SKOTOM.ORCHESTERSTUECK
für Ensemble mit Elektronik
(verstärkte Oboe, Trompete, Horn, E-Gitarre, Keyboard, Drumset und 3 Assistent*innen mit Effektgeräten/Elektronik)
2019
Partitur
Sy. 4922/01
979-0-2042-4922-0
Copyright © 2019 by G. Ricordi & Co. Bühnen- und Musikverlag GmbH, Berlin
Alle Rechte vorbehalten
All rights reserved / Tutti i diritti riservati
für das Black Page Orchestra im Auftrag von Wien Modern
UA: 2. November 2019 Festival Wien Modern
Unter Skotom (von altgriechisch σκότος skótos „Dunkelheit“) versteht man in der Augenheilkunde einen Gesichtsfelddefekt; Abdunkelung bzw. Ausfall eines Teils des Gesichtsfeldes. Bei vollständigem Sensibilitätsverlust (Erblindung) für diesen Teilbereich spricht man von einem absoluten, bei nur teilweisem Sensibilitätsverlust von einem relativen Skotom.
Bei einem Flimmerskotom schildern Betroffene eine Wahrnehmung von hellem, flimmerndem oder sich kaleidoskopartig drehendem Licht in einem meist exzentrisch gelegenen Teil des Gesichtsfelds, das sich zunächst ausdehnt, jedoch nicht das ganze Gesichtsfeld erfasst. Das Auftreten geschieht plötzlich. Der Betroffene kann zunächst das Gefühl haben, in eine starke Lichtquelle geschaut zu haben, weil das Erleben eines Flimmerskotoms einer Blendung ähnlich sein kann.
Skotomisieren – Teile der Realität leugnen, ausblenden, verdrängen – weil sie psychisch nicht bewältigt werden können o.ä.
Nach dem Neurologen Oliver Sacks können so auch Teile des Körpers „skotomisiert“, also „ausgeblendet werden“.
Ebenso (metaphorisch) auch in Geschichte, Politik, Gesellschaft etc. – wir haben viele blinde Flecken…
Besetzung:
Oboe
Trompete (B) (+ 2 Dämpfer: wah-wah und cup mute)
Horn (F) (+ 1 Dämpfer)
>> verstärkt und verfremdet durch:
3 Assistent*innen mit 3 Monotronen (KORG minisynthesizer im Taschenformat: I monotron delay, II monotron, III monotron duo) und 3 distortion Pedalen und zusätzlich sollen die Bläserklänge grundsätzlich verfremdet werden: entweder direkt durch die monotrone oder durch (möglichst 3) ring modulations Pedale/Effektgeräte (ring thing oder mooger fooger) oder andere analoge Effektgeräte. Entstehen soll ein hybrider Klang, leicht synthetisiert, verfremdet (über Drehen an Knöpfen/Filtern während des Stücks leicht changierend im Klangergebnis). Es ist möglich, diese Effekte auch über Live-Elektronik zu erreichen und zu steuern, schöner wäre es aber über 3 analoge Effektgeräte, die von Assistent*innen auf der Bühne bedient werden.
>>> Gut wäre es, wenn jedes Paar einen eigenen Lautsprecher hätte: also jeweils einen Lautsprecher für Oboe + Assitent*in I (monotron delay), Trompete + Assitent*in II (monotron), Horn + Assistent*in III – insgesamt 3 Lautsprecher . Die Korg Monotrone verfügen über einen Volume-Regler am Gerät, ggf. können 3 Volumen-Pedale zur Steuerung der Lautstärke der Verstärkung von Bläsern ebenfalls sinnvoll sein, diese sollten von Assisent*innen bedient werden...
E-Gitarre mit AMP und Effektpedalen – distortion (evtl. 2 verschiedene), delay (schnell, kurz, subtil), ring mod, freeze, wah-wah – whammy bar oder whammy expression Pedal, Volume, ggf. EQ –außerdem e-bow, bottle neck (Glas), Superball
E-Gitarre verstimmt 3 Saiten vor dem Stück minimal (1. Saite e‘ 1/6tel-Ton tiefer, 2. Saite h einen Viertelton tiefer, 5. Saite d 1/6tel-Ton tiefer) – diese Scordatur ist in der Partitur icht weiter notiert (Griffnotation), die Verstimmung ist aber immer(!) mitgedacht – Saitenangaben genau beachten!
Keyboard mit 88 Tasten für 88 Samples – mit aftertouch (ring mod, morph, etwas noise wenn möglich) und pitch wheel, ggf. Pedal und Volume-Pedal >> sound Stereo via PA + Subwoofer
Schlagzeug
Drumset mit Hihat, Snare (hoch gestimmt), Minitom, Floortom, bass drum, 2 Becken (trash und crash) und drum pad mit 4 Samples – Anreger: Sticks , harte Schlägel (Gummi-Kopf), Bogen und eine Stimmgabel (möglichst klangvoll und möglichst 440 Hz) >> mit mehreren Mikros (wenn möglich Kontaktmikros) verstärkt und über Anpassungen im Mixer Klang leicht synthetisieren, ästhetisch Richtung Electronic music/Club
>>> neben den Instrumenten werden folglich benötigt: Mikros (für Bläser + Schlagzeug), Kabel, Interfaces, Mixer, Rechner, Effektgeräte, Amp, Lautsprecher, Subwoofer, PA (wenn möglich insgesamt auf 4 Lautsprecher den Raum flutend) und ggf. Monitore – insgesamt soll der Sound fett sein, physisch. Samples (für Keyb oard und drumpad) werden von Komponistin erstellt.
Licht – OPTIONAL:
Zu dem Stück könnte eine Lichtchoreographie stattfinden. Ich stelle mir eine schnelle, bizarre, mitunter durchaus anstrengende, überwältigende Lichtchoreographie vor, die zum Teil mit der Musik geht (zum Beispiel könnten gewisse Lichteffekte an die Distortionpedale gekoppelt sein oder auch an einzelne Samples vom Keyboard – etwa an die taste f oder andere etc. etc.) und die auch auf die oben genannten Themen (Gesichtsfeldausblendung, Flimmern, Blendung, Sehverlust, blinder Fleck, Dunkelheit etc.) anspielt. Dazu könnte man mit Lichtkünstler*in zusammenarbeiten.
Bei Fragen an Komponistin wenden: sarah.deborah@gmx.de
E-Git.
LEGENDE
Fermaten
sehr lang langkürzersehr kurz Zäsur
CopyrightbyG.Ricordi&Co./Forperusalonly
Viertelton tiefer /höher Dreiviertelton höher minimal höher / tiefer (1/6-1/8)
Drumset
pad Hihat bass drum Floor tom Snare Minitom rim nur Fuß offen geschl. trash crash Becken
Trash-Becken gerne noch mit Metallkette
Floortom gerne noch mit (dämpfenden) extra Fell [ ggf. auch nur teilweise ] Stimmgabel a' + Sticks harter Schlägel Bogen
Scordatur E-Gitarre:
Effekte
D = distortion
DEL = delay
F = freeze
R = ring + e-bow bottle neck (slide) - Glas wah-wah + Whammy
KORG monotron DELAY
KORG monotron
>>SKOTOM.ORCHESTERSTUECK<<
(2019) für Ensemble mit Elektronik Sarah Nemtsov (*1980) ISMN 979-0-2042-4922-0
SCHNELL
4 4 4 f (nur Fuß)
pitch rate int.
Dist. Whammy (bar oder Pedal)
SAMPLE - KEYBOARD mit 88 Tasten + Filter (Synth - 442 Hz) q = ca. 90 - 100 q = ca. 90 - 100
KORG monotron DUO rate int. cutoff time feedb. LFO mod cutoff mod VCO 1 mod poco f Hihat
Scordatur (siehe Legende) ist in der Partitur nicht weiter notiert, aber immer mitgedacht !
mit Stimmgabel auf Snare
Moderato
monotrone (oder ring modulators)
Filter ad lib. bis Takt 11
Filter ad lib. bis Takt 11
Moderato
Saiten leicht gedämpft
(brüchiger Klang - "schmutzig") (brüchiger Klang - "schmutzig") p
Zwerchfell-Akzente
Zwerchfell-Akzente
(mit einem Finger l.H.
anzupfen - trotz Slide)
(sempre) p
mit Bottleneck "schlagen" (tapping)
mit Superball schlagendann über die Saite ziehen
beide Saiten)
unplug (Kabel raus)
più mosso q = ca. 100 q = ca. 100 (ggf. Amp )
loses Kabel an Metall (E-Git.) halten (noise, Rauschen - Sirren)
Senza sord.
Senza sord.
Drumpad
(Kabel wieder eingesteckt:)