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BĂźndner

Wald

Jahrgang 68 | Februar 2015

Ăœberleben im Winter

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Inhalt

Überleben im Winter Editorial.................................................. 4 Die Winterruhe der Alpenrosen – ein Balanceakt............................................. 5 Der Samtfussrübling Flammulina velutipes................................... 9 Auf Sparflamme – Schla forschung bei Wildtieren........................................... 13 Wie Waldbewohner überwintern............... 19 So verbringen die Schlafmäuse den Winter................................................ 23 Igel im Winter........................................... 26 Fledermäuse im Winter.............................. 30 Wie überwintern Bienen und Wespen?...... 34

Überwinterungsstrategien unserer Falter.... 37

Überwinterungsstrategien der Landschnecken................................ 41 Felssturz am Piz Kesch, Winter 2014...... 46 Comic Theo & Heinz............................. 50 Bündner Förster krönen Grossanlass mit Sieg................................................ 51 Alpiner Schutzwaldpreis 2014 – Preisverleihung in Galtür....................... 56 Erinnerung Skipostenlauf 2015.............. 61 Wald-Wild-Kartenspiel: Neu auch auf Französisch...................... 62 Vorschau «Bündner Wald» April 2015............................................. 63

Titelbild: Gewisse Bilder symbolisieren die Ruhe auf den ersten Blick. (Bild: Jon Gross) Bild Inhaltsverzeichnis: Es gibt Momente, in denen der Winter (fast) alles zur Ruhe zwingt. (Bild: Jörg Clavadetscher) Bündner Wald 1 /2015 3

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Editorial

Die Ruhe hat nicht ihren Preis, sondern einen Wert! Der Winter verlangt nach speziellen Strategien, um zu überleben. Die Strategie unserer Spezies scheint es zu sein, sich mit entsprechender Kleidung, mehr oder minder isolierten Gebäuden und ausreichend Brennstoff vor der Kälte zu schützen. Ursprünglich machten es unsere Vorfahren wahrscheinlich ähnlich, reduzierten aber ihre Aktivitäten vermutlich gleichzeitig auch auf das Nötigste, was wohl etwas im Gegensatz zu unseren heutigen Tugenden steht. Gerade der aktuelle (bis zum heutigen Tag), nicht sehr schneereiche Winter führte mir diese Auswirkung des Schnees wieder einmal vor Augen. Bis am 16. Januar war bei uns der Talboden und ein beachtlicher Teil der Bergflanken schneefrei. Der Mensch bewegte sich nahezu uneingeschränkt in dieser braunen Landschaft. Kaum lag der Schnee, trat weitgehend Ruhe ein. Es sind nun noch die für den Wintersport genutzten Gebiete, welche nach wie vor mit einer gewissen, teilweise sogar kontrollier- oder lenkbaren Unruhe durch den Menschen konfrontiert werden. Der Schnee hat also nicht nur für die Kasse jener, die vom Wintersportgeschäft abhängig sind, einen positiven Einfluss. Nein, auch die Natur braucht die weisse Pracht. Es kehrt mehr Ruhe ein, welche viele unserer Tiere im Winter dringend brauchen, um überhaupt überleben zu können. Das Schneehuhn, das Birkhuhn und auch andere Wildtiere nutzen den Schnee als zusätzliche Isolation nebst ihrem dichten Federkleid. Feines Winterhaar fast wie Wolle, eine dicke Schicht aus Körperfett, eine Schneehöhle, ein dichtes Federkleid, so unterschiedlich ist die Isolation, mit der

sich die Tiere vor der Winterkälte schützen. Dieser Schutz ermöglicht es ihnen, ihre Aktivitäten zu reduzieren. Die Ruhe ist dann wieder die Basis dafür, es sich leisten zu können, den Stoffwechsel und die Körperfunktionen auf ein absolutes Minimum zu beschränken und weniger Nahrung aufzunehmen. Auf das natürliche Nahrungsangebot haben wir nur einen sehr beschränkten direkten Einfluss. Das Mass an Ruhe, welche wir unserer Natur und hiermit vor allem unseren Wildtieren zugestehen, können wir ganz direkt und uneingeschränkt beeinflu sen. Die Erkenntnis, dass die Ruhe ein hohes Gut ist, ist nicht neu, aber wir müssen uns diese Tatsache immer und immer wieder aufs Neue vor Augen führen und die daraus entstehenden Konsequenzen respektieren. Ich glaube, dass wir bezüglich Schutz der Winterruhe auf einem guten Weg sind. Der Erhalt der Ruhe hat nicht seinen Preis, sondern einen hohen Wert. Störungen in der Natur müssen im Winter oft mit einem viel zu hohen Preis bezahlt werden – mit dem Leben! Mit wiederkehrender Information, Umsetzung von Winterruhezonen und Respekt vor der Kreatur können wir es erreichen, dass das Leben nicht nur in der kleinen Kneipe, sondern auch in der Natur noch lebenswert ist und bleibt.

Jörg Clavadetscher, Redaktor Bündner Wald Ruinas, CH-7535 Valchava forestal-muestair@bluewin.ch

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Die Winterruhe der Alpenrosen – ein Balanceakt

Die bewimperte Alpenrose (Rhododendron hirsutum) zeigt stark bewimperte Blattränder. (Alle Bilder: Veronika Stöckli)

Die Alpenrose ist eine ausgeprägte Gebirgspflanze. Trotz ihrer weiten Verbreitung in den kalten Ökosystemen der europäischen Gebirge, gilt sie als wenig frosthart. Ein Blick auf ihre Strategien im Umgang mit Kälte zeigt allerdings, dass sie sich gegenüber frostigen Temperaturen äusserst opportunistisch verhält. Dies mag hin und wieder verhängnisvoll enden, ist wohl aber in erster Linie Ursache für ihren Erfolg. Die Alpenrose gehört zur Gattung der Rhododendren. Diese umfasst weltweit rund 1000 Arten. Sie kommen in den Gebirgen der Nordhemisphäre vor, die allermeisten in Asien. Bei uns sind zwei RhododendronArten heimisch. Die rostblättrige Alpenrose ( Rhododendron ferrugineum L.) trägt immergrüne, ledrige Blätter, welche unterseitig mit dichten rostbraunen Drüsenschuppen bedeckt sind. Die meist zweijährigen Blätter werden im Herbst gelb und fallen ab. Die Blätter der bewimperten Alpenrose ( Rhododendron hirsutum L.) sind wintergrün, rundlich-eiförmig mit bewimpertem Rand. Die Blattunterseite bleibt grün. Jedes Jahr im Sommer erneuert sich das Laub. Die Blüten der bewimperten Alpenrose sind

etwas heller rot als jene der rostblättrigen Alpenrose. Beide Rhododendren sind stark verzweigte Sträucher, welche Wuchshöhen bis über einen Meter erreichen können. Die bewimperte Alpenrose wächst auf basischen bis neutralen Verwitterungsböden, während die rostblättrige Alpenrose eher standortindifferent ist. Wohl nicht zuletzt deshalb besiedelt sie ein weit grösseres Areal als die bewimperte Alpenrose. Wo beide Arten vorkommen, treten Hybriden auf. Alpenrosen werden in erster Linie durch Bienen und Hummeln bestäubt. Sie können sich sowohl über Samen als auch vegetativ vermehren. Die Klone erreichen dabei mehrere Meter Durchmesser. An Zweigen der Alpenrose werden bis über 80 Jahrringe gezählt. Tatsächlich dürften Alpenrosen aber mehrere Hundert Jahre alt werden. Ihre weite Verbreitung und ihr mögliches hohes Alter weisen darauf hin, dass sie mit den Herausforderungen ihres Lebensraums gut zurechtkommt. Herausforderung Winterkälte Wohl die grössten Herausforderungen für wintergrüne Pflanzen bilden die kalten TemBündner Wald 1 /2015 5

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peraturen des Winters. Kalte Temperaturen führen allgemein dazu, dass der Stoffwechsel gedrosselt wird und zwar je kälter es ist, desto mehr. Kälte bewirkt zudem, dass fetthaltige Bausteine der Pflanzen – etwa jene der Zellwände – ihre Konsistenz ändern. Dadurch kann die Membran nur mehr schlecht den Stofftransport von und in die Zelle kontrollieren. Frostige Temperaturen können auch dazu führen, dass das Wasser im Inneren der Pflanzen gefriert. Die dabei entstehenden Eiskristalle können die Zellwand verletzen oder den Saftfluss blockieren. Zudem ziehen Eiskristalle Wasser an, wodurch die Zellen austrocknen können. Als Gebirgspflanze muss die Alpenrose gegen derartige Herausforderungen des Winters gewappnet sein. Tatsächlich zeigt sie verschiedene Mechanismen, um die schädlichen Folgen der Kälte zu vermeiden. Diese liegen in ihrem Stoffwechsel, in ihrer Gestalt und nicht zuletzt auch in ihrer Standortwahl. Die Mechanismen werden im Folgenden kurz ausgeführt. Sie gelten vor allem für die rostblättrige Alpenrose. Anpassungen an Kälte und Frost Durch die zunehmende Kälte nach dem Ende der Vegetationszeit ist in erster Linie der Stoffwechsel der Alpenrose gefordert. Zu Beginn des Winters wird die Alpenrose bei Temperaturen unter ca. minus 6 °C in wenigen Tagen frostresistent. Dank dessen kann das Gewebe der Pflanze Temperaturen bis minus 27 °C ertragen, ohne Schaden zu nehmen. Diese Frosttoleranz beruht auf Mechanismen, welche die Bausteine der Membran – Strukturproteine und Peptide – stabilisieren. Dadurch bleibt die Zellhülle intakt und funktional. Die Alpenrose kennt aber auch andere Tricks, um sich gegen Frostschäden zu schützen. Sie kann bei frostigen Tempe-

raturen unterkühlen. Das heisst, dass das Wasser im Inneren der Pflanze unter den Gefrierpunkt abkühlen kann, ohne dass es zu Eis erstarrt. Diese Unterkühlung ist möglich, wenn das Wasser keinen Kristallisationsansatz findet. Es kann nicht auskristallisieren, selbst wenn es von der Temperatur her möglich wäre. Bei der Alpenrose bedient sich die Blütenknospe dieses Tricks. Die Blätter haben einen zusätzlichen Frostschutz parat. Bei kalten Temperaturen rollen sie sich ein und verkleinern dadurch die exponierte Oberfläche – je kälter desto meh . Unruhige Winterruhe Die Mechanismen, mit welchen sich die Alpenrose gegen Frostschäden schützt, sind flexibel anwendbar. Die Alpenrose ist den Winter hindurch nicht konstant frosthart. Im Gegensatz etwa zur Arve, mit welcher sie oft am selben Standort vorkommt, kann sie rasch auf veränderte Temperaturen reagieren. So etwa die Blätter. Es wurde beobachtet, dass diese bei Temperaturen unter null Grad in weniger als 20 Minuten einrollen. Die Pflanze vermag umgekehrt auch auf warme Temperaturen rasch zu Die vielstämmige Wuchsform ist charakteristisch für die Alpenrose (hier die rostblättrige Art, Rhododendron ferrugineum).

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reagieren. Die Blätter frostharter Alpen­ rosen sind nach wenigen Tagen in der Wärme fähig, Fotosynthese zu betreiben. Genau diese Flexibilität kann der Alpen­ rose zuweilen zum Verhängnis werden. Erwärmen sich die Blätter, so öffnen sich die Spaltöffnungen und verlieren Wasser. Ist aus Stamm und Wurzeln kein weiteres Wasser verfügbar, so erhöht sich der Sog in den Leitbahnen, allenfalls gar bis der Wasserfaden reisst. Dies kann im Extremfall dazu führen, dass die Pflanzen austrocknen. Die Leitbahnen der Alpenrosen sind vergleichsweise anfällig darauf, dass bei grossem Sog der Wasserfaden in den Zellen reisst. Dieses Risiko der Frosttrocknis besteht besonders an warmen Spätwintertagen nach frostkalten Nächten. Bei anhaltend positiven Temperaturen wird im Spätwinter die Winterruhe rasch beendet. Das Abhärtungsvermögen schwindet und die Frosthärte läuft allmählich aus. Nun sind die Alpenrosen frostempfindlich, insbesondere die jungen Triebe. Wenn die jungen Triebe ausgereift sind, können sie auch während der warmen Jahreszeit Temperaturen zwischen – 6 und – 8 °C ohne Schaden überstehen. Isolation unter Bäumen und im Schnee Alle diese Mechanismen der Anpassung an Kälte und Frost kann die Alpenrose umgehen, wenn sie an einem geschützten Standort wächst. Solche Standorte finden sich etwa am Boden unter dem Kronendach des Waldes oder im tiefen Schnee. Im Inneren des Waldes wird die Sonneneinstrahlung am Tag wie auch die nächtliche Abstrahlung geringer. Zudem ist es im Wald weniger windig. Dadurch sind die Bedingungen auch weniger verlockend, um frühzeitig den Stoffwechsel anzukurbeln und dadurch letztlich Frosttrocknis zu erleiden. Zum

Zweige der Alpenrosen, welche über die Schneedecke herausreichen, sind besonders gefährdet zu vertrocknen.

andern ist durch die milderen Temperaturen der Kältestress geringer. Die Schneedecke isoliert die Pflanzen noch effektiver vor der Kälte als der Wald. Eine Schneedecke von wenigen Zentimetern genügt bereits, um die täglichen Schwankungen der Temperatur erheblich zu dämpfen. Erreicht sie 30 cm, so schwankt die Temperatur gerade noch um etwa 2 °C. Tief eingeschneit bekommt die Alpenrose von verführender Wärme und herausfordernder Kälte schliesslich nichts mehr mit. Dieser umfassende Schutz unter Bäumen und im Schnee hat aber auch seinen Preis. Die Pflanzen apern erst aus, wenn die Konkurrenz bereits ihren Stoffwechsel in Gang gesetzt hat. Im Schatten der Bäume kann die Alpenrose zudem weniger Energie produzieren als im Freiland. Schadenfälle trotz Schutz Trotz aller Kniffs und Tricks sind an Alpenrosen hin und wieder Zeichen von Schäden durch Frost zu erkennen, besonders im Frühjahr. So kann man vertrocknete Zweige finden, deren Schadbild die Schneehöhe Bündner Wald 1 /2015 7

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Verwendete Literatur: – Escaravage N, Questiau S, Pornon A, Doche B, Taberlet P. 1998. Clonal diversity in a Rhododendron ferrugineum L. ( Ericaceae ) population inferred from AFLP markers. Molecular Ecology, 7: 975 – 987. – Frey W. 1977. Wechselseitige Beziehungen zwischen Schnee und Pflanze – eine Zusammenstellung anhand von Literatur. Mitteilungen des Eidgenössischen Instituts für Schnee- und Lawinenforschung Nr. 34. Davos, 223 S. – Krause S, Taylor SL, Weatherill J, Haffenden A, Levy A, Cassidy NJ, Thomas PA. 2012. Fibre-optic distributed temperature sensing for characterizing the impacts of vegetation coverage on thermal patterns in woodlands. Ecohydrology, DOI : 10.1002/eco.1296. – Larcher W, Wagner J. 2004. Lebensweise der Alpenrosen in ihrer Umwelt: 70 Jahre ökophysiologische Forschung in Innsbruck. Berichte des naturwissenschaftlichen-medizinischen Vereins Innsbruck. Band 91, S. 251 – 291. – Neuner G, Ambach G, Aichner K. 1999. Impact of snow cover on photoinhibi­ tion and winter desiccation in evergreen Rhododendron ferrugineum leaves during subalpine winter. Tree Physiology 19 : 725 – 732. – Wolf PG, Doche B, Gielly L, Taberlet P. 2004. Genetic Structure of Rhododendron ferrugineum at a Wide Range of Spatial Scales. Journal of Heredity 95 ( 4 ): 301 – 308.

Alpenrosen sind typische Gebirgspflanzen. Sie sind besonders oft im Bereich der Waldgrenze zu finden.

des vergangenen Winters anzeigen. Unter dem Schnee war die Pflanze geschützt und noch intakt, über dem Schnee ist sie durch Frosttrocknis ausgetrocknet. Doch auch hier weiss sich die Alpenrose zu helfen. Sollten Blätter erfrieren, so treiben neue Zweige aus den vegetativen Seitenknospen aus. Nur wenn das unterirdische Achsensystem und die Wurzeln betroffen sind, kann sich die Pflanze kaum mehr erholen Weite Verbreitung auch dank erfolgreicher Überwinterung Die Mechanismen der Anpassungen unserer Alpenrosen an die Kälte sind sehr vielfältig. Wohl nicht zuletzt deshalb ist die Alpenrose bei uns weit verbreitet. Sie kommt als Unterwuchs in lichten Bergwäldern vor und man kann sie über der Waldgrenze in Krummholzgebüschen, in Zwergstrauchheiden oder in alpinen Rasen und Gesteinsfluren bis in grosse Höhen finden. In subalpinen Lagen vermag sie Pflanzengesellschaften gar zu dominieren – wohl nicht zuletzt dank ihrer vielfältigen Anpassungen an die Kälte.

Veronika Stöckli Bergwelten 21 AG CH-7260 Davos Dorf stoeckli@bergwelten21.ch

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Der Samtfussrübling Flammulina velutipes

Auch nach langen Frostperioden setzt der Samtfussrübling sein Wachstum fort, sobald die Temperaturen wieder über den Nullpunkt steigen. (Alle Bilder: Simon Egli)

Samtfussrübling Reich: Pilze (Fungi) Klasse: Ständerpilze (Basidiomycetes) Ordnung: Blätterpilze (Agaricales) Familie: Ritterlingsartige (Tricholomataceae) Gattung: Samtfussrüblinge (Flammulina) Art: Gemeiner Samtfussrübling (Flammulina velutipes)

Dass man essbare Pilze auch im tiefen Winter findet, wissen nur eingefleischte Pilzsammler. Einer dieser Aussenseiter ist der Samtfussrübling oder Winterrübling, ein wohlschmeckender Speisepilz, der dann zu finden ist, wenn die sonstige Pilzflora ihr Wachstum wegen der winterlichen Kälte weitgehend eingestellt hat. Er bedient sich dabei eines Tricks, der auch anderen Organismen, vom Bakterium bis zum Fisch, das Überleben in der Kälte ermöglicht. Er ist einer der wenigen Pilze, die im Winter wachsen, und erst noch ein beliebter

Speisepilz: der Samtfussrübling oder Winterrübling. Er bildet von Wintereinbruch bis ins Frühjahr seine schönen gelbbraunen Fruchtkörper. Aus welchem Grund macht er das? Die in der Schweiz bisher nachgewiesenen über 6000 Grosspilze wachsen mit wenigen Ausnahmen alle im Sommer/Herbst. Nur wenige Arten weichen von dieser Regel ab und wachsen z. B. bereits im Frühjahr, wie die Morchel, der Märzellerling oder die Frühjahrslorchel. Was bewegt den Samtfussrübling, im tiefen Winter aktiv zu werden und Fruchtkörper zu bilden, wenn die Pflanzenwelt weitgehend ruht und viele Tiere im Winterschlaf sind? Eine plausible Erklärung dafür gibt es nicht, aber vielleicht ist er ein ganz gewiefter Kerl, der gemerkt hat, dass er nur ganz wenige Konkurrenten im Kampf um kostbare Rohstoffe hat, wenn er im Winter wächst. Und wie schafft er das überhaupt? Der Pilz bedient sich eines Tricks, der auch anderen Organismen das Überleben in der Kälte sichert. Pilze zählte man früher zum Reich der Pflanzen, vor allem wegen ihrer sesshaften Lebensweise. Heute gelten sie aufgrund ihBündner Wald 1 /2015 9

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rer physiologischen und genetischen Eigenschaften als eigenes Reich und sind enger mit Tieren als mit Pflanzen verwandt. Sie sind wie die meisten Pflanzen und auch viele Tiere wechselwarm, das heisst, ihre «Körpertemperatur» ist nicht konstant, sondern sie passt sich mehr oder weniger ihrer Umgebungstemperatur an. Das kann dann problematisch werden, wenn die Umgebungstemperatur unter den Gefrierpunkt der eigenen Körperflüssigkeit sinkt, und Pilze bestehen zu rund 90 Prozent aus Wasser ... Der Samtfussrübling produziert seinen Frostschutz selber Der Pilz bildet sogenannte Frostschutzproteine oder Glykoproteine, mit welchen Pilzsuppe mit Samtfussrübling und Glasnudeln 500 g Samtfussrüblinge 1 grosse Zwiebel 1 Bund Suppengrün 1 grüne Paprikaschote 250 g Glasnudeln (Asia-Shop) 1 Scheibe frischen Ingwer 2 Eier und Gemüsebrühe Zubereitung Zwiebeln glasig andünsten, Pilze dazugeben, ca. 10 Min. dünsten. Anschliessend mit 1,5 l Gemüsebrühe aufgiessen. 1 Bund Suppengrün und Ingwer klein gehackt dazugeben. Die Glasnudeln hineingeben, 15 Min. kochen lassen. 1 Paprikaschote klein geschnitten dazugeben, immer wieder rühren. Zum Schluss 2 Eier einrühren, gerinnen lassen, mit typischen Suppengewürzen beliebiger Art abschmecken. (Quelle: http://www.pilzfreundetreff.de/html/ pilzrezepte.html)

er den Gefrierpunkt herabsenken kann. Das heisst, das Wasser in den Zellen des Samtfussrüblings gefriert nicht bereits bei 0 °C, sondern erst bei deutlich tieferen Temperaturen. Diese Strategie von Lebewesen, tiefe Temperaturen zu überleben, wurden erstmals in arktischen Fischen entdeckt. Da das Meerwasser dank seines Salzgehalts erst bei Temperaturen unter – 1,9 °C gefriert, würde die Körperflüssigkeit der Bewohner dieses unterkühlten Wassers gefrieren. Bei Bedarf kann der Fisch diese Glykoproteine bilden, die sich an entstehende Eiskristalle anlagern und deren weiteres Wachstum und damit die Zerstörung der Zelle verhindern. Diese Frostschutzproteine wurden auch beim Austernseitling nachgewiesen, einem ebenfalls im Winter wachsenden Pilz. Weiter in Winterweizen, immergrünen Farnen, Moosen und in gewissen Baumarten wie Pappeln, Eichen, Gingko sowie in Bakterien, Insekten, Spinnen, Milben. Ähnlich wie der Austernseitling, der über 11 °C nicht fruktifizie en kann, benötigt auch der Samtfussrübling eine Starthilfe an niedriger Temperatur, um seine Fruchtkörper ausbilden zu können. Zwischen 0 und 15 °C über Null ist er in der Lage zu wachsen. Sinkt das Thermometer unter 0 °C, so stellt dieser Winterpilz sein Wachstum ein. Er kann ohne Probleme über längere Zeiträume tiefgefroren bleiben. Dabei hält er auch extreme Minustemperaturen bis – 24 °C aus. Er setzt sein Wachstum fort, sobald das Thermometer wieder über den Nullpunkt klettert. Dabei erleidet er keinerlei Einbusse an Aroma oder Inhaltsstoffen. Der Pilz ist übrigens noch aus einem andern Grund ein Aussenseiter: Er ist einer der wenigen Pilze, der bereits im Weltall war. Im Rahmen eines Experiments zum geotropen Wachstum nahm der Samtfussrübling 1993 an der Weltraumexpedition Spacelab-

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Mission D-2 teil. Der Einfluss der Schwerelosigkeit beeinflusste die Fruchtkörperbildung nicht, jedoch wuchsen die Fruchtkörper orientierungslos in alle Richtungen im Vergleich zum geotropen Wachstum unter Erdanziehung. Wo wächst er? Vor allem bei alten Weiden und Erlen sollten wir Ausschau halten nach diesem Pilz, seltener auch bei Pappeln, Robinien, Buchen, Linden, Rosskastanien, Ulmen, Eschen, oder Holunder. Ganz selten wächst er auch an Weisstannen. Der Pilz findet sich weniger im tiefen Wald, sondern eher in lichten Baumbeständen an Bächen, Flussufern, oder auch in Parks und Gärten. Er wächst einzeln oder büschelweise an Baumstümpfen und alten, auf dem Boden liegenden Stämmen und Ästen. Er gehört zu den Saprobionten, das heisst, er baut totes Holz ab, insbesondere das Lignin. Das Holz verliert dadurch seine Stabilität und färbt sich weiss (Weissfäulepilz). Nur selten ist der Samtfussrübling auch als Wundparasit an geschwächten, aber noch lebenden Bäumen zu finden. Der Samtfussrübling kommt vor allem im Flachland vor, ist aber bis ca. 1300 m über Meer zu finden Speisewert Der Samtfussrübling war einer der ersten Speisepilze überhaupt, der gezielt in Kultur genommen wurde. Sein Anbau ist erstmals in der späten Tang-Dynastie in China zwischen den Jahren 800 und 900 erwähnt worden. Es ist überliefert, dass man damals reife Fruchtkörper auf frischen Baumstubben verrieb, mit guten Aussichten, später an diesen Plätzen Pilze ernten zu können. Eine besondere Bedeutung besitzt der Samtfussrübling in der japanischen Küche, dort ist er unter dem Namen «Enokitake»

Der Samtfussrübling erträgt Temperaturen bis minus 24 °C, ohne Schaden zu nehmen.

oder kurz «Enoki» bekannt. Er ist mit dem Shiitake der meistangebaute Speisepilz in Asien. Gezüchtet wird er auf sterilisiertem Sägemehlsubstrat. Pro Jahr werden weltweit etwa 100 000 Tonnen dieses Pilzes produziert, er steht damit in der Weltproduktion an sechster Stelle in der Rangfolge der meistangebauten Speisepilze. Der Enoki wird im Dunkeln gezüchtet. Dadurch erhält er nicht nur eine weisse Farbe (die braunen Pigmente werden nur unter Lichteinflus gebildet), sondern auch eine filigrane und zarte Wuchsform. Der Samtfussrübling besitzt ein süssliches, mildes Aroma. Er gilt als guter Speisepilz. Die Hüte sind essbar, wohlschmeckend und mild, die Stiele sind jedoch zäh und kaum verwertbar. Man kann den Pilz im Winter auch gefroren ernten und vor allem zu Suppen verarbeiten. Bündner Wald 1 /2015 11

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Aber aufgepasst! Auch im Winter gelten die kantonalen Pilzsammelvorschriften: Aktuelle Mengenbeschränkungen und Schonzeiten siehe unter http://www.vsvp.com/ downloads/pilzsammelbestimmungen.pdf. Dass der Pilz im Winter wächst, wenn die allermeisten anderen Pilze nur als Mycel im Boden überwintern, hat für uns Pilzsammler einen grossen Vorteil: Der Samtfussrübling

ist im Winter kaum mit anderen Pilzen zu verwechseln... Dr. Simon Egli WSL, Forschungseinheit Walddynamik CH-8903 Birmensdorf simon.egli@wsl.ch

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Auf Sparflamme – Schlafforschung bei Wildtieren

Den Winter verschlafen wie einige unserer Wildtierarten – wer wünscht sich das nicht auch manchmal? Allerdings nicht unbedingt bei solchen Traumverhältnissen... (Alle Bilder: naturpix.ch/gansner-hemmi)

Der Winterschlaf von Wildtieren ist ein faszinierendes biologisches Phänomen, bei dem einige Aspekte nach wie vor ungeklärt sind. Dennoch gibt es eine ganze Reihe von neuen Erkenntnissen, die unter anderem die klassische Einteilung in Winterschlaf und Winterruhe infrage stellen. Die Wildforschung ist also «dran am Puls der Zeit» – und am Puls der Schläfer. Schlafforschung Weit komplizierter als die Kälte- oder Winterstarre der wechselwarmen Tiere hat der Winterschlaf, also das Phänomen des Überwinterns einiger Säugetierarten sozusagen «auf Sparflamm », die Biologen schon immer beschäftigt. Einer der führenden Winterschlafforscher in Europa ist der Leiter des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien, Prof. Dr. Walter Arnold. Mit modernsten Methoden sind er und sein Forschungsteam den genauen physiologischen Abläufen auf der Spur, die sich bei Winterschlaf und Winterruhe abspielen. Dies ist besonders bedeutend und auch schwierig bei frei lebenden Wildtieren unter natürlichen Bedingungen. Einige der in diesem

Beitrag vorgestellten Ergebnisse sind nach persönlichen Mitteilungen von Prof. Arnold zitiert. Die Einteilung in Winterschläfer und Winterruher ist zum Beispiel offenbar nicht mehr sehr sinnvoll. Vielmehr sind bei den betreffenden Tierarten graduelle Unterschiede darin festzustellen, wie weit Stoffwechsel, Pulsrate und Körpertemperatur abgesenkt werden, ob eine Kältestarre eintritt und wie tief sie ist. Aber auch der normale Schlaf im Winter kann tiefer oder weniger tief sein. Ein Bär wird zum Beispiel – im Gegensatz zu anderen Winterschläfern wie Murmeltier oder Siebenschläfer – bei Störungen ziemlich schnell hellwach, beweglich und aggressiv. Lange gab es einen wissenschaftlichen Streit darüber, ob Bären echte Winterschläfer sind oder nicht. Zunächst ging man davon aus, dass es sich nur um eine Art Winterruher handelt, zumal die Bärin in ihrer Überwinterungshöhle ihre Jungen zur Welt bringt. In den 1980er-Jahren kamen amerikanische Forscher dagegen zu dem Schluss, dass Bären Winterschläfer sein müssen, obwohl sie ihre Körpertemperatur lediglich um drei bis fünf Grad Celsius reduzieren und ihre PulsBündner Wald 1 /2015 13

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rate sowie ihren Sauerstoffverbrauch «nur» etwa halbieren. Bei anderen Arten sinken beide Werte dagegen zum Teil auf einen Bruchteil des Normalwerts. Nach aktuellen Ergebnissen hält der Bär, gemessen an seinem Stoffwechsel, tatsächlich eher so etwas wie einen echten Winterschlaf. Insgesamt bleibt jedoch festzuhalten, dass die Übergänge fliessend sind Die Amerikaner drücken sich übrigens elegant um eine Definition, indem sie einfach nur von «hibernation» sprechen, also «Überwinterung» – und zwar quer durchs gesamte Tierreich. Was läuft im Organismus ab? Was ist eigentlich Stoffwechsel? Stoffwechsel ist Leben. Lebewesen nehmen Nahrung zu sich, die durch den Stoffwechsel in ihre

Bestandteile zerlegt wird. Ein Teil davon wird in Energie umgesetzt, die lebenserhaltende Funktionen ermöglicht und bei den Warmblütern zudem die Körpertemperatur aufrechterhält. Ein anderer Teil wird zum Aufbau von Zellen und Gewebe verwendet. Stoffwechsel ist also die (chemische) Umwandlung von Substanzen. Beim Winterschlaf bewirken bestimmte Auslöser wie Aussentemperatur, Nahrungsknappheit und/oder Tageslänge, dass zunächst der Stoffwechsel heruntergefahren wird. Ein zwischen verschiedenen Tierarten erstaunlich ähnliches minimales Niveau, beinahe eine Art Winterschlafkonstante wird erreicht, sozusagen ein «Standgas des Lebens». Bis vor Kurzem war man der Meinung, dass winterschlafende Säugetiere als Erstes ihre

Nach Erkenntnissen der Wildforschung kann sich auch Rotwild im Spätwinter nachts und am frühen Morgen stundenweise in einen winterschlafähnlichen Zustand begeben.

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Körpertemperatur absenken und damit erreichen, Energie einzusparen, weil ja alle chemischen Reaktionen – und somit auch der Stoffwechsel – bei Kälte langsamer ablaufen. So stimmt die Reihenfolge aber nicht. Sie ist genau umgekehrt. Die eigentliche, primäre Regelgrösse ist der Stoffwechsel. Zunächst wird jener zurückgefahren, und erst dann, als Folge davon, sinkt die Körpertemperatur mehr oder weniger stark ab. Während Fledermäuse und andere winterschlafende Kleinsäuger vergleichsweise «eiskalt» werden, besitzen Bären nicht die Fähigkeit, so stark abzukühlen und senken ihre Körpertemperatur nur wenig, vor allem, weil ihr Volumen im Verhältnis zur Oberfläche sehr gross ist. Ebenfalls in sehr unterschiedlichem Mass wird die Pulsrate reduziert und die Tiere versinken in eine Kaltphase mit oder ohne «Torpor». Dabei handelt es sich um einen komaähnlichen Zustand mit Kältestarre (lateinisch «torpor» heisst «Betäubung», «Erstarrung», «Lethargie»). Die Kaltphasen werden offenbar bei allen Winterschläfern immer wieder abgelöst von kurzen Wachphasen mit Körpererwärmung, manchmal sogar mit Nahrungsaufnahme. Allerdings nimmt der Winterschläfer in der Regel kaum Nahrung auf, sondern zehrt von den im Herbst angefutterten Fettreserven. Anschliessend folgt eine Warmphase, in der die Tiere tief schlafen, um dann erneut in eine Kaltphase zu wechseln, und so weiter. Rätsel des periodischen Aufwachens Die Kaltphasen werden also von allen Winterschläfern (Winterruhern sowieso) regelmässig unterbrochen. Dieses Phänomen ist nach wie vor unverstanden. Eine plausible Hypothese der Forscher aus Wien besagt, dass die Tiere den komaähnlichen Zustand

von Zeit zu Zeit aufheben müssen, damit sie – nach einer kurzen Wachphase – danach überhaupt tief und vor allem erholsam schlafen können. Denn bei sehr niedrigen Temperaturen können die erneuernden (regenerativen) Prozesse im Gehirn nicht mehr stattfinden. Beim Winterschlaf wechseln sich also Kaltphasen und Warmphasen ab, wobei der eigentliche Schlaf (im Gegensatz zur Kältestarre) in einer Warmphase erfolgt. Hinzu kommt, dass sich durch die Unterbrechung der Kaltphasen Schäden am Gehirn vermeiden lassen, die durch zu lange Inaktivität entstehen könnten. Herauskristallisiert hat sich auch Folgendes: Je länger zuvor die Kaltphase oder je tiefer die Kältestarre war, desto erholsamer schläft das Tier in der darauf folgenden Warmphase. In der Höhle des Bären Eine wildbiologisch äusserst spannende und aussergewöhnliche Tastsache ist es, dass die Bärinnen ihre Jungen allesamt im Winterlager während der Winterschlafperiode zur Welt bringen. Zur Geburt unterbrechen die Bärinnen im Hochwinter ihren Winterschlaf. Bei den Braun- und Schwarzbären kommen im Dezember/Januar zwei, manchmal eines oder drei, in sehr seltenen Ausnahmefällen auch vier bis fünf Bärenjunge mit einem Geburtsgewicht von 400 bis 500 Gramm zur Welt. Die Bärenjungen, die bei der Geburt kaum meerschweinchengross, nackt und blind sind, können ihre Nesthockerphase zusammen mit der Mutterbärin geborgen in der Überwinterungshöhle verbringen. Die kleinen «Pfundskerle» öffnen erst nach vier bis fünf Wochen die Augen, wachsen schnell und wiegen im März bereits mehrere Kilogramm. Eine enorme Laktationsleistung der Mutterbärin, die im Winterlager während ihrer Winterschlafperiode ihre Jungen Bündner Wald 1 /2015 15

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Untersuchungen aus Graubünden belegen, dass eine winterschlafähnliche Reduktion des Stoffwechsels bei Steinböcken besonders ausgeprägt vorkommt.

säugt, ohne selbst Frass oder Flüssigkeit zu sich zu nehmen! Obwohl Bären sich während des Winterschlafs in einer Art Dämmerzustand befi den, spüren oder bemerken sie durchaus, was in ihrer Umgebung geschieht. Bei Störung oder Gefahr werden sie wach und versuchen, sich und – falls es sich um eine Mutterbärin handelt – besonders ihre Jungen zu verteidigen. In dieser Zeit führen Störungen von Bärinnen im Winterlager, wie Untersuchungen in Schweden gezeigt haben, zu deutlich niedrigeren Überlebenschancen der Jungtiere, weil Schlaf, Ruhe oder Säugen unterbrochen werden. Gemeinsamkeit von Rotwild, Pferden und Steinböcken Der Winterschlafforscher Prof. Dr. Walter Arnold und sein Team erforschen mit modernsten Methoden die genauen physiologischen Abläufe bei Säugetieren während

des Winterschlafs oder der Winterruhe. Bei frei lebenden Wildtieren unter natürlichen Bedingungen ist dies besonders interessant und keineswegs einfach. Forschungsergebnisse aus Wien belegen, dass der Stoffwechsel im Winter auch bei anderen warmblütigen Tieren mehr oder weniger stark abgesenkt werden kann. Rotwild schaltet zum Beispiel während des Spätwinters – vornehmlich im Januar, Februar oder März – in kalten Nächten und frühen Morgenstunden messbar seinen Stoffwechsel zurück. Die Läufe und äusseren Teile des Rumpfes kühlen dann deutlich stärker ab als sonst während des Winters. Zudem wird die Pulsrate gesenkt, und zwar nicht nur im Ruhezustand, sondern auch bei der Fortbewegung wie zum Beispiel zur Äsungsaufnahme. Insgesamt bewegt sich das Rotwild während dieser Phasen merklich langsamer. Das ist nicht, wie man bisher glaubte, eine Folge der geringeren Äsungs-

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und damit Energieaufnahme, sondern ganz im Gegenteil eine vorauseilende, im Körper selbst entstehende (endogene) Anpassung an sinkende Mengen verfügbarer Äsung. Der englische Fachbegriff lautet «standing hibernation» (nicht zu verwechseln mit Standing Ovation), was so viel bedeutet wie «den Winter mit möglichst wenig Bewegung überstehen». Der Unterschied zu «echten Winterschläfern» besteht, wie es Prof. Arnold sinngemäss formuliert hat, lediglich darin, dass das Rotwild nicht über Tage, Wochen oder gar Monate hinweg, sondern nur bis zu acht oder neun Stunden lang in diesem Energiesparzustand verharrt. Nach einer kalten Spätwinternacht, die das Rotwild erfolg-

reich «durchgestanden» hat, erfolgt dann am Vormittag verspätet gegen zehn oder elf Uhr eine Aufwärmphase mit erneuter Aktivität. Wildbiologisch ist es also sehr sinnvoll, die Bejagung von Rotwild möglichst frühzeitig im Winter bzw. spätestens im Januar zu beenden. Wo die Jagdzeit bis Ende Januar oder in Ausnahmefällen gar bis Mitte Feb­ ruar dauert, ist es besonders wichtig, dass der Rotwildjäger sich der Problema­tik bewusst ist und – wenn überhaupt – nicht bereits im Morgengrauen auf den Ansitz geht. Er sollte vielmehr darauf bedacht sein, dass das Wild in dieser kritischen Jahreszeit insgesamt möglichst ungestört bleibt. Als Fluchttier kann sich Rotwild eine Einschrän-

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kung seiner Beweglichkeit durch eiskalte Läufe nur dann leisten, wenn es sich absolut sicher fühlt. Sonst begibt es sich erst gar nicht in den zwar energiesparenden, aber riskanten Zustand und verliert dadurch überlebenswichtige Energie. Aber unser Rotwild ist beileibe nicht die einzige Tierart, zu der nun überraschende Ergebnisse vorliegen. Prof.  Arnold: «Wir fanden mittlerweile die zunächst beim Rothirsch identifizierte winterschlafähnliche Reduktion des Stoffwechsels im Winter auch bei Wildpferden und, besonders ausgeprägt, bei Steinböcken. Die Studie zu den Steinböcken wurde in der Schweiz, genauer in Graubünden, zusammen mit dem Amt für Jagd und Fischerei durchgeführt. Es zeichnet sich also immer mehr ab, dass vermutlich alle Säugetiere die Fähigkeit zur Absenkung der Stoffwechselintensität besitzen.» Richtig essen und gut schlafen Ebenfalls vergleichsweise neu ist die Erkenntnis der Forscher aus Wien, dass die Ernährung einen ganz wesentlichen Einfluss auf die Winterschlaffähigkeit und die Schlafqualität bei Wildtieren hat. Bestimmte Stoffe in der Nahrung sind dafür verantwortlich, und zwar vor allem die ungesättigten Fettsäuren. Sie sind in Pflanzen hauptsächlich in Sämereien, in bestimmten pflanzlichen Ölen (zum Beispiel Olivenöl), in einigen Margarinesorten sowie in vielen Fischarten enthalten. Prof. Arnold und sein Team fanden am Murmeltier heraus, dass ein Tier umso besser schlafen kann, je mehr ungesättigte Fettsäuren es zuvor aufgenommen hat. Es handelt sich offenbar um Schlüsselmoleküle für das gesamte Schlafverhalten. Dass ungesättigte Fettsäuren gesund sind, wissen wir ja schon lange. Aber dass sie den

Winterschlaf der Tierwelt in bedeutendem Mass beeinflussen, ist schon erstaunlich Und täglich grüsst das Murmeltier Fassen wir noch einmal kurz zusammen: Was ist der Zweck von Winterschlaf, Winterruhe oder jedweder Form der Überwinterung? Es geht darum, ungünstige Wetter- und Nahrungsbedingungen möglichst energiesparend und kräfteschonend, ja sogar kräfteerneuernd zu verbringen. Beim Menschen tendiert man heute dazu, den Schlaf als Erholung fürs Gehirn zu betrachten, das dabei auf entspannte Art Eindrücke und Erlebnisse des Tages verarbeiten kann. Aber alles hat seinen Preis. Wie eine Ziesel­ forscherin aus Wien mit entsprechenden Versuchen herausfand, hat das Ziesel durch die geringe Gehirnaktivität während des Winterschlafs im folgenden Frühjahr vieles einfach vergessen, was es zuvor bereits gelernt hatte. Trotzdem: Wer würde nicht zugeben, dass er manchmal das Murmeltier beneidet? Oder zumindest den «Ausweichschläfer» Dachs? Sich einfach bei miesem Wetter für eine Weile ausklinken aus dem Trubel der Welt und gemütlich schlafen, bis das Frühjahr mit der langsam aufblühenden Natur wieder lockt und weckt. Originaltext: Gundula Thor/Kurzfassung: Nina Gansner Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift «Schweizer Jäger»

Nina Gansner Geschäftsführerin SELVA 7302 Landquart info@selva-gr.ch

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Wie Waldbewohner überwintern Der Einbruch des Winters zeigt jährlich, welche verblüffenden Anpassungen Flora und Fauna unternehmen, um der Kälte zu trotzen. Einzelne Bewohner unserer Wälder üben dabei grossen Einfluss auf ihre Umwelt aus. Im folgenden Artikel möchte ich Überwinterungsstrategien unserer Wildtiere beleuchten, deren Vielfältigkeit nicht zu unterschätzen ist. Förster im Federkleid Erstaunliche Strecken legen Zugvögel zurück, um der eisigen Kälte des Winters zu entkommen. Während einige Arten bis nach Afrika fliegen, reicht anderen Arten aus dem Norden der vergleichsweise milde Winter bei uns. Selbst unter den Säugetieren gibt es diese «Zügler». Die Rauhautfl dermaus, heimisch in Nordosteuropa, flieg im Winter nach Mitteleuropa, um bei uns – oft in Holzbeigen und Baumhöhlen – den Winterschlaf zu halten. Vögel, die den Winter bei uns verbringen, brauchen bemerkenswerte Überlebensstrategien. Besondere Beispiele mit hoher Bedeutung für den Wald sind Eichel- und Tannenhäher. Sie sind die einzigen zwei Vogelarten in Europa, die Nahrungsvorräte für den Winter in der Erde vergraben – zur grossen Freude des Försters! Der Tannenhäher hat sich auf Arvensamen spezialisiert. Mit seinem kräftigen Rabenschnabel holt er Nüsschen für Nüsschen aus den Arvenzapfen und lagert diese in seinem Kropf. Sobald dieser gefüllt ist, sucht er einen geeigneten Ort auf, wo er seinen energiereichen Vorrat vergräbt. In einem typischen Versteck finden sich gut zwei bis zwölf Arvennüsschen, die einen höheren Energiegehalt als Schokolade aufweisen. Innert drei bis vier Monaten legt der flei sige Vogel bis zu 20 000 solcher Verstecke an – eine unglaubliche Leistung! Gut vorge-

sorgt, sucht der Tannenhäher im Winter seine Vorräte auf. Mit einer beeindruckenden Genauigkeit erinnert er sich an seine Verstecke. Der Häher besitzt ein aussergewöhnlich präzises geometrisches Orientierungsvermögen. Er kann sich also den Abstand seiner Verstecke zu Bäumen, Steinblöcken und anderen Merkmalen in der Landschaft einprägen und braucht keinen zweiten Versuch, um seinen Vorrat selbst unter meterdicken Schneeschichten wiederzufinden Rund 80 Prozent der angelegten Verstecke werden so aufgespürt. Die Arvensamen, die nicht gefunden werden, befinden sich nun perfekt eingepflanzt in 0,5 bis 5 cm Tiefe – unter den richtigen Bedingungen keimen sie bereits im folgenden Frühjahr. In einem naturnahen Arvenwald sind schätzungsweise 90 Prozent aller Arven aus einem Vorratsversteck des Tannenhähers entstanden. So leistet er Jahr für Jahr einen grossen Beitrag zur Verjüngung des Bergwalds. Der Tannenhäher kommt auch in Wäldern ohne Arve vor. Dort legt er seine Vorräte mehrheitlich mit Haselnüssen an. Beim Eichelhäher funktioniert es ganz ähnlich, jedoch wie sein Name erahnen lässt, vornehmlich mit Eicheln. Es dürfen aber auch gerne Bucheckern sein. Bei Wiederaufforstungen von Windwurfflächen wird der Eichelhäher gar gezielt von Förstern in den Arbeitsprozess eingebunden. «Hähertische» aus Holz werden aufgestellt und mit Eicheln gefüllt, die sich dem zierlichen Vogel sehr einladend präsentieren. Ungefähr 5000 Eicheln vergräbt er für den Winter, die Wiederfindungsrate ist vergleichbar zum Tannenhäher. Während der Tannenhäher für sein Engagement bereits in den 60er-Jahren unter Schutz gestellt wurde und als Arvenpflanze gefeiert wird, erntet der Eichelhäher weniger Lob. Als jagdbare Art steht er jährlich zu Bündner Wald 1 /2015 19

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Der Tannenhäher – der kluge Manager der Arvennüsschen.  (Bild: Hans Lozza, SNP)

Tausenden auf den Abschusslisten. Wie die Rabenkrähe sei er ein Schädling und richte Schaden auf Ackerbaukulturen an, ebenfalls vertilge er massenweise kleinere Singvögel, lauten die Argumente. Die Bestände der Eichelhäher sind dennoch stabil und so dürfen wir auch in unseren Mischwäldern vom Förster im Federkleid profitie en. Jedes Milligramm zählt Der Winterschlaf wird oft als Erstes genannt, wenn die Frage nach Überwinterungsstrategien unserer Wildtiere gestellt wird. Der Begriff «Winterschlaf» setzt jedoch einige physiologische Anpassungen des Tiers vor­aus, weswegen einige im Volksmund als Winterschläfer bezeichnete Tierarten faktisch keine echten Winterschläfer sind.

Die echten Winterschläfer unserer Fauna sind alle Fledermausarten, der Igel sowie einige Vertreter der Nagetiere: Das Murmeltier und die komplette Familie der Schläfer, zu welcher auch die Haselmaus gehört. Echte Winterschläfer setzen Ihre Körpertemperatur während des Schlafens auf wenige Grad Celsius über den Gefrierpunkt herab. Herz- und Atemfrequenz werden auf ein Minimum heruntergefahren, um den Energieumsatz so klein wie möglich zu halten. Bei der Unterschreitung der arttypischen Körpertemperatur kann es vorkommen, dass die Tiere erwachen und sich bewegen, um Wärme zu erzeugen. Auch bewegungslose Wärmeerzeugung durch die Verbrennung von braunem Fettgewebe kann die Temperatur auf dem benötigten Niveau halten und die Tiere vor dem Erfrierungstod retten. Hier befindet sich der Unterschied zu der sogenannten Winterstarre, wo es keinerlei Regulierung der Körpertemperatur gibt. Die meisten Insekten, Reptilien, Amphibien, Schnecken, Würmer und Fische begeben sich über den Winter in diesen Zustand. Eingelagerte Glucose dient als Frostschutzmittel und verhindert bei diesen wechselwarmen Tieren das Gefrieren der Körperflüssigkeiten Die Haselmaus, die ihren Winterschlaf über sieben Monate im selbstgebauten Nest an einem geschützten Ort auf der Erdoberfl che verbringt, verdoppelt im Herbst ihr Gewicht durch das Anfressen einer Fettschicht. Der kleine Schläfer benötigt jedes Milligramm Fett, um den Winter zu überstehen. Für den Grossteil der Haselmäuse ( 70 bis 80 Prozent) bedeutet der Winter jedoch den Tod. Für Tiere dieser Grösse ist es eine besonders grosse Herausforderung, den Winter zu überleben. Das hohe Verhältnis von Körperoberfläche zu Körpervolumen führt zu stärkeren Wärmeverlusten im Vergleich

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zu grösseren Tieren und somit zu geringeren Überlebenschancen. Diese physikalische Gegebenheit führte im Laufe der Evolution dazu, dass viele Säugetiere und Vögel in kälteren Regionen durchschnittlich grösser als ihre Artgenossen in wärmeren Gebieten sind. Für ganz kleine Säuger wie die Haselmaus trifft diese Regel jedoch meist nicht zu. Die Winterruhe Auch andere Säugetierarten weisen im Winter einen höheren Schlafbedarf auf. Der Begriff «Winterschlaf» ist bei ihnen aber fehl am Platz, da die oben beschriebenen physiologischen Anpassungen in viel geringerem Grade oder gar nicht auftreten. Der Bär beispielsweise frisst sich im Herbst ein ordentliches Fettpolster an und verbringt fast den ganzen Winter in seiner Höhle, normalerweise ohne irgendwelche Nahrung aufzunehmen – ein typischer Winterschläfer möchte man meinen. Er senkt Atem- und Herzschlagfrequenz sowie Körpertemperatur ab, allerdings nicht im selben Ausmass

wie ein echter Winterschläfer. Er wacht jeden Tag auf, ändert seine Schlafposition und bringt gar seine Jungen mitten im Winter zur Welt. Der Bär macht eine Winterruhe mit Tendenz zum Winterschlaf, so lautet der wissenschaftliche Konsens. Eine «aktivere Ruhe» ist beim Eichhörnchen zu beobachten. Im Herbst, wenn Samen, Früchte und Pilze im Überfluss vorhanden sind, legt es Vorräte an. Zapfen und Nüsse werden am Fuss von grossen Bäumen vergraben oder seltener in verlassenen Vogelnestern und Baumhöhlen versteckt. Es kommt vor, dass die Eichhörnchen dabei von einem schlauen Häher beobachtet werden, der sich dann an ihren Vorräten bedient. Die fleissigen Nagetiere hängen sogar Pilze zwischen kleine Astgabelungen, um diese für den späteren Verzehr zu trocknen. Kehrt der Winter ein, ist ihre Aktivität witterungsabhängig. Schlechtes Wetter wird im gemütlichen Nest verschlafen. Bei gutem Wetter kann man Eichhörnchen beobachten, die nach den vergrabenen Vorräten suchen. Im Gegensatz zu Tannen- und

Das Eichhörnchen – ein «aktiver» Winterschläfer. (Bild: Hans Lozza, SNP)

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Eichelhähern erinnert sich das Eichhörnchen nicht an seine Verstecke, sondern sucht geeignete Plätze systematisch ab. So kann es auch sein, dass ein Vorrat geplündert wird, der von einem Artgenossen oder einem Häher angelegt wurde. Paarhufer auf Diät Steinböcke suchen sich im Winter steile, südexponierte Hänge auf, wo sie einfacher an die Nahrung unter der Schneedecke gelangen. Reh und Hirsch wandern aus demselben Grund in tiefere Lagen und sind deshalb in den Talniederungen öfter präsent. Die Nahrung im Winter ist sehr energiearm, sie besteht überwiegend aus Rohfasern, während im Frühling und Sommer eiweissund fettreiche Knospen und Gräser auf dem Speiseplan stehen. Weshalb das Rotwild in der Lage ist, den Winter ohne offensichtliche Anpassungen zu überstehen, war für Wildbiologen lange ein Mysterium. Mit modernen Telemetriesystemen und kleinen Sendern, die den Tieren implantiert wurden, konnte man das Geheimnis der Überwinterung des Rothirschs allerdings lüften. Das erstaunliche Ergebnis: Rothirsche brauchen im Winter weniger Energie als im Sommer. Es scheint auf den ersten Blick unlogisch, denn die tiefen Temperaturen fordern grundsätzlich einen höheren energetischen Grundumsatz. Durch die Messungen hat man herausgefunden, dass Hirsche Ruhephasen einlegen, bei denen sie die Körpertemperatur der äusseren Körperschale drastisch senken. Die Herzfrequenz sinkt dabei auf weniger als 30 Schläge pro Minute – Stoffwechsel und Geschwindigkeit der Bewegungen verlangsamen sich. Diese physiologischen Anpassungen sind mit einem Winterschläfer vergleichbar, nur fallen die Hirsche nicht in einen monatelangen Schlaf, sondern in täglich acht bis neun Stunden

dauernde Energiesparzustände. In weiteren Untersuchungen hat man herausgefunden, dass diese Anpassungen auch beim Steinbock auftreten. Auch das natürliche Nahrungsangebot hat Einfluss auf den Energiehaushalt. Für die Verarbeitung von Rohfasern benötigt der Paarhufer wenig Energie, den Aufschluss der Zellulose übernehmen Mikroorganismen im Pansen. Fett- und eiweissreiche Nahrung, die allgemein als leichter verdaulich gilt, regt den Stoffwechsel an und würde Ruhephasen unmöglich machen. Eine wichtige Erkenntnis für das Wildtiermanagement: Winterfütterungen mit hohem Energiegehalt sollten dringend unterlassen werden. Die eiweissreiche Nahrung versetzt das Wild in den Sommerzustand und kann zu erhöhter Verbiss- und Schälaktivität führen, da die Ruhephasen aussetzen und der hohe Energiebedarf gedeckt werden muss. Rücksicht ist geboten Ob schlafend, ruhend oder aktiv – viele Wildtiere befinden sich momentan auf Messers Schneide zwischen Leben und Tod. Der Winter erfüllt evolutionsbiologisch gesehen für viele Arten die wichtige Funktion als Nadelöhr der natürlichen Selektion. Die starken, gesunden Individuen überleben und sichern den Bestand einer Art. Durch unser Verhalten können die sensiblen Mechanismen der Überwinterung gestört werden. Diesem Umstand ist Rechnung zu tragen, damit negative Folgen für Tier und Umwelt vermieden werden können. Christian Sprecher Umweltingenieur FH Winkelgasse 3, CH-7320 Sargans c.sprecher1989@gmail.com

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So verbringen die Schlafmäuse den Winter Nur fünf der insgesamt zwanzig Arten von einheimischen Nagetieren machen einen Winterschlaf. Neben dem Murmeltier sind dies die vier Schlafmäuse oder Bilche, nämlich der Sieben-, der Garten-, der Baumschläfer und die Haselmaus. Schläfer besitzen im Gegensatz zu anderen Nagetieren keine Blinddärme, in denen sie mithilfe von Bakterien die zellulosereiche Nahrung aufschliessen können. Daher sind sie auf leicht verdauliche Nahrung angewiesen, die im Winter fehlt. Der Winterschlaf ist eine geeignete Strategie, um diesen Engpass zu überbrücken und Energie zu sparen. Die Winterschlafquartiere befinde sich etwa 50 bis 100 cm tief im Boden. Schlafende Bilche senken die Körpertemperatur auf wenige Grade über null und reduzieren ihren Stoffwechsel drastisch. Der Winterschlaf dauert bei allen Arten gegen sieben Monate. Die Haselmaus, der Sieben- und der Gartenschläfer sind vielen Menschen gut bekannt. Die zierliche Haselmaus ist ein echter Sympathieträger. Der Garten- und der Siebenschläfer sehen ebenfalls sehr hübsch aus, dringen aber immer wieder in Häuser und Hütten ein. Sie stören durch ihren nächtlichen Lärm und richten manchmal sogar Schäden an Einrichtungen und Vorräten an. Der Baumschläfer kommt nur im Engadin und Münstertal vor. Hier erreicht er seine westliche Verbreitungsgrenze. Das östlichste Vorkommen liegt in China! Die vier Schlafmausarten können leicht voneinander unterschieden werden. Die grösste Art, der Siebenschläfer, ist im Grundton grau gefärbt. Um die Augen ist ein dunkler Ring angedeutet. Der Gartenschläfer ist das am buntesten gefärbte einheimische Nagetier. Seine schwarze Gesichtszeichnung reicht von der Oberlippe um das Auge herum bis hinter die Ohren. Der Rücken

und die Flanken sind rötlich bis graubraun. Scharf abgesetzt ist die weisse Unterseite. Der Baumschläfer ist viel kleiner als seine Verwandten. Sicher erkennt man ihn daran, dass die schwarze Kopfzeichnung nicht bis hinter die Ohren reicht. Die ebenfalls zierliche Haselmaus besitzt eine rotbraune bis orange Färbung des Oberkörpers. Nicht nur die Fähigkeit zum Winterschlaf ist eine Besonderheit der Schlafmäuse. Die meist nachtaktiven Bilche, wie sie auch genannt werden, sind sehr gute Kletterer und Springer. Sie besitzen an den Fusssohlen und Haftzehen saugnapfartige Ausbildungen. Da die Hinterfüsse im Knöchel drehSiebenschläfer, Gartenschläfer, Baumschläfer und Haselmaus (von oben nach unten). (Zeichnung: Bündner Naturmuseum/Konrad Kunz)

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bar sind, können sie auch gut mit dem Kopf nach unten klettern. Die Schläfer sind Bewohner von Wäldern und Hecken. Der Siebenschläfer klettert bis hinauf in die Baumkronen. Im niederen Gebüsch finde man die Haselmaus. Am häufigsten auf den Boden hinunter kommt der Gartenschläfer. In allen Etagen des Waldes lebt der Baumschläfer. Schlafmäuse besitzen im Gegensatz zu anderen Nagetieren keine Blinddärme, in denen sie mithilfe von Bakterien die zellulosereiche Nahrung aufschliessen könnten. Daher sind sie auf leicht verdauliche Nahrung, die eiweiss-, fett- und kohlehydratreich ist, angewiesen. Besonders der Garten- und der Baumschläfer nehmen gerne auch tierische Nahrung zu sich. Für die Schläfer ist das Nahrungsangebot im Winter besonders gering. Der Winterschlaf ist das geeignete Verhalten, um diesen Engpass zu überbrücken. Im späten Sommer und frühen Herbst fressen sich die Schläfer die Fettreserven an. Besonders die älteren Tiere sind dann kugelrund. Haselmäuse zum Beispiel werden 30 bis 40 Gramm schwer. Das ist das Doppelte ihres Sommergewichts. Während der Speiseplan der Schläfer im Sommer sehr vielfältig ist, spielen im Herbst die ölhaltigen Samen

der Waldbäume eine immer grössere Rolle. Besonders in sogenannten Mastjahren sind Bucheckern und Haselnüsse eine wichtige Quelle zum Aufbau der Fettdepots. In Graubünden kommen Haselmäuse allerdings auch an vielen Standorten vor, an denen die Hasel fehlt oder nur selten Nüsse bildet. Gegen Ende September werden die Schlafmäuse lethargisch, d. h., sie fallen auch bei leichter Unterkühlung in eine vorübergehende Starre, die sich leicht wieder löst, wenn die Tiere die Gelegenheit erhalten sich aufzuwärmen. Ich konnte diese Erfahrung in den letzten Jahren beim Lebendfang von Kleinsäugern für die «Rote Liste der Säugetiere der Schweiz» machen. Auslöser für den Beginn des Winterschlafs ist offenbar die Temperatur. Die Winterschlafquartiere befinden sich in frostfreien Bodenschichten, also in Tiefen von 50 bis 100 cm. Schlafmäuse sind zum Graben fähig, doch graben sie sich wohl nur in seltenen Fällen bis in eine grössere Tiefe ein. Vielmehr suchen sie Spalten und Ritzen im Gelände auf und ergänzen diese. Aus den Karstgebieten an der Adriaküste sind Überwinterungsplätze bekannt, wo sich Dutzende von Siebenschläfern zum Winterschlaf einfinden. Die Überwinterung kann allerdings auch einzeln erfolgen.

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Typisch für die Schlafmäuse ist dann die «Kugelhaltung». Der Körper ist «eingerollt» und der Schwanz wird über den Bauch und den Kopf gehalten. In diesem Stadium wird die Körpertemperatur auf wenige Grade Celsius über null gesenkt. Alle Sinnes-, Stoffabläufe und natürlich auch die Bewegungsaktivität sind extrem reduziert. So wird viel Energie gespart. Ein Schutzmechanismus bewahrt die Schlafmäuse vor dem Erfrieren, indem bei tiefen Temperaturen der Kreislauf wieder aktiviert wird. Trotzdem ist die Winterschlafperiode eine kritische Zeit. Viele Tiere, die nur ungenügende Fettreserven aufgebaut haben, gehen ein. Der Siebenschläfer schläft in der Regel tatsächlich sieben Monate und manchmal sogar länger. Wenn die Schlafmäuse aufwachen, müssen sie extrem viel fressen, um den Gewichtsverlust von 40 bis 50 Prozent wieder auszugleichen. Dann ist beim Siebenschläfer der Anteil an tierischer Nahrung mit etwa 60 Prozent erstaunlich hoch. Der Winterschlaf ist eine hervorragende Strategie, um den Nahrungsengpass während der Winterzeit zu überbrücken. Im südlichen

Europa macht der Gartenschläfer keinen Winterschlaf, sondern fällt im Sommer in eine Starre, um so in der Zeit der grossen Hitze und Nahrungsknappheit Energie zu sparen. Auch die Haselmaus und der Siebenschläfer zeigen ein ähnliches Verhalten. Die Schlafmäuse sind insgesamt eine erfolgreiche Tiergruppe, mit sehr grossen Verbreitungsgebieten in Europa. Der Gartenschläfer kommt zusätzlich sogar in Westafrika, der Baumschläfer in Asien und der Siebenschläfer in Kleinasien und Palästina vor. Trotz dieser weiten Verbreitung sind auch die Schlafmäuse lokal bedroht. Die Aufsplitterung von zusammenhängenden Waldgebieten und damit die Verinselung ihrer Lebensräume stellt für die Schlafmäuse eine zunehmende Gefahr dar.

Dr. Jürg Paul Müller Quaderstrasse 7, CH-7000 Chur juerg.paul@jp-mueller.ch

Schläferbeobachtungen bitte melden Haben Sie eine der Schläferarten, besonders den Baumschläfer oder die Haselmaus, beobachtet oder tot aufgefunden? Dann machen Sie doch bitte eine Meldung, am besten mit Foto und Angaben über Ort und Datum an mich (juerg.paul@jp-mueller.ch) oder telefonieren Sie mir (078 639 16 48). Die Meldung wird für die Ergänzung der ­­Verbreitungskarten der Schläfer der Schweiz verwendet sowie für eine Publikation über die Schlafmäuse Graubündens. Ganz herzlichen Dank zum Voraus! Jürg Paul Müller (www.jp-mueller.ch).

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Igel im Winter Zugvögel lösen das Problem, indem sie in wärmere Gebiete ziehen. Igeln ist diese Möglichkeit verwehrt. Sie machen einen Winterschlaf.

Igel im Laub  (Bild: Pro Igel)

Für alle Wildtiere ist der Winter eine schreckliche Zeit, auch für die Igel. Der Winterschlaf ist weder kuschelig noch erholsam und die Überlebenden starten komplett abgemagert mit einem schlotternden Stachelkleid in den Frühling. Für Tiere, die hauptsächlich Insekten fressen, wird im Spätherbst die Nahrung knapp. Von den wechselwarmen Beute­tieren sind dann keine mehr unterwegs. Entweder sind sie gestorben oder sie über­dauern die kalte Jahreszeit gut verborgen in einem frostsicheren Unterschlupf. Insektenfressende

Genügend Speck ist überlebenswichtig Ausgelöst wird der Winterschlaf durch verschiedene Faktoren: Der herbstliche Nahrungsengpass, die abnehmende Tageslänge und die sinkenden Temperaturen spielen ebenso eine Rolle wie hormonelle Einflü se. Die Igel verlassen ihr Nest nun immer seltener, bis sie nach einigen Tagen bis Wochen die eigentliche Winterschlafphase beginnen. Dabei wird die Körpertemperatur von 35 °C auf 1 bis 5 °C gesenkt und der Herzschlag verlangsamt sich drastisch: Im Sommer schlägt das Igelherz bei wachen Tieren 200- bis 280-mal, bei schlafenden 150-mal pro Minute, im Winter beschränkt es sich auf minütlich zwei bis zwölf Schläge. Die Atemfrequenz vermindert sich von 50 auf 13 Atemzüge pro Minute, dazwischen kann es gar «Atempausen» von einer Stunde geben. Der Energieverbrauch wird durch all diese Massnahmen auf einen Bruchteil reduziert. Ganz ohne geht es aber nicht: Je nach Körpergrösse verliert der schlafende Igel täglich ein bis zwei Gramm an Gewicht. Bis zum Frühling summiert sich der Verlust auf 20 bis 40 Prozent des Körpergewichts zu Beginn des Winterschlafs. Im Spätsommer und im Herbst futtern die Stacheltiere denn auch was das Zeug hält, um sich einen dicken Speckgürtel zuzulegen. Das weisse Fett, das unter der Haut eingelagert wird, bildet die Energiereserve für den normalen Sparbetrieb im Winter. Daneben speichern die Igel in zwei Lappen an den Schultern auch noch braunes Fett. Diese Energiequelle ist typisch für Winterschläfer. Braunes Fett kann bei Bedarf rasch in Wär-

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me umgewandelt werden. Es wird insbesondere für den Aufwachvorgang benötigt. Kein durchgehender Schlaf Auch wenn ein Igel in seiner Starre wie tot erscheint, bleiben seine Alarmsensoren doch eingeschaltet: Auf Störung reagieren die Tiere empfindlich, unter Umständen erwachen sie. Innert etwa drei Stunden erreichen sie dann die normale Körpertemperatur. Dieser Vorgang ist überaus energiezehrend, allzu oft kann sich der Winterschläfer einen solchen nicht leisten. Zumal er auch ohne Störung hin und wieder aufwacht – vermutlich, damit all seine Organe wieder einmal normal funktionieren können. Bei diesem Aufwachen lässt sich der Igel aber mehr Zeit. Meist bleibt er dabei stark zitternd im Nest, doch gelegentlich tritt er auch mitten im Winter ins Freie. Nach einigen Stunden bis Tagen versinkt er dann wieder in den Tiefschlaf. Ein solides Nest als Lebensversicherung Für einen ungestörten Winterschlaf braucht der Igel ein gut gepolstertes Nest. Die Temperatur darf nie unter den Gefrierpunkt sinken, selbst wenn es draussen bitterkalt ist. Die Nester von erfahrenen Tieren sind denn auch sehr solide gebaut. Sie halten viel länger als die erforderlichen fünf bis sechs Monate. Errichtet werden die Nester an geschützten Orten, zum Beispiel unter Sträuchern, in Hecken, im Brombeergestrüpp, unter Laub-, Holz- oder Heuhafen, oder auch in einem Schuppen oder Gartenhäuschen. Geeignete Nestplätze sind eine Grundvor­ aussetzung für einen igeltauglichen Lebensraum – ebenso wichtig wie ein ausreichendes Nahrungsangebot. Als Nestmaterial dienen Laub, Äste, Zweige und Grasbüschel. Ist der Haufen genügend

gross, kriecht der Igel hinein und dreht sich mehrmals um seine eigene Achse. Aussen bieten die Äste Widerstand, im Innern des Nests werden die Laubblätter eng aneinandergepresst. Dabei entsteht ein kompaktes Gebilde von etwa 30 bis 60 cm Durchmesser. Natürliche Selektion Der einheimische Igel hat eine hohe Reproduktionsrate, ein Igelweibchen kann jedes Jahr ein gutes Dutzend Igelchen grossziehen. Das ist auch nötig, denn schätzungsweise die Hälfte aller Jungtiere überlebt den ersten Winter nicht. Der Winterschlaf ist eine Prüfung im Sinne von Darwins Evolutionslehre: Nur die Stärksten überleben. Und zu denen gehören die kleinen Igel entwicklungsgeschichtlich sowieso. Sie sind eine der ältesten noch lebenden Säugetierarten. Sie waren schon zur Zeit der Auffaltung der Alpen unterwegs und haben sich nach der letzten Eiszeit wieder hier angesiedelt. Man kann davon ausgehen, dass sie auch uns Menschen überleben werden, möglicherweise aber nicht bei uns. Neue Gefahren Noch vor sechzig Jahren besiedelten Igel das ganze kleinräumig strukturierte Mittelland mit seinen vielen Hecken und Sträuchern, dann wurden sie durch die industrialisierte Landwirtschaft verdrängt. Heute gibt es sie nur noch in unseren Siedlungen. Und auch hier wird es langsam eng, ordnungsliebende Gartenbesitzer verwandeln ihre Grünflächen zunehmend in biologische Wüsten. Ausgerüstet mit Pestiziden und lärmigen Geräten wird auch der letzte Wildwuchs ausgerottet und das letzte Laubblättchen eingesogen. Reinrassige Rasenfl chen, eingefasst von Thujahecken und sauber getrimmten Sträuchern, sind für die Igel komplett wertlos. Bündner Wald 1 /2015 27

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Leeres Igelnest  (Bild: Dieter Kummer)

Was können wir tun, damit dieses urtümliche Wildtier sich auch weiterhin in unseren Vorgärten wohlfühlt? Mit ein bisschen Fantasie und den richtigen Informationen lässt sich eine lebensfreundliche Umgebung einrichten, in der sich neben Igeln auch bunte Schmetterlinge, Blindschleichen und sogar Eichhörnchen wohlfühlen. Vielfalt statt Einfalt Ein Garten mit akkurat gestutzten Sträuchern und Hecken und einem perfekten Rasen war vor dreihundert Jahren sensa­ tionell, ein Triumph des menschlichen Geistes über die chaotische Natur und Ausdruck von Macht und Reichtum. Heute hat das jeder – und es ist langweilig. Für ein bisschen Abwechslung genügt es schon, wenn der Rasen durch ein Stück Blumenwiese ergänzt wird. Es ist auch nichts gegen gradlinige Schnitthecken einzuwenden, solange sich dazwischen frei wachsende Hecken breitmachen dürfen. Lässt man unter einem Teil der Hecken und Sträuchern das Dickicht stehen, finden viele Kleintiere Unterschlupf und Schutz. Je mehr verschiedene Pflanzen und Strukturen ein Garten aufweist, desto wertvoller wird er für Wildtiere.

Verstand statt Chemie Grundlage eines Biotops ist eine funktionierende Lebensgemeinschaft mit vielen Kleinstlebewesen, die als Nahrung für die höher entwickelten Tiere dienen. Viele Vogel- und Reptilienarten, aber auch die beliebten Igel würden ohne Insekten, Würmer und Schnecken aussterben. Schädlingsbekämpfungsmittel vergiften die Nahrung unserer einheimischen Tierwelt. Sie schaffen zudem ein biologisches Ungleichgewicht, das den weiteren Einsatz von Pestiziden nach sich zieht. Mit der richtigen Kombination verschiedener Pflanzen kann man den Garten vor Schädlingen schützen und auf den Einsatz von Chemikalien verzichten. Viele nützliche Tipps und Anregungen zu diesem Thema finden Sie bei Bioterra. Asthaufen statt Häckseldienst Bei der Gartenpflege fällt eine Menge organischer Abfall in Form von Strauch-, Hecken- und Rasenschnitt an. Für einen gesunden Nährstoffkreislauf sollte er eigentlich an Ort und Stelle belassen werden, aus ästhetischen Gründen ist das leider keine Option. Jeder Garten hat aber eine Ecke, die wenig genutzt wird und schlecht einsehbar ist. Das ist ein idealer Platz für Ast- und Laubhaufen und für den Rasenschnitt. In diesen Haufen finden unzählige Lebewesen eine Heimat, sie bieten Schutz und Nahrung auch für Igel. Weissdorn statt Thuja Exotische Pflanzen wie Forsythie oder Thuja sind für hiesige Lebewesen nutzlos oder gar giftig. Unsere einheimischen Pflanzen und Tiere haben in ihrer langen Koexistenz enge Beziehungen entwickelt und sind aufeinander angewiesen. So ernährt der einheimische Wacholder 43 Vogelarten, der beliebte

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Chinesische Wacholder gerade mal eine Vogelart. Man darf auch nicht die vielen Insekten und Raupen vergessen, die sich auf heimisches Gewächs spezialisiert haben und enorm wichtig sind für eine funktionierende Nahrungspyramide. Einheimische Sträucher sind ebenso bunt wie die Exoten, dabei viel robuster, weil sie an das Klima gewöhnt und erst noch sehr günstig zu kaufen sind. Sie behalten ihren ökologischen Wert auch in Kombination mit prestigeträchtigen Wunderblumen aus Fernost, sie sind ein Muss für jeden lebensfreundlichen Garten.

Nächtliche Strassen wirken unbelebt und verleiten zu überhöhten Geschwindigkeiten. Dabei geht vergessen, dass genau in diesen ruhigen Nachtstunden die heimlichen Bewohner unserer Siedlungen aktiv sind. Igel, Kröten und Co. sind auf Futtersuche oder Freiersfüssen – und müssen Nacht für Nacht unzählige Strassen überqueren. Sportliche Igelmännchen bringen es im Schnitt auf elf Strassenquerungen pro Nacht. Eine angepasste, vorsichtige Fahrweise verhindert viel Elend und bringt mehr Nachtruhe für die Anwohner.

Kleine Details mit grosser Wirkung Achten Sie bei Zäunen auf Durchschlupfmöglichkeiten auf den strassenabgewand­ ten Seiten des Gartens. Für gesunde Wildtierpopulationen ist der genetische Austausch enorm wichtig. Ähnlich wie das Strassennetz sollte es in unseren Siedlungsräumen ein Netz aus naturbelassenen Grünflächen geben, wo die Tiere gefahrlos auf Futter- und Partnersuche gehen können. Lassen Sie im Herbst möglichst viel Laub liegen. Unter dem Laub finden viele Insekten, Larven und Spinnen ein geschütztes Quartier und können so den Winter überstehen. Für insektenfressende Vögel – und vor allem für Igel – ist das eine überlebenswichtige Vorratskammer. Je weniger Fadenmäher und Motorsensen im Einsatz sind, desto besser für die Artenvielfalt. Mit diesen Geräten kann man an den unzugänglichsten Orten im Dickicht herumfuhrwerken und zerstört so die letzten Rückzugsmöglichkeiten und Schlupfwinkel unserer bodenlebenden Wildtiere.

Hilfsbedürftige Igel Ein Igel braucht Hilfe, wenn er verletzt ist, sich nicht einkugelt oder geschwächt wirkt. Igel sind gesetzlich geschützte Wildtiere, die nur nach Anweisung einer Fachperson in Obhut genommen werden dürfen. Für Notfälle haben wir eine kostenlose 24-StundenHotline eingerichtet: 079  652  92 42. Auf unserer Homepage www.pro-igel.ch finde Sie eine Liste mit den wichtigsten Igelstationen in der Schweiz. Ganz wichtig: Niemals Igel irgendwohin in «Sicherheit» bringen – auch wenn Sie ihn auf einer Strassenkreuzung antreffen. Kurz den Verkehr anhalten reicht auch. Es gibt keine ungefährlichen Orte mehr für Igel, überall hat es Strassen. Weil Igel unglaublich reviertreu sind, ist die Überlebenswahrscheinlichkeit an einem unbekannten Ort gleich null. Das gilt erst recht für den Wald: Igel haben in ihrer langen Geschichte noch nie im Wald gelebt.

Todesfalle Strassenquerung Neben den Gartenbesitzern sind es die Automobilisten, die einen wichtigen Beitrag zum Überleben der Igel leisten können.

Bernhard Bader pro Igel Kirchgasse 16, CH-8332 Russikon bernhard.bader@pro-igel.ch

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Fledermäuse im Winter Der Grund ist schnell genannt: Fledermäuse halten ähnlich wie Murmeltiere einen Winterschlaf.

Der Grosse Abendsegler ist ein typischer Baumhöhlenbewohner, der hier auch häufig seinen Winterschlaf verbringt. (Bild: www.fledermausschutz.ch)

Fledermäuse halten im Winterhalbjahr einen Winterschlaf. In unseren Breiten ist dieser für Fledermäuse eine dringende Notwendigkeit: Der Winter ist hierzulande nämlich zu kalt, als dass nachts Insekten fliegen würden, und unsere nächtlichen Flatterer würden wegen dieser Nahrungsknappheit wohl elendiglich verhungern. Im Winterschlaf aber sparen sie äusserst effi­zient Energie. Doch sie sind dabei auch Gefahren ausgesetzt. Im Sommerhalbjahr können wir Fledermäuse in der Dämmerung oder im Lichtschein von Strassenlampen beobachten, wie sie in wendigem Zickzackflug nach Beute jagen. Doch von November bis März scheinen sie von der Bildfläche verschwunden zu sein.

Schlafend Energie sparen In unseren Breiten ist der Winterschlaf für Fledermäuse eine dringende Notwendigkeit: Der Winter ist hierzulande nämlich zu kalt, als dass nachts Insekten fliegen würden. Unsere nächtlichen Flatterer würden wegen dieser Nahrungsknappheit wohl elendiglich verhungern. Im Winterschlaf aber sparen sie Energie. Fledermausforschende haben herausgefunden, dass Fledermäuse in einer Stunde Wachzeit gleich viel Energie verbrauchen wie in erstaunlichen elf Tagen im Winterschlafzustand. Der Winterschlaf ist also eine äusserst effiziente Strategie, um Nahrungsengpässe zu umgehen. Fledermäuse bereiten sich auf ihren Winterschlaf vor. Im Herbst, wenn die Nächte kühler werden, fressen sie sich ein Fettpolster an. Einige Arten wie der Grosse Abendsegler (Nyctalus noctula), der Kleine Abendsegler (Nyctalus leisleri) oder die Rauhautflede maus (Pipistrellus nathusii) unternehmen Wanderflüge aus Nordosteuropa in klimatisch gemässigtere Gebiete mit kürzeren und milderen Wintern wie z. B. der Schweiz. Die Mehrheit der einheimischen Arten verbringt den Winterschlaf jedoch in der näheren Umgebung ihrer Sommerverstecke. Auslöser für den Winterschlaf ist in der Regel der Eintritt einer Kälteperiode. So konnten z. B. im überdurchschnittlich warmen November 2014 noch gegen Monatsende regelmässig Fledermäuse auf der Jagd beobachtet werden, währenddem 2012 ein früher Kälteeinbruch die Fledermäuse bereits Mitte Oktober zum Eintritt in den Winterschlaf veranlasste. Für den Winterschlaf suchen sich die Fledermäuse einen geeigneten Unterschlupf.

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Faktenblatt Fledermäuse Fledermäuse bevölkern seit mehr als 50 Millionen Jahren unsere Erde. Rund 1500 Fledermausarten gibt es weltweit, 30 sind es in der Schweiz und 26 davon wurden in Graubünden festgestellt. Fledermäuse sind bedroht und daher bundesrechtlich geschützt. Sie haben meist nur ein Jungtier pro Jahr, können dafür aber über 30 Jahre alt werden. Sie fressen jede Nacht bis die Hälfte des eigenen Körpergewichts an Insekten und vertilgen so schweizweit jedes Jahr viele Tonnen an Insekten. Fast jede einheimische Art ist in der einen oder anderen Form auf den Lebensraum Wald angewiesen. Er bietet Insektennahrung und somit Jagdlebensräume, Verstecke in Baumhöhlen und verbindet Landschaftselemente miteinander, was die Erreichbarkeit verschiedener Lebensraumtypen gewährleistet.

Manchmal sind das Felsspalten oder Felshöhlen, oft aber auch Baumhöhlen, spezielle Fledermaus-Winterschlafkästen oder Rollladenkästen. Die Rauhautfledermau z. B. überwintert häufig in Scheiterbeigen. Grosse Abendsegler und Kleine Abendsegler Die Rauhautfledermaus überwintert häufig in Scheiterbeigen. (Bild: www.fledermausschutz.ch)

hingegen nutzen für den Winterschlaf oft Baumhöhlen, Fledermauskästen oder Rollladenkästen. In fledermaustypischer Manier hängen sie sich hier kopfüber mit den Zehen der Hinterfüsse fest. Erstaunlicherweise verbraucht das Hängen keine Energie, denn Sehne und Sehnenscheide der Zehengliedern haken nach dem Reissverschlussprinzip fest ineinander, sodass sie sich nur mit Kraftaufwand wieder lösen können – manch ein Sportkletterer dürfte ob dieses genialen Mechanismus neidisch werden. Nur wenige Winterschlafquartiere bekannt Die Energieersparnis im Winterschlaf ist umso grösser, je tiefer die eigene Körpertemperatur liegt. Fledermäuse suchen sich daher für den Winterschlaf einen kühlen Ort aus. Dieser soll aber nicht gefrieren, denn sonst wachen die Tiere notfallmässig auf und müssen sich so schnell wie möglich ein neues, frostsicheres Versteck suchen. In der Schweiz kennen wir vergleichsweise wenige Winterschlafquartiere. Grund dafür mag einerseits sein, dass die Schweiz mit Höhlen durchlöchert ist wie ein guter Bündner Bergkäse und sie sich entsprechend weit Bündner Wald 1 /2015 31

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verteilen – oder aber wir haben die Hotspots noch nicht gefunden. Aus Graubünden kennen wir ein gutes Dutzend Nachweise mit einzelnen Fledermäusen aus natürlichen und künstlichen Höhlen und Baumhöhlen. In einzelnen Höhlen und alten Erzminen wurden bisher lediglich wenige Einzeltiere der Grossen Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum), der Kleinen Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros), der Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) und des Langohrs (Plecotus sp.) im Winter nachgewiesen. In drei im Winter gefällten Bäumen kamen Gruppen von winterschlafenden Grossen Abendseglern und von Kleinen Abendseglern zum Vorschein. In Holzbeigen überwinternde Rauhautfl ANZEIGE

An dieser alten Buche sind zwei Baumhöhlenlöcher erkennbar. Beide werden regelmässig von Abendseglern genutzt. (Bild: Wolf-Dieter Burkhard)

dermäuse werden hingegen regelmässig aufgefunden. In der restlichen Schweiz ist die Datengrundlage kaum besser. Aus dem Ausland sind hingegen grosse Winterschlafquartiere mit mehreren Zehntausend überwinternden Fledermäusen bekannt. Fatal können sich im Winterschlaf menschliche Störungen auswirken: Werden winterschlafende Fledermäuse z. B. in einer Höhle mehrmals durch Besucher gestört, wachen sie jedes Mal auf, was viel Energie kostet. Diesen Energieverlust können sie nicht ersetzen, da es keine Nahrung gibt. Im schlimmsten Fall verhungern sie elendiglich. Diejenigen Fledermausarten, welche in Baumhöhlen überwintern, sind am ehesten durch die winterlichen Holzfällaktionen 32

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gefährdet. Besonders heikel ist der Einsatz von Vollerntern, denn hierbei wird oft nicht bemerkt, dass Fledermäuse «mitgeerntet» wurden. Kommen aber beim Fällen Fledermäuse zum Vorschein, ist rasches und korrektes Handeln angesagt. Das Fledermausschutz-Nottelefon 079  330  60  60 hilft 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag weiter. Weniger als ein Dutzend Herzschläge pro Minute Der Einschlafvorgang in den Winterschlaf dauert in der Regel ein bis zwei Stunden. Physiologisch folgt im Winterschlaf die Körpertemperatur einer Fledermaus streng der Umgebungstemperatur. Sie ist also kalt und klamm – und nahezu wehrlos. An feuchten Orten wie Höhlen können Tautropfen den ganzen Körper überziehen. Der Herzschlag kann von mehreren Hundert Herzschlägen pro Minute im Wachzustand auf weniger als ein Dutzend gesenkt werden. Der Sauerstoffverbrauch sinkt um den Faktor 100 und der Blutzuckerspiegel beträgt noch rund einen Fünftel des Wachzustandes. Nebst Fettgewebe reduziert sich das Gewicht der Bauchspeicheldrüse um rund 30 Prozent, aber auch Knochengewebe und Muskulatur können abgebaut werden. Sobald die Temperaturen im Frühling wärmer werden und infolgedessen auch wieder genügend Insekten vorhanden sind, erwachen die Fledermäuse aus ihrem Dornröschenschlaf, um ihre Fettreserven aufzufüllen. Der Aufwachvorgang dauert meist weniger als eine Stunde. Der Abbau von braunem Fettgewebe, das zwischen den Schulterblättern eingelagert ist, ermöglicht das relativ schnelle Aufwärmen auf Betriebs­temperatur. Im April erwachen auch die letzten Fledermäuse aus dem Winterschlaf, und spätestens jetzt können wir uns

Herzschlagfrequenzen in Abhängigkeit ihrer Aktivität. Verändert nach Neuweiler (1993) (Quelle: zVg.)

wieder an ihren akrobatischen Flugkünsten erfreuen. Literatur Neuweiler, G. (1993 ): «Biologie der Fledermäuse». Stuttgart, New York: Georg Thieme Verlag. Müller, J.  P. et al. ( 2010 ): «Die Säugetiere Graubündens – eine Übersicht». Hrsg.: Stiftung Sammlung Bündner Naturmuseum. Chur: Verlag Desertina. Miriam Lutz Mühlethaler Kantonale FledermausschutzBeauftragte Graubünden CH-7403 Rhäzüns muschnas@bluewin.ch

Hubert Krättli Wissenschaftliche Leitung Koordinationsstelle Ost für Fledermausschutz CH-8044 Zürich hubert.kraettli@zoo.ch Bündner Wald 1 /2015 33

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Wie überwintern Bienen und Wespen?

Nest mit mehreren Zellen der Mauerbiene (Osmia cornuta). (Alle Bilder: Felix Amiet)

Für wechselwarme Tiere, zu denen auch die Bienen und Wespen gehören, ist das Überwintern ein mehrfaches Problem. Einerseits werden sie mit zunehmender Kälte starr und können sich nicht mehr fortbewegen. Zu tiefe Temperaturen führen zum Erfrierungs­tod. Auch Nahrungsmangel kann den Tod verursachen. Trotzdem haben wechselwarme Tiere gegenüber warmblütigen Tieren einen Vorteil. Bei letzteren wird ein grosser Teil der Nahrung für die Aufrecht­erhaltung der Körpertemperatur Mauerbiene (Osmia cornuta) am Nesteingang.

verbraucht. Daher werden bei Nahrungsmangel die Körperfette schnell aufgebraucht. Anders bei wechselwarmen Tieren, die in der Ruhe den Körper nicht erwärmen und daher länger hungern können. Jedoch haben sie keine Möglichkeit, in der kalten Zeit Nahrungsquellen aufzusuchen oder bei Gefahr zu flüchten. Doch auch wechselwarme Tiere können ihre Körpertemperatur manchmal beeinflussen. Durch Aufsuchen von besonnten Stellen oder durch Muskelbewegung können sie sich aufwärmen. Das geht aber mit einer Abnahme der Körperfette einher und ist nur sinnvoll, wenn dafür wieder Nahrung aufgenommen werden kann, was aber im Winter für die meisten Arten nicht möglich ist. Im Lebenszyklus der Bienen und Wespen gibt es vier unterschiedliche Abschnitte: Ei, Larve, Puppe und ausgewachsenes Insekt (Imago). Je nach Art findet die Überwinterung in einem dieser Stadien statt. Im Folgenden wird nur über einheimische Bienen und Wespen geschrieben. In den Tropen und Subtropen mit anderem Klima gibt es andere Probleme. Einige Bienen- und Wespenarten sind so­ zial. Bei diesen Arten gibt es zwei Überwinterungsformen: Einerseits die Honigbienen mit einem mehrjährigen Volk und andererseits die Hummeln und die gelbschwarzen

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sozialen Wespen, bei denen ein Volk nur vom Frühling bis zum Herbst existiert. Die Honigbienen bauen ihr Nest in einem Hohlraum. Das kann eine Felshöhle, ein Spechtloch oder ein ausgefaulter Baum sein. Dieser Hohlraum bietet Schutz vor Feinden und Abkühlung. Durch die Bewegungen der 20 000 bis 35 000 Tiere wird Wärme erzeugt, sodass im Nest im Sommerhalbjahr eine ständige Temperatur von 35 °C aufrechterhalten wird. An heissen Tagen muss durch Verdunstung von Wasser sogar gekühlt werden. Auch bei schlechtem Wetter, wo keine Nahrung eingebracht werden kann, muss die Stocktemperatur gleichwohl aufrechterhalten werden und müssen die Larven gefüttert werden. Damit das möglich ist, brauchen die Tiere Honigvorräte. Aber auch im Winterhalbjahr, wo keine Brut nachgezogen wird, sind diese Vorräte wichtig fürs Überleben. Um möglichst wenig Nahrung zu verbrauchen, wird jetzt die Aktivität auf ein Minimum reduziert. Die Tiere sitzen eng in einem Klumpen zusammen und die Stocktemperatur wird auf etwa 20 °C herabgesetzt. Tiere, die aussen sitzen und stärker abkühlen, drängen sich zum Aufwärmen ins Zentrum des Volkes. Gibt es zu wenig Vorräte, verhungert oder erfriert das Volk. Eine andere Strategie haben die Arten, bei denen nur im Sommerhalbjahr ein Volk existiert. Im Spätsommer stirbt das ganze Volk ab – mit Ausnahme einiger junger zukünftiger Königinnen. Diese verkriechen sich in Erdhöhlen, wo sie überwintern. Durch Bewegungslosigkeit und Herabsetzen der Atmung wird der Verbrauch von Körperfett auf ein Minimum gedrosselt, sodass dieser für ein halbes Jahr ausreicht. Gegen die Kälte wird der Wasserhaushalt verringert und es werden Glyzerin-ähnliche Stoffe gebildet. Damit wird der Gefrierpunkt so weit herab-

Holzbiene (Xylocoa violacea) im Anflug zum Nest.

gesetzt, dass bei einem guten Versteck im Winter dieser nicht erreicht wird. Die jungen Königinnen müssen im Frühling allein für ein Nest und für Nachkommen sorgen. Erst wenn letztere geschlüpft sind, kann die Königin die Pflege der Larven und die Nahrungsbeschaffung an diese abgeben. Die meisten Arten der Bienen und Wespen leben jedoch als unabhängige Einzeltiere. Bei diesen kann die Überwinterung je nach Art als Larve, Puppe oder Imago geschehen. Auch hier muss die Körperflüssigkeit mit Frostschutz versehen sein, damit die Überwinterung gelingt. Viele Arten nisten und überwintern in alten Frassgängen im Totholz oder in abgestorbenen markhaltigen Pflanzenstängeln. Holzbienen (Xylocopa) und Vertreter der Gattung Ceratina schlüpfen in der Zeit vom Sommer bis Herbst. Ihr Winterquartier ist ein hohler Pflanzenstä gel oder ein ausgenagter Gang im Altholz. Bei den meisten Arten geschieht die Überwinterung als ausgewachsene Larve. Bei Bündner Wald 1 /2015 35

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Die Keulhornbiene (Ceratina cyanea) überwintert in der Gruppe.

diesen Arten baut ein Weibchen ein Nest und versorgt eine Brutzelle mit einem Ei und mit Nahrungsvorrat. Bei Bienen ist der Vorrat ein Gemisch aus Pollen und Nektar, bei Wespen besteht er aus Raupen, Spinnen ANZEIGE

oder ausgewachsenen Insekten. Anschliessend wird die Brutzelle verschlossen. Wenn der Gang genug lang ist, werden weitere Zellen angelegt. Die ausgeschlüpften Larven fressen den Vorrat auf und spinnen anschliessend einen Kokon, in dem sie nun monatelang ausharren. Bei Arten, die bereits im frühen Frühling tätig sind, finde Verpuppung und Schlupf bereits im Herbst statt. Doch die Tiere bleiben bis zum Frühling im Kokon. Arten, die später im Jahr ausfliegen, verpuppen sich erst drei bis vier Wochen vor dem Ausflug Alle Strategien zum Überwintern sind nutzlos, wenn wir Menschen weiterhin jeden überalternden Baum und alle Sträucher beseitigen und die Felder mit Gift zu Monokulturen ohne Blumen umwandeln. Die meisten Wälder des Mittellandes und die Felder und Wiesen sind heute leider viel zu intensiv gepflegt. Der Ertrag hat sich verbessert, aber die Vielfalt unserer Natur ist dadurch bereits zu einem grossen Teil verschwunden! Dr. h.c. Felix Amiet

Handholzerkurs in Trin GR 12. - 18. April 2015 www.bergwaldprojekt.org

Forststrasse 7, CH-4500 Solothurn felix.amiet@bluewin.ch

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Überwinterungsstrategien unserer Falter

Der Engadiner Bär. Seine Raupe frisst zwei, manchmal drei Jahre lang, bis sie erwachsen ist. (Alle Bilder: Jürg Schmid)

Schmetterlinge sind Lebewesen, die in unserer Vorstellung mit Wärme, Sonne und Blumenwiesen verknüpft sind, also typische Sommertiere. Aber auch sie müssen in irgendeiner Form die kalten Monate überleben. Dabei entwickeln sie unterschiedliche, manchmal verblüffende Strategien. Einige Falter allerdings benötigen für ihre Entwicklung sogar Fröste! Lange Entwicklung – kurze Lebensdauer Die farbenfrohen Tagfalter, die von Blume zu Blume fliegen, um Nektar zu saugen, haben, von wenigen Ausnahmen abgesehen, ein nur kurzes Leben: Zwei bis drei Wochen müssen genügen, um einen Partner zu fi den und Eier abzulegen. Unter den Nachtfaltern gibt es viele Arten, die verkümmerte Mundwerkzeuge aufweisen und als Falter keine Nahrung aufnehmen können; die ganze Energie für die Partnersuche, die

Paarung und die Eiablage wird aus Reserven gespiesen, welche die Raupe sich angefressen hat. Dass diese nur für ein sehr kurzes Leben, manchmal nur für wenige Tage ausreichen, leuchtet ein. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass alle Schmetterlinge eine Entwicklung durchmachen, die vom Ei über die Raupe und Puppe bis zum fertigen Falter oft lange, ja manchmal auch sehr lange dauern kann. So gibt es Nachtfalter, zum Beispiel der hochalpine Engadiner Bär, deren Raupen zwei oder sogar drei Jahre lang fressen, bis sie erwachsen sind und sich schliesslich verpuppen. Umgekehrt können einige Tagfalter innerhalb eines Jahres zwei Generationen bilden – erst die Nachkommen der zweiten Generation müssen dann in irgendeinem Stadium überwintern. Für einige Falter sind Temperaturen unter dem Gefrierpunkt für ihr Überleben sogar Bündner Wald 1 /2015 37

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ten Kleinschmetterlingen, meist nachtaktive Falter. Ob Tagfalter, Nachtfalter oder Kleinschmetterlinge, alle müssen irgendwie durch den harten Winter, aber wie?

Eigelege des Alpen-Wollafters, überzogen mit Körperhaaren des Weibchens (hier teilweise entfernt).

absolut notwendig: Die sogenannten Frostspanner beispielsweise schlüpfen erst nach den ersten Herbstfrösten aus der Puppe, und in den Lärchenwäldern der Alpen lebt eine Kleinschmetterlingsart, die typischerweise im Oktober durch die schon golden verfärbten Wälder fliegt, nachdem der erste Frost den Impuls zum Schlupf aus der Puppe gebracht hat. Überwintern, aber wie? In der Schweiz leben über 3700 Schmetterlingsarten, wovon die Tagfalter nur einen sehr kleinen Teil ausmachen. Mehr als die Hälfte der Arten zählt zu den sogenann-

Die Ei-Überwinterer Viele Nachtfalter, aber auch manche Tagfalter, wie zum Beispiel der Apollofalter und viele Bläulingsarten, überwintern im Eistadium. Das Weibchen sucht noch im Sommer für die Eiablage günstige Stellen in der Nähe der späteren Raupennährpflanze und legt dort seine Eier ab. Die Frühlingssonne veranlasst dann das junge Räupchen, aus der Eischale zu kriechen. Der Vorteil dieser Überwinterungsstrategie ist, dass die winzigen Eier während der langen Überwinterungszeit vor Fressfeinden oft gut getarnt und ziemlich gut geschützt sind; zudem profitie en die jungen Raupen von den kräftigen, frischen Frühjahrstrieben ihrer Nährpflanzen Eine ganz besondere Strategie hat sich der Alpen-Wollafter ausgedacht. Das Weibchen legt seinen gesamten Eivorrat als Gelege beispielsweise an ein dünnes Zweigende einer alpinen Weide. Dann überzieht es die Eier mit einem zähen Klebstoff. Daraufhin bewegt es sein stark behaartes Hinterleibsende (Name!) über diesen Klebstoff, an dem die Haare haften und vom Hinterleib gelöst werden. Das Eigelege ist schliesslich mit einem Haarpelz zugedeckt, gut isoliert und schön getarnt bereit für die Überwinterung! Die Raupen-Überwinterer Wenn es darum geht, besonders tiefe Temperaturen auszuhalten, scheint sich das Raupenstadium besonders gut bewährt zu haben. Fast alle hochalpinen Kleinschmetterlinge etwa überwintern so. Man kann im Gebirge manchmal frühmorgens tiefgefrorene Raupen finden, die aufgetaut munter zu fressen beginnen.

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Um wachsen zu können, müssen sich die Raupen häuten; die meisten Arten tun dies vier- bis fünfmal. Bemerkenswert ist, dass es Arten gibt, deren Raupen in einem ganz bestimmten Stadium überwintern müssen, etwa nach der dritten Häutung. Selbst wenn das Wetter noch warm ist, stellen sie in diesem Stadium das Fressen ein und warten auf den Winter. Kommt er nicht – beispielsweise wenn man die Raupe im Zimmer züchtet –, gehen sie nach einiger Zeit ein! In diesem Fall scheint also eine Kälteperiode eine wichtige Funktion in der Entwicklung der Raupe zu haben. Bei anderen Arten wiederum leben die Raupen in günstiger, isolierender Umgebung; sie fressen beispielsweise in den Wurzeln von krautigen Pflanzen oder verbringen ihr gesamtes Leben in den harzreichen Knospen von Nadelbäumen oder unter der Rinde von Laubbäumen, wo sie vor Frost gut geschützt sind. Die Puppen-Überwinterer Falter, die in der Puppe überwintern, haben den Vorteil, dass sie in den ersten warmen Frühlingstagen schlüpfen können und ihre Entwicklung schon früh im Jahr beginnen kann. Der schöne Segelfalter gehört dazu, aber auch sein Verwandter, der Schwalbenschwanz, der durch diese Überwinterungsart imstande ist, zwei, in aussergewöhnlich warmen Jahren sogar drei Faltergenerationen pro Jahr hervorzubringen! Ganz anders macht es der Alpen-Wollafter, ein alpiner Nachtfalter. Seine Raupe lebt gesellig in einem Gespinst. Die Puppe überwintert oft mehrere Jahre lang; erst günstige Frühlingstemperaturen zu einem günstigen Zeitpunkt bedeuten schliesslich das Signal für einen Teil der Falter, aus der Puppe zu schlüpfen; andere Puppen aus der gleichen Raupen­gesellschaft überwintern aber noch

ein- oder zweimal; die daraus schlüpfenden Falter paaren sich dann also mit den Enkeln ihrer Geschwister! Die Falter-Überwinterer Die ganz harten Kerle unter den Schmetterlingen sind jene, die als Falter überwintern. Dazu gehören erstaunlich viele Tagfalter, am berühmtesten ist hier der Zitronenfalter, der in der kalten Jahreszeit an geschützten Örtlichkeiten im Freien in einer Winterstarre überlebt. Seine Lebensfunktionen sind dabei auf ein Minimum gedrosselt. Auf diese Weise kann sein Lebensalter auf viele Monate verlängert werden. Als Falter überwintert auch der Kleine Fuchs in Mauerritzen, in Überwinternde Raupe des Harzgallenwicklers in einer geöffneten Harzgalle an Föhre.

Überwinterndes Ei des Apollofalters.

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Holzstössen oder in Scheunen. In den ersten warmen Frühlingstagen erwacht er wieder zum Leben und fliegt dann oft in höhere, noch schneebedeckte Lagen, wo er von Frühlingsskifahrern mit Erstaunen bemerkt wird. Auch unter den Kleinschmetterlingen gibt es viele Arten aus der Gruppe der Flachleibmotten, deren Weibchen überwintern und erst im Frühling ihre Eier ablegen können. Die Auswanderer Natürlich gibt es auch unter den Schmetterlingen wie bei den Vögeln solche, die mit der kalten Jahreszeit nichts anfangen können: die sogenannten Wanderfalter. Sie fli gen jahrweise in unterschiedlicher Anzahl im Frühling aus Südeuropa oder sogar Afrika über die Alpen zu uns, pflanzen sich hier fort und ihre Nachkommen fliegen im Herbst teilweise wieder gegen Süden zurück. Sie würden einen Winter in unseren Breitengraden normalerweise nicht überle­ben. Ein eindrücklicher Vertreter dieser Gruppe ist der Windenschwärmer, den man an warmen Sommerabenden beobachten kann, wie er mit seinem langen Rüssel Nektar aus den Balkonpflanzen saugt und dabei wie ein Kolibri im Fluge stehen bleibt. Aber auch der Totenkopfschwärmer, dessen grosse Raupe gelegentlich in den Kartoffeläckern auffällt, gehört zu den Wanderfaltern. Gefahren beim Überwintern Alle Stadien der Schmetterlinge, ob Ei, Raupe, Puppe oder Falter, sind während der Überwinterung an einen bestimmten Ort gebunden und praktisch unbeweglich – sie können so ihren Feinden nicht entfliehen Und Feinde gibt es natürlich auch während der Wintermonate zahlreiche: Die Vögel: Gerade in der futterarmen Zeit sind Raupen begehrte Köstlichkeiten für

Meisen und andere insektenfressende Vögel. Man kann im Winter leicht beobachten, wie individuenreiche Meisengruppen systematisch die kahlen Baumstämme und Äste nach Insekten absuchen; Käfer, Fliegen, aber auch überwinternde Raupen in Rindenritzen sind willkommene Beute, ja sogar Eigelege von Nachtfaltern werden gerne gefressen. Die Spechte können mit ihren spitzen und kräftigen Schnäbeln unter der Baumrinde überwinternde Raupen herauspicken, ebenso die in morschen Baumstümpfen lebenden Raupen. Laufkäfer, Ameisen und Spinnen: An warmen Wintertagen erwacht auch das Heer der Raubinsekten und Spinnen, die überwinternde Kleinschmetterlinge, Raupen und Puppen suchen und verzehren. Spitzmäuse und Maulwürfe: Sie sind erfolgreiche Jäger von Erdraupen, das heisst Raupen, die an Graswurzeln wenig unter der Erdoberfläche leben und auch dort überwintern. Die Anzahl Eier, die ein Schmetterlingsweibchen legt, ist von Art zu Art sehr verschieden und reicht von einigen Dutzend bis zu mehreren Hundert. Wenn alle Raupen, die daraus schlüpfen, überleben würden, wäre unsere Welt in wenigen Generationen bald mit Faltern überfüllt. Das bedeutet, dass in Wirklichkeit nur ein sehr kleiner Teil der Raupen überlebt und zu Faltern wird – der grösste Teil dient eben als Nahrung für zahlreiche andere Tierarten. Das mag zwar brutal tönen, dient letztlich aber dem Gleichgewicht in der Natur! Jürg Schmid Poststrasse 3 CH-7130 Ilanz juerg_schmid@bluewin.ch

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Überwinterungsstrategien der Landschnecken Schnecken verbringen den Winter in einem Ruhestadium – zurückgezogen in der Erde oder unter der Laubschicht. Dank physiologischer Akklimatisation an die Kälte können sie auch einige Minusgrade ertragen, solange keine Eiskristalle in der Körperflü sigkeit entstehen. Von den rund 200 verschiedenen Arten von Landschnecken, die in der Schweiz vorkommen, lebt ein grosser Teil im Wald, in der Laubstreu, auf am Boden liegendem Totholz, unter Moospolstern oder auf Felsblöcken. Die meisten Schnecken ernähren sich von abgestorbenem Pflanzenmaterial Falllaub, Algen, Pilzen und Flechten. Durch ihr «Recycling» von pflanzlichem Material tragen sie zur Bodenbildung bei. Sie helfen mit, die in der Streuschicht gebundenen Nährstoffe so aufzubereiten, dass die Pflanzen sie wieder über die Wurzeln aufnehmen können. Schnecken spielen also eine bedeutende Rolle im Stoffkreislauf der Natur. Viele Schnecken werden aber kaum wahrgenommen, weil sie ein Gehäuse von wenigen Millimetern Grösse haben. Leben ist nur innerhalb eines bestimmten Temperaturbereichs möglich. Die obere Temperaturgrenze wird dadurch bestimmt, dass Eiweisse bei einer gewissen hohen Temperatur die für ihre jeweilige Funk­tion charakteristische Struktur verlieren und schliesslich gerinnen. Die untere Grenze, zumindest aktiven Lebens, wird durch die Temperatur festgelegt, bei der die wässrige Lösung in den Zellen gefriert. Landschnecken sind wechselwarm und wie die allermeisten wirbellosen Tiere, Fische, Amphibien und Reptilien nicht in der Lage, ihre Körpertemperatur gegenüber der Umgebungstemperatur zu verändern. In Lebensräumen mit wechselnden Temperaturen, beispielsweise mit ausgeprägten Unterschieden zwischen Tag und Nacht und zwischen Sommer und Winter,

Durch Akklimatisation im Herbst kann die Gefleckte Schnirkelschnecke (Arianta arbustorum) einige Minusgrade ertragen, ohne dass ihre Körperflüssigkeit gefriert. (Alle Bilder: Bruno Baur)

sind die Schnecken gefordert, die für ihre Aktivität optimale Temperatur auszunutzen sowie durch eine geeignete Auswahl der Schlaf-, Ruhe- und Überwinterungsstellen sehr hohe oder tiefe Temperaturen möglichst schadlos zu überstehen. Den Winter und die Kälteperioden während der Vegetationszeit verbringen die Schnecken im Ruhestadium vergraben im Boden, in der Laubschicht oder zurückge­zogen in Felsspalten. Nacktschnecken ziehen sich in die Erde zurück oder verstecken sich unter am Boden liegendem Totholz. Schnecken, die auf oder nahe unter der Erdoberfläch Bündner Wald 1 /2015 41

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überwintern, sind tiefen Temperaturen ausgesetzt, die zum Erfrieren führen können. Bei diesen Tieren ist die Entwicklung einer physiologischen Winterhärte im Herbst von grosser Bedeutung, auch wegen des Bodenfrosts vor dem Eintreffen des ersten Schnees. Generell kann eine Schneedecke die im Boden überwinternden Tiere vor ex­tremer Kälte schützen. Trotzdem sind Schnecken häufig einer Unterkühlung von mehreren Minusgraden ausgesetzt. Um diese überleben zu können, wurden verschiedene Verhalten und Anpassungen entwickelt. Verschiedene Strategien Gefrierempfindliche Arten können zwar Temperaturen unter dem Gefrierpunkt er-

tragen, aber keine Eisbildung im Körper. Die Individuen dieser Arten versuchen, der Eisbildung in den Zellen vorzubeugen, indem sie durch Erhöhung der Zellsaftkonzentration (durch Anreicherung von Zucker und Aminosäuren) den Gefrierpunkt ihrer Körperflüssigkeiten herab setzen. Allgemein gilt, je weniger Wasser ein Tier im Körper hat, desto weniger gefrierempfindlich ist es. Dies kann durch Abgabe von Wasser, Verkleinerung der Vakuolen in den Zellen und/ oder dem Aufsuchen von trockenen Orten erreicht werden. Gefriertolerante Arten sind frostresistent, weil deren Individuen Eisbildung im Körper ertragen. Gefriertolerant sind Flechten und Moose sowie gewisse Algen. Auch Gefäss-

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pflanzen und Zweige von Bäumen in winterkalten Gebieten können extrazelluläre Eisbildung ertragen. Bei Pflanzen wird die Frosthärte durch allmähliche Abhärtung im Herbst erworben. Dabei werden Zucker und Öle im Plasma angereichert, die Vakuolen in viele kleinere Vakuolen zerteilt und spezielle Enzyme gebildet. Auch einige Tiere ertragen ein temporäres Einfrieren, wie beispielsweise der Waldfrosch (Rana sylvatica), der auch Eisfrosch genannt wird. Aufbau der Winterhärte Ähnlich wie die Pflanzen erwerben auch die Schnecken im Hinblick auf den Winter eine Akklimatisation an kalte Temperaturen, welche physiologisch als Aufbau der Winterhärte bezeichnet wird. So reduzieren die Weinbergschnecke (Helix pomatia) und die Gefleckte Schnirkelschnecke (Arianta arbustorum; Abb. 1) mit abnehmender Temperatur im Herbst den Wassergehalt ihres Weichkörpers und erhöhen die Konzentration der Hämolymphe. Dadurch kann die Kristallisationstemperatur, bei welcher sich Eiskristalle in der Körperflüssigkeit zu bilden beginnen, um einige Grade unter den Gefrierpunkt von Wasser gebracht werden. Bei Minustemperaturen kann die Eisbildung in der Körperflüssigkeit durch das Vorhandensein von kleinen Partikeln, sogenannten Kristallisationskeimen, ausgelöst werden. Durch angepasste Verhaltensweisen reduzieren Schnecken das Vorkommen von möglichen Kristallisationskeimen in ihrem Weichkörper: Als Vorbereitung auf die Überwinterung leeren sie den Magen und den gesamten Verdauungstrakt. Vor der eigentlichen Winterruhe wird die Gehäuseöffnung mit einem kalkhaltigen Deckel (bei der Weinbergschnecke) oder einer durchsichtigen, aus Schleim gebildeten Haut (bei vielen anderen Arten) verschlossen. Dieser

temporäre Verschluss verhindert das Eindringen von Eis auslösenden Partikeln während der Winterruhe. Diese physiologische Anpassung an kalte Temperaturen geht bei Schnecken, welche im Tiefland leben, während des Frühlings weitgehend verloren und muss deshalb im kommenden Herbst wieder erneut aufgebaut werden. Bei Schnecken in alpinen Lebensräumen ist eine gewisse Winterhärte das ganze Jahr vorhanden. Die Ausprägung der Winterhärte variiert zwischen den einzelnen Schneckenarten stark. Interessanterweise weist die Körperflüssigkeit von Arten mit kleinen Gehäusen im Allgemeinen eine tiefere Kristallisationstemperatur auf als diejenige von Arten mit grossen Gehäusen (Ansart et al. 2014 ). Kleine Schneckenarten haben relativ und absolut betrachtet weniger Körperflüssigkei Felsbewohnende Schnecken wie die Roggenkornschnecke (Abida secale) sind grossen Temperaturschwankungen ausgesetzt.

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Gebirgsschnecken wie die Braune Wegschnecke (Arion fuscus) können kurze Distanzen über Altschnee kriechen.

als grosse Arten wie die Weinbergschnecke und die Gefleckte Schnirkelschnecke und können deshalb tiefere Temperaturen überleben. Diese physiologische Eigenschaft kann mitunter eine Erklärung sein, warum die Gehäusegrösse der Schnecken in den Alpen generell mit zunehmender Höhe über Meer abnimmt (Baur et al. 2014 ). Auf grossen Höhen kommen vorwiegend Arten mit kleinen Gehäusen vor, während in tieferen Lagen und auf dem Talboden eher Schnecken mit grossen Gehäusen zu finden sind Kälteexponierte Schnecken Felsbewohnende Schnecken, die sich ausschliesslich von Algen und Flechten ernähren und ihren steinigen Lebensraum nie verlassen, sind besonders extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt. Diese Tiere verbringen den grössten Teil ihres Lebens ruhend, mit der Gehäuseöffnung an die Felsoberfläche angeheftet. Nur bei ganz extremen Wetterbedingungen ziehen sie sich in Felsspalten und -ritzen zurück. Eine südexponierte, direkt von der Sonne bestrahlte Felswand kann im Sommer eine Temperatur von 50 °C und mehr erreichen, während im Winter ohne die Isolationswirkung einer Schneedecke die Temperatur auf

– 20 °C sinken kann. Die hochspezialisierten Schnecken haben sich an diese Temperaturschwankungen in ihrem Lebensraum angepasst. Zwar kann die felsbewohnende Westliche Haferkornschnecke (Chondrina avenacea) ein Gefrieren der Körperflüssi keit nicht überleben, aber die Tiere entwickeln – wie beschrieben – eine Winterhärte, welche sie kurzzeitig auftretende Temperaturen von – 21 °C überleben lassen (Kostal et al. 2013 ). Ob die Schnecken für diese erstaunliche Winterhärte zusätzlich noch spezielle Stoffe produzieren, die sie als eine Art Gefrierschutzmittel in der Hämolymphe speichern, wurde bisher nicht untersucht. Bei der felsbewohnenden Feingerippten Haferschnecke (Chondrina clienta), die ein Alter von zehn Jahren erreichen kann, wurde auf einer Steinmauer auf der schwedischen Ostseeinsel Öland während drei milden Wintern eine durchschnittliche Mortalität von 16,8 Prozent ermittelt, aber während eines sehr strengen Winters mit wochenlangen Temperaturen von unter – 15 °C stieg die Mortalität auf 66,1 Prozent (Baur & Baur, 1991). Dies zeigt, dass trotz physiologischer Akklimatisation an tiefe Temperaturen die Winterkälte ein bedeutender Mortalitätsfaktor für Schneckenpopulationen darstellt.

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Literatur – Ansart A., Guiller A., Moine O., Martin M.-C. & Madec L., 2014. Is cold hardiness size-constrained? A comparative approach in land snails. Evolutionary Ecology 28 : 471– 493. – Baur A. & Baur B., 1991. The effect of hi­ bernation position on winter survival of the rock-dwelling land snails ­Chondrina clienta and Balea perversa on Öland, Sweden. Journal of Molluscan Studies 57: 331– 336. – Baur B., Meier T., Schmera D., Baur M. & Baur A., 2014. Vielfalt der Landschnecken in der Val Müstair. Nationalpark-Forschung in der Schweiz 102, Haupt Verlag, Bern.

–K ostal V., Rozsypal J., Pech P., Zahradnickova H. & Simek P., 2013. Physiological and biochemical responses to cold and drought in the rock-dwelling ­pulmonate snail, Chondrina avenacea. Journal of Comparative Physiology B 183: 749 – 761.

Bruno Baur Universität Basel 4056 Basel bruno.baur@unibas.ch

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Felssturz am Piz Kesch, Winter 2014 Untertitel Grundschrift

Die Nordostwand vom Piz Kesch 2008. Der Felspfeiler, der 2014 kollabierte, ist weiss markiert. (Alle Bilder: Marcia Phillips)

Im Februar 2014 kollabierte ein 110 m hoher Felspfeiler aus der Nordwand des Piz Kesch und bildete eine imposante Ablagerung auf dem Porchabella-Gletscher. In der Anriszone war Permafrosteis vorhanden. Dass dieses Ereignis mitten im Winter stattfand, ist kein Einzelfall: Im Permafrost können sich grosse Felsstürze zu jeder Jahreszeit ereignen. Standort und Geologie Die Nordwand des Piz Kesch ( 3417,7 m) im Albulagebiet wird Richtung Nordosten durch einen Felsgrat verlängert. Auf dessen Südseite befindet sich ein mit Gletschereis gefülltes Kar, über welches die Normalroute zum Piz Kesch führt. Die Nordseite des Grates war bis Anfang des 20. Jahrhunderts mit Eis bedeckt und wird seither zunehmend durch den Schwund des unteren Porchabella-Gletschers freigelegt. Zurzeit beträgt die Höhe der eisfreien Felswand in diesem Bereich zwischen 50 und 200 m. Die frisch durch den Gletscherrückgang freigelegte Felswand besteht aus stark zerklüfteten Kesch-Gneisen der ­Silvretta-Decke. Gemäss des geologischen Atlas (map.geo.

admin.ch) besteht eine markante NW-SE orientierte Verwerfung am westlichen Rand eines ausgeprägten Felspfeilers (Koordinaten: 786 701/166 527 ). In den letzten Jahren haben die Schuttablagerungen auf dem darunterliegenden Gletscher aufgrund von Steinschlag stark zugenommen. Dieser Artikel befasst sich mit dem jüngsten Kollaps eines grossen Felspfeilers, welcher über 100 m hoch war (Abb. 1). Felsstürze im Sommer 2013 Im Juni 2013 ereignete sich auf der westlichen Seite des Pfeilers, in der Achse der NW-SE orientierten Verwerfung, ein erster bedeutender Felssturz. Im Laufe des Sommers 2013 nahm die Steinschlagaktivität in diesem Bereich zu und auch kleinere Felsstürze wurden verzeichnet, welche optimal von der Keschhütte aus beobachtet werden konnten. Auf dem Porchabella-Gletscher häuften sich Gesteinsablagerungen. Die Felsstürze gefährdeten weder Bergsteiger noch die Hütte, welche sich in über 2  km Entfernung auf einem Felskopf befindet Die nähere Betrachtung des Pfeilers zeigte, dass die Felsmasse stark zerklüftet war und

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dass bereits eine durchgehende Kluft zwischen der Wand und dem Pfeiler vorhanden war. Felssturz im Winter 2014 Am 20. Feb­ruar 2014 – bei der Eröffnung der Keschhütte für die Skitourensaison – haben die Hüttenwarte beobachtet, dass der imposante Pfeiler aus der Nordwand des Piz Kesch verschwunden war. Dafür lag eine beträchtliche Felsablagerung auf dem Porchabella-Gletscher (Abb. 2). Aus Fotos vom 1. 1. 2014 wurde ersichtlich, dass der Pfeiler zu diesem Zeitpunkt noch intakt gewesen war. Da es keine Zeugen gab, wurde das Datum des Ereignisses aufgrund eines Schneeprofils auf den Felsblöcken in der Ablagerung geschätzt. Unter einer ausge-

prägten Sahara-Staubschicht, die bei einer Südwetterlage am 18. ­Februar 2014 abgelagert wurde und den Schnee gelb verfärbte, befanden sich zwei weitere, etwas ältere Schneeschichten. Der Felssturz muss demnach in der ersten Hälfte des Monats Februar 2014 stattgefunden haben. In der Anrisszone war im Februar 2014 noch einiges an Lockermaterial vorhanden, das zum Teil durch massives blaues Eis zementiert war (Abb. 3). Dies deutet darauf hin, dass zwischen dem Pfeiler und der Felswand Permafrostbedingungen geherrscht haben. Das Eis stammte sehr wahrscheinlich ursprünglich von Schmelzwasser aus der Zeit, als die Wand noch eisbedeckt war. Gemäss der Siegfriedkarte (map.geo.admin. ch) war dies 1878 noch der Fall.

Die Luftaufnahme zeigt, wie der Porchabella-Gletscher ausgehobelt wurde. Die Ablagerung ist rund 1 km lang und durch grosse Felsblöcke an ihrer Oberfläche geprägt. Im März 2014 konnte auf einigen Blöcken noch intaktes Permafrosteis beobachtet werden. Zwischen und unter den Blöcken befindet sich Feinmaterial, das mit Eis gemischt war.

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Eis im Anriss des Felssturzes Volumenänderungen zwischen 2009 ( swissALTI3D Geländemodell von swisstopo ) und 2014 ( terrestrischer Laserscan ). Zu sehen ist das Anrissgebiet in Dunkelblau ( Höhenverlust ) und die Felssturzablagerung schwarz umrandet. Da das Ablagerungsgebiet auf einem Gletscher liegt, sind auch hier nur im oberen Bereich positive Höhenänderungen erkennbar, im restlichen Bereich überwiegt der Mächtigkeitsverlust des Gletschers seit 2009 von bis zu zwölf Metern an dessen Zunge.  (Grafik: SLF)

Im September 2014 hat das SLF einen detaillierten terrestrischen Laserscan des Anrissgebiets und der Ablagerung gemacht und mit dem hochaufgelösten Swisstopo-Geländemodell swissALTI3D von 2009 verglichen, um die Volumenänderung zu bestimmen. Auf dieser Basis wurde das Volumen des abgestürzten Pfeilers auf 150 000 m3 geschätzt (Abb. 4). Gleichzeitig konnte die Fläche des Anrisses bestimmt werden – sie betrug 6000 m2 und der Pfeiler war ca. 110 m hoch. Offene Fragen Der Felssturz wurde weder direkt beobachtet noch vom Schweizerischen Erdbebendienst registriert. Somit ist der genaue Zeitpunkt des Ereignisses nicht bekannt. Strukturelle und kinematische Analysen sowie Radarmessungen wären notwendig, um die Wahrscheinlichkeit und das Volumen von zukünftigen Ereignissen am Kesch einzuschätzen. Dass dieses Ereignis mitten im Winter stattgefunden hat, erstaunt vielleicht. Betrachtet man jedoch die Felssturz-Datenbank des SLF, wird ersichtlich, dass die grösseren Ereignisse (> 100 000 m3) in Permafrostgebieten auch öfters im Winter stattgefunden haben. Die Auslösemechanismen sind jedoch noch nicht vollständig geklärt. Bohrlochmessungen des SLF im Fels von Permafrostgebieten zeigen, dass die wärmsten Permafrosttemperaturen in ca. 10 m Tiefe jeweils im Januar gemessen werden, da die Wärme etwa sechs Monate braucht, um in diese Tiefe zu gelangen – dies könnte eine bedeutende Rolle spielen. Um die Datenbank zu ergänzen und das Verständnis über solche Phänomene zu verbessern, sind Felssturzmeldungen ans SLF sehr willkommen! Dank Die Autoren bedanken sich bei der Firma HeliBernina für die interessanten Meldungen und Luftaufnahmen. Die Messungen

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wurden im Rahmen des Projekts «Permafrost und Bergstürze» von der ARGE Alp

Marcia Phillips

finanziert und vom Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden unterstützt.

Rachel Lüthi

WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF

WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF

Flüelastr. 11, CH-7260 Davos Dorf

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Bündner Förster krönen Grossanlass mit Sieg Die Destination Lenzerheide und die Biathlon-Arena in Lantsch/Lenz haben sich als Austragungsort der Europäischen Försterwettkämpfe im besten Licht präsentiert. Der Sieg in der Staffel belohnte auch die Organisatoren. Mit einer überaus stimmungsvollen Schlussfeier sowie den Rangverkündigungen nahmen die Skiwettkämpfe in der voll besetzten Mehrzweckhalle auf der MS 261 C-M (40 cm Schiene) Lenzerheide ihren erfolgreichen Abschluss. SONDERPREIS CHF 995.-(Katalogpreis CHF 1‘165.--) und 2003 im Nach 1994 in Kandersteg Gültig bis 30.06.2015 Goms, fanden die Europäischen Försterwettkämpfe (EFNS) zum dritten Mal in der Schweiz statt. Sportliche Herausforderungen mit top organisierten BiathlonWettkämpfen, forstliches Begleitprogramm und forstliche Weiterbildung, der fachliche Austausch, spannende kulturelle und fachliche Exkursionen vor Ort, Europa von seiner besten Seite – Freundschaft über alle Grenzen hinweg, das waren die Höhepunkte der Grossveranstaltung mit 753 Teilnehmern aus 20 Nationen auf der Lenzerheide und der Biathlon-Arena in Lantsch/Lenz. Viel Lob für die Organisatoren Die Wettkämpfe fanden auf einer von Streckenchef Urs Baselgia hervorragend präparierten Loipe in einer ausgezeichneten Atmosphäre statt. Obwohl es am Mittwochnachmittag zwischendurch schneite und am Freitag ganz leicht regnete, tat das der guten Stimmung keinen Abbruch. Die Organisatoren mit Beat Philipp an der Spitze durften am Ende der Staffelwettbewerbe am Freitag viele Komplimente seitens der Nationen für die ausgezeichnete Organisation der Wettkämpfe entgegennehmen. Die Schweizer konnten in diesem internationalen Feld überzeugen. Insgesamt gab es 15 Siege. Im Einzelwettkampf in der klassischen Technik gab es Siege durch Nico Salutt (Jugendliche H 16 ), Helen Jäger (D 51), Seraina ­Riatsch

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Bildlegenden von Seite 52 bis 53:  1 Die Fahne der 47. EFNS in Lenzerheide. (Bild: Gion Nutegn Stgier)  2 Norbert Fuchs (GER) im Retrolook am Start zum Einzelstart in der klassischen Technik. (Bild: Johannes Fredheim)  3 Volle Konzentration im Schiessstand. (Bild: Gion Nutegn Stgier)  4 Am Ziel; mit der 500 Jure Gornik (SLO) und mit der 517 Domenic Bantli (SUI). (Bild: Johannes Fredheim)  5 Während eines Teils des Einzelrennens in der freien Technik wurde das Schiessen durch Schneegestöber und relativ starken Seitenwind massiv erschwert. (Bild: Johannes Fredheim)  6 Nach dem ersten Rennen zieht eine deutsche Mannschaft beim gemütlichen Mittagessen am Waldrand Zwischenbilanz. (Bild: Johannes Fredheim)  7 Die finnische Siegersta fel mit Anni Kaipainen, Maarit Partanen und Heidi Hämäläinen im Ziel. (Bild: Johannes Fredheim)  8 Die Schweizer Staffel mit Seraina Riatsch, Helen Jäger und Pia Zbinden lief souverän auf den 2. Rang. (Bild: Gion Nutegn Stgier)  9 Ausgelassene Stimmung bei den Engadiner Athleten der Siegerstaffel Schweiz 1 mit Mario Riatsch, Hannes Pfranger, Mario Denoth (auf dem Bild fehlt Hano Vontobel). (Bild: Johannes Fredheim) 10 Sowohl bei den Damen wie auch bei den Herren setzten sich in der Kom­ binationswertung die Nachwuchsläufer aus der Kategorie 19/21 durch: Anni Kaipainen (FIN) und Lukas Olejar (SVK). (Bild: Johannes Fredheim) 11 Es ist angerichtet für das grosse Fest der Nationen am Freitagnachmittag. (Bild: Johannes Fredheim) 12 Vorne (v. l.): Christian Barandun, Jacqueline Odermatt, Silvio Baselgia, Lukas Kobler. Hinten (v. l.) Angela Carisch, Cristina Fisler, Christian Weder (Speaker), Beat Philipp (OK-Präsident), Rudi Schlembach (Vizepräsident EFNS), Siegfried Kaltenbach (technischer Delegierter EFNS), Kurt Fedier. (Bild: Johannes Fredheim)

(D 41), Pia Zbinden (D 31) sowie einen zweiten Platz durch Arina R ­ iatsch (D 19/21) und einen dritten Platz durch Edith Stalder (D71/61). Bei den Männern gab es einen dritten Platz durch Hano Vontobel (H 51) und einen zweiten Platz durch Mario Denoth, der den Sieg nur um zehn Sekunden verpasste. In der freien Technik siegte bei den Jugendlichen erneut klar Nico Salutt, der auch die Kombinationswertung gewann. Bei den Frauen (D 51) kam Helen Jäger erneut

zu einem klaren Sieg, ebenso gewann sie die Kombinationswertung. Hauchdünn fiel die Entscheidung in der Kategorie D 41: Seraina Riatsch wurde mit einem Rückstand von 27 Sekunden auf Susanne Jährling (BadenWürttemberg) Zweite und gewann die Kombination mit einer Sekunde Vorsprung. In der Kategorie D 31 gewann Pia Zbinden sowohl den Wettbewerb in der freien Technik wie auch die Gesamtwertung. Die 19-jährige Arina ­Riatsch meisterte die Kategorie D 19/D 21,

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in der Gesamtwertung belegte sie Platz zwei hinter der gleichaltrigen Finnin Anni Kaipanen. Bei den Männern (H 51) reichte es für Hano Vontobel wieder für Platz drei (auch in der Gesamtwertung), in der Kategorie H41 gab es gar einen Schweizer Doppelsieg durch Hannes Pfranger und Mario Riatsch. Mit dem Sieg konnte Hannes Pfranger sich auch den Gesamtsieg ergattern, nach der klassischen Technik lag er auf Position sechs. In der Kategorie H 31 siegte Mario Denoth trotz drei Fehlschüssen mit über einer Minute Vorsprung und das reichte dann auch zum Gesamtsieg. In der Kategorie U 19/U 21 belegte Sascha Janutin jeweils den undankbaren vierten Platz, in der Gesamtwertung fehlten ihm sechs Sekunden fürs Podium. 150 Staffeln am Start Belegten die Schweizer im letzten Jahr im finnischen Joensuu (Kontiolahti) den siebten Platz in der Staffel, wollten sie sich auf heimischen Boden den Sieg holen. Und sie galten denn auch als grosse Favoriten. Auf den 2500 Metern, die jeder Läufer dreimal zu absolvieren hatte, etablierte sich Hano Vontobel in der Spitzengruppe. Nach den drei Runden übergab er mit einem Rückstand von 41 Sekunden auf Aostatal, Hannes Pfranger machte aber diesen Rück-

stand schnell wett und übergab mit über zwei Minuten Vorsprung an Mario Riatsch, der den Vorsprung weiter vergrössern konnte, und Schlussläufer Mario Denoth musste diesen nur noch verwalten. Bei den Frauen wurden die Schweizerinnen (Seraina Riatsch, Helen Jäger und Pia Zbinden) hinter den überlegenen Finninnen ausgezeichnete Zweite. Am Schluss der Siegerehrungen wurde die EFNS-Fahne von OK-Präsident Beat Philipp an die Norweger übergeben. Im nächsten Jahr finden die Wettbewerbe in der berühmten Holmenkollen-Arena in Oslo vom 8. bis 12. Februar 2016 statt. Und da bleibt zu hoffen, dass die Bündner wie auch die anderen Schweizer ähnlich erfolgreich abschneiden werden wie auf der Lenzerheide. Resultate www.lenzerheide.com/de/top-events/efns oder unter www.lenzerheide-timing.ch

Christian «Hitsch» Weder Speaker EFNS Lenzerheide CH-7000 Chur christian.weder@bluewin.ch

Persönliche Gedanken des Speakers Ich habe schon viele tolle nationale und internationale Wettkämpfe und Siegerehrungen erlebt, aber was ich als Platzspeaker in diesen Tagen auf der Lenzerheide erleben durfte, das war schlicht unglaublich. Eine solch familiäre, faire Stimmung im Wettkampfgelände, das Fest der Nationen, schier unglaublich, was da abging mit dem Schlussabend als Höhepunkt. Welch eine Hühnerhautstimmung, als ich jeweils die Geehrten auf die Bühne rief. Das war eindrücklich, bewegend, die Halle bebte... Und die Zusammenarbeit mit dem so kompetenten Organisationskomitee und den zahlreichen Helfern hat mich in diesen Tagen auch schwer beeindruckt: DANKE SCHÖN! Werde alles daran setzen, dass ich im nächsten Jahr in Oslo mit dabei bin.

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Alpiner Schutzwaldpreis 2014 – Preisverleihung in Galtür

Logo der ARGE Alpenländischer Forstvereine (zVg.: Graubünden Wald)

Der Wald schützt vor Erosion, Steinschlag, Muren, Lawinen und Hochwasser. Eine Besiedlung des Alpenraums ist erst durch die schützende Wirkung des Waldes möglich. Der Wald ist als Lebensgrundlage im Alpenraum von grösster Bedeutung. Voraussetzung für einen funktionsfähigen Schutzwald ist eine stabile, gut strukturierte Bestockung sowie eine rechtzeitige Verjüngung. Deshalb ist eine vorausschauende Pflege von enormer Wichtigkeit. Neben den Schutzwäldern im engeren Sinne (wie sie in den Forstgesetzen einiger Länder definier sind) können alle Bergwälder als Schutzwälder aufgefasst werden. Seit neun Jahren vergibt die ARGE Alpenländischer Forstvereine jährlich einen Anerkennungspreis für beispielhafte Projekte zur Erhaltung und Verbesserung des Bergwaldes im Alpenraum und zur Sensibilisierung der Schutzwaldthematik. Die Ausschreibung erfolgt jedes Jahr über die Mitgliedervereine. In Graubünden ist der Verein Graubünden Wald dafür zuständig und nimmt die Ausschreibung jeweils auf der Vereinshomepage www.graubuendenwald.ch vor. Die

Projekte in den Kategorien «Schulprojekte», «Erfolgsprojekte», «Öffentlichkeitsarbeit» und «Schutzwaldpartnerschaften und Innovatio­nen» können jeweils bis Ende September eingereicht werden. Da der September in so mancher Försteragenda rot und grün markiert ist, empfiehlt sich eine Projekteingabe noch während des Monats August. Für die Schutzwaldpreisverleihung 2014 konnten leider nur zwei Bündner Bewerbungen verzeichnet werden (diese beiden Projekte werden in der Folge noch kurz vorgestellt). Das ist sehr zu bedauern, so gibt es doch in unserem Kanton manch gute Idee und erfolgreiches Projekt in den verschiedensten Forstbetrieben und bereits mehrfach durften Bündner Bewerbungen den Schutzwaldpreis in verschiedenen Kategorien entgegennehmen. Die Schutzwaldpreisverleihung ist eine Art der Öffentlichkeitsarbeit, welche auch den Zugang zu Regierungsvertretern ermöglicht. An der Preisverleihung sind regelmässig Vertreter der Landesregierungen anzutreffen. Graubünden Wald möchte die Bündner Förster hiermit dazu animieren, aktiver an diesem Wettbewerb teilzunehmen. Hier nun eine kurze Vorstellung der beiden Bündner Projekteingaben für den Schutzwaldpreis 2014 : 15 x Waldolympiade Samnaun (Bewerbung in der Kategorie «Öffentlichkeitsarbeit») Einleitung / Geschichte

Die 1. Waldolympiade von Samnaun fand am 18. Juli 1999 im Rahmen einer «Familienwoche» der touristischen Organisation «Samnaun Tourismus» statt. Die Idee zur Bezeichnung dieses Anlasses stammte von der damaligen Tourismusdirektorin Alexandra Walliser. Es mag kein Zufall sein, dass

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die Schwester von Maria Walliser (eine der erfolgreichsten Skirennläuferinnen aller Zeiten) einen sportbezogenen Titel für die Veranstaltung vorgeschlagen hat. Der sportliche Gedanke blieb diesem Anlass dann sowohl bezüglich sportlichen Verhaltens («Fairness») als auch im Sinne eines Wettbewerbes bis heute erhalten. Wie es auch aus verschiedenen Presseberichten und Flyern entnommen werden kann, war aber die Auseinandersetzung der Teilnehmenden mit dem Bergwald als vielfältigen Schutz-, Nutz- und Erholungsraum stets das Hauptziel zu diesem Anlass. Dabei haben ca. 360 Kinder den Bergwald in Form von zahlreichen Wettbewerben mit geistigen und spielerischen Aktivitäten, mit «Kopf, Herz und Hand», kennen und lieben gelernt. Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Ein grosser Anteil der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler hat sich jeweils über den Ferien(s)pass der Organisation Pro Juventute Engiadina Bassa zur Teilnahme an diesem Anlass angemeldet. Dabei handelt es sich um ein wertvolles regionales Angebot für Schulkinder während den Sommerferien. Baumbesteigung als sportliche Disziplin bei der Samnauner Waldolympiade 2007 (Bild: Andri Arquint)

Arven pflanzen als «Bildungsdisziplin» bei der Samnauner Waldolympiade 2010 (Bild: Andri Arquint)

Durch dieses Angebot haben nebst den Einheimischen auch zahlreiche Kinder aus dem Unterengadin an mindestens einer der Waldolympiaden in Samnaun teilgenommen. Die Disziplinen

Bei fast jeder der 15 stattgefundenen Wald­olympiaden fanden die Disziplinen «Na­geln» (Nägel mit möglichst wenigen Schlägen in eine Holzscheibe schlagen), Holzscheiben schneiden, Frage- und Antwortspiel (Wissensspiel zum Thema Bergwald, nachdem dieser vorgängig erklärt wurde), «Schätzen» (Schätzen von Distanzen, Anzahl Nadeln in einem Glas u. v. m.), Bestimmen vom Baumalter, «Flaschen fischen», Dart sowie Zielwerfen mit Steinen, Zapfen oder mit Bällen statt. Oftmals fand auch das Baumklettern (mit Klettergurt), ein Gestaltungswettbewerb mit Gegenständen aus der Natur sowie Federball spielen statt. Ausserdem wurden Disziplinen wie Barfusslaufen, Ertasten von Gegenständen, Bäumchen pflanzen, Stafettenlauf, Bauen von Steinmännchen und vieles mehr zur Aktivierung und Wahrnehmung aller fünf Sinne Bündner Wald 1 /2015 57

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dass dem Teamgeist zwischen den Teilnehmenden viel Gewicht beigemessen wurde. Dorfschutzwald Vals – 105 Jahre Schutzwaldpflege (Bewerbung in der Kategorie «Erfolgsprojekte»)

Ein Teil des Dorfes Vals mit Blick zum Hora. Aufnahme vor 1920. (Bild zVg.: Forstbetrieb Vals)

Vergleichbarer Bildausschnitt aus dem Jahr 2014 (Bild: Siegfried Berni)

durchgeführt. Von Anfang an wurden bestehende Infrastrukturen wie der Bergwaldlehrpfad, der Tier- und Wildlehrpfad, der Märchenweg, der Vitaparcours und auch ein Spielplatz zur abwechslungsreichen Tagesgestaltung genutzt. Gewertet wurden die jeweiligen Mannschaftsergebnisse, so

Als 1909 die Gemeinde Vals das Rüfenverbau- und Aufforstungsprojekt «Hora» beschlossen hat, bedrohten Rüfen den Dorfteil «Rufena». Der ganze Osthang über dem Dorf war damals spärlich bewaldet. Die Projektarbeiten waren ein Kampf gegen die Erosion und ein Bestreben, Vegetation und Wald wieder anzusiedeln. Das Projekt, welches auch technische Verbauungen beinhaltete (Bachsperren, Ablenkmauer, Terrassenmauern), zeigte erste Erfolge. Nun erweiterten die Valser die Zielsetzung des Projektes in Richtung Lawinenschutz. Im Jahr 1951 ist das Dorf von Lawinen aus dem waldlosen gegenüberliegenden Westhang verheerend getroffen worden. In der Folge beschloss die Gemeinde Vals umfangreiche Lawinenverbauungen und grossfl chige Aufforstungen am Westhang auszuführen. Die Bewaldung stand im Zentrum der Bemühungen der Gemeinde und der Forstorgane. Schutzwald erträgt keine Beweidung durch Vieh, und schon gar nicht durch Ziegen. Ab 1909 galt für den damals noch klei­neren Projektperimeter ab sofort ein Weideverbot. Ziegen waren damals die Milchlieferanten der Dorfbevölkerung. Das Weideverbot traf ausgerechnet einen Teil der Sommerweide der Dorfziegen. Zur Abgrenzung des Schutzwaldperimeters vom Weideland bauten Taglöhner Mauern und Stacheldrahtzäune. Der Ziegenhirt musste die Flächen mit seinen Tieren strikte meiden. Die Gemeindebehörde leistete gute Informations- und Überzeugungsarbeit. In

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der damaligen Zeit wurde jede verfügbare Wirtschaftsplans von 1937, W. Burkart, eiFläche landwirtschaftlich genutzt, was ei- nen ganzen Abschnitt der Bestandespflege ner grossen Einsicht bedurfte, 33 Hektaren gewidmet und dem örtlichen Forstdienst für die Wiederaufforstung zu reservieren. das Prinzip der Pflege erklärt. Den AusfühIn den ersten Jahrzehnten der Aufforstungs­ renden fehlte eine entsprechende praktitätigkeit hat der Forstdienst sehr viele Bäu- sche Ausbildung und die nötige Erfahrung me gepflanzt. Die Jungbäume hat der Förs- und vielleicht auch der Mut, einen Teil der ter mithilfe fleissiger Frauenhände in Vals von der Valser Bevölkerung mit viel Herzgesät und aufgezogen. Teilweise im «Ge- blut gehegten und gepflegten Jungbäume meinwerk» haben die Valser durch jährli- nun plötzlich abzuschneiden. ches Ausmähen den Pflanzen das Über- Die Schutzwaldpflege ist eine Daueraufgaleben in der Krautschicht ermöglicht. Die be, welche die Gemeinde und den zustänweitere Pflege im Dickungs- und Stangen- digen Forstdienst auch in den nächsten 105 holzalter hat man dann nicht mit der nö- Jahren beschäftigen wird. Der momentane tigen Konsequenz ausgeführt, sodass viele Zustand des Dorfschutzwaldes in Vals zeigt Bäume verkümmerten nicht(10.01.2014) opti- uns, dass es sich lohnt, ihn fortwährend und Inserat Florinettund AGsich 2014 mal entwickelten. Zwar hat der Autor des ausdauernd zu pflegen ANZEIGE

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Schulprojekte: Waldjahre – der Lebensweg eines Baumes, Franz-Fischerschule / Tirol Öffentlichkeitsarbeit: Schutzwaldpreis der Waldregionen 2 und 3 / St. Gallen Schutzwaldpartnerschaften und Innovationen: Schutzwaldpartnerschaft Dürregg / St. Gallen Der stolze Valser Revierföster (Bildmitte) mit der Siegertrophäe. (Quelle: http://www.arge. forstvereine.eu/kontakt-service/presse)

Preisverleihung in Galtür vom 30. 1. 2015 Zum 9. Mal vergab die ARGE Alpenländische Forstvereine den Alpinen Schutzwaldpreis – Helvetia. Nominiert waren insgesamt zwölf innovative Projekte und Ideen aus Österreich, der Schweiz, Bayern und Südtirol. Als Vorzeigebeispiele setzen sie sich für den Erhalt und die Pflege des alpinen Schutzwaldes ein. Das Projekt «Dorfschutzwald Vals – 105 Jahre Schutzwaldpfleg » wurde in der Kategorie «Erfolgsprojekte» für den Schutzwaldpreis 2014 nominiert und schlussendlich von der Jury als Siegerprojekt auserkoren! Die Öffentlichkeit profitiert vom Schutz des Waldes, trägt aber auch einen Teil der Kosten für seine Pflege. Dennoch ist vielen nicht bekannt, was der Wald vor der Haustüre leistet. Der Alpine Schutzwaldpreis – Helvetia rückt beispielhafte Projekte in den Vordergrund. Nachfolgend die diesjährigen Siegerprojekte der einzelnen Kategorien: Erfolgsprojekte: Dorfschutzwald Vals – 105 Jahre Schutzwaldpfleg  / Graubünden

Spezialpreis der Jury: Bolgenach II – Einsatz für den Wald, innovativ und mutig / Vorarlberg Die Gewinner erhielten eine Holzskulptur des Tiroler Künstlers Helmut Mayr. Die Volksschule bekam zusätzlich einen Geldpreis für die Klassenkasse. Organisiert wird der Alpine Schutzwaldpreis – Helvetia von der ARGE Alpenländische Forstvereine, einem Zusammenschluss von acht Forstvereinen. Der Tiroler Forstverein war in diesem Jahr für das Austragen des Preises verantwortlich. Heuer trat erstmals die Versicherungsgruppe Helvetia als Hauptsponsor auf. Das Unternehmen engagiert sich seit fünf Jahren für die Pflege und den Erhalt alpiner Schutzwälder. Mehr Informationen zum Schutzwaldpreis finden Sie unter http://www.arge.forstvereine.eu

Redaktion «Bündner Wald» Bündner Wald Ruinas, CH-7535 Valchava forestal-muestair@bluewin.ch

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Erinnerung Skipostenlauf 2015

Skigebiet Rinerhorn – hier findet der diesjährige Forstpostenlauf statt!  (Bild: Andreas Kessler)

32. Skipostenlauf vom 14. März 2015 Davos – Rinerhorn Ein spannender, geselliger Anlass wartet auf euch. Meldet euch heute noch an, um nach einem schönen Skitag gemeinsam den Teamgeist und die Kameradschaft unter Forstleuten zu pflegen

Ausschreibung und Anmeldeformular sind im «Bündner Wald» 6 / 2014 abgedruckt. Anmeldeschluss ist der 6. März 2015. Nachmeldungen am Renntag sind möglich.

andreas.kessler @ davos.gr.ch

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Wald-Wild-Kartenspiel: Neu auch auf Französisch Das Kartenspiel mit attraktiven Bildern und Kurztexten zur Jagd und zur Waldbewirtschaftung, zu Wildtieren und Baumarten findet breite Verwendung. Eine zweite Auflage steht zum Verkauf bereit. Neu ist auch eine französische Version erhältlich. Das Kartenspiel mit Bildern und Texten zu je vier jagdbaren Tieren, Baumarten, zur Jagd und zur Holznutzung wird in einer attraktiven Buchenholzschachtel angeboten. Es wird von Kindern und Erwachsenen zuerst als vergnügliches Puzzle gespielt, wo aus den gemischten Bildkarten die vierteiligen Bilder zusammengesetzt werden. Danach interessieren die informativen Kurztexte auf der Rückseite, wo wohl jedermann noch einiges lernen kann. Bildorientierte spielen es gerne als Memory, Fortgeschrittene üben sich im Quiz «Ratefuchs». Das Zielpublikum sind primär Jäger und Förster, die das Spiel bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit einsetzen können, sei es bei Wald- und Jagdschultagen, im Rahmen von Waldumgängen, an Ausstellungen, kurz überall, wo Wald und Jagd vorgestellt werden. Das Spiel wird von JagdSchweiz über die kantonalen Jagdverbände an die Basis gebracht. Ziel ist es, dass jede Jagdgesellschaft und jeder Hegering dieses Spiel besitzt und bei seinen Öffentlichkeitsanlässen einsetzt. Analog sind Förster und alle am Wald Interessierte angesprochen. In Schulen kann das Spiel im Rahmen des Naturkundeunterrichts an Waldtagen usw. sehr gut eingesetzt werden. Kurz vor Weihnachten eignet es sich ideal als kleines Geschenk für die eigenen Kinder sowie für Enkel- oder Patenkinder des Jägers und des Försters. Träger und Herausgeber des Spiels sind JagdSchweiz, der Schweizerische Forstverein und der Schweizerische Forstpersonal-

verband. Im Rahmen der Aktion Wald-Wild haben die drei Verbände in den letzten Jahren schon verschiedene Publikationen herausgegeben, welche Förstern und Jägern bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit zur Holznutzung und zur Jagd helfen sollen. Denn in der stets urbaner werdenden Umgebung stossen das Töten von Tieren wie das Fällen von Bäumen immer häufiger auf Unverständnis. Doch die nachhaltige Nutzung der nachwachsenden Ressourcen im Wald macht Sinn. Preis des Kartenspiels im Holzkistli: CHF 25.– inkl. MwSt., zuzüglich Porto und Versand Bestelladresse: Tel. 031 751 06 01 waldwildspiel @ bluewin.ch Weitere Informationen: www.waldwild.ch

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Vorschau «Bündner Wald» April 2015 St. Antönien – hinter dem Mond links Hinter dem Mond links – dies verspricht einiges! Dieses Jahr treffen wir uns am 29. Mai an einem abgelegenen Winkel des Kantons zur Jahresversammlung von Graubünden Wald. Heisst, hinter dem Mond zurückgeblieben... Eher nicht! Der «Bündner Wald» berichtet von Innovation, Tradition, Integration und Inspiration aus einem Prättigauer Seitental. Kann nicht sein? ! Aber hallo! Solaranlagen auf Lawinenverbauungen. Alte Walsergeschichten mit Schmugglern und Bergheuern. Ein Ägypter im Bergdorf. St. Antönier Scherenschnitte im Landesmuseum . ..

Vorschau auf die nächsten Nummern: Juni 2015: Bündner «Wald-Gesichter» Redaktion: Jörg Clavadetscher August 2015: Neue Betriebsorganisationen durchleuchten Redaktion: Sandro Krättli

Redaktion: Sandro Krättli

Herausgegeben von Graubünden Wald, Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden und der SELVA. Verleger: Südostschweiz Verlegerin: © Somedia (Südostschweiz Presse und Print Presse AG, Südostschweiz und Print AG), Print, CH-7007 CH-7007 Chur Sekretariat: SELVA, Chur Sekretariat: SELVA, Urs Rutishauser, Christophe­BTrüb, ahnhofplatz 1, ­Bahnhofplatz CH-7302 1, CH-7302 Landquart, Landquart, Telefon + 41 Telefon (0) 81 + 41 300 (0)22 8144, 300buendnerwald  22 44, buendnerwald  Redaktoren: Jörg Redaktoren: Jörg Clava­detscher, Clava­ @  selva-gr.ch @  selva-gr.ch detscher, Revier forestal Revierdaforestal Val Müstair, da ValCH-7535 Müstair, CH-7535 Valchava,Valchava, Telefon + 41 Telefon (0) 81 + 41 858(0)588121, 858 forestal-muestair  58 21, forestal-muestair  Sandro Krättli, @ bluewin.ch. @ bluewin.ch. 81 300+ 41 24 11, (0) 81 sandro.kraettli  300 24 11, @ sandro.kraettli  wn.gr.ch. SandroGR, Krättli, AWN GR, Sagastägstrasse 96, CH-7220 AWN Sagastägstrasse 96, CH-7220 Schiers, TelefonSchiers, + 41 (0)Telefon  awn.gr.ch. Die @ aRedaktion Die behält Redaktion sich vor,behält Beiträge sichinvor, nicht Beiträge verlangter in nicht Formverlangter ohne Rückfrage Form ohne zu ändern. Rückfrage Herstellung: zu ändernSomedia Druckvorstufe Production, (Satz,Postfach Lithos, Belich491, : Südostschweiz 51Antonin 11, Fax Friberg + 41 (0)Druck: Südostschweiz 81 255 51 05. Erscheint Sommeraustrasse tung)  32, CH-7007 Presse undChur, PrintTelefon AG, Südostschweiz + 41 (0) 81 255 Print, Presse sechsmal und Print jährlich. AG, Süd­ Auflage ostschweiz 1700 Exemplare Print, Postfach Inserate: Somedia 508, Kasernenstrasse Promotion, 1, CH-7007 Neudorfstrasse Chur, Telefon 17, CH-7430 + 41 (0)Thusis, 81 255Telefon 51 11,+ 41 Fax (0) + 4181(0)650 81 00 70, Fax 255 + 41 52 89. (0)Erscheint 81 650 00 sechsmal 74, thusis@somedia.ch jährlich. Auflage ­Abonnementspreise: CHF 60.– (inkl. MwSt. für Mitglieder Verein 700 Exemplare Inserate: Südostschweiz Publicitas AG, Neudorfstrasse 17, CH-7430 Thusis, Graubünden Wald) Telefon Abonnemente/Adressänderungen: + 41 (0) 81 650 00 70, Fax + 41 Aboservice, (0) 81 650Postfach 00 74, thusis@so-publicitas.ch 491, Sommeraustrasse 32, ­Abonnementspreise: CH-7007 Chur, CHF 60.– Telefon + 41 (für(0) Mitglieder 81 255 54 Verein 54, abo  Graubünden Wald) www.buendnerwald.ch Abonnemente/Adressänderungen: Südostschweiz Presse und Print AG, @ somedia.ch, Für Inseratetexte übernimmt die Redaktion keine Verantwortung, 50 50,nicht mit der Ansicht Postfach 508, Abound Zustellservice, Kasernenstrasse 1, CH-7007auch Chur, muss Telefon die Meinung + 41 (0) 81 der255 Beiträge www.buendnerwald.ch der Redaktoren übereinstimmen. Autoren, die zu obenstehenden Themen publizieren möchten, sind herzlich eingeladen, ihre Für Vorschläge Inseratetexte der Redaktion übernimmt einzureichen. die Redaktion keine Verantwortung, auch muss die Meinung der Beiträge nicht mit der Ansicht der Redaktoren übereinstimmen. Autoren, die zu obenstehenden Themen publizieren möchten, sind herzlich eingeladen, ihre Vorschläge der Redaktion einzureichen.

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