Cahn’s Quarterly 3/2022 Deutsche Ausgabe
Editorial Liebe Leserinnen und Leser Dieser Herbst war durch eine Mischung aus Neuem und Altbewährtem geprägt. Durch und durch experimentell war die Ausstellung Empreinte. What is Old in the New and New in the Old in den Pariser Räumlichkeiten der Cahn Contemporary, die dem künstlerischen Schaffen einer Ikone des Feminismus, Ulrike Ottinger, gewidmet war. Nach über einem Jahr Vorbereitung konnte dieses Projekt erfolgreich durchgeführt werden. Es war für uns eine grosse Ehre, dass Ulrike Ottinger trotz ihres sehr dichten Programms – darunter die Auszeichnung mit dem Hans-Thoma-Preis des Landes Baden-Württemberg – die Zeit fand, unser Gebäude in Paris in einen eigenen Kosmos zu verwandeln. Ganz im Geiste der Kinematografie hat sie die Räume nach aussen vollkommen verschlossen und im Inneren eine eigene, surreale Welt geschaffen. Es entstand ein verblüffendes Geflecht aus Film, Fotografie und bewegten, da auf drehenden Plattformen aufgestellten, Werken der Antike. Dadurch werden subtile Assoziationen geweckt, die sich beim langen Anschauen Schritt für Schritt erschliessen. Unser Projekt ergänzt die Retrospektive des filmischen Werks von Ulrike Ottinger im Centre Pompidou und kann noch bis zum 17. Dezember 2022 besucht werden. Auch ist eine Broschüre hierzu in Arbeit. Weitere Informationen auf: cahncontemporary. com/ulrike-ottinger-empreintes.
Detail aus Ulrike Ottinger: Empreintes. What is Old in the New and New in the Old. Einzelausstellung, Cahn Contemporary, Bagnolet, Frankreich, 20. Oktober – 17. Dezember 2022
Die Antike in Basel war für uns auch dieses Jahr mit sehr positiven Erfahrungen verbunden. Es war erfreulich zu sehen, dass viele Kunstinteressierte nach Basel kamen, um diese kleine Veranstaltung, an der auch wir teilnehmen, zu unterstützen. Wir hatten ein gutes Echo und konnten auch neue Kunden gewinnen. Ich bedanke mich für den Besuch und die Verkäufe. Unsere Ausstellung Tiere und Mischwesen ist über die Dauer dieser Messe hinaus bis zum 22. Dezember 2022 geöffnet. Weitere Informationen auf: cahn.ch/exhibitions. Zudem bin ich sehr zufrieden, dass ich zwei engagierte, junge Mitarbeiter anstellen konnte, die unsere über Jahrzehnte gewachsenen analogen Ablagen thematisch bündeln und digitalisieren werden: die Archäologin Char-
lotte Chauvier, die eine bemerkenswerte Arbeit über den Maler Asteas geschrieben hat und zudem sich mit der Provenienzforschung befasst, sowie der angehende Archivar Nico Piazzalonga, der vor allem für die technische Ausführung zuständig ist. Möglichst umfassende Kenntnisse der Provenienz eines Objektes sind heute unerlässlich, und dieses Projekt wird uns helfen, den Reichtum an Informationen, der in unseren Karteikästen und Ordnern schlummert, zu erschliessen. Ich darf schon vorwegnehmen: Wir haben bereits jetzt spannende Entdeckungen gemacht, über die wir noch berichten werden.
Die Debatte
Die Zukunft der Archäologie Von Klaus Fittschen Über die Zukunft der Archäologie nachzudenken, hat nur Sinn, wenn das Hauptproblem der Menschheit, der Klimawandel und was damit verbunden ist, gelöst ist. Denn wenn das nicht gelingt – und die Chancen sehen trüb aus; allenthalben werden zwar hochtrabende Worte verkündet, aber praktisch geschieht nichts, es ist alles wieder wie vor Corona; es wurde nichts gelernt – ist kaum vorstellbar, dass in dem zu erwartenden Chaos noch Interesse an einem so leCQ
bensfernen Fach wie der Klassischen Archäologie besteht. Dies also vorausgesetzt, lassen sich folgende Prognosen anstellen. Einige Entwicklungen zeichnen sich bereits ab. Die Digitalisierung, die ja schon durch die aktuelle Corona-Pandemie einen mächtigen Aufschwung erlebt hat, wird zunehmen. Das wird auf verschiedenen Gebieten Auswirkungen haben. Betroffen sind vor allem die Bücher: Fachzeitschriften werden
künftig nur noch (oder wenigstens vor allem) on-line erscheinen. Das American Journal of Archaeology z. B. gibt es seit vorigem Jahr vor allem digital. Ob die neuen Römischen Mitteilungen die zweifache Erscheinungsform, online und gedruckt, werden durchhalten können, muss man abwarten. Zwar wird sich das lästige Scrollen auf der Suche nach den Anmerkungen und den Abbildungen technologisch beheben lassen, aber ob sich den damit verbundenen Aufwand alle Zeitschriften wer1