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Eiselin/ Frommberg / Gutzmer, Faszination Flughafen

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Faszination Flughafen Die schรถnsten Airports und ihre Geschichten Stefan Eiselin

Laura Frommberg

TXL CPH RAK SZX WLG ROS XXX *

Dies ist eine Leseprobe

Alexander Gutzmer

MAD MUC STN ILD SDU DCY BOM

JED JFK LED MVD KIX 90 NM CDG

Alle Rechte vorbehalten. Kontaktieren Sie uns, falls Sie das PDF weiter verwenden mรถchten: info@callwey.de


VORWORT

IKONEN UND IDENTITÄTEN: FLUGHÄFEN, KATHEDRALEN DES MOBILEN Es gibt diese Momente, da kommen Menschen gegen alle Wahrscheinlichkeiten zueinander. Stellen wir uns vor, es ist halb acht Uhr abends, wir befinden uns an einem dieser formlosen Provinzflughäfen irgendwo in Deutschland. Nur noch eine Maschine geht. Und nur wenige Menschen, meist männlich, in mäßig sitzenden Anzügen, wollen diese nehmen. Noch aber warten sie, die Blicke auf ein leeres Rollfeld und die ebenso leere Landschaft dahinter gerichtet. Und dann kommen sie eben ins Reden, beim Bier und miesem Sandwich. Sie berichten vom Tag, werden grundsätzlich, geraten ins Philosophieren. Und 4

formieren auf diese Weise eine spontane, situative, natürlich schnell wieder aufgelöste Gemeinschaft. Es ist die Gemeinschaft der Mobilen. Eine Schicksals-Community mit dem Flughafen als heiligem Ort. Als Ankerpunkt. Der Flughafen als Ankerpunkt kann als Leitmotiv dieses Buches gelten. Es geht dabei, natürlich, nicht um die erwähnten Provinzflughäfen. Sondern um ihr glamouröses Gegenteil: die besten Flughäfen der Welt. Die schönsten, bemerkenswertesten, effizientesten. Denn sie sind natürlich umso mehr Ankerpunkte. Für die Mobilitätsströme des Kapita­ lismus. Für die Emotionen der Rei-

senden oder derer, die sie abholen. Für den Lebensstil der mobilen BusinessElite, die Morgen für Morgen zu den Gates und Gestaden des selbst gewählten Dauerstresses pilgert. Flughafen und Business-Traveller – sehr eng gehören sie zusammen, dieses magische Paar einer hypermobilen, auch hypernervösen Welt. Der eine macht den anderen erst komplett. Unzählige Filme haben dieses Duo inszeniert und ironisiert. Die vielleicht schönste Persiflage wird ihm aber in einem Popsong zuteil – in dem 2004 veröffentlichten Titel »Come home Billy Bird« der Band »The Divine Comedy«. Billy Bird, jener »international busi-

ness traveller«, hetzt da von Flughafen zu Flughafen, nur um endlich mal anzukommen in einem vage bleibenden Zuhause. Der Flughafen ist für ihn eine Aneinanderreihung von Problemen, logistischer Horrorparcours auf dem Weg ins Irgendwo. Genau diese Darstellung aber wird unserer Flughafenerfahrung nicht gerecht. Der Flughafen ist nicht primär Problemlaufsteg, sondern vor allem ein Ort der intensivierten Erfahrung. Hier beginnen unsere Reisen in die Welt und ins Selbst. Hier halten wir noch mal kurz inne, ehe wir zu neuen Horizonten aufbrechen. Diese Grenzerfahrung braucht einen starken Ort, braucht auch eine aus-


dann weiterzufliegen. Mal wieder. Die Bildstärke der Flughäfen in diesem Buch hat mit ihrer emotionalen Funk­ tion zu tun, aber auch mit ihrer Form. Flughäfen unterliegen natürlich strukturell-typologisch klaren Einschränkungen. Sie sind von Landebahnen umgeben und müssen viel Bewegung bewältigen. Aber sie haben in ihrer Formfindung auch große Freiheitsgrade. In Berlin-Tegel etwa haben die damals jungen Architekten von Gerkan, Marg und Partner eine Formensprache gefunden, die eindrücklich war und an der sich Flughafenbauer bis heute orientieren. Sie haben, wie man heute sagt, eine Ikone geschaffen.

Doch die Ikonen­ haftigkeit von Flughäfen wirft auch Fragen auf. Der Londoner Kulturwissenschaftler Leslie Sklair verweist auf die Beziehung zwischen dem ikonischen Charakter von Gebäuden und ihrer Stellung in der Gesellschaft. Ikonen stellen Orte der Verbindung dar, doch sie trennen auch. Sklair schreibt in der Zeitschrift »Theory, Culture and Society«: »Iconicity plays a central role in promoting the cultureideology of consumerism in the in­terests of those who control capitalist globalization«. Die Ikone im Dienste des Kapitalismus – das kann man so sehen. Und natürlich sind gerade Flughäfen eminent

kapitalfreudige Orte. Auch Architekten beklagen ja gerne, dass ihre Flughafen-Schöpfungen zu Shoppingmalls verkommen. Doch letztlich sind sie, auch heute, mehr als das. Flughäfen wie jene in diesem Buch schaffen Räume, die trotz einer Überflutung durch zahllose Shops ihren eigenen Charakter bewahren. Orte, die Identität schaffen und ihre eigene Identität bewahren. Die die Magie des Fliegens spiegeln und steigern. Und die der Erfahrung der Enge, die uns in Flugzeugen umfasst, ein Gefühl von Weite, Dynamik, Großzügigkeit – und Menschenfreundlichkeit entgegensetzen. Alexander Gutzmer 5

VORWORT

drucksstarke Architektur, um zu wirken. Diese Architektur stellen Flughäfen dar – vor allem jene, die wir in diesem Buch versammeln. An diesen Airports werden Bilder geschaffen, die uns im Gedächtnis haften bleiben. Bauten wie dem für seine Deckenkonstruktionen berühmten Madrider Flughafen Barajas oder Norman Fosters gläsern-elegantem Stansted Airport im Norden Londons gelingt diese Bilderproduktion. Mir selbst will die selbst­bewusste Präsenz Stansteds nicht mehr aus dem Kopf, seit eine gehetzte Fahrt durch das verstopfte London dort ihren Abschluss fand. Angekommen, um kurz zu verharren – und


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1 WLG Neuseeland S. 10

15 MAD Spanien S. 128

2 KIX Japan S. 18

16 RAK Marokko S. 136

3 SZX China S. 28

17 SDU Brasilien S. 142

4 DCY Tibet S. 36

18 MVD Uruguay S. 150

5 BOM Indien S. 42

19 ROS Argentinien S. 156

6 XXX* GEORGIEN S. 52

20 JFK USA S. 164

7 JED Saudi-Arabien S. 60

21 90NM USA S. 172

8 LED Russland S. 66

UMNUTZUNG S. 182

9 TXL Deutschland S. 74

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10 CPH Dänemark S. 84

UTOPIEN S. 186 IMPRESSUM S. 192

11 MUC Deutschland S. 90 12 CDG Frankreich S. 102 1

13 STN Großbritanien S. 116 14 ILD Spanien S. 122

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FLUGHÄFEN, KNOTENPUNKTE DER MOBILEN GESELLSCHAFT

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WELLINGTON INTERNATIONAL AIRPORT

von Pacific Studio Architects, Warren and Mahoney

Wellington NEUSEELAND

41째 174째 CET 19' 48' + 38" 19" 12 S O


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Wer am Flughafen in Wellington landet, kommt automatisch irgendwo mit Gollum, Bilbo Beutlin oder Frodo in Kontakt. Immerhin wurde in Neuseeland die berühmte Trilogie »Der Herr der Ringe« verfilmt. Doch die Architektur des Flughafens wurde von einer viel älteren Sage inspiriert.

V Vor langer, langer Zeit, als alle Kreaturen der Erde friedlich nebeneinander existierten, lebten die beiden Seeungeheuer Ngake und Whātaitai. Ngake war abenteuerlustig und jagte im See nach Fischen, Whātaitai gab sich lieber Tagträumen hin. Je größer die beiden wurden, desto kleiner kam ihnen ihr See vor. Whātaitai machte das nichts aus. Ngake litt jedoch darunter. Die Seevögel, die ihn gelegentlich besuchten, berichteten ihm von dem wilden, unendlich großen Gewässer. Ngake wusste: Er muss dorthin. Eines Tages formte er seinen massiven Schweif wie eine Sprungfeder und katapultierte sich in Richtung Ozean. Bei seiner Landung zerstörte er das Gebirge, das ihn vom Meer getrennt hatte und kreierte die gefährlichen Felsen, die viele Zeitalter später alle Seemänner, die über die Cook-Straße in den Hafen von Wellington einfuhren, das Fürchten lehrten. Diese Legende inspirierte die Architekten von Studio Pacific Architecture und Warren and Mahoney, als sie sich an die Erneuerung des Flughafens Wellington machten. Sie erschufen »The Rock«, ein Gebäude, das von außen aussehen soll wie die gefährlichen Felsen, die Ngake bei seinem Sprung geschaffen hatte. Eröffnet wurde das Terminal 2010. Kunstvoll gearbeitete Kupferplatten erzeugen an der Fas-

sade die wilde, eckige Struktur der drei Felsen. Das Material soll das Licht reflektieren wie Wasser auf Steinen – und mit der Zeit eine eigene wilde Farbentwicklung vollziehen. Im Inneren spiegelt »The Rock« die warme, aber wilde Persönlichkeit der Neuseeländer wider. Gemeistert haben die Architekten das mit einer durchdachten Materialauswahl sowie klug platzierten Oberlichtern, die gezielt Licht ins Terminal fallen lassen. Viel Holz und geschickt aufgeteilte Räume geben ein Gefühl von Freiheit, aber auch von Geborgenheit – genau das, was ein internationaler Flughafen vermitteln sollte. Zudem vermieden es die Macher wann immer möglich, Treppen oder Rolltreppen zu bauen und setzten stattdessen Rampen zur Überwindung von Steigungen ein. Fragen Sie sich, was aus Whātaitai wurde, dessen Bruder so heldenhaft die Cook-Straße geschaffen hat? Für ihn gab es kein Happy End: Whātaitai war beeindruckt und ängstlich zugleich, als er sah, was für einen Schaden Ngake angerichtet hatte. Als auch er ausbrechen wollte, reichte seine Kraft nicht mehr aus. Er landete zwar in der Seestraße, sank jedoch auf den Grund und blieb gefangen, bis er eines Tages nach einem starken Erdbeben auf dem Trockenen landete. Sein Körper wurde zu Stein und zu einem Teil des wilden Gebirges, das die Landschaft in Neuseeland so einzigartig macht.

BOARDINGPASS: PASSAGIERAUFKOMMEN 5,4 Millionen START- UND LANDEBAHNEN 1 A380-KOMPATIBEL Nein ERÖFFNUNG 1959 ENTFERNUNG ZUM STADTZENTRUM 5 Kilometer INSIDER-TIPP Auf den Spuren von Ngake wandeln und ein Bier in der CookStrait-Bar trinken COOLSTES MITBRINGSEL Herr der Ringe-Souvenir – immerhin nennt Wellington sich »die Mitte von Mittelerde«

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FELSEN DER MODERNE

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WELLINGTON INTERNATIONAL AIRPORT

von Pacific Studio Architects, Warren and Mahoney

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Querschnitt

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KANSAI INTERNATIONAL AIRPORT

von Renzo Piano Building Workshop

Osaka JAPAN

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Was tun, wenn keine Kommune bereit ist, einen neuen Großflughafen auf ihrem Gebiet zu bauen? Man verlegt diesen ins Meer. Der Kansai International Airport war ein Pionierwerk für das Bauen im Wasser.

D Der Kansai International Airport hat etwas, wovon viele Flughäfen nur träumen können, vor allem in Europa – am größten Flughafen Osakas starten und landen Flugzeuge rund um die Uhr und niemand stößt sich daran. Der Grund: Er liegt fünf Kilometer vor der Küste, die An- und Abflüge führen daher über unbewohntes Gebiet. Der 24-Stunden-Betrieb hat seinen Ursprung in einer ausweglosen Situation. Der alte Flughafen – der Osaka Itami International Airport – liegt in einem dicht besiedelten Vorortquartier der japanischen Millionenstadt, weshalb ein Ausbau unmöglich war. Dabei wünschte sich die Stadtregierung Ende der 1960er-Jahre nichts dringender, als einen leistungsfähigeren Flughafen. Mit mehr internationalen Verbindungen hoffte sie, den immer größer werdenden wirtschaftlichen Abstand zur Metropole Tokio verringern zu können. Nachdem auch die nahe gelegene Stadt Kobe keinen neuen Airport wollte, kam die Idee auf, ihn in die Bucht von Osaka zu verlegen. Bis zum Bau dauerte es jedoch noch. Erst 1986 waren alle erforderlichen Papiere eingeholt – und vor allem auch die Fischer der Region entschädigt. Das Vorhaben war gigantisch. Zuerst musste in der Bucht eine Kaimauer um den künftigen Flughafen errichtet werden. Dafür wurden 48.000 Felsblöcke per

Lastschiff zur Baustelle transportiert. Danach wurde dem Meer eine Fläche von 4 auf 2,5 Kilometer abgerungen, wofür 21 Millionen Kubikmeter Erde herangeschafft werden mussten. Da der Flughafen Erdbeben und Taifunen standhalten muss, waren die japanischen Ingenieure während des Baus gezwungen, ihre Annahmen und Ideen immer wieder zu überprüfen, was sie am Ende mit Bravour schafften. Seit der Eröffnung 1994 bis heute überstand der Osaka Kansai International Airport alle Einwirkungen von Naturgewalten. Von dieser Pionierleistung profitierten später andere Flughäfen, die im Meer errichtet wurden, wie etwa der neue Flughafen von Hongkong. Die Kosten allerdings liefen in Kansai aus dem Ruder. Daher wollten die Verantwortlichen das Passagierterminal zuerst kleiner als geplant bauen, doch Renzo Piano wehrte sich dagegen. Zum Glück. Ihm gelang ein imposantes, ungewöhnliches Flughafengebäude, dessen Form einem Flugzeug nachempfunden ist. Die Spannweite der Flügel beträgt 1,7 Kilometer – länger ist kein anderes Terminal. Diesen langen, schmalen und verglasten Bau entlang reihen sich 42 Gates auf. Das zentrale Terminalgebäude bildet den Rumpf. Dominiert wird dieses von einem wellenförmigen Dach, das für eine perfekte Luftzirkulation im Inneren sorgt und viel Licht in das Gebäude lässt. Für Piano war eines der wichtigsten Merkmale die ungehinderte Sicht auf die Flugzeuge von allen Orten im Gebäude aus. Die Passagiere danken es ihm bis heute.

BOARDINGPASS: PASSAGIERAUFKOMMEN 19 Millionen START- UND LANDEBAHNEN 2 A380-KOMPATIBEL Ja ERÖFFNUNG 1994 ENTFERNUNG ZUM STADTZENTRUM 40 Kilometer INSIDER-TIPP Kamaneshi, ein traditionelles Reisgericht aus dem Metalltopf im Restaurant Matsuya im Aeroplaza COOLSTES MITBRINGSEL Mango Fruit Gummy Candy von Kasugai

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21 MILLIONEN KUBIKMETER ERDE IM WASSER

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KANSAI INTERNATIONAL AIRPORT

von Renzo Piano Building Workshop

Osaka JAPAN

34째 135째 CET 25' 14' + 38" 39" 9 N O

Querschnitt

Grundriss

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Lageplan

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21 JAHRE FEHLERFREI

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Der Flughafen Kansai in Osaka hat etwas geschafft, wovon alle anderen nur träumen können: Er hat in seiner Geschichte alle Reisenden, die ankamen, abflogen oder umstiegen mit ihrem Gepäck wieder vereint. Was ist sein Geheimnis?

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S Sie agieren im Hintergrund und werden von den Passagieren kaum wahrgenommen. Dennoch tragen sie erheblich zum Wohlergehen der Reisenden bei – oder zu deren Frustration: die Gepäckarbeiter an Flughäfen. Denn auch die Reise an den wunderschönsten Ort beginnt mit Ärger, wenn das Gepäck es nicht ans Ziel geschafft hat. Die Aufgabe der Mitarbeiter der Gepäckeinheit der Flughäfen besteht aus mehr als nur Schleppen. Hinter dem Ziel, Gepäck und Passagier an denselben Ort zu bringen, steckt eine regelrechte Wissenschaft. Der wichtigste Faktor dabei: Geschwindigkeit. Der Koffer muss in derselben Zeit von den Check-in-Schaltern zum Flugzeug, vom Flugzeug zum nächsten Flugzeug und vom Flugzeug zum Gepäckband gelangen wie sein Besitzer. Ist er zu langsam, kann es sein, dass er am Umsteigeflughafen zurückbleibt oder der Passagier nach der Ankunft zu lange darauf warten muss. Ist er zu schnell, wird er möglicherweise in ein Flugzeug geladen, das der Besitzer verpasst. Die mit Abstand meisten Fehler geschehen beim Transit. 49 Prozent aller Fälle, in denen Gepäck fehlerhaft ausgeliefert wird, geschehen in dieser Phase. Danach folgen mit je 15 Prozent Ladefehler und Fehler bei der Handhabung des Gepäcks auf dem Weg vom Check-in zum


MENSCH PLUS MASCHINE FÜR DAS OPTIMUM

In Osaka spielen die Mitarbeiter die entscheidende Rolle.

Doch ganz ohne menschliche Arbeiter geht es nicht. Und wo Menschen arbeiten, da passieren Fehler. Zum einen liegt das daran, dass Gepäckarbeiter teils harte Schichtarbeit leisten müssen, die sie bis ans Ende ihrer Kräfte bringt – vor allem, wenn die Tätigkeit von den Airlines an externe Firmen ausgelagert wird. Ein Mitarbeiter am Flughafen Seattle war am Ende seiner Frühschicht beispielsweise einmal so müde, dass er im Gepäckraum der Boeing 737 einschlief, die er gerade belud. Als er aufwachte, hob der

Flieger gerade ab. Zum Glück hörten die Piloten seine Schreie und landeten kurz nach dem Start wieder in Seattle. Nur ein Flughafen auf der Welt hat eine völlig weiße Weste. Der Flughafen Kansai in Osaka gilt als globales Vorbild für alle Gepäckmanager und -arbeiter: Mehr als 21 Jahre lang wurde jeder Reisende, der abflog, ankam oder umstieg, mit seinem Gepäck vereint. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1994 ist kein einziger Fehler passiert.

Laufbändern so, dass die Griffe sich nach außen richten. So können die Reisenden ihre Koffer einfacher greifen. Auch der Flughafen selbst hat etwas davon. Wenn die Passagiere sich schneller wieder vom Gepäckband weg bewegen, kommt es zu weniger Gedränge und das Gepäckband wird wieder frei für neue Koffer.

PRÄZISION DURCH DISZIPLIN Wie schafft Kansai das, worum ihn wohl alle anderen Airports beneiden? Das Bewertungsunternehmen Skytrax lobt die Disziplin der Mitarbeiter. Die Kundenzufriedenheit stehe für sie an oberster Stelle und das Personal tue dafür alles. Es würde sich verausgaben, damit jedes Gepäckstück am richtigen Ort lande. Das habe auch etwas mit der Kultur des Landes zu tun. Die beiden Flughäfen Tokio Narita und Haneda schnitten im internationalen Vergleich ebenfalls überdurchschnittlich gut ab, was den Umgang mit dem Gepäck der Passagiere betrifft. Was Kansai herausstechen lässt: Die Mitarbeiter des Flughafens achten auf jedes kleinste Detail, das die Passagiere bei der Auslieferung des Gepäcks nerven oder eben ihnen nützen könnte. Neben der glänzenden Wiedervereinigungsquote erfolgt auch die Kofferauslieferung nach der Landung besonders passagierfreundlich. Das Flughafenpersonal platziert die Koffer auf den

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Flieger. Die Fehler kosten Geld. Im Schnitt bezahlt die Fluglinien pro verlorenem Koffer rund 100 Dollar, um diesen wieder mit seinem Besitzer zu vereinigen. Kein Wunder also, dass die Branche fieberhaft daran arbeitet, die Menge an verlorenem Gepäck zu verringern. Immerhin – zwischen 2007 und 2014 gelang es ihr, die Anzahl der verlorenen Koffer und Taschen fast zu halbieren. 24,1 Millionen Gepäckstücke werden noch verloren. Gerechnet pro 1000 Passagiere sank die Zahl sogar noch deutlicher – von 18,9 auf 7,3. Einen großen Beitrag zu dieser Verbesserung hat die zunehmende Automatisierung geleistet. Fließbänder mit integrierten StrichcodeLesern, die etwa Flughafencodes erkennen, oder auch die Möglichkeit für einige Passagiere, den Standort ihres Gepäcks auf dem Smartphone mitzuverfolgen, sind nur ein paar wenige dieser Innovationen, die dabei helfen.

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21 Flughäfen rund um den Globus werden mit Bildern, Plänen und Texten präsentiert Utopien – Visionen und Umnutzungen von Flughäfen werden vorgestellt Außergewöhnliche Geschichten, Insiderwissen und exklusive Interviews

ISBN 978-3-7667-2177-8

New York, Rio, Tokio – nie war Reisen einfacher als heute und selbst die fernsten Ziele sind mit dem Flugzeug komfortabel zu erreichen. Startpunkt jeder großen Reise ist der Flughafen. Unsere flugaffinen Autoren nehmen Sie mit auf eine überraschende Reise zu berühmten und bekannten, aber auch utopischen und skurrilen Airports dieser Welt. Klassiker wie JFK sind ebenso vorhanden wie ein Spaceport

in der Wüste Mexikos oder eine Revitalisierung ehemals belebter Flughallen. Es erwartet Sie ein Blick hinter die Kulissen der Luftfahrt: ultimative Last-Minute Geschenktipps werden ebenso verraten wie spannende Geschichten aus dem Nähkästchen der vielfliegenden Gesellschaft. Ganz sicher werden Sie beim nächsten Smalltalk im Flugzeug mit Insiderwissen glänzen können. Ready for take-off!


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