Die Malerzeitschrift 03/2016
Wissen wie’s geht – wissen was kommt
Von
A Z bis
Produkte + Präsentationen + Termine
IM BRENNPUNKT
ARBEITSZ T U CTEH S UN RSCHÄTZTE GEFAHR!
Branchensoftware Die »Richtige« finden
Mit professioneller Malersoftware effizienter steuern und arbeiten
Forschungsprojekt Holzbeschichtungen
Die Dauerhaftigkeit von Holzbeschichtungen wurde geprüft
Trends und Chancen Licht mit Farbe kombinieren
Lampen und Leuchten als dekoratives Element für Fassadengestaltungen
INHALT // AUSGABE 03/2016
06
FAF Viele Innovati-
onen warten auf die Messebesucher
IM BRENNPUNKT
32
Präventiver Arbeitsschutz zahlt sich für alle aus
42
Marketing Als Betrieb
muss man ins Auge fallen, um wahrgenommen zu werden, am besten im öffentlichen Bereich
57
AKTUELL // 06 22 26 28 96
FARBE, AUSBAU & FASSADE Messe Meldungen München erkunden Meldungen Panorama
Umweltverträglich
Regenwasser kann Inhaltsstoffe aus der Fassade auswaschen. Sind diese umweltgefährdend?
KUNDENAUFTRAG // 42
Marketing
46
Technik // Risssanierung
Werben ‒ aber sichtbar
Risse vermeiden
50
Forschungsprojekt Damit Holz länger hält
IM BRENNPUNKT // 32
Arbeitsschutz
Viele Maler nehmen den Arbeitsschutz erst dann ernst, wenn einer ihrer Mitarbeiter im Unternehmen verunglückt und Berufsgenossenschaft und Staatsanwaltschaft unangenehme Fragen stellen. Präventiver Arbeitsschutz erspart nicht nur solchen Ärger ‒ er rechnet sich auch.
4 • MAPPE 03/16
57
Umweltverträglichkeit
60
Innenfarben
64
Reaktionsharzbeschichtung
70
Raumgestaltung
76
Branchensoftware
Was von der Fassade kommt
Der Fleck muss weg! Schutzschicht für besondere Ansprüche Der erste Eindruck zählt
Welche ist »die Richtige«?
pen und Leuchten als dekoratives
Element für die Raum- und Fassadengestaltung nutzen
TRENDS UND CHANCEN // 88
Trends erkennen // Licht
92
Chancen nutzen // Licht
Und es ward Licht
Lichtblick für Maler
RUBRIKEN // 03 04 38 82 84 85 86 98
Editorial Inhalt Dialog // Lieblingsobjekt Schaufenster // Baufachkongress Schaufenster // Materialien und Produkte Impressum Malerquellen Vorschau // Heft 04/2016
DIE MAPPE IM INTERNET // Webseite // www.mappe.de facebook // www.facebook.com/Mappe.Malerzeitschrift pinterest // www.pinterest.com/diemappe
Fotos: Zumtobel, GHM, Ströer SE, Fraunhofer IBP; Covermotiv: Little Green
88
Trends und Chancen Lam-
IM BRENNPUNKT //
ARBEITSSCHUTZ
e t z t ä h c Unters
r h a f Ge
ARBEITSUNFÄLLE Viele Maler nehmen den Arbeitsschutz erst dann ernst, wenn einer ihrer Mitarbeiter im Unternehmen verunglückt und Berufsgenossenschaft und Staatsanwaltschaft unangenehme Fragen stellen. Präventiver Arbeitsschutz erspart nicht nur solchen Ärger ‒ er rechnet sich auch.
M
alermeister Sebastian Epe kann
heilte nie richtig. Erst konnte der Kollege nur
los, weil Epe sämtliche arbeitsschutzrecht-
sich noch gut an einen Unfall in
noch Teilzeit arbeiten, schließlich gar nicht
lichen Vorschriften eingehalten hatte.
seinem Betrieb erinnern, ob-
mehr, schließlich musste er in Frührente ge-
wohl der mittlerweile sechs Jahre zurück-
hen. »Das ist ein tragischer Fall, der Kollege
Kein Grund zur Entwarnung
liegt: Einer seiner Mitarbeiter war auf einer
hat immer gern und engagiert gearbeitet«,
103.731 Unfälle auf Baustellen verzeichnete
Baustelle von einem Zimmergerüst aus rund
sagt der Chef von zwei Betrieben in Rem-
die Berufsgenossenschaft Baugewerbe (BG
80 cm Höhe gefallen und hatte sich den Arm
scheid und Köln mit insgesamt 20 Mitarbei-
Bau) im Jahr 2014. Macht im Durchschnitt
gebrochen. Es folgten mehrere Operationen
tern. Immerhin übernahm die Berufsgenos-
mehr als 50 Unfälle pro 1.000 Arbeiter. Und
über Jahre hinweg, doch die Verletzung
senschaft die Behandlungskosten anstands-
das heißt im Umkehrschluss: Jeder zwan-
32 • MAPPE 03/16
Michael Meetz Managementberatung UVE, Berlin
»Viele Maler nehmen den Arbeitsschutz nach wie vor überhaupt nicht ernst.«
Glück sein«, warnt Meetz. »Wer hingegen in
Wissen der Maler im richtigen Umgang zum
den Arbeitsschutz investiert, verringert aktiv
Beispiel mit Leitern, Gerüsten und elektri-
das Unfallrisiko.« Und spart damit unterm
schen Geräten auf. »Einige Aspekte wie den
Strich, denn Arbeitsschutz rechnet sich: Der
richtigen Umgang mit Leitern muss man im-
so genannte »Return on prevention«, also
mer wieder predigen«, sagt Wiesler. »Insge-
der finanzielle Vorteil des Arbeitsschutzes,
samt akzeptieren die meisten Kollegen den
liegt für deutsche Unternehmen im Durch-
Arbeitsschutz aber als sinnvolles Instru-
schnitt bei 2,2. Das hat eine Studie der Deut-
ment, um Unfälle zu vermeiden.« Außerdem
schen gesetzlichen Unfallversicherung erge-
prüfen speziell geschulte Kollegen von
ben. Heißt: Jeder in den Arbeits- und Ge-
Wiesler sowie externe Spezialisten die Werk-
sundheitsschutz investierte Euro bringt 2,20
zeuge, persönliche Schutzausrüstung der
Euro an Einsparungen in Form von vermie-
Mitarbeiter und die Fahrzeuge der Firma. Sie
denen unfall- und krankheitsbedingten Aus-
schauen zum Beispiel nach, ob Gitter und
fällen.
Netze zur Sicherung von Ladung an Bord und intakt sind. Seine Lehrlinge schickt
Jedes Jahr stürzen rund 9.000 Arbeiter auf deutschen Baustellen von einer Leiter
zigste Arbeiter hat einen meldepflichtigen Unfall erlitten. Zwar ist die absolute Zahl der Unfälle im Vergleich zum Vorjahr um rund 5.400 Unfälle gesunken, weil immer mehr Firmen ihren Arbeitsschutz verbessern. Grund zur Entwarnung sehen Experten dennoch nicht, das gilt insbesondere auch für das Malerhandwerk: »Viele Maler nehmen den Arbeitsschutz nach wie vor überhaupt nicht ernst«, sagt Michael Meetz, Geschäftsführer der auf Arbeitsschutz im Bau spezialisierten Managementberatung UVE aus Berlin. Unfallverhütung kostet schließlich erst einmal Zeit und Geld, und der Nutzen ist nicht auf den ersten Blick erkennbar, wenn ein Malerunternehmen seit Jahren und Jahrzehnten läuft, ohne dass je etwas passiert
Engagement zahlt sich aus Beim
Wiesler zwei Mal im Jahr auf eine Weiterbil-
Maler-Großunternehmen Heinrich Schmid
dung rund um Arbeitssicherheit, hinzu kom-
zählen umfassende Arbeitsschutzmaßnah-
men Spezialschulungen für Hubarbeitsbüh-
men deshalb bereits seit vielen Jahren zum
nen. Zudem haben sich bereits 70 Mitarbei-
Geschäft: »Arbeitsschutz rechnet sich«, sagt
ter am Standort zu Ersthelfern ausbilden las-
Eugen Wiesler, Fachkraft für Arbeitsschutz
sen. »Das Engagement macht sich
am Standort Eschbach. Wiesler organisiert
bemerkbar«, sagt Wiesler. »Die Unfälle, bei
beispielsweise einmal im Jahr einen Sicher-
denen Mitarbeiter mehrere Tage ausfallen,
heitstag für die 138 gewerblichen Mitarbei-
sind in den vergangenen Jahren zur absolu-
ter. An diesem Tag frischen Experten das
ten Ausnahme geworden.«
ARBEITSUNFÄLLE
Nicht die Regel – aber auch keineswegs die Ausnahme
Jährlich verunglückt rund jeder zwanzigste Arbeiter auf dem Bau.
Zahl der Unfälle Meldepflichtige Arbeitsunfälle je 1.000 Arbeiter in Vollzeit im Baugewerbe Meldepflichtige Arbeitsunfälle im Baugewerbe gesamt Tödliche Arbeitsunfälle Baugewerbe gesamt Meldepflichtige Arbeitsunfälle Maler, Gebäudereiniger und verwandte Berufe Tödliche Unfälle Maler
2014 55,87 103.731 81 15.680 2
Quelle: uve GmbH, basik-net
wäre. »Das kann aber genauso gut pures
MAPPE 03/16 • 33
DIALOG // LIEBLINGSOBJEKT
Schwarz GmbH aus Arnstorf
Kaffee zwischen Tapeten
Shortlist-Platzierung Für den Sieg hat es nicht ganz gereicht, trotzdem wollen wir die Bewerber wür-
K
affeeduft stieg in die Nasen, als
nur Gestaltungsideen für ihre Innenräume,
die Mappe-Redaktion das Paket
sondern auch Kaffee.
von der Schwarz GmbH aus Arn-
Mit der »Tapeteria« bietet das Team in
storf öffnete. Hunderte schwarze Bohnen la-
seinen Ausstellungsräumen neben Tapeten-
gen darin und begruben das Bewerbungs-
inspirationen eine kleine Cafeteria. »Für un-
digen, die es auf die Shortlist des Wettbe-
schreiben unter sich und dem kräftigen
sere anspruchsvollen Kunden sollte ein ge-
werbs zum MALER DES JAHRES geschafft
Röstaroma. Ein Vorgeschmack auf das Kon-
mütlicher, ansprechender Beratungsbereich
haben. Jeden Monat stellen wir zwei Ma-
zept, für das Christian Schwarz und sein Ma-
geschaffen werden«, erklärt Christian
lerbetriebe vor, die mit ihren Arbeiten
lerbetrieb stehen und mit dem sie sich als
Schwarz. »Bei einem guten Kaffee wollten
fast genauso beeindrucken konnten wie
Unternehmen für MALER DES JAHRES be-
wir gemeinsam mit Kunden in den Muster-
die Gewinner. Los geht’s mit der Schwarz
worben hatten. Denn in dem Fachgeschäft
büchern aussuchen und vergleichen. So ka-
GmbH und Nicole Ulsch von WohnArt.
für Farben holen sich Kunden nicht einfach
men wir auf die Idee: Warum nicht ein
38 • MAPPE 03/16
Fotos: Schwarz GmbH
Shortlist
scheibe. Den Boden belegte das Team mit alten Brettern. Auf einem Monitor läuft im Winter eine Lagerfeuer-Simulation und im Sommer zeigt sich ein Aquarium mit bunten Fischen. Eine gemütliche Atmosphäre ist es, die den Kunden vermittelt werden soll, wenn sie sich in der Tapeteria aufhalten. Auf einem Wandbord sind außerdem Tapetenbücher, Farbtonkarten und ein iPad für die Kundenberatung untergebracht. Das Firmengebäude der Schwarz GmbH beherbergt einen ganz besonders Ausstellungsraum und lädt mit der »Tapeteria« zum Verweilen ein
Mit eigens veranstalteten Workshops will die Schwarz GmbH die Tapeteria nutzen, um Kunden noch mehr für Tapeten und Gestaltung zu begeistern. »Einer unserer Gesellen führt dabei Tapezier- und Anstrichtechniken vor. Nach dem Workshop gibt es dann noch ein Tapeteria-Säckchen mit Prospekten und netten Give-aways«, fügt
Das Team sorgt für entspanntes Ambietene. Auf einem Monitor ist im Winter ein Kaminfeuer, im Sommer ein Aquarium zu sehen
Schwarz in seinem Bewerbungsschreiben hinzu. Gleichzeitig nutzt der Betrieb das gemütliche Ambiente für interne und externe Schulungen. Gemütliche Atmosphäre beim Malerbetrieb: Bei Kaffee und Gebäck mit Kunden über Raumkonzepte sprechen
Mit einem Budget von 4.000 Euro, das laut Schwarz »sehr gering« für ein solches Vorhaben war, schaffte es das Team, die
kleines Café in die Ausstellung integrieren?« Ein Wohlfühlbereich sollte es werden,
Ausstellung und den Beratungsbereich aufzuwerten und dem Kunden ein ange-
mit viel Holz, Metall, Farbe und auch ein we-
nehmes Umfeld während seines Besuchs zu
nig Technik. Aus alten Balken bauten sie in
bieten. Das solle vor allem auch andere Kol-
einem Bereich von drei bis fünf Metern eine
legen ermuntern, in die Präsentation ihrer
Überdachung. Die Wandbekleidung gestal-
Arbeit und Leistung zu investieren, so die
tete sich aus geschliffenem und geöltem
Worte des Malermeisters. »Nur wenn man
Altholz. Es folgten Tapeten in Steinoptik,
zeigt, was man kann und was möglich ist,
grüne Wandfarbe und eine Silhouette von
kann man sich vom Mitbewerber abheben
Arnstorf in Glasdekorfolie an einer Fenster-
und erfolgreich am Markt agieren.«
Weil sauber einfach besser ist. Besuchen Sie uns auf der FAF: Halle A1 Stand 402
Mit eigens veranstalteten Workshops kann die Schwarz GmbH die Kunden in der Tapeteria noch mehr für Tapeten und Gestaltungen begeistern
Staubfrei zu mehr Qualität: das Festool Absaugsystem. Den Staub können wir nicht verhindern. Aber in gesunde Bahnen lenken. Dabei geht es uns vor allem um eins: Ihre Gesundheit. Auf unserem Messestand an der Farbe, Ausbau und Fassade in München zeigen wir Ihnen auf was es beim Arbeiten in staubhaltiger Umgebung wirklich ankommt. Schauen Sie vorbei und sichern Sie sich außerdem Ihr persönliches Festool Andenken in unserer Fotobox! Erleben Sie den Unterschied! Live auf unserem Messestand 402 in Halle A1 in München oder vorab unter www.festool.de/staubfrei
KUNDENAUFTRAG // RAUMGESTALTUNG
Der erste Eindruck zählt
Erfrischend grün: In einem Treppenhaus erlebt man Farben aus immer anderen Perspektiven. Der Korridor wurde in einem weichen Grün gestrichen, wodurch die weißen, paneelierten Türelemente besonders betont werden. Das Absetzen der Wände nach oben in Weiß schafft Helligkeit
70 • MAPPE 03/16
FLURGESTALTUNG Der Eingangsbereich einer Wohnung oder eines Hauses wird meist stiefmütterlich behandelt. Mit Farbe, Bodenbelägen und Accessoires lässt sich aus einem reinen Funktionsort ein schöner und sympathischer Raum als Auftakt der Wohnung gestalten. Wie das gelingen kann, schildert Tine Kocourek, Expertin für Büro- und Raumgestaltung.
F
ür den ersten Eindruck gibt es keine
WAS IHRE KUNDEN WÜNSCHEN
zweite Chance. Lernen Sie einen
Mit diesen Fragen können Sie die wichtigsten Bedürfnisse und Wünsche erfra-
Menschen kennen, entscheiden oft
gen, um bei der Gestaltung auf der sicheren Seite zu sein:
die ersten zehn Sekunden über Sympathie oder Antipathie. Genauso geht es Men-
Wie würden Sie den Flur lieber nutzen/gestalten?
schen, wenn sie zum ersten Mal einen ihnen
Was soll der Flur über Sie und Ihre Familie aussagen?
unbekannten Raum betreten.
Wie nutzen Sie und Ihre Familie den Flur?
Das meiste, was wir als Menschen wahr-
Wie wohl fühlen Sie sich im Flur?
nehmen, passiert unbewusst. Aus den Sin-
Was mögen Sie im Flur?
neswahrnehmungen wie sehen, hören, riechen und tasten stellt das Gehirn eine Information zusammen, die ein Gefühl hervorruft. Dieses Gefühl sagt uns, ob es uns hier gefällt oder ob wir lieber vorsichtig sind.
gen Schuhe, Jacken, Mäntel, Fahrradhelme
schranks vertragen auch eine kräftige Farbe.
Und dieses Gefühl entsteht viel schneller als
und allerlei Freizeituntensilien den Ein-
»Die Menge macht die Musik«, sagt ein
die bewusste Wahrnehmung. Dieses Wissen
gangsbereich. Besonders bei Familien mit
Sprichwort. Dosieren Sie die Farbmengen
aus der Wahrnehmungspsychologie nutze
Kindern wollen diese gut untergebracht
deshalb vernünftig.
ich, um mit Gestaltung das Raumgefühl ak-
sein.
tiv zu steuern.
Beraten Sie Ihre Kunden so, dass sie den Mut haben, ein extravagantes Farbkonzept
Tipps zur Wandgestaltung Farbige
zu realisieren. Der Flur ist ein Durchgangs-
dieser Mechanismus eine besondere Rolle,
Wände lassen einen kleinen Eingangsbe-
zimmer und verbindet unterschiedliche
werden sie doch als erster Raum einer Woh-
reich größer wirken. Weiß eignet sich als
Räume miteinander. Dank dieser Sonder-
nung betreten. Leider schenkt man dem
Wandfarbe weniger. Es wirkt kalt und wird
stellung kann der Flur vom übrigen Farb-
Eingangsbereich häufig zu wenig Achtung.
schneller schmutzig als ein etwas dunklerer
Oft wirkt er öde, traurig oder abweisend.
Farbton. Ein kleiner Raum erscheint mit hel-
Flure und Treppen gelten als reine Funkti-
ler Wandfarbe deutlich größer und anspre-
onsbereiche, auf die man viel weniger Mühe
chender. Verstärkt wird dieser Effekt, wenn
verwendet als auf die eigentlichen Wohn-
auch die Möbel hell gehalten sind ‒ am be-
räume. Dabei ist der Eingang die Visitenkar-
sten im ähnlichen Farbton wie die Wand.
te der Wohnung oder des Hauses und über-
Zusätzlich wirken große Farbflächen ru-
nimmt eine wichtige Funktion. Im Feng Shui
higer. Deshalb sollte man möglichst auf auf-
zum Beispiel gilt der Flur als Energiesammel-
fallende Muster und große Kontraste ver-
platz. Die Energie, Qi genannt, sammelt sich
zichten und besser sanfte Kontraste einset-
am besten in einem ordentlichen, gut be-
zen.
In Fluren und Eingangsbereichen spielt
leuchteten und schön gestalteten Raum.
Besonders kühle Farbtöne wie zartes
Von dort kann sie in die anderen Wohnräu-
Hellblau oder Hellgrün lassen den Flur wei-
me fließen. Der Flur soll die Energie anzie-
ter erscheinen. Naturholzmöbel kombiniert
hen und sanft weiterleiten. Deshalb rate ich
mit einem zarten Hellblau an der Wand er-
meinen Kunden, den Eingang bewusst zu
zeugen eine wunderschöne und leichte
gestalten. Das gelingt am besten mit einem
Wohnatmosphäre.
Raum- und Farbkonzept. Meist sind die Flure klein, schmal, lang
Schlichter Akzent: Eine Dekorleiste unterteilt die gleichmäßig blaue Wandfläche und wird zum schmückenden Accessoire
Besonders edel wirkt es, wenn man den unteren Wandbereich farblich absetzt und
und ohne Fenster und deshalb düster. Des-
ihn mit einer Bordüre betont. Flure vertra-
halb gilt es, den dunklen Flur freundlicher zu
gen durchaus kräftige Farben. Betonen Sie
gestalten, optisch zu weiten und ihm eine
die Stirnseiten eines langen Flures mit kräfti-
neue Ordnungsstruktur zu geben. Ordnung
gen Farbtönen. Einzelne Wandteile zwi-
zu halten ist gar nicht so einfach: Meist prä-
schen Türen oder die Seiten eines Einbau-
MAPPE 03/16 • 71
TRENDS // LICHT
Und es ward Licht
LEUCHTMITTEL Künstliches Licht beschränkt sich schon lang nicht mehr allein auf seine dienende Funktion. Effizient soll es sein, nicht nur funktional, und inzwischen auch ästhetisch. Lampen und Leuchten als dekoratives Element für die Raum- und Fassadengestaltung zu nutzen, hat sich in den letzten Jahren zu einem wahrhaftigen Trend entwickelt.
D
ie Geschichte der Glühlampe ist tra-
Über 130 Jahre ist ihre Erfindung nun
gisch. Ausgestoßen von der Gesell-
her. Im Jahr 1879 meldete Thomas Alva Edi-
lichen Umständen unsichtbar bliebe.
schaft wurde sie später sogar verbo-
son das Patent für die Glühlampe an, doch
Leuchtmittel wurden zweckmäßig einge-
ten. Im Baumarkt sucht man vergeblich nach
seitdem hat sich viel getan in der Beleuch-
setzt, um Kommunikation und Arbeit zu er-
ihr, ihr Licht ist längst erloschen. Und das, ob-
tungsindustrie. Lange stand die Funktionali-
möglichen und Informationen vermitteln zu
wohl ihre Erfindung den Markt revolutionierte,
tät des künstlichen Lichts im Vordergrund.
können.
die Industriegesellschaft erstmalig und dauer-
Licht diente, und zwar dann, wenn das Ta-
haft zum Leuchten brachte und viele ihr ange-
geslicht nicht mehr ausreichte, um Men-
Alternativen für die Glühlampe
nehm warmes Licht schätzten.
schen Orientierung und Sicherheit zu bie-
Neben der dienenden Funktion von Licht
88 • MAPPE 03/16
ten. Licht machte sichtbar, was unter natür-
kamen bald ökologische Aspekte hinzu, die
Die HARPA Reykjavik Convert Hall in der isländischen Hauptstadt
der Entwicklung von Leuchtmitteln eine neue Richtung gaben. Die Glühlampe nämlich ist extrem ineffizient. Den Großteil ihrer Energie gibt sie in Form von Wärme ab. Lediglich fünf Prozent beträgt dagegen ihre Lichtausbeute. Auflagen zum Energiesparen und ein kontinuierlicher Erfindungs- und Verbesserungsdrang von Industrie und Wissenschaft waren es, die zu den zahlreichen Alternativen führten, die wir
Erst neu eröffnet hat das Motel One London-Tower Hill. Nachts zeigt sich die LED-Fassade in bunten Farben
heute im Handel finden. Halogen-, Leuchtstoff-, und Energiesparlampen eroberten den Markt, um den Richtlinien der EU für mehr Nachhaltigkeit und den gesetzten Klimaschutzbeschlüssen
Menschen hat. »Der biologische Tag- und
gerecht zu werden.
Nacht-Rhythmus, aber auch Herzfrequenz, Blutdruck und Stimmung wird vom Sonnen-
Gesundheitliche Auswirkung von Licht Doch der Aufschrei der Bevölkerung
licht gesteuert.« Denn der Wechsel von Ta-
war groß, Nostalgie machte sich breit und
Uhr und den biologischen Rhythmus. Hor-
viele wünschten sich die Glühlampe und ih-
mone ‒ Melatonin und Cortisol, das eine
re angenehme rötliche Leuchtkraft zurück.
verantwortlich für Müdigkeit, das andere für
Ihr Lichtspektrum gleicht dem der Sonne,
Aktivität und Stress ‒ werden freigesetzt, die
was die Farbwiedergabe für uns Menschen
darüber bestimmen, ob wir uns müde füh-
wiederum attraktiv macht. Diplom-Farbde-
len oder wach.
geslicht und Dunkelheit taktet die innere
Aus diesem Grund, folgert Kocourek, tra-
signerin Tine Kocourek weiß, welche Aus-
ge Licht zum Wohlbefinden, der Konzentra-
wirkung Tages- und Sonnenlicht auf den
Effizienz der Lichtquellen LED NatriumdampfHochdrucklampen Halogen-Metalldampflampen Leuchtstofflampen (T8, T5)
Theoretische Grenze
Kompakte Leuchtstofflampen QuecksilberdampfHochdrucklampen Niedervolt HalogenGlühlampen Glühlampen
0
20
40
60
80
Lumen/Watt (ohne Verluste durch Vorschaltgeräte)
100
120
140
160
180
200
220
240
Quelle: Licht.de
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