Zeitschrift f端r Restaurierung, Denkmalpflege und Museumstechnik
Rare Raumausstattungen Radiografie f端r HolzBauwerke Nanosole in der Holzrestaurierung
Im Fokus: Holzkonservierung www.restauro.de
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Juli/August 2013
Inhalt Polierweiß
Foto/©: Städtische Meisterschule für das Vergolderhandwerk, München
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Editorial
Blickpunkt 6 Denkmal-Kunst-Festival Denkmalschutz einmal anders 7 The 7 Most Endangered 7 Verkäufliche Denkmäler sind gefragt 8 Neuer Studiengang mit Universität Kairo 8 SEE Mosaics Projekt zum Erhalt von Mosaiken in Südeuropa 8 Tipps und Kniffe: Der Stiftetest 9 Fachchinesisch Glossar zur Papierrestaurierung 9 Blättern ohne Berührung
Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg / Daniel Lindner
32 Holzschnitzerei
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restauro aktuell
Unterwegs 10 Elektrostatische Reinigung von Beständen aus Archivalien Rückblick auf eine Tagung
Röntgenbilder von biologisch zerstörtem Holz
12 Jacob Jordaens – Werkgenese, Veränderung, Restaurierung Ein internationales Symposium 14
»Jedes Netz beginnt mit einem kleinen Faden...« Interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Holzrestaurierung Einblicke 16 Zur Bedeutung und Verwendung von Wacholderholz im 18. Jahrhundert
Foto/©: Mille Stein und Barbro Wedvik
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Inhalt
Altes Handwerk heute 18 Polierweiß Porzellanimitation im 18. Jahrhundert 58
Lesezeichen
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Firmen und Produkte
restauro im Fokus: Holzkonservierung
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Konservierung mit Nanosolen
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Anke Scharrahs Einblicke in orientalische Wohnkultur Das Damaskuszimmer im Museum für Völkerkunde Dresden
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Claudia Novak Ein gewachsenes Original Die Wandvertäfelung des Saales im Schloss auf der Pfaueninsel
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Manfried Eisbein Siliziumdioxid-Nanosole in der Holzrestaurierung Beispiele aus der denkmalpflegerischen Praxis
Zeitschrift für Restaurierung, Denkmalpflege und Museumstechnik
Titelbild Supraporte der östlichen Tür der Kaminwand des Saales im Schloss auf der Pfaueninsel in der Havel Foto/©: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg / Daniel Lindner
Mille Stein und Barbro Wedvik 48 Historische Holzbauwerke röntgen Identifikation und Aufzeichnung der biologischen Zerstörung von Holz mittels tragbarer Röntgenröhren und digitalem Röntgen
Foto/© Manfried Eisbein
Im Fokus: HolzkonservIerung www.restauro.de
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Juli/August 2013
Die in RESTAURO veröffentlichten Ansichten der Autoren müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen. Bildnachweis: Soweit nicht anders angegeben, stammen die Abbildungen von den Autoren.
restauro rubriken 62 Termine 65 Vorschau 65 Stellenanzeigen
RARe RAuMAusstAttungen RADiogRAfie füR HolZBAuweRke nAnosole in DeR HolZRestAuRieRung
66 Abstracts 66 Erratum 66 Impressum
Alles für den Restaurator: Kremer Pigmente
Zeitschrift für Restaurierung,
www.kremer-pigmente.de
Denkmalpflege und Museumstechnik 119. Jahrgang
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5/2013
5/2013
Für die Zukunft gestalten.
Unterwegs
Unterwegs
Foto: Katrin Diesing-Otto
Die Präsentation dieses Berliner Kabinettschrankes aus dem Umfeld von Dagly auf der Tagung diente dazu, seinen spektakulären Raub aufzuklären. Um Mithilfe wird dringlich gebeten!
»Jedes Netz beginnt mit einem kleinen Faden...« Interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Holzrestaurierung Vom 19. bis 21. April dieses Jahres fand in Gotha die Tagung der Fachgruppe Möbel und Holzobjekte statt. Thema war die facettenreiche Fragestellung interdisziplinärer Zusammenarbeit. Insgesamt 38 Referenten/innen beleuchteten vor einem knapp 200-köpfigen Auditorium den aktuellen Stand der Zusammen arbeit mit deutlichem Schwerpunkt auf Dokumenten höfischer Prachtentfaltung des Barock und unterzogen die Projekte kritischer Würdigung. Eberhard Roller bemühte sich einführend, das Netzwerk der Akteure zu systematisieren und neben Konservierungs- und Kunstwissenschaften auch Denkmalpfleger, Architekten und Handwerker einzubeziehen. Allein fünf Referate würdigten Kunstkabinette: Ein Vortrag widmete sich dem Erscheinungsbild Augsburger Prunkmöbel und 14
dem alten restauratorischen Konflikt im Umgang mit Silber. Die Möbelrestauratorin und Kunstwissenschaftlerin Dr. Christine Kowalski stellte Kabinette1 einer Werkstatt und die Problematik von Feinsilberfolien vor. Als Restauratorin für kunsthandwerkliche Objekte unternahm Sabine Schwab die umfassende Restaurierung eines dieser Stücke. Kowalski präsentierte einen eher puristischen konservierenden An satz im Umgang mit sulfidisiertem Silber. Schwab hingegen gab konzeptionell der ursprünglichen Gestaltungsabsicht mit ihren lebhaften Farbkontrasten den Vorrang, indem sie Verschwärzungen weitgehend entfernte. Diesen Konflikt vor Fachpublikum in voller Absicht ungelöst zu präsentieren darf mit besonderem Respekt erwähnt werden. In den Referaten zu kostbaren mittel- und süddeutschen sowie
schwarzen französischen Kabinetten wurde erneut die Ergiebigkeit der Verbindung kunstwissenschaftlicher und technologischer Recherche deutlich. Vereinzelt erlaubten insbesondere penible Recherchen an Konstruktionsdetails eine differenziertere Zuschreibung, was – man muss es betonen – handfeste Kenntnisse im Möbelbau erfordert. Die Gruppe der Objekte mit polychromem Erscheinungsbild vertraten ein bayrisch-kurfürstlicher Rennschlitten der Luxusklasse sowie drei Konsoltische der Ansbacher Residenz, an denen mittels umfassender Analytik die ursprünglichen Standorte ermittelt werden konnten. »Die Geschichte eines Berliner Kabinettschrankes aus dem Umfeld von Gérard Dagly verdanken wir dem Umstand, dass er im Jahr 2011 einem Kunstraub zum 5/2013
Opfer fiel.« Die Restauratorin Irmela Breidenstein stellte die Konservierung dieses Lackkabinettes, ihre Kollegin und Kunsthistorikerin Katrin Diesing-Otto ihr Gutachten vor. Die Bibliothekarin Gabriele Jochums recherchierte, wie ein so hochwertiges Möbel vor dreihundert Jahren in den Besitz einer bürgerlichen Familie gelangen konnte sowie die Verbindungen des prominenten Hofhandwerkers Daglys innerhalb der Berliner Bürgerschaft. So entstand ein facettenreiches Bild des bis heute verschollenen Stücks. Die Präsentation dient auch dazu, den spektakulären Raub aufzuklären (siehe Abbildung). Der Leiter des A.R. Goering Instituts e.V Bernhard Kügler unternahm mit der Studierenden Angelika Dill und Biologin Bettina Beaury Nachstellungen von Braunfärbungen an einem manieristischen Fassadenschrank, zwar von hohem Gebrauchswert, man vermisste jedoch eingehende vorausgehende Analytik der Originalfärbung. Doch Kunstrestaurierung ist nicht alles: Mit einer Studie zu siebenbürgischen Truhen der frühen Neuzeit, die an der HAWK in Hildesheim mehrere Studentengenerationen und Hochschul lehrer beschäftigt hat, wurde für Restaurierung und Kulturwissenschaft Großes geleistet.2 Prof. Dr. Gerdi Maierbacher-Legl und die Restauratorinnen Mirja Harms und Franziska Franke berichteten über die mächtigen Vorratstruhen aus dem Obergeschoss einer Wehrkirche, die mutmaßlich seit ihrer Entstehung in situ gemeinschaftlich organisierter bäuerlicher Subsistenzwirtschaft dienten. Mit Erstellung einer regionalen, 524 Jahre umfassenden dendrochro-
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nologischen Jahrringkurve sowie stilkritischen und typologischen Befunden gelangen jahrgenaue Datierungen. Vier Beispiele illustrierten den Sachstand in der Denkmalpflege: Neben der logistisch anspruchsvollen Demontage einer spätgotischen Balkendecke und Anmerkungen zur Dendrochronologie hatte ein Vortrag den sprechenden Titel »Jedes Netz beginnt mit einem kleinen Faden«. Thema war die Dynamik eines mehrjährigen Projekts der FH Köln zur nachhaltigen Sicherung mikrobiell geschädigter Holzeinbauten einer Kirche zu Leichlingen, was letztendlich ein komplexes Netzwerk von Akteuren erforderte. Sieben Vortragende referierten die Behebung komplexer Hochwasserfolgen im Zisterzienserinnenstift St.Marienthal / Ostritz. Sven Taubert, Thomas Löther, Jochen Flade, Steffi Flade, Annegret Fuhrmann, Manfried Eisbein und Katharina Plaschkies vermittelten auch, dass ohne zusätzliche soziale Kompetenz im Team solche Großprojekte nicht zu leisten sind. Fazit: Erst in jüngster Vergangenheit ist Interdisziplinarität zur alltäglichen Praxis geworden. Vorgestellt wurde bei diesem fruchtbaren Treffen vor allem der Zugewinn für restauratorische Kompetenz in der Möbelforschung, der Qualitätszuwachs erfasst jedoch auch das gesamte Spektrum der praktischen Restaurierung, denn Zusammenarbeit mit einschlägig qualifizierten Naturwissenschaftlern und Spezialisten wird mehr und mehr alltägliche Praxis.
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Hildesheim 2012
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altes handwerk heute
altes Handwerk heute Margarete Hauser und Stephan Wolf
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Polierweiß
Foto/©: Städtische Meisterschule für das Vergolderhandwerk, München
Porzellanimitation im 18. Jahrhundert
Der Begriff Polierweißfassung ist eng verbunden mit dem Rokoko um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Ausgelöst unter anderem durch die Begeisterung für chinesisches Porzellan gelangte die Technik in dieser Epoche zu höchster Blüte. Deshalb findet man sie dort in allen Bereichen der Ausstattung und hier vor allem in Kombination mit Vergoldungen.
u. a. in Max Doerners Standardwerk »Malmaterial und seine Verwendung im Bild« zu finden ist, aber auch aktuell an der Meisterschule für Vergolder in München im fachpraktischen Unterricht vermittelt wird. Die hier vorgestellte Vorgehensweise gibt daher nur eine von zahlreichen Möglichkeiten wieder, die sich in folgende Arbeitsschritte gliedern lässt.
Foto/©: Städtische Meisterschule für das Vergolderhandwerk, München
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Technik Für Polierweißfassungen gibt es in der technischen Literatur des 18. Jahrhunderts zahlreiche Anweisungen. Beispielhaft sei hier das Werkstattbuch von Johan Arendt Müller zu Quakenbrück genannt.1 Die nachfolgend vorgestellte Polierweißtechnik entspricht einer Form, wie sie im 20. Jahrhundert 18
Die Vorbereitung des Untergrundes Die Polierweißfassung wird in der Regel auf fein geschliffenem Kreidegrund ausgeführt. Die Vorbereitung entspricht hierbei qualitativ der einer Polimentvergoldung, da in beiden Fällen die Grundierung das für die Verdichtung beziehungsweise Politur geeignete Polster bildet. Je nach Untergrundbeschaffenheit – Holz oder Stuck – wird zunächst eine Leimtränke aufgetragen, welche neben einer Reduzierung der Saugfähigkeit des Untergrundes der Haftvermittlung zu den nachfolgenden Fassungsschichten dient. Darauf wird ein Kreidegrund (Rezepte s. Kasten S. 24) in fünf bis acht dünnen Schichten aufgestrichen, dessen Oberfläche nach dem Trocknen sorgfältig mit Schleifmitteln geglättet wird. (Abb. 2) Lösche Um die Saugfähigkeit der Grundierung zu reduzieren und eine bessere Haftung zu den nachfolgenden Farbaufträgen zu erzielen, wird nach dem Schleifen eine Lösche aufgebracht, wobei das Bindemittel in der Regel im System der Weißfassung bleibt. Dem mit Wasser verdünnten Bindemittel kann bereits geriebenes Weißpigment zugegeben werden. Der sorgfältig auszuführende Auftrag erfolgt dünn und gleichmäßig mit einem weichen Borstenpinsel ohne »Pfützen« stehen zu lassen. Polierweißfassung mit Bleiweiß Bei der eigentlichen Weißfassung werden traditionell zwei Arbeitsgänge unterschieden. Der Auftrag der sogenannten »Weißfarbe« und der abschließende Auftrag der »Polierfarbe«. 5/2013
3 Mit einem Glasläufer wird Bleiweiß und das Bindemittel für die Weißfassung zusammen fein gerieben. So sind Bindemittel und Pigment optimal vermengt.
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Foto/©: Städtische Meisterschule für das Vergolderhandwerk, München
Die Polierweißfassung Polierweißfassungen sollen Werke aus Porzellan, Alabaster oder weißem Marmor imitieren. (Abb. 1) Derart gefasste Objekte sind einfarbig weiß oder leicht grau und stehen damit dem natürlichen Farbwert von Kalk sehr nahe. Als Synonyme für die Polierweißfassung sind Alabasterfassung, Fassung auf Stein- bzw. Marmorart, Weiß- oder Porzellanfassung geläufig. In ihrer fasstechnischen Qualität können Polierweißfassungen über die reine Materialimitation hinaus durchaus eine eigenständige gestalterische Wertigkeit erreichen. Technisch dagegen abzugrenzen sind Fassungen, die mittels farbloser Überzüge oder Lacke glänzende Oberflächen erzielen.
Foto/©: Städtische Meisterschule für das Vergolderhandwerk, München
1. Vorbereitung des Untergrundes 2. Lösche 3. Polierweißfassung mit Bleiweiß 4. Politur
1 Skulpturen und Möbel des Rokoko stehen im Zeichen von Gold- und Weißfassungen. Die meist aus Holz oder Stuck gefertigten Werke sollten so scheinbar aus Porzellan oder Alabaster bestehen. Eine Technik, um diese Illusion zu erzielen, stellt das Polierweiß dar. Dabei wird eine weiße Farbfassung auf Kreidegrund bis zum gewünschten Glanzgrad poliert. Im Bild: Ein Übungsstück aus der Städtischen Meisterschule für das Vergolderhandwerk in München (Abb. 1a), dessen Weißfassung mit einem Polierstein aus rötlichem Marmor bearbeitet wird. (Abb. 1b)
2 Für die Polierweißfassung benötigt man zunächst eine Kreidegrundierung, ähnlich wie bei einer Polimentvergoldung. Im Bild: Rekonstruierte Teilstücke dreier Konsoltische aus Ansbach werden mit Kreidegrund grundiert
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4 Nach dem Vergolden wird die Polierweißfassung ausgeführt. Mit einem weichen Haarpinsel wird die Weißfarbe sorgfältig aufgetragen.
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Im Fokus Anke Scharrahs
Einblicke in orientalische Wohnkultur Das Damaskuszimmer im Museum für Völkerkunde Dresden
Kalligraphien, Malereien, Ranken. Sie zieren das prachtvolle Damaskuszimmer. Weltweit sind nur wenige dieser syrisch-osmanischen Prunkzimmer erhalten geblieben. Umso spannender ist die Restaurierung des Zimmers, die mit 110 Einzelteilen begann.
Im Fokus: Holz Holz ist seit Menschengedenken ein zentraler Baustoff. Das Material ist in unseren Breitengraden fast immer verfügbar. Es ist ein nachwachsender Rohstoff und es ist vergleichsweise preisgünstig, weshalb nahezu alle Bevölkerungsschichten Holz zum Bau der eigenen Häuser, Hütten, Katen oder Höfe nutzten. Aber auch im Möbelbau und im Kunsthandwerk gehört Holz zu den ganz zentralen Werkstoffen. Dem Werkstoff Holz ist in dieser Ausgabe von Restauro der Heftschwerpunkt gewidmet. Darin betrachten wir zwei wunderbare Raumausstattungen, wir erhalten Einblicke in die Konservierung von Hölzern mit Nanosolen, und wir befassen uns mit dem Einsatz von tragbaren Röntgengeräten für historische Bauwerke.
Erste Schritte Den Wert dieses ungehobenen Schatzes erkennend, gab das Museum ein Gutachten zur Untersuchung der Herstellungstechnik und des Erhaltungszustandes bei der Autorin in Auftrag. Daraus resultierte die Erarbeitung eines Konzepts für die Konservierung und Restaurierung. Gleichzeitig betraute das Museum zwei Architekturstudentinnen von der Technischen Universität Dresden mit der Rekonstruktion des Bauplans. Ulrike Siegel und Antje Werner maßen die Bauteile auf, trugen Nagellöcher in die Zeichnungen der Einzelteile ein und werteten die Nummerierungssysteme auf der Rückseite der Paneele aus. Anhand dieser Ergebnisse entstanden Rekonstruktionszeichnungen der vier Wände und der Decke, die bis heute Grundlage für die Arbeiten am Dresdner Damaskuszimmer sind. Außerdem bauten die beiden Studentinnen ein Architekturmodell des Raumes im Maßstab 1: 10, um den Aufbau und die Proportionen des Zimmers zu veranschaulichen. Restaurierung und Öffentlichkeit Die von Beginn an unsichere Finanzlage für dieses ambitionierte Projekt erforderte die Entwicklung eines Konservierungs- und Restaurierungs5/2013
1 Foto: Thomas Kretschel © Museum für Völkerkunde Dresden, Staatl. Ethnographische Sammlungen Sachsen, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Ein ungehobener Schatz Eine Fußnote in einem Fachaufsatz war der Auslöser für ein nunmehr seit 16 Jahren am Museum für Völkerkunde Dresden laufendes Restaurierungsprojekt. Aus dieser Fußnote wusste die Anfang 1997 in ihr neues Amt als Museumsdirektorin eingeführte Orientethnologin Annegret Nippa von der Existenz eines »Damaskus-Zimmers« in diesem Museum. Allerdings war ihr zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt, dass es sich um 110 Einzelteile einer im Depot lagernden Wand- und Deckenvertäfelung handelte. Von dem Zimmer existierte weder ein Bauplan noch war die aufwändig verzierte Oberfläche zu erkennen. Staub, Schimmel und nachgedunkelte Überzüge verdeckten jegliche Pracht. Annegret Nippa war bewusst, dass nur wenige Museen weltweit ein solches syrisch-osmanisches Prunkzimmer besaßen und dass diese Interieurs inzwischen auch im Nahen Osten rar geworden waren.
konzepts, das zum einen die unterschiedlichen Erhaltungszustände, Schadensbilder und die sich daraus ableitenden Dringlichkeitsstufen im Hinblick auf die erforderlichen Maßnahmen im Blick hatte und zum anderen das Fortschreiten der Arbeiten so gestaltete, dass eine breite Öffentlichkeit erreicht und Sponsoren gewonnen werden konnten. Im Januar 2000 wurde die erste Wand des Zimmers aufgerichtet und zeigt seither verschiedene Restaurierungsstadien. Regelmäßig fand ein »Tag der offenen Tür« statt, der den Besuchern nicht nur Einblicke in das Restaurieren einer komplexen Raumausstattung gewährte, sondern auch den ursprünglichen Kontext des Zimmers – die privaten Wohnhäuser des 18./19. Jahrhunderts in der Altstadt von Damaskus – einbezog. 2005 zogen die Zimmerteile und die Werkstatt um und waren bis Ende 2011, durch eine Glaswand abgetrennt, als Schauwerkstatt in den Ausstellungsbetrieb integriert. Weitere, in ausstellungsfähigen aber noch nicht »fertig restaurierten« Zustand versetzte Teile wurden schrittweise an die erweiterte Unterkonstruktion montiert oder, wie im Falle eines Gitterfensters, als Einzelstücke ausgestellt. Seit Oktober 2012 ist das Dresdner Damaskuszimmer Bestandteil der neu eröffneten Dauerausstellung des Museums zur Wohnkultur des Orients, die im Japanischen Palais in Dresden zu besichtigen ist. (Abb. 1)
1 Seit 1997 laufen Forschungs- und Restaurierungsarbeiten am Damaskuszimmer des Museums für Völkerkunde in Dresden. Seit Oktober 2012 vermitteln erste montierte Wandvertäfelungsteile und passend dazu ausgewählte Textilien in der Dauerausstellung einen Eindruck vom Wohnen in Damaskus zu Beginn des 19. Jahrhunderts.
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Im Fokus: Holzkonservierung 5a
5b
5a, b Röntgenbild einer Holzprobe (15,5 x 5,5 x 4,5 cm) mit Echtem Hausschwamm (Serpula lacrymans), von der Vorder- und der Rückseite aus gesehen (die Rückseite wurde horizontal gewendet, um den Vergleich mit dem Röntgenbild zu vereinfachen). Beachten Sie die tiefen und breiten vom Echten Hausschwamm verursachten Risse (1). Hausschwammanalyse durch Mycoteam AS, Oslo.
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5d
5c Röntgenbild der Holzprobe in Abb. 5a, b. Beachten Sie die tiefen und großen fäulebedingten Risse, perpendikulär zu den Jahresringen. Die Holzstruktur ist immer noch intakt, auch wenn die mechanische Festigkeit des Holzes reduziert ist. Aufnahmeparameter: CP120B, 0,5 mA, 40 kV, 10 s, 60 cm. 5d Ausschnitt von Abb. 4b, in der selben Größe wie Abb. 5c. In der Probe mit Nassfäulepilz (Abb. 5d) sind die Würfelstücke kleiner als die durch Echten Hausschwamm (Abb. 5c) verursachten.
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Im Fokus: Holzkonservierung (Hadrobregmus pertinax) [11, S. 11] das Holz bis zu einem Punkt zerstört hat, an dem keine Holzstruktur mehr sichtbar ist. Aus diesem Grund sind nur sehr wenige Jahresringe auf dem Röntgenbild (Abb. 6c) erkennbar. Die Ausfluglöcher der Holzbohrkäfer sind als kreisrunde Löcher sichtbar, etwas dunkler als das umgebende Holz. Die von den Holzbohrkäfern hinterlassenen Gänge sind als dunkelgrüne irreguläre Muster zu sehen, insbesondere rechts auf dem Röntgenbild. Die weißlichen Linien und kleinen weißlichen Punkte wurden chemisch als Kalkmörtel identifiziert. 3 Der Echte Hausschwamm tritt häufig in Verbindung mit Kalk auf, weil er gern in feuchten, warmen und alkalinen Umgebungen wächst [12, S. 46]. Auf dem Röntgenbild der Sektion eines laminierten Fichtenbalkens (Abb. 7 und 7b) sind die Jahresringe in der oberen Lamelle kaum sichtbar. Normalerweise ist das ein Zeichen von ernsthaft beschädigtem Holz, zerstört durch eine Kombination von Pilz und Insekten. Laut Mattsson ist der Balken durch den Braunfäule erregenden Pilz Zaun-Blättling (Gloeophyllum sepiarium) [13, S. 67 und 11, S. 11] und den Holzbohrkäfer Trotzkopf (Hadrobregmus pertinax) zersetzt worden. Der Holzbohrkäfer frisst das bereits verrottete Holz und erzeugt beim Verdauen des Holzes Gänge. Diese sind als dunklere, irreguläre Tunnel auf dem Röntgenbild sichtbar. Die Zerstörung stoppt an der Leimschicht (horizontale weiße Linie) zwischen den Lamellen, was den Unterschied zwischen gesundem und vollkommen zersetztem Holz offensichtlich macht. Auf dem Röntgenbild ist aufgrund des Leims die Keilzinkenverbindung in einer der Lamellen leicht zu verfolgen. Die Unterschiede in der Qualität des keilgezinkten Holzes sind beachtlich. Rechts von der Keilzinkung ist die Maserung dicht; links wurde Holz mit breiten Jahresringen genutzt. Das weißliche ZMuster ist der Röntgenstrahlen absorbierende Leim im der Keilzinkenverbindung. Als sich der Mykologe Johan Mattsson das Röntgenbild (Abb. 8) ansah, konnte er problemlos den Grund für die Zersetzung des Holzblocks identifizieren. Die Rossameisen (Camponotus ligniperda) [14, S. 18] beginnen ihre Attacke im verrotteten Holz und arbeiten sich zum gesunden Holz vor. Sie tragen die internen Teile des Holzes fort, um Platz für ihre Nester zu machen. Im gesunden Holz entfernen sie die weniger dichten Teile (das Spätholz) und lassen das dichtere Frühholz und die Astknoten zurück [15, p 427]. Das Frühholz, das die Ameisen als Boden und Wände nutzen, ist auf der Röntgenprobe gut als hellgraue horizontale parallele Linien (Abb. 8c) sichtbar. Bei eingehender Prüfung des Röntgenbildes wurden viele kleine hellgraue 5/2013
Punkte gesichtet. Dabei handelt es sich um tote Rossameisen (Abb. 8d). Der Panzer der Ameise enthält gehärtetes Chitin und Kalziumkarbonat4. Da diese Ameisen in Kolonien auftreten, war es einfacher, sie auf dem Röntgenbild zu identifizieren. Wären nur einige wenige Ameisen übrig geblieben, wären sie wahrscheinlich unentdeckt geblieben. Die Trockenrisse im Holz auf dem Foto des Holzblocks (Abb. 8a, 8b) sind viel besser sichtbar als auf dem Röntgenbild (Abb. 8c). Das ist vermutlich dem Winkel, in dem der Riss geröntgt wurde und wohl der Variation in der Breite geschuldet. Das Holz unter dem weiten Riss scheint beim ersten Blick auf das Röntgenbild gesund zu sein. Bei näherer Begutachtung sind jedoch fäulebedingte Risse am linken Rand des Holzblocks sichtbar, was auf eine Verbreitung der Zerstörung durch Fäule hindeutet. (Abb. 8d) Einfluss von Feuchtegehalt des Holzes und Umgebungstemperatur beim Röntgen Bekanntlich steigen Gewicht und Dichte des Holzes, wenn sich sein Feuchtegehalt erhöht. Um herauszufinden wie der Feuchtegehalt (FG) des Holzes die Dämpfung beeinflusst und damit das Röntgenbild, haben die Autorinnen einen Tragbalken (Abb. 4) unter verschiedenen Bedingungen geröntgt. Zusätzlich wurde ein mit Wasser gesättigter Tragbalken (Feuchtegehalt 153 %)5 bei Raumtemperatur und in gefrorenem Zustand geröntgt, um den Einfluss der Umgebungstemperatur zu untersuchen. Die nnFG 12 % (ungefähr Ausgleichsfeuchte) bei Raumtemperatur (Abb. 9a) nnFG 153 % (über dem Fasersättigungspunkt) bei Raumtemperatur (Abb. 9b) und nnFG 153 % in gefrorenem Zustand (Abb. 9c) Als Referenz wurden zwei mit flüssigem und gefrorenem Wasser gefüllte Papiertüten geröntgt (Abb. 10). Vergleicht man das Röntgenbild des Tragbalkens mit 12 % Feuchtegehalt (Abb. 9a) mit demjenigen Bild des vom mit Wasser gesättigten Tragbalken (Abb. 9b), sind die Astknoten weniger sichtbar. Andererseits werden die Hohlräume (markiert in Abb. 9b) besser sichtbar, wenn das Holz gesättigt ist. Bei genauerer Betrachtung ist das Röntgenbild des Tragbalkens mit 12 % Feuchtegehalt etwas schärfer als das Röntgenbild des Tragbalkens mit 153 % Feuchtegehalt. Beim Vergleich der Röntgenbilder des mit Wasser gesättigten Tragbalkens – aufgenommen bei Raumtemperatur bzw. in gefrorenem Zustand – sind die Unterschiede weniger offensichtlich. Für die beobachteten Unterschiede in den Röntgenbildern kann es zwei Gründe geben. Erstens: Mit dem Anstieg des Feuchtegehalts von 12 % auf 153 % an, steigt das Gewicht des 5/2013
6a
6b
6a/b Eine durch Echten Hausschwamm (Serpula lacrymans) und Trotzkopf (Hadrobregmus pertinax) zersetzte Holzprobe (19,5 x 5,5 x 2,3 cm), von der Vorder- und Rückseite aus gesehen (die Rückseite wurde horizontal gewendet, um den Vergleich mit einem Röntgenbild zu vereinfachen). Analyse der Holzzersetzung durch Mycoteam AS, Oslo.
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6c Röntgenbild der Holzprobe, durch Echten Hausschwamm und Holzbohrkäfer zersetztes Holz. Wegen der Holzbohrkäfer sind die Jahresringe kaum sichtbar. Durch die Käfer verursachte Tunnel im Holz sind als irreguläre dunklere Striche (1) sichtbar, einige enden in grauen Flecken, den Fluchtlöchern (2). Weiße Linien (3) sind mit Röntgenstrahlen absorbierendem Kalk gefüllte Risse. Aufnahmeparameter: CP120B, 0,5 mA, 40 kV, 10 s, 38 cm.
Objekts um ca. 61 % an. Der größte Anteil des Wassers wird absorbiert oder in den weniger dichten Teilen des Holzes eingelagert, d. h. Holz ohne Astknoten; dadurch steigt die Holzdichte. Die Röntgenstrahlendämpfung im Holz mit oder ohne Astknoten wird ausgeglichener. Gleichzeitig werden Hohlräume besser sichtbar, weil die Röntgenstrahlendämpfung zwischen den Hohlräumen und dem mit Wasser gesättigtem Holz zunimmt. Zum Vergleich: Sonia O´Connor fand, obwohl weniger kV benutzt wurden, beim Röntgen von feuchten und gefrorenen Textilien heraus, dass Eis und Wasser die Strahlung erheblich dämpfen und dass das Material dichter wird, aber eben nicht Material mit geringerem Kontrast wie z. B. Textilien [3, p 46-49]. Zweitens: Wasser verstärkt die Streuung der Strahlung im Tragbalken. Die Streuung macht die Röntgenbilder des mit Wasser gesättigten Tragbalkens weniger scharf. Wie in Abbildung 10 53