Anderswo: Wand
für Orchester 2017/2018
Partitur
Sy. 4806/01
ISMN 979-0-2042-4806-3

CopyrightbyG.Ricordi&Co./Forperusalonly
Besetzung
Kompositionsauftrag des SR (Benedikt Fohr) und WDR (Harry Vogt)
UA Köln, WDR Funkhaus, Klaus-von Bismarck-Saal, 12.1.2019, WDR Symphonieorchester, Bas Wiegers
EA Saarbrücken , Großer Sendesaal des SR, 29.5.2020, Deutsche Radio Philharmonie, Titus Engel
2 Flöten (2. auch Piccolo)
2 Oboen
Englischhorn*
2 Klarinetten in A
2 Fagotten
2 Trompeten in C
4 Hörner in F
2 Posaune
Tuba
Große Trommel
Schlagzeug*
5 Fellinstrumente von Große Trommel (wie im Orchester) bis hohes Tomtom
Harfe
1 Violine
Streicher 8.8.6.4.4
Aufstellung
Violine II rechts vom Dirigenten
Englischhorn*, Schlagzeug* und Violine* im Raum verteilt – wenn möglich Englischhorn unsichtbar links vorne, Schlagzeug und Violine hinter/über dem Publikum auf Empore/Balkon.
Die Partitur ist klingend notiert
Dauer: 17 Minuten
Index
Seite 1 Anderswo: Wand
Seite 39 Anhang 1 – Langsames Verstummen
Seite 43 Anhang 2 – Faust
Programmhefttext
Diese Wand hat etwas Wuchtiges, Undurchdringliches, Dichtes. Bei genauem Hinsehen /-hören nimmt man Einzelheiten wahr, Inschriften; aus der Masse schälen sich Individuen heraus, die, je weiter das Stück sich entwickelt, desto mehr sich entfalten können. So weit, so technisch, so banal.
Das Ganze geht zurück auf die Vorstellung einer imaginären Opern-Szene für meine Kammeroper Anderswo, dort geht es um die Frage des Tyrannenmords. Die „Wand“ sollten dort die gesungenen/gesprochenen/geschrieenen Namen der Opfer sein, die sich (parallel zu einer Rahmenhandlung, Philipp von Boeselager und den Widerstand gegen die Nazis betreffend) immer mehr herausschälen und erkennbar werden, Individualität erlangen. Die „Handlung“ würde über Kreuz laufen: Boeselager, also der Widerstand vom Täter quasi zum Opfer werden, während die Opfer ihre Opferhaltung, ihre Passivität verlieren und Zukunft aktiv gestalten – hast Du Dich im Netz schon einmal in Spielbergs Shoa Foundation umgesehen?: die einzelnen Interviews sind oft von schockierender Großartigkeit … Kaum eine Spur von Bitterkeit oder Haß, sondern immer wieder Vergebung, Aufforderung zum Überwinden von Barrieren, immer wieder Zeugnisse von der Liebe zur Welt und zum Menschen … Was mich auf der anderen Seite zu dem grandiosen Wurf von David Foster Wallace’ Rede “This is Water” bringt, in der er unseren normal täglichen Egoismus als „Standardeinstellung unserer psychischen Festplatte“ bezeichnet und einer „Anpassung” gegenübergestellt, die den Mitmenschen nicht als Hindernis beim Erreichen selbstgesteckter Ziele, sondern als Mitmenschen versteht, auf Augenhöhe – als gleichberechtigte Stimme, womit wir bei der Polyphonie wären, wie ich sie – durchaus politisch – verstehe: als Umgang in Respekt und Liebe mit dem Anderen in seiner Andersartigkeit.
Anhang 1 Langsames Verstummen
für Flöte, Englischhorn, Harfe, Violine
2018
Besetzung
Flöte
Englischhorn*
Harfe
Violine*
Aufstellung
Im Raum verteilt, wenn möglich Englischhorn* für das Publikum unsichtbar auf der Seite, die Violine* hinter den Zuhörern.
LangsamesVerstummen
Anhang 2 Faust
SolofürFlöteausAnderswo:Wand