Baumeister Zeitschrift f체r Architektur 107. Jahrgang Mai 2010
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D 15 EUR A, L 17 EUR CH 23 SFR
Lehrr채ume Hochschulen zwischen Exzellenz und Existenz von Heinle,Wischer und Partner, gk.mk bauen, Harris + Kurrle Architekten und Morphosis Mit einem Essay von Rainer Franke
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Bildgeschichte Flüchtlingslager wurden und werden meist nach dem streng hierarchischen Modell der UNHCR (Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen) in Clustern, Blöcken und Sektoren gebaut. Weltweit sind es rund tausend Lager, in denen Flüchtlinge untergebracht werden. Der in Basel und Köln lebende Architekt Manuel Herz untersuchte die Typologien der Flüchtlingslager in Afrika – vor Ort im zentralafrikanischen Tschad – und zeigt nun in einer Ausstellung, wie bei den standardisierten Lagern soziale, politische, gesellschaftliche und andere Aspekte unberücksichtigt bleiben. Dahinter, so Manuel Herz, stecke eine „verstetigte, koloniale Praxis“. Dies wiege um so schwerer, als dass manche „provisorischen“ Lager über Jahrzehnte zu Ghettos und Siedlungen wachsen. Natürlich stellt ein Lager für 15 000 bis 20 000 Flüchtlinge die Planer vor technische Probleme. Aber dass die Aufgabe auf diesen Aspekt reduziert bleibt, wird dem Flüchtlingsproblem – weltweit sind über 20 Millionen Menschen auf der Flucht – nicht gerecht. Architekten sind gefragt, Abhilfe zu leisten. ub
www.manuelherz.com www.aut.cc Flüchtlingslager – Idealstädte in Staub und Schmutz bis 12. Juni im „aut. architektur und tirol“, Innsbruck
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Neubau für die Cooper Union in NewYork
Aufgesetztes Mienenspiel Neubau für die Cooper Union in NewYork Morphosis Leicht aggressiv, unnahbar und ein wenig mysteriös: die neue Kunstakademie im NewYorker EastVillage gibt Anstoß für Diskussionen. Ob futuristisches Meisterstück oder lediglich zerdrückter Kasten, ein Besuch des Innenraums überrascht mit schlichter Raumaufteilung und chaotischen Elementen. von Alexandra Lange
Die Cooper Union befindet sich schräg gegenüber vom Cooper-Altbau im Bowery-Viertel (rechter Bildrand). Direkte Nachbarn sind die ukrainisch-orthodoxe Kirche und das Cooper Square-Hotel, das im Hintergrund in die Skyline von NewYork emporragt.
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ls wäre ein intergalaktisches kaputtes Raumschi mitten im New Yorker Bowery-Viertel gelandet, um repariert zu werden – Morphosis’ Kunstakademie Cooper Union wirkt wie von einem anderen Stern. Der zerknautschte Baukörper mit seiner aufgerissenen Fassade fügt sich dennoch passend in das Umfeld, geprägt von großartigen oder auch fürchterlichen Gebäuden. Mit neun Stockwerken stapelt sich der Klotz an der Third Avenue am Cooper Square und beansprucht mit fast 17 000 m2 Fläche einen gesamten Block für sich. In Masse und Größe ähnelt die Cooper Union seinem städtebaulichen Gegenüber, dem Cooper-Altbau. 1859 wurde die Schule im Renaissance-Revival-Stil erbaut und zählt zu den ältesten Universitäten des Landes. Die ursprüngliche Nutzungsgliederung des Cooper-Gebäudes mit Klassenräumen, Laboren, Studios und Büroeinheiten sind auch im Neubau wiederzunden. Der stringente Glaskörper steckt in einem Metallmantel mit Knicken und einem Riss – die kantige Form darunter wird vollkommen überdeckt Die Lochblechverblendung folgt der geradlinigen Vorhangfassade aus Glas – der eigentlichen äußeren Hülle. Nur an der Eingangsseite knicken die Metallpaneele von den Glasscheiben weg, lassen horizontale Falten entstehen und bilden eine Markise, die Richtung Uptown deutet. Die gekrümmte Fassade sowie der Einschnitt in der oberen Hälfte sind kaum nachzuvollziehen. Sie sehen cool aus, mehr nicht. Wären die Metallblenden undurchsichtig, hätten die Önungen ihren Sinn im ungehinderten Ausblick, aber sie sind es gar nicht. Wie Thom Maynes Federal Building in San Francisco ist die Cooper Union eine ausdrucksstarke Architektur mit Metallverkleidung, eher horizontal als vertikal – und beide sind absolut anti-städtisch. Im Federal Building bendet sich im Erdgeschoss eine „Plaza“ sowie eine Snack Bar mit säge-
Wie ein zerquetschter Kanister, zersprungen und auseinandergerissen: Morphosis’ Antwort auf die hektische Großstadt und das ruppige Bowery-Viertel.
zahnförmiger Verkleidung, vom Publikum wird sie sicher gemieden. Zwischen Beton und Glas ist der Raum eng und leer. In dieser Einsamkeit füllen sich die Lücken gerne mit ein wenig Müll. Eine hermetische Abschottung, die ebenfalls zur Architektursprache von Thom Mayne gehört. Im Zentrum liegt eine wilde Treppenskulptur, aufregend anzuschauen, jedoch auch verwirrend für ruhige Gemüter Eine kleine Halle liegt hinter dem Eingangsbereich, das Personal am Tresen leitet die Besucher hinunter zum öentlichen Foyer. Der Grund für ihre Neugierde ist die von Gitterwerk umrandete, viergeschossige, von Tageslicht erhellte „vertikale Plaza“. Sie liegt verborgen im Zentrum des Gebäudes. Die Treppen wollen Geselligkeit fördern, aber sie steigen so steil an, dass ein Ziel oben nicht zu erkennen ist. Die Absätze, die die vorgefertigten Betonstufen unterbrechen, sind vom Erdgeschoss kaum wahrnehmbar. Als Trepunkt für die Studenten ist dieser Raum wenig verlockend, und niemand macht Pause auf seinem Weg nach oben. Allerdings wird der Treppenraum über ein Atrium im fünften Stock mit Tageslicht erhellt, der Himmel fällt aber erst beim Hinaufsteigen ins Auge. Das besonders auällige Element ist ein Gitterwerk aus Stahlrohren, umhüllt mit glasfaserverstärktem Gips. Es beginnt in der Lobby und windet sich um die Stufen nach oben, die Seitenwege schwingen von der Treppe weg, und beim Hinaufsteigen der Geschosse 5 bis 9 erscheint die Geometrie der Acrylstufen noch mehr im Atrium zu schweben. Viele Materialien im Innenraum sind erneuerbar, recycelt und schadstoarm – ein Beitrag zum LEED-Platinum-Standard des ersten grünen Akademiegebäudes in New York. Die Wände sind weiß, die Betonböden hochglanzpoliert, die Beschilderung ist aus Edelstahl. Dem Gebäude fehlt Wärme, die Formgebungen, Kurven und Strukturen wirken hart und kalt. Eigentlich wollte ich das Gebäude als Lernstätte betrachten, aber auf meiner Tour wurde ich an den Klassen vorbeigescheucht und durfte mich nirgendwo mit dem Laptop niederlassen, aus Angst, die Studenten zu stören. Die Labore und Studios sehen aus wie perfekte, einfache geradlinige Räume mit Lichteinfall über die Fassade. Der Aufenthaltsraum am Ende der großen Treppe erstreckt sich über zwei Etagen und wird von Getränkeautomaten besetzt. Aushangtafeln sind vergessen worden, so dass die Wände zwischen den Fahrstühlen bereits mit Plakaten überklebt sind. Das Studentenleben hat nichts gemeinsam mit der Fassade oder der Treppenskulptur. Durch die Benutzung des Fahrstuhls bewegen sich die Studenten vollkommen isoliert, ohne den Raum erleben zu können. Beide Elemente erscheinen schon jetzt wie Museumsstücke aus dem Jahr 2009: angeberisch, aber nicht integriert. So täuscht die neue Cooper Union lediglich eine verwirrende Wahrnehmung des Raums vor, es macht mich nicht an, sondern langweilt nur. ● Aus dem Amerikanischen von Angélique Vossnacke
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Das skulpturaleTreppenelement ist ein Blickfang. Umrandet von Gitterst채ben liegt das obere Ende im Verborgenen, nach jedem Absatz wartet ein neuer Abschnitt, der entdeckt werden muss.
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Ruhe und Ordnung herrscht in den Studios und Büros – als Kontrastprogramm zur chaotischenTreppe. Nichts stört die Konzentration der Studenten.
Die Wände sind weiß, die Betonböden hochglanzpoliert, die Beschilderung ist aus Edelstahl. Dem Gebäude fehlt Wärme, die Formgebungen, Kurven und Strukturen wirken hart und kalt.
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Bauherr:The Cooper Union in New York Architekten: Morphosis, Los Angeles/New York www.morphosis.com Mitarbeiter: Silvia Kuhle, Pavel Getov, Chandler Ahrens, Jean Oei, NataliaTraverso Caruana, Go-Woon Seo, Irena Bedenikovic, Salvador Hidalgo, Marcin Kurdziel, Debbie Lin, Kristina Loock Bauunternehmen: F.J. Sciame Construction, New York Tragswerksplanung: John A. Martin Associates, Los Angeles; Goldstein Associates, Adelphia Fertigstellung: 200 Standort: 1 Cooper Square, New York City, USA
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Fotos: Roland Halbe, Stuttgart
Schnitte M 1 : 1000 Grundrisse M 1 : 50 1 2 5 10 11 12 1 1 15 1
Multifunktions-Seminarraum Klassenraum Luftraum zum darunterliegenden Foyer B端ro Lager Zulieferung Haupteingang Verkauf Dachterrasse Gr端ndach Computer-Arbeitsraum Galerie Studio Labor Kunstsaal Auditorium
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