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Nachbarn 2-20 Caritas Zuerich

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Zürich

Nr. 2 / 2020

Nachbarn

Solidarität in unsicheren Zeiten Die Corona-Krise trifft auch Menschen, die bislang auf der sicheren Seite lebten. Wir alle sind gefordert.


Inhalt

Inhalt 3 Editorial Kurz & bündig

4 News aus dem Caritas-Netz

Bild Zoe Tempest

Schwerpunkt

Jacqueline Künti ist selbstständige Wochenbe begleiterin Im Lockdown konnte sie ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen und geriet wie so viele in finanzielle Schwierigkeiten

6 Als das Arbeitsleben plötzlich stillstand Schwerpunkt

10 Prekäre Arbeit: Leben mit der Unsicherheit

Schwerpunkt

Solidarität in unsicheren Zeiten Die Corona-Krise trifft diejenigen am heftigsten, die bereits vor der Krise wenig hatten. Besonders betroffen sind Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen: Arbeitnehmende im Stundenlohn, auf Abruf, schlecht bezahlt. Deren ohnehin unsichere Lage verschärfte sich oft dramatisch. Die Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie treffen aber auch Bevölkerungsgruppen, die scheinbar sicher unterwegs waren, beispielsweise Selbstständigerwerbende. Jacqueline Künti, Wochenbettbegleiterin aus dem Kanton Bern, konnte nicht mehr zu den jungen Müttern nach Hause. Von einem Tag auf den anderen brachen ihr die Aufträge weg. Die Caritas konnte ihr mit einer Überbrückungszahlung durch die ärgste Phase von Unsicherheit helfen. Lesen Sie in dieser Nummer, wie die Caritas dank ihrer Erfahrung und der grossen Solidarität der Bevölkerung hilft, und was Unsicherheit mit uns allen macht. Spannende Lektüre wünschen wir!

ab Seite 2

Persönlich

12 «Wann hast du zum letzten Mal jemandem geholfen? Wobei?»

Sechs Antworten von Passantinnen und Passanten Regional

14 Solidarisches Handeln

Caritas Zürich während der Corona-Krise – drei Beispiele unserer Arbeit

17 Zum Rücktritt von Josef Annen

Ein überzeugender und glaubwürdiger Präsident

18 Caritas Secondhand mit Online-Shop

Vier Fragen an Verkäuferin Nunzia Spadavecchia Ich will helfen

22 Junge Freiwillige verhindern die Schliessung der Caritas-Märkte Kolumne

23 Das wunderliche Gefühl der Gemeinschaft

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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Die Corona-Krise hat alles umgewälzt. Sie hat den Globus in riesigen Wellen erfasst. Wir realisieren erst in Ansätzen, was dieses Virus ausgelöst hat und wie die Politik, die Wirtschaft und die Zivilgesellschaft darauf geantwortet haben. Aus der Sicht der Hilfswerke ist es vergleichbar mit dem Tsunami 2004. Insbesondere die reisefreudige Schweiz war tief erschüttert von jenem Ereignis. Schlagartig wurde uns die Verletzlichkeit des Menschen bewusst, wie sinnlos unser Machbarkeits- und Sicherheitswahn letztendlich ist. Die Tsunami-Flut löste eine der grössten «Spendenwellen» aus, von der erstaunlicherweise auch die lokalen Hilfswerke profitiert haben. Der Tsunami sensibilisierte uns. Corona ist eine weltweite Katastrophe. Sie bedroht alle – wenn auch ungleich hart. Und wieder berührt es mich, welche Solidaritätswelle diese Bedrohung ausgelöst hat: Wir hatten überwältigend viele Anfragen für Freiwilligeneinsätze und Zusagen für materielle und monetäre Spenden. Solidarität tut Gutes für andere, aber sie tut auch etwas mit uns. Sie ist verursacht durch das Gefühl der Verletzlichkeit und Empathie, weckt enorme Kräfte an Kreativität und Hilfe. Danke, dass auch Sie in dieser schwierigen Zeit tatkräftig geblieben sind. Wir haben uns nie allein gefühlt. – Und ich bin überzeugt: Diese Welle der Solidarität ebbt nicht so schnell ab. Denn sie hat uns verändert.

Bild: zvg

Eine Notsituation weckt in uns den Gerechtigkeitssinn: «Wenn ich kann, dann tue ich etwas für die, die nichts tun können.» Wir werden zu «Solidaritätern und Solidaritäterinnen». Solidarität tut viel – auch mit uns selbst.

Max Elmiger Direktor Caritas Zürich

«Nachbarn», das Magazin der regionalen Caritas-Organisationen, erscheint zweimal jährlich: im April und im Oktober. Gesamtauflage: 34 200 Ex. Auflage ZH: 12 500 Ex. Redaktion: Karin Faes (regional) Roland Schuler (national) Gestaltung, Produktion und Druck: Stämpfli AG, Bern Caritas Zürich Beckenhofstrasse 16, Postfach 8021 Zürich Tel. 044 366 68 68 www.caritas-zuerich.ch PC 80-12569-0 IBAN CH38 0900 0000 8001 2569 0

Herzlich

Max Elmiger Direktor Caritas Zürich

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Kurz & bündig

Solidaritätsaktion «Eine Million Sterne»

Corona-Hilfe

Dieses Jahr ganz besonders nötig

Caritas unterstützt – in der Krise erst recht

Die Caritas-Solidaritätsaktion «Eine Million Sterne» findet dieses Jahr am 12. Dezember statt. Die Caritas macht dann besonders auf die wachsende Armut in der Schweiz aufmerksam und wirbt für Solidarität mit Betroffenen.

Für viele Menschen an oder unter der Armutsgrenze ist die Caritas in der Corona-Krise eine wichtige Stütze. Mithilfe der Glückske e und vieler grosszügiger Unterstützerinnen und Unterstützer hält Caritas in der Krise die Stellung.

In der Schweiz leben rund 1,2 Millionen Menschen unter oder knapp über dem Existenzminimum. Die Folgen der Corona-Massnahmen treffen diese Menschen besonders hart. Working Poor, Menschen in unsicheren Anstellungsverhältnissen oder in Branchen, die vom Lockdown besonders hart getroffen wurden, müssen noch mehr kämpfen, als dies vor «Corona» ohnehin schon der Fall war. Zurzeit sind die sozialen Folgen noch nicht absehbar. Sicher ist: Menschen in schwierigen Lagen brauchen unsere Unterstützung. Sie brauchen unsere Solidarität. Als Zeichen dieser Solidarität wird am Samstag, 12. Dezember 2020, in der ganzen Schweiz die Aktion «Eine Million Sterne» Kerzen zum Leuchten bringen. Save the date! Machen auch Sie Ihre Solidarität mit benachteiligten Menschen sichtbar, und reservieren Sie sich den 12. Dezember für ein Zeichen für eine faire Schweiz! Auf www einemillionsterne ch finden Sie ab November alle relevanten Informationen. Ebenfalls ab November können Sie Ihre Solidarität wieder mit einer der beliebten Wunschkerzen bekunden: www wunschkerze einemillionsterne ch

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Bild Dominic Wenger

Bild Thomas Plain

Die finanzielle Not von vielen Menschen an der Armutsgrenze wurde mit der Corona-Krise und dem Lockdown noch akuter. Schon früh war klar: Caritas muss trotz unklarer Lage und unter Schutzvorkehrungen für Mitarbeitende und Freiwillige ihre Angebote für Armutsbetroffene möglichst aufrechterhalten – jetzt erst recht. Das gelingt der Caritas dank motivierten Mitarbeitenden und Freiwilligen, der Glückskette und der grossen

Solidarität in der Bevölkerung. Aufgrund der Erfahrung der Caritas als Hilfswerk und der starken regionalen Verankerung konnte rasch und auf die Bedürfnisse in den Regionen abgestimmt reagiert werden. Die Caritas-Regionalorganisationen bieten Unterstützung mit ihren bewährten Angeboten wie den CaritasMärkten und den Sozial- und Schuldenberatungen. Hier wurden zum Teil neue Stellen geschaffen, um die hohe Anzahl Anfragen zu bewältigen. Direkt geholfen wird mit Einkaufsgutscheinen für die Caritas-Märkte, Aldi und Lidl im Wert von über 300 000 Franken sowie mit finanzieller Soforthilfe bei offenen Mietzins- oder Krankenkassenrechnungen im Wert von 2,6 Millionen Franken (Zahlen: Stand Ende August). Auch neue Angebote wurden ins Leben gerufen. www caritas ch/corona

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Kurz & bĂźndig

Caritas Schweiz

NEWS

Peter Marbet wird neuer Direktor

Danke fßr die vielen Meinungen! In der letzten Ausgabe des Nachbarn erfragten wir die Meinung unserer Leserscha zu unserem Magazin Erfreulich viele Leserinnen und Leser nahmen an der Umfrage teil Ganz herzlichen Dank dafßr! Aktuell läu die Auswertung Eine Schlussfolgerung lässt sich heute bereits ziehen Einer grossen Mehrheit gefällt das Nachbarn sehr Das freut uns natßrlich und spornt uns an fßr Sie weiterhin ein informatives und ansprechendes Magazin zu produzieren

Bild zvg

Caritas-Lieferdienst in Baselland

Der neue Direktor von Caritas Schweiz heisst Peter Marbet. Er tritt am 1. November 2020 die Nachfolge von Hugo Fasel an. Dieser geht nach zwÜlf Jahren an der Spitze der Organisation in Pension. Peter Marbet (Jahrgang 1967) stammt aus Bern und studierte neuere Geschichte und Politologie. Später absolvierte er die Ausbildung zum Executive Master of Business Administration in NPO-Management der Universität Freiburg. Der neue Caritas-Direktor bringt viel Management- und Fßhrungserfahrung sowie breite Kompetenzen in gesundheits-, bildungsund sozialpolitischen Fragestellungen mit. Diese erwarb er sich an verschiedenen beruflichen Stationen: als Informationsbeauftragter bei einer grossen Krankenversicherung, als Mitglied der Direktion bei santÊsuisse und Leiter der Abteilung Politik und Kommunikation sowie in seiner letzten Funktion als Direktor des Berner Bildungszentrums Pflege. Als Stadtrat der Stadt Bern (Legislative) und Mitglied verschiedener parlamentarischer Kommissionen ist er auch mit einer Vielzahl von sozialpolitischen Themen vertraut. Peter Marbet ßbernimmt die Leitung von Caritas Schweiz per 1. November von Hugo Fasel, der nach zwÜlf Jahren als Caritas-Direktor in Pension geht.

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Bleiben Sie zu Hause lautete das Gebot der Stunde während des Corona-Lockdowns in der ersten Jahreshäl e vor allem fßr Personen ab oder mit Vorerkrankungen Fßr die Armutsbetroffenen und -gefährdeten in ländlichen Gebieten weit weg vom Caritas-Markt in der Stadt musste eine LÜsung her Die Caritas beider Basel startete in enger Zusammenarbeit mit Pfarreien einen Lieferdienst Dieser läu bis mindestens Ende

Caritas Aargau erÜffnet eine weitere Sozialberatung Im Juni erÜffnete die Caritas Aargau eine neue Sozialberatungsstelle im Pfarreizentrum KleindÜ ingen Der Kirchliche Regionale Sozialdienst KRSD Zurzibiet wird die Seelsorge der Kirchgemeinden ergänzen und ermÜglicht es der Caritas nahe bei den Menschen Hilfe anzubieten Mit dem KRSD Zurzibiet startet bereits die achte Sozialberatungsstelle der Caritas Aargau www caritas-aargau ch/sozialberatung

Caritas Luzern Wechsel in der Geschä sleitung Daniel Furrer tri am Oktober die Nachfolge von Thomas Thali als Geschä sleiter der Caritas Luzern an Der politisch engagierte und gut vernetzte -Jährige wirkte vorher als stellvertretender Geschä sleiter und Leiter Dienstleistungen und Kommunikation beim SAH Zentralschweiz und ist Mitglied des Grossen Stadtrats Luzern Auch neu in der Geschä sleitung ist seit Anfang September Karin Hunziker Leiterin Berufliche Integration www caritas-luzern ch/geschae sleitung

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Rubrik

Der Lockdown verunmöglichte es Jacqueline Künti als Wochenbe begleiterin junge Mü er zu besuchen und sie zu unterstützen Sie geriet in finanzielle Ein Leben in Armut bringt Eltern an den Rand der Verzweiflung Schwierigkeiten Caritas konnte ihr und vielen und lässt Kinderträume platzen anderen helfen 6

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Schwerpunkt

Als das Arbeitsleben plötzlich stillstand Junge Mütter und ihre Neugeborenen zu begleiten, ist mit viel Nähe verbunden. Als Corona kam, fielen bei der freiberuflichen Wochenbettbegleiterin Jacqueline Künti die Aufträge weg. Entsprechend dankbar ist sie für die Unterstützung durch die Caritas. Text Ursula Binggeli Bilder Zoe Tempest

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enn Jacqueline Künti im Garten des Bauernhauses sitzt, in dem sie als Alleinerziehende mit ihren beiden Teenager-Töchtern lebt, umgeben von viel Grün und Blumen, wirkt sie ganz in ihrem Element, ein bisschen elfenhaft und doch geerdet. Der Eindruck täuscht nicht. Jacqueline Künti fühlt sich der Natur und den in ihr waltenden Kräften tief verbunden, ohne sich deswegen von den Menschen abzuwenden, im Gegenteil. Auf ihrer Website schreibt sie: «Begegnung erlebe ich in der freien Natur, im lebendigen Austausch mit offenen Menschen, durch Reisen, Ehren und Feiern verschiedener Kulturen und deren Ritualen.» Unter anderem gestaltet sie freie Willkommens- und Segnungszeremonien für Kinder. Der weite Horizont der früheren Kleinkindererzieherin schlägt sich aber auch in ihrer hauptberuflichen Tätigkeit nieder.

Sorgsame Arbeit in Familien Jacqueline Künti hat in Deutschland die Ausbildung zur Familienlotsin absolviert und unterstützt nun als freiberufliche Fachfrau für Wochenbettbegleitung Familien mit einem Neugeborenen in der intensiven ersten Zeit zu Hause. «Wichtigste Ansprechperson für die Mütter ist stets die Hebamme, ich arbeite ergänzend.» Jacqueline Künti bereitet vollwertige, stillgerechte Mahlzeiten zu, sie wirft bei Bedarf eine Ladung Wäsche in die Maschine, sie betreut die grösseren Kinder – und sie widmet sich dem Baby und der Wöchnerin. Die Begleitung

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des Beziehungs- und Bindungsaufbaus zwischen Mutter, Kind und der Familie steht im Zentrum ihres Tuns. «Sie sollen gemeinsam wachsen können.» Achtsamkeit und Urvertrauen sind wichtige Stichworte für sie.

Ein harter Frühling 2020 – das fünfte Jahr ihrer Selbstständigkeit – fing gut an für Jacqueline Künti: Die Mund-zu-Mund-Propaganda schien zum Laufen zu kommen. Ihr Einkommen reichte zusammen mit den Alimenten und Kinderzulagen zum Leben. Aber dann kamen Corona und der Lockdown. «Mein Arbeitsleben stand von einem Tag auf den anderen praktisch still.» Laufende Aufträge wurden gestoppt, und neue Anfragen gab es keine. Sehr unsicher sei sie

«Corona hat mich schier zum Verzweifeln gebracht.» gewesen in jenen Wochen, erinnert sich Jacqueline Künti. Hätte sie überhaupt Familien aufsuchen dürfen? «Der Rahmen, in dem ich arbeite, ist doch sehr intim.» Auch als die Lockerungen kamen, blieben die Fragen. Ab wann waren Besuche am Wochenbett wie-

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Schwerpunkt

der vertretbar? Sollte sie mit einem Inserat Werbung für sich machen? Aber das schien ihr in der Zeit des grossen Abstandhaltens zu provokant. Jacqueline Künti und ihre Töchter mussten im März mit 1800 Franken auskommen, auch im April war dem so. «Wir sind es gewohnt, uns einzuschränken – in der Zeit meiner Ausbildung zur Familienlotsin wohnten

Viele sind der Unsicherheit weiterhin ausgeliefert. wir zu dritt in einer 2,5-Zimmer-Wohnung.» Aber Corona habe sie nun wirklich schier zum Verzweifeln gebracht. Mit Zuwendungen von Verwandten konnte sie nicht rechnen. Die Solidarität der älteren ihrer Töchter,

die derzeit in einer Kita ein Praktikum macht und ihr anbot, die Krankenkassenprämien bis auf Weiteres von ihrem kleinen Lohn selbst zu bezahlen, berührte sie tief.

Keine Hilfe vom Bund Wie Jacqueline Künti standen diesen Frühling viele freiberuflich Tätige wegen Corona vor einschneidenden finanziellen Einbussen. Viele sind der Unsicherheit weiterhin ausgeliefert. Während diejenigen, die von den Massnahmen des Bundes direkt betroffen waren und ihre Tätigkeit nicht mehr ausüben konnten, schon bald wussten, dass sie finanzielle Unterstützung erhalten würden, blieben Freiberufler, die indirekt betroffen waren, bis Mitte April im Ungewissen. Als der Bund beschloss, auch ihnen finanziell unter die Arme zu greifen, war Jacqueline Küntis Freude nur von kurzer Dauer. Ihr Gesuch wurde abgelehnt – der von ihr als Wochenbettbegleiterin erzielte Gewinn lag

Es braucht die Nähe Jacqueline Künti unterstützt junge Mü er in der ersten Zeit nach der Niederkun

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Schwerpunkt

leicht unter dem unteren Limit für den Anspruch auf Unterstützung. «Meine Einnahmen aus den Ritualbegleitungen wurden nicht mitgerechnet, ja, nicht einmal erwähnt, und auch das Ausfallen der von mir für das Jahr 2020 neu aufgegleisten Kurse für Schwangere wurde nicht berücksichtigt.» Der negative Bescheid schmerzte. «Für mich ist er unverständlich. Er hat mich wütend gemacht.»

UNSICHERHEIT BELASTET Prof Dr Christoph Flückiger ist Leiter Allgemeine Interventionspsychologie und Psychotherapie an der Universität Zürich

Bild zvg

Grosse Solidarität Zum Glück hatte Jacqueline Künti schon früh auch nach nicht staatlicher Hilfe Ausschau gehalten. Sie wandte sich an die Caritas. Dort war man auf Anfragen wie die ihre vorbereitet. Dank einem Spendenaufruf

«Ich denke an die jungen Familien, die in der Krise erst recht allein waren.» zusammen mit der Glückskette stehen Gelder zur Verfügung, die für Menschen eingesetzt werden können, die ohnehin in bescheidenen Verhältnissen leben und wegen Corona in akute finanzielle Bedrängnis gerieten. Brigitte Raviele von der Caritas Bern: «Neben freiberuflich Tätigen sind es auch von Kurzarbeit Betroffene mit niederen Einkommen, die an uns gelangen. Bis heute bearbeiteten wir im Kanton Bern mehrere hundert Anfragen.» Die Caritas konnte Jacqueline Künti mit Beratung und einer Überbrückungszahlung direkt helfen. Die Unterstützung durch die Caritas trug wesentlich dazu bei, dass Jacqueline Künti den Boden unter den Füssen nicht verlor. Dass in der ländlich geprägten Ortschaft, in der sie wohnt, viel nachbarschaftliche Solidarität spürbar ist, tat zusätzlich gut. Auch in der grossen, selbst verwalteten Hausgemeinschaft, in der ihre Töchter und sie seit drei Jahren leben, fühlt sie sich aufgehoben. «Ich schöpfte neuen Mut.»

Eine neue Klarheit Die Angst vor einer neuen Corona-Welle stellt Jacqueline Künti bewusst auf die Seite, sie fokussiert den Neustart. Der Weg zu einer Form von Normalzustand sei sicher noch lang, sagt sie, aber langsam gehe es mit Aufträgen wieder aufwärts. «Ich denke an die vielen jungen Familien, die in der Krise erst recht allein gewesen sind, und spüre eine neue Klarheit in mir. Für sie will ich da sein. Ich bin bereit.»

Viele erlebten und erleben Unsicherheit aufgrund von Corona Was löst diese Unsicherheit in uns aus? Es ist emotional belastend wenn wir aus der Routine und den Gewohnheiten geworfen werden und die Dinge nicht mehr so wie gewohnt einigermassen vorhersagbar sind Dies reduziert das Gefühl die Dinge unter Kontrolle zu haben Grundsätzlich sind Menschen ganz allgemein relativ intolerant gegenüber Unsicherheit auch wenn wir das kalkulierbare Abenteuer bis zu einem gewissen Punkt auch gerne suchen Auf gesellschaftlicher Ebene Führt kollektive Unsicherheit zu mehr Solidarität? Ja sicher jedoch nur bis zu einem gewissen Punkt Solidarität ist immer mit der Frage verbunden gegenüber wem wir uns solidarisch zeigen Interessanterweise übertragen wir die unangenehmen Dinge gerne nach aussen So war die Grippe «spanisch» Corona ist «chinesisch» Was Solidarität zu echter Solidarität macht ist wenn wir uns in andere hineinversetzen und die Welt aus der Sicht der andern in unsere eigene Sichtweise integrieren Sich in Unsicherheit in andere zu versetzen macht uns Menschen menschlich Können wir etwas lernen aus der erlebten Unsicherheit? Mir kommt spontan Wolf Biermanns Lied «Ermutigung» in den Sinn «Du lass dich nicht verhärten in dieser harten Zeit Die allzu hart sind brechen Die allzu spitz sind stechen Und brechen ab sogleich » Sich Unsicherheit einzugestehen hat wohl immer auch mit Mut zu tun sich seiner eigenen Unzulänglichkeit Weichheit und Verletzlichkeit gewahr zu werden und diese sich selbst und auch andern offenzulegen Unsicherheit stellt immer auch die Frage was mir wichtig ist und von welchen Werten ich mich leiten lasse

www familienlotsinn ch

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Schwerpunkt

Prekäre Arbeit Leben mit der Unsicherheit In der Corona-Krise zeigt sich: Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen sind stark betroffen von den Pandemiemassnahmen. Prekäre Arbeit gibt es in der Schweiz in verschiedenen Formen. Neben finanzieller Unsicherheit bringt sie oftmals eine mangelhafte Absicherung und eingeschränkte Zukunftsperspektiven mit sich. Text Anna-Katharina Thürer Grundlagen Caritas Zürich Illustration Corinne Bromundt

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ie Schweiz verdankt einen Teil ihres wirtschaftlichen Erfolgs einer vergleichsweise liberalen Arbeitsgesetzgebung, die nur einen schwachen Kündigungsschutz bietet und keine obligatorische Krankentaggeldversicherung beinhaltet. Ausserdem sind ganze Sektoren wie die Landwirtschaft oder Hauswirtschaft nicht dem Arbeitsgesetz unterstellt. Kein Zu-

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fall: Gerade in diesen Sektoren finden sich viele prekäre Arbeitsverhältnisse. Solche sind auch in Arbeitsformen weitverbreitet, die über Online-Plattformen organisiert werden (z.B. Reinigungs- oder Kurierarbeit). Diese wirtschaften arbeitsrechtlich in einem Graubereich. Man kann also sagen: Prekäre Arbeitsverhältnisse werden oft gerade durch fehlende Regulierung begünstigt.

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Schwerpunkt

Arm trotz Erwerbsarbeit Prekäre Arbeit bedeutet für die Betroffenen einen hohen Grad an Unsicherheit und damit verbundene Zwänge. Die Unsicherheit bezieht sich auf Arbeitszeiten (z.B. auf Abruf zu arbeiten oder befristet angestellt zu sein), aber auch auf finanzielle Unsicherheit oder mangelhafte Absicherung gewisser Risiken wie Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Altersarmut. Die Zahlen des Bundes weisen aus, dass sich prekäre Arbeit mehrheitlich in den klassischen Tieflohnbranchen findet, beispielsweise im Gastgewerbe, in der Reinigung, aber auch in der Dienstleistungsbranche und im Kunstbetrieb. Nicht alle Erwerbstätigen tragen ein gleich grosses Risiko für prekäre Arbeit: Betroffen sind besonders häufig

Prekäre Arbeitsverhältnisse wirken sich auf viele andere Lebensbereiche aus. Frauen, jüngere Arbeitnehmende, Personen mit tiefem Bildungsstand und Menschen ohne Schweizer Pass, vor allem solche mit unsicherem Aufenthaltsstatus. Prekäre Arbeitsverhältnisse wirken sich auf viele andere Lebensbereiche aus und erhöhen das Armutsrisiko.

Wenig Forschung Stellt man jedoch Fragen zu prekärer Arbeit, so zeigt sich schnell, dass es hierzulande nur wenig Forschung zum Thema gibt. Gemäss Zahlen des Bundes sind rund 2,5 Prozent der Erwerbstätigen in prekären Arbeitsverhältnissen tätig. Diese Quote basiert allerdings auf einer sehr eng gefassten Definition von prekärer Arbeit, die einige Betroffenengruppen wie Sans-Papiers und gewisse Arbeitsformen (z. B. gut bezahlte, aber auf kurze Zeit befristete Arbeit) ausschliesst. Eine Erweiterung der Definition wäre wichtig, um das wahre Ausmass unsicherer Arbeit in der Schweiz zu erfassen und die Betroffenen besser zu schützen – und Armut vorzubeugen. Keine Absicherung in der Krise Die Corona-Krise hat uns einerseits vor Augen geführt, wie stark wir als Gesellschaft von prekärer Arbeit abhängig sind. Andererseits wurde ersichtlich, wer besonders schlecht vor Risiken geschützt ist. Deutlich wurde, wie das Schweizer System der arbeits- und sozialversicherungsrechtlichen Sicherung, das sich stark an einer unbefristeten Vollzeitstelle orientiert, an seine Grenzen stösst. Denn gerade für prekär Arbeitende steigt durch die Corona-Krise das Risiko für Verschuldung und Altersarmut.

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Kommentar

Arbeit muss existenzsichernd sein Die Corona-Krise hat deutlich gemacht, dass viele Menschen in der Schweiz in prekären Situationen leben. Das trifft besonders auf Arbeitnehmende in Tieflohnstellen und ungeregelten Arbeitsverhältnissen zu. Tieflohnbranchen wie die Gastronomie, das Reinigungsgewerbe und der Detailhandel sind infolge der Krise stark von Kurzarbeit betroffen. 80 Prozent Lohnersatz ist für die meisten Angestellten nicht existenzsichernd. Kurzarbeit hat Entlassungen auch nicht verhindert. Viele haben ihre Einkommensquelle ganz verloren. In Tieflohnbranchen sind befristete Arbeitsverträge oder Arbeit auf Abruf im Stundenlohn weitverbreitet. Solche Arbeitsverhältnisse bieten keinerlei Sicherheit. Das Gros der auf Abruf Angestellten hat kein garantiertes Minimum an Arbeitsstunden und muss trotzdem jederzeit verfügbar sein. Braucht der Arbeitgeber sie nicht, bietet er sie nicht auf. Kündigen muss er ihnen nicht. Die Betroffenen haben ohne Kündigung aber keinen Anspruch auf Arbeitslosengelder. Die Caritas fordert, dass die Kurzarbeitsentschädigung bei tiefen Einkommen 100 Prozent des Lohnes entspricht. Zudem müssen Arbeitgebende verpflichtet werden, Arbeitsmodelle zur Verfügung zu stellen, die existenzsichernd sind. Dazu muss insbesondere Arbeit auf Abruf gesetzlich besser geregelt werden. Und es braucht einen schweizweiten Mindestlohn.

Aline Masé Leiterin Fachstelle Sozialpolitik Caritas Schweiz

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PersĂśnlich

ChloĂŠ Jahre geht in die Klasse und wohnt in BĂźlach Sie findet es schĂśn dass Kinder an andere Menschen denken Und sich darum kĂźmmern dass diese auch in schweren Zeiten Freude haben 12

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Persönlich

«Wann hast du zum letzten Mal jemandem geholfen? Wobei?» Bei allem Unbill, den das Coronavirus und die Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung für Betroffene bedeutet: In der Krise gab und gibt es viel Solidarität. Mit kleinen und grossen Gesten der Solidarität wird der Alltag für viele leichter. Oft braucht es nicht viel, um Erleichterung zu verschaffen und Freude zu bereiten.

Ismail Mahmoud, Student, Basel Kürzlich bei einer Schnitzeljagd rannte ich auf der Suche nach dem nächsten Posten durch den Bahnhof Basel. Plötzlich sah ich, wie eine Frau beim Einsteigen in einen Zug ausrutschte und zu Boden fiel. Ich half ihr auf, unterhielt mich kurz mit ihr, holte ihren Koffer unter der Eisenbahn hervor und begleitete sie in den Zug hinein. Danach schnappte ich mir den dritten Rang bei der Schnitzeljagd.

Ingrid Breuss, Sekretärin, Freidorf Vor Kurzem hielt vor unserem Haus ein Auto. Die Lenkerin stieg aus. Ich vermutete, dass sie eine Autopanne hatte. Im Wagen sassen eine ältere Frau und ein kleines Kind. Ich ging hin und fragte, ob ich helfen könne. Das verneinte die Fahrerin. Da es sehr heiss war, brachte ich ihnen etwas zu trinken und führte sie zu einem schattigen Platz, wo sie auf den Pannendienst warten konnten.

Patrick Lang, Tramführer, Zürich Eine Bekannte musste zwei defekte Tagesdecken ersetzen. Da sie zur Covid-19-Risikogruppe gehört, zögerte sie, in ein grosses Geschäft zu fahren, um neue Decken zu kaufen. Im Alltag geht sie in ein lokales Geschäft einkaufen, bei dem sie weiss, wann es wenig Leute hat. Als sie mir dies erzählte, bot ich ihr spontan an, die Decken für sie zu besorgen. Das war eine grosse Erleichterung für sie.

Lena Rodriguez, Schülerin, Luzern Wir gestalten im Handarbeitsunterricht gerade ein Kissen. Gestern habe ich einer Klassenkameradin beim Bedrucken geholfen. Sonst wäre sie nicht rechtzeitig fertig geworden und hätte nachsitzen müssen. Dank meiner Hilfe konnten wir beide die Arbeit zum Schluss der Stunde abschliessen. Ich finde es wichtig, dass wir in der Schule zusammenhalten und uns gegenseitig unterstützen.

Seraina Brem, Praktikantin, Berikon Zuletzt geholfen habe ich in den Sommerferien. Als Leiterin war ich zwei Wochen in einem Lager für Kinder und Jugendliche. Dort fallen verschiedene Aufgaben an: Kinder wecken, Programme durch den Tag leiten, Rucksäcke packen, Lagertagebuch schreiben und vieles mehr. Jedes Jahr freue ich mich auf das Lager, da es für mich schon als Kind immer ein tolles Erlebnis war. Nun konnte ich selbst im Team mitwirken.

Sophie Rutishauser, Schülerin, Münsingen Im Flussbad «Schwäbis» habe ich letzthin ein paar Kindern einen Pneuschlauch gegeben. Eigentlich wollte ich ihn selbst benutzen. Doch ich merkte, dass die Kinder ebenso gerne auf ihm den Fluss hinuntertreiben wollten. Ich bin ihnen dann mitsamt dem Pneu flussaufwärts entgegengeschwommen, um ihn zu übergeben. Sie freuten sich sehr über das «Geschenk».

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Caritas Zürich

Solidarisches Handeln Seit Mitte März dieses Jahres stellt die Corona-Pandemie den Alltag von vielen ­komplett auf den Kopf. Es gilt, sich laufend in neuen Abläufen zurechtzufinden und sich auf veränderte Situationen einzustellen. Für Menschen in prekären Lebenslagen sind die Auswirkungen noch einschneidender, und enge finanzielle Ressourcen werden deutlich verschärft. Da ist rasches und pragmatisches Handeln gefragt. Beispiele aus drei An­geboten von Caritas Zürich geben Einblick in unsere Arbeit während der Corona-Krise. Text: Karin Faes Bilder: Conradin Frei (Copilot), youngCaritas

Beratung Caritas Zürich

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er an der Armutsgrenze lebt, hat keine finanziellen Reserven für ausserordentliche Lagen. Dafür erschwerte Bedingungen: zum Beispiel einen schlecht bezahlten Job oder mehrere Arbeitsstellen gleichzeitig, weil ein Lohn nicht zum Leben reicht. Eine Situation wie der CoronaLockdown kann eine Familie oder eine Einzelperson mit sonst schon knappem Budget in arge Bedrängnis bringen. Das braucht rasche Massnahmen. Dank der grossen Solidarität der Schweizer Bevölkerung standen bald Gelder der Glückskette zur Verfügung, die unter anderem von Caritas Zürich für von der Krise stark betroffene Familien eingesetzt werden konnten.

Sowohl die telefonische Kurzberatung als auch die Sozialberatung wurden vermehrt genutzt, wie Bernhard Jurman, Leiter der Abteilung Beratung, feststellt: «Von April bis Juni stiegen die Anfragen deutlich an.» Die Mitte März erfolgte generelle Umstellung auf telefonischen Kontakt verlangte vom Beratungsteam viel Flexibilität, ermöglichte jedoch, alle Beratungsangebote ohne Unterbruch fortzuführen. Zu den Ratsuchenden gehörten oft bisherige Klientinnen und Klienten, da viele ein-

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schneidende finanzielle Einbussen hinnehmen mussten. Häufig als Folge von Kurzarbeit, zum Beispiel im Gastrobereich oder durch den Wegfall von Aufträgen. Ein Fazit aus den Beratungsgesprächen war: Es braucht Unterstützung, die direkt im Alltag wirkt. Die Einkaufsgutscheine in der Höhe von insgesamt 72 000 Franken, die über die Beratungsstelle, im Caritas-Markt, durch die Projekte «mit mir» und Copilot sowie über die Flickstuben und die Fachstelle Flüchtlinge abgegeben wurden, erfüllten genau dies. Kaum noch Arbeit und damit zu wenig Einkommen, um die Lebenskosten zu decken, hatten zudem viele Jenische, Sinti und Roma, die häufig als Selbstständige tätig sind. In Zusammenarbeit mit der Stif-

tung Zukunft für Schweizer Fahrende, dem Bundesamt für Kultur, der Stiftung Naschet Jenische sowie der Caritas Zürich konnte bereits im April ein Projekt umgesetzt werden, mit dem die individuelle Situation und mögliche Unterstützung der Betroffenen abgeklärt werden können.

Zukunftssorgen bleiben Trotz Lockerungen blieben bei vielen Familien die Sorgen um die Zukunft: Wie sieht es in den nächsten Monaten aus? Wie sollen hohe Fixkosten wie Miete und Krankenkasse bezahlt werden? Abhilfe schuf ein neu lanciertes Projekt: Familien im Kanton Zürich, die eine KulturLegi besitzen und die wegen Corona finanzielle Einbussen erlitten haben, sollten gezielt entlastet werden. Sie konnten im Juli Un-

Unterstützung und finanzielle Überbrückungsleistungen April–Juli 2020

922 Anfragen gingen in der Kurzberatung von April bis Juli ein – 217 davon im Kontext Corona.

284 ZVV-Ferienpässe konnten an Kinder und Jugendliche für die Sommerferien abgegeben werden: in der Beratung, bei «mit mir», Copilot, LernLokal sowie incluso, finanziert mit CHF 7100.– aus Glückskette-Geldern. CHF 81 265.85 konnten von Mai bis Juni als Unterstützung aus Glückskette­ Geldern für Miete und Krankenkassenprämien an Klienten und Klientinnen aus der Beratung und an Teilnehmende in den Projekten «mit mir», Copilot und LernLokal geleistet werden.

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Caritas Zürich

terstützung für die Bezahlung von Miete und Krankenkasse beantragen. Aufgrund dessen konnten per Mitte August insgesamt 37 790 Franken an diese Familien vergütet werden. Die grosse Medienpräsenz der Glücks­kette-Spendenaktion beflügelte die Solidarität. Schnelle Hilfe bedeutet aber nicht gleichzeitig auch nachhaltige Entlastung. Denn sind finanziell prekäre Situationen komplex, braucht es spezifische Lösungen mit dem Ziel, eine längerfristige Verbesserung der Lage zu erreichen. Dementsprechend werden sich unsere Angebote weiterhin auf die aktuelle Entwicklung ausrichten müssen. Für Menschen, die bereits am Existenzminimum leben, werden die Auswirkungen der Corona-Krise besonders deutlich nachhallen. Für Bernhard Jurman ist klar: «Unsere Klienten und Klientinnen waren vorher schon in einer schwierigen Lage, nun hat sich diese zusätzlich verschärft. Es ist wichtig, die Situation immer wieder von Neuem zu prüfen und zu analysieren, woran es aktuell fehlt.» Eins ist sicher: Die CoronaKrise wird Caritas Zürich noch länger beschäftigen. Darum wird auch Solidarität weiterhin notwendig und wichtig sein, um Betroffene in ihrer prekären Lebenslage nicht alleine zu lassen.

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Projekt «Copilot»

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chriftliche Informationen von der Schule oder ein anstehendes Elterngespräch sind für Familien, die das Schweizer Schulsystem nicht gut kennen, eine hohe Hürde. Hier Unterstützung von einer Copilotin oder einem Copiloten der Caritas Zürich zu erhalten, bedeutet für die Eltern eine grosse Erleichterung. Idealer Zeitpunkt zum Start der Zusammenarbeit zwischen Familie und Copilot/Copilotin ist der Frühling vor der Einschulung. Doch dieses Jahr kam in dieser wichtigen Phase alles anders. Persönliche Treffen konnten nicht mehr stattfinden. Obwohl gerade in dieser besonderen Lage wichtig war, in Kontakt zu bleiben und auch die Familien mit aktuellen Informationen zu bedienen. Gedacht, getan, wie Kristien Mouysset, Leiterin Copilot, schildert: «Wir haben den Familien sehr schnell einen Brief mit ersten Informationen zur aktuellen

Situation geschickt, um zu signalisieren: Wir sind trotz Corona da, meldet euch, wenn ihr Fragen oder Anliegen habt.» Kurz darauf erfolgte bereits ein nächster Versand: Homeschooling-Tipps in leichter Sprache und Vorschläge zur Strukturierung eines Schultags zu Hause. Dazu verschiedene Bastelideen, als Anregung zum Verbringen der Zeit zu Hause. «Die Rückmeldungen waren sehr positiv. Eine Mutter gestaltete und kopierte sogar eigene Ausmalbilder, als die Vorlagen zur Neige gingen. Es war schön, zu erleben, was die Aktion alles auslöste. Einige haben uns auch Fotos und Videos von ihren Werken geschickt», wie Mirjam Ochsner, die bei Copilot ein Praktikum absolviert, ergänzt. Mit den freiwilligen Copiloten und Copilotinnen wurde ebenfalls ein regelmässiger Austausch gepflegt. Die meisten Freiwilligen konnten die jeweilige Familie auch während des Lockdowns unterstützen, indem sie die zahlreichen, häufig digital kommunizierten schulischen Informationen strukturierten und erklärten. Doch auch der Kontakt mit den Kindern und Eltern durch ein Telefonat, einen Videocall oder ein «Treppenhausgespräch» war essenziell, gerade bezüglich der Deutschkenntnisse. Durch weggefallene Kontakte haben viele Eltern, aber auch die Kinder ihr Deutsch nicht mehr anwenden können.

Digital in Kontakt Für den Kontakt zwischen den Familien und dem Copilot-Team stand eine WhatsApp-Gruppe zur

Mit Copilot Bildungschancen verbessern Für den schulischen Erfolg ist die Mitwirkung der Eltern entscheidend. Im Projekt Copilot werden Eltern, die mit dem Schulsystem nicht vertraut sind und die die Erwartungen an ihre Rolle als Eltern nicht kennen, von freiwilligen Begleitpersonen unterstützt. Diese Copiloten und Copilotinnen begleiten die Eltern während eines Jahres und befähigen sie zu einer gelingenden Zusammenarbeit mit der Schule. Mehr unter caritas-zuerich.ch/copilot.

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Caritas Zürich

Verfügung. Wer mochte, konnte daran teilnehmen. Verschickt wurden täglich Informationen oder entsprechende Links zur aktuellen Situa­ tion in verschiedenen Sprachen sowie zu Beratungs- und Unterstützungsangeboten für die Eltern. Dazu zum Beispiel eine Geschichte zum Hören für die Kinder. «Es brauchte einen niederschwelligen Zugang. Viele Familien haben nur eingeschränkte Möglichkeiten mit dem Internet, einerseits vom verfügbaren Datenvolumen her, aber auch durch die Geräte. Nicht jede Familie hat einen eigenen Computer zu Hause und muss oft alles über ein Handy abwickeln», erklärt Kristien Mouysset. Wurde nun der Schulunterricht digital weitergeführt – was häufig der Fall war –, erfolgte der Austausch mit der Lehrperson ebenfalls über dieses eine Gerät. Das temporäre Homeschooling war damit für Familien mit wenig Ressourcen eine besonders grosse Herausforderung. Vor allem dann, wenn die Eltern über wenig Deutschkenntnisse verfügen oder vielleicht selbst nicht lange zur Schule gegangen sind. Kinder und Eltern auch in diesem neuen und ungewohnten Schulalltag zu unterstützen, ist mit raschem Handeln und dank den engagierten Copilotinnen und Copiloten gelungen.

youngCaritas Zürich

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ei youngCaritas, dem Jugendbereich der Caritas, stehen meistens gemeinsame Anlässe auf dem Programm: Jugendliche organisieren in freiwilligem Engagement Solidaritätsveranstaltungen und bringen Menschen zusammen. Aktivitäten, die im Frühling durch die Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung vollständig und für längere Zeit wegfielen. Genauso wie die erste Durchführung der «Swiss Money Week», einer Sensibilisierungskampagne zum Thema Geld, welche nun auf 2021 verschoben wurde. Die monatlichen Kochtage «Taste the World» für geflüchtete Menschen und weitere Interessierte, die Spielnachmittage mit geflüchteten Kindern, die Anlässe der Aktionsgruppe Armut fielen ebenso aus wie die Aktivitäten im Schulbereich mit Schulbesuchen und Workshops.

Neues entwickeln Nichts zu tun ist jedoch nicht die Art der engagierten jungen Leute. Die von Andrea Müller und ihrem Team bei youngCaritas initiierten OnlineTreffen wurden daher rege genutzt und der Kontakt mit den Freiwilligen und untereinander beibehalten. Gleichzeitig entstanden neue Ideen zum Wissensaustausch, etwas wofür die Zeit im durchorganisierten Alltag der Jugendlichen meistens fehlt. Doch nun waren viele abends zuhause und konnten sich die Teilnahme an einer internen Weiterbildung einrichten. Gestaltet wurde sie in Form eines Webinars, und sie hatte den Titel «Politische Perspektiven zu Flucht und Asyl». Zwei Referierende informierten über die

politische Situation in Syrien sowie über das Asylsystem der Schweiz und die Rolle der Gemeinden. Auch Fragen konnten direkt gestellt werden und rundeten den informativen Abend ab. Über 30 Teilnehmende waren online dabei, viele Freiwillige von youngCaritas sowie Interessierte, die über die Social-Media-Kanäle vom Webinar erfahren hatten. Ein sowohl inhaltlicher als auch formal spannender Wissenstransfer. Ebenso bemerkenswert ist, wie die spontane Kooperation mit dem incluso-LERNstudio*, einer üblicher­ weise schulischen Vor-Ort-Unterstützung in einer Gruppe, zustande kam. Für die neu aktivierte OnlineUnterstützung waren zusätzliche Freiwillige gefragt, die mit OnlineMöglichkeiten vertraut sind, um Lernende beim Bewältigen des Schulstoffs virtuell zu unterstützen. Statt in einem Gruppenprojekt mitzuwirken, ging es nun um direkte Begleitung, und dies erst noch in Online-Form – für fünf Jugendliche von youngCaritas ein Einblick in eine neue Art der Freiwilligenarbeit. So horizonterweiternd die Erfahrungen während der akuten Lockdown-Phase auch waren, Erleichterung und Begeisterung waren gross, als draussen erste kleine Anlässe wieder stattfinden konnten. Sich gemeinsam zu engagieren, bleibt das Herzstück von youngCaritas.

youngCaritas – der Jugendbereich von Caritas Schweiz und Caritas Zürich youngCaritas steht für freiwilliges Engagement von Jugendlichen für eine solidarische und faire Welt. Hier vernetzen sich junge Menschen untereinander oder finden Unterstützung für eigene Projekte. Dazu gehören auch Möglichkeiten zu Weiterbildungen in den Themen Migration, Armut und nachhaltige Entwicklung. Dieses Jahr feiert der Jugendbereich in Zürich sein 5-jähriges Bestehen. www.youngcaritas.ch

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Caritas Zürich

Zum Rücktritt von Josef Annen

AKTUELL Entwicklung digitales Lernangebot Der Sprung in digitale Lernangebote wird auch bei den Computerkursen von Caritas Zürich erfolgen. Corona-bedingt wurde ein erster Pilotkurs bereits abgehalten: Der für Ende April geplante Textverarbeitungskurs konnte kurzfristig als Fernkurs lanciert werden. Ein engagiertes Dreierteam von Freiwilligen realisierte diesen ersten virtuellen Kurs, dessen Evaluation in die Entwicklung des digitalen Lernangebotes von LernLokal von Caritas Zürich einfliessen wird. Mehr zum Angebot von LernLokal unter www.caritas-zuerich.ch/lernlokal

Eine Führungsperson geht mit eigenem Beispiel voran. Ist dies das Bild für Führungsqualität, dann war Josef Annen ein Präsident wie aus dem Bilderbuch: Immer überzeugend und glaubwürdig, wodurch er den Vorstand und den Verein unauffällig geprägt hat. Oft beeindrucken gerade die kleinen Dinge. An unserem jährlichen Präsidien- und Direktionstreffen im Caritas-Netz war er der einzige seinesgleichen, der nach dem Essen aufstand und uns Alphatierchen den Kaffee servierte. Bei ihm kam die Bescheidenheit ganz selbstverständlich daher. Aber er konnte gleichermassen selbstverständlich allen im Grossen das Wasser reichen. Wenn es um soziale Gerechtigkeit ging, trat er im Namen der Caritas souverän vor die Medien. «Man kann nicht nicht politisch sein» – seine Überzeugung ist glücklicherweise auch das Caritas-Credo. Und was ich am meisten bei seiner Arbeitslast bewundert habe: Er war für die Vorstandssitzung jeweils perfekt vorbereitet.

Bild: undknup ag

«Wer führe, der diene …» – Dies könnte ein biblisches Zitat sein. Inspiriert ist es von der Art, wie Josef Annen den Verein Caritas Zürich zehn Jahre lang präsidiert hat.

Josef, für dein grosses Engagement danken wir dir ganz herzlich. Wir haben immer gespürt, dass du diese Führungsaufgabe nicht als Pflicht absolviert hast, weil es halt zu deinem Amt als Generalvikar gehörte. Dir liegen die bescheidensten Menschen wirklich am Herzen, für die du dich mit unserem Werk einsetzen konntest. Max Elmiger, Direktor Caritas Zürich Mitgliedschaft Caritas Zürich Die Mitglieder der Caritas Zürich setzen sich für die Ziele von Caritas Zürich ein und tragen damit zur Bekämpfung von Armut im Kanton Zürich bei. Dank dieser Unterstützung kann Caritas Zürich einen relevanten Beitrag zur Armutsbekämpfung im Kanton leisten. Der Mitgliederbeitrag für eine Privatperson beträgt jährlich CHF 50.–. Wir freuen uns sehr über weitere Unterstützung in unserem Engagement für Armutsbetroffene. Anmeldung für eine Mitgliedschaft unter caritas-zuerich.ch/mitgliedschaft.

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Caritas Secondhand: online und an fünf Standorten einkaufen Seit April lassen sich schicke Lieblingsstücke bequem vom Sofa aus kaufen. Der neue Online-Shop ist bereits weitherum beliebt und ergänzt die Läden vor Ort. Nachdem der Standort Viadukt in Zürich nach zehn Jahren seine Türen geschlossen hat, lässt es sich in fünf Läden nach einzigartigen Teilen stöbern: Vier Geschäfte in Zürich und eines in Winterthur bieten modische Inspiration und tolle Stücke zu attraktiven Preisen. www.caritas-secondhand.ch

Frühzeitig vorsorgen – selbstbestimmt handeln Es ist der Wunsch vieler Menschen, ihr Leben bis zum Schluss selbstbestimmt und nach dem eigenen Willen zu gestalten. Sich mit der Regelung der letzten Dinge auseinanderzusetzen, ist anspruchsvoll. Die Caritas-Vorsorge-Mappe sowie der Workshop «Selbstbestimmt leben bis zuletzt» bieten Unterstützung bei den Themen Patientenverfügung, Vorsorgeauftrag und der Regelung der letzten Dinge (inkl. des digitalen Nachlasses). Details zur Vorsorgemappe und zu den nächsten Workshops unter www.caritas-zuerich.ch/vorsorge

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Caritas Zürich

Caritas Secondhand mit Online-Shop

Wer steckt hinter der Spiegelkugel? Der «Lockdown» im März schloss auch die Türen der Caritas-Secondhand-Läden. Aus den frei gewordenen Ressourcen entstand bald ein Online-Shop. Die Motivation dafür war gross. Um einerseits weiterhin für die Kunden da zu sein und andererseits das nachhaltige Einkaufen im Online-Bereich zu fördern. Der Start ist geglückt, und Pakete wurden quer durch die Schweiz, von Genf bis ins Tessin, versendet. Ein Erfolg ist auch die Präsentation der Produkte. Eines der unermüdlichen Models ist Nunzia Spadavecchia. Interview: Françoise Tsoungui, Bild unten: Caritas Secondhand, Bild rechts: Morgan Schmid

war ich natürlich sehr neugierig auf Secondhand-Mode und fand mich positiv überrascht in einem kleinen Secondhand-Laden mit ganz vielen verschiedenen Artikeln wieder.

Kleiderpräsentation im Online-Shop

Woher kennst du Caritas Secondhand? Im Rahmen eines Arbeits­integra- ­tions­einsatzes konnte ich im Caritas-Secondhand-Laden in Winterthur als Verkäuferin arbeiten. Durch die Ladenschliessung eines Modegeschäfts wurde ich 2015 arbeitslos. Mein Berater beim regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) vermittelte den Kontakt als Zwischenlösung. Sehr schnell erhielt ich Bescheid, dass Caritas Secondhand mir einen Platz in ihrem Arbeitsintegrationsprogramm anbietet. Ich war bis dahin noch nie in einem Secondhand-Laden und kannte auch Caritas Zürich nur vom Hören. Durch meine Erfahrung als Verkäuferin

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Inzwischen bist du hier fest angestellt. Wie kam es dazu? In der Arbeitsintegration bewarb ich mich weiterhin um offene Stellen. Gleichzeitig konnte ich mir bei Caritas Secondhand neue Erfahrungen in einer anderen Branche aneignen. Es war nicht immer einfach, denn man bewegt sich zwischen Job-Absagen und Motiviertbleiben. Die Arbeit im Einsatzprogramm hat mir geholfen, dass der Alltag eine Struktur hatte, und die Zeit im Secondhand-Laden verflog sowieso im Nu. 2016 habe ich mich um eine bei Caritas Secondhand frei gewordene Stelle beworben, mich gegen andere Bewerberinnen durchgesetzt und so den Sprung zurück in die Arbeitswelt geschafft. Heute bin ich dankbar für die Chance, die ich erhalten habe, und ich könnte mir eine andere Arbeit nicht mehr vorstellen. Was gefällt dir an deiner Arbeit bei Caritas Secondhand? Die Vielseitigkeit des Alltags und der Kundenkontakt mit ganz unterschiedlichen Menschen in verschiedenen Kulturen und sozialen Schichten. Das Sortieren der Klei-

derspenden und der Teamgeist gaben mir viel Selbstvertrauen. Zusätzlich bin ich als Berufsbildnerin immer wieder für die Lernenden zuständig. Cool ist auch, dass man in verschiedenen Läden arbeiten kann. Es wird nie langweilig bei uns. Seit diesem Frühling präsentieren wir neu auch noch die Kleider für den Online-Shop. Die Spiegelkugel auf Kopfhöhe ist ein richtiges Markenzeichen geworden.

Dein Modetipp für Herbst und Winter? Man darf wieder Muster tragen. Alles mit Karomuster und grossen Blumenprints ist angesagt. Knallige Farben wie Pink, Hellgrün und Limette könnten deine neue Lieblingsfarbe für diesen Winter werden. Ganz erstaunt bin ich über den aktuellen Schal-Trend. Schal ist immer Trend, nun darf der Schal jedoch ein bisschen grösser als üblich ausfallen. Auffallen ist angesagt. Deine Strickpullis kannst du auch wieder aus dem Schrank nehmen. Zusätzlich darf man wieder Leder von Kopf bis Fuss tragen, wie in den 80ern. Mein Highlight wird definitiv die Cape-Jacke. Für mehr Tipps komm bei uns im Secondhand vorbei, wir beraten dich gerne. www.caritas-secondhand.ch

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Caritas ZĂźrich

Secondhand-Online-Shop: Nunzia Spadavecchia ist eines der Models.


Armut ist Alltag … … für über 100 000 Menschen im Kanton Zürich. Armut existiert auch im reichen Kanton Zürich, obwohl sie kaum sichtbar ist. Denn viele Betroffene schämen sich für ihre prekäre Lage. Caritas Zürich bekämpft mit ihren Unterstützungsangeboten Armut im Kanton Zürich und setzt sich für Prävention ein. Helfen Sie uns dabei.

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Caritas Zürich

In der Schweiz arm zu sein, heisst, in allen Lebensbereichen sparen zu müssen. Bei der Gesundheit, dem Wohnen, der Bildung, der Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben. Denn noch viel zu oft ist Arbeit nicht existenzsichernd, wird Armut an die nächste Generation weitergereicht, und der Grundbedarf in der Sozialhilfe ist definitiv zu tief.

Bilder: Thomas Plain

Gerade Kinder aus armutsbetroffenen Familien leiden unter diesen Folgen. Um auf die Situation von über 100 000 Zürcherinnen und Zürchern aufmerksam zu machen, hat Caritas Zürich eine Sensibilisierungskampagne lanciert und zeigt anhand von drei Schicksalen, wie dringend der Handlungsbedarf im Kanton Zürich ist.

Stefan M.

Nora A.

Die alleinerziehende Mutter von vier Kindern bewegt sich als Working Poor permanent am Rand des Existenzminimums.

Der ehemalige Kommunikationsberater rutschte wegen gesundheitlicher Probleme in Arbeitslosigkeit und Armut ab.

Die Mutter von vier Kindern hat während der Corona-Krise ihren schlecht bezahlten Job in der Reinigung verloren.

Mehr zu unserer Kampagne unter www.caritas-zuerich.ch/armut

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22.07.2020 15:50:19

Anita W.


Zürich

« Armut ist,

weder den Fünfer noch das Weggli zu haben.» Stefan M. *

* Stefan M. ist einer von über 100 000 Armutsbetroffenen im Kanton Zürich. Der ehemalige Kommunikationsberater rutschte wegen gesundheitlicher Probleme in die Arbeitslosigkeit und in die Armut ab. Spenden Sie jetzt.

www.caritas-zuerich.ch /armut


Ich will helfen

Junge Freiwillige verhindern die Schliessung der Caritas-Märkte Ein einziger Aufruf genügte: Dank dem spontanen Einsatz von vielen jungen Freiwilligen konnten die Caritas-Märkte in St. Gallen und Wil auch während des Lockdowns geöffnet bleiben. Text Susanna Heckendorn Bild Gregor Scherzinger

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er holt das Brot bei den Bäckereien in der Umgebung, kontrolliert die Waren, füllt Gestelle auf und steht an der Kasse, wenn die Freiwilligen von einem Tag auf den andern zu Hause bleiben müssen, weil sie aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe gehören? «Uns war klar, dass der Lockdown unsere Kundinnen und Kunden besonders hart treffen würde», erinnert sich Philipp Holderegger, Geschäftsleiter der Caritas St. Gallen-Appenzell. «Es stand deshalb ausser Frage, die Caritas-Märkte zu schliessen. Aber wer, das war die grosse Herausforderung, sollte die Läden betreiben?» Mit einem Aufruf auf Facebook fanden sich innert weniger Tage viele junge Freiwillige, die, anstatt im Lockdown zu Hause herumzusitzen, etwas Sinnvolles tun wollten. Für Verena Keller, die sonst als Hotelfachfrau arbeitet, war es eine völlig neue Erfahrung, dass jemand so froh ist, sie dabei zu haben und ihr das auch zeigt. «Diese unerwartete Wertschätzung war enorm motivierend.» Ein paar ernüchternde Erkenntnisse gewann Fabian Balmer. Nie hätte er gedacht, dass es so viele armutsbetroffene Schweizerinnen und Schweizer gibt. «Es war sehr hart mitzuerleben, wie jemand etwas zurücklegen muss, weil ihm an der Kasse 40 Rappen fehlen.» Dass er der Person nicht einfach zwei Zwanzigrappenstücke

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Zahlreiche junge Freiwillige hielten den Caritas-Markt während der Corona-Krise am Laufen

in die Hand drücken durfte, was nicht gestattet ist, fiel ihm sehr schwer. Jael Dahinden und Desirée Stuck studieren beide Soziale Arbeit. Die Mutter von Jael arbeitet jeden Mittwoch im Caritas-Markt und gehört zur Risikogruppe. Spontan entschied sich Jael, ihre Stellvertretung zu übernehmen. «Die Arbeit im Caritas-Markt hat mir viele wertvolle Begegnungen ge-

schenkt.» Desirée wollte sich solidarisch zeigen und war beeindruckt, wie viele Menschen mit sehr wenig zufrieden sind. «Es war schön, die grosse Dankbarkeit der Kundschaft zu spüren und mit den Freiwilligen Solidarität zu leben.» Sich zu engagieren und miteinander etwas zu bewirken, so die einhellige Meinung der temporären Freiwilligen, ist eine tolle Erfahrung, die sie nicht missen möchten.

WOLLEN SIE SICH AUCH FREIWILLIG ENGAGIEREN? Als Freiwillige oder Freiwilliger lernen Sie Menschen mit anderen Perspektiven kennen Sie helfen im Alltag und machen Integration möglich Sie können Ihr Wissen weitergeben und Neues dazulernen Die Freiwilligenangebote unterscheiden sich von Region zu Region Bi e informieren Sie sich auf der Website der Caritas-Organisation in Ihrer Region

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Kolumne

Das wunderliche GefĂźhl der Gemeinscha Text Christoph Simon Illustration Corinne Bromundt

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nsichere Zeiten haben auch ihre reizvollen Seiten. Es lebe die Improvisation! Fahren wir die Tage freihändig und gegen den Wind! Winnetou hat schliesslich auch keinen Sattel gebraucht! Wenn uns der Frßhling 2020 etwas gelehrt hat, dann dies: Wie man das Beste draus macht. Kommende Generationen werden von unseren Erfahrungen profitieren, denn in der Beschränkung auf Heim und Zoom sind wir keine Amateure. Im Lockdown haben wir den Leistungsdruck auf 110 Prozent runtergefahren, den Lohn auf 80 Prozent gesenkt und den Alkohol auf 40 Prozent hochgefahren. Wir haben viele neue Fähigkeiten erlernt: Wie man in der Badewanne mit einem Didgeridoo das Jacuzzi-Feeling herbei bläst. Meine Kulturkollegen hauten Podcasts raus und Instagram-Livesessions, sie twitterten Romane und erfanden alle mÜglichen digitalen Formate, alles vom Liegestuhl aus, in der Frßhlingssonne auf dem Balkon. Ich schmirgelte Speckstein (was gut fßr die Seele sei) und liess mir von einem Studenten die Lebensmittel bringen. Ich sei Risikogruppe und so. Der Student putzte sogar meine

Fensterscheiben. Ich hätte vom Specksteinschmirgeln was an der Schulter und so. War ein lieber Kerl, der Student. Vermutlich studiert er jetzt wohl wieder sinnlos und vermisst die Zeit, wo er einem Menschen in Not beistehen konnte. Und dann die Erleichterung, als (fast) alles wieder aufging! Die alten Paare sind ohne Streit zusammen Gartenstßhle einkaufen gegangen. Die Affen im Zoo konnten wieder Menschen beobachten. Das Autokino wurde wiedererfunden: Die Leute reisten mit dem Zug an und nahmen am Bahnhof ein Mobility, um dabei sein zu kÜnnen. Eines Morgens werden wir aufwachen und feststellen, dass es Masken und Abstandsregeln nicht mehr braucht. Fßr die einen werden die letzten Monate nur noch eine Erinnerung sein, ein ferner Klang. Fßr andere werden die Folgen der Krise zur Dauerkrise. Manche werden behaupten, dass dies alles gar nie stattgefunden hat. Und nur eine Minderheit wird sich an dieses Gefßhl erinnern, dieses wunderliche und erhebende Gefßhl der Gemeinschaft, das uns fßr kurze Zeit geeint und getragen hat.

Bild zvg

Christoph Simon * lebt als freier Schri steller und Kabare ist in Bern

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Ich helfe – auch nach meinem Tod Meine letzten Dinge bewirken viel: Mit einem Legat helfe ich armutsbetroffenen Familien im Kanton Zßrich. www.caritas-zuerich.ch/legate

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