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Nachbarn 18-01 Caritas Luzern

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Luzern

Nr. 1 / 2018

Nachbarn

Junge Mütter brauchen Hilfe 80 Prozent der jungen alleinerziehenden Mütter leben von der Sozialhilfe. Ihr Einstieg ins Berufsleben ist geprägt von Hürden und Herausforderungen.


Inhalt

Inhalt Editorial

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von Thomas Thali

Geschäftsleiter Caritas Luzern Kurz & bündig

4 News aus dem Caritas-Netz Schwerpunkt Julia ist jung, als ihr Sohn auf die Welt kommt. Sie bricht ihr Studium ab, um ihr Kind grosszuziehen. Doch dann folgen Scheidung und finanzielle Probleme. Die pflichtbewusste Mutter braucht Unterstützung.

6 Alles für ihren Sohn Schwerpunkt

10 Viele Hürden für junge Mütter Schwerpunkt

Junge Mütter brauchen Hilfe

Persönlich

13 Was ist deine schönste Kindheitserinnerung? Regional

14 Eine Mutter geht ihren Weg Nach wie vor führt Mutterschaft zu einem Unterbruch der Karriere. Besonders schwer haben es junge Mütter ohne ausreichende Ausbildung: Sie scheitern daran, nebst der Betreuung des Kindes auch noch die persönliche Entwicklung und den Einstieg in einen Beruf bewältigen zu müssen. Deshalb sind sie überdurchschnittlich oft von Armut betroffen: 80 Prozent der jungen alleinerziehenden Mütter in Schweizer Städten sind auf Sozialhilfe angewiesen. Die Geschichte von Julia zeigt, dass selbst arbeitswillige und pflichtbewusste junge Frauen wegen der Mehrfachbelastung an ihre Grenzen stossen und auf Unterstützung angewiesen sind. Die Schweiz ist gefordert, notwendige Rahmenbedingungen zu schaffen, um jungen Müttern ein eigenständiges Leben zu ermöglichen.

19 Brünig – mehr als nur ein Restaurant 20 Caritas Luzern und die Zentral schweiz Ich will helfen

22 Die Welt im Kleinen verbessern Gedankenstrich

23 Unfreiwilliges Talent-Casting

ab Seite 6

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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser Als junger Mensch den Weg ins Leben und in die Berufswelt zu finden ist eine Herausforderung. Sehr herausfordernd wird es, wenn noch ein Kind dazukommt und man alleine die Verantwortung trägt. Die Betreuung neben Hausarbeit, Arbeit oder Ausbildung zu gewährleisten ist ein Hochseilakt und führt häufig zu finanziellen Problemen. Viele Alleinerziehende sind trotz Erwerbsarbeit arm. Ihre Armutsquote ist fast viermal höher als bei anderen Gruppen. Caritas weist mit Nachdruck darauf hin, dass die Situation für Alleinerziehende in der Schweiz sehr schwierig ist. Gesellschaft, Wirtschaft und Politik sind gefordert, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit auch junge alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern eine Chance haben. Es geht um finanzielle Unterstützung, es geht um angepasste Ausbildungswege und geht um soziale Integration. Die Caritas Luzern leistet mit verschiedenen Angeboten Unterstützung. Beispielsweise mit dem Patenschaftsprojekt «mit mir», wo sich freiwillige Gotten und Göttis engagieren. Aber auch mit Programmen für den Einstieg in die Arbeitswelt oder in Form von Attestausbildungen. Lesen Sie dazu auf Seite 14 das Porträt einer angehenden Schreinerpraktikerin. Alleinerziehende brauchen unsere Hilfe in ihrem belasteten Alltag. Danke, dass Sie uns dabei unterstützen.

Thomas Thali Geschäftsleiter Caritas Luzern

«Nachbarn», das Magazin der regionalen Caritas-Organisationen, erscheint zweimal jährlich: im April und im Oktober. Gesamtauflage: 32 945 Ex. Auflage LU: 9 400 Ex. Redaktion: Sina Bucher und Urs Odermatt (Caritas Luzern) Bojan Josifovic (national) Gestaltung und Produktion: Urs Odermatt, Sina Bucher Druck: Stämpfli AG, Bern Caritas Luzern Brünigstrasse 25, Postfach 6002 Luzern Tel.: 041 368 51 00 www.caritas-luzern.ch PC 60–4141-0 IBAN CH84 0900 0000 6000 4141 0

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Kurz & bündig

Crowdfunding für Sozialprojekt

Restaurant Brünig

Im August 2018 eröffnet die Caritas Luzern ein Quartierrestaurant an der Brünigstrasse in Luzern. Das Restaurant Brünig befindet sich in Zentrumsnähe beim Haupsitz der Caritas Luzern. Es ist tagsüber und abends geöffnet und soll zu einem Ort der Begegnung werden. Jugendliche und Stellensuchende erhalten hier Perspektiven, werden geschult und erwerben sich so bessere Chancen zum Einstieg ins Berufsleben. Die Ausbauarbeiten laufen auf Hochtouren. Zurzeit stehen der Innenausbau und die Einrichtung an. Dabei sein dank Crowdfunding Damit das Projekt zum Tragen kommt, sammelt die Caritas Luzern mittels Crowdfunding Geld für die Anschaff ung von Geschirr, Besteck und Mobiliar. www.restaurantbruenig.ch

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Pilotprojekt erfolgreich lanciert

Arbeitsintegration von Flüchtlingen Caritas Bern kümmert sich seit vergangenem Jahr um die berufliche Integration von Flüchtlingen im Berner Oberland. Eine erste Bilanz fällt positiv aus. Caritas Bern ist für die Umsetzung des von lokalen Regierungsstatthaltern und vom Kanton Bern initiierten Pilotprojekts zuständig. Ziel ist die niederschwellige und lokale Integration von Asylsuchenden, vorläufig Aufgenommenen und anerkannten Flüchtlingen in der Region Frutigen. Ausserdem soll die Zusammenarbeit unter den beteiligten Organisationen des Asyl- und Flüchtlingsbereichs verbessert werden. Eine lokal verankerte Arbeitsvermittlung kümmert sich um die berufliche Integration der Flüchtlinge. Von März bis Ende Dezember 2017 ist es gelungen, rund 30 Personen in einem Praktikum oder einer Schnupperstelle zu platzieren. Der Kanton und die Caritas Bern versprechen sich von dem Pilotprojekt wichtige Rückschlüsse im Hinblick auf die neue kantonale Asyl- und Flüchtlingsstrategie, die in den kommenden Jahren umgesetzt werden soll. www.caritas-bern.ch

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Kurz & bündig

Direktabzug der Steuern vom Lohn

Der Basler Grosse Rat stoppt die Vorlage Caritas beider Basel setzte sich für Systemwechsel mit Signalwirkung ein. Hauchdünn wurde am 6. Dezember 2017 vom Basler Grossen Rat der «automatisierte freiwillige Direktabzug der Steuern vom Lohn» abgelehnt. Caritas beider Basel unterstützte die Vorlage, da damit präventiv Steuerschulden – das Problem Nummer eins für Hunderttausende Menschen in der Schweiz – hätten vermieden werden können. Der Vorstoss der Basler SP verlangte, dass ein Anteil der Steuern jeden Monat direkt vom Lohn abgezogen wird. Die Arbeitgeber wären verpflichtet gewesen, diesen Lohnanteil an die Steuerverwaltung zu überweisen. Demgegenüber wäre der Abzug für die Arbeitnehmenden freiwillig gewesen.

NEWS Züriblog: Über das Leben mit wenig Geld Auf dem Blog dr Caritas Zürich berichten Mitarbeitende, Armutsbetroffene und Freiwillige über ihren Alltag in Zürich – der teuersten Stadt der Schweiz. Was sind die Ursachen und Folgen von Armut? Welche Rahmenbedingungen braucht es, um die soziale Integration von Betroffenen zu fördern? Leserinnen und Leser finden aktuelle Informationen zu sozialpolitischen Themen, erhalten Einblick in die Arbeit von Caritas Zürich und in den Alltag von Menschen, die am Existenzminimum leben. Schauen Sie rein und diskutieren Sie mit. www.züriblog.ch

25 Jahre Berufliche Integration Was 1992 als «Möbelwerkplatz» begann, ist heute zu einem vielfältigen Betrieb mit zahlreichen Einsatzplätzen für die Berufliche Integration der Caritas Luzern geworden. Erwerbslose und Ausgesteuerte finden hier sinnvolle Arbeitsplätze und Bildungsmöglichkeiten, um sich für den Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt fit zu machen. Heute zeigen sich die Betriebe der Beruflichen Integration mit den Secondhandläden Caritas Wohnen, den Velodiensten und den Caritas-Restaurants. www.caritas-luzern.ch/berufliche-integration

Engagieren Sie sich freiwillig Ob einmalig oder über längere Zeit, ob mit Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen: Caritas bietet vielfältige Tätigkeiten und unterschiedliche Einsatzgebiete für Freiwillige. Unterstützen Sie Menschen in ihrem Alltag und lernen Sie andere Lebenswelten kennen. Sie können dabei Ihr Wissen weitergeben und viel Neues dazulernen. Melden Sie sich bei der Caritas in Ihrer Region und erhalten Sie Informationen über aktuelle Freiwilligeneinsätze.

Neues Angebot: Jugendberatung Region Aarau

Es wäre ein Systemwechsel mit Signalwirkung für die ganze Schweiz gewesen und hätte vielen Betroffenen geholfen, Steuerschulden zu vermeiden. Caritas beider Basel wird weitere Vorstösse zu diesem Thema unterstützen und Menschen mit Schulden weiterhin beratend zur Seite stehen. www.caritas-beider-basel.ch

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In der Region Aarau finden Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 25 Jahren ein neues, niederschwelliges Beratungsangebot. Die «Jugendberatung Region Aarau» bietet und vermittelt Hilfe bei Problemen mit Familie, Schule, Lehrstelle oder Finanzen. Sie wird vom Kirchlichen Regionalen Sozialdienst angeboten und von Caritas Aargau geführt. Auftraggeber ist die Kreiskirchgemeinde zusammen mit dem Pastoralraum Aarau. www.caritas-aargau.ch

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Rubrik

Das Wohl ihres Sohnes hat für Julia höchste Priorität. Gemeinsam habenbringt sie schwierige Ein Leben in Armut Eltern anZeiten den Rand der Verzweiflung durchgestanden. leben sieplatzen. von der Sozialund lässtHeute Kinderträume hilfe, doch sucht die alleinerziehende Mutter den Weg zurück in ein eigenständiges Leben.


Schwerpunkt

Alles für ihren Sohn Julia entscheidet sich ihrem Kind zuliebe gegen das Studium. Dann folgen die Scheidung und finanzielle Probleme. Die alleinerziehende, junge Mutter kämpft sich durchs Leben, bis die Belastung zum Zusammenbruch führt. Es folgt ein schwieriger Weg zurück in den normalen Alltag. Text: Monika Gut Bilder: Zoe Tempest

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ie Haustür lässt sich nur öffnen, wenn man weiss wie. Der Griff ist älteren Jahrgangs und leicht verzogen. Die Holztreppen im Mehrfamilienhaus hängen schräg zur Mitte hin und knarren, wenn man sie betritt. Hier wohnt Julia*, 31, mit ihrem siebenjährigen Sohn Claudio*. Claudio wünscht sich eine Gitarre. Schon lange. Doch auch in diesem Jahr wird er keine zum Geburtstag erhalten. Julias Budget ist knapp, mit dem Geld vom Sozialamt muss sie sehr sparsam umgehen und es gut einteilen. Sie erklärt dann ihrem Sohn, dass alles kostet, versucht, ihm ein gesundes Verhältnis zum Geld und einen bewussten Umgang damit zu vermitteln. 300 bis 400 Franken haben Julia und Claudio pro Monat fürs Essen zur Verfügung. Dennoch glaubt sie nicht, dass sie arm sind, im Gegenteil: «Wir leben in einer sehr privilegierten Welt.»

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Arbeiten, um zu überleben Julia ist eine Kämpferin, die es schon oft nicht leicht hatte. Mit 16 entscheidet sie sich für eine Malerlehre. Der Umgang auf dem Bau ist ein rauer, die Arbeit sagt dem zierlichen Mädchen nicht zu. Bereits nach wenigen Wochen weiss sie, dass sie hier nicht im richtigen Beruf ist. Ihrer Mutter zuliebe beisst sie sich durch und schliesst die Ausbildung ab. Gleich danach absolviert sie die sozial-gesundheitliche Berufsmatura. Sie muss viel dafür lernen, aber Julia ist überzeugt: Ihr Weg liegt im sozialen Bereich. Sie besteht auch die Aufnahmeprüfung fürs Studium der Sozialpädogik, doch kaum fängt sie an zu studieren, wird sie schwanger. «Ich habe mich entschieden, das Studium abzubrechen. Ich hätte es nicht übers Herz gebracht, Claudio fremdzuplatzieren, das widerspräche meinem Verantwortungsgefühl», sagt Julia.

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Schwerpunkt

Claudio ist zwei Jahre alt, als sich Julia und ihr Mann scheiden lassen. Fortan kümmert sie sich allein um den Jungen. Nebenbei arbeitet sie weiter, auch wenn es manchmal nur Gelegenheitsjobs sind. Sie sortiert zum Beispiel frühmorgens Pakete bei der Post, arbeitet als Kinderbetreuerin oder ist als selbstständige Haushaltshilfe tätig. Es folgt ein Job in der Cafeteria, wo sie sogar Kinderzulagen erhält und von Banketten übrig gebliebenes Essen mit nach Hause nehmen darf. Es ist zwar knapp, aber irgendwie reicht es für sie und Claudio. Nur schleichend kommen die finanziellen Probleme. Auch beim Ex-Mann geht es bergab, sodass sie bald gar keine Alimente mehr von ihm erhält. Julia gibt nicht auf, versucht sich allein um alles zu kümmern, doch: «Irgendwann zog es mir den Boden unter den Füssen weg.» Die damals 24-jährige Mutter ist total erschöpft und muss sich behandeln lassen. Heute geht es ihr besser.

Wie viel liegt drin? Das Sozialamt unterstützt sie. Aktuell auch mit einem Arbeitsprogramm. Seit einem halben Jahr absolviert Julia an zwei Tagen pro Woche ein Praktikum im kaufmännischen Bereich. Sie ist dankbar für diese Chance,

kann damit wieder Fuss fassen, sich vernetzen und integrieren. «Die Arbeit gibt mir ein gutes Gefühl, weil ich eine neue Aufgabe habe», so Julia. Dennoch spürt sie die momentan hohe Belastung: Nach der Arbeit findet sie kaum Ruhe. Es belastet sie, dass sie am Abend wenig Kraft für Claudio hat. Denn ihr Junge ist voller Leben und ein grosser Entdeckergeist. «Und wenn ich dann zu erschöpft bin, um all seine Fragen zu beantworten, macht mich das traurig.» Für Claudio ist sein Vater im Moment wichtig. Julia ist deshalb froh, dass sie die Obhut mit ihrem Ex-Mann unterdessen teilen kann. Seit einem Jahr verbringt der Junge nun die halbe Woche beim Vater, der in der Nähe wohnt. «Wir haben Glück, dass dies organisatorisch so gut möglich ist», freut sich Julia, «und Claudio fühlt sich gut aufgehoben bei seinem Papi.» Zuvor war Claudio hauptsächlich bei ihr. Sie staunt rückblickend, was sie alles allein geschafft hat: «Bei alleiniger Elternarbeit fehlt der Austausch mit dem Partner, es ist sehr anstrengend, immer wieder bei sich selber hinschauen zu müssen.» Julia weiss, dass ihr Ex-Mann aktuell mehr Kapazitäten hat als sie selber, gerade auch um mal lustig zu sein mit seinem Sohn. Trotzdem spürt

«Claudio ist voller Leben, wissensdurstig und ein grosser Entdeckergeist.» Manchmal fehlt Julia die Energie um all seine Fragen zu beantworten. Das stimmt sie traurig.

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Schwerpunkt

man, wie schwer es der jungen Mutter fällt, loszulassen. Zwischen Claudio und ihr, da besteht eine starke Bindung. «Er ist wahnsinnig wichtig für mich, manchmal erlebe ich Momente meiner eigenen Kindheit noch einmal durch ihn.» Gemeinsam haben sie schwierige Zeiten durchgestanden.

Zuerst kommt immer das Kind Julia hat sich nicht vorstellen können, dass sie einmal Sozialhilfe würde beziehen müssen. «Natürlich wünscht sich das niemand, aber ich schäme mich nicht dafür, weil ich immer alles mache, was in meiner Macht liegt», sagt sie. Julia ist sich bewusst, dass sie Schulden beim Sozialamt anhäuft. Wie geht sie damit um? «Ich verdränge es meistens», gibt sie zu und ergänzt: «Ich finde nicht, dass Sozialhilfe das Schlimmste ist. Für mich wäre es schlimmer, wenn ich aufgrund einer finanziellen Notsituation zu wenig Zeit für mein Kind hätte, es immer fremdplatziert wäre und deswegen kein Urvertrauen entwickeln könnte. In der Schweiz gibt es eine Sozialhilfe, viele andere Länder kennen das nicht. Darum haben wir auch die Möglichkeit, Prioritäten zu setzen – und ich finde das sehr gut.» Das Wohl ihres Kindes ist Julia das grösste Anliegen: «Es ist eine wichtige und anspruchsvolle Aufgabe, ein Kind in die Gesellschaft zu begleiten.» Dank der KulturLegi von Caritas kann sie mit Claudio vergünstigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben, etwa zum halben Preis ins Kino, ins Puppentheater und ins Schwimmbad gehen. Das freut sie sehr. «Ich hoffe einfach, ich kann irgendwann in all den Erfahrungen, die ich mache, auch das Gute sehen und davon profitieren, damit ich all das, was ich jetzt in Anspruch nehmen darf, auch wieder zurückgeben kann.» Wie sich Julias Arbeitssituation weiterentwickelt, ist im Moment noch offen. Für sie ist aber klar, dass ihr Arbeitsumfeld stark mit der Natur verbunden sein muss. Im Grünen tankt sie Kraft, Bäume mag sie besonders gern, und ihr Traum wäre eine Ausbildung zur Naturheilpraktikerin. Wenn man Julia gegenübersitzt, wird deutlich: Sie ist eine Kämpferin, die ihren Weg geht und sich auf berufliche Herausforderungen freut. So sagt sie denn auch selbst: «Ich hab das Gefühl, dass ich noch sehr viel zu geben hätte.»

SOZIALHILFE ALS LÖSUNG ERKENNEN Kinder sind ein Armutsrisiko. Wie zeigt sich dies? Die Sozialhilfequote von Kindern und Jugendlichen liegt in allen Städten deutlich über derjenigen der gesamten städtischen Bevölkerung. In Winterthur hat es in jeder Schulklasse durchschnittlich zwei, in Biel vier bis fünf Kinder, deren Eltern von der Sozialhilfe unterstützt werden. Wie entwickelt sich die Sozialhilfequote in den Städten? In den Städten beziehen weitaus mehr Menschen Sozialhilfe als im ländlich geprägten Umfeld. Die Sozialhilfequoten in den Städten werden hoch bleiben. Zu erwarten ist, dass die Sozialhilfequoten in mittelgrossen Städten und insbesondere in Agglomerationen steigen werden.

«Es braucht gute Sozialarbeit, die nachhaltige Perspektiven schafft.» Wie kann man betroffenen Menschen helfen? Für Familien, insbesondere für Alleinerziehende, gibt es im politischen System einiges zu verbessern: zum Beispiel ein ausreichendes, bezahlbares Angebot an familienergänzender Betreuung oder das Nachholen einer Berufsausbildung für junge Mütter. Einzelne Kantone kennen zudem Familienergänzungsleistungen, die gezielt Eltern zukommen und ihnen oft den stigmatisierenden Gang zur Sozialhilfe ersparen. Es braucht gute Sozialarbeit, welche den Betroffenen ein menschenwürdiges Leben ermöglicht. Dazu gehört nicht nur der Lebensunterhalt, sondern auch Tagesstruktur, Integration, Bildung: also nachhaltige Perspektiven. Viel gewonnen wäre bereits, wenn Politik, Medien und Öffentlichkeit die Sozialhilfe nicht als Problem, sondern als Beitrag zur Lösung erkennen würden. Denn die Sozialhilfe leistet Hervorragendes für die soziale Sicherheit und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in diesem Land.

Nicolas Galladé ist Stadtrat von Winterthur. Als Präsident der Städteinitiative Sozialpolitik vertritt er die sozialpolitischen Interessen von rund 60 Städten in der Schweiz.

* Namen zum Schutz der Personen geändert.

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Schwerpunkt

Viele Hürden für junge Mütter 80 Prozent der alleinerziehenden Mütter unter 25 Jahren in Städten sind auf Sozialhilfe angewiesen. Sie sind mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Text: Franziska Reinhard, Geschäftsführerin, und Meret Gfeller, Kursleiterin des Vereins AMIE Illustration: Isabelle Bühler

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ieso entscheidet sich eine junge Frau dazu, Mutter zu werden? Es gibt zahlreiche Daten, Hinweise und Vermutungen, die junge Mutterschaft zu erklären versuchen. In der Begleitung dieser Frauen wird deutlich, dass ihr Kinderwunsch oftmals mit einer grossen Sehnsucht nach Geborgenheit und Sicherheit zusammenhängt, die sie in ihrer Herkunftsfamilie nicht erleben durften. Häu-

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fig wird ihnen sie erst nach der Geburt bewusst, welche Aufgaben und Herausforderungen mit der Mutterschaft auf sie zukommen.

Erhöhtes Armutsrisiko Denn nach wie vor führt die Mutterschaft zu einem Unterbruch der Karriere. Besonders Mütter ohne Erstausbildung scheitern daran, nebst den Betreuungspflichten die persönliche Entwicklung und den Einstieg

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Schwerpunkt

Günstig zu Kultur und Bildung in die Ausbildung oder den Beruf zu bewältigen. Deshalb geht junge Mutterschaft mit einem Mangel an Ausbildungs- und Erwerbsperspektiven, fehlender Anerkennung sowie einem erhöhten Armutsrisiko einher. Laut einer Studie der Berner Fachhochschule Soziale Arbeit sind über 80% der alleinerziehenden Mütter unter 25 Jahren in Städten auf Sozialhilfe angewiesen..

Schwer kompatibel: Beruf und Betreuungspflichten Entscheiden sich junge Mütter dazu, den (Wieder-)Einstieg in die Berufswelt anzugehen, fehlt ihnen einerseits oft das Wissen, wie sie nach Stellen recherchieren oder das Bewerbungsprozedere meistern können. Anderseits scheitern sie an der Mehrfachbelastung, ihrem mangelnden sozialen Netzwerk sowie nicht ausreichenden Möglichkeiten der externen Kinderbetreuung. Die jungen Mütter wählen mehrheitlich weiblich geprägte Berufe im Pflege- oder Dienstleistungssektor. Hier stimmen die Arbeitszeiten jedoch selten mit den Öffnungszeiten von externen Kinderbetreuungsstellen überein. Dies führt bereits vor dem Einstieg in eine Ausbildung oder den Beruf zu Frustration und zwingt die Frauen, sich in ihren beruflichen Zielen neu zu orientieren. Insbesondere für junge Mütter ohne ein unterstützendes Umfeld sind die Anforderungen kaum zu bewältigen. Oftmals vernachlässigen diese Frauen deshalb ihre berufliche Laufbahn. Für sie steht die Betreuung ihres Kindes an erster Stelle, dann die Bewältigung des Alltags und erst zuletzt kommt die berufliche Zukunft.

Rahmenbedingungen schaffen Es sind Interventionen auf gesellschaftlicher und individueller Ebene notwendig, damit sich junge Mütter nachhaltig auf dem Arbeitsmarkt bewähren, eine Ablösung von der Sozialhilfe gelingen kann und die armutsbelasteten Lebenslagen nicht an die Kinder weitergegeben werden. Gesellschaft, Wirtschaft und Politik sind gefordert, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen: Es braucht genügend Lehr- und Arbeitsplätze, die angemessenen Raum für die Familienarbeit bieten. Auch sollten Betriebe offener sein gegenüber jungen Müttern und ihnen eine Chance geben. Notwendig wären zudem ein Angebot von Teilzeitlehren sowie der Ausbau einer zeitlich flexibleren externen Kinderbetreuung. Junge Mütter möchten für ihre Kinder eine Vorbildfunktion übernehmen, weshalb sie ein ökonomisch eigenständiges Leben anstreben. Gleichzeitig leiden sie oft an mangelndem Selbstwertgefühl und trauen sich einen Berufseinstieg nicht zu. Um ihre Chancen zu erhöhen, sind sie in ihren Fach- und Selbstkompetenzen sowie in ihrer Rolle als Mutter zu stärken und zu begleiten.

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Rund eine halbe Million Menschen in der Schweiz leben in Armut. Die Caritas setzt sich für sie ein. Besonders oft wenden sich alleinerziehende Mütter an die Caritas. Sie kämpfen mit finanziellen Problemen, die wiederum weitreichende Konsequenzen haben: Betroffene Mütter und ihre Kinder können nur eingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilhaben, leben manchmal gänzlich isoliert.

  nutzen die KulturLegi Die KulturLegi der Caritas wirkt der sozialen Isolation entgegen, indem sie Kultur-, Bildungs- und Sportangebote für armutsbetroffene Menschen erschwinglich macht. Ihnen stehen rund 2900 Angebote zur Verfügung, die um 30 bis 70 Prozent vergünstigt sind: Vom Hallenbad, Tanzkurs, Ferienlager über Zeitungs- und Bibliotheks-abonnement, Museumseintritt und Kunstausstellung bis zum Deutsch- oder Computerkurs. Derzeit nutzen rund 93 000 Menschen in der Schweiz die KulturLegi. Damit leistet die Caritas einen wichtigen Beitrag zur Vision einer Schweiz, in der alle Menschen am sozialen, kulturellen und sportlichen Leben teilhaben können. MEHR ÜBER DEN VEREIN AMIE AMIE ist ein etabliertes Programm für staatlich unterstützte junge Mütter. Es bietet den Frauen das notwendige Werkzeug und die fachliche Begleitung, damit sie den Berufseinstieg realisieren und sich dadurch schrittweise von der Sozialhilfe ablösen können. www.amie-basel.ch

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Persönlich

Maj (8 Jahre) geht in die dritte Klasse und wohnt in Zürich Wiedikon. Seit letztem Sommer geht sie ins Tanzen und begeistert die Familie mit ihren Künsten: «Was ich am liebsten mit meiner Mama mache? Ich liebe es, mit ihr zu tanzen.»

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Persönlich

Was ist deine schönste Kindheitserinnerung? Antworten von Passantinnen und Passanten aus der Deutschschweiz.

Julia Noth, Schülerin, Suhr Meine schönste Kindheitserinnerung ist: Als meine Schwester und ich erfuhren, dass wir noch eine Schwester bekommen würden. Wir sassen mit unseren Eltern auf dem Sofa, als sie es uns erzählten. Wir haben uns sehr gefreut und haben es gleich all unseren Freunden erzählt.

Inge Müller, pensionierte Englisch-Lehrerin, Luzern Ich erinnere mich, dass ich als Kind jeweils frühmorgens am Weihnachtstag aufstand und noch ganz allein im Wohnzimmer unter dem Weihnachtsbaum spielte – dieser Duft von frischer Tanne löst bei mir noch heute Wohlbefinden aus.

Luigi Plumari, pensionierter Lastwagenchauffeur, Chur Als mein Vater mir nach der 3. Klasse sagte, ich müsse nun nicht mehr weiter zur Schule gehen, war ich begeistert. Ich half auf unserem Bauernhof und träumte davon, Lastwagenfahrer zu werden. Es war ein weiter Weg. Als Erwachsener musste ich in Abendkursen nachholen, was ich in der Schule verpasst hatte. Mit 21 Jahren kam ich in die Schweiz, wo ich meinen Kindheitstraum doch noch verwirklichen konnte.

Rebecca Neuhold, Studentin, Solothurn Meine Familie und ich fuhren im Sommer jeweils vollbepackt und eingequetscht mit dem Auto nach Südfrankreich. Dabei hörten wir uns immer Kassetten an, und es gab die eine, die wir heute noch gerne hören und die uns in diese Zeit zurückversetzt. In der Geschichte «s Rägetröpfli» geht Peterli mit den Regentropfen auf deren Weg und erlebt hautnah mit, wie das Wetter zustande kommt.

Hamza Chohan, kaufmännischer Mitarbeiter, Spiez Als ich in der 2. Klasse war, erhielt meine Familie die Nachricht, dass wir die Schweiz verlassen müssten. Dies, obwohl wir zu diesem Zeitpunkt bereits über fünf Jahre in der Schweiz lebten und in unserem Dorf sehr gut integriert waren. Auch unseren Bekanntenkreis machte dieser Entscheid sehr betroffen. Es berührt mich noch heute, wie viele Menschen damals bei der Unterschriftensammlung mitmachten, damit der Entscheid nochmals überdacht wurde.

Elidia Roduner, Schülerin, Zürich Als ich sechs Jahre alt war, durfte ich das erste Mal reiten gehen. Ich verliebte mich augenblicklich in die Pferde und auch in die Umgebung auf dem Reiterhof. Das Zusammensein mit Tieren macht mich glücklich. Vor allem zu Pferden habe ich einen speziellen Draht. Heute, viele Jahre und Reitstunden später, trage ich die Verantwortung für mein eigenes Pflegepferd. Wenn ich in den Stall gehe, erkennt es mich bereits an meinen Schritten und wiehert zur Begrüssung.

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Caritas Sektion

Madeline Gomez liebt den Schreinerberuf. In den Werkstätten der Caritas Luzern macht sie ihre Ausbildung zur Schreinerpraktikerin. 14

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Caritas Luzern

Eine Mutter geht ihren Weg Wenn ihre Kollegen aus der Caritas-Schreinerei Feierabend machen, beginnt für Madeline Gomez die Arbeit zu Hause erst richtig. Obwohl die 27-Jährige ihre kleine Tochter allein aufziehen muss, will sie ihre Lehre unbedingt durchziehen. Sie ist überzeugt: «Ich habe meinen Traumberuf gefunden.» Text: Daniel Schriber Bilder: Boris Bürgisser

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adeline Gomez (27) mochte Holz schon immer. Den Duft, das Natürliche. Die unbegrenzten Möglichkeiten, die dieser Rohstoff mit sich bringt. «Aus einem Stück Holz kann man alles machen.».Die dunklen Augen der jungen Frau leuchten, wenn sie von ihrem Job erzählt. Ihre rauen Hände passen nicht zur zierlichen Person. Der staubige Kapuzenpulli und die Arbeiterhose ebenfalls nicht. Doch das kümmert die junge Frau nicht. Im Gegenteil: Steht sie in der Werkstatt der Caritas Luzern, ist sie zufrieden. Sie mag es, anzupacken, mit schwerem Werkzeug zu arbeiten, etwas von Grund auf zu produzieren. Ihre Arbeit ist ihre Passion. «Ich liebe Holz», sagt sie. Und alles, was dazu gehört.

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Obwohl sie schon in der Oberstufe am liebsten den Werkunterricht besuchte, war da stets diese Unsicherheit. «Schreinern? Das ist doch ein Männerberuf.» Weil das alle in ihrem Umfeld behaupteten, glaubte der Teenager das bald auch selber. Also verwarf sie diesen Gedanken wieder – und begann eine Lehre im Verkauf. Nach einem halben Jahr brach sie diese ab.

Mutter mit 22 Jahren In den darauffolgenden Jahren hielt sich Madeline Gomez mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Als sie 22 Jahre alt war, folgte der Moment, der alles veränderte. Madeline Gomez wurde Mutter einer kleinen Tochter. Kisha. «Mein Ein und Alles». Natürlich ist da auch ein Vater – doch die Beziehung zerbricht. Und weil ihr kranker

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Caritas Luzern

test-Ausbildungen in der hauseigenen Schreinerei anbietet, wittert sie ihre Chance. Und siehe da: Für einmal kommt alles genau so, wie es sich die junge Frau wünscht: Madeline Gomez erhält die Zusage für die Lehrstelle. Dafür ist sie dankbar. «Sehr sogar.» Sie weiss: Nicht viele Betriebe warten darauf, einer alleinerziehenden Mutter – noch dazu mit Migrationshintergrund – eine Lehrstelle anzubieten. Umso glücklicher ist sie, dass sie bei der Caritas diese Chance erhielt. «Obwohl ich die einzige Frau in der Werkstatt bin, fühle ich mich sehr wohl.» Die Kollegen seien allesamt nett und hilfsbereit. Dumme Sprüche? Nicht hier.

Madeline Gomez fühlt sich auch als Frau wohl in der Schreinerei.

Vater, ihre Geschwister und ihre Grossmutter in der Dominikanischen Republik leben, ist Gomez wie so oft auf sich allein gestellt. Ihre Mutter hilft, wo sie kann. «Aber das geht halt auch nicht immer.»

Die einzige Frau in der Werkstatt Obwohl die kleine Kisha vieles komplizierter macht, will Madeline Gomez unbedingt ihre Ausbildung nachholen. Als sie herausfindet, dass die Caritas At-

«Es kostet Kraft» Wohl fühlt sich Madeline Gomez auch, weil ihre Vorgesetzten Verständnis für ihre Situation zeigen. Dies zum Beispiel dann, wenn die junge Mutter ausnahmsweise zu Hause bleiben muss, weil ihre Tochter krank ist. «Anderswo ginge das nicht», weiss sie. Trotzdem gebe es auch schwierige Zeiten. Sie gibt zu: «Alles unter einen Hut zu bringen, kostet Kraft. Manchmal fühle ich mich überfordert.» Wenn man erfährt, wie ihr Alltag üblicherweise aussieht, ist das wenig erstaunlich. Um 6 Uhr steht sie auf, um 7 bringt sie ihre Tochter in die Krippe, von 7.30 bis 17 Uhr arbeitet sie. Und danach: Die Kleine abholen, nach Hause gehen, Essen zubereiten, Haushalt erledigen, Hausaufgaben machen, Rechnungen zahlen. «Ganz am Schluss komme ich», lächelt Madeline Gomez und zuckt mit den Schultern. Wie aber schafft sie das? Wo lädt sie ihre Batterie auf, damit sie nicht

Die junge Mutter liebt es, etwas anzupacken und von Grund auf zu produzieren.

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Caritas Luzern

Zeit für ihre Tochter findet Madeline Gomez nach Feierabend: Hausaufgaben gehören genauso dazu wie das Spiel im Kinderzimmer.

irgendwann erschöpft zusammenbricht? «Zeit für ein Hobby habe ich nicht, wenn Sie das meinen.» Ab und zu gehe sie am Wochenende mit Kolleginnen ins Kino. Diese raren Momente der Unbeschwertheit geniesst sie.

Der Chef ist voll des Lobes Wenn alles glatt läuft, wird die Lernende im Sommer ihre Attest-Ausbildung in der Tasche haben. Denkt sie an die bevorstehenden Abschlussprüfungen, wird sie nervös. «Ich wünsche mir so sehr, dass das klappt.» Wer sich mit ihrem Lehrmeister Renato Stiz unterhält, kommt zum Schluss: Das wird klappen. Der Mann ist voll des Lobes für die Lernende. «Madeline bringt mit ihrer fröhlichen Art frischen Wind in den Betrieb.» Vor allem aber sei sie nicht nur mit Freude, sondern auch mit Geschick bei der Sache. «Sie ist eine talentierte Schreinerin.» Wenn alles durch ist, will sich die junge Mutter Ferien gönnen. Am liebsten würde sie mit ihrer Tochter für ein paar Monate in die Dominikanische Republik reisen. In das Land, in dem sie die ersten sieben Jahre ihres Lebens verbrachte – und mit dem sie sich auch heute noch tief verbunden fühlt. Und danach? «Mein Traum ist es, eine Anstellung als Schreinerin zu finden.» Denn etwas ist in Madeline Gomez’ turbulentem Leben seit jeher gleich geblieben: Sie liebt ihn einfach – den Duft von Holz.

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PERSPEKTIVEN FÜR JUGENDLICHE Mit Attest-Ausbildungsplätzen bietet die Caritas Luzern Jugendlichen mit eingeschränkten Chancen eine Einstiegsmöglichkeit in die Berufswelt. Zur Zeit sind 12 Lernende in einer Attest-Ausbildung, auf Sommer 2018 ist ein Ausbau auf 20 Ausbildungsplätze geplant. Neben der Ausbildung in der Schreinerei stehen Ausbildungen im Detailhandel, im Bürobereich, in der Hauswirtschaft und in der Gastronmie zur Verfügung. Dank langjähriger Erfahrung in der Arbeitsintegration, im Migrationssbereich sowie ihrem Engagement gegen Armut und soziale Ausgrenzung stehen dabei der Caritas Luzern vielfältige fachliche Ressourcen zur Verfügung. www.caritas-luzern.ch/attestausbildungen

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Caritas Luzern

Ein Zuhause für Ihre glücklichen Hühner In unserer Schreinerei entstehen die beliebten und tiergerechten Hühnerställe «Lotti» und «Hanna». Sie werden von Stellensuchenden produziert, die so die Möglichkeit haben, zusätzliche Qualifikationen für einen Wiedereinstieg in die Arbeitswelt zu erwerben. Mit dem Erlös der Qualitätsprodukte werden weitere soziale Projekte finanziert. www.caritas-luzern.ch/schreinerei 18

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Caritas Luzern

Brünig – mehr als nur ein Restaurant Im August 2018 eröffnet die Caritas Luzern das Restaurant Brünig Es ist ganztägig geöffnet und soll ein Ort der Begegnung werden. Damit es zum Tragen kommt, brauchen wir auch Ihre Unterstützung! Text: Tamara Riehemann/Urs Odermatt

Bild: iStock

Quartierbeiz mit Job-Perspektiven Das «Brünig» ist mehr als einfach ein Restaurant. Das soziale Projekt eröffnet Jugendlichen und Stellensuchenden Perspektiven. Im professionell geführten Restaurant können sie ihre Kenntnisse und Fähigkeiten erweitern und werden von Fachkräften mit agogischer Ausbildung begleitet und geschult. Die acht AttestAusbildungsplätze in Küche und Service bieten insbesondere Jugendlichen mit geringen Chancen auf dem Lehrstellenmarkt einen Einstieg ins Berufsleben. Ort der Begegnung Daneben ist das Restaurant Brünig aber auch ein Ort der Begegnung. Es soll sich zum zentralen Treffpunkt im sich verändernden Quartier entwickeln und für alle Menschen offen sein. So werden mit vergünstigten Angeboten auch Personen mit kleinem Budget ihren Platz im «Brünig» haben, und ein kulturelles Rahmenprogramm soll die soziale Durchmischung fördern. Ich spende eine Kaffeemaschine Noch befinden sich die Räume des Restaurants Brünig im Rohbau. Nach dem Sommer wird der Duft von frisch gebrühtem Kaffee, hausgemachten Kuchen und gluschtigen Menüs die Gäste anlocken. Doch bis dahin

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gibt es noch einiges zu tun. Der gesamte Innenausbau und die Einrichtung des Restaurants stehen an. Und dafür braucht die Caritas Luzern Unterstützung. Mittels Crowdfunding sammelt die Organisation Geld für die Anschaffung von Geschirr, Besteck, Tischen, Stühlen und einer Kaffeemaschine.

DAFÜR BRAUCHEN WIR SIE: Mit Ihrer Spende ermöglichen Sie die Realisierung des Projekts und eröffnen damit Perspektiven für Jugendliche, Stellenlose und Menschen mit kleinem Budget. Herzlichen Dank! Wir freuen uns auf Ihren Besuch im Restaurant Brünig! Weitere Informationen zum Restaurant Brünig finden Sie auf der Website: www.restaurantbruenig.ch Spendenkonto: PC 60-4141-0 «Restaurant Brünig»

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Caritas Luzern

Caritas Luzern und die Zentralschweiz Als Hilfswerk ist die Caritas Luzern in der Region tätig und hat hier verschiedene Angebote zur sozialen und beruflichen Integration. Der Schwerpunkt liegt im Kanton Luzern, vieles kommt aber immer mehr in der ganzen Zentralschweiz zum Tragen. Text: Urs Odermatt Bilder: Christian Perret/Thomas Plain

Dolmetschdienst Zentralschweiz 2006 war es der Dolmetschdienst Zentralschweiz, der als erste Stelle mit der Vermittlung von Dolmetschenden im überkantonalen Rahmen startete. Der Auftrag kam von allen Zentralschweizer Kantonen. Unterdessen ist der von der Caritas Luzern geführte Dolmetschdienst zu einer festen Grösse in der Zentralschweiz geworden und nimmt im Gesundheits-, Bildungs- und Sozialbereich einen wichtigen Platz ein. Begleitung in der letzten Lebensphase Freiwillige aus der ganzen Zentralschweiz nehmen an den Bildungsangeboten der Fachstelle Begleitung in der letzten Lebensphase teil. Sie schulen sich in Grundkursen und besuchen Weiterbildungstage. Organisiert

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sind die meisten in lokalen Sterbebegleitgruppen. Die Fachstelle funktioniert hier als Drehscheibe. In der Zentralschweiz gibt es 40 Begleitgruppen, in denen sich über 500 Freiwillige engagieren. Die Caritas Luzern bildet nicht nur Freiwillige für die Palliative Care aus. Sie fördert auch den Aufbau von Begleit- und Hospizgruppen und unterstützt, koordiniert und vernetzt diese.

KulturLegi Zentralschweiz 2009 wurde aus der KulturLegi Luzern die KulturLegi Zentralschweiz. Anbieter aus der ganzen Region sind dabei, wenn es gilt, Armutsbetroffenen vergünstigten Zugang zu Kultur, Sport und Freizeitangeboten zu ermöglichen. Über 8000 Menschen aus der Zen-

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Caritas Luzern

tralschweiz besitzen eine KulturLegi, und über 300 Angebotspartner sind mit dabei. Es sind lokale Kulturveranstalter, Sportvereine, aber auch Museen und Verkehrsbetriebe, die Armutsbetroffenen Impulse für die Freizeit vermitteln.

Nextbike Das erfolgreiche Veloverleihsystem ist in immer mehr Gemeinden anzutreffen. Die meisten Gemeinden bieten die nextbikes für ihre Einwohner gratis an, und dies wurde zum Erfolg. Dank Manpower ist das System flexibel, zuverlässig und günstig.

Caritas-Markt Mit der KulturLegi ist auch ein Einkauf im CaritasMarkt möglich. Diese Lebensmittelläden bieten frische, günstige und gesunde Produkte für Menschen mit knappem Budget. In der Zentralschweiz gibt es neben den Caritas-Märkten in Luzern und Sursee auch einen Markt in Baar, an zentraler Lage direkt beim Bahnhof.

Im vergangenen Jahr konnte das Nextbike-Netz Richtung Nidwalden erweitert werden. Nach Hergiswil stiessen auch Horw, Stansstad sowie Stans dazu. Dieses Jahr bieten neu auch Oberdorf, Wolfenschiessen, Ennetmoos und Sarnen nextbikes an. Um diese Region besser betreuen und die Velodienste beim Bahnhof Luzern entlasten zu können, realisiert die Caritas Luzern in Kerns eine Velowerkstatt. Zudem ist ein Ausbau des Nextbike-Netzes im Rontal und Richtung Küssnacht geplant.

«mit mir» Das Patenschaftsprojekt «mit mir» bringt benachteiligte Kinder aus belastenden Familiensituationen mit freiwilligen Gotten und Göttis zusammen, die ihnen Zeit und Aufmerksamkeit schenken. Nachdem sich das Projekt an vielen Orten in der Schweiz und im Kanton Luzern etabliert hat, wird es nach und nach in die Zentralschweiz ausgeweitet. Der Schwerpunkt liegt aktuell im Kanton Zug. Für dieses Projekt suchen wir auch laufend Freiwillige, die sich gerne als Patinnen und Paten engagieren möchten.

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Nextbike generiert sinnvolle Arbeitseinsätze für Erwerbslose, die so im Rahmen eines umfassenden Systems tätig sein können. In der Velostation erhalten die Erwerbslosen nebst einem strukturierten Tagesablauf die Möglichkeit, auch anspruchsvollere Arbeiten zu erledigen und Verantwortung zu übernehmen. Somit werden sowohl die fachlichen als auch die sozialen Kompetenzen der Teilnehmenden geschult. Mit diesen Voraussetzungen erhöhen sich die Chancen auf eine Anstellung im Arbeitsmarkt.

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Ich will helfen

Die Welt im Kleinen verbessern Robert Komorowski engagiert sich als freiwilliger Pate beim Patenschaftsprojekt «mit mir». So verbessert der 33-Jährige seine Welt – und diejenige seines Patenkindes Marcus. Text und Bild: Ariel Leuenberger

von mir und bekomme dafür wahnsinnig viel retour, seien es Erfahrungen oder Einblicke. Was auch grossen Spass macht: Ich kann selbst ein bisschen Kind sein, wenn ich zum Beispiel mit Marcus eine Runde in der Kinderbahn vor dem Verkehrshaus drehe oder Gokart fahre. So lerne ich eine andere Welt kennen, mit der Unterstützung von Caritas. Die Verantwortlichen sind immer da, wenn ich sie brauche – ich fühle mich sehr gut betreut. Das ist wichtig, weil dies mein erstes freiwilliges Engagement ist. Die Welt wird dadurch vielleicht ein wenig besser – jedenfalls die kleine Welt von Marcus und mir. Und wenn es viele Leute ähnlich machen, ergibt das am Ende eine beachtliche Wirkung.»

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ie Erwartungen waren von Anfang an klar: Ich leiste keine Erziehungsarbeit, sondern schenke meinem Patenkind Abwechslung und Erlebnisse. Damit das funktioniert, muss ich ein Kumpel sein – das schätzt Marcus an mir. Marcus ist neun Jahre alt, hat zwei Geschwister, seine Mutter ist alleinerziehend und in einer schwierigen Situation. Aber die Familie ist so offenherzig, so warm mir gegenüber, dass ich das kaum bemerke. Ich hatte wahnsinnig viel Glück, denn es ist, als ob wir uns schon ewig kennen würden: Sie sind auch ein wenig zu meiner Familie geworden. Die wichtigste Voraussetzung ist, dass man offen ist. Man muss sich auf das Kind einlassen. Für mich ist das ein Abenteuer, weil ich nicht oft mit Kindern unterwegs bin. Es ist ein langfristiges Engagement, das ich jetzt seit anderthalb Jahren ausübe, denn es braucht Zeit, eine Beziehung aufzubauen. Ich gebe ein bisschen

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PATINNEN WIR SAGEN DANKE!UND PATEN GESUCHT Viele Freiwillige engagieren sich für armutsbetroffene Menschen in der Schweiz. Mit ihrem unermüdlichen Einsatz Patenschaftsprojekt unterstützen sie Betroff ene im zielt oft schwierigen Alltag. Das «mit mir» darauf ab, Kinder Caritas dankt allen freiwilligen und soziMitvielfältig zu fördern, sie in ihrer Mitarbeiterinnen Entwicklung und der arbeitern. Ihre Mitmenschlichkeit ist für einzuAnsporn alen Integration zu unterstützen und die uns Eltern entlasund eine Quelle der Motivation zugleich. ten.

Engagieren auch Sie sichlaufend freiwillig Die Caritas Luzern sucht Patinnen und Paten in Als Freiwillige oder Freiwilliger lernen Sie Menschen mit der Zentralschweiz. Diese sollten mindestens 20 Jahre anderen Perspektiven Sie helfen im Alltag und alt sein und genügendkennen. Zeit haben, mit dem Patenkind machen möglich. können Ihr Wissen weitereinbis Integration zweimal pro MonatSie einen halben oder ganzen geben Neues dazulernen. Mehr Informationen Tag zu und verbringen. Interessierte werden sorgfältig zu aufden ihEinsätzen Sie auf derwww.caritas-luzern.ch/mitmir Website der Caritas-Organiren Einsatzfinden vorbereitet. sation in Ihrer Region.

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Gedankenstrich

Unfreiwilliges Talent-Casting Ich hetze übermüdet und von Sorgen getrieben meiner Agenda hinterher. Übe dabei den ganzen Tag, wach zu werden, und kurz vor dem Einschlafen kann ich es. Und das alles, ohne ein Kind zu haben. Andere kommen von der Arbeit nach Hause, und dann fängt der grosse Stress erst an. Wie machen die das nur? Wann schlafen die? In 18 Jahren? Alle, die schon mal ein Kind gewesen sind, wissen, wie hart es sein kann, damit umzugehen. Quängälä, mötzle, trötzle oder chötzle – die Auswahl war riesig, um die Eltern an den Rand des Zusammenbruchs zu bringen. Und bei mir herrschte Schichtbetrieb – die Eltern wechselten sich ab oder lagerten mich bei den Verwandten. Doch was ist, wenn man plötzlich alleinedasteht? Am Anfang des Berufseinstiegs? Ohne finanzielles Polster und unterstützendes Umfeld? Und während diese alleinerziehenden Mütter und Väter ihr Bestes geben, machen wir aus ihrem Leben ein Talent-Casting. Wir, die Jury, schauen zu und tun gar nichts, ausser mötzle, trötzle und uns geistig uschötzle: «Das hettisch du dir im Fall vorher chöne überlege!» oder «Jetzt hesch halt s Gschenk».

Das ist die Hilfe, die wir ihnen anbieten. Wirklich? Hilfreich wäre zum Beispiel ein Mobility-ChildSharing. Ein zuverlässiges Umfeld, dem man jederzeit seine Kinder anvertrauen kann, um sich auch mal um die anderen Sorgen kümmern zu können. Damit junge Mütter nicht mehr alleine gelassen werden, einer Arbeit nachgehen, sich finanziell absichern und, ja, endlich etwas besser schlafen können.

Mitfinanziert wäre dieses moderne Sharing-Modell natürlich von den Steuern. Denn ein Mensch sollte länger halten als eine Strasse. Und uns als Gesellschaft auch wichtiger sein. Das ist nur eine Idee. Denn Schlaf sollte kein Luxus sein, den sich alleinerziehende Mütter nicht leisten können. Und wenn ich nicht einschlafen kann, stelle ich mir vor, ich hätte ein Kleinkind mit Magen-Darm-Grippe. Das hilft.

Martina Hügi (*1985) ist Slampoetin und lebt in Winterthur. Trotz ihres Thurgauer Hintergrunds fühlt sie sich im Kanton Zürich gut integriert. https://martinahuegi.jimdo.com Illustration: Isabelle Bühler

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Dabei sein, auch mit wenig Geld.

* Schmales Budget, volles Programm: Mit der KulturLegi erhalten Menschen mit schmalem Budget 30–70% Rabatt auf Angebote aus Kultur, Sport, Bildung und Freizeit.

www.kulturlegi.ch


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