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DGGL-Themenbuch – Garten und Musik

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Garten und Musik

Harmonien, Kontraste, Herausforderungen


Garten und Musik

Harmonien, Kontraste, Herausforderungen DGGL-Themenbuch 15 Herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL) e.V. Mit freundlicher Unterstützung von BESCO Berliner Steincontor GmbH, Betonwerke Godelmann GmbH & Co. KG, Flöter & Uszkureit Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau GmbH, Herbert Heise und Herbert-Heise-Stiftung für Gartenkunst und Landschaftskultur, Richter Spielgeräte GmbH, Dr. Helmut Röschinger, Friedrich Scharf GmbH / R.F.B Grundstückserwerb- und Verwaltungsgesellschaft, Stiftung Schloss Dyck


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Jens Spanjer, Eva Henze Vorwort Ulrich Bildstein, Magdalena Müllerperth, Simone Kermes, Markus Emanuel Zaja, Christoph Stölzl, Stefan Schweizer Über das Verhältnis von Garten und Musik Sechs persönliche Statements Iris Lauterbach Gartenkunst und Musik Ein gartenhistorisches Florilegium Hartmut Troll Ikonographie und Musik Der Garten als Kunstraum Tanja van Hoorn, Kaspar Klaffke Barthold Heinrich Brockes und Georg Friedrich Händel – Eine Wiederbegegnung im Allegorischen Garten Lehrte-Steinwedel Rita Hombach, Eva Pegel Garten der Klänge Inspiration und Vermittlung zeitgenössischer Musik durch Gartenkunst und Landschaftskultur

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Julie Moir Messervy Toronto Music Garden Über das Entwerfen eines Gartens als Musikstück

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Hector Gonzalez Pino Tanzendes Wasser im Park Die Wasserlichtorgel in Planten un Blomen, Hamburg

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Hellmuth Henneberg Der „musikalischste“ Baum Ein musikalisch-literarisch-botanisches Programm auf Tour

DGGL – Themenbuch 15

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Carsten Hinrichs Weltreise auf zwei Rädern Fahrradkonzert Musikfestspiele Potsdam Sanssouci

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Antonius Böing Trompetenbaum und Geigenfeige Musik in Gärten und Parks im Münsterland

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Birte Jung Öffentliche Grünflächen unter Druck Vorschläge für eine nachhaltige Veranstaltungs-Strategie

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Bettina Oppermann, Ariane Hölscher-Grieger Stadtentwicklung als Fest? Von dem Hype um Events und der Sehnsucht nach Ruhe

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Martin Rembeck Gewachsene Ordnung – sichtbare Klänge Die Bedeutung der Musikanschauung für die Gartenkunst im Barock Anet Scherling Freiräume hören Der Audiowalk als Gestaltungsinstrument in der Freiraumplanung Walter Fähndrich Musik und Raum Über die räumlichen Aspekte der Musik

katrinem, Sam Auinger 102 Ort der 1 000 Räume Die auditiven Qualitäten des Hamburger Parkfriedhofs Ohlsdorf Claudius Wecke 106 Im Gärtnern steckt Musik Musik auf Gartengeräten und Gartenerzeugnissen 112 Autorenverzeichnis 119 DGGL-Themenbücher

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Gartenkunst und Musik

Iris Lauterbach

Gartenkunst und Musik Ein gartenhistorisches Florilegium

Gärten appellieren nicht nur an den menschlichen Verstand und an das Auge, sondern sie rufen mit dem Geruchssinn, dem Schmecken, Gefühl und Gehör auch die anderen Sinne auf. „Ebenso könnte man vielleicht die höhere Gartenkunst mit der Musik vergleichen. [...] Sie hat auch ihre Symphonien, Adagio’s und Allegro’s, die das Gemüt durch unbestimmte und doch gewaltige Gefühle gleich tief ergreifen. So wie die Natur ihre einzelnen Züge dem Landschaftsgärtner zu Gebrauch und Auswahl darbietet, so liefert sie auch der Musik schon ihre Grundtöne.“ (Pückler, 1834) Der Gartenkünstler Fürst Pückler sah also eine strukturelle Verwandtschaft zwischen Gartenkunst und Musik, was ihn übrigens auch dazu veranlasste, in einem abgelegenen Bereich seines Parks in Bad Muskau die Wolfsschlucht-Szene aus Webers Freischütz aufführen zu lassen. Gartenkunst sei eine gleichermaßen bildende wie darstellende Kunst, deren Werke und Wirkungen – ähnlich denen der Musik – „immer werden, und nicht sind – d.h. nie stillstehen, nie ganz fixiert und sich selbst überlassen werden können“. Aus kunsthistorischer Perspektive können hier nur wenige Facetten der Beziehung von Garten und Musik hervorgehoben werden.

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Liebesgarten und „Hortus Musicus“ Das Verhältnis von Garten und Musik ist vielfältig und für alle Kulturen belegt. Von den Blumen und der Natur im Garten singen Frühlings- und Liebeslieder aller Zeiten; eines der bekanntesten ist sicher Mozarts Kinderlied „Komm, lieber Mai, und mache die Bäume wieder grün!“. Verstärkten Sound, der Rotkehlchen und Nachtigall in die Kulissen vertreibt, gab es in früheren Jahrhunderten nicht. Der Reiz der Musikausübung im Freien, in kleiner oder größerer Besetzung, liegt häufig in der Ruhe und Abgeschiedenheit eines Gartens, dessen natürliches Ambiente die Sinne öffnet. Zur mittelalterlichen Minnetradition gehörte der Garten als Ort der sinnlichen Freiheit, so wie auch die Musik, der Gesang und Tanz die Minne begleiten. Wie Illuminationen in Abschriften des im 13. Jahrhundert entstandenen französischen Roman de la Rose deutlich machen, erfüllten den Liebesgarten zarte Klänge. Seit im 16. Jahrhundert die Kultur des Lustgartens immer weiterentwickelt wurde, übernahmen Komponisten und Musikverlage botanische und Gartenbegriffe als Titel weltlicher und geistlicher Lied- und

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1490-1500, The British Library, Harley MS 4425, Detail Aus: Dieter Hennebo: Gärten des Mittelalters, München, Zürich 1987

Gartenkunst und Musik

Musik im Liebesgarten, Auschnitt der Illumination des „Roman de la Rose“, um 1490, British Library, Detail.

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Caus, Salomon de: Kunst der Mechanik. Die phantastischen Erfindungen des Salomon de Caus, Hrsg. Stiftung Kloster Michaelstein, Halle an der Saale, 2003

Ikonographie und Musik

Hartmut Troll

Ikonographie und Musik

Der Garten als Kunstraum

Grotte des Orpheus.

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„Fragt man mich, was ich am Land tu, antworte ich: Nur wenig. Frühstücken, trinken und singen; spielen, baden und essen. Ruhen, lesen sodann. Apoll weck ich und necke die Musen“, zitiert Leon Battista Alberti den römischen Dichter Marcus Valerius Martialis. Gartenkunst und Musik sind von alters her miteinander verbunden, ihre Liaison reicht bis in die Antike zurück. Illustrationen in dem über zahlreiche Manuskripte weit verbreiteten französischen Roman de la Rose aus dem 13. Jahrhundert zeigen tanzende und musizierende Liebespaare in den mittelalterlichen Baumgärten und deuten symbolische Ebenen an, die sich mit dem dargestellten oder imaginierten Ort verbinden und mit Vorstellungen vom locus amoenus oder dem Paradies überlagern. Sie begründen und belegen eine Praxis, die sich im Garten immer wieder zu spezifischen Formen dieser performativen Kunst ausdifferenziert: So wurden in den Gärten des Habsburger Hofs musikalische Gattungen aus dem Umfeld der Serenata aufgeführt, während in den Theater- und Repräsentationsräumen das Dramma per musica seinen Platz hatte (Kremer 2012). In der Sommerresidenz Schwetzingen wurde diese Differenz der musikalischen Aufführungskonvention unter Kurfürst Carl Theodor für das Opernrepertoire gleichsam programmatisch erweitert. Diese (Garten-)Spezifik findet in Raumkonzeptionen wie dem Heckentheater ihre kanonisch wirksame Entsprechung. Iris Lauterbach beleuchtet in ihrem Beitrag das Verhältnis von Garten und Musik aus kunsthistorischer Perspektive. Hier sollen Anmerkungen zu den ikonographischen Folgen dieser Liaison gemacht und gefragt werden, wie die musische Orientierung in der Ausstattung des Gartens selbst lesbar wird und sich in der Ordnung der Künste verortet. Ikonographie in Form des skulpturalen und figürlichen Ornaments kommt später als die Musik in den Garten, sie ist eine frühneuzeitliche Erscheinung und etabliert

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Zangherie (1987) Bd. 2, S.142, entnommen: Ditsche, Alexander: Klingende Wasser Berlin l München 2017, S.87

Ikonographie und Musik

Giovanni Guerra Monte Parnaso, Pratolino, um 1598.

sich dann an diesem spezifischen Ort sukzessive als Aufgabe der Kunst. Die folgenden Ausführungen beschränken sich auf diese Zeit der neuzeitlichen, aber noch vormodernen Gartenkunst und nehmen die Kur-, Volks- und Stadtparks mit ihrer reichen Konzertgeschichte und den zahlreichen Musikerdenkmalen nicht weiter in Augenschein. Als freie Kunst im Quadrivium verkörpert die Musik gemeinsam mit der Arithmetik, der Geometrie und der Astronomie die mathematische Ordnung der Welt. In diesem Sinne kann auch die Gartenkunst als Spiegel der Schöpfung verstanden werden. So sieht der jesuitische Gelehrte Athanasius Kircher in den „harmonischen Music-Proportiones“ die göttliche Disposition der Welt und entsprechend im Garten die musikalische Ordnung der Naturphänomene repräsentiert. Im Landschaftsgarten wird über die Fokussierung auf die Wirkungsästhetik eine strukturelle Gattungsparallelität festgestellt: Denken wir an

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Barthold Heinrich Brockes und Georg Friedrich Händel

Tanja van Hoorn, Kaspar Klaffke

Barthold Heinrich Brockes und Georg Friedrich Händel

Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Signatur: M: Lo677:5 (1)

Eine Wiederbegegnung im Allegorischen Garten Lehrte-Steinwedel

Der Garten von Barthold Heinrich Brockes vor dem Hamburger Steintor. Kupferstich von Christian Fritzsch, 1746, Frontispiz

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In der spätbarocken und frühaufklärerischen Geselligkeitskultur spielte die gezähmte, ungefährliche Natur eine wichtige Rolle: In Liedern besang man die Schönheit von Blumen und Landschaften, bei Festen begab man sich, wenn das Wetter es zuließ, in die prächtig ausgeschmückten Gärten. Künstler verschiedener Sparten arbeiteten hierfür eng zusammen. Seitens der Poesie wäre hier insbesondere an den reichen Hamburger Patrizier Barthold Heinrich Brockes (16801747) zu denken. Er verfasste viele hundert Gedichte, die er unter dem Titel Irdisches Vergnügen in Gott zusammenfasste. Der etwas sperrige Titel verrät, worum es geht: um ein Vergnügen am Irdischen, das nicht selbstzweckhaft ist, sondern aus der unmittelbaren Kommunikation mit Gott entspringt. Indem der Betrachter die Schönheit der Welt sinnlich wahrnimmt, erkennt er bewundernd die Größe Gottes. Dieses wirkmächtige Glaubensverständnis, das aus der Betrachtung der physischen Welt ins metaphysische – das heißt: zu Gott – findet, heißt Physikotheologie (Lorenz, Stefan; 1989). Neben wissenschaftlichen Schriften wurden dazu um 1700 auch unzählige physikotheologische Poesien verfasst. Unter ihnen nimmt Brockes einen prominenten Platz ein.

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In Hamburg hatte sich seit der Mitte des 17. Jahrhunderts eine reiche Gartenkultur ausgebildet. Auch Brockes war stolzer Besitzer eines Gartens vor den Toren der Stadt (Häfner, Ralph; 2015). Seine Gedichte beginnen geradezu stereotyp damit, dass ein „Ich“ in einen Garten tritt. Es lässt den Blick schweifen, ist bezaubert von der Vielfalt, konzentriert sich auf ein Detail, beschreibt es, schwärmt bewundernd – und wird von dieser visuellen Lust dann wie von selbst zu Gott als dem Schöpfer dieser Schönheit geführt. Das Gedicht über die Ranunkel etwa beginnt wie folgt: „Im Frühling, da das Feld und alles lieblich blühte, / Zu Mittag, als im Strahl der Sonnen alles glühte, / Trat ich, sowohl von Lust als froher Andacht heiß, / In meinen Garten ein.“ (Brockes, Barthold Heinrich; 2013) Das Ich erblickt ein phantastisches, in verschiedenen Rottönen leuchtendes Blumenmeer: Anemonen, Päonien, Rosen. Wirklich verzaubert aber wird der Betrachter durch die titelgebende Ranunkel, denn sie ist es, die in ihm durch ihre feuerrote Farbe ein „geistigs AndachtsFeuer“ entzündet: Die Ranunkel lenkt den Betrachter zu Gott. In ähnlicher Weise und gemäß einer tradierten christlichen Metapher liest Brockes auch im „Buch der Natur“: So sitzt ein Ich etwa an einem Bach und das Buch der Natur (die schöne Flussaue), liegt aufgeschlagen vor ihm: Bei der „Lektüre“ des Blümchens Vergissmeinnicht meint der Betrachter die Stimme Gottes zu vernehmen; unschwer zu raten, was sie spricht: „Vergiß mein nicht“ (Brockes, Barthold Heinrich; 2013). Bei zeitgenössischen Komponisten waren Brockes’ Gedichte überaus beliebt (Fry, Harold P.; 1980). So verwandelte Georg Philipp Telemann (1681-1767) Brockes’ Die uns zur Andacht reitzende Vergnügung des Gehörs im Frühlinge, in einem Sing-Gedichte in seine so

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Aus: Wikipedia

Barthold Heinrich Brockes und Georg Friedrich Händel

Barthold Heinrich Brockes. Gemälde von Dominicus van der Smissen (1704-1760)

genannte Frühlingskantate. Dabei transformiert er die musikalische Poesie des Patriziers in eine wunderbar tänzerisch-leichte, lautmalerische Musik (Telemann, Georg Philipp; 1981). Gedichte von Brockes hat aber auch Georg Friedrich Händel (1685-1759) vertont. Berühmt ist sein Liederzyklus Neun deutsche Arien (HWV 202-210). Der eigentlich eher für seine repräsentativen Opern und Konzerte bekannte Händel zeigt hier, dass er auch die Form des Lieds in leiser, kleiner Besetzung beherrscht. Brockes’ andachtsvolle Begegnung mit der Natur setzt er in seinen Da-Capo-Arien, grundiert vom zeitgenössisch typischen Generalbass, in einem innerlichen, teils schwärmerischen, teils melancholischen Ton um.

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Garten der Klänge

Rita Hombach, Eva Pegel

Garten der Klänge Inspiration und Vermittlung zeitgenössischer Musik durch Gartenkunst und Landschaftskultur „Neue Musik steht nicht selten in dem Ruf, verkopft, todernst und trocken zu sein. Das mag zuweilen sicherlich zutreffen, aber muss das so sein? Kann neue Musik nicht auch sinnlich sein? Oder gar humorvoll? Dass das geht, war bei einem Konzert der Reihe „Klingt gut.“ in der Bundeskunsthalle zu erleben.“1 schrieb der Journalist Guido Krawinkel 2016. Die Konzertreihe ist eine Kooperation zwischen dem Deutschen Musikrat und der Bundeskunsthalle in Bonn mit dem Ziel, die Musik unserer Zeit einem breiten Publikum zu erschließen. Ein bekannter Moderator und ein Ensemble für zeitgenössische Musik präsentieren dazu ein Konzertprogramm, das sich mit einer Ausstellung oder einem aktuellen Thema auseinandersetzt. Die Moderation erfolgt dabei nicht aus der musikwissenschaftlichen, sondern aus der jeweiligen – leichter verständlichen – thematischen Perspektive. Der Garten der Klänge mit Kompositionen zu den Themen Garten und Landschaft wurde am 11. September 2016 anlässlich der Ausstellung Parkomanie – Die Gartenlandschaften des Fürsten Pückler in Kooperation mit dem Deutschen Musikrat vom Ensemble Horizonte unter der musikalischen Leitung von Jörg-Peter Mittmann aufgeführt.2 Auf dem Dach der Bundeskunsthalle war zur

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Ausstellung ein Garten nach den Gestaltungsideen des Fürsten Pückler angelegt worden. Dort begann das Konzert mit einer Uraufführung: Sanft flüstert der abendliche Garten (2016) war von Jörg-Peter Mittmann eigens zu diesem Anlass auf der Grundlage der räumlich-akustischen Gegebenheiten des Dachgartens komponiert worden. An unterschiedlichen Standorten im Garten platziert, erfüllten die neun Instrumentalisten des Ensemble Horizonte den Freiraum mit Klängen, die sich zu einem Stück zusammenfügten. Das Publikum lauschte und lustwandelte zwischen Bäumen, Blumen und Gräsern und tauchte in eine einzigartige, für den Moment geschaffene Atmosphäre ein. Gegen Ende des Stücks setzten sich auch diejenigen Musiker, die ihre Instrumente im Gehen spielen können, in Bewegung und führten das Publikum die Treppe hinab in den Konzertsaal. Dort folgte ein Werk des syrischen Komponisten Rami Chahin. Barada (2009) ist die Lebensader von Damaskus. Der Fluss entspringt im Antilibanon, dem Gebirge zwischen Syrien und dem Libanon, fließt durch Damaskus, wo das Wasser über Kanäle in der Oase verteilt wird, und versickert schließlich östlich der Stadt. Chahin nutzt das Phänomen der Obertöne, um die Erin-

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Garten der Klänge

© Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Fließen, Gurgeln, Treiben und Perlen des Flusses wahrnehmbar. Der Fluss ist immer da, aber ständig in Bewegung und Veränderung begriffen. Zudem setzt Chahin pragmatische Mittel der Klangmalerei ein: Der Trichter des Horns wird mit Wasser gefüllt und erzeugt so ein gurgelndes Geräusch, das sich langsam zu entfernen scheint. Das Stück lässt den Hörer am Ende in den Auenwäldern am Rande des Flusses zurück, wo das Quaken der Frösche in den Vordergrund tritt – erzeugt vom Fagottspieler mit einem hölzernen Klangfrosch. Wasser ist die Lebensgrundlage und die „Seele des Gartens“, ein lebendiges Element, das Bewegung, Licht und Klang in den Garten bringt. Gerade in Gegenden, wo das Klima heiß und trocken und Wasser rar ist, spielen Brunnen, Spiegelweiher und Wasserspiele in der Gartenkunst eine zentrale Rolle – wie in den persischen und in den maurischen Gärten Andalusiens. Gärten und Landschaften inspirieren zu Musikstücken

Das Konzert „Garten der Klänge“ wurde anlässlich der Ausstellung „Parkomanie – Die Gartenlandschaften des Fürsten Pückler“ am 11.9.2016 auf und in der Bundeskunsthalle in Bonn aufgeführt.

nerung an den Fluss seiner Heimatstadt in Klänge umzusetzen. Der Hörer nimmt beständig einen Grundton wahr, wie das stetige Rauschen eines Flusses. Durch die wechselnden Obertöne ändert sich die Klangfarbe jedoch durchgehend und unvorhersehbar – dadurch wird das

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Es gibt jedoch auch Gärten, in denen bewusst auf das Element Wasser verzichtet wird. Denen deshalb nicht die Seele fehlt, sondern die vielmehr eine große Tiefe besitzen. Die Rede ist von japanischen Kare-san-sui-Gärten – Gärten, die aus Steinen und Sand geformt sind. Das wohl berühmteste Beispiel ist der Ryoan-ji-Garten aus der Mitte 15. Jahrhunderts in Kyoto, dem Heimatort der Komponistin Malika Kishino. Die Inspiration für ihre Werkreihe Monochromer Garten erhielt sie dort auf dem Anwesen ihrer Eltern: „Eine silbrige Welt, Nacht, schwarze Dachziegel, bedeckt mit Schnee, zurückstrahlendes Licht, Raum, Stille … Die nächtliche Ansicht des Gartens war wie ein Tuschebild, ein Kunstwerk in Schwarz-Weiß. Dort fand ich den Inbegriff von Schönheit.“3

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Toronto Music Garden

Julie Moir Messervy

Toronto Music Garden

Adrian Holmes

Über 20 Jahre ist der beliebte Music Garden im Hafen von Toronto inzwischen alt. Der Cellist Yo-Yo Ma trat 1995 an die Autorin mit der Idee heran, einen Garten zu gestalten, der von einem musikalischen Werk inspiriert ist: der Cello-Suite Nr. 1 in sechs Sätzen von Johann Sebastian Bach. Die Landschaftsarchitektin Julie Moir Messervy erzählt von der außergewöhnlichen Erfahrung, einen öffentlichen Garten als Musikstück zu entwerfen. Der Park begeistert die Menschen bis heute – viele motiviert er sogar, dort selber zu musizieren.

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Toronto Music Garden

One of the most memorable and rewarding experiences of my career as a landscape designer was the creation of the Toronto Music Garden in collaboration with the famed cellist Yo-Yo Ma. This three-acre garden on Toronto’s Harbourfront is now a mature, 20-year-old landscape in constant use by the city’s inhabitants and visitors for public performances and quiet reflection. It started, however – like all creative endeavors – as the mere seed of an idea. My first book, Contemplative Gardens, had captured Yo-Yo’s attention, and in 1995 he wrote to me with a suggestion: could we create an urban contemplative garden based on a piece of music? He included a recording of

himself playing J.S. Bach’s Cello Suite No. 1, and, as I listened to it, landscape images arose in my mind’s eye. I have long believed that both music and landscapes are about flow. Music flows through time, while gardens flow through space. There was a natural synergy between these two art forms, and the idea of combining them in a physical, tangible way captivated my imagination. There are six movements to the Suite: the Prelude and five dance movements, namely the Allemande, Courante, Sarabande, Menuett, and Gigue. Each of the six movements has a distinct tempo and mood, and I envisioned how each could be represented upon the land as a garden “room” along a continuous path. I played the music for

Adrian Holmes

Der Music Garden in Toronto beherbergt die sechs Sätze der CelloSuite Nr. 1 von Johann Sebastian Bach als Gartenräume. Hier im Bild die Allemande mit Betula populifolia und die Sarabande mit JapanAnemonen.

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Tanzendes Wasser im Park

Hector Gonzalez Pino

Tanzendes Wasser im Park Die Wasserlichtorgel in Planten und Blomen, Hamburg

Anke Bewert

Die Wasserlichtorgel von Planten un Blomen wurde 2019 saniert und mit neuer Technik ausgestattet.

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Tanzendes Wasser im Park

Anke Bewert

Über die komplette Sommersaison, von Mai bis September, tanzen Wasserfontänen zu Musik über den großen Parksee.

Es ist kurz vor 22 Uhr im Herzen Hamburgs. Ein milder Abend irgendwann zwischen Mai und September. Auch, wenn es bereits dämmert oder dunkel ist und in allen anderen Parks der Stadt die Nachtruhe einkehrt, streifen noch hunderte, oft tausende Besucher durch Planten un Blomen. Sie spazieren die geschwungenen Wege entlang und bewundern die Pflanzenvielfalt. Manche machen Station am Rosengarten, um in der Dämmerung noch ein paar sommerliche Duftnoten zu erhaschen. Einige nehmen den Weg durch den Japanischen Garten und posieren für Erinnerungsfotos vor dem Teehaus. Andere wiederum suchen nach Seerosen und Goldfischen entlang der Wasserkaskaden. All diese Wege führen auf den Parksee zu. Die Besucher setzen sich schließlich auf Wiesen und Parkbänke, die sich um den See schmiegen. Picknickdecken werden ausgebreitet, Kameras gezückt und

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erwartungsvolle Blicke ausgetauscht. Ein kurzes Rauschen lässt ein paar Teichenten hochschrecken. Plötzlich dringt Musik durch den Park: Aaron Coplands „Fanfare For The Common Man“. Aus der Mitte des Sees – in weißes Licht gehüllt – streben zwei Wasserfontänen dem Abendhimmel entgegen und heben sich ab vom dunklen Laub der Bäume. Mit diesem Entree beginnt die Show der Wasserlichtorgel in Planten un Blomen. Auf dem Grund des Parksees befindet sich ein umfangreiches System von Wasserfontänen und Scheinwerfern, das sehr genau steuerbar ist. Seit den 1970er Jahren tanzen regelmäßig Wasserfontänen über dem See zu Musik, in stetig wechselndes farbiges Licht gehüllt. Fünf Monate im Jahr. Jeden Abend. Bei sommerlicher Hitze genauso wie bei Regen oder Gewitter. Eine erste Fontänengruppe im Parksee gab es schon in

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Der „musikalischste“ Baum

Hellmuth Henneberg

Der „musikalischste” Baum

„Welcher Baum ist der musikalischste?“ Unsere Zuschauer kümmert die grammatikalische Unzulänglichkeit in dieser Frage nicht, spontan rufen sie „Trompetenbaum“ und „Glockenbaum“ oder – in Anspielung auf berühmte Musikstücke – „Vugelbärbaam“ oder „Tannenbaum“, „Drei weiße Birken“ oder „Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein…“ Wir sind mitten in unserem Programm Die Posaune im Garten und die Herausforderung für den Posaunisten besteht in diesem Moment darin, die eben zugerufenen Lieder aus dem Stegreif zu spielen. Doch der Reihe nach. Karsten Noack und mich verbindet seit Langem die Zuneigung zur „Blume“ – auf dem Bier! zu Tulpen – in die Bier gefüllt wird! Und zu Neu-Rosen, die man bekommt, wenn kein Bier in der Nähe ist. Auf einer dieser floralen Expeditionen, die wesentlich am Tresen der Cottbuser Gaststätte „Wunderbar“ stattfand, verriet mir Karsten, dass er Posaune spielen könne. Karsten Noack ist Cutter im rbb-Studio Cottbus und zum Zeitpunkt seines Geständnisses hatte er schon etliche rbb-Gartenzeit-Sendungen geschnitten, deren Moderator ich war. Anlässlich der nächsten Weihnachtsfeier unseres kreativen Kollektivs setzte er sich einen

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Daniela Kühn

Ein musikalisch-literarisch-botanisches Programm auf Tour

Im Garten des Landschaftsarchitekten Hagen Engelmann in Schorbus (Landkreis Spree-Neiße) sind die Voraussetzungen zu den „Tagen der offenen Gärten” optimal: ausreichend Platz und ein bisschen Gefälle.

Pepitahut auf, stöpselte das Mundstück auf seine Tenorposaune und schmetterte die Petersburger Schlittenfahrt – ein Musikstück, dessen Partitur immerhin vier „b“ enthält. Er hatte also nicht zu viel versprochen. Ich legte meine Erfahrungen in der Gestaltung musikalisch-litera-

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Kerstin Minnich

Hellmuth Henneberg

Der „musikalischste“ Baum

„Tulipan” im Frühjahr und das „Dahlienfeuer” im Spätsommer sind die Publikumsrenner im Britzer Garten in Berlin.

Wenn in Potsdam „Im Garten vorgelesen” wird, gibt es immer Musik als Zugabe. Die Lesung „Gartengeflüster” im Sommer 2015 im Karl-Foerster-Garten war ausverkauft.

rischer Programme wieder frei – und siehe: Wir stellten binnen Kurzem ein paar Programme rund um das schlanke Blechblasinstrument auf die Beine, mit denen wir seit inzwischen zehn Jahren unterwegs sind.

singen und den berühmten deutschen Dichter dazu nennen kann, aber niemand weiß den Namen des Komponisten! Wir haben inzwischen in ungezählten Gärten – öffentlichen und privaten – der Berlin-Brandenburgischen Region gespielt, manche waren uns durch GartenzeitProduktionen bereits bekannt, viele haben wir aber erst entdeckt, als man uns mit dem Programm dorthin einlud. Das Schweizerhaus in Seelow beispielsweise. Ich hatte noch nie von diesem Areal gehört, auf dem Anfang der 1920er Jahre der jüdische Bankier Simon ein in Brandenburg einmaliges landwirtschaftliches Mustergut entwickelte, das nach 1933 von den Nationalsozialisten beschlagnahmt, mit der Bodenreform zerteilt, nach der Wende rückübertragen und schließlich 2010 von der Stadt Seelow erworben wurde. Ein Förderverein hat sich daran gemacht, die ehemals Simonschen Anlagen in Anlehnung an die damalige Gestaltung wiedererstehen zu lassen, mit einem Nachbau von Goethes Weimarer

Die Posaune im Garten Unser Renner ist ein augenzwinkerndes botanisches Programm, in dem wir die von uns entdeckte „Posaunenblume“ (trombone literae) vorstellen: „Die Posaune im Garten.“ Während Karsten Noack mit seiner musikalischen Virtuosität verzückt, erzähle ich von musikalischen Blumen, von allerlei Glöckchen: Purpur …, Schnee …, Mai …, von Tulpen, die gar nicht aus Amsterdam, sondern aus Persien stammen, vom Edelweiß, von Blumen in Märchen, von Blumenverkäuferinnen, deren bekannteste „Eliza“ heißt. Natürlich kommen wir auch nicht ohne das „Heideröslein“ aus und – testen Sie sich selbst! – sind auf das Phänomen gestoßen, dass wohl jedermann den Text

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Öffentliche Grünflächen unter Druck

Birte Jung

Öffentliche Grünflächen unter Druck Vorschläge für eine nachhaltige Veranstaltungs-Strategie

Städtische öffentliche Grünflächen stehen unter hohem Nutzungsdruck. Sie müssen verschiedenen Funktionen gerecht werden und unterschiedliche Nutzeransprüche erfüllen. Das öffentliche Grün ist eine wichtige ökologische Ausgleichsfläche für Umwelt und Klima und bietet Lebens- und Rückzugsräume für Flora und Fauna. Gleichzeitig kommt dem öffentlichen Grün auch eine wichtige Erholungs-und Erlebnisfunktion zu. Für die einen ist es Rückzugsgebiet und Ort der Ruhe, für die anderen auch ein Veranstaltungsort.1 In Berlin wird zurzeit eine Charta für das Berliner Stadtgrün entwickelt, um öffentliche Grünflächen im Rahmen einer nachhaltigen Stadtentwicklung langfristig zu sichern und wertzuschätzen.2 Diese berücksichtigt die beschriebenen unterschiedlichen Nutzerinteressen und Freiraumfunktionen. In der Charta soll auch das Thema Kultur und (Musik-)Veranstaltungen eine Rolle spielen, weil es häufig im Mittelpunkt von Interessenskonflikten steht: Insbesondere für Gartenämter sind Veranstaltungen auf Grünflächen mit vielen Belastungen verbunden.3 Sie sehen vor allem Schäden an der Vegetation, Nutzungsund Lärmkonflikte mit Anwohnern und anderen

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Parkbesuchern sowie große Abfallmengen auf den nur schwer zu reinigenden Grünflächen. Erschwerend hinzu kommen Personalmangel in den Verwaltungen und ein knappes Pflegebudget. Daher können die Nutzungsspuren vieler Veranstaltungen nicht mehr befriedigend beseitigt werden. Neben den genehmigten Veranstaltungen haben sich zusätzlich immer mehr unangemeldete Free Open Airs entwickelt. Diese nicht mit den Genehmigungsbehörden abgestimmten Veranstaltungen spiegeln den Wunsch nach Kultur- und Erlebnisangeboten auf Grünflächen wider.4 Die Stadtbewohner eignen sich ihren Freiraum als Bühne selbst an. Zusätzlich nutzen Stadtverwaltungen vermehrt Veranstaltungen als Stadtentwicklungs- und Marketinginstrument zur Imageaufwertung ihrer Stadt und verlangen von den Gartenämtern dafür Ausnahmegenehmigungen, zum Teil auf nicht geeigneten und sehr empfindlichen Grünflächen.5,6 Hilfreich wären transparente Verfahren, die eine nachhaltige Nutzung öffentlicher Grünflächen als Veranstaltungsorte ermöglichen, ohne dauerhaft zulasten anderer Freiraumfunktionen, -nutzungen und -bedürfnisse zu wirken. Im Folgenden werden Lösungen gezeigt, wie

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Öffentliche Grünflächen unter Druck

Grünflächen vor Veranstaltungsbeeinträchtigungen geschützt und zu nachhaltigen Kulturorten entwickelt werden können.

Birte Jung 2010

Eignungsprüfung und nachhaltige Nutzung öffentlicher Grünflächen als Veranstaltungsorte

Birte Jung 2014

Seit über zehn Jahren ist das Karaoke im Amphitheater des Berliner Mauerparks wichtiger Bestandteil der Freiraumkultur und führt zugleich zu Nutzungskonflikten mit Ruhesuchenden.

Die sogenannte „Thaiwiese“, ein unangemeldeter Street-FoodMarkt im Berliner Preußenpark, zieht an warmen Wochenenden mehrere Tausende an.

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Die unterschiedliche Beschaffenheit und Eignung von öffentlichem Grün für Veranstaltungen erfordern eine spezifische Eignungsprüfung. Im Rahmen meiner Doktorarbeit Eventisierungsdruck: Nachhaltige Nutzung öffentlicher Freiräume als Veranstaltungsorte 7 habe ich diesbezüglich ein Bewertungsverfahren mit 13 Freiraumkriterien entwickelt (siehe Seite 81), das die jeweiligen Standortgegebenheiten von öffentlichen Freiräumen berücksichtigt und diese hinsichtlich ihrer Eignung als Veranstaltungsort beurteilt. In diese Überprüfung fließen spezifische Veranstaltungs- (Art und Größe der Veranstaltung), Umgebungs-, oder Zeitaspekte (Witterungsverhältnisse oder Brut- und Aufzuchtzeiten von Vögeln) mit hinein. Insbesondere Umweltaspekte, wie zum Beispiel der Schutz von Pflanzen und Tieren, Boden und Wasser, sind für öffentliche Grünflächen von hoher Bedeutung. Vor allem historische Parks mit repräsentativen Staudenrabatten, altem Baumbestand und mit ihrer Funktion als Kulturerbe sind sehr empfindlich.8 Solche Orte eignen sich deshalb nur für wenige Veranstaltungsformen. Im Falle von Veranstaltungen mit einer hohen gesellschaftlichen oder politischen Bedeutung, die zugleich ein hohes Konfliktpotential erwarten lassen, wird den Gartenämtern von Seiten der Politik jedoch häufig keine Wahl gelassen, und sie müssen eine Genehmigung erteilen. Doch auch solche konfliktträchtigen Events sollten dem Ort keine dauerhaften

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Stadtentwicklung als Fest?

Bettina Oppermann, Ariane Hölscher-Grieger

Stadtentwicklung als Fest? Von dem Hype um Events und der Sehnsucht nach Ruhe

Wenn Städte und Gemeinden für sich werben, spielen Feste und Feiern eine große Rolle. Unter den Begriffen „Festivalisierung“ und „Eventisierung“ hat sich inzwischen aber eine Debatte entfaltet, die deutlich auf die negativen Seiten dieser städtebaulichen Strategie hinweist. Festivalisierung: Strategie im Konkurrenzkampf der Städte untereinander Die Olympischen Spiele 1972 in München gelten als erstes Fest, das argumentativ auch für die Stadtplanung genutzt wurde. Das neue fröhliche Image der Stadt und der Deutschen ist unvergessen, der Bau der U-Bahn, die Gestaltung der Fußgängerzone und die einprägsame Architektur und Freiraumgestaltung im Olympiapark zeugen bis heute von dem erfolgreichen Großereignis. Otl Aicher wählte für die Veranstaltung eine Corporate Identity, die bewusst gegen die Erinnerungen der Nazi-Spiele von 1936 arbeitete. Seine Farben und Plakate und die Wahl eines orange-grünen Dackels namens Waldi statt des klassischen bayrischen Löwen als Wappentier der Spiele waren wegweisend. Nicht nur die

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Ausrichtung von Olympia, sondern auch der Status als Kulturhauptstadt Europas und das Fest einer Internationalen Gartenschau werden seitdem immer auch mit den Entwicklungsmöglichkeiten der austragenden Stadt begründet. Das Datum des Fests versetzt allen Akteuren einen Schub, der Geldquellen von außen erschließen und Entscheidungen beschleunigen soll. Bereits 1993 erschien in der soziologischen Zeitschrift Leviathan ein Themenheft mit dem Titel „Festivalisierung der Stadtpolitik, Stadtentwicklung durch große Projekte“. Darin haben Hartmut Häußermann und Walter Siebel Autoren zu einer Einschätzung ihrer Beobachtung gebeten: Immer häufiger hatten sich Städte damals um große Projekte beworben, und diese Großereignisse als Turbo der Stadtentwicklungspolitik in der Konkurrenz der Städte untereinander entdeckt. Der Begriff der „Festivalisierung“ war bei Häußermann und Siebel negativ konnotiert, denn die Logik der Sachzwänge (siehe auch Rittel 1976/1992) dient schließlich auch dazu, Debatten abzukürzen. Das Risiko schlechter und disfunktionaler Entscheidungen wächst. Seitdem nimmt in der Bevölkerung der Protest gegen Großereignisse zu. Die vermeintlichen Vorteile der

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Stadtentwicklung als Fest?

Ariane Hölscher-Grieger

Zur Misshandlung der Faust-Wiese in Hannover: Fotoserie von Ariane Hölscher-Grieger, 2019

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Ort der 1 000 Räume

katrinem, Sam Auinger

Ort der 1 000 Räume

Erforscht man den Parkfriedhof Ohlsdorf aus einer hörenden Perspektive, hört man ihn also wie ein Musikstück, dann offenbart sich ein einzigartiger Ort mit 1 000 Räumen, Atmosphären und Stimmungen. Seine Funktion und die damit einhergehende Pietät machen Aktivitäten an diesem Ort schwer vorstellbar. Bei näherer Betrachtung sind aber genau diese Beschränkungen (Öffnungszeiten, kein Durchgangsverkehr, Nachtruhe, keine ökonomische Nutzung etc.) seine Stärke und sein Schutzschild. Bewusste auditive Raum-Wahrnehmung ermöglicht es, Zusammenhänge und Vorstellungen in und für unsere Lebenswelten zu entwickeln, und deren Atmosphären emotional zu erfahren. Der Parkfriedhof Ohlsdorf ist dafür ein einzigartiger Ort. Seine Funktion, seine Größe, seine Materialität, seine Infrastruktur und seine Aktivitätsbeschränkungen zwingen uns zu einer Entschleunigung, definieren einen faktisch „anderen Ort“. Sorgfältig entworfene Raumarchitektur Wenn wir hörend diesen Ort der 1 000 Räume betreten, ihn begehen und seine Stimmungen auf uns wirken lassen, dann verlassen wir den gewohnt ge- und bebauten,

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Die auditiven Qualitäten des Hamburger Parkfriedhofs Ohlsdorf

Der Parkfriedhof Ohlsdorf lässt sich auditiv erleben: der Platz um den Brunnen ist zum Beispiel ein lebhafter Ort im ruhigen Park.

technisierten und medialisierten Raum. Der schier endlose Kultur- und Naturraum, von zwei genialen Landschaftsarchitekten geplant – Wilhelm Cordes (18401917) und Otto Linne (1869-1937) – mit seiner über mehr als 100 Jahre gewachsenen Raumarchitektur

DGGL – Themenbuch 15


katrinem/Auinger

Ort der 1 000 Räume

Der Wind, der durch die Baumkronen weht, erzeugt Klang und Stimmung, je nach Baumart jeweils immer anders und immer wieder neu.

beginnt sich zu offenbaren. Im ersten und älteren Teil von Cordes wird in der Gestaltung und im Grundriss der Anlage der Idee von der Individualität und Einzigartigkeit des Menschen Rechnung getragen. Eine komponierte Gartenlandschaft mit geschwungenen Wegen, Räumen mit topografischen Elementen und Wasseranlagen wurde hier verwirklicht. Den zweiten und jüngeren Teil hat Linne im Resonanzraum des Ersten Weltkriegs gestaltet und in seiner Planung und Umsetzung dem Gedanken „Im Tod sind alle Menschen gleich“ verpflichtet. Der Raum ist dort wesentlich abstrakter. Wir finden ein Spiel von geradlinigen geometrischen Formen in der Raumaufteilung. Symmetrie und Parallelität sind die vorwiegenden Gestaltungsgesten. Der Parkfriedhof ist umgeben von Klängen der Stadt mit all ihren Aktivitäten und Infrastruktursystemen. Diese dringen je nach Örtlichkeit, Intensität und Ausrichtung

DGGL – Themenbuch 15

von außen unterschiedlich stark ein. Der Park filtert, dämpft oder vermischt diese Klänge. Je tiefer man sich in ihn hineinbegibt, desto mehr verliert die Stadt ihre Stimme und reduziert sich auf ein fernes Rauschen. Für das Erleben der verschiedenen Stimmungen und Atmosphären in den verschiedenen Räumen und Raumsequenzen spielt neben dem Auge auch das Ohr – also unsere beiden Fernsinne – eine wichtige Rolle. Das Hören fungiert als Tor zu dieser sinnlich erfahrbaren Welt. Es hilft zu differenzieren, lenkt die Wahrnehmung auf Ereignisse in der näheren Umgebung, dem Nah-Feld, und lässt die Stimmung des Orts spüren. Durch ein Knacken richtet sich die Aufmerksamkeit auf ein Kleintier in der Nähe, durch den Ruf einer Krähe wird die Weite des Raums spürbar. Der Wind in den Bäumen weist über die Grenzen des Friedhofs hinaus. Hören hilft uns den scheinbar ruhigen, inaktiven Raum als etwas Dynamisches und Lebendiges zu empfinden und zu begreifen. Auch die großen Wirkungskräfte der Natur, wie Jahreszeiten, Wetter und Tag-Nacht Kreis werden hier erleb- und erfahrbar. Im Parkfriedhof dominiert kein Maschinen-, Medienoder Verkehrsklang den Hör-Raum im Nah-Feld. Jedes hörbare Klangereignis ist leicht zu verorten. Nichts Gebautes mit seinen harten, vertikalen Flächen stört durch seine Materialität oder Reflexion die Orientierung im Raum. Die eigene Klangsprache besteht im Wesentlichen aus Stimmen der Natur, im Speziellen aus der Sprache des Windes und des Wassers in all ihren möglichen Interaktionen mit Flora und Fauna. Es ist ein Ort, der weitestgehend frei von kognitiver Dissonanz ist, wie wir sie im urbanen Raum sonst täglich erleben. Die 1 000 Räume sind immer stimmig. Darauf beruhen neben der Luft- und Klimaqualität ihre Erholungskraft und Aufenthaltsqualität.

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