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HÄUSER DES JAHRES
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WOLFGANG BACHMANN
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H ÄUSER
Dies ist eine Leseprobe
N E I N FA M
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WLADIMIR KAMINER
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HÄUSER DES JAHRES
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92 Aquarius
Inhalt
lynx architecture, München
98 Gesicht gewonnen
6 Vorwort
Axel Steudel Architekt, Köln
102 Raum und Raster
8 Einleitung Wladimir Kaminer
Schaeffer Architecture and Technology, München
106 Freundlicher Fremdkörper
12 Die Jury
Biehler Weith Associated – Building Design Projects, Konstanz
1. Preis 16 Behauste Scheune
112 Über der Landschaft Architectenbureau Paul de Ruiter, Amsterdam (NL)
Bernardo Bader Architekten, Dornbirn (A)
116 Ein Landschaftshaus bergmeisterwolf architekten, Brixen (I)
Anerkennungen 24 Einzelstück
122 Nachhaltig eingenistet Georg Bechter Architektur+Design, Langenegg (A)
pedevilla architects, Bruneck (I)
126 Rheinblick
32 Weinstock-Bau
pape + pape architekten, Kassel
L3P Architekten, Regensberg (CH)
132 Die Faxen dicke
40 Zeugnis geben
Architekturbüro SCHILDHAMMER, Passau
Marazzi Reinhardt, Winterthur (CH)
136 Durchsichtige Motive
48 Rank und schlank
HOPPE architekten ZT GmbH, Wien (A)
Architekturbüro Scheder, Stelzenberg
140 Phasenverschiebung
56 Feinheiten
Architekten Luger & Maul FZT-GmbH, Wels (A)
Innauer Matt Architekten, Bezau (A)
144 Mikado
64 Feste Burg
Thomas Pscherer Architekt, München
savioz fabrizzi architectes, Sion (CH)
148 Unter Bäumen stocker . dewes architekten bda, Freiburg
Ausgewählte Projekte 74 Black Box
152 Diskreter Sichtbeton Baumschlager Hutter Partners, Widnau (CH)
Hammerschmid, Pachl, Seebacher-Architekten, Graz (A)
156 Waldbühne, Bergblick
78 Innenleben
Think Architecture, Zürich (CH)
NIEBERG ARCHITECT, Hannover
162 Naturidentisch
82 Am Fels
Renato Maurizio AG, Maloja (CH)
HELENA WEBER ARCHITEKTIN ZT, Dornbirn (A)
166 Reziproke Geometrie
88 Ein Heustadl bleibt
phalt Architekten AG, Zürich (CH)
Architekten Luger & Maul ZT-GmbH, Wels (A)
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170 Für Bücher und Bilder
244 Anschlusswerte
Flacke + Otto Architekten, Berlin
Architekten Anton Treyer & Dietmar Trebo, Terenten / Bruneck (I)
176 International, woischd
248 Körpersprache
Alexander Brenner Architekten, Stuttgart
Wild Bär Heule Architekten AG, Zürich (CH)
182 Berg- und Talhaus
254 Doppeldecker
atelier AMC, Lugano (CH)
Arch . büro Feyferlik/Fritzer, Graz (A)
188 Nouveau niveau
260 Ein Wohnmöbel
kit, Zürich (CH)
2D+ Architekten, Berlin
192 Blickpunkt
264 Licht, Luft und Loft
Cavegn Architekten, Schaan (LI)
Georg Bechter Architektur+Design, Langenegg (A)
196 Objektiv
270 Architekten 271 Bildnachweis
Falke Architekten, Köln
200 Haus-Massiv denzer & poensgen, architektur & innenarchitektur, Marmagen
272 Impressum
204 Bau-Kasten courage architecten, Apeldoorn (NL)
208 Zeitlos Döring Dahmen Joeressen Architekten, Düsseldorf
212 Holzgewand-Haus DIETMAR SCHNECK / msm Architekten Innenarchitekten, Esslingen
216 Unter der Haube Buchner Bründler Architekten, Basel (CH)
220 Verborgen, geborgen KÜHNLEIN Architektur, Berching
224 Modulare Heimat Becker Architekten, Kempten
228 Für die Großfamilie hiendl_schineis architekten, Augsburg
232 Gehen Sie nicht über Los! BUB architekten bda_Alexandra Bub, Hamburg
236 Ruhesitz marte-huchler, Muntlix (A)
240 Perspektivwechsel dma deckert mester architekten, Erfurt
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Vorwort
von Wolfgang Bachmann
Architektur ändert sich glücklicherweise nicht so rasch wie Damenmode oder Autodesign. Dennoch verführt der alljährlich, nunmehr zum fünften Mal ausgelobte Preis „Häuser des Jahres“ unvermeidlich dazu, die turnusmäßige Ausbeute zu bilanzieren: Was war anders? Gibt es Tendenzen, Schwerpunkte, Entwicklungen auszumachen? Setzen sich Bauweisen, Typologien oder bestimmte Materialien durch? Aber das Verfallsdatum muss man noch suchen. So entdeckt die Jury jedes Jahr ein subjektives Bild, wie man in Österreich, der Schweiz und in Deutschland wohnt, zumindest wie sich das Wohnen auf den eingereichten Arbeiten abbildet. In manchen Jahren waren es Vorlieben für bestimmte Möbel, die immer wieder wie verabredet auf den Fotos auftauchten. Gerne auch Kinder, die der aufgeräumten neuen Umgebung ungeniert den Beweis wohnlich-legerer Familienfreundlichkeit geben sollten. In diesem Jahr hatten die Fotografen den Hund entdeckt. Als dankbares Requisit durfte er immer wieder auf Terrassen liegen, Kaminplätze okkupieren oder als pelziger Gefährte in der geradlinigen Räson der Architektur kuscheln. Dies nur als beiläufige Beobachtung. Was uns dagegen an den Häusern der 228 abgegebenen Beiträge aufgefallen ist, war die solide Qualität. Es gab weniger avantgardistische Ausreißer, aber auch weniger durchschnittliche Arbeiten, deren Verfasser nur mal auf gut Glück eine Einreichung probiert hatten. Beherrschend war ein Mittelfeld aus gelungenen Häusern, die man sich auch an vielen Orten wünschte. In ländlichen Gegenden wurde häufig auf eine Gartenanlage verzichtet, man wollte das Artefakt Haus bewusst in die unveränderte und weiter gedeihende Natur platzieren. Die Baubeschriebe dokumentierten einen hohen Standard, es ist inzwischen fast unnötig, auf bestimmte Dämm- oder Heizkoeffizienten eigens hinzuwiesen. Wenn es irgendwie geht, versuchen Architekten, die Schlichtversion eines Wärmedämmverbundsystems zu vermeiden. Handwerklichkeit ließ sich oft glaubhaft an den gestochen scharfen Fotos ablesen. Toleranzfugen und Leisten werden zunehmend von naht6
losen Anschlüssen abgelöst. Natürliche, massive Materialien ersetzen synthetische Baustoffe. Klar, Zementestrich oder Eichendielen – kann sich noch jemand an PVC-Böden oder Teppichfliesen erinnern? Bauherrschaften, die sich mit ihren subjektiven Wohnwünschen an einen Architekten wenden, sind wohl weniger für das Heimwerkersortiment der Baumärkte anfällig. Was außerdem bei den Einreichungen auffiel, ist die zunehmende Wohnfläche. Die 46 gegenwärtig ermittelten Quadratmeter pro Person wird die Statistik bald um 10 Quadratmeter nach oben korrigieren. Zu unseren eigenen prosaischen Angaben: Wie immer werden die ausgewählten 50 Beispiele nachvollziehbar vorgestellt. Professionelle Innen- und Außenaufnahmen zeigen jedes Objekt von seiner besten Seite, daneben stehen die Pläne der Architekten sowie Gebäudedaten und Projektbeschreibungen als wissenswerte Hintergrundinformation. Die Grundrisse und Schnitte sind bis auf wenige Ausnahmen im Maßstab 1 : 200 wiedergegeben. Das heißt: 1 Zentimeter im Plan entspricht 2 Metern in der Wirklichkeit. Um die Einbindung des Gebäudes in das städtebauliche Umfeld sowie seine Orientierung und Situation auf dem Grundstück zu verstehen, ist jeweils ein nicht maßstäblicher, genordeter Lageplan abgebildet. Das beschriebene Haus ist dort farblich hervorgehoben. Die Gebäudedaten, soweit einheitlich zu ermitteln, fassen die wichtigsten Merkmale übersichtlich zusammen: sie geben Auskunft über Grundstücksgröße, Wohn- und Nutzfläche, Anzahl der Bewohner, Bauweise, Baukosten, Energiekennwerte sowie das Baujahr. Alle Kostenangaben verstehen sich, soweit nicht anders angegeben, im Sinne der DIN 276 als sogenannte reine Baukosten inklusive der jeweiligen Mehrwertsteuer. Nicht enthalten sind die Grundstücks-, Erschließungs-, Bauneben- und Finanzierungskosten sowie das Architektenhonorar. Bei einigen Projekten werden die Baukosten auf Wunsch der Bauherrschaft nicht veröffentlicht.
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Die Jury
1 Thomas Kröger Preisträger 2014 2 Arndt Papenfuß Kaldewei 3 Wladimir Kaminer Bestseller-Autor 4 Prof. Dipl.-Ing. Ruth Berktold Architektin und Professorin für CAX, Entwerfen an der Hochschule München 5 Peter Cachola Schmal Direktor des Deutschen Architekturmuseums 6 Dr.-Ing. Wolfgang Bachmann Freier Autor und Publizist 7 Ulrich Nolting Informations Zentrum Beton
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1. PREIS ANERKENNU
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NGEN
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1. PR E I S 16
BEHAUSTE SCHEUNE VON
Bernardo Bader Architekten in Doren (A)
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D 1
Die Küchenzeile trennt den Essplatz vom Wohnraum. Die Bodendielen stammen aus dem abgetragenen Altbau, sie liegen auf gepressten Formziegeln, deren Lehm beim Aushub eines anderen Hauses gewonnen wurde.
2 In den tragenden und speichernden Betonkern der Innenwände sind ein Kaminofen und ein gemütlicher Alkoven eingebaut.
ie sparsamen und funktionalen Tugenden des Bregenzerwälderhauses kennt der Architekt, er weiß, mit welchen landschaftsverträglichen Typologien man einen Wohnwert erzielen kann. Dekorative Heimattümelei käme ihm deshalb nicht in den Sinn. Er orientiert sich an den Schuppen und Scheunen, die die Landschaft bestimmen (siehe „Häuser des Jahres 2012“). Nach seinem eigenen Wohn- und Bürogebäude, bei dem die klassische Tenne als vielseitig nutzbare Loggia wiederkehrt, hat er für seinen Bruder dieses Haus gebaut. Es steht auf einem ererbten Grundstück und ersetzt dort ein in die Jahre gekommenes, im Laufe der Zeit vernachlässigtes Bauernhaus, das sich seit Generationen in Familienbesitz befunden hat. Dieser Umstand verpflichtete die Brüder, die Baugeschichte angemessen fortzuschreiben und „nicht die Maximierung der Möglichkeiten“ als Ziel zu setzen. Deshalb lieferten weder der weiße Bungalow noch das städtische Siedlungshaus eine Vorlage für das neue Wohngebäude, sondern ein dem abgerissenen Vorgänger ähnlicher Baukörper, der sozusagen geistesverwandt einen Dialog mit der Landschaft und vorhandenen Dorfstruktur aufnimmt. Der tragende und speichernde Kern, also Innenwände und
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Erdgeschossdecke, besteht aus Sichtbeton, die Hülle aus Holzelementen mit Zellulosedämmung. Die in der richtigen Mondphase geschlagenen Stämme kommen aus dem eigenen Wald. Die über zwei Jahre währende Eigenleistung gehörte zur Qualität der Aneignung. Der kompakte Baukörper, der unter einem Dach Wohnräume, Garage und Terrassen umschließt, besitzt nach jeder Seite lediglich eine große Öffnung. Die Fassade ist mit Weißtannenbrettern verschalt. Eine Wärmepumpe mit Tiefenbohrung und eine Solaranlage sind mit der Fußbodenheizung verbunden, außerdem gehört ein großer Holzkaminofen zum Energiekonzept. Er versorgt den über die gesamte Tiefe des Hauses reichenden Wohn-/Essbereich, den die quer stehende Küche trennt. Ein kurzer Flur verbindet zu Arbeits- und Schlafzimmern. Im Untergeschoss liegen Keller- und Werkstatträume. Die Böden wurden aus Altholzdielen des Bestandsgebäudes gehobelt, hier beginnt die Ausstattung mit einer Balance aus Gesammeltem und Selbstgemachtem. Platz für alles ist in einem einfach nutzbaren Volumen. Aber, gibt der Architekt zu bedenken: „Je weniger Elemente ein Gebäude erfordert, umso gravierender ist die Entscheidung für die notwendigen.“
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Urteil der Jury
Ein einfaches, rechteckiges und mit Holzleisten überzogenes eingeschossiges Haus mit Satteldach, frei stehend auf einer Wiese in einem Vorarlberger Dorf. Ein Haus, das ein ähnliches großes Bauernhaus ersetzte, welches von der Familie des Bauherrn seit Jahrhunderten bewohnt wurde. Ein Haus wie viele andere in dieser Umgebung, in seiner urförmlichen Gestalt verwandt mit den örtlichen Scheunen und Höfen. Aber doch ganz anders. Der Baukörper ist sprachlich reduzierter, mit nur einer einzigen Öffnung auf jeder Seite, die auch noch mit Schiebetüren verschließbar ist. Auf den beiden Längsseiten befinden sich zwei eingeschnittene Terrassen, die eine dient als Vordach einer innenliegenden Doppelgarage, die andere als großzügige Loggia vor dem Wohnzimmer und den drei Schlaf- und Gästezimmern. Ein selbstverständliches, im Detail meisterhaft gefügtes Haus. „Poetische Normalität“ war der selbstgesetzte Anspruch der Architekten, der hier vollkommen erreicht wurde. Im Inneren dann eine Art „Tisch“ aus Sichtbeton, der die tragende Decke und die tragenden Wänden umfasst. Dieser Tisch nimmt als massiver Speicher die Wärme der Fußbodenheizung aus Erdwärme auf. Das Holz für die Fassade stammt aus dem nahe gelegenen Wald. Die Holzdielen auf dem Boden wurden teils wiederverwendet aus dem Bauernhaus. Alles ganz normal, und alles ganz wunderbar. Peter Cachola Schmal
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Lattwerk. Der kompakte, an ein landwirtschaftliches Ökonomiegebäude erinnernde Baukörper ist mit Weißtannenbrettern verkleidet. Lediglich eine große Öffnung mit einem Schiebeladen unterbricht die Wandfläche.
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1. PR E I S 22
Querschnitt
Maßstab M 1:200
Standort: Doren (A)
1 Zugang 2 Kochen/Essen/ Wohnen 3 Arbeiten 4 Gast 5 Schlafen 6 Bad/WC 7 Garage 8 Loggia
Anzahl der Bewohner:
2
Wohnfläche (m2):
150 5.000
Grundstücksgröße (m2):
Zusätzliche Nutzfläche: 250 m2 Bauweise: Mischbauweise, massiver Kern aus Stahlbeton, Außenwände und Dach in Holzelementbauweise Heizwärmebedarf: 20 kWh/m2a Energiestandard: Niedrigenergie Fertigstellung: 04/2014
Grundriss Erdgeschoss
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Bernardo Bader Architekten, Dornbirn (A)
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„Es ist nicht die Enthaltsamkeit, sondern die Angemessenheit, die mich begeistert.“
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Lageplan
4 Keine Angst vor großen Öffnungen. Auch Schuppen und Scheunen, die den Entwurf dieses Land-Wohnhauses beeinflusst haben, besitzen große Tore.
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EINZELSTÜCK VON
pedevilla architects in Mühlen in Taufers (I)
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A N E R K E N N U NG 26
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Die Böden in den Nassbereichen sind mit Passeirer Gneis im Römischen Verband, also mit scheinbar unregelmäßigem Grundmuster belegt.
2 Der Essplatz liegt auf der Eingangsebene, er wird dominiert von einer helmförmigen Hängeleuchte aus getriebener Schmiedebronze. Leuchtmittel und Glühdraht werden von der Metallschale reflektiert.
D
ieses Haus am Ausgang des Mühlwalder Tals auf 862 Metern Höhe kommt ohne folkloristischen Stallgeruch aus. Es fügt sich wie ein abstrakter weißer Monolith in die Landschaft, zeigt jedoch gleichzeitig die elegante Ruhe der Herrenhäuser, wie sie in Südtirol seit Jahrhunderten gebaut wurden. Seine Dachform macht die in die Höhe strebenden Raumfolgen ablesbar, die quadratischen Öffnungen fixieren signifikante Punkte in den nahen Bergen. Erschlossen wird das Gebäude über die eingeschnittene Garagenrampe und ein hölzernes Portal an der Ostseite. Gleich am Eingang erkennt man die vertrackte Geometrie der halbstöckig versetzten, korrespondierenden Ebenen. Nach unten führen Stufen an der Gästetoilette vorbei zur Garage, dort schließt eine Treppe zum Keller an; auf dem Eingangsniveau findet man Küche und Essplatz, überragt von einer offenen Wohnempore, die im rückwärtigen Teil vom Dach über einen Lichtschacht erhellt wird. Hier schließt eine neue Treppe an, die seitlich von einem weiteren Lichtgraben begleitet wird. Erst liegt ein Schlafzimmer, dann
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ein Gästezimmer am Weg nach oben, Letzteres reicht bereits bis unter das Dach, wo schließlich über der Treppe noch eine weitere Wohngalerie folgt. Beim Ausbau wurde großer Wert auf handwerkliche Qualität und ortstypische Materialien gelegt, um eine hohe regionale Wertschöpfung zu erreichen. Sumpfkalk, Marmorsande und Erdpigmente ergeben einen warm anmutenden Putz, der auf die Hochlochziegelwände gespachtelt und glatt gezogen wurde. Damit harmoniert das handgehobelte Ulmenholz, aus dem Fenster, Türen, Böden, Treppen und Möbel gefertigt sind. Das Holz wurde vom Schreiner gekauft und aus den Stämmen geschnitten. Das Eingangsportal bearbeitete ein Grödner Holzschnitzer. Eine Besonderheit sind die im Römischen Verband verlegten Natursteinplatten aus Passeirer Gneis, der von Feldspat, Quarz und Glimmer leuchtet. Die kunstvolle Ausstattung wird vervollständigt durch handgefertigte Möbelgriffe, Türklopfer und Geländer aus Schmiedebronze, selbst die Leuchtenschirme wurden vom Schlosser aus Platten getrieben.
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Urteil der Jury
Schon im letzten Jahr hatten Pedevilla Architekten mit ihrem Haus in Enneberg bewiesen, dass sie es hervorragend verstehen, die Baukultur eines Orts mit sorgfältiger handwerklicher Detaillierung in ein zeitgenössisches, nachhaltiges Wohngebäude zu übertragen, wo „Tradition und Moderne eine kontemplative Einheit bilden“ („Häuser des Jahres 2014“). Dieses Haus zeigt abermals, dass sich eine herbe Ordnung mit hochqualifiziertem Handwerk zu einer werthaltigen Architektur verbinden lässt. Zur Nachhaltigkeit gehören nicht in erster Linie technische Energiesparapparaturen und aufgeklebte Dämmpakete, sondern eine solide Architektur, die ein langfristiges Bleiben in würdig alternden Räumen gestattet. Dass es sich dabei keineswegs um ein braves Stapeln langweiliger Zimmer handeln muss, sondern um die raffinierte, erlebnishungrige Eroberung eines Baukörpers, zeigt dieses Haus, das zudem zu erstaunlich günstigen Kosten errichtet wurde. Von außen glaubt man, das Haus steht, wartet und weiß, welche Qualität es im Inneren zu bieten hat. Arndt Papenfuß
3 Das Haus am Mühlbach öffnet sich mit seinen unregelmäßig verteilten quadratischen Fenstern dorthin, wo es in der aufragenden Berglandschaft etwas zu sehen gibt.
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Der Callwey Award „Häuser des Jahres“ kürt jedes Jahr die besten und interessantesten Einfamilienhäuser. So unterschiedlich ihre Materialität, Gebäudeform und Lage, so verschieden das Budget sowie Anzahl und Anspruch der Bewohner auch sein mag – eines haben alle in diesem Buch vorgestellten Häuser gemeinsam: eine herausragende architektonische Qualität. Diese Vielfalt verdeutlicht, dass im Dialog zwischen Architekt und Bauherrschaft das ganz individuelle Traumhaus, unabhängig von Baukosten und Größe, entstehen kann. Die 50 schönsten Einfamilienhäuser aus dem Wettbewerb „Häuser des Jahres“ 2015
Kurzweilige Erläute rungstexte, großformatige Bilder, detaillierte Pläne und Architektenzitate zu jedem Projekt
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ISBN 978-3-7667-2166-2
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