Bündner
Wald
Jahrgang 68 | April 2015
«St. Antönien – hinter dem Mond links»
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Inhalt
«St. Antönien – hinter dem Mond links» Editorial.................................................. 4
Erläuterungen des Kassiers
Herzlich willkommen
32. Skipostenlauf in Davos......................... 80
«hinter dem Mond links»............................ 5
Maturaarbeit Calandawölfe
Naturnaher Tourismus in St. Antönien.......... 6
Akzeptanz in der Bevölkerung................... 83
Gschichtä vam Winter,
Neubau Werk- und Einstellhalle
zur Jahresrechnung und Bilanz 2014.......... 76
was i ärläbt han in Sant Antönia.................. 9
der Solèr Holz AG in Bonaduz.................... 86
Lawinengeschichte
Wenn ein Förster Schreiner ausbildet......... 88
und Landschaftswandel............................. 17
30-Jahre-Dienstjubiläum
Die Schutzwälder von St. Antönien............ 22
Raphael Schwitter..................................... 91
Beurteilung der Waldwirkung
Schönheit und Sicherheit in Balance........... 92
im rutschgefährdeten Hang....................... 27
Leserbrief – Schöne Backsteinbauten –
Geschichte der Lawinenverbauung
energietechnisch problematisch................. 94
vom Gebiet Chüenihorn............................ 37
Vorschau «Bündner Wald»
Solarprojekt Chüenihorn
Juni 2015.................................................. 95
mehr Sonne als in der Wüste..................... 42 Die St. Antönier und die Montafoner......... 44 Ein Ägypter in St. Antönien, Mohamed Hossni-Flütsch.......................... 52 Rundwanderung Lawinenverbauung Chüenihorn................. 57
Für einmal Glück gehabt –
Mit ruhiger Hand und scharfen Augen....... 62
die Geschichte St. Antöniens ist eng verwoben
Scherenschnitte –
mit verheerenden Lawinenniedergängen.
von St. Antönien bis China......................... 64
(Bild: Sandro Krättli)
Tagungsprogramm Jahresversammlung 2015.......................... 67
Das St. Antöniertal wurde einst von
Comic Theo & Heinz.................................. 68
den Walsern besiedelt und ist nun eine Perle
Jahresbericht 2014
für sanften Tourismus.
des Vorstands von Graubünden Wald........ 69
(Bild: Sandro Krättli) Bündner Wald 2/2015 3
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Editorial
Wir Bergler sind wehrhaft und lassen uns nicht alles gefallen. Das Leben zwischen den Tälern stiftet uns Identität. Was von oben kommt, nehmen wir nicht einfach so hin – seien es Lawinen oder fremde Bestimmungen! Am liebsten sind wir Herr der Lage und bestimmen selbst über unser Glück. Nur wenns dann wirklich nicht mehr geht, sind wir bereit, Hilfe anzunehmen bzw. diese dann auch vehement einzufordern. Im nahen Unterland heisst dies dann schnell einmal Jammern. Doch wir finden es legitim, schliesslich ist das Leben hier beschwerlich und trotzdem pflegen wir unbeirrt unsere Landschaft. Wir Bergler stiften Identität für ein ganzes Land, welches sich auszeichnet mit Bergen, Natur und Tradition. Auch bei Themen, die uns weniger betreffen als die Städter, haben wir eine klare Haltung. Die Minarett- oder die Masseneinwanderungsinitiative wurde mit erstaunlichen Mehrheiten besonders in den «potenzialarmen» Räumen angenommen – je «potenzialärmer» desto deutlicher. Somit scheinen nicht nur Gefahren von oben Angst auszulösen. Schriftsteller Lukas Bärfuss wurde in einem Interview, welches nach Annahme der Massenauswanderungsinitiative entstand, gefragt, ob Angst fremdenfeindlich macht. In seiner Äusserung liegen für mich viele Antworten, die noch mehr erklären: «Ich fürchte, es ist komplizierter. Ich bin oft im Prättigau. Dort bin ich wie auch meine deutschen, französischen und argentinischen Freunde herzlich willkommen. Trotzdem haben über 60 Prozent für die Initiative gestimmt. Ich habe das Gespräch gesucht und festgestellt: Das war kein Votum gegen Ausländer. Es war Ausdruck des Gefühls, keine Identität mehr zu haben. Den Bauern geht es wirtschaftlich nicht schlecht, aber sie haben ihren Platz in der Gesellschaft verloren. Einerseits sollen sie wettbewerbsfähiger werden, sich den Märk-
ten öffnen, und gleichzeitig haben sie das Gefühl, von Bundesbern gegängelt zu werden. Sie können nicht über ihr Schicksal bestimmen. Die Schafzüchterin bestimmt weder den Preis des Lammkoteletts noch kann sie selber entscheiden, ob sie ihre Schafe gegen Blauzungenkrankheit impfen will. Man kann den Menschen Kurzsichtigkeit vorwerfen. Aber jeder von ihnen hat eine Stimme. Und es wäre Aufgabe der Politik, sich um diese Leute und ihre Ängste zu kümmern, statt sie sich selbst und den Populisten zu überlassen.» Das Wahljahr hat begonnen und man will sich wieder um solche Ängste kümmern. Besonders profilie en kann man sich momentan mit oder eher gegen den Wolf. Ein russisches Sprichwort sagt: «Wo der Wolf lebt, wächst der Wald». Ob die Bündner Förster dies auch so sehen, konnte ich noch nicht beantworten. Ich habe aber das Gefühl, dass wir uns als Forstdienst in einer Identitätskrise befi den, wie sie Lukas Bärfuss in einem anderen Zusammenhang umschrieben hat, weil sonst müsste man die Stimme des Waldes bei der Wolfsdebatte hören. Wir treffen uns zur Jahresversammlung in St. Antönien, hinter dem Mond links. Dies sollte immer auch der Moment sein, wo wir uns um unsere Identität kümmern – nämlich jene Branche zu sein, welche geeint eine nachhaltige Waldbewirtschaftung betreibt. Dies bedingt tiefgründige und ehrliche Sachdiskussionen unter Gleichgesinnten. Gesellige Anlässe nur der Geselligkeit wegen fördern zwar ein gutes Gruppengefühl, stiften aber noch lange nicht Identität. Sandro Krättli, Redaktor Bündner Wald Sagastägstr. 96, CH-7220 Schiers sandro.kraettli@awn.gr.ch
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Herzlich willkommen «hinter dem Mond links» St. Antönien freut sich, Austragungsort der Generalversammlung von Graubünden Wald zu sein und heisst alle Mitglieder herzlich willkommen. Die Grösse der Waldfläche wird wohl für den Versammlungsort nicht ausschlaggebend sein. Sonst dürften wir innerhalb von 20 Jahren wohl nicht schon wieder der Gastgeber sein. Der Wald hat in unserem entlegenen Bergtal aber eine besondere Funktion. Er schützt einen grossen Teil der Besiedlung vor Lawinen. Die Pflege dieses Schutzwaldes hat deshalb eine hohe Priorität. St. Antönien erlangte in den früheren Jahren durch schwere Lawinenniedergänge eine traurige Berühmtheit. Mit dem Lawinenschutzprojekt am Chüenihorn, welches zu den grössten im Alpenraum gehört, wurde diese Gefahr grösstenteils gebannt. Horrende Summen wurden von Bund und Kanton, aber auch von der Gemeinde in die Lawinenverbauungen investiert und werden wohl auch in den nächsten Jahren noch zu erbringen sein. Da seit Kurzem für die Gefahrenzonenausscheidung hundertjährige Ereignisse neu auf dreihundertjährige Ereignisse umgestellt wurden, sind wir ohne zusätzliche Verbauungen in den Gefahrenzonen teilweise wieder auf den Stand des letzten Jahrhunderts zurückversetzt. Bund und Kanton haben aber schon signalisiert, dass auch weiterhin mit finanzieller Hilfe gerechnet werden darf. St. Antönien ist somit immer besser erschlossen. Mit der Gesamtmelioration wurde der «hintersten Barga», aber auch jedem Haus und Hof eine Zufahrt zugesichert. Der Bau von Wasser- und Abwasserleitungen wird in den nächsten Jahren abgeschlossen sein. Trotz all dieser Massnahmen wird die Erhaltung der Bevölkerungszahl in unserem Bergtal immer schwieriger. Einerseits steigen die Bedürfnisse der Einwohnerschaft,
andererseits gehen Kosten- und Einnahme seite gefährlich weit auseinander. Aus diesem Grund wurde von der Gemeinde versammlung der Auftrag zur Prüfung einer Fusion mit der Nachbargemeinde Luzein beschlossen. Der Verlust der politischen Selbstständigkeit gibt natürlich zu vielen Diskussionen Anlass. Dies ist insofern nicht verwunderlich, bestand das St. Antöniertal bis 1978 aus drei politisch eigenständigen Gemeinden und erlangte erst 2007 mit dem Zusammenschluss mit Ascharina die heutige Gemeindegrösse. Der Forst wurde aber schon länger gemeinsam verwaltet und geht mit dem Forstprojekt Madrisa nun in eine weitere Dimension. Diese Entwicklung entspricht der allgemeinen wirtschaftlichen Ausrichtung und zieht früher oder später auch die politischen Gemeindegrenzen nach sich. Ob alles seinen Zweck erfüllt, ist schwer vorauszusagen. Stehenbleiben kann definitiv auch nicht der richtige Weg sein. In diesem Sinn dürften sich auch die Amtsstellen bei Bund und Kanton der sich verändernden Gemeindegrösse anpassen und so Verantwortung und deren Ausführung wieder etwas in die Gemeinden und Regionen verlagern, um dezentral noch ein paar Arbeitsplätze ausserhalb des Tourismus und der Landwirtschaft zu erhalten. Bis dahin dürfte es aber noch ein langer Weg sein. Wir freuen uns auf freundschaftliche Begegnungen, bei denen auch angeregte Diskus sionen Platz finden Jann Flütsch Gemeindepräsident St. Antönien Castels 37, CH-7246 St. Antönien jannfluetsch@bluewin.ch
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Naturnaher Tourismus in St. Antönien
St. Antönien (Bild: Alex Brembilla)
St. Antönien mit seinen knapp 340 Einwohnern freut sich ausserordentlich, die Mitglieder von Graubünden Wald zu ihrer Jahresversammlung in unserer Gemeinde begrüssen zu dürfen. Rund 100 Kilometer Wanderwege stehen dem «klassischen» Touristen zur Verfügung. Anhänger von Trendsportarten fi den bei uns echte Herausforderungen. Der naturnahe Tourismus in St. Antönien bietet sowohl im Sommer wie auch im Winter zahlreiche Möglichkeiten. Rund 500 Gästebetten in Hotels, Berghäusern, Ferienwohnungen und Ferienlagern stehen zur Ver-
fügung. An der Sulzfluh befindet sich der erste Klettersteig Graubündens, der mit seinen unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden Anziehungspunkt und Erlebnis zugleich ist. Für Anfänger steht in den «Gruoben» ein Klettergarten zur Verfügung. Und die Biker können ihre Kondition auf den ausgedehnten und zum Teil sehr anspruchsvollen Strecken testen. Zu den Höhlen in der Sulzfluh werden geführte Wanderungen angeboten. St. Antönien ist Etappenort des Walserweges, welcher von San Bernardino nach Brand ins Montafon führt. Ebenso führt
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auch die Route der Via Alpina, die in Triest beginnt und in Monaco aufhört, an St. Antönien vorbei. Zahlreiche Gäste absolvieren die Madrisa-Rundtour, welche von Klosters, St. Antönien oder Gargellen (Montafon) aus begangen werden kann. Im Sommer ist St. Antönien eine der Hochburgen der Volksmusik. Die schweizweit bekannte Volksmusik-Ferienwoche wird dieses Jahr schon zum 24. Mal durchgeführt. Ein weiterer Höhepunkt ist die Ländlerchilbi und Schärmenparty, die jeweils im August im Carschina-Untersäss stattfindet. Weitere Volksmusik-Anlässe runden das SommerProgramm ab. Wer klassische Musik liebt, ist herzlich eingeladen, unsere Kirchenkonzerte zu besuchen.
Eingangstafel (Bild: Markus Flütsch)
Im Winter stehen verschiedene Schneesport-Anlässe auf dem Programm. Dank der Skiclubs St. Antönien und Buchen, die über eine elektronische Zeitmessung verfügen,
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ist St. Antönien zum Austragungsort zahlreicher regionaler Skirennen, wie zum Beispiel der Kids Cup, geworden und hat sich dabei einen soliden Namen erarbeitet. Skitouren- und Schneeschuhläufer finde zahlreiche Routen in der schneereichen Talschaft. Es bietet sich eine vielfältige Auswahl an Möglichkeiten an, die hohen Ansprüchen zu genügen vermag. Und wer ganz einfach dem Skifahren frönen will, hat die Piste sozusagen vor dem Haus. Der Skilift Junker bietet dazu das geeignete sportliche Vergnügen abseits des grossen Rummels an. St. Antönien Tourismus (früher Kurverein) betreibt einen «Ferienladen», wo die Gäste mit Informationen vor Ort bedient werden. Ebenso werden dort Schneesportartikel vermietet und Wanderkarten, Ansichtskarten, einheimische Produkte, Bücher zu Themen aus der Region und Souvenirs verkauft. Als Besitzer eines Kinderskilifts (Ponylift) werden zudem Kinderskikurse angeboten. Und
für das leibliche Wohl von Gross und Klein sorgen die Pächter von «Coolman’s Elchhütte». Das Ortsmuseum im «Poscht-Chäller» betreibt die Kulturgruppe und wird von unsern Gästen rege besucht. Wir St. Antönier wünschen Ihnen eine erfolgreiche Generalversammlung und ein paar gemütliche Stunden in unserer schönen Gegend. Und wir würden uns sehr freuen, Sie bei anderer Gelegenheit wieder in St. Antönien begrüssen zu dürfen. www.st-antoenien.ch
Alex Brembilla Präsident von St. Antönien Tourismus CH-7246 St. Antönien
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Gschichtä vam Winter, was i ärläbt han in Sant Antönia
St. Antönien im Lawinenwinter 1935. (Bild: Somedia, Bilder der Heimat, J. Hitz)
Geschrieben im St. Antönier Dialekt Im Winter 1934 / 35 bin i in di erscht Klass in Sant Antönia Platz in d’Schuol. Afangs Februar 1935 heds fescht gschniit, ama Morget hed z’Naani gseid, hüt chönni nid in d’Schuol – äs hei viil gschniit und chönnti laubänägfeerli sinn. I han nid wellä d’Schuol uuslaan, han nid gfolgät und bin gangä. I han aber nid wiit mögä. I bin iingäbrochä bis an dän Buuch und han umgchehrt. Mi Schuolwäg ischt mee as än halb Schtund gsin. Äs hed der ganz Tag fescht gschniit. Am Abed, am 4. Februar 1935, am füüfi, sind dr Ätti und i im Hof füräm Gadä gschtandä und duo heds uf eimaal uf där andärä Talsiitä fescht gruuschät und gchrachät. Dr Ätti rüöft: «Jetz chund d’Chüönilaubänä – äs git äs Unglück!»
Z’elektrisch Liächt ischt uusgangä und Telifoo heimer no keis gha. Mä hed nienä hiin gseen und miär heind nid gwüsst, was passiert ischt. Am andärä Morget hedmä den uus gseen uf dä Meierhof. Das Huus vam Öhi Brosi isch ganz schräg gsin und van dr Matta obnadraan hedmä nüd mee gseen. Dr Ätti ischt uf dä Schgii uus uf dä Meierhof. Am Abed ischt dr Ätti mit däm truurige Bricht choon: Dr Öhi Brosi, ds Bäsi Anni und diä zwei Chind siijänd alli tot. Uf dr Matta sii än Buob us Ascharinä, diä Töchter Evi und än alti Frau au in dr Läubänä umchoo. Das alt Ehepaar wa in dr Stubä gsii si, siijänd verschoont plibä. Im Gadä heis ds Vee erdrückt. Uf äm usserä Meierhof hei d’Laubänä än Gadä zämmä gschlagä und ds Vee gätöt. D’Saagä vam Ehni heis au fort gschlagä; äs gse überBündner Wald 2/2015 9
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al gruusig uus. Diä ganz Laubänä-Gschicht ischt en paar Tag speter in dr Bündner Ziitig gsin. I han duo glärnät Ziitig läsä. Di grooss Vergräbnischt hedmär Iindruck gmächät und i han das Uunglück niä mee vergässä. Di Gädä, d’Hüscher und d’Saagä sind denn widär uufgäbuuwä choon. Mit Subvenzionä vam Bund und Kanton sind denn hindär Die Überreste des Hauses zur «Matta». (Bild: Somedia, Bilder der Heimat, J. Hitz)
d’Hüscher groossi gmurnäti Äbenhöch gäbuwä choon, äso dass Laubänä drüberuus faaren hed chönnä. Ämal han i bi viil Schnee mit mä Bricht zumä Puur müessä. Dr Ätti hed gseid, i söll denn nid d’Aabchürzig gan – äs sii dört gfeehrli. I bin duo glii d’Aabchürzig gangä. Uf dä Schgii hani hofäli watä mögä. Uf eimal heds wumm gmachet und i bin bis an dän Hals im Schnee gsin – ä Schneerutsch hed mi fascht zuogädeckt. I han duo lang ghan, bis i widär fürchär choon bin. Wenn’s viil gschniit hed, simmer denn nit in d’Schuol. Das sind denn ünschi Schneewätterferiä gsin. Mä hed denn mit däm Vee, wenns ghübschät hed gwägät, dä Schnee zämmä gstampfät, äso, dass widär guotä Wääg gän hed. Im 1945gi, am 7. Februar, heds 70 bis 80 cm Nüüschnee innärt churzer Ziit gän. Än Puur hed midmä Buob und äs paar Galtji am Sunniort dä Wääg gebrochä in Richtig Sant-Antönia-Platz. I bin uf äm Heiwäg gsin usäm Lade. Äs hed uuf gätan und d’Sunnä hed in diä Siitä vam Chüönihore iin gstraalät. Uf eimal chund än groossi Staublaubänä grad in diä Richtig wa diä Lüüt mit däm Vee am Wäg machä gsii sind. I han nid gseen, obsch in d’Laubänä choon sind, bin aber sofort uf d’Unglücksstell. Äs sind no mee Lüüt ds Hülf gloffä. Bis miär am Uufallort gsin sind, ischt als widär usem Schnee gsin und uf dr Läubänä gschtandä. Dr Buob hed gseit: Är heischi undär äs Galtji gschtellt und gädeicht jetz si fertig. Äs heinä ummergwirblet und de si är widär obenuuf gsin. Vam Maan hei än Arm mit dr Schuuflä in dr Hand us äm Schnee uussergluogät. Mit dr Schuufl hei är duä gschwind dä Maa läbändä usäm Schnee uusgrabä. Zum Glück ischt am Uufallort nu liichti Laubänä gsin. Därnäbät heds höhi Bender va Laubänä ghan. Wensch dört
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drii cho wäränd, hättis Lüüt und Tier gätöt. Miär heind de gholfä das Vee hein triibä. Där eltär Puur wa daheimät gsin ischt, hed gseid: Äso ättäs passieri denn niä mee; bis schi dr Wald entschlagen hei, gangend schi denn nümmä van dä Gwätti fort. Im 1947gi, am 9. Februar, sind 11 Mitglidär van ünschäm Schgichlub zam Chrüz uufgstigän. Schi heind wellä äs Schgirennä vam Chrüz bis uf dä Platz machä. Wasch vam Obärsäss uuf gägäd dän Graad sind, hedschi än Schneerutsch glööst und all appr gschlagä. Einä ischt obenuuf blibä und hed mit Müä und Not mit dän Händ und mä Schgi no drii uusgrabä chönnä. Grenzwächtär ab Schudärsch heind das Uunglück gseen und d Sant Antönier alarmiert. Äs sind denn einigi Retter mit Sondierstangä und Schuufl uufgschtigä. Bis am Abed heinsch denn alli siebä Värschüttätä teuf us äm Schnee asä tot uusgrabä. Am Abed spat sindsch den mit denä jungä, totän Bürscht bin irjä Heimät anchoo. In ds Wiesli heindsch diä zwei Brüödär Jann und Mathis, das ischt entzetzli gsin für diä Aanghörigä. I hammi am Voortag im Wald mit Holz rüschtä verchelt und han nid mögä an das Schgiirennä – sus weeri vilicht au bin dä Totä gsin. Das isch duo äs truurigs End gsin für ünschä im Vorjaar gründätä Schgiichlub. Am 22gischtä Dezember 1947 bin i mid emä Chalb inärä Chischtä ufmä Granzschlittä mit däm Ross ga Chüblisch zum Metzgär. Äs ischt guotä Schlittwäg gsin bis Chüblisch. I han au no müessä ds Ross bschlaan bim Schmid und bin so erscht am schpeetärä Namittag uf dän Heiwäg. Äs hed dr ganz Tag fescht gschniit und hed schon viil Schnee gän am Voortag und in dr Nacht. I bin gägänübär van ünschäm Heimät gsin, wamer ds Ross näbät dän verschniitä Wääg choon ischt. Dr Ätti hed füräm Gadä grüöft, i söll z’Ross sii lan und sofort choon – es si
laubänägfeerli. I han duo ds Ross noch in dä Wääg brungä und bin gschwind hein. Wa i füräm Gadä am ds Ross ussgschirrä gsin bin, ischt ä riisägi Staublaubänä vam Bärg appr choon und über dän Wääg und dän Bach häär, dört wa i zechä Minuutä vorhäär ds Ross in dä Wäg grupft han. I han duo Gott gädankät, dass i no mit däm Läbä därvan choon bin. Im 1951 sind di grossä Laubänä-Uunglücki im gänzä Kanton gsi mit viilä Totä. Am 16. Jennär hed das grooss Schneewätter aangfangä. Am 19. Jennär ischt den schon än groossi Staublaubänä gägänüber ünschäm Huus bis undär ds Huus häär choon. Am 20. am Morgät am säggsi, miär sind zum Glück no nid im Gadä gsin, isch ANZEIGE
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Das demolierte Chalet Enzian – Februar 1935. (Bild: Somedia, Bilder der Heimat, J. Hitz)
bin ünsch us där höhä stotzigä Haldä ä Läubänä choon und hed übär dän groossä Bodä usser mögä bis uf ünschi Gmächär. Äs hed gchrachät as ob mä mid ämä Maschinägweer schiessi. D’Laubänä hed diä Brittärwand am Hinderhuus iingschlagä. Schi hed au dän Obergadä 40 cm värschobä, äso dass dr Vürschutz mit Heuburdänä und allerlei Grümpäl in den Hof füräm Gadä apperkiit ischt. Wemmä im Hof gsi weer, hättis eis ärschlagä. Im Gadä ischt als in dr Ornig gsin – abr ufäm Heugadä ischt vollä Laubänä bis an dän Heustock zuohi gsin. Uf dän Heugadä bin i nu no zum Rüschläloch usäm Zuogadä uufgchoon. Mit Hülf vom Nachpuur heimär z’viiärt dr ganz Tag inärä Chischtä Schnee abäm Gadä fort gschlittnät. Äs hed dr ganz Tag wieder 70 cm gschniit. Miär sind in dr Stubä ghockät und heind vor Angst – äs chönti nochämal ä Laubänä choon – nid in Bett dörfä. Ättä um di halbi zechni in dr Nacht heds denn uf dr andärä Talsiitä gruuschät und gchrachät
und därzuo no gäblitzät, dass mä gmeint hed, jetz gangi d’Wäld undär. Miär heind ghöört Lüüt rüöffä, aber nid gwüsst, wa diä sind. Miär heind keis Telifoo und kei Strom mee ghan. Äs ischt uunheimli gsin. Am andärä Tag heds nu me wenig gschniit, abr wägän dr Bräntä hedmä nienä hiin gseen und usäm Huus heimär no nid dörfä. Am nächschtä Morgät heds den än biz ufghällät und miär heind gseen, dass ufäm Meierhof nümmä als in dr Ordnig ischt. I bin den uf d Schgii und als erschtä us dr Rüti uus uf diä Uunglücksschtätt. Äs ischt än fürchtigä Aanblick gsin ds Huus und dr Gadä va mim Öhi Konrad ischt än Trümmerhuufä gsin. Diä ganz Familiä Vatter, Muottär und viiär Chind und ä Chnächt sind am Abed, wa d Laubänä chon ischt, in dr Stubä gsin und heind graatschlagät, obsch in Bett oder in dä Chäller aab gä liggä welländ. Uf eimaal heis gchrachät und schi sind imä chleinä Ruum ufäm Guutschi näbäd däm Schtubäofä in dä Trümmär am
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Läbä blibä. Där Schtubäofä ischt än Iisämantälofä gsin und hed Schtand ghaaltä, sus hettäschi alli zämmä gädrückt. Ättä na zwei Stund heind dä d’Nachpuura diä verschüttätä Lüüt gfundä und uusgrabä und schi heind ins Nachpuurhuus chönnä. Das Vee im Gadä ischt ds meischtä tot gsin. Wiitär dussnä ufäm Meierhof heds zwei Hüüschär und zwei Gädä zämmä gschlagä. Trotz mä Äbenhöch heds eis Huus wa zwei Töchtärä schon im Bett gsi sind ganz zärschtöört. Diä zwei Töchtärä sind im Nachthemd im Schnee in dä Trümmer mid däm Läbä därvaa choon, di eint ischt värletzt gsin und di andär hed au Prelligä ghan, abr schi hed den in dr duuchlä Nacht fescht um Hülf grüöft. Na lengäm heindschä den Nachpuurä gfundä und beedä hein in ä warmi Schtubä. In eim Gadä ischt än eltärä Fuottärchnächt um ds Läbä choon. Wiitär dobnä heds au no zwei Gädä mit Vee drin ganz zämmä gschlagä. Diä Hüüschär was im 35gi zämmä gschlagä hed, sind dank dän Äbenhöch staan blibä. Äs hed no mee Gädä und Hüüscher bschedigät, au ufäm Platz. Dä Rescht vam Wald und än paar Heubargä hed d’Laubänä obän appr gfägät. Uusfüerli über diä Laubänä Gschicht hed Pfarrer Finze i schiim Büöchli gschribä. Astatt dass d’Lüüt uuswandärä hättend müesse, hend duo der Bund und dr Kanton diä groossä Laubänävärbuuigä bewilligät. Dr Bundäsrat Etter hed bimä Bsuoch im Tal gseit: Äs Tal an dr Landesgrenz chömmä nid dr Veröödig Priis gään, mä müess Verbuuigä machä, dass diä Lüüt daa bliibä chönnänd. Im 1954 ischt am 11. Jänner uf Aschüel äs Laubänäunglück passiert. Ä Staublaubänä isch in där Nacht vam 11. uf dä 12. Jänner vam Hubäl und us dän Hünd apär chon und hed ds Hus uf Aschüel zämmägschlagä. D’Muettär mit mä Chind ischt in där Stubä vam Schnee und dä Trümmär erdrückt chon.
Dr Ätti und ä Töchtär sind uf dr Chämmära värschont bliebä. Au in där Sunnirüti ischt ä Staublaubänä bis ins Voorhus chon. Von 1953 bis 1977 sind am Chüönihoorä und am Tschadtschuggän Laubänävärbuuigä erschtellt choon. Im 1960 heind mi Frau Uschi und i dän Konsum übrnuu und ds Gschäft gfüert und verwaltet bis 1980. Das grosse Lawinenunglück in St. Antönien vom 4. Februar 1935, bei dem 2 Häuser, eine Anzahl Ställe und 9 Menschen verschüttet wurden, wovon 7 ums Leben kamen – das tragische Ereignis jährte sich zum 80. Mal. (Quelle: Somedia )
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Freilegung der durch die Lawine verschütteten Strasse in St. Antönien am 25. April 1935. (Bild: Somedia, Bilder der Heimat, Signatur Bz 174)
Am 22. Dezember 1962 am Morgät am viäri ischt Laubänä über dän Konsum us, ds Chemmi heds fort gschlagä und viär Auto in dän Bach aabgworfä. Am 5. Dezember 1964 sind schon am Vormittag im hindärä Teil vom Tal Laubänä choon. D’Schtraass ischt gschpert gsin, miär hed einä mit mä Tschipp ä Sack Broot für dä Ladä van Pany innär gferggät. Nun ungärä bin i vam Konsum aab zum Hotel Wiss Chrüz um dä Sack Broot. I han zu däm Maa gseid, äs chönnti da jedä Momänt d’Laubänä choon. Är soll dän Tschipp an äs sichers Ort stella. I bin mit dena Broot uf in dä Konsum. Wa i am di Broot versoorgä
gsin bin, ischt scho d’Laubänä über ds Huus uus. I han widär ämaal Glück ghan. Uf eimal gsieni zwei Pürscht näbät dr Chilchä über d Laubänä uohärwattä. Schi heind grüöft i söll choon, äs siiänd zwei Meitjä in d’Laubänä choon. Äs hed duo bald gnachtät. Äs sind no mee Lüüt z Hülf choon. Miär heind mit Sondiärschtangä gsuocht und bald eini nid teuf undäräm Schnee no läbänd gfundä. Di ander heimär vermuotät, äs heischä in dän Bach aabgschlagä. Äs isch noch einä choon mid mä Schefärhund. Där hed duo ufäm Friidhof gwüölt und dört heimer di 19 jeerig Töchter 80 cm undäräm Schnee gfundä. Schi ischt usäm Underland
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mit ihra Fründi uohärchoon und heind da Feeriä machä wellä. Miär heind diä Töchter ins Hotel Räthia getraagä und zwei Schtund Widärbäläbigsversüäch gmached bis dr Doktär va Chüblisch choon ischt. Er hed duo leider nu mee dän Tod feschtschtellä chönnä. Miär sind duo entüüscht gsin va dä Verbuuigä, aber däär lockär Schnee ischt dür diä Wäärch düür grislät. Schpeetär heindsch duo Drahtgflächti hindär diä Wäärch verleid. Am 26. Jänner 1968 ist di Platzlaubänä am Namittag übär dä Konsum us. Ufäm Platz heds nüd gschädigät, aber d’Hirtänhüttä oberhalb vam Platz heds appr glschlagä. D’Lüt sind wägä Laubänägfahr in dä Hüschär blibä. Im 1975, am 14. April, bin i am Abed noch um di Poschtsachä ins Poschtfach. I han gseen äs Auto fürm Reschtorant Räthia schtaan, van eim wa wiit dobna huusät. I bin ins Reschtorant und han gseid, i hei im Sinn d Schtraass z schpeerä in d Rüti; bin däm Föön chönnti noch di Bärälaubänä choon. Zwei Männer heind das ghöört und sind gschwind gangä. Hans hed gseid, i chönn denn am Morgät speerä, är müess jetz noch hein. Miär sind den beed gangä, är mit däm Auto. Äs ischt nid lang gangä, so rüöft är miär undärm Huus, i müess denn nümmä schpeerä, äs si gschpeert, än hööhi, breiti Schlassemlaubänä si über d Schtraass. Miär heind duo Angscht ghan wägän dän anderä zwei und heind sofort telifoniärt. Zum Glück sindsch daheimät gsin, schi heiänd d Laubänä ghöört choon. Im 1979 is schpaat gsin, där Schnee hed nid gaan wellä. Am 17. Mai ischt in dän Bärgä no viil Schnee glägän. Am Vormittag sind zu miär in dä Ladä zwei Offiziär choon
und heind gseid, schi wettänd di neechscht Wuchä mit ärä Kompani da choon gä schiässä. Schi heiend da uf dr Almeinä uf dr Litzisiitä an Platz uusgsuocht. I han als Gmeindspresident gseid, säb chönni nid bäwilligä, äs chönnti noch die Bärälaubänä choon. Äs hed fescht gföönät und diä Offiziär sind duo noch wiitär iin gan än Schiässplatz suochä. Am halbi zweiji sind diä zwei widär in dä Ladä choon und heind gseid, i si en guotä Profeet, än groossi Laubänä si über d Schtraass, schi heiend grad zuolugä chönnä. Äs hätti noch äs Unglück passierä chönnä. Än tüütschä Reisekar ischt mit schinä Gescht noch bis innerhalb van däm Laubänäzug gfaarä, schi siend no zfrüö gsin zum z Maränd im Hotel Räthia. Diä Gescht sind denn zäm di Bein än biz värtrampa z Fuoss retuur gloffä. Ättä 300 Metär hindärnä ischt duo diä grooss Laubänä über d Schtraass. Schi sind nit wenig erschrockä und heind äs risä Glück ghan. Mä häd am Langsi nid chönnä diä Schtraass bschdendig schpeerä, obwohl mä niä gwüsst hed ob diä Laubänä chund. Jetz ischt au där Bärg mit Staalwärchi verbuuä und d’Laubänä sötti nümmä so chon, aber ma weiss ja nie, was passiera chan. I muoss scho sägä me hed viilmaal Gfell ghan. Geschrieben von Konrad FlütschGansner, geb. 1927, im Jahr 2000
Konrad Flütsch Rüti 5 CH-7246 St. Antönien 081 332 29 80
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Lawinengeschichte und Landschaftswandel Landschaftsveränderungen sind ein aktuelles, viel diskutiertes gesellschaftspolitisches Thema. Jede Landschaft erzählt eine Geschichte, welche nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist. Analysiert man den Landschaftswandel im St. Antöniertal im 20. Jahrhundert im Kontext der historischen Entwicklung, zeigt sich, dass die heutige Kulturlandschaft stark mit der Lawinen- und Forstgeschichte verbunden ist. Die historische Kulturlandschaft St. Antönien ist die grösste Walsersiedlung im Prättigau. Der Name St. Antönien geht auf eine Erzgrube aus dem 16. Jahrhundert zurück, welche sich zuhinterst im Gafiental befand und dem heiligen Antonius gewidmet war. Im 14. Jahrhundert wurde das Tal von Gafien her allmählich durch die Walser besiedelt (Engler 2003). Die Walser führten die Streusiedlungsstruktur ein und betrieben eine mehrstufige Viehwirtschaft. Die Bewohner lebten von der Viehzucht, und das Tal war weit herum für seine saftigen Wiesen und Weiden bekannt. Bis ins 19. Jahrhundert waren das Gafiental und Partnun auf 1700 m ü. M. ganzjährig bewohnt. Die intensive Bewirtschaftung ging mit ausgedehnten Rodungstätigkeiten und einem Rückgang der Waldfläche einher (Schröter 1895). Die Gestalt der Landschaft war durch die menschliche Nutzung geprägt. Die mehrstufige Landwirtschaft, die Bewirtschaftungstechniken und nicht zuletzt die Streusiedlung als Siedlungsstruktur waren charakteristisch für St. Antönien. Das Leben im Tal war stark von den natürlichen Bedingungen geprägt, was sich an der Gestalt der Landnutzung zeigt. Das Nebeneinander von Natur und Kultur formte eine idyllische Kulturlandschaft, deren Erbe noch heute im Landschaftsbild zu erkennen ist.
Die üppigen Wiesen (auch Matten oder Mäder genannt, werden gemäht) und Weiden (nur beweidet) brachten gute Erträge und St. Antönien eine gewisse Bekanntheit. «St. Antönien ist ein wildes, wüstes Thal, den Schneelawinen stark unterworfen, doch in der Flüssigkeit des Heuwachses ist es unvergleichlich, der fette Boden beladet sich so dick und schwer mit Gras, dass es mit Mühe zu dörren», zitiert Schröter eine Aussage aus dem Jahre 1742 (Schröter 1895, S. 173). Dieser «Reichtum» war jedoch nicht nur naturgegeben. Die St. Antönier waren seit jeher ein fleissiges Volk. Sie wussten, wie sie ihre Ländereien zu bewirtschaften hatten. Dies taten sie auf eine musterhafte Weise, und gerade bei der Alpwirtschaft wurde mehr getan als an anderen Orten (Fient 1913). Bewässerungssysteme und Brunnen wurden angelegt; gedüngt wurde mit Dünger-Körben, hölzernen Gefässen mit beweglichem Boden, welche den Pferden aufgeladen wurden; Weideräumungen wurden minutiös Blick ins St. Antöniertal um 1900. Links ist der Platz mit der Kirche. Die Streusiedlung ist zu erkennen, und verteilt in der Landschaft stehen beladene Heinzen. (Bild: Staatsarchiv Chur, um 1900)
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vorgenommen etc. Vereinzelt wurden auch kleine Kartoffeläcker mit etwas Gerste bewirtschaftet. Charakteristisch war auch der Anblick zahlloser Heinzen, welche sich im Sommer übers ganze Tal verteilten und «zu Hunderten auf den Wiesen ihre stille Volksversammlung abhalten» (Schröter 1895, S. 175). Die kulturlandschaftlichen Formen entwickelten sich über mehrere Jahrhunderte ohne grosse Fremdeinflüsse. Schröter lernte das Tal 1895 kennen, wie es der «Neue Sammler» bereits um 1800 beschrieb. In einer gewissen Isolation entwickelte sich eine Lebensweise, welche sich das ganze Jahr hindurch nach den Verhältnissen des Graslandes richtet. Die St. Antönier werden denn auch als arbeitsame Bergleute beschrieben, welche das ganze Jahr über in den Hängen rund um ihre Häuser und Alpen «chrampfen». Die Lawinengeschichte von St. Antönien Die Lawinen prägten und prägen das Tal von St. Antönien seit mehreren Jahrhunderten. Detaillierte Chronologien zu Lawinenereignissen zeugen von der Brisanz und dem Einfluss, welche die Lawinen in der Geschichte von St. Antönien gehabt haben. Die Lawinenchronik reicht etwa 300 Jahre zurück. Wird von einer Lebenserwartung von 60 bis 80 Jahren und einer Wiederkehrperiode von 15 bis 20 Jahren für Lawinenereignisse mit Todesopfern ausgegangen (was aus der Chronik hervorgeht), so erlebten die Bewohner von St. Antönien drei bis fünf Lawinenereignisse mit Todesfällen (Wilhelm 1999). Wie hoch der Schaden an Vieh und Gebäuden ist, bleibt nur zu erahnen. Holger Finze-Michaelsen, der ehemalige Pfarrer der Gemeinde, beschreibt in seinem Buch «Die Lawinengeschichte von St. Antönien» eindrücklich, wie das Schicksal der Talbewohner eng
mit Not und Schrecken der weissen Gefahr verbunden war. «Vom Kranz der Gebirge geht eine Gefahr aus, die die Geschichte des Tals wie ein roter Faden durchläuft und ihm sogar eine traurige Berühmtheit eingetragen hat: die Lawine» (Finze 1988, S. 4). Mit diesen Worten beschreibt Finze in seinem Buch die Lawinenverhältnisse in St. Antönien am Ende des 19. Jahrhunderts. Diese traurige Berühmtheit wird von den Bewohnern als schwere Last empfunden. Nach dem verheerenden Lawinenunglück vom 4. Februar 1935, bei welchem sieben Bewohner den Tod fanden, ist in einem Augenzeugenbericht zu lesen: «Wir wollen nicht als Lawinental verschrien sein. Jetzt werden wir wieder in aller Mund sein und im Winter wie die Aussätzigen gemieden werden» (NZZ 8 . 2.1935). Eine solche Aussage ist bemerkenswert und zeigt, wie tief das Leben mit der Gefahr in der Bevölkerung verankert war. Die stetige Bedrohung durch Lawinenniedergänge führte in St. Antönien zu einer langen Tradition unterschiedlicher Sicherheitsund Schutzmassnahmen. Die St. Antönier waren sich der Gefahr bewusst – und so gut es ging, passten sie ihr Verhalten zu gefährlichen Zeiten den Umständen an. «So lange der lockere staubige Schnee nicht von den Tannen gefallen ist, so lange ist die Gefahr nicht vorbei,...» ist im «Neuen Sammler» zu lesen («Neuer Sammler» 1805, S. 469). In solchen Zeiten verharrten die St. Antönier oft im Schutz ihrer Häuser. In besonders angespannten Situationen wurde sogar auf das Läuten der Kirchenglocken verzichtet, aus Angst, der Schall könnte die Lawinen zum Losbrechen bringen (Finze 1988). Viele der Lawinenopfer wurden aber gerade in ihren eigenen Häusern verschüttet. Daher war schon immer ein Bestreben vorhanden, die Häuser durch geeignete Massnahmen vor
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der Lawine zu schützen. Wo es ging, wurden Häuser und Ställe an sicheren Orten errichtet. Die Bauweise war darauf ausgerichtet, den Lawinen möglichst wenig Angriffsfl che zu bieten, indem alle Häuser mit den Firnen bergabwärts schauten (Weiss 1973, Schröter 1895). Doch aus den Chroniken ist bekannt, dass immer wieder Gebäude von Lawinen zerstört wurden, welche bis anhin als sicher gegolten hatten (Finze 1988). An jedem Haus, welches durch einen Lawinenzug bedroht war, wurden im Laufe der Zeit Spaltkeile, sogenannte Ebenhöch errichtet (Schröter 1895, Finze 1988). Ebenhöch sind Schutzanbauten, welche ein Gebäude bergseitig gegen Schneemassen schützen sollen, indem diese am Gebäude vorbei und darüber hinweg gelenkt werden (Lexikon der Glaziologie 1993). Verbindungen zwischen der L awinengeschichte und den Landschaftsveränderungen Zwischen der Lawinengeschichte und den prägenden landschaftlichen Veränderungen
im 20. Jahrhundert bestehen gewisse Verbindungen, die mit den getroffenen Schutzmassnahmen gegen Lawinen im Zusammenhang stehen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts führte die zunehmende Mobilität und die neuen Kommunikationsmittel dazu, dass einer breiten Öffentlichkeit das Schicksal der St. Antönier Bevölkerung mitgeteilt wurde. Gleichzeitig ereigneten sich in den Jahren zwischen 1919 und 1951 eine Reihe schwerer Lawinenunglücke, welche zu entscheidenden Veränderungen in der Lawinenprävention führten. Die Lawinenkatastrophe von 1935 war für die Bevölkerung von St. Antönien ein Schlüsselereignis. Es wurde nach Möglichkeiten gesucht, geeignete Schutzmassnahmen zu realisieren, um das Leben im Tal weiterhin zu ermöglichen. Projektierte Lawinenverbauungen und Aufforstungen am Chüenihorn waren das Resultat. Was vorerst an der Finanzierung scheiterte, konnte nach dem Lawinenwinter 1951 mithilfe von Bundes- und Kantonssubventionen sowie Spenden realisiert werden. Die Arbeiten am seinerzeit grössten Projekt der Schweiz
Die Lawinenverbauungen am Chüenihorn mit dem Schutzwald. (Bild: Diggelmann, S., 2008)
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wurden im Frühsommer 1953 in Angriff genommen. 50 Prozent der neu entstandenen Waldfläche im 20. Jahrhundert kann auf die Aufforstungen zurückgeführt werden. Zwischen der Lawinengeschichte und den landschaftlichen Veränderungen besteht jedoch auch eine Verbindung, welche im Kontext der geschichtlichen Entwicklung von St. Antönien vor 1900 zu interpretieren ist. Die Besiedlung und Bewirtschaftung des Tals steht in engem Zusammenhang mit der stetigen Bedrohung durch Lawinen. Nicht selten erfolgte die Holzentnahme auf Kosten wichtiger Waldfunktionen, so auch in St. Antönien. Durch starke Nutzung der Florinett AGwurde 2014 (10.01.2014) Wälder deren Schutzfunktion vor Lawinen, besonders für St. Antönien Platz, be-
einträchtigt. Die Bedeutung der Wälder als Schutz vor Naturgefahren war jedoch schon vor Jahrhunderten bekannt. Der erste Bannbrief in St. Antönien datiert aus dem Jahre 1480. Bei Schröter ist der sogenannte Rütiwaldbannbrief aus dem Jahre 1633 in voller Länge abgebildet (Schröter 1895, S. 220). Zu jener Zeit stand jedoch noch weniger die Schutzfunktion als vielmehr die Regelung der Nutzungsrechte im Vordergrund. Durch Holzentnahme, Beweidung der Wälder durch Nutztiere sowie diverse Nutzungsarten jeglicher Waldprodukte (z. B. Streu) verstand es der Mensch, den Wald nach seinen Bedürfnissen zu nutzen und zu verändern (Stöckli 2002). In St. Antönien setzte zudem ein «Raubkrieg» gegen die Ös-
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terreicher im Jahre 1622 dem Wald arg zu (NZZ 2. 3.1947). Viele Gebäude wurden niedergebrannt und mussten in der Folge wieder aufgebaut werden. Die intensive Nutzung von Holz und anderen Waldprodukten, die Beweidung der Wälder mit Vieh sowie durch Lawinen entstandene Schäden am Wald führten zu einem Rückgang der Waldfläche. Es kann mit gewisser Sicherheit davon ausgegangen werden, dass im St. Antöniertal vor der Besiedlung durch die Walser ausgedehnte Wälder vorhanden waren, da sowohl Schröter als auch schon der «Neue Sammler» Hinweise auf frühere Waldungen geben («Neuer Sammler» 1805, Schröter 1895). Schröter rekonstruierte die Forstgeschichte und kommt zum Schluss, dass der Fichtenwald in früheren Zeiten eine viel grössere Ausdehnung hatte, die Baumgrenze höher lag und dass Laubbäume reichlicher vertreten waren (Schröter 1895, S. 217). Trotz «Bannung» wurden die Wälder stark dezimiert. Diese Tatsachen lassen den Schluss zu, dass die St. Antönier einen sorglosen Umgang mit dem Wald pflegte und den Bestimmungen in den Bannbriefen zu wenig Beachtung schenkten. Schröter zitiert dazu den Chronisten Georg Engel aus dem Jahre 1807 (Schröter 1895, S. 221): «Vor 300 Jahren waren mithin schon St. Antönier aufmerksam worden auf die abnamm und Sorglosigkeit um Waldungen, und seither sind doch dieselben fast alle ringsum und um fortkommen, und auch iez ist mann auf’m alten Weg, auch den Rest noch gar auszurüten und zu vergäuden, niemand will sorgen und helfen reten, was zu reten wäre, auf schonen so wenig als anpflanzen.» So mancher heutige Flur- und Hofname zeugt noch immer von einer intensiven Nutzung bzw. Rodung der Wälder (z. B. Rüti von Ro-
den; Bremboden und Brend, zwei Namen welche auf Brandplätze hindeuten). Die Zunahme der Waldfläche an Orten, wo der Wald als natürlicher Lawinenschutz zur Sicherheit der Bevölkerung beiträgt und im Zusammenhang mit den Aufforstungen im 20. Jahrhundert stehen, erfolgte somit mit grosser Sicherheit auf Gebieten ehemaliger Waldflächen Hinter Landschaften stehen Geschichten, welche auf den ersten Blick nicht immer erkennbar sind. Die Geschichte, welche hinter den landschaftlichen Veränderungen in St. Antönien steht, war für die Bevölkerung von grosser Bedeutung. Geschichte sowie Geschichten lassen immer einen Raum für Interpretationen offen: Früher waren es die Heinzen, welche das historische Landschaftsbild prägten, zu Hunderten auf den Wiesen ihre stille Volksversammlung abhielten und die Arbeit der Bevölkerung entscheidend unterstützten. Im 20. Jahrhundert sind sie verschwunden und wurden durch die Lawinenverbauungen abgelöst. In mehreren Reihen stehen sie standhaft in den steilen Hängen, wie ein Heer furchtloser Soldaten im Kampf gegen die weisse Gefahr, ohne die das Leben im Tal heute nicht denkbar wäre. Der vorliegende Text ist eine Zusammenfassung der Masterarbeit von Simon Diggelmann, die 2009 am Departement der Umweltnaturwissenschaften der Eidgenössisch Technischen Hochschule Zürich (ETH) geschrieben wurde. Simon Diggelmann Raumplaner FSU Nordstrasse 163, CH-8037 Zürich simon_diggelmann@hotmail.com
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Die Schutzwälder von St. Antönien Schutzwald und dessen Zunahme In der Gemeinde St. Antönien gibt es 730 ha Wald. Davon sind 490 ha respektive 67 % Hochwald. Die restlichen 33 % setzen sich aus Gebüschwald, Weideblössen und Fels zusammen. Dies ist das Ergebnis der Betriebsplanrevision, welche seit 2010 in Arbeit ist und voraussichtlich 2015 mit der Genehmigung durch das Amt für Wald und Naturgefahren ihren Abschluss finden wi d. Beinahe die gesamte Waldfläche von St. Antönien, nämlich 94 %, sind Schutzwald. Der Schutzwald unterteilt sich in den Typ A mit 40 %, Typ B mit 11 % und Typ C mit 49 %. Vergleichen wir die Waldfläche anhand von Auswertungen aus den Landeskarten von 1890 bis heute mit den Ergebnissen des Betriebsplans, ergibt sich eine Zunahme derselben von 74 %. Die Erkenntnis aus dem Landesforstinventar, dass der Wald in der Schweiz wegen der Aufgabe der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung um 18 Fussballfelder pro Tag grösser wird, scheint
damit bestätigt. Für St. Antönien trifft dies sicherlich nicht zu. Vielmehr ist die Zunahme eine Auswirkung des bundesrätlichen Entscheids vom 9 . März 1953. Mit der Genehmigung des Verbauungsprojekts Chüenihorn wurde der Fortbestand von St. Antönien sichergestellt und die Zunahme der Waldfläche beschlossen. Dabei wurde auf 55 ha aktiv aufgeforstet und auf 25 ha liess man den Wald einwachsen. Der Schutzwald soll in Kombination mit den Verbauungswerken St. Antönien den notwendigen Schutz bieten. Nach rund 60 Jahren ist der Erfolg der Aufforstungen in der sprunghaften Waldzunahme ersichtlich. Die Entwicklung vom Jungwuchs über die Dickung bis ins Stangenholz dauert im Höhenband von 1600 bis 1900 m ü. M. seine Zeit. Waldzustand Der Wald von St. Antönien ist in einem guten und stabilen Zustand. Von der Entste-
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hungsgeschichte der Wälder abhängig, ist der Wald eher jung mit den Stangenhölzern ob Castels oder eher in einem fortgeschrittenen Alter mit vermehrt mittleren Baumhölzern wie im Rütiwald und in Hinteraschüel. Waldschäden – sei es durch Beweidung oder aber auch durch Wild – halten sich in St. Antönien in Grenzen. Die Gemeinde St. Antönien hat im Vergleich mit anderen Gemeinden die Wald-/Weideausscheidungen weitgehend geregelt. Dies ist aufgrund der besonderen Bedeutung des Waldes als Schutzwald auch zwingend erforderlich. Mit der bevorstehenden Revision des Waldentwicklungsplanes werden in der Folge die letzten Regelungen zu treffen sein. Bei Wildschäden im Umkreis von privaten Futterstellen im Gemeindewald, welche auch ohne Notfütterungsbeschluss der Regierung betrieben werden, kommt es zu
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einer Massierung der Schäden. Wenn jeder Verjüngungskegel im Umkreis von 200 m um die Futterstelle verbissen wird, ist tatsächlich von einem Wildschaden auszugehen – zumal die Verjüngungseinleitung im Altbestand bereits stattgefunden hat. Aussagen wie «Wir brauchen keine Förster, das Wild macht die erforderliche Waldpfl ge!» zeugen nicht gerade von Verständnis für die Anforderungen für eine zügige
Vergleich Luftbilder (Quelle: geo.admin.ch)
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Waldverjüngung des Schutzwaldes und für die Lebensgemeinschaft Wald.
Wildschaden Rütiwald (Bild: Matthias Zuber)
Rottenpflege Hirzli (GL) (Bild: Sandro Krättli)
Rottenpflege Schlüecht (Bild: Sandro Krättli)
Rottenpflege Schlüecht (Bild: Matthias Zuber)
Herausforderung Verjüngungseinleitung Die Aufforstung am Chüenihorn zeigt mit aller Deutlichkeit, wie lange die Verjüngungszeiträume im Gebirgswald andauern, bis der Jungwald die ihm zugedachte Schutzfunktion wieder übernehmen kann. Gleichförmige strukturlose Altbestände – das sollten die Lehren aus Vivian und Lothar sein – sind zu vermeiden. Denn diese haben aufgrund der fehlenden Verjüngung den Sturmereignissen nichts entgegenzusetzen. Die Dauer, bis ein adäquater Schutzwald wieder besteht, ist umso länger. Herausforderung Jungwaldpflege Die Aufforstungsflächen unterhalb des Chüenihorns entwickeln sich sehr gut. Ein stabiler, reich strukturierter und vitaler Schutzwald ist das Ziel. Eine bewährte Methode, den Wald stabil zu halten, ist die sogenannte Rottenpflege. Diese Pflegem thode ist den Fichtenwäldern an der oberen Waldgrenze nachempfunden. «Die Bäume überleben in Rotten. Dies sind dicht stehende Baumgemeinschaften von Trupp- bis Gruppengrösse, die sich von der Umgebung strukturell abheben und von einem mehr oder weniger ausgeprägten Nadelmantel umhüllt sind. Rotten sind standfeste Verbundsysteme, stabile Bestandeselemente. Je dichter die Bäume zusammenstehen, desto standfester das Kollektiv als Ganzes. Der Baumverbund kann mit einem Stabbündel verglichen werden, das im Kronen- und Wurzelbereich verflochten und elastisch abgefedert beziehungsweise abgestützt und von einem Kronenmantel umhüllt ist. Das Gefüge eines aus Rotten zusammengesetzten Bestandes ist gekammert und
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durchlässig – Stürme und Staublawinen prallen hier nicht an, sondern dringen ein und laufen meist schadlos durch. Wenn trotzdem ein Schaden entsteht, so bleibt er räumlich auf einzelne Bestandeselemente begrenzt. Es bleibt beim momentanen Schadenereignis, und es entwickelt sich daraus kein unberechenbarer, dynamischer Schadprozess, wie das in flächi -gleichförmigen Beständen oft der Fall ist. Der Schnee kann von der ‹Rottenkrone› über die äusseren Kronenmäntel abgleiten, sodass sich am Boden eine ungleich hohe und dichte, stabile Schneedecke bildet. Infolge dieses Bestandesgefüges ist alles mosaikartig, fleckig verteilt: Die Bäume, die Bodenvegetation, das Licht, die Wärme, die Feuchtigkeit, der Schnee. Damit entsteht eine ökologische Vielfalt, in der zahlreiche Tier- und Pflanzenarten ihre ökologischen Nischen finden: Nahrung, Schutz und Fortpflanzungsmöglichkeiten. Selbst durch die punktuelle Nutzung einzelner Rotten wird das Ganze nicht gefährdet oder zerstört.» (Zeller E., 1993: Rottenpfleg ) Wird die Rottenpflege zum richtigen Zeitpunkt ausgeführt, sind die Kosten für die Waldpflege deutlich geringer als bei einer flächigen Du chforstung. In den Jahren 2012 und 2013 wurde diese Pflegemethode durch die Försterschule Maienfeld und anschliessend durch den Forstbetrieb St. Antönien im «Schlüecht» ausgeführt. Die Rottenpflege wirkt als massiver Eingriff, ist jedoch eine bewährte Methode zur Stabilitätsförderung. Herausforderung Erschliessung Die Wälder von St. Antönien sind weitgehend minimal erschlossen. Die Erschliessung des Schutzwaldes ob St. Antönien jedoch ist
Schema Rottenpflege
nicht ausreichend. Die auf 13 to beschränkte Waldstrasse verteuert die Waldbewirtschaftung unnötig und ist nicht mehr zeitgemäss. Moderne, effiziente Bringungsmethoden können nicht angewandt werden, da die Dimensionierung der Waldstrasse nicht ausreichend ist, um die Maschinen vor Ort zu bringen. Bis anhin hat dies noch keine Auswirkung auf die Schutzfunktion des Waldes gehabt, da in den vergangenen 60 Jahren die Pflege im Vordergrund stand. Mit zunehmendem Alter wird Holz anfallen, welches nicht mehr im Bestand liegengelassen werden kann. Der Ausbau der bestehenden Erschliessung ist vertieft zu prüfen, damit die Schutzwaldpflege sichergestellt werden kann. Matthias Zubler, Regionalforsting Amt für Wald und Naturgefahren Sagastägstr. 96, CH-7220 Schiers matthias.zubler@awn.gr.ch
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Beurteilung der Waldwirkung im rutschgefährdeten Hang Rutscht der Hang oder rutscht er nicht? Die Ereignisse im Sommer und Herbst 2014 führen uns wieder einmal vor Augen, dass bei entsprechender Witterung mit überdurchschnittlichen Niederschlägen die Gefahr von flachgründigen Rutschprozessen steigt. Bis anhin ist deren Prognose räumlich und zeitlich noch nicht genau möglich. Ein neues Konzept könnte als Grundlage für die Beurteilung der Schutzwaldwirkung gegen Rutschprozesse neue Erkenntnisse und Verbesserungen in deren Abwehr bringen. Dieses Konzept wird anhand von Untersuchungen in St. Antönien innerhalb einer Diplomarbeit für den Abschluss BSc in Forstwirtschaft an der Berner Fachhochschule (BFH; Hochschule für Agrar-, Forstund Lebensmittelwissenschaften HAFL) vorgestellt. Der Schweizer Wald bedeckt knapp einen Drittel der Landesfläche (LFI 2012), wobei rund die Hälfte davon eine Schutzfunktion bereitstellt (BAFU 2013). Somit ist der Wald als grossflächiges Landschaftselement zentral in der Abwehr von Naturgefahren, da er auf derselben Fläche und zur selben Zeit vor verschiedenen Gefahrenprozessen schützen kann (ebd.). Bezüglich Rutschprozessen wirkt der Wald v. a. gegen flachgrü dige Rutschungen (Tiefe der Rutschfläch bis –2 m), wobei die Waldwirkung aus zwei Komponenten besteht: einerseits aus der hydrologischen (bspw. durch Evapotranspiration), andererseits aus der mechanischen Wirkung; u. a. durch die Wurzelarmierung des Bodens, der sog. Wurzelverstärkung (Sidle und Ochiai 2006, 89). Deren Beurteilung in der Praxis erfolgte bis anhin v. a. qualitativ. Eine quantitative Abschätzung dieses Waldbeitrags wäre aber wichtig, damit die Wirkung von Schutzwäldern als biologische Schutzmassnahme innerhalb des integralen Risikomanagements besser
iteinbezogen werden kann (Schwarz und m Thormann 2012, 26). Dieser Artikel fokussiert sich auf die laterale Wurzelverstärkung, also auf jene Wurzeln, welche die Anrisszone und nicht die unterhalb liegende Gleitschicht durchwachsen (sog. basale Wurzelverstärkung; siehe Abb. 1). Da Wurzeln unterschiedliche geometrische Eigenschaften aufweisen, ergeben sich auch unterschiedliche mechanische Eigenschaften. Zum Beispiel haben die Länge und Dicke von Wurzeln einen direkten Zusammenhang zu deren Dehnung, woraus sich bei Rutschanrissen entsprechend einer zunehmenden Zugkraft an den Wurzeln, ein progressives Wurzelversagen ergibt (beginnend beim kleinsten Durchmesser; Abb. 1). Abb. 1: Progressives Wurzelversagen (Quelle: Rüdy [ohne Datum]; abgebildet in Schwarz et al. 2010, 3; verändert)
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Älterer Rutschanriss am Rande einer Lichtung. (Foto: J. Mattli)
Daraus entsteht ein Zusammenhang zwischen der räumlichen Wurzelverteilung (Anzahl und Durchmesser) und der lateralen Wurzelverstärkung (Kraft pro lfm Anrisslänge [kN/lfm]). Das Ziel besteht darin, die Beurteilung von Schutzwäldern gegen (flachgründ ge) Rutschprozesse durch den Einbezug von quantitativen Methoden zu optimieren. Dafür wurde das internetbasierte Tool SlideforNET (Schwarz et al. 2014) entwickelt, welches anhand der Waldstruktur Angaben zu deren Schutzwirkung bezüglich flac gründiger Rutschungen macht. Die für den Benutzer «unsichtbaren» Zwischenschritte sollen anhand einer Fallstudie aus St. Antönien (Prättigau, GR) erläutert werden. Dort ging es um die numerische Modellierung Abb. 2: Methodik: Von Untersuchungen an einzelnen Bäumen zur Aufskalierung auf die Bestandesebene. (Quelle: J. Mattli)
der Wurzelverstärkung von Fichten (Picea abies) mithilfe von Analysen derer lateralen Wurzelverteilung. Daraus liessen sich Folgerungen für die Schutzwaldbewirtschaftung ableiten. Methoden Durch Profilgrabungen auf verschiedenen Distanzen bergseitig von Fichten im Rotwald, einem subalpinen Schutzwald auf einem rutschgefährdeten Hang in St. Antönien, wurde die räumliche Wurzelverteilung (Wurzelanzahl und -durchmesser) erhoben. Diese wurden dazu verwendet, die late rale Wurzelverstärkung der einzelnen untersuchten Bäume mit dem «Root Bundle Model» (RBMw; Schwarz et al. 2013 ) für Wurzeln bis 15 mm Wurzeldurchmesser zu berechnen. Weiter konnte durch die Kalibrierung des «Root Distribution Models» (Schwarz et al. 2010 ) mit den spezifische Werten aus dem Rotwald die Wurzelverteilung eines hypothetischen Waldbestands modelliert werden, um anschliessend wiederum dessen hypothetische Wurzelverstärkung im RBMw zu berechnen. Dieser Schritt erfolgte, um durch Hochrechnungen von Daten von Einzelbäumen Aussagen für die Bestandesebene und damit auch für die Schutzwaldbewirtschaftung möglich zu machen.
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Parallel dazu wurden im Feld auch Daten zum Hang und zum Boden erhoben, womit die potenzielle Waldwirkung mit einer Entwicklerversion von SlideforNET abgeschätzt werden konnte (unten mehr dazu). Diese Daten wurden zusammen mit der berechneten lateralen Wurzelverstärkung des hypothetischen Bestands für Schlussfolgerungen bezüglich der mechanischen Waldwirkung, der Hangstabilität und dem Handlungsspielraum für die Schutzwaldbewirtschaftung verwendet (Abb. 2). Resultate Wurzelverteilung und Wurzelverstärkung Es zeigt sich anhand der Felddaten, dass die Durchschnittswerte der Wurzelanzahl, der Wurzeldurchmesser und somit auch der damit zusammenhängenden lateralen Wurzelverstärkung mit zunehmender Distanz vom Baumstamm abnehmen. Dabei besteht eine relativ hohe natürliche Bandbreite, was sich auch in den Wurzelverstärkungen widerspiegelt. Um Rückschlüsse für die waldbauliche Praxis machen zu können, wurde aus den Hochrechnungen auf die Bestandesebene eine Tabelle mit pragmatischen waldbaulichen Parametern erstellt
(Tab. 1). Dabei erfolgte eine Vereinfachung durch die Annahme eines homogenen Fichtenbestands, wobei die minimale Wurzelverstärkung in der Mitte eines hypothetischen Quadrats bestehend aus vier Fichten ermittelt wurde. Davon wurden dann die waldbaulichen Parameter abgeleitet, für welche in der unten stehenden Tabelle der Deckungsgrad (DG) als Referenzwert verwendet wurde. Dieser wurde mit den spezifischen Werten der Kronendurchmesser aus dem Rotwald berechnet und bewusst in die unten stehenden, gut unterscheidbaren Klassen unterteilt. Die Tabelle 1 zeigt, dass der DG bzw. die Stammzahl pro Hektar (St/ha) nur im Zusammenhang mit der Entwicklungsstufe (BHD) eine bedeutende Aussage für die Wurzelverstärkung macht: Bei gleichbleibendem DG werden mit zunehmendem BHD höhere Wurzelverstärkungen erreicht; die alleinige Betrachtung des DG ist für die Beurteilung der Wurzelverstärkung unzureichend. Potentielle Waldwirkung Um zu quantifizie en, ob der Wald überhaupt eine Wirkung auf die Hangstabilität ausüben kann, wurden Modellierungen
Tab. 1: Stammzahl pro Hektar (St/ha) mit entsprechenden Baumabständen (BA) für verschiedene BHD und Deckungsgrade (DG); Fmax als Wurzelverstärkung pro Laufmeter Anrisszone. (Quelle: J. Mattli)
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in einer Entwicklerversion von SlideforNET durchgeführt. Die hier dargestellte Auswertung (Abb. 3) zeigt die Modellierung unter den Bedingungen im Bereich der untersuchten Bäume aus dem Rotwald. Das Diagramm setzt dabei das Verhältnis zwischen der Frequenz (Anzahl) und dem Volumen von Rutschungen unter den vorgefundenen Bedingungen (u. a. 29 ° Hangneigung, 1,2 m Tiefe der Rutschfläche, Porenwasserdruck bei gesättigtem Bodenprofil) in einen Zusammenhang; zeigt also die bestehende Rutschaktivität. Die leeren Balken stellen die Hangstabilität ohne Wald dar (0 % Schutzwirkung), die farbigen Balken zeigen die Waldwirkung mit verschiedenen lateralen Wurzelverstärkungen (2, 5, 10, 15 kN/ lfm). Unter den Verhältnissen im Rotwald könnte eine Wurzelverstärkung von 15 kN/ lfm demnach die Rutschaktivität auf gut einen Fünftel reduzieren (Schutzwirkung ~ 80 %). Weitere Auswertungen zeigen auf, dass die Rutschaktivität mit steigender Hangneigung zunimmt (bis zum Punkt, wo das Bodenmaterial kontinuierlich erodiert), wodurch die Wirkung der lateralen Wurzelver-
stärkung tendenziell abnimmt. Dies wird in Abb. 4 noch verdeutlicht, wo ersichtlich wird, dass die Effizienz der Waldwirkung mit zunehmender lateraler Wurzelverstärkung grundsätzlich zunimmt – dieser Zusammenhang jedoch auch stark von der Hangneigung überlagert wird. Die Effizien soll den Einfluss des Waldes auf die Hangstabilität bzw. auf das Verhindern der Rutschauslösung bezeichnen; 50 % bedeuten dabei, dass die Hälfte der Volumen aller potenziellen flachgründigen Rutschungen stabilisiert würde. SlideforNET ist ein neues, einzigartiges Modell, welches anhand statistischer Daten über Rutschprozesse, die Eintrittswahrschein lichkeiten durch Berechnung von 10 000 möglichen Verlaufssituationen unter den gegebenen Bedingungen ermittelt (Abb. 5). Da bezüglich flachgründiger Rutschungen noch einige Wissenslücken bestehen, gibt es auch noch einige Unsicherheiten bei derer Berechnung, weshalb in SlideforNET die laterale Wurzelverstärkung in vier Klassen unterteilt wird (0, 5, 10, 15 kN/lfm), da die Bereiche dazwischen schwierig zu definie en sind. Abb. 4: Effizienz der Waldwirkung in Form
Abb. 3: Einfluss der lateralen Wurzelverstärkung
der lateralen Wurzelverstärkung in Abhängigkeit
auf die Rutschmasse unter den Bedingungen im
der Hangneigung (Bedingungen Rotwald).
Rotwald. (Quelle: J. Mattli)
(Quelle: J. Mattli)
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Abb. 5: Web-Applikation SlideforNET (Quelle: ecorisq.org/slidefor-net-en)
Um konservativ und somit auf der sicheren Seite zu bleiben, sind die Schätzungen relativ pessimistisch, wobei die berechneten Werte immer auf die nächst untere Klasse zurückgestuft werden (bspw. 8 kN auf 5 kN). Alle Werte über 15 kN werden auf diese Klasse zurückgestuft. Dieses Tool erhebt keinen Anspruch auf genaue Ergebnisse, sondern soll vielmehr Tendenzen und grobe Klassifizierungen ermöglichen, inwiefern eine Waldbestockung einen Einfluss auf die Hangstabilität ausüben kann und somit als Hilfsmittel für die Anzeichnung im Rutschungs-Schutzwald dient.
durchgespielt. In einem ersten Schritt geht es darum, die Wurzelverstärkung anhand der Tabelle mit waldbaulichen Parametern gemäss dem BHD und dem DG abzuschätzen. Daraus ergibt sich ein Wert für die Abb. 6: Fallbeispiele im Waldeffizienzdiagramm (Quelle: J. Mattli)
Fallbeispiele Um das Konzept besser verständlich zu machen, werden anschliessend Beispiele aus dem Untersuchungsgebiet Rotwald Legende zu Abbildung 6 ☐ BHD 0,2 m; DG 70 %
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≈ 4,0 kN/lfm; 24° HN
➞
Effizienz ≈ 5 %
△ BHD 0,4 m; DG 60 %
➞
≈ 5,5 kN/lfm; 25° HN
➞
Effizienz ≈ 7 %
◯ BHD 0,6 m; DG 50 %
➞
≈ 9,0 kN/lfm; 23° HN
➞
Effizienz ≈ 9 % Bündner Wald 2/2015 31
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Wurzelverstärkung, mit welcher danach im Zusammenhang mit der Hangneigung die Waldeffizienz im Diagramm (Abb. 6) abgelesen werden soll. Sinnbild Wurzelverstärkung (Bild: J. Mattli)
Der dabei im Diagramm bestimmte Punkt gibt Aufschluss darüber, inwieweit der Wald bzw. dessen Wurzelverstärkung einen Einfluss auf die Hangstabilität hat bzw. wie hoch dessen Effizienz ist. Der Vergleich der waldbaulichen Tabelle mit der voraussichtlichen Bestandesentwicklung soll hilfreich bei der Abschätzung sein, ob sich der Aufwand möglicher waldbaulicher Massnahmen lohnt, um die Waldwirkung bezüglich der lateralen Wurzelverstärkung entsprechend einer minimalen Schutzfunktion zu beeinflussen. Bei tieferen Hangneigungen besteht dabei grundsätzlich ein grösserer waldbaulicher Handlungsspielraum, da der DG bzw. die St/ha weniger hoch sein müssen, um eine bestimmte Schutzwirkung zu entfalten. Im Beispiel 1 kann durch das natürliche Baumwachstum hin zu höheren Entwicklungsstufen automatisch eine verbesserte Effizienz erreicht werden. Beim Beispiel 2, aber v. a. bei 3 geht es darum, die künftig wegfallenden Bäume durch gezielte Verjüngungsansätze zu ersetzen, um eine nachhaltige Waldbestockung und Schutzfunktion zu sichern. Die hier betrachtete Hangneigung erlaubt grundsätzlich relativ starke Eingriffe, denn auch bei kleineren Entwicklungsstufen ist bei entsprechenden Bestandesdichten schon bald eine relativ hohe Effizienz möglich. Falls die betrachteten Beispiele in 10 ° steilerem Gelände liegen würden, wird der Handlungsspielraum schon um einiges enger. Der Wald sollte mit zunehmender Hangneigung tendenziell stufig er) bis plenterartig strukturiert sein, damit beim Wegfallen der grossen Durchmesser der restliche Bestand möglichst rasch die minimale Schutzfunktion erbringen kann. Auch lässt sich erkennen, dass fokussierend auf die Wurzelverstärkung, höhere Bestandesdichten und grössere Ent-
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Flachgründige Rutschung in St. Antönien. (Bild: SLF, 2014. © WSL-Institut für Schneeund Lawinenforschung SLF)
wicklungsstufen nötig sind, um eine möglichst hohe Effizienz zu erreichen – was aber wiederum problematisch für die einsetzende Verjüngung sein kann. Diskussion Zusätzlich zur hier behandelten lateralen Wurzelverstärkung spielen auch die basale Wurzelverstärkung und der «WurzelmattenEffekt» (Versteifung der Bodenmasse durch das Wurzelwerk) eine gewisse Rolle in der Hangstabilisierung bzw. in der Verhinderung oder Verminderung von flachgründ gen Rutschungen (Schwarz et al. 2014, 2). Dies wird v. a. bei höheren Hangneigungen wichtig, da die Bodenschicht tendenziell dünner wird, und die Wurzeln sich somit zunehmend im Muttergestein verankern können. Die laterale Wurzelwirkung ist v. a. dort wichtig, wo flachgründige Rutschungen typischerweise auftreten (Hangneigung 25 – 40 °). Aufgrund der mangelnden Datenlage können bis anhin nur Wurzelverstärkungen von Wurzeln bis zu einem Durchmesser
von 15 mm miteinbezogen werden. Da es natürlich weitaus dickere Wurzeln gibt, ist anzunehmen, dass die laterale Wurzelverstärkung noch höher liegt, als in den obigen Daten gezeigt. Hier sind weitere Forschungsarbeiten nötig (Vergani et al. 2014, 1426), wobei momentan u. a. innerhalb einer Semesterarbeit an der HAFL Zug versuche an Grobwurzeln (bis ~ 50 mm) im Rotwald in St. Antönien untersucht werden. Die Erkenntnis, dass der DG nur im Zusammenhang mit der Entwicklungsstufe eine Aussage über die Wurzelverstärkung macht, wird v. a. dann wichtig, wenn dies mit den Vorgaben aus NaiS (Frehner et al. 2005) kombiniert wird: U. a. werden dort im Minimalprofil mind. 40 % DG und mind. zwei entwicklungsfähige Durchmesserklassen gefordert (60 Typ. Hochstauden-Fichtenwald nach E + K; flachgründige Rutschungen). Es zeigt sich, dass diese Vorgaben nur eine beschränkte oder kaum eine Aussage über die Wurzelverstärkung machen, denn bei minimaler Erfüllung dieser Vorgaben sind gemäss obiger Tabelle (Tab. 1) unterBündner Wald 2/2015 33
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Besichtigung des Perimeters (Bild: J. Mattli)
schiedlich hohe Wurzelverstärkungen zwischen ca. 3,5 und knapp 7 kN/ lfm möglich. Dadurch stellt sich die Frage, ob die Grundlage des NaiS-Anforderungsprofils um die Komponente der quantitativen Wurzelverstärkung ergänzt werden soll. Auch die Hangneigung sollte Eingang in das NaiSAnforderungsprofil erhalten, denn mit deren Zunahme verringert sich die Wirkung der lateralen Wurzelverstärkung, was höhere DG bzw. Bestandesdichten und Entwicklungsstufen erfordert. Ein weiterer Diskussionspunkt bildet die Baumartenmischung. NaiS fordert dabei eine der Waldgesellschaft entsprechende naturnahe Zusammensetzung. Wird von der reinen Schutzwaldwirkung gegen Rutschprozesse und Erosion ausgegangen, wobei u. a. die Wurzelverstärkung ins Zentrum rückt, stellt sich die Frage, ob eine höhere
Toleranz bez. der Mischung allenfalls höhere Schutzwirkungen zulassen könnte. Auch hier sind weiterführende Forschungsarbeiten nötig.
Arbeiten am Bodenprofil (Bild: J. Mattli)
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Grundsätzlich ermöglicht die quantitative Beurteilung der Schutzwaldwirkung gegen flachgründige Rutschungen spezifische e Angaben und zeigt den waldbaulichen Handlungsspielraum und dessen Grenzen auf, was in der momentanen Beurteilung nach NaiS weniger gut möglich ist. Das Konzept macht dabei ebenfalls keine Vorgaben, wie die waldbaulichen Massnahmen erfolgen sollen. Dies soll in den Händen der bewirtschaftenden Personen in der Praxis bleiben. Schlussfolgerungen Die Waldwirkung gegen flachgründige Rutschungen wird grundsätzlich durch topografische Bedingungen und die Verhältnisse im Boden begrenzt: Wird der Hang zu steil, liegt die Rutschfläche zu tief oder ist das Wurzelwachstum und somit die räumliche Wurzelverteilung im Boden stark eingeschränkt, vermindert sich die Waldwirkung bezüglich der lateralen Wurzelverstärkung zusehendst. Falls eine potenzielle Waldwirkung gegeben ist (Analyse SlideforNET), kann durch einen entsprechenden Waldaufbau, namentlich Bestandesdichte und Entwicklungsstufen und durch den Waldzustand, die minimale Schutzfunktion erbracht werden. Die Schutzwaldpflege spielt in diesem Zusammenhang natürlich eine bedeutende Rolle. Um die eingangs gestellte Frage zur Hangstabilität genau zu beantworten, bedarf es noch weiterer Untersuchungen (verschiedene Baumarten und Waldstandorte) und umfangreicherer Datengrundlagen, um genauere Tabellen und Diagramme zu erstellen. Im vorliegenden Artikel wird aber immerhin ein möglicher Weg zur quantitativen Beurteilung von Schutzwäldern gegen flachgründige Rutschungen aufgezeigt, wobei für den Praktiker die Zwischenschritte über die waldbauliche Tabelle (Tab. 1) und
das Waldeffizienzdiagramm innerhalb von SlideforNET automatisiert wurden: Zuerst soll in einem ersten Schritt der momentane Zustand des Waldes beurteilt und die Waldwirkung anhand von SlideforNET (im Feld per Smartphone anwendbar) ermittelt werden. In einem zweiten Schritt soll das Tool verwendet werden, um mögliche Szenarien durchzuspielen und abzuschätzen, wie gross der waldbauliche Handlungsspielraum ist, was für Bestandesstrukturen für eine minimale Schutzwirkung nötig wären und was mit angemessenem Aufwand erreichbar ist (siehe Abb. 5 oder: ecorisq.org/ slidefor-net-en). Sozusagen als Hilfsmittel könnte dieses Konzept Praktiker zukünftig unterstützen, ANZEIGE
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um ihnen Entscheidungen im Bereich der Schutzwälder auf rutschintensiven Hängen zu erleichtern und um als Grundlage für Argumentationen für die Schutzwaldbewirtschaftung zu dienen. Weiter kann es auch zu einer besseren Grundlage von NaiS beisteuern, indem die quantitativen Beurteilungen und der Zusammenhang Bestandesdichte und Entwicklungsstufen im Bezug auf die Schutzfunktion gegen Rutschungen berücksichtigt werden können. Dieses Projekt wurde von den Bundesämtern für Raumplanung (ARE) und Umwelt (BAFU) im Rahmen des Alpine Space Programmeprojekts «START_it_up» finanziert. Dieses Programm zielt darauf ab, im Alpenraum einen transnationalen «Stateof-the-Art» im Risiko-Management rund um Naturgefahren (weiter) zu entwickeln (www.startit-up.eu/). Quellenverzeichnis – Artikel basierend auf der Arbeit von: Mattli J, 2014. Quantifizierung der Wurzelverstärkung im Schutzwald. BachelorThesis für den BSc in Forstwirtschaft, Berner Fachhochschule (BFH), Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL), Zollikofen. 79 S. – BAFU (Bundesamt für Umwelt), 2013. SilvaProtect-CH – Schutzwald in der Schweiz. 11.02.2013, abgerufen am 17.06.2014, w w w. b a f u . a d m i n . c h / n a t u r g e f a h ren/01920/01964/index.html?lang=de – Frehner M, Wasser B, Schwitter R, 2005. Nachhaltigkeit und Erfolgskontrolle im Schutzwald (NaiS). BAFU (Bundesamt für Umwelt), Bern, 30 S. – LFI (Landesforstinventar), 2012. LFI4a: Fläche Wald/Gebüschwald/Nichtwald. 20.03.2012, abgerufen 17.06.2014, www.lfi.ch/resultate/resultate-karte.ph p?zigrNr=1&befundNr=329&invNr=45
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1&auswNr=435&p=+=9&fr mFnc=Res ultate%2Banzeigen&itNr=15767&rowI dx=2 Rüdy F, ohne Datum. Wissenschaftlicher Illustrator FH: www.andraia.ch Schwarz M, Dorren L K A, Thormann J-J, 2014. SlideforNET: a web tool for assessing the effect of root reinforcement on shallow landslides. Analysis and Management of Changing Risks for Natural Hazards, 18.– 19. November 2014, Padua, Italy: www.changes-itn.eu/Portals/0/Content/2014/Final%20conference/abstracts/FO4_Abstract_Schwarz.pdf Schwarz M, Giadrossich F, Cohen D, 2013. Modeling root reinforcement using a root-failure Weibull survival function. Hydrology and Earth System Sciences (HESS), 17, 4367-4377. Schwarz M, Lehmann P, Or D, 2010. Quantifying lateral root reinforcement in steep slopes – from a bundle of roots to tree stands. Earth Surface Processes and Landforms (ESPL), 35, 354 – 367. Sidle R C, Ochiai H, 2006. Landslides – Processes, Prediction, and Land Use (3. Auflage). American Geophysical Union, Washington DC, 312 S. Vergani C, Schwarz M, Cohen D, Thormann J-J, Bischetti G B, 2014. Effects of root tensile force and diameter distribution variability on root reinforcement in the Swiss and Italian Alps. NRC Research Press, 1426–1440.
Josias Mattli Forstingenieur FH HAFL Länggasse 85, CH-3052 Zollikofen
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Geschichte der Lawinenverbauung vom Gebiet Chüenihorn Die Bevölkerung am Fusse des Chüenihorns, St. Antönien, mit den zugehörigen Fraktionen, ist ursprünglich aus einer Valsersiedlung mit den typischerweise einzeln stehenden Höfen hervorgegangen. Um die Kirche herum ist das Dorfzentrum Platz entstanden. Entgegen der üblicherweise zu beobachtenden Abwanderungen aus den Alpentälern hat sich die Bevölkerung in St. Antönien verhältnismässig stabil gehalten. Seit 1805, als 390 Einwohner gezählt wurden, hat sich nicht viel verändert – abgesehen von einzel-
nen, leichten Schwankungen. So leben heute rund 360 Personen in St. Antönien (vergleiche untenstehende Tabelle aus Wikipedia). Klimatisch gesehen lässt sich feststellen, dass das Tal in einer Zone liegt, die mit relativ ausgiebigen Niederschlagsmengen gesegnet ist. Der durchschnittliche Jahresniederschlag liegt bei zirka 1390 mm – ein Drittel davon fällt im Sommer. Im Winter können im heutigen Verbauungsgebiet Chüenihorn bei durch Westwind unterstützten Schneefällen extreme Schneehöhen von 5 m (lotrecht gemessen) erreicht werden. Dass ein sol-
Panorama-Aufnahme zum Vergleich von vorher (1950) zu nachher (2010). (Bild: Archiv AWN)
Jahr
Einwohner
1623
1781
1805
1830
1850
1900
1950
1970
2010
495
435
390
381
360
350
430
465
376
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ches 100-Jahre-Ereignis fatale folgen haben kann, zeigt uns die Ereignisdokumentation der letzten Jahrhunderte. In den 300 Jahren von 1668 bis 1968 mussten in diesem Gebiet nachstehende Verluste in der Folge von Lawinenniedergängen verkraftet werden: – 80 Personen wurden verschüttet, davon konnten 55 nur noch tot geborgen werden – 246 Stück Vieh wurden getötet – 46 Häuser wurden zerstört – 262 Ställe sind verschüttet worden Blick durch die temporäre Verbauung «Bord». (Bilder: Michel Maïkoff)
Montagearbeiten im Rahmen des SIS 2013/14 in der Zone 3, «Hünd».
Die zerstörten Gebäude wurden zum Teil hartnäckig immer wieder aufgebaut. Unter dem Eindruck eines schweren Lawinenwinters mit entsprechenden Verlusten an Menschen, Gebäuden und Tieren ist in den Jahren 1948 bis 1951 in Zusammenarbeit mit der WSL ein forstliches Lawinenverbauungsprojekt ausgearbeitet worden. Es war eines der grössten LV-Projekte der Schweiz. Folgende Massnahmen bildeten hierbei die Grundidee: 1. Objektschutz: Da ein riesiges Einzugsgebiet an möglichen Lawinen die betroffenen Gebäude bedrohten, drängte sich schnell die Idee des spezifischen Schutzes auf. So wurden fast alle den Lawinen ausgesetzten Gebäude mit Ablenkdämmen, Spaltkeilen oder sogenannten Ebihöchs geschützt. 2. Stützverbau: Im Anrissgebiet, welches vom Chüenihorn bis Tschatschuggen reicht, wurde ein Stützverbau mit Werken einer Wirkungshöhe DK 3,5 bis 4,0 m (senkrecht zum Hang) geplant. 3. Wiederherstellung des Waldgürtels in einem Band, welches von 1600 und 1900 m ü. M. reicht. Zwischen den Verbauungswerken und den bewohnten Zonen sollten auf waldfähigen Standorten Wälder die ihnen zugedachte Schutzwirkung entfalten. Die gesamte Projektfläche misst dabei gut 80 ha. Auf 55 ha sollte der Wald aufgeforstet und wiederhergestellt werden. Zudem sollte die Beweidung geregelt werden. Auf 25 ha setzte man auf die Naturverjüngung. Von 1953 bis 1977 wurden von den geplanten, oben dargestellten Massnahmen folgende realisiert: – Der grösste Anteil der Stützverbauung (11 336 m’) wurde mit den heute berüchtigten VOBAG-Werken (vorgespannte Betonelemente) erbaut.
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– Mit Stahlkonstruktionen wie Voest- Alpine 306, BEDO 266 oder Züllig 372 wurden bloss 944 m’ erstellt. – Dies macht insgesamt 12 280 m’ Stützverbauung aus. – Zusätzlich wurden noch Kolktafeln, Triebschneewände und temporäre Stützverbauungen (alles aus Holz) erstellt. Innerhalb dieses einen Projekts wurde zudem noch Folgendes realisiert: – Verbauungsweg: zur Erschliessung des Verbauungsgebiets wurden bis «Bärgji» insgesamt 7,8 km Bergstrasse mit einer Die temporäre Verbauung «Bord» vom Gegenhang aus betrachtet.
Detail mit perfekt eingeschnittener Stütze in der Verbauung «Bord».
Breite von 2,5 m errichtet (ab 1998 wurde der Weg sukzessive auf 3,0 m verbreitert). – Begehungswege: Insgesamt wurden davon 3,7 km mit einer durchschnittlichen Breite von 0,5 m gebaut. – Aufforstung: 80 ha Wald wurden mithilfe von Bermentritten (0,3 bis 0,5 m) und Bermenterrassen (1,0 bis 1,3 m) oder Teller- und Lochpflanzungen aufgeforstet. Zum Schutz dieser Waldflächen mussten 7,7 km Viehzäune aufgestellt werden. – Pflanze : In diesen 80 ha Wald wurden fast 500 000 Stück Nadelhölzer (Fi, Lä, Bergfö, Arven) und ca. 20 000 Stück Laubhölzer (Ahorn, Birke) gepflanzt – Insgesamt sind 16,6 km Bermenterrassen für die Pflanzungen erstellt wo den. – Kosten: Das umfassende Projekt konnte mit Gesamtkosten in der Höhe von 11,3 Mio. Franken abgeschlossen werden. Davon übernahmen der Bund 80 % und der Kanton 15 % der Kosten. Der Gemeinde verblieben somit 5 % als Restkosten. Diese wurden dann mit Spendengeldern, mit Beteiligungen von Patengemeinden und über den Finanzausgleich beglichen. Bemerkung: Müsste man dieses Projekt heute neu realisieren, bräuchte man alleine für den Verbauungsteil bereits etwa 31 Mio. und für die Erschliessung 8 Mio. Franken. Darin sind aber alle Kosten für die realisierte Aufforstung der 80 ha noch nicht inbegriffen!
Schneenetze (neu), 600 m’, (DK 4,0: 63 m’, DK 3,5: 532 m’);
Stahlwerke (neu), 1420 m’ (DK 3,5 ausser 26 m’ DK 3,0)
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Vollständig hinterfülltes VOBAG-Werk, welches noch vor 2000 saniert worden war.
Erstes Folgeprojekt: LV Chüenihorn 93 Von 1995 bis 2001 wurden die ersten Sanierungsarbeiten in der Verbauung Chüenihorn über dieses Projekt abgewickelt. Durch Steinschlag und Verwitterung sind Schäden an den VOBAG-Werken entstanden; die mussten unbedingt saniert werden. Zum Teil wurden die Betonelemente aufwendig restauriert. Ein beachtlicher Anteil der Kosten wurde aber für den Ersatz der Betonwerke durch Stahlwerke und Schneenetze eingesetzt. Kosten: Für die Ausführung der Arbeiten in diesem Projekt sind 5 Mio. Franken benötigt worden. Hier standen der Bund noch mit 65 % und der Kanton mit 26 % Subventionen zur Seite. Die Gemeinde musste hier bereits für 9 % der Kosten selbst aufkommen.
Zweites Folgeprojekt: LV Chüeni 2001 In diesem Integralprojekt wurde von 2002 bis 2008 der weitere Sanierungsbedarf an den Betonwerken (sprich Ersatz) gedeckt. Gewissermassen nahm hier die Fortsetzung des Projekts 93 seinen Lauf. Neben den Verbauungswerken in Stahl (1992 m’, DK 3,5 ) wurden bei «Bord» Temporärwerke des Typs SLF ( 242 m’, Hk 2,5) und 60 Stück 3-Beinböcke erbaut. Auch 200 Pfähle wurden dort in den Boden gerammt. Parallel zu den Verbauungsarbeiten wurde auch die Strasse den heutigen Verhältnissen angepasst und verbreitert. Kosten: Die Verbauungsarbeiten verschlangen 4,5 Mio. Franken, während die Verbreiterung der Strasse 0,5 Mio. Franken kostete. Total wurden für dieses Projekt also 5 Mio. Franken aufgewendet. Die Beiträge von Bund (60 %) und Kanton (29 %) hinterliessen für die Gemeinde nun 11 % an Restkosten. Erste Zwischenbilanz nach den ersten drei Projekten am Chüenihorn per 2009 Zwischenzeitlich stehen zirka 5 km Stahlwerke (Bedo, Züllig, Voest-Alpine, Geobrugg) und 9 km der problematischen Betonwerke (VOBAG). Zudem verfügen wir über eine temporäre Verbauung mit 242 m’ Werken (SLF), 60 Stück 3-Beinböcken und 200 Pfählen. Zusätzlich wurde die Bergstrasse auf 3 m verbreitert.
Sammelprojekte Instandstellung Schutzbauten (SIS): SIS 2009/10, 2011/12, 2013/14 –4 26 m’ Stahlwerke als Ersatz der VOBAG-Werke
Fr. 913 000.–
– 336 m’ Stahlwerke als Ersatz der VOBAG-Werke
Fr. 900 000.–
– 300 m’ Stahlwerke als Ersatz der VOBAG-Werke
Fr. 840 000.–
Total 1062 m’ Stahlwerke zu
Fr. 2 650 000.–
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Blick in den Verbauungsabschnitt 8, «bim hola Stei», unterhalb Bärgji.
Das Ganze kostete von 1952 bis 2009 zirka 22 Mio. Franken. In den auf die Einzelprojekte folgenden Sammelprojekten wurden konsequent alle durch Stahlwerke ersetzten VOBAG-Werke abgebaut und aus dem Projektperimeter entfernt. Es wurde bewusst darauf verzichtet, in der Landschaft herumstehende Ersatzteillager zu belassen – wie dies noch bis 2001 praktiziert worden war. In den drei ersten SIS wurden folgende Mengen an Stahlwerken erstellt (siehe Kasten auf vorgängiger Seite). Nachdem Bund und Kanton zusammen 80 % der Kosten übernehmen, bleiben der Gemeinde nun 20 % der Kosten zur Deckung. Zweite Zwischenbilanz nach den ersten drei SIS am Chüenihorn per 2014: Während die Menge temporärer Werke unverändert bleibt, konnte sich die Bilanz Stahl zu Beton zugunsten der Stahlwerke folgendermassen verbessern:
Stahlwerke:
6 km’
Beton:
8 km’
Zukunft in den Verbauungen am Chüenihorn Per 2015/16 ist ein weiteres SIS aufgegleist, wo weitere Betonwerke durch 200 m’ Stahlwerke ersetzt werden.
Zudem läuft parallel dazu ein neues Einzelprojekt an. Hier wird die Gesamtsituation am Chüenihorn im Zusammenhang mit der aktuellen Gefahrenbeurteilung betrachtet und die Verbauung entsprechend weitergeführt. Das ganze Gebiet am Chüenihorn wird dazu in drei Bearbeitungsprioritäten unterteilt. Die erste betrifft das Gebiet Platz bis Mitte Meierhöf und ist mit geschätzten Kosten von rund 10 Mio. Franken Gegenstand des Einzelprojekts. In der zweiten Priorität werden im Laufe der Zeit die Betonwerke aus der Zone 6 Chüenihorn (4500 m’) im Rahmen der SIS zu ersetzen sein. Die Kosten dazu liegen in einer Grössenordnung von 12 bis 15 Mio. Franken. Die dritte Priorität betrifft die Erweiterungen im östlichen Teil der Lawinenverbauungen, welche nötig wären, um im Gebiet Rüti und Sand eine Sicherheit zu gewährleisten, die jener im aktuellen Zonenplan entspricht. Die geschätzten Kosten des Aufwands wären mit zirka 30 Mio. Franken immens und in keinem Verhältnis zum Nutzen. Diese Arbeiten werden folglich nicht realisiert. Michel Maïkoff, Regionalforsting. Amt für Wald und Naturgefahren Sagastägstr. 96, CH-7220 Schiers michel.maikoff@awn.gr.ch
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Solarprojekt Chüenihorn mehr Sonne als in der Wüste Das Solarprojekt in St. Antönien ist landesweit in den Medien und wird auch in Zukunft noch viel zu reden geben. Damit auch positiv darüber berichtet wird, sind die Verantwortlichen extrem gefordert. Die Renditerechnung geht nur schwer auf und kämpft gegen alle Unbekannten der Atomstromlobby. Umwelt, Heimat- und Naturschutz zählen als weiche Faktoren und lassen sich bei der Steckdose nicht auf Anhieb erkennen. Beim Strompreis werden Vollkosten plausibilisiert und dabei ausgeklammert, dass das Endlager für Atommüll noch nicht gefunden und damit auch nicht finanziert worden ist, wie auch all die Atommeiler nach dem Entscheid des Bundesrates zum Ausstieg aus der Atomenergie noch ihres Abbruchs und der Entsorgung warten. Bis dies irgendwann so weit ist, darf sich St. Antönien berechtigt Hoffnung machen, mit seinem Solarkraftwerk am Chüenihorn eines Tages gutes Geld zu verdienen. Dem
Vollausbau der Anlage auf 3,5 MW dürfte bis dahin auch nichts mehr im Wege stehen. Vorerst aber wird noch an ganz anderer Front gekämpft. Bund und Kanton sehen in diesem Projekt keine Chance und würden sich am liebsten ganz ausklinken. Die Schweizer Bevölkerung sah dies aber bisher ganz anders und zeichnete in einer beispiellosen Aktion über Fr. 700 000.– an Zertifikaten Ein absolut starkes Zeichen für die Energiewende und ebenso ein Protest für die Nutzung der Sonnenenergie in Regionen, welche Sorge tragen zur Landschaft wie auch zur Baukultur im Dorf. Ohne Verzicht auf die heutigen Energieanforderungen können bei diesem Projekt Werte erhalten bleiben, die uns in Zukunft immer mehr beschäftigen werden. Die Natur ist das einzige Gut in der wirtschaftlichen Abgeschiedenheit unseres Bergtals. Die touristische Erschliessung durch Bahnen und anderer mechanischer Vergnügungs infrastruktur ist einem derartigen Wettbe-
Testpennel am Chüenihorn. (Bild: Stefan Margreth)
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Test mit Schneebelastung am Chüenihorn. (Bild: energiebüro ag)
werb ausgesetzt, dass dies in St. Antönien ohnehin nicht infrage kommt. So bleibt Natur pur. Was könnte hier besser passen, als den direkten Nutzen der Sonne in den Haushalten des ganzen Prättigaus zu verwerten und dabei weder Fisch noch Vogel zu belästigen? St. Antönien kämpft weiter für sein Energievorzeigeprojekt und hat mittlerweile mit einer erneuten Finanzierungsaktion wieder die breite Öffentlichkeit mit einbezogen. Das Schweizervolk will Energie und eine intakte Landschaft ohne zusätzliche Risiken.
Deshalb werden auch jetzt wieder viele Zertifikate gezeichnet. Ob es am Schluss genügend sind, um die Anlage in der geforderten Zeit bis Herbst 2016 ans Netz zu bringen, wird sich weisen. Spannend bleibts auf jeden Fall. Jann Flütsch Gemeindepräsident Castels 37, CH-7246 St. Antönien jannfluetsch@bluewin.ch
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Die St. Antönier und die Montafoner
Eine Grenzverbindung wandelt sich. (Bild: Montafoner Museen)
Walser und Romanen Laut Schorta haben die Rätoromanen in Partnun eine Siedlung gegründet noch vor den Walsern in Gafien In Partnun hat es auch einige romanische Flurnamen. In Band 2 der Reihe «Das Montafon in Geschichte und Gegenwart» (Montafoner Heimatbuch) wird zur Besiedlung geschrieben: «In einem Urbar sind unter der Jahreszahl 1458 Martin und Georg Schrayger mit Haus und Hof in Gargellen sowie die Erben eines Hans Schrayger am Ort erfasst, während 1477 und 1478 neben den Schrayger eine ganzjährige Siedlungstätigkeit der Familien Tescher, Murmann, Thoma, Salzgeber, Lerch und Moser zu bezeugen ist. Auch in
diesen Fällen hatten teils nachgewiesenermassen schon die Vorfahren am Ort gewohnt, so dass sich eine Sesshaftigkeit der Walser auf Gargellen somit schon für die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts annehmen lässt. In der alpinen Region am sonnenseitigen Hang oberhalb des Siedlungskerns lagen schliesslich mit dem Tescher und der Gargellner Alp zwei Alpareale, für die im Spätmittelalter einzig ein Zugriff durch die Gargeller Walser zu bezeugen ist. So geht der Tescher allein schon dem Namen nach auf eine Begründung beziehungsweise Bewirtschaftung durch die 1478 in Gargellen auszumachende Familie Tescher zurück. Auf der eigentlichen Alp Gargellen, deren Existenz 1423 erstmals zu belegen ist, traten 1458 die Schrayger und 1477 die Salzgeber als Mitbesitzer auf.»
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Die Namen der Alpen Tescher unterhalb des Riedkopfs und Walseralp unterhalb des Tilisunasees sind heute noch auf den Landkarten eingetragen. Ob die Walser von Klosters über das Schlappiner Joch oder St. Antönier Joch nach Gargellen gewandert sind, weiss man nicht. Auch an anderen Orten im inneren Montafon hatten sich Walser angesiedelt. Viehhandel, Viehzucht und Märkte Die dauerhaftesten früheren Beziehungen und Kontakte betrafen den Viehhandel und einen eher bescheidenen Saumverkehr. In einer Montafoner Chronik steht, dass der Plasseggenpass und das Schlappiner Joch die meistbegangenen Pässe waren, worüber mit Saumpferden der Veltliner Wein in das Montafon gesaumt wurde. Die St. Antönier hatten früher auch die Gerberei in Bludenz – und nicht im Prättigau. Der Viehmarkt wird im Appenzeller Kalender anno 1720 erwähnt: «St. Antoni im Bretigäu den a. C. Viehmarkt». Richtig gelesen hätte demnach jeden Monat ein Viehmarkt stattgefunden. Zieht man jedoch sechs Wintermonate ab, waren es immer noch sechs Märkte im Jahr. Der Marktplatz war vor der Büelbrücke beim Chalchofen, heute ein grosser Parkplatz vor der Abzweigung nach Partnun und Rüti-Gafien. Gemäss einer Notiz vom Schrunser Markt von 1798 wurden 187 Kühe, 1502 Stiere, Jungvieh und Pferde allein nach Graubünden verkauft. Zur «Montafoner Kuh» vermerkt Band 1 des Montafoner Heimatbuchs: «Kreishauptmann Johann Nepomuk Ebner, der uns mit seinen Tagebucheintragungen einen wichtigen Hinweis gibt. Im Jahr 1835 berichtet er davon, dass Mönche von Sankt Gerold im Grossen Walsertal Vieh aus ihrem Stammkloster Einsiedeln im Kanton Schwyz
mitgebracht hätten. Es wurden von dort Zuchtstiere importiert und so entstand eine Kuh, welche durch ihre Grösse und Schönheit Aufsehen erregte – die Montafoner Kuh.» Nicht nur beim Kloster im Prättigau, sondern auch in St. Antönien lebten einige Viehhändler, welche Kühe im Montafon kauften, so auch Landammann Pankratz Engel im Rhätia. Es wurden auch Kühe aus dem Prättigau ins Montafon verkauft. Einige Notizen aus dem Tage- und Viehhändlerbuch von Peter Ladner im Infang in der Rüti ergeben Folgendes: Er kaufte Kühe im Paznaun, welche er über Zeinisjoch nach Partennen, St. Gallenkirch, Gargellen und über das St. Antönier Joch nach St. Antönien trieb. Auch aus Schruns, Tschagguns und Umgebung brachte er Kühe durch das Campadelsertal hinauf über Plasseggen, Partnun nach St. Antönien. Diese langen Touren waren sicher für Mensch und Tier sehr anstrengend. Die St. Antönier haben in den 1870 / 80erJahren auch Vieh zur Sömmerung über den Sarotlapass in die Alp Röbi getrieben. Aus einer Sammlung von historischen Dokumenten im Montafoner Archiv kam ein Kaufvertrag aus dem Jahre 1883 zum Vorschein. Georg Flütsch vom Hinterzug in St. Antönien hat grosse Teile von Maisäss und Alp Röbi in Gargellen erworben zum Preis von 3700 Gulden. Dieser bestiess das Gebiet vermutlich über das Sarotlajoch. Er muss sein Eigentum aber nach kurzer Zeit wiederum veräussert haben, denn im Jahre 1893 erwarben Johann und Katharina Müller aus St. Anton die Alp Röbi. 1911 verkauften sie diese weiter an die Gemeinde Bürserberg. Im «Bündner Tagblatt» vom 21. 6. 1887 steht, dass 90 Heimkühe über das St. Antönier Joch auf den Chilbi-Markt am 14. Juni in St. Antönien getrieben wurden. Alte Bündner Wald 2/2015 45
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So, wie in alten Zeiten, als der Veltliner Wein über den Plasseggenpass ins Montafon gesaumt wurde. (Bild: Konrad Flütsch)
Männer erzählten: Wenn unterhalb vom St. Antönier Joch im Juni noch viel Schnee lag, haben die Bauern aus dem Montafon den Kühen die Beine zusammengebunden und diese über den Schnee hinuntergezogen. Damals war der Chilbi-Markt im Holz boden, ausserhalb der Büelbrücke – heute ein grosser Parkplatz. Die Wirtschaft war gegenüber im Haus Bord. Handel und Preise Dazu einige Einträge aus dem Tagebuch von Viehhändler Peter Ladner: «1886 zuletzt im Mai Kühe gekauft im Tirol von Josepha auf Galtür eine Kuh für Fr. 142.– verkauft am 30. Mai in Küblis an Mathis in Jenaz für Fr. 156.–. Von Lechleitner in Ischgel eine Kuh für Fr. 200.– verkauft
an Georg Flütsch, St. Antönien Platz für Fr. 250.–. Von Meinigin in Ischgel eine Kuh für Fr. 172.– verkauft an Johannes Brunner in Küblis für Fr. 200.–. Von Aluis Engel in Kappel (Tirol) eine Kuh für Fr. 192.– für mich in die Alp, später verkauft am Jenazer Markt für Fr. 200.–. Von Scholi in Schruns eine Kuh für Fr. 155.– zahlt Fr. 15.– und den Rest an der Chilbi zahlen Fr. 140.–. Diese Kuh gesömmert und am Jenazer Markt verkauft an Luzi auf Furna für bar Geld Fr. 160.–. Von Erhard aus Silbertal eine Kuh für Fr. 140.– verkauft an Walter Engel für Fr. 230.–. Von Kasper Bitschnau in Schruns eine Kuh für Fr. 220.–. Von Georg Stampfer in Schruns eine Kuh für Fr. 201.–. Von Finger in Schruns eine Kuh für Fr. 205.–. Diese drei oben genannten Kühe an der Chilbi am 14. Juni an Christian Salzgeber in Gargellen verkauft
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(drei Kühe aus dem Montafon über den Plasseggenpass nach St. Antönien gebracht und dann wieder retour über das St. Antönier Joch nach Gargellen).» Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Tagebuch. Zum Vergleich: Was verdienten damals die Leute? Abschrift aus Notizen von Peter Ruosch. «1888 den 12. Oktober ich schulde Johann Pitschi in Rüti für zwei Tage Mist führen Fr. 6.–. 1898 den 6. Februar an Luzi Flütsch für ein Tag helfen Heu ziehen aus dem Mahd Rosswig Fr. 1.–. Am 9. März 1889 an Luzi Flütsch, Oheim für 10 Tage an der Äbenhööchmauer arbeiten Fr. 20.–.»
Partnun war einst Heimat einiger Schmuggler. (Bild: Sandro Krättli)
Montafoner Handwerker, Heuerleute und Heinzen Im August 1839 verbrannten in St. Antönien Platz einige Häuser und ein Stall. Montafoner Zimmerleute halfen beim Wiederaufbau der Häuser. Das alte Posthaus gegenüber der Rhätia ist mit Zapfenstrick («Montafoner Strick») gebaut worden. Auch das Haus Enzian bauten 1921 die Montafoner, ebenso eine Alphütte am Meierhofer-Älpli. Schon im Februar 1935 zerstörte eine Lawine das Haus Enzian ohne «Äbenhööch». Vier Personen fanden den Tod. Die Montafoner Heuerleute, Männer und Frauen, kamen im Sommer als Helfer zu den St. Antönier Bauern. Die Montafoner konnten gut mähen und Heu tragen. Als noch alles bis in die Berge hinauf ohne Maschinen bearbeitet wurde, waren besonders das Mähen und Heutragen recht mühsam. Die Bauern schätzten es, wenn jeden Sommer die gleiche Montafoner Heuerin oder der gleiche Heuer zu Hilfe kam. Auch Heinzen machen konnten die Montafoner gut. Am 19. August 1911 war der Schuhmacher F. Walser auf dem Weg Bündner Wald 2/2015 47
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zu Heuarbeiten in St. Antönien. Er hatte zwei Heugabeln bei sich. Im Bösen Tritt in den Gruoba stürzte er ab und war tot. Beim Heuen in den Mähdern in Partnun war es Brauch, dass die ganze Familie an einem schönen Sonntag zur Tilisunahütte ging und dort mit Bekannten hengerte und ein Glas Wein trank. Ich war im Sommer 1934 zum ersten Mal auch dabei und habe die grosse Wirtin («d Serafin ») mit dem langen schwarzen Rock noch in Erinnerung. Als dann 1939 der Zweite Weltkrieg begann, kamen keine Heuerleute mehr aus dem Montafon. Die in St. Antönien besonders verbreiteten Heinzen soll Landammann Simon Engel ANZEIGE
Wir wünschen euch einen schönen Tag in St. Antönien . . . und ganz hinten liegt Partnun. Die Berghäuser Alpenrösli und Sulzfluh freuen sich auf Ihren Besuch! Daniela und Thomi Flütsch Berghaus Alpenrösli, Telefon 081 332 12 18 und Käthi Meier und Ernst Flütsch Berghaus Sulzfluh, Telefon 081 332 12 13 Am 8. und 9. August 2015 Schärmenparty und Ländlerchilbi mit Oesch’s die Dritten und vielen mehr!
anno 1740 im Montafon entdeckt und danach auch in St. Antönien hergestellt haben. Die Heinzen dienten dazu, das Gras und Korn zu trocknen. Der Schmuggel – eine besondere Beziehung über die Grenze Als die Leute noch das ganze Jahr in den Vorwinterungen in Partnun wohnten und ein karges Leben führten, begannen sie wohl auch mit dem Schmuggeln, um etwas mehr zu verdienen. Die modernen Landesgrenzen im 19. Jahrhundert boten eine neue Gelegenheit dazu. Am meisten wurde ungerösteter Bohnenkaffee geschmuggelt. Laut eines Frachtbriefs, den ich gefunden habe, kam der Kaffee von Übersee zum Zollamt in Rorschach. Der Kaffee war in Stoffballen von 65 kg verpackt. Im Dezember 1891 kamen die Ballen mit der Bahn bis Küblis und von dort mit dem Pferdefuhrwerk nach St. Antönien. Der Bohnenkaffee wurde im Spätherbst mit Pferden bis Partnun-Stafel transportiert und dort gelagert. Wenn es dann im November / Dezember Schnee hatte und lawinensicher war, wurde von Partnun bis zum Gruobenpass ein Weg gestampft. Der Vermittler besorgte Träger, diese trugen den Kaffee – ca. 35 bis 40 kg in Stoffsäcken – auf den Gruobenpass. Als Taglohn bekam ein Träger Fr. 2.50. Die Montafoner kamen mit Handschlitten herauf und hatten so bei Schnee einen «ringen» Transport hinab nach Tschagguns. Im Sommer wurde Schmugglerware im «Gaffiloch» gelagert, einer Höhle in der Nähe von Hartmischstein. Anfang 1900 wurde in Schruns die Mannschaft der Grenzwacht verstärkt. In der Folge kam es bei der Tilisuna zu einer Schiesserei. Die St. Antönier hatten Schmugglerware in Packen in der Tilisunahütte deponiert. Finanzmänner aus Schruns kamen in
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die Hütte, worauf die Schmuggler die Hütte unter Beschuss nahmen. Es wurde erzählt, wenn es in der Hüttenmauer nicht gestoben habe, sei der Schuss durch den Fensterladen und die Fenster in die Hütte hineingedrungen. Die Finanzer zogen ab und die Schmuggler wagten sich in die Hütte. Sie nahmen die von der Wache zurückgelassenen Packen mit sich in die Schweiz. Von gewaltsamen Zusammenstössen berichtete die «Feldkircher Zeitung» schon um 1900 : «Aus dem Montafon 7. Februar 1896. Zwischen Finanzmännern und Schmugglern hat vorgestern bei der Tilisunahütte ein förmliches Gefecht mit Schiessgewehren stattgefunden, wobei zwei Finanzmänner durch Geschosse, der eine am Arm, der andere am Schenkel, verwundet wurden. Die Schmuggler, die in grosser Überzahl waren und etwa 100 Schüsse abgefeuert haben sollen, zogen sich schliesslich in die Schweiz zurück. Es waren ohne Zweifel Schweizer, da sie auf dem Passe eidgenössische Vetterli-Patronen zurückliessen. Es ist dies nicht nur ein Akt von Grenzverletzung, wie er mitunter vorkommt, sondern eine eigentliche Gebietsverletzung, da die Tilisunahütte nicht weit von der Schweizer Grenze auf österreichischem Gebiet liegt. Der Waffengebrauch seitens der Schmuggler ist ein in Vorarlberg geradezu unerhörtes Vorkommnis, das geeignet ist, grosses Aufsehen zu machen. In Tschagguns ist ein Handelsmann nach bei ihm vorgenommener, erfolgreicher Hausdurchsuchung als an der Teilnahme am Schmuggel verdächtig, verhaftet und nach Feldkirch zur weiteren Untersuchung abgeführt worden.» Nach diesem Gefecht hörte dann der Schmuggel im grösseren Rahmen während des Winters auf. Im Sommer 1893, als das Partnuner Galtvieh und auch Pferde auf Plassegga auf der
Weide waren, entwichen vier Pferde über die Grenze hinab in die Alp Campadels. Die Pferde wurden von den österreichischen «Finanzern» beschlagnahmt und die Bauern erhielten die Pferde nicht mehr zurück. Aus der «Prättigauer Zeitung» vom Februar 1945 ist Folgendes zu entnehmen: «Ein bekannter Schmuggler war Christian ThönyMathis (1869 bis 1945 ). Er wohnte mit seiner Familie bei Putzischhus in St. Antönien. In jüngeren Jahren, als er im Zenit seines Lebens stand, verfügte er über ungewöhnliche Gewandtheit und zähe Körperkraft, verbunden mit Kaltblütigkeit und Unerschrockenheit. Eine Leidenschaft, die ihn vermutlich gerade durch die innewohnenden Gefahren reizte. So liess er sich oft zu kühnsten Schmugglerfahrten verleiten. Weg und Steg über die nahe Grenze waren ihm vertraut wie kaum einem anderen. Auf seinen Adlerblick wie auf sein geschultes Ohr durfte er sich verlassen – an Waghalsigkeit und Geistesgegenwart fehlte es ihm ebenso wenig. Diese Leidenschaft, die wohl auch durch die Schwierigkeiten der Versorgung einer vielköpfigen Familien angeregt wurde, führte ihn auf Pfaden über die Grenze. Kaffee, Tabak, Sacharin, Faden, Schnuller (Nuggis) usw. brachte er ins Montafon, um dafür Loden und Kuhschellen, Sensen, Gross- und Kleinvieh einzutauschen. Von der Bevölkerung drüben hatte er nichts zu befürchten und die ‹Finanzer› führte er auf falsche Fährten. Manchmal allerdings geriet er in gefährliche Situationen. Er musste etwa auch seine Konterbande im Stich lassen, aber er kam durch, wo es einem anderen nicht gelungen wäre.» «Prättigauer Zeitung», Februar 1945 Aus dem Montafoner Heimatbuch, Seite 384: «Weitum bekannt wurde bei uns ein Prättigauer aus St. Antönien, bei uns Klusthöny Bündner Wald 2/2015 49
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Die Schmugglergeschichten selbst erleben Die Lust, in wunderbarer Landschaft die Welt der Schmuggler zu erforschen? Die zweitägige Bergwanderung rund um die Madrisa führt Sie auf eine spannende Entdeckungsreise diesseits und jenseits der schweizerisch-österreichischen Grenze. Schon vor Jahrhunderten hat sich ein reger Handel zwischen den Talschaften Montafon und Prättigau entwickelt. Durch die Staatsgrenze wurde der Handel illegal, somit mussten wichtige Waren geschmuggelt werden. Heute ist der Weg über die Grenze frei begehbar und bietet einzigartige Naturerlebnisse und spannende Geschichten! Zwei Tage lang wandern Sie auf historischen Pfaden in Höhen zwischen 1900 und 2600 m. Ein GPS-Gerät begleitet Sie durch die alpine Landschaft und führt Sie zu den Geheimnissen der Schmuggler. Abends tauschen Sie beim kräftigen Schmugglermahl spannende Geschichten aus und kommen im Nachtlager am Berg zur Ruhe. Die Rundtour ist für Gross und Klein ein Erlebnis. Erforderlich sind ein Mindestmass an Kondition sowie Neugier und Freude am Entdecken. Die Route ist auf vier Stunden Gehzeit pro Tag ausgelegt und für Kinder ab etwa neun Jahren geeignet. Wer zusätzlich das Rätschenhorn (2703 m) besteigt, geniesst ein grossartiges Panorama. Mehr Infos unter www.schmugglerland.com
genannt (dieser Name entstand, weil Thöny seine Vorwinterung Chrus in Partnun als Depotlager benutzte). Er lieferte während des Ersten Weltkriegs sogar Autoreifen für das österreichische Heer über die Pässe. Klusthöny kam mit Schmugglerware nach Gargellen, wurde dort von österreichischen Zollorganen erwischt und verhaftet. Thöny aber schützte Hunger vor und die Beamten gingen mit ihm ins Gasthaus zum Essen. Ein längeres Geplauder lenkte die Beamten ab. Man trank Wein, Thöny bestellte noch einen Liter Roten und tat, als ob er auf das Klo müsste. Den ‹Tschopen› mit der Sackuhr drin liess er an der Stuhllehne hängen. Katzenflink war er weg. Die Zollbeamten sahen ihn noch im nächsten Wald Richtung Schweiz verschwinden. Sie rannten ihm nach, ebenfalls Richtung Schweiz. Nach kurzer Weile kam Klusthöny wieder, holte seinen Pack und den
‹Tschopen›, eilte durch das Tal hinaus ins untere Montafon, wissend, dass seine Verfolger ihn oben an der Grenze suchen würden.» Ähnliche Geschichten gebe es von Thöny noch einige. Thöny war natürlich nicht der einzige Schmuggler in St. Antönien. Aus der Schweiz ausführen durften die Schmuggler die Ware. Ich kann mich noch gut erinnern, als noch vor dem Zweiten Weltkrieg an einem Abend drei Schmuggler mit Kaffee in Stoffsäcken auf dem Buckel und einem Stecken in der Hand über die Strasse nach Partnun hineinmarschierten. Auch Frauen haben geschmuggelt. An folgende Geschichte kann ich mich persönlich noch gut erinnern. Es war eine mondhelle Oktobernacht Anfang der 1950er-Jahre, in den Bergen lag noch kein Schnee. Wir wohnten im hintersten Haus links am Weg nach Partnun. Um
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Mitternacht klopfte es an die Haustüre. Wir waren im Bett. Der Vater sagte zu mir: «Wir müssen nachschauen, wer da ist.» Als wir die Türe öffneten, stand die grosse, starke Schmugglerin mit einem Knaben vor uns. Sie bat um Kaffee und etwas zu essen. Sie kamen in die Küche, der Vater machte Kaffee und tischte etwas zu essen auf. Beim Essen erzählte die Frau, sie habe in St. Antönien Platz zwei Rucksäcke voll Tabakwaren eingekauft. Auf dem Rückweg bei der Hirtenhütte auf Plasseggen seien sie eingekehrt und hätten Kaffee gemacht. Plötzlich stand ein Schweizer Finanzer vor der Türe. Er sagte, sie müssten mit den vollen Rucksäcken mit ihm auf das Zollamt in Rüti kommen. Sie habe sich dagegen gewehrt, aber es nützte nichts. Sie mussten wieder retour bis Rüti. Dort wurde ihnen die Ware beschlagnahmt. Mit erhobener Hand zeigte sie auf den Knaben und sagte mit ihrer Bärenstimme: «Wenn i nett de Buo beimer ket het, hetti den Finanzer uf Plasseggen hin gmacht.» Zuzutrauen gewesen wäre es der starken Frau. Mit einem «Vergelts Gott» verabschiedeten sie sich und mussten mit leeren Rucksäcken, etwas gestärkt, den weiten Weg in das innere Montafon wieder antreten. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die Montafoner herüber, um Tabakwaren einzukaufen. In St. Antönien war das Zollamt mit vier Grenzwächtern besetzt. Während des Zweiten Weltkriegs halfen Montafoner Schlepper Juden über die Grenze – was dann oft Probleme mit den Grenzbeamten gab. Im Juli 1945, als der Krieg zu Ende war, wanderten wir, die Ledigen, fast jeden Sonntag zur Tilisunahütte. Wir brachten Zigaretten hinüber und tauschten sie gegen Schnaps, Sensen, Viehglocken etc. wieder um. Auf
dem Rückweg mussten wir natürlich aufpassen, dass wir den Grenzwächtern nicht in die Quere kamen. An der Hundertjahrfeier der Tilisuna im Jahr 1979 war ein Riesenfest mit Musik und Tanz. Der Gemischte Chor St. Antönien sang an diesem Anlass Lieder. Auch heute haben einige St. Antönier noch mit den Montafonern zu tun, sei es bei der Tilisunahütte oder in Tschagguns im Hotel Löwen. Dass die früheren Beziehungen zwischen den St. Antöniern und dem Montafon, «Funern», immer recht intensiv waren, lässt sich sogar an der Geschichte der Reformation ablesen: Das abgelegene St. Antönien gilt als die erste Gemeinde des Prättigaus und eine der frühesten Bündens, die den evangelischen Glauben angenommen hat. Der Überlieferung nach soll in St. Antönien schon 1524 /25 die Messe abgeschafft worden sein. Als Reformator wirkte Jakob Spreiter, der 1517 als Priester aus dem benachbarten Montafon nach St. Antönien gekommen war. Nachtrag Laut Prättigauer Geschichte von Mathis Thöny, Seite 91, begann die Reformation in St. Antönien von Prediger Heinrich Spreiter im Jahre 1521. Somit war St. Antönien die erste evangelische Gemeinde im Prättigau, das heisst noch vor Jenaz im Jahr 1523.
Konrad Flütsch-Gansner Rüti 5 CH-7246 St. Antönien Telefon: 081 332 29 80
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Ein Ägypter in St. Antönien, Mohamed Hossni-Flütsch Der Namensgeber von St. Antönien ist der Kirchenpatron St. Antonius, auch genannt Antonius der Ägypter. Fast 800 Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung des Walserdorfs wird die Dorfbeiz «Gemsli» von Mohamed Hossni-Flütsch geführt – die Einheimischen nennen ihn Mohi. Ein Ägypter, der diesen Januar den Schweizer Pass erhielt. Der «Bündner Wald» hat sich mit ihm unterhalten, um zu erfahren, was ihn aus dem Morgenland hinter den Mond trieb, ob er Heimweh hat und was er alles vom Stammtisch mitbekommt ... dort, wo er die Sprache der Prättigauer lernte.
Lieber Mohi, sehr provokativ gefragt – was muss geschehen, dass ein Ägypter hinter dem Mond links in St. Antönien landet? Man muss dafür die richtige Frau finden. Ich habe meine Frau Tanja in Ägypten kennengelernt, sie war in den Ferien. Zuerst blieben wir gemeinsam eineinhalb Jahre in Ägypten. Ich arbeitete in einem Hilton-Hotel in Hurghada am Roten Meer, wo meine Karriereaussichten eigentlich sehr gut waren. Wir reisten nach St. Antönien in die Ferien, worauf Tanja fragte, ob ich es mir vorstellen könnte, hier zu leben. Ich antwortete: «Wenn du in Ägypten leben kannst, kann ich dies auch in St. Antönien.»
Mohi, der Pilzjäger aus Ägypten. (Bilder: Familie Hossni-Flütsch)
Diese Bereitschaft reichte wohl aber noch nicht aus, um hier in einem Bergdorf Fuss zu fassen. Was geschah danach? Nein, wir haben bei null angefangen. Wir waren anfangs beide arbeitslos, ehe Tanja in einem Gartenbetrieb Arbeit fand und ich nach einem personellen Ausfall im Restaurant «Gemsli» bei meinen Schwiegereltern aushelfen durfte. Danach ging es eigentlich schnell. Durch mein Studium in Tourismus und die Erfahrung aus dem Hotelbetrieb hatte ich keine Mühe mit dem Restaurantbetrieb. Noch bevor ich damals im Restaurant angefangen habe zu arbeiten, organi sierte ich einen Cocktail-Abend. Leute aus dem ganzen Tal kamen. Sie tranken nicht nur Bier und Most – nein, sie tranken meine Drinks! Es wurde ein Riesenfest und die Beiz war voll. Im Januar 2007 heirateten Tanja und ich. Wir führten nach der Pension meiner Schwiegereltern quasi versuchsweise die Beiz weiter – heute gehört uns der Betrieb. Wir haben das Angebot laufend ausgebaut. Lustig war, dass die Leute am Stammtisch nach meinen ersten Arbeitseinsätzen schon sagten: «Das wird ünscha nü Gemsliwirt.»
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Sie sind nun schon seit neun Jahren hier in St. Antönien sesshaft. Wie waren die ersten Tage und Wochen hier in diesem Bergdorf? Na ja, von der Wüste in die Alpen (lacht). Ich hatte noch nie Schnee gesehen. Die Natur fand ich herrlich. Alles ist so aufgeräumt und grün im Sommer. In Ägypten musst du dir wegen der Jahreszeit oder dem Wetter keine grossen Gedanken machen. Hier muss man immer aufs Wetter schauen, planen was man unternimmt, die Zeit einteilen. Das war schon eine Umstellung. Sonst wurde ich hier sehr gut aufgenommen. Ich weiss nicht, wie einfach dies früher gewesen wäre. Ich hatte wirklich Glück. Die Sprache habe ich am Stammtisch gelernt. Ich habe die Leute gebeten, mich zu korrigieren statt mich auszulachen – das war die beste Sprachschule. Und so denke ich, wurde ich immer mehr von den Leuten akzeptiert und so konnte ich mich bestens integrieren. Kochst du auch ägyptisch im «Gemsli»? Bisher haben wir zweimal einen orientalischen Abend auf direkten Wunsch von Gästen organisiert. Wir haben passende Musik laufen lassen, eine Wasserpfeife hingestellt und die Beiz orientalisch dekoriert. Wir haben aber keine ägyptischen Speisen auf unserer Karte, dafür ist momentan die Küche zu rudimentär eingerichtet. Vielleicht später einmal. Momentan beschränken wir uns auf solche spontanen Events.
Es begann mit einem Cocktail-Abend im «Gemsli».
Wie sah dein Leben in Ägypten aus? Ist alles komplett anders hier in der Schweiz oder gibt es auch Parallelen? Eigentlich musste ich mich nicht gross ändern – auch nicht im Lebensstil. Ich musste mich teilweise mit der Sprache, mit der Kultur und den geregelten Abläufen im Alltag hier anpassen. Erst nach einiger Zeit
Bist du mit deiner Familie noch oft in deiner alten Heimat? In den Ferien, ja. Was wir auch sehr geniessen. Erstaunlicherweise freue ich mich nach zwei bis drei Wochen immer wieder nach Hause, ins «Gemsli», zu gehen. Es ist vielleicht das eindeutigste Zeichen, dass ich hier angekommen bin. Mittlerweile brauche ich
habe ich bewusst einen ägyptischen Kollegen in Basel besucht. Das war dann fast airo für mich. Wir sprachen nur arawie in K bisch und waren nur unter uns. Dies störte mich ein wenig. Ich treffe mich noch einmal jährlich mit ägyptischen Freunden, die in halb Europa verteilt leben. Wir reisen dann jeweils gemeinsam nach Ägypten und verbringen eine schöne Zeit zusammen.
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die Arbeit hier mit dem geregelten Tagesablauf – mir wird sonst schnell langweilig. Da bin ich wohl eher schon mehr Schweizer als Ägypter. Ägypten hat in den letzten Jahren äusserst bewegte Zeiten hinter sich. Wie hast du diese Entwicklungen aus der Ferne wahrgenommen? Sehr intensiv ! Als die Leute in Kairo auf den Tahrir-Platz strömten und zu Tausenden für ihre Rechte kämpften, ging mir dies sehr nahe. Ich wäre sicherlich auch auf die Strasse gegangen. Das war historisch und was damals eingeleitet wurde, dauert an. Ich glaube sogar, ich habe mich erst hier in der Ferne so richtig für die Politik in meinem
Heimatland zu interessieren begonnen. Die Unterdrückung in der Gesellschaft war auch für mich spürbar. Ich hatte zwar ein gutes Leben, trotzdem weiss ich, dass wir ständig unter Beobachtung standen. Das Schlimmste war die Willkür der Polizei – das war für uns direkt spürbar. Als Mubarak endlich weg war, ging es mir schon unter die Haut. Das war Wochen zuvor noch undenkbar. Alles war so überraschend und hatte eine unglaubliche Energie. Ich war und bin stolz, Ägypter zu sein. Wie bist du zufrieden mit der Entwicklung seit der Revolution? Die Regierungszeit der Muslimbrüder war ernüchternd und sicher nicht im Sinn und
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Geist der Revolution. Die Sache ist kompliziert. Ich habe damals schon meinen Freunden gesagt, dass eine positive Veränderung 10 bis vielleicht gar 15 Jahre dauern kann. 60 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze, viele sind arbeitslos. Industrie siedelt sich nur schwerlich an und eine echte Demokratie entwickelt sich nicht über Nacht. Die Geschichte Ägyptens und des gesamten arabischen Raums ist kompliziert. Einst lebten viele Religionen friedlich zusammen. Geht man noch weiter zurück, war es gar die Wiege früher Hochkulturen. Heute ist vieles schwierig und verzettelt. In sich läuft vieles falsch und von aussen kommen Einflüsse, die die Situation anheizen. Daher bin ich sehr gespannt, wie sich die Geschichte weiterentwickeln wird. Ich bin skeptisch und optimistisch zugleich. Kehren wir nach St. Antönien zurück. St. Antönien besitzt das Ausländerstimmrecht – was du zwar seit Januar gar nicht mehr brauchst. Hast du dich, bevor du Schweizer wurdest, zu politischen Fragen geäussert? Ich habe mich erst einmal innerhalb der Gemeinde beteiligt – damals, als es direkt um Bestimmungen ging, die das Gastgewerbe und somit unseren Betrieb betraf. Die Meinungen im Dorf zu einer möglichen neuen Regelung bezüglich Kurtaxen waren gespalten. Ich habe meine Sicht eingebracht und mich auch an der Gemeindeversammlung geäussert. Ich finde es gut, wie man hier direkt Einfluss nehmen kann. Damals lief es sogar positiv für uns aus (lacht). Politische Diskussionen, die sonst liefen, habe ich teilweise intensiv verfolgt. Ich lauschte den Diskussionen am Stammtisch oder informierte mich über die Medien. Beispielsweise die Debatten zu der Minarettoder die Ausschaffungsinitiative haben mich
bewegt. Mir ist aufgefallen, wie angeheizt und unsachlich teilweise argumentiert worden ist. Besonders bei der Minarett-Initiative wurden die Muslimen oft pauschal als böse dargestellt. Inhaltlich hatte ich nicht mal so ein Problem mit der Forderung, aber wie negative Beispiele in der Presse breitgeschlagen wurden, hat mich auch persönlich verletzt. Bei der Ausschaffungsinitiative war die Berichterstattung ähnlich aggressiv. Hier war ich aber froh, dass die angenommen wurde. Ich finde es gut, wenn schwer kriminelle Ausländer ausgeschafft werden. Dies ist wichtig für alle Friedlichen und gut Integrierten im Land. Dieses Jahr treffen sich ja die Förster Graubündens in St. Antönien. Was bedeutet dir der Wald persönlich? In der Freizeit wandern wir gerne als Familie. Ich geniesse diese Stunden in der Natur. Dabei ist auch der Wald sehr wichtig. Zudem sammle ich Pilze. Das ist mittlerweile Die alte Heimat wird zum Ferienziel für die Familie Hossni-Flütsch aus St. Antönien.
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schon eine Leidenschaft von mir. Ich kenne zwar nur die Eierschwämme und Steinpilze. Es ist ein irrsinnig «hübsches» Hobby, da ich auch die Gerichte mit Pilzen sehr liebe. Mein grösster Erfolg war der Fund eines 800 g schweren Steinpilzes ! Zudem bin ich leidenschaftlicher Fischer, auch weil ich sehr gern Fisch habe. Sonst sind der Wald und die Jagd, aber auch Lawinen immer wieder Themen am Stammtisch. Lawinen, ein gutes Stichwort. St. Antönien ist ja als Dorf besonders auf den Schutzwald angewiesen. Wie nimmst du dies als Zugezogener wahr? Die Funktion des Waldes, uns vor Naturgefahren zu schützen, war natürlich etwas Neues für mich. In Ägypten gibt es Hochwasser oder andere Extreme wie Dürren. So direkte Bedrohungen kannte ich vorher nicht. Das Leben mit Naturgefahren ist doch immer wieder ein Thema. Es ist auch eindrücklich, wie einzelne Leute von Ereignissen berichten, die schon Jahrzehnte zurückliegen. Gerade vergangene Lawinenereignisse sind sehr verankert in der Seele der Menschen. Hier im Hotel erkundigen wir uns im Winter jeweils bei Gästen, wo sie heute hingehen. Gerade die SkitourenTouristen setzen sich ja teilweise auch diesen Gefahren aus. Aber ja, ich spüre grosse Achtung und Respekt vor der Natur. Was sind sonst noch so aktuelle «Waldthemen» am Stammtisch? Beispielsweise die Wildfütterungen! Die sollen ein Problem der Förster sein. Ich fand das anfangs auch sonderbar, das Wild zu füttern. Aber ich muss sagen, es ist auch herzig und eindrücklich, wie sich Einzelne für die hungernden Wildtiere im Winter einsetzen. Das ist doch eine Achtung vor der Natur? Vögel werden ja auch gefüttert.
Das ist spannend. Gab es noch weitere Themen? Aktuell läuft gerade die Sache mit diesen Gefahrenzonen. Da kann ich zwar wirklich nicht mitreden. Es geht ja da um rote und blaue Zonen. Was man oft hört, dass von irgendwelchen studierten Leuten aus Amtsstuben diese Zonen festgelegt wurden – ohne die Menschen zu fragen, die Tag für Tag hier mit den Naturgefahren leben. Ich verstehe den Unmut, schliesslich wird es für viele schwieriger zu bauen und das Leben im Bergdorf wird zusätzlich erschwert. Was möchtest du den Forstleuten noch mit auf den Weg geben? Eigentlich nichts; es dürfen natürlich alle immer gerne hier einkehren (lacht und überlegt weiter). Doch, etwas habe ich da noch. Dies beschäftigt mich schon lange. Wie ihr dies mit den Christbäumen macht, das stört mich. Da werden Jahr für Jahr junge Bäume abgeschnitten, damit sich die Menschen diese für kurze Zeit in die Stube stellen können. Ich feiere ja auch Weihnachten mit meiner Familie und finde dies äussert verschwenderisch ! Könnte man nicht eingetopfte Bäume vermieten und diese bis zur nächsten Weihnacht lagern? Gerne leiten wir diesen Input weiter und danken ganz herzlich für das interessante Gespräch und die Gastfreundschaft im «Gemsli». Für die «Bündner Wald»-Redaktion, Sandro Krättli, Februar 2015.
Sandro Krättli, Redaktor Bündner Wald Sagastägstr. 96, CH-7220 Schiers sandro.kraettli@awn.gr.ch
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Rundwanderung Lawinenverbauung Chüenihorn
Blick aus dem Gafiatal auf das Chüenihorn in St. Antönien. (Bild: Markus Flütsch)
In den 1950er-Jahren wurde in St. Antönien mit dem Bau der schweizweit grössten Lawinenverbauung begonnen. Auf der Rundwanderung queren Sie steile Hänge, wandern vorbei an Einzelhöfen mit ihren typischen «Äbehöch», mitten durch die Aufforstungen, auf die Alpstufe und noch höher hinauf zu den Lawinenverbauungen am Chüenihorn. Aussichtsreich geht es weiter zum Carschinasee und der Carschinahütte, bevor es über die Partnuner Meder nach Partnunstafel und zurück nach St. Antönien geht. «Leben mit Lawinen» ist ein Thema, das die St. Antönier und St. Antönierinnen ein Leben lang begleitet. Nur dank intensiver
Verbauungen, einer gezielten Aufforstung und einem entsprechenden Unterhalt sowie unter Berücksichtigung der Gefahrenzonen kann in St. Antönien die Sicherheit von Mensch, Tier und Infrastruktur sichergestellt werden. Die langfristige Aktualität des Themas hat sich auch im Impulsprojekt «Leben mit Lawinen. St. Antönien.» gezeigt. Im Rahmen des Projekts «Walserweg Graubünden» ist, in Zusammenarbeit mit Hansjürg Gredig, Karin Enzler und Alex Brembilla, der Führer «Leben mit Lawinen. St. Antönien.» entstanden. Der Führer enthält neben Informationen zu St. Antönien viel Wissenswertes zu den Lawinenverbauungen. Die Geschichte vom «Leben mit Lawinen» lässt Bündner Wald 2/2015 57
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sich auf dieser Rundwanderung besonders gut erleben. In St. Antönien Platz (1420 Meter) beginnt unsere Wanderung. Nach wenigen Höhenmetern bleibt der Blick an der Kirche hängen. Diese wurde 1493 erbaut. Das Fundament des Turms stammt noch aus dem Jahr 1370. Die Kirche ist eines jener Bauwerke, die über die Jahrhunderte von den Lawinen verschont blieben. Wenig östlich davon liegt der Meierhof mit seinen Wohnund Stallbauten. Hier stürzte am 20. Januar 1951 eine Lawine vom Chüenihorn hinunter. Kühe, Ziegen, Schweine und Schafe verendeten. Bis auf einen Mann, der nur noch tot geborgen werden konnte, wurden alle verschütteten Personen gerettet. Die immer wiederkehrende Angst vor den Schneemassen und die Verluste an Hab und Gut zwangen die Gemeinde zum Handeln. Zumal
dieses schwere Lawinenunglück nicht das erste war und nicht das letzte sein sollte. Landammann Peter Flütsch startete in der Schweiz eine Spendenaktion. Damit konnten die Lawinenverbauungen am Chüenihorn begonnen werden. Bis heute wurden hier über 16 Kilometer Lawinenverbauungen erstellt. Im Aufstieg von St. Antönien Platz nach Aschüel fällt bereits die erste Eigenheit auf, Schutzbauten hinter den Häusern, sogenannte «Äbehöch». Diese haben die Aufgabe, die Lawine beidseits des Hauses vorbeizulenken. Ein Blick auf den Zonenplan, der zurzeit in Überarbeitung ist, zeigt, dass sich viele der seit Jahrhunderten bestehenden Einzelhöfe in einer als «Gefahrenzone mit hoher Gefahr» taxierten Lage befinden, so auch der Michelshof, an dem wir nun vorbeiwandern. Über Aschüel ziehen wir hin-
Lawinenverbauungen – mehr als Kunst am Berg. (Bild: Hansjürg Gredig)
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Partnun mit Sulzfluh. Im Hintergrund die Carschinahütte. (Bild: Jochen Ihle)
auf zum Gebiet Junker. Vom südwestlichen Ausläufer des Chüenihorns, am Tschatschuggen, zog bereits im Jahr 1952 die nächste verheerende Lawine talwärts und zerstörte Leben, Hab und Gut auf Aschüel. Wir steigen durch den Schutzwaldgürtel aufs Meierhofer Älpli. Die Aussicht ist grossartig. Gegenüber, in südlicher Richtung, blicken wir auf die Lawinenverbauung am Eggberg. Auch hier wurde als weitere Schutzmassnahme, durch gezielte Einzäunung, die natürliche Verjüngung des Waldes gefördert. Über Weiden steigen wir nun hoch zum Bärgli (2137 Meter), zu den untersten Lawinenverbauungen. Hier stand während des Baus das Barackendörfli. Mit der Montage der aus Stahl armierten Betonträger war die Arbeit aber noch nicht getan. Seit 1977 müssen die Verbauungen Jahr für
Jahr saniert werden. Die Betonelemente weichen den langlebigeren Eisenstahl-Elementen. Dass es zu den schweren Lawinenniedergängen kam, hat ihren Ursprung in der Siedlungsentwicklung. Die Wirtschafts weise der Walser, die insbesondere Viehwirtschaft betrieben, forderte viel Land, um den Futterertrag zu sichern. Viele Flurnamen erinnern heute noch an die einstige Bewaldung der Berghänge: Rüti (Roden), Schwendi (Schwenden), Bremboden (Abbrennen). Holz benötigte man aber auch für die Bauten, für die Zäune, die Heinzen und im Winter zum Heizen. Und allmählich fehlte der Schutzwald gegen Lawinen, Rüfen und Hochwasser. Dies gilt nicht nur für St. Antönien. Mit dem Landesausbau in den höheren Lagen, an steilen Hängen, kam es Bündner Wald 2/2015 59
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gelb: Wanderung zu den Lawinenverbauungen am Chüenihorn: St. Antönien Platz (1420m) – Meierhofer Älpli – Bärgli (2137m) – Verbauung Chüenihorn (2246m). Wanderzeit: 4 bis 5 h. Aufstieg, Abstieg: je 830m. Distanz: ca. 15 km gelb plus rot: Rundwanderung Lawinenverbauungen Chüenihorn, Partnun: St. Antönien Platz (1420m), Bärgli (2137m), Carschinahütte (2236m), Partnun Stafel (1763m), St. Antönien Platz. Wanderzeit: 6 bis 7 h. Aufstieg, Abstieg: 820m. Distanz: ca. 19,3 km Die Wanderzeiten sind ohne Pausen gerechnet. Quelle Karte: Bundesamt für Landestopografie.
mancherorts im Alpenraum zu ähnlich prekären Lawinensituationen. Anstatt beim Bärgli den gleichen Weg abzusteigen, lohnt es sich, Höhe haltend zum Carschinasee zu wandern. Dahinter, im Norden, ragen die Spitzen der hellen Rätikonkalke in den blauen Himmel. Unser Blick bleibt an den Wänden der Sulzflu hängen, während wir weiterziehen zur Carschinahütte (2236 Meter), zum höchsten Punkt unserer Rundwanderung. Hier rasten und sich stärken, ist schon fast ein Muss, denn die Lage und das feine Essen machen einen Aufenthalt in der Carschinahütte zum unvergesslichen Erlebnis. Familien, Geniesser und Geniesserinnen übernachten gar
in der Carschinahütte und lernen auch das Hütten-Murmeltier kennen. Über die Partnuner Meder geht es danach zum Stafel hinunter. Wer mag, macht einen Abstecher zum idyllischen Partnunsee oder lässt die Füsse ruhen und geniesst die Abendstimmung und die herzliche Gastfreundschaft im «Alpenrösli» oder in der «Sulzfluh». Für die Rückkehr nach St. Antönien mieten wir uns ein Trottinett. Hinauf zu den Lawinenverbauungen wandern – wie anders lässt sich die Steilheit der Hänge, die Gefährdung der Siedlung und die Herausforderung der Bewirtschaftung besser erleben? St. Antönien – ein Bergdorf mit Zukunft? Bald werden wir an den Lawinenver-
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bauungen auch Solaranlagen bestaunen, die in einem ersten Ausbauschritt jährlich Strom für rund 250 Haushalte liefern werden. Erleben Sie hautnah, was es heisst, in einem Bergdorf wie St. Antönien im Sommer und Winter zu Hause zu sein. Nehmen Sie den Führer «Leben mit Lawinen. St. Antönien» mit auf Ihre Wanderung. Er begleitet Sie mit wertvollen Informationen und mit Geschichte(n) aus dem Alltag, so über die italienischen Gastarbeiter, die Jahr für Jahr für den Weiterbau der Lawinenverbauungen anreisten, über die Aufforstungen auf 80 Hektaren Land am Fusse des Chüenihorns oder über den «Rohrwaldbannbrief» von 1635. Literatur: • Leben mit Lawinen. St. Antönien. Hintergründe zur weissen Gefahr in St. Antönien mit Beschreibung der Rundwanderung St. Antönien–Aschüel– Meierhoferälpli–Bodmen–Bärgli–Lawinenverbauung Chüenihorn–Carschinasee–Partnun, inkl. Karte. Hrsg. Walservereinigung Graubünden, 2010; zu beziehen bei St. Antönien Tourismus. Tel. 081 332 32 33, info@st-antoenien.ch
• Etappen 18, 18a, 19 und Hintergrundbeiträge in: Irene Schuler, Walserweg Graubünden. Rotpunktverlag, 2010. Wanderangebote und Impulsprojekte: Buchbare Angebote mit Gepäcktransport, z. B. Davos–Medergen–Sapün–Strassberg– St. Antönien: www.walserweg.ch Übernachtung: Carschinahütte: www.carschina.ch. Berggasthaus Alpenrösli oder Berggasthaus Sulzfluh, Partnun: ww .sulzfluh.ch Weitere Gasthäuser in St. Antönien Platz. Tourencharakter: Einfache Bergwanderung. Gute Kondition für sieben Stunden Wanderzeit. Gute Trekking- oder Wanderschuhe empfohlen. Aufstieg/Abstieg ca. 820 Meter. SAC-Skala: T2.
Irene Schuler Initiantin Walserweg Graubünden CH-7206 Igis
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Mit ruhiger Hand und scharfen Augen Der Stolz eines jeden Jägers ist seine Waffe. Diese Waffe, geführt mit ruhiger Hand und scharfen Augen, soll ihm schliesslich zum ersehnten Erfolg verhelfen. Und weil sie sein ganzer Stolz ist, lässt er sie gerne verzieren. Ein Spezialist dafür – einer von nur zweien in der Schweiz – ist der Waffengraveur Andreas Luck aus Ascharina. Mit dem Stichel, geführt mit ruhiger Hand, sticht Andreas Luck Grasbüschel in den harten Stahl. Vor ihm liegt, eingespannt in die Gravierkugel, der Verschluss eines Jagdstutzers. Das detailgetreu gestaltete, plastische Sujet – eine liegende Gämse mit ihrem Kitz – ist kaum grösser als eine Zündholzschachtel und weist eine Tiefe von knapp einem Millimeter auf. Scharfe Augen sind vonnöten für diese Präzisionsarbeit. Luck schiebt sich die Brille auf der Nase hoch – dieses Hilfsmittel musste er sich vor einigen Jahren anschaffen – und ergreift ein Hämmerchen und einen Punzen. Mit diesem formt er nun den Kopf der Gämse, treibt ihn ruhig und sicher zehntelmillimetergenau in den harten Stahl. «Eine Vollgravur bedeutet in der Regel mindestens zwei Monate Arbeit. Deshalb kann ich pro Jahr nicht mehr als drei bis vier solche Aufträge bewältigen», bemerkt der im kärntnerischen Ferlach ausgebildete Graveur und ergänzt, dass somit auch Wartezeiten bis zu einem Jahr anfallen können.
Andreas Luck bei der Arbeit in seiner Werkstatt in Ascharina. (Bild: Peter Th. Vonow)
Grundbedingung zeichnerisches Können Seine Kunden, auf Luck aufmerksam gemacht durch Mund-zu-Ohr-Propaganda, reisen aus der ganzen Schweiz und dem nahen Ausland in das abgelegene Tal, um sich ihre Waffen von einem Meister seines Fachs gravieren zu lassen. Beim Erstkontakt beschreibt der Kunde seine Wünsche und Luck setzt sie in eine massstabgetreue Zeichnung um. Zeichnen ist neben dem Gravieren eine
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Eindrückliche Gravur von Andreas Luck. (Bild: Andreas Luck)
weitere Leidenschaft des 53-Jährigen im St. Antöniertal verwurzelten Luck. Und er beherrscht dieses Metier; das bezeugt der Ordner voller Bleistiftzeichnungen von verschiedensten Jagdszenen und Wildtieren, die er für seine Kunden oder zum Selbststudium angefertigt hat: Jagdszenen, umrankt von Efeu, Weinlaub, Edelweiss oder Disteln, Szenen aus Kanada mit Elch und Grizzly oder aus Afrika mit Büffel und Löwe. Meist zeigen die Zeichnungen jedoch europäische Wildtiere wie Hirsch, Reh, Gämse oder Steinbock, aber auch Fuchs und Hase. Beliebt, so Luck, seien auch Wildererszenen.
Als gelernter Büchsenmacher repariert und verkauft Luck auch Waffen. Und Jagdstutzer stehen einige zum Abholen bereit: Kein Wunder, besonders vor der Jagd müssen sie einwandfrei funktionieren: Die Jagd kann beginnen!
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Scherenschnitte – von St. Antönien bis China Untertitel Grundschrift
Ein Markenzeichen von Monika Flütsch sind Kuhmotive – hier Kühe auf Schlitten. (Bilder: Monika Flütsch)
In den Lokalitäten der einstigen St. Antönier Poststelle wird heute mit Cutter und Schere gearbeitet. Statt Postsendungen liegen in den Verteilregalen nun Papierschnitte in allen Grössen und Facetten. Dabei hat Monika Flütsch kaum Bilder zum Ausstellen. Die meisten Werke sind Auftragsarbeiten, die das Atelier nach Vollendung der Arbeit wieder verlassen. So finden einstweilen Doppel oder Bilder aus früheren Zeiten den Platz an den Wänden ihres Lokals. Auf dem Arbeitstisch aber liegen filigrane Scherenschnitte mit den vielseitigsten Sujets. Vor allem Kühe haben es Möna – so ihr Künstlername – angetan. Die «St. Antönier Haustiere» zeigen sich aber nicht alle in Form und Gestaltung einer herkömmlichen «Braunswiss». Meist stehend, tanzend, sporttreibend oder dann lässig liegend oder sitzend; alles mit einem menschlichen Touch und viel Humor versehen. Das Auge für die Kunst hat Monika Flütsch schon seit ihrer Jugend. Als bildende Künstlerin kennt sie sich mit der Gestaltung von dreidimensionalen Objekten ebenso aus wie mit der Tuschfeder oder dem Malstift.
Ihre grosse Leidenschaft gehört aber seit rund einem Vierteljahrhundert dem Scherenschnitt. Die Ausstellungen an den schweizerischen Scherenschnittveranstaltungen hat Monika Flütsch durch ihre spezielle Art der künstlerischen Kommunikation wesentlich mitgeprägt. Junge mit Ziege.
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Grosser Scherenschnitt mit vielseitigen Sujets. Auch Bäume mit allen Details entstehen mit der Schnittkunst.
Wurde 1997 an ihrer ersten Teilnahme bei einer nationalen Ausstellung ihr ungewöhnliches Bild der «rasenden Berta auf dem Davoser Schlitten» erst nach Protest eines Jurymitgliedes in die Ausstellung aufgenommen und am äussersten Rand der traditionellen Scherenschnittkunst präsentiert, so sind heute die traditionellen Sujets bereits etwas Rares. Die Moderne hat auch in der Papierkunst Einzug gehalten. Die rasende Berta wurde übrigens seinerzeit als erstes Bild der damaligen Ausstellung in Liestal verkauft. Der Durchbruch war geschafft. Inzwischen sind die Scherenschnitte von Monika Flütsch auch in Asien zum Ausstellungsthema geworden. In Tokio, HongBündner Wald 2/2015 65
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kong und Macao waren ihre Bilder schon zu bestaunen und schmückten sogar die Plakatwände zu diesen Expositionen. Im Land des Scherenschnittes – hierzulande vergleichbar mit dem «Lismen» – ist dies eine wahre Hommage an unsere St. Antönier Künstlerin. Mehr Infos unter www.moenart.ch
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Tagungsprogramm Jahresversammlung 2015
Traktandenliste 1. Eröffnung des Präsidenten 2. Wahl der Stimmenzähler 3. Protokoll der GV vom 23. Mai 2014 in Donat 4. Jahresbericht 2014 5. Jahresrechnung 2014 und RevisorenBericht 6. Budget 2016 und Festsetzung der Mitgliederbeiträge 7. Tagungsort 2016 8. Ernennung von Freimitgliedern 9. Anträge 10. Tätigkeitsprogramm 2015 11. Mitteilungen der FOPEKO mit Infos unseres Kantonsförsters R. Hefti 12. Anerkennungspreis 13. Varia
Freitag, 29. Mai 2015 9.15 bis 9. 45 Uhr Eintreffen der Teilnehmer in der Mehrzweckhalle St. Antönien Tageskasse 9.45 bis 11. 30 Uhr Jahresversammlung mit Grusswort des Präsidenten 11. 30 bis 12.15 Uhr Apéro im Foyer 12.15 bis 14 Uhr Mittagessen 14 bis 15.15 Uhr 25 Jahre Revierförster in St. Antönien Martin Hardegger
Tagungsschluss
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Verein Graubünden Wald in St. Antönien im Prättigau
Anmeldetalon für die Jahresversammlung des Vereins Graubünden Wald, St. Antönien im Prättigau, 29. Mai 2015 Name:
Vorname:
Adresse:
PLZ/Ort:
Mobile:
E-Mail:
Ort/Datum:
Unterschrift:
Programm
Preis pro Person
Bitte ankreuzen
Jahresversammlung mit Mittagessen
50.–
Menü vegetarisch
Rasche Anmeldung wird erwünscht ! Rücksendung bis spätestens 11. Mai 2015 an: Amt für Wald und Naturgefahren, Sagastägstrasse 96, 7220 Schiers, Herr Daniel Oertig Stv. Sekretariat Telefon: 081 300 24 13 / Fax: 081 300 24 21 / E-Mail: daniel.oertig@awn.gr.ch Bündner Wald 2/2015 67
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Comic Theo & Heinz
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Jahresbericht 2014 des Vorstandes von Graubünden Wald 1. Vorstand Das Vereinsjahr 2014 neigt sich bereits wieder dem Ende zu. Es war geprägt vom Wandel, welcher der Vorstand bei den letzten Wahlen erfahren hat. Für mich als neu gewählten Präsidenten war es ein sehr schwieriges Jahr. Kurz nach meiner Wahl ist am 7. Juli unser Sohn Niculin bei einem Arbeitsunfall als junger Forstwart in der Val d’Assa bei Ramosch tödlich verunglückt. Dieses Ereignis ist für mich persönlich – aber auch für uns als Familie – sehr schwer zu verdauen. Es hat mich sehr viel Energie und Kraft gekostet. Es prägt meinen Alltag immer noch sehr stark. Vielen Dank an alle, die uns in dieser schweren Zeit unterstützt haben und dies auch weiterhin tun werden. Durch dieses Ereignis ist mein Einsatz zugunsten unseres Vereins, aber auch allgemein, stark beeinträchtigt worden. Ich bedanke mich bei meinen Vorstandskollegen für die tatkräftige Unterstützung beim Erledigen der Pendenzen während des Geschäftsjahres. Der Vorstand hielt im Vereinsjahr 2014 drei ordentliche Sitzungen ab. Die Schwerpunkte der Vereinstätigkeit können wie folgt zusammengefasst werden: – Skipostenlauf in Bivio vom 15. März – Förstertag Domat/Ems vom 21. März – Jahresversammlung 2014 in Donat vom 23. und 24. Mai – Liechtensteiner/Bündner Holzhauerei meisterschaften vom 31. Mai – Lehrabschlussfeier der Forstwarte in Chur vom 27. Juni – 31. Holzhauerei-WM: 10.– 14. September – EFNS Lenzerheide: 12.– 16. Januar 2015 2. Aktivitäten 2.1 Jahresversammlung 2014 Die Jahresversammlung von Graubünden Wald fand am 23./ 24. Mai in Donat/Fer-
rera statt. Das Protokoll wurde auf unserer Homepage und im «Bündner Wald» veröffentlicht. Nebst den üblichen Traktanden waren diesmal wieder Wahlen fällig. Nach dem ersten Jahr der aktuellen Amtsperiode wurden folgende Demissionen eingereicht: Beat Philipp, Präsident; Rinaldo Lutz, Beisitzer; Mirko Beti, Beisitzer. Für die frei werdenden Chargen sind folgende Leute neu in den Vorstand von Graubünden Wald gewählt worden: – Präsident: Mario Riatsch, Revierförster bei Cumün da Sent – Beisitzerin: Cristina Fisler, Regionalforstingenieurin, Tiefencastel – Beisitzer: Orlando Lerch, Forstunternehmer, Präz Neben den üblichen Vereinsgeschäften sehe ich meine Wahl zum neuen Präsidenten von Graubünden Wald vor allem auch als Chance, die verschiedenen Waldberufe (d. h. vom Forstwart bis zum Forstingenieur) zu vereinen und so die Fusion des Forstvereins und des Revierförstervereins zu stärken und einmal mehr zu rechtfertigen. Ich freue mich auf meine neue Aufgabe und werde mein Bestes geben, damit unser Verein für unsere Mitglieder weiterhin aktiv und interessant bleiben wird. An dieser Stelle nochmals vielen Dank den scheidenden Vorstandsmitgliedern, insbesondere dem ehemaligen Präsidenten Beat Philipp für den unermüdlichen Einsatz zugunsten unseres Vereines; auch den zwei Beisitzern Rinaldo Lutz und Mirko Beti herzlichen Dank für die Arbeit. Beat Philipp hat sich bereit erklärt, das Amt des OK-Präsidenten der EFNS auf der Lenzerheide weiter auszuüben. Für diese Aufgabe vielen Dank und gutes Gelingen. Anschliessend an unsere GV wurde ein reichhaltiger Apéro im neuen Werkhof des Bündner Wald 2/2015 69
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Betriebs Forst-Werk Zillis Schamserberg offeriert. Die Frauen wurden auf eine Exkursion in die Viamalaschlucht begleitet. Nach dem Mittagessen konnten die Versammlungsteilnehmer eine interessante Führung zu den ältesten bemalten Holztafeln der Welt, in der Zilliser Kirche, geniessen. Anschliessend wurde per Auto oder MTB in die Val di Lei verschoben. Nach Besichtigung der Staumauer konnten die Zimmer im Rifugio il Capriolo – bereits auf italienischem Boden – bezogen werden. Valentino hat uns mit einem köstlichen Nachtessen verwöhnt und auch der Veltliner mundete auf dieser Höhe besonders gut. Die Exkursion am Samstag führte zurück ins Avers und endete nach einem gemütlichen Spaziergang bei der Sägerei Ausserferrera. Nach einer kurzen Besichtigung der neu eingerichteten Sägerei wurden die Teilnehmer noch mit einem Brunch verwöhnt. Vielen Dank der ganzen Organisation für die sehr gut vorbereitete GV und die unvergessliche Exkursion ins Aversertal respektive in die Val di Lei. 3. Wettkämpfe 3.1 Skipostenlauf Am 15. März 2014 fanden sich rund 120 Mitglieder und Familienangehörige von Graubünden Wald zum traditionellen Skipostenlauf in Bivio ein. Der Forstdienst des Surses mit OK-Präsident Pascal Murbach hat mithilfe der Skilifte Bivio einen sehr schönen Anlass organisiert, der von guten Pisten und vom Wetterglück profitierte. Den gut 40 Sponsoren des grosszügigen Gabentempels, der Swiss Helicopter AG für die Gratisbewirtung, allen Helfern der Skilifte Bivio, dem Speaker Andi Florin, der Zeitmessequipe des Skiclubs Bivio sowie den rund 15 Helfern des AWN
und des Forstdienstes Surses sei an dieser Stelle für den gelungenen Anlass nochmals herzlich gedankt. 3.2 VSF Am 12. September 2014 fand die Delegiertenversammlung des VSF in Brienz statt – dies im Rahmen der Holzhauerei-WM. Graubünden Wald war mit vier Vertretern dabei. Arnold Denoth zusammen mit Peter Piller übernimmt neu das Präsidium des VSF. Herzliche Gratulation an Arnold für die Wahl zum Co-Präsidenten. Ein Thema war die Erhöhung des Jahresbeitrags. Der Antrag des Vorstandes wurde von den Delegierten gutgeheissen. Der Jahresbeitrag beträgt neu 60 Franken. Weitere Infos zur DV sind auf der Homepage des VSF einsehbar. 3.3 ARGE 3.3.1 Vergabe alpiner Schutzwaldpreis Bereits zum 8. Mal wurde der «Alpine Schutzwaldpreis» unter dem Dach der «Arbeitsgemeinschaft Alpenländischer Forstvereine» verliehen. Der St. Galler Forstverein organisierte die Verleihung des «Alpinen Schutzwaldpreises 2013» am 17. Januar 2014 im symbolträchtigen Gonzenbergwerk in Sargans. In der Kategorie «Partnerschaft und Innovationen» waren aus Graubünden die Projekte «Waldtrophy – Die Bündner Waldmeisterschaften» des Amtes für Wald und Naturgefahren, Schiers, und «Modullehrgang Seilkraneinsatzleiter» des ibW Bildungszentrum Wald, Maienfeld, nominiert. Für den Kategoriensieg hat es leider nicht gereicht. 3.3.2 Tagung der Vorstände der ARGE Alpenländischer Forstvereine Die alljährliche Zusammenkunft der Vorstände der ARGE Alpenländischer Forstvereine fand auf Einladung des Tiroler Forstver-
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eins am 17. Oktober in Lans bei Innsbruck statt. Die Sitzung wurde wieder zusammen mit der Jury des alpinen Schutzwaldpreises abgehalten. Die Bündner Delegation (Präsident und Aktuar) konnten erneut zwei Wettbewerbsbeiträge präsentieren: «Dorfschutzwald Vals – 105 Jahre Schutzwaldpflege, Gemeinde Vals» sowie «15 x Waldolympiade Samnaun», Gemeinde Samnaun. Es wurde beschlossen, die lose «Arbeitsgemeinschaft Alpenländischer Forstvereine» in den Verein «ARGE Alpenländischer Forstvereine» umzuwandeln. Die konstituierende Vollversammlung soll am Rande der nächsten Preisverleihung des Alpinen Schutzwaldpreises in Galtür stattfinden. Zudem wurde ein Sponsoring-Abkommen zwischen der Versicherungsgesellschaft HELVETIA und dem Verein beschlossen. Aktuelles über den Verein «ARGE Alpenländischer Forstvereine» – und vor allem über den alpinen Schutzwaldpreis – kann auf der Website der ARGE unter www.arge.forstvereine.eu nachgelesen werden. 4. Kommissionen 4.1 Redaktionskommission Bündner Wald Nach dem Rücktritt von Renaldo Lutz und der Neuwahl der Geschäftsleitung SELVA ist auch die Redaktionskommission von «Bündner Wald» neu zusammengestellt. Die Kommission traf sich am 20. August 2014 in Schiers zu ihrer ordentlichen Sitzung. Dabei wurden die Abrechnung 2013 wie auch das Budget 2014 verabschiedet. Das Redaktionsprogramm für das Jahr 2015 wurde erstellt. Die neue, moderne und übersichtliche «Bündner Wald»-Homepage ist online. An dieser Stelle einen ganz herzlichen Dank für den grossen Einsatz aller Beteiligten, insbesondere Renaldo Lutz! Wieder war die Mindestauflagenzahl der
Zeitschrift ein Thema. Infolge Gemeindefusionen schrumpft die Mitgliederanzahl erneut. Eine aktive Bewerbung neuer Mitglieder ist erwünscht. Die kompetenten Redaktoren Sandro K rättli und Jörg Clavadetscher sowie die Interviewerin Nina Gansner-Hemmi haben hervorragende Arbeit geleistet und sechs abwechslungsreiche und spannende Ausgaben des «Bündner Waldes» zusammengestellt. 4.2 Forstliche Aus- und Weiterbildungskommission OdA Wald Die forstliche Aus- und Weiterbildungskommission hat unsere Anliegen in zwei Sitzungen der OdA Wald Graubünden vertreten. Im Herbst wurde das Kursangebot 2015 für das Bündner Forstpersonal zusammengestellt. Das Angebot kann im Internet unter www.wald.gr.ch abgerufen werden. Im Berichtsjahr wurden mit rund 481 Teilnehmenden massiv mehr Kursbesuche registriert als im Vorjahr (291). Dies hat seinen Ursprung in den Wald-Wild-Veranstaltungen der SELVA, welche im Rahmen der Sonderjagdinitiative durchgeführt worden sind. 4.3 Forstpersonalkommission Am 13. Februar 2015 traf sich die FOPEKO zu einer Arbeitssitzung in Haldenstein. Die Anwesenden beschlossen, am 13. November 2015 einen Förstertag zu organisieren. Zu diesem Anlass wird unter Angabe der Traktanden eine schriftliche Einladung erfolgen. Im Weiteren behandelte die FOPEKO folgende Themen: – Lohneinreihung der Revierförster – Pflichtenhef /Aufgabenbereich Betriebsleiter – Gesamtarbeitsvertrag für die Angestellten in der Forstwirtschaft – Frühpensionierung in der Forstwirtschaft Bündner Wald 2/2015 71
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– Leistungsvereinbarung über die Beförsterung der Waldungen mit dem Kanton Graubünden – Holzmarktsituation nach der Aufhebung der Franken-Untergrenze durch die Nationalbank – Beitragsverteilung 2015, Sammelprojekt Waldbaumassnahmen (Zwangsnutzungen) 4.4 Holzhauereiwettkampfkommission Am 22. Oktober 2014 haben sich der Liechtensteiner Forstverein sowie der Verein Graubünden Wald getroffen. Dabei wurde über eine gemeinsame Austragung des Bündner und Liechtensteiner HOWEK diskutiert. Angedacht wäre, dass der Liechtensteiner Forstverein als sechste Region den HOWEK alle zwölf Jahre einmal ausführen würde. Es werden dabei der beste Bündner und der beste Liechtensteiner geehrt (U24 sowie Aktive). Die Verteilung von Preisen an die jeweiligen Teilnehmer wird durch den Organisator geregelt. Der Liechtensteiner Forstverein hat einer gemeinsamen Zusammenarbeit bereits zugestimmt. Als sehr schwierig erwies sich die «Re krutierung» der Schiedsrichter für die Liechtensteiner/Bündner Holzereimeisterschaften. Sicher war das Datum am Wochenende nach Auffahrt nicht ideal. Der Wettkampf konnte nur durchgeführt werden, weil Wettkämpfer sich auch als Schiedsrichter zur Verfügung stellten. Es wäre schön, wenn sich an den nächsten kantonalen Meisterschaften 2015 wieder mehr Forstleute freiwillig als Schiedsrichter melden würden. Ich freue mich darauf. 4.4.1 Holzhauerei-Weltmeisterschaften (ialc) in Brienz BE Sechs Bündner Forstleute meldeten sich als Schiedsrichter für die Weltmeisterschaft in
Brienz an. Nach einer zweitägigen Ausbildung als internationaler Schiedsrichter (ialc) am 2. und 3. Juni in Thayngen, reisten wir am 10. September nach Brienz ins Berner Oberland. Wir durften eine tadellos organisierte Weltmeisterschaft miterleben. Der Einsatz dauerte vom 12. bis 14. September. Es war ein sehr spannender, jedoch auch recht anstrengender Schiedsrichterdienst. Insgesamt starteten 28 Nationen. Jeden Abend war ein tolles Programm organisiert. Sämtliche Schiedsrichter konnten gemeinsam mit allen Wettkämpfern daran teilnehmen. Auf der Talfahrt vom Brienzer Rothorn sangen die Russen zusammen mit der Mannschaft aus der Ukraine (keine Probleme!). Die Leistungen der Wettkämpfer waren top. Es gab wiederum einige Weltrekorde. Etliche Wettkämpfer sagten, dass es die beste WM aller Zeiten war. Was letztendlich jedoch zählt, sind sicher die guten Erinnerungen an dieses super Holzerfest und die Pflege der Kameradschaft 5. Mitglieder Die Liste umfasste Ende Jahr 565 Mitglieder. Der Mitgliederschwund durch Gemeindefusionen hat auch dieses Jahr wieder zu 16 Austritten von Kollektivmitgliedern geführt. Dieser Trend wird uns auch in den nächsten Jahren noch mehrere Kollektivmitglieder kosten (Gemeinden). Im Berichtsjahr wurden 17 Neumitglieder registriert. In diesem Zusammenhang fordere ich alle auf, aktiv für neue Mitglieder zu werben. Insbesondere meine Revierförsterkollegen bitte ich, in den Forstgruppen unter den Forstwarten, Waldarbeitern und Lehrlingen Werbung zu betreiben. Dies vor allem, damit wir die angestrebte Zahl der «Bündner Wald»-Ausgaben durch neue Einzelmitglieder kompensieren können.
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Hier die Liste der Neumitglieder: – Stecher Jonpitschen, Scuol – Caflisch Flurin, Malader – Grond Fabian, Scuol – Stuppan Corsin, Ftan – Rauch Claudio, Ftan – Brosi Linard, Maienfeld – Industria Legnami SRL, Tirano – Godly Gian Andri, Bern – Jenal Corsin, Thusis – Pfranger Hannes, Sent – Nuotclà Flurin, Sent – Vital Daniel, Sent – Lebedicker Anja, Zolling – Gredig Simon, Zürich – Gemeinde Domlschg, Tumegl / Tomils – Buchli Urs, Ausserferrera Todesfälle seit der letzten Versammlung: – Brosi Peter, Trimmis – Hämmerle Ernst, Davos Platz 6. EFNS 2015 in Lenzerheide Vom 12. bis 17. Januar 2015 fanden auf der Lenzerheide die 47. Europäischen Forst-
lichen Nordischen Skiwettkämpfe (EFNS) statt. Bis es so weit war, ging diesem Anlass eine fast vierjährige Vorbereitungszeit voraus. Diese begann 2011 mit der Zusage des damaligen Vorstandes von Graubünden Wald unter der Leitung von Beat Philipp, diesen Anlass in unserem Kanton durchzuführen. Es folgte die Kandidatur mit einer Präsentation und dem Zuschlag durch das internationale Komitee anlässlich der 44. EFNS 2012 in Todtnau. Zur Durchführung des Grossanlasses wurde schliesslich im Oktober 2013 der Verein EFNS 2015 Lenzerheide gegründet und ein Organisationskomitee eingesetzt. Der Verein setzte sich aus den Gründungsmitgliedern Lenzerheide Marketing und Support AG, Nordic & Biathlon AG und dem Graubünden Wald zusammen. Im Organisationskomitee waren weitere, für die Durchführung massgebende Organisationen vertreten (siehe Tabelle unten). Die eigentliche Arbeit begann schliesslich Ende 2013 mit der Suche nach finanzielle Unterstützung bei möglichen Sponsoren,
Vorname / Name
Ressorts
Organisation
Beat Philipp
Präsidium Sponsoring
Graubünden Wald
Christian Barandun
Helfer und Helfereinsatz
Graubünden Wald
Jacqueline Odermatt
Marketing Unterkünfte /Anmeldungen
Lenzerheide Marketing und Support AG
Sandro Sutter
Bauten / Infrastruktur / Verkehrsregelung / Parkplätze
Gemeinden
Kurt Fedier
Personentransporte
Gemeinden
Ursin Fravi
Buchhaltung
Gemeinden
Silvio Baselgia
Wettkampf / Strecke
Nordic & Biathlon AG
Lukas Kobler und
Amt für Wald und Naturgefahren
Angela Carisch
Protokoll Rahmenprogramn Exkursionen
Sepp Meier
Verpflegung / Festwirtschaft
PDGR (kantonale Anstalt) Bündner Wald 2/2015 73
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dem Kanton sowie dem Bund. Glücklicherweise gelang es nach anfänglichen Schwierigkeiten und mit etwas Verspätung die erforderlichen Geldmittel aufzutreiben. Allen, welche sich dafür eingesetzt und uns unterstützt haben, sei an dieser Stelle nochmals ganz herzlich gedankt! Nachdem das Geld gesichert war, konnten vom OK im Sommer 2014 die eigentlichen Vorbereitungen für den Grossanlass mit voller Kraft in Angriff genommen werden. Ein erster Höhepunkt und Vorgeschmack war die Herbstsitzung der EFNS-Mannschaftsführer, welche sich Ende September 2014 aus fast ganz Europa in Lantsch einfanden, um sich ein Bild vom Stand der Vorbereitungen und der Anlagen der bevorste-
henden EFNS zu machen. Schon anlässlich dieser Sitzung konnte das OK den Besuchern die Lenzerheide bei prächtigem Postkartenwetter von der besten Seite präsentieren. Als dann am 13. Januar die 47. EFNS anlässlich der Eröffnungsfeier in Lantsch offiziel gestartet wurden, konnte Regierungsrat Mario Cavigelli – als Schirmherr dieser Veranstaltung – über 750 Teilnehmende aus 20 Nationen willkommen heissen. Die Wettkämpfe konnten dank der hervorragenden Arbeit der Verantwortlichen der Biathlon Arena trotz knapper Schneeverhältnisse unter besten Bedingungen durchgeführt werden. Dabei vermochte sich das grosse Schweizer Team – vor allem auch die Teilnehmenden aus Graubünden – gut in Szene
Ins.Abo-144x100-3.2015:WVS 17.03.15 11:35 Seite 1
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zu setzen. Neben 28 Podestplätzen wurden 46 weitere Top-20-Ergebnisse erzielt (Resultate siehe unter: www.efns.eu). Das Wochenprogramm setzte sich zusammen aus Exkursionen (Montag), dem Trainingstag mit Eröffnungsfeier (Dienstag), dem Wettkampftag mit Einzelwettkämpfen in der klassischen und in der freien Technik sowie dem Fachvortrag «Rückkehr des Bartgeiers» (Mittwoch), den Exkursionen und dem Fachvortrag «Wiedereinwanderung von Grossraubtieren» (Donnerstag) sowie aus den Staffelwettkämpfen, dem Fest der Nationen und der Abschlussfeier mit Siegerehrungen (Freitag). An beiden Exkursionstagen standen 14 Exkursionen zur Auswahl. Die EFNS-Teilnehmer konnten von den idealen Rahmenbedingungen der Tourismusregion Lenzerheide profitie en. Das Fest der Nationen am Freitagnachmittag und die Siegerehrung am Abend waren die stimmungsmässigen Höhepunkte dieses völkerverbindenden Anlasses. Als Veranstalter durften wir viele schöne Komplimente für «begeisternde EFNS» entgegennehmen. Sämtliche Anlässe seien vorbildlich vorbereitet und in bester Atmosphäre durchgeführt worden. Der Geist der EFNS – Sport, Kameradschaft und Kultur zu kombinieren – sei vom OK richtig erkannt und bestens umgesetzt worden (Zitat des Schweizer Mannschaftsführers U. Hug). Dank des grossen Engagements aller Beteiligten, des OKs und der etwa 150 Freiwilligen ist es uns t atsächlich gelungen, die EFNS 2015 zu einem vollen Erfolg werden zu lassen. Ich möchte an dieser Stelle allen ganz herzlich danken, welche zu diesem unvergesslichen Anlass beigetragen haben.
7. Dank und Ausblick Zum Schluss möchte ich mich noch bei mehreren Personen bedanken, welche mich im ersten Präsidialjahr tatkräftig unterstützt haben: – dem alten Präsidenten und OK-Präsidenten der EFNS, Beat Philipp – den Vorstandsmitgliedern und Revisoren – unserem Kantonsförster Reto Hefti – unseren « Bündner Wald » - Redaktoren Jörg Clavadetscher und Sandro Krättli Ein spezieller Dank gebührt auch allen Kommissionsmitgliedern, vor allem jenen, welche mir beim Abfassen dieses Jahresberichtes geholfen haben. Wie im Eingangswort schon erwähnt, geht für mich ein sehr schwieriges Amtsjahr zu Ende. Ich habe an den Vorstandsitzungen von Graubünden Wald, an den verschiedenen Veranstaltungen, aber auch an den Zusammenkünften der ARGE Alpenländische Forstvereine schöne und aufmunternde Stunden erlebt. Mit den Worten aus Psalm 51,14: «Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe und mit einem willigen Geist rüste mich aus» schliesse ich meinen ersten Jahresrückblick. Ich wünsche unserem Verein mit allen Mitgliedern ein gutes Gelingen, nehmt an unseren Veranstaltungen teil und beteiligt euch aktiv am Vereinsleben. Sent, 6. März 2015 Für den Vorstand
Mario Riatsch Präsident Graubünden Wald Uffizi forestal Sent, CH-7554 Sent m.riatsch@scuol.net
Beat Philipp, OK-Präsident
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Erläuterungen des Kassiers zur Jahresrechnung und Bilanz 2014 Buchführung Liebe Mitglieder von Graubünden Wald Letztes Jahr fiel es mir leichter, Erfolgsrechnung und Bilanz zu erläutern, da wir einen Einnahmenüberschuss verzeichnen konnten. Die Jahresrechnung fiel jeweils besser aus als budgetiert.
schweiz Presse und Print AG konnte ich folgende Rechnung stellen: 393 Einzelmitglieder
à Fr. 30.00 = Fr. 11 790.00
133 Kollektivmitglieder à Fr. 90.00 = Fr. 11 970.00 Total ................................................... Fr. 23 760.00
Mitgliederbeiträge Nach der Bereinigung der Mitgliederliste durch Arno Kirchen und durch die Südost-
Da wir die Beiträge bei den Kollektivmitgliedern von Fr. 80.00 auf Fr. 150.00 erhöhten, konnten wir Fr. 5760.00 mehr generieren als budgetiert waren.
Erfolgsrechnung 2014
Bilanz per 31. Dezember 2014
Einnahmen
Aktiven
Mitgliederbeiträge
Fr. 23 760.00
Kassa
Fr.
Zinsen von Sparheft / Obligationen
Fr.
Bankkonto GKB CK 432.035.200
Fr. 30 188.20
Shop / PR-Artikel
Fr. 1 070.00
Raiffeisenbank 41660.43
Fr. 1 547.00
PostFinance
Fr.
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800.00
478.15
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Termingeldanlage bei Raiffeisenbank Fr. 60 000.00
Tagungen / Veranstaltungen
Fr. 5 751.70
Debitoren
ARGE Alpenländische Forstvereine
Fr.
0.00
Transitorische Aktiven
Fr.
Schutzwaldpreis 2010
Fr.
0.00
Total Aktiven
Fr. 94 261.10
Fr. 46 059.85
0.00
Ausgaben
Fr. 1 485.00 0.00
Passiven
Jahresbeiträge
Fr. 8 780.00
Kreditoren
Fr.
Vorstand und Revisoren
Fr. 3 030.05
Transitorische Passiven
Fr. 18 736.00
Verwaltungsaufwand, Steuern
Fr.
Eigenkapital
Fr. 82 152.50
Shop / PR-Artikel
Fr. 1 040.00
Einnahmenüberschuss
Fr. –6 627.40
GV von Graubünden Wald
Fr.
Total Passiven
Fr. 94 261.10
Tagungen / Veranstaltungen
Fr. 6 619.95
«Bündner Wald»
Fr. 18 341.00
889.65 0.00
0.00
Vermögensausweis
Leistungen des AWN Graubünden
Vermögen am 31. 12. 2012
Fr. 82 152.50
Berufsbildung
Fr. 8 955.50
Mehreinnahmen 2013
Fr. –6 627.40
Holzhauereimeisterschaft
Fr. 1 500.00
Berufswettkämpfer
Fr.
Vermögen am 31. 12. 2014
Fr. 75 525.10
Anerkennungspreis / PR
Fr. 2 408.00
ARGE Alpenländische Forstvereine
Fr.
699.80
Schutzwaldpreis 2013
Fr.
84.30
Fr. 52 687.25
Tamins, 25. Februar 2015
Ausgabenüberschuss
Fr. –6 627.40
Die Revisoren: P. Murbach, M. Cathomen
339.00
Der Kassier: G. Rainolter
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Bündner Wald 2/2015 77
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15.04.15 13:18
Einnahmen
500.00 478.15
1 000.00 5 000.00 1 000.00 5 000.00
Verwaltungsaufwand, Steuern
Shop / PR-Artikel
GV von Graubünden Wald
Tagungen / Veranstaltungen
Schutzwaldpreis
Einnahmen-/Ausgabenüberschuss
84.30
699.80
– 6 627.40
1 000.00
ARGE Alpenländische Forstvereine
2 408.00
– 13 500.00
1 000.00
Anerkennungspreis / PR
339.00
52 687.25
1 000.00
Berufswettkämpfer
1 500.00
8 955.50
18 341.00
6 619.95
0.00
1 040.00
889.65
3 030.05
8 780.00
46 059.85
0.00
0.00
57 000.00
2 000.00
Holzhauereimeisterschaften
8 000.00 2 000.00
Berufsbildung
Leistungen des AWN Graubünden
18 000.00
3 000.00
Vorstand und Revisoren
«Bündner Wald»
9 000.00
Jahresbeiträge
Ausgaben
43 500.00
0.00
0.00
ARGE Alpenländische Forstvereine
5 000.00
Tagungen / Veranstaltungen
Schutzwaldpreis
0.00 5 751.70
15 000.00
0.00
1 070.00
15 000.00
5 000.00
23 760.00
2014
2014 18 000.00
Rechnung
Budget
GV von Graubünden Wald
Leistungsvereinbarung des AWN Graubünden
Shop / PR-Artikel
Zinsen von Sparheften / Obligationen
Mitgliederbeiträge
6 872.60
–4 312.75
– 915.70
– 300.20
– 1 408.00
– 1 661.00
– 500.00
955.50
341.00
1 619.95
– 1 000.00
– 3 960.00
– 110.35
30.05
– 220.00
2 559.85
0.00
0.00
751.70
0.00
0.00
– 3 930.00
– 21.85
5 760.00
2014
Differenz
– 8 500.00
57 000.00
1 000.00
1 000.00
1 000.00
2 000.00
0.00
10 000.00
18 000.00
5 000.00
1 000.00
5 000.00
1 000.00
3 000.00
9 000.00
48 500.00
0.00
0.00
5 000.00
0.00
15 000.00
5 000.00
500.00
23 000.00
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Budget
– 3 250.00
56 200.00
1 000.00
1 000.00
1 000.00
2 000.00
2 000.00
10 000.00
12 000.00
6 000.00
1 000.00
5 000.00
1 000.00
3 200.00
11 000.00
52 950.00
0.00
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7 500.00
0.00
15 000.00
7 000.00
450.00
23 000.00
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Budget
Shop (Aufwand, Verkaufserlös, Lager) Auch im Jahre 2014 hielten sich Aufwand und Ertrag ziemlich genau die Waage. U nser schönes Sackmesser, welches in Nussholz eingebettet und mit unserem Logo versehen ist, kann man weiterhin kaufen. Debitoren Die Debitoren im Betrag von Fr. 1485.00 ergeben sich aus einer ausstehenden Rechnung der Veranstaltung Holzhauerei-Weltmeisterschaften in Brienz (Reise), die wir organisiert hatten. Transitorische Passiven Diese dienen der Rechnungsabgrenzung Ende Jahr für offene Rechnungen.
Darin enthalten sind die Schlussabrechnung Bündner Wald mit Fr. 16 740.00, Beitrag an Holzhauereikommission mit Fr. 1500.00 und zwei Spesenabrechnungen in der Höhe von Fr. 496.00. Diese Rechnungen sind bereits Anfang Jahr beglichen worden. Leistungsvereinbarung mit dem Kanton Graubünden Im Rahmen der Leistungsvereinbarung mit dem Amt für Wald und Naturgefahren übernimmt Graubünden Wald unter anderen folgende Aufgaben: – Berufsbildung (OdA Wald, LAP-Feier, Prämierung Arbeitsbücher, Fachtagungen etc.)
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– Berufswerbung (Holzereiwettkampf, Berufsausstellungen etc.) – Interkantonale und internationale Kontakte (VSF, ARGE Alpenländische Forstvereine) Der finanzielle Aufwand für diese Aufgaben belief sich im Jahr 2014 auf Fr. 13 986.60. Das AWN unterstützt uns bei mit Fr. 15 000.00 pro Jahr. Veranstaltungen/Skipostenlauf Das OK des Skipostenlaufs 2014 in Bivio hat Graubünden Wald einen Gewinn von Fr. 716.70 überwiesen. Ein herzliches Dankeschön gelte dafür dem OK-Team. Am 12. und 13. September haben wir die Reise zu den 31. Holzhauerei-Weltmeisterschaften in Brienz organisiert. Die Reisekosten beliefen sich auf Fr. 4965.00. Diese Aufwendungen wurden den Teilnehmern mit insgesamt Fr. 5035.00 weiterverrechnet. Somit hielten sich Aufwand und Ertrag ziemlich genau die Waage. Da die Organisatoren vom EFNS (european forester’s competition in nordic skiing) am Anfang zu wenige Helfer hatten, haben wir auf Wunsch des Organisationskomitees beschlossen, ein Schreiben an unsere Mitglieder zu versenden, um noch mehr Helfer anzuwerben. Dies kostete unseren Verein Fr. 1069.35.
Bündner Wald Der Betrag von Fr. 18 341.00 ist deutlich höher als in anderen Jahren; begründet wird dies mit der Erstellung der neuen Homepage. Jahresbeiträge Wir bezahlen folgende Jahresbeiträge: – Marke «graubünden», Fr. 540.00 – Mitgliederbeiträge VSF, Fr. 8000.00 – Jahresbeitrag Graubünden Holz, Fr. 200.00 – Jahresbeitrag WVS, Fr. 40.00 Jahresabschluss Bei der Jahresabrechnung 2014 ergibt sich leider ein Ausgabenüberschuss von Fr. 6 627.40. Somit vermindert sich unser Vereinsvermögen per 31.12.2014 auf Fr. 75 525.10. Budgetiert war ein Ausgabenüberschuss von Fr. 13 500.00. Der Kassier, 02.03.2015
Gisep Rainolter Kassier Verein Graubünden Wald CH-7559 Tschlin
g.rainolter@valsot.ch
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32. Skipostenlauf in Davos
Festgelände auf der Riederalp. Hier wurde auch die Postenarbeit durchgeführt. (Bilder: Andreas Kessler)
Strahlendes Winterwetter begleitete die zahlreich nach Davos gereisten Forstleute mit ihren Angehörigen während des traditionellen Skipostenlaufs. Pünktlich um 10.30 Uhr konnte auf der Juonli-Rennpiste auf dem Rinerhorn das Rennen gestartet werden. Der zügige, von unserem Rennchef André Kindschi gesteckte Riesenslalom, war die erste Herausforderung, der sich die 121 gemeldeten Teilnehmer stellen mussten. Die geübten Skifahrer und Skifahrerinnen konnten sich hier einen wertvollen Vorsprung erkämpfen. Danach gings hinunter zur Riederalp. Hier hatte die Forstgruppe Davos einen sehr gemütlichen Festplatz eingerichtet. Während die einen sich an der gewohnt grosszügigen Festwirtschaft der Swiss Helicopter AG eine feine Wurst und ein Getränk genehmigten, machten sich die anderen gleich an die Postenarbeit. Das Ziel war, bei den drei abwechslungsreichen Posten möglichst wenige Strafsekunden einzuheimsen. Zwei der drei Posten thematisierten den G Wunderwald, den neu erstellten Naturer-
lebnispfad in Davos (www.gwunderwald. ch). So mussten beim ersten Posten – mit einem Bäggerli und in einer Minute –, möglichst viele Klötzli von einem Behälter in einen gegenüberliegenden Behälter befördert werden. Beim zweiten Posten galt es, in einem Tastkasten ein Tierfell, einen Zapfen und ein Plastik-Tierfigü chen zu bestimmen. Beim letzten Posten wurde gerechnet. Anhand einer aufgestellten Adlerskulptur mussten die Teilnehmer schätzen, wie viel Holz – in Kilogramm – der Künstler André Kindschi weggeschnitten hatte. Während die einen das herrliche Skigebiet erkundeten, genossen die anderen bei einem Gläschen Wein die Kameradschaft. Nach und nach trafen alle Teilnehmenden im Zielgelände ein, bestaunten die in der Zwischenzeit hergerichteten Gabentische und warteten gespannt auf das Rangverlesen. Nachdem Rennchef André Kindschi den Renntag nochmals Revue passieren liess, übergab er das Mikrofon dem OK-Chef Andreas Kessler, welcher – wie er erzähl-
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Foto mit den Kategoriensieger. V.l.n.r. OK Präsident Andreas Kessler, Tagessieger und Sieger Kategorie Herren Jann Buff aus Davos, Karin Willi aus Pany, Siegerin Damen, Giglia Gantenbein aus Tiefenkastel und von der Kategorie Lernende Céderic Metz aus Haldenstein.
Paul Buchli aus Scharans, glücklicher Gewinner der Adlerskulptur.
te – bereits beim letzten in Davos durchgeführten Skipostenlauf (damals noch als Langlaufrennen) im Jahre 1991 im OK dabei war. Danach richtete er Dankesworte an die Bergbahnen Rinerhorn, die Gemeinde Davos sowie an die zahlreichen Sponsoren. Auch Markus Hubert und André Kindschi vom OK-Team sowie den zahlreichen Helfern dankte er herzlich. Als Nächstes stellte der Departementsvorsteher Simi Valär den Forstbetrieb Davos vor und berichtete über
Gewinner der Lernenden. V.l.n.r. Michael Meier aus Davos, Kategoriensieger Céderic Metz aus Haldenstein und Claudio Flütsch , Seewis im 3. Rang. Bündner Wald 2/2015 81
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Siegerpodest der Herren mit Tagessieger Jann Buff, Davos, links Flurin Guidon aus Felsberg, und ganz rechts Luca Frick aus Valens auf Rang 3.
die Herausforderungen, die den Forstbetrieben bevorstünden. Auch der Präsident von Graubünden Wald, Mario Riatsch, richtete noch Dankesworte an die anwesenden Forstleute und ihre Angehörigen. Er dankte auch dem Forstbetrieb Davos für die Organisation und Durchführung dieses gelungenen Anlasses. Pünktlich um 15 Uhr wurden die jüngsten Rennläufer der Kategorie Kinder verlesen. Kategoriensieger wurde Giglia Gantenbein, gefolgt von ihrem Bruder Linard Gantenbein, beide Tiefencastel, und Fadri Riatsch aus Sent. Bei der Kategorie Auszubildende siegte Cédric Metz, Haldenstein, vor Michael Meier, Davos, und Claudio Flütsch aus Seewis. Die Damen wurden dominiert von Karin Willi, Pany, gefolgt von Sereina Riatsch, Sent, und Madlina Fliri aus Bergün. Dieses Jahr stellten die Herren den Tagessieger und Wanderpreisgewinner im Namen
des einheimischen Transportunternehmers Jann Buff. Die Plätze zwei und drei wurden von Flurin Guidon aus Felsberg und Luca Frick aus Valens belegt. Alle Teilnehmer durften einen schönen Naturalpreis aussuchen. Abschliessend wurde die Adlerskulptur verlost. Der Tagessieger warf einen Dartpfeil auf ein Foto der Skulptur. Auf der Rückseite des Fotos waren in Kästchen alle Startnummern aufgeführt. Der Pfeil brachte der Nummer 92 Glück. Paul Buchli aus Scharans konnte als glücklicher Gewinner jubeln. Ich hoffe, wir sehen uns in einem Jahr wieder zum 33. Skipostenlauf. Die vollständige Rangliste sowie Fotos, die zum Schmunzeln einladen, können auf unserer Homepage eingesehen werden. www.graubuendenwald.ch OK des Skipostenlaufs 2015
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Maturaarbeit Calandawölfe Akzeptanz in der Bevölkerung Die Diskussionen rund um das Wolfsrudel am Calanda laufen zur Zeit besonders heiss. Politiker nutzen die Gunst der Stunde um mit den Wölfen Wahlkampf zu betreiben. Die Bündnerwald-Redaktion fand die interessante Maturaarbeit von Clara Zimmermann, welche die Akzeptanz des Wolfes in der betroffenen Bevölkerung untersuchte. Zusammenfassung der Maturaarbeit Das erste Wolfsrudel, das Calanda-Rudel, das sich seit der Ausrottung im 19. Jahrhundert in der Schweiz niedergelassen hat, lebt seit 2012 im Einzugsgebiet des Kantons St. Gallen. Die zuständigen Behörden des Kantons haben gemeinsam mit den Umweltverbänden frühzeitig auf die Möglichkeit einer dauerhaften Wolfspräsenz reagiert und mit verschiedenen Informations- und Präventionsmassnahmen die Bevölkerung und Tierhalter auf die Präsenz der Wölfe vorbereitet. Solche Massnahmen fanden in Form von Medienbeiträgen, Gesprächen mit Betroffenen, Vorträgen oder Informationsblättern statt. Auffallend ist dabei die gute Zusammenarbeit und Abstimmung zwischen kantonalen atur, Jagd und Fischerei, Stellen (Amt für N Landwirtschaftsamt) und Umweltverbänden ( WWF und Pro Natura) einerseits und dem Bauernverband, der Jägervereinigung und dem Schafzuchtverband andererseits. Dennoch hat die Wolfspräsenz in der Bevölkerung die verschiedensten Reaktionen ausgelöst, von Begeisterung bis zur totalen Ablehnung. Die Haltung der direkt betroffenen Sarganserländer Bevölkerung gegenüber dem Wolfsrudel in Erfahrung zu bringen, ist auch das Ziel dieser Maturaarbeit. Mit einer breit gestreuten Online-Umfrage soll die Sarganserländer Bevölkerung zur Akzeptanz gegenüber dem Wolf befragt werden.
Über verschiedene Massnahmen (Medienbeiträge, Inserate, Verteilung von Flyern, Empfehlungen von Gemeinden und Verbänden auf deren Websites) wurde für die Teil eben nahme an der Umfrage geworben. N der Akzeptanz gegenüber dem Wolfsrudel sollten die von den Behörden und den Verbänden getroffenen Informations- und Präventionsmassnahmen bewertet werden. Aber auch das Wissen und die Wünsche der Bevölkerung im Zusammenhang mit dem Wolf waren ein Element der Umfrage. Die Umfrage hatte eine hohe Resonanz: 578 Sarganserländerinnen und Sarganserländer haben sich daran beteiligt. 50,71 % der Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer bringen dem Wolf eine hohe Akzeptanz entgegen. 15,30 % der Teilnehmenden haben eine mittlere Akzeptanz gegenüber dem Wolf angegeben. Ein Drittel der Teilnehmenden ( 33,99 %) lehnt den Wolf ab. Auffallend ist, dass junge (unter 20 ) und ältere Menschen (über 60 ) generell eine höhere Akzeptanz gegenüber den Wölfen als der Durchschnitt haben. Bei Personen unter 20 Jahren akzeptieren Männer den Wolf besser als Frauen. Gerade umgekehrt verhält es sich bei Personen über 60 Jahren. So haben bei dieser Altersgruppe Frauen eine beträchtlich höhere Akzeptanz gegenüber dem Grossraubtier als Männer. Direktbetroffene wie Landwirtinnen, Landwirte und Jäger/-innen, aber auch Menschen, die in unmittelbarer Nähe des Wolfsrudels leben, akzeptieren den Wolf weniger als der Durchschnitt der Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer. Die Teilnehmenden schätzen ihr Wissen als gut ein. Diese Einschätzung wurde durch ihre Antworten auf die sechs Fragen bestätigt. Trotzdem sind bei einigen Aussagen Unsicherheiten aufgetaucht. So wurde oft das Feld «ich weiss nicht» anBündner Wald 2/2015 83
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gekreuzt. Während für die Mehrheit der Teilnehmenden klar ist, dass der Wolf ohne fremde Hilfe ins Calandagebiet eingewandert ist, vertritt die Gruppe der Direktbetroffenen, der Jäger/-innen, Landwirtinnen und Landwirte eine andere Meinung. Sie sind der Auffassung, dass der Wolf aktiv in der Calanda-Region angesiedelt wurde. Auffallend ist auch, dass die Landwirte mit den getätigten Präventionsmassnahmen zum Schutz der Herden mehrheitlich nicht zufrieden sind, während – wie auch bei den getroffenen Informationsmassnahmen – die Mehrheit der Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer zufrieden ist. Das gleiche Bild zeigt sich auch bei den Schutzmassnahmen: Während die Mehrheit der Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer Wölfe nicht nur im Naturpark: Die Akzeptanz für den Wolf in der Bevölkerung scheint grösser zu sein, als es viele Politiker wahrhaben wollen. (Bild: Pro Natura)
davon ausgeht, dass mit Herdenschutzmassnahmen – z. B. durch den Einsatz von Herdenschutzhunden – die Nutztiere vor Übergriffen wirkungsvoll geschützt werden können, teilen 79,22 % der Landwirte und Landwirtinnen diese Ansicht nicht. Die Mehrheit der Teilnehmenden, nämlich 61,74 %, rechnet mit keiner Gefährdung für den Menschen, sofern man sich richtig verhält. Ebenso ist eine klare Mehrheit ( 73,79 %) der Meinung, dass keine übermässige Beeinträchtigung des Wildbestandes durch die Präsenz des Wolfes zu befürchten ist. 51,56 % der Teilnehmenden bezweifeln, dass es durch Wölfe, die in einem Rudel leben, automatisch zu mehr Rissen an Nutztieren kommen muss. In der Umfrage kommt auch das Bedürfnis aller Teilnehmenden nach mehr Informationen über den Wolf zum Ausdruck. Eine Mehrheit wünscht sich klare Verhaltensregeln und -empfehlungen im Umgang mit dem Wolf. An zweiter Stelle stehen Hintergrundbeiträge in den Medien und Aufklärungsarbeit in den Schulen. Ausblick Durch die Auseinandersetzung mit dem Thema Wolf, aber auch durch die vielen Gespräche, die ich im Rahmen meiner Maturaarbeit führen durfte, wurde mir bewusst, dass der Wolf allein schon durch seine Symbolik polarisiert. Die Darstellung des Wolfes aus Märchen und Legenden als Verkörperung des Bösen wirkt vor allem im ländlichen Raum nach. Da dürfte mit allen Informations- und Aufklärungsmassnahmen wenig auszurichten sein. Dies umso mehr, als sich drei Viertel der Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer als «gut informiert» bezeichnen. Hier kommt auch der Schule eine wichtige Rolle zu. Da heute der Unterricht in Sachen
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Grossraubtiere nicht mehr durch Märchen und Legenden, sondern durch die Auseinandersetzung mit dem Thema Wolf, Luchs und Bär anhand von Fakten geschieht, dürfte mit der Zeit ein Wertewandel stattfinden In der Zwischenzeit gilt es, den Umgang mit den bereits vorhandenen Wölfen richtig zu gestalten. Positiv scheint mir, dass das Bundesamt für Umwelt (Bafu) die Wölfe am Calanda vermehrt erforschen möchte. Dabei soll auch herausgefunden werden, warum sich die Calanda-Jungwölfe oft in Siedlungsnähe aufhalten. Die 25 Wölfe in der Schweiz stellen heute kein echtes Problem dar, als dass ein erleichterter Abschuss
des geschützten Raubtiers gerechtfertigt wäre. Schlussendlich liegt es an uns Menschen, ob wir uns den Wolf zur Bedrohung machen oder nicht.
Mehr Infos unter www.calandawolf.ch
Clara Zimmermann Kantonsschule am Burggraben Burggraben 21 CH-9000 St. Gallen clara.j.zimmermann@bluewin.ch
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Neubau Werk- und Einstellhalle der Solèr Holz AG in Bonaduz
Hinterlüftete Fassade in Bündner Lärche.
Die Solèr Holz AG operiert seit dem Jahr 2006 mit einer Zweigniederlassung von Bonaduz aus. Die Firma ist in den letzten Jahren durch neue Geschäftszweige kontinuierlich gewachsen. Dadurch wurde der vorhandene Werk- und Abstellplatz in Bonaduz allmählich zu knapp. Im Jahre 2012 konnte die Firma glücklicherweise die Anschlussparzelle in Bonaduz erwerben. Die Geschäftsleitung hat 2013 entschieden, dort eine neue Werk- und Einstellhalle zu errichten. Die Vorprojektphase wurde im Jahr 2013 vorangetrieben. Dabei stand die Funktionalität des Gebäudes im Vordergrund. Von Anfang an wurde der Entschluss gefasst, dass ein reiner Holzbau die Bedürfnisse der Firma erfüllen soll. Die treue Rundholzkundschaft der Solèr Holz
AG soll als Lieferant für Halbfabrikate zur Bauausführung berücksichtigt werden. Ein weiterer zentraler Entscheid war, dass möglichst viele Aufträge an das regionale Gewerbe vergeben werden. Mit einem detaillierten Vorprojekt und Baubeschrieb wurde der Auftrag von drei Generalunternehmen im Frühling 2013 offeriert. Die Geschäftsleitung entschied nach einer Evaluation anhand dieser Offerten, das Projekt der Generalunternehmung Integro AG aus Bonaduz zuzusprechen. Nach einer intensiven Planungszeit wurde die Baueingabe Anfang August eingereicht. Am 2. Oktober 2013 erfolgte in feierlichem Rahmen der Spatenstich. Nach 1 ½-monatigem Baueinsatz der Bauunternehmung konnte am 19. November 2013 mit der Aufrichtung des Elementbaus beSpatenstich am 2. Oktober 2013. (Bilder: Solèr Holz AG)
Vorplatz mit Blick auf die Westfassade bei der Einweihungsfeier.
Beschreibung
Grösse
Nettofläche Gebäud
1070 m²
Volumen Werkstatt
3800 m³
Volumen Einstellhalle
3750 m³
Volumen Total
7550 m³
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Holzbau in Zahlen: Beschreibung
Qualität
Menge
Herkunft
Ständerholz, Pfetten, Leimbinder
Industriequalität
220 m³
Kunden A
Dreischichtplatten
BC
85 m³
Kunde CH
Fassadenschalung in Lärche
BC
900 m²/20 m³
Kunde CH
Total verbrauchtes Holz
325 m³
Wertschöpfung anhand des Auftragsvolumens: Herkunft Betrieb
Anteil in %
Regionale Betriebe Graubünden
95,7
Betriebe übrige Schweiz
4,3
gonnen werden. In nur acht Arbeitstagen wurde dieser aufgestellt und mit der ersten dichten Dachhülle abgeschlossen. Über die Wintermonate wurden der Innenausbau sowie die Einkleidung der Fassade ausgeführt. Das Team der Solèr Holz AG konnte das Gebäude Ende April 2014 beziehen und einrichten. Das Projekt in Zahlen Kennzahlen Gebäude: Das Ziel, möglichst viel Wertschöpfung in der Region zu behalten, ist der Geschäftsleitung zusammen mit der Generalunternehmung sehr gut gelungen. Der Bau wurde Neubau Werk- und Einstellhalle in Bonaduz.
zu fast 96 % von einheimischem Gewerbe errichtet. Dank der sehr guten Planungs- und Vorbereitungsarbeiten sowie der hervorragenden Leistungen der beteiligten Handwerker konnte das Objekt in einer 5 ½-monatigen Bauzeit zur vollen Zufriedenheit der Bauherrschaft abgeschlossen werden. Am 6. Juni 2014 durfte die Solèr Holz AG die Räumlichkeiten gemeinsam mit den geladenen Gästen im Rahmen einer kleinen Feier einweihen. Aus unserer Sicht dürfen wir auf ein gelungenes und zu unserer vollen Zufriedenheit abgeschlossenes Projekt zurückblicken. Wir danken allen Beteiligten für die angenehme Zusammenarbeit und wünschen weiterhin viel Erfolg.
Michel Deflorin Solèr Holz AG, Mitglied der GL CH-7402 Bonaduz
admin@soler-holz.ch www.soler-holz.ch
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30-Jahre-Dienstjubiläum Raphael Schwitter Raphael Schwitter konnte am Mittwoch, 18. März 2015, auf 30 Jahre Firmenzugehörigkeit zurückblicken. Die Geschäftsleitung und das gesamte ibWTeam gratulieren dem Jubilar nachträglich ganz herzlich! Raphael Schwitter leistete nach seinem Forstingenieurstudium an der ETH Zürich Entwicklungseinsätze in Madagaskar. Am 18. März 1985 wurde er an der damaligen Försterschule (heute ibW Bildungszentrum Wald in Maienfeld) als Fachdozent angestellt. Ab 1997 übernahm er zusätzlich die Leitung der nationalen Fachstelle für Gebirgswaldpflege. Er begeistert gleichsam die Försterstudenten wie auch externe Fachleute, welche seine Kurse besuchen, durch seine gründlichen Fachkenntnisse und seine angenehme und umgängliche Art. Wir wünschen ihm beste Gesundheit, privates Wohlergehen und weiterhin viel Freude
bei der Arbeit, verbunden mit dem besten Dank für seine Treue und für die geleisteten Dienste. ibW Höhere Fachschule Südostschweiz Geschäftsleitung
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Wenn ein Förster Schreiner ausbildet
Bretter und Latten werden als Balken gekauft und an Ort und Stelle auf die gewünschte Grösse zugeschnitten. (Bilder: Jürg Stahel)
Das Bright Horizon Children’s Home mag vielleicht 15 Kilometer von Kathmandu entfernt liegen. Es wurde im Jahre 2000 von Toni Hagen und Marlies Kornfeld gegründet. In deren Mauern finden rund 250 sehr bedürftige Kinder aus ganz Nepal ganzjährig Schutz und Geborgenheit. Getragen wird diese Stiftung vorwiegend durch Paten, welche die Kinder während der zehn vorgeschriebenen Schuljahre fürsorglich mitbegleiten. Doch die Paten werden älter, neue zu finden wird schwieriger. Geldsorgen zeichnen sich ab und ein schuleigener kleiner Gewerbebetrieb könnte etwas Geld in die Schulkasse spülen. Dazu kommt,
dass die Gebäude älter werden und nach und nach saniert werden müssten. Auch zeigt sich, wie wenig die jungen Schüler auf die recht feindliche Erwerbswelt mit ihren unzähligen Arbeitslosen vorbereitet werden. Deshalb soll dem Kinderheim eine Schreinerei und eine bescheidene Gewerbelehre angegliedert werden. Swisscontact, die Schweizerische Stiftung für technische Entwicklungszusammenarbeit, fragte den Autor als Senior Expert an, ob er und seine Frau willens wären, dieses Vorhaben mit einem Einsatz an Ort und Stelle während eines Monats zu unterstützen. Damit soll willigen Schülern eine Starthilfe in Bündner Wald 2/2015 89
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Das Holz ist kostspielig und wird per Kilogramm eingekauft.
die Arbeitswelt angeboten werden. Zudem besteht die Hoffnung, in der eigenen Werkstatt verschiedenste Holzprodukte herzustellen und anzubieten. Wir sagten zu und meine Frau bereitete sich vor, einmal mehr als erfahrene Englischlehrerin, die entsprechenden Lehrkräfte weiterzubilden. Der Autor seinerseits anerbot sich, einen dreiteiligen Auftrag anzunehmen: 1. Den Vorschlag eines Schreinerlehrgangs kritisch zu überarbeiten. 2. Diesen Vorschlag in den bestehenden zehnjährigen Schulunterricht einzubinden und – so weit überhaupt möglich – Fachlehrer zu unterrichten.
3. In einem eigens für diesen Zweck erstellten Gebäude eine zweckmässige Schreinerwerkstatt einzurichten. Die erste Aufgabe endete mit einem Gespräch mit der Lehrerschaft über die heutige Erkenntnis, möglichst in frühestem Kindesalter die Fantasie zu fördern und die Freude am Basteln mit einzubeziehen. Beim zweiten Auftrag half dem Autor in besonderem Masse der ausgezeichnete Modelllehrgang für Schreiner des Verbands Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten, herausgegeben von W. Müller. Er erlaubte, für jedes einzelne Werkzeug ein einseitiges Merkblatt zusammenzustellen und aufzuhängen.
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«Bright Horizon Children’s Home School»,
Bereits sind erste Fortschritte auszumachen –
eingeweiht im Jahre 2001.
ein Xylophon entsteht.
Der dritte Auftrag nahm die meiste Zeit in Anspruch. Er wurde in entscheidendem Masse durch den Schreinermeisterverband unterstützt, der der Schule sechs grosse Schachteln mit Kleidern mit dem Logo «Der Schreiner /Ihr Macher» übergab. Mit strahlenden Augen bedankten sich die künftigen hoch motivierten Schreiner dafür. Vier Werkbänke stellte die Schule in den Raum,
um abwechselnd jeweils acht Lehrlinge auszubilden. Damit stehen keine Hindernisse mehr im Weg, tüchtige nepalesische Handwerker heranzubilden. von Jürg Stahel, Forstingenieur im Ruhestand Ersterscheinung in der Schreinerzeitung Nummer 35, 28. August 2014
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Schönheit und Sicherheit in Balance Untertitel Grundschrift
Deckenverkleidung in der Ilfishalle. (Bilder: www.Jakob.ch)
Was Architektur und Statik heutzutage vermögen, lässt sich an vielen kühnen Grossobjekten ablesen. Ins Auge aber fällt dabei oft nur die atemberaubende Hülle, nicht das, was diese Bauwerke sicher und damit erst möglich machen. Denn die Sicherheit hat immer höchste Priorität. Dort, wo Menschenmengen in Sportarenen, auf Brücken und Türmen, in Strassen und Einkaufszentren zusammenkommen, muss die Bauweise die Besucher schützen. Eine schwierige Aufgabe, weil die Ästhetik dabei nicht leiden darf: Schönheit und Sicherheit in eine Balance zu bringen – darum geht es immer. Die Firma Jakob im schweizerischen Trubschachen kann das. Sie hat sich darauf spezialisiert. In Langnau im Emmental ist eine Vielzweckhalle entstanden, die Iflishalle, in deren Zentrum die Eishockeyspieler der SCL Tigers allwöchentlich für Besucher sorgen. Auch Musikevents gibt es, Kongressveranstaltungen und anderes. Die Experten von Jakob wurden gebeten, das von Grund auf sanierte Hauptgebäude in wichtigen Bereichen, etwa der Eislaufhalle und den Treppenaufgängen, mit einer Netzarchitektur aus Edelstahlseilen auszugestalten: Schutz und eine robuste Konstruktion wurden
verlangt, doch wurde auch Wert auf eine lichtdurchlässige, transparente und störungsfreie Lösung gelegt. Heute ist diese Halle Kult. Die Firma Jakob schuf mit ihren Webnet-Elementen aus eigener Produktion überzeugende Absturzsicherungen in den Treppenhäusern und kleidete die Halle samt der abgehängten Decke rundum mit einem Drahtseilnetz in der Ifishalle.
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Treppenhaus von unten in der Ifishalle.
attraktiven Webnet-Geflecht aus. Auch die anliegenden Gastronomieräume erhielten ein kunstvoll geknüpftes Stahlgewebe aus Architekturseilen. Jede Lösung wird individuell konzipiert, nichts bei Jakob ist Routine. Die Farben, Abmessungen und Eigenschaften sind variabel, alle Webnet-Produktionen der Werkstoffgruppe AISI 316 richten sich ganz nach den Erfordernissen des jeweiligen Projekts. Was aber immer passt: Das Material ist korrosionsfrei und damit enorm langlebig. «Noch nach 30 Jahren», versichert Firmenchef Peter Jakob, «sieht es aus wie neu.» In Zürich entstand auf dem Gelände einer ehemaligen Papierfabrik eine hochmoderne Einkaufscity mit Boutiquen, Restaurants, Kinos, Discos, Hotels – und natürlich mit einem Parkhaus. Eine Fläche von 100 000 Quadratmetern wurde überbaut, um geplante 20 000 Tagesbesucher unterzubringen. Und auch hier überzeugt die eindrucksvolle Webnet-Technik von Jakob. Die Edelstahlnetze bieten den Menschen in den Treppenaufgängen Halt und Führung und entziehen der zweckgebundenen Betonarchitektur mit ihrem filigranen Galeriespiel jede Strenge. Die Netze werden auf Wunschabmessung von Jakob gefertigt. Da sie
fix zugeschnitten auf die Baustelle geliefert werden, entfallen für den Verarbeiter Anpassungsarbeiten vor Ort. Auch eines der berühmtesten Bauwerke der Welt ist von Jakob gesichert worden: Die vier Füsse des Eiffelturms in Paris erhielten eine sechs Meter hohe Webnet-Bespannung oberhalb des Betonsockels, um Kletterversuche abzuweisen. Die Schwierigkeit: Ebenmass und Optik des grossartigen Turms durften natürlich nicht beeinträchtigt werden. Doch die Firma löste das Problem: Das weich strukturierte Netz ist unüberwindlich und – man nimmt es gar nicht wahr. Tina Keller-Stadelmann, Jakob AG Treppenhaus von oben in der Ifishalle.
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Leserbrief – Schöne Backsteinbauten – energietechnisch problematisch Rohstoff für Backsteine ist Lehm aus den vielen lokalen Gruben. In Feld und Wald gibt es häufig noch Ortsbezeichnungen wie «Lehm-, Lett-, Lei-, Tongruben usw». Alte Förster und Behördemitglieder wissen oft noch «warum». Die Backsteinherstellung benötigt grosse Mengen Brennstoff. Erst der Bahnbau im 19. Jahrhundert ermöglichte Grossimporte von billiger Kohle. In der Folge wurden in der Schweiz viele neue Ziegeleien gegründet und die vorhandenen «expandierten». Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die grosse Mechanisierung und die Konzentration auf wenige Grossbetriebe. Die Backsteine wurden früher häufig über örtliche Kleinmaurer vertrieben, die als erste ANZEIGE
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echt massiv Warum unsere Strickhäuser nicht nur nach Massivholz aussehen, sondern auch daraus gebaut sind:
an Bauvorhaben herankamen und oft auch planten. So entstanden im Einzugsbereich der Ziegeleien gehäuft optisch schöne, preisgünstige, meistens verputzte Backsteinbauten. Förderlich für den Backsteinabsatz waren auch lokalpolitische Beziehungen. Backsteinbauten mit gut unterhaltenen Dächern und Vordächern lassen sich einfach «pinselrenovieren» und gelten als unterhaltsarm. Doch nicht alles ist Gold, was glänzt. Viele ältere schöne Backsteinbauten haben einen grossen, kaum mehr schlau korrigierbaren Nachteil. Deren Wände und Kältebrücken lassen zu viel Wärme durch. Darum wurden diese Bauten häufig mit kräftigen Kohleund später mit Ölheizungen ausgerüstet. Riesige Quartiere sind von dieser Bauart. Leider glaubte man lange, Heizenergie werde immer billiger. Die Zweischalenmauerwerke mit dicker Zwischenisolation kamen erst viel später. In der Schweiz und europaweit wurden, vorwiegend aus optischen Gründen, viele dieser prägnanten Backsteinbauten unter Schutz gestellt. Der jahrzehntelang hohe Heizenergieverbrauch war kein Thema. Nachträgliche Wärmesanierungen sind oft schwierig und teuer. Darum sind viele der «Geschützten Massivbauten» für den Nutzer und die Volkswirtschaft ein problematisches Langzeiterbe. Der traditionelle Schutz der Objekte muss kritisch hinterfragt, energetisch gewertet und in vielen Fällen aufgehoben werden. Abbrechen und mit gutem Stil neu bauen, ist langfristig oft die bessere Lösung. Dies müssen die Gemeinden erleichtern.
Armin Bont
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Vorschau «Bündner Wald» Juni 2015 Bündner «Wald-Gesichter» Ein Sprichwort besagt: «Scha ün papa mora, vegn fat ün oter» (oder ins Deutsche übersetzt: «Wenn ein Papst stirbt, so wird ein neuer gemacht»). Glücklicherweise werden Personalwechsel in der Waldwirtschaft anders geregelt. So haben die jungen Förster in aller Regel nach dem Stellenantritt noch längere Zeit die Möglichkeit, ihren Vorgänger über früher ausgeführte Massnahmen, Probleme und Erfahrungen zu befragen. Leider sind unsere jungen Berufskollegen aber oft in grossen Teilen des Kantons noch für einige Zeit eher unbekannt. Im Juni versuchen wir, einen Teil der Bündner Forstleute etwas bekannter zu machen. Man darf gespannt sein, wer denn da im Bündner Wald arbeitet ...
Vorschau auf die nächsten Nummern: August 2015: Neue Betriebe und Betriebs- strukturen Redaktion: Sandro Krättli Oktober 2015: Naturschutzbilanz in den Wäldern Graubündens Redaktion: Jörg Clavadetscher
Redaktion: Jörg Clavadetscher
Herausgegeben von Graubünden Wald, Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden und der SELVA. Verleger: Südostschweiz Verlegerin: © Somedia (Südostschweiz Presse und Print Presse AG, Südostschweiz und Print AG), Print, CH-7007 CH-7007 Chur Sekretariat: SELVA, Chur Sekretariat: SELVA, Urs Rutishauser, ChristopheBTrüb, ahnhofplatz 1, Bahnhofplatz CH-7302 1, CH-7302 Landquart, Landquart, Telefon + 41 Telefon (0) 81 + 41 300 (0)22 8144, 300buendnerwald 22 44, buendnerwald Redaktoren: Jörg Redaktoren: Jörg Clavadetscher, Clava @ selva-gr.ch @ selva-gr.ch detscher, Revier forestal Revierdaforestal Val Müstair, da ValCH-7535 Müstair, CH-7535 Valchava,Valchava, Telefon + 41 Telefon (0) 81 + 41 858(0)588121, 858 forestal-muestair 58 21, forestal-muestair Sandro Krättli, @ bluewin.ch. @ bluewin.ch. 81 300+ 41 24 11, (0) 81 sandro.kraettli 300 24 11, @ sandro.kraettli wn.gr.ch. Sandro Krättli, AWN GR, Sagastägstrasse 96, CH-7220 AWN GR, Sagastägstrasse 96, CH-7220 Schiers, TelefonSchiers, + 41 (0)Telefon awn.gr.ch. Die @ aRedaktion Die behält Redaktion sich vor,behält Beiträge sichinvor, nicht Beiträge verlangter in nicht Formverlangter ohne Rückfrage Form ohne zu ändern. Rückfrage Herstellung: zu ändernSomedia Druckvorstufe Production, (Satz,Postfach Lithos, Belich491, : Südostschweiz 51Antonin 11, Fax Friberg + 41 (0)Druck: Südostschweiz 81 255 51 05. Erscheint Sommeraustrasse tung) 32, CH-7007 Presse undChur, PrintTelefon AG, Südostschweiz + 41 (0) 81 255 Print, Presse sechsmal und Print jährlich. AG, Süd Auflage ostschweiz 1700 Exemplare Print, Postfach Inserate: Somedia 508, Kasernenstrasse Promotion, 1, CH-7007 Neudorfstrasse Chur, Telefon 17, CH-7430 + 41 (0)Thusis, 81 255Telefon 51 11,+ 41 Fax (0) + 4181(0)650 81 00 70, Fax 255 + 41 52 89. (0)Erscheint 81 650 00 sechsmal 74, thusis@somedia.ch jährlich. Auflage Abonnementspreise: CHF 60.– (inkl. MwSt. für Mitglieder Verein 700 Exemplare Inserate: Südostschweiz Publicitas AG, Neudorfstrasse 17, CH-7430 Thusis, Graubünden Wald) Telefon Abonnemente/Adressänderungen: + 41 (0) 81 650 00 70, Fax + 41 Aboservice, (0) 81 650Postfach 00 74, thusis@so-publicitas.ch 491, Sommeraustrasse 32, Abonnementspreise: CH-7007 Chur, CHF 60.– Telefon + 41 (für(0) Mitglieder 81 255 54 Verein 54, abo Graubünden Wald) www.buendnerwald.ch Abonnemente/Adressänderungen: Südostschweiz Presse und Print AG, @ somedia.ch, Für Inseratetexte übernimmt die Redaktion keine Verantwortung, 50 50,nicht mit der Ansicht Postfach 508, Abound Zustellservice, Kasernenstrasse 1, CH-7007auch Chur, muss Telefon die Meinung + 41 (0) 81 der255 Beiträge www.buendnerwald.ch der Redaktoren übereinstimmen. Autoren, die zu obenstehenden Themen publizieren möchten, sind herzlich eingeladen, ihre Für Vorschläge Inseratetexte der Redaktion übernimmt einzureichen. die Redaktion keine Verantwortung, auch muss die Meinung der Beiträge nicht mit der Ansicht der Redaktoren übereinstimmen. Autoren, die zu obenstehenden Themen publizieren möchten, sind herzlich eingeladen, ihre Vorschläge der Redaktion einzureichen.
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