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RESTAURO spezial 01/2016

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ZEITSCHRIFT FÜR KONSERVIERUNG UND RESTAURIERUNG

NO 1

spezial

Das Bayerische Nationalmuseum nach dem Umbau Neue Facetten im Westflügel


INHALT

WESTFLÜGEL Im Hauptgeschoss (r.) befindet sich die Barockund Rokokosammlung, welche 2015 neu eröffnet wurde. Das Obergeschoss mit dem Tattenbachkabinett (r. u.) wird derzeit noch eingerichtet. Das Symbol des Plans wiederholt sich in jedem Fachbeitrag, die Räume mit den dort befindlichen Objekten sind jeweils rot eingefärbt.

Das Museum heute

Seit 2015 neu inszeniert

Egidius Roidl

Ralf Kilian und Stefan Bichlmair 12

RAUMKLIMA Gut temperiert Klimakonzepte in Museen

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Marcus Herdin 20

BELEUCHTUNGSKONZEPT Ins richtige Licht gerückt Beleuchtungskonzepte im Westflügel

Joachim Kreutner 42

Ute Hack 28

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VITRINENKONZEPT Auf der Suche nach der perfekten Vitrine Der konservatorische Blick auf die Präsentation im Westflügel

REINRAUMVITRINEN Aus der Industrie ins Museum Reinraumtechnik und ihre Anwendung für Vitrinen Raum 31 34 Illustration: Vorlage von designposition; Fotos: BNM/Bastian Krack

Der Westflügel 1943

OBJEKTMONTAGEN Anziehungskraft Innovative Anbringungstechniken mit Magneten Raum 31 34 35 38

Steffi Wirsing, Hans-Jörg Ranz 48

GLASKORROSION Feinste Risse Zustandsdokumentation und präventive Aufbewahrung von instabilen Hohlgläsern Raum 35 36 37

spezial


OBERGESCHOSS (Eröffnung geplant für 2017)

Dagmar Drinkler 54

TAPISSERIEN Spitzenstücke Die Restaurierung und Präsentation der Candid-Tapisserien Raum 32

Andrea Fiedler, Nicola Waltz 60

6 8 65 66

TATTENBACHKABINETT Porzellanmalerei auf Seide Restaurierung und Wiederaufstellung des Tattenbachkabinetts Westflügel OG

RUBRIKEN Kunststück Geschichte des Museums Impressum Porträt

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RAUMKLIMA

Ralf Kilian und Stefan Bichlmair

Gut temperiert Klimakonzepte in Museen Die Wandtemperierung ist bekannt als System, um Bauschäden durch Feuchte an Wärmebrücken zu reduzieren und zu vermeiden. Bei entsprechender Regelung und in Verbindung mit einer dichten Gebäudehülle ist sogar ein konstantes Raumklima möglich. Grundsätzlich kann mit einer Wandtemperierung auch geheizt werden, dies aber nur unter erhöhtem Energieaufwand. Daher müssen die Vor- und Nachteile des Systems bei seinem Einsatz in Museen sorgfältig abgewogen werden. Im sanierten Westflügel des Bayerischen Nationalmuseums (BNM) konnte ein stabiles Raumklima durch die Kombination verschiedener klimatechnischer Systeme erreicht werden.


Ausstellungsraum im Bayerischen Nationalmuseum: In der Infrarotaufnahme ist die Lage der Temperierleitungen an den roten Farbbereichen mit erhöhten Temperaturen erkennbar. Die Metallsprossen des Fensters zeichnen sich durch Sonnenerwärmung ebenfalls gelb-rot ab und sind nicht beheizt. Die Aufnahme entstand im Juni 2016.

TEMPERATURE CONTROL OF WALLS AND CLIMATE CONCEPTS The indoor environment is a topic frequently discussed in the context of preservative conservation. Heating of wall to increase their temperature and locally dry them is known as a method of reducing and avoiding damages caused by moisture and thermal bridges. The so-called ”Temperierung” wall heating system can also help to archieve constant indoor climate conditions, in combination with a good climate controll system and a well functioning and airtight building envelope. Generally, it is also possible to heat rooms with this method, although this means a higher energy input. Thus, the advantages and disadvantages of this system have to be weight up for the use in museums and for the built heritage conservation.

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VITRINENKONZEPT

Ute Hack

Auf der Suche nach der idealen Vitrine Der konservatorische Blick auf die Ausstellung Für die Wiedereinrichtung des sanierten Ausstellungsbereichs im Westflügel mussten für 14 Säle mit einer Gesamtfläche von rund 1.500 Quadratmetern neue Vitrinen angeschafft werden. Neben den grundsätzlich geltenden Anforderungen wie effektiver Diebstahlschutz und gute Handhabung waren es vor allem die konservatorischen Themen Klimastabilität, Schadstoffminimierung und Integration der Lichttechnik, auf die größter Wert gelegt wurde. Die Planung und Entwicklung der Vitrinen erfolgte in enger Zusammenarbeit der Museumsrestauratoren mit den Ausstellungsplanern, dem Lichtplaner sowie mit dem Vitrinenbauer.


Foto: BNM/Bastian Krack

Chronologie, Mustervitrinen und Ausschreibung Beginn der Vitrinenplanung war im Sommer 2013. Nachdem die wesentlichen Anforderungen in einem intensiven Abstimmungsprozess mit den Gestaltern formuliert und in Pläne übertragen waren, bestand im Herbst 2013 ein nächster Schritt darin, eine Standund eine Wandvitrine als Muster anfertigen zu lassen. Zwei in der Vitrinenherstellung erfahrene Firmen wurden mit dem Bau beauftragt. Diese Mustervitrinen lieferten wertvolle Informationen zur weiteren Optimierung der Vitrinen. Die gewonnenen Erkenntnisse flossen in die im Frühjahr 2014 folgende Ausschreibung ein. Diesbezüglich hatte sich das Museum für ein zweistufiges Verfahren entschieden: ein EU-weiter, öffentlich ausgeschriebener Teilnahmewettbewerb mit anschließender beschränkter Ausschreibung. Dies ist ein relativ aufwändiges Vorgehen, es sollte aber sicherstellen, dass die zukünftigen Ausschreibungsteilnehmer den hohen konservatorischen Anforderungen gerecht werden können. Zunächst wurden in einem Teilnahmewettbewerb mit Unterstützung des Bauamts München I Art und Umfang der Leistungen beschrieben und die Auswahlkriterien1, vor allem im Hinblick auf die spätere Auswertung des Wettbewerbs, präzise festgelegt. Insgesamt fünf Bewerber haben schließlich den Teilnahmewettbewerb erfolgreich durchlaufen und den Ausschreibungstext zu den Vitrinen erhalten. Da durch den bestandenen Teilnahmewettbewerb jeder der Anbieter in der Lage zur erfolgreichen Ausführung des Auftrags war, konnte im Herbst 2014 der günstigste Bewerber beauftragt werden. Anfang 2015 wurden die ersten Vitrinen geliefert. Ein erfahrenes und kompetentes Montageteam des Vitrinenherstellers baute sie über mehrere Wochen auf, eine Aufgabe, die sehr anspruchs- und verantwortungsvoll ist. Große Standvitrinen zum Beispiel konnten erst vor Ort aus vorgefertigten Einzelteilen zusammengesetzt werden. Insgesamt wurden 39 Stand- und 28 Wandvitrinen in meist unterschiedlichen Größen gefertigt, viele davon mit abweichenden Bauformen oder mit Sondereinbauten. Im März, nach Einhaltung der im Vorfeld festgelegten Auslüftungszeit, wurde mit der Bestückung der ersten Vitrinen begonnen. Gleichzeitig

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nahm der Lichtgestalter seine Arbeit auf und widmete sich Objekt für Objekt dem Einleuchten – eine diffizile Tätigkeit, die sich in mehreren Abschnitten bis kurz vor der Eröffnung erstreckte. Dank des Engagements und der hervorragenden Zusammenarbeit von Planern, Fremdfirmen und Museumspersonal konnte schließlich die Eröffnung der Ausstellung wie vorgesehen im Juli 2015 stattfinden. Handhabung Zunächst galt es, bei der Konstruktion der Vitrinen ergonomische Aspekte zu berücksichtigen, um die Zugänglichkeit zu Exponatraum und Technikbereichen bei der Bestückung, Wartung und Pflege zu erleichtern. Auch der Einbau von Schlössern und Schließmechanismen war in diese Überlegungen einzubeziehen. Der Zugang zu den Technikbereichen in den metallenen Sockeln der Vitrinen erfolgt durch einfaches Herunterklappen der Front bei den Wandvitrinen (Abb. 2) und durch Öffnen der Flügeltür2 bei den Standvitrinen. In den Sockeln ist ausreichend Platz für Klimageräte, Lichtprojektoren, Messgeräte etc. vorgesehen. Der Exponatraum soll zur Bestückung ohne Gefährdung von Personen oder Kunstwerken möglichst weit geöffnet werden können. Bei den Standvitrinen fiel daher die Entscheidung für eine großflächige Flügeltüröffnung mit einem Öffnungswinkel von über 90 Grad, bei den Wandvitrinen auf eine Hochschwenköffnung mit Gasdruckfedern (Abb. 2). Beide Mechanismen stellten, vor allem bei den großen Vitrinen, konstruktive Herausforderungen dar, denn der dadurch erhöhte mechanische Aufwand sollte möglichst nicht sichtbar sein, ebenso wenig wie Scharniere und Schlösser. Die filigrane Gesamterscheinung der Vitrinen lässt nahezu vergessen, welche Gewichte und Hebelkräfte bei derartigen Konstruktionen wirken. So weist die größte Vitrine eine Höhe von 3,50 Metern auf, ihre nur an zwei (unsichtbaren) Scharnieren befestigte Glastür besitzt ein Gewicht von annähernd 200 Kilogramm (Abb. 3). Daher ist es ja nach Größe der zu öffnenden Verglasung notwendig, offenstehende Türen zu unterstützen und dadurch die Scharniere zu entlasten.

Diese erforderten folgende Nachweise: besondere Fachkunde, ausreichende Kapazität, adäquate Betreuung vor Ort,

Qualitätsmanagement und Zertifizierung der Vitrinen. 2

Zwei innenliegende Scherengitterscharniere mit virtuellem Drehpunkt außerhalb der Vitrine ermöglichen hier die Lösung

Insgesamt wurden 39 Stand- und 28 Wandvitrinen für den umgestalteten Westflügel angefertigt. Das Verwenden von emissionsarmen Materialien stand dabei im Fokus.

ABSTRACT Showcase concept The refurbishing of the exhibition space in the west wing made the acquisition of new showcases for 14 exhibition halls with a total of 1.500 square meters necessary. In addition to basic requirements such as protection against theft and good handling, focus was put on conservation features such as climate stability, pollutant minimization and the integration of illumination.

ohne sichtbare Mechanik.

spezial

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OBJEKTMONTAGEN

Joachim Kreutner

Anziehungskraft Innovative Anbringungstechniken mit Magneten Präsentationshilfen, die ein Objekt sicher halten und dabei möglichst nicht auffallen, sind manchmal nicht einfach zu finden. Im Bayerischen Nationalmuseum setzen die Restauratoren dafür Magnete ein. Über deren Nutzen sowie verwendete Magnetarten und Montagematerialien in der Praxis berichtet der folgende Beitrag.


Seitliche Detailansicht der Montage eines Schwerts mit zwei Magneten

ABSTRACT Exhibit mountings For the refurbishing of the west wing, numerous exhibits were fitted with new mountings. They provide reliable function while supporting the presentation without attracting attention themselves. In addition to conventional solutions, for several groups of exhibits, modern neodymium magnets were used. The article deals with material properties, advantages for the use in museums as well as limits of applicability.

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TATTENBACHKABINETT

Andrea Fiedler und Nicola Waltz

Porzellanmalerei auf Seide Restaurierung und Wiederaufstellung des Tattenbachkabinetts aus dem 18. Jahrhundert Im sanierten Westflügel des Museums wird das Kabinett demnächst im Obergeschoss wieder ausgestellt. Aufgrund von Baumaßnahmen war es 1990 demontiert und in den folgenden Jahren mit längeren Unterbrechungen konserviert und restauriert worden. Jetzt sind die Einzelelemente an einem neu konstruierten Traggerüst montiert. Das Kabinett ist als Raum wieder aufgebaut.


Tattenbachkabinett, Francois Cuvilliés der Jüngere (1731–1777), München um 1770, Malerei auf Seide von Josef Zächenberger (1732–1802), H. 446 cm, B. 473 cm, Bayerisches Nationalmuseum, München, Inv. Nr. 51/103

ABSTRACT Restoration and re-installation of the Tattenbachkabinett The wall covering of painted silk was conserved and restored from 1990 until 2012 with several longer interruptions. The Kabinett that consists of more than 200 separate components was put on a newly constructed supporting frame consisting of prefabricated aluminum parts with slidable connectors. It will be put back on display in the refurbished upper floor of Bayerisches Nationalmuseum in the near future.

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