sich; man sieht Nemo im düsteren Salon Orgel spielen. Im vorderen Bereich liegen bewusstlos Aronnax, Ned und Conseil.

7. SZENE – IM SALON

1. AUFTRITT

(NEMO, SURI)

Ein dumpfes Krachen erschüttert den Raum; offenbar wurde wieder ein Schiff von der Nautilus gerammt. Nemo beendet das Stück, indem er beide Unterarme auf die Tastatur presst.

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ILLUSTRATION

Vor dem Panoramafenster sieht man schattenhaft eine Prozession von Tauchern, die eine weiß eingehüllte Gestalt tragen. Schließlich wird der Leichnam in ein vorbereitetes Grab gelegt.

2. AUFTRITT

(BALLETT, NED, SURI)

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3. AUFTRITT

(ARONNAX, NED, CONSEIL)

Aronnax und Conseil sind inzwischen ebenfalls wach geworden.

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(wendet sich zum Publikum) Mir tat es auch leid. – Nemos Schiff war also nicht nur seine Zuflucht, sondern auch seine Waffe. Musste man diesen Mann hassen oder bewundern? War er Opfer oder Henker? w w w w p mit dem Handballen abgedämpft

Ich wusste, dass es grausam wäre, die Gefährten meiner Leidenschaft für das Unbekannte zu opfern. –Der Gefangene hoffte auf eine Gelegenheit zur Flucht, der Gelehrte jedoch fürchtete sie. w w w w CsDsEnlFnGsAnBn

Agitato, q = 132

8. SZENE – AUSSENDECK

1. AUFTRITT

(ARONNAX, NEMO)

Die Nautilus in schneller Fahrt. Das Wetter hat sich verschlechtert, Wind ist aufgekommen, die Temperatur sinkt, Nebelfetzen ziehen vorbei. Auf Deck steht Nemo im Kapitänsmantel und starrt in die Ferne. Aronnax steigt aus der Außenluke.

Agitato, q = 132

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9. SZENE – IM SALON

1. AUFTRITT

(NED, CONSEIL, ARONNAX)

Aronnax, Ned und Conseil betreten verstohlen den dunklen Salon. Während Conseil vor dem Panoramafenster Wache steht, besprechen sich Ned und Aronnax. Keiner von ihnen bemerkt Suri.

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2. AUFTRITT

(VORIGE, NEMO, SURI, MANNSCHAFT)

Kapitän Nemo stürzt in schwerem Ölzeug in den Salon, Suri folgt ihm. Aus der Entfernung hört man unsichtbar die Mannschaft.

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10. SZENE – PAUSENFINALE, AUSSENDECK

1. AUFTRITT (SOLISTEN, CHOR, BALLETT)

Über Wasser tobt ein Sturm. Der Himmel ist schwarz; Gischt peitscht über Deck. Überall winden sich die Riesenkraken. Die Mannschaft besteigt das Deck. Sofort winden sich Fangarme um Beine und Leiber einzelner Matrosen. Ein Kampf mit Äxten, Macheten, Messern entbrennt.

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