Moritz Eggert Wer hat Angst vor dem König?
für Sopran und Orchester
Text von Moritz Eggert 2021
Partitur
Sy. 5873/01 ISMN 979-0-2042-5873-4
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für Sopran und Orchester
Text von Moritz Eggert 2021
Partitur
Sy. 5873/01 ISMN 979-0-2042-5873-4
Kompositionsauftrag des Festivals „pyramidale#20 | TRANSITION“
Besetzung
Piccolo
Flöte
Oboe
Klarinette in B Fagott
Horn in F Trompete in B Posaune
Pauken
Schlagzeug – Große Trommel mit Becken, Tam-tam, Vibraphon, Kleine Trommel, Peitsche Jazz-Orgel (oder Keyboard mit Orgelsound)
Sopran Solo
Streicher (6-6-2-4-1)
Dauer: 6’30”
Instrumentation
Piccolo
Flute
Oboe
Clarinet in Bb Bassoon
Horn in F Trumpet in Bb Trombone
Timpani
Percussion – Bass drum, cymbals, tam-tam, vibraphone, snare drum, whip Jazz-Organ (or keyboard with organ sound)
Soprano Solo
Strings
Duration: 6’30”
Wer hat Angst vor dem König?
Wer hat Angst vor dem König?
Wer hat Angst vor seinem absoluten Wort?
Ich nicht!
Der König ist alt und ein bisschen satt geworden.
Der König hat sich nie für etwas anderes als das Königsein interessiert.
Um den König herum sind lauter Lakaien, die gerne König anstelle des Königs wären. Sie wuseln um ihn herum und dienen sich ihm an. Wenn der König etwas Dummes anstellt, schauen sie alle gemeinsam weg, denn sie haben Angst davor, dass der König zornig wird, wenn sie ihn auf Fehler hinweisen.
Recht haben sie! Und weil es so ist, kommt der König mit allem durch und denkt immer, dass man sich als König alles erlauben kann. Weil alle wegschauen, wird der König ein immer schlimmerer König. Jeden Tag wird er ein bisschen entsetzlicher, als er ohnehin schon war. Wenn es so weitergeht, wird er eines Tages der entsetzlichste König aller Könige werden.
Wer hat Angst vor dem König?
Wer hat Angst vor seinem unbeherrschten Zorn?
Ich nicht!
Der König ist jeden Tag ein bisschen satter, und dennoch ist er immer schlechter Laune.
Er hat Angst, dass er nicht genug abbekommt vom Kuchen, deswegen missgönnt er jedem andren sein Stück. Alle müssen ihn immer loben, von morgens bis abends. Und wer vergisst, ihn stets zu loben, fällt ganz schnell in Ungnade.
Morgens: Loben!
Mittags: Loben!
Abends: Doppelt Loben!
Aber es ist nie genug. Dabei trieft das ganze schleimige Lob auf den König herab, dass es in Bächen herunterläuft. Doch es ist nie genug.
Wer hat Angst vor dem König?
Wer hat Angst vor seiner unersättlichen Gier?
Ich nicht!
Denn ich bin die Königin.
Als ich Königin wurde, hat man mir gesagt, dass ich den ganzen Tag neben ihm sitzen und mir seine langweilige Show anschauen solle.
Als ich Königin wurde, hat man mir gesagt, dass ich für den Hoffotograf immer lächeln soll.
Aber dazu hab‘ ich keine Lust. Denn wenn alle Königinnen den Mund aufmachen, ist es für die Könige viel schwieriger. Sie müssten härter arbeiten und ganz sicher wesentlich mehr nachdenken, bevor sie etwas anstellen. Aber die Könige denken, dass sie immer so weitermachen können. Denn sie können sich gar nicht mehr vorstellen, wie es ist, nicht mehr König zu sein.
Doch ich weiß, dass in Wirklichkeit wir alle Königinnen und Könige sind, jeder und jede in einem eigenen kleinen Reich. Und jedes dieser Reiche hat seine eigenen Ideen und seine eigenen Wunder.
Denn wenn der Tag kommt, an dem unserem Königreich eine Gefahr droht, werden wir alle brauchen: die Königinnen UND die Könige. Zusammen sind wir weise, allein sind wir dumm.
Wer hat Angst vor der Zukunft?
Wer hat Angst vor der Königin?
Ganz ehrlich: wer so viel Angst vor mir hat, der kann kein König sein. Denn Könige dürfen keine Angst haben.
Noch nicht einmal vor mir.
Moritz Eggert, 7.4.2021
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Denn sie können
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