Sarah Nemtsov NUN
für 10 Musiker mit Elektronik
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für 10 Musiker mit Elektronik
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Auftragswerk des ensemble mosaik
UA: 22.5.2019 Berlin – ensemble mosaik und Enno Poppe
für das ensemble mosaik
nun – mittelhochdeutsch nū(n), althochdeutsch nū, wahrscheinlich ablautend verwandt mit neu; vgl. griechisch ný, nỹn = jetzt – das Gegenwärtige oft zu Vorangegangenem in Beziehung setzend (‘im Anschluß daran, danach’), wobei gelegentlich ein kausaler Zusammenhang hergestellt wird (‘deshalb, folglich’). Zeitangabe.
נ nun – vierzehnter Buchstabe im hebräischen Alphabet, Bedeutung: weitermachen, weitergehen, fortsetzen. Der Buchstabe selbst hat wahrscheinlich seine Ursprünge in der ägyptischen Hieroglyphe für Schlange. nun – Wortpalindrom.
Aus der Kantate BWV 11 „Lobet Gott in seinen Reichen“ von Johann Sebastian Bach – Choral:
Nun lieget alles unter dir, Dich selbst nur ausgenommen; Die Engel müssen für und für Dir aufzuwarten kommen. Dir Fürsten stehn auch auf der Bahn Und sind dir willig untertan; Luft, Wasser, Feuer, Erden Muß dir zu Dienste werden.
BESETZUNG UND AUFSTELLUNG:
Oboe
Klarinette (B) Tenorsaxofon
Violine
Viola
Cello >>> Alle Streicher und Bläser sind mit Mikrofon(en) (Streicher bitte Kontaktmikros) ausgestattet und haben je einen eigenen Lautsprecher (möglich auch 1 Lautsprecher pro Gruppe: also 1 für Streicher, 1 für Bläser) eigene Volume-Pedale und Effektpedale (Akai pads o.ä. – darüber werden Effekte wie reverb, distortion, ring modulation, delay, pitch shift, octaver etc. gesteuert – bzw. ossia: foot switch mit Live-Elektronik für die Effekte, entsprechendes Patch wurde vorbereitet)
Drumset – Hihat, Bassdrum, Snare mit auf dem Fell liegendem (eher kleinen) chinesischen Operngong (gliss aufsteigend), Floortom, Holzblock (zum Teil auf Floortom liegend, außerdem extra Fell für Floortom), Piccolo tom, 2 Becken (Trash und Crash), Sticks, Jazz-Besen, ggf. Ruten, mittelharte Schlägel sowie ein Reibestab (Holz) >>> Instrumente Drumset mikrofoniert >> geht an Effektgerät Kaoss pad (Korg KP3 oder KP3+) und von dort in eigenen Lautsprecher bei Drumset
Klavier – Flügeldeckel ist abgenommen, oberste zwei Noten h‘‘‘‘ und c‘‘‘‘‘, sowie tiefste Note A mit etwas Pattafix (Modelliermasse, Radiergummi o.ä.) leicht dämpfend präparieren – benötigt 3 Ebows >>> Klavier mikrofoniert >> geht an Effektgerät Ringthing (o.ä. – denkbar wäre auch Hologram infinite jet, super ego etc.) und von dort in eigenen Lautsprecher bei Klavier bzw. PA
Elektronik I – Dirigent*in (ossia Schlagzeuger*in oder anderer Musiker mit der Fähigkeit zu dirigieren) mit Sensoren an Armen (Wii Controller o.ä.) steuert Kaosspad bzw. Live-Elektronik an – rechte Hand fungiert wie Finger auf dem touchpad des Kaosspads – also quasi ein Kaosspad in der Luft, wobei durch die Dirigierbewegungen die Filter etc. wie bei X/Y-Achse auf dem Pad getriggert werden. Mit diesen Bewegungen wird der Schlagzeug-(Drumset-)Klang verfremdet.
Es gibt 8 Presets (- genaue Einstellungen werden mit Komponistin erarbeitet).
Ossia: statt Kaosspad Live-Elektronik – entsprechendes Patch wurde vorbereitet.
Elektronik II – Assistent*in bzw. Netzwerker*in – hat Effektgerät Ringthing und verfremdet Klavierklang – es gibt 9 Presets (- genaue Einstellungen werden mit Komponistin erarbeitet).
Außerdem hat sie ein Volume-Pedal, das den Klavierklang betrifft.
Abgesehen von der Klavierverfremdung findet hier das Schaltwerk für die Transducer-Station statt –
Es gibt in der Mitte des Ensembles 4 Schlagzeuginstrumente mit 4 Transducern
1) Große Trommel (Naturfell) – leicht präpariert mit etwas Reis o.ä.
2) Ocean drum auf Ständer liegend
3) Donnerblech – leicht präpar iert mit etwas Alufolie oder leichter Metallkette
4) TamTam
Den Schlagwerkinstrumenten in der Mitte sind je Instrumente bzw. Instrumentengruppen zugeordnet.
a) Drumset auf Transducer an der Großen Trommel
b) Bläser (alle drei) auf Ocean drum
c) Streicher (alle drei) auf Donnerblech
d) Klavier auf Tamtam
Assistent*in nimmt also das Routing vor und schaltet hin und her zwischen den Instrumenten (verstärkt und verfremdet) auf Lautsprecher <oder> (ohne Effekte) auf Transducer
Außerdem gibt es insgesamt 12 Soundfiles: 8 mono Soundfiles, die auf die Transducer (Instrumente unterschiedlich - siehe Partitur) geschickt werden, und 4 stereo Soundfiles die über PA abgespielt werden (laut – mit Subwoofer nach Möglichkeit).
Benötigtes Equipment:
3 Mikrofone für Bläser
3 Kontaktmikrofone für Streicher
1-2 Mikrofone für Klavier
Genügend Mikrofone (und Kontaktmikros) für Drumset
4-8 einzelne Lautsprecher
2 Lautsprecher PA
7 Volumenpedale (für Streicher, Bläser und Klavier bei Assistent*in)
6 x Effektpedale (Akai pads o.ä. für Streicher und Bläser – reverb, distortion, ring modulation, delay, pitch shift, octaver etc.) oder auch ossia foot switches und Live Elektronik
4 Transducer
1x Effektgerät Ringthing o.ä.
1x Effektgerät Kaosspad (Korg KP3) ossia Live Elektronik >> angesteuert über Handsensoren (2x Wii Controller o.ä.)
4 soundfiles (a-d) stereo
7 soundfiles (1-7) mono Computer, Mixer, Interfaces, Kabel, evtl. Monitor(e) etc. pp.
Aufstellung im Kreis (siehe Skizze) – im Idealfall soll das Publikum um das Ensemble herumsitzen und (noch besser) mit Aufsicht auf das Ensemble. Die Instrumente der Transducer (Große Trommel, Ocean drum, Donnerblech und TamTam) sollen in der Mitte des Ensembles platziert sein. Je nach Raum, Bühnensituation etc. kann aber auch ein anderer Ort (auch außerhalb des Kreises und auch verteilt)
für die Transducer-Instrumente gewählt werden, damit die Resonanzen bestmöglich zur Geltung kommen. Das Ensemble spielt quasi für sich. Dirigent*in ist Ensemblemitglied, schlägt zum Teil „daneben“ – musikalisch intendiert – leitet im eigentlichen Sinne erst spät im Stück oder hat zwei Hände „im Kampf“. Es ist auch möglich, dass zusätzlich (ordinario) zweite*r Dirigent*in dabei ist, der*die klassisch dirigiert, im Kreis integriert, gegenüber von Elektronik1-Dirigent*in. Diese Dopplung hätte durchaus theatralen Charakter.
Der Beginn soll keinen klassischen Auftritt (mit Applaus und dem üblichen Pathos) haben: stattdessen setzt Soundfile 1 bereits auf Transducer Große Trommel ein, wenn noch Notenpulte gerückt werden, während Musiker erst auftreten usw., die Streicher beginnen zu (ver-)stimmen mit dem Eintritt Soundfile 2, der Beginn des Stücks wird somit verschleiert.
Am Ende landet das Ensemble harmonisch wieder im Beginn und es könnte in den letzten Takten sogar wieder der erste Soundfile einsetzen und das Stück erneut losgehen – NUN, da capo, ad infinitum, ein Kreis, ein Palindrom oder vielmehr eine Spirale (wie im Leben).
nun – das Wort ist eigentlich kein Synonym für jetzt, denn es ist anders, hat eine Richtung… eine Bewegung, nach vorne, immer weiter.
Die vier Abschnitte der Komposition sind abstrakt (nicht als naturalistische Illustration) den vier Elementen zugeordnet:
I Luft
II Wasser
III Feuer
IV Erde
Die Metronomangaben sind ungefähre Richtwerte. Wichtig ist die Energie. Effekte und auch der Einsatz der Volumenpedale sind im Prinzip notiert, allerdings ist die Notation eher ideengebend gemeint und die Details sollen im besten Fall mit Komponistin ausgearbeitet werden.

Fermaten:
Streicher
vib.
schneller werden / langsamer werden /kurze Note / schnell / so schnell wie möglich
sehr lang lang kürzer Zäsur . U , . œ œ j
Viertelton tiefer / höher
Dreiviertelton höher / tiefer minimal höher / tiefer (1/6-1/8)
s.v. gliss. vibrato molto vibrato senza vibrato glissando
Bläser slap Zahnton bisbigliando Klangfarbentriller, ggf. mikrotonal bisb.
Flatterzungemultiphonic
Luft durchs Instrument Luft knapp über Mundstück
Sauggeräusch
Verhältnis Luft zu Ton (norm.) (atmen ein, aus)
Klappengeräusch
>>> Alle Bläser sind mit Mikrofon(en) ausgestattet und haben je einen eigenen Lautsprecher, eigene Volume-Pedale und Effektpedale (Akai pads o.ä. – darüber werden Effekte wie reverb, distortion, ring modulation, delay, pitch shift, octaver etc. gesteuert)
Hihat, Bassdrum, Snare mit auf dem Fell liegendem (eher kleinen) chinesischen Operngong (gliss. aufsteigend), Floortom, Holzblock (zum Teil auf Floortom liegend, außerdem extra Fell für Floortom), Piccolo tom, 2 Becken (Trash und Crash), Anklebells (die im Verlauf des Stücks an Hihat montiert werden) >>> Instrumente Drumset mikrofoniert >> geht an Effektgerät Kaoss pad (Korg KP3 oder KP3+) und von dort in eigenen Lautsprecher bei Drumset + PA
Anreger:
Trommelstöcke mittelhart
Jazz-Besen
Reibestab
Bürste (Haarbürste - Drahtborsten mit Plastikköpfen) Hand
Flügeldeckel abgenommen, obersten Töne h'''' und c''''', sowie tiefster Ton A mit etwas Pattafix (Modelliermasse, Radiergummi o.ä.) leicht dämpfend präparieren – benötigt 3 Ebows >>> Klavier mikrofoniert >> geht an Effektgerät Ringthing (o.ä. – denkbar wäre auch Hologram infinite jet etc.) und von dort in eigenen Lautsprecher bei Klavier + PA
vib.
s.v. gliss. s.p. tasto norm ord. gett. spicc. col l. col l. e crini trem. batt. pizz.
Scordatur - Violine verstimmt 2 Saiten (II und IV), Viola und Cello je 3 Saiten (I, II und III bzw. I, II und IV), dies geschieht zu Beginn des Stücks, quasi einkomponiert (eingeschrieben). Violine, Viola und Cello sind in Griffnotation zu lesen (Hauptsystem), im unteren System ist jeweils der resultierende Klang notiert, der immer mitgedacht und genau geplant ist. vibrato langsames, leierndes vibrato (mikrotonal) nervöses Zittern, irregulär, beide Hände zittern senza vibrato glissando sul ponticello sul tasto normale (Spielposition) ordinario (Spieltechnik) gettato (fallen lassen, ggf. etwas "nachhelfen") spiccato col legno (mit Bogenstange), Holz Bogenholz und -haare tremolo battuto pizzicato linke Hand pizz. Bartok-pizz. con sordino
con sord.
(Abstrich / Aufstrich)
starker Bogendruck (schneller Bogen, verzerrt) "gepresster" Klang, viel Druck, zu langsamer Bogen, je nach Dynamik und Position leicht geräuschhaft bis extrem verzerrt Spieltechnik beibehalten
Sehr gepresst, extrem langsamer Bogen, stockend kreisen
dämpfen, ggf. perkussiv perkussiv (mit Hand) schlagen
Saiten hinterm Steg / auf dem Steg
>>> Alle Streicher sind mit Mikrofon(en) (bitte Kontaktmikros) ausgestattet und haben je einen eigenen Lautsprecher, eigene Volume-Pedale und Effektpedale (Akai pads o.ä. – darüber werden Effekte wie reverb, distortion, ring modulation, delay, pitch shift, octaver etc. gesteuert)
Prolog
Prolog
Streicher ad lib. live zu Soundfile 2 umstimmen (arco):
Griffnotation: Klang:
Scordatur I + II + III
Prolog . . . Musiker treten auf, richten sich ein - der Beginn wird so "verschleiert" [ 1 2 3 Transducer Gr. Tr. Oceandrum Donnerblech
Prolog
A . Soundfile A auf Transducer 1 (Große Trommel) [ drones ] [ klingt einen Ganzton tiefer ] [ klingt eine große None tiefer ]
Klang: . Scordatur I + II + IV
Notation: . . Scordatur II + IV
Hihat trash crash
Ringthing Effektgerät oder Live-Elektronik Ringmodulation
Dirigierbewegungen:
(Bogen bleibt auf Saiten) (Bogen bleibt auf Saiten)
ad lib. Takte 193 + 194 wiederholen * dabei frei Pausen mal verlängern ("nachhören") ad lib. Takte 193 + 194 wiederholen * * wenn Resonanzen schön und effektiv / intensiv klingen
mosso
(Klang immer etwas "einfangen")
) wenn möglich können sich die Streicher ihren Lautsprechern
[quasi Epilog] (vorwärts)
Wiederholungen ad lib. (trance-like groove - nie nachlassen)
[quasi Epilog] (vorwärts)
Wiederholungen ad lib. (trance-like groove - nie nachlassen)
) Ï letztes Mal pizz. Effekte frei wechseln
letztes Mal Ï
Wiederholungen ad lib. (trance-like groove - nie nachlassen)
dirigiert bzw. "filtern" ad lib. ( frei bewegen, wie tanzen, beide Arme in der Luft )
poco cresc.
[quasi Epilog] (vorwärts) sub. poco meno
poco
[quasi Epilog] (vorwärts)
Wiederholungen ad lib. (trance-like groove - nie nachlassen)
Wiederholungen ad lib.