B端ndner
Wald
Jahrgang 68 | Oktober 2015
Naturschutzbilanz aus dem B端ndner Wald
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Um die Nachfolge unseres vor der Pensionierung stehenden Sägers fliessend zu regeln, ist auf der Sägerei die Stelle als
Säger neu zu besetzen. Stellenantritt per 01. April 2016 oder nach Vereinbarung Aufgabenbereich: Bei uns erwartet Sie eine sehr abwechslungsreiche Tätigkeit mit allen in einem kleinen Sägereibetrieb anfallenden Arbeiten. Sie haben die Möglichkeit, Verbesserungen in den bestehenden Arbeitsabläufen mitzubestimmen sowie bei der Einrichtung der Sägerei mitzuwirken. Wir bieten: - eine abwechslungsreiche Tätigkeit in einem gut eingerichteten Betrieb - zeitgemässe Anstellungsbedingungen - selbständiges Arbeiten - die Möglichkeit, die Zukunft der Sägerei mitzugestalten Wir erwarten: - handwerkliches Geschick - abgeschlossene Berufslehre als Säger oder gleichwertige Ausbildung - Erfahrung mit der Blockbandsägetechnik - Teamfähigkeit und kostenbewusstes Denken - Freude am selbständigen Arbeiten - offenes, freundliches und kommunikatives Auftreten gegenüber Kunden - Bereitschaft zur Weiterbildung - einige Jahre Berufserfahrung sind von Vorteil Interessenten senden Ihre Bewerbung mit den üblichen Unterlagen bis am 31. Oktober 2015 an die: Ortsgemeinde Wartau Dornau 1 Postfach 50 9478 Azmoos Für weitere Auskünfte und Fragen steht Ihnen Revierförster Ernst Vetsch, Telefon 079 343 72 39, gerne zur Verfügung.
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Inhalt
Titel Editorial ................................................. 4
Totholz für Käfer –
Förderung der Waldbiodiversität
Kastanienselven – bedeutender Teil
in Graubünden – wo stehen wir? ................ 5
der Kultur der Bündner Südtäler ............... 46
Förderung besonderer Gehölze,
Biodiversitätsförderung
was bisher geschah .................................. 10
mit Lärchen-Weidewäldern ....................... 51
Der Forstgarten und die Förderung
Comic Theo & Heinz ................................. 55
der Waldbiodiversität ............................... 13
Protokoll der SELVA-General-
Eichenförderung
versammlung 2015 .................................. 56
im Kanton Graubünden ............................ 17
Neuigkeiten vom AWN-Personal .............. 61
Die Schwarzpappel und andere Auen-
Vorschau «Bündner Wald» ....................... 63
Befunde aus Graubünden ......................... 42
baumarten im Churer Rheintal .................. 21 Wie viel Unterstützung braucht die Arve in der Surselva? .............. 27 Zwischenstand bei den Naturwaldreservaten .................... 32 Naturwaldreservat God da Tamangur – ein Arvenwald erholt sich ......................... 36
Titelbild: Die Lärche als Lebensraum. (Bild: Caroline Heiri) Bild Inhaltsverzeichnis: Eine facettenreiche Landschaft im schönen Herbstlicht. (Bild: Fritz Oertig) Bündner Wald 5/2015 3
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Editorial
Biodiversität im Wald? Muss diese denn wirklich auch noch aktiv gefördert werden oder ist das einfach ein Tick jener Waldstrategen mit Wollsocken, Knickerbocker und dem selbst gestrickten Pullover? Ich sehe die Fördermassnahmen zugunsten der Artenvielfalt nicht unbedingt oder zumindest nicht überall als Neuerfindung der heutigen Waldbewirtschaftung. Zugegeben, 30 Jahre sind keine Ewigkeit, aber es ist eine Zeitspanne, in der sich die Waldbewirtschaftung und das forstliche Denken bereits wieder verändert haben. Schon damals, als ich meine Forstwartlehre antrat, wurde die Artenvielfalt mancherorts gezielt gefördert. Ist der Grundstein der waldbaulichen Massnahmen immer zu 100 Prozent in der puren Überzeugung des Försters zu finden? Ich wage es zu bezweifeln. Nicht selten sind oder waren auch das Wachstum und der später in Aussicht stehende Geld- und Holzertrag ausschlaggebend für die angestrebte Artenvielfalt, sprich Mischungsart. Aus einer erweiterten Optik und mit entsprechend zeitlichem Abstand betrachtet, erweisen sich diese Argumente leider nicht immer als die besten. Arten, welche hauptsächlich aus diesem Grund eingebracht wurden, stellten sich später manchmal als äusserst krankheitsanfällig heraus oder stehen heute im schlechtesten Fall als Hegeabschuss auf der «Abschussliste» der Neophytenjäger. Solche waldbaulichen Entgleisungen können mit einer subventionsgesteuerten Massnahmenpolitik teils elegant umfahren werden. Ähnlich wie in der Landwirtschaft werden heute auch im Wald verschiedene Eingriffe mehr oder weniger ausgeprägt
durch die Ausschüttung von Subventionen gesteuert. Zu unterscheiden ist hierbei wahrscheinlich die Motivation für Massnahmen mit Holzertrag und solchen ohne Holzertrag. Biodiversitätsförderung mit Holzertrag, beispielsweise zur Stärkung der Auerwildpopulationen, ist dem Forstdienst meistens schneller schmackhaft zu machen als ein Naturwaldreservat, welches über eine festgelegte Zeitspanne nicht mehr bewirtschaftet werden darf. In weiten Bevölkerungskreisen scheint heute das Bedürfnis nach vielfältigen Lebensund Erholungsräumen parallel zu den Ansprüchen an die Schutzfunktion des Waldes anzusteigen. Jenes Bedürfnis kann auch als Resultat unserer immer naturfremderen Gesellschaft interpretiert werden, die sich immer mehr in einer virtuellen Welt bewegt. Die Forstorgane der obersten Chefetage bemühen sich, diesen Forderungen, gepaart mit den neusten Erkenntnissen aus der Forschung und den Rufen aus der Holzwirtschaft, Folge zu leisten. Als Steuerrad dienen die Projektvorschriften. Irgendwie scheint der natürliche Kreislauf unserer Wirtschaft sogar mitzuspielen. Angebot gleich Nachfrage. Wer am meisten bezahlt, hat das Sagen. Egal, ob nun die Fichte als Futterbaum gepriesen wird oder nicht ...
Jörg Clavadetscher, Redaktor Bündner Wald Ruinas, CH-7535 Valchava forestal-muestair@bluewin.ch
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Förderung der Waldbiodiversität in Graubünden – wo stehen wir? Auf Naturschutz ausgerichtete Massnah men im Wald sind keine Erfindung der neusten Zeit. Schon 1910 wurde ein Natur waldreservat eingerichtet: Scatlé in Breil/ Brigels. Mit der Einführung von Beiträgen an waldbauliche Massnahmen um 1985 wurden bald auch Waldpflegemassnahmen unterstützt, die auch auf Biodiversitäts ziele ausgerichtet waren. So wurden z. B. ab 1987 Massnahmen zur Pflege von Kastanienselven in der Val Bregaglia im Rahmen eines Forstprojekts unterstützt. Die 1993 neu in Kraft getretene eidgenössische Waldgesetzgebung ermöglichte die Unterstützung von Natur- und Sonderwaldreservaten über eine eigene Rubrik (Komponente 412). Für Naturschutzmassnahmen ausserhalb von Waldreservaten konnten beschränkt Gelder aus der Komponente 411.1 (Waldbau A) eingesetzt werden. Ab 2003 wurden solche Massnahmen dann unter der Bezeichnung «Waldbau AN» separat ausgewiesen. Auf das Jahr 2008 hin wurde diese Ordnung des Bei-
Ausgeführte Massnahmen zur Förderung der Waldbiodiversität in Graubünden in den Jahren 2008 bis 2014. Kreissegmente = Anteile der aufgewendeten Finanzen. Hektarwerte = total gepflegte (bzw. bei Reservaten eingerichtete) Fläche. (Grafik: U. Bühler)
tragswesens durch die NFA-Programme (neuer Finanzausgleich) abgelöst. Die auf die Förderung der Biodiversität ausgerichteten Massnahmen werden seither gebündelt im Rahmen der Programmvereinbarung Biodiversität im Wald unterstützt. Die Gesamtkosten der unterstützten Waldbiodiversitätsmassnahmen im Kanton Graubünden beliefen sich in den Jahren 2003 bis 2007 im Durchschnitt auf Fr. 890 000.– pro Jahr. Seit der Einführung der NFA-Programmvereinbarung liegen sie heute recht konstant (2008 bis 2014) bei Fr. 3 294 000.– pro Jahr. Daran entrichten Bund und Kanton 70 % Beiträge, 30 % sind gemäss Art. 49 KWaG durch die Waldeigentümer zu tragen. Inhaltliche Schwerpunkte Die Inkraftsetzung der neuen eidgenössischen Waldgesetzgebung 1993 war auch der Beginn der Waldentwicklungsplanung (WEP). In deren Rahmen ergab sich die Aufgabe, aus einer ganzheitlichen Betrachtung heraus die für den Waldnaturschutz vordringlichsten Ziele festzulegen unter Abwägung der anderen Waldfunktionen. Die bis heute erarbeiteten Ergebnisse sind unter anderem als interaktive Karte über das Geoportal www.geo.gr.ch einsehbar. Die Bemühungen um eine nachvollziehbare, systematische Berücksichtigung der Naturschutzanliegen an den Wald führten zudem im Jahr 2000 zum «Rahmenkonzept Naturschutz im Wald» des Amts für Wald (siehe «Bündner Wald» Nr. 1/ 01, 3/ 01 und 1/ 06 ). Die Umsetzung der strategischen Naturschutzziele gemäss WEP mit konkreten Massnahmen erfolgte überwiegend im Rahmen der Beitragskomponenten 411.1/412 bzw. ab 2008 über das Programm Waldbiodiversität. Ab diesem Jahr wurden die Massnahmen konsequent einer Förderkategorie zugeteilt, womit sich die seither befolgte Bündner Wald 5/2015 5
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Auerhuhnschläge sollen einerseits Licht in den Wald bringen, andererseits aber den Strukturreichtum fördern; Sonderwaldreservat Stürfis-Alpnova/Seewis. (Bild: D. Oertig)
Schwerpunktsetzung quantitativ darstellen lässt (siehe Grafik S. 5). Wie gut damit die vordringlichsten Natur schutzanliegen im Wald wirklich abgedeckt wurden, müsste eine Bilanz der Bio diversitätsentwicklung im Wald zeigen. Die Grundlagen, die wir dazu bräuchten, fehlen aber über weite Teile (siehe Artikel zu den xylobionten Käfern in diesem Heft). Zu den einzelnen Förderkategorien liegen aber doch Erfahrungen und Eindrücke, oft aber vor allem Fragen vor. Soweit sie nicht in an deren Beiträgen in diesem Heft beleuchtet werden, werden sie hier nachstehend kurz dargestellt. Förderung von Auerhuhnlebensräumen Der Förderung von Auerhuhnlebensräumen wird schon seit Längerem hohe Priorität eingeräumt. Grund ist einerseits der Um stand, dass heute mindestens ein Drittel der gesamtschweizerischen Auerhuhnpopu lation in Graubünden lebt. Andererseits gilt das Auerhuhn aber auch als «beste Indi katorart für strukturreiche und störungs arme Bergwälder» (P. Mollet in «Bündner
Wald» 5 / 95, S. 21). Deshalb wird von einer «Schirmwirkung» des Auerhuhns ausge gangen. Das heisst, dass durch die Förde rung von für das Auerhuhn günstigen Strukturelementen der Biodiversität des be handelten Gebirgswaldes generell geholfen ist (Foto). Die Erfahrung hat allerdings rasch gezeigt, dass solche Fördermassnahmen auf Kosten von Totholz gehen, wenn diesem nicht zu sätzlich Beachtung geschenkt wird. Deshalb wurde begonnen, die Einrichtung von Son derwaldreservaten zugunsten des Auer huhns mit der gleichzeitigen Bezeichnung von Altholzinseln oder kleinen Naturwald reservatsteilen zu verbinden. Untersuchun gen zur sinnvollen Höhe des Totholzvorrats in solchen Auerhuhnförderflächen wären dringend erforderlich. Förderung anderer Lebensräume Auch wenn diese Rubrik bisher wenig ge nutzt wurde, ist sie sehr wichtig. Sie erlaubt die Durchführung besonderer Massnahmen in Situationen, die nicht in den festen Raster der anderen Rubriken passen. Damit ge
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währleistet sie echte Rücksichtnahme auf vorhandene bzw. mögliche Diversität. Bis herige Aufwendungen galten vor allem der Pflege von Auenwäldern und dem Offen halten von Blössen in Gebieten mit einer feinen Verzahnung von Wald und offenen Flächen. Die Herausforderung besteht da rin, förderungsbedürftige Naturwerte im Einzelfall nach dem Motto «Klein, aber fein» zu erkennen. Waldrandaufwertungen Die Aufwertung von Waldrändern wird von Naturschutzseite zurzeit in der Schweiz ge nerell hoch bewertet und sie findet auch bei den Forstbetrieben grossen Anklang. Dabei ist festzuhalten, dass es bei den angestreb ten gestuften, artenreichen Waldrändern grundsätzlich um von Menschenhand ge schaffene Habitate geht. Die Waldrandpfle ge kann nur glücken, wenn auch auf der Seite der Landwirtschaft die Zielsetzung für den betreffenden Waldrandabschnitt mit getragen wird. Mindestforderung ist die Re spektierung eines breiten Krautsaums, der Bei der Waldrandpflege werden hochgewachsene Gehölze entfernt, damit sich im Übergangsbereich zur Offenfläche kleinere Sträucher entwickeln können. Ideal ist die Ausformung von Buchten. Das angrenzende Landwirtschaftsland muss extensiv bewirtschaftet bleiben. (Bild: J. Hassler)
nur extensiv bewirtschaftet und insbeson dere nicht gedüngt werden darf. Zur Er reichung dieses Ziels sind noch weitere An strengungen nötig. Nieder- und Mittelwald Die historischen Bewirtschaftungsformen Nieder und Mittelwald werden für die Bio diversität oft als wertvolle Habitate bezeich net. Die dazu notwendigen Eingriffe sind aber vergleichsweise massiv, in den meisten Fällen teuer und der gewonnene Mehrwert an Biodiversität wenig offensichtlich. Des halb wurden bisher nur zurückhaltend Massnahmen zu dieser Rubrik ausgeführt. Eine Verstärkung der Anstrengungen in die sem Bereich würde gründliche Abklärungen über den wirklichen Wert von Nieder und Mittelwälder für die Waldbiodiversität in Graubünden voraussetzen. Rodungsersatz Die Förderung der Waldbiodiversität ge schieht nicht ausschliesslich im Rahmen von Forstprojekten. So erfolgte der Ersatz für die permanenten Rodungen im Durchschnitt der Jahre 2009 bis 2013 zu zwei Drittel in Form von Massnahmen zugunsten des Na tur und Landschaftsschutzes. Im Jahr 2014 stieg dieser Anteil auf 80 %. Mit der Be zeichnung der Gebiete mit zunehmender Waldfläche (Perimeterlösung, siehe Jahres bericht AWN 2014) wird die Bedeutung die ser Natur und Landschaftsschutzmassnah men noch weiter zunehmen (U. Eggenberger, «Bündner Wald» 4/2013, S. 22–24). Mit Massnahmen wie Verjüngung und Pflege von LärchenWeidewald, Waldrandpflege, Auflichtung einwachsender Trockenstand orte, Förderung Traubeneiche, Moorregene ration, Aufwertung Auerhuhnlebensraum etc. werden als Rodungsersatz in Gebieten mit zunehmender Waldfläche Eingriffe er Bündner Wald 5/2015 7
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möglicht, welche der Strategie der Waldbiodiversitätsförderung entsprechen. Fazit und Ausblick Vergleicht man das bis heute Erreichte mit den Überlegungen zum Rahmenkonzept Naturschutz im Wald aus dem Jahr 2000 oder den Zielsetzungen der NFA-Vereinbarungen, so darf das Förderprogramm Waldbiodiversität als erfolgreich bezeichnet werden. Zu verdanken ist dies vor allem einer
Weiterbildung beim Graubündner Forstdienst: Miriam Lutz erläutert die Ansprüche der Fledermäuse an den Wald. (Bild: U. Bühler)
fundierten Waldentwicklungsplanung als unabdingbare Grundlage, einer guten Konstanz der verfügbaren Geldmittel und einer idealen Organisation mit unter anderem regionalen Naturschutzspezialisten und kompetenten Revierförstern. Mit seiner hohen Präsenz vor Ort und seiner auf Langfristigkeit angelegten Tätigkeit ist der Forstdienst die ideale Organisation, um Natur-
schutzmassnahmen zu realisieren, welche an die lokalen Besonderheiten angepasst sind. Aber auch die fallweise Zusammenarbeit mit anderen Akteuren hat sich bewährt, wie insbesondere mit ANU, AJF, Bündner Naturmuseum oder zum Teil auch privaten Naturschutzorganisationen etc. Entscheidend ist letztlich aber der Wille der Waldeigentümer. Sie zeigen sich gegenüber den Anliegen der Waldbiodiversität immer wieder sehr aufgeschlossen. Folgende künftige Herausforderungen zeichnen sich ab: – Verbesserung der Koordination mit anderen Akteuren (Landwirtschaft, Vollzug NHG, Biotophege Jagd) – Verbinden neu vorgebrachter Naturschutzanliegen mit den bestehenden Programmen, sodass das gesamte Massnahmenpaket einfach, überblickbar und doch wirksam bleibt – Weiterentwicklung des Fachwissens bei allen Beteiligten (z. B. Weiterbildung) – Gewährleistung eines langfristigen Bestands der Zielsetzungen und der investierten Pflegearbeiten (Dokumentationen, richtiges Dosieren der Vorhaben) Das wichtigste Anliegen aber bleibt zurzeit der Wunsch nach einer markanten Verbesserung des Wissens über die Waldbiodiversität vor Ort selbst. Dieses ist notwendig für Entscheide über weitere Massnahmen, aber auch, um die Wirkung der ausgeführten Massnahmen kontrollieren zu können.
Ueli Bühler Amt für Wald und Naturgefahren Loestr. 14, CH-7000 Chur ueli.buehler@awn.gr.ch
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Förderung besonderer Gehölze, was bisher geschah
Einzelschütze/Drahtkörbe sind bei der Erstellung sehr teuer und müssen auf eine lange Lebensdauer ausgerichtet sein. Gleichzeitig müssen sie gross genug konzipiert werden. Für den Erfolg ist ein jährlicher Unterhalt der Objekte sehr wichtig. Hier ein Bild aus dem Eibenprojekt der Stadt Chur. (Bilder: Jürg Hassler)
Die NFA-Vereinbarung zur Waldbiodiversität umfasst unter anderem auch die Förderung besonderer Baumarten. Graubünden, das zu grossen Teilen in Höhenlagen weit über denen des wüchsigen und klimatisch günstigeren Mittellandes liegt, setzt diese Vorgaben um. Besondere Gehölze Was sind seltene Baumarten? Selten ist re lativ. Baumarten können in kleiner Anzahl von Individuen in einem Gebiet vor kommen, wenn die Standortbedingungen dies nicht anders zulassen. Es kommt aber auch vor, dass eine Art trotz guter Standort bedingungen in geringer Anzahl vorhanden ist. In solchen Fällen kann davon ausge gangen werden, dass die Verbreitung durch Fremdeinwirkung gestört wurde (z. B. Mensch oder Wild) und eine Förderung der betreffenden Art erfolgversprechend ist. 2001 definierte das BUWAL, heute BAFU, zusammen mit einer Projektgruppe der ETH Zürich die zehn «seltenen Baumarten der Schweiz». Dabei wurden folgende Baum arten bearbeitet:
Speierling, Wildbirne, Flatterulme, Elsbeere, Nussbaum, Eibe, Spitzahorn, Sommer und Winterlinde und Kirschbaum. Später kam noch die Schwarzpappel hinzu (SEBAPOP). Grundsätzlich ist es die ureigene Aufgabe des Forstdiensts, auf eine standortgerechte Artenmischung der betreuten Wälder zu achten. Dazu gehört auch, ein besonderes Augenmerk auf die Baumarten – Minoritä ten – zu richten. Das heisst vor allem, die Arten überhaupt wahrzunehmen und sie dort zu fördern, wo sie ihre natürliche, opti male Nische besitzen. Bei den von Natur aus seltenen Baumarten ist diese Nische sehr schmal. Diese Nische zu erkennen und den Minoritäten dort zu helfen, ist anspruchs voll. Idealerweise ist die Baumartenmi schung bei den täglichen Arbeiten bewusst oder unbewusst ein Thema. Meist kann die se Aufgabe in den Bewirtschaftungszielen integriert und ein Teil der Verantwortung für die Umsetzung an die Mitarbeiter wei tergegeben werden. Sie wird im Rahmen der Jungwaldpflege oder der Holznutzung umgesetzt. Bedingung dafür sind eine fun
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dierte Artenkenntnis und Freude an Natur und Beruf. Solche Informationen müssen auch an beteiligte Forstunternehmer wei tergegeben werden. Was wurde in Graubünden in den vergangenen Jahren für die besonderen Arten unternommen? Die Projektvorschriften von 2008 verweisen zur Rubrik «Förderung besonderer Ge hölze» auf die «Richtlinien zur Förderung seltener Baum und Straucharten» (2008), die als Checkliste auch in kurzer Form vor liegen. Unterstützt werden unter dieser Rubrik Neupflanzungen, Schutz und Unter halt von Kulturen mit entsprechenden Baumarten. Von Beginn an wurden auch Eichen, Arven und Tannenförderung in diesem Programm geführt. Motivation für das Vorantreiben des Projekts ist die Biodi versität, also die Verantwortung gegenüber der Artenvielfalt, der genetischen Vielfalt und der Vielfalt der Lebensräume in den Wäldern und an den Waldrändern Grau bündens. Gehölzarten, die in den Genuss der Förderung kamen Weisstanne: Hilfe für die stark durch das Wild bedrängte Weisstannenverjüngung läuft im Hauptverbreitungsgebiet und im Nebenareal vor allem über das Programm
Schutzwaldpflege. Für den Verjüngungs schutz in den Reliktgebieten der Weisstanne stehen aber auch Gelder aus dem Förder projekt Waldbiodiversität zur Verfügung. Solche Gebiete liegen z. B. im Unterenga din, im unteren Oberhalbstein, in der Roflaschlucht oder in der obersten Surselva. Dabei ist zu beachten, dass der Schutz über mehrere Jahre bis Jahrzehnte standhalten muss, da die jungen Weisstannen auch noch im Stangenholzalter sehr gerne ge schält werden. Arve: Der Erhalt und die Wiederansiedlung der Arve ist in den Nordalpen, wo sie oft nur noch in kleinen Relikten vorkommt, ganz klar ein Thema für die Waldbiodiversi tät. Einiges wurde im Schams/Avers und Rheinwald unternommen. Dies in erster Linie und schon seit vier Jahrzehnten auf privater Basis, dann auch im Rahmen forst licher Projekte bzw. seit 2008 über das Projekt «Förderung besonderer Gehölze». Theo GerberHimmel setzte in den vergan genen Jahrzehnten viel daran, die Arve im Rheinwald wieder heimisch werden zu las sen. So konnte er mit grosser Unterstützung von vielen Sympathisanten den Arvengürtel im Rheinwald stützpunktartig wieder auf bauen. In 40 Jahren wurden rund 80 000 Ar ven gepflanzt, geschützt und gepflegt. Für die Surselva wurde als Grundlage für die
Auflichtungen zugunsten von besonderen Gehölzen, hier für die Eiche in Domat/Ems, wurden im Rahmen eines überbetrieblichen Kurses zum Thema Ökologie ausgeführt.
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künftige Arvenförderung eine Analyse der Situation erstellt, siehe Artikel von C. Buchli und D. Cavegn in diesem Heft.
auch beweidet werden, müssen auch Jung pflanzen geschützt werden. Vergl. auch den Artikel von D. Oertig in diesem Heft.
Eibe: Seit Beginn des Programms wurden im Churer Rheintal, in der Region Mittelbün den (Domleschg/Albula/Mesolcina) und im Unterengadin Eiben gefördert. Wobei die Stadt Chur, lange bevor das Projekt von Bund und Kanton gestartet wurde, ein ent sprechendes Projekt unterhalten hat. Man konzentrierte sich darauf, den vorhandenen Eiben zu mehr Licht zu verhelfen und die Naturverjüngung vor Wildverbiss zu schüt zen. Zur Unterstützung wurden auch Jung bäume gepflanzt. Bei den jährlich anfallen den Arbeiten handelt es sich um den Unterhalt der Drahtkörbe sowie um die Pflege der Pflanzen.
Gezielte Massnahmen wurden im Rhein wald und im Schams auch für den Sefibaum (Juniperus sabina) und die Mehlbeere um gesetzt. Die Richtlinien würden in verschie denen Regionen auf entsprechenden Stand orten auch Beiträge an die Förderung von Linden, Ulmen und Weiden zulassen.
Wildobst: Im Sonderwaldreservat «Tamin ser Eichwald» konnten über mehrere Jahre Pflanzungen von Wildobstarten (Holzapfel und Wildbirne) ausgeführt werden. Weitere Wildobstarten wie Speierling und Elsbeere wurden in der Herrschaft und in der Sursel va gepflanzt. Schwarzpappel: Vergl. Artikel von M. Bich sel in diesem Heft. Aktive Förderung weiterer Baum- und Straucharten Eiche: Von Beginn an wurde auch die Eichenförderung in diesem Programm ge führt. Eichen wurden besonders in der Sur selva im Raum Ilanz bis Breil/Brigels geför dert. Auch im Churer Rheintal wurden Eichen von der Konkurrenz der wuchskräfti gen Fichten und allenfalls häufiger Laub hölzer befreit bzw. begünstigt. Zur Stärkung der einzelnen Bestände wurden auch Pflan zungen ausgeführt. Da Teile der Flächen
Fazit Im Vordergrund stand und steht immer der Ansatz «Qualität vor Quantität». Dazu sind die Vorgaben gemäss den Richtlinien einzu halten. Der Kanton Graubünden misst der Stand ortgerechtigkeit der einzelnen Baumarten einen hohen Stellenwert bei. Massnahmen zugunsten besonderer Ge hölze sind in der Regel nicht sehr teuer, wenn konsequent auf die richtige standört liche Baumartenmischung in ihrer optimalen Nische geachtet wird. Solche Massnahmen können meist nebenbei und beiläufig mit anderen Ausführungen getätigt werden und verursachen dadurch wenig Aufwand und Kosten. Dies setzt allerdings fundierte Kenntnisse des Forstdiensts über Ansprüche und Standort der betreffenden Baumarten voraus. Kostenintensiv wird es jedoch dann, wenn Pflanzen und Pflanzungen mittels ei nes mechanischen Schutzes vor Schalenwild geschützt werden müssen.
Jürg Hassler Amt für Wald und Naturgefahren Loestrasse 14, CH-7000 Chur juerg.hassler@awn.gr.ch
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Titel: Der Forstgarten Buwa Musterseite und die–Förderung für der Woodwing Waldbiodiversität 2015
Entwicklungen im Pflanzenabsatz Wenn wir die Veränderung der verkauften Pflanzen, aufgeteilt auf Nadelholz, Laub holz und Sträucher, näher betrachten, ist erkennbar, dass sich das Nadelholz bei etwa 50 000, das Laubholz bei etwa 30 000 Stück eingependelt hat (Abb. 1). Der Absatz an Sträuchern, der sicher ein Indikator für die Aufwertung der Biodiversität ist, lag wäh rend der letzten 15 Jahre immer bei unge fähr 20 000 Stück. Also kann festgehalten werden, dass die Artenvielfalt unsere Förs ter immer interessiert hat.
Der Absatz der für die Biodiversität wichti gen Baumarten wie Eichen, Eiben, Wildobst etc. unterlag in den letzten 15 Jahren er heblichen Schwankungen (Abb. 2). Die Ab satzzahlen sind immer sehr abhängig von laufenden Projekten wie Revitalisierungen, Aufwertungen von Hecken und Wald rändern etc. Hier handelt es sich meist um Bezüge von einem Stück bis zu mehreren 100 Stück. Beim Wildobst sind wir schon glücklich, wenn nicht halbe Exemplare be stellt werden. Den grössten Einbruch gab es bei der Vo gelbeere. Der Verkauf ging in den letzten 15 Jahren von etwa 17 000 auf etwa 2500 Stück zurück (Abb. 3). Bei den Sträuchern – hier vor allem bei den dornenartigen – ist die Schwankung von Jahr zu Jahr gross, aber ohne Trend einer Zu oder Abnahme (Abb. 4). Unsere Kunden, das heisst die Förster aus Graubünden, dem Glarnerland und dem Oberwallis, haben der Biodiversität schon immer grossen Wert zugeschrieben, auch
Abb. 1: Absatzentwicklung von Nadelholz,
Abb. 2: Absatzentwicklung von Baumarten,
Laubholz und Sträuchern.
welche bei der Waldbiodiversitätsförderung einen
(Bilder und Grafiken: Reto Obrist)
besonderen Stellenwert einnehmen.
Seit dem Jahr 2000 darf ich mich um die Geschicke des Forstgartens kümmern; meine nachfolgenden Ausführungen werde ich auf die hautnah erlebten letzten 15 Jahre beschränken. Im Jahr 2007/ 08 erlebte ich einen letzten grossen Einbruch bei den Verkaufszahlen. Anschliessend hat sich der Absatz konsolidiert, wobei die Sträucher einen beachtlichen Anteil am gesamten Sortiment ausmachen.
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zuzeiten, als dies noch nicht so modern war. Für sie ist das Verwenden von wild wach senden heimischen Pflanzen, die sich auf natürlichem Wege in der Landschaft ange siedelt haben und in der Herkunftsregion innerhalb des angestammten Verbreitungs gebiets standortgerecht sind, also autoch thon sind, sehr wichtig.
Abb. 3: Absatzentwicklung bei der Vogelbeere.
Abb. 4: Absatzentwicklung bei den Straucharten.
Abb. 5: Anzahl der im Pflanzenkatalog angebotenen Provenienzen je Gehölzart.
Entwicklungen der angebotenen Herkünfte (Provenienzen) Beim Wechsel ins Jahr 2000 waren bei den Nadelhölzern noch rund 120 Provenienzen entweder im Saatbeet oder in der Verschu lung vorhanden. Auf die Jahre 2003 und 2004 hin erfuhr die Zahl der ausgesäten Herkünfte eine starke Reduktion. Seither wurde das Angebot an Arten und Herkünf ten bei den Sträuchern und Laubhölzern dagegen sukzessive ausgebaut. Dieser Pro zess dauert noch an (Abb. 5). Die gegenüber früher systematischere För derung der Waldbiodiversität schlägt sich also im Zahlenmaterial des Kantonalen Forstgartens Rodels nur marginal nieder. Um eine grosse Artenvielfalt anzubieten, beschränken wir uns bei Baumarten, die nur einen sehr geringen Absatz haben, auf eine Provenienz. Es kann keine grosse Verän derung beim Sortiment ausgewiesen wer den. Wir machen so weiter wie bis anhin und werden die sich vielleicht verändernden Bedingungen bei der Pflanzenwahl im Auge behalten. Ich denke, dass wir im Moment aufgrund der grossen Unsicherheiten noch nicht die Wälder der Zukunft im Forstgarten nachziehen können. Wie ja jeder weiss, sind dazu weitere Generationen von Förstern und Forschern gefordert. Sehr gerne nehmen wir auch Informationen über geeignete Erntebestände entgegen und organisieren diese Ernte auch gerne. Nur durch die Informationen der Förster
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Abb. 6 : Pro Jahr werden 15 000 bis 20 000 Stück Quick-Pots verkauft. Die Vorteile dieser Variante sind ein grosser Anwuchserfolg, kein Pflanzschock, keine Wurzeldeformation, eine grosse Pflanzleistung und Pflanzungen können während der Vegetationsperiode ausgeführt werden.
Abb. 7: Im Einschlag stehen verschiedene Arten, wie Schwarzerle, Alpengoldregen, Hagebuchen, Faulbaum, Bergahorn und andere als Nacktwurzler bereit zum Verkauf.
können wir unser Angebot an einheimi schen Provenienzen ausbauen. Bei allen un seren Samenerntebeständen legen wir sehr grossen Wert darauf, dass es sich um öko typische Arten handelt. Abschliessend ist noch festzuhalten, dass es sehr schwierig ist, die Nachzucht der richtigen Gehölzarten zu planen. Die jähr lichen Schwankungen sind auf dem Papier schneller nachzuvollziehen als im Saatbeet. Auch kann keine Katastrophennachzucht bewerkstelligt werden, da es doch zwi
schen zwei und sieben Jahre für die Nach zucht braucht. Ein steter Absatz aller angebotenen Arten ist für uns sehr wichtig.
Reto Obrist Kantonaler Pflanzgarten CH-7415 Rodels reto.obrist@awn.gr.ch
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Eichenförderung im Kanton Graubünden Wer kennt sie nicht, die gewaltigen Eichen in der Herrschaft bei der Rohanschanze oder bei der Försterschule, den Eichwald in Tamins oder die Tumas in Domat/Ems? In Graubünden gibt es sowohl in den nörd lichen Zwischenalpen als auch in den süd lichen Randalpen natürliche Eichenvor kommen. Es handelt sich vor allem um die Traubeneiche (Quercus petraea). Die Stieleiche (Quercus robur) kommt ver einzelt im Churer Rheintal und im Prättigau vor. Die Flaumeiche (Quercus pubescens) kam früher bei Tamins (Asella) vor, heute gibt es dort keine gesicherten Vorkommen mehr. Jedoch gedeiht sie noch in der unte ren Schinschlucht bei Sils im Domleschg so wie in der unteren Mesolcina. Weshalb die Eiche fördern? Die Eichen tragen massgeblich zum Land schaftsbild bei. Dabei werden vielfach die einzelnen alten Eichen in den Mittelpunkt gerückt. Bestandesbildende, natürlich vor kommende Eichenbestände sind in Nord bünden eher spärlich verbreitet. Diese Standorte sind aus ökologischer Sicht je doch sehr interessant.
Viele der markanten Eichenbestände im Domleschg, im Churer Rheintal sowie in der Herrschaft verdanken ihre Existenz der kul turhistorischen Nutzung. Die Eichen wur den auf diesen Flächen aktiv gefördert. Dies geschah auf Kosten anderer Baumarten, die auf diesen Standorten – ohne menschliches Zutun – dominieren würden. Durch die Ex tensivierung der Landwirtschaft, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im ge samten Alpenbogen stattfand, veränderten sich solche Bestände allmählich. Wenn auf solchen Flächen nicht eingegriffen, sondern der Sukzession freier Lauf gewährt wird, dann werden die Bestände dichter. Die lichtbedürftigen Baumarten werden allmäh lich durch die Baumarten der natürlich do minierenden Waldgesellschaft bedrängt. Neben den aus alten Bewirtschaftungs formen hervorgegangenen Eichenbesto ckungen gibt es aber auch Standorte, auf denen die Licht liebende Eiche natürlich konkurrenzfähig ist. Auf diesen Standorten kann der Eiche geholfen werden, ohne stark gegen «die Natur zu arbeiten». Das Prinzip ist, häufige dominierende Baumarten wie Fichte und Buche zugunsten der Eiche zu
Die Eiche als Symbol von Langlebigkeit. (Bild: L. Heitz)
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Die Eicheln enthalten Kohlenhydrate und Proteine, sie wurden zur Eichelmast genutzt. (Bild: L. Heitz)
rückzubinden. Seltenere und wenig häufige Baumarten – dazu gehört inzwischen z. B. auch die Waldföhre – sollen sich dagegen auch entwickeln können. Für die Forstwirtschaft ist die Eiche im Kanton Graubünden, im Sinne der Nutzholzproduktion, kaum von Belang. Dagegen ist der ökologische Wert der Eichenwälder für viele Organismen (v. a. Kleintiere) sehr gross. Die Eiche beherbergt unzählige spezialisierte Arten – seien dies Vögel, Insekten, Pilze oder Flechten. Durch die borkige Rinde und das Totholz an alten Eichen sind diverse verschiedene Mikroklimata an einem Baum anzutreffen. Das Eichenholz enthält Tannine, das sind pflanzliche Gerbstoffe (Polyphenole), welche die Oxidation der Kohlenstoffverbindungen des Holzes verzögern. Somit zersetzt sich das Holz nur sehr langsam. Das daraus entstehende Substrat (Mulm, Mulmhöhlen) ist enorm wichtig für die Entwicklung von spezialisierten xylobionten Organismen (vom Holz lebende Pilze und Tiere). Die Eichen beherbergen in Mitteleuropa ca. 300 bis 400 Spezies und zählen somit zu jenen Bäumen, auf denen am meisten Arten leben (Förderung der Eiche, Schriftenreihe Nr. 383, BUWAL 2005). Der vielfältige Lebensraum beschränkt sich nicht nur auf den Baum an sich. Die Stand-
orte, auf denen die Eiche stockt, bieten mit ihrem grossen Lichtangebot Habitate für viele weitere anspruchsvolle Pflanzen- und Tierarten, insbesondere auch solche, die auf trockene Standorte spezialisiert sind. Konzept zur Förderung der Eiche in Nordbünden Um eine fachgerechte Förderung der Eiche in Nordbünden sicherzustellen, erarbeiteten Hans-Ulrich Frey und Markus Bichsel im Auftrag des Amts für Wald und Naturgefahren 2013 ein Konzept zur Förderung der Eiche in Nordbünden. Das Konzept hat zum Ziel, auf jenen Flächen die Eiche zu fördern, auf denen der Eichenanteil bei etwa 10 % bis 30 % liegt. Mit gezielten, standortangepassten Pflegemassnahmen werden die charakteristischen Lebensräume erhalten und gefördert. Dabei handelt es sich nicht um grosse, sondern um viele kleine Objekte, die stark verstreut sind. Um eine möglichst grosse Artenvielfalt beherbergen zu können, müssen auch der Aufbau und die Struktur des Waldes vielfältig sein. Ausgehend von den Habitatsansprüchen ausgewählter Ziel- und Leitarten, schlägt das Konzept geeignete Ziele und Massnahmen für neun in Nordbünden vorkommende Eichenwaldtypen vor. Das Förderungskon-
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zept beinhaltet eine grosse Palette anzu strebender Strukturen und gibt pro Standort typisch lokale Vorkommen wieder. Anhand einer 2015 fertiggestellten Dokumentation von 23 konkreten Eichenreferenzflächen wird das Vorgehen praxisgerecht veran schaulicht. Damit steht für den Anwender des Konzepts ein Vergleichsbestand zur Ver fügung. Das Konzept zur Eichenförderung beschränkt sich auf jene Standorttypen, bei denen eine Förderung bereits mit geringem Aufwand möglich ist. Somit kann es auch langfristig erfolgreich sein (siehe Grafik auf dieser Seite). Es ist im Sinne des Eichenförderungskon zepts, dass die Vielfalt verschiedener Struk turen und Entwicklungsstadien gefördert und keine einheitlich gepflegten Eichen wälder geschaffen werden. Bei den Eingrif fen steht die Biodiversität im Vordergrund, somit sollen auch Eichen mit ausgefallenen Wuchsformen erhalten oder gefördert und nicht zugunsten möglichst geradschaftiger Bäume entnommen werden. Förderungen der Eichen in Sonderwaldreservaten Auf diversen kulturhistorischen Flächen, z. B. in Ruschein, Tamins und Maienfeld, werden die Eichen schon länger gefördert. Diese Förderung basiert vielfach auf der Mischfunktion von Land und Forstwirt schaft. Das Sonderwaldreservat (SWR) To malandschaft Domat/Ems ist durch die spe zielle Lage mitten im Siedlungsgebiet ein besonderes Objekt, an dem auch der Bevöl kerung Massnahmen und Ziele im Bereich der Biodiversität aufgezeigt und erklärt wer den können. Das Sonderwaldreservat er streckt sich über zwölf Hügel (Tumas) in der Talebene von Domat/Ems, sie verfügen über eine Vielzahl von Baum bzw. Strauch arten. Das wichtigste Ziel besteht darin, die
auf den Tumas natürlich vorkommenden Eichen zu fördern und aus landschaftlicher wie naturschützerischer Sicht wertvolle, lichte Laubmischwälder herbeizuführen. Wie bereits erwähnt, kommen in manchen Regionen die Eichen nutzungsbedingt vor. Entstanden sind diese Bestände durch Waldweide, Laub und Streunutzung. In Ruschein in der Surselva stockt ein solcher Traubeneichenwald, entstanden durch die jahrhundertelange Nutzung durch den Menschen. Um den Verlust dieses wertvol len Traubeneichenwaldes zu verhindern, wurde das Sonderwaldreservat Plontabuora eingerichtet. Zwei weitere Sonderwaldre servate im Schanfigg sind in erster Linie der
Standortstypen der tieferen Lagen der Regionen «Churer Becken» und «Prättigau», die sich für die Eichenförderung eignen (aus Konzept zur Förderung der Eiche in Nordbünden). (Bild: H. U. Frey & M. Bichsel, 2013) Bündner Wald 5/2015 19
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Eichenförderung gewidmet und ein beson deres Sonderwaldreservat mit integriertem Waldlehrpfad erstreckt sich entlang des Ca landafusses bei Tamins. Dadurch können die ökologisch und kulturhistorisch wertvol len Eichenbestände langfristig erhalten und vor allem auch gepflegt werden. Die Be stände werden licht gehalten, die Naturver jüngung und weitere besondere Gehölze wie unter anderem Wildapfel, Wildbirne und Felsenkreuzdorn geschützt und wo nö tig werden einzelne Eichen gepflanzt. Findige Idee zur Förderung der Eiche ausserhalb des Waldes Der Zweckverband Falknis, mit Gion Willi als Betriebsleiter, erhielt 2012 die Auszeich nung proQuercus 2012. Oberhalb des Städtchens Maienfeld befinden sich Tro ckenwiesen, auf denen alte Eichen stocken. Ihnen leisten auch gigantische Buchen Ge sellschaft, die gleichfalls zur Kulturland schaft beitragen. Die abgestorbenen Alt eichen, die nicht als Biotopbäume stehen bleiben, werden für die Produktion von Weinfässern genutzt, in denen später der Maienfelder Wein reifen darf. Damit die Ei chenhaine erhalten bleiben, werden Eichen
gepflanzt, und zwar nicht durch Forstleute, sondern durch EichenPatinnen und Paten. Diese Patenschaft geht über das Pflanzen hinaus. So müssen die Eichen in den Jugendjahren jeweils durch die Paten ge wässert und gepflegt werden. Weitere Auszeichnungen durch den Verein proQuercus gingen an die Gemeinde Ru schein (Plontabuora, 2010) sowie an Re vierförster Wendelin Hürlimann, Breil/Bri gels (2015) für seinen langjährigen Einsatz für den Erhalt und die Pflege der Eichen in seiner Gemeinde. Den Eichen im Kanton Graubünden gilt also ein besonderes Augenmerk, sei dies auf Hainen, als Reinbestand oder im Neben bestand. Die damit angestrebte Diversifizie rung spielt sowohl bei der Lebensraumför derung eine wichtige Rolle als auch in der waldbaulichen Stossrichtung im Hinblick auf die Klimaveränderung. Daniel Oertig Amt für Wald und Naturgefahren Bahnhofplatz 3B, CH-7302 Landquart daniel.oertig@awn.gr.ch
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Die Schwarzpappel und andere Auenbaumarten im Churer Rheintal Zu den wertvollsten und artenreichsten Waldlebensräumen zählen sicher die Auenwälder. Aufgrund der Flussregulierungen seit dem 19. Jahrhundert ist ihre Verbreitung massiv zurückgegangen. Die meist nur noch kleinen Restflächen sind ausserdem oft durch Veränderungen des natürlichen Wasserregimes zusätzlich bedroht. Dies gilt insbesondere für die Weichholzaue, deren Gedeihen direkt von der mechanischen Wirkung des Flusswassers abhängt. Die bestandesbildenden und charakteristischen Baumarten dieses Auenbereichs, ausschliesslich Weiden- und Pappelarten, sind dadurch ebenfalls seltener geworden oder gelten teilweise als bedroht. Sie verdienen deshalb eine besondere forstliche Beachtung und Förderung. In Graubünden betrifft dies in erster Linie die Auenwaldreste des Alpenrheins und die anschliessenden Bereiche von Vorderrhein und Hinterrhein bis etwa 700 m ü. M. sowie die Auenwälder entlang der Moesa im Misox. Neben allgemeinen Erläuterungen zu den Baumarten der Weichholzaue soll insbesondere auf die Verhältnisse in der Oberen Au am Alpenrhein bei Zizers und im Churer Rheintal eingegangen werden. Zu den natürlichen Baumarten der Weichholzaue der tieferen Lagen zählen in Mitteleuropa die Silberweide (Salix alba), Bruchweide (Salix fragilis), Purpurweide (Salix purpurea) und Korbweide (Salix viminalis) sowie die Schwarzpappel (Populus nigra) und Weisspappel (Populus alba). Bruchweide und Korbweide fehlen in den Auen Graubündens, dafür finden sich noch regelmässig baumförmige Exemplare der Lavendelweide (Salix elaeagnos) und Reifweide (Salix daphnoides), welche in den montanen Auen ihre Hauptverbreitung haben. Alle diese Baumarten sind Pionierbaumarten, welche vor allem in ihrer Jugend of-
fene Flächen mit viel Licht benötigen, dafür mit Rohböden aus Sand und Kies auskommen können. Sie sind eher kurzlebig und werden meist kaum 100 Jahre alt. Gefährdete Schwarzpappel? Von diesen Baumarten gilt die Schwarzpappel (Populus nigra) in der Schweiz als selten und sogar gefährdet. Neben der weitgehenden Zerstörung ihres natürlichen Lebensraums ist ihre Zukunft vor allem durch Hybridisierung mit der nordamerikanischen Kanadapappel (Populus x canadensis), welche zur Holzproduktion in Mitteleuropa und auch in der Schweiz in grösserem Umfang angepflanzt wurde, gefährdet. Es wurde soAbb. 1 : Blätter von der artreinen Schwarzpappel: ± rautenförmig, eher kleinwüchsig bei der Oberau, Zizers, 8. Mai 2015. (Bilder und Tabelle: M. Bichsel)
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gar befürchtet, dass bei uns fast keine genetisch reinen Schwarzpappeln, sondern mehrheitlich nur noch Hybriden wachsen würden. Im Rahmen des Projekts SEBA zur Förderung seltener Baumarten der ETH Zürich und des BAFU seit 1997 wurde deshalb ein eigenes Teilprojekt zur Förderung der Schwarzpappel (SEBA-POP) durchgeführt. Es umfasste einerseits Felderhebungen zur Feststellung der aktuellen Verbreitung mit Untersuchungen zur genetischen Reinheit des Erbguts sowie andererseits Angaben zu einer zuverlässigen Arterkennung im Winter- und Sommerzustand. Das nun abgeschlossene Projekt ergab einen aktuellen Wissensstand über die Verbreitung, Artreinheit, Häufigkeit und die Standortansprüche. Ausserdem konnten generelle und waldbauliche Massnahmen zur Förderung der Schwarzpappel erarbeitet werden. Die Resultate der Felderhebungen und der genetischen Untersuchungen zeigen für die Schweiz ein recht erfreuliches Bild: Die
Schwarzpappel ist noch in grosser Zahl verbreitet und in den meisten Regionen mit einem recht hohen Anteil an genetisch reinen Exemplaren. Dies gilt insbesondere für Graubünden, wo der Anteil an artreinen Individuen im Domleschg 82 % und im Churer Rheintal sogar 96 % aller untersuchten Objekte beträgt. Die Merkmale zur Unterscheidung echter Schwarzpappeln von Hybridpappeln sind in Tabelle 1 aufgeführt (siehe auch Abb. 1– 3). Wertvolle Hinweise zur morphologischen Erkennung von artreinen Schwarzpappeln finden sich im EUFORGEN-Merkblatt zur Arterkennung (Link zum Download als PDF-Dokument: http://www.wm.ethz.ch/ sebapub/seba_pop/SEBAPOP_ERG_MB_ euforgen_1996.PDF). Waldbaukonzept Oberau, Zizers Die Oberau umfasst das Waldgebiet südlich von Zizers bis zur Station Untervaz, im Westen durch den eingedämmten Rhein, im Osten durch die Bahnlinien und die Autobahn
Die Schwarzpappel und andere Auenbaumarten im Churer Rheintal Schwarzpappel (Populus nigra)
Kanadapappel, Hybridpappel (Populus x canadensis)
v. a. an Kurztrieben klein (Länge < 8 cm), rautenförmig, Keilbasis, ± kahl (höchstens jung am Rand locker abstehend bewimpert)
Blätter
meist > 8 cm lang, meist dreieckig bis herzförmig
rundlich (ohne Korkrippen)
junge Zweige
± kantig durch Korkrippen
v. a. im Einzelstand oft breite Kronen, Stamm oft abholzig und etwas geknickt, grobe Seitenäste, oft Wülste am Stamm, Borke alter Bäume sehr rau, oft Muster unregelmässig, eher dunkelbraun
Habitus
im Alter oft mächtige Bäume, Stamm ± senkrecht durchgehend; Seitenäste eher schlank, spitzwinklig aufrecht abstehend, Borke mässig rau, eher gleichmässig längsrissig, eher grau
praktisch ohne Mistelbefall
weitere Hinweise
oft mit deutlichem Mistelbefall, oft schematische Anordnung der Bestände wegen Anpflanzung
Merkmale zur Unterscheidung von echten Schwarzpappeln und Kanadapappeln. 22
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A 3 begrenzt. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war diese Fläche von knapp 19 ha Teil der wilden Rheinaue, welche damals noch den ganzen Talboden umfasste. Durch die Rheinkorrektion und die damit verbundene Sohlenvertiefung wurde das Gebiet im Laufe des 20. Jahrhunderts dem direkten Einfluss des Rheins und damit einer aktiven Auendynamik entzogen. In den 1960erJahren fanden umfangreiche Kiesentnahmen durch das Kieswerk Zizers statt. Die Aushebungen wurden teilweise mit unkontrollierten Deponien wieder gefüllt. Die heutige oft unregelmässige Geländeoberfläche mit einigen Grundwasserweihern ist Zeugnis dieser intensiven Zwischennutzung. Der Waldbestand präsentiert sich heute – trotz zahlreicher Anpflanzungen mit verschiedensten Baumarten – mehrheitlich recht naturnah und entspricht pflanzensoziologisch verschiedenen Ausbildungen einer Hartholzaue. Das Gebiet ist als Aue von regionaler Bedeutung und aufgrund der kleinen Stillgewässer mit hohem ökologischen Wert als Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung ausgeschieden. Um den ökologischen Wert dieses Gebiets zu erhalten und weiter zu fördern, wurde 2013 ein Konzept zur Aufwertung und Erweiterung der bestehenden Stillgewässer und 2014 vom AWN Graubünden ein waldbauliches Pflegekonzept mit naturschützerischem Schwerpunkt erarbeitet. Gemäss Konzept soll im Gebiet Oberau vor allem eine Hartholzaue mit natürlicher Bestockung gefördert werden. Ein weiteres wichtiges Konzeptziel für die waldbaulichen Eingriffe ist die Erhaltung und Förderung der typischen Weichholzauenarten Silberweide und namentlich der Schwarzpappel. Beide Arten sind noch in grösserer Zahl und mit oft mächtigen alten Exemplaren im Gebiet gut vertreten. Allerdings be-
Abb. 2 : Charakteristische Borke einer älteren Schwarzpappel mit grober Musterung.
finden sie sich mehrheitlich schon in einem fortgeschrittenen Altersstadium, was auch an einigen bereits abgestorbenen Bäumen zu erkennen ist. Eine Verjüngung dieser Lichtbaumarten ist aber bei der aktuellen Bestandesdichte ohne gezielte Eingriffe nicht möglich. Da heute praktisch die ganze Fläche ausserhalb des direkten und mechanischen Einflussbereichs des Rheinwassers liegt, fehlt der natürliche Faktor, welcher offene Sand-Kies-Fluren als günstiges Keimbeet für diese Pioniergehölze schaffen könnte. Diese müssen durch forstliche Eingriffe und lokales Abhumusieren geschaffen werden. Auf offenen Kiesflächen im Gebiet und auch sonst entlang des Rheins kann man eine sehr gute und spontane Naturverjüngung durch verschiedenste Weidenarten und insbesondere auch durch Schwarzpappeln beobachten. Bündner Wald 5/2015 23
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Förderung der Schwarzpappel Selbstverständlich soll die Verjüngung der Schwarzpappel nur durch artreine Exem plare erfolgen. Im Gebiet sind aber neben typischen Schwarzpappeln auch einige Be stände mit älteren Kanadapappeln vorhan den, welche nach 1950 gepflanzt wurden, womit sich natürlich die Frage der Artrein heit sowohl der regelmässig eingestreuten Schwarzpappeln als auch der spontanen Naturverjüngung stellt. Eine systematische Beurteilung der Bäume aufgrund morphologischer Merkmale liess vermuten und erhoffen, dass mit Ausnahme der optisch und räumlich klar abgegrenzten Kanadapappelbestände sonst fast gänzlich artreine Schwarzpappeln vorhanden sein könnten. Im Sommer 2015 wurden dazu von 14 aus gewählten Individuen mit klarer oder ver muteter SchwarzpappelMorphologie Blatt proben genommen. Diese wurden im Labor der Gruppe Ökologische Genetik der For schungseinheit Biodiversität und Natur schutzbiologie an der WSL von Daniela Csencsics genetisch geprüft. Die Methodik dieses Tests und die verwendeten geneti schen Marker sind in Holderegger R. et al, 2005, beschrieben. Es konnten dabei alle ge prüften Baumobjekte als artreine Individuen bestätigt werden. Aufgrund dieser erfreulichen Resultate aus der Oberau, Zizers, und von den früheren Untersuchungen aus der näheren Umge bung kann also davon ausgegangen wer den, dass praktisch die Gesamtheit der Schwarzpappeln – mit Ausnahme von gut erkennbaren und klar abgegrenzten Ka nadapappelbeständen – von genetisch art reiner Qualität sind. Die Gefahr von spon tanen Einkreuzungen durch Kanadapappeln scheint sehr gering zu sein, was auch eine schweizweite wissenschaftliche Untersu
chung (Csencsics D. et al., 2009) festge stellt hat. Daraus lässt sich für die Förderung der art reinen Schwarzpappel im Gebiet Oberau und ausgedehnt auf das ganze Churer Rheintal etwa folgende Strategie ableiten: – Ausscheidung von Fördergebieten an geeigneten Schwarzpappelstandorten: noch vorhandene Weichholzauenzonen mit entsprechendem Flusswasserregime (Beispiel linksseitige Rheinaue zwischen Untervaz und Mastrils), Hartholzauen standorte, auf denen durch zweckmässi ge Eingriffe wie grosszügiges Auflichten und Abhumusieren offene Pionierstand orte geschaffen werden können (Beispiel Oberau), eventuell geeignete Kiesgru benbereiche oder Kiessammler – Bevorzugte Naturverjüngung von Schwarzpappeln aus der näheren Um gebung, falls diese bei sonst geeigneten Standorten fehlen, durch Stecklinge von artreinen Mutterbäumen – Umgehende Überprüfung der Artreinheit der Schwarzpappeln in der Umgebung von Fördergebieten aufgrund morpho logischer Merkmale; Eliminierung aller erkannten Kanadapappelbestände bzw. einzelbäume – Vor allem bei Zweifelsfällen gelegent liche Überprüfung der Artreinheit durch Gentests in Absprache und Zusammen arbeit mit der Gruppe Ökologische Ge netik an der WSL Aufgrund des offensichtlich erfreulich ho hen Anteils an artreinen Schwarzpappeln im ganzen Churer Rheintal scheint die Errich tung eines «Mutterbaumquartiers» zur Ver mehrung von sicher artreinen Individuen mittels Stecklingen nicht nötig zu sein. Die Naturverjüngung von Mutterbäumen aus
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Abb. 3: Ältere Schwarzpappeln mit charakteristischen breiten Kronen, kurz vor Laubaustrieb (21. April 2015, Oberau, Zizers)
der lokalen Umgebung bietet hier in mannigfacher Hinsicht sowohl ökologisch als auch ökonomisch optimale Ergebnisse zur nachhaltigen Förderung der Schwarzpappel. Förderung von Silberweide und Weisspappel Die zweite charakteristische Baumart der Weichholzaue, die Silberweide (Salix alba), benötigt als typische Pionierart für ihre Verjüngung dieselben Standortbedingungen wie die Schwarzpappel. In den Randzonen des aktiven Auenbereichs verjüngt sie sich ebenfalls sehr gut. Genetische Aspekte spielen hingegen keine Rolle. Soll sie an Standorten, welche kaum oder nicht mehr durch das Flusswasser geprägt werden, weiterhin verjüngt werden, müssen – wie bei der Schwarzpappel – durch forstliche Eingriffe offene humusarme Sand-Kies-Fluren geschaffen werden. Eine gemeinsame Förderung dieser beiden Auenwaldarten bietet sich deshalb an.
Im Gebiet Oberau, Zizers, finden sich im Waldgebiet einige Weisspappeln (Populus alba) und Graupappeln (Populus x canescens) von oft mächtiger und mehrstämmiger Gestalt. In der Flora von Graubünden (Braun-Blanquet J. et al., 1933) werden diese Baumarten nicht aufgeführt. Es ist also fraglich, ob die Weisspappel hier ursprünglich einheimisch war bzw. wie sie sich hierhin verbreitet hat. Sie ist aber im SEBATeilprogramm NFA-Bereich Biodiversität als seltene und förderungswürdige Baumart aufgeführt und das Churer Rheintal ist als provisorische Massnahmenregion ausgeschieden. Der Kenntnisstand ist allerdings in jeder Hinsicht sehr mangelhaft. Als eindrückliche und seltene Bereicherung der Auenwälder verdient sie aber wohl auch im Churer Rheintal eine entsprechende Förderung. Eine wichtige Voraussetzung dazu wäre ein Inventar ihrer Vorkommen und wenn möglich Recherchen zu ihrer Herkunft im Gebiet. Parallel dazu kann aber auf jeden Bündner Wald 5/2015 25
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Fall auch ihre Verjüngung und langfristige Erhaltung durch dasselbe Vorgehen wie bei Schwarzpappel und Silberweide gefördert werden. Wir danken Daniela Csencsics, WSL, herzlich für die Durchführung der genetischen Untersuchungen an den Schwarzpappeln. Literatur: Braun-Blanquet J. und Rübel E., 1933: Flora von Graubünden. Zweite Lieferung. Veröff. Geobot. Institut Rübel, Zürich, 7. Heft. Csencsics D. et al., 2009: A large scale survey of Populus nigra presence and genetic introgression from non-native poplars in Switzerland based on molecular identifi-
cation. Journal for Nature Conservation; doi: 10.1016 /j. jnc. 2009. 01. 004 Holderegger, R.; Angelone, S.; Brodbeck, S.; Csencsics, D.; Gugerli, F.; Hoebee, S. E.; Finkeldey, R., 2005: Application of genetic markers to the discrimination of pure European Black Poplar (Populus nigra) from American Black Poplar (P. deltoides and Hybrid Poplars (P. x canadensis) in Switzerland. Trees 19: 742–747. Markus Bichsel Dipl. Forsting. ETH, Atragene Bahnhofstrasse 20, CH-7000 Chur bichsel@atragene.ch
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Wie viel Unterstützung braucht die Arve in der Surselva? «Das Arvenholz wird für Getäfer, Milchgeschirre und Schnitzereien hoch eingeschätzt. Die spärlichen natürlichen Überreste eines früher ausgedehnten Arvenbestandes stehen unter strengem forstlichem Naturschutze. Arvenholzfrevel wird stark geahndet. Diese Sätze stammen aus dem Werk von Prof. Dr. Pater Karl Hager aus dem Jahre 1916. Dank seiner und der Arbeit von Dr. M. Rikli aus dem Jahre 1909 kennen wir die historische Verbreitung der Arve in der Surselva sehr genau. Wir erfahren auch, dass bereits damals das Arvenholz sehr be gehrt war und dass manche Arve wohl ille gal Axt und Säge zum Opfer fiel. Rikli und Hager erwähnen beide, wie wichtig ein Schutz der Arve ist und wie schädlich Eich horn und Tannenhäher seien. «Ein Abschuss dieser beiden Waldbewohner, welche sozu
sagen alle Samen auffressen, wäre sehr zu empfehlen.» Über die Funktion des Tannenhähers im Arvenwald wissen wir heute mehr und seit 1962 ist er geschützt. Aber wie steht es mit den Kenntnissen zur Verbreitung der Arve? Gemäss der 1996 publizierten Verbreitungs karte der Arve in der Schweiz von Urs Beat Brändli, Projektleiter LFI, liegt ein Hauptver breitungsgebiet im Engadin und ein zweites in den südlichen Walliser Seitentälern. Die Vorkommen in den Voralpen, den nördli chen Randalpen und auf der Alpensüdseite sind vergleichsweise unbedeutend. Der grösste Arvenwaldkomplex liegt heute in der Region Sils–St. Moritz–Pontresina. Aus derselben Quelle stammen folgende inte ressante Feststellungen zur Arve in der Schweiz:
Abb. 1: Verbreitung der Arve in Graubünden. Auswertung der Bestandeskarte. Dargestellt sind alle Arvenvorkommen, auch mit Einzelbäumen. (Bild: Amt für Wald und Naturgefahren GR) Bündner Wald 5/2015 27
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– Grossflächige Alpweiderodungen und lokale Kahlschläge haben das Arvenareal in den vergangenen Jahrhunderten dezimiert. – Mit Einzelvorkommen bis 2850 m. ü. M. in den italienischen Alpen ist die Arve die höchststeigende Baumart Europas. – Vier Fünftel der Arven in der Schweiz wachsen oberhalb 1800 m. ü. M. – Die untere Arealgrenze dieser kontinentalen Gebirgsart ist durch die höhere Konkurrenzkraft der Fichte bedingt. – Die stärkste Konkurrenzkraft hat die Arve in West- bis Nordostlagen, wo auch 70 % der Naturverjüngung gefunden wurden. – Die gegenüber dem pH-Wert des Bodens unempfindliche Arve verjüngt sich besonders gut auf mächtigen, stark boden-
Abb. 2: Überbleibsel eines einstigen Arvenwaldes? Einsame Arve in Nadéls. (Bild: D. Cavegn)
sauren Rohhumuspolstern. Keine andere Baumart wächst häufiger auf stark sauren Böden als die Arve. – Typisch für die Arvenbestände sind ungleichförmige, plenterartige Strukturen oder aufgelöste Bestockungen. – Gemäss LFI haben rund 70 % der Arvenalthölzer keine oder nur sehr spärliche Verjüngung. – Arvenwälder sind kennzeichnend für den Charakter der subalpinen Landschaft der Zentralalpen und prinzipiell erhaltenswürdig. Fragestellung und Vorgehen Die Daten der Waldbestandeskartierung zeigen, dass die Arve in der Surselva im kantonalen Vergleich eine Nebenrolle spielt (Abb. 1). Muss man ihr deswegen helfen und wenn ja, wie? Um dies abzuschätzen, beauftragte das Amt für Wald und Naturgefahren im Jahr 2013 Dipl. Forsting. ETH Dumeni Cavegn, die Situation der Arve in der Surselva genauer zu dokumentieren. Dank der Mitarbeit der Revierförster konnten alle Arvenbestände der Surselva begutachtet werden. Die Arvenbestände wurden in der Anzahl der Bäume (ab Dickung) geschätzt und die Verjüngung anhand verschiedener Kriterien beurteilt. Für die historische Verbreitung diente das erwähnte Werk von Rikli (1909). Heutige Arvenverbreitung in der Surselva Die Hauptverbreitung der Arven in der Surselva liegt heute wie auch vor 100 Jahren im Valsertal, im Medelsertal sowie im Tujetsch (Abb. 3). An nur zwei weiteren Orten in der Surselva kann noch eine natürliche Arvenpopulation bewundert werden. Auf der nördlichen Seite der Alp Soliva (Abb. 4) auf Gemeindegebiet von Disentis/ Mustér (seit 2014 als Naturwaldreservat
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eingerichtet) und unterhalb der Vorderalp bei Obersaxen. Rikli (1909) schrieb dazu Folgendes und auch noch heute Geltendes: «Im ausgedehnten Sammelgebiet des Vorderrheins und seiner Nebenflüsse ist die Arve schon sporadisch und meistens auch so spärlich vertreten. In diesem ganzen Gebiet ist das Areal der Arve nicht nur sehr zerrissen, sondern der Baum ist fast ausschliesslich in seinem Auftreten an die obere Waldgrenze gebunden. Eine ganz besonders auffallende Erscheinung ist endlich das Fehlen von Pinus cembra in ganzen Talschaften (Safiental, Lumnezia, Val Sumvitg), indessen der Baum im nächstbenachbarten Tal oft noch verhältnismässig reichlich vorhanden ist.» Die Karte (Abb. 3.) zeigt, dass die Arve durch den Menschen bereits vor 1909 in ihrer Verbreitung zurückgedrängt wurde. Ausgedehnte Arvenbestände im Peiltal (Vals) und in der Val Maighels sind verschwunden. Zur historischen Verbreitung im Tujetsch schreibt Rikli interessanterweise: «Es unterliegt jedoch keinen Zweifel, dass auch die oberste Talstufe des Vorderrheins einst besser bewaldet war als dies heute der Fall ist, und dass damals offenbar auch die Arve eine bedeutungsvollere Rolle in diesen Waldungen zukam; dafür gibt es zahlreiche Belege. Diese Funde zeigen, dass einst nicht nur das Gebiet oberhalb Tschamut bis über die Oberalppasshöhe bewaldet, und dass die Arve die wichtigste Holzart dieser Wälder war, sondern dass die Arvenwälder auch noch südlich bis gegen das mittlere Maighels vordrangen.» Insgesamt ist festzustellen, dass seit 1907 doch etliche Flächen nicht mehr mit Arven bestockt sind. Dabei handelt es sich vor allem um jene Bestände, die nahe am Talgrund stockten und vom Menschen genutzt wurden. Andere (vor allem in der Val Me-
Abb. 3: Aktuelle und historische Verbreitung der Arve in der Surselva gemäss der Studie Cavegn 2014. (Bild: Cavegn)
del) sind wahrscheinlich Naturereignissen zum Opfer gefallen. Zudem wurden auch viele Bestände nahe den Alpgebäuden genutzt oder zerstört. Seit ungefähr Mitte des letzten Jahrhunderts haben sich jedoch vermehrt Arvenverjüngungen eingestellt. Dies in ehemaligen Arvenbeständen und vor allem in höheren Lagen, vorzugsweise in mit Felsbändern durchzogenen Hängen. Gemäss Schätzungen stocken heute rund 15 000 Arven (ab Dickung) aus Naturverjüngungen in der Surselva. Aufforstungen Die Arve beschäftigte die Förster bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Dies zeigen die dokumentierten Aufforstungsversuche. Die erste belegte Aufforstung fand 1874 in Vals statt. Aus den Recherchen von Cavegn geht hervor, dass seither in der ganzen Surselva rund 200 000 Arven gepflanzt wurden. Der Erfolg der Aufforstungen ist sehr bescheiden ausgefallen. In vielen Orten wurden die Arven in tieferen Lagen im ursprünglichen Fichtenwald gesetzt. Die Konkurrenzkraft der Fichten ist jedoch höher, sodass viele Bündner Wald 5/2015 29
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Abb. 4: Arvenbestand in Soliva auf Gemeindegebiet von Disentis/Mustér; seit 2014 als
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Naturwaldreservat ausgeschieden. (Bild: Ch. Buchli)
Exemplare eingegangen sind. Es zeigt sich, dass der Aufforstungserfolg ab der Mitte des 20. Jahrhunderts deutlich zugenommen hat. Es ist anzunehmen, dass die Arven an geeigneteren Standorten gepflanzt wurden und dass weitere Faktoren, wie zum Beispiel der Einfluss von Mykorrhiza-Pilzen oder geeignetere Provenienzen, beachtet wurden. Schlussfolgerungen aus der Studie – Die Standortbedingungen für grössere Arvenvorkommen in der ObersubalpinStufe stimmen heute noch. Dies wird durch die Verdichtung und Ausbreitung der Arven in den noch vorhandenen Arvenbeständen, welche in Ruhe gelassen wurden, bestätigt. – Die Verletzlichkeit der Arvenbestände in der Surselva (wie auch in anderen Teilen Nordbündens) sowie die geringe Arven-
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verbreitung weltweit führen zu einem klaren Fall für die Biodiversitätsförderung (Rubrik «Besondere Gehölze»). Dies, auch wenn ihr Überleben in den zentralsten Zentralalpen nicht gefährdet ist. In der Surselva sollen keine teuren Pflanzungen/Aufforstungen ausgeführt werden. In den heutigen Vorkommensgebieten der Arve muss aber Platz für die Ausbreitung über Naturverjüngung reserviert werden. Im Hinblick auf die angesagte Klimaveränderung ist vor allem eine «Platzreservation» nach oben wichtig, weil von unten die konkurrenzstärkere Fichte nachrücken wird. Diese Strategie ist nicht kostenintensiv, hat aber nur Erfolg, wenn sie über mehrere Förstergenerationen hinweg konsequent verfolgt wird. Wo örtlich die Arve einem hohen Wilddruck ausgesetzt ist und insbesondere bei Pflanzungen müssen Schutzmassnahmen ergriffen werden. Werden Arven gepflanzt, so ist vor allem auf eine geeignete Standortwahl, auf die Provenienz sowie auf geeignete Schutzmassnahmen zu achten.
Ausblick Gemäss Beobachtungen ist nur dort mit einer erfolgreichen natürlichen Verjüngung zu rechnen, wo ein grösseres Kernareal von Arven vorzufinden ist. Untersuchungen in den isolierten Nordalpenbeständen bestätigen diese Beobachtung, denn sie zeigen deutliche Hinweise auf Inzucht. Der Samenansatz und der Keimungserfolg sind bei den isolierten Beständen deutlich geringer. Hier stellt sich die Frage, ob die Situation an solchen Orten mit gezielten Arvenpflanzungen langfristig verbessert werden kann. Eine weitere Frage stellt sich in Bezug zur Grösse eines
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intakten Arvenwaldökosystems. Sind die vorhandenen Arvenkerngebiete in der Surselva gross genug, um als Ökosystem zu funktionieren oder benötigt es Anstrengungen, um die Bestände zu vergrössern oder eine Vernetzung der Bestände anzustreben. Auf jeden Fall verdient die Arve auch in der Surselva eine besondere Beachtung, denn sie ist die Königin der Alpen. Das Literaturverzeichnis zu diesem Artikel finden Sie unter: http://www.buendnerwald.ch/seite/ ausgaben
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Zwischenstand bei den Naturwaldreservaten Naturwaldreservate zeigen beispielhaft, wie sich Wald ohne Einfluss des Menschen entwickelt. Vor allem aber bieten sie jenen Organismen einen Lebensraum, welche auf reife Entwicklungsstadien des Waldes mit alten Bäumen und Totholz angewiesen sind. Für die Schweiz wird die Zahl solcher Arten auf 6000 geschätzt, darunter sind insbesondere rund 2500 Pilz-, 1300 Käfer-, 670 Flechten- und 130 Schneckenarten zu nennen. Aber auch in vielen weiteren Artengruppen gibt es auf Alt- und Totholz angewiesene Arten. Ein erstes Naturwaldreservat in Graubünden wurde 1910 in Breil/Brigels (Scatlé) eingerichtet. In der gleichen Zeit entstand auch der Schweizerische Nationalpark (Gründung 1914). Der Reservatsvertrag von Scatlé wurde inzwischen zweimal erneuert (1964 und 2000), wobei die Fläche von ursprünglich 5 auf 24 Hektaren vergrössert wurde.
Werden und Vergehen von Bäumen auf kleinem Raum sind wichtige Eigenschaften von Naturwaldreservaten. (Bilder: U. Bühler)
Mit der neuen Waldgesetzgebung von 1993 wurde die Idee der Waldreservate wieder neu belebt. Zwischen 1997 und 2003 entstanden so in Graubünden vier weitere Naturwaldreservate von total 100 ha. Der Regierungsbeschluss Nr. 1581 aus dem Jahr 2005 bildete dann die Basis für die Errichtung eines Netzes von Naturwaldreservaten, welche primär die für Graubünden typischen Waldstandorte abdecken. Dies erlaubte eine geordnete Realisierung weiterer Naturwaldreservate. Wo stehen wir heute? Ende 2014 waren in Graubünden total 34 Naturwaldreservate mit einer Gesamtfläche von 4574 ha eingerichtet. Unter Berücksichtigung, dass 10 % dieser Naturwaldreservatflächen unbestockt sind, nimmt die Waldfläche der Naturwaldreservate 2,1 % der Gesamtwaldfläche Graubündens ein. Die Waldfläche des Schweizerischen Nationalparks macht weitere 2,8 % der Gesamtwaldfläche aus. Die Vorgabe im erwähnten Regierungsbeschluss, dass nicht mehr als 10 % der für die Förderung der Waldbiodiversität zur Verfügung stehenden Geldmittel für die Einrichtung von Naturwaldreservaten zu verwenden seien, wurde dabei eingehalten (vgl. Beitrag Förderung der Waldbiodiversität, S. 5 – 8, in diesem Heft). Entsprechend ihrer Zielsetzung besteht das Wesen der Naturwaldreservate im Verzicht auf Holzbezüge und selbstverständlich auch auf jede landwirtschaftliche Nutzung (insbesondere Beweidung). Auf weitergehende Einschränkungen – etwa das Betretungsverbot oder das Beeren- und Pilzsammeln – wurde bewusst verzichtet, da solche Nutzungen – soweit im «ortsüblichen Umfang» ausgeübt – in der Regel keine wesentlichen Auswirkungen auf die Waldentwicklung ausüben dürften. Ein wichtiges Anliegen ist,
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dass die Regulation der Schalenwildbe stände mittels Bejagung unbeachtet von Reservatsgrenzen ausgeübt werden kann. In keinem Fall schränkt ein Waldreservat in Graubünden die Jagd ein. Die Suche nach möglichen Standorten für Naturwaldreservate erfolgte im Rahmen der Waldentwicklungsplanung, wodurch ein Abwägen gegenüber den anderen An sprüchen an den Wald möglich war. Über lappungen mit Schutzwald wurden und werden auch weiterhin vermieden, weil im Schutzwald die Möglichkeit zur Durchfüh rung waldbaulicher Eingriffe offengehalten werden soll. Es ist auch verständlich, dass der Wille gering ist, Reservate in den kan tonsweit gesehen verhältnismässig weni gen gut erschlossenen, in flacheren Gelän departien gelegenen Wäldern ausserhalb des Schutzwaldperimeters einzurichten. Deshalb liegen die meisten Naturwaldreser vate eher an steilen und abgelegenen Or ten. In diesem Zusammenhang sind die Hinweise interessant, dass gerade abgele gene Wälder Reservoirs für seltene Totholz käferarten sein können (siehe Beitrag Tot holz für Käfer, S. 42– 45, in diesem Heft). Die bestehenden Waldreservate decken die ökologisch besonders wertvollen Wald typen der Berg und Waldföhrenwälder im Verhältnis zum Angebot gut ab. Die Gruppe der buchenfreien Laubwälder, welche auch die ökologisch sehr speziellen Auenwälder umfasst, ist im Vergleich zum gesamten Waldangebot dagegen etwas unterver treten (Grafik S. 34). Herausforderungen Eine gewisse Herausforderung stellte in den vergangenen Jahren in einigen wenigen Na turwaldreservaten der Befall durch Fichten borkenkäfer dar (Buchdrucker). Obwohl das Prinzip der ungehemmten natürlichen
Beispiel für eine Pilzart, welche auf ein hohes Angebot von grobem Totholz angewiesen ist: Ästiger Stachelbart.
Entwicklung gilt und z. B. im Naturwaldre servat Scatlé offensichtlich eine sehr intakte Antagonistenfauna vorhanden ist (Beitrag Totholzkäfer in diesem Heft), wurden bisher bei zwei Naturwaldreservaten nach län geren Erwägungen doch Massnahmen zur Eingrenzung der Borkenkäferentwicklung ergriffen. Die enge Vernetzung mit den um liegenden Schutzwäldern war dabei ent scheidend. Bessere Kenntnisse zum Verlauf von Borkenkäfergradationen wären für sol che Entscheide wünschenswert. Ein weiteres Problem bietet die systematisch ausbleibende Weisstannenverjüngung in folge Wildverbiss. Wo die Weisstanne einen wesentlichen Bestandteil ausmacht, droht die Einrichtung von Naturwaldreservaten sinnlos zu werden, weil ein wesentlicher Teil der natürlichen Waldentwicklung nicht stattfindet. Wirkungskontrolle Sechs Naturwaldreservate des Kantons Graubünden sind im nationalen Monitoring von Naturwaldreservaten der ETH und der WSL eingebunden. Im Rahmen dieser For schung wird die Waldentwicklung in den Reservaten erfasst und analysiert (siehe Bei trag Tamangur in diesem Heft). Damit wird der Zielsetzung nachgekommen, anhand Bündner Wald 5/2015 33
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wichtiger (Flächenbedarf, funktioniert die Vernetzung?).
Vertretung der Waldhöhenstufen in den bestehenden Naturwaldreservaten im Vergleich zum Angebot im Gesamtwald.
der Naturwaldreservate mehr über die natürliche Waldentwicklung zu lernen. Noch in den Kinderschuhen steckt hingegen die Erfassung der Wirkung auf die Artenvielfalt. Aus zehn Naturwaldreservaten liegen Erhebungen zu den Brutvögeln vor, ausgeführt von freiwilligen Ornithologen. Erste Schritte sind auch bezüglich Totholzkäfern erfolgt. Letztlich kann aber nur anhand eines wesentlich breiter angelegten und konsequenter durchgeführten Monitorings die Wirkung der Naturwaldreservate abgeschätzt werden. Zurzeit scheint dies nur im Rahmen eines nationalen Programms realisierbar zu sein. Bemühungen dazu sind im Gang. Im Hinblick auf die weitere Entwicklung des Waldreservatsnetzes werden detaillierte Angaben zur Wirkung immer
Ausblick Im Zusammenhang mit der anstehenden Revision der Waldentwicklungsplanung wird gegenwärtig der Stand der Naturwaldreservate genauer analysiert. Es geht dabei vor allem um die Frage, wie weit die für Graubünden charakteristischen Waldstandortstypen repräsentativ vertreten sind. Davon soll das weitere Vorgehen bezüglich Naturwaldreservaten abgeleitet werden. Auch der Aspekt der Vernetzung soll beleuchtet werden, in deren Dienst nicht nur die Reservate, sondern auch die in den vergangenen Jahren vermehrt eingerichteten Altholzinseln stehen. Dem Publikum werden Naturwaldreservate in der Regel mit einer Hinweistafel bekannt gemacht. In Einzelfällen gibt es umfangreicheres Informationsmaterial, verbunden mit dem Angebot einer Wanderung durch das Reservat. Diese Kombination von Naturwaldreservaten mit Bedürfnissen der Erholungsnutzung ist möglicherweise noch ausbaufähig. Selbstverständlich müssen dabei empfindliche Elemente eines Reservats geschont werden. Ueli Bühler Amt für Wald und Naturgefahren Loestrasse 14, CH-7000 Chur ueli.buehler@awn.gr.ch
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Naturwaldreservat God da Tamangur – ein Arvenwald erholt sich
Abb. 1 : Innerer und äusserer Reservatsperimeter auf der Landeskarte (links) und mit 100 x 100 m Probeflächennetz im Luftbild von 2013 (Kartengrundlagen pixmaps ©2015 und swissimage ©2015 swisstopo [5704000000]). (Bild: WSL)
«An dem breiten, mächtig ausladenden Ur gebirgspiedestal des Piz Murtèra (...) zieht sich von ca. 2100 – 2300 m der ganz reine Arvenbestand. Die mächtigen dunklen Ge stalten stehen in lockerem Verband; vom gegenüberliegenden Hang aus sieht man überall den Boden dazwischen durch schimmern (...). Im unteren Teil treten uns tadellos entwickelte Kraftgestalten von Riesenarven entgegen.» (Aus: Coaz & Schrö ter, 1905, S. 37) Schweizweite Forschung in Naturwaldreservaten Die natürliche Waldentwicklung besser zu verstehen, im Speziellen die Prozesse Wachstum, Mortalität und Verjüngung, ist das übergeordnete Ziel des Projekts «For schung und Wirkungskontrolle in Natur waldreservaten» der WSL Birmensdorf und der ETH Zürich. Allgemein wird angenom men, dass in unbewirtschafteten Wäldern für die Erhaltung der Biodiversität wichtige Habitate wie Totholz und alte Bäume häufi ger vorkommen als im Wirtschaftswald. Ein weiteres Ziel ist daher, die Entstehung und Veränderung solcher Habitate besser zu
verstehen. Im Reservat God da Tamangur – eines der 49 von WSL / ETH beobachteten Schweizer Naturwaldreservate (NWR) – fand im Sommer 2013 eine Stichproben inventur (SPI) statt, dank welcher nun erst malig ein umfassendes Bild der Waldstruktur von Tamangur vorliegt. Inventur im God da Tamangur Das NWR Tamangur in der Val Scharl ist 86 ha gross und wurde 2007 gegründet (Abb. 1). Der wunderschöne Arvenwald wächst an einem topografisch gleichmässi gen Nordwesthang auf silikatischem Mo ränenmaterial. Das Klima ist kontinental; im Winter fallen die Temperaturen nicht selten unter – 30 °C (Könz 2006). Im Wald begeg net man nur vereinzelt Spuren früherer Holznutzung in Form von Stöcken. Alte Steinmauern, angesengte und mit der Axt leicht ausgehöhlte Stämme sowie die sehr lichte Bestandesstruktur zeigen jedoch den Einfluss der früheren Beweidung von der Alp Tamangur dadora aus (Coaz & Schröter 1905, Rauch 2010). In ihrer Dokumentation der Begehung von 1902 beschreiben der da malige eidg. Oberforstinspektor Coaz und
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VK 1904
SPI 2013
Stammzahl (N/ha)
88
262
Grundfläche (m2/ha)
20*
32
Vorrat (m3/ha) lebender Bestand
127
SPI BHD
≥ 16 cm
144
165
Dürrständer/Strünke
1
Tote, liegende Bäume
41
Vorrat total
207 3 129
Verjüngung (N/ha) ** Tab. 1: Kennzahlen des NWR Tamangur aus der Stichprobeninventur (SPI) 2013 und der Vollkluppierung (VK) 1904. Bei Angaben zur Stammzahl und Grundfläche sind nur lebende Bäume mit BHD ≥ 7 cm (SPI) bzw. ≥ 16 cm (VK) berücksichtigt. Für die SPI wird zusätzlich die Stammzahl mit Kluppschwelle 16 cm angegeben. Die Übereinstimmung des Perimeters der VK und der SPI ist unAbb. 2 : Stammzahlanteile der Baumarten, insge-
klar: Die VK wurde auf 26 ha durchgeführt, die SPI
samt und nach BHD-Klassen (Lä: Lärche; Ar: Arve;
auf 41 ha. Weil 1904 grössere, von Wald umgebene
LFö: Legföhre; BFö: aufrechte Bergföhre; Fi: Fichte).
Blössen weggelassen wurden, würde sich auf
Datengrundlage: lebende Bäume. (Bild: WSL)
die heutige Reservatsfläche bezogen eine noch geringere Stammzahl ergeben.
Prof. Schröter den God da Tamangur im De tail (siehe Eingangszitat). Eine 1904 durch geführte Vollkluppierung (VK) war bis anhin die einzige Untersuchung zum Bestand. Al lerdings wurde in der VK 1904 ein kleinerer Perimeter (26 ha) erfasst als in der SPI 2013. Die erstmalige Inventur durch die WSL 2013 umfasste 38 Probeflächen – was einer Aufnahme von 2 % entspricht – und er streckte sich über das Kerngebiet des Reser vats von 41 ha (Abb. 1). Die Erhebungsme thode ist ähnlich jener des Schweizerischen Landesforstinventars LFI (Tinner et al. 2013). Auf Kreisflächen von jeweils 500 m2 werden an allen Bäumen mit Durchmesser auf Brusthöhe (BHD) ≥ 7 cm (innerer Kreis) bzw. ≥ 36 cm (äusserer Kreis) dendrome trische und ökologische Merkmale erfasst. Die beobachteten Habitatstrukturen sowie Kennzahlen zu Totholz und Verjüngung dienen zur Abschätzung des ökologischen Werts des Reservats.
* Neuberechnung auf Basis der VK-Daten von 1904 in Coaz & Schröter 1905. ** Bäumchen von 10 cm Höhe bis <7 cm BHD
Starke Zunahme der Stammzahl Mit einem Stammzahlanteil von über 75 % nimmt die Arve im NWR Tamangur eine do minierende Stellung ein. Daneben kommen einige Legföhren und wenige Lärchen, Fich ten und aufrechte Bergföhren vor (Abb. 2). Oberhalb von BHD 48 cm gibt es nur noch Arven, weshalb diese fast 100 % zu Grund fläche und Vorrat beitragen. Entsprechend war der dickste gemessene Baum eine Arve mit einem BHD von 140 cm. In den letzten 100 Jahren hat sich die Artenzusammen setzung kaum verändert, wie Gegenhangfo tos zeigen (Abb. 4); der Wald ist jedoch deutlich dichter geworden und die Stamm zahl hat sich fast verdoppelt (Tab. 1). Die Stammzahlzunahme durch Einwuchs führt heute zu einer deutlich grösseren Anzahl Bündner Wald 5/2015 37
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dünner Bäume (Abb. 3). Trotz dieser starken Stammzahlzunahme hat der Vorrat seit 1904 nur um einen Drittel zugenommen – es wächst sich langsam im subalpinen Wald, und die eingewachsenen kleinen Bäume tragen bisher nur wenig zum Vorrat bei (Tab. 1). Tragbarer Wildeinfluss Viele kleine und gesunde Bäume, vor allem Arven, sichern heute – im Gegensatz zu 1904 – eine kontinuierliche Waldbestockung. Mit einem Wert von knapp 5 % liegt der Wildverbiss im NWR Tamangur in einem verträglichen Rahmen. Die meisten Bäume sind zudem lediglich am aktuellen Jahrestrieb und nicht wiederholt verbissen. Die Arve wird nur im An-/Aufwuchs verbissen (meist < 40 cm Höhe; 5 % Jahresverbiss) und kann danach rasch dem Äser entwachsen. Seit 1904 ist der Wald dichter geworden und bietet heute dank besserer Deckung attraktive Einstandsgebiete für das Schalenwild. Wie die geringe Verbissintensität und die negativ exponentielle Durchmesserverteilung (genügend Jungbäume; Abb. 3) belegen, scheint die erhöhte Standortattraktivität für das Wild die Waldverjüngung aber nicht negativ zu beeinflussen, zumindest was die Arve betrifft.
«Schäden» an Stamm und Krone sichern das Überleben vieler Lebewesen Die zahlreichen Rindenverletzungen in der Dickungsstufe und im Stangenholz sind v. a. Folge der Aktivität des Wilds (Schälen und Fegen). In einem Waldreservat wie Tamangur ist das beobachtete Ausmass im Hinblick auf die Walderhaltung zurzeit unkritisch und somit kein Grund zur Beunruhigung – im Gegenteil: Die Rindenverletzungen dienen als Eingangspforte für Lebewesen wie Pilze und Insekten. Auch andere in den oft zerzausten Kronen der Arven beobachteten Habitate wie Kronentotholz, Löcher, Risse und Spalten bieten eine Lebensgrundlage für viele Organismen, sei es als Nahrung, Versteck oder Nistplatz. Hoher ökologischer Wert dank Stammlöchern, Höhlen und Giganten Stammhöhlen, v. a. Höhlen mit Mulmkörper, gelten als besonders wertvolle Mikrohabitate, und ihre Häufigkeit kann als Mass für die Naturnähe eines Waldes herangezogen werden (Winter & Möller, 2008). So dienen Löcher, z. B. verlassene Bruthöhlen der Spechte, vielen weiteren Bewohnern wie Käuzen, Fledermäusen und Eichhörnchen als Brutraum und Kinderstube. Der sel-
Abb. 3: Durchmesserverteilung aller lebenden Bäume der Vollkluppierung (VK) 1904 und der Stichprobeninventur (SPI) 2013, dargestellt in 4-cm-BHD-Stufen. Der Aufnahmeperimeter der Vollkluppierung (Kluppschwelle BHD ≥ 16 cm) unterscheidet sich dabei leicht von jener der Stichprobeninventur. Die Fehlerbalken bei den SPI-Werten entsprechen + 1 Standardfehler. (Bild: WSL) 38
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Abb. 4 : Gegenhangaufnahme des God da Tamangur im Jahr 1905 (links) und 2013 (rechts). (Bilder: Brunner & Co, Zürich, in Coaz & Schröter, 1905; Brang [WSL] 2013)
tener anzutreffende Mulm, der sich über Jahrzehnte durch Zersetzung des Holzes und Ansammlung von Exkrementen am Höhlenboden bildet, bietet ein weiteres rares Substrat für spezialisierte Arten. Aus naturschutzbiologischer Sicht sollte mindestens eine Höhle/ha in einem Wald vorhanden sein, um spezialisierten Arten ein Habitat zu sichern (Vallauri et al. 2002). Als optimal erachten Vallauri et al. (2002) 10 bis 20 Bäume/ha mit mindestens einem Loch oder einer (Mulm-)Höhle. Im NWR Tamangur finden wir 16 Bäume (lebende und tot stehende) mit mindestens einem Loch oder einer (Mulm-)Höhle pro ha. Ähnlich anderen (Lärchen-)Arven-NWR (Aletschwald 13 N/ha; Selvasecca 20 N/ha) hat Tamangur in Hinblick auf diese Habitatstruktur bereits einen hohen ökologischen Wert. Ein weiteres wichtiges ökologisches Merkmal ist die Dichte von «Giganten», Bäumen mit BHD ≥ 80 cm. Giganten weisen ein grosses Holzvolumen und überdurchschnittlich viele Habitatstrukturen auf. Pro ha stehen im NWR Tamangur stolze 16 Giganten, was Werten aus alten mittel- und nordeuropäischen Naturwäldern entspricht (Heiri et al. 2012). Andere Lärchen-Arven-Wälder der Alpen wie die Selvasecca und der Aletschwald weisen nur halb so viele Giganten auf (Henkner et al. 2014; Brücker et al. 2014b).
Viel liegendes, wenig stehendes Totholz Giganten sind auch nach ihrem Tod wichtige Lebensräume. Als Totholz überdauern sie Jahrzehnte und sind Habitat für Holzabbauspezialisten und sich darin versteckende Tiere. Beim langsamen Abbau der dicken Stämme werden verschiedene Stadien durchlaufen, sodass über die Zeit viele spezialisierte Arten einen geeigneten Lebensraum finden. Ein Totholzvolumen von 20 bis 50 m³/ha reicht gemäss Lachat et al. (2014) aus, damit die meisten totholzabhängigen Organismen überleben können. Die Totholzmenge im NWR Tamangur liegt mit durchschnittlich 41 m3 liegendem und 1 m3 stehendem Totholz pro ha genau in diesem Bereich. Beim liegenden Totholz ist dies doppelt so viel wie der Durchschnittswert gemäss LFI3 (Region Alpen) und doppelt so viel wie im Aletschwald (Brändli et al. 2010; Henkner et al. 2014). Stehendes Totholz ist in den Wäldern der Region Alpen allerdings wesentlich häufiger als im NWR Tamangur (Brändli et al. 2010). Der Grund ist die Geschichte dieses Waldes: Unter den erst seit ca. 1900 einwachsenden jungen Bäumen ist die Konkurrenz noch nicht so gross, dass schon namhafte Mortalität auftreten würde, und von den dicken, langlebigen Arven sterben nur sehr wenige ab. Immerhin ist im NWR Tamangur KroBündner Wald 5/2015 39
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nentotholz häufig und kann gewisse Ha bitatfunktionen des stehenden Totholzes übernehmen. Der God da Tamangur auf dem Weg zum Urwald Im God da Tamangur hatte vor allem die alpwirtschaftliche Nutzung – Beweidung und Brennholzsammeln – einen Einfluss auf die Waldentwicklung (Coaz & Schröter, 1905). Nutzungsspuren durch Holzschlag sind kaum zu finden. Die Entwicklung der Stammzahlen von 1904 bis 2013 lässt erah nen, wie sich die Nutzung auf die Wald struktur auswirkte: Nach Aufgabe der Be weidung nimmt die Stammzahl stark zu, die Verjüngung erholt sich – und somit auch der Wald insgesamt. Das nun liegen gelassene und heute bereits reichlich vorhandene Tot holz bietet vielen teilweise bedrohten Or ganismen Lebensraum, und die hohe Dichte an wichtigen Habitatstrukturen wie Stamm löcher und Giganten trägt zum ökologi schen Wert dieses Waldes bei. Allerdings zeigt die beeindruckende Zunahme von Stammzahl, Vorrat und Totholzvolumen auch, dass der God da Tamangur noch kein Urwald und schon gar nicht ein Urwald im Gleichgewicht ist. Eine starke Stammzahlzunahme zeigte sich in den letzten Jahrzehnten auch im ehemals stark genutzten Aletschwald, auch wenn dort hohe Schalenwilddichten die Verjün gung seit einigen Jahrzehnten stark bremsen (Henkner et al. 2014). Im NWR Tamangur scheint sich das Schalenwild bisher nicht ne gativ auf die Waldentwicklung auszuwirken. Bis zur im Jahr 2028 geplanten Folgeinven tur hat der God da Tamangur nun Zeit, sich langsam weiter in Richtung Urwald zu ent wickeln und alle Besucher/innen mit seinen Farben, seinen knorrigen Baumgestalten und arbeitsamen Tieren zu bezaubern.
Dank Wir danken dem Bundesamt für Umwelt BAFU für die finanzielle Unterstützung des Projekts «Forschung und Wirkungskontrolle in Schweizer Naturwaldreservaten». Literaturverzeichnisse unter: www.wsl.ch/fe/waldressourcen/ projekte/waldreservate/publikationen/ literaturverzeichnis http://www.buendnerwald.ch/seite/ ausgaben
Regina Brücker WSL Zürcherstrasse 111, CH - 8903 Birmensdorf regina.bruecker@wsl.ch
Caroline Heiri WSL Zürcherstrasse 111, CH - 8903 Birmensdorf caroline.heiri@wsl.ch
Harald Bugmann Professur Waldökologie ETH Zürich CH - 8092 Zürich harald.bugmann@env.ethz.ch
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Totholz für Käfer – Befunde aus Graubünden In einem Urwald halten sich Holzzuwachs und absterbende Holzmenge die Waage. Jenen Organismen, die imstande sind, Holz abzubauen oder zu verdauen (Pilze und Bakterien) stehen somit je nach Standort bis zu über 10 m3 pro Hektare Holz pro Jahr als Nahrungsgrundlage zur Verfügung. Dabei würde die in einem Kubikmeter Holz enthaltene Energiemenge ausreichen, um den jährlichen Energiebedarf (Grundumsatz) von vier Menschen zu decken! Angesichts dieser sehr ergiebigen Energie quelle ist es nicht verwunderlich, dass die Natur zahlreiche Waldorganismen hervor gebracht hat, welche sich auf das Konsu mieren und Verdauen von abgestorbenem Holz spezialisiert haben. Anderseits finden diese Organismen in einem Wald nur schwer einen Platz, wenn dessen Holz zuwachs grösstenteils vom Menschen abge schöpft wird. Hier ist also ein Grundkonflikt zwischen Waldnutzung durch den Men schen und der Biodiversität angelegt, aus dem sich unter anderem folgende Fragen ergeben: – Welche TotholzArten sind wie stark be troffen? – Wie viel Verzicht auf Holznutzung ist nö tig, um das gesamte Spektrum an Tot holzArten zu erhalten? Auf solche Fragen gibt es Antworten (z. B. www.totholz.ch). Diese sind in der Regel aber so allgemein gehalten, dass man sich als Grundlage für zum Teil doch einschnei dende Entscheide (z. B. Nutzungsverzicht) oft unbedingt handfestere Angaben über die konkreten Verhältnisse vor Ort wünscht. Vor diesem Hintergrund hat das Amt für Wald und Naturgefahren Studien über Tot holzkäfer angeregt und mitgetragen, deren Befunde nachfolgend zusammengefasst sind (Tabelle). Dass dazu die Wahl auf die
Ordnung der Käfer fiel, ist letztlich etwas zufällig. Es gibt noch viele weitere Arten, die auf Totholz angewiesen sind. Wichtige Erkenntnisse für die Waldbiodiversitätsförderung in Graubünden a) Sehr hohe Artenzahl: Bis heute wurden in Graubünden etwas über 500 Totholz käferarten nachgewiesen. Für das we sentlich besser untersuchte Bayern sind über 1350 Totholzkäferarten bekannt – offensichtlich sind in Graubünden noch lange nicht alle vorhandenen Arten ge funden worden. Im Vergleich zu den Vögeln, Heuschrecken oder dem Tagfal ter ist aber auch schon diese Zahl der nachgewiesenen Arten sehr hoch. Die Insekten haben im Laufe ihrer 400 Milli onen Jahre alten Stammesgeschichte enorme Spezialisierungen durchge macht. Basis für die grosse Zahl an Kä ferarten ist nicht einfach eine grosse Tot holzmenge, sondern eine damit verbun dene grosse Vielfalt an unterschiedlichen Nischen (Baumart, Holzfeuchtigkeit, Zer setzungsgrad etc.). b) Grosse Vielfalt: Die Analyse der Totholz käferfunde in Graubünden 2011/ 2012 zeigte, dass sich die Artenspektren bei den Totholzkäfern zwischen den Regio nen (z. B. Misox–Engadin), Waldhöhen stufen und zum Teil auch Waldtypen (z. B. Auen und Eichenwälder) stark un terscheiden. Bisher konnten im Kanton Graubünden insgesamt 15 sogenannte Urwaldreliktarten nachgewiesen werden (z. T. noch Funde aus dem 19. Jahrhun dert). Dies sind Arten, welche nur re liktartig vorkommen und eine Bindung an das kontinuierliche Vorhandensein von Alters und Zerfallsphase mit viel Totholz aufweisen. Sie sind in den be wirtschafteten Wäldern Mitteleuropas
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Jahr
Gegenstand
Autoren
2009
Fang von Käfern in drei totholzreichen Wäldern: untermontaner Buchenwald bei Seewis, obermontaner Tannen-Buchenwald bei Schiers, subalpiner Fichtenwald bei St. Antönien. Bestimmung der Arten von total sieben Käferfamilien, Analyse und Kommentieren der Artenlisten.
T. Lachat, A. Gross, B. Wermelinger (alle WSL)
2011/ 2012
Abfragen aller Totholzkäferfunde in Graubünden aus Datenbank CSCF, Ergänzung mit Daten aus dem Bündner Naturmuseum. Analyse in Abhängigkeit von Waldhöhenstufe und Bewirtschaftungsintensität. Zusammenstellung aller bisherigen (historischen) Käferuntersuchungen aus Graubünden.
B. Huber, A. Frei
2013
Fang von Käfern auf einer 5 ha grossen Fläche im Fichtenurwald Scatlé bei Breil/Brigels. Bestimmen aller Arten und Vergleich mit Literaturangaben.
B. Huber, B. Büche
2015
Nachbestimmung der 2009 durch die WSL bei Schiers und St. Antönien gefangenen und bisher nicht bestimmten Arten. Vergleich der Artenliste mit den Befunden von Breil/Brigels 2013.
B. Huber, B. Büche
2014/ 2015
Fang von Käfern in uralten, lange nicht mehr genutzten LärchenArvenwäldern (Capetta- und Cröterwald) im Avers (in Arbeit).
B. Huber, B. Büche
Vom Amt für Wald und Naturgefahren unterstützte Untersuchungen zur Totholzkäferfauna.
stark dezimiert oder ausgestorben. In Scatlé konnten vier Urwaldrelikarten nachgewiesen werden, zwei davon waren Erstfunde für Graubünden. c) Wichtiges Totholzkontinuum: Ein Vergleich der Totholzkäfer zwischen den subalpinen Fichtenwäldern Scatlé und Teifwald (Vergleich von Fängen mit je fünf Kombifallen) legt nahe, dass über Jahrhunderte kontinuierlich vorhandenes Totholz eine wichtige Rolle spielen dürfte. Im Gegensatz zum Urwald Scatlé wurde im Teifwald früher Holz genutzt und das heute vorhandene Totholz hat sich erst in den letzten Jahrzehnten angehäuft. Der Urwald weist bezüglich Totholzkäfer sowohl bei der Anzahl der vertretenen Familien, der Artenzahl als auch der Individuenzahl durchwegs viel
höhere Werte auf. Im Urwald Scatlé kommen ausserdem viel mehr seltene oder gefährdete Arten vor. d) Abgelegene Wälder können sehr wertvoll sein: Der erwähnte Vergleich Scatlé– Teifwald, aber auch einige Ergebnisse aus der Analyse der Totholzkäferfunde in Graubünden von 2011/ 12 deuten darauf hin, dass unerschlossene, schwer nutzbare Wälder wie z. B. sehr steile, abgelegene Wälder unter Umständen eine unterschätzte Bedeutung als Reservate aufweisen, da sie eventuell Reliktstandorte von seltenen Arten sein können. Dennoch: Es gibt auch Nachweise von Urwaldreliktarten im Talboden, z. B. in Auenwäldern in der Surselva. Es ist anzunehmen, dass infolge der grossen natürlichen Dynamik in den Auenwäldern Bündner Wald 5/2015 43
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Leiterbock (Saperda scalaris): Seine Larve entwickelt sich in totem Laubholz. (Bild: B. Huber)
auch in der Vergangenheit mehr oder weniger konstant genügend Totholz vorhanden war. e) Hohe Zahl von Borkenkäfer-Antagonisten im Urwald: Insgesamt wurden im Scatlé 16 Borkenkäferarten nachgewiesen (634 Individuen), denen mindestens 24 Käferarten (269 Individuen) gegenüberstanden, die räuberisch von Borkenkäfern leben. Dieses Resultat könnte darauf hindeuten, dass Urwälder eine vergleichsweise gut entwickelte Räuberfauna haben und damit gut gegen Borkenkäfer-Kalamitäten gewappnet sind. Allerdings liegt Scatlé in der subalpinen Stufe und der Befund kann nicht ohne Weiteres auf tiefere Lagen übertragen werden. f) Eher geringer Kenntnisstand: Über die ganze Schweiz gesehen besteht heute über mindestens vier Käferfamilien mit Totholzarten ein guter Kenntnisstand bezüglich Verbreitung, Vorkommen und Gefährdung. Die übrigen etwa 70 Fami-
lien, welche ebenfalls Totholzkäfer beinhalten, sind aber eher schlecht bekannt. Letztlich ist heute offensichtlich nicht wirklich geklärt, welche Totholzkäferarten alle zu den Ökosystemen unserer Wälder gehören. Es zeigt sich, dass auch Gebirgswälder eine grosse Artenvielfalt und viele seltene Arten aufweisen können, nicht nur Eichen- und Auenwälder der tieferen Lagen. Es bestätigt sich, dass die Schonung und Förderung von Alt- und Totholz eine sehr wichtige Massnahme im Waldnaturschutz ist. Wenn es aber darum geht, ein Optimum zu suchen zwischen Holzrücklass für mehr Totholz auf der einen Seite und der ökologisch ebenfalls sinnvollen Nutzung des wertvollen Rohstoffs Holz auf der anderen Seite, dann fehlen uns heute bezüglich Biodiversität sehr viele Grundlagen. Die ausgeführten Projekte wurden fachlich unterstützt durch T. Lachat, B. Wermelinger (beide WSL), Y. Chittaro, A. Sanchez (beide
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CSCF) und das Team des Bündner Naturmuseums. An der Finanzierung waren beteiligt: BAFU; AWN; ANU; Dr. Bertold Suhner-Stiftung; Stiftung Temperatio; Parrotia-Stiftung; Ella und J. Paul Schnorf Stiftung; Stiftung Sammlung Bündner Naturmuseum; Pro Natura Graubünden und Pro Natura Schweiz und Stiftung Stavros S. Niarchos.
Ueli Bühler Amt für Wald und Naturgefahren Loestrasse 14, CH-7000 Chur ueli.buehler@awn.gr.ch
Barbara Huber Abenis AG
Das Literaturverzeichnis zu diesem Artikel finden Sie unter: www.buendnerwald.ch/seite/ausgaben
Quaderstrasse 7, CH-7000 Chur b.huber@abenis.ch
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Bündner Wald 5/2015 45
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Kastanienselven – bedeutender Teil der Kultur der Bündner Südtäler
Biodiversität und Öffentlichkeitsarbeit: Jahrhundertealter Kastanienbaum mit DidaktikZentrum in Soazza, Misox. (Bild: PN. Federici)
Die Waldbiodiversitätsförderung misst neben der Pflege naturnaher Habitate auch der Erhaltung und Pflege von Kulturlandschaften einen grossen Wert bei. Die Kastanienselven Die Edelkastanie, von den Römern in die Alpen gebracht, findet sich in Graubünden vor allem in den Südtälern Bergell, Misox (San Vittore bis Soazza), Calancatal (Santa Maria, Castaneda und Buseno) und von Campascio bis Brusio im Puschlav. Die Kastanienselven sind halboffene, vom Menschen geschaffene und bewirtschaf tete Lebensräume. In Kastanienselven ist eine optimale Flächennutzung gegeben, weil die Kastanienbäume, «die obere Eta ge», Früchte und Einstreu produzieren, während «das Erdgeschoss» als Weide oder Wiese (früher auch als Acker) genutzt wer den kann. Die Kastanienbäume sind ge pfropft: Wie bei den Äpfeln gibt es somit auch bei den Kastanien viele verschiedene Sorten.
Ökosysteme mit hoher Biodiversität ... Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen der WSL haben gezeigt, dass die Kasta nienselven dank ihrer Struktur mit alten Bäumen (mit abgestorbenen Teilen, Schat ten) und offenen Stellen (Licht, Gras) wert volle Lebensräume sind. Zum Beispiel konn te nachgewiesen werden, dass Fledermäuse aus Norddeutschland in unseren Kasta nienselven überwintern ! Auch dank der wissenschaftlichen Erkenntnisse ist die För derung der Wiederherstellung und Pflege von Kastanienselven ein wichtiger Teil der Biodiversitätsstrategie des Bundes. . .. und mit kultureller Bedeutung Kastanienselven sind lebende und erlebbare Zeugnisse der ländlichen Zivilisation, die in der Subsistenzwirtschaft vor allem ab dem Mittelalter eine wichtige Rolle gespielt ha ben. Im lokalen Dialekt wird der gepfropfte Kastanienbaum als « árbul » bezeichnet, als Baum schlechthin. Die Bedeutung der Kas tanie für die lokale Kultur zeigt sich in
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Kunstwerken (z. B. die Kastanienernte, ein aus dem Mittelalter stammendes Fresko in der Kirche Santa Maria del Castello in Me socco), Ortsnamen (Castasegna in Bergell, Castaneda in Calanca), Werkzeugen, Pro dukten und Rezepten, Bauten (Kastanien dörrhäuser), schriftlichen Überlieferungen usw. Die Aufgabe der Bewirtschaftung Verschiedene Faktoren haben die Bedeu tung der Kastanie vermindert (Einfuhr von Mais und Kartoffeln, Auftauchen des Kas tanienrindenkrebses), aber bis 1950 prägten immer noch die Kastanienselven die Land schaft der Südbündner Täler. Erst mit der Landflucht der Nachkriegszeit, mit der Auf gabe der traditionellen Landwirtschaft ging die Bewirtschaftung der Selven stark zurück. Im Misox, wo dieser Prozess am stärksten stattfand, wurde sie schliesslich sogar ganz aufgegeben. Struktur und Zusammenset zung der Kastanienselven veränderten sich schnell zu geschlossenen Mischwäldern, was zu landschaftlicher und ökologischer Ver armung führte. Die gepfropften Kastanien bäume, als ausgesprochene Lichtbaumarten, ertragen den Schatten der 10 bis 20 Meter höheren Bäumen nur wenige Jahrzehnte, dann gehen sie ein. Ende der 70erJahre wa ren deshalb nur noch wenige bewirtschaf tete Flächen vorhanden, vorwiegend im Ber gell und in Brusio. Ein einzigartiges Natur- und Kulturerbe wartete auf Wiederbelebung Ende der 70erJahre im Bergell und Ende der 80erJahre in Brusio haben verschiedene Ei gentümer von Kastanienselven und der Kul turverein Pro Grigioni italiano ihrem Wunsch nach Pflege der Kastanienbäume und Wie derbelebung der Kastanienkultur Ausdruck gegeben. Der Forstdienst hat diese Aufgabe
wahrgenommen und er hat verschiedene forstliche Wiederherstellungsprojekte von Kastanienselven in Zusammenarbeit mit den Gemeinden und den privaten Eigentümern realisiert. Wiederherstellungsprojekte ... Die forstlichen Projekte sind durch ver schiedene Akteure finanziert: Die Finanz hilfen von Kanton und Bund decken 70 % der Gesamtkosten, während die Restkosten durch Gemeinden, private Eigentümer und den Fonds Landschaft Schweiz getragen werden.
Fresko in der Kirche Santa Maria del Castello in Mesocco. (Bild: L. Plozza)
Die Tabelle, die auf der nächsten Seite zu sehen ist, fasst die forstlichen Projekte bis 2013 zusammen. Daraus kann man Folgen des ableiten: Bündner Wald 5/2015 47
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Wiederhergestellte Fläche (ha)
Zeit
Anzahl Bäume gepflegt
Anzahl Bäume gepflanzt 155
Kosten (Franken)
Bergell, 1979–2013
54
1422
Brusio, 1992–2013
28
2085
60
835 000.–
Moesano, 1997–2013
40
2600
320
2 050 000.–
122
6107
535
3 452 000.–
Total
567 000.–
Eckdaten der forstlichen Projekte zur Wiederherstellung und Pflege der Kastanienselven in Graubünden. (Reginalforstingenieure G. Berchier, M. Keiser und L. Plozza) (Daten: Amt für Wald und Naturgefahren)
– Die Kastanienpflege hat im Kanton eine 35 Jahre alte Tradition. Im Bergell hat man die Bewirtschaftung der Kastanien selven inkl. Verwertung der Kastanien nie aufgegeben, man wollte deshalb die Kastanienkultur unbedingt retten. Zuerst hat man versucht, die durch Krebs ge schädigten Bäume durch neue resistente Kastanien zu ersetzen (Projekt koordi niert von G. Bazzigher WSL ab 1979). Als man bemerkte, dass die Kastanien dem Krebs widerstehen können, hat man ab 1987 die Bäume gepflegt (Kronen schnittpflege). Nach dem Erfolg im Ber gell hat man auch in Brusio und im Tessin die ersten Projekte durchgeführt. – Die Kosten im Moesano (Misox und Ca lancatal) sind deutlich höher als im Ber gell und Brusio, dies wegen des bedeu tend höheren Verwilderungsgrads der Selven. Im Bergell, wo die Kastanien bäume in Wiesen und Weiden stehen, wurden die Kronen oft gepflegt; im Moesano schlagen hingegen das Entfer nen der zwischen den Kastanien aufge wachsenen und mit diesen um Licht konkurrierenden Bäume sowie die not wendigen Grassaaten auf den gepfleg ten Flächen kostenmässig stark zu Bu che. Um die Ziele der Projekte und die hohen Investitionskosten langfristig zu sichern, müssen die beteiligten privaten Eigentümer eine Bewirtschaftungspflicht für 30 Jahre im Grundbuch eintragen lassen.
Mit 122 Hektaren Selven und 6100 gepfleg ten Bäumen haben die Projekte eine grosse Wirkung hinsichtlich Biodiversitätsförde rung und Landschaftsschutz erzielt. Ein wei teres positives Ergebnis ist die gute Akzep tanz und Unterstützung der Bevölkerung sowie die vielen Aktivitäten, welche rund um die Kastanienkultur entstanden sind: Die Kastanienkultur lebt in den Südtälern weiter! ... und Bewirtschaftung Eine angemessene landwirtschaftliche Be wirtschaftung der Selven ist ebenso wichtig wie ihre Wiederherstellung, denn ohne sie würden die Selven innert weniger Jahre wieder einwalden. Zusammen mit dem Forstdienst und den Landwirten hat sich der Verein der Kastanienpfleger der italieni schen Schweiz um landwirtschaftliche Sub ventionen für die Bewirtschaftung der Selven bemüht. Seit 1999 werden Kasta nienselven, obwohl sie rechtlich Wald sind, offiziell vom Bund als landwirtschaftliche Nutzungsflächen (LN) anerkannt. Landwirt schaftliche Betriebe, welche Selven pflegen, werden mit Direktzahlungen entschädigt. Dazu können die Betriebe für die Kasta nienselvenpflege auch Beiträge für die För derung der Biodiversität (Vernetzungspro jekte) und neu auch der Landschaft (Projekt Landschaftsqualität Graubünden) erhalten. Die Bewirtschaftung der Kastanienselven ist ein gelungenes Beispiel, wie Forst und Landwirtschaft miteinander kooperieren
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Kastanienselve mit Grasnutzung in Brentan, Bergell. (Bild: L. Plozza)
können, damit eine traditionelle agro-forstwirtschaftliche Kulturlandschaft mit einer vielfältigen Biodiversität erhalten bleibt. Zukünftige Projekte ... Obwohl die am günstigsten gelegenen Selven schon gepflegt sind, gibt es in allen Regionen noch verwilderte Kastanienselven: Im Moesano ca. 45 ha, im Bergell ca. 21 ha und in Brusio ca. 2 ha. Im Rahmen der Revision des Waldentwicklungsplans müssen die für die Wiederherstellungsprojekte geeigneten und prioritären Flächen festgelegt werden. In Brusio ist das Wiederherstellungspotenzial fast ausgeschöpft, dort könnte man dafür die landwirtschaftliche Bewirtschaftung der Selven noch mehr fördern. … Kastanienkongress im Bergell, Kastanienfest in Brusio und Moesano, Kastanienlehrpfad Soazza, Brentan (Bergell), Verwertung der Kastanien . .. Ob sich die Wiederbelebung der Kastanienkultur weiter so erfolgreich entwickeln wird, hängt nicht nur von den forstlichen Projekten ab, sondern auch von den Aktivi-
täten der lokalen Bevölkerung und der Kastanienpfleger. Weiterführende Informationen Krebs P., Tinner W., Conedera M.: Del castagno e della castanicultura nelle contrade insubriche: tentativo di una sintesi eco-storica; Archivio storico Ticinese, N. 155 maggio 2014 http://www.fondazionemontgrand.ch Broschüre Wanderweg Kultur und Natur: «Zwischen Kastell und Kastanien» im Gebiet der Gemeinden Soazza und Mesocco, parc adula 2015, Mesocco – Soazza, erhältlich bei: luca.plozza@awn.gr.ch Moretti M.: Alte Kastanienbäume und Biodiversität; Bündner Wald (2) 2005
Luca Plozza Amt für Wald und Naturgefahren Centro Regionale dei Servizi CH - 6535 Roveredo luca.plozza@awn.gr.ch
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Biodiversitätsförderung mit Lärchen-Weidewäldern Weidewälder sind eine wichtige Komponente der Biodiversität und der Kulturlandschaft. Nach traditionellen Vorbehalten zur Doppelnutzung Weide und Wald zeigt sich heute, dass die Beweidung auch für die Waldökologie vorteilhaft sein kann. Die Anforderungen sind komplex, vielfältig und zum Teil widersprüchlich. Im Biodiversitätsprojekt werden beweidete Wälder für seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten sowie aus kulturhistorischer Sicht gefördert und erhalten. Den Waldgesetzen, die die Beweidung im Wald als nachteilige Nutzung werten, wird nachgelebt, indem die Weidefläche räumlich beschränkt wird. Nur ausgewählte, besonders Region
von Roger Willhauk und von Veronika Stöckli behandelt worden. Zentrale Einsichten sind: – Bei angemessener Beweidung überwiegen vielschichtige und offene, stabile Strukturen, während nicht beweidete Wälder oft einschichtig und dicht und deshalb eher labil sind. – Die Freilegung der Mineralerde durch Viehtritt kann die Keimung und Verjüngung der Bäume, insbesondere der Pioniere Lärche und Föhre, fördern. – Natürlich gibt es Einschränkungen, Negativeinflüsse und Vorbehalte. Diese sind in den genannten Beiträgen ausführlich diskutiert worden.
Behandelte Fläche (ha)
Holznutzung (m3)
Abrechnung (Franken)
1) Herrschaft-Prättigau-Davos
44
2 551
430 583
2) Rheintal/Schanfigg
82
4 986
647 508
3) Surselva
49
1 078
149 991
4) Mittelbünden/Moesano
238
20 357
2 384 476
5) Südbünden
224
10 760
1 592 042
Kanton Gaubünden
637
39 731
5 204 600
80
5 676
743 514
jährlich
Massnahmen Weidewald 2008 bis 2014 im Sammelprojekt Biodiversität. (Tabelle: Duri Könz)
schützenswerte Weidewälder werden unterstützt. Die besonderen Werte sind: – aus ökologischer Sicht die Kombination von alten Bäumen (Habitatbäume) mit extensiv bewirtschaftetem Grasland – und aus Sicht der Landschaft der Wert als Zeuge einer noch lebenden alten Kultur. Aktuelle Forschungen zeigen durchaus auch Vorteile aus Sicht der Waldnutzung und der Waldfunktionen. Diese Thematik ist im «Bündner Wald» 4 /2013 in den Beiträgen
Massnahmen im Sammelprojekt Biodiversität Was ist in den letzten Jahren im Weidewald realisiert worden? In den Jahren 2008 bis 2014 sind gemäss LeiNa1 in der Projektkomponente Weidewald des Sammelprojekts Biodiversität die Arbeiten gemäss Tabelle realisiert worden, siehe oben. Im Rahmen des Biodiversitätsprojekts 2008 bis 2014 machen die Massnahmen zur Förderung der Weidewälder einen erheblichen Anteil aus, nämlich rund einen Viertel der Bündner Wald 5/2015 51
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also nicht einmal halb so viel wie in den Jahren 2008 bis 2014. Die Auswahl der förderungswürdigen Weidewälder erfolgte also viel restriktiver als bisher.
und Spezialsorten, Grössen 80 bis 800 cm geschnitten oder in Töpfen sowie Reisig Herkunft Graubünden, übrige CH und D Preisliste verlangen
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behandelten Fläche und der Kosten sowie rund einen Fünftel der Holznutzungen. Wie erwartet liegt der regionale Schwerpunkt in den Regionen Mittelbünden/Moesano und Südbünden. Potenzial förderungswürdiger Weidewälder Mit der Evaluation möglicher Wald-Naturobjekte (WNO) im Rahmen der aktuellen Revision der Waldentwicklungsplanung sind die förderungswürdigen Weidewälder bezeichnet und lokalisiert worden. In ganz Graubünden besteht gemäss dieser Planung ein Potenzial von 6600 ha solcher Wälder. Das sind 3 % der Waldfläche Graubündens. Von den WNO-Flächen mit forstlichen Massnahmen macht dieser Anteil 11 % aus,
Erfahrungen Die praktische Umsetzung ist komplex. Einerseits sind die zwei Hauptnutzungen zu berücksichtigen, andererseits bildet der Natur- und Landschaftsschutz die Zielsetzung und birgt bereits in sich selbst eine Fülle von Interessen und Zielkonflikten. Die Überwachungsorgane bemühen sich, diese Problematik mit Konzepten, Planungen und Richtlinien in den Griff zu bekommen. Die Ausführenden versuchen mit konkreten Massnahmen in diesem vielschichtigen Umfeld möglichst gute Arbeit zu leisten. Folgende Beispiele dokumentieren diese Bemühungen. Gemeinde Bever – wissenschaftliche Begleitung In Bever wollte man wissen, wie die forstlichen Eingriffe und die Beweidung für die ökologischen Ansprüche optimiert werden können. David Jenny (Vogelwarte Sempach) untersuchte die Avifauna, Franziska Andres (Trifolium) die Vegetation. Es wurden über 30 Brutvogelarten inventarisiert. Für lichte Lärchenwälder typische Indikatorarten sind Baumpieper und Berglaubsänger 2. Bei der Vegetation interessierten Flachmoore und Trockenstandorte. Besonders seltene Arten sind die Heidenelke (Dianthus deltoides) und die Jupiter-Lichtnelke (Lychnis flos-jovis 3). Der Befund lautet: Aufgelichtete Flächen mit geringer Bestockung, aber auch Strauchvegetation, Totholz und weitere Strukturen sind für ökologische und ornithologische Reichhaltigkeit wichtig. Ein Zielkonflikt ergibt sich, wenn die Optimierungen nicht de-
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Klassischer Lärchen-Weidewald in Tarasp. Schöne Landschaft, gute Weide und wertvolles Holz, wesentliche Bestandteile der Biodiversität fehlen jedoch (Habitatbäume, Totholz, Heterogenität, Naturverjüngung). (Bild: Duri Könz)
ckungsgleich sind: Zur Förderung wertvoller Trockenstandorte wäre oft eine noch stärke re Auflichtung optimal, welche aus ornitho logischer Sicht Nachteile hat. Daher braucht es eine feinmaschige Planung vor Ort, um je nach Standort in die eine oder andere Rich tung einzugreifen. Entscheidend für die rich tigen ökologischen Massnahmen sind die fachlichen Grundlagen und die Absprachen zwischen Forst, Landwirtschaft und Bio logen. David Jenny postuliert in seinem Bericht 4 aus Sicht der Avifauna folgende Ziele: – Offenheit durch Lichtinseln, Besto ckungsgrad unter 50 % – Heterogenität der Baum und Strauch arten – Habitatbäume, viel liegendes und ste hendes Totholz (für Vögel eminent wichtig) – Vielfalt an Zwergsträuchern, heterogene Vegetations und Bodenstruktur – Möglichst lange Randlinien zwischen Habitattypen – Naturverjüngung der Lärche
Diese Forderungen weichen vom traditio nellen Bild des Weidewalds ab. Überholt sind auf jeden Fall rein ästhetische Ansprü che nach einem «sauberen», aufgeräumten Weidewald. Unterengadin – eine sektorübergreifende Stiftung Die Stiftung Pro Terra Engiadina (www. proterrae.ch) hat sich zum Ziel gesetzt, die vielfältigen Ansprüche und Aktivitäten der Sektoren Natur und Landschaftsschutz, Landwirtschaft und Forstwirtschaft zu ko ordinieren. Hier entstanden auch Vorstellungen zur ge meinsamen Bewirtschaftung und Pflege der Weidewälder. Der Forstdienst mit gewähr leisteter Langfristigkeit findet somit einen Partner mit ähnlicher Perspektive. Gemeinde Valsot – Regelung Weidewald mit neuen Ansätzen Nach langen Bemühungen ist es gelungen, die Weidenutzung im Wald zu regeln. Da sich nicht alles schriftlich regeln lässt, Bündner Wald 5/2015 53
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Aufgabe. Die Kompetenzen, um eine opti male Wirkung der forstlichen Massnahme zu erreichen, können nur in einer guten Zu sammenarbeit der Akteure und feinmaschig am konkreten Objekt erreicht werden. Da bei gibt eine Planung der Förderobjekte, wie sie jetzt mit den WaldNaturobjekten vorgenommen wird, eine gute Übersicht. Oft wird empfohlen, in komplexen Situatio nen das KISSPrinzip 5 anzuwenden. Ver mutlich sind wir gut beraten, genau das auch in diesem Fall zu tun. 1
LeiNa: Internetbasiertes Informationssystem
für den Leistungsnachweis und das Controlling der Waldbewirtschaftung in GR, seit 2008. 2
Handholzerkurs in Trin GR 03.-09. und 10.-16. April 2016 www.bergwaldprojekt.org wird grosses Gewicht auf eine gute Zusam menarbeit und Kommunikation gelegt. – Besonders hoch sind die Ansprüche im Schutzwald, hier wird die Weidenutzung auf unproblematische Stellen (Lichtun gen, Waldrand) konzentriert. – Entwicklungen werden laufend beob achtet und wenn nötig korrigiert. – Experimente, wie die temporäre Bewei dung stark vergraster Wälder um die Ver jüngung einzuleiten, werden zugelassen. Ausblick Die Förderung der Weidewälder ist ein wichtiges Anliegen in vielerlei Hinsicht. Da bei ist sie eine komplexe und anspruchsvolle
Die Avifauna der Lärchweiden von Bever,
David Jenny, Parüschla, Juni 2015, www. vogelschutz-engadin.ch/index_news.htm 3
Nutzungskonzept der Allmendweiden von
Bever, Franziska Andres, Trifolium, 2012 4
Zur Nutzung der Lärchweiden von Bever
durch die Vögel, David Jenny, Vogelwarte Sempach, 2015 5
Keep it simple, stupid. («Halte es einfach,
Dummkopf!»; sinngemäss: «Machs so einfach wie möglich.») https://de.wikipedia.org/wiki/KISS-Prinzip
Duri Könz Amt für Wald und Naturgefahren Stradun 403 A, CH-7550 Scuol duri.koenz@awn.gr.ch
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Comic Theo & Heinz
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Protokoll der SELVA – Generalversammlung 2015 Die 96. Jahresversammlung der SELVA fand am 29. April 2015 im Peter-Kaiser-Saal des Klosters Disentis statt. Rund 90 Personen – Mitglieder, zahlreiche Gäste und Medienvertretende – nahmen an der Versammlung teil. Davon waren 61 stimmberechtige Mitglieder, welche 220 Mitgliederstimmen vertraten. Das vorliegende Protokoll ist eine gekürzte Fassung. Das vollständige Protokoll zuhanden der Generalversammlung 2016 wird im Jahresbericht 2015 publiziert. 1. Begrüssung durch den Präsidenten SELVA-Präsident Leo Thomann begrüsst die zahlreich anwesenden SELVA-Mitglieder und die Gäste aus der Politik, der Verwaltung und aus den Verbänden der Wald- und Holzwirtschaft. Ein besonderer Willkommensgruss und ein Dankeschön richtet der Präsident an den Gastgeber der GV 2015,
Abt Vigeli Monn. Dem anwesenden Gemeindepräsidenten von Disentis, Franzestg Cajacob, dankt der Präsident für seine Präsenz und für den Zustupf an den Apéro. Seine Eröffnungsrede beginnt Leo Thomann mit dem topaktuellen und die Wald- und Holzbranche sehr belastenden Paukenschlag des Euroschocks. Die Aufhebung der Wechselkursuntergrenze von 1. 20 Franken pro Euro durch die Nationalbank stellt die Wald- und Holzbranche vor massive Probleme. Die Preise für Exportholz in den Euroraum sind schlagartig um 15 % gefallen. Nach dem Euroschock wütete der Sturm Niklas und in der Folge kamen in Deutschland und Österreich grosse Mengen Sturmholz auf den Markt. Dieses kurzfristige Überangebot drückte die Preise für das Bündner Holz nochmals kräftig nach unten. Drei Monate nach dem Euroschock ist bei einzelnen Sortimenten ein Preiszerfall bis zu
WVS-Präsident und Nationalrat Max Binder, Abt Vigeli Monn, Gemeindepräsident Disentis Francestg Cajacob (v. l.). (Bilder: SELVA) 56
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Graubünden-Wald-Präsident Mario Riatsch überbringt Grussworte.
30 % zu verzeichnen. Für die Waldbesitzer, die Forstunternehmungen und das einheimische Sägereigewerbe sind die Folgen dieses Preisverfalls schwer bis gar nicht verkraftbar. Auf nationaler Ebene führt der Dachverband Waldwirtschaft Schweiz (WVS) diverse Gespräche mit wichtigen Partnerorganisationen und dem BAFU, um nötige Massnahmen zu klären und umzusetzen und um die verschiedenen Aktivitäten zu koordinieren. Auch im Bündnerland hat die Holzmarktkommission mit entsprechenden Interessensvertretern intensive Gespräche geführt, um mögliche Handlungsfelder sowie Aktivitäten zur Stabilisierung und Verbesserung der Situation in der ganzen Holzkette auszuloten. Der nächste Termin für weitere Gespräche wurde bereits festgelegt. Es ist jetzt dringend notwendig, dass klare Signale von den Waldbesitzern gegenüber der Öffentlichkeit und der Poli-
tik gemacht werden. Es müssen sofort Massnahmen beschlossen werden, damit die Pflege der Schutzwälder gewährleistet werden kann. Durch die aktuelle Situation auf dem Holzmarkt und die Aufarbeitung der Zwangsnutzungen vom letzten Herbst und Winter sehen sich die Waldbesitzer gezwungen, mehr Geld für die Bewältigung der Waldschäden und für die Pflege des Schutzwaldes vom Kanton zu fordern. Auch die Auftragssituation für die einheimischen Forstunternehmer und Regiebetriebe ist sehr prekär. Einzelne Betriebe mussten bereits Kurzarbeit einführen und Entlassungen könnten auch thematisiert werden. Aufgrund dieser sehr schwierigen Situation sowie weiterer die Waldbewirtschaftung belastender Faktoren präsentiert Leo Thomann am Schluss seiner Eröffnungsrede die SELVA-Forderungen dazu. Zuerst aber hält der Präsident Rückschau auf das Verbandsjahr 2014. Für die SELVA war das Jahr 2014 ein Jahr der grossen Veränderungen – die personellen Wechsel folgten Schlag auf Schlag: die neuen SELVAMitarbeiter Urs Rutishauser (ab Februar 2014) und Amanda Feltscher (ab August 2014) konnten sich in der Zwischenzeit gut «akklimatisieren». Der Wechsel in der Geschäftsführung wurde ebenfalls im Herbst vollzogen und Nina Gansner konnte Paul Barandun ablösen, welcher während der letzten 17 Jahre in unermüdlichem Einsatz für die Anliegen der Waldbesitzer kämpfte. Unter seiner Leitung hat sich die SELVA stark weiterentwickelt. An dieser Stelle soll ihm im Namen des Vorstands, der Geschäftsstelle und der Waldbesitzer nochmals herzlich gedankt werden. Die nachhaltige Entwicklung des Waldes ist eines der wichtigsten Anliegen der Waldeigentümer. Dazu gehört, dass sich der Wald natürlich verjüngen kann. Dies muss Bündner Wald 5/2015 57
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www.stihl.ch auch unter den Einwirkungen des Wildes langfristig gesichert werden können. Die hohen Schalenwildbestände im Kanton Graubünden stören die nachhaltige Entwicklung des Waldes erheblich und haben das Thema «Wald-Wild» regional wieder in den Vordergrund gerückt. Die Zahlen der Nachttaxationen in diesem Frühling haben unsere Befürchtungen, dass die Bestände nochmals markant zunehmen werden, leider bestätigt. Die Schäden durch das Wild sind für den Wald nicht mehr tragbar. Auch in diesem Bereich muss dringend gehandelt werden, die Wildbestände müssen dezimiert werden. Der Bündner Waldwirtschaftsverband SELVA hat im Rahmen des Projekts «Öffentlichkeitsarbeit Wald-Wild» die Gelegenheit genutzt, den Bündner Kantons-
und Gemeindepolitikern die Waldsituation darzustellen und zu zeigen, dass die Anpassung der Schalenwildbestände an die Lebensraumkapazität absolut notwendig ist. Mit fünf Veranstaltungen – verteilt über den ganzen Kanton Graubünden – wurde die Situation an verschiedenen Waldobjekten erläutert und vor allem draussen vor Ort erlebbar gemacht. Insgesamt haben mehr als 100 Personen an den Waldinfoveranstaltungen der SELVA teilgenommen. Neben vielen Vertretern aus der Gemeindepolitik sind auch der höchste Bündner – Standespräsident Duri Campell – und mehr als 20 Mitglieder des Grossen Rats der Einladung in den Wald gefolgt. Die Zusammenarbeit zwischen den kantonalen Behörden, den Waldeigentümern und der SELVA ist sehr erfolgreich. Es werden Themen gemeinsamer Interessen aussichtsreich bearbeitet und durch den Kanton unterstützt. Dafür sei allen Beteiligten herzlich gedankt. Schliesslich dankt der Präsident den Vorstandsmitgliedern, der Geschäftsprüfungskommission und den Mitarbeitern der Geschäftsstelle herzlich für die gute Zusammenarbeit. Zum Schluss seiner Eröffnungsrede hält Leo Thomann Ausblick: Im Jahre 2019 wird die SELVA 100 Jahre alt. Bereits jetzt werden im Hintergrund erste Überlegungen gemacht, wie dieser Geburtstag würdig und mit einer nachhaltigen Wirkung begangen werden könnte. Für Ideen ist die SELVA offen. Die erwähnte schwierige Situation auf dem Holzmarkt und die Waldschäden durch das Schalenwild haben die SELVA zu folgenden Forderungen an die Öffentlichkeit und die Politik bewogen: 1. Sofortige Hilfe für die Wald- und Holzwirtschaft
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a) Sicherstellung der Schutzwaldpflege durch Ausgleich der massiven Einbussen auf dem Holzmarkt b) Bewilligung eines Nachtragskredits zur Bewältigung der Waldschäden 2. Optimierung der Jagdplanung und Erfüllung der Abschusspläne a) Massive Erhöhung der Abschusspläne aufgrund der erneut sehr hoch ausgefal lenen Frühlingstaxationen b) Konsequente Umsetzung und Erfüllung der Abschusspläne
2. Grussadressen Folgende Vertreter der zahlreich erschiene nen Partnerorganisationen richteten ihre Grussworte an die Bündner Waldeigentümer und informierten kurz über Aktualitäten: Francestg Cajacob, Gemeindepräsident von Disentis; Max Binder, Nationalrat und Präsi dent von Waldwirtschaft Schweiz (WVS); Urban Maissen, Stv. Kantonsförster und Lei ter der Waldregion Surselva; Romano Costa, Präsident der Reziaholz GmbH; Michael Ga bathuler, Geschäftsführer von Graubünden Holz; Livio Zanetti, Präsident des Bündner Forstunternehmerverbands; Daniel Buchli, Vorsitzender der Homako; Mario Riatsch,
Präsident von Graubünden Wald; Beat Phi lipp, Fachvorsteher Wald der ibW in Maien feld; Markus Brunner, Direktor von Wald wirtschaft Schweiz (WVS). 3. Traktanden und statutarische Geschäfte Die üblichen Traktanden mit Informationen über Geschäftstätigkeit und Finanzdaten sind vorgelegt und durch die Versammlung genehmigt worden. Stimmenzähler und Protokoll der GV 2014 Als Stimmenzähler werden auf Vorschlag des Präsidenten die beiden Revierförster Andreas Stucki und Maurus Cavigelli ein stimmig gewählt. Das Protokoll der Gene ralversammlung vom 30. April 2014 in Schiers wurde im «Bündner Wald» Nr. 5/ Oktober 2014 publiziert. Es wird ohne Ge genstimme genehmigt. Jahresbericht 2014 und Aktuelles 2015 SELVAPräsident Leo Thomann präsentiert den Jahresbericht 2014, welcher ohne Gegenstimme genehmigt wird. Anschlies send orientiert Nina Gansner über die lau fenden Verbandsaktivitäten 2015 und gibt auch einen Überblick über das SELVAKurs wesen 2015.
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Jahresrechnung 2014 und Bilanz per 31. Dezember 2014 Die Geschäftsführerin präsentiert die Jahresrechnung 2014 und die Bilanz per 31. Dezember 2014. Die Rechnung 2014 weist gegenüber dem Budget 2014 nur wenige Änderungen auf. Der Betriebsaufwand beträgt Fr. 488 371.03.– und der Nettoerlös Fr. 486 542.15.–. Der Verlust beträgt Fr. 1828.88.–. Budgetiert war ein Verlust von Fr. 3000.–. Kontrollstellenbericht Die SELVA-Revisoren Arnold Denoth und Christian Theus haben die Buchführung der SELVA geprüft. Arnold Denoth erläutert den Bericht der Geschäftsprüfungskommission. Er dankt den Organen des Verbands für die ordnungsgemässe Buchführung sowie die strukturierte Arbeit und empfiehlt der Versammlung die Annahme der Jahresrechnung 2014 und der Bilanz per 31. Dezember 2014 sowie die Entlastung der Organe. Genehmigung Jahresrechnung und Bilanz, Entlastung der Organe Die Jahresrechnung 2014 und die Bilanz per 31. Dezember 2014 werden von der Versammlung einstimmig genehmigt. Die Organe des Verbands werden ebenfalls einstimmig entlastet. Budget 2015 und provisorisches Budget 2016 Das Budget 2015 (Gewinn Fr. 2000.–) und das provisorische Budget 2016 (Gewinn Fr. 3000.–) werden von der Versammlung einstimmig genehmigt. Orientierung über den Bündner Waldwirtschaftsfonds BWF Urs Rutishauser erläutert die mit der Einladung an die Mitglieder abgegebene Bilanz
und Erfolgsrechnung des Bündner Waldwirtschaftsfonds BWF. Die BWF-Rechnung und -Bilanz wurden ebenfalls durch die SELVA-Revisoren geprüft. Gemäss Statuten ist der SELVA-Vorstand für Budget und Rechnung des BWF zuständig. Varia Daniel Buchli, Präsident der Homako Graubünden, orientiert die Versammlung über die rege Tätigkeit nach der Aufhebung der Frankenuntergrenze gegenüber dem Euro. Mit dem Dank an die Geschäftsstelle, den Vorstand und die SELVA-Mitglieder schliesst Leo Thomann die Versammlung. 4. Rahmenprogramm Im Anschluss an die Versammlung hat Abt Vigeli Monn den Anwesenden spannende Einblicke in die jahrhundertelange, nachhaltige Geschichte des Klosters Disentis gewährt. Schliesslich ist auch das Kloster ein grosser Waldbesitzer. Nach einem vorzüglichen Mittagessen im klostereigenen Restaurant stand am Nachmittag eine zwar weniger forstlich motivierte, aber trotzdem sehr spannende Führung mit Pater Theo durch das Kloster Disentis mit Geschichten und Fakten zum Klosterleben früher und heute auf dem Programm. Landquart, Mai 2015 Der Protokollführer, Urs Rutishauser
Urs Rutishauser SELVA Bahnhofplatz 1, CH-7302 Landquart info@selva-gr.ch
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Neuigkeiten vom AWN-Personal Giachem Risch Bott geht in Pension Nach 36 Berufsjahren im Bündner Forst dienst ist Giachem Risch Bott am 30. Juni 2015 in seinen wohlverdienten Ruhestand getreten. Giachem hat seine forstliche Lauf bahn am 1. Mai 1979 im damaligen Kreis 24 (heute Valsot und Samnaun) als Nachfolger von Nicolin Bischoff begonnen. Auf den 1. März 1989 verlegte er seine berufliche Aktivität in den Kreis 28, dannzumal als Nachfolger von Otto Keiser. Seitdem be treute er zuerst einen Teil und anschliessend alle Gemeinden des Oberengadins sowie ab 2006 zusätzlich noch die Gemeinden Susch, Lavin und Guarda. Giachem hat sich vor allem im Rahmen seiner langjährigen Tätigkeit im teils mon dänen Oberengadin mit den bekannten Waldsiedlungselementen einen Namen als
mannigfaltige Verbauungen sowie Wald strassen realisieren.
Giachem Risch Bott. (Bilder: zVg. AWN)
Gian Andri Godly.
gewiefter und rechtlich sattelfester Forst mann gemacht. Eine sehr viel längere Wirkung seiner beruflichen Tätigkeit hat jedoch sein fachmännisches und sensibles waldbauliches Wirken. Daraus und in enger Zusammenarbeit mit den jeweils zuständi gen Revierförstern sind die heutigen schö nen Waldbilder entstanden. Im Rahmen seiner 36 Dienstjahre konnte er zudem
Pontresina /Samedan absolvierte. Gian An dri übernimmt neu als zuständiger Regio nalforstingenieur die Gemeinden Sils i. E., Silvaplana, St. Moritz, Pontresina, Celerina, Samedan, Bever, La PuntChamuesch so wie Madulain. Zudem wird er als Assis tent unseres Naturgefahrenspezialisten tä tig sein und ist für den regionalen Fachbe reich EDV/GIS sowie GPS zuständig.
Wir danken Giachem ganz herzlich für sei nen grossen Einsatz und sein beachtliches Engagement bis zur Pensionierung hin, stets zum Wohle des Bündner Waldes. Ebenso danken wir bestens für die wertvolle Einfüh rung und Einarbeitung seines Nachfolgers Gian Andri Godly. Auf Giachem folgt Gian Andri Godly In die Fussstapfen von Giachem tritt neu dipl. Forsting. FH Gian Andri Godly aus Brail. Gian Andri schloss sein Studium der Forstwirtschaft an der Fachhochschule Zol likofen ab, nachdem er vorgängig die Ma turität in Zuoz erlangte und seine knapp zweijährige Forstpraxis im Forstbetrieb
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Gian Andri ist in Brail aufgewachsen und sehr stark mit dem Engadin verwurzelt, was sich auf seine Einarbeitung in die forstlichen Belange erleichternd auswirkt. Wir wün schen ihm herzlich grosse berufliche Genug tuung und insbesondere grosse Freude und Faszination am und im Wald. Richi Walder ist in Pension Richard Walder hat sich per Ende Juni 2015 vorzeitig pensionieren lassen. Richi hat während ungefähr 23 Jahren dem Bündner Wald gedient. Als Leiter «Zentrale Dienste» hat er vor allem den öffentlichen Auftritt des AWN massgeblich mitgestaltet. Seine Spuren findet man in unseren Faktenblät tern, dem weitherum geschätzten Jahresbe richt und zum Beispiel auch in den Social Media. Er hat uns aber auch durch die Versuchsphase des New Public Manage ment pilotiert, und das ohne grössere Ab stürze. Als Leiter der Personaladministration war er für manche «Innovation» zugunsten unseres Personals verantwortlich. Vielleicht hat ihn sein etwas unüblicher Werdegang auch etwas geprägt, beispiels weise manchmal das unübliche Denken und Handeln danach. Richi ist in Zürich aufgewachsen und hatte vorerst eine kaufmännische Lehre absol viert, um danach bei der Jugendanwalt schaft in Zürich zu arbeiten. Während die ser Zeit absolvierte er die Maturitätsschule für Erwachsene und erwarb die Matura Ty pus C. Anschliessend begann er das Studi um der Forstwirtschaft an der ETH Zürich, das er 1985 mit dem Diplom abschloss. In den folgenden drei Lehr und Wander jahren versuchte er sich an verschiedenen Jobs, bis er schliesslich 1988 beim Garten bauamt der Stadt Zürich landete. Dort er reichte ihn auch der Ruf des Kantons Grau bünden. Andi Florin holte ihn an die neu
Richard Walder.
geschaffene Stelle des Leiters «Zentrale Dienste». Richi hatte einen Teil seiner forst lichen Praxis in Vnà absolviert und einige Jahre das Schulinternat in Flims besucht. Das hat ihm sicher auch den Gang in «die Peripherie» erleichtert. Hier in Chur hat er dann auch eine Familie gegründet und seine zweite Heimat gefunden. Richi wird jetzt endlich genügend Zeit für seine Familie haben und sich intensiv um sein Hobby, das «urban gardening», küm mern können. Wir vom AWN wünschen dir, Richi, alles Gute und danken dir für deinen Einsatz zugunsten des Bündner Waldes.
Gian Cla Feuerstein Regionalleiter Amt für Wald und Naturgefahren Südbünden, CH-7224 Zuoz gian.cla.feuerstein@awn.gr.ch
Reto Hefti Kantonsförster Amt für Wald und Naturgefahren CH-7000 Chur reto.hefti@awn.gr.ch
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Vorschau «Bündner Wald» Dezember 2015 Einsatzorganisation bei Unwetterereignissen Immer wieder und immer häufiger wird der Kanton Graubünden von Naturereignissen getroffen. Oft sind es lokale Nadelstiche, die vor Ort grosse Sachschäden verur sachen und die Betroffenen ausserordent lich fordern. Wegen des Klimawandels häu fen sich aber auch jene Ereignisse, wo systemrelevante Verkehrsträger und Ein richtungen samt Menschenleben betroffen sind. Nie wird man sich auf jeden mögli chen Einzelfall vollends vorbereiten kön nen, doch gerade im Bereich Naturgefah renprävention und bewältigung besteht eine enorme Dynamik und ständig gibt es neue Möglichkeiten, sich zu verbessern. Kantonal wurden relevante Gesetzesände rungen vorgenommen. Während sich die verantwortlichen Personen und Organisati onen stetig weiterentwickeln und profes sionalisieren, schwindet in der Gesellschaft kollektiv ein selbstverantwortlicher Um gang mit Gefahren generell und Naturge
fahren besonders. Die Risikokompetenz des Einzelnen schwindet, während neue Mög lichkeiten zwar zu einer erhöhten, aber nicht zu einer vollkommenen Sicherheit führen. Redaktion: Sandro Krättli
Vorschau auf die nächsten Nummern: Februar 2016: Waldprodukte im Labeldschungel Redaktion: Sandro Krättli April 2016: Versammlungsnummer Val Mustair Redaktion: Jörg Clavadetscher Juni 2016: Wege zu einer ökologischen Jagd Redaktion: Sandro Krättli
Herausgegeben von Graubünden Wald, Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden und der SELVA. Verlag: © Somedia Production AG, CH7007 Chur Sekretariat: SELVA, Urs Rutishauser, Bahnhof platz 1, CH7302 Landquart, Telefon + 41 (0) 81 300 22 44, buendnerwald @ selvagr.ch Redaktoren: Jörg Clavadetscher, forestalmuestair @ bluewin.ch. Sandro Krättli, sandro.kraettli @ awn. gr.ch. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge in nicht verlangter Form ohne Rückfrage zu ändern. Herstellung: Somedia Production, CH7007 Chur. Erscheint sechsmal jährlich. Auflage: 1700 Exem plare Inserate: Somedia Promotion, Telefon + 41 (0) 81 650 00 70, thusis@somedia.ch Abon nementspreise: CHF 60.– (inkl. MwSt. für Mitglieder Verein Graubünden Wald) Abonnemente/ Adressänderungen: Telefon + 41 (0) 81 255 54 54, abo @ somedia.ch, www.buendnerwald.ch Für Inseratetexte übernimmt die Redaktion keine Verantwortung, auch muss die Meinung der Beiträge nicht mit der Ansicht der Redaktoren übereinstimmen. Autoren, die zu obenstehenden Themen publizieren möchten, sind herzlich eingeladen, ihre Vorschläge der Redaktion einzureichen.
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