B체ndner
Wald
Jahrgang 67 | Februar 2014
B채umige Originale aus Graub체nden
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Inhalt
Bäumige Originale aus Graubünden Editorial ................................................. 4
Heckentag der Scola Trin vereint Länder,
Die Jagd auf bedeutende Bäume ................ 5
Ein Vierteljahrhundert im Wald ................. 60
Generationen und Interessenten ............... 58
Meldungen von Bäumigen Originalen ......... 8
Auszeichnung «proQuercus» 2014
Arve – die älteste Bündner Greisin
Vorschau «Bündner Wald» April 2014 ....... 63
in Celerina ................................................. 9 Zeugen der Vergangenheit und Träger einer seltenen Art ..................................... 12 Die Buchen im Hinterrheintal .................... 16 Baumgiganten – auch in der Surselva ........ 19 Interview mit Heinrich Haller .................... 24 Ein wahres Märchen aus dem Churer Wald ............................................ 31 Bäumige Attraktionen für Spaziergänger in Igis ................................ 36 Die Reise zu drei unscheinbaren Riesinnen ................................................. 39 Riesen-Kastanienbäume im Moesano ........ 42 Lärche in der Kampfzone Suot Ruinas Susch .................................... 46 Die Dorflinde von Scharans ...................... 48 Wertvollen Bäumen auf den
Titelbild: Die Esche am Bahnhof Peist steht schon
Zahn fühlen ............................................. 49
mehrere hundert Jahre, der erste Zug kam erst
Wiederbelebung des Walnussanbaus
nach 250 Jahren.
in Graubünden ......................................... 52
(Bild: Michel Brunner)
«Das Geheimnis der Bäume» – eine Filmbesprechung ............................... 56
Inhaltsbild: Bäume wie Säulen im Conterser Wald.
Comic Theo & Heinz ................................ 57
(Bild: Sandro Krättli)
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Editorial
«Tiere herrschen über den Raum und Bäume über die Zeit»: ein wesentliches Zitat von Botaniker Francis Hallé im Film «Das Geheimnis der Bäume». Wir kennen bestimmte Bäume, seit wir Kinder sind. Vielleicht sahen wir sie aufwachsen, so wie sie uns aufwachsen sahen. Bäume überdauern uns jedoch. Sie können Hunderte Jahre alt werden. Dies bezaubert uns Menschen. Wir fühlen uns gleichzeitig mit ihnen verbunden. Manche haben Lieblingsbäume oder sogar einen einzelnen Lieblingsbaum – vielleicht gar einen Lebensbaum. Andere umarmen sie und es geht ihnen besser, ohne dies direkt mit Spiritualität zu verbinden. Weltreligionen verbandelten sich früh mit Bäumen, was sie irdisch und für den Pöbel begreifbar machen sollte. Die Heiden beanspruchten früh die Eiche, die Christen im Mittelalter als Reaktion die Linde; an andern Orten aber standortgerecht den Olivenbaum oder den Feigenbaum. Adam und Eva bedeckten nach ihrem Sündenfall ihre Blösse mit einem Feigenblatt. Eine Geschichte, die das Handeln der Katholischen Kirche noch heute beeinflusst. So gibt es weitere Geschichten von Menschen und Bäumen. Buddha fand seine Erleuchtung unter dem Bodhibaum. Gandhi sagte, Bäume sind Gedichte, die die Erde an den Himmel schreibt. Der Science-Fiction-Film «Avatar» von James Cameron ist mit dem zentralen Baum des Lebens der erfolgreichste Film aller Zeiten. Bühne Huber landete seinen letzten Hit mit dem Gummibaum. Ganz aktuell beeinflusst ein plakativer Apfelbaum unsere Meinung über die künftige Einwanderung in die Schweiz. Neuartige Glaubensrichtungen rund um Naturkulte führen wieder zu Heiligsprechungen von Bäumen – oft gepaart mit sonderbaren Ritualen. Dies befremdet uns leicht. An Weihnachten besingen wir dann im Familienkreis einen Tannenbaum,
der längst mangels Nachwuchs einer Fichte, einer Nordmanntanne oder praktischem Plastik gewichen ist. Ein heidnischer Brauch für ein christliches Fest. Der Baumkreis schliesst sich. Baumverehrung ist bis in die Gegenwart bei zahlreichen Völkern der Erde verbreitet. Kulturhistorisch soll gar bewiesen sein, dass die religiöse Einbeziehung des Waldes und die Heiligung des Baumes über viele Generationen hinweg die Menschen davon abhielten, Raubbau an der Natur zu treiben. Dass dies nicht ewig anhielt, wissen wir mittlerweile. Spätestens im Mittelalter mit der fortschreitenden Zivilisierung und dem Drang zur Entdeckung der restlichen Welt hat man es mit der Heiligkeit weniger genau genommen. Eine Entwicklung, die global anhält und noch täglich Wälder auf dem Globus verschwinden lässt. Auch hier in Graubünden gibt es Baummonumente, die wohl Verschiedenes zu erzählen hätten. Vielleicht, dass sie Jürg Jenatsch in Windeln sahen oder wie Hexen brannten, wie erste Autos durchs Land tuckerten oder wie ein Jüngling unter ihnen einen verbotenen Joint rauchte. Bäume herrschen eben über die Zeit, wir Tiere über den Raum. Viele bäumige Originale stehen noch heute und werden uns überdauern. Ihnen ist diese «Bündner Wald»-Nummer gewidmet. Und der Leserschaft kann sie helfen, vor lauter Wald die Bäume, und in ihnen den Wert der für uns vergänglichen Zeit, zu sehen.
Sandro Krättli, Redaktor «Bündner Wald» Sagastägstr. 96, CH-7220 Schiers sandro.kraettli@awn.gr.ch
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Die Jagd auf bedeutende Bäume
Auch in Graubünden stehen Bäume, welche durch Besonderheiten von internationaler Bedeutung sind. Hier die Esche von Peist, welche der RhB gehört. (Bild: Michel Brunner)
Die Rhätische Bahn kurvt entlang der gebirgigen Strecke Richtung Arosa. Kurz vor der Bahnstation Peist ertönt die Stimme des Lokführers: «Wenn Sie jetzt nach rechts schauen, erspähen Sie einen Rehbock.» Sympathisch, dass der Lokführer die Zugreisenden darauf aufmerksam macht, dachte ich. Es erinnert an Sightseeing für Touristen, wo die Sehenswürdigkeiten eines Ortes vorgestellt werden. Vor lauter Bock wäre mir aber fast ein wirkliches Highlight entgangen. Wildvieh habe ich schliesslich schon mal gesehen – nie zuvor aber das, was sich auf der anderen Fahrtseite abzeichnete. Ich sprang auf und stieg wenige Sekunden danach aus dem Zug. Was hier vor mir stand, war die Mühe wert!
Dies war die Schilderung meines Kollegen André Hübscher, der mich kurz nach seiner Entdeckung aufgeregt anrief. André Hübscher fuhr über Jahre das gesamte SBBStreckennetz, die meisten Bergbahnen- und Postautostrecken ab, um besondere Bäume aufzuspüren. Was er in Peist fand, war ein «international bedeutender Baum». Als solcher ist ein Baum zu bezeichnen, der aus einem der folgenden Gründe weltweit zu den bedeutendsten seiner Art zählt. Kriterien sind: Dicke, Alter, Höhe, Breite, Kuriosität, Seltenheit oder kulturelle Bedeutung. Eine Weltsensation in Peist Im Falle des Baumes in Peist handelt es sich um eine Gewöhnliche Esche. Mit «geBündner Wald 1 /2014 5
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wöhnlich» ist natürlich nur die Artbezeichnung gemeint. Denn nie zuvor fanden mein Kollege und ich eine mächtigere Esche. Es gibt weltweit nur etwa drei Exemplare, die an ihren Stammumfang von 9,25 m herankommen. Da die Esche in Peist aber nicht weit unter der natürlichen Vegetationsgrenze gedeiht, ist anzunehmen, dass sie eher langsam gewachsen ist. Ein Alter von 350 Jahren wäre möglich. Damit ist sie vielleicht die älteste Esche ihrer Art. Aber wie kommt es, behaupten zu dürfen, dies sei eine der bedeutendsten Eschen Europas und was bringt überhaupt die Suche nach solchen Bäumen? Wie alles begann Die Faszination für Naturwunder begann bereits in meiner Kindheit. Aufgewachsen bin ich am Flughafen Zürich in Glattbrugg; ein Ort, in dem Fluglärm und Verkehr vorherrschen. Wenn immer möglich, war ich mit meiner Familie unterwegs in der Natur. Die Ferien verbrachten wir entweder in Rüderswil im Emmental oder im Unterengadin. In Rüderswil beeindruckte mich jährlich die
alte «Leuenberger Linde» und in Graubünden war es der Arvenwald bei God da Tamangur. Die grosse Suche Vor 15 Jahren entschloss ich mich weitere so eindrückliche Bäume aufzusuchen. Bald merkte ich, dass es kein konsequentes Verzeichnis darüber gab. Das Auffinden alter Baumriesen gestaltete sich aber schwierig. So schrieb ich über 2700 Gemeinden und ebenso viele Forstbezirke an. Unzählige Medienaufrufe und mittlerweile über 1000 Bücher zum Thema wurden durchforstet. Um sicherzugehen, dass es sich bei einer Baumart um den dicksten Vertreter Europas oder der Welt handelt, musste ich auch diesseitig der Schweizer Grenze alle Bäume kennen. Mittlerweile habe ich mit rund 4000 Altbäumen die grössten von ihnen aufgesucht. Von der dicksten Eberesche Schottlands bis zur breitesten Silberweide in Estland oder der mächtigsten Schwarzpappel in Ungarn habe ich alle gefunden, vermessen, fotografisch und textlich dokumentiert. Gleichzeitig habe ich mich auf die Schweiz
Die Suche nach bäumigen Originalen geht weiter Zusammen mit dem «Bündner Wald» suchen wir deshalb diese Bäume: Der Baum müsste folgenden Mindeststammumfang auf 1 m Höhe oder BHD besitzen oder sonst irgendwie einzigartig sein. Gesucht werden auch Harfen- oder Spitzfichten und andere Kuriositäten wie z. B. eine Kiefer mit Zapfensucht, Spechtringe und vieles Weiteres. – 7 m U. (2,2 m BHD) Bergahorn, Eiche, Lärche, Linde, Pappel, Weide – 6 m U. (1,9 m BHD) Buche, Esche, Fichte, Tanne – 5 m U. (1,6 m BHD) Robinie, Rosskastanie, Ulme, Douglasie – 4 m U. (1,3 m BHD) Birne, Birke, Eibe, Hainbuche, Kiefer, Walnuss – 3,5 m U. (1,1 m BHD) Feldahorn, Kirsche, Mehlbeere, Spitzahorn – 2,5 m U. (0,8 m BHD) Apfel, Holunder (einstämmig) – 2 m U. (0,6 m BHD) Eberesche, Weissdorn (einstämmig) – 1 m U. (0,3 m BHD) Wacholder (einstämmig)
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konzentriert und gemerkt, dass auch hierzulande im Vergleich zu anderen Ländern Europas fast alle internationalen Highlights unbekannt waren. Unzählige Weltrekordhalter wurden plötzlich entdeckt. Darunter die dicksten und ältesten Arven, Lärchen, Fichten, Tannen und Bergahorne der Welt. Die Grundlage für ein Projekt Das Projekt «Bauminventar Schweiz – pro arbore» dient als Grundlage, einen Baum in die Kategorie lokale, regionale, nationale oder internationale Bedeutung einzustufen. Nur dank der europaweiten Vergleiche ist eine internationale Einstufung überhaupt machbar. So pragmatisch diese Arbeit auch ist, eine Einteilung in vorgegebene Kriterien ist unabdingbar. Bei über 500 Millionen Bäumen in der Schweiz können nur so die einzigartigsten von ihnen gefunden werden. Wenn wenigstens 0,0002 Prozent, das sind 1000 Bäume, von ihnen vor einer Fällung verschont werden, bereichert das den Schweizer Wald ungemein. Denn sie sind ein Teil unseres Kulturgutes, und wie die Artenvielfalt gehört auch die Altersviel-
falt in einem Wald zu einem natürlichen Spektrum und dankt es uns mit einer reichen Fauna und Flora. Im Bündner Wald funktioniert auch im Kleinen der Spagat zwischen Wirtschaftswäldern, Schutzwäldern und Urwaldreservaten offenbar sehr gut – wie auch die Esche in Peist beweist. Erst kürzlich wurde ihre Krone sogar vom Baumexperten Walter Wipfli zugunsten der Sicherheit entlastet. Das Projekt «pro arbore» berät nicht nur, wenn es um die Baumpflege geht, sondern sensibilisiert mittels Vorträgen und Büchern, z. B. dem Bildband «Baumriesen der Schweiz», und ist auch als weiterführende Aufgabe zu verstehen. Meldungen aussergewöhnlicher Bäume sind deshalb sehr willkommen!
Michel Brunner Pro Arbore CH-8152 Glattbrugg
lindenbaum@gmx.ch, www.proarbore.com
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Meldungen von «Bäumigen» Originalen
Eine ca. 900 Jahre alte Champagnatscha-Lärche aus Celerina kurz vor dem natürlichen Fall. (Bild: Luigi Frigerio)
Die dicke Alberta aus Valzeina wurde 2011 als dickste Weisstanne im Prättigau gekürt – Umfang 5,68 m. (Bild: Florian Mleczek)
Die Wildbirne aus Tamins, die Schönheitskönigin unter den «Bäumigen» Originalen. (Bild: Lukas Heitz)
Ein Symbol der Macht, einer der Mammutbäume beim Palazzo Salis in Soglio. (Bild: Jürg Hassler)
Die Killiastanne aus Untervaz wurde 8 letztmals im Jahr 2007 ausgemessen – Länge 55 m. (Bild: Sandro Krättli) BUWA1401_008 8
Säulenfichte Zavragia bei Obersaxen. (Bild: Christian Rüsch)
Die Eibe oberhalb von Trimmis – im 6. Jahrhundert soll das Kopftuch der heiligen Emerita an ihr hängen geblieben sein, als sie auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. (Bild: Sandro Krättli) 13.02.14 07:10
Kugelarve in Celerina die älteste Bündner Greisin
Die 1428-jährige Kugelarve in Muottas da Schlarigna, Gemeinde Celerina, ist immer noch grün
und strotzt vor Gesundheit! Ihr Brusthöhendurchmesser beträgt über 200 cm und der jährliche Durchmesserzuwachs lediglich 1,4 mm/Jahr. (Bild: Giachem Bott, Zuoz)
Arvenschatz Sie ist die Königin des Gebirgswaldes und eine grosse Wohltäterin. Sie schützt, wärmt, heilt, nährt, verbreitet Wohlbefinden, ziert die Landschaft, dient als Biotop und wacht über den Forstdienst: die Arve im Gebirgswald! «Mit 1428 Jahren, da fängt das Leben an ...» Im Gebiet God Plazzers oberhalb der Alp Staz auf Gemeindegebiet von Celerina befinden sich auf einer Höhe von rund 2200 m ü. M. mehrere Arven mit einem Alter von über 1000 Jahren. Der älteste Baum Graubündens, die schöne Arve an der oberen Waldgrenze bei Muottas da Schlarigna, ist 1428 Jahre alt – und strotzt immer noch vor Gesundheit! Die Altersbestimmung beruht auf einer im Jahre 1985 von R. Ganzoni (Celerina) erstellten Maturaarbeit. Mittels Kernbohrungen
und mikroskopischer Jahrringanalyse konnte er das damalige Alter auf 1400 Jahre bestimmen, sodass sie nun 1428-jährig sein muss ... Superfigur und gut erhalten Unsere Greisin hat eine kugelförmige Krone mit einem Durchmesser von ca. 14 m, welche rundherum mit grünen Nadeln versehen ist und das wahre Alter der Greisin verdeckt. Der Stamm der Greisin weist einen BHD von über 200 cm auf und ist stark verzweigt. Der Durchmesserzuwachs beträgt durchschnittlich nur 1,4 mm/Jahr! Birk- und Schalenwild, Wanderer und Förster freuen sich über diese Lady, welche hoffentlich noch lange vor der Axt verschont bleibt (sie eignet sich nach ihrem Ableben höchstens als Totholz)! «Für an tüüfa, gsunda Schlof ...» Arvenholz wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden und die Erholung des Menschen aus. Bündner Wald 1 /2014 9
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Zeichnung von Marcel Hofmann
Gemäss Forschungen des Joanneum Research in Graz (Österreich) konnte im Jahre 2004 nachgewiesen werden, dass die durchschnittliche Arbeitsersparnis für das Herz in einem Arvenzimmer bei ca. 3500 Schlägen oder einer Stunde Herzarbeit pro Nacht liegt! Eine bessere Schlafqualität im Arvenbett ist nachweisbar und Wetterfühligkeit tritt im Arvenzimmer nicht auf. Motten und Bakterien haben keine Chance Auch gegen Bakterien und Kleidermotten ist die Arve nützlich. Dank Pinosylvin, des
«guten Arvendufts», weist die Arve die besten antibakteriellen Eigenschaften aller einheimischen Holzarten auf! In einem Arven-Kleiderschrank wird es deshalb für Kleidermotten und Bakterien hart ... «Grünzapfige Geheimarven» Vereinzelt sind im Oberengadin Arven anzutreffen, welche Zapfen mit grünen statt mit den üblichen blau-violetten Schuppen aufweisen. Bezüglich Nadeln, Borke, Stammform und übrigen Merkmalen ist kein Unterschied zu «normalen» Arven erkennbar.
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Beim Sammeln von Arvenzapfen als Leckerbissen für die lange Winterzeit wurden in den 60er-Jahren von uns Knaben grünzapfige Arven bevorzugt und möglichst geheim gehalten, weil sie grössere, flache Nüsschen aufweisen, die besser vom menschlichen Gebiss aufgebrochen werden können. Fotos: Arven-Designermöbel von Ramon Zangger auf Karten, mit Text auf Rückseite.
Mondholz, Designermöbel und Innenausbau Dass die Arve auch optisch einiges hergibt, beweisen gute Architekten und Möbelschreiner des Oberengadins. Sie gestalten aus dem «gesunden» Arvenholz und Mondholz modernste Designermöbel und elegante Inneneinrichtungen. Wenn noch wohlriechende Arvenseife im Badezimmer für guten Duft sorgt und ein Fläschchen Arvenschnaps im Schnapsschrank steht, wohnt hier eindeutig ein Kenner. «Big sister is watching you» Die Greisin lebt seit 585 n. Chr. und hält Wache über den Forstdienst! Sie hat schon manchen Lehrling, Waldarbeiter, Förster, Forstingenieur, Kantonsförster, Waldfachchef, Gemeindepräsidenten und Regierungsrat überlebt und könnte einiges erzählen! Sie hat unter anderem Pest- und Krisenzeiten, Napoleon, zwei Weltkriege, Waldsterben, Nachjagden und zahlreiche Reorganisationen des Forstdienstes er- und überlebt.
Giachem Bott, Regionalforstingenieur AWN Region Südbünden Islas 244, CH-7524 Zuoz giachem.bott@awn.gr.ch
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Zeugen der Vergangenheit und Träger einer seltenen Art
Schauplatz der Prättigauer Geschichte und Oase für ein äusserst seltenes Moos (Bild: Ueli Bühler)
Sie sind Heiligtümer für die Grüscher, berichtet Revierförster Maurus Mleczek, als er die Bergahorne des Grüscher Älplis als bäumige Originale für diese «Bündner Wald»Ausgabe meldet. Gerade der Blick in die Dorfchronik lässt erahnen, was diese einzigartigen Bäume bereits erlebt haben. Symbolisch für die freien Walser Eine Abschrift von Luzi Nett aus der Geschichte «Die Grüscher Alpen», verfasst 1963 von Archivar Ulrich Niggli zum Abschnitt betreffend Ahornbäume: Nachdem 1903 auch die Realteilung vom Ochsenberg abgeschlossen war, hatte Grüsch für sich allein die Galtviehalp Valvanja und die Kuh- und Rinderalp Hintertamunt zu Eigentum. Hintertamunt umfasst eine Fläche von 580 Hektaren. Davon entfallen auf nutzbare Weidfläche 250 ha, auf Ried 10 ha, auf Wald 90 ha und 230 ha sind Felsen oder sonst unproduktives Gebiet.
Die Grüscher Alp, auch etwa Hinterälpli genannt, wurde einst von den Muntafunern «Ahornalp» genannt. Dies zu einem gewissen Recht, weil hier sehr viele Ahornbäume standen. Ahornstrünke und einige grosse alte Bäume sind heute noch dort zu treffen. Man glaubt, dass sie zu Kriegszeiten, als die Alpen (1622 – ) nicht bestossen werden konnten, aufgewachsen sind. Sicher ist, dass anno 1622 die Alpen wegen der Raubgefahr der Österreicher nicht bestossen wurden. Nach einer Aufzeichnung im «Alten Urbar» im Archiv haben die Grüscher ihre Kühe im Kriegsommer 1622 nach Pendla getrieben und dort gesömmert. Klas Mathis aus dem Schlüechtli habe dort gesennet. Als Grüsch die «Ahornalp» noch zusammen mit Schuders nutzte, wurden von den Schudersern viele Ahornbäume geschlagen und zu Potasche verbrannt, welche zur Seifenfabrikation gebraucht wurde. Die Schuderser hatten so einen merklichen
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Untersuchung und Bestandesaufnahme des Rudolph-Trompetenmoos im Grüscher Älpli (Bild: Ueli Bühler) Bündner Wald 1 /2014 13
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Das Rudolph-Trompetenmoos (Tayloria rudolphiana) (Bild: Heike Hofmann)
Nebenverdienst, der Ahornbestand aber reduzierte sich dadurch bedenklich. Aus diesen Zeilen ist zu spüren welche Verbindung zu diesen Bäumen besteht, welche gar die Belagerung der Österreicher erlebt haben sollen. Wahrlich viel Symbolik für freie Walser. Auf einer zufälligen Wanderung eines versierten Mooskenners kam es zu einem bedeutenden Fund bei diesen Ahornen im Grüscher Älpli – das Rudolph-Trompetenmoos (Tayloria rudolphiana) wurde dort entdeckt. Ein seltenes Moos Unter den prioritären Pflanzenarten findet sich das Rudolph-Trompetenmoos, ein Laubmoos, das fast ausschliesslich auf vereinzelt stehenden alten Bergahornen zwischen 1000 und 1800 m ü. M. wächst. Sein Verbreitungsgebiet beschränkt sich in Europa auf den nördlichen Alpenraum, genauer gesagt auf die Deutschen, Österreichischen und die Schweizer Alpen. Hierzulande sind nur rund 20 Fundorte bekannt ( NISM 2004 – 2014 ). Seine Seltenheit macht das RudolphTrompetenmoos sehr verletzlich, zumal es immer weniger geeignete Lebensräume (alte Bergahorne) gibt. Damit der Fortbestand dieser Art dauerhaft gesichert werden kann, müssen alte Bergahorne an niederschlagsreichen Standorten in den Alpen un-
bedingt stehen gelassen und junge Bäume gepflanzt werden, damit nach dem Absterben der alten Bäume neue Wirtspflanzen vorhanden sind. Kulturhistorisch, ökologisch und durchaus auch landschaftlich sind die Bergahorne rund ums Grüscher Älpli bis ins Gebiet Salgina von höchster Bedeutung und müssen vom Forstdienst und der Landwirtschaft auch so behandelt werden. Text zusammengefasst von Sandro Krättli Quellen – Beispiele aus der Liste der National Prioritären Arten (BAFU) – Abschrift von Luzi Nett aus der Geschichte «Die Grüscher Alpen», verfasst 1963 von Archivar Ulrich Niggli (Gemeinde Grüsch) – NISM 2004 – 2014. Online-Atlas der Schweizer Moose: http://www.nism.uzh.ch (Stand 14.1. 2014)
Sandro Krättli, Redaktor Bündner Wald Sagastägstr. 96, CH-7220 Schiers sandro.kraettli@awn.gr.ch
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Die Buchen im Hinterrheintal Untertitel Grundschrift
Auf der Fahrt mit dem Postauto von Chur nach Bellinzona passiert man verschiedene Klimazonen mit unterschiedlicher Vegetation. Im Spätherbst fallen die bunten Buchenwälder bei Bonaduz und Rhäzüns besonders auf. Am Steilhang oberhalb des Hinterrheins bei Bonaduz hat es zum Beispiel eine gewaltige, bemerkenswerte Buche mit mächtigen Wurzelanläufen. Sie hat dank der angepassten Waldpflege bisher alle forstlichen Eingriffe schadlos überstanden. Es ist anzunehmen, dass es ein Lieblingsbaum des zuständigen Forstdienstes ist. Nach der Fahrt durch den Islabella-Tunnel sind nur noch vereinzelt verkrüppelte Buchen zu sehen. Buchen lieben die Trockenstandorte nicht. Sie bevorzugen Gebiete mit ausreichenden, regelmässigen Niederschlägen, meiden aber vernässte Böden. Das Domleschg zwischen Rothenbrunnen und Sils im Domleschg hat als inneralpine Zone, wie auch das Albulatal, sehr geringe Niederschläge. Die Buche konnte sich nach der letzten Eiszeit aus diesem Grund nur bis in die Gegend von Rothenbrunnen auf natürliche Weise wieder ansiedeln. Alle Buchen, die oberhalb von Thusis vorkommen, wurden entweder gepflanzt oder sind natürliche Ansamungen von gepflanzten «Vorfahren». Die klimatischen Verhältnisse und auch die Bodenbeschaffenheit im Hinterrheintal zwischen Thusis und Sufers in Höhenlagen von 800 m ü. M. bis 1400 m ü. M. entsprechen den Bedürfnissen der Buche. Mittlere Niederschläge zwischen 900 und 1200 mm pro Jahr und basische Böden sind gute Voraussetzungen für ihr Gedeihen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Park beim Hotel Fravi in Andeer neu gestaltet. Dabei wurden im dem Hotelbau gegenüberliegenden Park wie auch im «Wäldli» unterhalb der Kirche verschiedene Buchen gepflanzt. Leider wurde in den Plänen für
16 Buche bei Bonaduz (Bilder: Oskar Hugentobler) Gewaltige
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Etwa hundert Jahre alte Buchen im Park des Hotel Fravi
den Hotelerweiterungsbau von 1904 die Gestaltung des Parks nicht berücksichtigt. Das Pflanzjahr kann deshalb nicht genau bestimmt werden. Es darf jedoch angenommen werden, dass die noch vorhandenen Buchen etwa 100 Jahre alt sind. Die Buchen im «Wäldli» mussten beim Bau des heutigen Mineralbades gefällt werden. Die anderen Buchen haben sich gut entwickelt. In dorfnahen Waldungen können junge Buchen entdeckt werden, vermutlich handelt es sich dabei um Abkömmlinge aus dem «FraviPark». Die phänologische Beobachtungsstation von Andeer wird seit 45 Jahren von mir betreut. Für die «Fravi-Buche» gebe ich dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (MeteoSchweiz) alle Jahre den Zeitpunkt der Blattentfaltung, die allgemeine Blattverfärbung und den allgemeinen Blatt-
fall bekannt. Der Blattaustrieb erfolgt in der Regel rund eine Woche später als in Bonaduz. Bei den Blattverfärbungen und dem Blattfall konnte ich kaum Unterschiede zu tiefer gelegenen Standorten feststellen. In der Regel erfolgt der Austrieb in der ersten oder zweiten Maiwoche. Als grosse Ausnahme trieb die Buche 1991 erst am 23. Mai aus. In den letzten zehn Jahren erfolgte der Austrieb viermal bereits Ende April. 2011 bereits am 22. April. Die Klimaerwärmung ist auch bei den phänologischen Beobachtungen feststellbar. Etwa zur gleichen Zeit wie die Hoteliersfamilie Fravi pflanzte die Familie Ragaz in ihrem Park und im angrenzenden Wald je eine Blutbuche in der Gartenanlage – ausserdem eine farnblättrige Buche. Die Blutbuche im Park wurde leider gefällt, die etwa 20 m hohe farnblättrige Buche wurde zum Bündner Wald 1 /2014 17
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Buche im Park des Hotel Fravi
Farnblättrige Buche im Park Ragaz, Andeer
Glück verschont. Wie sich zeigte, passt den Buchen das Talklima in Andeer. Die vor rund 50 Jahren gepflanzten Buchen unterhalb des Maiensässes Nasch (Gemeinde Zillis) auf rund 1600 m ü. M. konnten sich nie richtig entwickeln. Es war mir nicht möglich zu ermitteln, ob diese noch stehen. Ab 1969 wurden im Rahmen der Ersatzaufforstungsprojekte KHR, Nationalstrasse und Oleodotto del Reno in verschiedenen Aufforstungsflächen auch Buchen eingepflanzt oder vorhandene Gebüschwaldungen mit Buchenpflanzungen ergänzt. So zum Beispiel in «Dartet» nördlich von Reischen, bei Casti und oberhalb der südlichen Einfahrt zum Bärenburgtunnel der A13. Alle diese Pflanzungen zeigen, dass sich die Buchen in den unteren Lagen des Schams gut entwickeln
Etwa 40 Jahre alte Buchen am Waldpfad Andeer–Clugin
können. Am Waldlehrpfad Andeer–Clugin wurden, um zu zeigen, welche Bäume und Sträucher in dieser Gegend wachsen können, ebenfalls einige Buchen gepflanzt. Die etwa 40-jährigen Pflanzen gedeihen gut und fügen sich schön in die Mischbestände ein. Ob sie auch einmal die Dimensionen der Buche von Bonaduz aufweisen werden, ist eine offene Frage.
Oskar Hugentobler Tranter flurs 7440 Andeer hugentobler_forsting.eth@ bluewin.ch
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Baumgiganten – auch in der Surselva Riesenbäume und urwüchsige Gestalten lösen immer wieder Erstaunen und Bewunderung aus. Leider muss man oft recht lange wandern, um ihnen zu begegnen. Ausserdem kommen sie meist vereinzelt oder in Gruppen vor, fallen dafür entsprechend auf. In der Surselva gibt es Fichten und Tannen, die sich mit den grössten Individuen in der Schweiz durchaus vergleichen lassen dürfen. Einzelne Föhren weisen bizarre Formen auf. Im Allgemeinen werden sie aber nicht sehr hoch. Biologisches und wirtschaftliches Alter Das maximal erreichbare biologische Alter einer Baumart schwankt in Abhängigkeit vom Standort und von anderen Faktoren. Nur selten gibt es darüber gesicherte Informationen. Fichten können durchaus über 500 (bis 600 ) Jahre, Tannen 500 – 600 Jahre, Lärchen bis 1000 Jahre, Arven bis 800 Jahre, Waldföhren bis 600 Jahre und Winterlinden bis 1000 Jahre alt werden. Diese hohen Alter werden in bewirtschafteten Wäldern aus folgenden Gründen nur selten erreicht: – Für die Verwertung als Sagholz muss der Baum bis ins Mark hinein gesund sein. Dies trifft bei sehr alten Bäumen oft nicht mehr zu. – Gefragt sind Stämme, welche im Querschnitt auch in fortgeschrittenem Alter einen möglichst regelmässigen Jahrringbau aufweisen. Dies ist aufgrund der Wachstumsgesetze nicht möglich. Ab einem baumspezifischen Kulminationspunkt nimmt das Dickenwachstum und damit die Jahrringbreite ab. Die Nachhaltigkeitsüberlegungen und -berechnungen in der Waldplanung beziehen sich in der Regel auf das wirtschaftliche Alter der Bäume resp. auf die «Umtriebszeit». In neuerer Zeit spielt auch im Gebirgswald
Luvener Fichte, «La Panera» (Bild: Christian Buchli)
mehr die Massenproduktion anstelle der Wertholzproduktion eine Rolle. Hinzu kommen Verletzungen und Fäulnis, welche die Schutzfunktion bei Ausfällen infrage stellen. Dadurch werden hohe, dicke und alte Bäume im bewirtschafteten Wald immer seltener. Wo lassen sich grosse Bäume finden? Das Stehenlassen von grossen Einzelbäumen und die Erhaltung von Altholzinseln sind erklärte Ziele bei der Förderung der Biodiversität. Dieser Trend lässt sich da und dort erfreulicherweise auch in der Surselva Bündner Wald 1 /2014 19
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feststellen. Allerdings braucht es ein gutes Auge und entsprechende Erfahrung, um in Wäldern ohne grosse Bäume die Eignung und das Potenzial für solche Kandidaten zu erkennen. Bei der waldbaulichen Rationalisierung wird diesem Aspekt nicht immer die notwendige Beachtung geschenkt. Wenn im Wald sehr grosse und sehr dicke Bäume angetroffen werden, dann oft – weil sie für die Verwertung des Holzes unbefriedigende Qualitäten aufweisen (z. B. sehr starke Astigkeit, Abholzigkeit, Drehwuchs) – weil die Verhältnisse für die Holzbringung ungünstig sind – weil man sich ihrer Monumentalität, Einzigartigkeit und Schönheit vermehrt bewusst geworden ist – weil sie nach wie vor gute Samenproduzenten (Mutterbäume) darstellen und ein wertvolles genetisches Potenzial enthalten – weil man gezielt die Biodiversität fördern möchte. Grosse Bäume in der Surselva Über die grössten heute in Graubünden vorkommenden Bäume gibt es kein Inventar. Während der Erarbeitung des «Naturführers Surselva» und bei der Entwicklung des Projektes «Baumpatenschaften Surselva» (vgl. «Bündner Wald» 4/2012, Seite 87) konnten aber in der Surselva zahlreiche hohe und dicke Bäume gemessen werden. Darunter befinden sich Fichten, Tannen, Lärchen, Arven, Traubeneichen und Buchen, daneben einzelne Föhren, Winterlinden, Bergahorne und Mehlbeeren. Fichten Die dickste Fichte befindet sich unseres Wissens in einer Wiese bei Luven. Die sog. 20Uaul Sutglatscher, Val Sumvitg (Bild: Ruedi Zuber) Tanne im
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«Panera» hatte im Jahre 2009 einen Umfang von 5,53 m, einen BHD von 176 cm und eine Höhe von 47,3 m. Im Vergleich dazu hat die Fichte im Göscheneralptal einen BHD von 187 cm und jene oberhalb St. Martin im Calfeisental einen BHD von 184 cm. Diese beiden «dicken Kerle» sind jedoch lediglich 41,5 bzw. 32,8 m hoch. La Panera, die hübsche alte Dame, wird von der Luvener Bevölkerung verehrt und steht seit 1971 unter Schutz. Ihren Namen erhielt sie angeblich von den zahlreichen regelmässig wie in einem Brotgestell angeordneten Ästen. Die höchste bekannte Fichte steht in der Schetga dalla Punt auf Gemeindegebiet von Breil/Brigels und misst 52,6 m (Stand Juli 2011) bei einem BHD von 100 cm. Zu ihr gesellen sich weitere Fichten mit beachtlichen Höhen auf diesem sehr wüchsigen Standort des Labkraut-Tannen-Fichtenwaldes mit Hasel ( 51C ). Aber auch in der Pardiala (Gemeinde Waltensburg), auf denselben Standorten, finden sich Fichten mit Höhen von bis zu 48 m. Im Uaul Salischeida der Gemeinde Lumnezia (ehemals Vignogn) konnten einige Fichten mit Höhen um die 48 m und BHD von 100 bis 120 cm ausfindig gemacht werden. Sie wachsen auf Standorten des KarbonatTannen-Fichtenwaldes mit Weissegge, frische und typische Ausbildung (52, 52A). Eine beachtliche Fichte steht in der Val Zinzera (Trun), mit einer Höhe von 46,3 m und einem BHD von 156 cm. Eine aussergewöhnlich schmalkronige Fichte mit 48,3 m Höhe und einem BHD von 113 cm bei der Chera (Versam) ist leider im Jahre 2013 dem Strassenbau zum Opfer gefallen. Die weitherum bekannte Säulenfichte in der Nähe des Crestasees (Trin) mit einer Höhe von 49,2 m ist am 12. Juli 2011 einem Sturm erlegen.
Föhre auf der Alp Val Tenigia, Val Sumvitg (Bild: Ruedi Zuber)
Bündner Wald 1 /2014 21 Luvener Fichte, «La Panera» (Bild: Ruedi Zuber)
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Naturführer Surselva Der Naturführer Surselva ist auf der Website der Regiun Surselva (www.surselva.ch) aufgeschaltet. Einerseits sind darin Sehenswürdigkeiten ( POI s) zu verschiedenen Naturthemen textlich und bildlich dargestellt. Dank ihrer geografischen Positionierung lassen sich daraus, wahlweise zusammen mit Kulturobjekten, individuelle Wanderungen elektronisch zusammenstellen und auf das GPS oder Handy laden. Die Plattform bietet daneben zahlreiche fertig vorbereitete Wandervorschläge mit entsprechenden Angaben zu Natur und Kultur in der Region. Die POIs sind ausserdem mit umfassenden Hintergrundinformationen verlinkt, welche das eigentliche Kernstück des Naturführers bilden. Diese Informationen zu den Themen Geologie, Wasserwelt, Wälder (Waldgeschichte, Bäume, Forstgeschichte, Nachhaltigkeit, Schutzwald-Naturgefahren, Schutzwaldpflege, Biodiversität) und Historische Landnutzung stellen eine Fundgrube an Wissen für Forstleute wie auch für forstliche Laien dar. Die Regiun Surselva versteht sich als Wissensvermittlerin und als Türöffnerin für die Gestaltung vermarktbarer Tourismusangebote. Ruedi Zuber
Tannen Die Surselva ist heute nicht ein Schwerpunkt der Verbreitung der Weisstanne. Diese frohwüchsige Baumart wurde durch die frühere Bewirtschaftung stark dezimiert. Eher reliktartig finden sich dennoch einige Tannen mit beachtlichen Dimensionen. Im Uaul Sutglatscher (Val Sumvitg) steht die dickste gemessene Tanne mit einem BHD von 159 cm und einer Höhe von 34,1 m. Ganz in der Nähe befindet sich eine weitere grosse Tanne mit einem BHD von 155 cm und einer Höhe von 36,5 m sowie eine Tanne mit BHD 151 cm und Höhe 33,2 m. Der Standort ist ein Typischer Labkraut-TannenFichtenwald (51). In diesem reliktartigen Tannen-Fichtenwald gibt es weitere Tannen mit BHD weit über 100 cm und ebenfalls mehrere dicke Fichten. Einige recht hohe und dicke Tannen, welche nicht dem Orkan Vivian vom 27. Februar 1990 zum Opfer gefallen sind, stehen oberhalb Bugliadera (Trun). Sie weisen Hö-
hen bis 43 m und BHD bis 122 cm auf. Der Standort ist ein Labkraut-Tannen-Fichtenwald mit Pestwurz ( 51P). Waldföhren Die Waldföhre ist in der Surselva auf trockenen Standorten weit verbreitet, so vor allem im Ablagerungsbereich des Flimser Bergsturzes, aber auch inselartig auf Rippenlagen. Dort hat sie keine Konkurrenz durch anspruchsvollere Baumarten zu befürchten. Trotzdem gefällt es ihr dort nur bedingt. Statt in die Höhe zu wachsen, bildet sich oft breite, knorrige Kronen, welche immer wieder Fotosujets hergeben. Auf besseren Standorten ist die Föhre auf grösseren Freiflächen oder in Weiden aufgewachsen. Aber auch dies trifft man in der Surselva nicht allzu häufig an. Die dickste im Rahmen der Projektarbeiten angetroffene Föhre steht auf einer Weide auf der Alp Val Tenigia (Val Sumvitg). Sie hat einen BHD von 139 cm und eine Höhe von nur 14,8 m, weist dafür eine
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sehr ästhetisch wirkende breite Krone auf. Die höchsten gemessenen Föhren wachsen im Carreratobel (Valendas) auf dem Standort des Labkraut-Tannen-Fichtenwaldes mit Hasel ( 51C). Sie weisen Höhen zwischen 32 und 36 m und BHD zwischen 75 und 86 cm auf.
Ruedi Zuber Dipl. Forsting. ETH CH-7000 Chur, Teuchelweg 2 ruedi.zuber@spin.ch
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Interview mit Heinrich Haller
Heinrich Haller ist Wildbiologe und seit 18 Jahren Direktor des Schweizerischen Nationalparks (SNP). (Bild: SNP)
«Bergwald ist mehr als die Summe der Bäume. Er ist Lebensraum für Pflanzen und Tiere, schützt vor Lawinen und wirkt als grüne Lunge.» Und schliesslich ist etwa ein Drittel der Fläche des Nationalparks von Wäldern bedeckt. Deshalb befassen wir uns hier im Gespräch mit Heinrich Haller, dem langjährigen Nationalpark-Direktor, nicht etwa mit «bäumigen Originalen» und Einzelschicksalen, sondern mit dem Schweizerischen Nationalpark ( SNP) als Ganzes. Obwohl der älteste Park der Alpen und Mitteleuropas in diesem Jahr sein hundertjähriges Bestehen feiert und Heinrich Haller entsprechend eingebunden ist, hat er sich für den «Bündner Wald» Zeit genommen. BüWa: Im Nationalpark darf Natur einfach Natur sein – der Mensch steht im Hintergrund. Trotzdem möchten wir Sie gerne kurz in den Vordergrund rücken, Herr Haller – können Sie sich unseren Leserinnen und Lesern kurz vorstellen und erklären, wie ein Aargauer zum Direktor der grossen Wildnis im Bündnerland wird? Aargauer sind als tüchtige Leute bekannt ... Im Freiamt, wo ich geboren worden bin, gibt es zwar schöne Landschaften, jedoch ohne grössere Erhebungen. Die Berge waren immer schon meine grosse Passion und
so bin ich bereits im Alter von 15 Jahren, 1969, nach Davos «ausgewandert» und habe dort die meisten Jahre meines bisherigen Lebens verbracht. Als indirekte Folge meiner Heirat mit einer Davoserin – mehr noch einer echten Walserin – bin ich dann 1985 sogar Bündner geworden. Wichtiger noch als die Herkunft scheint mir aber für die Position des SNP-Direktors die Ausbildung und Berufserfahrung zu sein. Ich habe an der Universität Bern Zoologie, Botanik und Geografie studiert, mit einer Arbeit zur Populationsökologie des Steinadlers (in Graubünden!) 1982 promoviert und war anschliessend Stipendiat des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung. 1991 habe ich mit einer populationsökologischen Arbeit über den Luchs in den Walliser Alpen an der Universität Göttingen habilitiert (notabene an der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie), habe dort seither Lehrveranstaltungen zur Gebirgsökologie angeboten und wurde 1998 zum ausserplanmässigen Professor ernannt. Von 1993 bis 1996 war ich Leiter des Naturmuseums St. Gallen. Seit 1996 bin ich Direktor des Schweizerischen Nationalparks ( SNP) und wohne mit meiner Familie in Zernez. Die drei Kinder sind erwachsen, ebenfalls von den Bergen (oder zumindest von der Höhe) fasziniert und mit Graubünden verwurzelt. Echte Urwälder gibt es zwar im Nationalpark keine mehr, trotzdem spielt der Wald eine wichtige Rolle im Gesamtkonzept des Parks. Können Sie uns diese etwas näher beschreiben und dabei einige «Spezialitäten» hervorheben? Der Waldanteil im 170 km2 grossen SNP beträgt 31 %. Es sind also ansehnliche Flächen von Bäumen bewachsen, was als Qualitäts-
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Bündner Wald 1 /2014 25 Ehemalige Kahlschlagfläche am Ofenpass: Im SNP ist zu erleben, wie die Natur ein Gebiet zurückerobert. (Bild: SNP, Hans Lozza)
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merkmal unseres Naturreservates gedeutet werden darf. Der SNP wurde vor 100 Jahren auf umfassende Natur mit erheblichem Arteninventar ausgelegt, vielfältiger als dies in reinen (gletscherreichen) Hochgebirgslandschaften gegeben ist. Nicht von ungefähr stand von Anfang an das Unterengadin im Fokus der Parkgründer. Wenn wir vom Nationalparkwald sprechen, dann meinen wir fast ausschliesslich Nadelbaumbestände, in erster Linie solche aus Bergföhren; 44 % der Waldfläche werden durch reine Bergföhrenbestockungen gebildet. Im SNP gibt es zwei Formen von Bergföhren: zum einen die Legföhre, die an manchen Stellen eigentliche Dschungel bildet, die fast urwaldartig anmuten. Zum anderen ist es die Aufrechte Bergföhre oder Spirke, die den Landschaftsaspekt im Ofenpassgebiet prägt und hier alpenweit die grösste Population bildet. Wegen früherer Kahlschläge sind diese Wälder einförmig und zunehmend von Totholz durchsetzt. Der Nationalpark bietet sich mit seinem Forschungsauftrag an, den Generationenwechsel zu untersuchen und die Einflüsse von Wetter und Klima, von parasitischen Pilzen, von Pflanzenfressern, Arvensamen versteckenden Tannenhähern und vielen anderen Faktoren zu untersuchen. Selbstverständlich muss auch die Ausgangslage berücksichtigt werden, die frühere unzimperliche Holznutzung, die für die Höhenlage bemerkenswerte Trockenheit und der dolomitische Untergrund, wo das spärliche Wasser sofort versickert. Die Erforschung der natürlichen Entwicklung der Parkwälder begann schon früh. Was für Schlüsse über die Waldentwicklung können nach diesen fast 90 Jahren der Beobachtung gezogen werden? Können daraus Rückschlüsse auf andere Ent-
wicklungspotenziale im Nationalpark gemacht werden? Rückschlüsse ergeben sich vor allem in Bezug auf die Waldökologie im Allgemeinen. Annähernd ein Jahrhundert Forschung hat – einmal mehr – eines gezeigt: Es ist ein hoch anspruchsvolles Unterfangen, Wälder bzw. Ökosysteme generell umfassend zu verstehen. Dafür braucht es einen disziplinenübergreifenden, langfristigen und aufwendigen Ansatz. So zeigt die Waldforschung im SNP immer wieder neue Aspekte und es gibt grundsätzliche Fragen, die immer noch nicht abschliessend geklärt sind. Beispielsweise: Wie natürlich ist die Dominanz der Bergföhre am Ofenpass wirklich? Brandereignisse, die in der mehrere Tausend Jahre zurückverfolgten Waldgeschichte regelmässig nachgewiesen sind, fördern diese anspruchslose Baumart; andererseits zeigt sich, dass nun – gegen Ende des natürlichen Lebenszyklus der Bergföhren-Reinbestände – zunehmend junge Arven und (wohl vorübergehend) Lärchen aufkommen. Zumindest die Rotwildbestände scheinen sich im Nationalpark bestens zu entwickeln – oder muss man schon davon sprechen, dass sie ausser Kontrolle geraten? Im nahe gelegenen Nationalpark Stilfserjoch wird seit Jahren durch selektive Abschüsse nach Geschlecht und Altersstruktur Rotwild entnommen. Wäre eine entsprechende Regulation des Bestandes innerhalb der Nationalparkgrenzen bei uns auch denkbar? Auf keinen Fall. Der Nationalpark Stilfserjoch und der SNP sind in verschiedener Hinsicht nicht miteinander vergleichbar. Eingriffe im SNP sind völlig unnötig. Zunächst: Der Prozessschutz darf nicht mit Wertungen in Verbindung gebracht wer-
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Im Winter bleibt der SNP (mit Ausnahme der Überfahrt über den Ofenpass) für Besucherinnen und Besucher geschlossen. (Bild: SNP)
den. Es gibt in diesem Rahmen weder ein «gut» entwickeln noch etwas, das «ausser Kontrolle» gerät. Diese Haltung ist zugegebenermassen orthodox, aber sie hat sich im SNP bewährt: Es gab in der Geschichte des SNP nie irgendwelche katastrophalen Ereignisse (auch mit Hirschen und Borkenkäfern nicht), welche die Parkidee infrage gestellt hätten. Und dieses Verständnis des SNP ist eben entscheidend, wenn es darum geht, quasi die Versuchsanlage zu erhalten, um daraus grundlegende Erkenntnisse zu gewinnen. Die wissenschaftliche Forschung ist ja bekanntlich ein – wenn nicht überhaupt DAS – Hauptziel des SNP. Vorab in den 1970er-Jahren hat man die Situation und die Folgewirkungen des hohen Rothirschbestands meist anders beurteilt. Dies primär, weil so gut wie alle diese Tiere den grösseren Teil des Jahres und insbesondere den Winter ausserhalb der National-
parkgrenzen verbringen und sich dort grosse Wintersterben ereignet haben. Für den SNP selbst war dies kein Problem, doch ist es verständlich, dass man über «Nationalparkhirsche» ausserhalb des Nationalparks (wo andere Zielsetzungen gegeben sind) anders denkt. So hat man auf der Basis von wissenschaftlichen Arbeiten im und um den SNP zu einem Modus gefunden, die Rotwildbestände ausserhalb des SNP zu regulieren. Der Schlüssel dazu ist die zweistufige Jagd mit der traditionellen Hochjagd im September und einer Sonderjagd im Spätherbst. Ohne die ständige Präsenz von Wölfen (was im Engadin nicht – oder noch nicht – der Fall ist) schafft man es einzig mit dieser zusätzlichen Jagd, Rothirschbestände im Umfeld von Grossschutzgebieten zu kontrollieren. Diese Erkenntnis sowie das Know-how der Umsetzung gründen auf jahrzehntelangen Erfahrungen des Amtes für Jagd und FischeBündner Wald 1 /2014 27
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rei, die vorab am Beispiel des SNP gewonnen worden sind und übrigens andernorts ebenfalls erfolgreich angewendet werden. Es ist für mich unverständlich, dass dieses funktionierende Prinzip nun mit der Initiative zur Abschaffung der Sonderjagd infrage gestellt wird. Eine Annahme des Begehrens wäre ein Rückschritt auf Feld 1. Ein Punkt in jüngster Vergangenheit erhitzte die Gemüter von uns «Hölzigen» doch ein wenig – wie kam es dazu, dass das neue Besucherzentrum in einer der waldreichsten Gemeinden der Schweiz ausgerechnet in Form eines kantigen Beton-Doppelwürfels gebaut wurde? In der nächsten Umgebung von Schloss Planta-Wildenberg, dem Wahrzeichen von Zernez, ein Besucherzentrum für den Nationalpark zu erstellen, verlangte nach einem gut überlegten Vorgehen. Wir haben deshalb im Jahre 2002 einen Projektwettbewerb durchgeführt, an welchem 107 Bewerbende teilgenommen haben und aus dem schliesslich Valerio Olgiati mit seinem Doppelwürfel siegreich hervorging. Bei einem solchen Architektur-Wettbewerb verfügt die Bauherrschaft nicht über die Mehrheit der Stimmen. Dass aber die Wahl richtig war, wurde dadurch bestätigt, dass das Besucherzentrum mit dem Goldenen Hasen, einem der renommiertesten Architekturpreise unseres Landes, ausgezeichnet worden ist. Nicht wenige Besucherinnen und Besucher schauen sich das Zentrum primär wegen dessen Architektur an. Dass nicht Holz als Baustoff verwendet worden ist, mag man bedauern, doch sind auch Kies und Sand heimische Produkte. Der Schweizerische Nationalpark wird heuer hundert Jahre alt. Er ist ein einzigartiges Wildnisgebiet, ein Magnet des naturnahen
Tourismus sowie ein Freiluftlabor für die Forschung, und er geniesst im ganzen Land höchste Wertschätzung. Wie schaffen Sie den Spagat zwischen diesen teilweise gegensätzlichen Schwerpunkten? Haben Sie ein Patentrezept? Da hilft das vorhandene Regelwerk: das Bundesgesetz über den SNP, die kantonale Nationalparkordnung und die zuständigen Gremien, in erster Linie die Eidgenössische Nationalparkkommission, aber auch die Forschungskommission des SNP. Die erwähnte Wertschätzung ist auch mit Respekt und Akzeptanz verbunden. Ich persönlich fühle mich nicht wie in einem Spagat: Wildnis und Erforschung derselben sowie naturnaher Tourismus lassen sich miteinander und nebeneinander handhaben. Und auf irgendwelche Druckversuche von unterschiedlichen Interessensgruppen gehe ich ohnehin nicht ein. Das Jubiläum bietet die einzigartige Gelegenheit, der Bevölkerung den SNP als Ikone der Schweizer Naturschutzgeschichte noch näher zu bringen. Wie werden die «100 Jahre echt wild» gefeiert? Mit einem vielseitigen Programm, das für alle etwas bietet: Höhepunkte sind die Hauptfeier LA FESTA in Zernez am 1. August mit Frau Bundesrätin Doris Leuthard, das Freilichtspektakel LAINA VIVA, das zwischen dem 11. Juli und dem 16. August in Zernez 18 Mal aufgeführt wird sowie die nationale Ausstellungstournee ON TOUR in 16 Coop-Einkaufszentren. Dazu kommen eine Sonderausstellung im Besucherzentrum in Zernez, Auftakt- und Schlussveranstaltungen und eine Reihe von Publikationen, darunter der «Atlas des Schweizerischen Nationalparks», der bereits erschienen ist und ein Jahrhundert Umweltbeobachtung auf kartografischer Grundlage zusammen-
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Atlas des Schweizerischen Nationalparks Das grosse Werk zum Jubiläum des Schweizerischen Nationalparks, ausgezeichnet mit dem Schweizer Kartografiepreis «Prix Carto» Atlas des Schweizerischen Nationalparks Die ersten 100 Jahre Insgesamt 93 thematische Beiträge fassen ein Jahrhundert Umweltbeobachtung auf kartografischer Basis zusammen. Herausgeber: Heinrich Haller, Antonia Eisenhut und Rudolf Haller 2013, 248 Seiten, CHF 69.–, ISBN 978-3-258-07801-4, Bern: Haupt Verlag Digitale Erweiterung: atlasnationalpark.ch
fasst. Alle diese und weitere Angebote und Aktivitäten sowie Begleitinformationen sind stets aktuell auf www.nationalpark.ch/jubiläum einzusehen. Der Schweizerische Nationalpark ist bisher das bedeutendste Naturschutzgebiet der Schweiz und immer noch der einzige Nationalpark – doch das soll sich in Zukunft ändern. Nicht nur andere Parktypen werden geschaffen, es sind auch weitere Nationalparks vorgesehen. Wie beurteilen Sie diese Veränderung der Parklandschaft? Wo sehen Sie die Herausforderungen für den Schweizerischen Nationalpark im Engadin in nächster Zukunft und was wünschen Sie sich persönlich für «Ihren» Park? Die Verantwortlichen des SNP begrüssen die Schweizer Parkinitiativen uneingeschränkt. In anderen Ländern ist es eine Selbstverständlichkeit, dass man eine Reihe von ökologisch besonders wertvollen Landschaften mit Schutzgebieten
unterschiedlicher Ausrichtung sichert. Im Rahmen eines Netzwerks sollen diese möglichst repräsentativen Gebiete – vor allem auch Kulturlandschaften – erhalten werden. Dieses Modell wird alpenweit durch das Netzwerk Alpiner Schutzgebiete (ALPARC ) gepflegt, wo ich jahrelang einziger Vertreter der Schweiz im internationalen Lenkungsausschuss war, und zwar mangels weiterer Parks in unserem Land. Mit unseren neuen Naturparks hat sich dieses Bild grundlegend gewandelt, seit 2007 gibt es das Netzwerk Schweizer Pärke und ich bin hoffnungsvoll, dass es alsbald ein oder zwei neue Nationalparks in der Schweiz in Betrieb gehen können. Dies wäre für uns keine Konkurrenz, sondern vielmehr Ergänzung, zumal der SNP inhaltlich ein Wildnisgebiet ist (Kategorie Ia gemäss Weltnaturschutzunion und nicht II wie üblich bei Nationalparks). Allerdings ist es wichtig, dass alle Parks von der öffentlichen Hand hinreichend alimentiert werden. Das Bündner Wald 1 /2014 29
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Beispiel SNP zeigt, dass die regionalwirtschaftliche Bedeutung eines gut aufgestellten Schutzgebietes erheblich sein kann. Die bei uns durch den Staat investierten Mittel werden durch den Nationalparktourismus und private Geldgeber um ein Vielfaches multipliziert. Die Verantwortlichen des SNP geben sich alle Mühe und insbesondere das SNPTeam ist hoch motiviert, die verschiedenen Funktionen unserer Institution zu erfüllen oder dafür gute Grundlagen zu schaffen.
Wir freuen uns auf das Jubiläumsjahr und möchten mit Schwung ins zweite Jahrhundert eintreten. An neuen Herausforderungen fehlt es nicht.
Nina Gansner SELVA Bündner Waldwirtschaftsverband Bahnhofplatz 1, CH-7302 Landquart info@selva-gr.ch
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Ein wahres Märchen aus dem Churer Wald Es war einmal ein Forstwartlehrling, der im Revier Untertor der Stadt Chur – unter dem Lehrmeister und Revierförster Eduard Lombris – seine Lehrzeit verbrachte. Als es nun galt, zu Beginn des Winters 1984/85, einen Holzschlag im Fürstenwald auszuführen, trat der Lehrling zum ersten Mal mit den geheimen Wesen des Nebenbestandes, den Eiben, in Kontakt. Er durchlief den ganzen Wald und sah überall mittelgrosse, tiefgrüne Bäume, die mit ihren Wipfeln nur knapp die unteren Kronenteile der höheren Bäume berührten. Noch nie waren ihm die leisen, dunklen, unscheinbaren Gesellen im Walde in so grosser Zahl so gegenwärtig wie in der Zeit während des Holzschlages. Täglich begegnete er ihnen, die in unterschiedlicher Grösse und Stärke den einmaligen Wald bevölkerten. Auch wenn es nirgends festgehalten war, sie standen unter dem «Schutz» des Försters. Er war es, der den Forstwarten, Waldarbeitern und Lehrlingen mit seiner unmissverständlichen Art und Weise klar machte, dass auf die seltene Baumart, die weder zu den Nadel- noch zu den Laubbäumen zählt, immer achtgegeben werden muss und dass keiner der Bäume gefällt werden dürfe. Aus dieser Haltung lässt es sich auch erklären, dass in diesem Wald ein so einmaliger lockerer Eibenwald entstehen und erhalten werden konnte. Mit aller Vorsicht und Aufmerksamkeit konnte nicht verhindert werden, dass leider einzelne Exemplare durch den Fall grosskroniger Fichten, Waldföhren und auch Buchen stark beschädigt wurden. Das Holz dieser «Unfallopfer» durfte der Forstwartlehrling – mit Erlaubnis des Lehrmeisters – nach Hause nehmen, um es zu verarbeiten. So stand lange Zeit ein Schaukelpferd aus Eibenholz im Zimmer der Kinder des damaligen Lehrlings. Er, der sich schon früher zu Holz und Wald hingezogen fühlte, begann sich nun allmäh-
Eiben sind märchenhafte Gestalten im Fürstenwald (Bild: Sandro Krättli)
Eine schöne Eibe im Nebenbestend vom Fürstenwald mit ihrer typischen Wuchsform (Bild: Sandro Krättli)
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lich für diese Baumart mit all ihren Eigenschaften zu interessieren und sich mit ihr vertieft zu befassen. Immer wieder besuchte er den Wald mit den Eiben und beobachtete deren Entwicklung. Zuerst alleine, dann mit seiner Frau und später auch mit seinen Kindern: immer wieder in den Bann gezogen von den Gestalten der Bäume und ihrem Charakter. Nicht nur die Eiben veränderten sich, nein, auch der Wald. Er schloss sich über den Eiben zu einem dichten Kronendach und liess mit der Zeit immer weniger direktes Licht auf die Eibenkronen durch. Einzelne starben, weil die herrschenden Buchen, Fichten und andere Bäume des Waldes zu wenig Licht auf ihre Kronen scheinen liessen, andere bekamen ein schütteres Nadelkleid. Die weiblichen Exemplare konnten wegen der mangelnden Wärme und des wenigen Lichtes nicht mehr fruktifizieren. Was aber noch schlimmer war: Es konnte nirgends genügend grosse Verjüngung festgestellt werden, die in ferner Zukunft einen nachhaltigen Fortbestand der Population gewährleistet hätte. Jede junge, schutzlose Eibe war durch das Schalenwild, Hirsch und Reh, verbissen und wurde zum Absterben gebracht. So reifte der Gedanke, gezielt etwas für das verschwindende Waldvolk zu unternehmen. Der Forstwart, nun mittlerweile zum Förster geworden, sprach mit dem Stadtförster. Daraufhin konnte der Eibenfreund ein Projekt ausarbeiten, das spezielle waldbauliche Massnahmen vorschlug, die ausnahmslos auf die Bedürfnisse der Eiben ausgerichtet waren. Neben den vielen einzelnen Alteiben wurden auch die Jungeiben ins Projekt mit einbezogen. Das Projekt wurde in Absprache mit den kantonalen Stellen erarbeitet, von der Forst- und Alpverwaltung der Stadt Chur begleitet und schlussendlich dem Churer Stadtrat zur Genehmigung unterbreitet. 32 Eibenförderung heisst auch sorgfältig Holzschlagen (Bild: Jürg Hassler)
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Auch bei genügend Licht gilt: Ohne den
Gepflanzte Jungeiben überragen nach zwölf
Ein bäumiges Original: Sehr dicke Eiben
Schutz gegen das Wild keine Eiben.
Jahren die obere Kante des Drahtkorbes, wäh-
mit sehr vielen Kurztrieben auf der
(Bild: Jürg Hassler)
rend die Naturverjüngung etwa die Hälfte der
Stammoberfläche. (Bild: Jürg Hassler)
Höhe erreicht hat. (Bild: Jürg Hassler)
Nach der Genehmigung konnte das Vorhaben der Öffentlichkeit vorgestellt werden. So kam es, dass im Jahre 2001 die Forst- und Alpverwaltung die Ausführung der Arbeiten übernahm und die anfallenden Massnahmen für das Weiterbestehen der einmaligen Waldgesellschaft umsetzte. Uns so nahm das Projekt in anderen Händen seinen weiteren Verlauf Aus dem Revier Untertor ist inzwischen ein Teil des Reviers Heimwald Chur geworden. Für mich als Revierförster und Betriebsleiter sind die Eiben nicht unbedingt ein Märchen, sondern erfreuliche Realität. Trotzdem geht etwas Mystisches, Geheimnisvolles von dieser selten gewordenen Baumart aus. Warum so viele Eiben im flachen, gut zugängli-
chen Fürstenwald stocken, ist unklar. Meist bringt man sie mit steilen und unzugänglichen Gebieten in Verbindung. Warum der Weg, welcher mitten durch den Eibenwald führt, Blutmarchweg heisst, ist ebenfalls nicht bekannt. Gerne würde man hier diesen Flurnamen mit dem Baum des Todes in Zusammenhang bringen. Um den Eibenbestand auch in Zukunft nachhaltig zu pflegen, bestand das Hauptziel darin, den Bestand von 250 Alteiben zu verdoppeln. Als erste Massnahme wurden, mit einem Holzschlag, die Konkurrenzbäume entfernt, welche den bestehenden Eiben zu viel Licht wegnahmen. Gleichzeitig konnten zusätzliche Lücken im Kronendach geschaffen werden, damit auch der Waldboden genügend Licht und Wärme für die Bündner Wald 1 /2014 33
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vorhandenen Sämlinge erhielt. Auf diesen offenen Stellen wurden ergänzend junge Eiben gepflanzt, um den Jungbestand zusätzlich zu stärken. Die Eiben für die Pflanzungen wurden über den Kantonalen Forstgarten Rodels zugekauft. Leider stand kein einheimisches Pflanzmaterial zur Verfügung. Das Ziel, über 200 Jungeiben aus Naturverjüngung und Pflanzungen (verteilt über die ganze Waldfläche von 8,5 ha) zu erreichen, war hoch gesteckt. Rund die Hälfte der Jungeiben stammt aus Naturverjüngung. Die Sämlinge verteilten sich über die gesamte Fläche. Dazu kam wenig Aufwuchs, der sich in ehemaligen Wildschutzzäunen etwas weiter entwickeln konnte. Auch in den Wildschutzzäunen war die Vegetationskonkurrenz so gross, dass sich die Eiben nicht ohne Försters Hilfe durchsetzen konnten. Die Kernaufgabe des Projektes war der Schutz der Jungeiben. Der Feind der Eiben – das Wild – musste mittels teurem mechanischem Einzelschutz (Drahtkörbe) von den Jungbäumen ferngehalten werden. Zusammen mit Jungjägern und dem Zivilschutz erstellte die Forst- und Alpverwaltung Chur 215 Einzelschütze. Diese Aufgabe erwies sich als sehr beschwerlich, zumal der steinige Untergrund aus Rüfenschutt des Scaläratobels besteht und sich die Pfähle nicht ohne Weiteres in den Untergrund rammen liessen. Obwohl die Pflanzen mit hohen, aber etwas knapp dimensionierten Drahtkörben geschützt waren, gelang es dem Rehwild im Winter 2005, das Geflecht so nahe an die aufkommenden Jungeiben zu drücken, dass fast die Hälfte aller Pflanzen am Terminaltrieb verbissen wurden. Sofort verstärkten wir die Einzelschütze in der Mitte mit Latten, sodass die Pflanzen von nun an besser geschützt waren. Doch die Eiben wachsen langsam, sehr langsam. Die Einzelschütze waren auf Dauer zu wenig
standhaft. Im steinigen Rüfeschuttboden faulen die Pfähle schneller als in frischen, feuchten und luftdichten Böden. So ersetzten wir in den Jahren 2011 bis 2013 nochmals komplett alle alten Einzelschütze durch neue grössere. Diese wurden nach den Vorgaben des Weisstannenprojektes, mit 1,50 m und mehr Kantenlänge und neu mit vier anstatt mit drei Pfählen erstellt. Um die Lebensdauer der neu erstellten Drahtkörbe zu erhöhen, haben wir das untere Drittel der Pfähle gebrannt. Jungjäger der Jagdsektion Chur und das Bergwaldprojekt mit einem Lehrlingslager unterstützten uns bei dieser arbeitsintensiven Aufgabe. Der Einzelschutz ist nur ein Teil des Aufwandes für die Förderung der Jungeiben. In diesem Gebiet, knapp 600 m ü. M., wächst auch das «Unkraut» intensiv. Das Schlimmste sind die Waldreben. Jedes Jahr müssen die Einzelschutzkörbe davon befreit werden. Das Drahtgeflecht der Wildschutzkörbe ist geradezu prädestiniert, um daran hochzuwachsen. Innerhalb einer Vegetationsperiode ist der Korb total überwuchert. Waldreben können in einem Jahr Ranken von 11 m Länge produzieren. Auch die Haselsträucher und der Hartriegel müssen dauernd zurückgeschnitten werden. Damit sicher jeder Einzelschutz jährlich gepflegt wird, sind alle nummeriert. Mit dieser Baumart braucht es tatsächlich einen langen Atem. In den letzten dreizehn Jahren konnten einige Erfahrungen zum Wuchs und zur Reaktion auf geänderte Standortbedingungen gemacht werden. – Trotz guter Besonnung starben einzelne Alteiben aus unerklärlichen Gründen ab. – Der vermehrte Lichtgenuss führte bei den Alteiben z. T. zu üppiger Fruktifizierung. – Naturverjüngte Jungeiben brauchten viele Jahre länger, bis sie merklich in die Höhe wuchsen.
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– Gepflanzte Eiben machten schon in den ersten Vegetationsphasen Jahrestriebe von bis zu 20 cm. Ohne die finanziellen Beiträge von Bund und Kanton liessen sich solche Projekte nicht verwirklichen. Auch wird langfristig der Erfolg ausbleiben, wenn nicht mit vollem Einsatz an vorderster Front jedes Jahr an der Förderung dieser Pflanzen gearbeitet wird. Im Halbmil haben wir die Idee der Eibenerhaltung umgesetzt und das Projekt ohne Abstriche mit viel höherem Aufwand als erwartet durchgezogen. Abschliessend kann doch festgehalten werden, dass das Projekt auf Erfolgskurs ist. Die Eibenpopulation von Chur wird weiter anwachsen und gedeihen. Das Märchen mit
den Eiben im Churer Wald kann noch nicht fertig erzählt werden, es geht weiter. Und wenn sie ... dann leben sie noch lange. Jürg Hassler Sum Curtgins 9, CH-7013 Domat/Ems juerg.hassler@awn.gr.ch
Toni Jäger Forst- und Alpverwaltung, Stadt Chur Industriestrasse 14, CH-7000 Chur toni.jaeger@chur.ch
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Bäumige Attraktionen für Spaziergänger in Igis
Ein Turmfalke nutzt die Aussicht einer hohen Linde (Bilder: Sandro Krättli)
Edelkastanienbäume Marschlins Die sechs Edelkastanienbäume stehen oberhalb des Schlosses Marschlins im «Unterstädeli» auf ca. 580 Metern über Meer. Es wird vermutet, dass die ältesten dieser Bäume vor rund 250 Jahren, Mitte des 17. Jahrhunderts, gepflanzt worden waren. Der grösste dieser noch vorhandenen Bäume hat einen BHD von 280 cm. Die drei ältesten dieser Edelkastanienbäume sind sehr stark von Fäulnis befallen, tragen aber jedes Jahr noch Früchte. Linden am Wassergraben Schloss Marschlins Ein weiterer Blickfang für Spaziergänger sind zweifelsohne die markanten Linden, welche den Wassergraben vom Schloss Marschlins an allen Ecken flankieren. Das dickste Exemplar weist einen beachtlichen Umfang von 5,50 m und einen BHD von ca. 180 cm auf. Neben den Massen sind die exponierten Linden auch willkommene Aussichtspunkte für Turmfalken rund um das Schloss Marschlins. Eichenallee Stationsstrasse Igis Die grösste Eiche (Stieleiche) auf dem Gemeindegebiet Landquart steht an der Stationsstrasse in Igis, auf ca. 530 m ü. M. Der untere Teil der Stationsstrasse wird durch eine einseitige Eichenallee gesäumt. Die Stationsstrasse wurde 1896 im Zusammenhang mit dem Bau der RhB-Station Igis als Verbindungsstrasse von der Deutschen Strasse gebaut und auf der Nordseite mit Eichen bepflanzt. 1955 wurde die Eichenallee unter Schutz gestellt. Zwischen der Gemeinde Igis und der Bündnerischen Naturschutzkommission wurde ein Vertrag unterzeichnet mit dem Ziel, Eichen, die infolge Überalterung oder Störung entfernt werden, wieder mit jungen Eichen zu ersetzen.
36 alter Kastanien beim Schloss Marschlins Die Gruppe
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1955 wurde die Eichenallee zum Bahnhof Igis unter Schutz gestellt. Im Vordergrund der Stock einer alten Eiche, die ausWald 1 SicherheitsBündner /2014 37 gründen gefällt werden musste.
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Heute stehen dort noch acht Eichen. Die grösste hat einen BHD von 130 cm, eine Höhe von ca. 30 m und ist 118 Jahre alt. Die Gesundheit dieser Eichenallee ist heute sehr stark durch Pilzbefall beeinträchtigt. Der Schwefelporling wie auch der Lackporling setzt diesen Bäumen sehr stark zu. Im Jahre 2013 mussten aus Sicherheitsgründen zwei Eichen gefällt werden. Die Grössere hatte am Stock einen Durchmesser von 1,70 m. Die gefällten Eichen werden voraussichtlich wieder durch neue Eichen ersetzt.
Peter Kuenz, Betriebsleiter Forstbetrieb Landquart Ringstrasse 22, CH-7302 Landquart peter.kuenz@landquart.ch
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Die Reise zu drei unscheinbaren Riesinnen
(Bild: Roman Wieser)
Anscheinend bin ich an diesen Bäumen schon vorbeigezogen, ohne sie zu bemerken – so wird es behauptet. Unterstellt wird mir dies an einem Abend, wo reichlich Feuerwasser die Fantasie der Erzählenden anregte und jede Geschichte die vorherige übertraf. Von drei Riesenfichten berichtete der Gastgeber: den grössten des Tals! Eng sollen sie beieinander stehen und unscheinbar im hügeligen Gelände wachsen. Schon der alte Förster Clavadetscher habe gesagt, auch sein Nachfolger dürfe nie im Leben diese Tanten fällen – eben, die grössten im Tal. Der vollen Wahrheit konnte das nicht entsprechen, denn voll waren schon eher einzelne Erzähler ...
Reichlich Spuren vom Auerwild (Bild: Roman Wieser)
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Trotzdem liess mich die Geschichte dieser drei Tanten nicht los. Zumal der feuchtfröhliche Abend dazu führte, den Geist dieser Schwerpunktnummer «bäumige Originale» aus der leeren Flasche zu lassen. Ich musste mir als einziger Ingenieur an diesem Abend von den teilweise noch mit schwarzem Harz beklebten Holzern einiges anhören. Mir war aber klar, wenn was an der Geschichte zu diesen drei Fichten dran ist, kommen sie auch in diese Nummer. Riesig und auch unscheinbar – eine geheimnisvolle Kombination. Ein paar Tage später, forderte ich den Förster auf, mir diese unscheinbaren Unikate zu zeigen. Eine Reise, die zur Entdeckungstour wurde. Ich kenne diese Waldung. Neben einem Jäger, der seine Schussschneise mit etwas zu viel Eigeninitiative ausholzte, ist mir die Fläche wegen eines Pflegeeingriffs zugunsten des Auerwildes bekannt. In bester Erinnerung ist mir auch der kleine Zwist bei der Anzeichnung um eine Fichte, welche am Stammfuss einen Ameisenhaufen beheimatet. Der Revierförster Roman wollte die Fichte entfernen, ich, nicht! Der WaldfachChef Peter musste als Schlichter entscheiden. 2:1 für die Fichte – sie steht noch! Die Spuren im Wald sind heute eindrücklich. Neben Losung, Schlafbäumen und Trittsiegeln auch jede Menge Frassspuren an Zweigen und Zeichen von StartmaBündner Wald 1 /2014 39
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Vermessung der drei Tanten (Bilder: Sandro Krättli)
növern des Auerhahns im Schnee. Wunderschön zu sehen, dass dem stillen und auch mächtigen Bewohner die neue Stube gefällt. Ich bin stolz, konnte die Fichte mit dem Ameisenhaufen als wichtiges Mosaik für dieses Biotop stehen bleiben, obwohl es die Arbeit für den Forwarder erschwerte. Während ich noch vertieft bin in den Rückblick der Anzeichnung, erkennt Roman schon eine nächste Forstsensation: «Siehst du das!» Ich versuche, den neusten Fund schnell zu erspähen und muss leider, nach gefühlten 30 Sekunden ohne Erfolg, antworten, «was meinst du?». «Die Buche! Bist du blind!?», erwidert der Finder in einem Tonfall zwischen Schock und Triumph über den Vorgesetzten. Na ja, ich habe sie übersehen, aber tatsächlich erstaunlich auf einer Höhe von fast 1700 m ü. M! Schon rund 120 neue Fotos füllen die Speicherkarte meiner Kamera ohne eine Spur dieser geheimnisvollen Tanten – der Riesenfichten. Ich beginne ein bisschen zu zweifeln. Während des Stapfens durch den
Schnee scheint auch Roman in Gedanken vertieft, bis seine neusten Geistesblitze gebündelt über seine Lippen gehen: «Schon verrückt! Bereits der alte Säger von Conters ist wahrscheinlich um 1900 an diesen Fichten vorbeigegangen, als er beim ‹Johänn› das benötigte Wasser für die Dorfsäge in den Bach leitete.» «Kann sein», denke ich. Der Anmarsch dauert an und weitere Sensationen bleiben vorerst aus. Die drei Tanten Das Stapfen stoppt abrupt. «Da! Die Riesentanten, siehst du?» Ich sehe sie und irgendwie ist es ein magischer Moment. Nach all den Anekdoten zu diesen drei Fichten sehe ich sie endlich. Da stehen sie. Unscheinbar, aber doch für ein Försterauge unübersehbar, im Gegensatz zur kleinen Buche von vorhin. Wie drei monumentale Säulen, drei grüne Zylinder: die drei Tanten von Conters wunderbar eingebettet in den restlichen Wald. Die Zeit des magischen Momentes ist kurz, aber stimmig. Danach geht alles ganz
Tante Ruth (unten)
Tante Eveline (mitte)
Tante Doris (oben)
BHD
1,21 m
0,80 m
0,83 m
Stufe
27
16
16
3,80 m
2,54 m
2,57 m
47,50 m
34,20 m
45,80 m
250 – 300 Jahre
200 – 250 Jahre
250 – 300 Jahre
13,35 Tfm (eher mehr)
5,55 Tfm
6,31 Tfm
1680 m ü. M.
1680 m ü. M.
1680 m ü. M.
Umfang Höhe Alter (ca.) Volumen Meereshöhe
40
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schnell. Höhe bestimmen, Umfang messen, Volumen schätzen und alles fotografieren – einmal, zweimal, dreimal. Der menschliche Drang, diese drei Tanten mit Zahlen und Fotos zu nageln und zu fassen, vergeht nun völlig gegensätzlich zur geheimnisvollen Suche wie ein manischer Rausch, «irgendwie pervers», dachte ich während des Fotografierens und des Messens. «Die Zahlen sind eindrücklich und trotzdem zerstören sie die Magie der Geschichte abrupt.»
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Es bleibt eine Geschichte Die Speicherkarte ist voll. Wir ziehen weiter, ohne uns anständig von den drei Damen zu verabschieden. Nach weiteren Metern des Stapfens durch den Schnee, was kurz durch das Sezieren von Auerhuhnlosung unterbrochen wird, sind wir wieder beim Ausgangspunkt unserer Reise. Wir steigen befriedigt, aber etwas hungrig ins Auto und fahren los. Es ist bereits nach zwölf. Wir müssen uns beeilen, denn es wird für uns gekocht. Doch wir werden nochmals gestoppt – zwei Holzer verwickeln uns in einen Schwatz. «Wo seid ihr gewesen?» Roman antwortet «sec» auf die provokativ gestellte Frage mit Unterton: «Wir haben die drei Riesenfichten vermessen. Wisst ihr, die, wo der alte Clavadetscher schon gesagt hat ...» Roman wird forsch unterbrochen. «Ja, die Geschichte haben wir schon hundertmal gehört – an Guata!» Wir kurbeln die Scheiben wieder hoch und fahren leicht betupft, ohne es jedoch auszusprechen, zurück ins Tal.
Sandro Krättli, Regionalforstingenieur Amt für Wald und Naturgefahren Sagastägstr. 96, CH-7220 Schiers sandro.kraettli @ awn.gr.ch
Die drei Riesenfichten von Conters. Tante Ruth (1), Tante Eveline Bündner Wald 1 /2014(2), 41 Tante Doris (3) (Bild: Roman Wieser)
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Riesen-Kastanienbäume im Moesano
Ein gepflegter Kastanienbaum in der Kastanienselve Nosal in Soazza. (Bild: PierNicola Federici)
Die Bewirtschaftung der Kastanienwälder und -selven (oder Kastanienhaine) an der Alpensüdseite hatte in den vergangenen Jahrhunderten – seit der Verbreitung dieser Baumart durch die Römer – eine sehr grosse Bedeutung für das Überleben der lokalen Bevölkerung. Die Nutzung des Kastanienbaums für verschiedene Zwecke in der ländlichen Gesellschaft unserer Vorfahren war zentral. Die Frucht (Kastanie) wurde für unterschiedliche Speisen und als Futter für Haustiere (Schweinemast) verwendet. Pfähle, Bau- und Brennholz können aus diesem wichtigen Baum gewonnen werden. Auch das Laub wurde von unseren Vorfahren als Streu und als Bettunterlage genutzt. Das Holz wurde für die Gerbstoffherstellung verwendet.
Der Kastanienbaum kann sehr alt werden und häufig trotz Kernfäule Jahrhunderte überleben. Dank der besonderen und diversen Formen und Strukturen (grosser Anteil an Totholz, Löcher usw.), welche mit zunehmendem Alter wahrscheinlicher anzutreffen sind, stellen solche Bäume sowohl einen sehr wichtigen Lebensraum für seltene Tierarten (Biodiversität) als auch für die Waldbesucher ein wertvolles Landschaftselement dar. 2001 wurde durch die eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft ( WSL) ein Inventar über die RiesenKastanienbäume im Tessin und im Moesano erstellt. Es wurden jene Bäume erfasst, welche in 130 cm Höhe einen Umfang von mehr als 7 m aufwiesen. Die Gemeinde, in welcher am meisten solch wunderschöne
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Schulklasse vor einem Riesen-Kastanienbaum in Soazza. (Bild: Luca Plozza)
Exemplare vorkommen, ist Soazza ( 26 ). Die Anzahl dieser jahrhundertealten Bäume im Moesano ist bemerkenswert: Im Moesano hat man nicht nur 45 Riesen-Kastanienbäume, sondern auch mehrere jahrhundertealte Bäume mit einem kleineren Umfang als 7 m gefunden. Im Moesano sind zahlreiche bereits im Mittelalter gepflanzte Kastanienbäume dank der menschlichen Pflegeeingriffe noch heutzutage lebendig feststellbar. Interessanterweise kommen diese inventarisierten Riesen hier fast ausschliesslich in zwei getrennten Gebieten vor: Soazza-Lostallo und Roveredo-Buseno. Die Kastanienkultur in den genannten Ortschaften war sehr ausgeprägt. In der Talstrecke Grono – Lostallo gibt es wenige solch alte Exemplare, höchstwahrscheinlich wegen der weniger günstigen Geländestruktur und der dadurch verzögerten Besiedlung dieses Gebietes. Seit 1999 fördert der Forstdienst von Moesano in Zusammenarbeit mit den Gemeinden, den privaten Eigentümern und dem Fonds Landschaft Schweiz die Wiederherstellung von Kastanienselven. Dank dieser Projekte konnte man viele uralte Kastanienbäume retten. In Soazza und Lostallo hat man zusätzlich ein spezielles Projekt umgesetzt mit dem Ziel, riesige und jahrhunder-
tealte Kastanienbäume auch ausserhalb der Waldfläche zu schützen und zu erhalten. Ziel der Eingriffe war, das Überleben dieser wunderschönen Exemplare möglichst zu ANZEIGE
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Kastanie44bei Grono mit einigen Eingangspforten für verschiedene Lebewesen – alte Bäume sind ein Garant für eine hohe Biodiversität. (Bild: Luca Plozza)
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verlängern, da die meisten inventarisierten Riesen-Kastanienbäume einen kritischen Gesundheitszustand aufwiesen und somit dringend Pflegemassnahmen benötigten. Um diese Bäume zu erhalten, wurde der Kronenpflegeschnitt durch Baumspezialisten durchgeführt und um genügend Licht an den zu schützenden Baum zu gewährleisten, wurden die nahestehenden Konkurrenten gefällt. Diese uralten Kastanienbäume sind veredelt und, analog wie andere Obstbäume, brauchen viel Licht, um Früchte zu produzieren, aber auch zu überleben. Dank der genannten Massnahmen konnten zahlreiche Riesen-Kastanienbäume erhalten werden, welche ansonsten durch die natürliche Verwilderung der Kastanienselven mit der Zeit verschwunden wären. Ein wichtiges Ziel des Inventars und der Pflegeeingriffe an den Riesen-Kastanienbäumen war auch die Information an die Bevölkerung betreffend Geschichte und Bewirtschaftung der uralten Bäume. In diesem Zusammenhang hat die Stiftung Paesaggio Mont Grand aus drei alten Gebäuden ein Zentrum (Küche, Speisesaal und Schlafzimmer) innerhalb der Kastanienselven in Soazza eingerichtet. Hier können Schulklassen und Gruppen thematische Wochen im Bereich der Kastanienkultur und -bewirtschaftung in direktem Kontakt mit diesem Thema verbringen. Auf der Webseite der Stiftung (www.fondazionemontgrand.ch) findet man alle wichtigen Informationen. Literatur / Internetquellen – Krebs, P. 2005. Inventario dei castagni monumentali del Moesano. Almanacco del Grigioni Italiano 87: pp. 239 – 243. – Tschuor, T., Plozza, L. 2004. Progetto di conservazione dei castagni di Soazza. Il castagno, Rivista dell’Associazione Castanicoltori della Svizzera italiana.
– Istituto federale di ricerca per la foresta, la neve e il paesaggio ( WSL ). 2005. Inventario dei castagni monumentali del Canton Ticino e del Moesano: http://www.wsl.ch/fe/oekosystem/ insubrisch/projekte/riesenkastanien/ index_IT – Fondazione Mont Grand, Soazza: http://www.fondazionemontgrand.ch
Lorenzo Schmid MSc ETHZ 6535 Roveredo lore.schmid@bluewin.ch
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Lärche in der Kampfzone Suot Ruinas Susch
Vom dies
Die eindrückliche Lärche aus Susch hat einen Durchmesser von rund 1.30 m, stockt auf 2150 m ü. M, verzweigt sich auf 3 m und hat eine 46 mächtig Rinde von 30 cm. (Bilder: Arnold Denoth)
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Vom langen Leben gezeichnet, was unter anderem dieser Pilzbefall zeigt.
Anblick der Lärche Richtung Zernez
Imposanter Stamm im Grössenvergleich mit einem jüngeren Zeitgenossen.
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Dieses Prachtexemplar einer Lärche in der Kampfzone gedeiht auf 2150 m ü. M. Sie ist schätzungsweise 350 bis 450 Jahre alt. Da sie am Rande eines Lawinenzugs wurzelt, habe ich umso mehr gestaunt, als ein alter Suscher mich auf diesen Baum aufmerksam machte. Für die Kahlschläge der Tiroler im 18. Jahrhundert war sie wohl zu abgelegen oder nicht interessant genug! Ebenfalls ist mir aufgefallen, dass auf einem grossen Seitenast rechts ein starker Pilzbefall vorhanden ist. Beide Gipfel sind abgestorben.
Arnold Denoth Gestiun Forestala Macun Chasa cumünala, CH-7546 Ardez forstmacun@bluewin.ch
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Die Dorflinde von Scharans «Heute Nacht war Sturm!», sagte mein Nachbar, als ich meine Zuckermaus aus der Spielgruppe abholte, «ich fürchtete schon, er würde sie nehmen!» Mit «sie» meinte er unsere Linde. Wir haben in unserem Dorf vor der Kirche eine der ältesten Linden der Schweiz, sie ist das Dorfsymbol und prangt im Wappen der Gemeinde. In den letzten Jahren ist sie mehrmals gebrochen und nur noch halb so hoch wie früher. Die Gemeinde tut alles zu ihrer Erhaltung. Die Linde ist ein Fruchtbarkeitsbaum, bei den Kelten war sie der Göttin Freya geweiht. Die Verliebten kamen bei ihr zusammen und baten um Nachwuchs. «Sie soll nur noch bleiben», sagte mein Nachbar. «Solange ich da bin, soll auch sie nicht gehen!» Ich erklärte meiner Tochter, dass die Linde auf das Dorf aufpasst und dafür sorgt, dass es immer genug Kinder gibt. Sie schaute zuerst mich an, dann den Nachbarn und meinte: «Und wenn sie geht, dann gibt es keine Kinder mehr?» Wir gingen weiter, ich zeigte ihr die junge Linde, welche die Gemeinde vor ein paar Jahren auf dem Dorfplatz pflanzte und erklärte: «Falls der Sturm kommt und die alte Linde nimmt, übernimmt dann die junge!»
Linard Bardill Die Dorflinde von Scharans spendete Kindern schon 1903 Schutz vor der Sonne (Bild: «Fototeca dal Dicziunari Rumantsch Grischun», Christian Meisser)
Ateliertheater CH-7412 Scharans linardbardill@bardill.ch
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Wertvollen Bäumen auf den Zahn fühlen Die unabhängigen Baumexperten der Matthias Brunner AG mit Sitz in Zürich beraten öffentliche und private Besitzer von Bäumen. Sie beurteilen jährlich über 3000 Solitärbäume im In- und Ausland und unterstützen in heiklen Fällen oft auch Revier- und Kreisforstämter mit einem Augenschein vor Ort und Fachgutachten für Bäume im Siedlungsraum. Im Januar war ein Team im Einsatz für die messtechnische Sicherheitsbeurteilung von schützenswerten Eichen, Pappeln, Weiden und einer Fichte entlang der N13 zwischen Maienfeld und Landquart. Spezialisiert auf heikle Sicherheitsbeurteilungen bei wertvollen Bäumen Wenn es Zweifel an der Sicherheit von Bäumen gibt, greift der Förster im Normalfall zur Motorsäge. Auf heikle Fälle hat sich die Matthias Brunner AG spezialisiert. Wenn eine unabhängige Expertenmeinung eingeholt werden soll, rücken die Baumexperten aus und untersuchen wertvolle Bäume optisch und falls notwendig messtechnisch mit Resistografie oder Ultraschall. Anschliessend wissen die Baumexperten, ob das Restrisiko erhöht ist und beraten den Baumbesitzer, wie er das Risiko auf das normale Mass senken kann. Sicherheitsgutachten und die Absicherung gegen Schäden durch höhere Gewalt gehören zusammen. Die Matthias Brunner AG stellt für untersuchte Bäume deshalb Sicherheitszertifikate aus, welche die Baumbesitzer bei Elementarschäden finanziell entschädigen. Diagnose von Baumkrankheiten Die Globalisierung geht auch an den Bäumen nicht vorbei. Immer mehr Krankheiten und Schädlinge werden eingeschleppt, welche unsere einheimischen Bäume bedrohen. Ohne natürliche Feinde im Öko-
Fruchtkörper des Echten Mehltaus (lat. Erysiphe flexuosa; Vergrösserung 400-fach) (Bild: Matthias Brunner AG)
system breiten sie sich ungehindert aus, solange ein Nahrungsangebot vorhanden ist. «Wer Baumkrankheiten erfolgreich bekämpfen will, muss schrittweise vorgehen», ist Matthias Brunner überzeugt. Nur wenn der Fachmann das Problem versteht, weiss er, ob und wie es gelöst werden kann. Die Baumexperten der Matthias Brunner AG untersuchen verdächtige Baumproben deshalb unter dem Mikroskop, finden die Krankheitsursache heraus, fotografieren den Befund und können ihre unabhängigen Gutachten dadurch besser dokumentieren. Baumspritzen gegen Rosskastanienminiermotten Im Pflanzenschutz arbeitet die Matthias Brunner AG mit Maag Profi zusammen an der Entwicklung neuer BehandlungsmeBündner Wald 1 /2014 49
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Ein Baum wird in verschiedenen Schritten beurteilt. (Bilder: Sandro Krättli)
thoden für Bäume und seit zwei Jahren darf die Firma weiss blühende Rosskastanien (lat. Aesculus hippocastanum) mit der Mikro-Injektionstechnik gegen Miniermotten (lat. Cameraria ohridella) behandeln. «Die Methode ist äusserst effizient. Eine Behandlung wirkt mindestens drei Jahre», erklärt Brunner. Herkömmliche Spraybehandlungen mit Motorspritzen benötigen viel Pflanzenschutzmittel, verursachen Abdrift, werden bei Niederschlag aus der Krone ausgewaschen und erfordern deshalb mehrere Behandlungen pro Jahr. Das verursacht hohe Kosten und ist nicht sehr umweltfreundlich. Mit der neuen Mikro-Injektionstechnik werden Kleinstmengen des Wirkstoffs direkt in die wasserführenden Gefässe des Splintholzes gespritzt, die das Mittel innert
weniger Tage in der ganzen Baumkrone verteilen und die Blätter vor Miniermottenfrass schützen. «Mit der Wirkstoffmenge eines halben Würfelzuckers kann eine weiss blühende Rosskastanie mit 50 Zentimetern Brusthöhendurchmesser über Jahre vor Miniermottenfrass geschützt werden», meint Brunner zur Effizienz der Behandlung und fügt an: «Die Umwelt wird dabei optimal geschützt, da keine Spritzmittel in die Umwelt gelangen und der Wirkstoff nicht wasserlöslich ist.» Maag Profi, der Hersteller der Injektionsprodukte, forscht weiter an einem Mittel gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer (lat. Anoplophora glabripennis) oder den Eichenprozessionsspinner (lat. Thaumetopoea processionea). Die Baumexperten von Matthias Brunner sind auch ideenreich, wenn es darum geht,
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den Teamgeist zu trainieren: Letztes Jahr haben sie in einem selbst gebauten Iglu auf den Churfirsten übernachtet oder sie fahren zusammen mit Gästen auf Skeletons durch den Eiskanal von St. Moritz.
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Wiederbelebung des Walnussanbaus in Graubünden
Nussbaumallee in Igis – die Bäume werden für die Nussernte versteigert (Bild: Sandro Krättli)
Die Bündner Nusstorte wird zukünftig wieder bündnerischer. Mit der Gründung der IG Walnuss gehen dreizehn Landwirte einen neuen Weg: Sie werden mehr als 1000 Walnussbäume pflanzen resp. den Ertrag schon bestehender Bäume in eine neue Produktionsgesellschaft eingeben. In den letzten 50 Jahren sind der Bestand der Walnussbäume und die Verarbeitung der Nüsse in Graubünden massiv zurückgegangen. Der Walnussbaum war eine bereichernde Art für die Biodiversität und das Landschaftsbild. In traditionellen Produkten wie Nusstorten und Birnbroten wurden die energiereichen Früchte verarbeitet. Heute sind Bündner Nüsse eine Rarität geworden – die namengebende Zutat für die berühmte Nusstorte wird oftmals sogar aus dem Ausland importiert. Nun aber soll die Bündner Nusstorte wieder mit Nüssen aus Graubünden hergestellt werden können – damit eine international bekannte Spezialität noch echter wird und Wertschöpfung in den Regionen generiert werden kann. Diese Überlegungen führten im Jahr 2008 unter der Federführung von alpinavera zum «Walnussprojekt Graubünden». Gemeinsames Projekt Walnussanbau In Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum Plantahof in Landquart und der regioViamala wurde eine Machbarkeitsanaly-
se erarbeitet. Diese hat aufgezeigt, dass der Walnussanbau und der Aufbau einer Wertschöpfungskette vom Bauern über ein zentrales Verarbeitungszentrum bis hin zur Vernetzung mit den Bäckern nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für alle anderen involvierten Betriebe lukrativ sein können. Der prognostizierte Mehrwert bedingt allerdings, dass die Landwirte Produktion und Maschinen poolen und die Verarbeitung effizient und effektiv gemeinsam verwirklichen. Die Qualität eines einheimischen Produkts muss beim Bäcker und in anderen Verkaufskanälen klar kommuniziert werden. 1100 Walnussbäume bringen langfristigen Gewinn Workshops mit interessierten Landwirten und Gespräche mit Bäckern verliefen diesbezüglich positiv, nun liegen die operativen Ergebnisse auf dem Tisch. Dreizehn Landwirtschaftsbetriebe werden auf einer Gesamtfläche von etwa 20 ha rund 1000 Bäume anpflanzen resp. bereits bestehende Pflanzungen (rund 800 Bäume) in das Projekt einbringen. «Bis ein Walnussbaum den vollen Ertrag bringt, braucht es etwa zwölf Jahre, der Walnussanbau ist ein langfristiges Projekt» erläutert Jasmine Said Bucher, Geschäftsführerin von alpinavera. «Es ist uns darum sehr wichtig, dass wir den beteiligten Partnern eher vorsichtig prognos-
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tizierte Entwicklungszahlen präsentieren.» Die Vorabklärung hat bestätigt, dass eine rentable Entwicklung etwa 1200 Bäume mit einem Ertrag von 55 Tonnen Frischnüssen jährlich in unterschiedlichen Höhenstufen bedingt. Mit dieser Menge kann ein zentrales Verarbeitungszentrum kostendeckend geführt werden. Die Anfangsinvestitionen für Ernte- und Verarbeitungsmaschinen sowie Wasch- und Trocknungsmöglichkeiten werden auf etwa 550 000 Franken veranschlagt. Bis 2020 ist eine Umsatzentwicklung auf über 400 000 Franken prognostiziert. Für den Endverbraucher bedeutet die Verarbeitung von einheimischen Walnüssen Mehrkosten von etwa 2.50 Franken pro grosse Nusstorte. «Ein Mehrpreis, den man dem Konsumenten gegenüber mit dem Argument der einheimisch produzierten Nüsse sehr gut vertreten kann», ist Johannes Janggen, Präsident der IG Walnusskompetenzzentrum überzeugt. IG Walnuss gegründet Ende Januar 2013 ist der Verein IG Walnusskompetenzzentrum gegründet worden. Mit Johannes Janggen aus Malans ist ein bereits erfahrener Walnussproduzent zum
Präsidenten gewählt worden. Weitere Vorstandsmitglieder sind Heidi Costa, Li Curt, und Simon Küng von Ruswil, ebenfalls Walnussproduzent der ersten Stunde. Ziel und Zweck des Vereins sind die Planung und der Betrieb eines gemeinsamen Walnussknackund Verarbeitungszentrums in Graubünden und die Koordination der vier regionalen Produzentengemeinschaften in Graubünden, in der Ur- und der Zentralschweiz. Ausserdem wird er die definitiven Strukturen für den Walnussanbau erarbeiten und er ist für die Vermarktung und die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Nachdem die Aufbauphase nun abgeschlossen ist, folgt die Grundlagenetappe. Für diese Phase ist der Verein Träger des Projekts Walnussanbau in Graubünden, dessen operative Geschäftsführung an alpinavera übertragen worden ist. Die Arbeiten für die nun abgeschlossenen Vorabklärungen wurden auch von Bund und Kanton unterstützt. Die IG strebt an, dass das Walnussprojekt in das Programm «Projekte zur regionalen Entwicklung» ( PRE ) aufgenommen wird. So könnten auch die Investitionen und die Aufbauphase durch Beiträge von Bund und Kanton mitfinanziert werden, die Restinvestitionen sollten durch die beteiligten Land-
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Nussbäume in Grenoble FR – eine Plantage wie sie auch vermehrt in Graubünden wieder zu sehen sein sollen (Bild: alpinavera)
wirte selber getragen werden können. Am Ende dieser Etappe sind die definitive Struktur und die Zusammenarbeitsbeziehungen zwischen den Beteiligten am Walnussprojekt definiert und vertraglich geregelt. Vorstellbar ist eine AG oder eine Genossenschaft. Als Basis für den Einstieg in den Walnussanbau ist ein umfassendes Handbuch für interessierte Bauern erarbeitet worden. Mittels dieser Grundlage sind die dreizehn bisherigen Produzenten auch gewonnen worden. «Es ist äusserst wichtig, interessierte Landwirte umfassend zu informieren über den Walnussanbau. Denn, wer sich für den Walnussanbau entscheidet, fällt einen generationenübergreifenden Entscheid», sagt Jasmine Said Bucher. Sie ist überzeugt, dass der Absatz der einheimischen Walnüsse langfristig gewinnbringend betrieben werden kann.
Porträt Der Verein IG Walnusskompetenzzentrum bündelt die Kräfte der Landwirtschaft mit folgendem Zweck: a. Planung und Betrieb eines gemeinsamen Walnusskompetenzzentrums in Graubünden mit regionalen Produzentengemeinschaften in Graubünden, in der Ur- und Zentralschweiz. b. Aufbau und Förderung von wettbewerbsfähigeren Strukturen in der Walnussproduktion und -verarbeitung. c. Förderung der Vermarktung der produzierten Walnüsse und Öffentlichkeitsarbeit. Jasmine Said Bucher alpinavera Distelweg 4, CH-7000 Chur jasmine.saidbucher@alpinavera.ch
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«Das Geheimnis der Bäume» – eine Filmbesprechung
Der Biologe und Hauptdarsteller neben den Bäumen Francis Hallé. (www.frenetic.ch)
Nach seinem Oscar ®-prämierten Film «Die Reise der Pinguine» präsentiert Regisseur Luc Jacquet nun Bilder aus der faszinierenden Welt des Regenwaldes. Basierend auf einer Idee des Botanikers Francis Hallé, der viele Jahre damit verbracht hat, die Regenwälder zu erforschen und die Geheimnisse des Zusammenwirkens von Pflanzen und Tieren zu entschlüsseln, präsentiert Jacquet eine Reise zum Ursprung der Ur- und Regenwälder von Peru und Gabun. Zugegeben, über Bäume und Wälder wurden schon mannigfach Filme gedreht; einmal von unten aufgenommen, dann von oben, von ganz nah und dann wieder von fern. Das «Geheimnis der Bäume» ist auch ein solcher Naturfilm, der sich aber durch seinen aussergewöhnlichen Einfallsreichtum kombiniert mit einer filmtechnisch spektakulären Machart von seinen Vorgängern in mancher Hinsicht unterscheidet.
Indem Jacquet Naturaufnahmen mit ausgeklügelten Animationen und Musik verknüpft, macht er den Zauber des Waldes akustisch und visuell erlebbar. Zu Beginn erkennt man einen gerodeten Regenwald; eine kahle Fläche, auf der nur noch Ölfässer herumliegen und ein ausrangierter Bagger steht. Hier könnte sich der Wald wieder regenerieren, meint Hallé, dem der Schweizer Schauspieler Bruno Ganz seine ausdrucksstarke Stimme leiht. Allerdings würde das rund 700 Jahre dauern. Mithilfe von ausgeklügelten Computeranimationen wird eine fiktive Regeneration von Beginn an nachgelebt. Um zu veranschaulichen, was sich dem menschlichen Vorstellungsvermögen infolge der langen Dauer entzieht, lässt Jacquet zwischen echten Bäumen animierte Pflanzen emporkeimen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Zusammenspiel zwischen Pflanzen- und Tierwelt; wie ein Baum von Insekten und Pilzen profitiert, sich vor Elefanten schützt oder wie wandlungsfähig die Passionsblume auf die Attacken gefrässiger Raupen reagiert. Jacquet zeichnet die Evolutionsgeschichte eines Urwalds nach und macht Bäume als Lebewesen begreifbar. Mit kuriosen Allianzen und überraschenden Täuschungsmanövern sichern diese seit Jahrhunderten ihr Dasein. So werden Ameisen zu Untermietern und verteidigen Baumkolosse, Insekten lassen sich von Pflanzen an der Nase herumführen und Urwaldriesen fungieren als Regengötter. Im Vergleich zur Lebensdauer eines Urwaldes haben Naturfilme in den Kinos hingegen nur geringe Überlebenschancen. Was ja auch wieder gut sein kann, denn nach der Kinoauswertung erscheint meist zeitnah die DVD für das Heimkino. www.dasgeheimnisderbaeume.ch Richard Walder
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Comic Theo & Heinz
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Heckentag der Scola Trin vereint Länder, Generationen und Interessen
Der 10. Heckentag der Scola Trin mit vielen Teilnehmenden von jung bis alt. (Bild: Bergwaldprojekt)
Unsere Vorfahren haben die Stube mit «Bürdeli» aus Sträuchern beheizt, Würste wurden mit Weissdornspiesschen verschlossen und mit Wacholder geräuchert, der Besen war aus Weideruten und geschlafen haben sie nicht im Wasserbett, sondern auf dem Laubsack. Heute ist es die Biodiversität, welche die Heckenlandschaft so wertvoll macht. Genug Gründe für die Scola Trin sich gemeinsam mit dem Landschafts- und Obstbaumpflegeverein Trin, der Dorfbevölkerung, dem Forstdienst sowie dem Bergwaldprojekt einen Tag lang zugunsten der Heckenlandschaft zu engagieren. Am Samstag, 2. November 2013, wurde der zehnte Heckenpflegetag in Trin durch-
geführt. Zusammen mit Förster Hitsch Malär hat die Scola Trin den jedes zweite Jahr stattfindenden Heckentag der 3. und 4. Klasse organisiert. Das Ziel des Heckentags ist das Sensibilisieren der Kinder für einen nachhaltigen und sorgsamen Umgang mit der Natur. Die Schülerinnen und Schüler lernen einiges über die Bedeutung der Hecke von früher und heute; auch über deren Wichtigkeit, sei es als Zufluchtsort für Kleintiere, als Windfang oder auch als Lieferant für allerlei Gebrauchsmaterial. Diese Kenntnisse werden für den Heckenpflegetag zu Kurzreferaten zusammengefasst und den Interessierten vorgetragen. Nach dem Informationsteil haben die 100 Kinder und 130 Erwachsenen die Ärmel hochgekrem-
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Der Heckentag, eine Erfolgsgeschichte Der Heckentag ist von den Machern der Projektwoche Wald der Schule Trin ins Leben gerufen worden. Er gehört wie auch die Waldtage der Scoletta, der Obsttag der 1./2. Klasse sowie die Projektwoche Alp Mora der 5./6. Klasse zur Umwelterziehung der Scola Trin, welche für diese nachhaltige Umwelterziehung den Bindingpreis erhalten hat. Der Landschafts- und Obstbaumpflegeverein, der aus diesem Heckentag entstanden ist, fördert seit 1996 die Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Kulturlandschaft.
pelt und der Forstgruppe im Gebiet Samuns beim Zurückschneiden der Hecken oder beim Räumen der Äste geholfen. Auch das Bergwaldprojekt mit Geschäftssitz in Trin GR hat angepackt, denn eine der Aufgaben des Bergwaldprojekts ist die Kulturlandschaftspflege. Deshalb hat sich die Stiftung und Freiwilligenorganisation im Rahmen des internationalen Treffens der Mitarbeitenden dieses Wochenendes, dem Heckentag der Scola Trin angeschlossen. Seitens Bergwaldprojekt waren über 50 Mitarbeitende aus der Schweiz, Deutschland, Österreich, der Ukraine und von Katalonien beteiligt. Das gemeinsame Engagement für die Pflege der vielfältigen und wertvollen Heckenlandschaft von Trin hat an diesem Tag verschiedene Interessengruppen vereint. So arbeiteten Schülerinnen mit den Mitarbeitenden des Bergwaldprojekts, der Forstdienst mit den Mitgliedern des Landschafts- und Obstbaumpflegevereins und die Mutter mit der Lehrperson ihrer Kinder zusammen. Zur Belohnung des Arbeitseinsatzes lockte ein feines Mittagessen, welches – wie früher üblich – über dem Feuer zubereitet worden ist. Denn nach dieser für die meisten ungewohnten körperlichen Arbeit fehlte es nicht an Appetit! Alle haben mit diesem Einsatz einen grossen Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität und der wunderschönen Heckenlandschaft in Trin beigetragen.
Landschafts- und Obstbaumpflegeverein Ursi Di Giuliantonio lovt @ bluewin.ch 079 243 43 10
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Ein Vierteljahrhundert im Wald «Passion Revierförster im Schächental», Beat Herger Beat Herger ist in Altdorf aufgewachsen. Nach der Forstwartlehre in Alpnach (1981 – 1984 ) und der Försterschule in Maienfeld (1988 – 1989) nahm er 1989 als Förster in Unterschächen die Arbeit auf. Seit 1996 ist er Revierförster im Urner Schächental in den Gemeinden Spiringen, Unterschächen und Urnerboden. Nathalie Barengo, dipl. Forsting. ETH, sprach mit Beat Herger, um mehr über den fotografierenden und schreibenden Förster und das neue Buch zu erfahren. Was gab ihm den Ansporn, ein Buch zu verfassen? Vor vier Jahren begann ich, die bis anhin über 10 000 Fotos, die bei den Arbeitseinsätzen entstanden sind, zu ordnen und mit
einer Legende zu versehen. Bis heute sind nochmals über 2000 Fotos dazugekommen. Eigentlich wäre das Ziel gewesen, einige dieser Bilder im Hinblick auf mein kommendes 25-Jahr-Jubiläum in Form einer kleinen Festschrift der Öffentlichkeit zu präsentieren. Aus dieser Idee ist nun ein Buch mit 196 Seiten und 300 Bildern entstanden. Was erwartet die Leserschaft? Das Buch schildert die Ereignisse während eines Vierteljahrhunderts im Gebirgsforstbetrieb rund um den Klausenpass. Es lässt uns teilhaben am Alltagsgeschehen in den Schutzwäldern des Urner Schächentals. Das Buch bringt uns fast vergessene Ereignisse wieder in Erinnerung, die uns damals stark bewegten, die heute aber schon fast wieder vergessen sind. Es lässt uns schmunzeln
60 Beat Herger in seinem Revier im Simmental (Bild: z.v.g.)
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über Anekdoten und zeigt auf, wie wertvoll gutes Einvernehmen und Kameradschaft am Arbeitsplatz sind. Es lässt uns auch innehalten beim Gedanken an schwere Momente. Die Ansprüche an den Wald sind in den letzten Jahren stetig gestiegen. Insbesondere der Schutzwald muss eine dauerhafte Wirkung aufweisen, da es immer Teureres zu schützen gilt. Die Leserschaft erfährt im Buch «Passion Revierförster im Schächental», wie ein Gebirgsforstbetrieb daran arbeitet, dieser Aufgabe gerecht zu werden. Nebst Waldbewirtschaftung haben die Forstteams in den Gebirgskantonen weitere wichtige Aufgaben zu erfüllen: Lawinenverbauungen, Sanierung von Hangrutschen, Bachverbauungen und Massnahmen zugunsten vom Hochwasserschutz erweisen sich als abwechslungsreiche und herausfordernde Arbeitsaufträge.
Während vieler Jahre war ich zudem als Flughelfer in der Schweiz und im westeuropäischen Raum bei Transport- und Montageflügen im Einsatz. Einige dieser Einsätze aus der Helikopterfliegerei, davon auch mit den Grosshelikoptern Super Puma und Kamov KA 32, sind im Buch festgehalten. 25 Jahre Waldpflege im Schächental: Würdest du gewisse Dinge anders machen? Zum Teil schon. An einigen Orten hätte man ruhig etwas mutiger eingreifen dürfen, an anderen wäre vielleicht mehr Vorsicht das Gebot der Stunde gewesen. Es gibt Abläufe im Ökosystem Wald, die wir nicht beherrschen können – und das sollte der Mensch auch nicht. Nathalie Barengo
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Auszeichnung «proQuercus» 2014
Der Verein proQuercus zeichnet Personen, Organisationen, Aktionen oder Werke aus, welche zur Erhaltung des vielfältigen Naturund Kulturerbes der Eiche in unserem Lande beitragen. Die Gesamtsumme für diese Auszeichnung 2014 beträgt 3000 Franken. Diese kann auf mehrere Preisträger verteilt werden. Gesucht werden verschiedenste Aktivitäten, welche die Eiche zum Thema haben und diese in besonderer Weise fördern. Die Palette möglicher Themen ist gross und umfasst: Erziehung, Ausbildung, Forschung, Kultur, Archäologie, Geschichte, Waldbau, Biodiversität, Holzprodukte, Landschaft etc. Jedermann ist eingeladen, Bewerbungen oder Vorschläge für die Auszeichnungen 2014 zu unterbreiten. Diese sind bis zum 28. Februar 2014 dem Vorstand von proQuercus an folgender Adresse zu melden (wenn möglich elektronisch): marcus.ulber @ pronatura.ch oder Marcus Ulber, c/o Pro Natura, Postfach, 4018 Basel. Bei Rückfragen bitte Herrn Marcus Ulber kontaktieren: marcus.ulber @ pronatura.ch oder Tel. 061 317 91 35. Das Reglement sowie das Anmeldeformular zur Auszeichnung «proQuercus» können unter www.proquercus.ch heruntergeladen werden.
Im 2012 konnte Revierförster Gion Willi die Auszeichnung «proQuercus» für die Pflege und Nutzung der Eichenhaine in Maienfeld entgegen neh62 men – im Bild eine Eiche aus Maienfeld (Bild: Sandro Krättli)
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Vorschau «Bündner Wald» April 2014 «Zwischen den Schluchten» Zwischen der Rofla im Süden und der Viamala im Norden liegt der Tagungsort der Generalversammlung 2014 des Vereins Graubünden Wald. Organisiert wird der Anlass gemeinsam von den vier Forstbetrieben im Schams, Rheinwald, Ferrera und Avers. Waren die grossen Schluchten in früherer Zeit noch gefürchtet und fast nicht zu durchqueren, so führt uns heute vor allem die A13 komfortabel und recht sicher durch den Fels. Unsere «Versammlungsnummer» 2014 gewährt einen Blick in die bewegte Vergangenheit und die aktive Gegenwart dieser Region, in der sich Romanen und Walser gemeinsam arrangieren (müssen).
Vorschau auf die nächsten Nummern: Juni 2014: Waldschutz kantonal und national Redaktion: Sandro Krättli und Jörg Clavadetscher August 2014: Waldeigentum + Waldbaustrategien der letzten 200 Jahre Redaktion: Jörg Clavadetscher
Redaktion: Jörg Clavadetscher
Herausgegeben von Graubünden Wald, Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden und der SELVA. Verleger: Südostschweiz Presse und Print AG, Südostschweiz Print, CH-7007 Chur Sekretariat: SELVA, Christophe Trüb, Bahnhofplatz 1, CH-7302 Landquart, Telefon + 41 (0) 81 300 22 44, buendnerwald @ selva-gr.ch Redaktoren: Jörg Clavadetscher, Revier forestal da Val Müstair, CH-7535 Valchava, Telefon + 41 (0) 81 858 58 21, forestal-muestair @ bluewin.ch. Sandro Krättli, AWN GR, Sagastägstrasse 96, CH-7220 Schiers, Telefon + 41 (0) 81 300 24 11, sandro.kraettli @ awn.gr.ch. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge in nicht verlangter Form ohne Rückfrage zu ändern. Druckvorstufe (Satz, Lithos, Belichtung) : Südostschweiz Presse und Print AG, Südostschweiz Print, Antonin Friberg Druck: Südostschweiz Presse und Print AG, Südostschweiz Print, Postfach 508, Kasernenstrasse 1, CH-7007 Chur, Telefon + 41 (0) 81 255 51 11, Fax + 41 (0) 81 255 52 89. Erscheint sechsmal jährlich. Auflage 1700 Exemplare Inserate: Südostschweiz Publicitas AG, Neudorfstrasse 17, CH-7430 Thusis, Telefon + 41 (0) 81 650 00 70, Fax + 41 (0) 81 650 00 74, thusis@so-publicitas.ch Abonnementspreise: CHF 60.– (für Mitglieder Verein Graubünden Wald) Abonnemente/Adressänderungen: Südostschweiz Presse und Print AG, Postfach 508, Abo- und Zustellservice, Kasernenstrasse 1, CH-7007 Chur, Telefon + 41 (0) 81 255 50 50, www.buendnerwald.ch Für Inseratetexte übernimmt die Redaktion keine Verantwortung, auch muss die Meinung der Beiträge nicht mit der Ansicht der Redaktoren übereinstimmen. Autoren, die zu obenstehenden Themen publizieren möchten, sind herzlich eingeladen, ihre Vorschläge der Redaktion einzureichen.
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