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B端ndner

Wald

Jahrgang 68 | August 2015

Neue Betriebe und Betriebsstrukturen

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Inhalt

Neue Betriebe und Betriebsstrukturen Editorial.................................................. 4

Coaching von Veränderungsprozessen

Bilanz zum Projekt

Anbieterverhalten auf dem Holzmarkt....... 47

Optimale Betriebsstrukturen........................ 5

Praktische Waldforschung

bei Forstbetrieben..................................... 43

Vom Förster zum Betriebsleiter.................. 10

sucht neue Ideen....................................... 50

SELVA – Verband im Wandel..................... 13

Graubünden-Holz-Projekt

Der runde Tisch zum Thema

Kooperation Bündner Sägereien................. 53

«Neue Betriebe und Betriebsformen»......... 17

20 Jahre Bildungswerkstatt Bergwald

Betriebskonzept

Nachhaltigkeit für Jugend und Wald.......... 56

Forst- und Werkbetrieb Albula................... 27

Lehrabschlussfeier der Bündner

Drei Waldfachverantwortliche

und Liechtensteiner Forstwarte.................. 59

und ihre Standpunkte................................ 33

Alles über die Eibe..................................... 61

Comic Theo & Heinz................................. 36

Vorschau «Bündner Wald»

Betriebsabrechnung unentbehrliches

Oktober 2015........................................... 63

Führungsinstrument?................................ 37 Der Geschäftsplan ist der Businessplan des Försters................ 40

Titelbild: Verschiedene Rollen, Spannung, tragende Säulen, Stabilität und Präzision – viel Symbolkraft aus der Seilkrantechnik, die auch für das Entstehen neuer Betriebe und Betriebsstrukturen gilt. (Bild: Sandro Krättli) Bild Inhaltsverzeichnis: Wenn man das Blickfeld verändert, läuft noch sehr viel mehr neben dem Masten der Seilkrananlage – die Optik von Beteiligten auf Veränderungsprozesse ist oft auch unterschiedlich. (Bild: Sandro Krättli) Bündner Wald 4/2015 3

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Editorial

Der Maler Apelles soll seine Gemälde so aufgestellt haben, dass er die Bemerkungen der Betrachter hören konnte. Ein Schuster bemängelte das Fehlen einer Öse an einem gemalten Schuh, woraufhin Apelles diese ergänzte. Der stolze Schuster kritisierte nun aber auch noch das Bein, was Apelles mit dem Ausruf quittierte: «Schuster, bleib bei deinen Leisten!» Meine Zeit als Forstwartlernender war toll; streng aber befriedigend. Sozial galt es, mich als Teenager in eine bestehende Truppe zu integrieren. Neben den Tätigkeiten in den forstlichen Produktionsstufen kommen spannende Tätigkeiten im Bauwesen oder im Unterhalt der Erholungsinfrastruktur im Wald hinzu. Wir Lernenden wurden möglichst dort eingesetzt, wo es auch Waldarbeiten zu verrichten gab. Ich verstand es aber auch immer, wenn wir für andere kommunale Aufgaben eingesetzt wurden. Wenn sich forstlich ausgebildete Leute heute auf das Kerngeschäft – nämlich den Wald – konzentrieren können, bin ich beruhigt. Werden aber die forstlichen Tätigkeiten stetig ausgedünnt, habe ich meine Vorbehalte. Niemand wählt wohl anfänglich den beruflichen Waldweg, um später verantwortlich zu sein für Schulwege, Kehrichtmarken, Bestattungen oder Turnhallenreinigungen. Synergien soll man nutzen. Dem ist nicht viel entgegenzusetzen. Damit der Forstdienst aber bei seinem Wald bleibt, braucht es Betriebe oder in grossen Gemeinden Abteilungen, die sich grossmehrheitlich im Forstwesen betätigen. Die laterale Diversifikation war und ist legitim, um in kleinen Strukturen eine gute Auslastung zu finden. Mit grösseren Strukturen bilden sich nun Försterteams, in welchen sich die Betroffenen im Idealfall spezialisieren – hier liegt aus meiner Sicht auf Försterebene eine grosse Chance. Ich würde sogar behaupten, hier schlummert das

gröss­te Potenzial für die Zukunft. Ich habe schon oft erlebt, wie Einzelpersonen unverhofft scheiterten; Teams jedoch Dinge erreichten, die nicht zu erwarten waren. Viele sprechen davon, wie wichtig Teamarbeit ist. Doch wie ein Team funktioniert, verstehen nur die wenigsten. Um «Team» zu erklären, nimmt man gerne Sportbeispiele. Dies kann hilfreich sein, um aufzuzeigen, wie scheinbar übermächtige Gegner bezwungen werden können. Doch dies basiert auf simplen Leistungsparametern – wie einer zu gewinnenden Meisterschaft. Was im Teaminnern abgeht und welche kleinen Feinheiten für die Zufriedenheit und die wichtige Zielerreichung entscheidend sind, wäre spannender. Sei es ehrenamtlich in Vereinen, bei der beruflichen Tätigkeit oder im leistungsfokussierten Sport: Teams müssen sich immer wieder ­ erneuern. Gut aufgebaute Teams schaf­fen – im Vergleich zu Einzelpersonen – wie­ senermassen Lösungen, die innovatier­ ver, nachhaltiger und fundierter sind. Der Forstdienst hat ein grosses Potenzial für Spezialisierungen. Rückmeldungen zeigen, dass die heutigen Anforderungen bzw. auferlegten Aufgaben für einen einzelnen Revierförster fast nicht mehr in guter Qualität zu bewältigen sind und an der Belastbarkeit nagen. Neue Betriebsstrukturen bieten Raum für neue Aufgabenteilungen und die Chance, für Betroffene neue Motivation zu finden. Vielleicht können wir – wie der alte Schuster auch – nicht ein gesamtes Bild beurteilen, hoffentlich noch lange aber einen Wald im Hintergrund. Sandro Krättli, Redaktor Bündner Wald Sagastägstr. 13, CH-7220 Schiers sandro.kraettli@awn.gr.ch

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Bilanz zum Projekt Optimale Betriebsstrukturen

Unterstützte Fusionsprojekte seit 2008. (Bild: AWN)

1. Einleitung Der Bund und der Kanton sind grundsätzlich an einer leistungsfähigen Waldwirtschaft interessiert. In verschiedenen Untersuchungen wurde immer wieder auf die Ineffizienz von schweizerischen Forstbetrieben sowie ihre starke Abhängigkeit von Subventionen hingewiesen. Um diese Situation zu verbessern, wurde vom Bund innerhalb der Programmvereinbarung «Waldwirtschaft» das Programmziel «Optimale Bewirtschaftungseinheiten» aufgenommen. Damit sollten finanzielle Anreize für neue Formen der Zusammenarbeit zwischen den Forstbetrieben geschaffen werden sowie die Verbesserung der Effizienz der einzelnen Betriebe. Der Kanton beteiligt sich finanziell am Programm und ist für die operative Umsetzung verantwortlich. Das Amt für Wald und Naturgefahren (AWN) verfolgte dabei vor allem eine Förderstrategie. Es wurde versucht, Projekte durch Förderbeiträge zu initialisieren. Ge-

fördert werden sollten vor allem betriebsspezifische Lösungen, welche von innen heraus wachsen sollten sowie innovative Lösungsansätze. Es wurde bewusst darauf verzichtet, die gesteckten Ziele anhand von gesetzlichen Vorgaben zu verfolgen. Nachdem sich die zweite NFA-Periode immer mehr dem Ende nähert, ist es nun ein guter Zeitpunkt, um einen Rückblick zu wagen und Handlungsbedarf für die Zu­ kunft daraus abzuleiten. 2. NFA 2008– 2011 Zentrale Ziele der Vereinbarung mit dem Bund – als Bestandteil des Programms Waldwirtschaft – waren die Förderung der Zusammenarbeit zwischen Forstbetrieben und eine generelle Steigerung der Effizienz der einzelnen Betriebe. Die Betriebe sollten vor allem durch finanzielle Anreize dazu bewogen werden, ihre Betriebsstrukturen zu überprüfen und allfällige Schwachpunkte zu redigieren. Bündner Wald 4/2015 5

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Die vom Bund verbindlich vorgegebene Be­ dingungen für unterstützungswürdige Pro­ jekte waren folgende: – dauerhafte Zusammenarbeit mit zentra­ ler Betriebsführung und zentralem Rech­ nungswesen – angestrebte Mindestholzvermarktungs­ menge von 10 000 m3 (nach vier Jahren) – Erstellung von Bilanz und Erfolgsrech­ nung nach Obligationenrecht (OR) so­ wie Einsichtsrecht für Kanton und Bund – Vorliegen eines Businessplans In der ersten Finanzierungsperiode, welche von 2008 bis 2011 dauerte, wurden drei Reorganisationsprojekte gestartet, wovon ­ zwei aus Gemeindefusionen entstanden. Wie bereits im Vorfeld durch das AWN ­befürchtet, zeigte es sich, dass die forstli­ chen Zusammenschlüsse im Kanton Grau­ bünden mehrheitlich von Gemeindefusions­ prozessen bestimmt wurden. Die vom Bund als Anreiz für Strukturanpassungen gestal­ teten Förderbeiträge konnten so leider nicht ganz die erhoffte Wirkung entfalten. Als Schwachpunkte der Vorgaben wurden identifiziert: – die minimal notwendige Holznutzungs­ menge von 10 000 m3 war eindeutig zu hoch – die Projektvorschriften waren zu wenig auf die Qualität des Fusionsprozesses ausgerichtet – die Prozessoptimierungen ausserhalb von Zusammenarbeitsprozessen konnten nicht unterstützt werden 3. TOP Wald Bereits im Vorfeld der Programmverhand­ lungen mit dem Bund für die Periode 2008  – 2011 strebte das AWN an, innovative und

beispielhafte Restrukturierungsprojekte un­ abhängig von Fusionen zu fördern. Leider wurde dieser Ansatz in der Programmver­ einbarung nicht berücksichtigt. Das AWN entschloss sich deshalb, mit eigenen Mitteln ein solches Projekt zu starten. Daraus ent­ standen ist der Projektwettbewerb «Top Wald». Das AWN erhoffte sich von den Wettbe­ werbsbeiträgen beispielhafte Ideen und Vorschläge, welche weiter verarbeitet und anderen Betrieben zur Verfügung gestellt werden konnten. Innerhalb der Anmelde­ frist wurden zehn Projekte eingereicht und im Frühjahr 2010 durch eine Fachjury be­ urteilt. Als Sieger auserkoren wurde das Projekt «Gemeindebetriebe Bonaduz/Rhä­ ­ züns». Es zeichnete sich besonders durch die Art und Weise aus, wie zwei Gemeinden ihre Zusammenarbeit in wichtigen Berei­ chen ihres Gemeinwesens neu organisierten und die dabei entstehenden Synergien opti­ mal nutzten. Das zweitplatzierte Projekt der Forstmaschinengemeinschaft Foppa zeigte auf, dass es möglich ist, teure Forstmaschi­ nen gemeinsam zu kaufen und sie mit einer guten Planung so einzusetzen, dass sie ei­ nerseits gut ausgelastet und andererseits die beteiligten Betriebe beim Maschineneinsatz kaum Einschränkungen unterworfen waren. Der dritte Preis ging an das Projekt «TOP Bergell», welches die Gemeindefusion im Bergell zum Anlass nahm, ihre forstbetrieb­ liche Organisation mithilfe einer externen Beratung neu zu gestalten. Ihre Lösung war nicht grundsätzlich neu, aber vor Ort ein sehr bedeutender Schritt mit ­beachtlichem «Nachahmungs­ potenzial» für andere Tal­ schaften. Der Einsatz für den Wettbewerb hat sich für viele Betriebe gelohnt, haben sich doch die getroffenen Lösungen grösstenteils bis heu­ te bewährt. Mit dem Wettbewerb konnte

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Ein Bild aus den Anfängen des TOP Wald-Siegerprojekts «Forstgemeindemaschinen Foppa». (Bild: A. Weber )

zudem viel zur Sensibilisierung und auch zur tatsächlichen Verbesserung der Wirtschaftlichkeit beigetragen werden, mehr noch als bei Gemeindefusionen. Der Betrieb Bonaduz/Rhäzüns ist heute ein Vorzeigebetrieb. Durch den Wettbewerb wurden motivierte und engagierte Leute unterstützt, und das wirtschaftliche Bewusstsein in den Betrieben konnte langfristig gestärkt werden. In einer Evaluation der Fördermassnahmen zur Strukturverbesserung der Forstbetriebe kommt die ETH* zum Schluss, dass der Kanton Graubünden auf kantonaler Ebene mit seinem Wettbewerb «TOP Wald» ein innovatives Anreizinstrument entwickelt hat. Im Gegensatz zu anderen Kantonen hat er mehr Eigeninitiative in der kantonalen Umsetzung entwickelt. 4. NFA 2012– 2015 Die aus der ersten NFA-Periode gezogenen Lehren, gepaart mit den Rückmeldungen der Kantone, haben den Bund dazu veranlasst, entsprechende Anpassungen für die Programmvereinbarung 2012 – 2015 vorzunehmen. Diese Anpassungen enthielten unter anderem eine Erhöhung der Ansätze für die Förderbeiträge sowie eine Reduktion der Mindestholznutzungsmenge pro Projekt. Letzteres war jedoch an die Vorgabe

gebunden, nach einem erfolgten Betriebszusammenschluss ein mindestens ausgeglichenes Betriebsergebnis zu erhalten. Ab 2013 hat das AWN zudem entschieden, die Beratung bei Reorganisationsprojekten stärker zu fördern. Mit dem ehemaligen ­Betriebsleiter der Gemeindebetriebe Bonaduz/Rhäzüns konnte ein erfahrener Betriebsleiter für diese Arbeit gewonnen werden. Jeder Betrieb hat die Möglichkeit, die Beratung vor und während des Zusammenarbeitsprozesses zu vergünstigten Konditionen in Anspruch zu nehmen. Oft entwickelte sich dann daraus eine Zusammenarbeit für die ganze Dauer des Prozesses. In der zweiten Finanzierungsperiode wurden 15 neue Fusionsprojekte gestartet, wobei sich der Anteil an politisch initiierten Betriebszusammenschlüssen gesenkt hat. Der Anteil an betrieblichen Zusammenschlüssen, welche freiwillig gestartet wurden, betrug in dieser Periode etwa die ­Hälfte. Es zeigt sich also, dass die Anreiz­ mechanismen von Bund und Kanton sowie die fachliche Beratung durch das AWN vermehrt zum Erfolg geführt haben. Um den kantonsweiten Erfolg dieser Unterstützung zu beurteilen, wurde 2014 zusammen mit der Hochschule für Agrar-, Forstund Lebensmittelwissenschaften (HAFL) Bündner Wald 4/2015 7

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eine Untersuchung anhand einer Bachelor­ arbeit lanciert**. Ziele dieser Arbeit waren das Untersuchen der Wirksamkeit von be­ reits erfolgten Reorganisationen und das Ab­leiten von Empfehlungen für zukünftige ­Reorganisationen. Als Basis für diese Unter­ suchung dienten Interviews mit den betrof­ fenen Betriebsleitern sowie die Daten der forstlichen Betriebsabrechnung (ForstBAR) und betriebsinternen Unterlagen von ins­ gesamt vier reorganisierten Betrieben. Die ­Resultate fielen sehr positiv aus in Bezug auf die Gesamtgewinne (Waldbewirtschaf­ tung, Sachgüter, Dienstleistungen) vor und nach der Reorganisation. In Zahlen aus­ gedrückt, konnte durchschnittlich eine Stei­ gerung von 105 Prozent der Gesamtgewin­ ne ­ erreicht werden, der Spitzenreiter der unter­ suchten Gruppe erreichte gar eine Steigerung von 345 Prozent. Klar zum Vorschein – aber nicht monetari­ sierbar – kam auch die Bedeutung der soge­ nannten «Softfaktoren», welche eine Reor­ ganisation mit sich bringt. In den untersuchten Betrieben waren dies u. a. die Zufriedenheit der Mitarbeiter, die Möglich­ keit von Stellvertretungen, bessere Entwick­ lungs- und Aufstiegschancen für die Mitar­ beitenden sowie die Akzeptanz der Arbeit des Forstbetriebs in der Bevölkerung. Die zweite Periode der Programmverein­ barung von 2011– 2015 war wesentlich er­ folgreicher als die erste. Es wurden mehr Zusammenarbeitsprojekte gestartet und die Qualität der Projekte konnte dank guter ­interner und externer Beratung gesteigert werden. 5. Ausblick Der Bund hat, in Zusammenarbeit mit den Fachleuten der Kantone, seine Unter­ stützungspolitik in wichtigen Teilen weiterentwickelt. Nachdem 2008 – 2011 und

2012 – 2015 nur Betriebsfusionen unter­ stützt wurden, welche zudem eine Mindest­ menge an genutztem Holz aufweisen muss­ ten ( 10 000 m3 in der ersten NFA-Periode, 5000 m3 pro Jahr sowie eine positive Be­ triebsrechnung in der zweiten NFA-Perio­ de), liegt der Fokus für die neue Periode viel breiter. In der neuen Programmperiode gibt der Bund grundsätzlich nur das Ziel vor – die Optimierung der Bewirtschaftungs­ strukturen und -prozesse. Die Strategien und konkret zu treffenden Massnahmen müssen durch die Kantone in einem Kon­ zept festgelegt werden. Der Bund über­ nimmt einen fixen Teil der Kosten. Im ­Kanton Graubünden will das AWN den Fo­ kus auf die folgenden Punkte ausrichten: 1. Unterstützung von Betriebsfusionen und Begleitung während des gesamten Pro­ zesses (inkl. Coaching während der Um­ setzungsphase) 2. Unterstützung überbetrieblicher Zusam­ menarbeitsformen (ausserhalb von Fu­ sionen) 3. betriebswirtschaftliche Beratungen 4. Förderung der spezifischen betriebswirt­ schaftlichen Weiterbildungen

Forstliche Zusammenarbeitsprojekte ent­ stehen weiterhin mehrheitlich im Kielwas­ ser von Gemeindefusionen. Dort ist es zen­ tral, aus der vorgegebenen Ausgangslage den grösstmöglichen Nutzen zu ziehen. Ko­operationsprojekte ohne Gemeindefusi­ onen haben oft eine ganz andere Aus­ gangslage. Hier muss insbesondere darauf geachtet werden, dass die Zusammenar­ beit nicht nur kurzfristiger Art ist. Ein Optimierungspo­tenzial besteht auch inner­ halb von bestehenden Forstbetrieben, ohne dass es zu Ko­operationen kommen muss.

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Neben der Organisation des Betriebs spielt auch der Betriebsleiter eine zentrale Rolle für den Erfolg eines Forstbetriebs. Deshalb soll die Förderung der fachlichen Qualitäten im Programm stärker berücksichtigt werden. Den stetig wachsenden Anforderungen soll durch die Unterstützung einer zielgerichteten Beratung und Weiterbildung Rechnung getragen werden. Die neue Programmvereinbarung bietet eine grosse Chance, dem bereits 2008 gesteckten Ziel – der Verbesserung der Effizienz der einzelnen Betriebe und damit der gesamten Waldwirtschaft – näherzukommen.

(2012): Evaluation der Fördermassnahmen zur Strukturverbesserung der Forstbetrie­ be. ** Nikolaus Fankhauser (2014): Auswir­ kungen von Reorganisationen bei Forst­ betrieben. Erkenntnisse aus konkreten ­Beispielen im Kanton Graubünden. Bache­ lorarbeit Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften Zollikofen. Dominic Schilling Amt für Wald und Naturgefahren Loëstrasse 14, CH -7000 Chur

* W. Zimmermann, Professur Umweltpoli­ tik und Umweltökonomie, ETH Zürich

dominic.schilling@awn.gr.ch

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Vom Förster zum Betriebsleiter

Der Weg in die Sonne – von der einstig praktischen Arbeit als Forstwart bleibt für den Förster nicht mehr viel übrig als Betriebsleiter. (Bild: Sandro Krättli)

Alles ist im Umbruch – dauernd. Immer schneller folgen Anpassungen, Reorganisationen, Fusionen und Optimierungen. Auch im Forstbereich – oder gerade im Forstbereich. Ist der Förster noch ein Förster, gibt es noch «reine Förster-Tätige»? Warum wird man Förster und wie geht man mit dem Verlust des «romantischen Berufsbildes» um? Warum Förster? Meine Berufswahl war wohl wenig typisch, sicher nicht von romantischen Heimatfilmen oder Familientraditionen beeinflusst. Es war eher ein Zufall. Nach ein paar Jahren Kanti hatte ich genug von der Schule. Ich fühlte mich tagein, tagaus eingeschlossen, gelangweilt und ich suchte deshalb einen Berufsberater auf. Dieser lotste mich durch einige ­Eignungs- und Psychotests, um schlussendInteresse lich doch vor meinem breiten ­ (heute würde man es eher «un­dif­ferenziert» nennen) zu kapitulieren. Er schickte mich mit einem riesigen «Buch der Berufe» in ein kleines Kabäuschen ohne Tageslicht und gab mir den Auftrag, dieses zu lesen und alle Berufe, die mich interessierten, aufzulisten. «Da werde ich ja nie fertig!» Ich schlug das Buch irgendwo auf, links Forstwart, rechts Förster; las die Beschreibungen. Toll, draussen, vielseitig, Natur und Technik – das wäre doch was! Buch zu, Türe auf: «Ich weiss es jetzt!» Da half auch

sein dreiseitiger Brief an meine Eltern nichts und die wilden Gerüchte der Lehrer über die noch wilderen und raubeinigen «Waldmenschen» halfen sowieso nicht. Nach einer einwöchigen Schnupperlehre bei ­ schier -20 Grad Celsius im Scaläratobel verliess ich den «ordentlichen Bildungsweg» und stürzte mich in mein prophezeites «Verderben». Nach der Forstwartlehre tauschte ich die damals noch rein-grüne Berufsbekleidung durch die gemischt-grüne Staatsbekleidung, lernte viel über Baumaschinen sowie Führungsgrundsätze und ich lernte andere Forstwarte aus der Schweiz kennen, die von der Försterschule schwärmten. Ach ja, die zweite Seite im Buch! Warum nicht! Von meinem Lehrmeister wusste ich nicht viel, oder für was er alles zuständig war. Klar, er leitete die Forstgruppe, plante Holzschläge, zeichnete Holzschläge an, hat das geschlagene Holz gemessen, um es zu verkaufen, war in Kontakt mit den Behörden, kontrollierte meine Arbeitsbucheinträge. Schlecht schien mir der Beruf nicht zu sein. Vielseitige Tätigkeit, selbstständige Tageseinteilung – O. K., ich versuche es! Mehr Büro als Wald! Meine ersten Jahre als Förster waren so: frei, selbstständig, vielseitig, viel Kontakt mit Behörden, Waldbesitzern und Mitarbeitern und doch genug Zeit für die vorgege-

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benen Kontrollgänge, kaum administrative Vorgaben, zwei bis drei Tage im Jahr Forst­ statistik, basta! Doch die Selbstfinanzierung der Waldarbeit und damit die Freiheit gin­ gen allmählich verloren. Zwangsnutzungs­ abrechnungen, Betriebsabrechnungen, Be­ richte, Analysen, Projekte, Beitragsgesuche, Statistiken, Betriebsoptimierungen, Formu­ lare, PC und Natel beherrschten zuneh­ mend den Alltag der Förster. Aber auch die anderen Gemeindebereiche, wie z. B. der Werkdienst, veränderten sich. Aus vielen selbstständigen Nebenerwerbs­ jobs (Schneeräumung, Brunnenmeister, Strassenverantwortlicher etc.) wurden mit zunehmendem Aufwand Vollzeitstellen. Neue Aufgaben wie die Einführung von Kläranlagen forderten immer mehr Perso­ nal. Doch wer führt diese Leute? Der Förs­ ter kann das auch noch machen. Mit jedem Schritt wurde unser Job auf der einen Seite interessanter und vielseitiger – aber die Tage mit der Säge in der Hand gin­ gen zurück, die Arbeit in der Forstgruppe wurde seltener und die Büroarbeit immer dominanter. Material bestellen, Wochen­ programme ausdenken, Maschinenkataloge studieren, Vorstandssitzungen vorbereiten, Jahresberichte erstellen, Lernerfolgskon­ trollen, Mitarbeitergespräche, erboste Ein­ wohner beschwichtigen, Wetterprognosen ­studieren, Landschaftsqualitätskontrollen, Fachartikel lesen, Belege visieren, einen Öf­ fentlichkeitsanlass organisieren, Stellen aus­ . . . Wald? schreiben, Feuerbrandkontrolle  Ach ja der Wald. Morgen gehe ich wieder einmal auf einen Kontrollgang. Endlich ­wieder einmal in Ruhe meinen hoheitlichen Aufträgen nachgehen. O.K., dann halt ­wenigstens am Nachmittag. Während des einstündigen Abfahrens einer Waldstrasse klingelt dauernd das Telefon . .. Was ist schiefgelaufen? Will ich das so noch?

Der Förster als Betriebsleiter – Förster oder Betriebsleiter? Viele Berufe haben sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv verändert. Manchmal sind Veränderungen schleichend eingetre­ ten, manchmal durch eine Betriebsan­ passung sogar gewollt herbeiorganisiert worden. Entweder man geht mit der Zeit oder man geht, mit der Zeit! Was mir vor 30 Jahren an der Försterschule beigebracht wurde, deckt sich nur noch zum Teil mit dem, was ich heute brauche. Nicht weil die Försterschule damals schlecht war, sondern weil ich eigentlich nicht mehr als Förster tätig bin. Der Unterrichtsstoff in Betriebsführung beschränkte sich auf Perso­ nalrecht, BAR und Lehrlingsausbildung. Be­ triebsanalysen, -optimierungen, Führungs­ grundsätze, Selbstorganisation usw. waren kein Thema. Warum auch? «Weiterbildung» ist das Zauberwort! Der Forstmanagementlehrgang hat vieles «aus­ gebügelt», was mir zum Betriebsleiter noch fehlte. Optimaler Betrieb Und wie soll ein moderner Gemeinde­betrieb organisiert sein, damit er optimal geführt werden kann? Patentrezepte gibt es leider keine, dazu sind Aufgaben der Forstbetrie­ be und deren Nebenbetriebe zu unter­ schiedlich! Sicher? Wald ist Wald! Wasser­ versorgungen brauchen überall dieselben Kontrollen und eine Beerdigung wird über­ all in etwa gleich gemacht. Ob ich Holz pro­ duziere, einen Sportplatzrasen pflege oder Schuhe machen lasse, alles folgt immer glei­ chen Überlegungen und Grundsätzen. Kann ich zwölf Mitarbeiter alleine führen oder brauche ich Kadermitarbeiter? Welche Fähigkeiten haben diese und wie viel Kom­ petenzen gebe ich ihnen? Ist die Arbeit aus­ geglichen verteilt oder sind einige über- oder Bündner Wald 4/2015 11

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unterfordert? Sind Stellvertretungen organi­ siert, sind die Schnittstellen zwischen den Bereichen am richtigen «Ort» (geringste Schnittstellenkoordination erforderlich), wie behalte ich den Überblick und wo muss ich koordinierend eingreifen, und ist das eine Betriebsleiteraufgabe, die mir die meiste Zeit meines Tages «frisst» oder könnte das auch eine (viel «günstigere») Sekretärin machen? Das sind einige der wichtigen Fragen, die schlussendlich zum optimalen Betrieb und schliesslich zu Freude, Erfüllung und Erfolg in unserer neuen Tätigkeit führen. In diesem Sinne: Nutzt die Chancen bei den Fusionen und Umstrukturierungen, die euch bevorstehen oder initiiert eine «Nachbesse­ rung». Habt den Mut, auch auf Geliebtes

im Sinne der Entlastung oder Optimierung zu verzichten. Und denkt daran: Nur zufrie­ dene Betriebsleiter und zufriedenes Perso­ nal sind leistungsfähig und bleiben den Be­ trieben lange erhalten! Ich liebe es, Betriebsleiter in einem gut ­organisierten Betrieb zu sein (und ver­bringe viel Zeit im Wald: beim Reiten, beim Wan­ dern und beim Feierabendspaziergang mit Frau und Hund . . . Andi Weber Revierleiter, Gemeindebetriebe Crest Ault Postfach 108, CH-7402 Bonaduz andreas.weber@crestault.ch

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SELVA – Verband im Wandel Der romanische Name SELVA heisst Wald und steht nun seit bald 100 Jahren für den Verband des Bündner Waldwirtschaftsverbandes. Fast ein ganzes Jahrhundert liegt bereits hinter uns, seit die Bündner Forstgenossen 1919 den Meilenstein zur Gründung der SELVA legten, einem Zusammenschluss der Bündner Waldbesitzer und Holzproduzenten. Sechs Monate später nahm in Solothurn der Schweizerische Zentralverband ebenfalls seine Arbeit auf. Die ersten Jahre waren geprägt durch Umund Neustrukturierungsprozesse in der Wald- und Holzbranche. Mit der beginnenden Industrialisierung und Rationalisierung hielt der technische Fortschritt in der Waldbewirtschaftung Einzug. Die Bündner Waldund Holzbranche – und damit einhergehend auch die SELVA – untersteht ständig ändernden Rahmenbedingungen auf forstpolitischer wie ökonomischer Ebene, welche die Waldeigentümer – damals wie heute – vor grosse Herausforderungen stellen. «Verschnupftes Aschenbrödel der Waldwirtschaft» Als erster kantonaler Waldwirtschaftsverband der Schweiz setzte sich die SELVA bereits damals eigens für die speziellen Be­lange der Forstwirtschaft in den Bündner Gebirgswäldern ein. «Verschnupftes Aschen­brödel der gesamten Wirtschaft» wurde die Schwei­ zer Waldwirtschaft noch zu Beginn der 1920er-Jahre genannt. Der SELVA oblag in jener Zeit die verantwortungsvolle Aufgabe, das bis anhin eher schlechte Ansehen für den Bündner Teilsektor wieder zu stärken und durch eine gezielte Förderung des Holzabsatzes die gesamte Holz-Wertschöpfungs­ kette im Kanton zu optimieren. Die SELVA war somit eigentlich auch eine Vorgängerin unseres Dachverbandes GraubündenHOLZ, dessen Ziel die Erhöhung der Wert­schöpfung

in der Holzkette unter gleichzeitiger Mehrnutzung von Bündner Holz ist. «Selbsthilfegruppe der Waldeigentümer» hat Andi Florin, seines Zeichens Alt-Kantonsförster und langjähriger SELVA-Präsident, den Bündner Waldwirtschaftsverband vor einigen Jahren in einem BüWa-Intersa­ view genannt. Diese «Selbsthilfeorgani­ tion» vertrat die Interessen der Waldeigentümer und stand den Gemeinden als Be­ratungs­stelle zur Verfügung, so wie sie es heute noch tut. Die Entwicklungsgeschichte der SELVA wurde ständig vom Einfluss hoher Politiker geprägt, was schlussendlich zur aktuell guten politischen Vernetzung und dem damit gewährleisteten Informationsfluss zwischen Politik und SELVA geführt hat. «Nichts ist so beständig wie der Wandel» Aufgrund ihres sich verändernden Profils und der Abkehr vom Holzhandel hat die SELVA seit den 1990er-Jahren immer wieder ihre Statuten angepasst. Schliesslich verabschiedete sie sich auch vom Genossenschaftsgedanken und ist seither als moderner Verband tätig. Die SELVA vertritt als Waldwirtschaftsverband die Interessen ihrer Kollektiv- und Einzelmitglieder und fördert die Waldwirtschaft im Kanton Graubünden als Non-Profit-Organisation. Zu den Zielen und Aufgaben gehören die kantonale sowie die nationale politische Vertretung der Waldbesitzer, deren Beratung, Unterstützung und Ausbildung sowie die Bereitstellung von Informationen über forstliche Themen für die Allgemeinheit. Der Verband ist an der Trägerschaft der Zeitschrift «Bündner Wald» beteiligt und führt ihr Sekretariat. Ebenfalls ist die Interessensgemeinschaft Holzenergie Graubünden bei der SELVA angesiedelt. Auch die FSC-Zertifizierung für die Waldeigentümer in den Kantonen GrauBündner Wald 4/2015 13

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Zur Gewährleistung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung bedarf es einer kontinuierlichen Nutzung des nachwachsenden Rohstoffs Holz. (Bild: POST/LIGNUM)

bünden, Glarus und Wallis wird über die sichergestellt. Im MittelGruppe SELVA ­ punkt stehen ganz klar die Anliegen der Mitglieder, welche sich während der letzten 100 Jahre natürlich auch verändert haben. Der Mitgliederbestand der SELVA setzt sich momentan aus 50 Einzel- und 123 Kollektivmitgliedern zusammen. Der Rückgang der Kollektivmitglieder in den vergangenen Jahren ist eine Folge der intensiven Gemeindefusionen. Hinter der kleiner werdenden Anzahl an Waldbesitzern stehen aber immer grössere Waldeigentümer. Die gesamte Waldfläche, der an der SELVA angeschlossenen Mitglieder, an sich bleibt dabei gleich wie vorher. Wie die Waldfläche gleich gross bleibt, bleibt auch der entsprechende Aufwand. Die zur Verfügung stehenden Ressourcen an der Geschäftsstelle werden weiterhin entsprechend benötigt. Eine solide Finanzaufstellung des Verbandes ist dabei sehr wichtig. Nur allein mit den

Mitgliederbeiträgen könnten nicht so viele Aktivitäten und Projekte zugunsten der Bündner Wald- und Holzwirtschaft aus­ geführt werden. An dieser Stelle sei den Bündner Waldeigentümern für die grosse Solidarität gedankt, welche sich in ihrem jährlichen Beitrag an den Bündner Waldwirtschaftsfonds spiegelt. Die SELVA kann deshalb neben einem starken Vorstand nach wie vor auch auf eine starke Geschäftsstelle mit 210 Stellenprozenten zählen. Zudem kann diese jeweils auch einer jungen Bündnerin oder einem jungen Bündner eine spannende und vielseitige Lehrstelle bieten. Das vergangene Jahr war insbesondere für die Geschäftsstelle ein Jahr der grossen Veränderungen – die personellen Wechsel folgten Schlag auf Schlag. Die neuen SELVAMitarbeiter Urs Rutishauser (ab Februar 2014) und Amanda Feltscher (ab August 2014) konnten sich in der Zwischenzeit gut «akklimatisieren». Der Wechsel in der Ge-

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schäftsführung wurde ebenfalls im Herbst vollzogen. Nina Gansner löste Paul Barandun ab, welcher während der letzten 17 Jahre in unermüdlichem Einsatz für die Anliegen der Waldbesitzer kämpfte. Unter seiner Leitung hat sich die SELVA stark weiterentwickelt. An dieser Stelle sei ihm im Namen des Vor­ stands, der Geschäftsstelle und der Waldbe­ sitzer recht herzlich für sein Wirken gedankt. Und der nächste Wechsel steht auch schon bevor. Im Sommer 2015 wird die SELVALehrstelle neu besetzt und Marcel von Salis aus Malans wird seine KV-Lehre beginnen. Für die berufliche und private Zukunft von Sabrina Ammon, welche die SELVA nach Ablauf ihrer dreijährigen Ausbildung verlas­ sen wird, wünschen wir viel Erfolg und alles Gute. «Bündner Spezialitäten» Die Forstwirtschaft Graubündens weist in vielerlei Hinsicht eine Sonderstellung im Schweizer Durchschnitt auf. Mit einer Waldfläche von ca. 200 000 ha ist Graubün­ den nicht nur der grösste Waldkanton der Schweiz. Rund 60 Prozent seiner Waldflä­ che sind zudem Wälder mit besonderer Schutzfunktion, die vorrangig dem Schutz vor Naturgefahren und folglich direkt der Sicherung von Siedlungsgebieten und Infrastruktur­ anlagen dienen. Die Pflege dieser Wälder richtet sich nach speziellen Grund­ sätzen und Anforderungsprofilen, wobei der finanzielle Nutzen hier nur an zweiter Stelle stehen darf. Demnach ist die Gebirgswald­bewirtschaftung in ihrer Wirt­ schaftlichkeit häufig etwas eingeschränkt. Dieser Umstand stellt an die Bündner Waldund Holzwirtschaft spezielle Anforderun­ gen, wobei die SELVA heute wie in der Ver­ gangenheit immer wieder unterstützend mitwirkt, sei es beispielsweise bei der Um­ setzung und Entwicklung neuer Ideen oder

bei der Interessenswahrung, die sich im Zusammenhang mit der Gebirgswaldbe­ ­ wirtschaftung sowohl im Wald- als auch im Holzsektor ergeben. Zur Gewährleistung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung bedarf es einer kon­ tinuierlichen Nutzung des nachwachsenden Rohstoffs. Ein grosses Anliegen der SELVA war und ist es deshalb, für eine vermehrte Holzverwendung zu sorgen, was durch die Ankurbelung der bündnerischen Holzwirt­ schaft vorangetrieben werden kann und gleichzeitig die Wertschöpfung vor Ort hält. Neue Aufgaben und Verantwortlichkeiten Die Aufgaben und Verantwortlichkeiten der Waldeigentümer und der Revierförster ­haben sich während der letzten Jahre ent­ sprechend verändert. Durch die Reorganisa­ tion im Forstbereich konnten die Kompe­ tenzen der Revierleiter neu geregelt und sinnvoll ergänzt werden. Mehr Kompeten­ zen bedeuten aber auch mehr Verant­ wortung. Es bedeutet zudem, dass man die politischen Instanzen und die Bevölkerung über die Arbeiten im Forstbereich besser in­ formieren muss. Für die Zukunft werden aktive Information und Kommunikation über den Wald, über sämtliche Arbeiten und die Zusammenhänge im Forstbereich, zur zentralen Aufgabe der Betriebsleiter. Der Förster hat auf kommunaler Ebene eine wichtige Funktion und ist Bindeglied zwi­ schen politischer, strategischer und operati­ ver Ebene. Dabei hat sich die Wahr­nehmung der Waldanliegen in den vergangenen Jah­ ren stark geändert. Die Bedeutung des Wal­ des als Freizeit- und Erholungsraum hat ­extrem zugenommen. Dadurch haben sich auch die Erwartungen und Bedürfnisse an den Wald geändert. Eingriffe und Mass­nah­ men im Wald müssen immer öfters – gegen­ über der Allgemeinheit und den verschie­ Bündner Wald 4/2015 15

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densten Interessengruppen – erklärt und begründet werden. Diese Bedürfnisse und Anliegen müssen auf kommunaler, regionaler und kantonaler Ebene zwischen Forstdienst und Politik abgestimmt werden. Manchmal drängt sich die Frage auf, ob die Politik den Wald vor lauter Bäumen überhaupt erkennt? Unseren Politikern ist die Bedeutung des Waldes durchaus bewusst – das Verständnis für die Nutzung, vor allem für die Verarbeitung des Holzes sowie auch für die Anwendung des erneuerbaren Rohstoffes, fehlt aber manchmal doch. Und ­gerade deshalb steht die Intensivierung der Kommunikation zwischen der SELVA und ihren Mitgliedern wie auch gegenüber Politik, Verwaltung und Bevölkerung gross auf

der Agenda des Bündner Waldwirtschaftsverbandes.

Nina Ganser SELVA Bündner Waldwirtschaftsverband Bahnhofplatz 1, CH-7302 Landquart www.selva-gr.ch

Leo Thomann SELVA Bündner Waldwirtschaftsverband Bahnhofplatz 1, CH-7302 Landquart www.selva-gr.ch

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Der runde Tisch zum Thema «Neue Betriebe und Betriebsformen» Anlässlich der «Graubünden Wald»-Versammlung in St. Antönien lud der «Bündner Wald» zu einem runden Tisch zum aktuellen Schwerpunkt thema ein. Daran teilgenommen hat Mario Riatsch direkt nach seiner ersten Jahresversamm­ lung als Präsident von Graubünden Wald. Nach der Gemeindefusion in Scuol wird der Forstbereich neu und grossräumig organisiert. Neben seinem Überblick als Präsident des Vereins kann er direkt vom Umsetzungsprozess in der Gemeinde Scuol berichten. Ebenfalls teilgenommen hat Urs Fliri als neuer Betriebsleiter des Forst-/Werkbetriebs Albula, der per Januar 2015 seine operative Tätigkeit aufnahm. Somit steckt Urs mitten in der hoch spannenden Startphase und kann auf eine intensive Entstehungsphase zurückblicken. Der Betrieb wird übrigens ab Seite 27 vorgestellt. Christian Rüsch leitet zurzeit den Forstbetrieb Klosters und steckt mitten in einem Veränderungsprozess zu ­einem grossen Forstbetrieb fürs hintere Prättigau. Davor war er schon Revierförster in Obersaxen und Betriebsförster bei der OAK Schwyz, beim grössten nichtstaatlichen Waldbesitzer der Schweiz. Er nimmt ebenfalls am runden Tisch teil. Ebenfalls am Dialog zum Thema beteiligt war Heiri Mannhart, welcher vor dem Treffen schriftlich zu den Fragen Stellung nahm und so wichtige Inputs für die Diskussionsrunde lieferte. Heiri ist seit Anfang 2013 als Berater beim AWN angestellt und konnte in dieser Funktion schon verschiedene Projekte begleiten, wo es um betriebliche Veränderungsprozesse ging. Vor seiner jetzigen Tätigkeit war Heiri lange Revierförster und Betriebsleiter und konnte den preisgekrönten Betrieb Crestault aufbauen (mehr dazu auf Seite 6 im einleitenden Beitrag). Die Gesprächsrunde wurde geleitet von Sandro Krättli in der Funktion als «Bündner Wald»-

Redaktor und Mitglied der Spezialistengruppe Forstbetriebe des AWN. Das Gespräch fand am 29. Mai im Musikzimmer der Schule St. Antönien statt. Sandro: Eine direkte Frage zum Einstieg: Ist es wirklich so, dass sich die Aufgaben der Förster massiv ins Büro verlagert haben und ihr mehrheitlich mit administrativen Aufgaben absorbiert seid? Mario: Von der Gemeindefusion Scuol hoffe ich schon auf den Effekt der Spezialisierungen. Natürlich ist es nicht mehr die vielleicht romantische Tätigkeit des Försters, wie sie vielleicht in den Köpfen der Leute stattfindet. Wenn ein Förster stark in andere Gemeindeaufgaben eingebunden ist und beispielsweise in der Geschäftsleitung sitzt, kann ich mir gut vorstellen, dass die Arbeit sehr kopflastig und strategisch wird – man ist dann ein «kleiner» Manager. Urs: Wenn man zurückdenkt, hat sich der administrative Aufwand in diesem Sinne ­erhöht, wie auch mehr verlangt wird, Rechenschaft für einzelne Teilbereiche abzugeben. Die Grösse der Betriebe hat sicherlich auch einen Einfluss, wie gross der Büroanteil des Arbeitspensums ist. Christian: Dass der Revierförster das Geld verdient, wenn er mit der Motorsäge arbeitet – diese Zeiten sind ja schon lange vorbei. Grundsätzlich ist es schon aufgabenbezogen, wie hoch der Anteil an administrativen Aufgaben ist. Führungsarbeit hat immer auch mit Büroarbeit zu tun. Bei mir hat sich schon lange eingependelt, dass 50 % der Arbeit im Büro stattfindet und 50 % draussen. Je grösser aber ein Revier ist, desto mehr muss man schauen, dass einen die Büroarbeit nicht alle Zeit auffrisst. Bündner Wald 4/2015 17

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Mario Riatsch (links) und Urs Fliri (rechts) lauschen den Argumenten von Christian Rüch (nicht im Bild). (Bilder: Sandro Krättli)

Mario: Seht ihr aber auch die Chance, dass grosse Betriebe wieder dazu führen können, dass man sich wieder mehr auf gewisse Aufgabenbereiche konzentrieren kann und dadurch weniger verzettelt arbeiten muss? Christian: Bereits jetzt können wir in Klos­ ters diese Erfahrung machen, dass wir Auf­ gabenbereiche zusammengefasst und auf zwei Förster verteilt haben. Diesen positi­ ven Effekt von Spezialisierung sehen wir schon jetzt. Urs: Sicherlich wird man dann in diesen ­Bereichen auch effizienter, wenn man sich auf wenige Aufgaben beschränken kann, diese aber regelmässiger ausführt – dadurch steigt neben der Effizienz auch die Kompe­ tenz in einem Bereich. Sandro: Ist der Beruf Revierförster noch attraktiv? Oder anders gefragt, würdet ihr wieder den Weg einschlagen, den ihr gewählt habt? Mario: Bisher habe ich es sicherlich nicht be­ reut, Förster zu sein, auch wenn ich persön­ lich schon einschneidende Dinge innerhalb dieser Branche erlebt habe. Ich erhoffe mir von der Fusion aber wirklich, dass ich wieder

etwas mehr Luft habe für die schönen Tätig­ keiten des Försterberufes, sprich vermehrt auch wieder draussen zu sein. Schliesslich fühle ich mich immer noch als Praktiker und möchte dies auch leben. So möchte ich auch weiterhin einen direkten Bezug zu den Leu­ ten draussen im Wald behalten und als Seil­ kraninstruktor und leidenschaftlicher Seil­ bähnler hie und da beim Bau einer Seilbahn dabei sein. Christian: Der Försterberuf ist auf jeden Fall attraktiv – noch immer. Ich war es im­ mer gerne und bin es heute noch. Ich bin ja nicht der Förster, der in ein Revier kam und dort blieb bis zur Pension. Die Stellenwech­ sel waren Herausforderungen, die mich weitergebracht haben. Wäre ich jetzt noch­ mals jung, wüsste ich nicht, ob ich wieder Förster lernen würde – keine Ahnung. Auch die forstliche Bildungslandschaft hat sich ja verändert. Vielleicht würde ich nun die Be­ rufsmatura machen und ginge an die HAFL. Aber eben, ich bereue gar nichts und bin immer noch mit Leib und Seele Förster. Heiri: Der Försterberuf ist nach wie vor im­ mer noch attraktiv. Nur haben sich in den letzten Jahren seine Aufgaben geändert. Heute ist der Förster Betriebsmanager, Or­

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ganisator, Betriebsführer – und nicht mehr Einzelkämpfer. Urs: Das Spannende heutzutage ist aus meiner Sicht, dass man auch die Möglich­ keit hat, in grösseren Betrieben zu funktio­ nieren und auch weitreichende Punkte zu managen. Man ist trotzdem noch in der Natur draussen. Man setzt sich mit dem Wald und in unserem Kanton noch beson­ ders mit Naturgefahren auseinander. Un­ sere Tätigkeiten sind extrem vielseitig und spannend. Ich finde es genauso spannend und fordernd, mit den Behörden zusam­ menzuarbeiten. Bereuen tue ich auch nichts und würde wohl einen ähnlichen oder den gleichen Weg einschlagen. Mein Werde­ gang entschied sich wohl wegen eines Grundinteresses am Wald oder an der Landschaft. Sandro: Eine Tendenz bestätigt sich aus meiner Sicht, dass Revierförster zuneh­ mend nicht mehr Generalisten sind – sie werden zu Teamplayern. Meine Erfahrung zur Teamarbeit aus der Tätigkeit beim AWN Region 1 ist nur positiv. Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder sind Förster gar nicht für Teamarbeit geeignet? Heiri: Aus meiner Erfahrung kann ich deine Wahrnehmung voll bestätigen. Ich durfte als Einzelkämpfer einige Jahre wirken – in den letzten Jahren auch als Teamplayer! Die Vorteile, in einem Team zu arbeiten, überwiegen um ein Vielfaches! (Stellver­ tretungen, Verantwortung, Gedankenaus­ tausch usw.). Christian: Ich habe dem nichts beizufügen, ausser dass ich voll davon überzeugt bin, dass wir Förster dies auch können – also sind wir auch zur Teamarbeit fähig.

Urs: Ich glaube, die Förster haben sich längst mit dem auseinandergesetzt und können dies auch gut umsetzen und leben. Vielleicht muss nun einfach noch die Bevölkerung die­ se Vorzüge kennenlernen und akzeptieren. Gerade in unserem neuen Betrieb Albula merken wir dies schon. Die Leute fragen nach, wieso jetzt diese Person erscheint und nicht mehr der «altbekannte» Förster von früher. Ich glaube aber, wenn man dies er­ klärt, braucht es nicht lange, bis es die Leute sehen und gar die Vorzüge erkennen. Mario: In unserem Alter können wir uns hier sicher gut anpassen. Vielleicht ist es schwieriger, wenn man kurz vor der Pension noch eine solche Anpassung umsetzen muss. Da verstehe ich auch, dass es schwie­ riger wird, wenn man zum Beispiel 35 Jahre anders funktioniert hat. Sandro: Gerade heute hat mir Josias Flury – Alt-Kreisförster aus Schiers – mitgeteilt, dass für ihn die letzten Jahre beim Amt für Wald die schönsten waren, als er eingebet­ tet in ein Team war. Christian: Interessanterweise hat heute Do­ menic Bandli zu mir etwas Ähnliches gesagt. Somit scheint es auch kurz vor der Pension eine Bereicherung zu sein, wenn man eine positive Grundhaltung dazu hat. Mario: Ich habe beim Reorganisationspro­ zess ähnliche Erfahrungen gemacht. Die Leute sind unterschiedlich und haben viel­ leicht auch schon unterschiedliche Erfahrun­ gen gemacht. Ich denke, gute Dinge brau­ chen die nötige Zeit. Dies ist auch richtig so. Sandro: Neue und grössere Forstbetriebe entstehen oft im Sog von Gemeindefu­ sionen. Nicht immer ein einfacher Prozess. Bündner Wald 4/2015 19

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Was sind eure Erfahrungen aus solchen Neuorganisationen, die aus Gemeindefu­ sionen entstanden sind? Urs: Also in unserem Fall muss man sagen, die ersten Anstösse für eine forstliche Zu­ sammenarbeit wurden bereits vor zehn Jah­ ren getätigt, also vor meiner Zeit. Immer wieder wurden solche Ideen aus politischen Gründen zurückgestellt. Nun gab es zwar noch kleinere Verzögerungen wegen poli­ tischer Fusionen, grundsätzlich kann man aber sagen: Eine Lösung kann noch so gut sein, wenn die politische Stimmung noch nicht dazu passt, ist es unmöglich, solche Ideen umzusetzen. Aktuell, also wo die po­ litischen Weichen gestellt sind, ist es fast am anspruchsvollsten, gegen unten die Leute bei Laune zu behalten. Sprich, die Ange­ stellten zu motivieren und ihnen nahezule­ gen, was die Vorteile der neuen Organisa­ tion sind. Wir Revierförster stehen ja nahe bei den ­politischen Entscheidungsträgern – aber gegen unten ist es oft eine anspruchs­ volle Kommunikation. Schliesslich soll man diese Leute auch langfristig als Team zu­ sammenschweissen. Mario: Forstlich sind wir sicherlich auch an­ deren Bereichen einen Schritt voraus, weil wir mit Heiri Mannhart einen kompetenten Begleiter beiziehen können, der eine wert­ volle Aussensicht einbringen kann. In an­ deren Bereichen fehlt dies, wo betroffene Personen oft völlig auf sich alleine gestellt Lösungen entwickeln müssen. Für uns wa­ ren konstruktive Impulse von aussen immer wichtig. Sandro: Die Erkenntnis, dass Aussensichten wichtig sind für einen Prozess der Reorga­ nisation, scheint ihr bestätigen zu können. Wie schätzt ihr es ein: Ist besonders eine

fachliche Aussensicht gefragt, oder sind auch Qualitäten für andere Aspekte ge­ fragt? Zum Beispiel im Zwischenmenschli­ chen oder für Teambildungsphasen etc., die nicht direkt fachlich behaftet sind? Christian: Heute kann man sich auf vielen Ebenen weiterbilden und gerade für solche Veränderungsprozesse das nötige Fachwis­ sen abholen. Aber gerade die weichen Fak­ toren wurden auch bei unserem Projekt an­ fangs unterschätzt, und wir waren froh, dass wir externe Unterstützung erhielten. Gewisse Dinge kann man selbst lösen, wenn man ein gewisses Fingerspitzengefühl hat. Für andere Punkte ist es aus meiner Sicht unumgänglich, eine Aussensicht einzuholen – oft ist man schlichtweg auch blind, wenn man selbst mittendrin steckt. Daran sind wir als Branche wohl auch noch nicht so ge­ wöhnt. Eine Supervision ist zum Beispiel in der Bildungsbranche gang und gäbe. Urs: Bei Politikern oder politischen Prozes­ sen bin ich der Meinung, dass man auch mit externer Aussensicht nicht viel auslösen kann. Anders sehe ich es, wenn man mitten im Prozess steht. Hier haben uns auch Leute mit kleinen Hinweisen und wenig zeitlichem Aufwand auf Punkte hingewiesen, welche für die Lösungsfindung entscheidend wa­ ren. Christian: Ich möchte dir widersprechen. Meine Erfahrung zeigt, dass gerade bei grossen Projekten auch auf politischer Ebe­ ne viel ausgelöst werden kann, wenn man richtig aufklärt und vielleicht gewisse Ängste richtig ortet und beheben kann. Mario: Für meine Region bin ich weiterhin der Meinung, dass es zuerst die politische Fusion braucht – auch wenn ihr vielleicht

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andere Erfahrungen gemacht habt. Gerade das Beispiel Macun zeigt mir, dass es halt sehr unglücklich verlaufen kann – nach acht Jahren wurde ein funktionierendes Gebilde wieder in der Mitte getrennt. Es braucht nur eine politische Richtungsänderung, und al­ les was aufgebaut wurde, ist bei einem Zweckverband sofort wieder infrage ge­ stellt. Ich bin froh, haben wir im Unteren­ gadin diesen politischen Schritt der Gemein­ defusion abgewartet. Christian: Dies ist sicher so. Eine Gemein­ defusion ist viel die bessere Basis für einen neuen Forstbetrieb, denn man bewegt sich innerhalb einer sicheren Grenze. Urs: Ich denke aber, dass die vorhandenen Strukturperimeter schon eine gewisse ­Sicherheit geben können – auch wenn dies nicht absolut ist. Beim Beispiel Albulatal aber gehe ich davon aus, dass langfristig diese angedachte Talfusion kommt, und wir auch den Forstbetrieb mit den richtigen Di­ mensionen geplant haben. Würde man aus­ schliesslich nur auf Gemeindefusionen war­ ten, wäre man wohl in gewissen Teilen des Kantons zu lange forstlich blockiert. Wichtig scheint mir, dass man nicht über solche För­ derperimeter hinaus plant. Sandro: Grundsätzlich muss man wohl vor­ ausschauend handeln, was sich sonst regio­ nal entwickelt. Würde man den Fokus nur forstlich halten, könnte es wohl schnell ­geschehen, dass man Strukturen schafft, die langfristig nicht in eine Region passen. Anhaltspunkte können andere öffentliche ­ ­Bereiche wie Schulen, Feuerwehr oder Tou­ rismusregionen sein. Urs: Vielleicht spielen gerade hier bei Politi­ kern die bereits erwähnten weichen Fak­

toren, und man sagt, dass man sich viel­ leicht vor einer Gemeindefusion anderen Bereichen annähert, um auch übergeordne­ te Prozesse voranzutreiben. Sandro: Wo ortet ihr grundsätzlich noch das grösste Optimierungspotenzial für die Forstbetriebe in Graubünden? Heiri: Optimaler Maschinen- und Fahrzeug­ park für die einzelnen Betriebe (beispielswei­ se werden momentan in den drei neu ent­ standenen Gemeinden Valsot, Scuol und Zernez ­ Forstmaschinengemeinschaften ge­ prüft, und die gesamte Nutzungsmenge von ca. 32 000 Tfm bis ca. 16 000 Tfm wird künf­ tig durch Regiegruppen ausgeführt). Urs: Für die Betriebsleitungen müssen zwin­ gend die Führungsinstrumente zur Verfü­ gung stehen. Mario: Das eine ist der administrative ­ ereich, wie es Urs beschreibt, das andere ist B die restliche Betriebsinfrastruktur, wie sie Heiri erwähnt. Wir richten nun teilweise wirklich beachtliche Betriebe ein, aber die Betriebsmittel haben oft einen veralteten Stand. Viele besitzen eine oft veraltete ­konventionelle Seilbahn oder längst abge­ schriebene Forsttraktoren. Mittelfristig ge­ hört ­sicherlich auch dazu, dass man diese Betriebe der Grösse entsprechend einrichtet. Dies hat beispielsweise mich motiviert. Wir versuchen, einen modernen Kippmast anzu­ schaffen. Dies macht es einfacher, das neue ­Gebilde auch gegen unten zu verkaufen, die Leute an der Basis zu motivieren und die Vorteile zu sehen. So können wir auch at­ traktive Lehrstellen erhalten oder neu schaf­ fen. Ich bin nämlich überzeugt, dass es für eine starke Branche gute Regiegruppen und gute Forstunternehmungen braucht. Bündner Wald 4/2015 21

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Christian: Das grösste Optimierungspo­ tenzial im Kanton Graubünden liegt aus meiner Sicht bei den Besitzerstrukturen. Wobei es hier ja mit den Gemeindefusionen vorangeht. Weiter brauchen wir Be­ triebsleiter und Revierförster, die in diesen neu geschaffenen Strukturen funktionieren können und auch einen offenen Geist dafür haben. Das Weiterbildungsangebot für Förs­ ter ist vorhanden. Dies betrifft dann aber auch die nächste Stufe. Vorarbeiter und Forstwarte müssen auf diese neuen Forstbetriebe und Aufgaben vorbereitet werden. So braucht es beispielsweise Seil­ kraneinsatzleiter. Zusammengefasst liegt für mich ein Verbesserungspotenzial dort, wo man Leute auch für die neuen Aufgaben ausbilden kann, die sie wahrnehmen sollen. Die Aussagen von Heiri und Mario unter­ stütze ich. Ein angemessener Maschinen­ park muss voll ausgelastet sein. Um dies zu einheiten erreichen, sind grössere Betriebs­ notwendig. Nur wenn man diese Strukturen schafft, kann man aus eigenem Antrieb auch eigenes Wissen einbringen und Kern­ kompetenzen aufbauen. Die Erarbeitung von Feinerschliessungskonzepten ist zeitin­ tensiv und braucht fundiertes Wissen zu den Holzernteverfahren. Das ist aus meiner Sicht eine Kernkompetenz, die vom Revier­ Vor- und Nachteile von kombinierten Forst- und Werkbetrieben boten besonders Stoff für Diskussionen – was stärkt die Branche langfristig?

förster ausgeführt werden soll. Das Feiner­ schliessungskonzept hat schlussendlich ei­ nen direkten Einfluss auf den Waldbau. Diesen Einfluss sollte man als Betrieb nicht aus der Hand geben. Sandro: Ich persönlich teile diese Meinung. Ihr vertretet nun klar eine Stärkung der Forstbetriebe mit ihren Regiegruppen. Es gibt aber durchaus auch andere Tendenzen, wo Forstunternehmer solche von euch skizzierten Aufgaben wahrnehmen und teilweise mit Druck auf Waldeigentümer einfordern. Somit gibt es aus meiner Sicht durchaus das Modell, dass vermehrt Forst­ unternehmer Aufgaben wahrnehmen, wel­ che ihr bei den Forstbetrieben ansiedelt. Oder sehe ich dies falsch? Urs: Gerade in meinem Betrieb ist die Regiegruppe klein gehalten worden, dies ­ sind aber auch Strukturen, die über Jahr­ zehnte gewachsen sind und heute auch gut funktionieren. Bei den reinen Försterarbei­ ten bin ich aber schon dezidiert der Mei­ nung, dass diese beim Förster bleiben müs­ sen, sprich Feinerschliessungskonzept oder Seillinien anzeichnen. Schlussendlich verfol­ gen die Forstunternehmer rein wirtschaft­ liche Interessen, was auch in ihrer Position legitim ist. Jeder wird hier die eigene Unter­ nehmung in den Vordergrund stellen und nicht Fragen zum Waldbau oder der betrof­ fenen Waldfunktion priorisieren – deswegen müssen wir dies klar – als Vertreter des Waldeigentümers – in der Hand behalten. Ich sehe dies als Kernaufgabe mit öffentli­ chem Auftrag. Sandro: Schweizweit oder gar europaweit ist ein klarer Trend zu reinen und grossen Forstbetrieben feststellbar. In Graubünden entstehen zurzeit viele kombinierte Be­

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triebe aus Forst und Werk. Wie steht ihr dazu?

der Förster muss sich auf die Führungsstruk­ tur für den Wald konzentrieren können.

Heiri: In Graubünden sind die Besitzstruk­ turen etwas anders. Forst , Werk und Lie­ genschaften gehören demselben Eigentü­ mer. Der Eigentümer möchte eine Lösung mit einem Betrieb unter einer Führung!

Mario: Dann meint ihr aber, der Betriebslei­ ter müsse auch in der Geschäftsleitung einer Gemeinde sitzen, um dort die Waldanliegen zu vertreten? Ich beispielsweise bin der technischen Leitung bzw. der Direktion un­ terstellt.

Urs: Wir sind so gesehen auch ein kom­ binierter Betrieb, wobei wir nur für zwei ­Gemeinden den Werkdienst abdecken. Ich sehe dies als Zwischenschritt für die Auslas­ tung in der Anfangsphase, weil wir nicht einfach alle Leute in den Forstbetrieb neh­ men konnten. Wenn man die Entwicklung anschaut und die Zielgrössen der modernen Forstbetriebe erreicht, finde ich schon, dass man sich mittelfristig auf die Kernkompe­ tenzen auslegen sollte. Dies meine ich vor allem auf Betriebsleiterebene. Ob das Perso­ nal in den gewissen Teilbereichen eingesetzt werden soll, kann sicherlich teilweise Sinn machen. Aber eben; die Betriebsleitung soll­ te sich für den Forstbereich einsetzen kön­ nen, vor allem wenn wir eine starke Forst­ branche sein wollen! Werkbetriebe in jenen Dimensionen zu führen, wie wir sie forstlich umsetzen, fordert auch viel ab – dafür sind wir vielleicht gar nicht mehr die richtigen. Christian: Ich sehe es gleich wie Urs und Sandro. Ich bin sicherlich ein Verfechter der grossen Forstbetriebe. Gerade wenn wir kompetente Forstbetriebsleiter und ein star­ ke Branche wollen. Nach langjähriger Tätig­ keit als Betriebsleiter in einem Werk-/Forst­ betrieb, genoss ich es sehr, als ich bei der OAK im Kanton Schwyz nur für den Wald arbeiten konnte. Dies ist nun auch in Klosters so. Ich sehe aber auch, dass es für das Forst­ personal ein Vorteil sein kann, wenn es auch im Werkbetrieb eingesetzt wird. Ich meine,

Christian: Ich finde, der Förster muss nicht zwingend in der Geschäftsleitung oder der Direktion der Gemeinde sein. Der Förster sollte – wie bereits erwähnt – der Betriebs­ leiter sein und der Wald eine solche Bedeu­ tung haben, dass ihm ein einzelner Bereich im Konstrukt zugeschrieben wird. Somit ANZEIGE

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müsste dann der Betriebsleiter der Bereichs­ leiter Wald sein. Mario: Bei unserer Grösse ist klar, dass wir nur für den Wald zuständig sind. Dies wür­ de dann dem von Christian beschriebenen entsprechen. Heiri: Es kann auch Vorteile mit sich brin­ gen, wenn der Förster nicht in einer Ge­ schäftsleitung sitzt und sich mit allgemeinen Gemeindeproblemen befassen und ausei­ nandersetzen muss. So hat er viel mehr Zeit für die Waldangelegenheiten. Sehr wichtig ist vielmehr, dass der Betriebsleiter eine ­Führungspersönlichkeit ist, die Anregungen vom Forst wahrnimmt und in einer GL auch weitergibt. Urs: Ich denke, es ist zwingend, sich in die­ sen grossen Gebilden als Förster wirklich für den Wald einsetzen zu können. Wenn noch Bereiche wie Liegenschaften oder Wert­ dienst dazukämen, würde es den Karren überladen. Wahrscheinlich ist es auch ein Modell, das sich noch etablieren muss. Sandro: Verlassen wir den Fokus vom Innern des Forstbetriebes und richten ihn auf dessen Umfeld. Das wiederholte Sägewerk-Grounding in Domat/Ems hat die Branche sicherlich negativ tuschiert. Wie schätzt ihr diese Auswirkungen für die Branche ein? Weiter befinden wir uns mit den tiefen Holzpreisen in einer zusätzlich ungünstigen Lage: Was seht ihr für Stossrichtungen, um an der ungemütlichen Situation etwas zu ändern, oder wie kann man ihr zumindest optimal begegnen? Gibt es Rezepte aus der Vergangenheit? Urs: Durch dieses Grounding sind wir wie­ der ein Exportland und daher wieder ­direkt

vom Eurokurs abhängig. Dieser Situation zu begegnen, ist sicherlich nicht einfach. Wir können die Pflege optimieren – aber sicher nicht auslassen. Würde dies die Stra­ tegie sein, könnte dies unserer Glaubwür­ digkeit bezüglich Schutzwaldpflege scha­ den. Wir haben in den vergangenen Jahren sehr viel investiert, dies offensiv zu kom­ munizieren, wie wichtig die Schutzwald­ pflege eben ist. Christian: Das Sägewerk-Grounding heisst halt wirklich zwei Schritte zurück, wie es Urs schon gesagt hat. Wir müssen jenen Spiel­ raum nutzen, den wir mit Arbeiten haben, die weniger holzertragslastig sind. Dies geht aber nicht über lange Zeit. Wie gesagt, wir dürfen die Schutzwaldpflege nicht vernach­ lässigen. Beim Wirtschaftswald kann man sicher etwas abwarten, bis wieder bessere Zeiten kommen. Wir kommen aber sicher­ lich auch nicht darum herum, das Arbeits­ volumen für Forstunternehmer zu drosseln. Die Zeiten sind härter für alle Beteiligten der Branche, die vom Holzpreis abhängig sind. Umso mehr muss aber vorhandenes Verbes­ serungspotenzial ausgenutzt werden – wie wir es bei den ersten Fragen schon disku­ tiert haben. Heiri: Ich würde mit der Holzernte sicher nicht massiv zurückfahren. Der Schutzwald muss weiter gepflegt sowie das Personal und die Unternehmer beschäftigt werden (Strukturen, Maschinen, Personal sind vor­ handen – können nicht eingefroren wer­ den). Irgendwann gehts sicher wieder auf­ wärts! Bis dann kostet die Dienstleistung im Wald die Öffentlichkeit ein paar Franken mehr (Öffentlichkeitsarbeit). Mario: Die Sache mit der Sägerei ist wirklich eine Katastrophe für unsere Branche. Es sind

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bestimmt auch Fehler gemacht worden. Nun kommen sie leider besonders zum Tragen. Ich würde nicht mal jemandem die Schuld geben. Kann man auch nicht – aber es wäre natürlich gerade in dieser Phase eine will­ kommene Entlastung. Bei der Schutzwald­ pflege sehe ich es gleich. Ich denke auch, die öffentliche Hand ist hier bereit, uns dabei unter die Arme zu greifen, schliesslich ist die Situation offensichtlich. Sandro: Zum Schluss, was denkt ihr? Wo stehen wir als Bündner Forstbranche in 15 Jahren? Wie ist eure Einschätzung? Heiri: Ich sehe noch 50 Forstbetriebe. 40 gemischte Betriebe Forst /Werk 80 % und 10 reine Forstbetriebe 20 %. Christian: Ich gehe auch davon aus, dass wir in 15 Jahren 50 bis 60 Gemeinden ha­ ben und die grossen Fusionsprozesse durch­ laufen sind. Mit diesen abgeschlossenen Gemeindefusionen wird die Anzahl der forstlichen Zweckverbände zurückgegan­ gen sein. In der Diskussion um kombinierte Forst-/Werkbetriebe oder reine Forstbetriebe sind für mich folgende Punkte wich­ tig: Ist die Betriebsführungsstruktur auf den Wald ausgerichtet? Kann sich die Be­ triebsleitung auf die forstlichen Kernaufga­ ben konzentrieren? Wenn die Forstgruppe Werkarbeiten ausführt, steht sie unter der Führung des Leiters Forstbetrieb oder Bau­ amt und wie hoch ist dieser Anteil an Werk­ arbeiten? Heiri: Gerade das Beispiel von Scuol bleibt für mich ein gemischter Forst-/Werkbetrieb, weil für mich die Führungslinie massgebend ist. Schliesslich stehen Forst und Werk unter derselben Leitung. Auch ist für mich weni­ ger entscheidend, ob der Förster nun in der

Geschäftsleitung sitzt oder nicht. Dann bleibt ja die Zusammenarbeit von Forst- und Werkgruppe. Speziell in Scuol sind gemäss % der Arbeiten der Leistungsauftrag 55  Forstgruppe im Werkdienst. Für mich ist ein reiner Forstbetrieb wirklich ein Betrieb, der sich zu mindestens 90 % mit Personal, Ma­ schinen und Fahrzeugen im Wald betätigt. Mario: Ob nun Scuol per Definition ein kombinierter Betrieb ist oder nicht (lacht), hoffe ich, dass ich in 15 Jahren immer noch motiviert Förster in einem grossen Betrieb bin, der gut funktioniert und sich auch posi­ tiv entwickelt hat. Der Forst soll ein wichti­ ger und selbststän­diger Teil sein, mit einer schlagkräftigen Regiegruppe und starken Unternehmern, die zufrieden am Wald an­ Bündner Wald 4/2015 25

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tizipieren. Vielleicht zusammengefasst, dass wir als Branchen generell gut leben können und nicht ständig ums Überleben kämpfen müssen. Urs: Ich denke auch, dass wir in 15 Jahren grössere Betriebe haben, die spezialisiert sind, was die Betriebsleitung anbelangt. Ich hoffe dabei auch ganz stark, dass Förster Betriebsleiter dieser Reviere sind. Für meinen Betrieb hoffe ich, die Einführung gelinge auf allen Ebenen ideal. SK: Es scheint Definitionssache zu sein, was nun ein eigentlicher Forstbetrieb ist und was ein kombinierter mit einem Werkdienst. Ich stelle aber fest, unsere Runde hier sieht

grundsätzlich eine sehr einheitliche Entwicklung zu gestärkten Forstbetrieben, die in einer Gemeinde eingegliedert sind und sich mindestens führungstechnisch mit einer eigenen Abteilung auf den Wald konzentrieren können. «Ich danke für die spannende und angeregte Runde!»

Sandro Krättli, Redaktor Bündner Wald Sagastägstr. 13, CH-7220 Schiers sandro.kraettli@awn.gr.ch

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Betriebskonzept Forst- und Werkbetrieb Albula Ausgangslage Bereits vor der Jahrtausendwende wurde über eine betriebliche Neuausrichtung im Raum Albulatal/Lenzerheide diskutiert; mal etwas intensiver, mal weniger intensiv, mal aufgrund einer Revierförstervakanz, mal aufgrund von politisch mehr oder weniger ernst gemeinten Fusionsbestrebungen. Insbesondere auf Initiative der zuständigen ­Revierförster wurden im November 2009 die Gemeinden Alvaschein, Brienz / Brinzauls, Surava, Tiefencastel, Alvaneu, Schmit­ten,­Filisur, Bergün, Mon, Stierva und Mutten eingeladen, Optimierungsmöglichkeiten beim Betrieb und der Verwaltung der Forstbetriebe zu erörtern und im Anschluss gebeten, aus Sicht des jeweiligen Gemeindevorstandes, dazu schriftlich Stellung zu nehmen. Zehn dieser Gemeinden erklärten sich in der Folge bereit, ein entsprechendes Projekt gemeinsam weiterzuverfolgen. Einmal mehr verzögerten Fusionsdiskussionen die forstbetrieblichen Bestrebungen, bis am 17. August 2010 die eigentliche Kick-off-Sitzung auf Initiative der Trägerschaft des Reviers Aus­serBelfort stattfand. Unter dem Titel «Organi­ sation Forstreviere Albulatal – zukünftige Organisation der Forst­ Ausrichtung bzw.  reviere im Albulatal» sollte die ZusammenarForst­ beit mit anderen Gemeinden bzw.  revieren geprüft werden, um Synergien für die Waldbewirtschaftung und  /  oder den Werk­dienst zu nutzen und zu intensivieren. Unter der Leitung des Waldfachchefs von Surava erarbeitete in der Folge eine Arbeitsgruppe bestehend aus den Waldfachverantwortlichen (mittlerweile noch verblieben waren die acht Gemeinden Alvaneu, Alvaschein, Bergün, Brienz/Brinzauls, Filisur, Schmitten, Surava und Tiefencastel), den zuständigen Revierförstern, dem Forstbetriebsspezialisten des Amtes für Wald und Naturgefahren und unter Mitwirkung der

HTW Chur ein Betriebskonzept und Statuten für einen Gemeindeverband «Forstund Werkbetrieb Albula». Beides wurde im Frühling 2012 den Gemeindevorständen vorgelegt. Mit Ausnahmen von Brienz/Brinzauls wurden die Statuten von den Gemeinden und am 18. Dezember 2012 schliesslich von der Regierung genehmigt. Die operative Inbetriebnahme des neuen Forst- und Werkbetriebs Albula verzögerte sich aufgrund von neuen Gemeindefusionsprojekten im Jahr 2014. So fusionierten die Gemeinden Alvaneu, Alvaschein, Bri/Brinzauls, Mon, Stierva, Surava und enz  Tiefencastel per 1.1. 2015 zur neuen Gemeinde Albula  /Alvra. Damit vergrössert sich der forstliche Perimeter des Forst- und Werkbetriebs Albula um die ehemaligen /  Brinzauls, Mon und Gemeinden Brienz  Stierva. Zudem konnte die Gemeinde Mutten vorerst befristet mit einer Leistungsvereinbarung an den neuen Betrieb gebunden werden. Am 17. Februar 2015 genehmigte die Re­ gierung die revidierten Statuten. Mitgliedgemeinden sind nunmehr die Gemeinden Albula/Alvra, Bergün/Bravuogn, Filisur und Schmitten. Der Betrieb wurde operativ am 1.1. 2015 aufgenommen. Strategie und Zweck Aus strategischer Sicht verfolgt der neue Forst- und Werkbetrieb Albulatal den Zweck, mit einer gemeinsamen Organisa­ tion kostengünstig hochstehende Forstdienstleistungen zu erbringen und dabei die Zusammenarbeit mit Forstunternehmen zu intensivieren. Gleichzeitig sollen Synergien im Bereich der Werkdienste genutzt und der «Service ­public» qualitativ verbessert werden (inklusive Entlastung Fachvorsteher). Des Weiteren wird mit der neuen Organisation das Ziel verfolgt, den Gemeinden spezialisiertes Bündner Wald 4/2015 27

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Forstwerk-Know-how zur Verfügung zu stellen und die Professionalisierung (inklusive Führung, Qualitätssicherung, Entlastung der Gemeindevorstandsmitglieder) zu stärken. Dies soll durch ein Zusammenführen der Betriebs­ mittel und Aufträge sowie einen ­optimalen Mitteleinsatz die personelle und maschinelle Auslastung erhöhen und Auslastungsspitzen ausgleichen. Dadurch können qualifizierte Arbeitsplätze in der Region Albula ge­schaffen respektive gesichert (inklusive Lehrstellen) und zugleich die Stellung der einzelnen Wald­ eigentümer (politische Gemeinden, Bürger­ge­meinden) auf dem Holzmarkt verbessert werden. Dazu ist es notwendig, die Infrastruktur nachhaltig (finanziell, funktional) zu unterhalten. Eckwerte des Betriebskonzepts Das Betriebskonzept für einen gemein­ samen Forst- und Werkbetrieb der Gemeinden Albula/Alvra, Bergün/Bravuogn, Filisur und Schmitten beinhaltet folgende Eck­ werte: – Der Forst- und Werkbetrieb wird in einem Gemeindeverband geführt. Dessen Mitglieder sind die vier Gemeinden. Sie sind mit je einem Delegierten in der Delegiertenversammlung vertreten. – Das strategische Steuerungs- und Kontrollorgan bildet der Vorstand. Dieser besteht aus vier Vorstandsmitgliedern. Jede Gemeinde stellt mit dem/der Waldfachchef/in ein Vorstandsmitglied. – Beschlussfassung: Sowohl die Delegiertenversammlung als auch der Vorstand fassen ihre Beschlüsse mit einer einfachen Mehrheit. Sie sind beschlussfähig, sofern alle Gemeinden vertreten sind. – Stimmenverhältnis: Die Stimmkraft der Delegierten beruht auf einem fixen Verteilschlüssel. Dieser Verteilschlüssel be-

stimmt die Stimmenanteile der Gemeinden und wird auch für die Erfolgsver­teilung im Gemeindeverband angewandt. Im Vorstand besitzt jedes Mitglied eine Stimme (ohne Gewichtung). – Der Forst- und Werkbetrieb führt im Auftrag der Gemeinden die forstlichen und (ausgewählten) werkdienstlichen Arbeiten aus. Ein Betriebsleiter ist für die Führung verantwortlich. – Die Gemeinden stellen dem Gemeindeverband den Wald zur Nutzung und Pflege sowie die Infrastrukturanlagen, ­soweit betrieblich zweckmässig, zur Verfügung. Eigentümer bleiben die Gemeinden. Zudem bringen die Gemeinden die vorhandenen und zweckmässigen Forstmaschinen, Fahrzeuge, Werkzeuge etc. in den Gemeindeverband ein. – In der Jahresplanung legt jede Gemeinde zusammen mit dem Betriebsleiter bzw. verantwortlichen Bereichsleiter jährlich die auszuführenden Arbeiten im jeweiligen Gemeindegebiet fest. Auch bestimmen die Gemeinden, welche werkdienstlichen Arbeiten vom Gemeindeverband übernommen werden sollen. Damit bleibt die Gemeindeautonomie grösstmöglich gewahrt. – Allerdings lassen sich Synergien zwischen Forst- und Werkdienst nur er­ zielen, wenn möglichst viele werkdienstliche Arbeiten an den Gemeindeverband abgetreten werden. Dies sichert eine gute Auslastung. – Die heutigen forstlichen Mitarbeiter/innen in den Gemeinden sollen vom Gemeindeverband übernommen werden. Zusätzlich werden die Mitarbeiter/innen der beteiligten Gemeindewerkbetriebe übernommen (aktuell Bergün/Bravuogn und Filisur). Die Anstellungs- und Arbeitsbedingungen werden vereinheitlicht.

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– Die Gemeinden erhalten als Entschädigung für die Forstarbeiten den Betriebserfolg. Davon erhält jede Gemeinde einen Anteil nach einem fixen Verteil­ schlüssel basierend auf Hiebsatz und Waldfläche. Der Werkbetrieb wird finanziell eigenständig und kostendeckend geführt. – Der Forst- und Werkbetrieb sieht sich nicht als direkte Konkurrenz zur Privatwirtschaft. Vielmehr soll die Zusammenarbeit gefördert werden. – Der Forst- und Werkbetrieb nutzt die heute vorhandene und zweckmässige Infrastruktur und Standorte. Investitionen sind keine geplant. Der Gemeindeverband tritt grundsätzlich nie als Bauherr auf. Aufbauorganisation und Struktur Die Aufbauorganisation kennzeichnet folgende Eckwerte:

– Führungsmodell: Der Betriebsleiter trägt die Gesamtverantwortung sowohl für den Forst- als auch für den Werkdienst. Er vertritt die Betriebsorganisation gegen aussen. – Ansprechpartner für Gemeinden: Für jede Gemeinde und die Bevölkerung besteht ein Ansprechpartner. Dies ist für forstliche Anliegen der jeweilige Leiter Grüner Bereich und für werkdienstliche Anliegen der Leiter Werkdienste. – Betriebsleiter: Dem Betriebsleiter obliegt die Gesamtführung des Forst- und Werkbetriebs. Er ist zugleich Revierleiter. Er sorgt dafür, dass die forstlichen Arbeiten gemäss kantonalen Ausführungsbe­stim­ mungen und die werkdienstlichen ­Aufträge der Gemeinden ausgeführt ­ ­­ werden. Er ist für die Umsetzung der Beschlüsse des Vorstands verantwortlich. Zudem übernimmt er die Leitung im forstlichen Bauwesen.

Betriebsorganisation «Forst- und Werkbetrieb Albulatal» (Bild: Curdin Derungs, HTW)

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Forstrevier Albula. (Bild: AWN)

Dem Betriebsleiter sind vier Bereichs­ leiter unterstellt. Der Betriebsleiter über­ nimmt übergeordnet folgende Ressorts: Buchführung, Kontakt zur Behörde, Be­ schaffung und Unterhalt der Infrastruk­ tur (Betrieb), Maschinen und Privatwald. – Bereichsleitern (Grün[Forst]/Werkdiens­ te): Die Bereichsleiter Grün respektive die Revierförster und der Bereichsleiter Werkdienste tragen die Verantwortung für die sachgemässe Ausführung der übertragenen Arbeiten und Aufträge. Je­ der Bereichsleiter übernimmt im Sinne von ­Spezialaufgaben einzelne Ressorts. – Leiter Grüner Bereich (für je ein Teil­ gebiet): 1. und 2. Holzproduktionsstufe. – Leiter Werkdienste (forstliches Bauwe­ sen und Projekte und Personaleinsatz [in Zusammenarbeit mit dem Betriebslei­ ­ ter]): Projekte (Erschliessung und Schutz­ bauten, eventuell Aufforstungen), Unterhalt forstliche Infrastrukturen, Kont­ rolle und ­Unterhalt der forstlichen Infra­ strukturen, ­Naturgefahrenbeauftragter, Forstschutz; Werkdienste (gemäss Auf­ gabenkatalog technische Betriebe):

Strassen und Verkehr, Wasser, Abwasser­ netz, eventuell ARA, Liegenschaften etc. – Sekretariat: eine Gemeindeverwaltung, die Finanz- und Sekretariatsarbeiten im Mandatsverhältnis für den Gemeinde­ verband übernimmt. Diese ist je nach Kapazitäten der beteiligten Gemeinden noch zu bestimmen. – Bestand an Mitarbeiter/innen: Aufgrund der Zielsetzungen des vorliegenden Be­ triebskonzepts ergibt sich für den F­ orstund Werkbetrieb Albulatal ein Perso­ nalbestand von 17, 5 Vollzeitstellen in Abhängigkeit der Aufgaben. Darin ent­ halten sind zwei neue Lehrstellen. Finanzielle Situation der Forst- und Werkbetriebe heute Unter den getroffenen Annahmen ergibt sich aus den Modellrechnungen für den Forst- und Werkbetrieb Albulatal durch­ schnittlich ein Betriebsgewinn. Ein direkter Vergleich mit den Betriebsergebnissen der einzelnen Forst- und Werkbetriebe der Ge­ meinden für die letzten Jahre ist nicht mög­ lich. Erstens besteht keine einheitliche

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Verbuchungs­praxis in den Gemeinden (interne Verrechnung) und zweitens ist insbesondere die Abgrenzung zwischen Forstund Werkdienst und Strassenbau schwierig. Die ­Gemeinden dürfen im Vergleich zu heute eine qualitative Verbesserung erwarten. Die ­finanzielle Situation hängt im Wesentlichen von internen und externen Rahmenbedingungen ab, die teilweise direkt, andere aber nur indirekt oder gar kaum beeinflussbar sind. Beurteilung des Betriebskonzepts Im Workshop vom 18. Januar 2012 haben die Mitglieder der gesamten Arbeitsgruppe zusammen mit den Gemeindepräsidenten die Vor- und Nachteile respektive Chancen und Gefahren eines gemeinsamen Forstund Werkbetriebs Albulatal aufgrund des Betriebskonzepts beurteilt. Externe Faktoren, die von der Organisationsform unabhängig sind, werden ausgeklammert. Sinkende Marktpreise beispielsweise stellen bereits heute ein Risiko für die Forstbetriebe der Gemeinden dar. Die folgenden Aufzählungen fassen das Ergebnis zusammen. Vorteile: Chancen – Bessere Auslastung der vorhandenen Ressourcen (Personen, Maschinen etc.) – Stellvertreterregelung – Effiziente Organisation mit Führung – Professionalisierung mit Entlastung der Gemeindevorstände – Höhere Qualität der Forst- und Werkdienstleistungen – Nutzung saisonaler Verhältnisse – Reduktion des administrativen Aufwands – Einfacher Verrechnungsschlüssel zur Verteilung des Betriebsergebnisses – Finanzielle Stabilität und bessere Planbarkeit (z. B. Verstetigung der Einnahmen)

– Vereinheitlichung der Arbeits- und Anstellungsbedingungen der Gemeinden im Forstwerkbereich – Aufwertung und Sicherung respektive Schaffung von attraktiven Arbeitsplätzen im Albulatal, insbesondere Lehrstellen – Synergien zwischen Forst- und Werkdienst – Synergien durch (a) Bündelung der internen Ressourcen und (b) Bündelung der Holzernte – Optimierung des Mitteleinsatzes – Waldbewirtschaftung, die in qualitativer und quantitativer Hinsicht genügt und den Forderungen der Leistungsbezüger nachkommt – Starker Auftritt gegen aussen und verbesserte Position als Verhandlungspartner – Intensivere Nutzung des Waldbewirtschaftungspotenzials – Zukunftsfähige Betriebsstruktur Nachteile: Risiken – Hoher Personalbestand verbunden mit entsprechenden Kosten – Fehlende Identifikation – Begrenzte Einschränkung der Gemeinde­ autonomie, das heisst Absprachen der Gemeinden notwendig (z. B. bezüglich Anstellungsbedingungen) – Gefahr bei finanziellen Problemen, da keine Reservebildung im Betrieb – Weite Anfahrtswege für Mitarbeiter/innen – Keine bzw. fehlende werkdienstliche Aufträge (geringe Synergien) vorhanden – Entwicklung auf dem Holzmarkt – Führungsanforderungen hoch – Häufige personelle Wechsel in den Gemeindevorständen (fehlende Kontinuität) – Gefahr einer Übermechanisierung Bündner Wald 4/2015 31

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Wichtig für das Gelingen und den Erfolg waren und sind: – Initiative der Betriebsleiter/Revierförster – Bekenntnis der Gemeinden/Gemeinde­ behörden zum Betrieb /  kritische Offen­ heit – Rollenverständnis aller Beteiligten/Kom­ petenzen, Rechte, Pflichten der verschie­ denen Ebenen (strategisch, operativ) – Spielraum und Zeit für die Verantwort­ lichen im Bereich der Rahmenbedingun­ gen – die nötigen Betriebsmittel (Personal, ­Maschinen und Infrastruktur) – Köpfe, die nicht aufgegeben haben und nicht aufgeben/Durchhaltewille/Geduld – Teamwork, Vertrauen, Respekt

– detaillierte Planung, konsequente Um­ setzung und klare Entscheide

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Drei Waldfachverantwortliche und ihre Standpunkte Auf forstpolitischer Ebene ist während der letzten Jahre einiges passiert, was auch die Waldeigentümer vor grosse Herausforderungen stellt. Die Zusammenschlüsse der Forstbetriebe zu grösseren Einheiten und die Fusionen der Gemeinden haben die Strukturen stark verändert. Die Zahl der Forstreviere in Graubünden wurde in den vergangenen Jahren stark reduziert – ­ak­tuell sind es 75. Unabhängig davon, ob die Veränderungen im Rahmen von Gemeindefusionen, Betriebszusammenlegungen oder verschiedenen Arten der über­betrieblichen Zusammenarbeit angegangen wurden, sind betriebliche Optimierungen sehr be­grüssenswert. Häufig ist für eine nachhaltige und breit abgestützte Lösung die Erarbeitung einer tragbaren Kombination von wirtschaftlichen und betrieblichen Kriterien notwendig – oft eröffnen sich dabei Chancen, die es unbedingt zu nutzen gilt. Sicher ist, dass optimierte Forstbetriebe auch wesentlich zur positiven Wahrnehmung des Waldes im Allgemeinen und der Waldwirtschaft beitragen.

Durch gezielte Aktivitäten und Informationen will sich die SELVA für die Anliegen der Bündner Waldwirtschaft entsprechendes Gehör verschaffen und dabei Gemeindevertreter und Bevölkerung als Waldeigentümer sensibilisieren. Gerade deshalb sucht die SELVA vermehrt den direkten Kontakt mit den Waldeigentümern beziehungsweise deren Vertretern, den Waldfachverantwortlichen. In der vorliegenden «Bündner Wald»Ausgabe kommen deren drei zu Wort. Besten Dank an dieser Stelle für das Interesse an der Bündner Waldwirtschaft und das Engagement dieser drei Waldfachverantwortlichen. Rico Liesch, Gemeinde Albula Gemeindevorstand, Ressortchef Landund Forstwirtschaft /  Präsident des Forst- und Werkverbandes (Gemeindeverband) Albula Der seit 2015 bestehende Forst- und Werkbetrieb Albula bewirtschaftet eine Waldfläche von rund 11 000 ha mit einem Hiebsatz von über 21 000 m3 und gehört damit zu den grössten Forstbetrieben in Graubünden.

Rico Liesch, Gemeinde Albula. (Bilder: zVg)

«Mit der Schaffung des Forst- und Werkverbandes Albula, zu dem die Gemeinden Albula, Schmitten, Bergün und Filisur gehören, können in einer strukturschwachen Region langfristig lokale Arbeitsplätze erhalten werden.» «Betriebsleiter solch grosser Forstbetriebe wie dem unseren sind voll ausgelastet und sollten nicht mit zusätzlichen Aufgaben und zusätzlicher Administration überladen werden.» «Die beteiligten Gemeinden wurden bei der Reorganisation zu einem der grössten Bündner Wald 4/2015 33

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«Die Schutzwaldbewirtschaftung benötigt sehr viel Geld. Die Notwendigkeit all dieser Beiträge muss überprüft werden. Andernorts fehlt dafür das Geld im Bereich Biodiversität.» «Die Holzpreise sind im Keller, die Holzabsatzmöglichkeiten auch – und das sowohl beim Sägerundholz als auch beim Energieholz. Was nützt uns unsere sehr gute und aufwendige Walderschliessung, wenn wir das Holz nicht mehr absetzen können?»

Toni Bearth, Gemeinde Bonaduz.

Bündner Forstbetriebe durch die Spezialis­ aturgefahren ten des Amtes für Wald und N sehr unterstützt und kompetent beraten.» Mit der langfristigen Sicherstellung dezen­ traler Arbeitsplätze deckt der noch junge Forst- und Werkverband ein grosses Be­ dürfnis der Bündner Regionalpolitik ab. Schliesslich sollen aber nicht nur Arbeits­ plätze, sondern auch Know-how und Wert­ schöpfung vor Ort erhalten werden. Die Zusammenarbeit aller Akteure der Bündner Wald- und Holzwirtschaft ist dabei absolut notwendig und wurde in diesem Fall durch die Unterstützung und kompetente Bera­ tung durch das AWN gewährleistet. Toni Bearth, Gemeinde Bonaduz Gemeindevorstand, Ressortchef Infrastrukturen, Umwelt, Soziales Der Forst- und Werkbetrieb Crestault, der von den beiden Forstreviergemeinden Bo­ naduz und Rhäzüns getragen wird, ist seit 2010 etabliert.

«Mit der Schaffung des Forst- und Werkbetriebes Crestault der Gemeinden Bonaduz und Rhäzüns haben diese im Jahr 2010 eine Vorreiterrolle bei der Reorganisation von Forstbetrieben eingenommen.» Wie vom Bonaduzer Waldfachverantwortli­ chen beschrieben, wurden mit der Aufhe­ bung des Euro-Mindestkurses Mitte Januar 2015 durch die Schweizerische National­ bank die Bündner Waldwirtschaft, ganz be­ sonders die Rundholzbereitsteller und damit die Waldeigentümer, hart getroffen. Kaum war dieser erste Schock einigermassen ver­ daut, kam Ende März 2015 durch den Or­ kan Niklas im süddeutschen Raum und in Österreich mit rund 2 Millionen Kubikmeter Schadholz, ein zweiter dazu. Dadurch wur­ de der Rundholzpreis erneut gesenkt und hat somit ein neues Rekordtief erreicht, was die stark exportabhängige Wald- und Holz­ wirtschaft Graubündens empfindlich trifft und aktuell zu grosser Verunsicherung und Problemen führt, die noch nicht im Detail abschätzbar sind. Starke und effiziente Forstbetriebe sind aber auch in diesen schwierigen Zeiten anderen gegenüber klar im Vorteil. Alexander Stoop, Gemeinde Fläsch

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in mehr oder weniger kurzen zeitlichen Abständen wechselt, von sehr grosser Bedeutung.» «Die Abhängigkeit der Waldbranche von Bundes- und Kantonsbeiträgen ist gross. Dies darf aber nicht dazu verleiten, sich wie in einer geschützten Werkstatt zu verhalten. Zentral ist für mich die Frage, wie wir Überraschungen wie den Preiszerfall beim Holz in Folge Aufhebung der Frankenuntergrenze gegenüber dem Euro in den Griff bekommen.»

Alexander Stoop, Gemeinde Fläsch.

Gemeinderat, Ressortchef Wald/Vorstand, Zweckverband Falknis Die Gemeinde Fläsch und die Stadt Maienfeld haben sich im Zweckverband Falknis zusammengeschlossen. Sie betreiben die Forst- und Werkbetriebe bereits seit dem 1. Januar 2004 gemeinsam. «Eine gute Zusammenarbeit zwischen dem Betriebsleiter und dem politisch Verantwortlichen hängt stark von der Initiative des Waldfachverantwortlichen ab.» «Engagierte Betriebsleiter brauchen die Unterstützung des Waldfachverantwortlichen – und umgekehrt. Denn der Waldfachverantwortliche vertritt die Anliegen des Forstbetriebes gegenüber dem Gemeindevorstand und der Öffentlichkeit.» «Die Revierförster verfügen über ein sehr wertvolles Wissen in verschiedenen Bereichen des Gemeindewesens. Dies ist für eine Gemeinde, deren politische Führung

«Die Bevölkerung sollte noch mehr für den Wald sensibilisiert werden. Dabei ist es enorm wichtig aufzuzeigen, dass kurzfristiges Denken in der Waldbewirtschaftung fatale Auswirkungen haben kann.» Die Rolle der Waldeigentümer wird erfahrungsgemäss von Gemeinde zu Gemeinde bzw. von Betrieb zu Betrieb ganz unterschiedlich gelebt und wahrgenommen. Das Interesse und die Mitwirkung der einzelnen Waldeigentümer bei forstlichen Fragestellungen hängen stark von den zuständigen Behörden ab und werden leider häufig überschätzt. Der jeweilige Förster ist oft klar auf den entsprechenden Rückhalt seitens seines Waldfachchefs und seiner/n Gemeinde/n angewiesen und der gesamte Forstbetrieb kann dadurch nur profitieren.

Urs Rutishauser SELVA Bündner Waldwirtschaftsverband Bahnhofplatz 1, CH-7302 Landquart www.selva-gr.ch

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Comic Theo & Heinz

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Betriebsabrechnung unentbehrliches Führungsinstrument? Der Hunger nach Information und die Abbildung der Realität haben zur Folge, dass unser Alltag komplexer geworden ist. Mit der Wucht der täglichen Informationsflut und vor allem mit dem schnellen Zugang zu News und auch zu Wissen über digitale Plattformen, ist eine verständliche und vor allem korrekte Informationswiedergabe im Berufsalltag noch wichtiger geworden. Die Forderung nach solchen Informationen oder gar die Abbildung der Realität von Un­ ternehmungen, möglichst einfach und ver­ ständlich (... trotz komplexer Zusammen­ hänge), ist gross: – In Firmen, wo Aktionäre oder Kredit­ geber Ansprüche stellen, angekündigte Projekte und Ziele mit Fakten und Zahlen zu hinterlegen sind und innert kurzer Frist über Geschäftsgänge Auskunft zu geben ist. – Im Gemeinwesen, wo der Einsatz der verfügbaren Mittel beschränkt oder gar oft knapp ist und immer jemand den Ein­ druck hat, zu kurz zu kommen. – In Interessengemeinschaften (zum Bei­ spiel in Verbänden, Genossenschaften, Vereinen u. a.), wo die Diskussionen über den Mittel­einsatz lang sind, jeder genau wissen möchte, wo «sein Franken» einge­ setzt wird. – Und zunehmend auch für Forstbetriebe, deren erbrachte Leistungen oft verkannt und auf den ersten Blick nicht immer sichtbar sind, – sowie im Speziellen bei Forstbetrieben nach Betriebszusammenschlüssen, um die angestrebten Optimierungen mit Fakten hinterlegen zu können, aber auch um Korrekturen rechtzeitig einzuleiten. Auch hier gilt: Die unzählige, unter­ schiedliche Interessen vertretende Ge­ sellschaft möchte wissen, wo die eigenen

Mittel eingesetzt werden und im Beson­ deren, ob nach Zusammenschlüssen / Fu­ sionen Nachteile entstanden sind. «Heute kann man ja alles auf Knopfdruck erhalten, und es ist ja kein Problem, etwas auszuwerten …» – ein viel gehörter pau­ schaler Satz und oft gefordert in Zusam­ menhang mit betrieblichen Kennzahlen, Betriebsergebnissen, um Geschäftsgänge und Zusammenhänge zu verstehen. Dass es nicht immer ganz so einfach geht, hängt oft mit der Art und Weise zusammen, wie Daten erfasst und abgelegt werden, vom Willen, Geschäftsgänge aus- und of­ fenzulegen sowie vom verwendeten Be­ triebsabrechnungs- respektive Buchfüh­ rungssystem. Hier stellt sich für jede Betriebsführung (laufend) die Frage: Wie detailliert und offen werden – zeitunabhän­ gig – Geschäftsgänge abgebildet, wie «ehr­ lich» wird im Alltag rapportiert und die Er­ gebnisse verständlich und nachvollziehbar zusammengefasst? Warum ist eine transparente Betriebsab­ rechnung mit den abgebildeten Geschäfts­ prozessen deshalb so wichtig? Unabhängig wie fit ein Betrieb dasteht, Fakt ist, dass Erwartungen und Druck bestehen. Vier sachliche Gründe für eine transparente Betriebsabrechnung sind dazu besonders zu erwähnen: – Überblick: Für die Betriebsleitung zu lau­ fenden Geschäften, zur Kostenstruktur, zur fortschreitenden Geschäftsentwick­ lung, zum erwarteten Erfolg oder auch Misserfolg, und nicht zuletzt für laufend zu treffende Entscheide. Der Überblick dank einer Betriebsabrechnung (oder Buchführung) soll nicht nur rückblickend zustande kommen. Man soll ihn sich aktiv verschaffen, um kommende Be­ ­ Bündner Wald 4/2015 37

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Ein vollständiger Überblick über Haben, Kosten, Wirkungen und die zu erwartenden Entwicklungen ist für jede Betriebsleitung essenziell. Vor allem dann, wenn starke Umstrukturierungen stattfinden, auch ungewollte! (Bild: Romano Costa)

triebsgeschäfte zu leiten (es heisst ja «Betriebsleitung»!) anstatt reaktiv nach­ zurennen. Dies gilt unabhängig von der Betriebsgrösse, unabhängig vom Be­ triebstyp. Man kann nicht wirklich steu­ ern, wenn man den Überblick nicht hat. – Selbstschutz: Die durch verschiedene In­ teressenten anvertrauten Aufgaben kön­ nen aufgezeigt und der sorgsame Um­ gang mit genutzten Sachwerten belegt werden. Betriebsleitung und auch Mit­ arbeiter kennen den Erfolg und die Gren­ zen des Betriebes, und nicht zuletzt möchten mit Recht Mitarbeiter wissen, wie sicher ihre Arbeitsplätze sind, ob Perspektiven bestehen. – Verpflichtung gegenüber Trägerschaf­ ten /  Sicherheiten: Geld- oder Kreditge­ ber (im speziellen Fall eines öffentlichrechtlichen Forstbetriebes, die Gemeinde selbst sowie die in vielen Bereichen mit­ tragenden Institutionen, Bund und Kan­ ton) möchten wissen, wie es um die ein­ gesetzten Mittel steht. Lieferanten, ob erbrachte Leistungen gedeckt sind, und Kunden, ob bestellte Dienstleistungen erbracht werden können.

– Steuerpflichten: Unsere übergeordneten Institutionen (Bund, Kanton) sowie die Gemeinde müssen den erbrachten Leis­ tungen für die Öffentlichkeit Einnahmen gegenüberstellen. Dies erfolgt über das Erheben von Steuern. Mit der Betriebs­ abrechnung (immer im Sinne einer or­ dentlichen Buchführung) liefert ein Be­ trieb eine transparente und anerkannt messbare Form für die Steuererhebung dazu und leistet damit seinen Beitrag für die zur Verfügung gestellten öffentli­ chen Leistungen und Infrastrukturen. Es untermauert zudem die Stellung eines ­ Betriebes als mittragendes Subjekt in der Gesellschaft, was wiederum die Akzep­ tanz erhöht. Welche Rolle spielt dabei die Betriebsab­ rechnung – im Speziellen für Forstbetriebe? Es gilt, wie in jedem Unternehmen: Sie hilft zu ordnen, schafft Übersicht, belegt Ge­ schäftsprozesse, zeigt das Verhältnis von eingesetzten Ressourcen zur erzielten Wir­ kung und unterstützt Entscheide für zu­ künftige Handlungen, mögliche Geschäfts­ felder, Personalbedarf (Kapazitäten wie auch Profile) und Investitionen. Gerade bei Umorganisationen sind struk­ turelle Analysen so auch mit Ergebnissen verbindbar. Realisierte Handlungen lassen sich rascher auf die erzielten Wirkungen im (Forst-)Betrieb abschätzen. Wieder als Selbstschutz; es gibt Sicherheit über den er­ folgten Mitteleinsatz und lässt auch Fehler und vor allem Missbrauch erkennen! Die Betriebsabrechnung ist dabei nicht nur ein rückblickendes Datenlieferungsinstrument. Sie kann helfen, angestrebte Lösungen bes­ ser zu begründen und dadurch die Mittel für betriebliche Notwendigkeiten zu erwir­ ken (mehr Personalressourcen, zeitgemässe Einrichtungen und Computerprogramme,

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Maschinen und Geräte für die Herstellung Schriftgrösse 8 von Produkten oder die Realisierung von Abstand 10 Dienstleistungen). Sie ist kurz zusammen­ TRo 3 mm gefasst ein unverzichtbarer Baustein im Be­ trieb, sowohl rückblickend wie aber vor ­allem auch, um vorausschauend die richti­ gen Schlüsse für weitere Handlungen zu ziehen. Im Speziellen sind für die sehr langfristig handelnden Forstbetriebe – ähnlich wie in der waldbaulichen Beurteilung – Entwick­ STIHL MotoMix – der schadstoffarme lungen über Jahre nachverfolgbar und da­ Kraftstoff für 2-Taktund 4-MIX Motoren durch für die weit in die Zukunft auszule­ genden Pläne sehr hilfreich. Mit transparent STIHL MS 261 C-M mit M-Tronic auslegbaren Argumenten – und dazu gehö­ Perfekte Einstellung serienmässig ren auch die Wirkung eingesetzter finanziel­ Handlich, leistungsstark und serienmässig mit vollelektronischem Motormanagement M-Tronic (M) ausgestattet. C-M steht für stets ler Mittel – schafft man Vertrauen. Vertrau­ optimale Motorleistung und spielt ihre Stärken besonders beim Enten, welches sehr oft der Schlüssel ist, um asten, bei Durchforstungsarbeiten und beim Holzeinschlag in mittleren Beständen aus. Sie können sich voll auf Ihre Arbeit konzentrieNeues schaffen zu können (und dafür eben ren und sofort mit Bestleistung loslegen. Die neue MS 261 C-M ist die notwendigen Mittel zu erhalten!) und so ab sofort bei Ihrem STIHL-Fachhändler erhältlich. den Betrieb weiterzuentwickeln. Ist dies nun einfach nur Theorie, in vielen Lehrbüchern nachlesbar, an vielen Lehrgän­ www.stihl.ch gen oder Kursen viel zitiert? Oder kommt die Theorie aus der Sammlung der (eigenen) Praxiserfahrungen, welche ge­ zesse abbildende und «querbeet» transpa­ zeigt haben, was, warum und wie funk­ rente Betriebsabrechnung ist ein unverzicht­ 06.07.2015 MUSTERVORLAGE.indd 68 tioniert? Die hier sinngemässe «Zuerst Ei barer Bestandteil für die Be­triebs­führung­. Es oder Huhn?»-Frage ist irrelevant, denn im lohnt sich dabei, bestehende Betriebsberei­ Alltag wird eine sauber strukturierte Offen­ che sowie hergestellte Produkte und reali­ legung von eingesetzten Mitteln zuneh­ sierte Dienstleistungen genau zu unterschei­ mend verlangt; als Kontrolle, als Vertrauens­ den. Mit dem dadurch immer vorhandenen beweis, als Rechtfertigung, dass Entscheide Überblick lassen sich Entscheide einfacher richtig getroffen wurden, und als Planungs­ treffen und der Kopf bleibt frei für Neues. argument für kommende Aufgaben, neue Vorhaben (Erschliessen neuer Geschäfts­ felder, Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen, Investitionen, u. a.). Aus Romano Costa eigener Erfahrung für den eigenen Dienst­ leistungsbetrieb, als Teil von Entscheidungs­ Abenis AG gremien internationaler oder lokaler Ge­ Quaderstr. 7, CH-7000 Chur sellschaften oder als Verantwortlicher für r.costa@abenis.ch Entwicklungsprojekte; eine die Betriebspro­

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Der Geschäftsplan ist der Businessplan des Försters Stellen Sie sich vor, Sie wollen während mehrerer Wochen quer durch abgelegene Regionen von Graubünden reisen. Für Sie ist klar, dass Sie diese Wanderung gut planen werden. Sie setzen sich Ziele, welche landschaftlichen Sehenswürdigkeiten Sie besuchen wollen, und erkundigen sich über die benötigten Ressourcen und welche ­Risiken Ihnen auf diesen Wanderungen ­bevorstehen. Und wenn Sie dann auf den Pfaden die Täler durchlaufen, schauen Sie in regelmässigen Abständen auf die Wanderkarte; Sie vergewissern sich, ob Sie sich auf dem richtigen Weg zu Ihrem nächsten Ziel befinden – also eine Reise mit Weitsicht.

abgelöst. Die globalen Trends führen zu ­raschen Veränderungen im Kaufverhalten. Spezialisierung und Arbeitsleistungen sind für die Branche wichtiger denn je. Schweizerische Forstbetriebe sind wirtschaftlich wenig effizient und zu stark von Subventionen abhängig. Fehlt es am Plan fürs Geschäft? Der Geschäftsplan ist längst kein Instrument mehr, das nur Firmengründende zur Kapitalakquisition benötigen. Der Geschäftsplan zeigt wirkungsvoll auf, wie das Unternehmen zum Erfolg geführt werden kann. Der Geschäftsplan hilft, Fehler zu vermeiden, ­Fehler, die existenzbedrohend sein können. Mit einem guten Geschäftsplan lässt sich

Um Innovationen zu entwickeln, müssen Gedanken strukturiert und allgemeinverständlich dargestellt werden. (Bildquelle: www.sdsbdcnetwork.org)

Wie sieht es bei der Planung des Forstbetriebes aus, notabene ein sehr wichtiges, kapitalintensives und mit einigen Risiken verbundenes Projekt? Ist das konkrete ­Reiseziel definiert, die Reiseroute abgeklärt und die Reisekosten kalkuliert? Das Umfeld der Wald- und Holzwirtschaft hat sich in den letzten Jahren sehr schnell und dramatisch verändert. Der regionale und überregionale Holzmarkt wurde durch einen europäischen oder globalen Markt

der neu zu entstehende Forstbetrieb (präzis) planen. Wichtiges Kriterium: Es lohnt sich, möglichst viele und die richtigen Fragen zu stellen – und diese auch zu beantworten. «Ein guter Geschäftsplan deckt die blinden Flecken im eigenen Projekt auf.» Gerade beim Zusammenschluss von Forstbetrieben ist die Entwicklung eines Geschäftsplans, in welchem die Bereiche

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F­inanzen, Produkte/Kunden, interne Pro­ zesse und Mitarbeitende zu einer konsisten­ ten und gewinnbringenden Betriebsstrate­ gie zusammengezogen werden, äusserst hilfreich. Ganz im Sinn – eine Trockenübung ist billiger und bewahrt einen vor unlieb­ samen Überraschungen. Der Geschäftsplan ist eine komprimierte Niederschrift der Planung des Forstbetrie­ bes und schildert eine angestrebte be­ ziehungsweise erwartete Unternehmens­ entwicklung. Er ist die verbalisierte, durch betriebswirtschaftliche Daten fundierte un­ ternehmerische Vision. Der Geschäftsplan gibt vollständige Auskunft über die Ge­ schäftsidee und das Geschäftsmodell, die Unternehmensstrategie, die Rechts- und Beteiligungsstruktur, die Finanzierung, das Liefer- und Leistungsprofil sowie über die Marktchancen und -risiken. Der Geschäftsplan enthält einen beschrei­ benden Textteil und einen detaillierten ­Zahlen- und Kalkulationsteil. Oft wird die Notwendigkeit einer detaillier­ ten Ausarbeitung eines Geschäftsplans un­ terschätzt; die strukturierte, inhaltliche und verständliche Beschreibung sowie Darstel­ lung der abzubildenden betriebswirtschaft­ lichen Funktionen sind zwingend. Der Sinn und Zweck eines Geschäftsplans kann hinsichtlich seiner internen und exter­ nen Aufgaben unterschieden werden. Aus interner Sicht ist der Geschäftsplan ein ­Instrument, um die angestrebte Unterneh­ mensentwicklung zu planen und Massnah­ men zur Erreichung der gesetzten Ziele in strukturierter Weise vorzubereiten. Aufbau­ end auf den Grundbausteinen Situations­ bestimmung (Wo bin ich jetzt?) und Ziel­ formulierung (Wo will ich hin?) beantwortet der Geschäftsplan die Frage, wie das ge­ steckte Ziel aus der aktuellen Situation ­heraus erreicht werden kann. Ein Geschäfts­

plan kann als Leitfaden für die Entschei­ dungs­ findung dienen und als Kontroll­ instrument bei der Führung und Steuerung des laufenden Geschäfts behilflich sein. ­Generell wird man bei der Niederschrift und Ausarbeitung eines Geschäftsplans ge­ zwungen, sich über alle wichtigen Bereiche des Forstbetriebs Gedanken zu machen. Ausserdem sensibilisiert der Prozess für Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken der Unternehmensentwicklung. Aus externer Sicht ist der Geschäftsplan ein Kommunikationsinstrument der Geschäfts­ idee / des Geschäftsmodells, der über die rei­ ne Information auch dazu verwendet wird, die Bekanntheit des Projekts und der ge­ planten Entwicklungsschritte zu fördern. Nach aussen wirkt der Geschäftsplan als ­Absichtserklärung zur Realisation der Unter­ nehmung. Der Geschäftsplan sollte Über­ zeugungsarbeit leisten und bei den Adressa­ ten Wohlwollen und schliesslich Engage­ment hervorrufen. So ist der Geschäftsplan eine grundlegende Voraussetzung, wenn es da­ rum geht, die wirtschaftliche Machbarkeit aufzuzeigen und / oder Kapital oder Förder­ programme zu akquirieren. Neben den ge­ nannten Voraussetzungen dient ein ausge­ arbeiteter Geschäftsplan auch der Sicherung bestehender oder geplanter Geschäftsbe­ ziehungen zwischen dem Unternehmen und Vertragspartnern, Kundinnen und Kunden sowie Lieferantinnen und Lieferanten. Das wichtigste Ziel des Geschäftsplans ist, dass die Führung (Verantwortlichen) das Projekt hundertprozentig im Griff hat. Nur dann können sie es auch durch dick und dünn vertreten! Darum darf ein Geschäfts­ plan, der diesen Namen verdient, eines be­ stimmt nicht sein: eine Alibiübung oder sich selber ein «X» für ein «U» vormachen. Der Geschäftsplan soll den Glauben an die Machbarkeit und das Vertrauen von Partne­ Bündner Wald 4/2015 41

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rinnen und Partnern sowie Mitarbeitenden fördern und bestätigen. Das gehört in den Businessplan Übersicht über das Vorhaben (Zusammen­ fassung): Gewährt einen schnellen Über­ blick über die Eckpunkte und Richtwerte des Vorhabens, den zu erzielenden Nutzen und die Ertragschancen wie auch die Ri­ siken. Unternehmung: Initianten mit persönlichen ­ Angaben  / Rechtsform, Vision, Leitbild und Ziele. Produkt und Dienstleistung: Bestehendes und zukünftiges Produkt­ portfolio (Produkt / Dienstleistung), Ein­ zigartigkeit (Attraktivität für den K ­ äufer). Kunden, Märkte, Marktumfeld und Wettbewerb – Marktanalyse: Ist-Situation und Trend, Marktentwick­ lung, potenzielle Kundinnen und Kunden. Marketingkonzept: Leitidee, geografi­ scher Markt, Zielgruppen, Profilierung und Positionierung, Umsatz- und Wachs­ tumsziele, Konkurrenzanalyse. Vermarktung: Marketingplanung und -instrumente: Preisgestaltung, Verkauf, Verkaufsförde­ rung, Werbung, Vertrieb.

Betriebsstandort und -infrastruktur: Personal- und Raumplanung, EDV, Ein­ kauf, Produktion / Einrichtungen, Quali­ tätssicherung, Risikomanagement/Versi­ cherung. Betriebsorganisation: Aufbauorganisation (Struktur), Ablauf­ organisation (zeitliche, räumliche und menschenmässige Ablaufprozesse). Riskoanalyse: Aufzeigen der Risiken: Wie wird diesen begegnet? Finanzplanung: Planrechnungen für die kommenden Jahre: Kosten- und Investitionsrechnung, Absatzplanung, Liquiditätsrechnung, Er­ folgsrechnung, Bilanz. Terminplanung: Meilensteinplanung: Wer macht was mit welchen Mitteln bis wann und wie wird das Ergebnis kontrolliert?

Urs Kappeler Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur Comercialstr. 22, CH-7000 Chur urs.kappeler@htwchur.ch

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Coaching von Veränderungs­ prozessen bei Forstbetrieben

Der Waldbau lässt verschiedene Strategien zu. Vor dem Eingriff kann man diskutieren, danach sollte man die Entwicklung verfolgen bis zur Zielerreichung – man begleitet einen Veränderungsprozess, den man selbst eingeleitet hat. (Bilder: Sandro Krättli)

«Der Mensch ist Mittel. Punkt.» So sagt es O. Neuberger (2004) und zeigt damit, dass Mitarbeiter Subjekt sowie auch Objekt sein können. Besonders deutlich kommt diese Zweideu­ tigkeit in Veränderungsprozessen zum Vor­ schein, wenn der Mensch als Mittel zum Zweck der Organisation gesehen wird, in der die Aufgabe und das Erreichen der Ziele im Zentrum stehen, er selber dabei jedoch als Mittelpunkt betrachtet werden will. Ich möchte hier anmerken, dass weder die eine noch die andere Sichtweise richtig oder falsch ist. Vielmehr geht es darum heraus­ zufinden, wie sich diese im Prozess der Ver­ änderung vereinen lassen – bestenfalls ge­ meinsam. Veränderungen sind weder gut noch schlecht. Sie passieren und scheinen un­ umgänglich zu sein, denn steter Wandel treibt die Unternehmen immer wieder zu Massnahmen, sich den Gegebenheiten des Marktes anzupassen oder um wettbewerbs­ fähig zu bleiben. Dies ist in der Forstwirtschaft nicht anders. Kommunale Veränderungen (z. B. Fusionen) stellen die Forstbetriebe plötzlich vor neue Aufgaben, wirtschaftlicher Druck zwingt die Betriebe, die Abläufe zu hinterfragen und neue Gesetze zu neuen Strukturen. Diese und selbstverständlich noch weitere mögliche Ursachen führen zu Veränderun­

gen in der Organisation, im Team und schlussendlich bei jedem Einzelnen. Folgen können neue Aufgaben sein, statt alleine für seinen Aufgabenbereich zuständig zu sein, ist man nun in ein Team eingebettet oder bekommt einen neuen Chef. Es scheint mir wichtig zu wissen, dass Ver­ änderungen keine schicksalhaften Ereignis­ se wie Naturkatastrophen sind, sondern gewollt und initiiert werden. Dies wirft ­ ­einen anderen Blickwinkel auf Veränderun­ gen und gibt ihr einen Ursprung oder Grund und somit einen Sinn und Nutzen. Diese beiden Punkte sind nebst dem Willen der Führung der Grundstein einer Verände­ rung. Erst wenn jeder Einzelne den Sinn sieht, ist die Grundlage für eine funktionie­ rende Veränderung gelegt. Dies ist eine Frage der Partizipation, wobei jede Fir­ ­ ma / Branche diesbezüglich ihre eigene Hal­ tung und Kultur hat. Das in der Situation richtige Mass zwischen klaren Leitplanken und Partizipation aller darin zu finden, erscheint oft schwierig. Das Dilemma dabei ist, dass der Bereich zwischen endlosen Diskussionen, weil keine Leitplanken gegeben werden, und keiner Mitsprache, weil alles bestimmt wird, klein ist. Möglich, dass bei solchen Veränderungen der Einzelne im Mittelpunkt stehen möchte, da jeder davon betroffen ist. Im Eifer des Bündner Wald 4/2015 43

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Gefechts wird dies jedoch gern umgangen und schnell ist der Einzelne zum Mittel ­verwandelt. Der daraus entstehende Wider­ stand wird oft nicht anerkannt, obwohl d­ieser für jeden Sinn macht. Somit ist die Sinnfrage nicht mehr beim Thema «Ver­ änderung», sondern auf eine ganz persön­ liche, emotionale Ebene gerutscht. Unternehmen lassen sich oft in Verände­ rungsprozessen von Beratern begleiten. Prozessbezogene Beratung, wie ich sie lebe, leitet den Kunden im Prozess der Verände­ rung. Dabei ist der Kunde Experte seines Bereichs und ich übernehme die Führung auf Prozessebene. In der Praxis sieht das so aus, dass nach dem Erstkontakt – und das ist mitunter schon der entscheidende Punkt – die Klä­ rung des Auftrags erfolgt. Es gilt dabei exakt zu erfassen, was an der jetzigen ­ Situation nicht zufriedenstellend ist. Wo ­ drückt der Schuh? Weshalb braucht es mich als Berater überhaupt? Diese und ähnliche Fragen sind hier zentral. Gemeinsam mit dem Kunden erarbeite ich den Auftrag, was die Ziele sind und wie der Prozess dahin in etwa aussehen soll. Entscheidend ist für mich auch, wer der Auftraggeber ist, denn dies sagt sehr viel darüber aus, wie veran­ kert diese initiierte Veränderung ist, wie es mit der Sinnfrage steht und ob die Verände­ rung auch getragen wird. Diese erste Phase ist insofern sehr entschei­ dend, da hier der Grundstein für den ge­ samten Prozess gelegt wird. Ohne Auftrag und klare Ziele einen (Veränderungs-)Pro­ zess anzugehen, erachte ich als unmöglich. Wenn ich das auf einen Eingriff in den Wald übertragen darf, so gehe ich davon aus, dass vor dem Verändern eines Waldab­ schnitts sehr genau überlegt wird, was da­ mit bezweckt wird. Bedenkt man, wie lange die Natur gebraucht hat, bis sich dieser

­ bschnitt entwickelt hat, so bedarf es schon A eines sinnstiftenden Zwecks, diesen zu ver­ ändern. Ob damit Platz für etwas Neues geschaffen wird oder die Schutzfunktion ­erhöht wird, spielt in dieser Analogie keine Rolle. Entscheidend ist, dass eine über eine lange Zeit gewachsene Situation zugunsten einer, aus jetziger Sicht, gewünschten bes­ seren Situation weichen muss. Auch in Ver­ änderungen in Organisationen wird eine bessere Situation gewünscht. Diese gilt es anhand von Zielen zu definieren, damit das Coaching in die richtige Richtung läuft. So unterschiedlich die Massnahmen im Wald sein können, so unterschiedlich sehen die einzelnen Anliegen der Unternehmen aus und somit auch die Massnahmen zu Verän­ klärung derungen. Anhand der Auftrags­ stellt sich dann raus, wer alles im Prozess da­ bei sein wird und in welchem Rahmen (Set­ ting) und Umfang das Coaching ablaufen soll. Was dabei immer etwa gleich bleibt, ist der Prozess dahinter: Ist der Auftrag klar formu­ liert, geht es darum, gemeinsam auf den Weg dorthin zu gehen. Wie schon erwähnt, ist mein Anteil dabei, den Prozess zu leiten, damit die Ziele erreicht werden. Die fach­ lichen Inputs, das Wissen über die Organi­ sation, deren Kultur und somit auch die ­Lösung selber kennt der Kunde am besten. Oft wird diese nicht direkt gesehen und wird mittels Interventionen seitens Berater zum Vorschein gebracht. Solche Interventionen werden dem Kontext wie Auftrag, Grösse des Teams, Kultur der Unternehmung usw. angepasst. Ein kleiner Auszug davon zeigt auf, dass auch diese sehr variabel sein können: Einzelgespräche mit den Beteiligten, Arbeiten im Team, Fest­ legen von Zwischenzielen, Lösungsansätze zusammen erarbeiten, Arbeiten mit gestal­ terischen Elementen und vieles mehr stehen

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hier zur Verfügung. Oftmals wird auch ver­ langt, dass der Berater eine Organisations­ diagnose erstellt, welche dann auch als Grundlage für weitere Interventionen die­ nen kann. Diese Interventionen lösen im Normalfall etwas aus, sei es im Team und / oder bei jedem Einzelnen. Was es aus­ löst, entscheidet das System selber. Auch hier kann wieder der Quervergleich zum oben besagten Waldstück gemacht werden. Was dann effektiv nach dem Eingriff daraus entsteht, entscheidet das Ökosystem als Ganzes für sich selber. Diese Veränderung gilt es dann immer wie­ der aufzunehmen und weitere Mass­nahmen zu tätigen, bis das Ziel erreicht wird. Hier werden je nach Problemstellung mehrere Schlaufen durchlaufen und falls erforderlich auch der Auftrag nochmals neu definiert. Zwischen den Schlaufen der Massnahmen pro­ braucht es Zeit, das Erarbeitete auszu­ bieren, zu verarbeiten. Erst nach einer gewis­ sen Zeit kann benannt werden, ob der ge­ wünschte Effekt eingetreten ist – genau wie beim Waldstück auch erst nach einer gewis­ sen Zeit ersichtlich wird, ob die Neuentwick­ lung in die gewünschte Richtung geht. Zum Schluss entscheiden die Beteiligten, ob die Ziele erreicht worden sind und die Neu­ orientierung soweit gelungen ist. Ob dieser Prozess eine langfristige Wirkung hat, kann erst nach einer gewissen Zeit gesagt wer­

den. Auch hier kann das Beispiel mit dem Waldstück zu Ende gedacht werden. Als Berater unterstütze ich also den Prozess der Lösungsfindung. Aus eigener Erfahrung als Teammitglied von Veränderungsprozes­ sen weiss ich nur zu gut, wie hilfreich dies sein kann. Auch wenn im Nachhinein die Lösung so einfach aussieht, der Weg dort­ hin braucht seine Zeit und ist nicht immer so gradlinig wie oben beschrieben. Wider­ stände, Umwege und Stolpersteine sind da an der Tagesordnung. Meiner Meinung nach ist das ganz normal und, sofern offen darüber kommuniziert wird, auch ein kons­ truktives Mittel für das Erarbeiten einer fun­ dierten Lösung. Eine weitere Zutat ist die Lösungsfokussierung. Steve de Shazer hat mal gesagt, dass «es der Lösung egal ist, woher das Problem kommt». Ich finde die­ sen Satz sehr treffend und versuche diesen stets in das Coaching einzubauen. Die oben beschriebene Auftragsklärung nutze ich un­ ter anderem dazu, das Problem abzulegen, um mich danach voll auf die Lösung zu fokus­sieren. Mitunter darf auch ich als Berater Erwartun­ gen an den Kunden haben. Diese liegen bei mir in der Bereitschaft und Offenheit, etwas zu erproben. Ich denke, dies hängt sehr stark von der in der Einleitung beschriebe­ nen Sinnesfindung ab und kann auch wäh­ rend des Prozesses erarbeitet werden.

Kommunikation als Schlüssel für gutes Gelingen, aber auch für das Lösen von bestehenden Konflikten.

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Weiter erachte ich es als wichtig, dass sei­ tens der Führung klare Leitplanken gegeben werden, innerhalb dieser die Lösung zusam­ men erarbeitet werden kann. Die Grenzen dieses Ansatzes liegen dort, wenn zu starkes fachliches Wissen abgeholt werden will. Wie oben schon beschrieben, gehe ich davon aus, dass der Kunde das Wissen in sich trägt. Obwohl im Verlaufe der Zeit eine gewisse Erfahrung angeeignet wird, kann der Berater nie das tiefe Fach­ wissen erlangen wie der Kunde. Vielmehr wird der neutrale Blick des Be­ raters genutzt, um unvoreingenommen ­Lösungsansätze zu erarbeiten.

Unter Berücksichtigung dieser Rahmen­ bedingungen steht der Bearbeitung von Lö­ sungsansätzen für Veränderungen nichts im Wege. Vielmehr kann so der Einzelne im richtigen Masse abgeholt werden und eine gute Mischung von Objekt und Subjekt werden. «Punkt.»

Mario Cerniato mc coaching Brandisstrasse 4, CH-7000 Chur mccoaching@hotmail.com

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Anbieterverhalten auf dem Holzmarkt

Wie wird entschieden beim Holzfluss in Graubünden? (Bild: Sandro Krättli)

Wie lässt sich die Holzversorgung in einer Region verbessern? Diese Frage interessiert nicht erst seit der Schliessung des Gross­ sägewerks Domat/Ems. Daher wird im Rahmen des Nationalen Forschungspro­ ­ gramms 66 «Ressource Holz» derzeit das Verhalten der Holzmarktakteure untersucht. Ziel ist es, die Möglichkeiten einer Holz­ mobilisierung besser beurteilen zu können. Dazu haben Forscher der WSL eine Befra­ gung aller öffentlichen Forstbetriebe in Graubünden und im Aargau durchgeführt und die Ergebnisse verglichen. Es zeigt sich, dass die Entscheidung über das Holz­ angebot von vielen, unterschiedlichen As­ pekten abhängt. Ein Ziel des Nationalen Forschungspro­ gramms «Ressource Holz» (NFP66 2012) ist es, mehr über die Holzversorgung in der Schweiz zu erfahren. Wann und unter wel­ chen Bedingungen Waldholz verfügbar ist, hängt dabei entscheidend vom Verhalten der Holzanbieter ab (Olschewski & Thees 2012). In Graubünden – ebenso wie im Aargau – wird der Wald überwiegend durch öffentli­ che Forstbetriebe bewirtschaftet. Daher wurden in die Umfrage zum Marktverhalten vorrangig die öffentlichen Forstbetriebs­leiter einbezogen. Das Besondere dabei war, dass auch ökonomische Experimente durchge­

führt wurden, um zu erkennen, wie wichtig neben Preis und Menge z. B. ­Vertrauen oder Vertragslaufzeiten bei Angebotsent­ schei­ dungen sind. Die aus­führ­lichen Ergebnisse werden in der SZF-Schwerpunktnummer «Holzbeschaffung und Nachhaltige Nut­ zung» (5 /2015) in einem Artikel über das Marktverhalten öffentlicher Forstbetriebe veröffentlicht (Olschewski et al. 2015). Sie fliessen später in ein Computermodell ein, mit dem verschiedene Holzmarktszenarien und ihre Auswirkungen auf die Holzversor­ gung simuliert werden können. Strukturmerkmale der Waldbewirtschaftung Für die Untersuchung wurden ein Mittel­ land- und ein Gebirgskanton ausgewählt, um unterschiedliche Verhältnisse der Wald­ bewirtschaftung in der Schweiz zu erfassen. Es überrascht daher nicht, dass in Graubün­ den der Schutzwaldanteil überwiegt, wäh­ rend er im Aargau nur eine sehr geringe Rolle spielt. Dies hat zur Folge, dass die Bündner Forstbetriebe wesentlich höhere Zahlungen für die Schutzwaldpflege erhal­ ten, allerdings auch höhere Erntekosten ­tragen müssen. Auffällig ist, dass die Wald­ fläche pro Forstbetrieb in Graubünden mehr als doppelt so gross ist wie im Aargau. Da­ ­ uwachs und die Nutzung gegen sind der Z Bündner Wald 4/2015 47

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im Aargau bekanntermassen deutlich höher als in Graubünden. Auch bei der Erschliessung, gemessen in Meter Waldstrasse pro Hektar, liegt der Aargau vorn. Die Holzernte der öffentlichen Betriebe in Graubünden ist in den letzten zehn Jahren um 23 % auf rund 380 000 m3 gestiegen, während im Aargau ein Rückgang um 18 % auf knapp 335 000 m3 zu verzeichnen war (­BfS  2015). Dabei ist zu beachten, dass die produktive Waldfläche im Aargau mit rund 52 000 ha nur rund ein Drittel der entsprechenden Bündner Fläche ausmacht. In beiden Kantonen ist Nadelstammholz das ­ wichtigste Sortiment. Allerdings ist der Anteil des Energieholzes in den letzten Jahren gestiegen und liegt im Aargau mengenmässig jetzt fast gleichauf mit dem Stammholz (Olschewski et al. 2015). Struktur- und Verhaltensaspekte des Holzmarktes Auf dem Stammholzmarkt stehen den vielen kleinen Anbietern kantonsweit relativ wenige Sägereien gegenüber. Deren Zahl hat in den letzten Jahren in beiden KantoBfS 2015). Allerdings nen abgenommen (­ wird der grösste Teil des Stammholzes über die Kantonsgrenzen hinweg gehandelt; im Fall Graubünden vor allem nach Österreich

und Italien (Gabathuler 2010). Die befragten Anbieter bezeichnen ihren eigenen Einfluss auf die Holzpreise überwiegend als gering. Bei tiefen Preisen wird tendenziell weniger Holz angeboten, um bei später steigenden Preisen höhere Einnahmen zu erzielen. Diese Aussagen deuten darauf hin, dass die Forstbetriebe bestrebt sind, sich der jeweilige Marktsituation anzupassen (Bergen et al. 2013). Dabei geben knapp 90 % der befragten Bündner Forstbetriebe an, eine Deckung der Kosten anzustreben; rund 10 % nennen die Erreichung eines bestimmten Gewinns als Ziel. Im Aargau ergibt sich mit 40 %  Kostendeckung und 60 %  Gewinnerzielung ein umgekehrtes Bild. Dieses Ergebnis ist vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Wuchs- und Erntebedingungen verständlich. Langfristige Beziehungen mit Geschäftspartnern, zu denen bereits Vertrauen aufgebaut wurde, werden bevorzugt. Ein Wechsel der Absatzkanäle, etwa beim Markteintritt eines neuen Nachfragers, ist erst nach sorgfältiger Abwägung der längerfristigen Vor- und Nachteile zu erwarten. Die Betriebsleiter in Graubünden geben an, dass rund 40 % der jährlichen Einschlagsmenge auch ohne vertragliche Bindung für «bestimmte gute Kunden reserviert» werden. Im Aargau liegt die-

Befragung anlässlicher der Betriebsleitertagung in Ems. (Bild: WSL)

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ser Anteil rund 60 %. Langfristige Verträge für Stammholz werden hingegen überwiegend abgelehnt. Auf dem Energieholzmarkt, insbesondere dem Markt für Hackschnitzel, sieht dies anders aus. Vertragslaufzeiten von 10 bis 20 Jahren sind hier keine Seltenheit. Auch die Vermarktungskanäle von Stammund Energieholz unterscheiden sich. Während das Bündner Stammholz aus öffentlichen Wäldern zu jeweils ca. 40 % über Bündler und Forstunternehmer vermarktet wird, überwiegt beim Energieholz der verkauf an die Endabnehmer. Im Direkt­ ­Aargau liegt der Anteil des Direktverkaufs sowohl beim Stamm- als auch beim Energieholz mit etwa 70 % wesentlich höher (Olschewski et al. 2015). Ausblick Die vielfältigen Informationen über die Anbieterseite sollen durch entsprechende ­ Umfragen und Experimente im Kleinprivatwald ergänzt werden. Auf der Seite der Nachfrager wurden die Erhebungen bei den ­Sägewerkern vor Kurzem abgeschlossen; derzeit laufen die Vorbereitungen für die Befragung der Energieholzkäufer. Ziel ist es, das Marktgeschehen in einem basierten ­ Modell umfassend und agenten­ realitätsnah abzu­bilden. In diesem Modell können die mit bestimmten Eigenschaften ausgestatteten Holzmarktakteure auf einem virtuellen Markt miteinander handeln. Dabei kann mittels Szenarien untersucht werden, wie Holzanbieter und -nachfrager auf ­Markt­änderungen ­reagieren. Zum Beispiel kann der Einfluss von Wechselkursän­ derungen oder der Markteintritt eines neuen Säge- bzw. Holzheizkraftwerks auf die sorgung simuliert Holznutzung und -ver­ werden. So können einerseits generelle Marktentwicklungen vorab ein­ geschätzt werden; andererseits kann auch die Wirk-

samkeit spezifi­ scher Holzmobilisierungsmassnahmen geprüft werden. Im Idealfall können dadurch Fehlentscheidungen frühzeitig erkannt und vermieden werden. Literatur Bergen V, Löwenstein W & Olschewski R (2013) Forstökonomie – Ansätze für eine vernünftige Umwelt- und Landnutzung. Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. München: Vahlen. 477 S. BfS (2015) Bundesamt für Statistik. Forstwirtschaft. (http://www.bfs.admin.ch/bfs/ portal/de/index/themen/07/04.html) Gabathuler M (2010) Holzfluss Graubünden. Bündner Wald 63 (4): 41– 46. NFP 66 (Hrsg.) (2012) Porträt des Nationalen Forschungsprogramms (NFP 66) Ressource Holz. 32 S. (www.nfp66.ch) Olschewski R, Thees O (2012) Möglich­keiten und Grenzen der Analyse von Holzmärkten. Schweiz Z Forstwes 163 : 396 – 400. Olschewski R, Schaller M, Dittgen A, Lemm R, Kimmich C, Markovic J, Thees O (2015) Marktverhalten öffentlicher Forstbetriebe in Graubünden und im Aargau. Schweiz Z Forstwes 166 (5): 282–290.

Roland Olschewski Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL CH-8903 Birmensdorf roland.olschewski@wsl.ch

Oliver Thees Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL CH-8903 Birmensdorf oliver.theesa@wsl.ch

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Praktische Waldforschung sucht neue Ideen

Beratung zwischen Privatwaldeigentümern Buchegg, Solothurn. (Bild: Hasspacher & Iseli GmbH)

Seit fast siebzig Jahren fördern die Kantone und der Bund gemeinsam Forschungsvorhaben aus der Praxis. Der Wald- und Holzforschungsfonds unterstützt jedes Jahr rund zwölf Projekte mit insgesamt 770 000  Franken. Dabei gilt die Devise «von der Praxis für die Praxis», wie die aktuellen Beispiele aus dem Privat- und Gebirgswald zeigen. Sind Sie ein innovativer Förster oder eine findige Forstunternehmerin? Sie wollen die schweizerische Waldwirtschaft mit einer Idee befruchten? Am besten hecken Sie in Zusammenarbeit mit dem Kanton, a­nderen Partnern aus der Region oder einer Forschungsanstalt ein Praxisprojekt aus, ­ denn der Wald- und Holzforschungsfonds (WHFF) bevorzugt solche. Viele Themen sind denkbar: Feldprojekte zur Er­höhung der Stabilität durch spezielle Schutzwaldbewirtschaftung, ausserordentliche Pflegekonzepte

für den Erholungswald, Naturschutz oder andere Wald­leistungen, Untersuchungen zu Waldbau, Logistik und Erntemethoden, oder Projekte zu Faktoren wie Klimawandel oder Bodenschutz, die die Holzproduktion beeinflussen. Wichtig ist, das erworbene Wissen direkt an die Praxis weiterzugeben, wie auch die Umsetzung konkret anzupacken.

70 m breite Lücke in einem Fichtenwald

Privatwaldeigentümer bei einer Weiterbildungs-

im Prättigau. (Bild: P. Brang/WSL)

veranstaltung. (Bild: Waldbauverein Sense)

Etabliertes Förderinstrument Der WHFF unterstützt Projekte, die mithelfen, die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft zu stärken. Das Rohholzpotenzial im Wald soll erhalten, genutzt und der Rohstoff optimal verwertet werden (z.  B. in der Kaskade zuerst als Baustoff, dann als Holzwerkstoff und am ­ Schluss energetisch). Es geht dem WHFF um: – die effiziente Bereitstellung aller Waldleistungen;

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– die Optimierung der Prozesse und Produktionsmethoden; – eine bessere Umsetzung der Arten- und Sortimentsvielfalt in Produkten; – neue, innovative Verwendungsmöglichkeiten von Holz. Gesuche eingeben können Kantone, Forstbetriebe, Forstunternehmer und Forschungsanstalten. Die finanzielle Beteiligung des WHFF variiert zwischen ein paar Zehntausend bis über Hunderttausend Franken und gibt Impulse zur Selbsthilfe. Durchschnittlich dauern die Projekte jeweils ein bis zwei ­Jahre.

Die Mittel des Fonds stammen aus Beiträgen von den Kantonen und dem Fürstentum Liechtenstein (Fr. 300 000.– pro Jahr) sowie vom Bund (Fr. 470 000.– pro Jahr). Weitere Informationen zur Projekteingabe (Stichtage jeweils 31. März und 30. September) unter: www.bafu.admin.ch/whff Direktlink auf Flyer-PDF oder senden Sie Ihre Ideenskizze direkt an: wald@bafu.admin.ch. Walter Tschannen

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Fachtagung Lockergestein als Baustoff Lockergesteine sind in unterschiedlichster Form Baustoff Nummer 1. Was leisten normierte Lockergesteine gegenüber nicht normierten? Und welche Recyclingprodukte dürfen wo sinnvoll eingesetzt werden? Diese und weitere Fragen werden behandelt. Leitung:

Walter Krättli, Fachstelle forstliche Bautechnik Daniel Figi, Büro für technische Geologie

Durchführungsorte:

Vertreter Kieswerke Vertreter Umweltämter

Donnerstag, 20. 8. 2015, Tufertschwil/Bütschwil SG Mittwoch, 26. 8. 2015, Untervaz GR

Kosten: Fr. 250.- inkl. Verpflegung und Kursunterlagen Publikum: Berufsleute mit Bezug zum Kursthema Anmeldung und weitere Informationen unter www.fobatec.ch. Die Teilnehmerzahl ist beschränkt.

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Von Fall zu Fall (Privatfälle) Die private Waldwirtschaft wird in der Schweiz vor immer neue Herausforderungen gestellt. Verän­derungen der Besitzverhältnisse, der Eigentümerinteressen und der Holzkette prägen das aktuelle Bild. Im Projekt «Zukunftsvorstellungen Privatwald» (WHFF-Projekt 2012 – 2014) wurden die verschiedenen Initiativen zur Verbesserung der Zusammenarbeit und der gemeinsamen Holznutzung (Holzmobilisierung) porträtiert. Elf Beispiele aus der Schweiz zeigen: Der Ansatz ist von Fall zu Fall unterschiedlich, die Palette der Initiativen breit. Herangehensweisen sind: – koordinierte und eigentumsübergreifende Holzschläge ohne fixe Organisationsstruktur; – Zusammenschlüsse für gemeinsame Waldbewirtschaftung; – Zusammenschlüsse für verstärkte Interessenvertretung; – Beratung und Information der Privatwaldeigentümerinnen. Im Gegensatz dazu sind bei den fünf Fallbeispielen aus dem Ausland die Ansätze explizit auf die Privatwaldeigentümer zugeschnitten. Hier gibt es Waldbauernschulen, Dialogmarketing, Dachmarke, nationale Anlaufstellen. Mehr Informationen gibts im Schlussbericht inklusive aller Fallbeispiele: http://www.panbern.ch/Privatwald

Wie stark darf der Eingriff im Gebirgswald sein? Eine optimale Bewirtschaftung von Gebirgswäldern erfüllt viele Anforderungen. Sie ist wirtschaftlich, fördert die Schutzwirkung des Waldes vor Naturgefahren, schafft gute Bedingungen für die Verjüngung und sichert langfristig einen hohen Holzzuwachs. All dies stellt die Praxis vor eine komplexe Optimierungsaufgabe. Seit rund zehn Jahren wird im Gebirgswald vermehrt sehr stark eingegriffen, vor allem wirtschaftlich begründet: Steigende Eingriffsstärke lässt die Kosten für die Holzernte ten­denziell sinken. Es zeigt sich allerdings, dass solche Kleinkahlflächen teilweise längere Zeit unverjüngt bleiben. Langfristig könnte diese Praxis daher die Waldverjüngung um viele Jahre verzögern und den Holzzuwachs vermindern. Das seit 2013 laufende Projekt «Eingriffsstärke und Holzzuwachs im Gebirgswald» hilft der Praxis ab­zuschätzen, ob und welche Auswirkungen die Eingriffsart und -stärke auf den Holzzuwachs in (hochmontanen und subalpinen) Fichten- und Fichten-Tannen-Wäldern hat. Träger sind das Amt für Wald und Naturgefahren des Kantons Graubünden (AWN) zusammen mit der Eidgenös­sischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und der Fachstelle für Gebirgswaldpflege (GWP). Dabei soll unter anderem auch ein einfaches Berechnungstool entstehen, mit dem konkret der Einfluss der unterschiedlichen Waldbaupraktiken auf den zukünftigen Holzzuwachs beurteilt werden kann. Neben dem WHFF beteiligen sich auch neun Kantone direkt an der Finanzierung. 52

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http://www.wsl.ch/fe/waldressourcen/projekte/eingriffsstaerke_und_zuwachs/index_DE

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Graubünden-Holz-Projekt Kooperation Bündner Sägereien In den Bündner Wäldern werden jährlich rund 400 000 Kubikmeter Stammholz ge­ nutzt. Der Grossteil wird derzeit nach Ita­ lien, Österreich und Deutschland exportiert. Das Bündner Stammholz wird im Ausland verarbeitet und veredelt und wird dann wie­ der eingeführt, was zu grossen Wertschöp­ fungseinbussen für den Kanton Graubünden führt – ökonomisch und ökologisch unsin­ nig. In Zusammenarbeit mit Studenten der HTW Chur hat Graubünden Holz im Früh­ jahr dieses Jahres ein Projekt lanciert, wel­ ches der kleinstrukturierten Sägereiland­ schaft in Graubünden wieder mehr Gewicht verleihen soll. Ausgangslage Die Bündner Sägereibranche ist geprägt durch eine ausserordentliche Kleinstrukturiertheit. Aufgrund zahlreicher Betriebsschliessungen von Bündner Sägereien in den letzten Jahren haben wir in Graubünden nur mehr eine bescheidene Einschnittmenge von Rundholz. Alle dem Sägereiverband (Holzindustrie Schweiz, Regionalgruppe Graubünden) angeschlossenen Sägereien schneiden zusammen pro Jahr zwischen 15 000 und 20 000 Kubikmeter Rundholz ein. Dies entspricht rund 3,75 bis 5 % der zur Verfügung stehenden Rundholzmenge. Die genaue Einschnittmenge kann derzeit jedoch nicht bestimmt werden, da nicht alle Sägereien dem Verband angehören und somit statistisch nicht erfasst sind. Die kleinen Sägereien kämpfen mit hohen Produktionskosten und können im internationalen, aber auch nationalen Vergleich mit grösseren Sägewerken, welche mit markant tieferen Produktionskosten produzieren, nicht mehr mithalten. Hinzu kommt, dass der Holzbau zunehmend Leimholzprodukte wie z. B. Brettschichtholz oder Brettsperrholz verwendet und die traditionellen Schnitt-

holzprodukte immer weniger nachgefragt werden. Die Leimholzproduktion in Graubünden ist marginal. Ein Betrieb, welcher noch Leimholzprodukte herstellt, schneidet das nötige Schnittholz in der Regel selber ein, womit auch dieser Markt für das Gros der Bündner Sägereien wegfällt. Im Laufe der letzten Jahre kam es deshalb zu zahlreichen Schliessungen von Bündner Sägereien. Die noch bestehenden, vorwiegend regional tätigen Sägereien stehen somit unter massivem Preis- und Konkurrenzdruck. Gefragt sind innovative Ideen, Positionierung in Nischen, Spezialisierung auf Sonderprodukte oder Angebote mit hohem Dienstleistungsanteil. Da entsprechende Investitionskosten von einzelnen Sägereien oft nicht getragen werden können, bietet sich das Kooperationsmodell an. Jahr

Einschnitt (m3)

1991

91 345

1996

67 846

2002

48 269

2007

289 818

2012

25 493

Entwicklung des Rundholzeinschnittes in den Sägereien in Graubünden. Der massive Anstieg des Einschnitts im Jahr 2007 lässt sich durch den Betrieb des Grosssägewerks in Domat/Ems erklären (Produktion 2007 bis 2010). (Quelle: BFS – Statistisches Lexikon der Schweiz)

Projektinhalt und -ziele Das Projekt «Kooperation Bündner Sägereien» wird in Zusammenarbeit mit Studenten des Masterstudiengangs Business Administration Major New Business der HTW Chur durchgeführt. Die erste der beiden Projektphasen wird ­primär von den HTW-Studenten bearbeitet Bündner Wald 4/2015 53

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Das Projekt «Kooperation Bündner Sägereien» ist in zwei Phasen unterteilt. Phase 1 enthält die Analyse und die Erarbeitung von Lösungs­vorschlägen, Phase 2 beschäftigt sich mit der Umsetzung der erarbeiteten Vorschläge.

und beinhaltet neben einer umfassenden IST-Aufnahme der Bündner Sägereibranche bezüglich Branchenstruktur, Einschnittmengen, Technologien, Kapazitätsauslastungen, Produkten und Absatzmärkten weiter eine auf Grundlage des IST-Zustandes resultierende Stärken-und-Schwächen-Analyse. Zudem werden in Phase 1 mögliche Massnahmen (Kooperationsmodelle, Verkaufsförderungen etc.) erarbeitet, welche zu einer Verbesserung der aktuellen Situation, zu einer Steigerung der Produktion (Einschnittmenge) und somit zu einer Erhöhung der Wertschöpfung der Bündner Sägereibranche beitragen werden. In der zweiten Projektphase werden dann Sägereibetriebe gesucht, welche Interesse daran haben, die erarbeiteten Verbesserungsmassnahmen umzusetzen. Graubünden Holz wird hierbei den Lead übernehmen und den Unternehmen beim Aufbau und der Pflege der Kooperations- und Geschäftsmodelle unterstützend zur Seite stehen. Status quo In Phase 1 wurden nach einer ausgiebigen Literaturrecherche Expertengespräche mit

Spezialisten aus der Sägereibranche wie auch der vor- und nachgelagerten Prozesse (Waldwirtschaft und Weiterverarbeitung) geführt. Die Resultate dieser qualitativen Befragung haben dazu beigetragen, die «variablen» und «richtigen» Fragen für die quantitative Umfrage unter allen Bündner Sägereien zu definieren. In einem nächsten

Zielsetzung Die Zielsetzung des Projektes «Koopera­tion Bündner Sägereien» besteht darin, konkrete Kooperations- und Geschäftsmodelle zu entwickeln und umzusetzen, die den einzelnen Sägereibetrieben den Einstieg in neue Märkte und neue Geschäftsfelder ermöglichen.

Schritt werden die HTW-Studenten mithilfe eines erstellten Fragebogens eine telefonische Vollerhebung unter allen Bündner ­Sägereien durchführen, welche die Grundlage für die anschliessende IST-Analyse der

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Die Resgia S-chanf ist am neuen Standort seit 2011 erfolgreich in Betrieb und gehört mit einem jährlichen Einschnitt von rund 3 000 m3 mittlerweile zu den grössten Bündner Sägereien. (Bild: Graubünden Holz)

Bündner Sägereibranche bildet. Nach Abschluss der Phase 1 im August dieses Jahres wird Graubünden Holz mit der Umsetzung der in Phase 1 erarbeiteten Massnahmen beginnen.

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20 Jahre Bildungswerkstatt Bergwald Nachhaltigkeit für Jugend und Wald Unter der Leitung eines Forstfachmannes legen die Oberstufenschüler die Fallkerbe an und zeichnen das Band und die Höhe des Fällschnittes an. Jetzt folgt der Teil, der in die Knochen geht und doch Fingerspitzengefühl braucht: Zu zweit muss mit der langen Säge ein gerader Schnitt erfolgen. Dies braucht gleichzeitig Teamwork, eine gute Technik und etwas Kraft. Endlich – der Baum fällt in die vorgesehene Richtung und Erleichterung und Stolz machen sich breit. Die Jugendlichen haben Spuren hinterlassen in ihrem Wald, den sie in ihrer Projektwoche pflegen helfen. Ihre Arbeit wird auch noch in zehn Jahren Wirkung zeigen, wenn auf der jetzt entstandenen Lichtung bereits wieder junge Bäume nachgewachsen sind. Nachhaltigkeit in vielen Bereichen Doch nicht nur die Natur profitiert langfristig vom Einsatz der Oberstufenschulklasse im Berggebiet. Auch die Jugendlichen tragen nach einer Woche Einsatz im Wald einen Erfahrungsschatz nach Hause, wel­ cher ihnen immer wieder hilfreich sein wird. Sie haben gelernt, dass im Team Leistungen möglich sind, welche sie sich zu Beginn der Woche nicht erträumt hätten. Das BWBWLernen an der Natur und am Leben (Bild: BWBW)

Team vor Ort hat an ihr Wirken geglaubt und sie unterstützt, die gesetzten Ziele trotz anstrengender Arbeit und nicht immer angenehmem Wetter zu erreichen. Das macht stolz und stärkt das Selbstvertrauen. Auf diese Weise hilft die Einsatzwoche, die eigene Kraft zu spüren, Grenzen zu erfahren und gemeinsam zu überwinden. Diesen Prozess anzustossen, sehen wir Verantwortlichen der Bildungswerkstatt Bergwald denn auch als unser wichtigstes Werk an – noch vor der Pflege des Waldes. Die Arbeiten, welche die Schulklassen ausführen, sind so vielfältig wie der Wald selber. Sie sind für die Erhaltung der Biodi­versität im Einsatz und schaffen Le­bens­grundlagen für verschiedene Tier- oder Pflanzenarten in den Alpen. Andere Gruppen sanieren Wanderwege und bauen Brücken oder pflegen den Jungwald. Auch die Sicherung von Rutschhängen und die Verjüngung des Waldes durch Holzernte gehören zu den Arbeitsgebieten, die die Bildungswerkstatt Bergwald ausführt. Die Veränderungen sind sofort sichtbar, ihre Auswirkungen werden aber auch in Zukunft für Natur und Mensch spürbar sein. So ganz nebenbei  ... Auch wenn die Jugendlichen kein Schulwissen büffeln, lernen sie beinahe unbemerkt Zusammenhänge erkennen und füllen die Begriffe Biodiversität, Nachhaltigkeit und Ökologie mit Leben. Nachhaltig ist, «was danach noch hält», erklärt ein Mädchen. «Wir dürfen nur brauchen – ohne zu verbrauchen. Auf diese Weise haben wir etwas davon und die, die nach uns kommen, auch.» Wer die ganze Woche Bäume und Pflanzen um sich hat, lernt auch deren Namen und Eigenarten kennen. Und ganz neben­bei animiert der Wald auch zu einer kombinierten Geschichts-, Biologie- und

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Philosophiestunde. Was war in der Schweiz los, als der innerste Jahrring entstand; war­ um ist jener so viel breiter als die anderen? Wie sieht wohl die Welt aus, wenn dieser Same ein Baum mit demselben Umfang ist wie der soeben gefällte? Einsätze in der ganzen Schweiz Seit der Forstingenieur und Lehrer Christoph Leuthold 1995 die Bildungswerkstatt Berg­ wald ins Leben gerufen hat, haben rund 20 000 Jugendliche die Möglichkeit gehabt, den Bergwald kennenzulernen und mitzuge­ stalten. Bis zum Jubiläumsjahr haben sie ge­ meinsam insgesamt gut 80 000 Einsatztage in 160 Forstrevieren und 18 Kantonen ge­ leistet. Die involvierten Forstreviere erstrecken sich über den Jurabogen und den gesamten ­Alpenraum. Viele greifen immer wieder auf Projektwochen der BWBW zurück, um an­ fallende Arbeiten zu erledigen. In den letzten Jahren lag dabei der Schwer­ punkt in den Kantonen Graubünden, Bern und Wallis sowie der Zentralschweiz. Allein im Kanton Graubünden wurden in den letz­ ten drei Jahren 63 Einsatzwochen durchge­ führt – was mehr als ein Drittel aller Einsätze ausmacht. Die professionellen Waldprojektwochen durch ausgewiesene forstliche Fachkräfte, welche sich auch regelmässig pädagogisch fortbilden, sind beliebt. In vielen Schulen gehört der Einsatz mit der Bildungswerk­ statt Bergwald zum jährlichen Programm und das Echo ist nach Ablauf der Woche einhellig: «Wir haben etwas geschaffen, wir haben den Wald und uns selbst intensiv er­ lebt und neu kennengelernt. Es war eine Superwoche!» Kein Wunder also, dass be­ reits im ersten Quartal des Jahres die an­ gebotenen Projektwochen jeweils praktisch ausgebucht sind.

Ausloten der persönlichen Leistungsgrenze (Bild: Kaspar Zürcher)

Wandel und Erneuerung Der Erfolg bei den beteiligten Schulklassen hat jedoch auch eine Kehrseite: Für jede Waldprojektwoche müssen Drittmittel in der Grössenordnung von 10 000 Franken akquiriert werden. Das Fundraising für diese Mittel ist äusserst aufwendig und zuneh­ mend schwierig zu erreichen. Wir sehen da­ rin jedoch auch eine Chance und nehmen diese Schwierigkeiten zum Anlass, unser Angebot zu überdenken und zu überarbei­ ten. Wir orientieren uns dabei an dem, was uns letztlich am meisten am Herzen liegt: Menschen über die Arbeit in der Natur ein kleines Stück näher zu sich selber zu brin­ gen. Und dafür gibt es kaum etwas, was besser geeignet ist als der Bergwald. Kaspar Zürcher Stiftung Bildungswerkstatt Bergwald Reitweg 7, CH-3600 Thun zuercher@bergwald.ch

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Lehrabschlussfeier der Bündner und Liechtensteiner Forstwarte

Die frischgebackenen Forstwarte an der Lehrabschlussfeier auf der Diavolezza (Bilder: Gion Willi)

Mitte Juni traten 29 angehende Forstwarte aus dem Kanton Graubünden und dem Fürstentum Liechtenstein den letzten Teil ­ihrer Lehrabschlussprüfung in Trimmis an. Die Prüfungen wurden vom Amt für Wald und Naturgefahren organisiert. Die tradi­ tionelle Lehrabschlussfeier, welche von Graubünden Wald organisiert wurde, fand am 26. Juni auf der Diavolezza statt. Am 26. Juni trafen sich bei der Talstation der Luftseilbahn Diavolezza die frischgebacke­ nen Forstwarte, ihre Angehörigen, Berufs­ bildner, Experten und Gäste, alles in allem rund 140 Personen, um den erfolgreichen Lehrabschluss zu feiern. Die beiden Fest­ redner Leo Thomann und Markus Dieth würdigten in ihren Reden die Leistungen der 30 erfolgreichen Absolventen und gra­ tulierten ihnen zur bestandenen Lehrab­ schlussprüfung. Die feierliche Übergabe der eidgenössischen Fähigkeitszeugnisse mit der Prämierung der drei besten Lehrab­ schlüsse wurde von Dominic Schilling (AWN) angeleitet, wobei er tatkräftig von Leo Thoman, SELVA, Dr. Markus Dieth, Amt für Berufsbildung, sowie Mario Riatsch, Graubünden Wald, unterstützt wurde. Wie jedes Jahr durfte der beste Absolvent als Lohn für seine grossartige Leistung die be­ gehrte goldene Axt entgegennehmen. Felix Voneschen konnte diese Trophäe ­Jakob Do­ koupil, welcher seine Lehre bei der Forstun­ ternehmung Florinett in Bergün ­absolvierte,

für seinen Abschluss mit der Bestnote 5,3 überreichen. Ebenfalls mit der Note 5,3 ab­ geschlossen haben Luzi Allemann aus der Forstunternehmung Florinett in Bergün so­ wie Nils Horn aus der Forstunternehmung Candinas in Rabius, beide ohne Allgemein­ bildung. Für die zweit- und drittbesten No­ ten gab es ebenfalls ein kleines Präsent. Die­ se Ehre wurde im zweiten Rang mit Note 5,2 Beat Cadruvi, Uffeci forestal Sumvitg, Mau­ ro Gartmann, Revierforstamt Flerden, Gian Mattia Janett, Forstamt Valsot, Dario Müller, Forst- und Alpverwaltung Chur, sowie im dritten Rang mit Note 5,1 Simone Crameri, Moritz, Simon Dunker, Revierforstamt St.  Forstamt Schaan FL, Andrin Marugg, Zweckverband Falknis, Daniel Sutter, Re­ vierforstamt ­Seewis Dorf, Marc Warnier, Re­ vierforstamt Klosters, zuteil. Insgesamt haben die Prüfung mit Erfolg ab­ solviert (in alphabetischer Reihenfolge): Albrecht Silvan, Breil/Brigels; Allemann Luzi, Forstunternehmung Florinett; Bader Patrick, Trimmis; Cadruvi Beat, Sumvitg; Camenisch Mevion Mic, Celerina; Caprez Fabio, Sagogn-Laax; Coray Nico, Innerferera; ­ ­Crameri Simone, St. Moritz; Gruber Andreas, Forstunternehmung Florinett; Dokoupil ­Jakob, Forstunternehmung F­ lorinett; Dunker Simon, Schaan FL; Gartmann Mauro, Fler­ den; Horn Nils, Forstunternehmung Can­ dinas; Janett Gian Mattia, Valsot; Karrer Claudio, ­ Cazis; Marugg Andrin, Falknis; Bündner Wald 4/2015 59

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Maurer Silvio, Furna; Müller Dario, Chur; Podolak Nico, Untervaz; Raschein Ralf, Falk­ nis; Rodigari Flavio, Zernez; Scheibler Fa­ bian, Domat/Ems; Sprecher Sebastian, Ma­ laders; Sutter Daniel, Seewis Dorf; Thöny Flavio, L­a-Punt; Tschol Kevin, Mauren FL; Vogt Roger, Arosa; Warnier Marc, Klosters; Willi Luca, Domat/Ems; Wolf M ­ artin, Z ­ illis Schamserberg

Dominic Schilling Amt für Wald und Naturgefahren Loëstrasse 14, CH-7000 Chur ­Jakob Dokoupil mit der goldenen Axt.

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Alles über die Eibe Eine der geheimnisvollsten und interessantesten einheimischen Baumarten ist gewiss die Eibe (Taxus baccata). Schon seit seiner Zeit als Forstwartlehrling ist der Förster Jürg Hassler-Schwarz deren Faszination erlegen und hat sich seitdem mit viel Eifer und Herzblut ein umfassendes Wissen zu dieser Baumart angeeignet. Zum Nutzen für alle baumkundlich und ethnobotanisch interessierten Fachleute und Laien lässt uns nun Jürg Hassler mit einer fachlich fundierten Publikation an seinen Kennt­nissen teilhaben. Das gut lesbare, reich ­ illustrierte und sehr ansprechend gestaltete Büchlein mit 60 Seiten Umfang darf wohl mit Fug und Recht als kleine Eiben-Monografie bezeichnet werden. Eine detaillierte morphologische Beschrei­ bung von Blüte und Frucht, über den Auf­ bau der Nadeln und die Holzanatomie bis hin zu Rinde, Stamm und Wurzelwerk schält die biologische Charakteristik der Eibe he­ raus und erklärt auch ihre systematische Sonder­ stellung im Vergleich zu den typi­ schen Koniferenarten wie Fichte oder Föhre. Auf die Verflechtung der Eibe mit ihrer Umwelt wird ebenfalls ausführlich einge­ ­

gangen. Neben der allgemein bekannten Schattentoleranz werden weitere wichtige Standortansprüche beschrieben und in ei­ nem Ökogramm zusammengefasst. Auf das gesamte Verbreitungsareal der Eibe wird kurz, auf das Vorkommen in Graubünden etwas ausführlicher und durch eine Verbrei­ tungskarte ergänzt eingegangen. Zahlreiche nützliche und schädigende Beziehungen mit anderen Organismen – von den Pilzen bis zum Schalenwild – sowie deren Bedeutung für die Ausbreitung der Samen werden mit Text und Bild illustriert. Als seltene und spezialisierte Baumart ver­ dient die Eibe eine vermehrte Aufmerksam­ keit und Förderung durch den Forstdienst. Im entsprechenden Kapitel wird hier vor ­allem auf das sensible Verhalten bei stärke­ ren Eingriffen mit Freistellung und auf den starken Wilddruck, der die Verjüngung oft stark beeinträchtigt, eingegangen. Wohl allgemein bekannt ist die Verwen­ dung von Eibenholz für die Herstellung von Pfeilbogen und Armbrust im Mittelalter, ­sowie die Giftigkeit der Eibe insbesondere für Mensch und Haustiere. Beide Themen­ bereiche werden ausführlich behandelt und

Jürg Hassler-Schwarz, Die Eibe (2015) Eine Beschreibung der physischen und mythischen Eigenschaften sowie der kulturellen Bedeutung in Graubünden. Calven Verlag, Chur ISBN 978-3-905261-39 -4 2. erweiterte Auflage, 60 Seiten (Preis: Fr. 25.– zzgl. Porto und Verpackung) Zu beziehen beim Autor: Jürg Hassler-Schwarz, Sum Curtgins 9, CH-7013 Domat Ems, Telefon 078 710 94 95, E-Mail fam.hassler@bluewin.ch

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Inserat

damit unser Halbwissen fachlich fundiert gefestigt. Die Bedeutung der Eibe für den Menschen seit der Steinzeit mit dem Höhepunkt der Nutzung im Mittelalter wird ausführlich erläutert, ebenso wie die heutige eingeschränkte Nutzung des Holzes für Spezialarbeiten. Auch die Verwendung der schnitttoleranten Eibe in der Gartengestaltung sowie im kulturellen Bereich sind Themen in diesem Kapitel. Besonders interessant sind die detaillierten Ausführungen zum Gift der Eibe (Taxin), seine unterschiedlichen Konzentrationen in den einzelnen Baumteilen, sowie die Schilderung der toxischen Wirkungen und Vergiftungserscheinungen. Auch auf die weniFlorinett AG 2014 (10.01.2014)

ger bekannte medizinische Verwendung von Eibenextrakten als Heilmittel wird in diesem Kapitel hingewiesen. Der Mystik und dem verborgenen Charakter dieser düster wirkenden und geheimnisvollen Baumart sind zum Abschluss einige philosophische Gedanken gewidmet. Wer das kleine Buch aufmerksam durchgelesen hat, wird dem Autor wohl zustimmen, dass die Eibe nicht nur als «Baum des Todes», sondern im ewigen Spiel von Werden und Vergehen ebenso auch als «Baum der Wandlung» verstanden werden kann.

Markus Bichsel

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Vorschau «Bündner Wald» Oktober 2015 Naturschutzbilanz aus dem «Bündner Wald» Naturwald- und Sonderwaldreservate hier, Alt- und Totholzinseln dort, Förderung grob­ astiger Lärchen auf Waldweiden, Er­ haltung knorriger Eichen im Gebirgswald, Wiederbelebung alter Kastanienselven usw. Beim Blick auf all die Biodiversitätsförderprojekte im Bündner Wald könnte man den Eindruck erhalten, dass unsere Waldwirtschaft längst den Anforderungen von BioSuisse genügen sollte und wir nebst dem FSC-Bäumchen auch noch die Bio-Knospe auf die Holzliste drucken können. Im Ernst: Die Grössenverhältnisse darf man bei solchen Anmerkungen nicht ausser Acht lassen. Diverse Bio-Waldprofis werden uns Ende Oktober über den Stand der Dinge informieren.

Vorschau auf die nächste Nummer: Dezember 2015: Einsatzorganisation bei Unwetterereignissen Redaktion: Sandro Krättli

Redaktion: Jörg Clavadetscher

Herausgegeben von Graubünden Wald, Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden und der SELVA. Verleger: Südostschweiz Verlegerin: © Somedia (Südostschweiz Presse und Print Presse AG, Südostschweiz und Print AG), Print, CH-7007 CH-7007 Chur Sekretariat: SELVA, Chur Sekretariat: SELVA, Urs Rutishauser, Christophe­BTrüb, ahnhof­Bahnhofplatz CH-7302 1, CH-7302 Landquart, Landquart, Telefon + 41 Telefon (0) 81 + 41 300 (0)22 8144, 300buendnerwald  22 44, buendnerwald  Redaktoren: Jörg Redaktoren: Jörg Clava­detscher, Clava­ platz 1, @  selva-gr.ch @  selva-gr.ch detscher, Revierdaforestal da ValCH-7535 Müstair, CH-7535 Telefon (0) 81 + 41 858(0)588121, 858 forestal-muestair  58 21, forestal-muestair  Sandro Krättli, Revier forestal Val Müstair, Valchava,Valchava, Telefon + 41 @ bluewin.ch. @ bluewin.ch. 81 300+ 41 24 11, (0) 81 sandro.kraettli  300 24 11, @ sandro.kraettli  wn.gr.ch. AWN SandroGR, Krättli, Sagastägstrasse AWN GR, Sagastägstrasse 13, CH-7220 Schiers, 96, CH-7220 TelefonSchiers, + 41 (0)Telefon  awn.gr.ch. Die @ aRedaktion Die behält Redaktion sich vor,behält Beiträge sichinvor, nicht Beiträge verlangter in nicht Form verlangter ohne Rückfrage Form ohne zu ändern. Rückfrage Herstellung: zu ändernSomedia Druckvorstufe Production, (Satz,Postfach Lithos, Belich491, : Südostschweiz Presse undChur, PrintTelefon AG, Südostschweiz Print, 51Antonin 11, Fax Friberg + 41 (0)Druck: Südostschweiz 81 255 51 05. Erscheint Presse sechsmal und Print jährlich. AG, tung)  Sommeraustrasse 32, CH-7007 + 41 (0) 81 255 Auflage: Süd­ostschweiz 1700 Exemplare Inserate: Somedia Promotion, Neudorfstrasse 17, CH-7430 Print, Postfach 508, Kasernenstrasse 1, CH-7007 Chur, Telefon + 41 (0)Thusis, 81 255Telefon 51 11,+ 41 Fax (0) + 4181(0)650 81 00 70, (0)Erscheint 81 650 00 74, thusis@somedia.ch bonnementspreise: CHF 60.– (inkl. MwSt. für Mitglieder Verein Fax 255 + 41 52 89. sechsmal jährlich. Auflage ­A1700 Exemplare Inserate: Südostschweiz Publicitas AG, Neudorfstrasse 17, (0) 81 650Postfach 00 74, thusis@so-publicitas.ch ­Abonnementspreise: Graubünden Wald) Abonnemente/Adressänderungen: Aboservice, 491, Sommeraustrasse 32, CH-7007 Chur, CH-7430 Thusis, Telefon + 41 (0) 81 650 00 70, Fax + 41 81 255 54 54, abo  www.buendnerwald.ch CHF 60.– (für(0) Mitglieder Verein Graubünden Wald) Abonnemente/Adressänderungen: Südostschweiz Presse und Print AG, Telefon + 41 @ somedia.ch, 50 50,nicht mit der Ansicht Für Inseratetexte übernimmt die Redaktion keine Verantwortung, muss die Meinung der255 Beiträge Postfach 508, Abound Zustellservice, Kasernenstrasse 1, CH-7007auch Chur, Telefon + 41 (0) 81 www.buendnerwald.ch der Redaktoren übereinstimmen. Autoren, die zu oben stehenden Themen publizieren möchten, sind herzlich eingeladen, ihre Für Inseratetexte übernimmt die Redaktion keine Verantwortung, auch muss die Meinung der Beiträge nicht mit der Ansicht Vorschläge der Redaktion einzureichen. der Redaktoren übereinstimmen. Autoren, die zu obenstehenden Themen publizieren möchten, sind herzlich eingeladen, ihre Vorschläge der Redaktion einzureichen.

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