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Garten und Landschaft 06 2011

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Juni 2011

Garten+

Landschaft Zeitschrift f端r Landschaftsarchitektur

Gartenschauen 2011


Inhalt 6/2011

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Verlag: Callwey Verlag Streitfeldstraße 35 D-81673 München Fon +49 89 /43 60 05-0 Fax +49 89/43 60 05-113 www.garten-landschaft.de

121. Jahrgang

Für die Zukunft gestalten. Garten + Landschaft

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Die Hupfdohlen und das Murmeltier Robert Schäfer

Journal

4

Auf zu neuen Ufern in Berlin Susanne Isabel Kröger Yacoub Wettbewerb Europacity/Heidestraße und Nordhafen entschieden

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Konstruktive Botschaften in den Gärten der Welt Susanne Isabel Kröger Yacoub Christlicher Garten in Berlin-Marzahn eröffnet

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Das Dazwischen als Objekt Thomas Jakob Europäischer Architekturfotografie-Preis 2011 verliehen

5 relais Landschaftsarchitekten thematisieren im Ende April in Berlin eröffneten Christlichen Garten die christliche Kultur anhand von Zitaten.

Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e.V. (DGGL) Wartburgstraße 42 10823 Berlin www.dggl.org

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Editorial

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6 Das „Dazwischen“ stand im Fokus des Europäischen Architekturfotografie-Preises. Im Bild: Leere nach dem Boom in Detroit von Dawin Meckel.

8 Eine Gestaltung als Gartenkunst einzuordnen ist gar nicht so einfach. Im Bild die Kreisgärten in Wolfsburg von Topotek 1.


Gartenschauen 2011 8

Ein Hochfest der Gartenkunst Thilo Folkerts Gedanken zu Schauwert und Kunst bei aktueller Gartengestaltung

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… bringt der Mittelweg den Tod! Jürgen Milchert Dringender Reformbedarf beim Planungsinstrument Gartenschau

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Darum ist es am Rhein so schön Thomas Jakob Die Bundesgartenschau in Koblenz

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Nordisches Gartenschauspiel in drei Akten Ljubica Heinsen Die schleswig-holsteinische Landesgartenschau in Norderstedt

24

Stell dir vor, dies sei eine Gartenschau! Robert Schäfer Landesgartenschau Ansfelden in Oberösterreich

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Urban Design Projekt Produkte

46 48

GaLaBau Praxis Recht Produkte

50 52

Nachrichten Campus Personen Termine Wettbewerbe DGGL Nachrichten Autoren, Vorschau, Nachtrag, Impressum

42 44 44 54 55 58 64 64

Neues Gärtnern am Main Juliane Schneegans Natur in Kitzingen – Kleine Gartenschau in Franken

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Stadtreparatürchen am Neckar Thomas Jakob „Neckarblühen“ – das Grünprojekt in Horb

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Wenn der Vorhang fällt: Was bleibt von Gartenschauen? Imma Schmidt Über den nachhaltigen Nutzen der Gartenschauen für die Städte

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Gartenschauen – Rückblick und Perspektive Sibylle Eßer Bundesgartenschauen bleiben ein wichtiges Stadtplanungsinstrument

38

Ideen für den Ort Sieben Landschaftsarchitekten über den Ursprung ihrer Inspirationen

16 Eine Seilbahn fährt die Besucher der Bundesgartenschau in Koblenz vom Schloss und vom Rheinufer auf das Plateau Ehrenbreitstein.

21 Das Berliner Büro Kiefer ließ sich für die Norderstedter Landesgartenschau von den See-, Feld- und Waldstrukturen leiten.

26 Als Gartenstadt am Main präsentiert sich Kitzingen. Der Entwurf für die kleine bayerische Gartenschau stammt vom Berliner Büro sinai.

Bilder: relais Landschaftsarchitekten, architekturbild. Europäischer Architekturfotografie-Preis 2011, Hanns Joosten, Bundesgartenschau Koblenz 2001 GmbH, Landesgartenschau Norderstedt 2011 gGmbH, Natur in Kitzingen 2011 GmbH/Beatrix Dargel Titel: Oberösterreichische Landesgartenschau Ansfelden, Robert Schäfer

Garten + Landschaft

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Ein Hochfest der Gartenkunst

Eine Gestaltung als Gartenkunst einzuordnen fällt schwer. Schon das Wort verbindet zwei Begriffe, die für sich nicht immer eindeutig zu belegen sind. An einigen Beispielen moderner Garteninterpretationen lässt sich aber zeigen,

Hanns Joosten

wie Garten, Kunst und Gartenschau erfolgreich vereint werden können.

Thilo Folkerts

Thilo Folkerts (2)

Der Blick durch Glasprismen verdichtet für den Betrachter das Erleben des Gartens. „The Blind Pavilion“ war Olafur Eliassons Beitrag zum Gartengesamtkunstwerk Potsdamer Kulturlandschaft auf der Berliner Pfaueninsel 2010.

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Verlangt die alljährliche deutsche Gartenschausaison nicht geradezu danach, sich nach dem aktuellen Stand der Gartenkunst umzusehen? Aber was wäre in diesem Kontext mit Gartenkunst gemeint? Zunächst einmal hat diese ja gar keine untrennbar gemeinsame Geschichte mit den deutschen Gartenschauen, obwohl deren Wurzeln als gärtnerische Leistungsschauen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreichen. Gartenkunst ließe sich auf einer Gartenschau prinzipiell an zwei Stellen suchen. Zum einen – als erweiterter Gartenkunstbegriff – in den neuen oder aufgewerteten Parkanlagen, Grünverbindungen, Quartiersbegrünungen und strategischen Freiraumprogrammen, die im Rahmen der Großveranstaltung erstellt werden: Die Gartenschau fungiert – im besten Fall – als Katalysator „großer“ Gartenkunst. Regelmäßiger findet sich dem Gartenbegriff verpflichtete Gestaltung als Schaubeitrag im Rahmen von Sonderausstellungen oder als Themengarten.


Eine begehbare Spiegelskulptur in den „Kreisgärten“ von Topotek 1 versetzte 2004 auf der Landesgartenschau Wolfsburg den historischen Landschaftsgarten in die Gegenwart.

Gartenkunst ist zunächst ein kunstwissenschaftlich belegter Begriff, der im Rahmen der Gartenkunstgeschichte einzelne historische Anlagen oder Epochen kanonisiert. Darüber hinaus franst der Begriff in viele Richtungen aus. Bevor ich mich deshalb ohne Aussicht auf Erfolg an der Begriffsklärung einer zeitgenössischen Gartenkunst versuche, möchte ich das offene Feld nutzen, eine persönliche Auswahl von Projekten vorzustellen, die sich – zumeist als Schaustücke – explizit auf den Garten als Ort, Prinzip oder Genre beziehen. Der Garten wäre dort ein kulturell verdichteter Binnenraum des Freiraums und der Landschaftsarchitektur; die Gartenkunst wäre sein Machen, sein Werden und seine Gestaltung. Zwei ältere Projekte sind hier besonders nennenswert, an denen sich die Begriffslinien von Garten, Kunst und Gartenschau kreuzen. Da ist zum einen die Zusammenschau des Gartens mit der bildenden Kunst, zu der sich der

Architekt und Gestalter Arnold Bode sowie der Landschaftsarchitekt Hermann Mattern bei der Bundesgartenschau 1955 in Kassel entschlossen hatten. Die documenta, nach wie vor eine der wichtigsten internationalen Kunstveranstaltungen, wurde zunächst als Beiprogramm zur Gartenschau gegründet. Vier Jahre später bildete auf der Züricher Gartenschau G59 eine Erdskulptur den temporären Ausstellungsgarten „Garten des Poeten“ von Ernst Cramer: für den gärtnerischen Berufsstand eine avantgardistische Verschneidung des Gartens mit künstlerischen Ausdrucksformen. 2004 ging Topotek 1 auf der Landesgartenschau in der Volkswagenstadt Wolfsburg keine Kreation ex novo an, sondern eine direkte Reflexion der Gartenkunstgeschichte. Die begehbare, blechhautige Spiegelung der Gartenwände in den „Kreisgärten“ versetzte den umgebenden historischen Landschaftsgarten in die Gegenwart. Basierend auf dem Motiv

des Lorrain’schen Claude-Spiegels aus dem 18. Jahrhundert, der kupferfarbene Landschaftsbilder generierte, machten die reflektierenden Gartenobjekte das 1:1-Modell einer zeitgenössischen Landschaftsspiegelung wie im Hochglanzlack der Automobile erfahrbar. Die Wahrnehmung des Raums als Garten Ein wichtiges Bindeglied zwischen Außenraum und bildender Kunst ist der in Berlin lebende Künstler Olafur Eliasson. Er stellt Landschaft aus. In seinen Arbeiten ermöglicht Eliasson dem Betrachter einen spielerischen Zugang zu dessen eigener Raum- und Bedeutungswahrnehmung des umgebenden Raums. Im „Weather Project“ (2003) in der Londoner Tate Modern Gallery spielte wiederum der Spiegel eine Rolle. In der fast landschaftlich dimensionierten ehemaligen Turbinenhalle wurde der Raum mit einer Spiegelfolie verdoppelt und mit warmem, gelbem Lichtnebel atmosphärisch verdichtet: ein Garten + Landschaft

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Darum ist es am Rhein so schön Der Rhein, ein Schloss, eine Festung und eine Seilbahn – Besucherherz, was willst du mehr. Mit einer komplett neu gestalteten Uferpromenade, einem autobefreiten Deutschen Eck und dem wiederentdeckten Umfeld des Kurfürstlichen Schlosses haben die Koblenzer durch die Bundesgartenschau zudem ihre wichtigsten Freiräume zurückerhalten, die in der Vergangenheit stark verwahrlost waren.

Thomas Jakob Koblenz hat ein Problem mit den Touristen. Nicht, dass sie nicht an die Stadt am Zusammenfluss von Mosel und Rhein kämen. Das Problem der 106 000-Einwohner-Stadt ist, dass sie nur selten über Nacht bleiben. Koblenz, das war und ist für die meisten Besucher das Deutsche Eck, jene aufgeschüttete Landzunge an der Mündung der Mosel in den Rhein, auf der ein monumentales Reiterstandbild des Deutschen Kaisers Wilhelm I. steht. Das Deutsche Eck gehört zum Standard-Besuchsrepertoire aller Rheintouristen, gleichgültig ob sie mit dem Bus, dem Auto oder dem Schiff kommen. Länger als eine Stunde weilen sie dort aber nicht, dann geht es weiter zur Loreley oder auf den Drachenfels nach Königswinter. Da werten es die ört­ lichen Tourismusmanager schon als Erfolg, wenn aus Stundenbesuchern Tagestouristen werden. Die Bundesgartenschau soll nun dabei helfen, die Touristen lzu einem längeren Aufenthalt zu bewegen. Die Buga ist die erste in Rheinland-Pfalz, wie überall stolz angemerkt wird. Eigentlich hatte sich die Stadt 2001/ 2002 für die Gartenschau in den Jahren 2013 oder 2015 beworben. Nachdem dafür aber Hamburg und Heilbronn ausgewählt wurden und Duisburg seine Zusage für das Jahr 2011 zurückgezogen hatte, erhielt Koblenz im Januar 2004 den Zuschlag vom Zen­tralverband Gartenbau für die Ausrichtung 2011. Im Frühjahr 2004 sprach sich die Stadt grundsätzlich für die Ausrichtung aus und nachdem das Land Zuschüsse in Aussicht gestellt 16

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hatte, beschloss der Stadtrat Ende Januar 2005 die endgültige Zusage. Den Ideen- und Realisierungswettbewerb für das Gesamtkonzept gewannen RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten aus Bonn mit dem Koblenzer Architekten Alexander von Canal und dem Tragwerksplaner Mike Schlaich von Schlaich Bergermann und Partner aus Berlin. Die Flächen der Buga verteilen sich auf Orte des historischen Erbes der Stadt: das Kurfürstliche Schloss, der Blumenhof zwischen Kastorkirche und Deutschem Eck und die Festung Ehrenbreitstein auf der rechten Rheinseite. Dort befinden sich die Ausstellungen und die gärtnerischen Leistungsschauen. Am wichtigsten für die Stadt ist das komplett neu gestaltete Rheinufer, der zentrale Freiraum der Stadt; dort legen die Rheinschiffe an, dort zieht es die Menschen ans Wasser. Zeitreise aus den Schlaglöchern Allerdings war diese Visitenkarte ziemlich in die Jahre gekommen: ein löchriger Belag mit Waschbetonplatten aus den 1970er-Jahren, der Verhau an Imbissbuden, Ticketschalter und Mobiliar und nur wenige Verbindungen in die Innenstadt. Ein Zustand, der übrigens nicht nur für Koblenz gilt. Wer einmal mit dem Fahrrad den Rhein entlang von Bad Kreuznach nach Bonn fährt, der kommt durch zahlreiche Orte, die mehr schlecht als recht von ihrem Ruf als Urlaubsdestination der 60er- und 70er-Jahre zehren. Verändert hat sich dort kaum etwas: die sensationelle Land-

schaft nicht, aber auch nicht die Qualität der touristischen Infrastruktur und der Freiräume. Insofern hat Koblenz einen Sprung um 40 Jahre nach vorne gemacht, zumindest was die Freiräume angeht. Zunächst verbannte Stephan Lenzen Autos und Busse aus den Uferbereichen. Statt Parkplätzen gibt es nun eine Grünanlage am Deutschen Eck. Dann gliederte er den Rheinboulevard in drei Promenadenabschnitte. Die obere, der Stadt zugewandte Promenade, ist Teil des Fernradwegs. Da sich die Stadt vorbehält, dort künftig eventuell Linienbusse fahren zu lassen, ist dieser Teil auf hohe Belastungen ausgelegt. Im mittleren Promenadenbereich wachsen die alten Platanen; dort befinden sich auch die Kassen- und Warte­zonen der Schiffsanleger. Kioske und Kassenhäuschen erhielten ein einheitliches Erscheinungsbild und wurden nach Möglichkeit zusammengefasst. Sowohl dieser Bereich, als auch die untere Promenade sind den Fußgängern vorbehalten. Fahrradfahrer müssen dort absteigen. Die untere Promenade haben die Besucher noch nicht entdeckt. Sie verläuft direkt am Rhein. „Wenn es im Sommer richtig heiß wird, werden die Menschen den unteren Teil schätzen lernen“, sagt Stephan Lenzen. Auch die historische Ufermauer wurde saniert und die Ver- und Entsorgung der Schiffsanleger neu geplant. Damit ist die Rheinprome­ nade nun auch aus technischer Sicht zukunftsfähig aufgestellt. Was dem Besucher kaum auffallen wird, dem Fachmann aber schon: Die Details der Promenade sind herausragend


Thomas Jakob (6)

RMP Landschaftsarchitekten entr端mpelten die Rheinuferpromenade und verpassten ihr einen komplett neuen Belag. Ob die Seilbahn 端ber das Jahr 2012 hinaus betrieben wird steht noch nicht fest.

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Wenn der Vorhang fällt: Was bleibt von Gartenschauen? Schon seit über 100 Jahren gibt es Gartenschauen in Deutschland. Jedes Jahr ziehen sie Millionen Besucher an. Es stellt sich aber die Frage, welche langfristigen und nachhaltigen Effekte sie den Städten und Kommunen bringen. Einige Beispiele von Bundes- und Landesgartenschauen der vergangenen Jahrzehnte zeigen, wie Gartenausstellungen helfen können, stadtplanerische Aufgaben anzugehen.

Imma Schmidt Sind Gartenschauen heute, 114 Jahre nach der ersten „richtigen“ Gartenschau 1897 in Hamburg, noch zeitgemäß? Entscheidend ist für Heinrich Sperling, Geschäftsführer von bisher zehn Gartenschauen und Mitorganisator des deutschen Beitrags zur Floriade 2012 im niederländischen Venlo: „Gartenschauen verändern etwas in den Köpfen. Grün wird wichtig, bei jedem Einzelnen und politisch. Das ist das eigentlich Nachhaltige an diesem Instrument. An Gartenschau-Orten ist immer ein neues Bewusstsein für den Wert und die Notwendigkeit kommunalen Grüns gewachsen“, sagt Sperling. „Ich habe noch in keiner Kommune von Bürgern oder Politikern gehört ‚Das würden wir nie wieder machen‘. Das Gegenteil ist der Fall.“ An Besuchern mangelt es den Gartenschauen jedenfalls nicht. Allein im Jahr 2010 besuchten knapp sechs Millionen Gäste die sechs Landesgartenschauen. Welchen bleibenden Wert aber haben Gartenschauen für die Städte? Strukturell? Gartenkünstlerisch oder städtebaulich? Ist es angemessen, neben den Schaueffekten für das breite Publikum und der Leistungs32

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schau der Verbände und Hobbygärtner den beachtlichen Aufwand und viel Geld auf ein einziges Gelände zu konzentrieren? Oder wäre es vielleicht sinnvoller, sich den langfristigen Zielen einer nachhaltigen Stadtentwicklung zu verschreiben und Strategien gegen hohe Temperaturen (Klimaveränderung) zu entwickeln, die Reduzierung der Feinstaubbelastung zu forcieren und Frischluftkorridore, Schattenräume sowie wohnungsnahe Freiräume zu schaffen? Vergleichende Untersuchungen zwischen klassischen Gartenschau- und dezentralen Konzepten – Stadt A, Budget Gartenschau und Stadt B, Budget dezentrale Stadtgrünentwicklung – hat meines Wissens bislang niemand angestellt. Die notwendigen Parameter wären auch schwer isoliert zu ermitteln. Vielmehr wird heute sowieso von jeder Kommune und jedem Kreis erwartet, eine zeitgemäße Grünordnungs- und Stadtentwicklungspolitik zu betreiben. Außerdem werden Gartenschauen nach den Kriterien der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft oder den Richt­linien der Fördergesellschaft des jeweiligen Bundeslandes verge-

ben. In der Regel enthält also schon die erforder­liche Machbarkeitsstudie über den Alltag grünordnerischen Handelns hinaus­ gehende Fragen des zu verändernden Standorts. Selbst dort, wo die Durchführung einer Gartenschau umstritten war, selbst jene, die einen finanziellen Verlust hinnehmen mussten, bezeugen im Anschluss sehr oft Sinn und nachhaltige Effekte. Nach der Schau ist nicht Schluss Beispiele für die langfristige Wirkung von Gartenschauen gibt es einige. Die Stadt Hannover hat nicht 1951 in die erste Bundesgartenschau nach dem Krieg investiert, den heute noch hochattraktiven Stadtgarten gebaut und danach die Hände in den Schoß gelegt. Klimaschutz, dezentrale und vielseitige Grünentwicklung und eine engagierte städtische Umweltpolitik sind durchaus Teil städtischen Handelns und auch der Haushaltpolitik. Das gilt auch für die Bundesgartenschauen 1979 und 1985 in Bonn und Düsseldorf sowie für Krefeld und Mönchengladbach als Teil der Dezentralen Landesgartenschau Düsseldorf/Mittlerer Niederrhein 2002.


Park um Burg Linn, Krefeld

Für die Dezentrale Landesgartenschau Düsseldorf/Mittlerer Niederrhein 2002 wurden sieben historische Gärten saniert, darunter der Greiffenhorstpark in Krefeld und der Park um Burg Linn.

Stadt Krefeld, Almuth Spelberg (3)

Greiffenhorstpark, Krefeld

Jagdschloss im Greiffenhorstpark, Krefeld

Imma Schmidt

Das Büro Hansjakob aus München schuf zur Bundesgartenschau 1979 in Bonn einen zeitlos modernen Landschaftspark, der den historischen Volksgarten Gronau integrierte. Zwischen dem Bonner Stadtteil Gronau und dem Bad Godesberger Stadtteil Plittersdorf wuchs einst ein Auwald, der durch die intensive Schiffbarmachung des Rheins gelitten hatte. Nachdem Bonn Ende der 1960er-Jahre zur Hauptstadt ausgebaut wurde, sollte auf dem etwa 200 Hektar großen Areal der Rheinaue ein repräsentatives Regierungsviertel entstehen. Durch den Zusammenschluss von Bonn, Bad Godesberg, Beuel und des Amtes Duisdorf (Hardtberg) im Jahre 1969 wurden diese Flächen zum Zentrum der neuen Stadt. Um die Grünräume als Naherholungsgebiet zu retten, bewarb sich die Stadt Bonn um die Bundesgartenschau 1979. Die Rheinaue wurde zu einem Landschaftspark des 20. Jahrhunderts gestaltet, der sich fast nahtlos in die neue Stadtstruktur und

Heckengärten Südpark, Düsseldorf

Mit 72 Hektar ist der Düsseldorfer Südpark nicht nur die größte, sondern auch die beliebteste Grün­ fläche der Stadt. Zudem dient der Park als wichtige Frischluftschneise.

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