beider Basel
Nr. 2 / 2014
Nachbarn
Integration – wie geht das? Bei uns leben so viele Einwanderer wie noch nie. Eine Herausforderung und ein Gewinn – wenn wir die Chancen nutzen.
Inhalt
Inhalt Editorial
3 von Bettina Zeugin
Geschäftsleiterin Caritas beider Basel Kurz & bündig
4 News aus dem Caritas-Netz 1983
12 Dunkle Gestalten Das Bild der Tamilen damals Persönlich Offene Türen oder hohe Mauern – wie will die Schweiz den Migrantinnen und Migranten in Zukunft begegnen?
Schwerpunkt
Integration – wie geht das?
13 «Welches ist Ihr Lieblingsessen aus einem fremden Land? Wo haben Sie dies zum ersten Mal gegessen?» Sechs Antworten Caritas beider Basel
14 Stabsstelle Migration
Caritas beider Basel berät kirchliche Institutionen in Migrationsfragen.
15 Alles neu im Secondhand In der Schweiz leben heute so viele Einwanderer wie noch nie. Das ist ein Gewinn für unsere Gesellschaft – nicht nur wirtschaftlich – und stellt uns gleichzeitig vor grosse Herausforderungen. Wie schaffen wir es, die Zugezogenen an unserem Leben teilhaben zu lassen? Was braucht es für diese sogenannte Integration? Auf der Suche nach Antworten haben wir mit einer interkulturellen Vermittlerin und einem Politiker gesprochen. Zudem zeigen wir, wie die heutige Situation vieler Migrantinnen und Migranten verbessert werden könnte.
ab Seite 6
Schülerinnen und Schüler der Schule für Gestaltung Basel haben im Auftrag der Caritas die Inneneinrichtung neu gestaltet.
16 Auf Umwegen zum Ziel
Rodrigo Duarte hat über die Arbeit im Caritas-Secondhand-Laden wieder Hoffnung geschöpft.
17 Flüchtlingstag
Dream-Teams gesucht
Kiosk
18 Ihre Frage an uns Gedankenstrich
19 Kolumne von Paul Steinmann
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Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser Rodrigo Duarte aus El Salvador arbeitete während fast eines Jahres im Secondhand-Kleiderladen der Caritas beider Basel am Lindenberg 20. Zunächst im Rahmen eines Arbeitsintegrationsprogramms, dann als freiwilliger Mitarbeiter. Er ist jung «Er ist jung und und motiviert, fand aber in der motiviert, fand Schweiz keine Lehrstelle und keiaber in der Schweiz ne Zukunft. Nun kann er in den USA eine Ausbildung machen und keine Lehrstelle.» hat damit wieder eine Perspektive gefunden. Auf Seite 16 finden Sie ein Interview mit ihm, das wir kurz vor seiner Abreise in die USA geführt haben. Im Juni 2014 hat der Secondhand-Kleiderladen ein neues Innenleben erhalten. Vier Schülerinnen und Schüler der Schule für Gestaltung Basel haben dem Laden mit ihrem Umbau frischen Wind verliehen. Nun hoffen wir auf mehr und auch neue Kundschaft, damit der Kleiderladen wieder Gewinn abwirft. Diesen benötigt Caritas beider Basel für andere Projekte im Bereich Armut. Der Verkauf, aber auch die Arbeit im Hintergrund wie das Sortieren und Aufbereiten der Kleiderspenden ist eine anspruchsvolle und vielfältige Arbeit. Deshalb sind wir immer wieder froh über freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Lesen Sie dazu den Beitrag auf Seite 15. Dieses Magazin widmet sich in verschiedenen Beiträgen dem Thema Migration. Alle Projekte der Caritas beider Basel richten sich auch an Migrantinnen und Migranten. Dabei orientieren wir uns an den Menschenrechten und an der Menschenwürde – Leitlinien, die für unsere Arbeit unerlässlich sind. Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre. Herzlich
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Bettina Zeugin Geschäftsleiterin beider Basel
«Nachbarn», das Magazin der regionalen Caritas-Organisationen, erscheint zweimal jährlich. Gesamtauflage: 32 330 Ex. Auflage BS / BL: 1 740 Ex. Redaktion: Bettina Zeugin (Caritas beider Basel) Ariel Leuenberger (national) Gestaltung und Produktion: Urs Odermatt, Milena Würth Druck: Stämpfli Publikationen AG, Bern Caritas beider Basel Lindenberg 20 4058 Basel Tel.: 061 691 55 55 www.caritas-beider-basel.ch PC 40-4930-9
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Kurz & bündig
Schuldenprävention
Neue Regeln für Jugendliche Neues Hilfsmittel zum Umgang mit Geld: die goldenen Regeln, dank deren die Finanzen im Lot bleiben. Die heutige Gesellschaft ist stark auf Konsum ausgerichtet, und die Anforderungen an einen kompetenten Umgang mit Geld, Konsum und Schulden sind höher als früher. Insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene haben damit noch wenig Erfahrung. Nach der App «Caritas My Money» bringt Caritas mit den «10 goldenen Regeln im Umgang mit Geld» ein weiteres Hilfsmittel heraus, welches Jugendlichen und jungen Erwachsenen hilft, die Finanzen im Griff zu behalten. Die Finanzen im Griff dank unserer
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Regeln zum Umgang mit Geld
Die Regeln wurden mit Personen aus den Bereichen Bildung und Schuldenprävention sowie Jugendlichen und jungen Erwachsenen und mit finanzieller Unterstützung der Julius Bär Stiftung entwickelt. Zusätzlich gibt es Merkblätter mit weiterführenden Informationen und Hilfsmittel für den Schulunterricht. www.goldene-regeln.ch
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Neuer Standort in Zürich
Drei unter einem Dach Gleich neben der Europaallee in Zürich eröffnete die Caritas Zürich einen neuen Standort. Drei Angebote helfen Menschen, die mit wenig Geld auskommen müssen, den Anschluss nicht zu verlieren. Sei es beim Wocheneinkauf, beim Ausgang mit Freunden oder bei der Wahl der Kleider: Immer wieder braucht es Geld. Wer mit wenig Geld auskommen muss, kann den Anschluss an unsere Gesellschaft schnell verlieren. Der neue Standort der Caritas Zürich bietet darum erstmals drei Angebote unter einem Dach. An der Reitergasse 1 in Zürich kann man sich neu die KulturLegi ausstellen lassen – einen persönlichen Ausweis, der 30 bis 70 Prozent Rabatt auf rund 500 Angebote aus den Bereichen Bildung, Sport und Kultur bietet. Zudem können Armutsbetroffene im neuen Caritas-Markt einkaufen – Früchte und Gemüse, Lebensmittel und Artikel des täglichen Bedarfs gibt’s hier zu Tiefpreisen. Im neuen Secondhand-Laden gleich nebenan kommen Modebewusste auf ihre Kosten. Kleider, Schuhe oder Möbel: Wechselnde Konzepte bringen neue Inspiration. Die drei Angebote ergänzen sich bestens. Wer eine KulturLegi besitzt, kann damit auch im Caritas-Markt einkaufen und erhält 50 Prozent Rabatt im Secondhand-Laden. www.caritas-zuerich.ch
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Kurz & bündig
IV-Anlehre im Caritas-Markt Olten
Chancen im ersten Arbeitsmarkt Integration am Arbeitsplatz: Der Caritas-Markt in Olten bietet neu einen Ausbildungsplatz für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung. Eine niederschwellige Anlehre können Menschen mit psychischer Beeinträchtigung in verschiedenen Berufsgruppen machen. Sie heisst PrA (Praktische Ausbildung) und wird vom nationalen Branchenverband der Institutionen für Menschen mit Behinderung (INSOS) zertifiziert. Diese Ausbildung will jungen Menschen mit einer Lern- oder Leistungsbeeinträchtigung den Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt ermöglichen. Caritas Solothurn bietet einen dieser PrA-Arbeitsplätze neu im Caritas-Markt Olten im Bereich Detailhandel an. Die Kooperation mit der Organisation «WG Treffpunkt» garantiert eine fachmännische Betreuung, auch am Einsatzort im Caritas-Markt, und ist von der IV gutgeheissen. Die jungen Erwachsenen haben bei positivem Abschluss der IV-Anlehre die Möglichkeit, im Anschluss die Assistenz-Lehre oder bei Eignung gar den Abschluss Detailfachfrauoder -mann direkt im Caritas-Markt zu absolvieren. www.caritas-solothurn.ch
NEWS KulturLegi neu in St. Gallen Die KulturLegi gibt’s neu auch in St. Gallen-Appenzell. Mit dieser Karte kann im Caritas-Markt eingekauft und gleichzeitig von vergünstigten Angeboten im Sport-, Kultur-, Bildungs- und Freizeitbereich profitiert werden. Eine Karte erhalten Menschen, die am oder unter dem Existenzminimum leben, oder Personen, die wirtschaftliche Sozialhilfe oder Ergänzungsleistungen zur AHV/IV beziehen. Weitere Infos: www.caritas-stgallen.ch Caritas-Blog aus Zürich Wie lebt es sich mit wenig Geld in der teuersten Stadt der Welt? Im «Züriblog» erzählen fünf Autorinnen und Autoren von ihrer Arbeit, ihrem Alltag und ihrem Engagement. Von Geldsorgen, von schweren Schicksalen und von Erfolgen. Zum Beispiel Urs: «Wenn ich morgens aufstehe, ist einer meiner ersten Gedanken: Bringe ich den Tag finanziell durch?» Lesen Sie mit auf blog.caritas-zuerich.ch Mehr Velos in Sursee Rund 30 Nextbike-Velos stehen neu in der Stadt Sursee an sechs Standorten bereit. Wer will, kann sie einfach und schnell ausleihen, um zum Beispiel in die Badi zu fahren. Service und Unterhalt der Velos und Stationen werden von der Caritas Luzern im Rahmen eines Beschäftigungsprogrammes für Erwerbslose ausgeführt – das Projekt funktioniert in Luzern schon länger. www.nextbike.ch Renovierter Laden in Basel Der Secondhand-Kleiderladen der Caritas beider Basel wurde nach einem Facelifting durch vier Studierende der Hochschule für Gestaltung neu eröffnet. Das Geld für den Umbau kam durch CrowdFunding zusammen: Spenderinnen und Spender konnten sich online an dem Projekt beteiligen und wurden stetig über den Fortschritt informiert. Nun erstrahlt der Laden in neuem Glanz. Mehr auf www.caritas-beider-basel.ch
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Rubrik
Sich in einer neuen Umgebung zurechtfinden, mit neuen Einflüssen umgehen können: Integration ist harte Arbeit für alle Beteiligten.
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Schwerpunkt
«Integration fällt nicht vom Himmel» Job, Beziehungen, Sprache: Integration ist eine Herausforderung. Die interkulturelle Vermittlerin Fatima Sticher begleitet Menschen mit Migrationshintergrund in diesem Prozess. Dabei stützt sich die gebürtige Portugiesin auf eigene Erfahrungen. Text: Sarah King Bilder: Zoe Tempest in Zusammenarbeit mit Barbara Rusterholz
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aritas-Haus, Luzern: Der Blick aus dem PC-Raum im fünften Stock fällt über die Industriebauten hinweg direkt auf die Berge. Irgendwo hinter den Bergen in der Ferne ändern sich die Bräuche, das Klima oder die Sprache. Aus der Ferne stammen einige der Anwesenden im PC-Raum. Sie klicken sich durch Stellenanzeigen oder tippen Begleitbriefe. Allen voran Fatima Sticher. Sie hilft suchen. Zweimal wöchentlich leitet sie für die Caritas Bewerbungsworkshops für Teilnehmende des Beschäftigungsprogramms. Die Workshops sind Teil der beruflichen Integration – oder Reintegration.
Mit Sprache vorankommen Miljojka zum Beispiel kam vor 30 Jahren aus Serbien in die Schweiz. Als Hilfsköchin arbeitete sie in Restaurants. Gegenwärtig ist die
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61-Jährige arbeitslos. Eine Stelle zu finden sei schwierig, sagt sie in gebrochenem Deutsch. Auch Ivan sucht Arbeit. Der 48-jährige Kroate verliess vor 28 Jahren sein Heimatland wegen der schlechten Arbeitsbedingungen. Seit er vor sieben Monaten arbeitslos wurde, bewarb er sich auf 40 Stellen. Erfolglos. Die Auswirkungen davon bekommt Fatima Sticher bei ihrer Arbeit zu Gesicht. «Plötzlich hat man keine Aufgabe mehr und fühlt sich nutzlos.» Gründe für die schwierige Stellensuche seien zum Teil ungenügende Qualifikation und mangelhafte Deutschkenntnisse. «Wer die Landessprache nicht kann, bleibt stehen. Er knüpft keinen Kontakt mit dem Nachbarn und besucht keine Weiterbildungskurse.» Stehenbleiben ist Fatima Sticher fremd. Schon früh suchte sie einen gangbaren Lebensweg für sich. Sie erinnert sich: Portugal 1974, Nelkenrevolution, die Diktatur wurde
gestürzt und die Demokratie eingeführt. Fatima Sticher hatte Pläne: «Ich wollte studieren – Psychologie. Aber die ersten Jahre nach der Revolution waren unbeständig und chaotisch.» So besuchte sie zuerst ihre Tante in der Schweiz mit dem Plan, ihre Studien in Portugal zu einem späteren Zeitpunkt aufzunehmen. «Ich wollte Neuland entdecken.» Die Liebe durchkreuzte ihren Plan, aus Neuland wurde Heimatland. Fatima Sticher gründete eine Familie in der Schweiz. Schnell spürte sie die Schattenseiten der Migration: «Ich war in bestimmten Dingen abhängig von meinem Mann – zum Beispiel bei der Korrespondenz mit Ämtern.» Ihre Unabhängigkeit eroberte sie sich mit Wissen zurück: Sie las viel und suchte Beziehungen zu Deutschsprachigen. Ein Deutschkurs diente ihr zum Schluss nur noch als Feinschliff. Ihren Stolz kann die Portugiesin nicht ganz verbergen: Sechs Sprachen
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Schwerpunkt
Nicht zuletzt bedeutet Integration auch Anpassung: sich informieren über und adaptieren an die Kultur, in der man sich bewegt.
beherrscht sie inzwischen und sie weiss: Das ist der Schlüssel für ihre eigene berufliche Integration.
Die Motivation ist zentral 10 Uhr 30: Das fast andächtige Stellensuchen weicht nach der Pause einer produktiven Geschäftigkeit. Es wird geschrieben, gedruckt und korrigiert. Fatima Sticher wechselt zwischen den Teilnehmenden hin und her, gibt hier eine Hilfestellung, da einen Tipp und zaubert nebenbei Miljojka ein Lächeln auf die Lippen. «Sie sehen heute schön aus.» Ein zentraler Aspekt ihrer Tätigkeit bestehe aus Motivationsarbeit. «Ich sage es den Leuten in einer klaren Sprache: Integration fällt nicht vom Himmel. Von dort kommen Schnee und Regen, aber
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keine Kurse oder Sprachen.» Fatima Sticher ist sich jedoch bewusst: Migrantinnen und Migranten ohne Ausbildung arbeiten oft als Hilfskräfte und verdienen wenig. Die knapp bemessene Freizeit und die mangelnden finanziellen Mittel senken auch die Motivation für eine Weiterbildung. Ein Teufelskreis. Die Konsequenz: Betroffene können in die Armutsfalle geraten. Hilfe erhalten sie in diesem Fall von den Caritas-Sozialberatungsstellen, zum Beispiel von Dejan Mikic. Bei Caritas Zürich bietet er armutsbetroffenen Familien psychosoziale Beratung zu Themen wie Finanzen, Alltagsbewältigung oder Migration. «Wir unterstützen zwar auch finanziell, aber nur punktuell – immer mit dem länger-
fristigen Ziel, dass die Menschen aus ihrer unbefriedigenden Situation herausfinden.» Neben Not- und Überbrückungshilfe leistet Caritas mitunter auch Beiträge für berufliche Weiterbildungen von Erwachsenen sowie Hobbys der Kinder wie Musikunterricht oder Fussball. Das erhöht die Qualifikation, fördert die Vernetzung und unterstützt somit die Integration. Denn integriert ist letztlich auch nach Schweizer Gesetz, wer am wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben der Gesellschaft teilhat, sich mit den gesellschaftlichen Verhältnissen in der Schweiz auseinandersetzt und eine Landessprache spricht. Manchmal sei die Integration auch erschwert, sagt Dejan Mikic, «zum Beispiel, wenn Angehörige im Hei-
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Schwerpunkt
matland schwierige Situationen durchleben oder die Gedanken stets um den eigenen Aufenthaltsstatus in der Schweiz kreisen.» Das sei eine psychische Belastung, ebenso der Alltagsrassismus.
Angst fördert Fremdenfeindlichkeit «Ja, Rassismus gibt es», weiss Fatima Sticher. «Oft entsteht er aus der Angst, dass Fremde die Arbeit oder Wohnungen wegnehmen. Wo Ängste sind, ist schnell Rassismus.» Verallgemeinerungen seien aber der Integration in der Regel abträglich. «Manche Schweizer sind fremdenfeindlich, manche nicht.» Fatima Sticher gerät in Fahrt und man ahnt, warum sie Psychologie studieren wollte: «Nicht nur Schweizer brauchen Offenheit, sondern auch die Ausländer. Ich kann mich nicht in einen Kokon zurückziehen und verlangen, dass andere sich öffnen.» Nicht zuletzt bedeute Integration auch Anpassung. «Das heisst nicht, dass man die eigene Identität aufgibt, sondern sich informiert über die Kultur, in der man sich bewegt.» Fatima Sticher hat ihre Identität selbstverständlich nicht aufgegeben. Sie pflegt auch in der Schweiz Kontakt zu Menschen aus ihrer Heimat. Gelegenheit bietet sich genug. Portugiesische Staatsangehörige machen nach der italienischen und deutschen die drittgrösste Einwanderungsgruppe aus. Manchmal vermisst sie ihre Familie und das Meer, aber in der Schweiz fühle sie sich wohl. «Ich gehe gerne wandern und fahre Ski.» Ihr Blick schweift kurz zum Fenster. Wolkenschleier schlängeln sich um die Berge. Für einen Moment macht es den Anschein, als stünde nichts mehr zwischen dem Industriegebiet und der Ferne.
NICHT NUR WIRTSCHAFTLICHE ZWECKE Braucht die Schweiz die Migration wirklich? Die Migration ist eine gegenseitige Bereicherung, ein Austausch, der eine Beziehung zwischen verschiedenen Personen schafft. Für eine Gesellschaft ist das fundamental. Die Schweiz hatte immer eine enorme Integrationskraft, denn sie ist selbst multikulturell. Doch in den letzten Jahren ist unsere Bevölkerung in kurzer Zeit stark gewachsen. Das ruft Spannungen und Ängste hervor. Es wurde viel über den Nutzen der Migration für die Wirtschaft gesprochen, aber nicht genug über die menschliche Bereicherung. Davon müssen wir auch sprechen: Ein rein quantitatives Wirtschaftswachstum genügt nicht, und Migration erfüllt nicht nur wirtschaftliche Zwecke. Viele befürchten einen Zerfall der nationalen Identität Zuerst müssen wir schauen, wo diese Befürchtungen ihren Ursprung haben. In meinen Augen hängen sie nicht nur mit der Migration zusammen, sondern auch mit der Globalisierung und dem raschen Fluss der Informationen. Die Leute sind besorgt darüber, dass Familien fast keine erschwinglichen Wohnungen mehr finden. Sie fragen sich, ob die Mobilität nicht eingeschränkt werden sollte. Das sind berechtigte Fragen. Man darf aber nicht die Einwanderung oder die Ausländer für alle Übel verantwortlich machen.
«Es wurde viel über wirtschaftlichen Nutzen gesprochen, aber nicht genug über menschliche Bereicherung.»
Macht die Schweiz genug für die Integration? Die Schweiz kann gut integrieren, aber sie kann sich immer noch verbessern. Wenn die Migrantinnen und Migranten verstehen, wie das Land funktioniert, welche Regeln und Werte hier gelten und wieso sich die Schweizerinnen und Schweizer so oder anders verhalten, fällt die Integration leichter. Und um zu verstehen, muss man zuerst die Sprache verstehen. In diesem Bereich besteht noch Verbesserungspotenzial. Simonetta Sommaruga Bundesrätin und Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD) Interview: Corinne Jaquiéry Das gesamte Interview finden Sie unter blog.caritas-zuerich.ch/interview-sommaruga/
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Schwerpunkt
Stecken geblieben Die Diskussion um die Zuwanderung sei in der Vergangenheit stecken geblieben, sagt der Berner Hasim Sancar. Jetzt fordert er neue Impulse. Text: Hasim Sancar Illustration: Samuel Jordi
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bwohl die Schweiz immer von Einwanderern profitierte, hat sie Migration demokratiepolitisch selten als Chance wahrgenommen. Unser System wurde nicht weiterentwickelt. Zugewanderte können zum Beispiel noch immer nicht an Wahlen und Abstimmungen teilnehmen. Nein, ganz im Gegenteil, mit demokratischen Rechten geht die Schweiz sehr restriktiv um. Das erstaunt nicht, denn auch das Stimm-
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und Wahlrecht für Frauen wurde ja erst 1971 eingeführt. Dennoch scheint es schon fast absurd, wie die Schweiz trotz ihrem Anspruch, eine moderne Gesellschaft zu sein, bei der Diskussion um die Zuwanderung in der Vergangenheit stecken bleibt.
Zwei Extreme Migrantinnen und Migranten fühlen sich ausgegrenzt. Die Ausschlussmechanismen verunmöglichen ein Gefühl der Zugehörigkeit. Ohne ein
solches ist es jedoch schwierig, Verantwortung für die Entwicklung der Gesellschaft zu übernehmen. Wir haben in der Schweiz noch keine Ghettos wie in London oder Paris. Doch auch bei uns werden Migrantinnen und Migranten auf dem Wohnungsmarkt diskriminiert. Viele können sich aus finanziellen Gründen nur billige Wohnungen leisten, wo die Lebensqualität gering bleibt. Also wohnen sie in schimmligen Räumen, an Hauptstrassen oder entlang von
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Schwerpunkt
Zuggleisen. Lärm und Feinstaub machen krank, das ist kein Geheimnis. Es ist auch kein Geheimnis, dass viele Migrantinnen und Migranten Working Poor sind, obwohl sie weit über acht Stunden täglich, oft in mehreren Jobs, ihr Einkommen erwirtschaften. Denn auch auf dem Arbeitsmarkt werden sie diskriminiert. Ihre Situation heute zeigt zwei Extreme: einerseits die hochqualifizierten Arbeitskräfte und Spezialistinnen in der Finanz- und IT-Branche, andererseits die Arbeiterinnen und Arbeiter, welche die schweren, unterbezahlten und unqualifizierten Tätigkeiten verrichten, zum Beispiel in den Bereichen Konstruktion, Gastgewerbe, Reinigung und Pflege. Dennoch stehen die Migrantinnen und Migranten in der Öffentlichkeit unter Dauerbeschuss. Die Vorwürfe, sie würden sich nicht integrieren und von unseren Sozialwerken profitieren, sind laut. Doch das Gegenteil ist der Fall: Der grösste Teil der Migrationsbevölkerung ist im produktiven Alter. Sie finanziert mit ihren Beiträgen einen Viertel unserer Sozialwerke, bezieht aber gleichzeitig nur 14 Prozent der Leistungen.
Gleiche Rechte für alle Migrationsprozesse sind komplex. Es braucht einen sorgfältigen Umgang aller Beteiligten mit dieser Tatsache – nicht Ausschaffungsinitiativen. Es ist wichtig, dass im Umgang mit Migration Chancen wahrgenommen werden. Dies ist aber nur möglich, wenn für Migrantinnen und Migranten die gleichen Rechte gelten wie für alle. Die Schweiz hat die Pflicht, Möglichkeiten zur Partizipation bereitzustellen, Räume zu öffnen, damit sich die Zugewanderten an den gesellschaftlichen Geschehnissen und Prozessen beteiligen können. Die Zugewanderten ihrerseits müssen sich individuell und ohne Ausreden für mehr Teilnahme und Teilhabe einsetzen und ihre Rechte wahrnehmen, auch wenn diese vorläufig eingeschränkt sind.
Die Schweiz als Einwanderungsland Die Schweiz ist ein Einwanderungsland. Zusammen mit Luxemburg erlebten wir 2011 im Verhältnis zur Bevölkerung die höchste Zuwanderung. Aber wir profitieren auch finanziell am meisten von den Einwanderern. Denn diese sind oft im Erwerbsalter und haben eine hohe Beschäftigungsrate: Sie arbeiten viel und tragen damit zu unserem Wohlstand bei. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen diskutieren wir in der Schweiz darüber, die Zuwanderung einzugrenzen. Diese Diskussionen sind auch eine Chance, grundlegende Probleme anzugehen. Wie schon Max Frisch bemerkte, kommen nicht nur Arbeitskräfte, sondern Menschen. Und diese werden nach wie vor häufig diskriminiert. Die Migrationspolitik sollte prekäre Lebenssituationen verbessern und soziale Rechte, unabhängig von der Herkunft, stärken. Caritas plädiert dafür, die in der Schweiz geltenden Arbeitsbedingungen einzuhalten. Dazu gehören unter anderem existenzsichernde Löhne, ein gut ausgebautes Angebot für flächendeckende Kinderbetreuung sowie flexible Arbeitsmodelle und Teilzeitarbeit auch für Männer. Links und Publikationen
Integrationsförderung Das Engagement der regionalen Caritas-Organisationen reicht von der Hilfe bei der Wohnungssuche über verschiedene Bildungsangebote bis hin zu individueller Beratung. Auch das Forum für die Integration der Migrantinnen und Migranten lanciert Projekte und vertritt Interessen von Migrantinnen und Migranten gegenüber Dritten. Nicht zuletzt erleichtern Gemeinden und Städte mit diversen Massnahmen die Integration. Sie finanzieren zum Beispiel Deutschkurse, beraten Neuzuziehende oder organisieren Informationsveranstaltungen.
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Sozialalmanach 2015 Die Texte auf dieser Seite sind Auszüge aus dem Sozialalmanach 2015, welcher Ende Jahr erscheint unter dem Titel «Herein. Alle(s) für die Zuwanderung». Das Caritas-Jahrbuch zur sozialen Lage der Schweiz. Jetzt vorbestellen unter: www.caritas.ch/sozialalmanach Positionspapiere von Caritas «Bevölkerungspolitik auf Irrwegen» zur Ecopop-Initiative, «Zur Asylrechtspolitik der Schweiz» unsere Meinung zu aktuellen politischen Entwicklungen sind zu finden unter: www.caritas.ch/positionspapiere
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Dunkle Gestalten Anfang der 80er-Jahre traf man in Bern wie in anderen Schweizer Städten junge tamilische Männer. Sie standen in der Bahnhofsunterführung und waren auf Arbeitssuche. Bei der schweizerischen Bevölkerung galten sie als «dunkelhäutige Wirtschaftsflüchtlinge». Heute wird die tamilische Bevölkerung wahrgenommen als arbeitsam, fleissig und umgänglich. (TV-Sendung zum Thema: www.srf.ch/sendungen/dok/ doppelleben-tamilische-secondos-in-der-schweiz) Bild: zvg, L. Sinnadurai
Persönlich
«Welches ist Ihr Lieblingsessen aus einem fremden Land? Wo haben Sie dieses zum ersten Mal gegessen?» Antworten von Passantinnen und Passanten aus der Deutschschweiz.
Sibylle Vogt, Verkäuferin, Thörishaus: Da muss ich nicht lange studieren: Ich erinnere mich gut an meine erste Weisswurst mit Brezel und süssem Senf! Ich war vier Jahre alt und zusammen mit meinen Eltern in den Ferien in Bayern, wo ich auf dem Bauernhof im Kuhstall aushelfen durfte. Ich fahre jedes Jahr wieder nach Bayern, der Ort und die Freunde dort sind zu meiner zweiten Heimat geworden – und mittlerweile trinke ich auch das obligate Weissbier!
Paul Siegrist, Betriebsorganisator, Herisau: Besonders gut schmeckt mir Nshima, ein Maisbrei, der an Polenta erinnert, und dazu ein Fleischragout. Zum ersten Mal habe ich dieses Gericht in Sambia (Afrika) gegessen. Vor Ort wurde eine Geiss geschlachtet, ausgenommen und das Fleisch frisch zubereitet. Zum Fleisch und Nshima wurde ein Blattsalat serviert. Und das Ganze wird mit der Hand gegessen. Nshima ist übrigens das Nationalgericht Sambias.
Chantal Frech, Verkäuferin, Basel: Ich mache sehr selten im Ausland Ferien. Deshalb kann ich nicht aus einer riesigen Auswahl von Gerichten wählen. Ich war vor kurzem in Deutschland auswärts essen. Dort habe ich die griechische Küche kennengelernt und die schmeckt mir sehr gut. Zum Beispiel liebe ich Tsatsiki, gebackenen Feta-Käse und ein Gericht mit dem Namen «gestohlenes Lamm».
Ireti Osinuga, Fünftklässlerin, Zürich: Mein Lieblingsessen ist Fufu. Das ist so wie Griessbrei, und das isst man mit den Händen zu einer feinen roten Sauce, die nennt man Stew-Sauce. Das erste Mal habe ich das in Nigeria gegessen.
Peter Kokol, Pensionär, Seewen: Ich esse sehr gerne chinesisch. Zum ersten Mal war das in Küssnacht am Rigi, in einem Restaurant. Die machen das sehr gut. Ich liebe die süss-sauren Sachen, vor allem Ente, und dass man dazu immer so verschiedene Zutaten hat.
Ueli Unternährer, Praktikant, Waldibrücke: Vor einigen Jahren bekam ich bei einer vietnamesischen Freundin zuhause zum ersten Mal Banh Bao. Das sind gedämpfte Teigtaschen, gefüllt mit Hackfleisch, Zwiebeln und gekochten Eiern. Es gibt auch vegetarische und süsse Varianten oder solche ohne Füllung. Und alle schmecken fantastisch!
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Caritas beider Basel
es selbst für Fachpersonen schwierig, einen Überblick über die gültigen Regelungen zu behalten.
Migrantinnen und Migranten sind Teil unserer Gesellschaft.
Stabsstelle Migration Caritas beider Basel berät kirchliche Institutionen in Migrationsfragen. Zuständig für die Stabsstelle ist Dunja Vetter. Text: Dunja Vetter und Bettina Zeugin Bild: Archiv
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uf die Beratungsstellen der kirchlichen Institutionen in der Region Basel kommen Menschen mit den unterschiedlichsten Schwierigkeiten. Haben sie keine Schweizer Staatsangehörigkeit, hängen ihre Möglichkeiten vom Aufenthaltsstatus und den damit gewährten Rechten und Pflichten ab. Im Dschungel Menschen sind schon immer gewandert, sei es, um bessere Nahrungsbedingungen zu suchen, sei es, um Konflikten zu entkommen, oder auch schlicht aus Abenteuerlust.
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Die Entstehung der Nationalstaaten hat dazu geführt, dass Menschen eine nationale Identität erhalten, die mit Identitätspapieren festgehalten wird, und dass die jeweiligen Staaten oder auch Staatengemeinschaften über die Zuwanderungskriterien entscheiden. Das Netz der Zuwanderungsbestimmungen, welches die Welt umspannt, ist in den letzten Jahrzehnten immer mehr ausgebaut worden. Asylmigration, Arbeitsmigration und Familienmigration sind jeweils in Unterformen gegliedert: Die Kategorien und Kriterien für die Zulassung werden immer differenzierter. Mittlerweile ist
Orientierungshilfe Seit Januar 2014 leitet Dunja Vetter die Stabsstelle Migration. Diese Stabsstelle ist Drehscheibe für alle Fragen rund um die Migration. Sie berät auf Anfragen Pfarreien, kirchliche Institutionen und entscheidungstragende Gremien der Römischen Katholischen Kirche Basel-Stadt und Basel-Landschaft. Eine der Hauptaufgaben der Stabsstelle Migration ist es, die gesetzlichen Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die konkrete Arbeit zu beobachten und allenfalls zu kommentieren. Die zusammengetragenen Dokumente werden für die kirchlichen Institutionen auf der Homepage der Caritas beider Basel verständlich aufbereitet oder direkt an die entscheidenden Stellen verschickt. Ziel ist es, die Arbeit der Sozialarbeitenden vor Ort zu erleichtern. Die Stabsstelle gibt auch Auskünfte auf konkrete Anfragen oder klärt Sachverhalte für die Sozialarbeitenden ab. Inputs aus dem Caritas-Netz Neben den Mitteilungen des Bundesamtes für Migration und der kantonalen Migrationsstellen sind zur Orientierung der Stabsstelle Migration vor allem die Publikationen und Positionspapiere von Caritas Schweiz und die Diskussionen im Caritas-Netz wichtig. Der Bereich Grundlagen von Caritas Schweiz beobachtet und analysiert die Vorgänge in der Sozial- und Migrationspolitik und informiert die regionalen Caritas-Stellen über wichtige Neuerungen. Dieses Know-how wird von der Stabsstelle Migration für die Region Basel aufbereitet und weitervermittelt. Weitere Informationen finden Sie auf: www.caritas-beider-basel.ch/migration
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Caritas beider Basel
Alles neu im Secondhand Schülerinnen und Schüler der Schule für Gestaltung Basel haben im Auftrag der Caritas die Inneneinrichtung des Secondhand-Kleiderladens neu gestaltet. Text: Bettina Zeugin Bild: Claude Giger
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it dem Secondhand-Kleiderladen bietet die Caritas beider Basel Einsatzplätze für erwerbslose Personen an. Diese erhalten so eine Tagesstruktur und erwerben Fähigkeiten, die ihnen bessere Chancen auf einen Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt eröffnen. Gleichzeitig erhalten auch altgediente oder ungebrauchte Kleider eine zweite Chance. Anstatt entsorgt, werden sie aufbereitet, schön arrangiert und verkauft. Dies kommt neben dem Budget unserer Kundschaft auch der Umwelt zugute. Bekanntheit erhöhen Der Secondhand-Laden warf in den letzten zwei Jahren kaum mehr Gewinn ab. Diesen braucht die Caritas beider Basel aber, um andere Projekte im Bereich Armut mitfinanzieren zu können. Mit dem frischen Innendesign soll der Laden wieder attraktiver werden und neue Kundinnen und Kunden anziehen.
Ansprechendes Design Der Laden wirkt nach dem Umbau frischer, ist gestylter, verleitet zum Stöbern und Anprobieren. Mit der Wahl von Sperrholz als hauptsächlich verwendetem Material nehmen die vier Schülerinnen und Schüler Rücksicht auf die Anliegen der Caritas: Das Material und der Umbau waren günstig, das Holz verweist auf den Secondhand-Charakter der Kleider und der Umbau war rasch und ohne bauliche Eingriffe durchführbar. Die ersten Wochen seit der Eröffnung Ende Juni 2014 zeigen es bereits: Der Laden wird mehr frequentiert und es kommen auch neue Kundinnen und Kunden. Neue Erfahrungen Die Zusammenarbeit war für beide Seiten sehr zufriedenstellend. Neben der Erfahrung, ein solches
Projekt auf höchstem professionellem Niveau durchzuführen, haben die vier Schülerinnen und Schüler auch noch eine andere Erfahrung gemacht: Der Kontakt mit unserer Kundschaft und den Mitarbeitenden im Laden hat ihnen gezeigt, dass Armut und Ausgrenzung in Basel für viele Menschen Realität ist. Kleiderspenden Gerne nimmt der Kleiderladen Kleiderspenden entgegen. Die Kleider kann man einwerfen oder während der Öffnungszeiten (Mo–Fr jeweils 9–12 und 13.30–18 Uhr) vorbeibringen (Lindenberg 20, 4058 Basel). Froh wären wir auch über weitere freiwillige Mitarbeitende! Melden Sie sich unter Tel. 061 685 97 17
Schule für Gestaltung Basel Caritas beider Basel hat Anfang 2014 bei der Schule für Gestaltung Basel angefragt, ob der Umbau des Kleiderladens als Projektarbeit für die Schule in Frage käme. In der Folge kam der Kontakt mit Sarah Frey, Alisa Knechtli, Alvar Diggelmann und Ferdinand Kirsch zustande, die an der Schule für Gestaltung Basel lernen. Den Umbau als Abschlussprojekt durchzuführen, ging leider nicht, aber sie waren von der Idee so begeistert, dass sie diesen in ihrer Freizeit vornahmen. Der neugestaltete Secondhand-Kleiderladen wirkt jetzt hell und freundlich.
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Caritas beider Basel
Auf Umwegen zum Ziel Rodrigo Duarte hat über die Arbeit im Caritas-Secondhand-Laden wieder Hoffnung geschöpft. Nach einer längeren Pause kann er nun seine Ausbildung fortsetzen. Interview: Dunja Vetter Bild: Bettina Zeugin
Wie kam ich zur Caritas? Ich bin zur Caritas gekommen, weil ich letztes Jahr als Folge meiner erfolglosen Arbeitssuche und der Absage von der Uni in einer Depression steckte. Meine Ansprechperson vom Arbeitsintegrationszentrum der Sozialhilfe Stadt Basel hat mir damals vorgeschlagen, nachmittags hier im Laden zu arbeiten. Ich sollte bis April 2014 hier tätig sein, aber es hat mir so gefallen, dass ich geblieben bin. Nun arbeite ich als freiwilliger Mitarbeiter. Meine Aufgaben im Kleiderladen sind die Kundenberatung und das Einkassieren. Die Caritas hat mir eine Tagesstruktur gegeben. Das hat mir geholfen, aus der Depression herauszukommen. Auch bin ich nicht mehr so schüchtern wie früher; dank dem Kundenkontakt bin ich viel offener geworden.
Rodrigo Duarte ist dank dem Kundenkontakt im Caritas-Secondhand-Laden viel offener geworden.
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ch heisse Rodrigo Duarte und ich bin 24 Jahre alt. Ich komme aus El Salvador und arbeite im Caritas-Secondhand-Laden. Anfang 2011 bin ich in die Schweiz gekommen, weil mein Vater Schweizer ist. In El Salvador gibt es sehr viel Gewalt – etwa 14 Tote pro Tag – und der Alltag ist sehr schwierig dort. Diplome sind in der Schweiz wertlos Nach meiner Ankunft in Basel habe ich während zwei Jahren einen Deutschkurs besucht. Danach wollte ich an die Universität gehen, aber meine Zeugnisse aus El Salvador wurden hier nicht akzeptiert. Somit habe ich eine Lehrstelle gesucht, was aber ebenfalls nicht geklappt hat. Es war ziemlich aussichtslos. Ich habe dann alle meine Unterlagen nach Tennessee (USA) geschickt, die ACT-(American-College-Test)Prüfung abgelegt und schliesslich ein Stipendium erhalten, weil ich 90 Prozent der Fragen richtig beantwortet hatte. Nun gehe ich Ende August 2014 in die USA, um das Studium als Informatikingenieur zu absolvieren.
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Gedanken über Armut In El Salvador gibt es viel Armut. Hier in der Schweiz existiert Armut, aber sie zeigt sich anders als dort. Hier sterben keine Menschen auf der Strasse, hier verhungert niemand und es scheint einfacher, wieder aus der Armut herauszukommen. Meiner Ansicht nach gibt es in der Schweiz viele Hilfsangebote für Arme und Angebote, die den Weg aus der Armut erleichtern. Wenn hier jemand seine Arbeit verliert, dann ist das ein harter Schlag, aber es gibt so viele Institutionen, die helfen. Auch sehe ich in der Schweiz kaum arme Menschen auf der Strasse. Ich würde nicht sagen, dass sich mein Bild von Armut verändert hat. Man kann die Armut in der Schweiz nicht mit derjenigen in einem Entwicklungsland vergleichen. In der Schweiz ist die Armut weniger offensichtlich, aber es gibt hier sehr viele Menschen, die Hilfe benötigen. El Salvador El Salvador ist das kleinste Land Zentralamerikas mit der gleichzeitig grössten Bevölkerungsdichte. Das Land hat eine der höchsten Kriminalitätsraten, wobei vor allem auch Kinder und Jugendliche betroffen sind. Die Zukunftsperspektiven für junge Menschen sind schlecht.
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Caritas beider Basel
Eindrücke vom Flüchtlingstag auf dem Claraplatz (Bild: Pascale Bächler)
Flüchtlingstag
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m 14. Juni 2014 fand auf dem Claraplatz in Basel die Veranstaltung zum Flüchtlingstag statt. Der Tag war geprägt von den Eindrücken der weltweiten und nationalen Entwicklungen. Laut dem UNHCR sind zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg über 50 Millionen Menschen auf der Flucht. Dies ist auf verschiedene Konfliktherde zurückzuführen, aber im Vordergrund steht der Krieg in Syrien. Auf der nationalen Ebene bietet die weit
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verbreitete ablehnende Haltung gegenüber Asylsuchenden Anlass zur Sorge. Die Schweizerische Flüchtlingshilfe, das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge und das Bundesamt für Migration haben dieses Jahr erstmals einen Wettbewerb organisiert. Sie suchen das beste Integrationsteam – Einheimische und Flüchtlinge, die bei der Arbeit oder in der Freizeit gemeinsam etwas unternehmen. Die besten drei Teams, bestehend aus mindestens zwei
Personen, erhalten einen Preis. Auf dem Claraplatz haben sich zahlreiche Interessierte gemeldet und für die Kampagne fotografieren lassen. Im Interesse aller wäre es, wenn dieser Wettbewerb weitere Teams dazu bewegen könnte, gemeinsam etwas zu unternehmen, sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen. Weitere Informationen auf: www.dream-teams.ch
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Ihre Frage an uns
AGENDA
Liebe Caritas, bei uns sind doch vor allem die Ausländer arm. Ist die Armut in der Schweiz nicht einfach nur importierte Armut?
Welttag zur Überwindung von Armut
Bettina Fredrich, Leiterin Fachstelle Sozialpolitik bei Caritas Schweiz: «In der Schweiz sind vor allem Niedrigqualifizierte und Alleinerziehende überdurchschnittlich von Armut betroffen. Grund dafür ist einerseits das Verschwinden von Jobangeboten, die nur eine geringe Qualifikation voraussetzen. Andererseits stellt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie insbesondere für Alleinerziehende noch immer eine grosse Herausforderung dar. Oft ist es ihnen nicht möglich, einem Erwerbspensum nachzugehen, welches ihre Existenz sichern würde. Mit der nationalen Herkunft haben diese beiden Phänomene nur am Rande zu tun. Es ist zwar richtig, dass bei den «niedrigqualifizierten Armen» Personen nicht schweizerischer Nationalität stark vertreten sind. Es ist aber auch Tatsache, dass viele der Working Poor, die trotz Arbeit ihre Existenz nicht sichern können, Personen mit Migrationshintergrund sind. Hier stünden die Schweizer Unternehmen in der Pflicht, anständige Löhne zu bezahlen. Für eine nachhaltige Bekämpfung der Armut reicht es nicht, einfach die Grenzen dichtzumachen. Es braucht frühe Förderung, welche die Bildungschancen aller Kinder in diesem Land erhöht, Massnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch für Alleinerziehende, Familienergänzungsleistungen und bessere Arbeitsverhältnisse.»
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Haben Sie auch eine Frage an uns? Gerne beantworten wir diese in der nächsten Ausgabe von «Nachbarn». Senden Sie Ihre Frage per E-Mail an nachbarn@caritas-zuerich.ch.
Dieses Jahr wird das Thema Wohnen aufgegriffen. In der Stadt Basel, aber immer mehr auch im Kanton Basel-Landschaft, ist es kaum mehr möglich, eine günstige Wohnung zu finden. An der Kundgebung auf dem Claraplatz und an der Podiumsdiskussion in der Elisabethenkirche wird über Lösungen diskutiert. Freitag, 17. 10. 2014
«Eine Million Sterne» Auch dieses Jahr werden in der Schweiz Plätze, Brücken und Gebäude von Kerzen beleuchtet. Setzen Sie ein Zeichen für Solidarität für die Schwächsten in unserer Gesellschaft. Mit dem Kauf eines Glassterns unterstützen Sie die Arbeit von Caritas beider Basel. Als Geschenk bereiten Sie so gleich doppelt Freude. Die Glassterne können Sie bei Caritas beider Basel am Lindenberg 20 in Basel oder direkt am Anlass kaufen. Samstag, 13. 12. 2014, Marktplatz Basel und weitere Orte in der Region
Dreikönigsapéro Auch im Jahr 2015 sind «Menschen wie du und ich» zum Apéro mit Dreikönigskuchen, Glühwein und Punch eingeladen. Wieder stattfinden wird die beliebte Tombola. Der Anlass wird von einer Geschichte und musikalisch begleitet. Dienstag, 6. 1. 2015 Predigerkirche, Basel
Aktuelle Informationen zu den Anlässen finden Sie unter: www.caritas-beider-basel.ch/events
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Gedankenstrich
Retos gefährliche Reise
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s war ein hartes Jahr gewesen. Härter noch als die Jahre davor. Es hatte viel geschneit auf der Innerschweizer Alp und die Vorräte für Mensch und Tier waren schnell zur Neige gegangen. Wirklich schlimm waren aber jene bewaffneten Banden aus Söldnern und religiös motivierten Kriegern, die plötzlich auftauchen und Blutbäder anrichten konnten. Geld hatte man nach der grossen Krise kaum mehr. Die Hoffnung auf eine Verbesserung der Umstände schwand von Woche zu Woche. Schliesslich kam der Familienrat überein, dass Reto, der älteste Sohn, die Alp mit dem restlichen Geld verlassen und losziehen sollte. Aber nicht in die Stadt, sondern in ein Land, von dem man hörte, es sei intakt, sicher und menschenfreundlich. Ein Land im fernen Afrika. Reto, jung, gesund und seiner Familie verpflichtet, wollte die Reise auf sich nehmen. Er wollte in Afrika arbeiten, Geld verdienen, es nach Hause schicken und erst dann wieder zurückkehren, wenn sich die Lage in der Schweiz gebessert hatte. Dank Bestechung und mit Glück und Ausdauer schaffte es der Schweizer bis nach Sizilien. Dort fanden er und sein Reisekumpan, ein Junge aus dem Schächental, ei-
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nen Schlepper, der ihnen das letzte Geld abnahm. In einer mondlosen Nacht bestiegen sie einen Kahn, in dem sich schon viele Menschen befanden. Eng aneinander mussten sie vier Tage lang hocken. Schnell waren die Knie und Beine aufgerieben und die Gelenke wurden steif. Das salzige Wasser des Meeres mischte sich mit Urin und Kot und brannte in den Wunden. Ein unerträglicher Gestank legte sich auf die Atemwege. Als einer der Ersten starb der Junge aus dem Schächental, den man über Bord warf. Als die Polizisten den Kahn mit den Europäern an Bord aufbrachten, vegetierten die meisten der Bootsflüchtlinge nur noch vor sich hin. Reto musste in ein Krankenhaus gebracht werden. Als er reisefähig war, wurde er nach Europa abgeschoben. Seine Familie in der Schweiz hat schon lange nichts mehr von Reto gehört.
Paul Steinmann wohnt in Rikon. Nach einem Theologiestudium war er im Theater tätig, zuerst als Schauspieler, dann als Regisseur. Jetzt arbeitet er vor allem als Autor. Er pendelt zwischen Freilichttheater und Kabarett, Musical und Kinderstücken. Aktuelles unter www.paulsteinmann.ch Illustration: Samuel Jordi
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Secondhand-Mode neu pr채sentiert
Schn채ppchen, Trouvaillen, Einzelst체cke Lindenberg 20 in Basel
www.caritas-beider-basel.ch