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Cahn's Quarterly 1/2021 - Deutsche Ausgabe

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Cahn’s Quarterly 1/2021 Deutsche Ausgabe

Editorial Lieber Leserinnen und Leser Hier in Basel haben wir die letzten Monate genutzt, um unsere Archivalien neu zu ordnen. Wir werden auch bald den Ausstellungsraum im Zentrum von Basel, in dem Projekte von Cahn Contemporary gezeigt werden, eröffnen. Um der Einsamkeit des Home-Office entgegenzuwirken, haben wir wieder begonnen, Videos in der Galerie zu drehen. Dabei haben wir das Format der hausgemachten iPhone-Kinematografie beibehalten. Die improvisierten Diskussionen sind eine unterhaltsame Abwechslung für uns, und wir hoffen auch für Sie. Wir werden diese Videos auf YouTube und Instagram veröffentlichen und sie alle zwei Wochen per E-Mail an Sie senden. Diesen Frühling werden wir zudem unsere Webseite erneuern. Es ist mir eine grosse Ehre, dass Klaus Fittschen einen Aufsatz über fotografische Dokumentation in der Klassischen Archäologie für diese Ausgabe von Cahn’s Quarterly verfasst hat. Ich möchte dies zum Anlass nehmen, meine eigenen Erfahrungen mit der Wirkung von Licht auf Skulpturen zu erörtern, ein Thema, mit dem ich mich tagtäglich befasse. Die Beleuchtung ist ein äusserst wichtiges Gestaltungselement bei der Ausstellung von Skulpturen, und es ist erstaunlich, wie wenig Aufmerksamkeit ihr bei der Ausbildung von Archäologen geschenkt wird – zumal ihre Bedeutung bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Ernst Langlotz hervorgehoben wurde. Abhängig vom Lichtwinkel, von der Dramatik, die durch Schatten erzeugt wird, usw. ändert sich der Eindruck, den eine Skulptur auf den Betrachter macht, grundlegend. In Museen wird das Thema Licht nur allzu gerne an Lichttechniker delegiert. Ohne kritische Reflexion wird jede neue Technologie sofort eingeführt. Dabei wird Geld ausgegeben, um auf dem neuesten Stand zu sein, obwohl solche frisch entwickelten Technologien eine gewisse Zeit benötigen, um technische Defizite zu überwinden. Im Extremfall könnte man den Standpunkt vertreten, dass das beste Licht in griechischen Provinzmuseen zu finden ist, wo es einfach nur Tageslicht gibt, das je nach Wetter hart oder weich ist. Es wird zu wenig berücksichtigt, dass in der Antike Skulpturen entweder draussen aufgestellt wurden – wodurch ihr Aussehen sich CQ

im Laufe des Tages aufgrund des Sonnenstandes und des wechselnden Wetters änderte – oder in Innenräumen, in die kaum Tageslicht fiel. Die Bildwerke wurden nicht von oben beleuchtet (wie es heute üblich ist), sondern von unten, durch eine flackernde Lampe oder eine Fackel. Wie eigene Experimente zeigten, wirken Statuen durch eine solche Beleuchtungsweise wie zum Leben erweckt, ein Effekt, der von Betrachtern in der Antike gesucht und geschätzt wurde. Man war bestrebt, mit Skulpturen starke Emotionen hervorzurufen – Epiphanien der Götter oder zumindest die ergreifende, ja geradezu erschütternde Präsenz des Dargestellten. Moderne LED-Leuchten (zumindest der ersten Generation) neigen dazu, zu viel Grün und Blau hinzuzufügen, was dazu führen kann, dass Skulpturen leichenhaft aussehen. Warmes und kaltes Licht muss gemischt werden, um ein Ergebnis zu erzielen, das ansprechend ist – obwohl dies nichts mit Sonnenlicht APHRODITE. Fotografie von Brigitte Vincken, 2012. Freilichtaufzu tun hat, das viel stärker ist. Da nahme ohne Kunstlicht mit einem antiken Torso der Aphrodite. Engajeder den Lichtfilter der Farben auf din, Schweiz. Teil des ersten zeitgenössischen Kunstprojekts der Galerie Cahn. Verkauft etwas andere Weise wahrnimmt, ist es wichtig, mit den Kunden in einen Dialog Renovierungsarbeiten weitere Verbesserunzu treten und gleichzeitig die eigenen Erfah- gen verspricht. rungen einzubringen. Zum Beispiel kann der Händler ein Objekt im Licht bewegen, um dem Es ist offenkundig, dass im Rahmen einer Kunden verschiedene Alternativen zu zeigen. wissenschaftlichen Veröffentlichung klare Standards hinsichtlich der Beleuchtung und Museumsstücke sind meist in einer einzigen Aufstellung von Skulpturen erforderlich sind, visuellen Interpretation gefangen. Wäre es damit die Fotografien für die archäologische nicht aufregend, wenn die Museen die viel- Forschung zweckdienlich sind. In einem Ausfältigen Variationen und Stärken des Lichts stellungskatalog könnte jedoch ein ganz anan ein und derselben Skulptur veranschauli- derer Ansatz verfolgt werden. Schliesslich ist chen könnten? Oder sogar Filmexperimente die Funktion nicht dieselbe – während archäozeigten, etwa mit polykletischen Jünglingen, logische Veröffentlichungen ein Maximum an die von Fackeln beleuchtet werden, wie sie es Objektivität anstreben und es ermöglichen einst im Kryptoportikus in der Villa Hadriana sollten, das Objekt im Detail zu studieren, bewaren? Starke Emotionen werden durch das steht die Aufgabe eines Verkaufskatalogs daLicht im Museum Piräus hervorgerufen; des- rin, Emotionen und Neugier zu wecken. gleichen in der Münchner Glyptothek, wo ein Minimum an künstlichem Licht verwendet wird und wo der Einbau riesiger, nicht spiegelnder Saphirglasfenster im Zuge der 1


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