
Ratgeber: Regionale Kost, Ökotipp zu Sonnencremes
Zur Zeit: Angriff auf Energiewende, Nachhaltigkeit bei Elektrorädern
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Ratgeber: Regionale Kost, Ökotipp zu Sonnencremes
Zur Zeit: Angriff auf Energiewende, Nachhaltigkeit bei Elektrorädern
Wer ist für den Amphibienschutz an Straßen zuständig?

Was muss ich für eine Balkonsolaranlage tun?





Was blüht denn da?
Sie haben Fragen zu den Themen Artenschutz, Naturschutz, Erneuerbare Energien, Energie sparen oder brauchen Hilfe bei der Bestimmung einer Art?

AKTUELLES
4/5 Aktuelle Meldungen
6 Kommentar
7 Gerettete Landschaft
8 Aktuelle Meldungen aus Bayern
10 Angriff auf die Energiewende
11 Hände weg von der Natur!
TITELTHEMA
12 Chance Wildnis
13 Mehr möglich
16 Marine Wildnis
17 Jetzt ist die Zeit
18 BUND-Wildnis mal drei
20 Interview mit Jana Planek
21 Bayerns wilde Wälder
22 Chance für den Spessart
AKTION
23 Mein Baum
UMWELT & TECHNIK
24 Nachhaltigkeit bei Elektrorädern
NATUR IM PORTRÄT
25 Welterbe Grünes Band
26 Pflanzenporträt Trollblume
27 Neues Jagdgesetz
28/29 Artenschutz: Alpines Steinschaf


30/31 Bedroht: Vierpunkt-Ameise
32/33 Wiesenvögel im Blockland
INTERNATIONALES
34 Neue FoE-Vorsitzende
35 Riskant: Gasimporte
URLAUB & FREIZEIT
36 Reise: Apulien
37 Wanderung am Main
38 25 Jahre Fahrtziel Natur
39 Umweltbildung
BN AKTIV + NAH
40 BN-Fläche
41 Editorial des Vorstands
42/43 Unser neuer Landesvorstand
44/45 50 Jahre BUNDjugend Bayern
46 Interview: Fabia Lausberg
47–49 Meldungen
50 Projekt FLOW
51 Porträt
52/53 Junge Seite
54–60 Regionalseiten
SERVICE
61 Leserbriefe
62 Ratgeber
Die Natur+Umwelt ist das Mitgliedermagazin des BUND Naturschutz und die bayerische Ausgabe des BUNDmagazins.
63 Ökotipp
65 Medien und Reisen
66 Kontakt & Impressum


vieles liegt derzeit im Argen, darüber kann auch der wunderschöne Frühling kaum hinwegtäuschen. Speziell das unaufhörliche Treiben einiger Autokraten und Multimilliardäre (Gendern erübrigt sich hier) stellt unseren Optimismus auf eine harte Probe. Wie gut, wenn mal wenigstens eine der demokratie-verachtenden Gestalten (und sei’s eine vergleichsweise kleine in Ungarn) von der Bildfläche verschwindet. Natur und Umwelt lassen sich nur in Demokratien verteidigen, mit politischem Wettstreit, einer kritischen Öffentlichkeit, Beteiligungsmöglichkeiten und einer unabhängigen Justiz. Wie schwer es auch damit fällt, eine Regierung auf Nachhaltigkeitskurs zu bringen, wissen wir alle. Ein Beispiel zur Energiepolitik finden Sie auf Seite 10.
Der Schwerpunkt dieser Ausgabe aber ist der Wildnis gewidmet. Einem Thema also, das unserer kurzlebigen Zeit weit enthoben ist. Wo sich die Natur auf großer Fläche und über lange Jahre frei entwickeln kann, tun sich faszinierende Möglichkeiten auf. Lesen Sie über all die guten Gründe, die für mehr echte Wildnis sprechen, auch in Deutschland.
Luise Frank


GUT GEBORGEN
Erneut kürt der BUND eine »Allee des Jahres« – aus den besten Bildern, die Sie uns zuschicken. Wir freuen uns über Ihre Fotos, ob vor der Haustür oder anderswo in Deutschland entstanden. Das diesjährige Motto des Wettbewerbs lautet »Geborgen in Alleen«. Bitte senden Sie uns bis 16. September maximal vier (digitale) Bilder, die nicht älter als ein Jahr sind. Notieren

... in Berlin-Neukölln: Seit dem Richtfest Ende November ist auf der Baustelle unserer neuen Bundesgeschäftsstelle viel passiert. Das Dach ist abgedichtet, die letzten Fenster sind eingebaut. Nun geht es an die Innenwände aus Lehm und die Holzböden. Trotz der unvermeidlichen Teuerungen und Verzögerungen zeigt der weit fortgeschrittene Bau deutlich: Der BUND wird im nächsten Jahr ein Gebäude

Mehr dazu: www.bund.net/bundesgeschaeftsstelle beziehen können, das ganz auf seinen Bedarf zugeschnitten ist. Schon jetzt ist es eine Freude, durch das Haus zu laufen, Holzbalken und -decken verbreiten eine einladende Atmosphäre.

Sie dazu möglichst den Ort, die Länge der Allee und ihre prägende Baumart. Auch wüssten wir gerne, was Sie mit dieser Allee verbindet. Im Herbst wird eine Jury die Allee des Jahres 2026 küren und öffentlich präsentieren. Für den ersten Platz gibt es neben der Auszeichnung eine Übernachtung auf Burg Lenzen für zwei Personen. Auch den Zweit- und Drittplatzier ten winken schöne Preise.
Foto: Diderik Thaler
Lindenallee in Ratekau, Schleswig-Holstein
Mehr zum Thema www.allee-des-jahres.de; Ihre Fotos senden Sie bitte an: katharina.dujesiefken@bund-mv.de
»Only bad news is good news«
heißt es, vor allem schlechte Nachrichten erregen also unsere Aufmerksamkeit.
Doch positive Neuigkeiten aus dem Naturund Umweltschutz tun einfach gut. Einige aus jüngster Zeit haben wir wie immer für Sie ausgewählt.

Viele Naturtagebücher: Rund 800 Kinder nahmen am jüngsten NaturtagebuchWettbewerb der BUNDjugend in BadenWürttemberg teil, 74 bekamen für ihre Tagebücher einen ersten Preis. Mit Stift und Papier dokumentierten die Acht- bis Zwölfjährigen im vergangenen Jahr ihre Streifzüge durch die Natur. Dabei beschäftigten sie sich zum Beispiel mit der Rettung von Amphibien, der Beobachtung einer Ameisenkolonie oder dem eigenen Garten. Die Landesvorsitzende des BUND, Sylvia Pilarsky-Grosch, überreichte den stolzen Erstplatzierten Mitte März ihre Urkunden und Preise. Auch in diesem Jahr findet der Wettbewerb wieder statt, Einsendeschluss ist der 31. Oktober.
Der Goldschakal hat den Norden erreicht: Erstmals konnte ein Territorium des Goldschakals auch in unserem nördlichsten Bundesland nachgewiesen werden. Im Kreis Plön (Mittelholstein) wurde das charakteristische Heulen von mindestens zwei Tieren aufgezeichnet. Nun wird Nachwuchs erwartet. Die heimlichen Einwanderer sind etwas größer als ein Fuchs, doch deutlich kleiner als ein Wolf. Für Menschen sind sie nicht gefährlich. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Tiere über den Balkan bis nach Mitteleuropa ausgebreitet, begünstigt durch immer mildere Winter.
Drei Meeresschutzgebiete: In der Ostsee hat das Land Schleswig-Holstein drei neue Naturschutzgebiete ausgewiesen. Sie liegen vor der Geltinger Bucht, der Hohwachter Bucht und vor Fehmarn. Auf 238 Quadratkilometern darf hier nicht mehr gefischt werden, damit sich Schweinswale, Fische oder Meeresenten sowie Seegraswiesen und andere Lebensräume erholen können. Der BUND begrüßt diese Schutzgebiete und fordert den Bundesverkehrsminister auf, sie nun auch vom motorisierten Wassersport zu befreien. Zudem müsse der Eintrag von Nährstoffen verbindlich gesenkt werden, was mit der Landwirtschaft bislang nur freiwillig vereinbart ist.
Braunkohleförderung endet früher: 2030 und damit drei Jahre früher als geplant wird die Lausitzer Energie AG die Förderung von Braunkohle im Tagebau Welzow-Süd aufgeben. Das Unternehmen begründete die vorgezogene Schließung des letzten Brandenburger Tagebaus mit dem Erfolg der erneuerbaren Energien. So habe der Zubau von Photovoltaikund Windkraftanlagen die Förderung der Braunkohle unwirtschaftlich gemacht. Ein wichtiger und überfälliger Schritt für den Klimaschutz und die Energiewende!
Kostenloses Beratungsangebot: Im Rahmen des vom Umweltbundesamt geförderten Projektes »Recht verständlich« bietet der Verein »Green Legal Impact Germany« an, haupt- und ehrenamtliche Umweltaktive zu beraten. Neben allgemein verständlichen Publikationen zu Aspekten des Umweltrechts können Gruppen und Aktive des BUND mehrmals im Monat kostenlos eine Online-Sprechstunde nutzen, um juristische Fragen mit Umweltbezug zu klären. Mehr zu diesem Service erfahren Sie hier: www.greenlegal.eu /recht-verstaendlich
KOMMENTAR
OLAF BANDT
ist der Vorsitzende des BUND.

Die Bundesregierung plant Bauprojekte künftig schneller umzusetzen. Umso wichtiger, dass der Umweltminister nun auch den Biotopverbund endlich als gesetzlichen Auftrag formulieren will.
Ich erinnere mich gut an diesen Herbsttag: 150 Freiwillige, Ramme und Spaten in der Hand, kalte Luft, nasser Boden. Wir haben gemeinsam einen Wildkatzenkorridor gepflanzt. Meter für Meter entstand eine neue Verknüpfung zwischen zwei Wäldern in Sachsen. Es war anstrengend – und gleichzeitig etwas sehr Konkretes. Wir haben Natur wieder verbunden.
Genau darum habe ich mit Verbündeten aus anderen Naturschutzverbänden drei Jahre lang für das Gesetz zur Sicherung der natürlichen Infrastruktur geworben. Ein Entwurf des Bundesumweltministers Carsten Schneider liegt nun vor. Darin geht es einerseits um klare Regelungen. Und ganz grundsätzlich um die Frage, ob unsere Landschaft wieder zusammenwachsen oder weiter zerschnitten werden soll.
Biotopverbund ist kein »Nice-to-have«. Er ist die Voraussetzung dafür, dass Arten überhaupt überleben. Schutzgebiete alleine reichen nicht, solange sie isoliert sind. Die Natur funktioniert nicht in Inseln, sondern in Netzen. Das wissen wir seit Jahren. Dennoch scheitert die Umsetzung immer wieder; nicht am Wissen oder am Engagement vor Ort, sondern an politischen Blockaden. Besonders laut kommt der Widerstand von Teilen des Bauernverbands. Der tut so, als sei die Sicherung von Lebensräumen ein Angriff auf die Landwirtschaft. Das Gegenteil ist richtig.
Eine funktionierende natürliche Infrastruktur stabilisiert Erträge, schützt Böden, hält Wasser in der Landschaft und macht unsere Äcker widerstandsfähiger gegen die Klimakrise. Wenn Teile der
Agrarlobby heute dagegen ankämpfen, Lebensräume miteinander zu verknüpfen und Flächen verbindlich für die Natur zu sichern, arbeiten sie letztlich gegen die eigenen langfristigen Grundlagen. Und um es deutlich zu sagen: Wir werden den dramatischen Verlust von Arten und Lebensräumen in unserem Land nicht stoppen, wenn wir weiterhin jede verbindliche Regelung verwässern. Freiwilligkeit allein hat uns hier nicht ans Ziel gebracht, das haben die letzten Jahrzehnte eindrücklich gezeigt.
Das Gesetz zur Sicherung der natürlichen Infrastruktur setzt genau hier an. Es soll Verbindlichkeit für den Naturschutz schaffen –dieselbe Verbindlichkeit im Detail, die wir bei der Planung von Fernstraßen oder Schienenwegen oder Gewerbegebieten haben. Das Gesetz soll aus vielen Einzelprojekten eine tragfähige natürliche Infrastruktur für ganz Deutschland schaffen.
Unser »Rettungsnetz für die Wildkatze« zeigt, wie es gehen kann: Korridore, die Wälder verbinden. Kooperationen mit jenen, die Wälder und Felder bewirtschaften. Praktische Lösungen, die funktionieren. All das bleibt jedoch Stückwerk, wenn es nicht Teil eines größeren, gesicherten Netzes wird. Ich denke oft an unseren Pflanztag zurück. An die vielen Menschen, die da mit angepackt haben. Sie alle haben gezeigt, dass Veränderung möglich ist –wenn wir sie wollen. Jetzt ist der Bundestag am Zug.
Als BUND werden wir weiter dafür sorgen, dass aus guten Ideen verbindliche Realität wird – gemeinsam, vor Ort und politisch. Danke, dass Sie sich mit uns dafür einsetzen!

Obwohl den Rhein nur noch Reste seiner einst kilometerbreiten Aue säumen, gilt sein Auwald als einer von 30 deutschen Hotspots der biologischen Vielfalt. Strom und Aue bilden einen Korridor für Tierwanderungen und die Verbreitung von Pflanzensamen. Auf Drängen des BUND nahm Rheinland-Pfalz
ab 2015 alle Auwälder in seinem Besitz aus der Nutzung und überließ sie der natürlichen Entwicklung (im Bild die Hördter Rheinaue). Seit 2023 sind etwa tausend Hektar davon als Naturwaldreservat geschützt. Davon profitieren Raritäten wie der Maifisch, die Knoblauchkröte und der Große Feuerfalter.

Am 18. April gingen in Berlin, Köln, Hamburg und München über 80 000 Menschen auf die Straße, um für die Energiewende und Erneuerbare Energien zu demonstrieren.
Allein in München waren rund 12 000 Teilnehmer*innen gekommen, unter ihnen viele BN-Aktive. Das breite Bündnis, das zur Demo aufgerufen hatte, wertete die Proteste als großen Erfolg und klares Signal an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, ihren Kurs in der Ener-
giepolitik zu ändern. »Wir alle wollen ein warmes Zuhause, Mobilität, die wir uns leisten können, und einen gesunden Planeten«, betonte BN-Vorsitzender Martin Geilhufe bei seiner Rede auf der Demo. »Ein Garant dafür ist die Energiewende. Fossile Energien hingegen bedrohen unsere Sicherheit. Wir sind deshalb entsetzt, wie Wirtschaftsministerin Katherina Reiche den Ausbau der Erneuerbaren Energien ausbremsen will.«

Müsste dringend saniert werden: Die Ummantelung des havarierten AKW Tschernobyl.
Vor 40 Jahren, im April 1986, explodierte Block 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl in der heutigen Ukraine. Es war der fol-
Bayerns Artenschutzfachleute sind besorgt über die Amphibienbestände im Freistaat. Bei der diesjährigen Rettungsaktion zeigte sich: Es werden immer weniger.
Im Frühling stellen ehrenamtliche Helfer*innen Amphibienzäune an Straßen auf und bringen Tag für Tag die Frösche, Molche und Kröten sicher auf die andere Seite. Es ist die größte Artenschutzaktion Bayerns, bei der jedes Jahr Tausende von BN-Aktiven unermüdlich im Einsatz sind. Der Verlust von Feuchtgebieten sowie Pestizide aus der Landwirtschaft, die die Tiere teils über die Haut aufnehmen, machen ih nen zu schaffen. Der BN-Amphibienexperte Andreas Zahn bestätigt den Rückgang »bei fast allen Arten« – auch solchen, die früher sehr häufig waren wie Grasfrosch und Erdkröte. Die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur ist hier ein Hoffnungsschimmer, weil sie für die Renaturierung von Feuchtlebensräumen sorgen kann.

Früher eine Allerweltsart, inzwischen immer seltener: der Grasfrosch
genschwerste atomare GAU in der Geschichte der Kernenergie. Vor 15 Jahren, im März 2011, kam es im japanischen AKW Fukushima nach einem Erdbeben und Tsunami zu mehreren Kernschmelzen. Auch heute bleibt die Auseinandersetzung über die Risiken der Atomkraft hochaktuell. Die Endlagerfrage ist nach wie vor ungelöst, Zwischenlager entwickeln sich zu riskanten Langzeitprovisorien und neue Debatten um vermeintlich »neue« Technologien wie Small Mo-
dular Reactors zeigen: Eine Entwarnung gibt es nicht.
Der BUND Naturschutz setzt sich deshalb weiterhin energisch für eine Energieversorgung ohne Atomkraft ein, unter anderem mit einer Gedenkveranstaltung zu Tschernobyl am 26. April, dem Jahrestag der Katastrophe. Abgesehen von Sicherheitsaspekten darf nicht vergessen werden: Atomenergie benötigt einen Rohstoff, Uran, der genau wie Öl oder Gas importiert werden müsste und geopolitische Abhängigkeiten schafft.




















Rückwärtsgewandt und klimaschädlich:
Für ihre Energiepolitik erntet die Bundesregierung zunehmend
Protest. Zu Recht.
Statt ihrer gesetzlichen Verpflichtung zum Klimaschutz nachzukommen, sägt die Bundesregierung an dem Ausbau der erneuerbaren Energien. Sie plant den Einbau von Öl- und Gasheizungen auch künftig zu erlauben und Milliarden für neue Gaskraftwerke auszugeben. Im Zuge des Angriffs auf den Iran sind die Preise stark gestiegen. Was einmal mehr verdeutlicht hat: Unsere Abhängigkeit von den fossilen Energieträgern Öl und Gas ist riskant und teuer. Schon lange ist klar: Die heimischen erneuerbaren Energien liefern den perfekten Ausweg aus solchen Krisen. Sie machen Klimaschutz möglich, senken die Energiepreise nachhaltig und schaffen Unabhängigkeit. Doch anstatt sie mit aller Kraft auszubauen, planen Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und die Bundesregierung einen Frontalangriff auf die Energie- und Wärmewende.
AUSBAU GEFÄHRDET
Das nun geplante »Netzpaket« droht den Ausbau erneuerbarer Energien durch die Hintertür zu bremsen. Wind- und Solarparks sollen dort, wo das Netz Engpässe aufweist, ohne Entschädigung abgeregelt werden können und den Anschlussvorrang verlieren. Kleine Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach sollen zudem keine feste Einspeisevergütung mehr erhalten. Gerade für die Energiegenossenschaften und kommunalen Projekte wäre das fatal.

Für ihre Energiepolitik bekam Ministerin Katherina Reiche vom BUND als Schmähpreis eine rostige Heizung; in der Bildmitte vorn unser Autor.
Dabei ist der naturverträgliche Ausbau von Wind- und Solarenergie, Speichern und Netzen die Basis einer sicheren, bezahlbaren und unabhängigen Versorgung mit Energie. Hunderttausende Arbeitsplätze in Handwerk, Industrie oder Stadtwerken hängen an einem stabilen Ausbaukurs.
Beim Heizen will die Bundesregierung den Einbau von Öl- und Gasheizungen auch in Zukunft erlauben, wenn schrittweise »grüne Gase« beigemischt werden. Die allerdings gibt es weder in ausreichender Menge noch zu bezahlbaren Preisen. Biomethan ineffizient in Gebäudeheizungen zu verbrennen, hätte fatale Folgen für Klima, Natur und uns Verbraucher*innen. Vor allem wer mietet und nicht selbst über seine Heizung entscheiden kann, läuft so in eine Kostenfalle.
Ferner will die Bundesregierung neue Gaskraftwerke mit Milliarden fördern, ohne den Großkonzernen vorzuschreiben, wie die künftig klimafreundlich betrieben
werden sollen. Dabei müsste sie mit Blick auf Strompreise und Klimaschutz alles tun, unser Energiesystem mit Batteriespeichern und anderen klimafreundlichen Alternativen flexibler zu gestalten.
Doch der Widerstand gegen diesen Rollback wächst. Die rückwärtsgewandte Energiepolitik der Bundesregierung stößt in Umfragen mehrheitlich auf Ablehnung. Nicht nur Umwelt- und Sozialverbände warnen vor den Folgen dieser Politik, sondern auch Unternehmen und Kommunen. Viele Demos und dezentrale Aktionen richteten sich im April gegen den fossilen Kurs der Bundesregierung. Die nächste Gelegenheit, für eine schnelle Energiewende zu werben, bietet der 30. Mai. Dann ruft der BUND mit Fridays for Future, Greenpeace und Campact zu einer großen Demo in Hamm auf (> Seite 32).
Julius Neu
... ist BUND-Experte für Energie- und Klimapolitik.
Ein Beispiel von vielen: In Regensburg sollen wertvolle Schlämmteiche Logistikhallen weichen. Der BN-Landesvorstand protestierte bei einem Besuch vor Ort gegen die Baupläne.

Foto: Helge Swars

EUROPÄISCHE UMWELTPOLITIK
Mehrere EU-Mitgliedstaaten drängen die Europäische Union derzeit dazu, bestehende Natur- und Umweltschutzgesetze abzuschwächen. Der BN und viele andere Umweltverbände stellen sich schützend vor die Natur. Helfen Sie mit!
Atemluft, Trinkwasser, Lebensmittel, intakte Natur – all das hängt von wirkungsvollen Schutzgesetzen ab. Dennoch gibt es derzeit auf EU-Ebene Versuche, die Gesetze zum Schutz von Natur und Umwelt aufzuweichen. Die Natur würde damit zu einer Ressource degradiert, die es auszubeuten gilt. Doch wenn die Natur verliert, verlieren wir alle. Begründet wird das Vorgehen auf EUEbene mit Begriffen wie »Entbürokratisierung« und »Vereinfachung«. Doch tatsächlich geht es dabei oft nicht um schlankere Verfahren, sondern um weniger Regeln – auf Kosten von Umwelt, Gesundheit und Gemeinwohl.
WAS AUF DEM SPIEL STEHT
Wenn Umweltauflagen gelockert und Kontrollen reduziert werden, können wieder mehr Schadstoffe aus Industrie und Landwirtschaft in Flüsse, Seen und ins Grundwasser gelangen. Über Trinkwasser und Lebensmittel kommen die Schadstoffe letztlich bei uns an. Werden Wälder leichter zur Abholzung freigegeben oder Grenzwerte für Chemikalien und Abgase

gesenkt, nimmt die Belastung der Luft zu. Mehr Smog, mehr Feinstaub, mehr giftige Stoffe.
Naturnahe Wälder, frei fließende Flüsse und unverbaute Landschaften sind in Europa selten geworden. Dass es sie noch gibt, liegt vor allem an ihrem gesetzlichen Schutz. Wird dieser Schutz geschwächt, breiten sich Flächenverbrauch und Raubbau weiter aus – mit dauerhaften Schäden für Tiere, Pflanzen und ganze Lebensräume. Wälder und Feuchtgebiete sind natürliche CO2-Speicher. Gleichzeitig schützen sie uns vor Überschwemmungen, Hitzewellen und Stürmen. Wenn diese Ökosysteme geschwächt oder zerstört werden, verlieren wir wichtige Verbündete im Kampf gegen die Klimakrise – und ihre Folgen treffen uns noch härter.
Zahlreiche europäische Umweltverbände fordern deshalb von der EU: Schutzinstrumente wie die Natura 2000-Richtlinien oder die Wasserrahmenrichtlinie oder Umweltverträglichkeitsprüfungen müssen beibehalten werden. Die bestehenden Naturschutzgesetze zeigen klare Erfolge. Sie müssen nicht geändert, sondern konsequent umgesetzt werden. Jede Lockerung gefährdet uns alle.
WAS KANN ICH TUN?
Schließen Sie sich der europaweiten Aktion »Hands Off Nature« (Hände weg von der Natur!) an. Dass wir um jahrzehntelang erkämpfte Schutzgesetze bangen müssen, betrifft alle Bürger*innen Europas. Geben Sie der Natur eine Stimme: Verantwortliche in der Politik bewegen sich umso eher, je mehr Druck sie bekommen. Auf diese Weise konnten wir in der Vergangenheit schon viel erreichen. Jede Stimme zählt.
Unterstützen Sie unseren Appell an die europäischen Politiker*innen, die bestehenden Naturschutzgesetze zu verteidigen, statt sie auszuhöhlen.
Setzen Sie ein Zeichen und unterschreiben Sie auf der Unterschriftenliste, die diesem Heft beiliegt, oder online: www.bund-naturschutz.de/ aktionen/hands-off-nature
In unserem so gründlich auf- und ausgeräumten Land gibt es kaum mehr Orte, die uns einen Eindruck von ungelenkter Natur vermitteln können. Die uns eine sinnliche Erfahrung der Kräfte schenken, die wir Menschen beinahe überall im Zaum halten und blockieren. Die uns eine Ahnung davon vermitteln, wie reich sich das Leben entfaltet, wenn wir ihm die Chance geben und nicht unaufhörlich eingreifen.
Ist es nicht ein Armutszeugnis, dass wir der Wildnis in einem so wohlhabenden Land derart wenig Raum lassen? Selbst die bescheidenen nationalen Ziele für mehr Wildnis,


Der Natur einmal großflächig ihren Lauf zu lassen, kann sich überaus positiv auswirken. Auch und gerade in unserem stark genutzten und dicht besiedelten Land.

KATRIN EVERS ist Referentin im BUND-Team Naturschutzgroßprojekte.
Die Wildnis zu überwinden, die natürlichen Abläufe zu steuern und zu kontrollieren – das hat die kulturelle Entwicklung des Menschen geprägt und prägt sie zum Teil bis heute. Wildnis im Sinne des Naturschutzes bedeutet vor allem: die Natur Natur sein lassen. Und das nach Möglichkeit großflächig. Greift der Mensch nicht mehr ein, bieten sich enorme Chancen: für die biologische Vielfalt, für den Klimaschutz, für die Anpassung an sich rasant ändernde Umweltbedingungen. Und für ein einzigartiges Naturerlebnis.
Um Wildnis zu erfahren, müssen wir nicht in tropische Regenwälder, in die Antarktis oder Afrikas Savannen reisen. Ihre Ruhe, ihre Lebendigkeit und Ursprünglichkeit sind auch hierzulande mit allen Sinnen zu begreifen. In Deutschland darf sich die Natur derzeit auf rund 220 000 Hektar frei entwickeln, eine Fläche gerade zweieinhalb Mal so groß wie Berlin. Sie umfasst die Kernzonen der Nationalparke und Biosphärenreservate, ausgewiesene Naturwälder, ehemalige Truppenübungsplätze sowie Teile der vom Bergbau gezeichneten Landschaft.
UNVERZICHTBAR
Mindestens 1000 Hektar muss ein Gebiet in der Regel groß sein, um als Wildnis zu gelten. Bei Auen und Mooren, Küsten und Seen reichen 500 Hektar. Eine weitere Voraussetzung: Hier gibt es weder Land- und Forstwirtschaft noch Fischerei. Außerdem soll sich die Natur ergebnisoffen entfalten können und möglichst unzerschnitten sein. Ganz ohne menschlichen Einfluss sind Wildnisgebiete jedoch nicht. Über Luft und Wasser erhalten sie Nährstoffe aus der Landwirtschaft oder Schadstoffe aus Verkehr und Industrie. Auch die Erderhitzung wirkt sich hier wie überall aus.

Naturentwicklung im Nationalpark Bayerischer Wald
Gerade wegen der allgegenwärtigen
Spuren des Menschen ist Wildnis heute unverzichtbar, für die Natur wie für uns Menschen. Denn sie hilft die biologische Vielfalt zu sichern, also die Vielfalt der Gene, Arten und Lebensräume. So zeigt erst das dynamische Nebeneinander verschiedenster Entwicklungsstadien das volle Potenzial eines Ökosystems – im Wald von offenen Flächen nach einem Feuer bis zu uralten Baumbeständen mit viel Totholz. Nicht wenige Tiere, Pflanzen und Pilze sind auf Lebensräume angewiesen, wo sich die Natur frei vom Menschen entfalten und an Veränderungen etwa des Klimas anpassen kann.
Das macht Wildnisgebiete auch zu wichtigen Referenzorten. Von ihnen können wir mit Blick auf unsere Wirtschaftsflächen lernen. So zum Beispiel im Wald: Welche Artengemeinschaft, welcher Waldtyp stellt sich ein, wenn es heißer und trockener wird und Forstbetriebe immer häufiger mit Borkenkäfern oder mit Dürreschäden zu kämpfen haben?
Für den Wasserhaushalt einer Landschaft sind Wildnisgebiete ebenfalls bedeutsam. Denn sie vermögen sehr nasse und sehr trockene Phasen abzupuffern.
Flächenansprüche durch Land- und Forstwirtschaft, Siedlung und Verkehr nehmen den größten Teil unseres Landes ein. Aktuell sind nur 0,62 Prozent der Fläche Wildnis. Bis 2030 sollen laut Nationaler Strategie zur Biologischen Vielfalt 2 Prozent der Landesfläche großflächige Wildnisgebiete sein.

Zwei Prozent: das Wildnisziel bis 2030
DARSTELLUNG DER FLÄCHENNUTZUNG
Wildnis aktuell Sonstiges Verkehr und Siedlung Forst Landwirtschaft
Totholz speichert große Mengen Wasser, vitale Moore können wie ein Schwamm Wasser aufnehmen und wieder abgeben.
Gleiches gilt für intakte Auen entlang naturnaher Flüsse, die uns dadurch vor katastrophalem Hochwasser bewahren.
Schließlich sind Naturwälder, Auen und Moore effektive Kohlenstoffsenken und bremsen den weiteren Anstieg von Kohlendioxid in der Atmosphäre. Wälder, die lang nicht mehr forstlich genutzt werden, können im Boden, in der Biomasse und im Totholz dauerhaft um die Hälfte mehr Kohlenstoff speichern als ein Wirtschaftswald.
WILDNIS RECHNET SICH
Je wilder die Natur ist, desto besser gefällt sie vielen Menschen. Das belegen Umfragen regelmäßig. Denn Wildnis bietet uns – und das ist ein weiterer Vorteil – einen wichtigen Ausgleich zur stark genutzten Kulturlandschaft. Sie ist ein Sehnsuchtsort, an dem Körper und Seele zur Ruhe kommen. Naturerlebnisse sind hier in vielen Facetten möglich. Wo zum Beispiel nicht gejagt wird, lassen sich
Wildtiere besser und vor allem tagsüber beobachten. Wo der Mensch nicht mehr ordnend eingreift, erfahren wir die Natur ganz neu. Weltweit sind Wildnisgebiete daher beliebte Ausflugs- und Urlaubsziele. Sie stärken ländliche Regionen, können also auch ein Wirtschaftsfaktor sein.
Klassischer Naturschutz zielt oft darauf, bestimmte Lebensräume oder Tiere und Pflanzen zu bewahren. Auf hinreichend großer Fläche aber entsteht langfristig und ohne unser Zutun ein zeitliches und räumliches Mosaik der Naturentwicklung. In naturbelassenen Wäldern oder in dynamischen Flussauen werden dann auch Arten überleben, für die wir besondere Verantwortung tragen. Ein aufwendiges Management zum Schutz von Arten wie Frauenschuh oder Gelbbauchunke wäre dann nicht mehr nötig. Gleichwohl bleibt es natürlich richtig und wichtig, artenreiche Elemente unserer Kulturlandschaft pflegerisch zu erhalten.
WATTENMEER, ALPEN …
In bestehenden oder geplanten Wildnisgebieten kann es nötig sein, eventuellen Konflikten vorzubeugen. So ist es mitunter sinnvoll, in Randbereichen die Jagd zuzulassen. Und für den Fall eines Feuers mit vegetationsfreien Brandschneisen oder Wegenetzen für Löscharbeiten die Umgebung zu schützen. In unserem dicht besiedelten Land treffen eben unterschiedlichste Ansprüche aufeinander Doch der BUND ist überzeugt: Unser Land hat weit mehr Raum für Wildnis. So wäre im Wattenmeer Wildnis pur möglich, verstärkt durch die außergewöhnliche Dynamik der Gezeiten. Ganz im Süden bieten sich speziell die Alpen an, nicht nur in den Hochlagen. Auch Auen können rasch zur Wildnis werden, wenn man die Flüsse nur frei fließen lässt.
Großes Wildnispotenzial birgt vor allem der Wald. Wo der Mensch keine Bäume mehr entnimmt und nicht mehr pflanzt und
pflegt, entwickelt sich die für Waldökosysteme natürliche Dynamik. Die Wälder werden vielfältiger in ihrer Struktur und dadurch stabiler. Stürme, Überflutungen, Insektenbefall oder Dürren sind dann ein Teil dieser Dynamik und können Dünger liefern oder Licht und Platz für die nächste Waldgeneration.
Viele Wildnisgebiete in Deutschland sind frei zugänglich. Lassen Sie ihren Zauber bei einem Besuch auf sich wirken. Und nutzen Sie die Bildungsangebote, die diese einmalige Erfahrung oft begleiten.
Mehr zum Thema www.bund.net/wildnis
Die Broschüre »Wir für Wildnis« der Initiative Wildnis in Deutschland finden Sie hier gratis: www.wildnisindeutschland.de/ broschuere-wir-fuer-wildnis
Das Elbsandsteingebirge im Nationalpark Sächsische Schweiz



MARINE WILDNIS
Nord- und Ostsee werden heute flächendeckend und intensiv genutzt. Zu ihrer Entlastung wären Wildnisgebiete besonders wertvoll.


VALESKA DIEMEL und ...
MARIA LENA JAN SSEN
sind für den BUND im Meeresschutz aktiv.
Bunte Steinriffe, schwingende Seegraswiesen und dazu Fische in Fülle? Wer die Weiten der Meere für überwiegend ungestört hält, sitzt einem Wunschdenken auf. Die Realität ist eine andere. Alle deutschen Meeresgebiete werden gleich mehrfach belastet. Von reiner Wildnis in Nord- und Ostsee ist kaum eine Spur. Das möchte der BUND ändern.
Seit 2017 genießen sechs große Meeresgebiete in Nord- und Ostsee auf zehntausend Quadratkilometern europäischen Schutz. Doch nur auf dem Papier. Denn die Umsetzung der Schutzziele lässt stark zu wünschen übrig. Fischerei und Schifffahrt finden dort weiter in großem Stil statt, Unterwasserlärm und Müll und eingeschwemmten Nährstoffen ist keinerlei Einhalt geboten. Die marine Vielfalt nimmt darum rapide ab, noch schneller als an Land. Bis vor wenigen Jahrzehnten waren riesige Heringsschwärme und über einen Meter große Dorsche kein seltenes Bild. Heute sind sie in der Nordsee weitgehend, in der Ostsee komplett verschwunden.
Immerhin: Langsam wächst Widerspruch dagegen, wie mit den Schutzgebieten verfahren wird. Auch auf Drängen des BUND wurde inzwischen auf ersten Teilflächen in der Nordsee (wie der Doggerbank) die zerstörerische Fischerei mit Grundschleppnetzen verboten. Ein wichtiger Schritt! Doch der Abbau von Sand und Kies oder die Schifffahrt bleiben hier erlaubt. Damit sich die Meeresnatur langfristig erholen und wieder ungestört entfalten kann, braucht es mehr Mut zur Wildnis. Gerade auf See sind echte Wildnisgebiete eine große Chance. Sie sollten jeweils mindestens 3000 Hektar umfassen,

Basstölpel brüten in Deutschland nur auf Helgoland, stürzen sich aber in der ganzen Nordsee aus großer Höhe ins Wasser, um Fische zu fangen.
weitgehend unzerschnitten sein und sich dauerhaft ungesteuert entwickeln dürfen. Nur dann können sie zum Rückzugsraum, zur Kinderstube und zum Nahrungsgrund für Fische, Schweinswale, Seevögel und zahllose weitere Tiere werden. Auch bekämen marine Ökosysteme endlich Raum und Zeit, um sich an die Folgen der Klimakrise anzupassen.
Angesichts des kritischen Zustands von Nord- und Ostsee fordert der BUND mit der Initiative Wildnis in Deutschland, zumindest die Hälfte der heute geschützten Meeresgebiete zur Wildnis zu erklären. Eine gute Voraussetzung dafür ist, dass es, anders als an Land, im Meer kein privates Eigentum gibt.
WILDES WATT
Potenzial dafür bieten nicht zuletzt die Wasserflächen unserer Nationalparks an den Küsten. Deren vorrangiger Zweck ist ohnehin die »ungesteuerte Entwicklung« – auch wenn zahllose naturschädliche Nutzungen dies jeden Tag konterkarieren. Im Wattenmeer ein echtes Wildnisgebiet einzurichten, hieße unter anderem, eine Teilfläche tatsächlich mal komplett von Fischerei und Schiffsverkehr zu befreien. Dies würde das sensible Weltnaturerbe in vieler Hinsicht stärken.


UHDE ist BUND-Expertin für Waldpolitik und Wildnis.
RALF MEYER ist Mitglied im Bundesvorstand des BUND.
220 600 Hektar Wildnis gibt es hierzulande. Das klingt viel, ist aber nicht größer als andernorts ein einziger Nationalpark. International betrachtet ist das recht kläglich. Dabei drängen wir ja gerne –und aus gutem Grund – darauf, weltweit Regenwälder, Mangroven oder wilde Flüsse zu schützen. Zeit also für mehr Wildnis auch bei uns!
2007 beschloss die Bundesregierung, zwei Prozent Deutschlands bis 2020 als Wildnis auszuweisen und zu schützen. Dieses Ziel ihrer Biodiversitätsstrategie hat sie verfehlt und sich dafür nun bis 2030 Zeit gegeben. Doch bis heute ist mit 0,62 Prozent der Landesfläche kaum ein Drittel geschafft. Der BUND fordert, hier endlich einen Zahn zuzulegen.
WIE SOLL DAS GEHEN?
Tatsächlich ist es eine Herausforderung, in unserem so dicht besiedelten und intensiv bewirtschafteten Land noch große, unzerschnittene Flächen zu finden, um der Natur ihren Lauf zu lassen. Eine Studie


Die Bundesregierung hat sich verpflichtet, wilder Natur neuen Raum zu geben. Doch ihrem Ziel hinkt sie weit hinterher. Der BUND fordert mehr handfeste Ergebnisse.
der Initiative Wildnis in Deutschland (InWiD) hat jedoch allein auf öffentlichem Grund ein Wildnispotenzial von zusätzlich 1,67 Prozent der Landesfläche erkannt. Um das zu nutzen, müssen Bund, Länder und Kommunen engagiert mit Flächeneigentümer*innen und Akteuren wie dem BUND zusammenarbeiten. Auch finanzielle Unterstützung und passende Rahmenbedingungen sind gefragt. Hier setzt die InWiD an, ein Bündnis aus 22 Naturschutzverbänden und Stiftungen, das sich für mehr Wildnis starkmacht. BUND und BUNDstiftung haben es mitgegründet.
NEUER RÜCKENWIND
Dank der langjährigen Überzeugungsarbeit unserer Initiative gibt es endlich finanzielle Mittel, um mehr Wildnisgebiete auszuweisen: die Förderprogramme Wildnisfonds und KlimaWildnis. Als Ratgeber spielen InWiD und KlimaWildnisZentrale hierbei eine wichtige Rolle. Vor Ort sind besonders geschulte Botschafter*innen im Einsatz, um Ängsten und Bedenken zu begegnen, die im Umfeld von geplanten Wildnisgebieten oft geäußert werden. Der BUND fordert all dies weiter zu stärken, speziell mit dem Blick auf mehr
Wildnis im Wald. Als natürliche Kohlenstoffsenke tragen Naturwälder wesentlich zum Klimaschutz bei.
Privatleute, die mit dem Gedanken spielen, auf eigenem Grund mehr Wildnis zu ermöglichen, müssen noch besser beraten und unterstützt werden. Mit jeder Zusage rückt auch das BUND-Ziel näher, mittelfristig fünf Prozent Deutschlands der wilden Natur zu überlassen.
SYNERGIEN MÖGLICH
Chancen für Wildnis bietet auch die neue EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur. Sie betont den Schutz von Wildnis als wichtigen Baustein, um Ökosysteme wiederzubeleben. Als BUND drängen wir darauf, diese Verordnung jetzt ehrgeizig umzusetzen.
Parallel zielt die Biodiversitätsstrategie der EU darauf, bis 2030 ein Zehntel der Land- und Meeresflächen unter strengen Schutz zu stellen. Im Fokus stehen hier besonders die Naturwälder. Der BUND fordert die Bundesregierung auf, ihrer internationalen Verantwortung gerecht zu werden und mithilfe dieser Instrumente das Ihre zu tun für mehr Wildnis in Deutschland.
Der BUND engagiert sich seit Langem für mehr Wildnis in Deutschland. Zum Beispiel in der Goitzsche bei Bitterfeld, in der Hohen Schrecke in den Thüringer Landkreisen Kyffhäuser und Sömmerda sowie im Eggegebirge bei Paderborn
Der erste Eindruck an diesem Frühlingstag: große Stille. Nur gelegentlich knattern Gewehrsalven vom benachbarten Militärgelände, in der Ferne rufen Kolkraben. Projektleiter Ralf Meyer deutet auf die Tonhalde, eine Halbinsel im Großen Goitzschesee: »Vor zwanzig Jahren sagte uns ein Forstwirt, auf diesem Kippenmaterial würde kaum mehr ein Baum Fuß fassen. Heute nun stehen hier Birken, Kiefern und Espen dicht an dicht.« In der Bucht vor uns bessern Kormorane ihre Nester aus, Pfeif- und Schellenten spiegeln sich auf der glatten Wasseroberfläche.
Einst wuchsen hier die Auenwälder der Mulde. Dann wurde fast hundert Jahre Braunkohle abgebaut. Nach der Wiedervereinigung verschwanden die Bagger. Langsam erholte sich die Goitzsche von dem Zerstörungswerk. Im Jahr 2000 erkannte der BUND die Chance, im Zentrum dieser Mondlandschaft der Natur freien Lauf zu lassen. Mithilfe vieler Spenden gelang es Flächen zu erwerben, 1300 Hektar insgesamt. Seitdem darf sich die Natur ungehindert entfalten.
Stück für Stück eroberte sie die Goitzsche zurück. In Senken entstanden Seen mit reicher Tierwelt. Auf den trockensten

Halden haben sich Silbergrasfluren gebildet, andernorts Vorwälder aus Kiefern und Birken. Der Fischadler hat hier seinen Horst, der Seeadler sein Jagdgebiet, Kranich und Rohrdommel sind ebenso heimisch wie Waldschnepfe und Bartmeise. Etwa 130 Vogelarten haben die Goitzsche schon als Brutplatz gewählt.
Neben Biber und Fischotter hat ein Rudel Wölfe das Wildnisgebiet besiedelt, mehrfach stoßen wir auf ihre Losung. Auch 48 Libellenarten wurden entdeckt, darunter viele gefährdete Arten.

Seit dem Jahr 2007 wacht die BUNDstiftung darüber, dass das Refugium ungestört bleibt. Schwerpunkt ist die Wildnisbildung. Mehr als 80 Veranstaltungen pro Jahr bietet die Stiftung an: Wildniscamps und Apfelfeste, Ausflüge mit Kitagruppen und Schulklassen, Radtouren und Vorträge und anderes mehr.
Mehr zum Thema www.goitzsche-wildnis.de
HOHE SCHRE CKE

Ein Wildnisgebiet ganz anderer Art ist die Hohe Schrecke. Auf etwa 8000 Hektar erstreckt sich dieser Höhenzug im Norden Thüringens, bedeckt von Buchenwald und jahrhundertelang naturnah bewirtschaftet. Bis 1993 belegte die Sowjetarmee große Flächen. So konnte ein urwüchsiger Laubmischwald überdauern.
Wie alt dieser Wald ist, bezeugt der Fund von rund 400 Holzkäfer-Arten, darunter rekordverdächtige 20 Urwaldrelikte. Zum

Beispiel der Knochenglanzkäfer, der in Thüringen mehr als hundert Jahre verschollen war. Belegt sind zu dem rund 600 verschiedene Großpilze. Für die Vielfalt der Hohen Schrecke stehen auch die 17 Fledermausarten, die hier vorkommen. Vor einigen Jahren stießen zwei Biologen auf eine mächtige Buche. Aus einem Spalt flogen in der Dämmerung nicht weniger als 600 trächtige Rauhautund Bechsteinfledermäuse – die größte in einem deutschen Baum je entdeckte Wochenstube. Auch Luchs und Wildkatze, Schwarzstorch und Frauenschuh sind in dem Wald zu Hause.
Dieser Reichtum ist bei unsrem Besuch im März nur zu erahnen. Schräg scheint die Sonne durch die noch kahlen Bäume, der Wind rauscht über den Kamm des Höhenzuges. Vor uns fällt das Gelände steil ab ins Wiegental. Zwischen knorrigen
Blühender Lerchensporn im Buchenwald der Egge
Eine BUND-Studie hat ergeben: Das Eggegebirge im Osten Nordrhein-Westfalens beherbergt auf über zehntausend Hektar ein großes Potenzial für Wildniswälder. Als das Land 2023 einen zweiten Nationalpark ausweisen wollte, kämpfte der BUND mit vielen Verbündeten für einen EggeNationalpark. Leider ließ eine mit Lügen und Fake-News gespickte Kampagne von Holzlobby und CDU den Plan scheitern.
Doch die zuvor schon ausgewiesenen Wildnis-Entwicklungsgebiete blieben. So der über 600 Hektar große »NaturerbeBuchenwald« im Naturschutzgebiet EggeNord bei Altenbeken.
Alte Buchenwälder mit Höhlen, Felsen und Schluchten machen die Egge zu einem besonderen Naturraum. Sie ermöglichen Raritäten wie dem Schwarzstorch oder diversen Totholzkäfern das Überleben. Die Höhlen des Karstgebirges erweitern den Lebensraum in die Tiefe. Neben vielen Fledermausarten finden sich darin auch hoch spezialisierte Tiere. So wurde der Fledermaus-Höhlenkäfer (Choleva septentrionis sokolowskii) weltweit bislang nur in einer Höhle der Egge gefunden. Quellen, Bäche und Moore liefern weitere wertvolle Lebensräume. Zudem trägt der Höhenzug der Egge zur Vernetzung unterschiedlicher
Knochenglanzkäfer besiedeln alte Schwarzspechthöhlen erst, wenn darin Waldkauz und Hohltaube gebrütet haben.
Buchen und Eichen streiten Mittelspechte um das beste Revier, Hohltauben gurren im Kronendach, darüber kreist ein Rotmilan.
Um den so vielfältigen Wald und die artenreiche Kulturlandschaft ringsum zu bewahren, hat die Naturstiftung David des BUND ab 2009 ein Großprojekt für den Naturschutz umgesetzt. Rund 2300 Hektar konnte sie bis Ende 2025 als Waldwildnis sichern, weitere 750 Hektar kamen jüngst hinzu. (Mehr dazu demnächst im BUNDmagazin.) Die übrigen Waldflächen werden naturnah bewirtschaftet.
www.naturstiftung-david.de/ hohe-schrecke
im Naturschutzgebiet Egge-Nord
Lebensräume bei. Davon profitiert auch die Wildkatze. Etliche gute Gründe also, das Netz der Wildnisgebiete in der Egge zu erweitern. Landesweit fehlen noch viele tausend Hektar Wildniswälder, wenn die Ziele der Biodiversitätsstrategie erreicht werden sollen. Deshalb setzt sich der BUND dafür ein, das 2600 Hektar große Naturschutzgebiet Egge-Nord vollständig als Wildnisgebiet auszuweisen.
www.bund-nrw.de/egge
Um mehr Wildnis zu schaffen, hat das Bundesamt für Naturschutz die Naturstiftung David des BUND beauftragt, die KlimaWildnisZentrale einzurichten.
Wir sprachen mit deren Leiterin Jana Planek.
Jana, was sind eure Aufgaben und Ziele?
Die KlimaWildnisZentrale arbeitet seit zwei Jahren daran, Wildnis und natürlichen Klimaschutz in die Mitte der Gesellschaft zu rücken. Als Servicestelle informieren wir darüber, warum Deutschland mehr Wildnis braucht, und richten uns dabei an Fachleute wie auch die breite Öffentlichkeit. Dazu haben wir ein Netzwerk gebildet mit Akteuren aus Bund, Ländern und Kommunen sowie der Zivilgesellschaft und Landnutzern. Wir beraten zu den Förderprogrammen, die der Bund für mehr Wildnis eingerichtet hat, und koordinieren die KlimaWildnisBotschafter.
Wie wird die Entwicklung von Wildnis gefördert?
Zwei Förderprogramme dienen als Anreiz, Deutschlands Wildnisziele zu unterstützen. Vorrangig werden diese Ziele auf Flächen von Bund und Ländern umgesetzt. Wir wollen aber auch Privateigentümer, Kommunen, Zweckverbände, Naturschutzorganisationen und andere ins Boot holen. Während der Wildnisfonds für großflächige Gebiete gedacht ist, zielt das Programm KlimaWildnis auf kleinere Flächen, die der Verknüpfung dienen, als Inseln auch in stark genutzten Regionen. Über beide Programme konnten wir 2025 schon rund 3000 Hektar sichern.

Wildnis wird ja oft synonym für Natur gebraucht: »Mehr Wildnis auf dem Balkon« etc. Wie ist das bei euch?
Unsere Programme müssen die – klar definierten – nationalen Ziele unterstützen. Übergeordnetes Ziel ist es, echte Wildnisgebiete zu schaffen, mit mehr als 1000 Hektar. Daneben können auch kleinere, mindestens 50 Hektar große Flächen gesichert werden. Doch auch die müssen dauerhaft frei von jeder Landnutzung und klassischen Naturschutzpflege sein.
Was können denn BUND-Aktive für mehr Wildnis in Deutschland tun?
Zum einen können sie Wildnis-Freiwillige werden, die sich weiterbilden, vernetzen und austauschen und zum Beispiel für ein bestimmtes Wildnisgebiet einsetzen.
Zum anderen können sie als KlimaWildnisBotschafter*innen aktiv werden. Als solche kommen sie mit den Institutionen vor Ort ins Gespräch, werben für Wildnis und erklären, wie diese zum natürlichen Klimaschutz beitragen kann. Und sie sollen mögliche Wildnisflächen ausfindig machen und helfen, sie zu sichern.
Kann jede BUND-Gruppe die Förderung dieser Botschafter*innen beantragen? Nur wenn ihre Region Potenzial für Wildnis hat, also einen geeigneten Raum, um
echte Wildnis zu schaffen. In der Regel wird dann eine Stelle pro Potenzialraum gefördert. Dieser Raum muss bei der Bewerbung konkret beschrieben werden. Wo mehrere BUND-Gruppen oder weitere Akteure Interesse haben, raten wir dazu, sich beim Förderantrag zusammenzutun und gut abzustimmen.
Wo hast du die Faszination von Wildnis besonders erlebt?
Ganz in meiner Nähe im alten Buchenwald Grumsin, einem Weltnaturerbe im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Und im Anklamer Stadtbruch, einem äußerst dynamischen Überflutungsgebiet im Osten Vorpommerns.
Wie geht es weiter mit eurer Arbeit?
Als Teil des Aktionsprogrammes Natürlicher Klimaschutz ist die KlimaWildnisZentrale vorerst bis August 2027 finanziert. Sehr gerne würden wir unsere Arbeit darüber hinaus fortsetzen. Wir haben noch viel vor – die Wildnisziele Deutschlands sind noch lange nicht erfüllt!
Mehr zur Arbeit der Zentrale und den erwähnten Förderprogrammen unter: www.klimawildniszentrale.de
Eine Studie von BN und Greenpeace zeigte vor zehn Jahren enorme Defizite in Sachen wilde Wälder in Bayern auf. Inzwischen hat sich einiges bewegt, doch gerade in Nordbayern bleibt viel zu tun.

RALF STRAUSSBERGER
BN-Waldreferent
Der Schutz von Naturwäldern in Bayern hat eine lange und konfliktreiche Geschichte. Bereits 1925 wurde auf dem ersten Deutschen Naturschutztag mehr Schutz natürlicher Laubwälder gefordert, doch Politik und Forstverwaltung taten sich lange schwer mit der Umsetzung. Erst in den 1970er Jahren brachte die Staatsregierung die Gründung der Nationalparke Bayerischer Wald und später Berchtesgaden auf den Weg.
Doch dann gaben die CSU-geführten Staatsregierungen abgesehen von der Einrichtung kleiner Naturwaldreservate ihre damalige Vorreiterrolle auf. Übergeordnete Zielvorgaben der EU oder des Bundes mit einem Naturwaldziel (fünf Prozent der Waldfläche) oder einem Wildnisziel (zwei Prozent der Landesfläche) in der Nationalen Biodiversitätsstrategie wurden nicht umgesetzt.
Deshalb hat der BUND Naturschutz zusammen mit Greenpeace 2016 in der Studie »Mehr Naturwälder für Bayern« einen Naturwaldverbund vorgeschlagen und den Ist-Zustand analysiert. Die Defizite waren enorm: Es gab kaum größere Naturwaldgebiete, und in vielen Regionen waren die Naturwaldanteile marginal. Die Staatsregierung hielt jedoch weiter am Prinzip »Schutz durch Nutzung« fest und sah die Wälder durch eine naturnahe Forstwirtschaft ausreichend geschützt. Erst durch intensive Vorarbeit des BN und politischen Druck, vor allem durch das Volksbegehren Artenvielfalt 2019, kam Bewegung in die Situation. Das Ziel »Naturwaldverbund auf zehn Prozent der Staatswaldfläche« wurde in den Koalitionsvertrag aufgenommen. In der Folge wurden rund 83 000 Hektar Naturwald im Staatswald als »Grünes Netzwerk« gesichert. Ein großer Erfolg für den BN, der diesen Paradigmenwechsel in der bayerischen Forstpolitik als wichtigen Fortschritt beim Schutz der Biodiversität begrüßt.
Trotzdem bestehen weiterhin erhebliche Defizite. So sind Privat- und insbesondere Kommunal- und Bundeswälder nicht miteinbezogen. Das Zehn-Prozent-Ziel im Staatswald wurde nur erreicht, weil der gesamte Bestand an Latschengebüsch im Staatswald »geschützt« wurde. Größere, ökologisch wertvolle Laubwälder in Nordbayern wurden nicht berücksichtigt. Die meisten Schutzgebiete sind zudem sehr klein: Etwa 75 Prozent sind kleiner als fünf Hektar. Nach wie vor fehlen ein fachliches Konzept und ein transparentes Auswahlverfahren.
Noch schlechter fällt die Bilanz für die Wildnisgebiete aus, die in der Regel über 1000 Hektar groß sein müssen. Mit nur etwa 0,5 Prozent der Landesfläche wird das angestrebte Ziel von zwei Prozent deutlich verfehlt. Zudem konzentrieren sich diese Flächen fast ausschließlich auf den Alpenraum. Daher ist die Ausweisung weiterer großflächiger Wildnisgebiete in anderen Regionen Bayerns, etwa durch einen Nationalpark Steigerwald und die Kernzonen in einem Biosphärenreservat Spessart, dringend notwendig. Der BUND Naturschutz wird sich weiterhin dafür einsetzen.
Eine


Im Herzen des Spessarts könnte eine Biosphärenregion entstehen und damit ein Modell für die Zukunft. Die Bevölkerung ist dafür, doch Hubert Aiwanger mauert.
Vom Maintal über Streuobstwiesen und die steilen Weinberge bis in den Hochspessart erstreckt sich eine vielseitige, jahrhundertealte Kultur- und Naturlandschaft. Hinter dieser Vielfalt steht eine zentrale Frage: Wie können Menschen leben und wirtschaften, ohne die Natur zu überlasten?
Ein Ansatz dafür sind Biosphärenregionen. Die Idee ist einfach und zugleich zukunftsweisend: Eine Biosphärenregion ist kein Museum, sondern ein Zukunftslabor. Hier wird erprobt, wie Menschen im Einklang mit der Natur leben und ihre Heimat nachhaltig gestalten können. Die UNESCO zeichnete weltweit bereits über 700 dieser Modellregionen aus. In Bayern gibt es bislang zwei: die Rhön und das Berchtesgadener Land.
WARUM GERADE DER SPESSART?
Mit seinen alten Laubwäldern und vielfältigen Naturräumen hat der Spessart das Zeug dazu, Bayerns dritte Biosphärenregion zu werden. Gerade Nordbayern ist, was den Schutz seiner wertvollsten Wälder angeht, ohnehin bislang unterrepräsentiert. Während im Süden des Freistaates großflächige Naturwälder im Staatswald ausgewiesen wurden, hinkt der Norden noch hinterher. Eine Biosphärenregion Spessart könnte dieses Ungleichgewicht

In der Kernzone der Biosphärenregion dürfte sich die Natur wie hier im Spessart ungestört entwickeln.
zumindest ein Stück weit korrigieren. Doch trotz der vielfältigen Vorteile für Land- und Forstwirtschaft, Tourismus und lokale Gewerbe trifft das Vorhaben auch auf Widerstände.
Die Chancen standen gut. Eine Machbarkeitsstudie bescheinigte der Region 2023 beste Voraussetzungen für eine Anerkennung durch die UNESCO. Die Kommunen zogen mit: 89 Prozent der Bevölkerung leben in den Gemeinden, die sich offiziell für das Projekt ausgesprochen haben. Doch seit Sommer 2025 stockt der Prozess. Der Grund dafür ist das Wirtschaftsministerium unter Hubert Aiwanger, das sich weigert, zusätzliche Flächen aus dem bayerischen Staatswald für die Kernzone zur Verfügung zu stellen.
DIE FEHLENDEN DREI PROZENT
Um die UNESCO-Kriterien zu erfüllen, müssen drei Prozent der Fläche als Kernzone ausgewiesen werden – Gebiete, in denen die Natur sich völlig ungestört entwickeln darf. Viele Gemeinden stellen da-
für Teile ihres Waldes bereit, doch das reicht nicht. Der Freistaat wurde durch das Volksbegehren »Rettet die Bienen« verpflichtet, mindestens zehn Prozent Staatswald aus der Nutzung zu nehmen. Während in Oberbayern bereits großflächig ohnehin ungenutzte Latschenfelder als Naturwald deklariert wurden, kommt der Spessart mit seinen wertvollen Laubwäldern bislang auf magere fünf Prozent. Die Rechnung ist einfach: Wenn die Staatsregierung ihre Zusage endlich ausgewogen umsetzt und die benötigten Staatswaldflächen bereitstellt, ist die notwendige Drei-Prozent-Hürde zu knacken. Der Weg zum UNESCO-Siegel wäre frei. Die Befürworter*innen – darunter auch die drei Spessart-Landräte und der Oberbürgermeister von Aschaffenburg – geben nicht auf. Der BUND Naturschutz treibt das Projekt mit seinem Spessartbüro und den Kreisgruppen weiter voran, denn es geht um mehr als nur ein Siegel. Es geht um die Zukunft einer ganzen Region.


Entdecken Sie die Bäume in Ihrer Nachbarschaft. Und helfen Sie mit, sie zu bewahren.
Stadtbäume benötigen mehr öffentliche Aufmerksamkeit. Sie können ihnen diese verschaffen – mit der »Mein Baum«-App. Bäume prägen seit Jahrhunderten unsere Umgebung. Ob als Treffpunkt im Dorf oder als grüne Oase in der Stadt. Sie spenden Schatten, kühlen die Luft, filtern Schadstoffe und bieten unzähligen Tierarten ein Zuhause. Gerade in Städten sind Bäume unverzichtbar für ein gesundes Klima und hohe Lebensqualität. Doch die Bäume unserer Siedlungen stehen zunehmend unter Druck. Hitze und Trockenheit, Luftverschmutzung und beengte Wurzelräume setzen ihnen zu.
Gleichzeitig wissen viele Menschen immer weniger über die Bäume vor ihrer Haustür. Und was man nicht kennt, kann man schlecht schützen.
MEHR SICHTBARKEIT
Hier knüpft die App »Mein Baum« von BUND und BUND Naturschutz in Bayern an. Sie macht Bäume in Städten, Kommu-

nen und Privatgärten sichtbar und lädt dazu ein, sie neu zu entdecken. Mit der App können Sie Bäume erfassen, ihren Zustand dokumentieren, Beobachtungen teilen und sich mit anderen Aktiven austauschen. Geben Sie zum Beispiel an, welche Baumarten in Ihrer Nachbarschaft vorkommen, wo die Bäume stehen und in welchem Zustand sie sind.
fördern und das Umweltbewusstsein zu stärken. Mit jedem eingetragenen Baum werden Sie Teil eines Citizen-ScienceProjekts und tragen konkret zum Schutz unserer grünen Begleiter bei.
Aktiv werden
Jetzt die »Mein Baum«-App herunterladen und aktiv Bäumen helfen: www.bund-naturschutz.de/mein-baum







E-FAHRRÄDER
E-Fahrräder können eine umweltfreundliche Alternative zum Auto sein. Doch dafür müssen sie einheitliche Ladestecker bekommen und besser zu reparieren sein.


JOSEPHINE MICHALKE
ist Sprecherin des BUNDArbeitskreises Mobilität.
VOLKER MOLTHAN
ist Sprecher des BUND-Arbeitskreises Abfall und Rohstoffe.
Haben auch Sie das schon erlebt? Der Ladestecker Ihres E-Fahrrads passt nicht für ein anderes. Grund dafür ist, dass es in Europa Dutzende verschiedener Ladegeräte für E-Fahrräder und andere leichte Elektrofahrzeuge gibt. Das ist nicht nur lästig, sondern sorgt für viele Probleme. Für alle, die ein E-Rad nutzen, für Kommunen und Unternehmen wird das Laden dadurch unnötig kompliziert, teuer und oft sogar unsicher. Ein einheitlicher Ladestecker – ähnlich wie bei Smartphones oder Elektroautos – wäre eine praktische und nachhaltige Lösung.
Besonders deutlich wird das Problem im Alltag: Wer sein E-Fahrrad unterwegs laden will, findet kaum passende Anschlüsse. Hotels, Restaurants oder touristische Orte würden ihren Gästen gerne Lademöglichkeiten anbieten, scheitern aber an der Vielfalt der Stecker. Auch Kommunen können nur schwer eine öffentliche Ladeinfrastruktur aufbauen, weil sich niemand auf einen Standard verlassen kann. Für viele Menschen bedeutet das: Sie können ihr E-Fahrrad nicht so flexibel nutzen, wie sie es gerne würden. Und sie müssen oft ihre Ladegeräte mitführen. Das hemmt die Verkehrswende.
Auch für Unternehmen bringt die aktuelle Situation große Nachteile. Anbieter von elektrisch unterstützten Mieträdern, von Bikesharing oder Lastenrädern in Lieferflotten müssen diverse Ladegeräte vorhalten, was Kosten und Aufwand deutlich erhöht. Häufig passen die Ladegeräte mechanisch, unterstützen aber nicht das
Ein Ärgernis: Bei Ladesteckern für E-Räder hat es der Gesetzgeber versäumt, für Einheitlichkeit zu sorgen.
korrekte Ladeprotokoll – ein Sicherheitsrisiko, das sich mit einem einheitlichen Anschluss vermeiden ließe.
Besonders anschaulich wurde das Problem in Paris: Die Stadt hat den Anbieter für Bikesharing gewechselt – und musste die Infrastruktur für das Parken und die Energieversorgung komplett austauschen. Die Kosten waren immens, tonnenweise Abfall entstand und wertvolle Ressourcen und Zeit wurden verschwendet.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Reparierbarkeit. Die unterschiedlichen Stecker führen dazu, dass man oft ganz vom jeweiligen Hersteller abhängig ist. Hält der keinen Ersatz für Akkus, Ladegeräte oder andere Teile mehr vor, kann das gesamte E-Fahrrad schon bei kleinen Schäden unbrauchbar werden. Im Schnitt muss man sich alle vier Jahre ein neues E-Fahrrad kaufen, weil Ersatzteile für Ladegerät oder Akku nicht mehr verfügbar sind. Hier braucht es dringend gesetzliche Vorgaben. Aktuell sind mehr unterschiedliche Ladestecker-Modelle für E-Fahrräder im Umlauf als früher für Handys, eine völlig untragbare Situation. Ein einheitlicher Ladestecker würde dafür sorgen, dass Geräte länger nutzbar bleiben und weniger Elektroschrott entsteht.
Standardisierung bedeutet mehr Sicherheit, geringere Kosten, weniger Elektroschrott und eine bessere Alltagstauglichkeit. Gleichzeitig wäre das ein wichtiger Schritt für die Mobilitätswende. Denn E-Fahrräder sind eine klimafreundliche Alternative zum Auto – aber nur, wenn sie sich problemlos laden und dauerhaft reparieren lassen. Deshalb fordert der BUND gemeinsam mit vielen Verbündeten ein einheitliches Ladesystem in der EU rechtlich festzuschreiben. So, wie es bei Elektroautos und vielen tragbaren Geräten mittlerweile selbstverständlich ist.
Aktionstag am Grenzturm Grabenberg im Biosphärenreservat Rhön –im Hintergrund noch ein Teil der originalen Grenzanlagen
gibt

MELANIE KREUTZ
ist die stellvertretende Leiterin des BUND-Kompetenzzentrums Grünes Band. GRÜNES BAND
Deutschland hat das Grüne Band als UNESCO-Weltnaturerbe vorgeschlagen –mit der Option, es als Natur- und Kulturerbe weiterzuentwickeln. Denn der ehemals innerdeutsche Grenzstreifen ist heute ein Ort der Demokratievermittlung und eine Arche Noah der natürlichen Vielfalt. Der BUND treibt das Welterbe voran und erfährt dabei immer mehr Unterstützung.
Das Grüne Band wäre die erste gemischte deutsche Welterbestätte! Für diese Vision konnten wir viele Verbündete gewinnen.

Und stützen sie durch eigene Aktivitäten. So erfassen wir derzeit systematisch die Artenvielfalt im einstigen Grenzland und kooperieren mit dem Deutschen Kulturrat.
MACHEN SIE MIT
Wichtige Signale kommen aus den Regionen am Grünen Band. Zum Beispiel vom Kreistag Göttingen, der das Land Niedersachsen aufgefordert hat, »sich aktiv und ausdrücklich für die Anerkennung des Grünen Bandes als Natur- und Kulturerbe einzusetzen«. Eng arbeitet der BUND zudem mit der Arbeitsgemeinschaft der Grenzmuseen zusammen, die die Idee des Welterbes ebenfalls unterstützt. Mehr als 20 ihrer Einrichtungen von Hof bis nach Lübeck beschäftigen sich an der ehemaligen Grenze mit der Geschichte
der Teilung und der SED-Diktatur und erinnern an deren Opfer. Auch das neue Gedenkstättenkonzept des Bundes unterstreicht die Ausweisung des Welterbes. Parallel engagieren sich zahlreiche BUNDGruppen, indem sie wertvolle Lebensräume erhalten und unseren jährlichen Aktionstag am 3. Oktober begleiten. Um Welterbe zu werden, benötigt das Grüne Band weitere Unterstützung vor Ort. Sprechen Sie Ihren Landrat, Ihre Bürgermeisterin oder die Land- und Bundestagsabgeordneten Ihrer Region an. Und wenden Sie sich an unser Kompetenzzentrum.
Mehr zum Thema www.bund.net/gruenes-band; Kontakt: gruenesband@bund-naturschutz.de, Tel. 09 11/57 52 94-0
Bringen auch Sie sich jetzt ökologisch und nachhaltig in Kontakt für Liebesbeziehungen, Freundschaften oder Projekte: Anzeige



Einst war sie fester Bestandteil der bäuerlichen
Kulturlandschaft, heute hat es die Trollblume schwer. Die EU-Wiederherstellungsverordnung der Natur kommt ihr zugute.

IRMELA FISCHER
Die Autorin arbeitet selbstständig als Naturbegleiterin und Umweltpädagogin. Sie bietet auch für den BUND Naturschutz und das NEZ Allgäu Exkursionen und Kräuterwanderungen an.
Sonnengelbe Blütenkugeln leuchten aus Feuchtwiesen, Mooren und an Gewässern – die Trollblume (Trollius europaeus) ist eine Charakterart extensiv genutzter, feuchter Wiesen. Ihre Lebensräume garantieren eine große Artenvielfalt und ein reiches Netzwerk aus Pflanzen, Vögeln, Insekten und Kleinstlebewesen. Das Vorkommen der Trollblume weist darauf hin, dass diese Lebensräume intakt sind.
Die Blüte ist eine fast undurchdringliche Kugel mit einer kleinen Öffnung an der Kuppel, die nur wenige winzige Fliegen sowie kräftige Bienen – allein 18 Wildbienenarten – und Käfer zur Bestäubung hin-
durch lässt. Drei kleine Fliegenarten der Gattung Chiastochaeta nutzen die Kugeln als Lebensraum und Kinderstube, sind damit Räuber und Bestäuber zugleich. Trotzdem können sich genügend Balgfrüchte mit schwarzen Samen bilden, die sich über Wind und Felltiere verbreiten. Eine perfekte Wechselbeziehung zwischen Arten also. Die Samen sind nur kurzlebig und brauchen zum Keimen Kälte, Dunkelheit und offene Böden. Deshalb können Trollblumen keine Samenbanken aufbauen, also keinen Vorrat an keimfähigen Samen im Boden bilden. Sie tun sich schwer mit der Vermehrung, wenn sich die Lebensbedingungen verschlechtert haben – im Boden überdauern und auf Besserung warten funktioniert bei ihnen nicht.
Extensiv genutzte Feuchtwiesen für die Streu- und Futtergewinnung waren früher fester Bestandteil der bäuerlichen Kulturlandschaft, ein »artenreiches Paradies aus Menschenhand« – so der Land-

Die leuchtend gelben Trollblumen gedeihen auch in den Alpen auf bis zu 2000 Meter Höhe.
schaftspflegeverband Aichach-Friedberg in seinem UrEinwohner-Projekt zum Schutz der Trollblume. Notwendig geworden sind solche Projekte, da deren Lebensräume durch Entwässerung, Düngung, Intensivnutzung und Verbuschung immer mehr verschwinden. Die Trollblume war früher so häufig, dass sie seit dem Spätmittelalter lange als Heil- und Schutzpflanze verwendet wurde.
Längst sind die Bestände und mit ihr viele weitere Tier- und Pflanzenarten akut gefährdet und Renaturierungsprojekte mit der Trollblume als Leitpflanze sollen den Bestand sichern. Dabei werden Jungpflanzen aktiv gezogen wie z. B. im Botanischen Garten in Augsburg.
Wegweisend für viele weitere Projekte könnte die wichtige EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur sein. Sie bildet seit 2024 die gesetzliche Grundlage für die Verpflichtung, konkrete Maßnahmen zu ergreifen um geschädigte Ökosysteme wiederherzustellen. Die Trollblume wird davon profitieren.
(Trollius europaeus)
• Hahnenfußgewächs
• einzige Trollblumenart in Europa, 30 Arten auf der nördlichen Halbkugel
• ausdauernd, bis 60 Zentimeter hoch, sehr frostverträglich, mit viel Pollen und Nektar
• Zeigerpflanze für feucht-nasse Standorte
• auch in Hochstaudenfluren bis auf über 2000 Meter in den Alpen
• besonders geschützt, in Bayern Rote Liste 3

Foto: Jörg Farys
In Franken sind bereits riesige Waldbestände abgestorben. Doch eine klimaresiliente Waldverjüngung wird durch das neue Jagdgesetz erschwert.

RALF STRAUSSBERGER
BN-Waldreferent
Ob der Wald in Bayern eine Zukunft hat, hängt entscheidend davon ab, ob klimaresiliente Baumarten wie Eiche, Buche und Tanne wachsen können. Derzeit ist das in vielen Regionen nicht der Fall. Forstliche Gutachten belegen immer wieder, dass in etwa der Hälfte der Wälder Bayerns keine naturnahe Waldverjüngung nachwächst, weil die Verbissbelastung zu hoch ist. Zu viele Rehe, Hirsche und Gämsen tummeln sich dort und fressen die wertvollen Mischbaumarten auf.
Verschärft wird dieses Problem des »Waldsterbens von unten« durch die Klimakrise: Viele Wälder sind in ihrer Vitalität geschwächt. Bis 2025 sind deutschlandweit bereits rund 900 000 Hektar Wälder abgestorben!
Ohne Waldverjüngung aus zukunftsfähigen Baumarten können die geschädig-
NEUES JAGDGESETZ
Mit dem im März im Landtag beschlossenen Jagdgesetz wurden
Chancen vertan und die Weichen falsch gestellt. Nach langem Streit innerhalb der Regierungskoalition hat sich Wirtschaftsminister Huber t Aiwanger mit seiner Linie durchgesetzt, die keine Lösungen für gravierende Probleme aufzeigt.
ten Wälder ihre unersetzlichen Schutzfunktionen für die Gesellschaft künftig nicht erfüllen, mancherorts wird es schlicht keinen Wald mehr geben. Der BUND Naturschutz drängt deshalb schon länger darauf, dass die Jagdbehörden die Abschussplanung stärker steuern und deren Umsetzung kontrollieren, damit eine intakte Waldverjüngung gelingt.
WIRD ABGEWÄLZT
Doch das nun beschlossene Jagdgesetz geht in die entgegengesetzte Richtung: Die Jagdbehörden sollen mit der RehwildAbschussplanung nicht mehr primär für die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben zuständig sein. Die Verantwortung wird auf die Waldbesiter*innen und Jäger*innen vor Ort verlagert, die künftig eigenverantwortlich über die Abschussziele entscheiden können. Das soll auch in den Jagdrevieren möglich sein, die die gesetzlichen Ziele klar verfehlen. Der BN kritisiert massiv, dass der Staat sich hier aus der Verantwortung für den Erhalt funk-
tionsfähiger Wälder stiehlt. Das Problem der stark steigenden Rotwild- und Gamsbestände greift das Jagdgesetz überhaupt nicht auf.
Nicht berücksichtigt wurden langjährige Forderungen des BN, die Defizite in der Verbissbelastung beheben und eine effektive und tierschutzgerechte Bejagung des Schalenwildes ermöglichen sollen. Die Forderungen reichen von effektiven und synchronisierten Jagdzeiten für Rehund Rotwild, der Rehwildjagd mit Nachtzielvorsätzen in der Dämmerung, der Erleichterung von Drückjagden, der Regulierung von Rotwild im Wintergatter bis zur Abschaffung der Pflichttrophäenschau.
Der BN kritisiert zudem, dass Wolf und Goldschakal neu ins Jagdrecht aufgenommen wurden, dass die Liste der jagdbaren Tierarten nicht verringert wurde, dass seltene Tierarten weiterhin bejagt werden können und Arten, wie Dachs und Ringeltaube sogar bis in die Setz- und Brutzeit. Auch Eichelhäher dürfen in Bayern weiterhin gejagt werden, obwohl sie so wichtig für die Waldverjüngung sind.
Christian Mendel, Steinschafzüchter und
Vorsitzender des Landesverbandes
Bayerischer Schafhalter, erklärt, warum das Alpine Steinschaf fast verschwand – und was die Rasse so besonders macht.
Natur+Umwelt: Herr Mendel, warum ist das Alpine Steinschaf so selten?
Christian Mendel: Das geht zurück bis ins Dritte Reich. Damals gab es die Vorgabe, in Bayern nur noch vier Rassen zu züchten. Das Alpine Steinschaf gehörte nicht dazu. Es war damals im gesamten Ostalpenraum verbreitet, aber durch die neuen züchterischen Vorschriften ging es schnell bergab.
Als Sie 1995 mit der Erhaltungszucht begannen – wie viele Tiere gab es da noch? Wir haben damals in Bayern 75 Tiere erfasst. Zehn Jahre später und es wäre vorbei gewesen mit dem Alpinen Steinschaf. Inzucht war am Anfang allerdings ein großes Thema. Heute existieren noch zehn Bocklinien und wir schauen sehr streng darauf, dass diese erhalten bleiben.
Warum ist es überhaupt wichtig, alte Haustierrassen zu erhalten?
Alte Haustierrassen sind ein kulturelles Erbe und verbunden mit einer Landschaft wie etwa die Steinschafe mit dem Hochgebirge, die Rhönschafe mit der Rhön und

das Waldschaf mit dem Bayerischen Wald. Weil sie immer in einer Region gehalten und gezüchtet wurden, haben sie sich perfekt an das Klima, den Boden und den Futteraufwuchs angepasst.
Wie viele alte Schafrassen gibt es in Bayern?
Es gibt zwölf bayerische Schafrassen, die nachweislich bereits Anfang 1900 einheimisch waren, elf davon sind im Bestand gefährdet. Nur das Merinolandschaf ist noch in einem guten Erhaltungszustand. Es ist in der Regel einzelnen Züchtern zu verdanken, dass wir heute noch eine solche Vielfalt an Schafrassen haben.
Was macht das Alpine Steinschaf so besonders?
Das Alpine Steinschaf ist insgesamt sehr robust, extrem gesund und langlebig. Wir hatten in unserer Zucht Mutterschafe mit 15 oder 16 Jahren – bei Wirtschaftsrassen gelten zehn Jahre schon als sehr alt. Die Rasse hat hervorragende Muttereigenschaften, eine gute Milchleistung und ist sehr fruchtbar – es kommen überwie-

gend Zwillinge zur Welt. Dazu kommt eine große Farbvielfalt. Die Böcke sind meist noch gehörnt – wie das ursprüngliche Schaf, das Mufflon. Das wurde bei anderen Rassen längst weggezüchtet. Außerdem ist das Steinschaf eine der zutraulichsten Rassen überhaupt. Wahrscheinlich, weil es im alpinen Raum in Kleinstherden gehalten wurde – da hatte jeder Bergbauer zwei bis drei Schafe und dadurch eine enge Bindung zu den Tieren. Steinschafe werden deshalb heutzutage auch häufig als Therapietiere eingesetzt.
Welche Rolle spielt der Wolf in Bezug auf die Rettung des Steinschafes?
Das ist so wie mit jeder anderen gefährdeten Rasse: Je kleiner der Bestand, desto größer ist das Risiko, dass wichtige Erbanlagen unwiederbringlich verloren gehen. Außerdem ist der Schwerpunkt der Steinschafe im Alpenraum, wo die Flächen in der Regel schwer schützbar sind. Der bayerische Staat hat die Flächen kartiert und festgestellt, dass rund 90 Prozent der Naturräume im Alpenraum nicht zumutbar schützbar sind.
Welchen wirtschaftlichen Ertrag erbringt das Alpine Steinschaf?
Das Steinschaf wird für die Landschaftspflege, die Wollproduktion und die Fleischnutzung eingesetzt. Direkt vermarktet erzielt das Fleisch zwischen zwölf und 20 Euro pro Kilo. Die Wolle vermarkten wir seit 20 Jahren gemeinsam in einer Arbeitsgemeinschaft und seit zwei Jahren über den Förderverein Alpines Steinschaf. Die Züchter erhalten einen Euro pro Kilogramm Rohwolle oder einen Wertgutschein von zwei Euro für Wollprodukte vom Alpinen Steinschaf – das ist deutlich besser als bei den meisten anderen Rassen. Die Haupteinnahmen bleiben aber trotzdem die staatlichen Fördergelder. Züchter erhalten zusätzlich für den Rassenerhalt je Zuchttier des Alpinen Steinschafes 35 Euro im Jahr.
Was sind die Herausforderungen in der Schafhaltung in den nächsten Jahren?
Die Schafhaltung ist sehr stark von staatlicher Unterstützung abhängig. Unsere große Angst ist, dass der Staat im landwirtschaftlichen Bereich nach dem Rasenmäherprinzip kürzt – auch bei denen, die einen hohen Einsatz für die Pflege der ökologisch wertvollen Grünlandflächen erbringen und auf die Fördergelder nicht verzichten können.
Wie könnten die Gesellschaft und der Staat die Züchter alter Schafrassen in Zukunft unterstützen?
Der Staat hat in den letzten Jahren schon sehr viel richtig gemacht. Er hat die Tier-
Es frisst Disteln, ist wetterhart und kommt in Hochlagen bestens zurecht: das Alpine Steinschaf.
Das Alpine Steinschaf ist eine der ältesten Nutztierrassen Europas – und gleichzeitig eine der am stärksten gefährdeten. Auf der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen steht es in Kategorie I: stark gefährdet. Erst 1991 wurde das Alpine Steinschaf als eigenständige Rasse anerkannt, neben dem Krainer-, Tirolerund Montafoner Steinschaf, mit denen zusammen es die Gruppe der Steinschafe bildet. Doch seine Wurzeln reichen deutlich länger zurück. Die Ursprünge der Rasse lassen sich auf das neolithische Torfschaf zurückführen, das in Pfahlbauten im Alpenraum gehalten wurde – eine Abstammungslinie von gut 6000 bis 7000 Jahren.
Das Alpine Steinschaf ist eine eher kleine und feingliedrige Rasse, optimal an die klimatischen Bedingungen der Alpenregion angepasst. Es ist trittsicher und kommt in Hochlagen zurecht, in denen eine Kuhweide längst nicht mehr möglich ist. Auch mit spärlichem Futter kommt das Tier gut aus und frisst neben Kräutern und Gräsern auch Strauchwerk, Disteln oder Sauerampfer. Böcke tragen
prämie und die Förderung für bedrohte Haustierrassen eingeführt und ausgebaut und es wird fachlich betreut – das ist sehr gut. Auch der Vertragsnaturschutz hat sich sehr positiv entwickelt. Schade ist, dass keine neuen Flächen mehr ausgewiesen werden, obwohl es noch potenzielle Naturschutzflächen gibt, die man langfristig erhalten sollte.

Kostbarer Nachwuchs: ein Steinschaf-Lamm
meist schneckenförmig gebogene Hörner; auch bei weiblichen Tieren können Hörner oder Hornansätze vorhanden sein. Das Erscheinungsbild ist markant: Typisch sind verschiedene Graufärbungen, , daneben kommen alle anderen Farben wie Schwarz, Braun, Rötlich und Weiß sowie alle möglichen Scheckungen und Zeichnungen vor.
Trotz der Vorzüge des Alpinen Steinschafes ist der Bestand noch gefährdet. In Bayern wurden vergangenes Jahr 1218 weibliche Zuchtschafe gezählt.
Der Förderverein Alpines Steinschaf e.V. arbeitet daran, die Rasse zu erhalten – durch Zuchtprogramme, Wollprojekte und die Suche nach Landwirt*innen, die bereit sind, das Alpine Steinschaf zur Landschaftspflege in Hochgebirgslagen einzusetzen.
Die Gesellschaft sollte sich bewusst machen, dass unser Lammfleisch überwiegend auf der Weide unter natürlichen Bedingungen produziert wird und die einheimische Wolle ein wertvoller nachwachsender Rohstoff ist.
Text und Interview: Heidi Tiefenthaler

Dolichoderus quadripunctatus kommt vom Flachland bis in die Mittelgebirge vor, in Süddeutschland eher als im Norden. Nur in warmen Regionen mit wenig Niederschlag ist diese Art etwas häufiger zu finden. Ihre Nester legt sie meist in alten Eichen oder Obstbäumen an,

in totem Holz oder unter der Rinde. Im Geäst sammeln die Arbeiterinnen vor allem Nektar und den Honigtau von Blattläusen. Wie mehr als die Hälfte der heimischen Ameisenar ten gilt die Vierpunkt-Ameise als gefährdet. Der BUND kümmert sich um den Schutz ihrer Lebensräume: um lichte Wälder mit ausreichend Altholz und Totholz, um Parks und Streuobstwiesen.
BREMEN

Seit Jahrzehnten sorgt der BUND Bremen am Stadtrand dafür, dass gefährdete Wiesenvögel erfolgreich brüten können. Der Schlüssel für sein wegweisendes Programm ist die enge Zusammenarbeit mit den ansässigen Höfen.
Wie kann intensiv genutztes Grünland in Privatbesitz zu einem der bundesweit wichtigsten Lebensräume für seltene Wiesenbrüter werden? Das zeigt der BUND Bremen seit mehr als 20 Jahren im Blockland und zwei weiteren Gebieten. Von seinem Schutzprogramm profitieren stark bedrohte Vögel wie Uferschnepfe, Brachvogel, Kiebitz und Rotschenkel. Mithilfe von Spenden und einem neuen Förderbescheid kann der BUND seine Arbeit langfristig fortsetzen und nach Niedersachsen ausdehnen.
Schwarz gefleckt und gut getarnt liegen die vier Eier in einer Mulde, ausgekleidet mit ein wenig Stroh. Der Kiebitz, den Arno Schoppenhorst im kurzen Gras ausfindig gemacht hat, ist längst von seinem Nest geflohen. Mit zwei Bambusstäben markiert der Landschaftsökologe das Gelege, eines der ersten im Bremer Blockland in
Das Bremer Blockland zählt zu den bundesweit wichtigsten Brutgebieten für vom Aussterben bedrohte Wiesenvögel.

diesem Frühjahr. Dann zieht er sich rasch zurück. Der aufgeregte Kiebitz kann nun in Sicherheit weiterbrüten.
Als Schoppenhorst erstmalig auf die Betriebe im Blockland zuging, beschrieb er ihnen sein Vorhaben so: »Wir suchen die Brutplätze, ihr fahrt drum herum.« 2004 war das, und dabei ist es im Grunde geblieben. Anfangs, so erinnert er sich, war die Stimmung extrem aufgeheizt. Nach der Ausweisung der Feuchtwiesen als Vogelschutz- und Natura-2000-Gebiet fürchteten die Betriebe ihren Grund nicht länger bewirtschaften zu können. Zu Unrecht, wie sich bald herausstellte. Schoppenhorst, als Kind vom Hof mit dem nötigen Stallgeruch, bot ihnen eine Zusammenarbeit an, »freiwillig, kooperativ und experimentell«.
Die Verantwortlichen des BUND Bremen beim Ortstermin im März: Landesgeschäftsführer Mar tin Rode, Projektleiter Arno Schoppenhorst und Koordinatorin Birgit Olbrich
Und die hat sich bewährt. Während die Wiesenvögel bundesweit in erschreckendem Umfang verschwanden, stieg ihre Zahl im Einsatzgebiet des BUND Bremen stetig an: allein im Blockland von 250 auf rund 800 Brutpaare im vergangenen Jahr.
Charakteristisch für das Blockland sind die oft kilometerlangen schmalen Wiesenstreifen. Begrenzt von Wassergräben, sind diese »Blöcke« nur über Hofgelände zugänglich. Jeder Arbeitseinsatz von Arno Schoppenhorst und seinem Team wird darum genau registriert. Kaum hat er an diesem Märztag einen der Höfe passiert,
Verdopplung der Projektfläche: Seit einem Jahr kann der BUND sein bewährtes Schutzkonzept auch im angrenzenden Niedersachsen umsetzen.
Sankt Jürgensland
Die Sumpfohreule ist ein regelmäßiger Gast im Blockland und brütet hier derzeit sogar.
Niedervieland
Blockland
Oberneuland
Borgfelder Wümmewiesen
Fischerhuder Wümmeniederung
Ebbensiek
Sagehorn
NIEDERSACHSEN

Kladdinger Wiesen

Seit 20 Jahren BUND-betreut
Erweiterungsflächen seit 2025
klingelt schon sein Handy. Der Landwirt erkundigt sich, was ansteht, und weist ihn auf ein derzeit nicht befahrbares Wegstück hin.
Diesem engen Austausch verdankt sich der Vogelreichtum der Feuchtwiesen im Bremer Norden. Als wir aus dem kleinen Geländewagen steigen, empfängt uns das Trillern der Brachvögel. Große Starenschwärme wechseln, bedrängt von einem Wanderfalken, blitzschnell ihre Form. Um uns herum führen Kiebitze ihre wilden Balzflüge auf. Ein Seeadler hat wohl eine Nutria erbeutet, beim Fressen wird er von einem Artgenossen beäugt. An einem der Gräben zeigt sich ein Wiesenpieper und kurz darauf ein Paar Uferschnepfen.

Arno Schoppenhorst markiert ein Brachvogelnest.
Fokus auf Wachtelkönig und Bekassine, betreut von der Stiftung »NordWest Natur«
Um diesen Schatz zu bewahren, sind Arno Schoppenhorst und seine 15 Mitarbeiter*innen von März bis Juni rastlos im Blockland unterwegs. Ihr Ziel: möglichst alle Gelege der bedrohten Wiesenvögel zu finden und zu markieren, damit sie beim Walzen, Düngen oder der Mahd verschont bleiben. Neueste Technik erleichtert ihre Suche. Weil Wärmebild-Drohnen hoch aufgelöste Fotos liefern, bleibt kaum ein Nest mehr unentdeckt.
Wirklich knifflig wird es, wenn die Küken geschlüpft sind. Als Nestflüchter sind sie sofort mobil und überall in den Wiesen zugange. Deshalb werden bestimmte Wiesen langsam von innen nach außen gemäht und Grasstreifen ausgespart, in die sich die Vogelfamilien retten können. Auch die Kontrolle von Fressfeinden wie dem Fuchs spielt eine wichtige Rolle.
ERFOLG HONORIERT
Erschwerend kommt hinzu, dass jede Brutzeit anders verläuft, in Abhängigkeit vom Wasserstand und Wetter. Gleichzeitig sind viele der landwirtschaftlichen Arbeitsgänge auf den Wiesen nur in engen Zeitfenstern möglich. Auf die wechselnden Umstände muss Schoppenhorsts Team schnell und pragmatisch reagieren – in


Eine der Zielarten des Schutzprogrammes ist die Uferschnepfe.
ständiger Abstimmung mit den Höfen, die längst zu Verbündeten geworden sind.
Und das gelingt dem Team außerordentlich gut, die Zahl der brütenden Uferschnepfen und Co. steigt von Jahr zu Jahr. Das Bundesamt für Naturschutz hat diese Erfolgsgeschichte nun mit einer langfristigen Förderung honoriert. Damit konnte der BUND Bremen seinen kooperativen Vogelschutz auf angrenzende Wiesen in Niedersachsen ausdehnen und die Projektfläche auf über 10000 Hektar verdoppeln. Vor allem das im Norden ans Blockland anschließende Sankt Jürgensland soll zusätzlichen Lebensraum bieten. Lebensraum für eine ganze Reihe von Vogelarten, die in Deutschland heute sehr selten sind.
Severin Zillich
Mehr zum Thema www.bund-bremen.net/wiesenvogelschutz; gefördert wird das Projekt vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln aus dem Nationalen Artenhilfsprogramm des Bundesumweltministeriums.
Die Anwältin Theiva Lingam ist eine der zwei neuen Vorsitzenden von Friends of the Earth.

Theiva, wofür setzt du dich mit unserem Partner »Sahabat Alam Malaysia« ein?
Ich bin Anwältin und Rechtsberaterin bei FoE Malaysia. 1998 trat ich in die Kanzlei der ehemaligen FoEI-Vorsitzenden Meena Raman ein. Seitdem kümmere ich mich um Verbraucher- und Umweltrecht. Einer meiner Schwerpunkte ist der Schutz der Wälder und Artenvielfalt. Außerdem engagiere ich mich für die Rechte indigener Gemeinschaften und beschäftige mich mit den Folgen des Abbaus seltener Erden. FoE Malaysia geht derzeit gegen ein großes Landgewinnungsprojekt im Bundesstaat Penang vor, zusammen mit einer lokalen Initiative und sieben Fischern. Ein
NEU GEWÄHLT
Dezember ist die Malaysierin
Co-Vorsitzende unseres Netzwerks »Friends of the Earth International« (FoEI). Wir haben ihr drei Fragen gestellt.
Berufungsgericht entscheidet wohl noch im Mai über unsere Klage.
Was möchtest du als neue Co-Vorsitzende erreichen?
Der Fokus unseres Vorstands liegt darauf, die aktuelle Finanzkrise im Netzwerk nachhaltig zu bewältigen. Wir möchten sicherstellen, dass sich alle Mitglieder und Mitarbeiter*innen geschätzt und verbunden fühlen, gerade in dieser schweren Zeit. Wie lassen sich unsere Prioritäten mit den verfügbaren Ressourcen am besten umsetzen? Ein Ausschuss für Fundraising soll Strategien entwickeln, wie wir finanziell stabiler und nachhaltiger werden. Als Vorstand haben wir uns dazu verpflichtet, offen und transparent zu kommunizieren und alle Gruppen mit
Nach 30 Jahren verabschiedet sich Dave Hirsch von »Friends of the Earth«. Seit 1996 war er zunächst in den USA aktiv, ab 2012 dann in Amsterdam als internationaler Koordinator unseres Netzwerks, vergleichbar einem Geschäftsführer. Im März endete nun sein Engagement. Der Abschied sei ihm nicht leichtgefallen, so Dave – aber nach seiner Überzeugung der richtige Schritt, persönlich wie auch für unseren Dachverband. Im Rückblick hob er besonders die Zusammenarbeit mit vielen engagierten »Friends of the Earth« weltweit hervor: den wechselnden ehrenamtlichen Vorsitzenden, den Kolleg*innen im internationalen Sekretariat
und den zahlreichen Aktiven von allen Kontinenten. Diese Begegnungen hätten seine Arbeit geprägt und ihm gezeigt, wie vielfältig und zugleich verbunden unsere Bewegung ist.
Zu Daves Verdiensten zählt, dass er das Budget für die Arbeit des Netzwerkes kontinuierlich erhöhen konnte und das Sekretariat während der Corona-Pandemie digitalisiert hat. Was ihm bleibe, seien eine Menge schöner Erinnerungen, gewachsene Beziehungen und die Überzeugung, Teil etwas Bedeutenden gewesen zu sein. Sein Dank gilt allen, die sich für
vierteljährlichen Updates einzubinden. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit der Co-Vorsitzenden Elaine Gilligan von »Friends of the Earth England, Wales and Northern Ireland« und dem übrigen Vorstand.
Welche Rolle kann der BUND hier spielen? Der BUND hat unser Netzwerk immer sehr unterstützt. Ich schätze unsere enge Verbindung und den Geist der Solidarität, der uns in dieser herausfordernden Zeit verbindet. Gemeinsam können wir Friends of the Earth weiter stärken. Bitte wendet euch jederzeit an mich und den Vorstand, wenn ihr Gedanken und Ideen dazu beisteuern möchtet.
Viel Erfolg für deine neue Aufgabe!

Umwelt und Klima einsetzen und dieses Netzwerk lebendig halten. Ausdrücklich auch dem BUND: »Ich war immer beeindruckt, wie professionell ihr agiert und wie eng euer Kontakt zu den Gruppen und Aktiven vor Ort ist.«
Der BUND dankt Dave herzlich für seinen langjährigen Einsatz und all die Impulse, mit denen er unsere internationale Arbeit bereichert hat.
Susann Scherbarth

Deutschland auf Importe angewiesen. Flüssiggas (LNG) wird vor allem aus den USA per Schiff geliefert.
Energiesicherheit heißt heute vor allem, unabhängig von Krisen zu sein. Dagegen ist Deutschland noch fast vollständig auf Gasimporte angewiesen. Ein großer Teil kommt aus Norwegen. Gleichzeitig wird Gas noch immer von weit her eingeführt, zuletzt besonders als Flüssiggas aus den USA. Auch Lieferbeziehungen zu Staaten wie Katar gewinnen an Bedeutung. Unsere Abhängigkeit bleibt also ein Risiko. Viele Lieferländer sind politisch instabil, autoritär regiert oder liegen in konfliktanfälligen Regionen. Internationale Krisen können die Versorgung jederzeit stören.
Die Eskalation im Nahen Osten und blockierte Handelswege führen vor Augen, wie schnell die Preise steigen. Was global passiert, wirkt sich direkt auf unseren Alltag aus – an der Tankstelle, bei den Heizkosten oder Lebensmitteln.
Auch Flüssiggas aus den USA ist alles andere als nachhaltig: Das dafür nötige
Fracking setzt viel klimaschädliches Methan frei, zerstört die Natur und führt zu Menschenrechtsverletzungen. Zudem macht es uns abhängiger von globalen Märkten und langfristigen Verträgen.
Die fossilen Energien bleiben damit ein Unsicherheitsfaktor, wirtschaftlich, sozial und geopolitisch. Die Alternative liegt auf der Hand. Erneuerbare Energien sind vor Ort verfügbar, stabil und unabhängig von internationalen Konflikten. Durch ihren Ausbau wird unsere Versorgung dauerhaft sicherer. Eine direkte Entlastung bietet zudem das Energiesparen, durch effizientere Gebäude, moderne Technik und bewussten Verbrauch.
Solange wir auf fossiles Gas setzen, bleiben wir verwundbar. Eine konsequente Energiewende sorgt für mehr Sicherheit, Unabhängigkeit und stabile Preise – und den Schutz des Klimas.
Susann Scherbarth

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Der Nationalpark Alta Murgia: eine Landschaft voll besonderer Stimmungen und intensiver Kontraste

UMWELTFREUNDLICH REISEN
Ferse, Absatz und Sporn des italienischen Stiefels entdecken – das macht eine neue Wander- und Kulturreise durch Apulien möglich.
Lange Zeit lag Apulien abseits der großen Reiserouten und hat sich deshalb seine Ursprünglichkeit bewahrt. Die Route der neuen BUND-Reise folgt den Kontrasten der Landschaft: vom artenreichen Wald zum Meer, vom Karst bis zu uralten Städten.
Den Auftakt unserer Reise bildet die geschützte Foresta Umbra im Nationalpark Gargano. Dank eines Mikroklimas wachsen hier Buchenwälder mit Moosen, Farnen und Orchideen. Mit dem Naturwissenschaftler und Parkführer Matteo Falcone tauchen wir in dieses grüne Herz Apuliens ein. In der kühlen Waldlandschaft liegt wie ein grünes Auge der Laghetto d’Umbra, ein kleiner See; hier können wir Wasservögel und sogar Schildkröten beobachten.
Von den Bergen führt uns der Weg nun an die Küste. Hier folgen wir dem »Sentiero dei Trabucchi« bis ins schöne Städtchen Vieste. Grotten, Kalksteinklippen und von Macchia überwachsene Felsen säumen den Pfad, Möwen schreien und plötzlich – ein Delfin taucht auf!
BESUCH IN DER »BROTSTADT«
Es zieht uns wieder ins Landesinnere. Karg, weit, steinig – so zeigt sich der Nationalpark Alta Murgia. Rote Bauxitfelsen und Aleppokiefern prägen seine Hochfläche. Disteln, Thymian und vereinzelte Olivenbäume gedeihen zwischen den Karstformationen. Diese raue Landschaft gilt als Hotspot für Vogelbeobachtung und verzaubert im Spätherbst mit intensiven Farben. Zugleich ist die Gegend archäo-
logisch bedeutend: Schon Neandertaler durchstreiften diese Steppe.
Dann wandern wir hinab in die »Pulo di Altamura«, eine der größten Karstdolinen Italiens und weiter in die Altstadt von Altamura, der »Brotstadt«. Das Pane di Altamura, seit 2003 D.O.P.-geschützt, verkosten wir in einem historischen Backhaus. Danach besuchen wir das Tal der Trulli. Diese weiß getünchten Rundhäuser waren einst einfache Bauernhäuser, unter deren mit Bruchsteinen gedeckten Kegeldächern Getreide gelagert wurde.
AUSKLANG AM MEER
Nicht weit entfernt liegt Matera. Über eine Schlucht nähern wir uns den Sassi, den in Tuffstein gehauenen Höhlenwohnungen. Rötelfalken brüten hier in Felsnischen. Einst als Armenstadt vergessen, zählt Matera heute zum UNESCO-Welterbe. Ein besonderes Erlebnis ist der Besuch bei unserer Reiseführerin Ute zu Hause. Auf ihrer »Azienda agricola« erzeugt sie gemeinsam mit ihrem Mann ökologische Produkte aus Olivenöl und Kaktusfeige. Die beiden halten eine kleine Herde Esel, die die Herzen der Gäste im Nu erobert. Die Reise endet am Meer, im WWFSchutzgebiet Torre Guaceto. Anfang der 1990er-Jahre wurde der Fischfang hier zeitweise ausgesetzt. Die Bestände erholten sich, und heute gilt die regulierte Kleinfischerei als Modell nachhaltiger Praxis. Und als dann am Abend das Licht die Küste in warme Farben taucht, stimmen wir Ute zu, wenn sie sagt: »Die Landschaft Apuliens tut der Seele gut.«
Lucia Vogel
21. Oktober –2. November 2026
Infos zu Reisepreis und Anmeldung BUND-Reisen
ReiseCenter am Stresemannplatz Stresemannplatz 10, 90489 Nürnberg Tel. 09 11/5 88 88-20 www.bund-reisen.de

13 verschiedene Orchideenarten auf engstem Raum: Kein Wunder, dass die Höhfeldplatte bei Thüngersheim ein Eldorado für Orchideenfans ist. Nicht nur das relativ bekannte Helmknabenkraut und vier Ragwurz-Arten sind hier vertreten, auch Weißes und Rotes Waldvögelein, Großes Zweiblatt, Weiße und BergWaldhyazinthe, auch die Bocks-Riemenzunge. Und das ist noch nicht alles: Neben den Orchideen gedeiht hier auch die Küchenschelle, der Faserschirm, das Federgras, die Ästige Graslilie und das Apenninen-Sonnenröschen.
Manche lieben diese Blumenpracht so sehr, dass sie selbst zur Gefahr für das Objekt ihrer Liebe werden: Auf der Suche nach einem noch besseren Foto ignorieren etliche das Wegegebot, das in dem kleinen, sensiblen Naturschutzgebiet gilt, und laufen kreuz und quer über die empfindliche Vegetation, die auf einer sehr schütteren Humusdecke sprießt. Andere knicken beim Versuch, das Objekt der Begierde fotogen »freizustellen«, umstehende Pflanzen um oder reißen sie ganz aus – in einem Naturschutzgebiet völlig inakzeptabel.
Dass dieses Orchideenparadies überhaupt noch existiert, ist einem beherzten Naturschützer aus Veitshöchheim zu verdanken. Dem Gartenbauingenieur Kurt Dittrich war aufgefallen, dass sich der an-
Weil ein Naturfreund gegen eigenmächtige Erweiterungen eines Steinbruchs protestierte, konnte ein Orchideenparadies erhalten werden.
grenzende Steinbruch immer weiter in »seine« Orchideenwiesen hineinfraß. Zwar wurde das Naturschutzgebiet schon 1940 ausgewiesen, doch der Steinbruchunternehmer behauptete, die genaue Grenzziehung sei nicht klar – als käme das einer Abbaugenehmigung gleich. Dittrich, der spätere Gründungsvorsitzende der BN-Ortsgruppe Veitshöchheim, schlug Alarm. Er erreichte, dass die Regierung von Unterfranken 1965 eine neue Verordnung erließ, in der die Grenzen unmissverständlich klargestellt wurden. Dann war Schluss mit der eigenmächtigen Steinbrucherweiterung.
Über den Steppenheidenwald der Höhfeldplatte führt ein reizvoller Rundweg, über den man die Hochfläche über dem Maintal erwandern kann. Vor einigen Jahren wurde dort ein »Orchideenpfad« markiert, der so nah wie möglich an diese botanische Raritätensammlung heranführt (und auf dem man unbedingt bleiben sollte!).
Da die Orchideenarten zu unterschiedlichen Zeiten blühen, lohnen sich mehrere Besuche zwi
Mehr entdecken
Winfried Berner, Ulrike Rohm-Berner: Gerettete Landschaften

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schen April und Juli. Aller dings kann es auf der »Platte« sehr heiß werden, vor allem wenn sich der felsige Untergrund über mehrere Tage aufgeheizt hat. Wer sich mit Orchideen nicht so gut auskennt und sie besser kennenlernen möchte, schließt sich am besten einer Führung an, die die Kreisgruppe Würzburg regelmäßig anbietet. Der Rundweg samt Orchideenweg ist mit kaum drei Kilometern nicht sehr lang. Wer gern weiter gehen mag: Etwa 100 Meter oberhalb der Höhfeldplatte verläuft der MainWanderweg (Markierung: blaues M) auf der Höhe über dem Maintal. Uli Rohm-Berner, Winfried Berner
• Ausgangspunkt: Parkplatz am Naturschutzgebiet Höhfeldplatte, von Thüngersheim kommend bergauf Richtung Güntersleben, ca. 1,5 Kilometer nach dem Or tsende von Thüngersheim rechts im Wald gelegen
• Länge: ca. 2 – 3 Kilometer, kaum Höhenunterschiede
• Einkehr: Thüngersheim/ Veitshöchheim
Jüngstes Fahrtziel-Natur-Gebiet: Der grenzübergreifende Naturpark Nagelfluhkette erstreckt sich über Oberallgäu und Vorarlberg.

FAHRTZIEL NATUR
Wer heute Deutschlands schönste Naturregionen bereist, kann das zumeist ohne Auto tun. Das ist das Verdienst der Kooperation »Fahrtziel Natur«.
Seit 2001 engagiert sich der BUND mit dem NABU und Verkehrsclub Deutschland sowie der Deutschen Bahn für »Fahrtziel Natur«. Wir streben damit eine umweltfreundliche Mobilität und Form des Reisens an, die den Zielregionen nachhaltig zugutekommt. Konkret wollen wir die Anreise und die Mobilität in den wertvollen Naturräumen auf Bus und Bahn verlagern. Und so das Klima und die natürliche Vielfalt vor Ort bewahren.
VIEL ERREICHT
Von den Alpen bis zum Wattenmeer bieten heute 24 Nationalparks, Naturparks und Biosphärenreservate in Deutschland, in Österreich und der Schweiz die Möglichkeit, ihre Sehenswürdigkeiten entspannt und umweltschonend zu erleben.
Zum Jubiläum von »Fahrtziel Natur« kamen am 24. April im Potsdamer Kaiser-
bahnhof viele langjährige Wegbegleiterinnen und Unterstützer zusammen. Der Mitgründer und BUND-Vorsitzende Olaf Bandt erinnerte sich: »Als fachpolitischer Leiter des BUND habe ich unsere Kooperation damals mit aus der Taufe gehoben. Ich freue mich, dass wir in diesem Vierteljahrhundert so vieles erreicht haben. So wächst die Zahl der Gebiete, die sich hier engagieren, ständig.« Als jüngstes konnte in Potsdam der grenzübergreifende Naturpark Nagelfluhkette festlich aufgenommen werden.
ANSPRUCHSVOLL
Über die Jahre sind die Anforderungen an die beteiligten Gebiete stetig gestiegen. In jedem Fahrtziel-Natur-Gebiet sorgt eine Trägergruppe dafür, dass die Akteure vor Ort eng zusammenarbeiten. In ihr vernetzen sich engagierte Menschen aus Klima-

und Naturschutz, Tourismus, Verwaltung und Politik, um den Ausbau einer klimafreundlichen Mobilität und innovative Angebote für die Gäste voranzutreiben. Herzstück ist die Mobilität auf Gästekarte. Sie berechtigt Urlauber dazu, die regionalen Busse und Bahnen gratis zu nutzen –wie dies heute in fast allen Gebieten der Standard ist.
Besondere Fortschritte würdigt die Kooperation alle zwei Jahre mit dem »Fahrtziel Natur Award«. Der ging diesmal an das Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen und den Nationalpark Jasmund.
Noch einmal Olaf Bandt: »Auch auf der Reise sollten wir die Umwelt schonen können. Von Jahr zu Jahr verstehen wir besser, wo vor Ort anzusetzen ist, damit das Auto für die Gäste überflüssig wird. Die Erfahrungen unserer Fahrtziel-NaturGebiete machen sich längst auch andere Urlaubsregionen zunutze.« sz

Lassen Sie beim nächsten Natururlaub das Auto stehen! Unter www.fahrtziel-natur.de erfahren Sie, wo das besonders einfach geht.
Während der Osterferien entstand auf dem Gelände des Naturschutzund Jugendzentrums Wartaweil eine neue Klima-Wasser-Baustelle. Hier können Kinder spielerisch erfahren, wie Hochwasser entsteht und wie man Schäden vermeiden kann. Der Neubau wurde dank einer Förderung der Postcode-Lotterie ermöglicht und ersetzt die baufällig gewordene Vogängerin. Jetzt teilt sich ein Bach in einen mäandernden Naturverlauf und eine betonierte Rinne, darunter ein Modelldorf und oberhalb zwei Stauwerke. »Mit Schieberiegeln können Kinder selbst Hochwasser auslösen und beobachten, wie sich unterschiedliche Bachverläufe auf die Flut auswirken«, erklärt Projektleiter Axel Schrei-

Innerhalb kurzer Zeit hat sich die Ingolstädter Umweltstation als wichtige Bildungseinrichtung etabliert. Viel dazu beigetragen hat das engagierte Team um Leiterin Helene Theobald sowie Renate Schwäricke, Johanna Seibold und Andrea Barwig. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch das Trägermodell mit der Stadt Ingolstadt als Zuschussgeber, der BN-Kreisgruppe Ingolstadt und dem Stadtjugendring Ingolstadt als juristischem Träger. Zudem wird die Umweltstation von einem breiten Netzwerk aus inzwischen über 20


ner. In den zwei Bauwochen waren täglich sechs bis zwölf Personen im Einsatz. Entstanden sind neben dem Bachlauf ein Strömungstisch, zwei Flutkästen und ein Retentionssandkasten. Sie zeigen anschaulich, wie Landschaft, Versiegelung und Rückhalteflächen den Wasserabfluss beeinflussen – ein Lernort, der Naturerlebnis und Klimabildung ideal verbindet.
Weitere Informationen und Angebote rund um die Klima-Wasser-Baustelle: www.wartaweil.bund-naturschutz.de
Ingolstädter Organisationen und Einzelpersonen unterstützt. Dank zahlreicher Honorarkräfte konnte das Angebot deutlich ausgebaut werden: Jährlich erreichen die Programme mehrere tausend Kinder, Jugendliche und Erwachsene im gesamten Stadtgebiet. Ziel ist, jedem Kind mindestens einmal pro Schuljahr ein BNE-Angebot zu ermöglichen.
2025 wurde diese Arbeit doppelt gewürdigt: Nach dem Qualitätssiegel BNE erhielt die Umweltstation nun auch die dauerhafte staatliche Anerkennung durch das Bayerische Umweltministerium.
Infos und Programm www.umweltstation-ingolstadt.de
Das Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil lädt zum diesjährigen Nachhaltigkeitsfest ein unter dem Motto »Natur erleben – Wandel gestalten«. Dafür werden auch noch weitere Mitwirkende gesucht, egal ob Experten, Lehrende, Kreative oder Musiker. Kommen Sie dazu und gestalten Sie mit uns die Zukunft der Natur!
Termin: Samstag, 11. Juli
Ort: Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil www.wartaweil.bund-naturschutz.de
Entlang des Schmetterlingslehrpfades im naturnahen Garten des Ökohauses Würzburg kann man den Lebenszyklus, die Ar tenvielfalt und die Bedeutung unserer heimischen Falter kennenlernen. Zusätzlich gibt es Inspirationen und Tipps, wie man den eigenen Garten in ein Paradies für unsere Falter verwandelt.
Termin: 25. Juli
Ort: Ökohaus Würzburg www.wuerzburg.bundnaturschutz.de/termine

In Deutschland gibt es über 30 000 verschiedene Insektenarten. Dieser beeindruckenden Artenzahl widmet sich der eintägige Kurs zum Erkennen von Insektengruppen. Die Teilnehmenden erhalten eine Einführung in die faszinierende Vielfalt der Insekten und lernen, verschiedene Gruppen zu unterscheiden.
Termin: Samstag, 25. Juli, 9 – 15 Uhr
Ort: Biberhof Sonthofen
Referent: Alfred Karle-Fendt, Entomologe Infos und Anmeldung: www.nez-allgaeu.de/termine


Im Frühling, zwischen Ende April und Ende Mai, verwandelt sich eine Feuchtwiese in Nürnberg in ein pinkfarbenes Wunder. Die Orchideenwiese bei Birnthon liegt inmitten des Nürnberger Reichswaldes und ist ein wahrer Naturschatz. Ihr Fortbestehen hat der BN nun gesichert.
Schon 2020 hat der BUND Naturschutz ein Wiesengrundstück von gut 4000 Quadratmetern Größe gekauft. Dort wächst ein Meer von Orchideen. Nun war es möglich, auch die Nachbarwiese (fast 5000 Quadratmeter) zu kaufen und damit den
größten Orchideenbestand des Nürnberger Stadtgebiets noch besser zu schützen.
Der BN hat die Fläche bei Begehungen systematisch untersucht. Von insgesamt 115 Einzelproben auf je einem Quadratmeter wurde der Bestand hochgerechnet: Rund 10 000 Orchideen wachsen dort in guten Jahren. Expert*innen hatten die Gesamtzahl zuvor auf mehrere Tausend geschätzt – die genaue Zählung übertraf selbst diese Erwartungen.
Den Hauptanteil des Orchideenvorkommens stellt das Breitblättrige Knaben-
Kreisgruppe: Nürnberg Stadt
Fläche: fast 5000 Quadratmeter
Pflanzenarten: Breitblättriges Knabenkraut, Kleines Knabenkraut, Thymian-Seide
Tierarten: Zaun- und Waldeidechse, Langflügelige Schwertschrecke
Rund 10 000 Orchideen wachsen in guten Jahren auf der Feuchtwiese bei Birnthon.
kraut (Dactylorhiza majalis), das etwa vier Fünftel des Bestandes ausmacht. Den Rest bildet das Kleine Knabenkraut (Anacamptis morio), das nirgendwo sonst im Stadtgebiet vorkommt. Darüber hinaus wächst auf den beiden Wiesen alles, was für eine intakte Feuchtwiese typisch ist –die Artenvielfalt ist beeindruckend. So wurden bei der Kartierung durch den BN und der Stadtbiotopkartierung über 110 Pflanzenarten nachgewiesen. Berücksichtigt man nur die Arten, die tatsächlich zum natürlichen Ökosystem gehören, sind es immer noch 80 bis 90 Spezies.
Die intensive Nachkartierung durch den BUND Naturschutz erbrachte über 25 charakteristische Pflanzen oder Magerkeitsanzeiger wie Teufelsabbiss, Heidenelke, Echte Schlüsselblume und Echte Betonie. Hinzu kommt eine auffällig hohe Anzahl an Sauergrasarten. Unter den Rote-Liste-Pflanzen findet sich neben den beiden Knabenkraut-Arten auch die relativ unbekannte Thymian-Seide.
LANDWIRTSCHAFT ALS PARTNER
Wie extensive Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand gehen können, zeigt sich an der Orchideenwiese in Birnthon. Sie dient schon lange als Futterwiese, und ein Bauer bewirtschaftet sie bis heute. Gemäht wird nur einmal im Jahr, im Juli, nachdem die Orchideen verblüht sind. So bleibt den Pflanzen genug Zeit, sich zu vermehren. Dank dieser Pflege ist die Wiese derzeit in einem optimalen Zustand.
Es soll sichergestellt werden, dass der Landwirt die Orchideenwiese auch weiterhin mäht. Derzeit bekommt er dafür eine Aufwandsentschädigung, weil Wildschweine immer wieder erhebliche Schäden auf der Wiese verursachen. Sie heben beim Wühlen ganze Bodensoden hoch, sodass das Mähgut stark mit Erde durchsetzt und als Futter nur noch bedingt geeignet ist. Der BN plant deshalb, beide Grundstücke einzuzäunen. Langfristig soll sich die Wiese aber nach dem Modell Futter gegen Pflege selbst tragen und dadurch nachhaltig gesichert werden.
KLIMAWANDEL
ALS UNBEKANNTE
Wie sich das außergewöhnliche Biotop in Zukunft entwickeln wird, ist offen. Bekannt ist, dass der Orchideenbestand von Jahr zu Jahr schwankt: In nassen Jahren ist die Wiese pink vor Blüten, in Trockenjahren findet man nur wenige Exemplare. Bisher hat sich gezeigt, dass die Orchideen zwei aufeinanderfolgende Trockenjahre tolerieren können. Wie sich der fortschreitende Klimawandel langfristig auswirkt, bleibt abzuwarten.
Heidi Tiefenthaler

es war ein starkes Zeichen: Rund 12 000 Menschen demonstrierten am 18. April in München für die Energiewende und einen Ausbau erneuerbarer Energien. Auch viele BN-Aktive waren dabei, der BN-Vorsitzende Martin Geilhufe hielt eine Ansprache. Der Tenor aller Reden an diesem Tag war: Es darf kein Zurück zu fossilen Energieträgern geben! Sie sind klimaschädlich, teuer und zementieren geopolitische Abhängigkeiten.
Der Versuch einer Rolle rückwärts findet aber nicht nur im Bereich der Energieversorgung statt, sondern auch im Naturschutz. Mit irreführenden Begriffen wie »Vereinfachung« oder »Bürokratieabbau« versuchen Politiker*innen gerade, massive Einschnitte in die Naturschutzgesetzgebung zu verharmlosen. Gerade auf europäischer Ebene droht ein Verlust von jahrzehntelang bewährten, grundlegenden Schutzregeln. Viele Gebiete, die heute durch die FFH-Richtlinie oder NATURA 2000 geschützt sind, wären plötzlich gefährdet.
Bitte helfen Sie uns mit Ihrer Unterschrift, diesen Generalangriff auf den europäischen Naturschutz abzuwehren. Diesem Heft liegt eine Unterschriftenliste bei. Gemeinsam mit
dem BUND Naturschutz sammeln viele Umweltverbände in der EU derzeit Unterschriften. Bis Redaktionsschluss hatten bereits weit über 430 000 Menschen unterzeichnet. Wir wollen den politisch Verantwortlichen in Brüssel zeigen, dass sie gegen den Willen der Bürger*innen in Europa handeln, wenn sie Umweltschutzgesetze aushöhlen oder abschaffen! Es geht hier nicht um ein paar kleine Stellschrauben bei Planungsverfahren, wie man uns weismachen will, es geht um unsere Lebensgrundlagen: um den Schutz von CO2-Senken wie Mooren und Feuchtgebieten, um sauberes Trinkwasser, um die letzten Refugien für seltene Arten. Mehr Informationen finden Sie auf Seite 11. Danke für Ihre Unterstützung!
Ein großes Dankeschön geht auch an unsere vielen Mitglieder, die in den vergangenen Wochen in der Amphibienrettung oder bei der Pflege von Streuobstwiesen im Einsatz waren. Sie alle haben einen ganz konkreten Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt geleistet. Ob auf einer Demo oder am Amphibienzaun: Ihr Einsatz vor Ort zeigt, dass gelebter Umwelt- und Naturschutz mit Menschen wie Ihnen beginnt.
Martin Geilhufe Landesvorsitzender

Stellvertretende Vorsitzende
Doris Tropper lebt in Erlangen. Sie studierte Geographie, Mathematik und Sport und arbeitete an einem Gymnasium, zuletzt acht Jahre in der Schulleitung. Sie kam über den Anti-WAA-Widerstand zum Verband und war im Erlanger BN zuerst im Arbeitskreis Umweltbildung aktiv, später im Kreisvorstand. Von 1988 bis 2014 war Doris Tropper Vorsitzende der Erlanger Kreisgruppe, ab 1992 Beisitzerin im Landesvorstand. Seit 1996 ist sie stellvertretende Landesvorsitzende und engagiert sich darüber hinaus auf Bundesebene: von 2001 bis 2004 war sie stellvertretende Bundesvorsitzende, und seit 2019 bringt sie als Beisitzerin die bayerischen Interessen in den Bundesvorstand ein.
Ihre fachlichen Schwerpunkte liegen beim Flächenschutz, einer ökologischen Ernährung ohne Gentechnik sowie beim Grünen Band. Als Mitglied im Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks setzt sie sich dort seit 2021 für den öffentlichrechtlichen Rundfunk, die Freiheit der Presse und für Demokratie ein.

BEATE RUTKOWSKI
Stellvertretende Vorsitzende Beate Rutkowski lebt in Traunstein. Die Diplom-Biologin ist seit 1989 Mitglied des BN und hatte viele Jahre die Geschäftsführung der Kreisgruppe Traunstein inne. Seit 2008 ist sie Vorsitzende der Kreisgruppe, von 2012 bis 2016 war sie Beiratsmitglied und wurde 2016 als Beisitzerin in den Landesvorstand gewählt. Seit 2021 ist sie stellvertretende Landesvorsitzende.
DEM VERBAND
Im November fanden Neuwahlen des BN-Landesvorstands statt. Über den neuen Vorsitzenden Martin Geilhufe haben
wir berichtet, hier stellen wir nun die weiteren gewählten Mitglieder des Vorstands vor.
Rutkowski ist aktives Mitglied in den Landesarbeitskreisen Verkehr und Wasser. In ihrem Landkreis engagiert sie sich im Agrarbündnis BGL/TS, in der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkl sowie im Landschaftspflegeverband. Darüber hinaus ist sie auch Mitglied des Naturschutzbeirates.
Neben der breitgefächerten Arbeit in der Kreisgruppe liegen Beate Rutkowskis Schwerpunkte in den Bereichen Landwirtschaft, Wald, Gentechnik, Artenschutz, Gewässerschutz, Flächenschutz, Alpen, Klimaschutz und Umweltbildung.

Landesschatzmeister
Max Walleitner aus dem Landkreis München ist seit 2013 im BN-Landesvorstand, davor war er seit 2005 im Landesbeirat stellvertretender Beiratssprecher. Als Landesschatzmeister kümmert er sich um Themen, die mit Finanzierung, Steuerrecht, Gemeinnützigkeitsrecht oder Stiftungen zu tun haben und arbeitet dabei eng mit den Mitarbeiter*innen der Landesgeschäftsstelle zusammen.
Er engagiert sich im Tierschutz: Mit einem kleinen Tierschutzverein kümmern er und seine Frau sich um Straßentiere aus der Türkei und Griechenland, insbesondere durch Kastrationen und medizinische Behandlungen. Zudem ist Max Walleitner Beiratssprecher des Tierschutzvereins München. Seit 18 Jahren ist er zudem im Gemeinderat.
Weitere Ehrenämter im BN und BUND sind: Stiftungsrat-BUND Stiftung, Stiftungsrat BN-Stiftung, Verwaltungsbeirat BN Service GmbH, Verwaltungsbeirat BN Marketing GmbH, Vorstandsmitglied der Kreisgruppe München und Schatzmeister der BN-Ortsgruppe Grasbrunn.

Beisitzer
Julian Fürholzer ist Jahrgang 2000 und am Ammersee aufgewachsen. Er studierte in Salzburg Philosophie, Politik und Ökonomie und setzt sein Studium derzeit im Masterstudiengang Economics and Public Policy in Augsburg fort.
Seit 2019 ist er in der BUNDjugend Bayern aktiv. 2021 wurde er sowohl in den Landesvorstand der BUNDjugend Bayern
als auch in den Landesvorstand von CIPRA Deutschland gewählt. Von 2022 bis 2025 war er zudem Jugendvertreter im BN-Landesvorstand. Seit November ist er Beisitzer im Landesvorstand. Darüber hinaus engagiert sich Julian Fürholzer im Arbeitskreis Alpen.
Inhaltlich beschäftigt er sich insbesondere mit Alpenschutz, Klimapolitik, Energiewende und der Organisationsentwicklung.

Beisitzerin
Kathy Mühlebach-Sturm, geboren in der Schweiz, lebt seit 1977 in Bayern. Sie studierte Biochemie und Chemie und sah sich in dieser Zeit konfrontiert mit den Aussagen des Club of Rome und anderen Ökopionieren. Es folgten Familienjahre, in denen sie begann, sich für Natur und Umwelt zu engagieren. Dies führte zur Gründung einer BN-Ortsgruppe in Aschheim bei München, in der sie bis zum Umzug nach Landshut sieben Jahre das Amt der Vorsitzenden innehatte.
In Landshut traf sie auf eine aktive BNKreisgruppe und ließ sich 1995 ins Amt der stellvertretenden Kreisvorsitzenden wählen. Seit 2008 folgte sie Paul Riederer als Vorsitzende der Kreisgruppe nach. Seit 2016 ist Kathy Mühlebach-Sturm Beisitzerin im Landesvorstand.

MONIKA NÖRR
Beisitzerin
Dr. Monika Nörr lebt im Landkreis Landsberg am Lech. Die Biotechnologieinge-
nieurin und Wirtschaftsingenieurin ist stellvertretende Vorsitzende der Kreisgruppe Landsberg und war bis 2025 stellvertretende Sprecherin des Landesbeirates. Zudem engagiert sie sich im Landesarbeitskreis Gentechnik. Im November wurde Monika Nörr als neue Beisitzerin in den Landesvorstand gewählt. Sie setzt sich für eine ökologische und gentechnikfreie Landwirtschaft sowie eine nachhaltige Waldwirtschaft ein. Zudem ist ihr der Schutz der Lebensräume und Arten sehr wichtig, wobei das Spektrum von Stellungnahmen zu Natura2000Gebieten und Bauleitplänen bis hin zu konkreten Grundstückankäufen reicht. Darüber hinaus bringt sie ihre Erfahrung in organisatorischen, finanziellen und Managementthemen in den Vorstand ein.

RUTH RADL
Beisitzerin
Dr. Ruth Radl stammt aus Aschaffenburg. Sie hat in Würzburg Biologie studiert. Ihre BN-Karriere startete bei der Kreisgruppe Aschaffenburg als Referentin für Umweltbildung. Über Projekte der internationalen Entwicklungszusammenarbeit lebte und arbeitete sie mehrere Jahre im westafrikanischen Regenwald.
Seit mehr als 20 Jahren ist sie ehrenamtlich im Vorstand der Kreisgruppe aktiv, seit 2016 als stellvertretende Vorsitzende. In der Region Bayerischer Untermain setzt sie sich für ein Biosphärengebiet im Spessart ein. Überregional engagierte sie sich von 2012 bis 2021 im Landesbeirat. Sie ist Mitglied im Landesarbeitskreis Aktivengewinnung und -unterstützung, seit Januar 2025 als Sprecherin dieses Arbeitskreises. Seit 2021 ist sie Beisitzerin im Landesvorstand.

STEFFEN SCHARRER Beisitzer
Dr. Steffen Scharrer lebt im Landkreis Miltenberg. Bereits 1985 war Steffen Scharrer der erste Zivildienstleistende der BN-Kreisgruppe Miltenberg. Nach dem Biologie-Studium arbeitete er einige Jahre für den WWF im Fundraising.
Der Experte für Hautflügler ist seit 2016 Vorsitzender der Kreisgruppe Miltenberg und stellvertretender Vorsitzender des Landschaftspflegeverbandes. Er vertritt den BN auch im Naturschutzbeirat des Landkreises und als Stellvertreter im Naturschutzbeirat der Regierung von Unterfranken. Innerhalb des BUND Naturschutz ist Steffen Scharrer im Arbeitskreis Artenschutz aktiv. Seit 2021 ist er Beisitzer im Landesvorstand.

MORITZ HÖPFL
Vertreter der BUNDjugend Bayern im Landesvorstand
Moritz Höpfl lebt in München und hat gerade das Masterstudium in Energietechnik abgeschlossen. Zuvor hatte er in Freising den Bachelor im Fach Management erneuerbarer Energien gemacht.
Seit 2021 ist Moritz Höpfl in der BUNDjugend aktiv und seit rund zwei Jahren im erweiterten Landesvorstand. Im April 2026 wurde er zum Vertreter der BUNDjugend im BN-Landesvorstand gewählt. Seine thematischen Schwerpunkte sind Jugendbeteiligung, Klima- und Energiepolitik sowie Organisationsentwicklung.



»Die Aktionsformen der BUNDjugend Bayern waren von Beginn an sehr kreativ. Statt Themen verkrampft ideologisiert zu behandeln, hatten wir immer viel Spaß und coole Ideen. Bei den Demos wurde musiziert und Theater gespielt: Da waren wir Vorreiter.«
Er war der erste hauptamtliche Mitarbeiter, später lange Jahre Geschäftsführer: Kurt Heine hat die BUNDjugend Bayern von 1986 bis 2020 geprägt wie kein anderer.
Gestartet mit kreativen Aktionen und coolen Ideen, heute einer der größten Jugendumweltverbände Europas: Die BUNDjugend Bayern wird 50 – und ist weiterhin ein Forum für Naturerlebnisse und politisches Engagement.
»Wir lassen uns doch nicht verarschen!« Gegen Gammelfleisch und Massentierhaltung kann man gesittet demonstrieren – oder, ganz kurz, aus Protest die Hosen runterlassen. So geschehen bei einer besonderen Aktion vor über 20 Jahren, übrigens genau drei Sekunden lang: Exakt so viel Zeit hatte die Nürnberger Polizei den jungen Leuten gestattet (die Münchner Kollegen hatten es verboten). Manchmal braucht es eben einen Striptease, damit ein Thema Passanten und Medien beschäftigt …

Seit 50 Jahren macht die BUNDjugend Bayern mit besonderen Aktionen auf Themen aufmerksam, die jungen Leu-
ten wichtig sind. Dafür gab es in den 2000ern sogar ein »Piratenschiff«, die Takatuka, um Flagge zu zeigen für eine frei fließende Donau. Heute organisieren die Aktiven eine Kanutour als Fluss-Demo für die bedrohte Salzach. Nach Tschernobyl gab es sogar
mal ein fliegendes Atomkraftwerk. 2015 einen Auftritt in Eisbärenkostümen bei der Pariser Klimakonferenz. In den 80ern die Besetzung von Alpengipfeln als Aktion gegen das Waldsterben, worüber die »Tagesschau« berichtete. Und ganz aktuell Proteste gegen den Autowahn bei der

»Sich ausprobieren dürfen, gemeinsam lernen, zusammen für etwas Wichtiges kämpfen: Die Zeit bei der BUNDjugend war total prägend für mich. Man kann sich dort einbringen und lernt in der Gemeinschaft viele super spannende, inspirierende Menschen kennen.«
Svenja Schmohel hat sich nach ihrem Freiwilligen Ökologischen Jahr im Nationalpark Berchtesgaden bei der BUNDjugend engagiert. Ihr Herzensprojekt: Die Alpentour.

IAA in München, Demos für eine nachhaltigere Landwirtschaft – aber auch praktische Naturschutzeinsätze im Hochmoor.
AUTONOMIE UND FREIHEIT
Als die BUNDjugend Bayern vor 50 Jahren gegründet wurde, waren die Anfänge noch bescheiden und ihrer heutiger Erfolg lange nicht absehbar. Denn Jugendarbeit braucht Autonomie und Freiheit: Dass der manchmal widerspenstige Nachwuchs sein eigenes Ding durchziehen will und dem Dachverband sogar Beine macht, daran mussten sich manche Erwachsene in den 70-er Jahren erst gewöhnen. Los ging es mit Bildungsarbeit, mit Seminaren im Naturschutzzentrum Wartaweil am Ammersee und den bis heute sehr populären Freizeiten. Später kam die Anerkennung durch den Bayerischen Jugendring unter dem Namen »Jugendorganisation Bund Naturschutz«. Neben vielen berechtigten Protesten ging es immer auch darum, das Positive nicht zu vergessen. So entstanden die Kindergruppen, um die Schönheit der Natur vor der Haustür zu entdecken.
KINDER ERLEBEN NATUR
50 Jahre nach der Gründung ist die BUNDjugend Bayern einer der größten Jugendumweltverbände Europas. Angebote gibt es bereits für die Kleinsten, sowohl in den Städten als auch auf dem Land. Rund 400 Gruppenleiter*innen begleiten etwa 180
Kindergruppen, in denen viele tausend Kinder Natur direkt erfahren können. Für die Übergangszeit trifft man sich in Teenager-Gruppen. Je älter die Aktiven, desto eigenständiger wird ihr Engagement im Verband. Bayernweit gibt es aktuell etwa 400 Jugendliche und junge Erwachsene, sie sich intern weiterbilden, Wochenenden für praktische Naturschutzeinsätze organisieren und für ihre Zukunft auf die Straße gehen.
POLITISCHE DEBATTE
»Wir bringen Kinder und Jugendliche nicht nur mit der Natur in Kontakt, sondern auch in die politische Debatte – für mehr Klimaschutz, für eine starke Um-
weltpolitik und für eine lebendige Demokratie.« So skizziert Geschäftsführer Adrian Bebb die aktuellen Aufgaben der BUNDjugend. In Zukunft sieht er die Organisation als noch wichtigeres Forum, damit Kinder und Jugendliche sowohl Bayerns Natur erleben als auch politisch aktiv werden, um ihre Stimmen hörbar zu machen. »Wenn wir wollen, dass Umweltund Klimaschutz langfristig trägt, müssen junge Menschen mitgestalten.«
Helge Bendl

»Umweltschutz ist mir total wichtig. Bei der BUNDjugend kann man Fledermauskästen aufhängen, lernt aber auch viel über die Zusammenhänge in der Natur. Cool sind die vielen Veranstaltungen für Teenager: Dieses Jahr bin ich beim Biodiversitäts-Camp dabei.«
Darius Arnold ist seit seiner Grundschulzeit bei der BUNDjugend, damals noch als Mitglied einer Kindergruppe. Er ist heute 15 und kommt aus Ebersberg.



Sie studiert Geographie in Innsbruck, kümmert sich um die Vielfalt im Verband und verbringt gern Zeit in den Alpen. Fabia Lausberg ist aktiv im Vorstand der bayerischen BUNDjugend.
Fabia, was hat dich einst zur BUNDjugend geführt?
Ich habe 2018 ein Freiwilliges Ökologisches Jahr bei GreenCity in München begonnen, der Träger war die BUNDjugend. Über ihre Seminare habe ich sehr viele coole Leute kennengelernt. Wir haben dann gemeinsam weitere spannende Veranstaltungen besucht, das hat viel Spaß gemacht.
Und wie kam es, dass du in den Vorstand gerückt bist?
Unser Geschäftsführer hat mich gefragt, und ich habe sehr spontan ja gesagt. Zu Anfang hatte ich die Sorge, im Studium
nicht genügend Zeit für die BUNDjugend zu haben. Beides ließ sich dann doch gut vereinbaren, nur das Studium hat sich ein wenig in die Länge gezogen … [lacht]
Ich würde mich aber jedes Mal wieder so entscheiden. Selbst nach fünf Jahren im Vorstand lerne ich noch ständig dazu, zumal wir unsere Aufgaben regelmäßig neu verteilen.
Ganz besonders kümmerst du dich um eure Veranstaltungen. Was steht da in der nächsten Zeit an?
Zum Beispiel eine viertägige Wanderung auf die Zugspitze im Sommer. Unser Jahresthema sind die Landschaften Bayerns,
und die Alpen sind eines meiner Herzensthemen: Ich studiere in Innsbruck, bin aktiv in unserem Arbeitskreis Alpen und arbeite nebenher gerade bei der Alpenschutzkommission CIPRA, der auch der BUND in Bayern angehört. Im Herbst dann bilden wir eine Woche lang neue Teamer*innen aus, die damit ihrerseits Jugendarbeit leisten können. Eine tolle Fortbildung für unsere Aktiven.
Hat sich der Schwerpunkt deines Engagements über die Jahre verändert?
Ja. Anfangs habe ich mich viel an Kampagnen beteiligt, da konnte ich einfach mitmachen, das war ein niedrigschwelliger Einstieg. Heute arbeite ich sehr viel mehr innerverbandlich. So bin ich im Vorstand für die Personalthemen verantwortlich, bin bei Bewerbungen dabei und führe regelmäßig Personalgespräche.
Dazu passt mein Anliegen, die BUNDjugend vielfältiger zu machen: Wie erreichen wir diversere Zielgruppen, damit sich wirklich alle jungen Leute bei uns wohlfühlen? Ich glaube, da sind wir auf einem sehr guten Weg.
Könnte sich daraus auch eine berufliche Perspektive ergeben?
Das kann ich mir schon sehr gut vorstellen. Ich habe mir seit dem FÖJ alle möglichen NGOs [= Nichtregierungsorganisationen] angeschaut und über die Jahre ein gutes Netzwerk aufgebaut. Gerade die Jugendarbeit macht mir ganz besonderen Spaß. Denkbar ist aber auch, dass ich in die Forschung gehe oder einen Nationalpark – irgendwas mit dem Ziel Umweltschutz, Nachhaltigkeit oder Schutz der Alpen.
Vorerst bleibst du der BUNDjugend aber noch ein bisschen erhalten?
Auf jeden Fall. Oft denke ich mir, wie unfassbar viel ich schon im Ehrenamt gelernt habe, was man im Studium nie beigebracht bekommt: Arbeiten im Team, Projektmanagement – oder bei einem Bewerbungsgespräch mal auf der anderen Seite sitzen. All das braucht man ja später einmal. sz

Das Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) und der BUND Naturschutz haben im März eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, um ihre Kräfte für das Grüne Band Bayern-Tschechien zu bündeln. Der Schwandorfer Landrat Thomas Ebeling, BN-Landesvorsitzender Martin Geilhufe sowie BUND-Beauftragter Hubert Weiger betonten die Bedeutung der verstärkten Zusammenarbeit für den grenzübergreifenden Natur- und Kulturraum. Ein zentrales Ziel der Kooperation ist die Etablierung des Grünen Bandes als UNESCO-Welterbestätte für Natur- und Kulturerbe. Der 346 Kilometer lange bayerisch-tschechische Grenzstreifen ist über 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vor-

Bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung (vo. li.): der Schwandorfer Landrat Thomas Ebeling, Hubert Weiger, BUND-Beauftragter für das Grüne Band, und BN-Vorsitzender Martin Geilhufe
Im Februar verstarb der langjährige BNRegionalreferent für Unterfranken und die Oberpfalz, Helmut Schultheiß, im Alter von knapp 70 Jahren. Er war einer der ersten hauptamtlichen Mitarbeiter der nordbayerischen BN-Geschäftsstelle und war von 1983 bis 2020 beim BN beschäftigt.
hangs ein einzigartiges Naturerbe und Symbol für das friedliche Zusammenwachsen Europas. Die Vereinbarung, die bei einer Veranstaltung in Schönsee im Landkreis Schwandorf unterzeichnet wurde, vertieft die bestehende Zusammenarbeit.
Das Grüne Band in der bayerisch-böhmischen Grenzregion beherbergt wertvolle Lebensräume von Wildnisflächen bis zu Relikten von Kulturlandschaften – und damit die beste Voraussetzung für eine große Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten, unter ihnen Raritäten wie Flussperlmuschel, Goldener Scheckenfalter, Waldbirkenmaus und Arnika.
Der BUND Naturschutz lädt ein zum Nationalparktag im Steigerwald am Sonntag, 28. Juni. Das Fest für Groß und Klein im Garten des Klosterbräu in Ebrach möchte auf den nötigen Schutz der Buchenwälder im Steigerwald aufmerksam machen.
Von 13 bis 19 Uhr gibt es ein buntes Programm aus Live-Musik, Info-Ständen, Darbietungen, regionalen Marktständen und vielem mehr! Auch zum Mitmachen für Groß und Klein ist einiges dabei. Für die musikalische Stimmung sorgen der Liedermacher und Klimaaktivist Erik Stenzel und die Musik-Kabarett-Gruppe »häisd’n’däisd vomm mee«.
Vormittags bieten der BUND Naturschutz und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) eine Exkursion in den Steigerwald und eine Radtour von Bamberg nach Ebrach an.
Helmut Schultheiß hat sich zahlreiche bleibende Verdienste wie zum Beispiel um die Erhaltung von Streuobstwiesen erworben. Seine jahrzehntelange Erfahrung hat er in einem »Aktionsleitfaden Streuobst« zusammengefasst, der heute ein Standardwerk für alle praktischen Anwender*innen nicht nur im BN, sondern weit darüber hinaus ist. Mit seiner Arbeit hat er eine Grundlage für den heute vielbeachteten Streuobstpakt Bayern gelegt. Erfolgreich eingesetzt hat er sich auch für die Rettung von Mittelwäldern und alten Weinbergen, bei Landesgartenschauen und gegen den Bau von Autobahnen. Besonders geschmerzt hat ihn der Bau der A71 durch seine unterfränkische Heimat.

Der BUND Naturschutz wird Helmut Schultheiß in Dankbarkeit ein ehrendes Andenken bewahren.
Lust auf Dialog? Der BUND Naturschutz tauscht sich auf Facebook täglich mit seiner Community über Natur und Umwelt in Bayern aus. Schließen Sie sich an!
Werden Sie BN-Freund*in www.facebook.com/ bundnaturschutz


Welche Geräuschkulisse erwartet Stadtbewohner*innen vor der Haustür – Vogelgezwitscher oder Verkehrslärm? Und welche Auswirkungen hat das auf Wohlbefinden und Gesundheit? Mehr über diese Fragen möchte das Projekt CitySoundscapes herausfinden, an dem sich die BN-Kreisgruppe München beteiligt. Auch wenn Städte schon viel tun, um Lärm zu vermeiden, kommen positive Klangelemente in der Planung bisher wenig vor, obwohl sie eine wichtige Ressource für die Gesundheitsförderung in urbanen Räumen darstellen. Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt den Zusammenhang zwischen Stadtstrukturen

Am 11. und 12. Juli lädt der BUND Naturschutz wieder ein zum ökologischen Familienfest am Nürnberger Schmausenbuck, direkt am Aussichtsturm oberhalb des Tiergartens. In diesem Jahr dreht sich alles um das spannende Thema »Tiere des Waldes«.
und Artenvielfalt, den daraus entstehenden Klanglandschaften (Soundscapes) und deren Einfluss auf die Gesundheit. Und alle können mitmachen, zum Beispiel bei Hörspaziergängen und Hörsalons, Silent Discos, Kunst-WissenschaftsInterventionen und Workshops. Ziel ist es, über Klanglandschaften herauszufinden, wie urbane Räume und deren Grünflächen gestaltet sein sollten, um Biodiversität und Wohlbefinden in der Stadt zu fördern.
Weitere Informationen und Termine: www.citysoundscapes.de
Am Samstag, 11. Juli, können die Gäste Rückepferde in Aktion erleben. Am Nachmittag sprechen der BN-Vorsitzende Martin Geilhufe und der BN-Ehrenvorsitzende Hubert Weiger.
Verschiedene Wanderungen und Infovorträge über Waldtiere sind am Sonntag, 12. Juli, geboten. Dazu gibt es wie immer musikalische Unterhaltung, Essen und Getränke aus ökologischer Produktion und ein buntes Kinderprogramm.
Mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland wurde im März der Rosenheimer Biologe und BN-Mitglied Alfred Ringler geehrt. Ob NATURA 2000, Biotopverbund oder Grünes Band: Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (im Bild links) würdigte in der Laudatio Ringlers »beeindruckendes Lebenswerk«. Besonders hervorzuheben seien seine fotografischen Dokumentationen, die zeigen, wie Landschaften sich über Jahrzehnte hinweg durch das Eingreifen des Menschen verändern.

»Wir freuen uns, dass mit Alfred Ringler einer der wichtigsten Landschaftsökologen und Landschaftskenner in Bayern den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland und damit hohe staatliche Anerkennung erhalten hat«, betonte der BN-Vorsitzende Martin Geilhufe. Das Bundesverdienstkreuz ist die höchste deutsche Auszeichnung für Verdienste um das Gemeinwohl.
Nähere Infos auf: www.reichswaldfest.de
www.facebook.com/bundnaturschutz
www.instagram.com/bundnaturschutz
www.youtube.com/@bundnaturschutz

Fünf Jahre nach seinem Start zeigt der »Streuobstpakt Bayern« Wirkung: Das ambitionierte Ziel, bis 2035 eine Million neue Streuobstbäume zu pflanzen, ist greifbar geworden. Kommunen, Landwirtschaft und engagierte Bürger*innen ziehen zunehmend an einem Strang. Besonders sichtbar wird das im größten Förderprojekt »Aktionsbündnis Streuobst«. Als Projektpartner hat der BN bereits mehr als 1200 Bäume fachgerecht gepflegt sowie viele Flächen neu bepflanzt und weiterentwickelt. Qualifizierte Baumwarte sichern die fachgerechte Durchführung, ehrenamtliche werden geschult und unterstützen tatkräftig – entscheidende Faktoren für den langfristigen Erhalt. Streuobstwiesen gewinnen damit nicht nur ökologisch an Bedeutung, etwa für Ar tenvielfalt und Klimaschutz, sondern auch als identitätsstiftende Kulturlandschaft und regionale Wertschöpfungsquelle. Hervorgegangen ist der Streuobstpakt Bayern vor fünf Jahren aus dem gewonnenen Volksbegehren »Rettet die Bienen« und Klagen von BN und LBV.


Am 40. Jahrestag der OstermontagsDemonstration gegen die atomare Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) Wackersdorf am 31. März 1986, an der über 100 000 Menschen teilnah men, ehrte der BUND Naturschutz den damaligen Landrat Hans Schuie rer mit der Bayerischen Naturschutz medaille.
Der frühere Schwandorfer Landrat Hans Schuierer, der kurz zuvor seinen 95. Geburtstag feiern durfte, war bis in die jüngste Zeit bei vielen Veranstaltun gen und in Schulen zum Thema WAA unterwegs. Er hat durch seine Arbeit maßgeblich zum Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland beigetragen.

Bei der Überreichung der Naturschutzmedaille (vo. li.): BN-Ehrenvorsitzender Hubert Weiger, die stellvertretenden Vorsitzenden Beate Rutkowski und Doris Tropper, Altlandrat Hans Schuierer und der BN-Vorsitzende Martin Geilhufe
Kontakt: horst.schwemmer@bund-naturschutz.de nicole.bottesch@bund-naturschutz.de
Überreicht wurde die Ehrung am Franziskusmarterl im Rahmen eines Vorstandsbesuchs in der Oberpfalz. Dabei hob der BN-Vorsitzende Martin Geilhufe den Mut von Hans Schuierer hervor: »Er hat ohne Rücksicht auf persönliche Nach-
teile maßgeblich zur erfolgreichen Verhinderung der WAA beigetragen. Sein entschlossenes Eintreten gegen die Anlage war eine zentrale Voraussetzung für deren erfolgreiche Verhinderung.«
Ob Artensterben, Klimakrise oder Wildtiere, der BN-Podcast UmweltG’schichten bringt Umwelt-Themen auf den Punkt – und ins Ohr. Moderator Felix Hälbich ist ehemaliger, langjähriger Radioreporter und nimmt regelmäßig die großen Umweltfragen in Bayern unter die Lupe –fundiert, verständlich und mit spannenden Gästen.
In der aktuellen Folge dreht sich alles um den Straßenbau. Braucht Bayern wirklich immer neue Straßen – oder schaffen sie am Ende nur noch mehr Verkehr? Wir zeigen, wie neue Trassen Natur zerstören und räumen gleichzeitig mit verbreiteten Mythen auf, etwa, dass Straßen Staus reduzieren. In der kommenden Folge geht es um die Biodiversitätskrise, also das Artensterben.
Den Podcast gibt es auf allen gängigen Streaming-Plattformen wie spotify, Apple Podcast oder Amazon Music. Über den QR-Code geht es zum YouTube-Kanal der UmweltG’schichten. Jetzt reinhören!


Im Projekt FLOW können interessierte Laien zu Gewässerforscher*innen werden und mehr über den Zustand von Bayerns Bächen herausfinden.

BAYERNS GEWÄSSER IM FOKUS
Im Bürger*innenprojekt FLOW steigen
Freiwillige ins Wasser und untersuchen mit wissenschaftlichen Methoden den Zustand kleiner Fließgewässer.
Es ist ein Glück, an einem Bach zu sitzen – die Füße im kühlen Wasser, dem Glucksen und Gurgeln zu lauschen, dort, wo die Strömung über Steine strudelt. Wer genauer hinsieht, erkennt: Ein Bach ist ein Mosaik aus Lebensräumen. Hier ein kleiner Strand, dort überspülte Kiesel, auf denen Algen wachsen, wo die Sonne helle Flecken wirft. Im schattigen Uferbereich wiederum liegt die UnterwasserKinderstube zahlloser Kleinstlebewesen. Kleine Fließgewässer sind ökologisch unverzichtbar. Sie sind Teil des Wasserkreislaufs und wirken als natürliche Filter. An ihrer Sohle lebt das Makrozoobenthos –wirbellose Tiere wie Köcherfliegen- und Steinfliegenlarven, Schnecken, Muscheln oder Käferlarven. Sie prägen das Ökosystem und zeigen an, wie es um die Wasserqualität steht.

Das FLOW-Projekt wird wissenschaftlich vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig und dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) geleitet, unterstützt von Partnern wie dem BN und dem Deutschen Angelfischerverband.
In Bayern bilden diese Bäche ein blaues Netz des Lebens von rund 90 000 Kilometer Länge. Dennoch sind sie bislang nur lückenhaft erforscht, unter anderem, weil es laut europäischer Wasserrahmenrichtlinie keine Berichtspflicht für Bachläufe mit einem Einzugsgebiet unter 10 Quadratkilometern gibt. Gleichzeitig verlangt die Richtlinie, alle Gewässer bis 2027 in einen guten ökologischen und chemischen Zustand zu bringen – ein Ziel, das vielerorts deutlich verfehlt wird.
HANDLUNGSBEDARF
Hier setzt das Citizen-Science-Projekt FLOW an. Seit 2019 untersuchen Freiwillige nach einer fachlichen Schulung ausgewählte Gewässerabschnitte. Einen Tag lang analysieren sie Gewässerstruktur
und Wasserwerte und nehmen vor allem die Lebensgemeinschaft am Bachgrund unter die Lupe. Mit Hilfe eines Index ermitteln sie die Pestizidbelastungen. Mit ihren Daten ergänzen die Bürger-Wissenschaftler*innen das amtliche Monitoring. Die bisherige Bilanz zeigt dringenden Handlungsbedarf: Drei von 16 untersuchten Fließgewässern waren stark mit Pestiziden belastet, nur etwa die Hälfte erreichte eine gute ökologische Qualität. »Unsere Bäche sind teils in einem schlechten Zustand«, sagt BN-Gewässerexperte Stefan Ossyssek. »Neben baulichen Veränderungen und Nährstoffeinträgen ist vor allem die Pestizidbelastung ein Treiber des Artenrückgangs.«
FLOW liefert damit wichtige Argumente für besseren Gewässerschutz – etwa strengere Pestizidkontrollen und breitere Uferrandstreifen. Das Projekt wird auch 2026 und darüber hinaus fortgesetzt. »Wir merken, dass unter Teilnehmern das Bewusstsein für den Lebensraum Bach wächst«, sagt Stefan Ossyssek. »Wer selbst mit dem Kescher im Bach steht und Tiere bestimmt, entwickelt ein ganz neues Verständnis.« Und noch einen Effekt hat Ossyssek beobachtet: »Der Bach verbindet – und nicht selten stiftet er neue Freundschaften.«
Margarete Moulin
Heike Schöpe hat vor zwei Jahren die Leitung der Kreisgruppe Wunsiedel übernommen. Sie führt die Arbeit ihrer Vorgänger fort – und setzt zugleich eigene Akzente.
Die Märzsonne schickt ihre Strahlen über den Breiten Teich. Heike Schöpe sitzt auf einer Treppe am Ufer und genießt das goldene Licht, das die Kontraste der Landschaft hervorhebt: gelbe Seggen, helle Birken, das Dunkelblau des Sees, darauf wie weiße Tupfer einige Wasservögel. »Hier fühl’ ich mich immer wie in Schweden«, sagt sie.
Tatsächlich hat die Gegend bei Selb etwas Nordisches: dichte Wälder, zahlreiche kleine Seen. Viele wurden vor langer Zeit künstlich angelegt, auch der Breite Teich. Dass er heute wie ein Naturidyll wirkt, ist der BN-Kreisgruppe zu verdanken: 2020 wurde der ehemalige Fischteich angekauft und zum Biotop umgestaltet.
AKTIV AM GRÜNEN BAND
»Eine Aufgabe unserer Gruppe ist seit vielen Jahren der Ankauf intensiv genutzter Flächen und ihre ökologische Aufwertung«, sagt Schöpe. Mit der neuen Aufgabe hat sie zugleich ein großes Erbe übernommen: rund 50 Biotope, Mager- und Orchideen-Feuchtwiesen sowie acht Teichflächen. Sie alle wollen gepflegt werden.

Naturschutz hat in der Region besonderes Gewicht. Der Landkreis Wunsiedel grenzt an die Tschechische Republik und damit ans Grüne Band Europa. Entlang der früheren Grenze ist nach der Wende ein Naturkorridor entstanden, eine Lebenslinie für zahlreiche Arten. »Viele unserer BN-Flächen schließen ans Grüne Band an«, sagt Schöpe. »Diese Lage ist für uns Chance und Auftrag zugleich.«
Die Kreisgruppe versteht sich auch als ökologisches Gewissen vor Ort. »Wir mischen uns ein, wenn Planungen Natur und Landschaft betreffen – und sind dabei auch mal unbequem.« Das bringt Aufmerksamkeit, aber auch Erwartungen. »Die Menschen kommen auf uns zu, wollen, dass wir Position beziehen.« Stellungnahmen, Gespräche, Abstimmungen –neben ihrem Vollzeitjob als Biologielehrerin am Gymnasium in Marktredwitz ist das eine Herausforderung. »Manchmal denk’ ich mir schon: Himmel, was habe ich mir da angetan?«, sagt sie und lacht. Ihr Ansatz: sich vernetzen, neue Allianzen knüpfen. Ein Beispiel ist die Ausstel-
lung »Weltacker«, die globale Ernährung greifbar macht. Schöpe hat das Projekt gemeinsam mit Partnern aus Kirche und Zivilgesellschaft ins Zentrum von Marktredwitz geholt. Während Erwachsene von Plakat zu Plakat gehen, sitzen Kinder im Vorschulalter um eine Kiste mit Erde. Ein Mädchen hält mehrere Regenwürmer in der Hand, betrachtet sie und setzt sie behutsam zurück. Ein Umweltpädagoge erklärt dazu dieses »krasseste Tier der Welt«. Die BN-Kindergruppe hat Schöpe gemeinsam mit ihrer Geschäftsstellenleiterin ins Leben gerufen.
Neu sind auch die Wald- und Kräuterwanderungen, die die Kreisgruppe Wunsiedel anbietet. Dabei geht es nicht nur um botanisches Wissen. Schöpe erinnert sich gut an intensive Stunden im Freien, die sie als Biologiestudentin auf Exkursionen unterwegs war. Dieses Gefühl, in der Natur und im Miteinander aufgehoben zu sein, möchte sie anderen Menschen weitergeben. »Und vielleicht gewinnen wir so auch neue Leute dafür, mit uns im BN aktiv zu werden.«
Margarete Moulin

JUNGE SEITE
Bunte Kostüme und Banner: »Wir haben es satt« ist das Motto einer großen Demo. Beim »Eine-Erde-Camp« kocht das Team vegan und zeigt, wie man sich auch mit wenig Geld gesund ernähren kann. Wofür kämpfen Menschen im globalen Süden? Und was sind unsere Ideen für eine gerechtere Landwirtschaft? Das Bildungsprojekt »reboot food« fördert den Wandel. »Warum gibt’s bei euch nichts Gescheites zu essen?« Das wird Anne Häußler ab und an von Leuten gefragt, die für ein Seminar ins Allgäu kommen. Sie leistet gerade ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr in Bad Hindelang, in der Jugendbildungsstätte des Deutschen Alpenvereins. Fleisch gibt es da nicht. »Das ist nicht vertretbar«, meint die 20-Jährige. Darüber könne man gerne sprechen. »Es gehört zu unserem Bildungskonzept, Leute für eine bewusste Ernährung zu sensibilisieren.«
WAS IST DIE ALTERNATIVE?
Für mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft und gegen die Massentierhaltung geht Anne auch auf die Straße. Eine 30-köpfige Delegation
Demos, Exkursionen, Freizeiten, Workshops:
Das BUNDjugend-Projekt »reboot food –Systeme umpflügen« ist Teil einer europaweiten Initiative. Sie möchte Alternativen zur globalen Agrarwirtschaft aufzeigen.
der BUNDjugend Bayern reist im Januar nach Berlin, um mit anderen BUNDjugend-Aktiven bei der Demo »Wir haben es satt« Flagge zu zeigen. Anne steckt in einem Schweinchenkostüm, andere sind als Legehennen, Milchkühe oder Bienen verkleidet. Sie prangern die von der Agrarindustrie verschuldeten Umweltschäden an und fordern, die Bäuer*innen gerecht zu bezahlen.
»Dieses System ist so durch wie der Boden«, hat jemand auf einen Karton geschrieben. Doch wie lässt sich Abhängigkeit überwinden und verhindern, dass der globale Süden unter unserem Konsum leidet? Nach Antworten sucht das Projekt »reboot food – Systeme umpflügen«. Die BUNDjugend ist eine von 14 europäischen Organisationen, die hieran mitwirken. Sie alle wollen das Bewusstsein für globale

Zusammenhänge schärfen, die Folgen unseres Konsums beleuchten und für eine nachhaltigere Landwirtschaft werben.
Los ging es mit dem dreijährigen Projekt im März 2024. »Im Rahmen von reboot food gab und gibt es diverse Veranstaltungen rund um Ernährung und Landwirtschaft«, erzählt Susi Hammel vom OrgaTeam der BUNDjugend. So wurden im Anschluss an die Demo vertiefende Workshops angeboten. Exkursionen führten zu Höfen ins Berliner Umland, die solidarisch wirtschaften und sich damit dem ruinösen Preisdruck des Handels entziehen. »Wir



vernetzen die Leute aus der Stadt mit all jenen, die unsere Nahrung herstellen. Oft kann man dort mithelfen, ob beim Säen oder Unkraut jäten.«
In einem Webinar wurde der Bogen geschlagen vom Bauernkrieg vor 500 Jahren bis zum heutigen Kampf der Menschen im globalen Süden gegen Ausbeutung. Beim Youth Hub, der parallel zur Klimakonferenz stattfand, gab es Infos über Landlose, die sich in Brasilien den Agrarkonzernen widersetzen und versuchen, die Abholzung des Regenwalds zu verhindern. Die globale Perspektive ist so etwas wie ein roter Faden bei diesem Projekt, betont Susi Hammel: »Wir zeigen, dass viele Lieferketten die koloniale Abhängigkeit bis heute fortschreiben.«
KEINE WUNDERLÖSUNG
Das hat auch Alina Reize aus dem Vorstand der BUNDjugend erlebt, bei einer Exkursion nach Tansania, die ein Partnerverband organisiert hatte. »Afrika ist ungemein abhängig von Pestiziden und von Saatgut. Das wird als Wunderlösung angepriesen, muss aber öfter nachgekauft werden als traditionelles Saatgut.« Und »Cash Crops« wie Kaffee tragen nichts zur Ernährung der Einheimischen bei. Ihren Preis bestimmt der Weltmarkt.
In Interviews hat Alina Reize gefragt, wie sich die Klimakrise auf die Arbeit der Menschen auswirkt und wie die versuchen,

sich anzupassen: »Ernährung und Landwirtschaft sind direkt mit dem Schutz des Weltklimas verknüpft.«
BEWUSST
»Zukunft säen« war das Motto des EineErde-Camps der BUNDjugend Hessen, ebenfalls unterstützt von »reboot food«. Auf einem Biohof gab es viel zu lernen über artgerechte Tierhaltung. Auch im Camp selbst war das Thema präsent. »Wir achten beim Essen auf nachhaltige Beschaffung und gesunde Verarbeitung. So lernt man sich bewusst zu ernähren«, meint Isabelle Hercher. Sie engagiert sich im Arbeitskreis Landwirtschaft der BUNDjugend und war Teil des Küchenteams im Camp. »Unsere Art zu konsumieren rettet nicht gleich die Welt. Aber sie beeinflusst, wohin sich alles entwickelt.«
Bleibt die Frage, wer sich das leisten kann. »Viele wollen wissen, wie sie sich richtig verhalten können. Das Interesse ist gestiegen – leider auch die Preise.« Doch wer selbst kocht, sich an solidarischer Landwirtschaft beteiligt und Lebensmittel rettet, braucht keinen dicken Geldbeutel. Was Isabelle Hercher wichtig ist. »Eine gesunde und sozial gerechte Ernährung muss allen möglich sein.«
Helge Bendl
Aktiv werden
Mehr dazu: www.bundjugend.de/reboot Unterschreibt die von der BUNDjugend unterstützte Initiative »Nahrung ist ein Menschenrecht für alle« auf: www.goodfoodforall.eu
An der Berufsschule über das Klima reden? Das geht jetzt noch leichter! Das Projekt KlimaAUSbildung hat das digitale »Methodenhandbuch für Klimabildung: Praxiserprobte Materialien für die Berufsschule« veröffentlicht. Dich erwarten in zahlreichen Klimaworkshops bewährte Methoden und Materialien. Für Neulinge in der Klimabildung ist das Handbuch genauso geeignet wie für alte Hasen. Das Handbuch könnt ihr kostenlos herunterladen: www. bundjugend.de/projekte/klimaausbildung

Gemeinsam mit Greenpeace und im Rahmen des »Bündnis ZukunftsBildung« hat die BUNDjugend Ende Februar einen spannenden parlamentarischen Abend organisiert. Karola Knuth aus unserem Bundesvorstand moderierte die lebhafte Runde zu Demokratie, KI und nachhaltiger Bildung. Viele junge Ehrenamtliche aus unterschiedlichen Verbänden diskutierten ernsthaft und konstruktiv mit den Parlamentarier*innen Jasmina Hostert (SPD), Nyke Slawik (Bündnis 90/Die Grünen), Maren Kaminski (Die Linke) und Ralph Edelhäußer (CDU/CSU). Mehr unter: www. bundjugend.de/parlamentarischer-abend

Das Projekt »Rebooting the Food System« wird gefördert aus dem EU-Programm für entwicklungspolitische Bildungs- und Sensibilisierungsarbeit (DEAR).
instagram.com/bundjugend bundjugend.bsky.social climatejustice.global/@bundjugend

KREISGRUPPE DINGOLFING-LANDAU
Im Wallersdorfer Moos lebt die mit 300 Brutpaaren größte KiebitzPopulation Bayerns.
Kooperation zahlt sich aus: Im Wallersdorfer Moos zeitigt das gemeinsame Wiesenbrüterprojekt von Landschaftspflegeverband und BUND Naturschutz erste Erfolge.
Das Anfang 2023 gestartete Projekt soll den Bruterfolg von Kiebitz, Großem Brachvogel und anderer bedrohter Wiesenbrüter erhöhen und so deren Bestände stabilisieren. Es wird vom Bayerischen Naturschutzfonds gefördert und durch die Naturschutzbehörden unterstützt.
Dass die Schutzmaßnahmen bereits nach wenigen Jahren Wirkung zeigen, belegen die Zahlen für 2025: Weil Landwirt*innen bereit waren, die Maisaussaat hinauszuzögern, konnten 98 Kiebitzpaare auf 55 Hektar ungestört brüten; dabei wurden 128 Küken gezählt. Auch beim Großen Brachvogel gibt es Fortschritte – 2024 wurden vier, 2025 zwei Jungvögel flügge. Durch Schutzzäune an den Nestern und das Management von Beutegreifern in Kooperation mit den Jagdpächtern konnten Füchse und Kleinsäuger von den Eiern
und Küken ferngehalten werden. Eine besondere Sensation waren zwei Bruten der in Bayern als ausgestorben geltenden Sumpfohreule; ein Vogelpaar konnte, unterstützt durch einen landwirtschaftlichen Betrieb, erfolgreich seinen Nachwuchs großziehen.
Wichtige Bausteine des noch bis Ende 2027 laufenden Projekts sind der Austausch und die Kooperation mit Gemeinden, Behörden und Naturschutzverbänden. Durch die Zusammenarbeit bei den Schutzmaßnahmen gelang es bereits, die Bruterfolge bedrohter Wiesenbrüterarten zu verbessern. Weil die von Wiesenbrütern benötigten offenen Feuchtwiesen auch für Amphibien wichtig sind, wurden zudem Maßnahmen gestartet, um die Lebensräume für Wechselkröte und Laubfrosch zu optimieren.
Jochen Späth, Franz Meindl (as)
LEUCHTENDES BEISPIEL: Seit Jahresbeginn hat auch Freyung-Grafenau ein »Energiespardorf«. Nach fünfjähriger Vorbereitung stellte es die BN-Kreisgruppe Anfang Januar in Waldkirchen öffentlich vor, in Gegenwart des Landesvorsitzenden Martin Geilhufe und zahlreicher politischer Vertreter. Der zweite Kreisvorsitzende Werner Emmer hatte das Projekt in die Region gebracht; gebaut wurde es von Auszubildenden der Firma Knaus Tabbert. Das interaktive Modell mit Häusern, Landwirtschaft und Kleingewerbe simuliert die Energienutzung eines durchschnittlichen bayrischen Ortes und deren Auswirkungen auf Umwelt, Klima und Landschaft. Es macht nun an Schulen im Landkreis Station und tourt dann durch die Landkreise Passau, Regen und Deggendorf.

GLÜCKLICHER AUSGANG: In Arnstorf hat sich eine Biberfamilie auf einer Naturfläche am Simbach etabliert und aktuell sogar Nachwuchs. Dabei waren die Tiere noch 2025 bedroht – nachdem ein angenagter Baum auf zwei Autos auf einen angrenzenden Parkplatz gestürzt war, hatte die Gemeinde eine Abfanggenehmigung beantragt, trotz sofortiger Präventivmaßnahmen des Bauhofs in Absprache mit dem BN. Auf eine Klage des BN hin hatte das Verwaltungsgericht Regensburg die Erlaubnis außer Kraft gesetzt und das Verfahren letztlich eingestellt. Die Biberfamilie lebt bis heute in dem Biotop und wird von der BN-Ortsgruppe Arnstorf betreut.
IHRE
Niederbayern: Lena Maly-Wischhof Tel. 01 60/96 20 70 80 lena.maly-wischhof@ bund-naturschutz.de
Kahlschlag: der Meitinger Bannwald nach der ersten Rodung im Oktober 2022

KREISGRUPPE AUGSBURG
Dem Ausbau der Lechstahlwerke in Meitingen müssen über 17 Hektar Bannwald weichen. Im Februar wies der Bayerische Verwaltungsgerichtshof eine Klage des BUND Naturschutz dagegen ab.
Das Gericht folgte nicht der Argumentation des BN, dass an die Rodung streng geschützten Bannwalds besondere Anforderungen zu stellen seien. Mit der Entscheidung ist ein Präzedenzfall zu befürchten, der den Bannwaldschutz in Bayern dauerhaft schwächen könnte. Dabei hat Bannwald nach dem Bayerischen Waldgesetz den höchsten Schutzstatus. Er ist wichtig für Klimaschutz, saubere Luft und den Wasserhaushalt und darf nur in Ausnahmefällen gerodet werden. Der historisch gewachsene Wald rund um die Lechstahlwerke ist besonders für den Immissionsschutz bedeutsam, weil er Staub und Lärm des Werks absorbiert. Zudem ist er ökologisch wertvoll und beherbergt zahlreiche geschützte Tier- und Pflanzenarten, darunter die stark gefährdete Schmetterlingsart »Wald-Wiesenvögelchen«.
Dennoch waren die ersten knapp sechs Hektar Bannwald bereits im Herbst 2022 gerodet worden, unter Polizeischutz, gestützt auf eine Ausnahmegenehmigung der Regierung von Schwaben. Dass nun ein weiterer großer Teil einer Industriefläche geopfert wird, ist angesichts der wachsenden Belastungen durch die Klimakrise ein Warnsignal für den Waldschutz. Zwar sind Ausgleichsflächen geplant, doch wurde nach Ansicht des BN nicht ausreichend geprüft, ob diese wirklich den Altwald ersetzen können: Um dessen ökologische Funktionen zu übernehmen, braucht neu gepflanzter Wald Jahrzehnte und ist selbst dann nicht unbedingt gleichwertig. Durch den Eingriff müssen die Anwohner*innen über viele Jahre mit einem drastisch reduzierten Schutzwald leben.
Thomas Frey (as)
PFLANZAKTION: Insgesamt 650 neue Bäume wollen die BN-Kreisgruppen Memmingen-Unterallgäu, Lindau, Augsburg und Günzburg in diesem Jahr pflanzen. Möglich wird die Aktion durch eine Spende der Sparkasse Schwaben-Bodensee in Höhe von 15 000 Euro. Eine der Pflanzflächen befindet sich im FFH-Schutzgebiet »Westliche Günz« im Unterallgäu. Entlang des Flusses soll hier wieder ein Auwald mit Silberweide, Birke, Eiche, Erle und Flatterulme entstehen. Am 16. März pflanzten dort der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, Bernd

Fischer, und der Memminger BN-Kreisvorsitzende Martin Muth die ersten Weidenstecklinge (Bild: 1. und 3. von links, mit Harald Jungbold und Thomas Frey vom BN).
NEU IM EINSATZ: In einem der wichtigsten Wiesenbrütergebiete Bayerns, dem östlichen Donauried, gehören dem BN rund 180 Hektar Flächen, die Landwirte nach ökologischen Vorgaben zum Schutz der Vögel und ihrer Brutgebiete bewirtschaften. Für die BNKreisgruppe Donau-Ries koordiniert seit diesem Frühjahr der Natur- und Landschaftspfleger Marc Burggraf als neuer Gebietsbetreuer den Wiesenbrüterschutz und hilft so, bedrohte Arten wie Kiebitz, Wachtelkönig und den Großen Brachvogel zu erhalten.

IHR ANSPRECHPARTNER
Schwaben: Thomas Frey Tel. 01 70/4 31 12 73 thomas.frey@bund-naturschutz.de

KREISGRUPPE SCHWABACH
Die große Sandgrube bei Wolkersdorf soll weiter wachsen: ins wertvolle Waldgebiet »Teufelsholz«. Der BUND Naturschutz und Fachbehörden sind alarmiert.
Bereits heute umfasst die Abbaufläche 20 Hektar. Nun soll sie um rund 16 Hektar nach Süden erweitert werden, davon mehr als zehn Hektar im Teufelsholz, im Landschaftsschutzgebiet »Kappelberg und Ellbogental« und angrenzend an das geschützte Rednitztal.
Im Herbst 2025 hatte die Betreiberfirma den Rahmenbetriebsplan für die Erweiterung des Tagebaus vorgelegt; das Verfahren ist beim Bergamt Nordbayern anhängig. Zwar sind nur knapp zehn der 16 Hektar reine Abbaufläche und Ausgleichsmaßnahmen geplant, doch sowohl der BN als auch die Stadt Schwabach haben Einwendungen dagegen erhoben und warnen vor massiven ökologischen Schäden, insbesondere im Teufelsholz.
Dieser gewachsene Wald hat eine außergewöhnlich hohe Artenvielfalt: Belegt sind dort über 250 Arten totholzbewoh-
nender Käfer, davon viele unter Schutz; in den alten Bäumen leben Bechstein- und Mopsfledermaus sowie mehrere bedrohte Spechtarten. Solche Strukturen lassen sich nicht kurzfristig durch Ersatzpflanzungen kompensieren.
Zudem gefährdet das Projekt den Verbund aus Wald, Landschaftsschutzgebiet und FFH-Gebiet Rednitztal. Von diesem ist der neue Standort nur 350 Meter entfernt, daher stuft ihn selbst die Planung als »hydrogeologisch empfindlich« ein. Die nach dem Abbau vorgesehene Verfüllung mit Fremdmaterial könnte die Grundwasserverhältnisse dauerhaft verändern und würde die Sandlebensräume seltener Arten zerstören. Angesichts von Klimakrise und Artensterben fordert der BN die Genehmigungsbehörde auf, die Ausweitung des Tagebaus abzulehnen. Jonas Kaufmann (as)
NATUR UNTER DRUCK: Für das umstrittene Hotelprojekt in Adelsdorf im Landkreis Höchstadt-Herzogenaurauch hat der Gemeinderat im Februar beschlossen, ein Verfahren zur Abweichung vom Regionalplan anzustoßen. Es soll geprüft werden, ob das Hotel gebaut werden darf, obwohl die Planung gegen das »Anbindegebot« verstößt. Denn es soll im bislang unbebauten Außenbereich entstehen – im Widerspruch zu zentralen Zielen der bayerischen Landesentwicklung. Der Ausgang des Verfahrens ist offen. Besonders kritisch sieht der BN die unmittelbare Nähe zum Naturschutzgebiet Ziegenanger und angrenzenden europäischen FFH-Schutzgebieten mit sensiblen, störungsempfindlichen Tierarten. Zudem drohen weitere Zersiedelung, mehr Verkehr und erhebliche Belastungen für Natur und Landschaft.

ETAPPENSIEG: Am 30. März 2026 übergab die Initiative »Zurück auf Los« die gesammelten Unterschriften gegen den Ausbau des Frankenschnellwegs an die Stadt Nürnberg. Mit weit mehr als den 11 379 nötigen Unterschriften ist nun der Weg zum Bürgerentscheid frei. Am 28. Juni wird per Briefwahl oder an der Wahlurne entschieden, ob dieses unnötige Milliardenvorhaben wirklich kommt. Noch ist nichts verloren – das Projekt kann noch gestoppt werden, wenn genügend Menschen beim Bürgerentscheid mit Ja und damit gegen den Ausbau stimmen. Infos: www.zurueck-auf-los.de
IHR ANSPRECHPARTNER
Mittelfranken: Jonas Kaufmann Tel. 01 60/7 75 18 31 jonas.kaufmann@bund-naturschutz.de


Kröten, Frösche und Molche fühlen sich auch in der Stadt wohl, wenn es Lebensräume und Laichgewässer gibt. Dafür hat der BUND Naturschutz im Münchner Westen gesorgt.
Auf der städtebaulichen Ausgleichsfläche »In den Kirschen« am Kapuzinerhölzl fördert die BN-Kreisgruppe seit fünf Jahren gezielt die Ansiedlung von Amphibien. Mit Erfolg: Heute sind dort wieder Gras- und Wasserfrösche, Erdkröten und Bergmolche heimisch.
Zwar findet sich etwa die Hälfte der in Bayern vorkommenden 20 Amphibienarten im Münchner Stadtgebiet, doch viele sind durch den Verlust an Lebensraum und starken Fischbesatz der Gewässer bedroht. Dadurch kam es beim Grasfrosch punktuell zu einem Rückgang des Laichs um 90 Prozent. Um dem entgegenzuwirken, hat der BN auf der von ihm betreuten Ausgleichsfläche in den Jahren 2021 und 2022 fünf Teiche als Laichgewässer angelegt. Durch die warme Witterung fanden sich dieses Jahr bereits Ende Februar die ersten Laichballen. Die Teiche
wurden mit Netzen abgedeckt, um den Laich vor Enten und anderen Fressfeinden zu schützen.
Das rund eineinhalb Hektar große Gebiet hat sich inzwischen zu einem weitgehend ungestörten Biotop mit Teichen, Hecken, Wiesen und Lohwald entwickelt, das wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten bietet: Die Teiche werden von Grasfröschen, Erdkröten und Bergmolchen gut angenommen, und in Trockensommern kehren zahlreiche Individuen dorthin zurück, um dem Vertrocknen zu entgehen. Neben Amphibien fühlen sich auf dem Areal auch gut 60 Wildbienenarten wohl, wie Kartierungen gezeigt haben. Mit dem urbanen Biotop leistet die Kreisgruppe einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz.
Diotima Knote, Julika Schreiber (as)
ZURÜCK ZUM MOOR: Die Multivisionsshow »Bayerns wilde Moore« am 11. März bot den über 90 Gästen in der Evangelischen Akademie Tutzing einen Einblick in diese faszinierenden Lebensräume. Die Show begleitete die Ausstellung »Kampberg – mehr als eine Moorsiedlung« im Tutzinger Ortsmuseum. Diese erzählte die vom Torfabbau geprägte Geschichte Kampbergs und verknüpfte sie mit der Bedeutung der Moore für Arten-, Biotop-, Klima- und Wasserschutz. In der AG Moore der Initiative »Tutzing klimaneutral 2035« setzt sich die BN-Ortsgruppe für die Wiedervernässung von Mooren ein. 10 Hektar wurden bereits renaturiert, großteils im »Bavaria-Wald« östlich des Ortes (siehe Bild).

ÖPNV STATT STRASSENBAU: Unter diesem Motto organisierte die BN-Kreisgruppe Erding Ende Februar eine gut besuchte Veranstaltung. Der BN setzt sich für eine Verkehrswende im Landkreis ein, bei der Fußgänger, Radfahrende und öffentlicher Nahverkehr Vorrang haben. Im Mittelpunkt des Abends standen die Nordumfahrung ED 99 und Alternativen dazu; weiter ging es um eine bessere Bahnanbindung, mehr Busangebot und einen Ausbau des Radwegenetzes.
ANSPRECHPARTNERINNEN
Oberbayern: Annemarie Räder Tel. 01 70/4 04 27 97
annemarie.raeder@bund-naturschutz.de
Julika Schreiber (Region München) Tel. 01 70/3 58 18 70
julika.schreiber@bund-naturschutz.de


KREISGRUPPE WÜRZBURG
Fünf gesunde Platanen wurden in Veitshöchheim im Februar der Umgestaltung der Mainlände geopfert. Der BUND Naturschutz hatte sich für den Erhalt der markanten Bäume eingesetzt.
Die Maßnahme ist Teil des Großprojekts »Urbane Lände«, mit der das Mainufer gegenüber den Mainfrankensälen neugestaltet wird. Nach einem städtebaulichen Wettbewerb entschied sich der Gemeinderat für den von der Jury favorisierten Entwurf mit »Mainbalkon«. Diesem standen jedoch die rund 40 Jahre alten Platanen im Wege, die eigentlich vom Bebauungsplan aus dem Jahr 1986 rechtlich geschützt waren. Mit der Entscheidung für die neue Aussichtsplattform am Dreschplatz hob der Gemeinderat diesen Status faktisch auf. Alternative Vorschläge, die den Erhalt der Bäume vorsahen, wurden nicht berücksichtigt.
»Gerade in Zeiten zunehmender Klimaerhitzung und schwindender Biodiversität ist es uns vollkommen unverständlich, wie die Gemeinde eine derartige Fehlentscheidung treffen konnte«, kritisiert Andrea Angenvoort-Baier, Vorsitzende der Kreisgruppe Würzburg. Bäume sind wertvolle Schattenspender, begünstigen das Mikroklima und bieten gerade mit zunehmendem Alter Lebensraum für viele Tierarten. Der BN befürchtet, dass die nun entstehende versiegelte Freifläche zum Hitze-Hotspot wird und will die von der Gemeinde versprochenen Ersatzpflanzungen kritisch begleiten.
Steffen Jodl (as)

GRATULATION: Für sein ehrenamtliches Engagement wurde Erwin Scheiner, langjähriger Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Main-Spessart, mit der Silbernen Verdienstmedaille des Landkreises MainSpessart ausgezeichnet. Als stellvertretender Vorsitzender ist er weiterhin in der Kreisgruppe aktiv, unter anderem als Biberberater und -kartierer, zertifizierter Natur- und Landschaftsführer sowie als Wespen- und Hornissenberater. Im Verband engagiert er sich zudem als stellvertretender Sprecher im Landesarbeitskreis Verkehr, im Landesbeirat und als BUNDDelegierter.


HERZLICH WILLKOMMEN: Mit Lena Roßhirt in Rhön-Grabfeld und Lisa Kirchner in Schweinfurt haben gleich zwei unterfränkische BN-Kreisgruppen seit Februar 2026 Verstärkung bekommen. Die neuen hauptamtlichen Kolleginnen betreuen die dortigen Geschäftsstellen und unterstützen so das Ehrenamt. Viel Erfolg im Einsatz für unsere Natur und Umwelt und Dank an Doris Schneider und Richard Lindner für ihren langjährigen Einsatz in den beiden Kreisgruppen!
IHR ANSPRECHPARTNER
Unterfranken: Steffen Jodl Tel. 01 60/5 61 13 41 steffen.jodl@bund-naturschutz.de

KREISGRUPPE FORCHHEIM
Eigentlich war die umstrittene Westumfahrung von Neunkirchen am Brand schon beerdigt. Nun droht eine Neuauflage der Planung.
Ein früheres Verfahren für die Verlegung der Staatsstraße St 2243 war nach Widerstand des BUND Naturschutz und der Bevölkerung 2022 eingestellt worden. Im Juli 2025 griff das Staatliche Bauamt Bamberg die Pläne erneut auf. Die Umfahrung soll den Ortskern von Neunkirchen vom Verkehr entlasten. Dafür soll die Staatsstraße westlich um den Ort herum geführt werden. Die 2,4 Kilometer lange Trasse würde durch das ökologisch wertvolle Ebersbachtal verlaufen. Bei geschätzten Kosten von über 35 Millionen Euro ist das ein hoher Preis für eine geringe Entlastung vom Durchgangsverkehr. Denn Verkehrsgutachten zeigen, dass auch mit der Umfahrung ein Großteil des Verkehrs weiter durch den Ort fließen würde.
Ein Bürgerentscheid am 11. Januar sollte klären, ob die Gemeinde die Pla-
nung weiter unterstützen soll. Zwar votierte eine Mehrheit dafür, doch immerhin 40 Prozent sprachen sich gegen die neue Trasse aus, die wertvolle Landschaft versiegeln würde.
Wegen der Eingriffe in die Landschaft und der Auswirkungen auf das lokale Klima und den Wasserhaushalt sieht der BN das Projekt kritisch: »Solche Straßenneubauten wirken völlig aus der Zeit gefallen«, sagt Karin Weber von der Ortsgruppe Neunkirchen am Brand. Die Folgen der Klimakrise seien längst vor Ort spürbar; zusätzliche Versiegelung und schnellerer Wasserabfluss durch neue Straßen verschärften Hitze und Trockenheit. Der BN setzt sich deshalb gemeinsam mit lokalen Initiativen weiter für Lösungen ein, die die Verkehrssituation im Ort verbessern, ohne zusätzliche Landschaft zu verbrauchen. Jörg Hacker (as)
GEFÄHRDET: Wenn es nach dem Landratsamt Wunsiedel geht, könnte der Bibersbach bei Holenbrunn bald ohne Biber sein. Das Amt erließ Ende 2025 eine Ausnahmegenehmigung, die Fang und Tötung von acht Bibern erlaubt. Gleichzeitig sollen neue Biberdämme entfernt werden, um die Nager von weiterer Ansiedlung abzuhalten. Der BN sieht für die Maßnahme keine fachliche Grundlage: Die gesetzlich geforderten »ernsten wirtschaftlichen Schäden« sind nicht nachgewiesen, »zumutbare Alternativen« wurden nicht ausgeschöpft und bereits genehmigte Dammräumungen nicht vollständig umgesetzt. Im betroffenen Areal liegen auch Naturschutzflächen des Fichtelgebirgsvereins mit einer Biberburg. Seit Dezember klagt dieser als Grundeigentümer vor dem Verwaltungsgericht Bayreuth gegen die Genehmigung. Die Gerichtsentscheidung dürfte prägend für den Umgang mit dem streng geschützten Biber in Oberfranken sein.


GEWÜRDIGT: Am 20. März wurde Friedrich Oehme von Staatsminister Thorsten Glauber für sein Engagement im Naturschutz mit dem Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten ausgezeichnet. Oehme ist seit 1976 im BN Forchheim und auf Landesebene aktiv.
IHR ANSPRECHPARTNER
Oberfranken: Jörg Hacker
Tel. 01 60/7 92 02 67 joerg.hacker@bund-naturschutz.de
An der Erbmühle in Berching: Auch Grünfrösche nutzen das »Amphibientaxi« des BN.

KREISGRUPPE NEUMARKT
Bei der Mitgliederversammlung des BUND Naturschutz Neumarkt Mitte Dezember in Deining zog die Vorsitzende Sigrid Schindler eine positive Jahresbilanz.
Besonders hob sie den Einsatz des BN beim Amphibienschutz hervor. Allein im vergangenen Jahr retteten Ehrenamtliche 11 000 Kröten, Frösche und Molche an elf verschiedenen Übergängen vor dem drohenden Verkehrstod – eine beachtliche Zahl angesichts von Artenrückgang und Lebensraumverlust. Im Raum Neumarkt sind 15 der 21 in Deutschland vorkommenden Amphibienarten heimisch, darunter auch gefährdete Arten wie Feuersalamander, Gelbbauchunke und Knoblauchkröte. Seit 1995 errichten die BN-Aktiven jedes Frühjahr Schutzzäune und sorgen dafür, das die Tiere sicher zu ihren Laichgewässern gelangen. Aktuell betreut die Kreisgruppe 14 Amphibienzäune in neun Gemeinden. Mit über 3200 gezählten Tieren war der 500 Meter lange Zaun an der Erbmühle in Berching auch 2025 wieder Spitzenreiter.
Sigrid Schindler dankte weiter der IgelExpertin Barbara Göttler, die eine private Auffang- und Pflegeaktion für die Tiere betreibt und mit der der BN ganzjährig zusammenarbeitet, sowie dem Forststudenten Julian Erler, der in seinem zehnwöchigen Praktikum die Dokumentation
der BN-Grundstücke digital aufbereitete. Auch an alle Ehrenamtlichen der elf Ortsund drei Kindergruppen richtete die Vorsitzende großen Dank für ihren unermüdlichen Einsatz.
Reinhard Scheuerlein (as)

Seit Oktober 2025 führt die Biologin Katrin Mayer die Geschäfte der Kreisgruppe Neumarkt. Sie folgt auf Jutta Seipel. Mayer, die auch Fachberaterin für Fledermausschutz im Landkreis ist, stellte sich bei der Versammlung den Mitgliedern vor.
LOHNENDE RETTUNG: Das Weidener Aktionsbündnis »Walderhalt« setzt sich für das Waldgebiet im Westen der Stadt ein. Vor genau fünf Jahren hatte ein Bürgerentscheid die geplante Umwandlung von 65 Hektar Waldfläche in ein Gewerbegebiet gestoppt. Aus diesem Anlass veranstalteten die Aktiven Mitte Februar eine Jubiläumsfeier, zu der sie den BN-Waldreferenten Ralf Straußberger einluden. In seinem Vortrag betonte der Exper te die zentrale Rolle, aber auch die Bedrohung von Wäldern im Zeitalter des Klimawandels. Ausdrücklich lobte er das Engagement in Weiden: Gerade Städte seien auf die klimatische Ausgleichsfunktion von Wäldern dringend angewiesen.

ERFREULICHE HILFE: Über eine Spende der örtlichen Sparkasse in Höhe von 4300 Euro freut sich die BN-Kreisgruppe Amberg-Sulzbach. Im Januar übergab Sonja Kalb vom Vorstand der Bank einen symbolischen Spendenscheck an die Vorsitzende der Kreisgruppe, Beate May. Der Betrag kommt der Sanierung der Mertelweiher bei Großalbershof zugute. Das Projekt soll aus den teils trockenfallenden Gewässern wieder funktionsfähige Lebensräume machen, in denen besonders Frösche, Kröten und Molche Laich- und Rückzugsgebiete finden. Einer der Weiher wurde bereits saniert und hält nun wieder dauerhaft Wasser.
IHR ANSPRECHPARTNER
Oberpfalz: Reinhard Scheuerlein Tel. 09 11/8 18 78-13 reinhard.scheuerlein@ bund-naturschutz.de

PRO UND CONTRA KIRSCHLORBEER
Zum Ökotipp »Hände weg vom Kirschlorbeer« in N+U 1/2026
Ihre Warnung vor Kirschlorbeer ist mehr als berechtigt! Ich wundere mich nur, dass Sie als Ersatz unter anderem die Pflanzung von Schlehen empfehlen. Ich habe damit sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Vor vielen Jahren, als ich noch ohne gärtnerische Erfahrung unseren Garten angelegt habe, bin ich einer Empfehlung von Naturschutzverbänden gefolgt und habe am Zaun als Sichtschutz unter anderem eine Schlehe gepflanzt, was im Lauf der Zeit üble Folgen hatte. Die Schlehe, das weiß ich jetzt, macht viele und lange Ausläufer, sie machte sich daran, den Garten zu übernehmen. Es hat Jahre gedauert, sie aus Wiese, Gemüsegarten und Staudenbeeten wieder loszuwerden. Schlehen sind Waldrandpflanzen, werden auf der einen Seite von der Dunkelheit des Waldes begrenzt, auf der anderen Seite wird ihre invasive Kraft durch Mahd, Beweidung oder Ackerbau begrenzt und sie kann uns im Frühling an den sonnigen Waldrändern durch ihre Blütenfülle begeistern.
Danke für Ihre Arbeit und viele Grüße!
Ingrid Vogt, Gauting
In der letzten Ausgabe von »Natur und Umwelt« wurde in dem Artikel »Hände weg vom Kirschlorbeer« sehr kritisch über diese Pflanze berichtet. Ich habe selbst einige Sträucher Kirschlorbeer im Garten stehen, die ich vom Vorbesitzer übernommen habe. Ich selbst würde keinen Kirschlorbeer pflanzen und bevorzuge, wie von Ihnen empfohlen, einheimische Pflanzenarten, empfinde andererseits aber die Kritik an der Pflanze als überzogen. Die in dem Artikel aufgeführten Hauptargumente gegen den Kirschlorbeer sind: 1. Er ist potentiell invasiv. 2. Er liefert heimischen Tieren kaum Nahrung oder Lebensraum. 3. Er ist giftig. 4. Er verrottet schlecht.
Diesen Punkten möchte ich widersprechen. Zu 1.: Die Betonung liegt auf »potentiell«. Ich bin sehr viel in der Natur unterwegs, ich habe noch nie irgendwo einen Kirschlorbeerstrauch gesehen, der sich wild angesiedelt hat, im Gegensatz z. B. zum Riesenbärenklau oder zum Drüsigen Springkraut. Selbst wenn sich der Kirschlorbeer invasiv verbreiten würde, wäre er als langsam wachsender Strauch viel leichter zu bekämpfen als die genannten Arten.
Zu 2.: Wenn der Kirschlorbeer in meinem Garten blüht, brummt der ganze Strauch vor lauter Insekten, sowohl Bienen, Hummeln als auch diverse Fliegenarten bedienen sich an den Blüten, aber auch an der klebrigen Schicht auf den Blättern. Außerdem dient er als Versteck für einen Igel. Davon, dass er ökologisch völlig nutzlos ist, kann aus meiner Sicht nicht die Rede sein, auf jeden
Fall ist er für Insekten von höherem Wert als zum Beispiel Forsythien, gefüllte Rosen oder Geranien, wo es so gut wie keine Nahrung zu holen gibt.
Zu 3.: Es gibt zahllose Arten, die giftig sind, auch viele einheimische, zum Beispiel Buchsbaum, Eibe, Pfaffenhütchen, Schierling, viele Pilze usw.
Zu 4) »Er verrottet schlecht«: Abgesehen davon, dass ich die Kirschlorbeerblätter immer auf meinem Kompost entsorge und noch nie Probleme festgestellt habe, trifft das auch auf Eichenblätter und viele andere Blätter zu.
Ich möchte auch einen Vorteil des Kirschlorbeers anführen, nach meiner Erfahrung übersteht er nämlich auch sehr lange Hitze- und Trockenperioden ohne größere Probleme und ohne gegossen werden zu müssen, was in Zeiten des Klimawandels durchaus positiv zu sehen ist. Wenn man den Argumenten im Ar tikel folgt, müsste man eigentlich so gut wie alle Zierpflanzen aus dem Garten verbannen, denn sehr viele davon haben ökologisch nur geringen Nutzen. Offensichtlich steht der Kirschlorbeer aber für viele sinnbildlich für einen aufgeräumten Spießergarten und wird deshalb so angefeindet.
Dr. Markus Slavik, Fürth
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Was und wie wir essen, wirkt sich auf unsere Gesundheit aus – und auf Natur und Klima, unsere Nutztiere und anderes mehr. Einkaufen ist ein politischer Akt. Doch wer weiß heute noch, woher seine Nahrungsmittel stammen? Ein Großteil wird auf dem Weltmarkt gehandelt, die Versorgungsketten sind lange und unübersichtlich. Wie weit wurde ein Produkt transportiert, wie lang und mit welchem Energieaufwand gelagert?
Die Industrialisierung hat zu Monopolen im Agrarsektor und in der Ernährungswirtschaft geführt. Wenige Unternehmen kontrollieren das Angebot an Saatgut und an Agrochemikalien, die Erzeugung, Verarbeitung und Verbreitung der Nahrungsmittel. Nur vier Konzerne beherrschen rund 88 Prozent des deutschen Lebensmittelhandels, bei der Verarbeitung von Fleisch und Milch sieht es nicht besser aus. Diese Konzentration fördert unfaire Handelspraktiken und bedroht die Zukunft bäuerlicher Betriebe und handwerklicher Verarbeiter wie Bäckereien und Metzgereien.
BESSER AUS DER REGION
Verpackungen im Supermarkt klären selten über die Herkunft eines Produkts auf,
Die meisten Deutschen sagen, sie würden gerne mehr
Lebensmittel aus der Region kaufen. Was spricht dafür? Und wie kommt man dran?

bei den zahllosen Siegeln und Kennzeichen blickt kaum jemand mehr durch. Auch wird vieles über riesige Strecken transportiert. So kann ein Joghurt inklusive Verpackung Abertausend Kilometer hinter sich haben oder können Erdbeeren aus Polen in Dänemark zu Marmelade verarbeitet werden, die dann in München zum Verkauf kommt.
Regional produzierte Lebensmittel können natürliche Ressourcen schonen und die heimische Wirtschaft stärken – wenn sie gerade Saison haben, also nicht energieaufwendig gelagert wurden. Ihr Kauf kann zudem bäuerliche Betriebe stärken, die mit der Agrarindustrie konkurrieren. Doch wie kommt man an frische Lebensmittel der Region? Oft ist der nächste Direktvermarkter weit entfernt und nur mit dem Auto erreichbar.
Wir raten Ihnen:
• Verschaffen Sie sich zunächst einen Überblick, welche Lebensmittel wann Saison haben.
• Vermeiden Sie lange Transportwege. Kaufen Sie regionale Produkte am besten auf dem nächsten (Bauern-)Markt.
PATRICK MÜLLER ist BUND-Experte für Agrarpolitik.
Aber Achtung: Dort werden teilweise Produkte aus dem Großhandel zugekauft, die lange Transportwege hinter sich haben. Fragen Sie nach!
• Mit einer Abo-Gemüsekiste erhalten Sie Lebensmittel direkt vom Erzeuger. Viele Produkte stammen in der Saison direkt vom Hof. Bäuerinnen und Händler geben Auskunft, was wie angebaut wurde (im Freiland oder Treibhaus). Fragen Sie auch hier nach Saisonalem, manche Produkte werden zugekauft.
• Oder finanzieren Sie mit anderen einen landwirtschaftlichen Betrieb – indem Sie einen Anteil seiner Ernte kaufen. Beide Seiten profitieren so von einer nicht-industriellen, marktunabhängigen Landwirtschaft. > www.solidarischelandwirtschaft.org
• Regionalität ist als Begriff nicht geschützt. Kaufen Sie nur glaubwürdige regionale Produkte. Initiativen für Regionalvermarktung gibt es fast überall: > www.regionalbewegung.de; in einigen Bundesländern helfen Apps: > www.regioapp.org
• Mindestens so wichtig wie regionale Herkunft: Achten Sie auf das Biosiegel und eine pflanzenbetonte Ernährung.
ÖKOTIPP

Viele Sonnencremes enthalten Mikroplastik und andere Stoffe, die Gesundheit und Umwelt schaden können. BUND-Expertin Luise Körner verrät, was Sie beim Kauf von Sonnencreme beachten sollten.
Sonnencremes schützen Ihre Haut durch chemische oder mineralische Filter. Einige chemische UV-Filter stehen im Verdacht, im menschlichen Körper hormonell zu wirken oder speziell Korallen zu schaden. Auch Mikroplastik oder flüssige Kunststoffe können in Sonnencremes stecken, als Bindemittel, als Füllmittel oder Filmbildner. Sie gelangen über das Abwasser oder beim Baden in die Umwelt und sind dort nur schwierig oder überhaupt nicht abzubauen.
Als besonders kritisch gilt der chemische UV-Filter Octocrylen. In Sonnencremes
opleImages – istock
kann sich daraus nach einiger Zeit das womöglich krebserregende Benzophenon bilden. Selbst in ungeöffneten Sonnencremes wurde es bereits nachgewiesen.
Die EU hat Benzophenon in Kosmetika vor zwei Jahren verboten, nicht aber Octocrylen. Prüfen Sie also die Inhaltsstoffe der Sonnencremes genau. Oder scannen Sie diese mit der ToxFox-App des BUND.
UNBEDENKLICHE ALTERNATIVEN Für Ihre Gesundheit und die Natur ist ein mineralischer Sonnenschutz wie Titandioxid oder Zinkoxid die bessere Wahl.
Doch nur, wenn die mineralischen Stoffe nicht als Nanopartikel vorliegen – denn die können tief in unseren Körper vordringen. Das gesundheitliche und ökologische Risiko von Nanomaterial ist nicht abschließend geklärt. Als Inhalt in Sonnencremes muss es mit dem Kürzel »nano« gekennzeichnet sein.
Am besten achten Sie auf Bekleidung und Vermeidung. Unser Tipp: Meiden Sie die intensive Mittagssonne und verlagern Sie den Besuch von Schwimmbad oder Strand auf den Morgen oder späten Nachmittag. Und schützen Sie sich, indem Sie lange Bekleidung tragen. Synthetische Badekleidung mit UV-Schutz kann Fasern aus Mikroplastik verlieren. Deshalb dienen Naturfasern Ihrer Haut und der Natur besonders gut.
Weitere Ökotipps des BUND finden Sie unter: www.bund.net/oekotipps
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Seit 25 Jahren erzeugen und liefern wir Ökoenergie höchster Qualität. Und mit jeder Kilowattstunde Ökostrom und Ökogas von naturstrom fließt ein hoher Förderbeitrag in den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland. Werden auch Sie naturstromer:in und sichern Sie sich 30 € Zukunftsbonus: www.naturstrom.de/energie26


Ende Juni schließen wir den BUNDladen. Wir sagen Tschüss und danken Ihnen, dass Sie unser nachhaltiges Angebot über all die Jahre mit Lob und Kritik begleitet haben. Mit vielen Rabatten räumen wir unser Lager. Schauen Sie gerne online vorbei!

Gartenbank Cansa 3-Sitzer Nr. 83 038 715,00 €

Saatgut im Onlineshop!
Ausgeschlossen von den Rabatten sind Produkte, die direkt von unseren Lieferanten verschickt werden. Dazu zählen Gartenmöbel, Tierhäuser, Wolldecken und viele Artikel mehr.

Teelichter aus Bienenwachs –10 Stück Nr. 27 350 9,90 € 8,95 €


Wasserspar-Set Haushalt & Dusche Nr. 27 417 19,90 € 15,95 € Wasserspar-Set Haushalt (ohne Abb.) Nr. 27 416 14,90 € 11,95 €



Näpfe
Mein kleiner Teekräutergarten – Saatgutbox Nr. 22 280 13,25 € 10,50 € Mediterraner Kräuter-Kanon – Saatgutbox Nr. 22 254 13,25 € 10,50 € Badeente aus Naturkautschuk Nr. 21 284 9,90 € 7,90 €
Küchenmesser Klassiker Nr. 33 300 19,95 € 17,95 €

Glasflasche – 400 ml Nr. 21 523 19,50 € 16,00 €

Für
Grillpfanne mit Klappgriff Nr. 66 047 39,90 € 32,00 €



Diese Preise sind gültig bis zum

URANATLAS
Daten und Fakten über den Rohstoff des Atomzeitalters 2026
Bestellen Sie den 64-seitigen Atlas gratis (auch in Klassensätzen) oder laden Sie ihn hier herunter: www.bund.net/uranatlas
Schmutziges Geschäft
Der aktualisierte Uranatlas gibt einen umfangreichen Einblick in die Risiken der Atomkraft und dokumentier t die Hintergründe und weltweiten Verstrickungen der Uranindustrie.
Bis heute wird das Narrativ der »sauberen« Atomkraft gepredigt. Dabei sind die nukleare Verseuchung und andere ungelöste Probleme dieser Energiequelle vielerorts allgegenwärtig. Sei es die Geiselnahme ukrainischer Atomkraftwerke durch Russland, sei es die Ausbeutung von Mensch und Natur bei der Urangewinnung in afrikanischen Ländern oder in Kanada; oder der hochgefährliche Atommüll, der sich auch in Deutschland stapelt. Trotz erheblicher Sicherheitsbedenken ist und bleibt nicht zuletzt Europas Atomindustrie großteils abhängig von Technik und Uran aus Russland und Kasachstan. Der Atlas enthält neue Artikel über den russischen Staatskonzern Rosatom und über die AKW-Pläne in der Türkei.

WILD- UND HEILKRÄUTER, BEEREN UND PILZE FINDEN
Der Blitzkurs für Einsteiger Christine Schneider, Rudi Beiser, Maurice Glenn
459 Seiten, 18 €, Ulmer Verlag Erhältlich im BN-Shop:
Leckeres aus der Natur Wildkräuter, Heilkräuter, wilde Beeren, Nüsse und Pilze – viele Köstlichkeiten aus der Natur können Sie mit diesem Buch auch als Anfänger*in einfach und sicher draußen finden und bestimmen. Ob Bärlauch oder Thymian, ob Himbeere, Schlehe, Steinpilz oder Pfifferling: Die 110 besten, sichersten und leckersten Klassiker unter den Wildpflanzen und Waldpilzen werden leicht verständlich erklärt, so dass Sie gleich loslegen können.
Das Buch verrät, wo und wann Kräuter, Beeren und Pilze wachsen und – sehr wichtig – wie man sie sicher von ähnlich aussehenden Giftpflanzen unterscheiden kann. Rezepte geben Anregungen für die Zubereitung leckerer Gerichte und wohltuender Kräutertees.
31. August –13. September 2026, Norwegen
Spektakuläre Gipfel, weite Hochebenen und Wälder, die von Elchen, Wölfen und anderen Wildtieren bewohnt werden – nicht ohne Grund gilt Norwegen mit seiner atemberaubenden und ursprünglichen Landschaft als

7. – 14. September 2026, Deutschland

Sehnsuchtsort. Diese Reise führt in die Nationalparks Rondane und Dovre, die zu Fuß durchwandert werden.
Diese Wanderreise führt in die Stille des Biosphärenreservats Schaalsee – mit kleinen Fachwerkdörfern, regionaler Landwirtschaft und einem Mosaik aus Wäldern, Seen, Inseln und Halbinseln, Mooren und Sümpfen. Der UNESCO-Status im Jahr 2000 hat die Region vor großen Hotels und Tourismusrummel bewahr t; hier wird »Slow Travel« umgesetzt.
NATURPARK
BERCHTESGADEN
19. – 25. September 2026, Deutschland
Die UNESCO-Biosphärenregion Berchtesgadener Land sorgt mit nachhaltiger Entwicklung für ein ausgewogenes Miteinander von Mensch und Natur. Im einzigen Alpen-Nationalpark Deutschlands finden seltene

Tiere und Pflanzen Lebensräume. Wanderungen laden ein zum Erkunden der grandiosen Bergwelt.
Weitere Informationen Tel. 09 11/588 88 20· www.bund-reisen.de
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FRAGEN UND ANREGUNGEN
Tel. 0 91 23/7 02 76 10 frag-den-bn@bund-naturschutz.de Mo.–Do. 10–14.30 Uhr, Di. u. Do. 16–19 Uhr

MITGLIEDSCHAFT/ADRESSÄNDERUNG
Tel. 09 41/2 97 20-65 mitglied@bund-naturschutz.de
SPENDENBESCHEINIGUNGEN
Tel. 09 41/2 97 20-66 spenderservice@bund-naturschutz.de



REDAKTION NATUR+UMWELT
Luise Frank
Tel. 0 89/5 14 69 76 12 natur-umwelt@bund-naturschutz.de
HAUS- UND STRASSENSAMMLUNG
EHRENAMTLICH AKTIV WERDEN
Christine Stefan-Iberl
Tel. 09 41/2 97 20-11 christine.stefan@bund-naturschutz.de
BN-BILDUNGSWERK
Melanie Hahn
Tel. 09 41/2 97 20-23 melanie.hahn@bund-naturschutz.de

BERATUNG ZU VERMÄCHTNISSEN, SCHENKUNGEN & STIFTUNGSWESEN
Birgit Quiel
Tel. 09 41/2 97 20-69 birgit.quiel@bund-naturschutz-stiftung.de

Schnitzmesser Opinel Für Kinder, in vier Farben erhältlich
4,50 € 13,95 €



18,00 €
2-Wege-Becherlupe 4-fache Vergrößerung; stoßfester Kunststoff
IMPRESSUM
Herausgeber: BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN), vertreten durch Lucas Schäfer, Landesgeschäftsführer, Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg, www.bund-naturschutz.de Leitende Redakteurin (verantw.): Luise Frank (lf), Tel. 0 89/5 14 69 76 12, natur-umwelt@bund-naturschutz.de
Redaktion: Andrea Siebert (as)
Mitglieder-Service: Tel. 09 41/2 97 20-65
Gestaltung: Janda + Roscher, die WerbeBotschafter, www.janda-roscher.de (Layout: Waltraud Hofbauer) Titelbild 2/26 (30. Jahrgang): Buchen im Weltnaturerbe des Nationalparks Kellerwald-Edersee; Foto: mauritius images/Andreas Vitting Redaktion BUND-Magazin: Severin Zillich (verantw.), Kaiserin-Augusta-Allee 5, 10553 Berlin, Tel. 0 30/27 58 64-57, Fax -40

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Baumwolltasche »Bienchen und Blümchen« mit kurzem Henkel
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Gewürztütchen 3 Sorten, für den nächsten Grillabend
14,90 €

Anzeigenverwaltung: Evelyn Alter, Runze & Casper Werbeagentur GmbH, verlagsservice@runze-casper.de Es gelten die Mediadaten Nr. 34. Verlag: BN Service GmbH, Eckertstr. 2, Bahnhof Lauf (links), 91207 Lauf an der Pegnitz, Tel. 0 91 23/9 99 57-20, Fax -99, info@service.bund-naturschutz.de
Druckauflage 1-2026: 147 000
Bezugspreis: Für Mitglieder des BN im Beitrag enthalten, für Nichtmitglieder Versandgebühr, ISSN 0721-6807
BN-Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft München, IBAN DE27 7002 0500 0008 8440 00, BIC: BFSWDE33MUE
Geschirrtücher Neue Motive! Bio-Baumwolle Wild- und Heilkräuter, Beeren und Pilze finden Erkennen, sammeln und genießen: Der Blitzkurs für Einsteiger NEU


BUND Naturschutz Service GmbH Service-Partner des BUND Naturschutz in Bayern e.V. versand@bn-service.de Alle Preise inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten. Lieferung solange Vorrat reicht, Druckfehler und Preisanpassung vorbehalten.
Mit Namen gezeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des BN wieder Nachdruck nur mit Genehmigung des BN. Für unverlangt eingesandte Artikel oder Fotos keine Gewähr. Die Redaktion behält sich das Recht vor, Leserbriefe zu kürzen. »Natur+Umwelt« wird auf 100% Recyclingpapier gedruckt.
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