Cahn’s Quarterly 1/2026 Deutsche Ausgabe
Editorial Liebe Leserinnen und Leser Mit dem Jahreswechsel richtet sich unser Blick sowohl nach vorn als auch zurück. Es gab vieles Schwierige zu bewältigen, aber auch immer wieder ermutigende Begegnungen und Ereignisse. Die besorgniserregende weltpolitische Lage hat ihren Schatten auch über den Kunsthandel geworfen: Als Folge der tiefgreifenden Verunsicherung darüber, was die Zukunft bringen wird, fällt es schwerer, Geld für Luxusgüter auszugeben. Doch die Objekte der Antike haben Jahrtausende überdauert – Kriege, Umbrüche, Neubeginne – und ebenso wird die Liebe zur Geschichte und zur Kunst fortbestehen. Das Sammeln von Kunst ist eine positive, bejahende Handlung, die bewusst als Widerpart zu den polarisierenden und zerstörerischen Kräften der Gegenwart gesetzt werden kann. Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, Konflikte auf sachliche und konstruktive Weise zu lösen. Hierzu möchten wir in dieser Ausgabe von Cahn’s Quarterly einen Beitrag leisten. Leider mussten wir aus erster Hand erfahren, dass selbst im Rahmen berechtigter Diskussionen über die Herkunft von Kunstwerken eine Neigung zu Polemik und Unsachlichkeit besteht. Aus diesem Grund haben wir uns intensiv mit der narrativen Verantwortung in der Provenienzforschung auseinandergesetzt und hierzu Empfehlungen formuliert. Objekte mit hervorragender, dokumentierter Provenienz werden wir vom 23. Januar bis 1. Februar 2026 auf The Winter Show in der
The Park Avenue Armory, New York City, wo The Winter Show stattfinden wird.
Park Avenue Armory, New York City, ausstellen. Ich bin fest überzeugt, dass der USMarkt grosses Potenzial bietet. Der Zugang zur Antike ist bei amerikanischen Sammlern sehr direkt und von grosser Begeisterung geprägt; ihr Interesse gilt sowohl ästhetischen Gesichtspunkten als auch der Sammlungsgeschichte. Im Februar sind wir gleich auf zwei Messen in der Schweiz präsent: an der Maze Gstaad (19.–22. Februar 2026) und an der Maze St. Moritz (27. Februar–1. März 2026). Diese Boutique-Winter-Salons vereinen Galerien und
Kreative aus den Bereichen moderne und zeitgenössische Kunst, Sammlungsdesign und visueller Kultur. Unmittelbar darauf präsentieren wir wie gewohnt unsere Objekte auf der TEFAF Maastricht (14.–19. März 2026). Die Einladungen werden zu gegebener Zeit verschickt. Es würde mich sehr freuen, Sie auf diesen Messen begrüssen zu dürfen.
Die Debatte
Narrative Verantwortung in der Provenienzforschung Von Jean-David Cahn Auf dem Kunstmarkt ist die Frage der Provenienz zu einem zentralen Thema geworden, und die lückenlose Nachverfolgbarkeit der Vorbesitzer eines Kunstwerks spielt bei allen Transaktionen eine entscheidende Rolle. In diesem CQ
Umfeld hat sich die Provenienzforschung zu einer unverzichtbaren Disziplin entwickelt. Die zuständigen Expertinnen und Experten spüren der Geschichte von Objekten nach, rekonstruieren ihre Wege durch Sammlungen und Ver-
kaufskanäle und halten sowohl private als auch öffentliche Eigentumswechsel sorgfältig fest. Doch diese neue Rolle bringt auch neue Verantwortlichkeiten mit sich, die im Folgen1