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DOSSIER UMWELTKOMPETENZ IM BERUF < umwelt 4/2016
umwelt Natürliche Ressourcen in der Schweiz
Umweltkompetenz im Beruf Dossier: Herausforderungen für die Berufsbildung > Umweltkompetente Berufsleute > Fachkräftemangel in der Umweltbranche > Firmen investieren in die Weiterbildung Weitere Landwirtschaft heute und morgen > Die Invasion der Exoten aufhalten > Klimawandel Themen: im Untergrund > Innovative Katalysatoren lösen Kaltstartabgase in Luft auf
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Ökologische Kompetenz braucht es überall Viele Schweizer Unternehmen haben in den letzten Jahren Massnahmen zugunsten einer nachhaltigen Wirtschaftsweise ergriffen. Sie führten Umwelt managementsysteme ein und optimierten ihre Produk tionsprozesse sowie die ökologische Qualität ihrer Produkte. Auch engagieren sich immer mehr Firmen und öffentliche Gemeinwesen für eine nachhaltige Beschaffung ihrer Rohstoffe. Einige Unternehmen profitieren direkt von den Marktchancen im wachsenden Umwelt markt, etwa im Recyclingbereich, im Energiemanagement oder bei der Gebäudetechnik. Doch die bisherigen Anstrengungen reichen nicht aus, um der Über nutzung der natürlichen Ressourcen Einhalt zu gebieten. Es braucht zu sätzliche Initiativen in allen umweltrelevanten Gesellschaftsbereichen und ein verstärktes Engagement der Unternehmen. Ein schonender Umgang mit natürlichen Ressourcen zahlt sich aus: Er hilft, Kosten und Risiken zu senken, und fördert die gesellschaftliche Akzeptanz. Hinzu kommen langfristige Gewinne: Wer bereits heute auf eine nachhaltige Wirtschaftsweise setzt, wird in den kommenden Jahren über strategi sche Vorteile im nationalen und internationalen Wettbewerb verfügen. Nachhaltigkeit ist nicht allein die Angelegenheit der Verwaltungsräte und KMU-Eigner, gefordert sind auch die Mitarbeitenden. Sie setzen die Vorgaben in die Praxis um und können neue Ideen einbringen. Dazu aber müssen sie über das nötige Rüstzeug verfügen. Der Berufsbildung kommt hier eine Schlüsselrolle zu. Sie kann den Berufsleuten die erfor derlichen Kompetenzen zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen vermitteln und zu einer korrekten Anwendung der Umweltgesetze beitragen. Das BAFU setzt sich bei Revisionen in der Berufsbildung dafür ein, dass die Ausbildungen regelmässig an die technischen und ökologischen Entwicklungen angepasst werden. Und es fördert entsprechende Weiterbildungsangebote. Wer sich ökologische Kompetenzen aneignet, hat zudem die besseren Berufs- und Karrierechancen, denn der Markttrend hin zu mehr Nach haltigkeit zieht sich durch nahezu alle Branchen und Berufsfelder. Die Unterscheidung zwischen «grünen» und «nicht grünen» Arbeitsplätzen schwindet zusehends; Umweltkompetenz ist überall gefragt – und in Zukunft wird ihr Wert weiter steigen.
Marc Chardonnens, Direktor BAFU
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Dossier Umweltkompetenz im Beruf
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____ «Wirtschaft und Ökologie sind heute eng miteinander verbunden» sanu-Direktor Peter Lehmann und Jürg Zellweger vom Schweizerischen Arbeitgeberverband im Streitgespräch 9 Der Logistiker als Klimaschützer Nachhaltige Wirtschaftsweise erfordert umweltkompetente Berufsleute. 15 Wie viel «Umwelt» kommt im Unterricht an? Eine Studie des BAFU gibt Antworten. Flurin Bertschinger, Ex-Press/BAFU
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21 Gesucht: Fachkräfte für die Umweltbranche Es braucht zusätzliche Lehrstellen und Bildungsangebote.
____ Fit im Forst Präventionskurse stärken die Gesundheit der Forstleute. 32 Eine Investition, die sich lohnt Mitarbeitende im Weiterbildungskurs
Weitere Themen Forêt Valais
39 «Wir sollten nicht nur mit Geld steuern, sondern auch das Herz ansprechen» Im Gespräch mit Markus Ritter, Präsident Bauernverband, und Urs Brändli, Präsident Bio Suisse 43 Böse Überraschungen vermeiden Strategie für den Umgang mit invasiven Arten 47 Einheitliche Markierung schafft Klarheit Neue Kennzeichnung der Schweizer Schutzgebiete 49 Spuren des Klimawandels im Untergrund Auswirkungen der Trockenheit auf die Fliessgewässer
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____ Weniger Schadstoffe dank innovativer Abgaskatalysatoren Effiziente Reduktion der Kaltstartemissionen im Verkehr
Markus Forte, Ex-Press/BAFU
Herausgeber: Bundesamt für Umwelt BAFU • 3003 Bern • +41 58 462 99 11 • www.bafu.admin.ch • info@bafu.admin.ch Gratisabo: umweltabo@bafu.admin.ch • Das Magazin im Internet: www.bafu.admin.ch/magazin2016-3 Titelbild: In allen Berufen ist umweltbewusstes Handeln möglich. Im Dossier finden sich dazu 7 Porträts von jungen Berufsleuten. Bild: Christine Bärlocher, Ex-Press/BAFU
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BILDUNGSDISKUSSION
«Wirtschaft und Ökologie sind heute eng miteinander verbunden» Im Gespräch mit dem Magazin umwelt fordert sanu-Direktor Peter Lehmann mehr Mut und Weitsicht von den Berufsverbänden. Es gelte, die ökologischen Trends zu erkennen und entsprechende Bildungs angebote zu entwickeln. Jürg Zellweger vom Schweizerischen Arbeitgeberverband sieht keinen dringenden Handlungsbedarf. Mit dem bestehenden Bildungssystem lasse sich rasch auf Veränderungen reagieren. Interview: Nicolas Gattlen, Bilder: Flurin Bertschinger, Ex-Press/BAFU
umwelt: Herr Lehmann, als Direktor der sanu future learning ag spüren Sie Trends frühzeitig auf und entwi ckeln Strategien für die Berufsbildung. Wie sieht die Arbeitswelt von morgen aus, und welche Kompetenzen werden gefragt sein? Peter Lehmann (PL): Wir werden wohl nie mehr in ei ner Situation wie nach dem Zweiten Weltkrieg sein, als das politische und wirtschaftliche Umfeld über Jahrzehnte hinweg stabil war und die Berufskarrieren ohne Brüche verliefen. Heute kann quasi über Nacht ein neuer Wirtschaftsplayer auftauchen, der ganze Branchen umwälzt oder wegfegt. Beispiele hierfür sind die Internet-Vermittlungsdienste Airbnb für Unter künfte oder Uber für Fahrdienstleistungen. Mit einer Marktkapitalisierung von über 50 Milliarden Franken ist Uber nur wenige Jahre nach der Firmengründung bereits höher bewertet als die Credit Suisse oder die ABB. Damit hätte vor zehn Jahren kaum jemand ge rechnet. Die Arbeitswelt wird durch die Digitalisierung, die Globalisierung und den raschen Technologiewandel weiter an Dynamik gewinnen, und die Berufsbildung ist entsprechend anzupassen. Was soll sich ändern?
PL: Wir müssen die Berufsleute so ausbilden, dass sie mit Veränderungen klarkommen. Zusätzlich zu Fachkom petenzen werden künftig verstärkt Gestaltungskom petenzen oder sogenannte Schlüsselqualifikationen gefragt sein. Die Berufsleute müssen in Szenarien denken, Probleme erkennen, Strategien und Lösungen entwickeln und diese in verantwortungsvoller Weise umsetzen können.
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Jürg Zellweger (JZ): Die heutige Berufsbildung gewich tet neben Fachkompetenzen auch Methoden sowie Selbst- und Sozialkompetenzen und nimmt damit die genannten Anforderungen gut auf. Wichtig ist zudem, dass die Berufsleute ihre Karriere mit einer offenen Lernhaltung angehen und laufend dazuler nen und Chancen nutzen. Nicht nur die Wirtschaft ist in ständigem Umbruch, auch die gesellschaftlichen, ökologischen und politischen Rahmenbedingungen ändern sich. Es werden zum Beispiel neue Umwelt schutzgesetze erlassen und neue Normen oder Labels eingeführt. Um à jour zu sein, muss man sich fort bilden. Welche Bedeutung haben ökologische Megatrends wie Klimawandel, Verknappung der natürlichen Ressourcen und Biodiversitätsverlust für die Wirtschaft und die Berufsbildung?
JZ: Sie sind nicht für alle Branchen gleich wichtig. Für die Cleantech- und die erweiterte Umweltbranche sind diese Themen zentral, sie bilden ihr Kerngeschäft und werden entsprechend als Wachstumstreiber gesehen. In anderen Branchen spielen sie derzeit eine untergeordnete Rolle, sie könnten in Zukunft aber an Bedeutung gewinnen. Der Bildungsbereich kann auf solche Trends rasch mit Weiterbildungsange boten reagieren. In der Berufsbildung mit umfassend konzipierten Berufsbildern rechne ich per se nicht mit e inem fundamentalen Anpassungsbedarf: Die Fertigung von Werkstücken etwa unterscheidet sich nicht nach «grünem» oder «nicht grünem» Verwen dungszweck des Produktes. Die Verbände b eobachten
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Peter Lehmann (links) und Jürg Zellweger im Innenhof der sanu-Geschäftsstelle in Biel
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die Trends aber sehr genau und nehmen auch Anpassungen vor: Für die konkrete Ausgestaltung eines Berufsprofils ist ein Trend dann relevant, wenn er sich als ein echter Bedarf bei den Unter nehmen manifestiert. Die Berufe der Grundbildung werden alle fünf Jahre überprüft und, falls nötig, um entsprechende Kompetenzen ergänzt. Auch die Bildungsangebote der höheren Berufsbildung werden regelmässig angepasst. Dabei fliessen auch Aspekte der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung ein.
Peter Lehmann ist Gründungsmitglied und seit 1990 Direktor der sanu future learning ag, eines nationalen Kompetenzzentrums für Bildung und Beratung in Nachhaltigkeit mit Sitz in Biel. Seit über drei Jahrzehnten ist Peter Lehmann in der Umsetzungsarbeit und Kommunikation in den Bereichen Forschung, Natur-, Landschafts- und Umweltschutz, Nachhaltige Entwicklung, Erwachsenenbildung und Entwicklungszusammenarbeit tätig.
PL: Diese ökologischen Trends sind Treiber für einen rasant wachsenden Umweltmarkt und bieten enorme Chancen für die Schweizer Wirtschaft. Der WWF Schweiz ortet für unser Land bis im Jahr 2020 ein Potenzial von etlichen zigtausend neuen Stellen im Umweltmarkt. Der grösste Zuwachs wird in der Bau branche und der Energiewirt schaft erwartet, aber auch die Nahrungsmittelindustrie und die Mobilität sowie um weltspezifische Dienstleister sind auf kompetente Fach kräfte angewiesen.
Und daran mangelt es, wie ein Fachkräftebericht zu den Umweltberufen zeigt. Mit der demografischen Entwicklung, die eine geringere Anzahl an Lernenden sowie Studien abgängerinnen und -abgängern mit sich bringt, dürfte sich die Situation künftig noch verschärfen. Haben die Berufsverbände hier einen Trend verschlafen?
JZ: Nein, der Fachkräftemangel betrifft ja nicht nur die Umwelt- und die Cleantech-Branche, sondern auch andere Sektoren. Insbesondere in den sogenannten MINT-Berufen mit den Schwerpunkten Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik mangelt es an Fachkräften. Die Nachfrage der Unternehmen nach diesen Fachleuten steigt, und zudem sind die ausbildungsmässigen Anforderungen hoch. Anderer seits stellen wir aber auch fest, dass die Technik an Ansehen verloren hat, was das Interesse an Nach wuchskräften schmälert. Die Technik wird zu sehr als Verursacherin von Problemen und zu wenig als Problemlösung erkannt. Hinzu kommt, dass die MINTFächer in der Volksschule zu wenig Gewicht haben.
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Die jungen Leute haben keine grosse Wahl: Der Anteil der Lehrstellen in Umweltberufen beträgt gerade mal 0,5 Prozent des Lehrstellenmarktes. Und die Umweltbe rufe verfügen mit Ausnahme des Energie- und Effizienz beraters über keine eidgenössisch anerkannte Höhere Fachprüfung. Müsste man hier nicht gegensteuern und neue Berufe beziehungsweise Bildungsgänge schaffen?
PL: Ich befürchte, dass hier tatsächlich ein Trend verpasst wird. Viele Verbände handeln nicht pro aktiv, einige sind konservativer als ihre Mitglieder. Ich wünsche mir mehr Mut und Offenheit von den Verbänden. Wir brauchen ein Bildungssystem, das Entwicklungen antizipieren kann. Vor 20 Jahren lancierte der Bund die Weiterbildungsoffensive, die unter anderem dazu führte, dass an vielen Bildungsinstitutionen zahlreiche Umweltfachleute ausgebildet wurden. Diese Personen sind von der Wirtschaft aufgenommen worden und haben ge holfen, das Instrument des Umweltmanagements zu etablieren. Vielleicht braucht es eine weitere Initiative, um die Chancen zu nutzen, die sich auf den weltweiten Cleantech-Märkten ergeben. Costa Rica beispielsweise setzt bei der Stromversorgung auf 100 Prozent erneuerbare Energie, Marokko plant das grösste Solarkraftwerk der Welt, und Skandinavien will sich von den Ölheizungen verabschieden. Diese Entwicklungen sind zu wenig auf dem Radar der Un ternehmen und Verbände, weil diese noch kaum mit Szenarien arbeiten, sondern mit den herkömmlichen Trendprognosen von Expertinnen und Experten, die sich im Nachhinein so oft als falsch erweisen. Die EU hat 2014 eine «Initiative für grüne Beschäftigung» lanciert; unter anderem Österreich, Deutschland und Frankreich haben bereits entsprechende Projekte gestartet, um mehr junge Leute für den wachsenden Um weltmarkt auszubilden oder Arbeitskräfte umzuschulen. Droht die Schweiz den Anschluss zu verlieren?
JZ: Ich warne davor, die Ausbildung von Spezia listen und Spezialistinnen politisch zu forcieren. Wenn man solche Fachleute ausbildet, weil dies aus politischer Sicht wünschenswert ist, besteht die Gefahr, dass diese dann keinen Job finden, wenn sich der Markt in eine andere Richtung entwickelt oder sich ein Trend nicht niederschlägt. Es braucht daher keinen Masterplan. Im Ausland wurden ja auch schon schmerzhafte Erfahrungen gemacht mit einer offensiven Industrie- beziehungsweise Beschäf tigungspolitik. Mit unserem flexiblen Bildungssystem können wir bei ausgewiesenem Bedarf rasch auf die Bedürfnisse des Marktes reagieren, insbesondere mit Weiterbildungsangeboten sowie auf der Stufe höhere Berufsbildung und Fachhochschule.
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Die Studie «Schweizerische Cleantech-Bildungsland schaft im Bereich Weiterbildung» kommt zu einem anderen Befund: Die formale Weiterbildung sei «träge», «reaktiv» und «lückenhaft». Insbesondere in den Berei chen nachhaltiges Bauen, Land- und Forstwirtschaft, nachhaltige Mobilität und Sustainable Finance fehlten Angebote.
PL: Ich möchte hier noch die Bereiche Betriebswirt schaft und Recht anfügen. Wer heute an einer Hoch schule einen Bachelor oder Master in Management oder in Business-Administration macht, streift das Thema Ökologie/Nachhaltigkeit kaum. Und das in einer Zeit, da jede wirtschaftliche oder gesellschaft liche Aktivität vom Paradigma der nachhaltigen Ent wicklung betroffen ist! Ein weiteres Beispiel: In der Touristikausbildung ist der nachhaltige Tourismus praktisch kein Thema. 2017 wird die UNO das «Jahr des nachhaltigen Tourismus» lancieren und Schweiz Tourismus die Kampagne «Zurück zur Natur», doch in der Schweiz fehlen entsprechende Angebote in genügender Zahl. Alle betroffenen Verbände haben diesen wachsenden Markt zu lange als Nischenmarkt unterschätzt. JZ: Unsere Verbände sind durchaus aufgeschlos sen gegenüber diesen Themen. Sie müssen aber möglichst allen Mitgliedern gerecht werden und nicht nur den «early movers», den Pionieren in einer Branche. Die Berufsbildung basiert auf Konsens entscheiden. Sobald ein Thema für die Mehrheit der Mitglieder wirtschaftlich relevant ist, findet es Eingang in die Berufsbildung. Die nichtformale Weiterbildung kann schneller auf Trends und die Bedürfnisse der «early movers» reagie ren. Anbieter wie die sanu future learning ag dürften also von der Trägheit des formalen Bildungssystems profitieren und in die Lücken springen.
PL: Das tun sie. Doch für die Gesellschaft ist dies eine teure Art der Bildungsreaktion. Welche Firmen nutzen die Weiterbildungsangebote von sanu?
Unternehmen den Bereich Umweltschutz/Nach haltigkeit an eine technische Fachstelle, die eher als Charge, als Kostenfaktor und als verhindernde Kraft angesehen wurde. Das hat sich doch etwas verändert. Heute ist das Thema Nachhaltigkeit vielerorts in der Geschäftsleitung angesiedelt und in übergeordnete Management systeme integriert. Viele Firmen verfügen über eine Nachhaltigkeitsstrategie, die es umzusetzen gilt. Dabei stel len wir fest, dass das Interesse an Seminarkursen schwindet. Stattdessen wünschen sich die Firmen und die Verwaltungen massgeschneiderte prozessori entierte Inhouse-Schulungen inklusive Begleitung bei der Umsetzung der erworbenen Kompetenzen. Die ist zwar Jürg Zellweger etwas teurer, aber effektiver. Ein kleineres Unternehmen will oder kann sich solche Ausgaben kaum leisten.
verantwortet beim Schweizerischen Arbeitgeberverband das Ressort «Bildung und berufliche Aus- und Weiterbildung». Er ist Mitglied der Geschäftsleitung und vertritt den Verband in der eidgenössischen Berufsbildungskommission. Seit 2014 wirkt er zudem als Stiftungsrat von education21, dem nationalen Kompetenzund Dienstleistungszentrum für Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) in der Schweiz.
JZ: Wenn es erkennt, dass sich dadurch mittelfristig Kosten einsparen, Risiken senken oder Imagegewinne generie ren lassen, wird es diese Chan ce nutzen. Die Wirtschaft und die Ökologie sind heute eng miteinander verbunden. Kein Unternehmen und kein Verband kann es sich noch leisten, das Thema Nachhaltigkeit zu ignorieren. PL: Die Wirtschaft hat das Thema auf der Trak tandenliste, und das ist erfreulich. Man darf die Geschichte aber auch nicht allzu sehr schönreden. Sobald es ökonomisch eng wird, wie zuletzt mit dem starken Schweizer Franken, steht die Förde rung von Umweltkompetenzen immer noch bei vielen Unternehmen rasch auf der Streichliste.
PL: Dazu gehören Unternehmen, die im Bereich Nachhaltigkeit eine Chance für neue Geschäftsfelder erkennen, aber auch börsenkotierte Unternehmen, die sich keine Reputationsverluste erlauben können und ihre Risiken senken wollen.
Weiterführende Links zum Artikel: www.bafu.admin.ch/magazin2016-4-01
Wen schicken die Unternehmen in die externe Weiterbil dung: das Management, den Umweltbeauftragten oder eher die technischen Spezialisten?
KONTAKTE Beat Bringold Sektionschef Umweltbildung BAFU +41 58 462 92 44 beat.bringold@bafu.admin.ch
PL: Noch vor zehn, fünfzehn Jahren delegierten die
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Phillyra Bund, 22, Konditorin-Confiseurin BP, Sutter Begg, Basel
«Wir versuchen, möglichst keine Lebensmittel wegzuwerfen. So fällt bei uns immer mal wieder Klein- und Süssgebäck an, das schlecht geraten ist. Wir zermahlen das Material zu Schraps, das in die Füllmasse von Nussgipfeln kommt. Und aus altbackenem Brot entsteht Paniermehl, das wir in unseren Läden verkaufen.» Bild: Christine Bärlocher, Ex-Press/BAFU 8
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BERUFSREVISIONEN
Der Logistiker als Klimaschützer Eine nachhaltige Wirtschaftsweise erfordert umweltbewusste und -kompetente Berufsleute. Das BAFU engagiert sich für die Verankerung der nötigen Fähigkeiten in der Berufsbildung. Immer mehr Berufsverbände erkennen auch die wirtschaftlichen Vorteile von ökologischen Kompetenzen: Die Unternehmen können dadurch Kosten und Risiken senken und die gesellschaftliche Akzeptanz erhöhen. Text: Nicolas Gattlen
Der Koch, die Bankwirtschafterin, der Drogist: sie alle sind keine eigentlichen Umweltspe zialisten. Und doch beeinflussen sie mit ihren Entscheidungen und Handlungen im Berufsalltag die Umwelt. Kennt der Koch die verschiedenen Herstellungsverfahren und die Labels der Le bensmittelbranche? Wie geht der Drogist mit giftigen, gefährlichen Stoffen um? Bewirbt die Bankwirtschafterin nur konventionelle oder auch nachhaltige Finanzprodukte? Das BAFU setzt sich auf verschiedenen Ebenen dafür ein, dass die nötigen Kompetenzen für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen sowie für den Schutz des Menschen vor Natur gefahren und übermässigen Belastungen in die Berufsbildung integriert werden. Berufsbildungsgesetz fordert ökologische Kompetenzen Die Bundesverfassung erklärt in Artikel 2 die nachhaltige Entwicklung zu einem Staatsziel und fordert in Artikel 73 Bund und Kantone dazu auf, «ein auf Dauer ausgewogenes Verhältnis zwi schen der Natur und ihrer Erneuerungsfähigkeit einerseits und ihrer Beanspruchung durch den Menschen anderseits» anzustreben. Seit 1997 legt der Bundesrat seine politischen Absichten zur Umsetzung der nachhaltigen Entwicklung in einer Strategie fest. Diese sieht unter anderem vor, dass Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung
(BNE) auf allen Bildungsstufen integriert wird. Das 2004 in Kraft getretene Berufsbildungsgesetz formuliert entsprechende Leitlinien für die beruf liche Grundbildung: Sie umfasst insbesondere die Vermittlung und den Erwerb der wirtschaftlichen, ökologischen, sozialen und kulturellen Kennt nisse und Fähigkeiten, welche die Lernenden dazu befähigen, zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen. Die Bildungsverordnungen und -pläne der be ruflichen Grundbildung müssen alle fünf Jahre bezüglich der wirtschaftlichen, technologischen und ökologischen Entwicklungen überprüft und, falls notwendig, angepasst werden. Für die Re visionen und Neuentwicklungen zuständig sind das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) und die Organisationen der Arbeitswelt (Berufsverbände, Sozialpartner sowie andere Organisationen und Anbieter der Berufs bildung). Das SBFI steuert die Prozesse, erlässt die Bildungsverordnungen und genehmigt die Bil dungspläne; die Bildungsinhalte werden von den Organisationen der Arbeitswelt (OdAs) definiert. Das BAFU nimmt – oft schon in einer frühen Phase der Vernehmlassung – schriftlich Stellung zu den Bildungsverordnungen und -plänen. Die Logistiker und der Klimaschutz Dabei stützt sich das Bundesamt unter anderem auf die Cleantech-Factsheets. Die Informations
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blätter gingen aus einer Studie hervor, die 2011 durch ein Postulat im Parlament angestossen wurde, und dienen zur Weiterentwicklung der Bildungspläne. Sie beinhalten Leistungsziele für über 200 Berufe der Grundbildung. Dem Berufs feld Logistik beispielsweise attestiert das entspre chende Factsheet ein grosses CleantechPotenzial. Durch die Logistik werden heute weltweit mehr als 5,5 Prozent der CO2Emissionen verursacht. Mit geeigneten Massnahmen wie etwa dem Einsatz von Flotten und Routenmanagement systemen und von emissionsarmen Fahrzeugen kann die Logistik einen wertvollen Beitrag zum Erreichen der Schweizer Klimaschutzziele leisten. Die Bundesbetriebe haben diesbezüglich bereits Zielvorgaben in ihren Strategien verankert: Die SBB will ihre CO2Emissionen aus dem Betrieb
bis 2020 um 30 Prozent gegenüber 1990 senken, und die Post strebt Einsparungen von jährlich 15 000 Tonnen CO2 an. Für die Erreichung dieser Ziele ist es gemäss dem Factsheet wichtig, dass das Personal geschult und der Nachwuchs adäquat ausgebildet wird. Bei der 2015 erfolgten Revision des Bildungs plans Logistiker/Logistikerin mit den drei Fach richtungen Lager, Distribution und Verkehr wur de den Anliegen des BAFU Rechnung getragen. So findet sich unter den definierten Kompetenzbe reichen neben dem «Einhalten der Vorgaben zum Gesundheits, Daten und Umweltschutz» auch das «Optimieren von Qualität, Wirtschaftlich keit und Ressourceneffizienz». Dass ökologische und wirtschaftliche Aspekte im selben Bereich aufgeführt werden, ist kein Zufall. Beat Michael
DIE BERUFSBILDUNG IM SCHWEIZERISCHEN BILDUNGSSYSTEM
HOCHSCHULEN
HÖHERE BERUFSBILDUNG Eidg. Diplom, Eidg. Fachausweis
BERUFSORIENTIERTE WEITERBILDUNG
Berufs- und Höhere Fachprüfungen
Diplom HF
Master, Bachelor
Master, Bachelor
PhD/Doktorat, Master, Bachelor
Höhere Fachschulen
Fachhochschulen
Pädagogische Hochschulen
Universitäten, ETH
Berufsmaturität
Fachmaturität
Eidg. Fähigkeitsausweis
FMS-Ausweis
Betriebe, Berufsfachschulen Überbetriebliche Kurse
Fachmittelschule (FMS)
Gymnasiale Maturität
Eidg. Berufsattest
Betriebe, Berufsfachschulen Überbetriebliche Kurse
BERUFLICHE GRUNDBILDUNG
Gymnasium
ALLGEMEINBILDENDE SCHULEN
OBLIGATRORISCHE SCHULE
Die höhere Berufsbildung (blau) bereitet auf anspruchsvolle Fach- oder Führungsfunktionen vor. Eine abgeschlossene 3- oder 4-jährige berufliche Grundbildung (grün) mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) erlaubt den Einstieg in die höhere Berufsbildung.
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Quelle: SBFI
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Duerler, Geschäftsleiter der Schweizerischen Vereinigung für die Berufsbildung in der Logistik (SVBL), spricht von einem «doppelten Gewinn»: Werde die Ressourceneffizienz verbessert, pro fitierten davon sowohl die Umwelt als auch die Unternehmen. Zusammenarbeit in der Höheren Berufsbildung Etwas anders präsentiert sich die Situation in der Höheren Berufsbildung (HBB) – der «Kaderschmiede der Wirtschaft». Hier gibt es keine Verpflichtung zu einer 5-Jahres-Revision. Bei anstehenden Bildungsrevisionen wird das BAFU an die Kick-off-Sitzungen der Trägerschaft der eidgenössischen Prüfung eingeladen und darf hier seine Angebote präsentieren. Schliess lich aber entscheiden die Trägerschaften von Berufsprüfungen, Höheren Fachprüfungen und Rahmenlehrplänen (Höhere Fachschulen), ob und in welcher Form sie mit dem BAFU zusammen arbeiten. Das BAFU bietet für jede Phase einer Prü fungsrevision Beratungen an oder vermittelt Fachkontakte. Es hilft zu prüfen, inwiefern der Schutz und die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen für das entsprechende Berufsfeld relevant sind. Es eruiert ökologische Markttrends, geltende Umweltnormen sowie neue ressourcenschonende Technologien und Verfahren. Und es macht Empfehlungen für die Definition von Umweltkompetenzen in den Berufsbildern und Qualifikationsprofilen. Auf Wunsch der Prüfungsträgerschaft nimmt das BAFU auch schriftlich Stellung zum Entwurf einer Prüfungsordnung und Wegleitung. K ünftig will die Sektion Umweltbildung des BAFU die Träger schaften auch bei der Umsetzung der Prüfungs ordnungen und Wegleitungen unterstützen, zum Beispiel bei der Schulung von Prüfungsexpertin nen und -experten oder bei der Formulierung von Prüfungsfragen. Neue Aufgaben für die Automobildiagnostiker/innen Der Autogewerbe-Verband der Schweiz (AGVS) hat sich bei der jüngsten Revision der Berufsprü fung für Automobildiagnostiker/innen für eine Zusammenarbeit mit dem BAFU entschieden und liess die Prüfungsordnung von dessen Experten und Expertinnen überprüfen, damit die ökologi schen Aspekte gebührend berücksichtigt werden. «Den Fachkräften im Autogewerbe kommt beim Umweltschutz eine wichtige Rolle zu», erklärt Mirjam Tubajiki von der Sektion Umweltbildung
des BAFU. «Der Personenverkehr macht zwei Drit tel aller verkehrsbedingten CO2-Emissionen aus. Ein Automobildiagnostiker sollte also nicht nur Störungen, sondern auch Verbesserungspotenzial erkennen können. Reparatur- und Wartungs arbeiten bieten Chancen für energetische Sanie rungen.» Gemäss der neuen Prüfungsordnung müssen Automobildiagnostiker/innen fähig sein, Energieeffizienzpotenziale an den wichtigsten Systemen und Fahrzeugkomponenten zu ermit teln und Wartungs- sowie Reparaturarbeiten an Heizung und Klimaanlage gemäss dem AutoEner gieCheck anzuordnen. Darüber hinaus müssen sie die Einhaltung von gesetzlichen Richtlinien, technischen Vorgaben sowie Vorschriften zum Umweltschutz gewährleisten. Bei der Reinigung von Fahrzeugen etwa sind Anforderungen an die Abwasserbehandlung einzuhalten; weitere
Das BAFU hilft zu prüfen, inwiefern der Schutz und die nachhaltige Nutzung der n atürlichen Ressourcen für das entsprechende Berufsfeld relevant sind, und es macht Empfehlungen für die Definition von Umweltkompetenzen in den Berufsbildern und Qualifikationsprofilen. Umweltschutzkompetenzen sind gefragt beim Umgang mit Bremsflüssigkeiten und Kältemitteln von Klimaanlagen oder beim Ölwechsel. Wirtschaftlicher Nutzen Als leitende Angestellte stehen die Automobil diagnostiker/innen auch in engem Kontakt mit der Kundschaft. Deshalb kommt der Beratung in der neuen Prüfungsordnung grosses Gewicht zu. Den Kundinnen und Kunden sollen ökologische Lösungen aufgezeigt sowie die Grundlagen für AutoEnergieCheck-Zertifikate erläutert werden. Arnold Schöpfer, Bildungsverantwortlicher des AGVS, ist überzeugt, dass diese Dienstleistung verstärkt erwartet wird: «Die Berücksichtigung von ökologischen Aspekten ist in der heutigen Zeit einfach ein Muss. Kein Betrieb kann sich erlauben, das Thema Umwelt zu vernachlässi gen. Deshalb waren wir an einer Kooperation mit dem BAFU interessiert und haben nun die notwendigen Handlungskompetenzen in der Prüfungsordnung festgeschrieben.»
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Obwohl sich nicht alle Berufsorganisationen auf eine Zusammenarbeit mit dem BAFU einlassen, hat sich die Kooperation zwischen BAFU und SBFI bewährt. «Eine enge Zusammenarbeit gibt es insbesondere mit Organisationen, die die Erweiterung der Kompetenz liste nicht als Bürde, sondern als Chance sehen und sich davon auch einen wirtschaftlichen Nutzen ver sprechen», sagt Mirjam Tubajiki. Und sie zählt eine ganze Reihe von Vorteilen auf: Kosteneinsparungen
«Eine enge Zusammenarbeit gibt es ins besondere mit Organisationen, die die Erweiterung der Kompetenzliste nicht als Bürde, sondern als Chance sehen und sich davon auch einen wirtschaftlichen Nutzen versprechen.» Mirjam Tubajiki, BAFU durch Effizienzsteigerung, frühzeitige Anpassung an künftige Umweltregulierungen und an veränderte Kundenwünsche, Wettbewerbsvorteile bei öffentli chen Ausschreibungen, gesellschaftliche Akzeptanz. Mängel bei der Umsetzung In den Plänen der beruflichen Grundbildung sind heute ökologische Aspekte deutlich besser integriert, insbesondere die Themen Abfalltrennung, Recyc lingprozesse, betriebliche Umweltbestimmungen, Umweltschutz und Umweltbewusstsein. Die beiden Studien «Cleantech in den Bildungsgängen der beruf lichen Grundbildung» und «Stand der Umsetzung der Umweltbildung in der beruflichen Grundbildung» zeigen aber, dass es bei der Umsetzung in den Berufs schulen und Betrieben noch Verbesserungspotenzial gibt. So werden die umweltbezogenen Lernziele ge mäss der Cleantech-Studie nur in rund einem Drittel aller Ausbildungbetriebe «vollumfänglich vermit telt». Entscheidend seien die Berufsbildungsverant wortlichen, ihre Einstellung und ihr Fachwissen, das es zu aktualisieren gelte. Einige Berufsverbände sind bereits aktiv geworden und organisieren ein- bis zweitägige Kurse, um die Berufsbildnerinnen und Berufsbildner über die neuesten Entwicklungen, Gesetze und Normen im Umweltbereich zu informie ren. Auch das BAFU will sich künftig stärker bei der Umsetzung engagieren und hat dazu ein Pilotprojekt (siehe Seite 15–17) lanciert.
Weiterführende Links zum Artikel: www.bafu.admin.ch/magazin2016-4-02
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KONTAKT Mirjam Tubajiki Sektion Umweltbildung BAFU +41 58 468 77 85 mirjam.tubajiki@bafu.admin.ch
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Dylan Pellicer, 19, Lackierassistent EBA, Garage-Carrosserie du Nant d’Avril, Meyrin (GE)
«Beim Lackieren fällt viel Abfall und Schlamm an. Dieses Material muss unbedingt sorgfältig separiert und über ein zertifiziertes Unternehmen entsorgt werden. Bei den Lacken wähle ich moderne Produkte, die schnell trocknen und damit möglichst ohne zusätzliche Energiezufuhr verarbeitet werden können.» Bild: Valérie Anex/BAFU
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Amanda Harlander, 30, Fachfrau Badeanlagen FA, Betriebsleiterin der Regio Badi Sense bei Laupen (BE)
«Während bei Hallenbädern der Akzent auf Energieeffizienz liegt, achten wir hier beim Freibad auf eine möglichst chemiearme und umwelt schonende Wasserauf bereitung. Zudem liess ich von Fachleuten die Effizienz der Pumpen optimieren. Schliesslich versuchen wir, mit Abfalltrennung das Littering klein zu halten.» Bild: Christine Bärlocher, Ex-Press/BAFU 14
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STUDIE UMWELTBILDUNG
Wie viel «Umwelt» kommt im Unterricht an? In den Verordnungen über die berufliche Grundbildung werden Umweltkompetenzen heute systematisch verankert. Aber wie sieht es im Schulalltag aus? Finden die umweltrelevanten Themen auch Eingang in die Schullehrpläne? Wie werden sie vermittelt und geprüft? Eine Studie gibt Antworten. Text: Peter Bader
Renato Wüst ist ein leidenschaftlicher Mensch. Für das Gespräch mit dem Magazin umwelt nimmt er sich «selbstverständlich Zeit», weil ihm die Umwelt «sehr am Herzen liegt». Der eidgenössisch diplomierte Küchenchef ist als Executive Chef im Grand Resort Bad Ragaz (GR) Herr über sechs Restaurants. Und damit ist er auch zuständig für die Ausbildung der Lernenden. Er sagt: «Den Ler nenden umweltbewusstes Handeln vorzuleben, ist besonders wichtig. Denn sie gestalten als Be rufsleute die Welt von morgen.» Das Grand Resort spielt in einem Forschungsprojekt des BAFU eine wichtige Rolle. Dazu später mehr. Zwei Drittel der Schweizer Jugendlichen wählen die Berufslehre als Einstieg in die Ar beitswelt. Das BAFU setzt sich dafür ein, dass in den Bildungsverordnungen und -plänen der verschiedenen Berufe auch Kompetenzen zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der na türlichen Ressourcen verankert werden. Dadurch sollen die ausgebildeten Berufsleute in ihrem Berufsalltag über das nötige Know-how verfügen (siehe Seite 9–12). Bloss: Wie viel davon kommt im Schulalltag an? Und was braucht es, damit um weltrelevante Inhalte an den Berufsfachschulen erfolgreich vermittelt werden? Das BAFU wollte es genau wissen und gab beim Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbil dung (EHB) in Zollikofen (BE) eine nationale Studie
in Auftrag. Zwei Fragen standen dabei im Vorder grund. 1. Werden die umweltrelevanten Themen der Bildungsverordnungen und -pläne durch die Berufsschullehrpersonen im Unterricht und im Prüfungsverfahren auch umgesetzt? 2. Finden Umweltthemen Eingang in die Schullehrpläne des allgemeinbildenden Unterrichts? Und wenn ja, in welchem Umfang? Für beide Teilstudien wurde gleichzeitig geklärt, welche Rahmenbe dingungen die Umweltbildung begünstigen oder allenfalls behindern. Regula Stucki, Projektleite rin der von 2013 bis 2014 durchgeführten Studie, fasst die Resultate so zusammen: «Umweltaspekte werden in den Berufsfachschulen vermittelt, die Intensität der Vermittlung hängt jedoch von der Lehrperson ab.» Ökologie und Technik werden in der Allgemeinbildung kaum thematisiert Bei der Fragestellung bezüglich der allgemein bildenden Schullehrpläne untersuchten die Forscherinnen und Forscher die Inhalte von 76 Dokumenten. Die Datenanalyse zeigte, dass das Spannungsfeld «Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft» in allen Landesteilen der Schweiz pro minent aufgenommen wird, die Bereiche Ökolo gie und Technik aber eher unterdurchschnittlich gewichtet werden. Dieser Unterschied erklärt sich laut Regula Stucki damit, dass beim Formulieren
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«Der Schutz der Umwelt wird bei uns im Hotel und speziell in der Küche immer wichtiger. Wir versuchen, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Themen wie Food-Waste oder die sorgfältige Abfalltrennung zu sensibilisieren. Das gilt für alle, nicht nur für Lehrlinge. Alles andere wäre ja unglaubwürdig und würde den Anliegen schaden.» Renato Wüst, Executive Chef und Ausbilder von Koch/ Köchin-Lernenden im Grand Resort Bad Ragaz (GR)
der Schullehrpläne auf den gesetzlichen Kernauf trag der Allgemeinbildung fokussiert werde: «Die Jugendlichen sollen zu verantwortungsbewussten Mitgliedern der Gesellschaft erzogen werden. Da bei geht es eher um die grossen Zusammenhänge, also um Themen wie ‹Konsum und Lebensstil.› Die konkreten naturwissenschaftlichen Aspekte von umweltrelevanten Themen spielen dabei eine untergeordnete Rolle.» Diese Aspekte sind vielmehr ein Thema im berufskundlichen Unterricht, der Gegenstand der primären Fragestellung des Forschungsprojekts war. Dazu wurden Interviews mit 38 Lehrper sonen aus 10 verschiedenen Branchen und 3
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«Es ist wichtig, dass die jungen Menschen dem Thema Umwelt nicht nur zu Hause und in der Volksschule begegnen, sondern auch in der Lehre. In der Berufswelt spielt die Ökonomie eine grosse Rolle. Gerade deshalb darf die Ökologie nicht fehlen. Öko nomie und Ökologie sind keine Gegensätze. Im Gegenteil: Sie müssen eine Einheit sein.» Hans Fritschi, Lehrer für kaufmännische Berufe am Bildungszentrum Interlaken (BZI)
verschiedenen Sprachregionen (unter anderem Automobilfachfrau, Elektroinstallateur, Fachfrau Gesundheit, Landwirt) geführt. Das Fazit aus dieser Befragung fällt positiv aus. Patrick Lachenmeier, am EHB Bereichsleiter Handel, Verkauf, Gastronomie, Nahrung, Logistik und Informatik und Co-Autor der Studie, hält fest: «Die im Bildungsplan aufgeführten Umwelt aspekte werden im Unterricht weitgehend auch
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«Umweltbildung ist nicht nur eine Frage des Wissens. Es geht auch um die richtige Haltung der jungen Frauen und Männer. Diese Haltung zu vermitteln, ist der anstrengendste Teil der ganzen Umweltbildung, denn längst nicht alle nehmen sie an. Das hängt vor allem von ihrem gesellschaftlichen Umfeld und ihrem Vorwissen ab.» Christoph Tanner, Berufsfachschullehrer für Elektroinstallateure an der Allgemeinen Gewerbeschule Basel (AGS)
vermittelt.» Allerdings würden die Lehrpersonen und die Lernenden dabei mit einer ganzen Reihe von Problemen konfrontiert: «Sie müssen kom plexe naturwissenschaftliche Zusammenhänge verstehen. Hinzu kommt der schwierige Umgang mit einer Flut von manchmal auch widersprüchli chen Informationen und Meinungen bei umwelt relevanten Themen». Je mehr ein Umweltthema in der Öffentlichkeit vorkomme, fügt Regula Stucki an, desto mehr interessierten sich auch die Lernenden dafür. «Aktuelle Diskussionen wer den deshalb im Unterricht gerne aufgegriffen.» Und auch solche, die Ökologie und Ökonomie verbinden: «Mit Ressourceneffizienz kann ein Betrieb die Umwelt schonen und gleichzeitig Geld sparen. Das macht die Sache für Berufsleute attraktiv.»
«Angehende Berufsleute für Umweltaspekte zu sensibilisieren, ist eine grosse Chance. Allerdings sind die Lehrpläne so voll mit anderen Themen, dass ökologische Anliegen oft zu kurz kommen. Es fehlen auch didaktische Leitplanken und Zielsetzungen. Letztlich hängt gute Umweltbildung also von der Motivation der einzelnen Lehrkraft ab.» Werner Düro, Berufsfachschullehrer für Elektroinstallateure an der Gewerblich-Industriellen Berufsschule Bern (GIBB)
Die Rolle der Lehrpersonen und Berufsbildungsverantwortlichen Die wichtigste Voraussetzung für die Aufnahme von umweltrelevanten Themen in den Unterricht sei die Haltung der Lehrperson, erklärt Patrick Lachenmeier. Ihr Vorwissen und ihre Motiva tion seien entscheidend für einen wirksamen, inhaltlich dichten Unterricht. Die befragten Leh rerinnen und Lehrer ihrerseits beurteilten den
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Transfer der Unterrichtsinhalte in die berufliche Praxis als kritisch. Denn der Einfluss der Berufs bildungsverantwortlichen in den Betrieben auf die Jugendlichen sei enorm, bemerkt Regula Stucki. «Die Jugendlichen nehmen ihre Chefs als Vorbilder wahr und beobachten sie sehr genau: Kommt er mit dem Fahrrad zur Arbeit? Achtet sie bei der Arbeit auf die Umweltvorschriften?» Die gesamte Unternehmenskultur bezüglich des ressourcenschonenden Arbeitens präge die Auszubildenden stark. «Leuchtturm»-Projekte in Arbeit Aufgrund der oben erwähnten Resultate hat das BAFU beim Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung ein weiteres Forschungsprojekt in Auftrag gegeben. «Dass die Vorbildfunktion von Betrieb und Berufsbildnern so gross ist, wol len wir nutzen», erklärt Daniela Jost, stellvertre tende Sektionschefin Umweltbildung beim BAFU. Für diese bis Ende 2016 laufende Studie wurden Betriebe gesucht, die aufgrund ihrer ressourcen schonenden Praxis und der Vermittlung von Um weltkompetenzen an die Jugendlichen vorbild lich sind. Gemeinsam mit den Forscherinnen und Forschern erarbeiten diese Unternehmen nun Mittel, um ihr Know-how anderen Betrieben der gleichen Branche didaktisch geschickt vorstellen zu können – etwa Websites oder Artikel in der Fachpresse. «Wenn solche Vorschläge aus der eigenen Branche kommen und nicht von oben aufgepfropft werden, sind Glaubwürdigkeit und Akzeptanz grösser», ist Daniela Jost überzeugt. Einer der ausgewählten Betriebe ist das Grand Resort Bad Ragaz. Renato Wüst wird ganz sicher mit Leidenschaft vorangehen. Weiterführende Links zum Artikel: www.bafu.admin.ch/magazin2016-4-03
KONTAKT Daniela Jost Stv. Sektionschefin Umweltbildung BAFU +41 58 465 37 24 daniela.jost@bafu.admin.ch
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«Wir wollen bis 2023 eine CO2-neutrale Unternehmung sein. Dazu schulen wir unsere Lernenden in internen Kursen. Eine der zentralen Fragen ist dort: ‹Was kann ich persönlich tun?› Klimaschutz und Schonung der Ressourcen sind wichtig. Zudem gibt es Trainings am Arbeitsplatz, etwa zur Trennung von Wertund Abfallstoffen.» Andreas Begré, Koordination Berufsbildung national, Coop
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Beat Wüthrich, 26, Metzgerlehrling, Jenzer Fleisch + Feinkost AG, Arlesheim (BL)
«Unsere Rinder stammen aus dem Baselbiet, das Schweinef leisch kommt von Freilandtieren aus dem Berner Seeland. Die kurzen Transportwege schonen die Tiere und reduzieren die CO2-Emissionen. Wir verwerten möglichst alles: Ausgediente Legehennen beispielsweise, die üblicherweise für die Biogasproduktion verwendet werden, verarbeiten wir zu Currywürsten und Pouletbraten.» Bild: Christine Bärlocher, Ex-Press/BAFU
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Jürg Läderach, 24, Kältesystemmonteur EFZ, Mitarbeiter im elterlichen Betrieb Läderach + Hämmerli Klima und Kühl anlagen, Mollis (GL)
«Gelangen Kältemittel in die Umwelt, schädigen sie die Ozonschicht und das Klima. Bei der Demontage von Altanlagen und bei der Neuinstallation muss man deshalb sehr vorsichtig ans Werk gehen. Zudem e mpfehle ich der Kundschaft, sich für ein möglichst energie effizientes Betriebssystem zu entscheiden.» Bild: Christine Bärlocher, Ex-Press/BAFU
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MANGEL AUF DEM UMWELTMARKT
Gesucht: Fachkräfte für die Umweltbranche In der Umweltbranche mangelt es an Fachkräften – und die Situation dürfte sich künftig noch verschärfen. Es braucht zusätzliche Bildungsangebote und Lehrstellen, um die neuen gesellschaftlichen Herausforderungen bewältigen zu können. Text: Kaspar Meuli
Eine Firma für Gebäudebegrünungen möchte ihr Team verstärken, eine Nichtregierungsorga nisation sucht eine Umweltingenieurin für ein Bildungsprojekt in Peru, eine Gemeinde will eine Nachfolgerin für den Leiter ihrer Wasser versorgung, und ein KMU braucht dringend eine Recyclistin: Wer Stellenbörsen nach Anzeigen für Umweltfachleute durchkämmt, stösst schnell auf Angebote. Spezialistinnen und -spezialisten sind in vielen Bereichen gefragt – und der Bedarf an Berufsleuten mit Umwelt-Know-how wird weiter steigen.
Der Anteil der Lehrstellen im klassischen Umweltbereich beträgt bloss 0,5 Prozent des Lehrstellenmarktes. Wachsende Umweltmärkte Gemäss Bundesamt für Statistik sind im Jahr 2015 rund 18 300 Personen in der klassischen Umweltbranche (Wasserversorgung, Abwasser entsorgung, Recycling und Entsorgung) beschäf tigt – 2012 waren es 17 299 Personen. Zu einem gewichtigeren Wirtschaftsfaktor wird die Bran che, wenn man die erweiterte Umweltwirtschaft dazurechnet. Sie umfasst Wirtschaftszweige, die sich zu national anerkannten Normen und Stan dards der nachhaltigen Produktion verpflichtet haben, aber nicht die Umweltschutzleistung als primären Zweck der wirtschaftlichen Tätigkeit ausweisen. Der Fachkräftebericht Umweltberufe
2014 rechnet mit 163 000 Beschäftigten im erwei terten Umweltmarkt. Rund 530 000 Beschäftigte werden dem Cleantech-Markt zugeschrieben (Studie «Beschäftigung und Wertschöpfung des Cleantech-Bereichs in der Schweiz»). Die Bran che generiert Umwelttechnologien, -güter und -dienstleistungen und erwirtschaftete 2013 mit 48,6 Milliarden Franken (Bruttowertschöpfung) rund 8 Prozent der Gesamtwirtschaft. Mit durch schnittlichen jährlichen Wachstumsraten von 6,7 Prozent (Beschäftigung) beziehungsweise. 6 Prozent (Bruttowertschöpfung) ist der Clean tech-Markt zwischen 2009 und 2013 deutlich stärker gewachsen als die Gesamtwirtschaft (Be schäftigung plus 3,5 Prozent, Bruttowertschöp fung plus 2,2 Prozent). Bildungsangebot entspricht nicht dem Potenzial Bei der Rekrutierung von Nachwuchs sieht sich die Umweltbranche jedoch vor eine paradoxe Situation gestellt: Diverse Studien zeigen, dass sich viele Jugendliche für die nachhaltige Nut zung der natürlichen Ressourcen oder den Kampf gegen den Klimawandel engagieren möchten. Ihre Berufswahl aber richten diese Jugendlichen dann doch anders aus, weil ihnen insbesondere in der beruflichen Grundbildung (rund 250 Be rufe) zu wenig umweltspezifische Angebote zur Verfügung stehen. Der Anteil der Lehrstellen im klassischen Umweltbereich beträgt bloss 0,5 Prozent des Lehrstellenmarktes. Lücken gibt es auch in der Höheren Berufsbildung. So verfü gen die Umweltberufe über keine eidgenössisch
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anerkannte Höhere Fachprüfung (bei den Ener gieberufen gibt es neu den/die Energie- und Ef fizienzberater/in). Bei den Höheren Fachschulen fehlen umweltorientierte Fachrichtungen etwa in den Bereichen Wirtschaft, Landwirtschaft, Transport und Verkehr. Und 2013 entfielen bloss 1,4 Prozent der Bachelorabschlüsse auf die Berei che Umweltingenieurwesen sowie Energie- und Umwelttechnik. Ueli Bernhard, Geschäftsführer des Vereins OdA Umwelt (Organisation der Arbeitswelt Umwelt) fordert deshalb eine «bessere Positionierung» der Umweltfachkräfte sowie eine eigentliche Wei terbildungsoffensive. Gefragt seien Angebote, in denen sich auch bestandene Berufsleute die nötigen ökologischen Kompetenzen aneignen könnten. Ohne Weiterbildung müsse ein Gross teil der Fachkräfte on the Job ausgebildet werden. Besonders eklatant sei der Mangel an Fachkräften in der Heizungsbranche: «Es gibt heute deutlich zu wenig Installateure, um den Austausch all der alten Heizungen zu gewährleisten, die im Rah men der Energiewende ersetzt werden müssen.»
denn ökologische Kompetenzen brauche es so wohl in der Industrie wie in der Landwirtschaft und im Dienstleistungsbereich. Polybauer werben mit Klimaschutz Wie sich Umweltkompetenzen in eine bestehen de Berufsausbildung integrieren lassen, zeigen die Polybauer/innen (Dach- und Fassadenbau). In sämtlichen Fachrichtungen beschäftigen sie sich mit der Isolation von Gebäuden und erler nen den Umgang mit Solarpanels. Da hat eine Branche offensichtlich erkannt, wohin sich der Markt entwickelt – und wirbt mit entsprechen den Anreizen um ihren Nachwuchs: «Polybauer/ innen schaffen Dachbegrünungen als ökologische Ausgleichsflächen und tragen mit der Montage von Solaranlagen zum Klimaschutz bei» steht da etwa auf der Promotionsplattform bausinn.ch. Weiterführende Links zum Artikel: www.bafu.admin.ch/magazin2016-4-04
Der Schweiz droht ein Mangel an Spezialistinnen und Spezialisten, die die kommenden Herausforderungen – vom Klimawandel bis zu nachhaltig investierten Pensionskassen geldern – anpacken könnten. Wettbewerb um den Nachwuchs verschärft sich Auch in anderen Bereichen droht der Schweiz ein Mangel an Spezialistinnen und Spezialisten, die die kommenden Herausforderungen – vom Klimawandel bis zu nachhaltig investierten Pen sionskassengeldern – anpacken könnten. Der sich abzeichnende Mangel an Umweltfachleuten wird sich durch die demografische Entwicklung verschärfen. Wegen der zunehmenden Überalte rung der Gesellschaft ist gemäss dem Fachkräf tebericht bis im Jahr 2020 mit einem Rückgang von 17 000 Lernenden zu rechnen. Um in diesem Wettbewerb um den beruf lichen Nachwuchs bestehen zu können, müssen die Umweltberufe besser promotet werden und ein schärferes Profil erhalten. Zudem braucht es gemäss Ueli Bernhard in der gesamten Wirtschaft mehr Umweltkompetenzen, sogenannte «green skills». Er plädiert für einen integralen Ansatz,
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KONTAKT Mirjam Tubajiki Sektion Umweltbildung BAFU +41 58 468 77 85 mirjam.tubajiki@bafu.admin.ch
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«In den technisch geprägten Umweltberufen sind Frauen untervertreten» Monika Joss, Spezialistin für Genderfragen und Kommunikation, hat die Broschüre «Zukunftsberufe Umwelt – für Frauen und Männer. Informationen für Berufsberatende» im Auftrag der OdA Umwelt und der Fachfrauen Umwelt (FFU) verfasst. Sie erklärt im Interview, was es braucht, damit Frauen vermehrt im (technischen) Umweltbereich arbeiten. Interview: Kaspar Meuli umwelt: Frau Joss, welchen Stellenwert haben Umweltberufe für junge Frauen? Monika Joss: In der Umweltbildung, der Umweltbe ratung und in den Umweltnaturwissenschaften auf Hochschul- und Fachhochschulebene sind Frauen schon heute gut vertreten. Noch sehr wenige Frauen gibt es hingegen in den technisch geprägten Umweltbranchen wie Recycling, Was serversorgung, Erneuerbare Energie und Bauwe sen. Technik wird auch heute noch als ein typisch männliches Berufsfeld angesehen, und das schlägt sich auch in den technisch geprägten Umwelt berufen nieder. Momentan sind die Frauen in diesem Zukunftsfeld noch untervertreten. Sind die Umweltberufe «gendergerecht»? Oder braucht es Anpassungen?
Es braucht Anpassungen auf verschiedenen Ebenen. Die Vermarktung der Berufe muss so gestaltet sein, dass sich auch junge Frauen ange sprochen fühlen. Die Gebäudetechnik-Branche versucht, mit einer «Miss Gebäudetechnik»-Wahl junge Frauen für den Beruf zu gewin nen. Was halten Sie davon?
Eine Frau, die einen sogenann ten Männerberuf wählt, setzt sich auch heute noch dem Verdacht aus, «unweiblich» zu sein. Die bevorstehende Miss-Wahl werte ich als einen Versuch, dem etwas entgegenzuhalten. Und das ist leider auch gleich der Schönheitsfehler dieser Veranstaltung. Die stereotype Vorstellung «Frauen interessieren sich nicht für Gebäudetech
nik» wird mit der nächsten stereotypen Vorstel lung «Frauen interessieren sich für Miss-Wahlen» bekämpft. Wie können mehr junge Frauen für technische Umweltberufe gewonnen werden?
Wir wissen, dass Mädchen andere Spielsachen bekommen als Jungen. Wir wissen auch, dass Mädchen bei gleichen Leistungen damit rechnen müssen, von unerfahrenen Lehrpersonen schlech tere Mathematiknoten zu bekommen als Jungen. Junge Frauen wählen ihre Lehrstelle aus einem viel kleineren Spektrum von Berufen aus. All dies führt dazu, dass junge Frauen und Männer schliesslich geschlechtstypische Berufe wählen. Es muss deshalb auf allen Ebenen angesetzt werden – vom Kindergarten bis zum Berufs einstieg. Die vom BAFU mitfinanzierte Broschüre «Zukunftsberufe Umwelt – für Frauen und Män ner» setzt bei der Berufsberatung an.
«Eine Frau, die einen sogenannten Männerberuf wählt, setzt sich auch heute noch dem Verdacht aus, ‹unweiblich› zu sein.» Monika Joss
Die Broschüre «Zukunftsberufe Umwelt – für Frauen und Männer. Informationen für Berufsberatende» steht zum Download bereit unter: www.ffu-pee.ch Die FFU stellen zudem einen Leitfaden zum gendergerechten Berufsmarketing zur Verfügung. Bestellung: info@ffu-pee.ch.
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Neue Umweltberufe, eine Auswahl Rohstoffaufbereiter/in Rohstoffauf bereiter/innen spielen eine zunehmend wichtigere Rolle in der Bauwirtschaft. Sie zerkleinern Rohstoffe wie Sand und Kies, aber auch Sekundärrohstoffe wie Elektroschrott oder Betonabbruch, trennen diese nach Grösse und verschiedenen Eigenschaften und mischen oder agglomerieren sie. Zudem sind sie zuständig für den Betrieb, die Überwachung und den Unterhalt der Auf bereitungsanlagen. Diese höhere weiterführende Berufsausbildung erfolgt berufsbegleitend (21 Tage) und wird mit einem eidgenössischen Fachausweis (FA) abgeschlossen.
Fachmann/-frau Entsorgungsanlagen Fachleute für Entsorgungsanlagen nehmen Materialien wie Bausperrgut, Altholz sowie Industrie- oder Gewerbeabfälle entgegen. Sie verwerten diese und machen sie deponiefähig, helfen mit bei der Umsetzung von Projekten und der Weiterentwicklung von Anlagen und führen ein Team. Ihre Arbeitsorte sind unter anderem Deponien und Betriebe zur Annahme von Sonderabfällen, wo sie verantwortlich sind für den Unterhalt von Infrastruktur, Fahrzeugen und Maschinen. Diese höhere weiterführende Berufsausbildung erfolgt berufsbegleitend (21 Tage) und wird mit einem eidgenössischen Fachausweis (FA) abgeschlossen.
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Energie- und Effizienz berater/in Energie- und Effizienzberater/innen bieten neutrale, auf individuelle Bedürfnisse zugeschnittene Beratung zu den Themen Energieeffizienz und erneuerbare Energien an. Sie verbinden technische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und ökologische Aspekte und fördern den nachhaltigen Umgang mit Energie von KMUs, Privaten, Gemeinden und NGOs. Energie- und Effizienzberater/innen sind bei der öffentlichen Hand oder in einem Energieversorgungsunternehmen angestellt. Einige üben die Beratungsfunktion auch auf selbstständiger Basis aus. Die Ausbildung erfolgt berufsbegleitend (1½ Jahre) und wird mit einer Höheren Fachprüfung (HFP) abgeschlossen.
Projektleiter/in Solarmontage Projektleiter/innen Solarmontage realisieren Solaranlagen und führen Beratungen zur Auswahl eines geeigneten Systems durch. Sie beurteilen, ob bei einem bestimmten Gebäude eine Solaranlage sinnvoll ist und ob die baulichen Voraussetzungen dafür gegeben sind. Sie betreuen ein Projekt von der Planung bis zur Montage. Zudem sind sie Fachleute für Wärmelehre und Elektrotechnik und kennen sich bezüglich Gebäudetechnik und Gebäudehüllen aus. Diese höhere Berufsausbildung erfolgt berufsbegleitend (½ Jahr) und schliesst mit einem eidgenössischen Fachausweis (FA) ab.
Techniker/in HF Energie und Umwelt Im Bereich Gebäude-, Umwelt- und Prozesstechnik werden seit Längerem verschiedene Berufsprüfungen angeboten; sie alle sind auf die Beratung ausgerichtet. Die Techniker/innen HF Energie und Umwelt hingegen beschäftigen sich mit der technischen Ausführung und der praktischen Umsetzung von technischen Anlagen und tragen dazu bei, dass die energetischen und ökologischen Ressourcen optimal und nachhaltig genutzt werden. Oft arbeiten sie als Projektleiter/innen und verantworten den ganzen Auf bauprozess von der Planung bis zur Abnahme einer Anlage oder betreiben als Verantwortliche ganze Anlagen beziehungsweise Systeme. Der Lehrgang schliesst mit einem Diplom ab und wird vom Verband Swissolar als Weiterbildung zum/zur Solarteur/in anerkannt.
Landwirt/in EFZ – Schwerpunkt Biolandbau Im Rahmen der Ausbildung zur Landwirtin oder zum Landwirt ist eine Spezialisierung im Biolandbau möglich. Dazu müssen mindestens 50 Prozent der dreijährigen Lehrzeit auf einem Biobetrieb absolviert werden. Im Vordergrund stehen dabei Ausbildungsschwerpunkte wie geschlossene Kreisläufe, Naturbelassenheit, biologische Vielfalt, artgerechte Tierhaltung und natürliche Hilfsmittel. Der theoretische Teil der Ausbildung erfolgt in speziellen Modulen an diversen landwirtschaftlichen Berufsschulen oder an der Bio-Schule Schwand in Münsingen (BE), die ausschliesslich Bio-Landwirte und -Landwirtinnen ausbildet. Die Ausbildung ist Teil der Grundbildung und wird mit einem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) abgeschlossen.
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Estelle Vuillemier, 21, Kauffrau, Mitarbeiterin Verkauf SBB, Vevey (VD)
«An einem Billettschalter wird viel Papier verbraucht. Wenn immer möglich verkleinere ich zwei Seiten auf eine und drucke doppelseitig aus. Bei meiner letzten Arbeitsstelle war ich für die Material verwaltung zuständig. Dabei achtete ich darauf, dass mit Papier und anderem Büromaterial sparsam umgegangen wird.» Bild: Valérie Anex/BAFU
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Rémy Forster, 18, Zimmermann EFZ, Duret SA, Thônex (GE)
«Holz aus nachhaltiger Produktion ist ökologischer als andere Baustoffe. Man kann es auch als Isolationsmaterial einsetzen und so die Klima belastung reduzieren. Darauf weisen wir unsere Kundschaft hin. Den Abfall trennen und rezyklieren wir konsequent. Und wenn sich die Baustelle in der Stadt befindet, fahre ich mit dem Velo zur Arbeit.» Bild: Valérie Anex/BAFU 26
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PRÄVENTIONSKURSE FÜR FORSTWARTLERNENDE
Fit im Forst Waldarbeit erfordert hohe körperliche Ausdauer und eine gute Kondition. Der Verband Walliser Wald hat ein umfassendes Programm erarbeitet, damit Forstwarte und Forstwartinnen ihren Beruf unter bestmöglichen Bedingungen ausüben können. So sollen etwa Sportkurse, Aufwärmübungen im Wald und sportmedizinische Fitnesstests sie dazu motivieren, die eigene Gesundheit zu schützen. Text: Cornélia Mühlberger de Preux
Die neun Lernenden sind im dritten Jahr ihrer Ausbildung zum Forstwart. Neun junge Männer, die bereits geschickt mit Motorsäge und Spalt hammer umzugehen wissen und demnächst ihr Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis (EFZ) erhalten. An diesem Mittwoch treffen wir sie in der Turn halle der Berufsschule in Martigny (EPASC), wo alle zwei Wochen von 10 bis 11.30 Uhr der Kurs «Sport Prävention Gesundheit» stattfindet. Die EPASC hat bei dessen Erarbeitung eine bedeuten de Rolle gespielt und ihn für sämtliche Lernenden in die betreffenden Lehrgänge eingeführt, sei es für Forstwart/Forstwartin, Zimmermann/Zim merin oder Spengler/Spenglerin. Der Unterricht nimmt direkten Bezug auf den jeweiligen Beruf. Heute steht einiges auf dem Programm: Warmup, Circuittraining zur Kräftigung sowie Team spiele. Als Erstes heisst es, die Intensität der eige nen Anstrengungen einschätzen zu lernen, den Grad der Atemlosigkeit zu erkennen, das Tempo zu kontrollieren. Die Jugendlichen müssen meh rere Runden laufen und dabei versuchen, stabil zu bleiben und den Rhythmus zu halten. Ziel dieser Aktivität sei, die Jugendlichen langfristig zu befähigen, die ihnen bevorstehende Arbeits belastung abzuschätzen, erklärt der Sportlehrer, bevor er die Teilnehmer für weitere Übungen in Zweiergruppen aufteilt. Dazu hat er ihnen heute einen Fitnessparcours zusammengestellt, bei dem Gesässmuskulatur, Hüfte, Rumpfexten soren sowie Drehbewegungen trainiert werden. Andere Posten dienen der Stärkung von Schwach stellen wie den Knöcheln oder der Aktivierung
von wenig oder gar nicht beanspruchten Mus keln. Kilian, ein robuster, dunkelhaariger Typ mit breitem Lachen ist überzeugt, dass ihm die Kurse im Wald zugutekommen: «Zuvor verlor ich zuweilen das Gleichgewicht, wenn ich mit der Motorsäge auf einem Baumstamm stand; das hat sich nun gebessert. Auch halte ich länger durch und schone mich vermehrt. Wenn ich zum Beispiel weiss, dass wir am nächsten Tag Holz schlagen, gehe ich früher schlafen.» Die Spiele, bei denen es an diesem Morgen darum geht, sich einen grossen rosaroten Ball weiter zugeben, sollen den Teamgeist fördern sowie die Teilnehmer lehren, zusammenzuarbeiten, zu interagieren, zu beobachten und Initiativen zu ergreifen, ergänzt der Sportlehrer. Eine breite Palette an Massnahmen Am Anfang dieser Kurse und weiterer Massnah men im Kanton Wallis stand eine Erhebung, die im Rahmen des kantonalen Gesamtarbeitsver trags (GAV) im Jahr 2010 erfolgt ist. Ziel war es, die Gesundheit der Forstwartinnen und Forstwarte zu verbessern. Das Ergebnis der Erhebung war extrem beunruhigend: Die Hälfte der Mitar beitenden war unter 26 Jahre alt, denn viele Forstwartinnen und -warte steigen – vermut lich aufgrund der harten Anforderungen ihres Berufes – schon nach wenigen Jahren aus. «Es musste etwas unternommen werden, damit die Leute bleiben und in ihrem Beruf weiterkommen können, und zwar in bestmöglicher Verfassung und mit einem Höchstmass an Sicherheit, sowohl
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Im Wallis absolvieren alle Forstleute einen sportmedizinischen Check an der Reha-Klinik in Sitten (links und Mitte) und lernen in Kursen, wie man sich vor Arbeitsbeginn aufwärmt. Bilder: Forêt Valais; Andrea Campiche; Gerda Jimmy (rechts)
bei der Arbeit wie bei den Verträgen», erklärt Christina Giesch, Direktorin des Walliser Wald wirtschaftsverbandes und diplomierte Forstinge nieurin ETH. Im Wallis bekommen die Forstwarte und Forstwartinnen wegen der winterlichen Unzugänglichkeit der Wälder häufig nur saisonal begrenzte Anstellungen. Zusätzlich zu den seit 2011 an der Berufsschule erteilten Kursen «Sport Prävention Gesundheit» für Lernende hat der Verband in die überbetriebli chen Kurse Aufwärmübungen integriert und Wei terbildungskurse für Forstpersonal sowie sport medizinische Checks organisiert. Die freiwillige Untersuchung ist für alle Mitarbeitenden – ob Lernende oder bereits Diplomierte – zugänglich und wird je hälftig durch das Unternehmen und den GAV bezahlt. C hristina Giesch betont, dieser Beruf sei vergleichbar mit den Aktivitäten eines Spitzensportlers und erfordere entsprechende Gesundheits- und Präventionsmassnahmen. Der sportmedizinische Check wurde 2013 eingeführt, für eine Dauer von 5 Jahren. Bis heute erfolgten 140 Untersuchungen – das heisst bei rund der Hälfte des Forstpersonals. Dank regelmässiger Erhebungen lassen sich die Probleme besser erfassen, und die Kurse können je nach Bedarf oder Mängeln angepasst werden.
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«So haben sich bei diesem Beruf beispielsweise ein Vitamin-D-Mangel, Verspannungen aufgrund einer gewissen Schwäche von Gegenmuskeln sowie eine leichte Tendenz zu Übergewicht aufgrund schlechter Ernährungsgewohnheiten abgezeichnet», erläutert Christina Giesch. Aufwärmübungen im Wald Zu Beginn des Nachmittags befinden wir uns im Wald der Walliser Gemeinde Val d’Illiez, in der Nähe der Eisenbahnbrücke. Die Schienen sollen ausgewechselt werden, und es gilt, den Gleis bereich freizumachen. Ein Lehrling ist gerade dabei, eine rund 15 Meter hohe Tanne zu fällen. Ob die Forstwarte heute Morgen vor der Arbeit ihre Übungen absolviert haben? Cédric Gillabert, Lehrlingsverantwortlicher im Forstrevier Dents du Midi, erklärt: «Seit zwei Jahren praktizieren wir das Aufwärmen vor Arbeitsbeginn, und es beginnt zu greifen. Letztlich wird es zur Gewohn heit, genauso wie das Helmtragen.» Also nicht erst handeln, wenn es wehtut oder wenn man verletzt ist, rät er. Deshalb zeigt er den Lernenden so oft wie möglich, mit welchen Bewegungen sie ihre Muskeln stärken oder sich stabilisieren können, oder welche Übungen ihnen helfen, den Rücken zu lockern und sich nach einer Anstrengung zu
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Der Kurs «Sport Prävention Gesundheit» an der Berufsschule in Martigny (VS) ist auf spezifische berufliche Anforderungen ausgerichtet. Im Bild: Forstwartlernende beim Ballspiel.
entspannen. «Die Wissensvermittlung liegt nun in der Verantwortung der Berufsbildnerinnen und Berufsbildner», fügt er hinzu. «Am besten erfolgt dies auf spielerische Weise, denn dies fördert auch den Teamzusammenhalt.» Christina Giesch ergänzt: «Die Thematik wurde von allen 35 Walliser Forstrevieren aufgenommen, aber bei den Unternehmen sind noch Anstrengungen nötig. Es braucht Zeit, doch es gibt Fortschritte.» Kilian und sämtliche Forstwart-Lernenden im Wallis haben nun alles, was sie brauchen, um ihre Gesundheit zu schützen. Nebst den nötigen Praxiskursen stehen ihnen auch die Checkkarten «Fit im Forst» zur Verfügung, die von der Fach stelle Codoc (Koordination und Dokumentation Bildung Wald) im Auftrag des BAFU erarbeitet wurden. Darin finden sie unter anderem Übun gen zum Aufwärmen, zu statischem und dynami schem Dehnen oder zur Entspannung, aber auch nützliche Informationen zur Ernährung sowie zu Schutz- und Arbeitskleidung. Kilian begrüsst die se Initiativen: «Wer sich im Wald vor der Arbeit aufwärmt, hat es den ganzen Tag über leichter. Nach und nach wird einem bewusst, wie wichtig es ist, in Form zu sein, und was es alles braucht, um durchzuhalten.» Zudem sollten auch andere Sportarten betrieben und Übungen zu Hause
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Bild: Cornélia Mühlberger de Preux
durchgeführt werden. Christina G iesch betont zum Schluss, die Arbeit im Wald sei langfristig ausgelegt und es sei deshalb wichtig, auch hin sichtlich der Arbeitsbedingungen eine nachhal
«Nach und nach wird einem bewusst, wie wichtig es ist, in Form zu sein, und was es alles braucht, um durchzuhalten.»
Kilian, Forstwartlernender
tige Philosophie zu verfolgen. Sie freut sich, dass der GAV im Wallis auch das Wohlergehen des Personals umfasst, nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht, sondern auch im Hinblick auf gesellschaft liche und gesundheitliche Aspekte. Weiterführende Links zum Artikel: www.bafu.admin.ch/magazin2016-4-05 KONTAKT Gerda Jimmy Sektion Waldleistungen und Waldpflege BAFU +41 58 463 38 12 gerda.jimmy@bafu.admin.ch
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«Das Pilotprojekt bündelt die bisherigen Erfahrungen» Gerda Jimmy von der Abteilung Wald des BAFU ist zuständig für die Dossiers Waldbildung, Arbeitssicherheit und Wissenstransfer. umwelt wollte von ihr wissen, was das Bundesamt unternimmt, um die Gesundheit der Forstwarte und Forstwartinnen zu schützen. Interview: Cornélia Mühlberger de Preux
umwelt: Welches sind die Prioritäten der Bildungsstrategie Wald Schweiz? Gerda Jimmy: Die Gesundheit fördern, über prüfen, ob sich die Bildungsinhalte mit den praktischen Bedürfnissen des Berufsstandes decken, den Nachwuchs sicherstellen und die Waldbranche vernetzen – dies sind die vier übergeordneten Ziele der Bildungsstrategie Wald des BAFU sowie weiterer in diesem Bereich tätiger Akteure. Bei den laufenden Initiativen beabsichtigen wir unter anderem, Informationen über Schadorganismen zuhan den der Grünen Berufe zu erarbeiten oder unterstützen auch ein Projekt von Silviva, bei dem sich Forstleute und Lehrpersonen begegnen können.
ein individuelles Trainingsprogramm zusam menstellen können. Ziel ist, letztlich über ein Kernprogramm zu verfügen, über ein System, das sich in allen Kantonen anwenden lässt. Für 2017 ist vorgesehen, diese Massnahmen in zwei neuen Pilotregionen einzuführen.
«Es ist wichtig, dass die Partner auf allen Ebenen vom Projekt überzeugt sind.» Gerda Jimmy, BAFU
Was steuert das BAFU zur Gesundheitsförderung von Forstwartinnen und Forstwarten bei?
Die Strategie strebt die Förderung der Fitness, des Körperbewusstseins und einer körperscho nenden Arbeitsweise sowie die Reduktion von Berufskrankheiten und Unfällen an. Im Herbst 2016 startete in der Region St. Gallen – Appenzell Ausserrhoden ein Pilotprojekt. Wir liesen uns dabei vom Walliser Modell inspirieren (siehe Seiten 27–30) und von Erfahrungen, die in den Kantonen Waadt und Zürich gemacht wurden, sowie von bei der Feuerwehr oder der Polizei durchgeführ ten Projekten. Wir wollen nicht das Rad neu erfinden, sondern bisher gemachte Erfahrun gen bündeln. In der Ostschweiz werden rund 50 Lernende im Verlaufe ihres Lehrgangs von Aufwärm- und Entspannungslektionen im Wald sowie von Sportkursen profitieren. Ausserdem werden sie anhand von Tests ihre Stärken und Schwächen eruieren und sich
Was liegt Ihnen bei diesem Projekt ganz beson ders am Herzen?
Wir arbeiten eng mit anderen Akteuren aus der Waldbranche und den Bereichen Bildung, Sport und Gesundheit zusammen. Es ist wich tig, dass die Partner auf allen Ebenen vom Projekt überzeugt sind. Die Ausbildungsper sonen müssen die Jugendlichen auch abholen können. Ein Hinweis etwa, dass Usain Bolt sich zwei Stunden lang aufwärmt, um danach wenige Sekunden zu rennen, ist eine Art von Botschaft, die ankommt. Überdies möchten wir den Ernährungsaspekt ausbauen, und es wird auch darüber diskutiert, das Thema Tabak in das Programm aufzunehmen, denn das Rauchen ist der Ausdauer nicht gerade förderlich.
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MITARBEITENDE IM WEITERBILDUNGSKURS
Eine Investition, die sich lohnt Firmen können ihre Nachhaltigkeitsstrategie nur dann vollständig umsetzen, wenn auch das Personal entsprechend geschult wird. Der Detailhändler Coop und die Metallbaufirma Ernst Schweizer AG stellen über interne und externe Bildungsangebote sicher, dass ihre Mitarbeitenden die nötigen Umwelt kompetenzen erwerben und im Betrieb erfolgreich einsetzen. Text: Gregor Klaus
Der Reporter steht vor der Fischabteilung in einem Coop-Laden bei Basel: Vor ihm liegt ein Teil des Meeres auf Eis ausgebreitet, frisch und verlockend. Doch der Reporter möchte nicht zur Überfischung der Meere beitragen. «Es sollte Fisch aus nachhaltiger Fischerei sein», sagt er zum Herrn hinter der Theke. «Die mit dem Label MSC sind gut», erklärt der Verkäufer und zeigt auf die Schildchen mit dem blauen Fischsymbol des Marine Steward Ship Council. «Das Label garantiert, dass die Fischbestände in gutem Zustand sind. Noch besser sind Bio-Fische aus Zuchten.» Der Reporter entscheidet sich schliesslich für die Bio-Forelle aus einem Westschweizer Zuchtbetrieb. Annina Böhlen von der Nachhaltigkeitsabteilung bei Coop hatte ihn vorgewarnt: «Bei uns ist Nachhaltigkeit Programm. Ökologische, ökonomische und soziale Z iele sind keine Gegensätze, sondern gleichberechtigt in unserem Leitbild festgeschrieben.» Der Schutz und die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen wurden bereits 1973 in den Coop-Statuten verankert. Auch in der Ausbildung hat das Thema Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt. Seit 2012 wird es beim BioPionier Coop systematisch in allen internen Bildungs angeboten verankert.
Lurvink, Verantwortlicher für die Ausbildung der Lernenden und Mitarbeitenden von Coop. «Punkten können wir mit unseren 1998 Verkaufsstellen im De tailhandel und mit unserer nachhaltigen Wirtschafts weise.» Daraufhin wurde unter anderem das Ausbildungs konzept «Nachhaltigkeit 2012+» entwickelt. Ein Team aus mehreren Personen stellt sicher, dass die wich tigsten Aspekte der Nachhaltigkeit in allen internen Bildungsangeboten – für Lernende wie für Manager – verankert sind. «Dabei unterscheiden wir zwischen Basis-, Vertiefungs- und Spezialausbildung und verbes sern regelmässig die Qualität der Bildungsprogramme», erklärt Annina Böhlen.
Nachhaltigkeit ist kein Beigemüse Jedes Jahr nehmen bei der Coop-Gruppe über 1000 Jugendliche in 31 Berufen ihre Lehre in Angriff. Coop ist damit der zweitgrösste Lehrstellenanbieter der Schweiz. Zudem werden über 230 interne Weiter bildungskurse für die Mitarbeitenden an 17 eigenen Ausbildungsstandorten angeboten. 2014 besuchten Angestellte an insgesamt über 100 000 Tagen Aus- und Weiterbildungen, bei den Kadermitarbeitenden waren es rund 21 000 Tage. Ein gewaltiges Potenzial, um das Ökologie als Kernkompetenz Thema Nachhaltigkeit gezielt zu vermitteln. Weil bei Auslöser dafür war eine Mitarbeiterbefragung: Sie Coop die Kursteilnehmenden in den praktischen und brachte zutage, dass die Angestellten sich zwar mit theoretischen Prüfungen auch Fragen zur Nachhaltig dem Engagement von Coop für eine gesunde Umwelt keit beantworten müssen, ist das Thema keineswegs identifizieren; ein Drittel der Mitarbeitenden konnte nur Beigemüse. aber mit dem Begriff «Nachhaltigkeit» nichts anfangen. Lernende kommen bei Coop früh und regelmässig Das gab der Geschäftsleitung zu denken. Hinzu kamen mit dem Thema in Berührung. «Für die Lernenden im die Finanzkrise, neue Discounter und der zunehmende ersten Lehrjahr organisieren wir jährlich einen EventEinkaufstourismus. «Coop musste sich noch stärker auf Tag in den verschiedenen Coop-Regionen», sagt Benni seine Kernkompetenz konzentrieren», erklärt Benni Lurvink. Bei einem Besuch auf einem Bio-Bauernhof
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DOSSIER UMWELTKOMPETENZ IM BERUF < umwelt 4/2016
Mit regelmässigen Workshops und Tagungen will der Detailhändler Coop sicherstellen, dass seine Nachhaltigkeitsstrategie von den Mitarbeitenden verstanden und korrekt umgesetzt wird.
Bilder: Coop Tagungszentrum
oder im Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick (AG) wird nicht nur die Philosophie von Coop vermittelt, sondern werden auch die Öko-Labels vorgestellt. Quer durch alle Berufe und Stufen Das Thema Nachhaltigkeit spielt in allen Berufen, für welche Coop eine Lehre anbietet, eine wichtige Rolle. Der Ausbildung des Verkaufspersonals wird besonderes Gewicht beigemessen. So lernen beispielsweise Mitar beitende hinter der Fleischtheke, ihre Kundschaft in Bezug auf nachhaltig produziertes Fleisch zu infor mieren, und sie dürfen keinesfalls die unterschiedlich produzierten Fleischqualitäten mischen. Im Bereich der Unterhaltungselektronik der zur Coop Genossenschaft gehörenden Ketten Interdiscount und Fust ist das Wis sen bezüglich des Energieverbrauchs einzelner Geräte gefragt. Wichtig ist auch die Schulung der Wareneinkäu fer. «Bei einem Kauf von ‹unsauberer› Ware riskieren wir eine Rufschädigung», sagt Benni Lurvink. «Wenn wir hier an Glaubwürdigkeit verlieren, trifft das unsere
Lebensader. Deshalb werden diese Personen vertieft und regelmässig zum Thema Nachhaltigkeit weitergebildet.» Alle drei Jahre organisiert Coop für Mitarbeitende in Schlüsselstellungen einen grossen nationalen Nach haltigkeitstag. Im Zentrum der Aktivitäten stehen die Coop-Marken Naturaplan, Naturafarm, Naturaline und Oecoplan. Die Mitarbeitenden lernen auf spielerische und kreative Weise die verschiedenen Labels kennen. Bei Coop wird die Ausbildung laufend evaluiert: Wo besteht Handlungsbedarf? Gibt es neues Wissen, das integriert werden muss? Annina Böhlen hofft jedenfalls, dass bei der nächsten Mitarbeiterumfrage 2017 alle Teilnehmenden mit dem Begriff Nachhaltigkeit etwas anfangen können. Ernst Schweizer AG setzt neue Massstäbe Nachhaltigkeit als Unternehmenskultur hat sich auch die Ernst Schweizer AG auf ihre Fahne geschrieben. Das mittelständische Familienunternehmen mit Sitz in Hedingen (ZH) und rund 550 Mitarbeitenden ist speziali siert auf energieeffiziente Produkte für die Gebäudehül
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Eine Auswahl der vom BAFU unterstützten Weiterbildungsangebote Die sanu future learning ag bietet zahlreiche Bildungsund Beratungsdienstleistungen im Bereich Nachhaltige Entwicklung für Unternehmen, Verwaltung, Politik und Verbände an. Im berufsbegleitenden Lehrgang «Projektmanagement Natur und Umwelt» lernen Berufstätige die Umweltgesetzgebung kennen und verfügen nach der Weiterbildung über technische und methodische Kompetenzen, um in einer Organisation oder bei der öffentlichen Hand den Umgang mit um weltrelevanten Themen zu optimieren (eidgenössischer Fähigkeitsausweis und Zertifikat der International Project Management Association IPMA). www.sanu.ch Die Stiftung Praktischer Umweltschutz Schweiz (Pusch) bietet vor allem Tageskurse zu den Themen Biodiversität, Energie, Abfall, nachhaltige Beschaffung und Bau an, hat aber auch Weiterbildungskurse für Gemeindeange stellte im Angebot, beispielsweise den neuen Lehrgang «Gewässerwart». Dabei wird Wissen zu Hochwasser schutz, Ökologie und effizientem Unterhalt vermittelt. Der Kurs richtet sich vor allem an Werkhofangestellte, Werkhofleitende sowie an Bauamts- oder Naturschutz amtsvorstehende. www.pusch.ch Silviva ist das Kompetenzzentrum für Lernen mit der Natur. Mit dem Zertifikat «Forstliche Waldpädagogik» verfügen die Teilnehmenden über die didaktischen und methodischen Fähigkeiten sowie das Praxiswissen, um Wald- und Forstthemen erlebnisorientiert und vielfältig zu vermitteln. Im CAS-Lehrgang (Certificate of Advanced Studies) «Naturbezogene Umweltbildung» lernen die Teilnehmenden, wie sie mit unterschiedli chen Gruppen in diversen Lebensräumen lernfördernd arbeiten können. Wie sich Umweltthemen und As pekte der nachhaltigen Entwicklung handlungs- und wirkungsorientiert vermitteln lassen, zeigt der Kurs «Umwelterwachsenenbildner/in» mit SVEB-Zertifikat auf. www.silviva.ch Der CAS-Lehrgang «Akustik» der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) vermittelt mit den Hauptthemen Bauakustik, Lärmbekämpfung und Raumakustik die wissenschaftlichen Grundlagen zum Verständnis der Schallwirkung an Bauteilen und innerhalb von Räu men. Er ist eine berufsbegleitende Weiterbildung auf Hochschulstufe und bietet eine reiche Auswahl an praxisorientierten Lösungen zur Lärmbekämpfung. www.fhnw.ch
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Die Kommission Hochwasserschutz, Wasserbau und Gewässerpflege des Schweizerischen Wasserwirtschaftsverbandes (SWV) organisiert wasserbauliche Weiterbildungskurse. Die derzeitige Kursserie beschäftigt sich mit der Revitali sierung von kleinen und mittleren Gewässern sowie mit der Erarbeitung von adäquaten Unterhalts- und Pflegeplänen. www.swv.ch Im Zertifikatskurs «Gebäudeschutz gegen Naturgefahren» der Berner Fachhochschule (BFH) lernen die Teilnehmenden, die Gefahren durch Naturereignisse wie Hochwasser, Murgänge, Rutschungen, Hangmuren, Steinschlag, La winen, Wind und Hagel für Gebäude und Infrastruktur anlagen einzuschätzen, die Einwirkungen auf bauliche Objekte zu ermitteln und geeignete Schutzmassnah men zu planen. Der von der Hochschule Luzern (HSLU) angebotene CAS-Zertifikatskurs «Erdbebensicherheit» vermittelt fachliche und methodische Kompetenzen in erdbebensicherer Bautechnik. In den SIA-Normen wird der Bauingenieur / die Bauingenieurin dazu ver pflichtet, diesen Aspekt bei der Planung einzubeziehen. www.ahb.bfh.ch / www.hslu.ch Die Universität Bern, die Universität Neuenburg und die Zürcher Hochschule (ZHAW) bieten diverse Weiterbildungs kurse in der Altlastenbearbeitung an. Die verschiedenen Angebote umfassen die wissenschaftlichen, technischen und gesetzlichen Aspekte der Altlastenbearbeitung. Werden alle Kurse besucht und sind die Prüfungen bestanden, erhält man das CAS in Altlastenbearbeitung. Kontakt: nathalie.challandes@unine.ch, +41 32 718 26 30
KONTAKT Mirjam Tubajiki Sektion Umweltbildung BAFU 058 468 77 85 mirjam.tubajiki@bafu.admin.ch
DOSSIER UMWELTKOMPETENZ IM BERUF < umwelt 4/2016
le sowie auf Systeme zur Nutzung der Sonnenenergie. Bei der nachhaltigen Unternehmensführung gilt die Ernst Schweizer AG als Pionierin. «Nachhaltigkeit ist auf allen Stufen des Unternehmens fest verankert», sagt Martina Marchesi, Leiterin der Fachstelle Nachhal tigkeit. «Das gilt auch für die Aus- und Weiterbildung, die einen hohen Stellenwert in Bezug auf das Erreichen der Unternehmensziele hat.» Die Ernst Schweizer AG bildet derzeit rund 50 jun ge Leute in 10 Berufen aus. In alle Lehrgänge sind Umweltthemen integriert, um entsprechende Kom petenzen zu fördern. Zu Beginn ihrer Lehre besuchen die Jugendlichen wie auch alle neu eingestellten Mitarbeitenden einen dreitägigen Einführungskurs, der ihnen Informationen zum Unternehmen und zur nachhaltigen Unternehmensführung vermittelt. Ein Lerntheater zum Thema Klimaschutz Neben weiteren Bildungsmodulen für neue Führungs kräfte und für Mitarbeitende im Verkauf gibt es alle zwei Jahre eine Umweltwoche. Im Januar 2016 stand ein Lerntheater zum Klimaschutz und zur nachhaltigen Ressourcennutzung im Zentrum der Aktivitäten. «Die Wissensvermittlung als interaktives Bühnenprogramm war ein voller Erfolg», erinnert sich Martina Marchesi. Für die Weiterbildung der Mitarbeitenden nimmt das mittelständische Unternehmen – im Gegensatz zum Grossunternehmen Coop – vor allem bestehende externe Angebote in Anspruch. So besuchen Mitar beiterinnen und Mitarbeiter beispielsweise Kurse der sanu future learning ag oder Tagungen des Schweizer Netzwerkes für nachhaltiges Wirtschaften öbu. The men wie Energie- und Ressourceneffizienz werden auch über die interne Unternehmenskommunikation gefördert: Aushänge und Rundmails informieren re gelmässig über Massnahmen zum Sparen von Strom und Heizenergie. Der französische Staatspräsident auf Besuch Die Vorbildfunktion der Ernst Schweizer AG ist auch dem Bund nicht verborgen geblieben. Im Frühjahr 2015 haben Frankreichs Präsident François Hollande und Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga das Fami lienunternehmen besucht. Im Fokus stand das duale Bildungssystem in der Schweiz. «Unser langjähriges Engagement im Bereich der nachhaltigen Unterneh mensführung hat wesentlich dazu beigetragen, dass wir berücksichtigt wurden», sagt Martina Marchesi. Mit Freude erinnert sie sich an den Kurzbesuch des französischen Staatspräsidenten, der interessiert den Ausführungen zweier Lernender zuhörte, die im Rah men eines Ausbildungslagers ein Projekt zum Thema Klimaschutz realisiert hatten.
Nach einer interaktiven Theatervorführung mit Szenen rund ums Energie- und CO2-Sparen diskutieren die Mitarbeitenden der Ernst Schweizer AG über mögliche Sparmassnahmen im Betrieb. Anschliessend markieren sie auf einem Flyer, der verschiedene Massnahmen aufführt, wozu sie sich verpflichten wollen. 190 Tonnen CO2-Einsparung kommen so zusammen.
Ernst Schweizer AG, Metallbau
Weiterführende Links zum Artikel: www.bafu.admin.ch/magazin2016-4-06
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umwelt4/2014 4/2016> DOSSIER KLIMA umwelt
BE Bieler Energiewende
SG Vogelfreundinnen
ZH/BS Sonnentreibstoff
Der Energie Service Biel (ESB) beliefert seine Kunden ab 2017 mit Strom, der zu 100 Prozent aus Schweizer Wasserkraftwerken und anderen Quellen erneuerbarer Energie stammt. Damit macht das selbstständige Gemeindeunternehmen einen weiteren Schritt hin zur ökologischen Energieversorgung der zehntgrössten Schweizer Stadt. Zuvor hatte der ESB den Anteil des Stroms aus Kernenergie bereits kontinuierlich verringert. Der verbleibende Rest wird jetzt durch Strom aus Schweizer Wasserkraft ersetzt. Gleichzeitig hat der ESB in ein neues Wasserkraftwerk in Hagneck und in den Bau von Solaranlagen investiert. 30 Prozent des für die Grundversorgung gelieferten Stroms kommen heute aus eigenen Kraftwerken in der Region. Mit einem geplanten Windpark im Berner Jura soll der Anteil noch erhöht werden.
Das Engagement von fünf Mädchen aus dem Sarganserland für selten gewordene Vogelarten findet Anerkennung. Die 10- bis 13-jährigen Schülerinnen haben mit Freundinnen und Birdlife Sarganserland drei Jahre lang die Bestände von Mehlschwalbe und Mauersegler im Bezirk Sargans erhoben. Dafür erhielten sie kürzlich den WWF-Umweltpreis «Der Grüne Zweig». Die Erkenntnis der jungen Hobby-Ornithologinnen: An manchen Orten gibt es Nisthilfen, aber keine Vögel, anderswo hingegen Vögel, doch keine Nisthilfen. Die Mädchen beschränkten sich nicht aufs Beobachten und Zählen. Sie setzten sich bei Hausbesitzern, Behörden und Schulen für geeignete Standorte der beiden Vogelarten ein und bauten mit einer Jugendgruppe Mauerseglerkästen.
Chemiker-Teams der Universitäten Zürich und Basel ist es erstmals gelungen, einen entscheidenden Vorgang der natürlichen Fotosynthese in künstlichen Molekülen nachzuvollziehen. Es handelt sich dabei um die Speicherung von elektrischer Energie, die grüne Pflanzen im sogenannten Reaktionszentrum bewältigen. Neu ist, dass die Forschenden den Vorgang in künstlichen molekularen Ladungsakkumulatoren ohne energiereiche Hilfsreagenzien durchführten – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur künstlichen Fotosynthese, die als vielversprechendes Element einer nachhaltigen Energieversorgung gilt. Das Ziel der beiden Forschungsgruppen ist die Umwandlung der Ladungsakkumulation in einen chemischen Treibstoff.
Martin Kamber, Leiter Marketing & Vertrieb ESB,
Katharina Fries, Projektleiterin WWF AR/AI, SG, TG,
Prof. Dr. Peter Hamm, Departement Chemie, Universität
+41 32 321 12 11, martin.kamber@esb.ch,
+41 71 221 72 30, katharina.fries@wwfost.ch,
Zürich, +41 44 635 44 31,
www.esb.ch
www.der-gruene-zweig.ch
peter.hamm@chem.uzh.ch, www.lightchec.uzh.ch
Vor Ort ZH/TI
SG
BS
Wie geht Umwelterziehung?
Geld für Kistenvelos
Bienengarten bauen
Wissenschaftler der ETH Zürich und der Fachhochschule Südschweiz (SUPSI) wollen im Rahmen eines Forschungsprojekts mit rund 800 Freiwilligen «Potenziale und Hindernisse für Verhaltensänderungen im Mobilitätsbereich identifizieren». Mithilfe der App «Go Eco!» sollen Autofahrer motiviert werden, vermehrt auf den öffentlichen Verkehr und das Velo umzusteigen. Sie zeichnet die Fortbewegung rund um die Uhr per GPS auf. Täglich erhalten die Nutzenden ein Protokoll, das Auskunft darüber gibt, wie viel Treibhausgase sie durch ihr Mobilitätsverhalten verbraucht haben. Zudem bekommen sie Tipps zur Verbesserung ihrer täglichen CO2-Bilanz durch eine optimierte Wahl der Route und der Verkehrsmittel. Der Spieltrieb soll angeregt werden, indem sich die Nutzenden eigene Reduktionsziele setzen und sich mit Bekannten und Freunden messen.
Der Kanton Basel-Stadt fördert die emissionsfreie Mobilität und in diesem Kontext auch den Einsatz von Kistenvelos, bei denen sich vor dem Lenker eine langgezogene Ladefläche befindet. Baslerinnen und Basler konnten für den Kauf eines sogenannten Cargo Bike einen Unterstützungsbeitrag beantragen (max. 30% des Kaufpreises resp. max. 1000 Franken pro Haushalt). Dafür standen im Rahmen der Förderaktion des Amts für Umwelt und Energie ab April 2016 insgesamt 90 000 Franken zur Verfügung, von denen rund 100 Gesuchstellende profitierten. Aufgrund der grossen Nachfrage wurde die Fördersumme im Sommer 2016 einmalig um weitere 30 000 Franken erhöht.
Als die Mutter eines Schülers ein 700 Quadratmeter grosses Grundstück zur Verfügung stellte, begann die Arbeit: Eine Förderklasse aus Eschenbach (2.- bis 6.-Klässler) baute darauf zwei Trockenmauern und eine Terrasse, welche das Gelände abflacht. Hinzu kamen Sonnenblumen, Kräuter, eine Blumenwiese, ein Teich und drei Bienenvölker. «Unser Ziel war es, den Bienenbestand zu schützen und die Artenvielfalt zu fördern», sagt Lehrerin Andrea Zweifel. Heute leben auf dem Grundstück Bienen, Insekten, Eidechsen und sogar eine Blindschleiche. Das Resultat überzeugte auch die Jury des diesjährigen WWF-Umweltpreises für Kinder und Jugendliche «Der grüne Zweig»: Für den 4. Platz gab es 800 Franken. Mit dem Geld wollen Schülerschaft und Lehrerin unter anderem Pflanzen kaufen, die «speziell viel Nahrung für die Bienen liefern», so Andrea Zweifel.
+41 44 633 28 52, info@goeco-project.ch, http://goeco-project.ch
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Amt für Umwelt und Energie, +41 61 639 22 22, matthias.nabholz@bs.ch
andrea.zweifel@esgo.ch
umwelt 4/2016
GL GR «Sexy» Strom Der Verein Eros Electric will den Strom «zum Erlebnis machen». Er zählt bereits über 700 Mitglieder. Es sind vor allem Lenkerinnen und Lenker von Elektroautos, die ihre Fahrzeuge mit sauberer Energie antreiben und gleichzeitig die heimische Stromproduktion unterstützen wollen. Eros Electric (energy, renewable, original, sensible) hat über eine 5-Prozent-Unterbeteiligung einen Anteil am Wasserkraftwerk Frisal bei Brigels erstanden. Die Vereinsmitglieder übernehmen eine Patenschaft und erhalten im Gegenzug eine Anzahl Kilowattstunden garantiert. Für einen Jahresbeitrag von zum Beispiel 295 Franken gibt es 10 000 Kilowattstunden Strom – oder 50 000 Fahrkilometer mit dem Elektroauto. info@eros-electric.com, www.eros-electric.com
CH
Ökomobil aus Flachs
Soja mit Verantwortung
Zwei junge Glarner haben im Rahmen einer Projektarbeit an der Berufsfachschule Ziegelbrücke ein Elektro-Muskelkraft–Hybridfahrzeug entwickelt. Vergleichbar ist es mit einem Elektrovelo. Es wird ebenfalls mit der eigenen Muskelkraft angetrieben, ein Elektromotor kann zugeschaltet werden. Allerdings machen Dach und Türen das Fahrzeug sicherer und komfortabler: «Man wird nicht nass und es ist warm», sagt der 24-jährige Tobias Moser, der das Modell zusammen mit dem 20-jährigen Basil Fischli konzipiert hat. Ökologische Trümpfe spielt das Gefährt bei den verwendeten Materialien aus: Der Sitz ist aus Holz, die Karosserie aus Flachs. Beim Wettbewerb «Schweizer Jugend forscht» wurde das Ökomobil mit «sehr gut» bewertet. Nun suchen die beiden Erfinder Sponsoren, um erste Modelle bauen und auf den Markt bringen zu können.
Das Soja-Netzwerk Schweiz hat nach nur vier Jahren eines seiner zentralen Ziele bereits übertroffen. Von 2011 bis 2015 hoben die Mitglieder den Anteil des verantwortungsbewusst produzierten Futtersojas an ihrem Gesamtimport von 40 auf 94 Prozent an – 90 Prozent waren als Ziel ursprünglich festgelegt worden. Seit Kurzem sind die 19 Mitglieder des Netzwerks in einem Verein zusammengeschlossen. Unter ihnen befinden sich Sojabeschaffer, Produzentenverbände, Label- und Umweltorganisationen, Hersteller und Detailhändler. Mit ihrem Engagement wollen sie einen Beitrag zur ökologisch und sozial nachhaltigen Produktion von Soja leisten. Die zunehmende Sojaproduktion hatte in den letzten Jahrzehnten vor allem in Südamerika negative Auswirkungen auf die Umwelt.
Tobias Moser, +41 79 915 75 96
www.sojanetzwerk.ch
GE
SO
Stefan Kausch, Soja-Netzwerk Schweiz, +41 61 261 40 81, info@sojanetzwerk.ch,
BE
Busse mit Batterien
Einkaufen, ganz leicht
Arten fördern
Im Kanton Genf sind zwischen dem Flughafen Cointrin und Carouge bald neuartige Elektrobusse in Betrieb, die ohne Oberleitungen auskommen. Dank eines Schnellladesystems des Industriekonzerns ABB können die Bordbatterien der Busse an den Haltestellen an sogenannten Flash-Ladestationen in nur 15 Sekunden aufgeladen werden. In den Depots lassen sich die Akkus dann innerhalb weniger Minuten komplett nachladen. Die neuen Busse sollen bis 2018 die heutigen dieselbetriebenen auf der Linie 23 ablösen, bis 2025 wollen die Genfer Verkehrsbetriebe die Flotte von Dieselbussen komplett austauschen. Bereits mit den ersten 12 vollelektrischen Fahrzeugen werden gemäss ABB jährlich bis zu 1000 Tonnen Kohlendioxid eingespart.
Der neue Velo-Hauslieferdienst Collectors bringt Einkäufe aus den teilnehmenden Solothurner und Zuchwiler Geschäften gegen ein kleines Entgelt zur Kundschaft nach Hause. Die vom Verein Collective getragene Dienstleistung geht auf die Initiative der Energiestädte Solothurn und Zuchwil zurück. Sie bietet Sozialhilfeempfängerinnen und -empfängern eine Beschäftigung und Perspektiven im Hinblick auf eine Rückkehr in den ersten Arbeitsmarkt. Dank der Verwendung von CargoBikes profitiert auch die Umwelt. Wer Collectors in Anspruch nehmen will, kann Einzelvignetten oder ein Abonnement kaufen. Mit einem zusätzlichen Abo holt der Velolieferdienst auch Recyclingstoffe von zu Hause ab. Das Liefergebiet umfasst Solothurn, Zuchwil und die anliegenden Gemeinden.
ABB, +41 43 317 65 68, media.relations@ch.abb.com
Philipp Keel, Geschäftsführer Collectors,
Erstmals in der Schweiz wurde für ein grösseres Gebiet erhoben, welche Massnahmen zur integralen Erhaltung der gefährdeten Arten und Lebensräume nötig sind. Der Managementplan für das Smaragdgebiet Oberaargau erläutert die Massnahmen in Bezug auf 44 national prioritäre Tier- und Pflanzenarten sowie 24 national prioritäre Lebensräume. Die Umsetzung in den nächsten 20 Jahren erfordert Investitionen von 11 Millionen und jährliche Unterhaltskosten von 1 Million Franken. Mit dem Managementplan haben der Trägerverein, der Bund und der Kanton ein Instrument geschaffen, wie es für die Smaragdgebiete – das Schutzgebietsnetz gemäss Berner Konvention – in der EU Standard ist. Inwiefern sich das Beispiel im Oberaargau auf andere Schweizer Smaragdgebiete übertragen lässt, wird die Zukunft zeigen.
+41 32 623 09 84, philipp.keel@collectors-so.ch,
Christian Hedinger, Projektleiter, +41 31 310 83 89,
www.collectors-so.ch
hedinger@unabern.ch, www.smaragdoberaargau.ch
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umwelt 4/2016
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Bodenschutz mit Global Soil Partnership
Montrealer Protokoll: Durchbruch in Kigali
Der Boden ist Grundlage für den grössten Teil der Nah rungsmittel, gleichzeitig Lebensraum für Menschen und Tiere. Zudem ist er wichtig für die Klima- und Wasser regulierung sowie für die Erhaltung der biologischen Vielfalt. Weil er so begehrt ist, gerät er immer mehr unter Druck. Weltweit ist ein Viertel aller Böden verarmt. In der Schweiz wird jede Sekunde ein Quadratmeter Boden verbaut. Lange gab es auf internationaler Ebene kein Instrument zu dessen Schutz. Deshalb wurde 2012 unter der Schirm herrschaft der Ernährungs- und Landwirtschaftsorgani sation der Vereinten Nationen (FAO) die Initiative Global Soil Partnership (GSP) ins Leben gerufen. Ihr wichtigstes Ziel: eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung. Dazu will sie den internationalen Austausch von wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie die Standardisierung bewährter Techniken fördern. Zudem soll das öffentliche Bewusstsein geschärft werden. Die GSP formulierte zu diesem Zweck eine Weltbodencharta (WSC) und erfasste den Status der Weltbodenressourcen (SWSR 2015). Auf dieser Basis wur den die freiwilligen Leitlinien für ein nachhaltiges Boden management (VGSSM) erarbeitet. Diesen stimmte die GSPVollversammlung und im vergangenen September auch die Landwirtschaftskommission der FAO zu. Im Dezember 2016 entscheidet die FAO-Vollversammlung darüber. Die Schweiz leitet derzeit die europäische Gruppe der GSP und hat wesentlich zur Erarbeitung der Leitlinien beigetragen. Nach der Anpassung an regionale Gegebenheiten sollen sie schliesslich umgesetzt werden.
Nachdem der Abbau der Ozonschicht zu Beginn der 1970er-Jahre entdeckt worden war, wurde unter der Schirmherrschaft des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) 1987 das Montrealer Protokoll beschlossen. Dessen Ziel ist die Erhaltung der Ozonschicht durch die Eliminierung des Ausstosses von Ozonschicht abbauenden Stoffen. Es beinhaltet einen multilateralen Fonds, mit dem Entwicklungsländer bei der Umsetzung technisch und finanziell unterstützt werden. Bis Ende 2015 konnten Produktion und Verbrauch der ozonschichtabbauenden Stoffe um mehr als 95 Prozent gesenkt werden. Nach acht Jahren schwieriger Verhandlungen haben sich die Vertragsparteien im Oktober 2016 auf den Umgang mit wasserstoffhaltigen Fluorkohlenwasserstoffen (H-FKW) geeinigt. Diese werden als ozonschichtschonende Alterna tiven vorab in Kälte- und Klimaanlagen verwendet, sind aber gleichzeitig klimaschädliche Treibhausgase. Die Aussicht auf einen raschen Produktions- und Verbrauchsanstieg von H-FKW vor allem in den Entwicklungsländern sowie die Ausarbeitung neuer Alternativen haben zur Vereinbarung in Kigali (Ruanda) geführt. Dort beschloss die Staatengemein schaft, Produktion und Verbrauch von H-FKW schrittweise um 85 Prozent zu reduzieren – bis 2036 in Industrie- und bis 2047 in Entwicklungsländern. Davon erhofft sie sich eine Verringerung der H-FKW-Emissionen in der Höhe von 60 Gigatonnen CO2-Äquivalent. Zudem wollen die Staaten den multilateralen Fonds weiter äufnen, damit die Ent wicklungsländer ihren neuen Aufgaben nachkommen können.
Elena Havlicek, Sektion Boden, BAFU, +41 58 465 14 97, elena.havlicek@bafu.admin.ch; www.fao.org/global-soil-partnership/en/
Blaise Horisberger, stv. Sektionschef Biozide und Pflanzenschutzmittel, BAFU, +41 58 462 90 24, blaise.horisberger@bafu.admin.ch
Wichtige Termine der internationalen Umweltpolitik
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28.–30. November 2016
4.–17. Dezember 2016
9. Treffen der Vertragsparteien der Übereinkommen über die grenzüber schreitenden Auswirkungen von Indus trieunfällen in Ljubljana (Slowenien)
13. Vertragsparteienkonferenz der Konvention über die biologische Vielfalt in Cancún (Mexiko)
25.–27. Januar 2017 Treffen des Ausschusses für Umweltpolitik im Rahmen der UNO-Wirtschaftskommission für Europa (UNECE) in Genf
LANDWIRTSCHAFT < umwelt 4/2016
DIE HERAUSFORDERUNGEN IN DER LANDWIRTSCHAFT
«Wir sollten nicht nur mit Geld steuern, sondern auch das Herz ansprechen» Nachdem das Magazin umwelt sein letztes Dossier dem Thema «Landwirtschaft und Ernährung» gewidmet hat, legen Markus Ritter, Nationalrat und Präsident des Schweizer Bauernverbandes, und Urs Brändli, Präsident von Bio Suisse, ihre Sicht der anstehenden Herausforderungen dar. In der Pflicht stehen nicht nur die Schweizer Bäuerinnen und Bauern, sondern alle mit der Landwirtschaft verbundenen Kreise und die Konsumentinnen und Konsumenten. Interview: Lucienne Rey; Bilder: Michael Würtenberg/Ex-Press/BAFU
umwelt: Herr Brändli, Herr Ritter – welches sind die wichtigsten Herausforderungen für die Schweizer Landwirtschaft im Umwelt bereich? Markus Ritter (MR): Für uns ist wichtig, dass wir zum Boden Sorge tragen. Jedes Jahr verbauen wir 2500 Hektaren bestes Kulturland. Wenn wir so weitermachen, ist in 250 Jahren das ganze Mittelland zwi schen Boden- und Genfersee zubetoniert. Ausserdem setze ich auf die Forschung: Wir brauchen gesunde und robuste Tiere, die wir lange nutzen können. Im Pflan zenbau geht es um ertragreichere Sorten, die unseren Bedingungen angepasst sind.
Urs Brändli (UB): Für die Biobauern ist der Schutz der landwirtschaftlichen Nutz fläche ebenfalls wichtig. Da wünsche ich mir auch mehr Unterstützung von der Politik. Doch abgesehen davon, dass es den Boden als solchen für die Landwirt schaft zu bewahren gilt, muss auch seine Fruchtbarkeit dauerhaft für die nächsten Generationen erhalten bleiben. Laut Agrarbericht 2014 ist dies in unserem Land nicht sichergestellt. Die Intensität der Landwirtschaft hat in gewissen Berei chen und Regionen eine Grenze erreicht. In einem Interview mit dem «St. Galler Bauern» haben Sie, Herr Ritter, die «inter essante Zukunft» unserer Landwirtschaft
hervorgehoben. Worauf gründet sich dieser Optimismus?
MR: Angesichts des weltweiten Bevöl kerungswachstums, des Klimawandels und der Knappheit von Süsswasser werden wir unter erschwerten Produk tionsbedingungen mehr Nahrungsmittel benötigen. Die Schweizer Landwirtschaft hat mit ihren Ressourcen einen multi funktionalen Auftrag zu erfüllen. Sie spielt bei der Erreichung vieler Ziele eine entscheidende Rolle.
Doch der Gradmesser für die Stimmung in der Schweizer Landwirtschaft ist die Milchwirtschaft, bei der sich der Preis pro Kilogramm in den letzten 20 Jahren halbiert hat. Heute liegen die Erlöse bei der konventionellen Milch weit unter den Kosten für die Produktion. Viele Milchbauern hören auf. Das geht nicht spurlos vorbei. Früher haben die Bau ern an Versammlungen wortgewaltig gekämpft, heute haben viele resigniert. Sie halten selber Kühe, Herr Ritter ...
UB: Die Bauern müssen aber wieder Freude an der Landwirtschaft finden. Versammlungen von Kolleginnen und Kollegen der konventionellen Landwirt schaft sind oft von einer negativen Stim
MR: Ja, aber ich produziere biologisch. Solche Milch bringt etwa 80 Rappen pro Kilogramm, sodass sich auch mit 26 Kühen ein akzeptables Ergebnis erzielten lässt. Im konventionellen Bereich muss auf vielen
«Im Biolandbau glauben wir an die geschlossenen Kreisläufe.» Markus Ritter mung gekennzeichnet. Bei den Biobauern dagegen herrscht Aufbruchsstimmung. Sie haben Ideen für Projekte, die sie um setzen möchten. Sie warten nicht auf Un terstützung. Diese Zuversicht wünschen wir uns für die ganze Landwirtschaft. MR: Es gibt viele Bereiche, die gut funk tionieren, etwa Geflügel oder Rindfleisch.
Betrieben mit 50 Rappen gerechnet wer den. Sind dann noch hohe Investitionen getätigt worden, wird es sehr schwierig. Doch auch in der Bioproduktion ist der Milchbereich einer der anspruchsvollsten, man muss sehr viel Zeit für die Betreuung der Kühe aufwenden. Milchbauer sein ist fast wie Pfarrer sein, das ist ein Lebensmo dell, eine Berufung an 365 Tagen im Jahr.
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umwelt 4/2016 > LANDWIRTSCHAFT
mit Messern bestückt werden können. Sie bringen gezielt Pestizide aus oder zerstören Unkräuter mechanisch. Man kann sich zu Recht fragen, ob es eine Variante mit Spritzmitteltank überhaupt braucht, wenn es doch auch mechanisch geht. Gerade der konventionellen Land wirtschaft werden solche Innovationen viel bringen. MR: Tatsächlich ist es oftmals von Vorteil, wenn wir Unkräuter durch Bodenbearbeitung bekämpfen statt mit Pflanzenschutzmitteln. Denn durch das Lockern des Bodens wird Stickstoff freigesetzt und das Wachstum gefördert. Solche Erkenntnisse werden zum wirt schaftlichen und ökologischen Erfolg beitragen.
Markus Ritter
UB: Wenn sich jemand berufen fühlt, stimmt die Einstellung. Ich sehe aber oft, dass Höfe und die Art des Bewirt schaftens über Generationen weiterge führt werden. Was vor 30, 40 Jahren in der landwirtschaftlichen Ausbildung gelehrt wurde, entspricht meist nicht mehr den aktuellen Erkenntnissen. Es ist unverständlich, wie viele Bauern an der seinerzeit noch gelernten Maximalstrate gie festhalten und nicht nach anderen, weniger intensiven Produktionsformen suchen. Nicht, weil weniger per se besser wäre. Aber aus weniger Input resultieren oft bessere finanzielle Ergebnisse. Bera tung und Ausbildung sollten viel stärker auf Wirtschaftlichkeit ausgelegt werden.
Der gelernte Wirtschaftsingenieur Markus Ritter bewirtschaftet mit seiner Familie in Altstätten (SG) einen Biobetrieb mit Milchwirtschaft und Feldobstbau. Als Mitglied der CVP sitzt er seit 2011 für den Kanton St. Gallen im Nationalrat, 2012 wurde er Präsident des Schweizer Bauer nverbandes.
Welche Möglichkeiten sehen Sie, um in der Landwirtschaft weiterhin effizient zu produzieren und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen zu schonen?
UB: Innovationen werden uns allen enorm helfen. Wir sehen zum Beispiel die ersten leichten selbstfahrenden Maschinen mit Solarantrieb, die mit Tanks für Pflanzenschutzmittel oder
«Entscheidend ist, dass wir mit der Natur arbeiten.» Markus Ritter 40
Die Biodiversität im Grün- und Ackerland geht nach wie vor zurück. Welchen Hand lungsspielraum hat hier die Landwirtschaft?
MR: Was die quantitative Zielsetzung betrifft, steht der Schweizerische Bauern verband hinter den agrarpolitisch defi nierten Vorgaben. Im Talgebiet wurden als Ziel 65 000 Hektaren ökologische Ausgleichsflächen festgelegt. Dieses Ziel haben wir bereits Ende 2015 überschrit ten. Wir sind der Ansicht, dass auf den Biodiversitätsförderflächen, die heute 12 Prozent des Kulturlandes ausmachen, nun vor allem die Qualität und die Ver netzung gefördert werden sollen. Diese bringen unserer Natur am meisten. UB: Die Betriebe müssten konsequenter auf die eigene Futtergrundlage ausge richtet sein. Ökologische Flächen dür fen also nicht dazu führen, dass zum Ausgleich Futter importiert wird. Mein Eindruck: Vielerorts muss die Biodiversi tätsförderung als Sündenbock herhalten, wenn es am Ende finanziell nicht auf geht. Vor zwei Jahren hat aber die EUKommission festgestellt, dass 1 Hektare Biodiversitätsfläche dank der Nützlinge einen Gegenwert von bis zu 3400 Euro bringe! Wir müssen den jungen Bauern
LANDWIRTSCHAFT < umwelt 4/2016
aufzeigen, dass auch solche Flächen viel zum wirtschaftlichen Erfolg beitragen. Zudem freuen sich viele Menschen an diesen blühenden Wiesen. MR: Ja, wir sollten nicht nur mit Geld steuern wollen, sondern auch das Herz ansprechen. Qualität ist bei der Biodiver sitätsförderung oftmals nur langfristig zu erreichen. Zudem braucht es das Wissen darüber, welcher Standort sich für eine Trockenwiese, eine Hecke oder eine Trockenmauer eignet. Das müssen wir den jungen Bäuerinnen und Bauern eben genauso beibringen. Es ist ein ho hes Verständnis für das Zusammenspiel in der Natur anzustreben. Der grosse, auch durch importiertes Futter ermöglichte Viehbestand stellt die Umwelt vor Probleme. Was kann die Landwirtschaft dagegen unternehmen?
MR: 85 Prozent der Futtermittel – na mentlich Raufutter – produzieren wir selber. Aber wir sehen mit Sorge eine Million Tonnen importiertes Kraftfutter. Wir setzen zwar nicht mehr Kraftfutter ein als vor 25 Jahren, doch wir produ zieren viel weniger davon selber. Unser Ziel ist es, bei den Futtermitteln wieder selbstständiger zu werden, nicht zuletzt im Hinblick auf die Swissness-Vorlage. Um schweizerische Herkunftsbezeich nungen verwenden zu dürfen, benötigen wir nämlich in den verarbeiteten Le bensmitteln Rohstoffe aus der Schweiz. Daher haben wir ein Interesse, dass auch vermehrt wieder Futtergetreide in der Schweiz angebaut wird. UB: Ich bin überzeugt, dass die Konsu mierenden mehr bezahlen würden für ein inländisches Ei, das mit Schwei zer Futtermitteln erzeugt wird. Eine «Schweizer Ei»-Initiative müssten alle
Urs Brändli legte am Strickhof in Zürich die landwirtschaftliche Meisterprüfung ab. Nach Aufenthalten in Australien und Neuseeland übernahm er im Jahr 1985 einen Betrieb in Goldingen (SG), den er 1994 auf Bio umstellte. Seit 2011 ist er Präsident von Bio Suisse.
Marktpartner gemeinsam starten. Sie sollten nicht warten, bis im Bundeshaus etwas geschieht, sondern im Kleinen ak tiv werden. Wenn der Markt zieht, folgen die Bauern. Der steigende Futtermittel import hängt ja auch damit zusammen, dass immer mehr Pouletfleisch gekauft wird. Die Landwirtschaft reagiert auch hier auf die Nachfrage.
«Die Zuversicht der Biobauern wünschen wir uns für die ganze Landwirtschaft.» Urs Brändli
MR: Im Biolandbau glauben wir an die geschlossenen Kreisläufe. Aus meinem Betrieb fliessen in Form von Milch und Fleisch grosse Nährstoffströme ab. Hier müssten Überlegungen angestellt werden, wie innerhalb des gesamten Kreislaufs in der Gesellschaft Nährstoffe zurückgewonnen werden können, ohne dass die Umwelt belastet wird. Der Dün ger, der aus dem Konsum von Fleisch und Milch resultiert, landet zurzeit in der ARA und wird schliesslich verbrannt. Im Ge genzug importieren wir wiederum Dün ger – dies im Wissen, dass der Phosphor irgendwann ausgeht. Hier bräuchten wir raffinierte Lösungen, damit wir unseren eigenen Dünger in einer sauberen Form wieder ausbringen könnten. Und was sagen Sie zu Ammoniakemis sionen, die in der Schweiz auch viel zu hoch sind?
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umwelt 4/2016 > LANDWIRTSCHAFT
MR: Die Kunst besteht darin, den Stickstoff möglichst ohne Verluste vom Tier bis an die Wurzel der Pflanze zu bringen. Den grössten Spareffekt bringt nicht die Technik; mit dem Schleppschlauch lassen sich nur etwa 25 Prozent des möglichen Verlustes verhindern. Wenn ich hingegen den richtigen Zeitpunkt wähle – bei Windstille, Temperaturen zwischen 5 und 15 Grad sowie bei genügender Luftfeuchtigkeit – macht die Differenz
MR: Es sollten nicht nur die Bauern in die Pflicht genommen werden, sondern alle, die Pflanzenschutzmittel einset zen. Das Problem betrifft nämlich die Privaten, die ihre Gärten behandeln, genauso wie Gemeinden und Kantone bei der Grünraumpflege und die SBB. Ziel in der Landwirtschaft muss es sein, die richtigen Mittel für das ent sprechende Problem zu wählen und diese möglichst gezielt einzusetzen,
«Die Gesellschaft muss definieren, welche Landwirtschaft sie wo haben will.» Urs Brändli bis zu 60 Prozent aus. Entscheidend ist, dass wir mit der Natur arbeiten und nicht nach vorgegebenen Zeitfenstern, die im Kalender festgelegt werden. Es braucht Verständnis für die Zusammenhänge – und zwar von allen Beteiligten.
denn weniger PSM bedeutet letztlich auch tiefere Kosten. Wir müssen hier ebenso die Natur beobachten und die Landwirte entsprechend schulen. Da sehen wir in der PSM-Strategie durchaus eine Chance.
UB: Die Reduktion der Ammoniakemis sionen würde aus Sicht des Biolandbaus grosse Probleme lösen. Heute haben wir wegen des Ammoniaks unerwünschte Nitrateinträge in Gewässern und öko logisch wertvollen Flächen. Zudem weisen viele Wasserversorgungen im Mittelland viel zu hohe Nitratwerte auf. Biobetriebe dürfen keine Kunstdünger einsetzen, daher wenden sie die vorhan denen Düngemittel wie Hofdünger oder Kompost viel gezielter und sorgfältiger an. So erhalten die Pflanzen zum rich tigen Zeitpunkt die nötigen Nährstoffe, die Umwelt wird geschont. Als positiver Nebeneffekt wird viel Energie gespart, denn die Produktion von künstlichen Nitratdüngern ist extrem energieauf wendig.
UB: Wir sind nicht wirklich begeistert von der Strategie, denn es fehlt ein Wille zum Paradigmenwechsel. Anbausyste me ohne PSM müssten stärker gefördert werden, und umweltbelastende Hilfs mittel sollten mit einer Lenkungsabgabe verursachergerecht besteuert werden. Wenn PSM im Abwasser landen, stellt sich schon die Frage, ob das die Steuer zahler berappen müssen oder ob die Reinigung nicht in den Kaufpreis des Produktes integriert werden soll. Im Unterschied zu den Bioprodukten sind bei den konventionellen Erzeugnissen die externen Kosten nicht im Preis ent halten. Auch Bio Suisse sieht nicht die Landwirtschaft alleine in der Pflicht. Die Mengen an PSM, die von öffentlichen Stellen und privaten Anwendern einge setzt werden, sind nicht zu unterschät zen. Ein griffiger Aktionsplan muss alle miteinbeziehen!
Wie stehen Sie zum «Aktionsplan Pflanzen schutzmittel» des Bundes, und was kann die Landwirtschaft dazu beitragen, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (PSM) zu reduzieren?
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Der Staat lässt der Schweizer Landwirt schaft jährlich knapp 3,4 Milliarden an
Direktzahlungen und anderen Stützungs massnahmen zukommen. Braucht unsere Landwirtschaft eine Perspektive, die sie weniger abhängig macht von der Stützung?
MR: Es ist wichtig zu wissen, dass eine Topmotivation der Bauern durch gute Markterlöse für ihre hochwertigen Pro dukte erzeugt wird. Aber die Bedeutung des Markterlöses nimmt mit zunehmen der Höhe des Betriebs ab. Im Berggebiet und bei Sömmerungsflächen sind die Direktzahlungen essenziell, beim Gemü sebau hingegen sind sie von geringer Bedeutung. UB: Die Gesellschaft muss definieren, welche Landwirtschaft sie wo haben will. In vielen Regionen ist es schon wegen des Tourismus sinnvoll, auch steile Flächen zu bewirtschaften. Doch ich wünsche mir, dass wir künftig das Einkommen wieder mehr mit unseren Produkten erzielen können. Die steigende Anzahl Konsumenten, die bereit sind, für kon trollierte und zertifizierte Mehrwerte tiefer in den Geldbeutel zu greifen, zeigt, dass diese Hoffnung nicht utopisch ist. MR: Es bräuchte dazu einen ganzen Strauss von Massnahmen. Wichtig sind zum Beispiel die Aus- und Weiterbildung. Zudem: Die öffentliche Hand kann bei der Beurteilung eines Projektes von Investitionshilfen für Ökonomiebauten dessen Rentabilität in den Vordergrund rücken. Bisher war es die Tragbarkeit. Damit würden ebenfalls richtige Signale gesendet. Weiterführende Links zum Artikel: www.bafu.admin.ch/magazin2016-4-07
KONTAKT Jean-Luc Brülhart Redaktionsleiter Magazin umwelt/environnement, BAFU +41 58 464 78 30 jean-luc.bruelhart@bafu.admin.ch
BIODIVERSITÄT < umwelt 4/2016
INVASIVE GEBIETSFREMDE ARTEN
Böse Überraschungen vermeiden Der Bundesrat hat im Mai 2016 eine Strategie für den Umgang mit invasiven gebietsfremden Arten verabschiedet. Sie soll verhindern, dass sich solche Pflanzen und Tiere mit fatalen Folgen ausbreiten. Text: Hansjakob Baumgartner
Einst war er hochwillkommen: Die Dolden des Riesen bärenklaus zierten bereits um 1890 europäische Park anlagen, und Imker pflanzten das Gewächs aus dem Kaukasus bis ins späte 20. Jahrhundert verbreitet als Bienenweide. Heute ist es ein gefürchtetes Unkraut – oder korrekter ausgedrückt eine invasive gebiets fremde Art. So werden Tiere und Pflanzen bezeichnet, die man mit oder ohne Absicht aus fernen Ländern bei uns eingeführt hat, wo sie sich effizient vermehren und ausbreiten. Sie haben das Potenzial, einheimische Arten zu verdrängen, und stellen so eine Bedrohung für die Biodiversität dar. Einige sind zudem gesund heitsgefährdend oder können wirtschaftliche Schäden anrichten.
Der Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianu) gehört zu den invasiven gebietsfremden Arten.
Archiv BAFU
Les fleurs du mal Der Riesenbärenklau passt gut in dieses Profil. Er ent hält fototoxische Substanzen: Wird die Haut von ihnen benetzt und danach der Sonne ausgesetzt, können sie schmerzhafte Verbrennungen auslösen. An Ufern von Fliessgewässern, entlang von Strassen und Schienen, in Wäldern oder auf Ruderalflächen bildet die Pflanze mancherorts Reinbestände. Allenthalben wird deshalb versucht, das absichtlich eingeführte Gewächs wieder loszuwerden, so auch im Kanton Graubünden. Im Auftrag des Amtes für Natur und Umwelt (ANU) stechen Zivildienstleistende die Pflanzen samt Wurzelstock ab. Wo dies zu mühsam oder gar unmöglich ist, zum Beispiel bei steinigen Böden, beschränkt man sich darauf, die Blüten mit den Samen zu entfernen. Grosse Bestände werden gemäht. Danach sind die betroffenen Flächen bis zum ersten Frost monatlich zu kontrollieren und gegebenenfalls erneut zu mähen. Alle Pflanzenteile gelangen in die Kehrichtverbrennungsanlage.
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Kanadische Goldrute (Solidago canadensis)
Sämtliche Informationen über die Graubündner Standorte der invasiven gebietsfremden Pflanzen sind in einem Geografischen Informationssystem (GIS) erfasst, das 2015 total 1320 aktuelle und ehemalige Standorte des Riesen bärenklaus verzeichnete. Davon waren 673 eliminiert, und auf weiteren 108 Flächen hatten die Bestände seit 2010 abgenommen. «Die vielen eliminierten
Japanischer Staudenknöterich (Fallopia japonica)
Erfasst sind zum Beispiel amerikanische Krebse, die Ende des 19. Jahrhunderts die Krebspest nach Europa brachten. Die Seuche raffte den grössten Teil der hiesigen Krebsfauna dahin. Des Wei teren hat sich die als Überträgerin des Dengue-Fiebers berüchtigte Tigermücke bereits im Tessin etabliert. Der Asiatische Laubholzbockkäfer ist ein gefürchteter Forstschädling, und die Asiatische Körb
Die internationale Naturschutzorganisation IUCN hält die Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten für «eine der grössten Bedrohungen für Umwelt und Wirtschaft des Planeten». Riesenbärenklau-Standorte zeigen, was man mit einer langjährigen Bekämpfung erreichen kann», steht im Jahresbericht 2015 des ANU. Zahlreiche invasive Arten 2006 listete das BAFU 107 invasive ge bietsfremde Arten auf, die Probleme für die Umwelt verursachen: 51 Tiere, 7 Pilze, 1 Bakterium und 48 Pflanzen.
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chenmuschel hat im Rhein bei Basel sämtliche einheimischen Muschelarten zum Verschwinden gebracht. Die internationale Naturschutzor ganisation IUCN hält die Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten für «eine der grössten Bedrohungen für Umwelt und Wirtschaft des Planeten». Die volks wirtschaftlichen Schäden werden allein in den USA auf jährlich 120 Milliarden
Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)
Alle drei Bilder: Archiv BAFU
Dollar geschätzt. Hierzulande ist das Problem derzeit noch weniger akut. «In den allermeisten Fällen befinden wir uns in einem vergleichsweise frühen Stadium der Ausbreitung, sodass eine Bekämpfung in der Regel noch mit ver nünftigem Aufwand möglich ist», sagt Gian-Reto Walther von der BAFU-Sektion Arten und Lebensräume. Je früher man aktiv werde, desto eher gelinge es, die Ausbreitung einzudämmen. Früh handeln Dies zeigt zum Beispiel der Fall des aus Lateinamerika stammenden Grossblüti gen Heusenkrauts. 2002 entdeckten zwei Biologen die Pflanze in einem Wald weiher bei Laconnex (GE). Die benach richtigten Behörden reagierten sofort. Sämtliche Pflanzen wurden ausgerissen und verbrannt. «Dank der Erkenntnis se aus dem grenznahen Ausland, den wachsamen Augen zweier Spezialisten und dem beherzten Einschreiten der Behörden vor Ort liess sich die Art rasch unter Kontrolle bringen», sagt Gian-Reto Walther. Unweit des Fundorts stand zu jener Zeit ein Gartengeschäft, das die
BIODIVERSITÄT < umwelt 4/2016
WIRKUNGSKREISLAUF DER STRATEGIE ZU INVASIVEN GEBIETSFREMDEN ARTEN
Quelle: BAFU
Pflanze im Sortiment führte. Inzwischen ist das Grossblütige Heusenkraut eine verbotene Art, die in der Schweiz nicht mehr vermehrt, verkauft oder anpflanzt werden darf – so wie 10 weitere Pflan zen, zu denen auch der Riesenbärenklau gehört. Das zunehmende Vorkommen invasi ver Arten hat schon seit einigen Jahren eine Vielzahl von Akteuren auf Bundesund Kantonsebene sowie private Organi sationen tätig werden lassen. Allerdings sind diese Aktivitäten vielfach wenig koordiniert, und bisher fehlte ein ge samtschweizerischer Rahmen. Aufgrund eines parlamentarischen Vorstosses hat der Bundesrat diese Lücke geschlossen,
indem er im Mai 2016 die nationale Strategie zu invasiven gebietsfremden Arten verabschiedete.
haupt in die freie Wildbahn gelangen. Wer eine gebietsfremde Art in Umlauf bringt, ist verpflichtet, sicherzustellen, dass sie keinen Schaden anrichtet. Ge schieht dies dennoch, so gilt es, eine In vasion möglichst früh zu erkennen. Hat sich eine invasive Art bereits festgesetzt, muss sie systematisch bekämpft werden. Ein Massnahmenkatalog listet sowohl bestehende Aktivitäten wie auch zusätz lich als nötig erachtete Massnahmen auf, die vier Aufgabenbereiche umfassen: Einstufung: Ist eine bestimmte Art gesundheitsschädlich? Bedroht sie die Biodiversität? Kann sie wirtschaftliche Schäden anrichten? Sind wirksame Bekämpfungsmethoden verfügbar? Auf grund wissenschaftlicher Abklärungen dieser Fragen erfolgt eine Einstufung hinsichtlich des invasiven Potenzials. Die niedrigste Gefahrenstufe gilt für Arten, von denen aufgrund ihrer Überlebensfä higkeit, Ausbreitung und Vermehrung sowie möglicher Wechselwirkungen mit anderen Arten anzunehmen ist, dass von ihnen kein Risiko ausgeht. Am anderen Ende der Skala finden sich die Arten mit dem grössten Schadenspotenzial, welche Menschen und Güter bedrohen und die biologische Vielfalt stark beeinträchti gen können. Je nach Einstufung wird der Hand lungsbedarf definiert: Bei eher harmlo sen Arten reicht ein vorschriftsgemäs ser Umgang, bei anderen ist dafür zu sorgen, dass sie keine schützenswerten Lebensräume besiedeln können. Bei Ri
Hat sich eine invasive Art bereits festgesetzt, muss sie systematisch bekämpft werden. Grundlagen, Prävention, Bekämpfung Die Strategie umfasst die drei Berei che wissenschaftliche und rechtliche Grundlagen, Prävention sowie Bekämp fung, welche über einen Wirkungs kreislauf miteinander verbunden sind (siehe Grafik). Dabei soll die Prävention verhindern, dass invasive Arten über
sikoarten wird eine vollständige Tilgung aller Vorkommen angestrebt. Ist dies mit vertretbarem Aufwand nicht möglich, muss verhindert werden, dass sie sich in neue Gebiete ausbreiten. Rechtliche Rahmenbedingungen: Hand lungsbedarf besteht auch bezüglich der rechtlichen Grundlagen. So regeln die
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heute gültigen Gesetze im Umweltbereich meist nur den beabsichtigten Umgang mit Organismen beziehungsweise die aktive Aussetzung und Haltung. Schadenstif tende Arten werden aber oft ungewollt eingeschleppt. «Wir prüfen auch weitergehende Instrumente wie beispielsweise eine Melde- und Bekämpfungspflicht für ausgewählte Arten oder verstärkte Kontrollen», erklärt Gian-Reto Walther. Koordiniertes Handeln: Um Doppelspu rigkeiten, Lücken und Wirkungsdefizite zu vermeiden, haben insbesondere die Kantone den Wunsch nach einer besse ren nationalen Koordination geäussert. Die Strategie erfüllt dieses Anliegen, indem sie für alle Massnahmen die Abläufe definiert und die zuständigen Gremien vorschlägt. Dabei baut man auf Bestehendem auf. Für die Erarbeitung von nationalen Vorgaben ist der Bund zuständig, für den Vollzug sind es die Kantone. Internationale Verpflichtungen: Eine na tionale Strategie muss im Einklang mit den internationalen Verpflichtungen stehen und somit auf die Aktivitäten in den Nachbarstaaten abgestimmt sein.
Die Vorbeugung zahlt sich aus All das ist nicht gratis. Für sofort um setzbare Massnahmen wird der Bund mittelfristig jährlich 5 Millionen Fran ken aufwenden müssen, etwa gleich viel wie die Kantone. Noch keine Schätzun gen gibt es bezüglich der Kosten von Massnahmen, für die eine Anpassung der Rechtsgrundlagen erforderlich ist. Mit diesem Geld lassen sich böse Überraschungen und damit viel höhere F olgekosten vermeiden. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz hat in einer Gefährdungsanalyse abgeschätzt, was eine unkontrollierte Ausbreitung des Schmal blättrigen Greiskrauts kosten würde. Die Pflanze aus Südafrika ist für Menschen und Weidetiere giftig. Derzeit gedeiht sie in der Schweiz an Strassenrändern, auf Böschungen und Brachen. Im Rahmen der nationalen Gefährdungsanalyse ha ben Fachleute untersucht, welche Folgen eine denkbare Massenausbreitung auf Agrar- und Weideflächen hätte. Stark be fallenes Grasland könnte nicht mehr be weidet werden, und Vergiftungsfälle bei Nutztieren wären nicht ausgeschlossen. Allenfalls wären Milch- und Fleischpro
Asiatische Körbchenmuschel Asiatischer Lauholzbockkäfer (Corbicula fluminalis) Erwin Jörg, www.neozoen.ch (Anoplophora glabripennis)
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Archiv BAFU
dukte sowie Honig auf mögliche Rück stände des Greiskrauts zu prüfen und ein aufwendiges Bekämpfungsprogramm zu lancieren. Bis man die Situation in einem solchen Ausnahmefall wieder im Griff hätte, könnten Kosten im Umfang von rund 1 Milliarde Franken anfallen. Die Umsetzung der Massnahmen, wie sie die Strategie zu invasiven gebietsfrem den Arten vorsieht, soll dafür sorgen, dass ein solches Szenario in der Schweiz nicht Realität wird. Weiterführende Links zum Artikel: www.bafu.admin.ch/magazin2016-4-08
KONTAKT Gian-Reto Walther Sektion Arten und Lebensräume BAFU +41 58 462 93 64 gian-reto.walther@bafu.admin.ch
Roter Amerikanischer Sumpfkrebs (Procambarus clarkii) Erwin Jörg, www.neozoen.ch
SCHWEIZER SCHUTZGEBIETE < umwelt 4/2016
NEUE KENNZEICHNUNG BEREIT FÜR DIE PRAXIS
Einheitliche Markierung schafft Klarheit Auf Anregung der Kantone und von Pro Natura hat das BAFU ein schweizweit einheitliches System erarbeitet, um die Schutzgebiete der ökologischen Infrastruktur zu kennzeichnen. Die in Praxistests erprobte neue Markierung soll die Gebiete zur Erhaltung der Biodiversität besser sichtbar machen und dafür sorgen, dass Besuchende die Verhaltensregeln konsequenter beachten. Text: Muriel Raemy Lindegger
Ob Waldreservat, Jagdbanngebiet, Amphibienlaichgebiet oder Kernzone eines Nationalparks – die Liste der ver schiedenen Arten von Schutzgebieten ist ebenso vielfältig wie komplex. Ihre Markierung hat denn auch zunehmend Schwierigkeiten bereitet, weshalb sich eine Überarbeitung des bestehenden Sys tems aufdrängte. Die bisherigen Tafeln und Piktogramme stammten noch aus den 1980er-Jahren. Damals wurde das Logo mit Eule und Kleeblatt eingeführt. Dieses Symbol erfüllte zwar seine Auf gabe, hat aber in Verbindung mit den seither zusätzlich geschaffenen Logos an Aussagekraft verloren. In den letzten 30 Jahren haben sich zudem auch die Informationsbedürf nisse der Besucherinnen und Besucher verändert. Deshalb forderten die Kon ferenz der Beauftragten für Natur- und Landschaftsschutz (KBNL) sowie Pro Natura das BAFU dazu auf, gemeinsam mit Vertretern der Jagd- und Fischerei verwalterkonferenz (JFK) und der Kan tonsoberförsterkonferenz (KoK) neue Richtlinien für ein klares und einheitli ches Markierungssystem zu erarbeiten.
Ende September wurde die neue Markierung im Schutzgebiet Creux de Terre (VD) den Medien Bild: Jean-Bernard Sieber präsentiert.
Komplexe Herausforderung «An der Biodiversitätskonferenz im japanischen Nagoya hat sich die Schweiz 2010 dazu verpflichtet, min destens 17 Prozent ihrer Landfläche zu schützen», erklärt Gilles Rudaz von der BAFU-Abteilung Arten, Ökosysteme, Landschaften (AÖL). «Es geht dabei um die langfristige Erhaltung der biologi
schen Vielfalt. Die landesweit einheitli chen Tafeln tragen zu dieser Zielsetzung bei, indem sie Besuchende über diese wertvollen Gebiete und das gewünschte Verhalten aufklären.» Die Markierung stellt eine komplexe Herausforderung dar, denn die Tafeln müssen ein Gebiet nicht nur ausschil dern oder seine Grenzen bezeichnen.
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umwelt 4/2016 > SCHWEIZER SCHUTZGEBIETE
3 FRAGEN AN DEN BAFU-MITARBEITER GILLES RUDAZ In erster Linie sollen sie den Leuten bewusst machen, dass sie ein wertvol les Gebiet betreten, in dem bestimmte Regeln gelten. Oft sind für die Besu cher auch weitere Informationen wie geografische Karten, historische Angaben oder Hinweise auf lohnen de Aussichtspunkte nützlich. Gilles Rudaz sagt dazu: «Es liegt an den Verantwortlichen der Schutzgebiete, je nach Kontext zu entscheiden, ob sie den Schwerpunkt auf Verhaltensregeln – und damit auf Gebietsmarkierungs tafeln – legen wollen oder ob sie mit Informationstafeln eher die Bedeutung eines Gebietes betonen möchten.» Gestaltung eines neuen Logos Um die optimale Wirksamkeit des neuen Markierungssystems zu er mitteln, liess das BAFU verschiedene Studien durchführen. Höhepunkt dieser Projektphase war ein Praxistest im Schutzgebiet Kaltbrunner Riet (SG) von April bis Juni 2015. Sämtliche Untersuchungen haben die Akzeptanz des vorgeschlagenen Systems bestätigt und zusätzlich dazu beigetragen, seine Wirksamkeit zu verbessern. Auch ein spezielles Erkennungs zeichen hat man kreiert: Das Logo «Schweizer Schutzgebiet» löst das EuleKleeblatt-Symbol und die Zeichen für Jagdbanngebiete sowie Wasser- und Zugvogelreservate ab. «Das neue Logo erinnert visuell an das Schweizerkreuz und unterstreicht damit den nationa len Wert der Schutzgebiete», hält Gilles Rudaz fest. Weiterführende Links zum Artikel: www.bafu.admin.ch/magazin2016-4-09
KONTAKT Gilles Rudaz Sektion Ländlicher Raum BAFU +41 58 462 93 85 gilles.rudaz@bafu.admin.ch
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Markierungstafeln im Testlauf umwelt: Als Verantwortlicher für die neue Schutzgebietsmarkierung hatten Sie den Kantonen und beteiligten Partnern einen Vorschlag zu unterbreiten, der den unter schiedlichen Bedürfnissen Rechnung trägt. Wie sind Sie dabei vorgegangen?
Gilles Rudaz: Um den Erwartungen gerecht zu werden, haben wir eine Begleitgrup pe mit Fachleuten von interkantonalen Konferenzen und der Schutzorganisation Pro Natura gebildet. Die Beteiligten ver fügen über ein grosses Expertenwissen und langjährige Erfahrung in diesem Bereich. Zuerst erfolgte eine Bestands aufnahme mittels einer Umfrage bei den zuständigen kantonalen Ämtern sowie bei Pro Natura. Die Erarbeitung des Mar kierungssystems war dann Gegenstand zweier Workshops unter Teilnahme aller interessierten Akteure. Dabei stellte das BAFU die bisherige Entwicklung des Projekts vor und klärte die ver schiedenen Erwartungen ab. Aufgrund der Rückmeldungen entwickelten wir mehrere Schlüsselelemente der neuen Markierung. Schliesslich verfassten wir ein entsprechendes Handbuch, das die Kantone und betroffene Organisationen zur Konsultation erhielten. Ein perma nenter und umfassender Austausch ist in Projekten mit so vielen Partnern sehr wichtig. Während des gesamten Prozes ses war die Stimmung immer äusserst offen und konstruktiv. Die neuen Markierungstafeln sollten möglichst breit verstanden und akzeptiert werden. Wie sind Sie vorgegangen?
Ich habe mit zahlreichen Partnern inten siv über die Inhalte und die Gestaltung der Tafeln diskutiert. Aufgrund der viel fältigen Ansichten drohte das Projekt zu versanden. Deshalb lancierten wir mehrere Studien, um die wirksamen Ele mente der Markierung zu identifizieren. Schliesslich stellte das BAFU verschiede ne Varianten von Tafeln vor und führte
damit in einer Pilotphase Tests durch. Wir nutzten dabei auch Marketing techniken wie qualitative Befragungen, Wahrnehmungsanalysen und Umfragen. Entscheidende Beurteilungskriterien waren die Wirksamkeit der Aufmerk samkeitslenkung, die Verständlichkeit der einzelnen Elemente sowie deren Ak zeptanz sowohl im Einzelnen als auch im Gesamtkontext. Dabei kristallisierte sich ein Konsens hinsichtlich einer Reduktion der Informationen auf das Wesentliche heraus. Deshalb haben wir uns letztlich für eine effiziente Kommunikation mit tels Piktogrammen entschieden.
«96 Prozent der Befragten erwarten auf den Tafeln eine klare Angabe zu den Ver haltensregeln.» Gille Rudaz, BAFU Das BAFU hat also alles unternommen, damit das neue Markierungssystem auf der Grundlage von erprobten Elementen umgesetzt wird. Welche Erwartungen haben die Besucher der Schutzgebiete an die Informationstafeln?
Das neue System ist primär im Hinblick auf die Nutzerinnen und Nutzer konzi piert worden. In einer repräsentativen Umfrage konnten sich 1190 Personen zu den verschiedenen Varianten äussern. Dabei ging es zum Beispiel darum, wel che Form die Informationen möglichst klar, passend und vertraut vermittelt. Am interessantesten ist meiner Meinung nach das Ergebnis, wonach 96 Pro zent der Befragten auf den Tafeln eine klare Angabe zu den Verhaltensregeln erwarten. Zudem erklärten sie, dass sie dank der getesteten Tafeln über die not wendigen Informationen verfügen.
GRUNDWASSER < umwelt 4/2016
Der fluoreszierende Farbstoff Uranin wird zur Gewässermarkierung eingesetzt, um die Fliesswege und das Strömungsverhalten der Wasservorkommen zu erforschen. Alle Bilder: CHYN, Universität Neuenburg
ERFORSCHUNG DER AUSWIRKUNGEN VON TROCKENHEIT
Spuren des Klimawandels im Untergrund Verfügt die Schweiz auch in Zukunft über genügend Wasser, oder legen anhaltende Trockenperioden – wie im Sommer 2015 – unsere Fliessgewässer trocken? Gemäss den bisherigen Erkenntnissen variiert der Abfluss je nach Art des Einzugsgebietes, wobei die Wechselwirkung zwischen Grundwasser und Oberflächengewässern eine entscheidende Rolle spielt. Eine weit fortgeschrittene Studie im Auftrag des BAFU entwickelt Modelle, die aufzeigen, welche Gebiete bei Trockenheit besonders betroffen sind. Text: Vera Bueller
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umwelt 4/2016 > GRUNDWASSER
«Das BAFU hat uns Hydrologen und Hydrogeologen quasi zur Zusammen arbeit gezwungen», bemerkt Professor Jan Seibert von der Universität Zürich lachend. Den Anstoss zur «arrangierten Ehe» gab das vom Bundesamt finanzierte
schaftliche Fokus je nach Blickwinkel ein anderer ist.» So gibt es zum Beispiel zahl reiche hydrologische Untersuchungen zu den Auswirkungen von Trockenheit auf die Oberflächengewässer. Andererseits existieren nur wenige Studien, welche
Es existieren nur wenige Studien, welche gleichermassen das Grundwasser sowie die physikalischen Eigenschaften der Einzugsgebiete von Flüssen berücksichtigen. Forschungsprojekt über die «Auswirkun gen der Klimaänderung auf das Grund wasser und die Niedrigwasserverhältnis se in der Schweiz». Es brachte Fachleute der Universitäten Neuenburg, Zürich und Freiburg im Breisgau (D) zusammen und hat laut Jan Seibert zu einer äusserst spannenden Auseinandersetzung zwi schen Hydrologen und Hydrogeologen sowie zu besser fundierten Ergebnissen geführt. «Jeder denkt ja, seine Welt sei die wichtigste, weshalb der wissen
auch das Grundwasser sowie die physika lischen Eigenschaften der Einzugsgebiete von Flüssen berücksichtigen. Wechselseitige Beziehungen «Für uns war die Feststellung spannend, dass es in den Hitzesommern der letzten Jahre Flüsse und Bäche gab, die plötz lich austrockneten, während andere noch genug Wasser führten», sagt Petra Schmocker-Fackel, Stabschefin der Abtei lung Hydrologie beim BAFU. «Der Grund
Die Hydrogeologie der Schweiz Vereinfacht dargestellt, gibt es in der Schweiz drei Typen von Grundwasserleitern mit unterschiedlichen Eigenschaften: • Im Lockergestein der grossen Flusstäler mit ihren Kies- und Sandschichten finden sich die ergiebigsten Grundwasserressourcen, die vor allem im Mittelland einen Grossteil der Bevölkerung mit Trinkwasser versorgen. Je nach Grösse des Vorkommens und der Wechselwirkung mit Oberflächengewässern reagieren sie unterschiedlich auf Trockenheit. • Die Grundwasserleiter im Kluftgestein verfügen bisweilen über eine eher gute Speicherfähigkeit, wodurch die entsprechenden Quellen erst mit Verzögerung auf Wetterextreme wie anhaltende Trockenheit reagieren. • In den zerfurchten Karstgebieten, wie sie etwa im Jura und in den Alpen verbreitet vorkommen, fliesst das versickernde Niederschlagswasser über unterirdische Fliesswege und Höhlensysteme rasch ab. Bei ausbleibenden Niederschlägen können Quellen deshalb relativ schnell trockenfallen. Generell wirkt sich das Grundwasser dämpfend auf den Abf luss der Niederschläge aus. Während im Sommer ein beträchtlicher Teil des Regenwassers durch die Verdunstung und den Wasserbedarf der Vegetation aufgebraucht wird, erfolgt die Neubildung der meisten Grundwasservorkommen vorrangig im Winterhalbjahr. Neben der Schnee- und Gletscherschmelze trägt das Grundwasser wesentlich zur ganzjährigen Verfügbarkeit der Ressource bei. Mit einem Anteil von über 80 Prozent liefert es den mit Abstand wichtigsten Beitrag zur öffentlichen Trinkwasserversorgung des Landes.
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dafür muss im Untergrund liegen», fol gert die Projektleiterin der Studie. Um dies zu untersuchen, habe man deshalb eine Zusammenarbeit der bisher eher getrennt forschenden Fachrichtungen angestrebt. Aus Sicht der Natur ist dieses Vorgehen naheliegend, besteht doch ein starker Austausch zwischen Grund- und Ober flächenwasser. Vor allem bei Niedrig wasser werden die Flüsse zum grössten Teil vom Grundwasser gespeist. Liegt in Trockenzeiten der Grundwasserspiegel tief, kann das Wasser jedoch auch in die umgekehrte Richtung fliessen, was insbesondere in den Sommermonaten zur Austrocknung von Fliessgewässern führen könne, erläutert Jan Seibert. Verschärft werde die Lage, wenn die Trinkwasserentnahme aus dem Grund wasser in Flussnähe erfolge. Zwei Beispiele aus dem Kanton Bern Dieses Zusammenspiel von Grund- und Oberflächenwasser verhält sich aller dings je nach Einzugsgebiet eines Flus ses unterschiedlich. Hier setzt die neue Studie an: Die Fachleute der Universi tät Neuenburg haben landesweit über 50 Einzugsgebiete ausgewählt – haupt sächlich solche mit Grundwasserleitern aus Lockergestein der Flusstalschotter. Für zwei Beispiele im Kanton Bern erfolgten dann detaillierte Analysen. Dabei handelt es sich um die Langete – einen Nebenfluss der Aare – sowie um den Röthenbach, der bei Eggiwil (BE) in die Emme mündet. Obwohl in beiden Testgebieten vergleichbare Nie derschlagsmengen fallen, verhält sich der Grundwasserpegel aufgrund des spezifischen Speicherverhaltens ganz anders. «Während er im Gebiet der Langete seit 1987 immer etwa auf der gleichen Höhe liegt, gibt es im Einzugs gebiet des Röthenbachs extreme Schwan kungen. Im November herrscht dort Trockenheit», erklärt Claire Carlier vom Forscherteam der Universität Neuen burg. Deshalb haben die Fachleute in beiden Flusstälern die physikalischen Eigenschaften des Untergrundes und des Bodens sowie die Topografie und
GRUNDWASSER < umwelt 4/2016
die Dynamik der Oberflächengewässer untersucht. Zudem wurden Messwerte und Statistiken hinzugezogen und der Wasserfluss im Modell simuliert. Modellberechnungen für die ganze Schweiz «Es handelt sich um eine systematische Analyse aller Merkmale, die sich auf die Abflüsse in Niedrigwasserperioden auswirken», erklärt Professor Philip Brunner von der Universität Neuenburg. «Damit können wir schliesslich ein Inventar der von uns erforschten Indikatoren erstellen.» Die Berechnungsmethoden und die digitalen Modelle würden dann im grossen Massstab auch auf die übrige Schweiz anwendbar sein. Die Studie ist schon weit fortgeschritten, doch was derzeit noch fehlt, ist die Auswertung der Modelle, das heisst der Schritt aus dem Computerlabor in die reale Welt. Im Frühjahr 2017 soll es so weit sein. Petra Schmocker-Fackel ist zuversichtlich, «dass wir künftig über einen guten Kriterienkatalog für die ganze Schweiz
GRUNDWASSERVORKOMMEN 1 Grundwasserleiter im Lockergestein 2 Zufliessendes Hangwasser 3 Flussufer / Feuchtgebiet 4 Boden 5 Festgestein
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Quelle: CHYN, Universität Neuenburg
Der Einfluss des Grundwassers auf die Wasserführung der Fliessgewässer ist noch nicht ausreichend erforscht. So reagieren etwa die Langete (unten links) und der Röthenbach (rechts) im Kanton Bern unterschiedlich auf Trockenperioden.
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verfügen werden, um Risikogebiete für Trockenheit zu erkennen». Allerdings mangle es noch an einer landesweiten Kartierung der Böden, um die Modelle überall anwenden zu können. Bereits heute ist aber klar, dass sich ein allfälliger Wassermangel wegen der Klimaänderung lokal noch verschärfen könnte. «Die Rolle des Grundwassers ist dabei wesentlich, vor allem als natür licher Speicher in Trockenperioden», betont Michael Sinreich, stellvertreten der Chef der Sektion Hydrogeologische Grundlagen beim BAFU. Die Studie sei nicht zuletzt deshalb sehr wichtig, weil die Wechselwirkung zwischen Grundund Oberflächenwasser leicht unter schätzt werde. Bewirtschaftung der Wasserressourcen Die neue Untersuchung ergänzt beste hende Arbeiten wie das 2014 abgeschlos sene Nationale Forschungsprogramm «Nachhaltige Wassernutzung» (NFP 61). Dieses legte den Fokus auf die Klima änderung und erforschte die hydrolo gischen Grundlagen sowie Methoden
Nationalrat Hansjörg Walter getroffen hat. Die Massnahmen umfassen Lösungs ansätze und Wissensgrundlagen zum Wasserressourcenmanagement sowohl für die kurzfristige Bewältigung von als auch für den präventiv-langfristigen Umgang mit Wassermengenproblemen. Möglichen Engpässen vorbeugen Trotz der teilweise bereits eingeleiteten Massnahmen für eine bessere Bewirt schaftung der Wasserressourcen fehlen vielerorts nach wie vor genügend gute und vorausschauende Planungen. Dies gilt ebenso für die dafür notwendigen Daten und Modellannahmen, um po tenzielle Ungleichgewichte zwischen Wasserdargebot und Wasserbedarf langfristig vorauszusehen und auch in Ausnahmesituationen auszugleichen. Die neue Studie soll dazu die fachlichen Grundlagen liefern und die Kantone und Gemeinden befähigen, lokal rechtzeitig zu reagieren – sei es durch den Auf bau von Verbundsystemen im Bereich der Wasserversorgung oder mittels Nutzungseinschränkungen für Land
Trotz der teilweise bereits eingeleiteten Massnahmen für eine bessere Bewirtschaftung der Wasserressourcen fehlen vielerorts nach wie vor genügend gute und vorausschauende Planungen. des Wassermanagements. Das NFP 61 kam zum Schluss, die Schweizer Was serwirtschaft sei nicht optimal für die bevorstehenden klimatischen und gesell schaftlichen Veränderungen gerüstet. Es fehlten nämlich sowohl übergeordnete Visionen und Strategien als auch die er forderlichen konkreten Abstimmungen zwischen Gemeinden und Kantonen. Die aktuelle Studie über die «Aus wirkungen der Klimaänderung auf das Grundwasser und die Niedrigwasser verhältnisse» gehört zu einer Reihe von Massnahmen, die der Bundesrat auf grund der Erkenntnisse aus dem NFP 61 sowie gestützt auf ein Postulat von SVP-
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wirtschaft, Industrie und Haushalte. «Ansonsten kann eine zeitweise oder gar dauerhafte Übernutzung zu einer unerwünschten Absenkung des Grund wasserspiegels führen», gibt Michael Sinreich zu bedenken. «Dies würde sich nachteilig auf grundwasserabhängige Ökosysteme wie Feuchtgebiete oder Moore auswirken und könnte auch die Restwassermengen von Quellen oder da von abhängigen Fliessgewässern negativ beeinflussen.» Der Klimawandel ist spürbar Die Resultate des Vorgängerprojektes «Klimaänderung und Hydrologie in der
Schweiz» (CCHydro) zeigen zwar deut lich, dass unser Land auch in Zukunft über genügend Wasser verfügen wird. So lagern im Untergrund insgesamt etwa 150 Kubikkilometer Grundwasser. Davon sind pro Jahr mehr als 10 Prozent erneuerbar und liessen sich nachhaltig nutzen. Der Bedarf für die Trink- und Brauchwasserversorgung macht jedoch jährlich nur 1,3 Kubikkilometer Grund wasser aus. Das Potenzial wird also bei Weitem nicht ausgeschöpft. Trotz die sem Überangebot kann freilich je nach Region und saisonalen Bedingungen lokal immer wieder eine Wasserknapp heit auftreten. Dies liegt auch daran, dass sich die Niederschlagsperioden im Vergleich zu den Jahren 1960 bis 1990 verschoben haben, wie Jan Seibert feststellt: «Die Schneeschmelze kommt früher und ist weniger intensiv. Dafür fällt im späten Frühjahr und im Herbst mehr Regen, während es im Sommer länger trocken bleibt.» Je weiter man in die Zukunft blicke, umso stärker und problema tischer fielen die Veränderungen aus. Für das BAFU ist es deshalb von grosser Bedeutung, den Anwendern mit den Resultaten aus solchen Forschungspro jekten das notwendige Rüstzeug für die Anpassung an den Klimawandel zur Verfügung stellen zu können. Weiterführende Links zum Artikel: www.bafu.admin.ch/magazin2016-4-10
KONTAKTE Petra Schmocker-Fackel Stabschefin Abteilung Hydrologie BAFU +41 58 464 76 66 petra.schmocker-fackel@bafu.admin.ch Michael Sinreich Stv. Chef Sektion Hydrogeologische Grundlagen BAFU +41 58 465 31 99 michael.sinreich@bafu.admin.ch
LUFTREINHALTUNG < umwelt 4/2016
KALTSTARTEMISSIONEN IM VERKEHR
Weniger Schadstoffe dank innovativer Abgaskatalysatoren Herkömmliche Abgaskatalysatoren neutralisieren schädliche Emissionen erst einige Minuten nach dem Motorenstart. Auf Initiative des BAFU hat ein Team unter Leitung der Forschungsanstalt Empa nun einen effizienten Katalysator entwickelt, der die kritische Kaltstartphase überbrückt. Zudem ist er deutlich kleiner und kommt mit weniger Edelmetallen aus. Text: Stefan Hartmann, Bilder: Markus Forte, Ex-Press/BAFU
Panayotis Dimopoulos Eggenschwiler (rechts) von der Empa-Abteilung Antriebssysteme ist Forschungsleiter eines vom BAFU initiierten Projektes, das einen neuartigen Abgaskatalysator für Benzinfahrzeuge entwickelt. Alberto Ortona (links), Fachhochschule SUPSI, ist Spezialist für 3-D-Druck.
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Zu Beginn der 1980er-Jahre prägen in der Schweiz Diskussionen um den sauren Regen und das Waldsterben die Umweltdebatte. Dabei zählt der Stickoxidausstoss von Automotoren – neben den Schwefeldioxidemissionen der Feuerungen – zu den wichtigsten Ursachen. Auf Anordnung des Bundes rates treten 1986 für alle Neuwagen mit Benzinmotoren stark verschärfte Emissionsvorschriften in Kraft, die sich nur durch den serienmässigen Einbau eines Abgaskatalysators erreichen lassen. Inzwischen eliminieren handelsübliche Katalysatoren bei einer Betriebstempe ratur von 280 Grad rund 99 Prozent der relevanten Luftschadstoffe. Hohe Emissionen beim Kaltstart Trotzdem ist das Umweltproblem damit nicht gelöst, denn ein Katalysator – oder Kat – erreicht die erforderliche Tempe ratur für einen effizienten Betrieb erst nach 2 bis 3 Fahrminuten. In der Kaltstartphase ist der Anteil an freigesetz ten Kohlenwasserstoffen (VOC) und Kohlenmonoxid (CO) dagegen 1000- bis 10 000-mal höher als im normalen Be triebszustand. Gemessen am Gesamtaus stoss von modernen Personenwagen, die die Abgasnorm Euro 6 erfüllen, machen die Emissionen beim Kaltstart rund 70 Prozent des CO und 90 Prozent der VOC aus. Personenwagen werden oft nur für kurze Strecken benutzt. «Statistisch gesehen liegen rund 10 Prozent aller Fahrten unter 1 Kilometer», stellt Giovan ni D’Urbano, Chef der Sektion Verkehr beim BAFU fest. Stop-and-go erhöht Emissionen Belastet sind vor allem dicht besie delte Wohnquartiere, weil Ampeln, Stoppstrassen, Fussgängerstreifen oder Staus oft zu mehreren Kaltstarts hinter einander führen. Bei diesem Stop-and-goVerkehr wird der Motor häufig abgestellt und wieder gestartet oder ist lange im Leerlauf. Dabei können Benzinmotor und Katalysator gar nicht richtig warm werden. Die Emissionen hängen aber
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auch vom Fahrstil ab. Fahrzeuge mit Automatik weisen diesbezüglich Vor teile auf, da sie bei optimaler Drehzahl schalten. Bei Autos mit Handschaltung lässt sich der Schadstoffausstoss durch einen defensiven, niedertourigen Fahr stil positiv beeinflussen. Extrem ist die Luftbelastung durch 2-Takt-Motorräder und Mofas, die beim Kaltstart sogar 10mal mehr Kohlenwasserstoffe als ein Personenwagen freisetzen. Die Anteile der Strassenverkehrsemis sionen am schweizerischen Gesamtaus stoss machten im Jahr 2014 insgesamt 47 Prozent der Stickoxide, 15 Prozent aller unverbrannten VOC und 19 Prozent des Feinstaubs aus. Weil saubere Luft ein Kernanliegen des BAFU ist, setzt sich das Amt für eine weitere Verminderung dieser gesundheitsschädigenden Schad stoffe ein.
haben zur Entwicklung eines neuartigen Katalysators steht unter der Leitung der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa in Dübendorf (ZH). Zudem sind verschiedene weitere Partner aus Wissenschaft und Wirt schaft daran beteiligt, nämlich die Hug Engineering AG in Elsau (ZH) und die EngiCer SA in Balerna (TI) sowie das unter anderem auf Materialtechnologie spezialisierte Institut MEMTi der Fach hochschule der italienischen Schweiz (SUPSI) in Manno (TI). Kat soll Kaltstartphase vermeiden «Unser Ziel ist es, einen neuartigen Kat zu entwickeln, den die Wirtschaft marktreif in die Produktion übernehmen kann», sagt Forschungsleiter P anayotis Dimopoulos Eggenschwiler von der Empa-Abteilung Antriebssysteme. Des
«Unser Ziel ist es, einen neuartigen Kat zu entwickeln, den die Wirtschaft marktreif in die Produktion übernehmen kann.» Panayotis Dimopoulos Eggenschwiler, Empa Marktreifer Kat als Forschungsziel Zwar liessen sich die Kaltstartemissio nen von Neuwagen mit Einführung der Abgasnormen Euro 5 und Euro 6 bereits leicht verbessern. Dabei helfen isolierte Abgasleitungen und der Einbau von zwei Katalysatoren direkt beim Ausgang des Motors und am Fahrzeugunterboden. «Weit eleganter und günstiger wäre es aber, einen neuartigen Katalysator zu entwickeln, der die Emissionen bereits in den ersten Momenten weitgehend eliminiert und bei hohen Temperaturen genauso effizient arbeitet wie ein han delsüblicher Katalysator», sagt Giovanni D’Urbano. Dazu hat das BAFU gemeinsam mit Schweizer Forschungsstellen und der Wirtschaft im August 2015 ein Projekt lanciert, das von der Umwelttechno logieförderung des BAFU mit einem namhaften Betrag unterstützt wird. Das auf zwei Jahre befristete Forschungsvor
halb haben wir die beiden Firmen Hug Engineering AG und EngiCer SA, welche selber Kats und Abgasfilter sowie kera mische Katalysatorträger herstellen, von Anfang an in die Forschung einbezogen. Angestrebt wird ein Produkt, das bei allen realen Fahrbedingungen eine Reduktion der Kaltstartemissionen um 75 Prozent gewährleistet. Der Kat muss auch bei mehreren Fahrtunterbrüchen und bei tiefen Temperaturen einwand frei arbeiten. «Unser Konzept eignet sich sehr gut für Hybridfahrzeuge, die wegen des Elektroantriebs öfters den Verbren nungsmotor ausschalten und daher viel häufiger Kaltstarts haben», betont Panayotis Dimopoulos Eggenschwiler. Polyederstrukturen statt Wabenkanäle Technisch gesehen lag die Herausforde rung darin, einen Kat zu entwickeln, der Fortsetzung Seite 56
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Modellstück eines der weltweit ersten Abgaskatalysatoren mit optimierten polyedrischen Strukturen aus dem 3-D-Drucker. Für die Fertigung im Labor der Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana (SUPSI) in Lugano wird der Werkstoff mit UVStrahlung zur Schmelze gebracht, wobei das orangefarbene Glas die Strahlung filtert. Das Werkstück wird in Schichten von 50 bis 200 millionstel Metern aufgebaut.
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die Kaltstartphase in Sekundenschnelle überbrückt. Dazu sind handelsübliche Katalysatoren aufgrund ihrer Struktur mit geraden Wabenkanälen nicht in der Lage. Weil die laminare Strömung in die sen Kanälen sehr ruhig ist, gibt es keine Verwirbelung der Abgase und dadurch eine schlechte Erwärmung. Zudem müssen solche Katalysatoren genügend grosse Abmessungen haben, damit der Zugang der Schadstoffmoleküle zu den katalytischen Wänden gewährleistet ist. Die Empa-Forscher machten in vorange gangenen Projekten gute Erfahrungen mit Schäumen als Katalysatorsubstraten, da solche Strukturen eine hohe Turbu lenz der Abgase erzeugen. Dadurch lässt sich die gleiche Menge an Schadstoffen mit deutlich kleineren Katalysatoren neutralisieren, welche zudem nur die Hälfte an teuren Edelmetallen benöti gen. Allerdings weisen diese Substrate einen höheren Durchströmungswider stand auf, was wiederum den Treibstoff verbrauch erhöht. Kat aus dem 3-D-Drucker Auf der Suche nach einem geeignete ren Kat-Substrat setzten die Forscher moderne Strömungs- und Reaktions
verlaufen. Zur Fertigung von Kats mit optimierten polyedrischen Strukturen haben die Fachleute an der spezialisier ten SUPSI in Lugano ein Verfahren mit 3-D-Druckern entwickelt. Die Kat-Matrix wird im 3-D-Drucker erstellt und mit Si liziumkarbid (SiC), Zirkoniumoxid (ZrO2) und Aluminiumoxid (Al2O3) beschichtet. Einziger Nachteil sei im Moment noch das teure 3-D-Verfahren, bedauert For schungsleiter Panayotis Dimopoulos Eg genschwiler. «Doch in Zukunft werden 3-D-Drucker sicherlich preisgünstiger angeboten.» Vorheizen mit Mikrowellen Auch für das Problem der unzureichen den Betriebstemperatur liess sich eine technische Lösung finden. Damit das Kat-Substrat rasch die notwendigen 280 Grad erreicht, wird es mit Mikro wellen vorgeheizt, was relativ wenig Energie erfordert. Ein am Kat angebrach ter Mikrowellengenerator startet schon beim Öffnen der Autotür, sodass der Kat die nötige Betriebstemperatur beim Start des Motors bereits erreicht hat und die unerwünschten Schadstoffe neutrali siert, womit das Kaltstartproblem gelöst ist. Dafür mussten die Forschenden eine
auf die Hälfte der bisherigen Grösse zu reduzieren, was die Herstellungskosten ebenfalls senkt, weil sich im knapp bemessenen Fahrzeugunterboden neue Platzierungsmöglichkeiten eröffnen. Ziel ist die Serienproduktion «Dank dieses Forschungsvorhabens ist die Technologie nun so weit fortgeschrit ten, dass eine Serienproduktion infrage kommt», stellt Giovanni D’Urbano fest. «Um den erreichten Stand der Technik in der Praxis zu etablieren, sind in einem nächsten Schritt Gespräche mit interessierten Automobilherstellern vor gesehen.» Sofern sich bestätigt, dass der neue Katalysator die Kaltstartemissionen auch im Realbetrieb nahezu eliminieren kann, wäre gemäss Giovanni D’Urbano auf europäischer Ebene eine weitere Re duktion der Abgasgrenzwerte möglich. Weiterführende Links zum Artikel: www.bafu.admin.ch/magazin2016-4-11
Sofern sich bestätigt, dass der neue Katalysator die Kaltstartemissionen auch im Realbetrieb nahezu eliminieren kann, wäre auf europäischer Ebene eine weitere Reduktion der Abgasgrenzwerte möglich. simulationen ein, um Strukturen mit bester Reaktivität und niedrigstem Strömungswiderstand zu finden. Die Grund lagen dafür wurden im Rahmen eines vom SNF (Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung) unterstützten Projektes erarbeitet. Dabei sind die Forscher auf kleinmaschige, offenporige, polyedri sche Strukturen gestossen, die Schäu men ähneln, aber deutlich regelmässiger
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neue Beschichtungskomponente entwi ckeln, die bessere Eigenschaften zur Ab sorption von Mikrowellen aufweist. Als geeignetes Material identifizierten sie die Mischung aus SiC, ZrO2 und Al2O3. Die Vorzüge des entwickelten Kats sind bestechend, denn seine neue Struktur halbiert auch den Anteil der Edelmetalle Platin, Palladium und Rho dium für die Beschichtung. Zudem ist es den Fachleuten gelungen, den Kat
KONTAKT Giovanni D’Urbano Sektionschef Verkehr BAFU +41 58 462 93 40 giovanni.durbano@bafu.admin.ch Panayotis Dimopoulos Eggenschwiler Fahrzeugantriebssysteme Empa Dübendorf +41 58 765 43 37 panayotis.dimopoulos@empa.ch
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Börse für Umweltjobs
Solarenergie erleben
Vom Brunnenmeister über den Feuerungskontrolleur bis zur Fachfrau für Betriebsunterhalt: Die Umweltbranchen boomen, entsprechend gefragt sind Fachkräfte. Allerdings können längst nicht immer alle offenen Stellen besetzt werden. Abhilfe schaffen soll die von der Organisation der Arbeitswelt (OdA) Umwelt ins Leben gerufene Jobbörse umweltprofis-jobs.ch: Für Jugendliche, Quereinsteiger und Fachkräfte sind dort alle offenen Stellen in den entsprechenden Branchen aufgelistet. «Unternehmen finden auf der Seite besser qualifizierte Bewerber als über herkömm liche, allgemein ausgerichtete Plattformen», erklärt Ueli Bernhard, Geschäftsführer der OdA Umwelt. «Gleichzeitig entdecken Arbeitnehmer bei uns leichter auf ihre Fähigkeiten und ihr Know-how zugeschnittene Jobangebote.» Die Angebote aus der ganzen Schweiz sind in die Bereiche «Abfallwirtschaft und Recycling», «Energieeffizienz und erneuerbare Energien», «Natur- und Landschaftsschutz», «Umweltschutz und Umweltingenieurwesen» sowie «Wasser und Abwasserversorgung» unterteilt. Sie lassen sich nach Berufen und Regionen filtern.
Die Linie-e, ein Projekt des Vereins Energiezukunft Schweiz, will die Themen Produktion erneuerbarer Energien und nachhaltige Trinkwasserversorgung für Kinder und Erwachsene erlebbar machen. Ausserdem gewährt sie Einblick in Energie- und Trinkwasseranlagen in der Region Basel, am Jura südfuss und in der Zentralschweiz. Zum Angebot gehören Führungen für Firmen, Vereine und Schulklassen. Letztere können zudem von halbtägigen Unterrichtsmodulen in den Anlagen oder im Klassenzimmer profitieren (alle Stufen). Darin enthalten ist neuerdings auch das Modul Solarenergie (5.–9. Klasse). Hier werden die Sonne als gewaltige Energiequelle und die entsprechenden Auswirkungen auf die Erde thematisiert. Die Schüler lernen die Prinzipien von Solarthermie und Fotovoltaik sowie deren Anwendungen kennen. Dazu basteln sie ihre eigene Solaranwendung, die sie mit nach Hause nehmen und dort weiterentwickeln können.
www.umweltprofis-jobs.ch
Bildung Auf Spurensuche Das Bundesamt für Landestopografie swisstopo schickt Schulklassen der Primar- und Sekundarstufe (10–15 Jahre) hinaus in die Natur: Sie machen sich im Rahmen eines Wettbewerbs auf die Suche nach Spuren wild lebender Tiere. Die Entdeckungen dokumentieren sie mithilfe von Fotos, Zeichnungen oder Beschreibungen und halten den Fundort anhand einer Landkarte oder eines GPSGeräts fest. Alle Beobachtungen tragen die Klassen auf einer Karte ein, die bis zum 15. März 2017 an swisstopo geschickt werden muss. Zu gewinnen sind CHF 500.– für die Klassenkasse und ein Besuch bei swisstopo.
Linie-e, Energie Zukunft Schweiz, +41 61 500 18 00, info@linie-e.ch, www.linie-e.ch; Modul Solarenergie: Dauer: 3 Lektionen, plus Material zur Nachbereitung (1–2 Lektionen), Kosten: keine im Versorgungsgebiet der Partneranlagen, CHF 400.– in der übrigen Schweiz
www.schatz-karte.ch
Umwelt erklären Im SVEB-Zertifikatskurs Umwelt-Erwachsenenbildnerin lernen Umweltprofis, Umwelt- und Cleantech-Themen bzw. Aspekte der nachhaltigen Entwicklung effektiv und kreativ zu vermitteln – sowie Lehrveranstaltungen insgesamt mit mehr Sicherheit durchzuführen. Vermittelt werden unter anderem die didaktischen Grundlagen des erwachsenenspezifischen Lehrens und Lernens. Zertifikat des Schweizerischen Verbands für Weiterbildung (SVEB): 111,5 Std. Unterricht (16 Kurstage), 172 Std. Selbststudium und Erbringung Leistungsnachweise, 150 Std. Praxis in Erwachsenenbildung, 13,5 ECTS-Punkte; Kosten: CHF 4500.–; helene.sironi@silviva.ch, +41 44 291 21 89;
Müll im Meer
Erlebnis Geologie
Grundwasser degustieren und trinken? Geologischer Stadtrundgang? Oder Bestimmung von mitgebrachten Gesteinen durch den Geologen? Auf der Plattform «Erlebnis Geologie» tragen Veranstalter kostenlos ihre Anlässe mit einem Bezug zur Geologie ein. Zudem finden sie dort Checklisten oder Werbematerial für deren Durchführung. Nutzerinnen und Nutzer der Plattform wiederum können gezielt nach Veranstaltungen suchen. «Erlebnis Geologie» wird unter anderem vom Bundesamt für Landestopografie swisstopo finanziell unterstützt.
Der Naturkalender Die Stadt Bern bietet unter www. natur-umweltkalender.ch eine Übersicht über Aktivitäten und Veranstaltungen aus den Bereichen Nachhaltigkeit und Umwelt. Thematisiert werden auch Weiterbildungsangebote oder Kurse für Schulen. Symbole zeigen an, ob die Angebote für Menschen mit einer Mobilitäts-, Hör- oder Sehbehinderung geeignet sind. Darüber hinaus kann gezielt nach Veranstaltungen oder Veranstaltern gesucht werden. www.natur-umweltkalender.ch
In der Antarktis entdeckten Meeresforschende, dass 80 Prozent der aufgefundenen Seevögel Plastikmüll in ihren Mägen haben. Im neuen Aquarium des Zoos Zürich wird diese Problematik in einer Ausstellung beleuchtet. Daneben geht es auch um Überfischung. Zu sehen ist eine inszenierte Meeresküste voller Abfall. Die Objekte sind Originale und stammen aus dem Pazifik. Im Kleinkino des Aquariums sind verschiedene Kurzfilme zum Thema zu sehen, in einem kleinen Labor können Besucherinnen und Besucher verschiedene Experimente zum Aspekt Mikroplastik mitverfolgen. www.zoo.ch
www.erlebnis-geologie.ch
www.silviva.ch/sveb
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Recht Nicht ohne Partikelfilter Baumaschinen sind in der Schweiz gemäss BAFU und Bundesverwaltungsgericht in jedem Fall mit Partikelfiltern auszurüsten. 2014 beantragte eine Baumaschinenfirma beim BAFU die Bewilligung für Import und Nutzung von Baumaschinen mit einer Leistung von mehr als 18 Kilowatt (kW). Einzige Bedingung: Sie müssten die massgebenden europäischen Anforderungen erfüllen. Das BAFU erteilte dem Begehren eine Absage. Es stellte fest, dass Baumaschinen gemäss der Luftreinhalteverordnung (LRV) zusätzlich zu den europäi schen Anforderungen den Partikelanzahlwert einzuhalten hätten. Nach heutiger Technologie bedingt dies den Einbau eines Partikelfilters (sog. faktische Partikelfilterpflicht). Gegen diese Verfügung erhob die Baumaschinenfirma Be schwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Begründung: Die faktische Partikelfilterpflicht verstosse unter anderem gegen das Umweltschutzgesetz (USG), da die LRV von einem fal schen Anlagenbegriff ausgehe und sie wirtschaftlich nicht tragbar sei. Zudem verletze sie das Cassis-de-Dijon-Prinzip des Bundesgesetzes über die technischen Handelshemm nisse (THG). Das Bundesverwaltungsgericht stützte in seinem Urteil den Entscheid des BAFU und wies die Beschwerde ab. In der Begründung hielt es unter anderem fest, dass zur Begrenzung von Schadstoffemissionen auf Baustellen grundsätzlich bei der Quelle, also den Baumaschinen, angesetzt werden müsse – und eine sinnvolle Alternative auch nicht ersichtlich sei. Laut USG und LRV müsse zudem die Beurteilung der wirt schaftlichen Tragbarkeit von Emissionsbegrenzungen nach einem mittleren und wirtschaftlich gesunden Betrieb der betreffenden Branche ausgerichtet werden. Ein solcher sei im vorliegenden Fall durchaus in der Lage, die Massnahme zu finanzieren und gleichzeitig einen existenzsichernden Gewinn zu erzielen. Schliesslich liege auch kein Verstoss gegen das Cassis-deDijon-Prinzip vor. Gemäss THG seien technische Vorschriften zwar grundsätzlich so auszugestalten, dass sie sich nicht als technische Handelshemmnisse auswirkten. Abweichungen von diesem Grundsatz sind den St. Galler Richtern zufolge jedoch zulässig. Und zwar dann, wenn die Massnahmen – wie im vorliegenden Fall die Partikelfilterpflicht – öf fentlichen Interessen dienen, nicht diskriminierend sowie verhältnismässig sind. Maurus Bärlocher, Abteilung Recht, BAFU, +41 58 465 43 29, recht@bafu.admin.ch; Urteil A-1300/2015 des Bundesverwaltungsgerichts
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Publikationen Sämtliche BAFU-Publikationen sind elektronisch verfügbar und lassen sich als PDF kostenlos herunterladen unter: www.bafu.admin.ch/publikationen Einzelne Veröffentlichungen sind zudem in gedruckter Form erhältlich und können bestellt werden bei: BBL, Vertrieb Bundespublikationen, CH-3003 Bern Tel.: +41 58 465 50 50, Fax +41 58 465 50 58 E-Mail: verkauf.zivil@bbl.admin.ch www.bundespublikationen.admin.ch (bitte Bestellnummer angeben) Eine Bestellkarte ist in diesem Magazin eingeheftet. Ein Newsletter oder RSS-Feed für alle Neuerscheinungen kann auf der BAFU-Website unter www.bafu.admin.ch/newsletter abonniert werden. Schlüssel zu den bibliografischen Angaben:
Titel. Untertitel. Erscheinungsjahr. Herausgeber (wenn nicht oder nicht nur BAFU). Anzahl Seiten; erhältliche Sprachen; Preis (sofern gedruckte Ausgabe); Bezug und Bestellnummer (sofern gedruckte Ausgabe); Link für den Download
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Biodiversität Rote Liste Gefässpflanzen. Gefährdete Arten der Schweiz. 2016. Hrsg. BAFU und Info Flora – Nationales Daten- und Informa tionszentrum der Schweizer Flora. 178 S.; D, F; kostenlos; Bezug der gedruckten Ausgabe: www.bundespublikationen.admin.ch, Bestellnummer 810.100.101d; Download: www.bafu.admin.ch/uv-1621-d Die Rote Liste der Gefässpflanzen der Schweiz wurde von Info Flora gemäss den Richtlinien der IUCN nach 14 Jahren revidiert und ersetzt damit die Ausgabe 2002. Von den 2613 bewerteten Arten und Unterarten (Taxa) gelten 725 (28 %) als gefährdet oder ausgestorben und zusätzlich 415 (16 %) als potenziell gefährdet. Rote Liste der Prachtkäfer, Bockkäfer, Rosenkäfer und Schröter. Gefährdete Arten der Schweiz. 2016. Hrsg. BAFU, Info Fauna – Schweizerisches Zentrum für die Kartografie der Fauna (SZKF) und Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). 118 S.; D, F; kostenlos; Bezug der gedruckten Ausgabe: www.bundespublikationen.admin.ch, Bestellnummer 810. 810.100.102d; Download: www.bafu.admin.ch/uv-1622-d Von den 256 bewerteten Arten der Prachtkäfer, Bockkäfer, Rosenkäfer und Schröter befinden sich 118 (46 %) gemäss IUCN-Kriterien auf der Roten Liste, und 47 (18 %) werden als potenziell gefährdet (NT) eingestuft. Mit der Roten Liste werden die behandelten Käferfamilien zum ersten Mal bewertet. Sie informiert Förster, Landwirte und Grünflächenmanagerinnen in Siedlungen über die zur Verfügung stehenden Instrumente für die Erhaltung und Revitalisierung der biologischen Vielfalt von natürlichen und naturnahen Gehölzlebensräumen. Konzept Biber Schweiz. Vollzugshilfe des BAFU zum Biberma nagement in der Schweiz. 2016. 43 S.; D, F, I; keine gedruckte Ausgabe; Download: www.bafu.admin.ch/uv-1612-d
Biotechnologie Biotechnologie in der Schweiz: zwischen Risiko und Innovation. Stand der Biosicherheit in Forschung und Landwirtschaft. 2016. 30 S.; D, F; keine gedruckte Ausgabe; Download: www.bafu.admin.ch/uz-1613-d
Boden Ausbringen aus der Luft von Pflanzenschutzmitteln, Biozidpro dukten und Düngern. Vollzugshilfe für Vollzugsbehörden und Anwendung. 2016. Hrsg. BAFU und Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL). 41 S.; D, F; keine gedruckte Ausgabe; Download: www.bafu.admin.ch/uv-1623-d Diese Vollzugshilfe erläutert, wie die rechtlichen Grundlagen bezüglich Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln (PSM), Biozidprodukten und Düngern aus der Luft auszulegen sind. Sie konkre tisiert unbestimmte Rechtsbegriffe und präzisiert den
ewilligungsprozess, indem sie aufzeigt, welche Kriterien zu erB füllen sind, damit solche Anwendungen bewilligt werden können.
Landschaft Den Landschaftswandel gestalten. Überblick über landschafts politische Instrumente. 2016. 108 S.; D, F, I; CHF 7.50; Bezug der gedruckten Ausgabe: www.bundespublikationen.admin.ch, Bestellnummer 810.300.135d; Download: www.bafu.admin.ch/uw-1611-d Die Publikation gibt eine Einführung in die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Landschaftspolitik und bietet eine Übersicht über die landschaftspolitischen Instrumente auf den verschiedenen staatlichen Ebenen der Schweiz. Bauten und Anlagen in Moorlandschaften. Eine Arbeitshilfe für die Praxis. 2016. 54 S.; D, F, I; kostenlos; Bezug der gedruckten Ausgabe: www.bundespublikationen.admin.ch, Bestellnummer 810.100.100d; Download: www.bafu.admin.ch/uv-1610-d Moorlandschaften sind aufgrund einer ausdrücklichen Verfassungsgrundlage und der darauf abgestützten Regelung im Natur- und Heimatschutzgesetz streng geschützt. Die Vollzugshilfe zeigt das Verhältnis von Natur- und Heimatschutzrecht und Raumplanungsrecht auf und erläutert die Rechtslage anhand von praktischen Beispielen und mit Hinweisen auf die Gerichtspraxis.
Wald und Holz Physikalischer Bodenschutz im Wald. Waldbewirtschaftung im Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit und Erhaltung der physikalischen Bodeneigenschaften. 2016. 159 S.; D, F; CHF 15.–; Bezug der gedruckten Ausgabe: www.bundespublikationen.admin.ch, Bestellnummer 810.300.134d; Download: www.bafu.admin.ch/uw-1607-d
Wasser Zustand der Schweizer Fliessgewässer. Ergebnisse der Natio nalen Beobachtung Oberflächengewässerqualität (NAWA) 2011–2014. 2016. 87 S.; D, F; keine gedruckte Ausgabe; Download: www.bafu.admin.ch/uz-1620-d Die Nationale Beobachtung Oberflächengewässerqualität (NAWA) ist ein gemeinsames Monitoringprogramm von Bund und Kantonen. Der Bericht präsentiert die Ergebnisse der Erhebungen zwischen 2011 und 2014 an den rund 100 Messstellen an mittelgrossen und grossen Fliessgewässern. Die Untersuchungen ergeben ein differenziertes Bild des ökologischen Zustands der Schweizer Fliessgewässer: Die Belastung mit Nährstoffen hat abgenommen, die Bedeutung der Belastung durch Mikroverunreinigungen wächst, und die biologische Gewässerqualität ist teilweise ungenügend. Die aufgezeigten Defizite belegen, dass die Gewässer nicht überall in der Lage sind, ihre für Mensch und Ökosysteme wichtigen Funktionen zu erfüllen.
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Tipps
Natürlich Schweizer Holz
Globe
Jahreszeiten beobachten
Ob Christbaum, Deckäste für den Garten, Spielzeug oder Esstisch: Produkte aus Schweizer Holz sind gefragt, denn Holz aus unseren Wäldern muss nicht weit transportiert werden und schont das Klima. Auf dem Portal www.holz-bois-legno.ch finden sich über 300 Anbieter hiesiger Wald- und Holzprodukte: vom Forstbetrieb bis zum Hersteller von Spielwaren. Diese Firmen setzen auch auf einheimisches Material, wenn sie Innenausbauten und ganze Häuser gestalten. Das rote «Herkunftszeichen Schweizer Holz» ist dabei entscheidend. www.holz-bois-legno.ch
Gratis, für Android und iPhone,
Das Netzwerk PhaenoNet befasst sich mit den jahreszeitlichen Veränderungen von Pflanzen, also mit deren Wachstum und Entwicklung: Mitglieder beobachten ausgewählte Pflanzenarten über das gesamte Jahr hinweg und dokumentieren die charakteristischen Phasen auf der gemeinsamen Plattform. Die Daten lassen sich auf Karten oder Diagrammen darstellen und mit Resultaten anderer Mitglieder vergleichen. Überdies dienen sie der wissenschaftlichen Erforschung der Auswirkungen des Klimawandels auf die jahreszeitlichen Phänomene sowie der Verbesserung der Pollenprognosen.
In der Schweiz werden jährlich rund 3000 Abbruchbewilligungen von Häusern erteilt. Um möglichst vielen wertvollen Bauteilen zu einem zweiten «Leben» zu verhelfen, gibt es jetzt ein neues Onlineangebot: Unter www.salza.ch dokumentieren Bauherren ihre L iegenschaft vor dem Rückbau. Architektinnen, Designer oder Künstlerinnen können dann auf der vom BAFU unterstützen Plattform wiederverwendbare Bauteile kaufen – nach einer Kontaktvermittlung durch Salza und erfolgreichen Verhandlungen.
www.zugutfuerdietonne.de/praktische-helfer/app
www.phaenonet.ch
www.salza.ch
Zu gut für die Tonne Aus übrig gebliebenen Lebensmitteln feine Restegerichte zubereiten: Dafür gibt es die deutsche «Zu gut für die Tonne»-App. Sie enthält sowohl rund 350 Rezepte von Sterneköchen und prominenten Kochpaten (unter anderem von Schau spieler Daniel Brühl) als auch Tipps zum Einkauf oder zur richtigen Aufbewahrung und Verwertung von Lebensmitteln.
Nachhaltigkeit messen
Das Klima retten Die App «Changers» will das Bewusstsein für den eigenen ökologischen Fussabdruck schärfen. Sie registriert und misst Fussmärsche und Velofahrten, Auto- und Busfahrten oder Flüge. Die App zeigt auf, wie viel CO2 durch körperliche Bewegung gespart bzw. mit Individualverkehr produziert wird. Unternehmen können die App lizenzieren und ihren Mitarbeitenden zur Verfügung stellen. Wenn diese mit dem Velo oder zu Fuss zur Arbeit kommen, sammeln sie Punkte. Die lassen sich gegen Prämien eintauschen. Gratis, für Android und iPhone, www.changers.com
Secondhand-Bauteile
rung 2013, www.haupt.ch/Verlag/Apps-E-Books/
Wie nachhaltig ist ein Gebäude? Der neue «Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz 2.0» (SNBS) gibt darüber Auskunft. Und zwar nicht nur bezüglich Umweltverträglichkeit, sondern auch mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit und den Nutzen für die Gesellschaft. Neu können Gebäude auch nach SNBS zertifiziert werden (in den Stufen Platin, Gold und Silber). Dabei wird die Nachhaltigkeit anhand von 45 Kriterien nach dem Schulnotensystem bewertet. Als erstes Gebäude wurde die vom Berner Bauunternehmen Losinger Marazzi in Bern Wankdorf realisierte Liegenschaft Twist Again mit dem Label ausgezeichnet.
Apps/Natur-erleben-beobachten-verstehen.html
+41 44 445 16 80, www.snbs-cert.ch,
Natur gucken Über 200 Tierarten und rund 150 Pflanzen lassen sich mit der App «Natur beobachten, erleben und verstehen» bestimmen. Zudem erfahren Interessierte Wissenswertes über die Tiere und Pflanzen in den verschiedenen Lebensräumen, können eigene Fotos und Notizen von Streifzügen in der Natur hinzufügen und sie auf der Plattform www.naturgucker.net mit anderen teilen. CHF 6.–, für Android und iPhone, letzte Aktualisie-
info.zh@sgs.com
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DOSSIER UMWELTKOMPETENZ IM BERUF < umwelt umwelt 4/2016 4/2016
Da ist der Wurm drin Bioabfall soll nicht im Müll landen, sondern im Kompost. Daraus entsteht schliesslich nützlicher Dünger. Damit dieser auch in der Wohnung oder auf dem Balkon «ge erntet» werden kann, hat ein Zürcher Start-up-Unternehmen ein neues Kompostsystem entwickelt: In einem tönernen Behälter (Höhe 35 cm, Durchmesser 40 cm) fressen sich Würmer durch den Bioabfall, und so bildet sich zwei- bis dreimal im Jahr frischer Dünger – absolut geruchsfrei, wie die Hersteller versichern. +41 79 479 73 42, www.wormup.ch
Säugetier-Volkszählung
Ananas für Städte Im Rahmen des Projekts Ananas (Angebotsstrategie nachhaltig verdichteter Städte) hat der Hochschulverlag der Eidgenössisch Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) einen Leitfaden zur nachhaltigen Nachverdichtung und Arealentwicklung herausgegeben. Er richtet sich an Städte und Gemeinden in Agglomerationen. Aufgezeigt wird darin, wie diese Anreize schaffen oder Forderungen stellen können, damit Bauherren und Investoren Wohnbauten für Leute realisieren, die einen nachhaltigen Lebensstil pflegen.
Der letzte Säugetieratlas der Schweiz erschien 1995. Inzwischen ist er vergriffen und in vielen Bereichen nicht mehr aktuell. 2020 soll deshalb ein neuer Atlas erscheinen. Dafür wird die Bevölkerung um Mithilfe gebeten. Gemeldet werden können Säugetier-Beobachtungen auf http://säugetieratlas.wildenachbarn.ch oder über die Meldeplattform des SZKF (Schweizer Zentrum für die Katrografie der Fauna). (webfauna.ch). http://säugetieratlas.wildenachbarn.ch,
nachhaltigen-arealentwicklung.html
«Globi und die Energie», ab 8 Jahren, CHF 29.90,
ISBN: 978-3-7281-3755-5, auch als e-Book, +41 44 632 42 42,
und Illustrationen, schwarz-weiss, CHF 40.–, ISBN: 978-3-9524524-0-0, www.spriessbuerger.ch
Globi und die Energie
http://vdf.ch/leitfaden-und-checklisten-zur-
Arealentwicklung», 72 Seiten, CHF 44.–,
«Spriessbürger», 368 Seiten, ca. 400 Fotos
https://webfauna.cscf.ch, bite@zhaw.ch
Dürfen wir noch ungeniert die elektrische Zahnbürste benutzen? Oder versinkt dann eine kleine Insel auf der anderen Seite der Welt? Im neuen Kindersachbuch «Globi und die Energie» beschäftigt sich die beliebte Schweizer Comicfigur mit dem Klimawandel. Globi recherchiert und spricht mit vielen Fachleuten. Er kommt zum Schluss, dass es am besten ist, wenn jeder Mensch damit beginnt, den eigenen Energieverbrauch zu reduzieren.
«Leitfaden und Checklisten zur nachhaltigen
Von null auf Gemüse Das Buch «Spriessbürger» ist eine Anleitung für den Anbau von Gemüse und Salat im e igenen Garten. Es enthält Informationen zum Anlegen von Beeten, zur Setzlingsproduktion oder zum biologischen Pflanzenschutz sowie Beispiele konkreter Fruchtfolgen. Zu d em werden über 50 Gemüse- und Salatarten vorgestellt. Das Buch wurde von der Deutschen Gartenbaugesellschaft unter die besten fünf Gartenbücher des Jahres 2016 gewählt.
ISBN: 978-3-85703-046-8
umwelt /environnement gratis abonnieren /nachbestellen/Adressänderungen umwelt, NZZ Fachmedien AG, Leserservice, Fürstenlandstrasse 122, 9001 St. Gallen, +41 71 272 71 32, umweltabo@bafu.admin.ch, www.bafu.admin.ch/magazin
Impressum 4/2016 November 2016 | Das Magazin umwelt des BAFU erscheint viermal jährlich und kann kostenlos abonniert werden; ISSN 1424-7186. | Herausgeber: Bundesamt für Umwelt BAFU. Das BAFU ist ein Amt des Eidg. Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) | Projektoberleitung: Marc Chardonnens, Thomas Göttin | Konzept, Redaktion, Produktion, Marketing: Jean-Luc Brülhart (Gesamtleitung), Charlotte Schläpfer (Stellvertretung), Daniela Jost und Nicolas Gattlen (Dossier «Bildungskompetenz im Beruf»), Beat Jordi (Weitere Themen), Peter Bader und This Rutishauser, textatelier.ch (Rubriken), Joël Käser und Maurice Marti (online), Tania Brasseur Wibaut (Koordinatorin Romandie), Cornélia Mühlberger de Preux (Redaktorin Romandie), Valérie Fries (Redaktionssekretariat) | Externe journalistische Mitarbeit: Peter Bader, Hansjakob Baumgartner, Vera Bueller, Stefan Hartmann, Beat Jordi, Gregor Klaus, Kaspar Meuli, Pieter Poldervaart, Cornélia Mühlberger de Preux, Muriel Raemy Lindegger, Lucienne Rey; Jacqueline Dougoud (Lektorat, Korrektorat Dossier und Weitere Themen, Übersetzungen), Chantal Frey (Lektorat, Korrektorat Rubriken), Irene Bisang (Über setzungen) | Visuelle Umsetzung: Arbeitsgemeinschaft Atelier Ruth Schürmann, Luzern | Redaktionsschluss: 7. Oktober 2016 | Redaktionsadresse: BAFU, Kommunikation, Redaktion umwelt, 3003 Bern, Tel.+41 58 463 0 3 34, Fax +41 58 462 70 54, magazin@bafu.admin.ch | Sprachen: Deutsch, Französisch; Italienisch (nur Dossier) ausschliesslich im Internet | Online: Der Inhalt des M agazins (ohne Rubriken) ist abrufbar unter www.bafu.admin.ch/magazin. | Auflage dieser Ausgabe: 46 000 Expl. Deutsch, 18 000 Expl. Französisch | Papier: Refutura, rezykliert aus 100 % Altpapier, FSC-zertifiziert mit Blauem Engel, VOC-arm gedruckt | Druck und Versand: Swissprinters AG, 4800 Zofingen, www.swissprinters.ch | Copyright: Nachdruck der Texte und Grafiken erwünscht, mit Quellenangabe und Belegex emplar an die Redaktion.
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Intern Das BAFU in den Social Media Das BAFU hat seine Präsenz auf ausgewählten Social-Media-Plattformen ausgebaut. Es ist aktiv auf Twitter (Kurznachrichten), YouTube (Video), ISSUU (Publikationen) und Slideshare (Präsentationen). auf sozialen Netzwerken teilen oder in eigene Websites einbinden.
ISSUU – http://issuu.com/bundesamt-fuerumwelt-bafu Das Magazin umwelt erscheint nicht nur in gedruckter Ausgabe, sondern auch als PDF-Dokument, als Online-Version und als E-Paper auf ISSUU. Dort lässt sich das Magazin durchblättern, liken, empfehlen und einbetten.
Auf YouTube findet sich unter anderem das animierte Video «Wasserqualität: Wie geht es den Bächen und Flüssen in der Schweiz?».
Social Media haben sich nicht nur für Un ternehmen, sondern auch für Behörden von Gemeinden und Kantonen sowie des Bundes als Kommunikationsinstrument etabliert. Neun von zehn Schweizer Or ganisationen (Unternehmen, Non-ProfitOrganisationen, Behörden) sind 2016 auf Social Media aktiv, wie eine Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und der Agentur Bernet_PR ergab. Das BAFU stellt seine Inhalte den Interessierten auf verschie denen Plattformen zur Verfügung und ermöglicht darüber auch den Dialog. Vier Social-Media-Plattformen Das BAFU geht auf den sozialen Netz werken zurückhaltend und kontrolliert vor und konzentriert sich derzeit auf die folgenden vier Plattformen. Diese eignen sich einerseits für die Behörden kommunikation und sind andererseits weit verbreitet:
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Twitter – https://twitter.com/bafuCH Das BAFU versendet über Twitter in den drei Amtssprachen sowie in Englisch alle Medienmitteilungen, die neuen Publi kationen, die Ausgaben des Magazins umwelt sowie weitere ausgewählte ak tuelle Inhalte. Die Mitteilungen lassen sich zwar auch als E-Mail-Newsletter oder als RSS-Feed abonnieren, über Twit ter können die Kurznachrichten aber öffentlich weitergesendet (retweetet) und kommentiert werden.
YouTube – www.youtube.com/bafuCH Auf YouTube veröffentlicht auch das BAFU seine Videos. So erzielen diese – zum Beispiel zur Qualität der Gewässer oder zur Grünen Wirtschaft – eine viel grössere Reichweite. Sie lassen sich zudem kommentieren, liken (mag ich),
Slideshare – www.slideshare.net Was YouTube für Videos, ist Slideshare für Präsentationen. Die von BAFU-Ex perten an Veranstaltungen gehaltenen Präsentationen stehen kurz darauf auf Slideshare der interessierten Öffentlich keit zur Verfügung. So teilt das BAFU sein Wissen mit Letzterer sowie mit anderen Expertinnen und Experten. Allen erwähnten Plattformen ge meinsam ist, dass Interessierte sie abonnieren können und so immer über das Neuste informiert sind. Gesamtübersicht Auf www.bafu.admin.ch/socialmedia findet sich das Gesamtangebot des BAFU. Auch ist ersichtlich, wie man sich mit dem Bundesamt verbinden kann, und es gibt Informationen zum Newsletter oder zu den RSS-Feeds.
KONTAKT Robert Stark Leiter Publikationen und Internet Abteilung Kommunikation, BAFU +41 58 462 69 60 robert.stark@bafu.admin.ch
umwelt 4/2016
umwelt unterwegs
Der geschützte Hochmoorsee Étang des Royes im Spätherbst Bild: Beat Jordi
Ein Hauch von Skandinavien im Jura Weitläufige Wytweiden mit mächtigen Weisstannen sowie geschlossene Wälder prägen das Landschaftsbild der jurassi schen Freiberge, die im Nordwesten steil zum Doubs abfallen. Für den Ackerbau ist die auf rund 1000 Meter über Meer gelegene Hochebene trotz reichlicher Niederschläge zu trocken, weil das Was ser rasch im verkarsteten Untergrund versickert. Deshalb lebte die Bevölkerung der Region über Jahrhunderte mehrheit lich von der Rinder- und Pferdezucht. Die vor allem in Siedlungsnähe parkähn liche Kulturlandschaft ist durch gezielte Rodungen entstanden und zeugt von der bäuerlichen Geschichte, die einem auf Wanderungen durch die Region überall begegnet. Der Weg vom Hauptort Saignelégier ins bernische Tramelan quert über wei te Strecken den regionalen Naturpark
Doubs und ist in milden Wintern bis zum einsetzenden Schneefall begehbar. Vom Bahnhof der Schmalspurbahn Chemins de fer du Jura geht es zuerst Richtung Muriaux am Gelände des Marché-Concours vorbei, der jeweils am zweiten Augustwochenende Zehn tausende von Pferdeliebhabern aus der ganzen Schweiz anlockt. Dann hält man sich südwärts und peilt einen befestigten Feldweg an, der an einigen Bauernhöfen vorbei zum idyllischen Moorsee Étang des Royes führt. Noch bis in die 1950erJahre wurde an seinen Ufern Torf gesto chen, es gab eine Sägerei, eine Mühle und auch eine Ziegelei. Doch heute erinnert im idyllischen Naturschutzgebiet nichts mehr an die einstige Wassernutzung. Auch am 2 Kilometer südöstlich gelegenen Étang de la Gruère – dem gröss ten Hochmoorsee der Schweiz – hat die
Natur inzwischen Vorrang. Die Erosion von Hügelkuppen hat das poröse Kalkge stein im Untergrund der Geländemulde mit wasserundurchlässigen Mergel- und Tonschichten abgedichtet, sodass sich ein Sumpfgewässer bilden konnte. Die Lichtverhältnisse und die Vegetation am mehrarmigen Moorsee erinnern eher an skandinavische Seelandschaften als an die jurassischen Freiberge mit ihren ortstypischen Dolinen, Höhlen und Schratten. Ein Lehrpfad führt um den See, an dessen Ufern unter anderem Bergföhren, Moorbirken, Rosmarin heiden, Heidelbeersträucher und Torf moose gedeihen.
Beat Jordi
Weiterführende Links zum Artikel: www.bafu.admin.ch/magazin2016-4-12
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umwelt 4/2014 > DOSSIER KLIMA
Archiv BAFU
> Vorschau Die Wasserqualität in unseren Flüssen, Bächen und Seen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verbessert. Trotzdem ist sie längst nicht überall so gut, wie sie sein müsste, um die ökologischen Ziele der Schweiz zu erreichen. Die nächste Ausgabe von umwelt zeigt, warum ein differenzierter Blick auf unsere Gewässer nötig ist. Wir zeigen, weshalb viele Bäche mit Pestizid- und Medikamentenrückständen belastet sind und was das für die Biodiversität bedeutet. Wir beleuchten, wie Nutzungskonflikte dem Grundwasser zusetzen. Und wir erklären, wie den Bedrohungen begegnet werden kann.
> Die Artikel dieses Heftes – ausser den Rubriken – sind auch im Internet verfügbar, mit weiterführenden Links und Literaturangaben: www.bafu.admin.ch/magazin2016-4 64