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B端ndner

Wald

Jahrgang 67 | Dezember 2014

B端ndner Wald im Klimawandel

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BAU UND UMWELT Wald und Naturgefahren Der Wald ist ein Multitalent. Der Schutz vor Naturgefahren und die Waldreservate haben eine besondere Bedeutung. Damit der Wald all seine Funktionen erfüllen kann, wird er mehrheitlich bewirtschaftet. Eine Aufgabe, welche die Abteilung Wald und Naturgefahren mit Engagement wahrnimmt. Wir suchen eine/n

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Inhalt

Bündner Wald im Klimawandel Editorial.................................................. 4

Wald- und Jagdvorschriften – Ist weniger mehr ?..................................... 45

Wie begegnen wir dem Klimawandel im

Europäische Hölzige messen sich in der

Bündner Wald?........................................... 5

Biathlon-Arena Lenzerheide....................... 47

Bündner Wald im Klimawandel:

32. Skipostenlauf für das Bündner

eine erste Bilanz.......................................... 9

Forstpersonal............................................ 49

Klimaentwicklung im Churer Rheintal

Interkantonaler Waldfachtag Chur............. 51

von 1888 bis 2013.................................... 13

Orlando Lerch

Jahrringanalysen entlang von

am Jungunternehmerforum 2014.............. 53

Höhengradienten...................................... 17

Comic....................................................... 55

Trockenheit und Stammwachstum............. 22

Protokoll GV

Das Befallsrisiko von Waldföhren

Graubünden Wald in Donat....................... 56

durch Borkenkäfer..................................... 27

Auszeichnung «proQuercus» 2015............ 61

Verjüngung von Waldföhren und Fichten

In ricordo di Aurelio Ciocco....................... 62

verschiedener Herkunft............................. 34

Vorschau «Bündner Wald»

Modelle für Baumarten – Verbreitung im

Februar 2015............................................ 63

Bündner Wald........................................... 37 Global Change Bäume wachsen immer schneller............... 43 Titelbild: Die Waldföhre steht im Fokus des Berichtes zum Bündner Wald im Klimawandel. (Bild: Sandro Krättli) Bild Inhaltsverzeichnis: Jagd mit Waldblick in Bayern – ein weitreichendes Baumartenspektrum in der Waldverjüngung ist die beste forstliche Vorbereitung auf den Klimawandel. (Bild: Sandro Krättli) Bündner Wald 6 /2014 3

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Editorial

Der Weltklimarat hat im November in Kopenhagen seinen Synthesebericht der Öffentlichkeit präsentiert. Es handelt sich um eine Zusammenfassung von verschiedenen wissenschaftlichen Studien und Erkenntnissen. Die Folgen des Klimawandels sind heute nach Angaben des Reports in allen Teilen der Welt schon spürbar. Gekoppelt sind die Erkenntnisse an eine klare Botschaft. « Gehandelt werden muss jetzt – der Ball liegt nun bei der Politik .» Noch im gleichen Monat verkündeten die beiden grössten Klimasünder USA und China neue gemeinsame Klimaziele, welche sogar Umweltorganisationen als Schritt in die richtige Richtung werteten. Auch aus Bundesbern sickern Informationen durch, der Bundesrat wolle die Klimaziele höher stecken. Die Wälder der Erde spielen bei Klimafragen eine zentrale Rolle. Manchmal sehr direkt – manchmal indirekt als wichtige Zeiger. Wegweisend beauftragte die Bündner Regierung die WSL mit einem Projekt, um die Auswirkungen des Klimawandels auf den Bündner Wald zu erforschen. Dieser Bericht liegt nun vor und die Erkenntnisse werden in dieser «Bündner Wald»-Ausgabe wiedergegeben. Ich muss gestehen, neben allen klimagigantischen Eindrücken faszinierten mich auch kleine Details, welche die Forschenden bei den Präsentationen nebenbei erwähnten. So wurde anhand von Baumumfangmessern der Zuwachs von Bäumen gemessen, welche teilweise ins Negative fielen, weil wegen akutem Wassermangel sogar der Baumumfang schrumpfte ! Auch faszinierend, dass in Höhenlagen der Harz merklich zähflüssiger fliesst und somit die Bäume nicht so schnell auf Verletzungen reagieren können wie in Tieflagen. Weitreichender ist da die messbare Tendenz der Waldgrenze, die sich nach oben schiebt. In den Tallagen werden die negativen Folgen

des Klimawandels besonders zu spüren sein, da es im Sommer trockener wird. Besonders für die Waldföhre – eine weitere Baumart droht nach der Ulme ( Ulmensterben ), Esche ( Eschenwelke ), Weisstanne ( Wild ) oder Eibe ( Wild ) zu verschwinden. Die Autoren des internationalen Klimaberichts fordern schnelle und konkrete Massnahmen von der Weltpolitik – erste Schritte von Barack Obama und Xi Jinping wurden bereits getätigt. Wollen wir die Verantwortung in unserem Tätigkeitsbereich wahrnehmen, ist das Ableiten von waldbaulichen Massnahmen aus dem WSL -Bericht aus meiner Sicht unmittelbar sinnvoll. Laut vorliegenden Resultaten der WSL haben wir noch etwas Zeit dafür. Zeit ist sicherlich beruhigend und wertvoll. Dies kann aber auch dazu führen, etwas zu verschlafen, was später dann zu einem bösen Erwachen führt. Denken wir in unseren waldbaulichen Zeitfenstern, muss das Festlegen und Umsetzen von waldbaulichen Klimazielen somit doch eher heute als morgen beginnen. Die Waldeigentümer sind in der kantonalen Medienmitteilung zum WSL -Bericht schon mal prophylaktisch, aber unmissverständlich aufgefordert, vermehrter auf ein grosses und natürliches Artenspektrum im Jungwald zu setzen – per Gesetz ein eigentlicher Grundauftrag der modernen Forstwirtschaft. Wenn ich in den Wald schaue, gelingt dies aktuell schon, aber nur innerhalb von Zäunen. Es ist sicherlich nicht konstruiert, die Jagd mit ihrem Grundauftrag künftig in diese Überlegungen zu integrieren. Sandro Krättli, Redaktor Bündner Wald Sagastägstr. 96, CH-7220 Schiers sandro.kraettli@awn.gr.ch

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Wie begegnen wir dem Klimawandel im Bündner Wald ?

Tom Wohlgemuth präsentiert dem Forstdienst Resultate zum Projekt Bündner Wald im Klimawandel (Bild: Sandro Krättli)

Die erwarteten Veränderungen des Klimas aufgrund von Treibhausgasen wirken sich auch auf die Entwicklung des Waldes aus. Diese Erkenntnis hat unter anderem dazu geführt, dass die Regierung bereits 2008 den Leitsatz «Dem Klimawandel aktiv begegnen» in das Regierungsprogramm aufgenommen hat. Dahinter steckt auch die strategische Absicht, den von Menschen genutzten Raum durch die Anpassung bestehender Schutz- und Vorsorgemassnahmen zu sichern. Gerade für die Sicherung des Lebensraums hat der Schutzwald existenzielle Bedeutung. Der kantonale Forstdienst war denn auch zunehmend besorgt, als man im Rahmen des üblichen Monitorings im Churer Rheintal und in der Valposchiavo bei Waldföhren mehr und mehr Absterbeerscheinungen feststellen musste. Das im Frühling 2009 von der WSL initiierte Forschungsprojekt BüWaK (Bündner Wald im Klimawandel) sollte dann auch in erster Linie die Zusammenhänge von Absterbephänomenen und reduzierter Vitalität aufgrund der sich verändernden Umweltbedingungen erhellen. Die Forschungsarbeiten mussten aus Kapazitätsgründen auf Nordbünden (Rheintal und Domleschg) konzentriert werden.

1. Wichtige Ergebnisse für die Praxis Gemäss unserer «Waldbaustrategie Klimawandel GR» (Abbildung 1) erwarteten wir vom Projekt Antworten zu Fragen aus allen Handlungsfeldern. Im Handlungsfeld «Mortalität» interessierte uns die Bestätigung, dass es sich bei der Ursache des beobachteten Phänomens nicht um ein Pathogen handelt, sondern primär um physikalische Ursachen. Bezüglich «Prioritätenerkennung» standen die Prognosen im Vordergrund. Zentrale Fragen kamen aus dem Handlungsfeld «Baumartenmischung». Im Vordergrund standen dabei vertiefte Kenntnisse über die Ansprüche der Baumarten, generell natürlich über das zur Verfügung stehende Baumartenportfolio bzw. eine mögliche Erweiterung desselben. Die Ergebnisse des Projekts sind für uns sehr wertvoll. Wir wissen aber auch, dass wir damit noch keine Agenda haben und dass noch verschiedene, wichtige Fragen offenbleiben. 1.1 Reaktionstypen «Wald» Im Vordergrund stehen für mich die Reaktionstypen «Wald», wie ich sie nennen möchte, die durch das Projekt herauskristallisiert wurden: Bündner Wald 6 /2014 5

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• W älder, auf die der Klimawandel einen stärkeren Einfluss haben wird. Im Projekt kristallisierten sich da insbesondere Föhrenwälder in tiefen Lagen auf flachgründigen Standorten heraus. • Wälder, auf welche der Klimawandel kaum einen Einfluss haben wird wie beispielsweise die untersuchten montanen Wälder auf Bündner Schiefer. • Wälder in höheren Lagen, welche vom Klimawandel sogar «profitieren» werden. Das bedeutet, dass unser Augenmerk besonders auf Wälder in tieferen, flachgründigen Lagen gerichtet werden muss. Das Risiko wird dort gross sein, wo solche Wälder noch wichtige Funktionen zu erfüllen haben. Wir werden versuchen müssen, diese Bestände noch genauer zu lokalisieren. 1.2 Baumartenportfolio Wir dürfen weiter feststellen, dass einer der wichtigsten und bei uns bereits gelebten Grundsätze des naturnahen Waldbaus, die Erhaltung bzw. Förderung der natürlichen Baumartenvielfalt, im Zuge des Klimawandels eine noch grössere Bedeutung bekommt. Wir sind zudem (noch) nicht auf fremde, klimaresistentere Baumarten angewiesen. Waldbaulich gilt es, die Möglichkeiten unserer heimischen Baumartenvielfalt voll auszuschöpfen. Das könnte beispielsweise bedeuten, dass wir in Zukunft auch Baumarten bewusst fördern, die auf dem betreffenden Standort heute als Nebenbaumarten wenig Beachtung finden. Dies natürlich vor allem, wenn sie eine grosse Toleranz gegenüber Trockenheit aufweisen. Wie genau das Ausschöpfen der Baumartenvielfalt umgesetzt wird, gilt es noch zu definieren. Wichtig wird dabei auch die Unterstützung durch die Jagd sein, weil wir uns den selektiven Wegfall einzelner Gehölz­arten in Zukunft noch weniger leisten können als heute.

1.3 Beobachtung und Früherkennung Im Rahmen des Projekts wurde aber auch klar festgehalten, dass die feinmaschige und dauernde Beobachtung der Wälder wichtig sein wird. Geschwächte Bestände sind in der Regel besonders anfällig auf Krankheiten und Schädlinge. Es ist wichtig, solche Entwicklungen frühzeitig zu erkennen. Da erfüllt der dezentral organisierte Forstdienst mit seiner steten Präsenz vor Ort eine wichtige Aufgabe. 2. Handlungsbedarf 2.1 Welche Fragen sollte uns die Forschung noch beantworten? • «Problematische und risikoreiche Wälder» Wir brauchen eine kantonsweite Übersicht über die Waldungen, die voraussichtlich stark und in absehbarer Zeit auf den Klimawandel reagieren werden. Die Strategie dazu hat uns das Projekt BüWaK geliefert. Die Modellierung sollte aus der Forschung hervorgehen. Überlagert mit unserer Ausscheidung «Schutzwald 2012» können wir das Risikopotenzial recht gut abschätzen. • «Alternative Baumarten» Obwohl noch nicht dringend, ist die Frage von alternativen Baumarten vor allem für unsere tieferen Lagen im Rahmen von weiteren Forschungsarbeiten anzugehen und zu klären. Dazu muss nicht nur die ökologische Amplitude von infrage kommenden Baumarten genau bekannt sein, sondern auch ihre Empfindlichkeit gegenüber den bei uns heimischen Pilz- und Insektenarten sowie ihre allfällige Neigung zu invasivem Verhalten. Angesichts ihrer Komplexität, aber auch angesichts ihrer Tragweite sollten diese Fragen meines Erachtens im Rahmen von nationalen Forschungsprojekten geklärt werden.

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Waldbaustrategie Klimawandel Graubünden

Ziel 1: Aufrechterhaltungen Funktionserfüllung

Ziel 2: Keine Fehlinvestitionen

Handlungsfeld Mortallität

Handlungsfeld Grossereignisse

Handlungsfeld Prioritätenerkennung

Handlungsfeld Baumartenmischung

Schutzfunktion

– Keine grossen Blössen – rasche Wiederbestockung

– Einhaltung NAIS – gesunder Baumbestand – gesicherte Verjüngung – Beobachten und wo nötig Eindämmen von Neobiota – Vielfältige Baumartengarnitur

An den Standort angepasste Baumartengarnitur

Trinkwasserversorgung

Holzproduktion Weitere Funktionen

Aufklärung Waldeigentümer/Forstbetriebe

abiotisch

Gegenmassnahmen

Kenntnisse Standorte und Entwicklung

Vertiefte Kenntnisse über Ansprüche Baumarten

– Hilfsmittel für Standortbestimmung – Konsolidierte Prognose der Entwicklung

Baumartenportfolio Ansamung/Aufwuchs/Altbestand

– Entscheidungshilfen – Finanzen für angemessene Massnahmen

Prüfen von Projekten und anderen Vorhaben auf «Klimaveränderungstauglichkeit» Kontrollgänge Ursachenabklärungen

Bestimmen von Pathogenen Bekämpfungsmassnahmen

biotisch

In welchem Bereich liegen die Prognosen? In welchen Fällen ist ein Eingreifen notwendig?

Lenkung der Baumartengarnitur

– Pflanzungen/Schutz – Jungwaldpflege – Finanzierung von Lenkungsmassnahmen – Keine Baumartenentmischung durch Wild

Geogr. Lokalisierung der grössten Probleme (z.B. trocken-heiss)

Problem Neobiota

– Überwachung – Kenntnis angemessener Massnahmen – Finanzierung Massnahmen

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Zielsetzungen Handlungsfelder

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2.2 Handlungsbedarf für das Amt für Wald und Naturgefahren • «WEP» Der Waldentwicklungsplan muss ergänzt werden im Sinne von: Waldbaustrategie und weiteren Massnahmen bezüglich Klimawandel. • «Anpassung der Waldbaustrategie» Wir müssen uns überlegen, wie wir im Rahmen der waldbaulichen Planung (Betriebsplanung) und der waldbaulichen Tätigkeit (Anzeichnung, Jungwaldpflege), die Baumartenvielfalt noch optimaler ausschöpfen können. • «Früherkennung» Wir werden wohl präziser anleiten müssen, wie die Waldgesundheit durch das Forstpersonal vor Ort beobachtet werden soll. 3. Fazit Die vorliegenden Ergebnisse haben meine Erwartungen als Leiter des AWN erfüllt. Ausgehend von den besorgniserregenden Beobachtungen war es für mich vor allem sehr wichtig, mehr über die Dynamik der Phänomene zu erfahren. Wie schnell würden die Prozesse ablaufen? Haben wir noch Zeit zu reagieren und wie grossflächig umfassend würden die Phänomene auftreten?

Ich bin beruhigt weil ich weiss, dass die Lebensgemeinschaft Wald über eine sehr grosse Pufferfähigkeit verfügt, wenn das Artenportfolio genügend gross ist. Wir haben wahrscheinlich noch genügend Zeit, um zu reagieren, nach alternativen Baumarten Ausschau zu halten und solche notfalls dann auch anzubauen. Ich bin beunruhigt, wenn ich sehe, wie schnell sich der Klimawandel bemerkbar gemacht hat und wie die Prognosen für die weitere Entwicklung aussehen. Ich stelle zusammenfassend fest: Wir sind heute noch nicht in einer kritischen Lage, müssen aber reagieren. Abschliessend danke ich Andreas Rigling, Thomas Wohlgemuth und ihrem Team ganz herzlich für die tolle Zusammenarbeit. Mein Dank geht auch an die Forstbetriebe bzw. deren Leiter, die ihre Zeit und ihren Wald für das Projekt zur Verfügung gestellt haben. Reto Hefti Leiter Amt für Wald und Naturgefahren Loëstrasse 14, CH-7000 Chur reto.hefti@awn.gr.ch

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Bündner Wald im Klimawandel: eine erste Bilanz Die Temperaturen sind in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen, während die Niederschlagsverhältnisse nicht änderten. Bei weiter steigenden Temperaturen werden Waldbestände im Bündnerland in höheren Lagen stärker wachsen als heute. In den Tieflagen werden Föhre und Fichte auf flachgründiger Unterlage infolge zunehmender Trockenheit vermehrt absterben. Föhre und Fichte werden sich in einem wärmeren Klima besonders in feuchten Gunstjahren verjüngen. Das Tempo, mit welchem die Temperaturen weltweit in den letzten 50 Jahren angestiegen sind, ist aussergewöhnlich. In Graubünden haben seit den 1960er-Jahren die Sommertage in tieferen Lagen um 50 bis 70 Prozent zugenommen, die Frosttage um 15 bis 45 Prozent abgenommen ( 20 bis 50 Tage; Bader et al. 2012 ), und der Frühling beginnt seit 1989 regelmässig früher ( Frühlingsindex, © Meteoschweiz ). Eine weitere Auswirkung des Klimawandels ist vermutlich auch das Auftreten von vorübergehend ausgeprägter Trockenheit. Absterbende Waldföhren im Churer Rheintal, dort also, wo die wenigsten Niederschläge im Kanton fallen, führten zum Projekt «Bündner Wald im Klimawandel», in dessen Rahmen Untersuchungen im Raum Chur–Domat/ Ems–Scharans durchgeführt wurden. Nach Abschluss der Feldarbeit und Auswertungen ziehen wir eine erste Bilanz. Klima Das Lokalklima im trockenen Churer Rheintal gleicht im Temperaturverlauf jenem der Walliser Tieflagen. Im Sommer fallen im Gegensatz zum Wallis aber mehr Niederschläge ( Δ: 220 mm in Tieflagen ). Während es heute fast 2 °C wärmer ist als noch vor 50 Jahren,

sind die Regenmengen unverändert bei etwas mehr als 800 mm; ein Trend hin zu einer Zu- oder Abnahme ist nicht deutlich feststellbar. Die erhöhten Mortalitäten in Föhrenwäldern stehen am Ende einer seit Messbeginn einmaligen Abfolge von vier sehr feuchten Jahren von 1999 bis 2002 und vier sehr niederschlagsarmen Jahren von 2003 bis 2006. Im Zuge des Klimawandels rechnet das International Panel on Climate Change mit einer Zunahme von Extremer-eignissen wie Hitzewellen oder Starkniederschlägen. Jahrringanalysen Bäume in den Hochlagen reagieren auf warme Sommertemperaturen mit mehr Wachstum, unabhängig von der Niederschlagsmenge. Dagegen sind die Bäume in Tieflagen auf flachgründiger Unterlage empfindlich auf vorübergehende oder wiederholte Trockenheit. Auf Bündner Schiefer (  Gradient Domat/Ems  ) stellten wir keine gravierenden Wachstumseinbussen während der Trockenheit im 2011 fest. Waldföhren auf Böden mit wenig Wasserspeicher können nach wiederholter Trockenheit absterben. Trockene Witterung schränkt das Föhrenwachstum auf flachgründigem Substrat ein. Fichten auf etwas bodenfeuchteren Standorten reagieren ebenfalls sensibel auf Trockenheit. Kronenverlichtung und Stammzuwachs Die Frühjahrstrockenheit 2011 führte nur bei der Föhre in Tieflagen zur vorübergehenden Kronenverlichtung. Föhre und Lärche in Tieflagen verzeichneten im 2011 einen nur geringen Jahrringzuwachs sowie eine Schrumpfung der Rinde. Alle beobachteten Bäume erholten sich im feuchten 2012 von der Trockenheit 2011.

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Befallsrisiko von Waldföhren durch Borkenkäfer Da wärmere Temperaturen nicht nur die Reproduktion von Borkenkäfern fördern, sondern auch deren Antagonisten, ist eine Prognose zum Borkenkäferbefall von Föhren im Rahmen des Klimawandels kaum möglich. Auch zum Harzfluss, der als Schutz gegen Borkenkäfer dient, können keine abschliessenden Aussagen gemacht werden, da zwar einerseits die Harzviskosität bei wärmeren Temperaturen zunimmt, vorübergehend fehlende Niederschläge andererseits aber die Harzproduktion einschränken können. Anwuchs von Fichte und Waldföhre Bäume verjüngen sich bei günstigen Verhältnissen. Dabei spielen der Standort ( Bodenfeuchtigkeit ), die Witterung ( genügend Niederschlag ) und die Art ( Föhre, Fichte ) die grösste Rolle für einen Anwuchserfolg. Die Föhre ist auf trockenen Standorten der Fichte überlegen und gegenüber den hier aufgeführten Faktoren ist die Herkunft der Samen ( Provenienz ) unbedeutend. Im Rahmen von natürlichen oder holzschlagbedingten Störungen ist die Föhre gegenwärtig und in Zukunft in der Verjüngung kaum limitiert. Wälder in einem wärmeren Klima Unsere dreijährigen Felduntersuchungen und Auswertungen zu Klima- und Jahrringreihen zeigen eine grosse Variationsbreite an Klimaeffekten und Baumreaktionen an. Um abschätzen zu können, wie sich das heutige und das künftige Klima ( + 4 °C ) auf die Wälder im Churer Rheintal und in beschränktem Masse im Kanton Graubünden auswirken wird, betrachten wir im Folgenden die drei Prozesse Baumwachstum, Mortalität und Verjüngung unter Berücksichtigung des heutigen und des künftigen Klimas.

Die meisten Waldbestände im Bündnerland haben in den letzten 50 bis 125 Jahren eine Erwärmung von 2 bis 2,5 °C erfahren. Die Folgen dieses Klimawandels sind von den Veränderungen in der Bewirtschaftung überprägt und können nicht abgeschätzt werden. Im aktuellen Klima wachsen die Waldbestände oberhalb von ca. 1000 bis 1200 m ü. M. stärker als noch vor 50 Jahren. Wiederholte Niederschlagsarmut wie in den Jahren 2003 bis 2006 kann besonders bei der Waldföhre auf flachgründiger Unterlage zu erhöhten Mortalitäten führen. Die Folgen einer weiteren Temperaturerhöhung um bis zu 4 °C sind gemäss den Resultaten in CH2014 -Impact ( 2014  ) und eigenen Untersuchungen stark unterschiedlich in Tief- und Hochlagen ( Tab. 1 ): In den Tieflagen wird die Waldföhre wohl nur in lückigen Beständen weiterbestehen und Fichte, Tanne und Buche werden keine optimalen Wuchsbedingungen mehr vorfinden. Im Unterschied dazu wird das Wachstum in den Hochlagen für alle Bäume besser sein. Während bei den Nadelbäumen wenig Ausbreitungsbarrieren bestehen, können sowohl die Buche als auch die Eiche nur sehr langsam in entfernte Gebiete vordringen, wo Samenbäume bisher fehlen, das Wuchspotenzial in Zukunft aber besser wäre. Zusätzlich zu den Betrachtungen über die Klimaveränderung sollte der Rolle des Bodens und seiner Wasserspeicherleistung eine grössere Beachtung geschenkt werden. Zu einem beträchtlichen Teil besteht die Gesteinsunterlage im Kanton Graubünden aus Bündner Schiefer, einem Substrat, auf welchem tiefgründige Böden mit hervorragender Wasserspeicherkapazität entstanden sind. Wir gehen davon aus, dass viele Waldbestände auch bei wärmeren Temperaturen auf solcher Unterlage weiterhin gute Wuchsbedingungen vorfinden.

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Klima

heute

2085

Temperatur

Jahresmittel zwischen 9,5 und 11 °C (wie warmes 2003 oder kühles 2005)

wärmere Temperaturmaxima im Sommer; starke Abnahme der Frosttage bzw. milde Winter

Niederschlag

Jahressumme zwischen 550 bis 1200 mm (wie trockenes 1971 oder nasses 1999)

Zunahme von Extremen wie Starkregen oder Dürre; ab 2050 Abnahme der Sommerniederschläge

Föhre: Adultphase

– T: auf flachgründiger Unterlage nach wiederholter Trockenheit geschwächt und in den Folgejahren höhere Mortalität

– T: auf flachgründigem Untergrund häufig geschwächt und nur noch in lückigem Bestand überlebensfähig – H : besseres Wuchspotenzial

Föhre: Verjüngung

– T/H: auf Rohboden rasch aufkommend

– T: auf Rohboden in Gunstjahren (Pulse) – H: auf Rohboden rasch aufkommend

Fichte: Adultphase

– T /H: durch Borkenkäfer gefährdet nach Störungen wie Windwurf – T: Wachstumsreduktion nach Trockenheit – H: verstärktes Wachstum gegenüber früher

– T: nicht mehr im Wuchsoptimum – H: Zunahme der Wuchsleistung; durch Borkenkäfer gefährdet nach Störungen – T/H: Zunahme der Borkenkäfergenerationen von 2 auf 3 pro Jahr

Fichte: Verjüngung

– T/H: auf Rohboden bei feuchten Verhältnissen

– T/H: auf Rohboden bei feuchten Verhältnissen (Gunstjahre werden seltener)

Weisstanne: Adultphase

– T/H: steht in der Regel robust auf tiefgründigen Böden

– T: vorübergehende Limitierungen auch auf tiefgründigen Böden möglich – H: besseres Wuchspotenzial – T/H: bei vermehrter Trockenheit vermehrter Befall durch z. B. den Krummzähnigen Weisstannenborkenkäfer

Weisstanne: Verjüngung

– Wild ist das Hauptproblem

– Wild ist das Hauptproblem; Verjüngung in Gunstjahren (Pulse)

Buche: Adultphase

– T/H: steht in der Regel robust auf tiefgründigen Böden

– T: nicht mehr im Wuchsoptimum – H: besseres Wuchspotenzial an Orten wo die Buche heute nicht vorkommt

Buche: Verjüngung

– T/H: ohne Probleme

– T: Verjüngung v. a. in Gunstjahren (Pulse) – H: ohne Probleme wo Mutterbäume in der Nähe sind

Klimavariation

Reaktion Baumarten

Tabelle: Folgen des Klimawandels auf die Adultphase und die Verjüngung bei verschiedenen Baumarten. Sowohl die Angaben zum Klima im Jahr 2085 (Szenario A1B mit +4 °C) als auch die Informationen zur Baumverbreitung stammen aus CH2014-Impacts (2014). T: Tieflagen, H: Hochlagen. Bündner Wald 6 /2014 11

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Klimaentwicklung im Churer Rheintal von 1888 bis 2013 In den letzten 125 Jahren ist die mittlere Temperatur in Chur um knapp 2,5 °C angestiegen. Die Niederschlagsverhältnisse haben sich in diesem Zeitraum nicht verändert. Als deutliche Anomalie in den letzten Jahrzehnten ist die Periode von 1999 bis 2006 hervorzuheben, in welcher auf vier extrem feuchte Jahre vier sehr trockene Jahre folgten. Durch weiter ansteigende Temperaturen wird die Verdunstung stärker, weshalb mit mehr Episoden von ausgeprägter Trockenheit zu rechnen ist. Das Klima wird als Durchschnittswetter einer Periode von 30 Jahren definiert. Der Charakter eines Klimas wird mittels monatlicher Mittelwerte im Klimadiagramm dargestellt. Für eine genauere Charakterisierung des Klimas werden saisonale Extremwerte von Temperatur (Frosttage, tiefste Tempe-

raturen) und Niederschlag (längste Dürreperioden, Länge der Schneebedeckung) angegeben (z. B. Bader et al. 2012). Überlegungen zum Klimawandel können durch den Vergleich verschiedener Klimaperioden angestellt werden oder durch die Betrachtung von langjährigen Messreihen (Abb. 1). Da das Vorkommen der Baumarten durch die artspezifischen Ansprüche an Wärme, Wasser und Nährstoffe limitiert ist, kann sich infolge des Klimawandels das Wuchsoptimum der einzelnen Baumarten am aktuellen Standort langfristig verändern. Klima und Waldstandort Im Rahmen des Klimawandels stellt sich also die Frage, ob sich die Lebenserwartung von Bäumen am Standort, wo sie heute wachsen, infolge von höheren Temperaturen und

Grafik 1 und 2: Jährliche Mitteltemperaturen und Niederschlagssummen von 1888 bis 2013 in Chur Masans, 556 m ü. M, sowie Verlaufskurven für Chur Masans und Sion (482 m ü. M.). (Daten: © MeteoSchweiz)

Mittl. Temperatur [°C]

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Chur: Mittlere Temperatur Chur: Verlaufskurve * Sion: Verlaufskurve *

10 9 8 7

*) gleitender Mittelwert mit Gauss Tiefpassfilter

1890

1910

1920

1930

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1970

1980

1990

2000

2010

Jahr

1200

Niederschlag [mm]

1900

Chur: Jahressumme

Chur: Verlaufskurve * Sion: Verlaufssumme *

1100

Trend 1888−2013 Mehrjährige Trockenheit

1000 900 800 700 600 500

*) gleitender Mittelwert mit Gauss Tiefpassfilter

1890

1900

1910

1920

1930

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2010

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markanterer Trockenheit verändern wird. Temperatur- und Niederschlagsmessungen liefern diesbezüglich grundlegende Informationen. Deshalb wurden 2010 entlang von drei Höhengradienten in Felsberg (Südhang: 570 m, 1220 m, 1900 m), Domat/Ems (Nordhang: 580 m, 1420 m, 1900 m) und Scharans m) acht Kli(Südwesthang: 850 m, 1900  mastationen installiert. Genaue Witterungsmessungen sollten den Zusammenhang zwischen unmittelbaren Wuchsbedingungen und der Dynamik des Baumwachstums aufzeigen. Insbesondere fragten wir, welche klimatischen Unterschiede zwischen den Wuchsorten der Waldföhrenwälder in der Region Chur und jenen in der Tallage des Wallis bestehen, wo bereits seit Längerem höhere Mortalitätsraten festgestellt werden.

bei Schneefall beheizbare Messgeräte notwendig gewesen wären. Unsere Messdaten stellten wir den Messreihen der Klimastation Chur Masans ( 556 m ü. M.) und Sion ( 482 m ü. M.) gegenüber. Veränderung des Klimas von 1888 bis 2013 Im Zeitraum von 125 Jahren ist die mittlere Temperatur in Chur um knapp 2,5 °, von ca. 7, 9 ° auf 10,3 °C, angestiegen (Grafik 1). Wer in den 1960er-Jahren geboren wurde, erlebte bis heute einen mittleren Temperaturanstieg von 1,7 °C. Dies entspricht etwa dem mittleren Anstieg der meisten Messstationen in der Schweiz (www.meteoschweiz. ch, 1. 9. 2014 ). Bezogen auf denselben Zeitraum variierten die Jahressummen der Niederschläge um den Mittelwert von 807 mm stark (Grafik 2), von minimalen 521 mm (1921) bis maximalen 1198 mm im Jahr 1999. Die langjährige Trendkurve deutet eine Niederschlagszunahme an, doch ist der Trend wie an anderen Messorten wie Davos und SelgMaria nicht signifikant (Bader et al. 2012 ).

Lokale Klimamessungen und lange Klimareihen Von August 2010 bis Oktober 2012 wurden im Stundentakt Messdaten erhoben. Während der Wintermonate war eine korrekte Niederschlagsmessung nicht möglich, da

Grafik 3: Monatliche Niederschlagssummen von August 2010 bis Oktober 2012 entlang der Höhengradienten Felsberg, Domat/Ems und Scharans; Vergleich mit den langjährigen Mittelwerten an den Klimastationen Chur Masans und Sion. (Grafik: © MeteoSchweiz)

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Doch wenn mehrjährige Perioden mit deutlichem Niederschlagsdefizit betrachtet werden (Grafik 2 ; 1892 – 1894, 1898 – 1900, 1941 – 1943, 1971 – 1973, 2003 – 2006 ), sticht die Periode von 2003 bis 2006 ins Auge. Mit vier Jahren Dauer war diese Pe­ riode die längste Zeit mit geringen Nieder­ schlagsmengen. Sie folgte auf die längste, ebenfalls vier Jahre dauernde Periode mit grossem Niederschlagsüberschuss. Lokale Witterung 2010 bis 2012 Unsere im Gelände auf 2 m über dem Bo­ den gemessenen Wetterdaten zeigen einen weitgehend gleichen Verlauf wie die Mess­ daten in Chur Masans auf. An den unters­ ten Stationen in Felsberg, Domat/Ems und Scharans ist es rund 0,5 ° bis 1 °C wärmer als in Chur Masans. Am Fusse des Calanda in Felsberg, im wärmsten Ort, herrschen Tem­ peraturen wie in Sion. In den Sommerhalb­ jahren 2011 und 2012 wurden in Felsberg Temperaturen gemessen, die zwischen 1° und 3,5 °C höher waren als der Mittelwert von 1981 bis 2010. Die Messstation Chur Masans verzeichne­ te von 1981 bis 2010 eine mittlere Nieder­ schlagsmenge von 849 mm, wovon 523 mm auf das Sommerhalbjahr von April bis Sep­ tember entfallen. Pro Sommerhalbjahr fallen damit 226 mm mehr Regen als in Sion (Gra­ fik 3). Sowohl Chur als auch Sion verzeich­ nen im Winter wenig Niederschlag. Unsere Messungen entlang der Höhengradienten lieferten in den Tieflagen ähnliche Wer­ te wie die professionell betriebene Station in Chur Masans, doch sind unsere Daten­ reihen in mittleren und oberen Höhenlagen, wo mehr Regen fällt, teilweise lückenhaft. Der Sommer 2010 war überdurchschnittlich nass. Ihm folgte ein extrem niederschlags­ armer Winter und Frühling 2011; erste grössere Niederschlagsmengen fielen erst

Niederschlagsdaten als wichtige Grundlage für die Klimaforschung. (Bild: Sandro Krättli)

ab Mitte Mai 2011. Von Mai bis Oktober 2011 entsprachen die Niederschläge exakt dem langjährigen Mittelwert. Während des Sommerhalbjahrs 2012 fiel etwas mehr Re­ gen als im langjährigen Mittel. Höhere Temperaturen bei gleichbleibendem Niederschlag Langzeitstudien belegen für das Bündner­ land einen starken Temperaturanstieg in den letzten 50 Jahren. Dagegen bestehen keine Hinweise auf entsprechende Änderungen in den Niederschlagssummen. Die Situation von 1999 bis 2006 mit vier extrem feuch­ ten und danach vier sehr trockenen Jahren war aber einmalig für das Gebiet. Gemäss neusten Prognosen des Intergouvernemen­ tal Panel on Climate Change im Jahr 2013 sollen klimatische Extremereignisse, wozu auch mehrjährige Niederschlagsdefizite zu zählen sind, in den nächsten Jahrzehnten zunehmen. Eine Begleiterscheinung von höheren Temperaturen ist die raschere Aus­ trocknung während längerer Schönwetter­ Bündner Wald 6 /2014 15

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perioden infolge grösserer Verdunstungsraten. Bäume auf flachgründiger Unterlage in tiefen Lagen dürften davon am stärksten betroffen sein. Da im Untersuchungsgebiet keine Abnahme der mittleren Niederschlagssummen zu erwarten ist, rechnen wir infolge höherer Temperaturen und stärkerer Verdunstung mit markanteren Episoden von Trockenheit, dies im Unterschied zum Wallis (Sion), wo wegen geringerer Sommerniederschläge eine chronische Stresssituation entstehen dürfte. Literatur Bader S., Begert M., Croci-Maspoli M., Scherrer S., Schlegel, T. ( 2012) Klimabericht

Kanton Graubünden 2012. Fachbericht MeteoSchweiz 242 : 1 – 56.

Thomas Wohlgemuth Eidg. Forschungsanstalt WSL CH-8903 Birmensdorf thomas.wohlgemuth@wsl.ch

Ulrich Wasem Eidg. Forschungsanstalt WSL CH-8903 Birmensdorf ulrich.wasem@wsl.ch

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Jahrringanalysen entlang von Höhengradienten Bei Eintreten der Klimaprognosen ist für die Region Chur und das Domleschg im Sommer vermehrt mit Trockenperioden trotz tendenziell steigender Jahresniederschläge zu rechnen. Baumarten auf flachgründigen Standorten dürften zunehmend mit den trockenen Bedingungen zu kämpfen haben. Auf besser mit Wasser versorgten Standorten hingegen zeigen sich die Bestände verhältnismässig robust. Trockenheit ist ein entscheidender Faktor für die Waldökosysteme in inneralpinen Tälern. So werden z. B. im Wallis auf den trockenen, tiefer gelegenen Standorten unterhalb 1200 m, wo die Waldföhre teilweise dominant auftritt, seit mehreren Jahren verbreitet Absterbeprozesse beobachtet. Ähnliche Phänomene sind auch im Aostatal, dem Vinschgau, der Region Innsbruck im Inntal und auch im Churer Rheintal festzustellen ( Rigling et al. 2006 ; Schilli et al. 2008 ). Die ökologische Interpretation des Jahrringwachstums, die sogenannte Dendroökologie, ist ein geeignetes Instrument für die Rekonstruktion und Analyse walddynamischer Prozesse, da die Jahrringbreiten der Bäume die Wachstumsbedingungen in den entsprechenden Jahren wiedergeben: Bei ungünstigen Bedingungen werden schmale, bei vorteilhaften Verhältnissen entsprechend breite Jahrringe gebildet. Jahrringe können also als das Gedächtnis von Bäumen, Wäldern oder ganzen Landschaften verstanden werden. Dendroökologische Methoden wurden wiederholt erfolgreich eingesetzt, um Wachstums- und Absterbeprozesse in Wäldern zu analysieren, beispielsweise in den Waldföhrenwäldern des Wallis (Weber et al. 2007). Um solche walddynamischen Prozesse in einem grösseren Gebiet zu verstehen, empfiehlt es sich Waldbestände entlang von Standortsgradienten zu untersuchen, weil dadurch die Interpretation der bestandesspe-

zifischen Resultate und die Entschlüsselung der wachstumsbeeinflussenden Faktoren erleichtert werden. Im Forschungsprojekt BüWaK untersuchen wir die Wirkung von klimatischen Faktoren, speziell von Trockenheit, auf das Baumwachstum in der trockenheitssensitiven Region Chur–Domleschg. Dabei beurteilen wir die Empfindlichkeit der wichtigsten einheimischen Nadelbaumarten Fichte ( Picea abies ), Lärche ( Larix decidua ), Waldföhre ( Pinus sylvestris ) und Weisstanne ( Abies alba ) gegenüber Trockenheit. Dendroökologische Analysen Die Untersuchungen wurden entlang von drei Höhengradienten in Felsberg, Domat / Ems und Scharans in je drei Waldbeständen und zusätzlich bei Haldenstein und Tomils in zwei Tieflagenbeständen mit erhöhter Waldföhrenmortalität durchgeführt. Die Standorte erstrecken sich von der unteren montanen Buchenstufe bis in die subalpine Fichtenstufe. Die Standortsverhältnisse der Untersuchungsbestände unterscheiden sich beträchtlich: So liegen die untersuchten Bestände entlang der beiden Gradienten Felsberg und Scharans sowie die beiden Tieflagenbestände bei Haldenstein und Tomils in Südexposition und stocken auf hartem Kalk, mehrheitlich auf flachgründigen Böden mit geringem Wasserspeichervermögen. Der Gradient Domat  /Ems hingegen ist nordexponiert und liegt im Bereich des Bündner Schiefers, mit entsprechend tiefgründigen Böden und besserem Wasserspeichervermögen. Fichten und Lärchen konnten auf allen neun Standorten, Waldföhren auf sieben und Weisstannen auf zwei Standorten beprobt werden. Pro Bestand und Baumart wurden je 30 Bäume ausgewählt und Jahrringbohrkerne entnommen. Insgesamt wurden rund 1000 Bäume beprobt. Die Bohrkerne wurden auf Holzträger aufgeleimt, getrocknet Bündner Wald 6 /2014 17

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Tomils Haldenstein

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1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009

Abb. 1: Rekonstruierte Absterbezeitpunkte von Waldföhren in den Tieflagen-Beständen Tomils und Haldenstein. (Grafik: Grundmann)

und angeschliffen. Im Labor wurden sämtliche Bohrkerne datiert und die Breiten von

mehr als 100 000 Jahrringen gemessen und analysiert. Bei den toten Bäumen wurde der Absterbezeitpunkt rekonstruiert. Um den Einfluss des Klimas auf das Baumwachstum zu untersuchen, wurden die Jahrringbreiten jedes einzelnen Jahres mit den entsprechenden Monatswerten von Niederschlag und Temperatur sowie einem Trockenheits- respektive Feuchtigkeitsindex korreliert. Dazu mussten die Jahrringserien zuerst indexiert werden, d. h. die altersbedingte Abnahme der Jahrringbreiten ausgeglichen werden ( Zumbrunn 2013 ). Rekonstruktion der Absterbezeitpunkte Die ältesten Bäume sind generell in den obersten Lagen zu finden. In Felsberg stehen

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Jahrringbreitenindex

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Jahre

Abb. 2: Jahrringbreitenindex der Hoch- und Tieflagenstandorte bei Felsberg ( rote Linien ) und Domat / Ems ( blaue Linien ) von 1900 bis 2010. Lärche ( ausgezogene Linie ), Weisstanne ( breit gestrichelte Linie ), Fichte ( fein gestrichelte Linie ), Waldföhre ( gepunktete Linie ). (Grafik: Christina Zumbrunn)

die älteste Lärche ( 417 Jahre ) und die älteste Waldföhre ( 256 Jahre ). Auf dem obersten Standort in Domat /Ems steht die älteste Fichte, die 246 Jahre alt ist. Deutlich jünger waren die Weisstannen (Maximalalter 165 Jahre ) sowie die beiden Föhrenbestände bei Haldenstein und Tomils mit einem Durchschnittsalter von rund 150 Jahren. In diesen beiden Beständen wurden in den vergangenen Jahren wiederholt absterbende Föhren festgestellt und heute ist rund ein Drittel aller Bäume der Oberschicht abgestorben. Im Gegensatz dazu wurden in den Hochlagenbeständen keine abgestorbenen Waldföhren gefunden. Da für die Rekonstruktion der Absterbezeitpunkte die Jahrringe noch vollständig vorhanden sein müssen, konnten nur jene Bäume beprobt werden, deren Holz durch Fäulepilze noch nicht zu stark zersetzt war und eine Beprobung noch zuliess. Insgesamt konnten 54 tote Föhren datiert wer-

den. In den Jahren 1997 bis 2003 starben in beiden Beständen nur wenige Bäume ab (Abb. 1). Danach, von 2004 bis 2005, stieg die Mortalität etwa um das Fünffache an und blieb auch in den Folgejahren 2006 bis 2009 noch deutlich erhöht. Der Schluss liegt nahe, dass die hintereinander aufgetretenen extremen Trockenjahre 2003 bis 2006 für diese Absterbewelle verantwortlich waren. Die Jahrringanalysen zeigten ebenfalls, dass die abgestorbenen Föhren im Vergleich zu den noch lebenden Föhren in den Jahren und Jahrzehnten vor dem Absterben schlechter gewachsen waren. Es scheint also, dass schon geschwächte und schlechter wachsende Bäume verstärkt unter der Trockenheit litten und eher abstarben ( Grundmann 2011). Vergleich des Durchmesserwachstums In Abbildung 2 ist das indexierte Jahrringwachstum der Hoch- und Tieflagen­ Bündner Wald 6 /2014 19

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Abb. 3: Korrelation zwischen monatlichen Tro­ckenheitswerten und Baumwachstum der Hochund Tieflagenstandorte bei Felsberg ( rote Linien ) und Domat / Ems ( blaue Linien ). Lärche ( ausge­ zogene Linie), Weisstanne ( breit gestrichelte Linie ), Fichte ( fein gestrichelte Linie ), Waldföhre ( ge­punktete Linie ). Dreiecke zeigen signifikante Werte ( Signifikanzniveau p≤0.05 ) (Grafik: Christina Zumbrunn)

standorte der beiden Gradienten Felsberg und Domat/Ems dargestellt. Die mittleren Höhenlagen sowie der Gradient Scharans wurden, der besseren Sichtbarkeit wegen, nicht abgebildet. Das Wachstum der Bau­ marten in den Hochlagen ist gleichmässiger und weist weniger starke Schwankungen auf als in den Tieflagen. Insgesamt stimmt der Wachstumsverlauf der verschiedenen Baumarten gut überein, was auf starke, synchron wirkende Umweltfaktoren, wie beispielsweise das Klima, hindeutet. Auf der

anderen Seite gibt es in einzelnen Jahren grössere Abweichungen im Jahrringwachs­ tum, was auf baumartenspezifische Reak­ tio­nen zurückzuführen ist, wie beispielswei­ se Insektenbefall oder Mastjahre. In den Tieflagen sind die Trockenjahre 1921, 1944, 1947, 1976 anhand der vergleichsweise schmalen Jahrringe gut erkennbar. Der auffal­ lendste synchrone Wachstumseinbruch fand in den Jahren 2003 bis 2008 statt; er stimmt mit den extremen Trockenjahren 2003 bis 2006 überein. In den Hochlagen hinterlassen Trockenjahre kaum Spuren in den Jahrringen. Klima und Baumwachstum Die Analyse des Klimaeinflusses auf das Baumwachstum wird in der Abbildung 3 ge­ zeigt. Dargestellt sind die Korrelationskoef­ fizienten zwischen dem Jahrringwachstum und den monatlichen Werten der Trocken­ heit. Positive Werte oberhalb der Nulllinie bedeuten, dass die Bäume auf feuchte Be­ dingungen mit gutem Wachstum reagieren und entsprechend bei Trockenheit schlecht wachsen. Das Baumwachstum in den Hoch­ lagen zeigt keinerlei Abhängigkeit zur Was­ serverfügbarkeit respektive Trockenheit. Das heisst, dass auch in den trockensten Jahren, wie beispielsweise 2003, genügend Wasser vorhanden war. Ganz anders sieht es in den Tieflagen aus, wo sämtliche Korrelationskoeffizi­ enten oberhalb der Nulllinie liegen und sehr viele signifikante Signale vorhanden sind. Das Baumwachstum ist hier also sehr stark durch Trockenheit limitiert. Einzig die Lärchen und Weisstannen in Domat / Ems zeigen keinerlei Abhängigkeit von Tro­ ckenheit. Offenbar sind die nordexponier­ ten, tiefgründigen Standorte auf Bündner Schiefer auch in trockenen Jahren genü­ gend mit Wasser versorgt, sodass die Bäu­ me kaum unter Trockenstress leiden.

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Fazit Die Wälder in den Tieflagen reagierten auf die Dürre von 2003 bis 2006 mit deutlichen Wachstumseinbrüchen. Bei der Waldföhre konnte gezeigt werden, dass auf flachgrün­ digen Standorten mehrere aufeinanderfol­ gende Trockenjahre zum Absterben bereits geschwächter Bäume führten. In den Hoch­ lagen zeigten die Trockenjahre hingegen unabhängig der Baumart kaum negative Auswirkungen auf das Wachstum. Erstaun­ licherweise zeigten auch die Lärchen und Weisstannen auf den nordexponierten und tiefgründigen Standorten kaum eine Wachs­ tumsbeeinträchtigung durch Trockenheit, was verdeutlicht, dass die lokalen Standorts­ verhältnisse einen massgeblichen Einfluss auf die Vitalität der Wälder in einem trocke­ neren zukünftigen Klima haben dürften. Literatur • Grundmann N ( 2011) Klimaeinfluss und Absterbedynamik in Waldföhrenbestän­ den im Churer Rheintal und im Dom­ leschg. Zürich, Masterarbeit Universität Zürich • Rigling A, Dobbertin M, Bürgi M, Gimmi U, Graf Pannatier E, Gugerli F, Heiniger U, Polomski J, Rebetez M, Rigling D, Weber P, Wermelinger B, Wohlgemuth T ( 2006 ) Verdrängen Flaumeichen die Wal­ liser Waldföhren? Merkbl. Prax. 41 : 1 – 16 • Schilli S, Dobbertin M, Rigling A, Bucher HU (2008 ) Waldföhrensterben im Chu­ rer Rheintal – ein Vergleich zum Wallis. Bündnerwald 4 : 70  – 74 • Weber P, Bugmann H, Rigling A ( 2007) Radial growth responses to drought of Pinus sylvestris and Quercus pubescens in an inner-Alpine dry valley. J. Veg. Sci. 18 : 777 – 792

• Z umbrunn C ( 2013) Klima-Wachstums­ beziehungen von Fichte, Föhre, Lärche und Weisstanne entlang von Höhengra­ dienten im Kanton Graubünden. Master­ arbeit ETH Zürich, Zürich

Andreas Rigling Eidg. Forschungsanstalt WSL CH-8903 Birmensdorf andreas.rigling@wsl.ch

Chantal Freymond Eidg. Technische Hochschule Zürich ETH CH-8092 Zürich

chantal.freymond@erdw.ethz.ch

Marketa Jetel Eidg. Forschungsanstalt WSL CH-8903 Birmensdorf

marketa.jetel@wsl.ch

Christina Zumbrunn Amt für Wald des Kantons Bern CH-3752 Wimmis

christina zumbrunn@vol.be.ch

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Trockenheit und Stammwachstum Zusammenfassung Das Stammwachstum ist eine sensitive und einfach zu bestimmende Grösse, um die Wirkungen von Trockenheit auf Wald­ bäume zu studieren. Im Rahmen des Pro­ jekts BüWaK wurden in den Jahren 2011 und 2012 an verschiedenen Standorten des Bündner Rheintals Zuwachsmessungen an Fichten und Föhren mit Dendrometern durchgeführt. Diese Messungen zeigten, dass das Stammwachstum beider Baumar­ ten sehr stark durch die ungewöhnliche Trockenheit im Frühjahr 2011 beeinträchtigt wurde. Die Hangexposition des Standorts war ein wichtiger Faktor, der diese Reaktion auf Trockenheit bestimmte. Die Fichte zeig­ te bei nördlicher Hangexposition eine un­ mittelbare Erholung ihres Stammwachstums von der vorhergehenden Frühjahrstrocken­ heit, während sich das Stammwachstum der Föhre, unabhängig von der Hangexposi­ tion, erst im Folgejahr erholte. Trockenheit und Stammwachstum Der Klimawandel ist die zentrale Heraus­ forderung für die heutige Forstwirtschaft.

Abnehmende Sommerniederschläge und die Häufung von Witterungsperioden mit lang anhaltender Trockenheit und Hitze ge­ fährden die Vitalität und das Wachstum von Waldbäumen und beeinträchtigen damit die Stabilität unserer Wälder ( CH 2011). Eine an diese klimatischen Veränderungen ange­ passte Baumartenwahl gilt deshalb als wich­ tige Handlungsoption der Forstwirtschaft, um diesen Herausforderungen vorsorglich BAFU ; Waldpolitik 2020 ). zu begegnen (  Kenntnisse über art- und standortsspezi­ fische Reaktionen von Waldbäumen auf Trockenheit sind hierfür eine grundlegen­ de Vorraussetzung und stehen deshalb im Fokus der aktuellen forstlichen Forschung. Das Stammwachstum ist eine einfach zu bestimmende Grösse, um art- und stand­ ortspezifische Reaktionen von Bäumen auf Klimafaktoren zu studieren. Es integriert Umwelteinflüsse, die über Kronen- und Wurzelorgane auf den Baum einwirken und macht sie im Durchmesserzuwachs des Stamms sichtbar. Die Abnahme des Durchmesserzuwachses bei Trockenheit ist ein der Forstpraxis gut bekanntes Beispiel,

Abb. 1: Zuwachsmessung mit einem Umfangmessband am Standort Felsberg. (Alle Bilder: Matthias Arend)

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Abb. 2: Saisonaler Stammzuwachs von Fichte und Föhre am Standort Felsberg in den Jahren 2011 und 2012. Höhenlagen: 700 m, 1300 m und 1500 m.

aber auch steigende Jahrestemperaturen oder sommerliche Hitzeperioden können den jährlichen Verlauf des Durchmesser­ zuwachses stark verändern. Diese Ände­ rungen werden in der Breite der Jahrringe langfristig gespeichert und können später an Stammquerschnitten oder Stammbohr­ kernen analysiert werden, um vergangene Klimaeinflüsse auf das Baumwachstum zu bestimmen oder sogar Klimaänderungen in zurückliegenden Jahrhunderten zu rekonst­ ruieren. Zuwachsmessungen mit Dendrometern Obwohl die Analyse von Jahrringen wichti­ ge Informationen über den Zusammenhang zwischen Klima und jährlichem Stammzu­ wachs liefert, ist sie aufgrund ihrer gerin­ gen zeitlichen Auflösung und ihrem retro­ spektiven Charakter nicht geeignet, um die Auswirkungen von kurzfristig auftretenden Witterungsextremen unmittelbar zu studie­ ren. Mithilfe von Dendrometern lässt sich der Stammzuwachs dagegen unmittelbar und mit einer zeitlichen Auflösung von Wochen oder sogar Tagen messen, so dass

Änderungen im Zuwachs eindeutig einem bestimmten Witterungsereignis als Ursache zugeordnet werden können. Damit wird es möglich, die Auswirkungen von Trocken­ perioden unabhängig vom Witterungsge­ schehen der übrigen Vegetationszeit zu stu­ dieren und somit präzisere Aussagen über art- und standortsspezifische Reaktionen von Waldbäumen zu gewinnen. Dendrometer werden zumeist als manuell ablesbare Umfangmessbänder am stehen­ den Baum installiert und können dort Än­ derungen des Durchmessers im Bereich von weniger als einem Millimeter registrieren ( Abb.  1). Bei einer regelmässigen Ablesung lässt sich leicht der saisonale Verlauf des Stammzuwachses verfolgen sowie Beginn und Ende des Wachstums im Frühjahr und Herbst bestimmen. Mit diesen Informatio­ nen kann somit nicht nur der absolute saiso­ nale Zuwachs erfasst werden, sondern auch eine zeitliche Verschiebung im jährlichen Wachstumsverlauf. Dies ist im Hinblick auf zukünftige Klimaänderungen von besonde­ rem Interesse, da mit zunehmenden Jahres­ temperaturen allgemein eine Verlängerung Bündner Wald 6 /2014 23

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Handholzerkurs in Trin GR 12. - 18. April 2015 www.bergwaldprojekt.org der Vegetationszeit und damit ein früherer Beginn und ein späteres Ende des Wachstums erwartet wird. Auch Trockenheit kann den zeitlichen Wachstumsverlauf des Stamms verändern oder sogar einen vorzeitigen Abschluss des Stammwachstums bedingen. Einsatz von Dendrometern im Projekt BüWaK Ein Beispiel für den Einsatz von Dendrometern in der forstlichen Forschung ist das vom Amt für Wald und Naturgefahren des Kantons Graubünden geförderte Forschungsprojekt BüWaK – Bündner Wald im Klimawandel. Im Rahmen dieses Projekts wurden durch die Forschungsanstalt WSL

im Gebiet des Bündner Rheintals umfangreiche Dendrometermessungen an Föhren und Fichten durchgeführt. Ein wichtiges Ziel dieser Messungen war es den Einfluss von Trockenheit auf das Stammwachstum dieser wichtigen Bündner Waldbaumarten zu studieren und damit Rückschlüsse auf ihr zukünftiges Verhalten in einem Klima mit geringeren Sommerniederschlägen und häufigeren Trockenperioden zu ziehen. Das Bündner Rheintal ist hierfür ein besonders geeignetes Untersuchungsgebiet, da dort schon heute viele Waldstandorte durch Trockenheit beeinflusst werden und nach Jahren mit sehr geringen Niederschlägen ein auffälliges Absterben von älteren Föhren zu beobachten ist ( Grundmann 2011). Zudem ergeben sich durch die unterschiedlich exponierten Hanglagen des Talgebiets lokale Abweichungen vom regionalen Klima, welche im Bündner Wald ein wichtiger Standortsfaktor sind. Ergebnisse der durchgeführten Messungen sind beispielhaft für zwei Waldstandorte in Felsberg und Ems dargestellt. Beide Standorte liegen im südlichen Teil des Churer Beckens an südlich und nördlich exponierten Hangseiten. Der Vergleich dieser Standorte ist von besonderem Interesse, da hier exemplarisch die Bedeutung der Hangexposition für die Reaktion von Waldbäumen gegenüber witterungsbedingten Einflüssen gezeigt werden kann. Dies liess sich besonders eindrücklich im Jahr 2011 zeigen, in welchem das Bündner Rheintal von einer ungewöhnlich starken Frühjahrstrockenheit betroffen war. Durch die von Januar bis Mai anhaltende Trockenheit wurden Fichten und Föhren am südlich exponierten Standort Felsberg so stark beeinträchtigt, dass sie bis zum Herbst auf allen untersuchten Höhenlagen keinen oder nur einen minimalen 2 ). Infolge Stammzuwachs zeigten (Abb.

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Abb. 3: Saisonaler Stammzuwachs von Fichte und Föhre am Standort Ems in den Jahren 2011 und 2012. Höhenlagen: 700 m, 1200 m und 1600 m.

von Feuchtigkeitsverlusten im Rinden- und Holzgewebe war sogar ein Schrumpfen des Stammes zu beobachten. Diese Ef­fekte waren am nördlich exponierten Standort Ems weniger stark ausgeprägt und die dort untersuchten Fichten zeigten nach der Frühjahrstrockenheit noch ein deutliches Stammwachstum bis zum Ende der Vegetationszeit ( Abb.  3). Im Jahr 2012 hatte sich das Stammwachstum von Fichte und Föhre von der vorjährigen Frühjahrstrockenheit weitestgehend erholt. In Felsberg blieb der saisonale Zuwachs allerdings geringer als in Ems, was auf den insgesamt schlechteren Wasserhaushalt dieser südlich exponierten Hanglage hinweist. Da mit Fichte und Föhre zwei Baumarten untersucht wurden, die sehr unterschiedliche Feuchtigkeitsansprüche an ihren Standort stellen ( Mayer 1982 ), war es auch von Interesse die Reaktion ihres Stammwachstums auf Trockenheit miteinander zu vergleichen. Obwohl die Fichte generell als wenig tolerant gegenüber Trockenheit gilt, war ihr Stammwachstum nicht stärker von der Frühjahrstrockenheit im Jahr 2011

betroffen als das der Föhre. Auch das bei sehr starkem Wassermangel auftretende Schrumpfen des Stamms war bei beiden Baumarten vergleichbar. In Ems zeigte die Fichte nach der Frühjahrstrockenheit sogar noch ein deutliches Stammwachstum, während sich das Stammwachstum der Föhre erst im folgenden Jahr erholte. Eine im Vergleich zur Föhre höhere Empfindlichkeit der Fichte gegenüber Trockenheit liess sich somit anhand der durchgeführten Zuwachsmessungen nicht bestätigen. Schlussfolgerung Die im Bündner Rheintal durchgeführten Untersuchungen zeigen, dass das Wachstum von Fichte und Föhre sehr stark durch Trockenheit beeinträchtigt wird. Zukünftig abnehmende Sommerniederschläge und die Häufung von Trockenperioden sind deshalb eine ernst zu nehmende Gefährdung für diese wichtigen Baumarten des Bündner Waldes. Insbesondere Waldstandorte mit angespanntem Wasserhaushalt und südlicher Hangexposition werden von diesen Änderungen betroffen sein. Bündner Wald 6 /2014 25

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Literatur • Bundesamt für Umwelt BAFU ( Hrsg.) 2013 : Waldpolitik 2020. Visionen, Ziele und Massnahmen für eine nachhaltige Bewirtschaftung des Schweizer Waldes. Bundesamt für Umwelt, Bern: 66 S. • C H2011 ( 2011) Swiss climate change scenarios CH2011. Zurich, Switzerland: C2SM , MeteoSwiss, ETH , NCCR Climate, and OcCC • Grundmann N ( 2011) Klimaeinfluss und Absterbedynamik in Waldföhrenbestän­ den im Churer Rheintal und im Dom­ lesch. Masterarbeit Universität Zürich • Mayer H (1982 ) Waldbau auf soziolo­ gisch-ökologischer Grundlage. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart

Matthias Arend Eidg. Forschungsanstalt für Wald Schnee und Landschaft WSL CH-8903 Birmensdorf

matthias.arend@wsl.ch

Matthias Dobbertin ( † ) Der geschätzte Mitarbeiter und Forscher der WSL verstarb unerwartet am 31. 10. 2012

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Das Befallsrisiko von Waldföhren durch Borkenkäfer Die Populationsdichten von Borkenkäfern werden nicht nur durch ihre natürlichen Feinde reguliert, sie hängen auch stark von der Widerstandskraft ihrer Wirtsbäume ab. Die infolge des Klimawandels veränderten Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse können sich auf alle Ebenen des Systems Wirtsbaum – Borkenkäfer – natürliche Feinde auswirken. Die Szenarien für die künftige Klima-Entwicklung prognostizieren einen stetigen Anstieg der Temperaturen und ab Mitte dieses Jahrhunderts einen Rückgang der Niederschläge im Sommer ( CH2011, 2011). Diese beiden klimatischen Faktoren sind für die Entwicklung von Borkenkäfern und anderen rindenfressenden Insekten ( zusammen im Folgenden Rindenbrüter genannt ) von herausragender Bedeutung. Rindenbrütende Arten werden einerseits durch die Abwehrmechanismen und die Nahrungsqualität der Wirtsbäume beeinflusst ( bottom-up) und andererseits von räuberischen und parasitischen Insekten reguliert ( top-

down ). Gesunde Bäume können im Normalfall Einbohrversuche von Rindenbrütern durch Freisetzen von Harz abwehren. Eine mangelnde Wasserversorgung schwächt die Wirtsbäume und macht sie für Borkenkäfer und andere Schadorganismen attraktiv und leichter besiedelbar. Höhere Umgebungstemperaturen wirken sich direkt auf die Vermehrung von Insekten aus, da sich die Larven schneller entwickeln und die Muttertiere mehr Eier produzieren. Dies gilt sowohl für die Rindenbrüter als auch für ihre räuberischen und parasitischen Gegenspieler ( Antagonisten ). Wie die komplexen Wechselwirkungen im System Wirtsbaum – Rindenbrüter – Antagonisten durch den Klimawandel beeinflusst werden, ist schwierig zu untersuchen. Da man im Experiment nicht einfach ganze Wälder erwärmen oder austrocknen kann, untersuchten wir als Ersatz sogenannte Höhengradienten in Wäldern. Dies sind Verläufe im Gelände, die sich nur in der Höhe unterscheiden bei möglichst konstanten

Abb. 1: Höhengradient mit Untersuchungsflächen auf drei verschiedenen Höhenstufen bei Scharans. (Bild: Beat Wermelinger)

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Abb. 2: Auf der Nord- und Südseite eines Baums montierte Röhrchen zur Harzmessung. (Bild: Beat Wermelinger)

anderen Bedingungen. Mit zunehmender Höhe über Meer nimmt die Temperatur ab und die Niederschläge nehmen zu ( s. Artikel Seite 13 ). Vor allem die unterschiedliche Temperatur entlang dieser Gradienten gibt uns gewisse Hinweise, wie sich die Abwehrfähigkeit von Wirtsbäumen und die Vermehrung von Rindenbrütern und ihrer natürlichen Feinde bei einem künftig wärmeren Klima verändern könnte. Im Herbst 2009 wurden in inneralpinen Trockentälern im Aostatal ( Italien ) und im Wallis je zwei Höhengradienten in Waldföhrenwäldern ( Pinus sylvestris ) angelegt. Abb. 3: Innerhalb von 24 Stunden ausgeflossene Harzmenge bei Waldföhren auf unterschiedlichen Höhenstufen; Durchschnitt von sechs Standorten in Graubünden, im Wallis und im Aostatal. (Grafik: Oliver Jakoby)

Harzfluss [g / Tag]

4

2010

2011

3

2

1

0 Unten

Mitte

Oben

Unten

Oben

Die Höhengradienten lagen jeweils auf einem nord- und einem südexponierten Hang und umfassten drei Höhenstufen: «Unten» ( 800 – 900 m ü. M.), «Mitte» (1200  –1300 m) und «Oben» (1500 –1700 m). Mit einem Jahr Verzögerung folgten die beiden Bündner Gradienten Scharans bei Thusis ( Abb. 1) und Felsberg, beides südexponierte Hänge. An allen Gradienten wurden die im Folgenden beschriebenen Untersuchungen zur Harzabwehr der Föhren und zur Besiedlungsdichte von Rindenbrütern und ihren natürlichen Feinden durchgeführt. Harzfluss zur Abwehr von Insekten Nadelbäume besitzen in der Rinde und im Holz ein System von Harzkanälen, mit denen sie sich gegen das Eindringen von Pilzen und Insekten zur Wehr setzen können. Je schwächer ihr Harzungsvermögen ist, desto eher gelingt es Schadorganismen, einen Baum zu besiedeln. Speziell bei Borkenkäfern ist bekannt, dass die Anzahl Tiere, die minimal nötig ist, um einen Baum erfolgreich besiedeln zu können, stark von seiner Vitalität abhängt. Je vitaler ein Baum ist, desto mehr Käfer müssen sich gleichzeitig für eine erfolgreiche Besiedlung einbohren. Sind es zu wenige, bleiben sie im Harz stecken. Deshalb wird die Intensität des Harzflusses als ein Mass für die Baumvitalität betrachtet. Um dieses Harzungsvermögen zu messen, wurden entlang aller sechs Höhengradienten an sechs bis zehn Bäumen Löcher von 13 Millimeter Durchmesser in die Rinde gestanzt und daran Sammelröhrchen montiert ( Abb. 2 ). Nach 24 Stunden entfernten wir die Röhrchen und wogen das ausgeflossene Harz im Labor. Um zu schauen, ob die Dichte der Harzkanäle mit der Höhe variiert, entnahmen wir von je zehn Föhren der oberen und unteren Höhenstufe auf den Bündner und Walliser Gradienten

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Bohrproben von Rinde und Holz und untersuchten im Labor die Anzahl Harzkanäle pro Flächeneinheit. Obwohl die Unterschiede im Harzfluss der einzelnen Bäume sehr gross waren, zeigte sich doch deutlich, dass in beiden Untersuchungsjahren die pro Tag ausgeschiedene Harzmenge auf der untersten Stufe der Gradienten am höchsten war und mit der Höhe abnahm ( Abb. 3 ). Die Gewebeanalysen der Harzkanaldichte ( Abb. 4 ) ergaben, dass auf den beiden untersuchten Höhenstufen ( unten und oben ) im Durchschnitt etwa gleich viele Harzkanäle pro Quadratmillimeter vorhanden waren. Da nun auf der untersten Stufe trotz gleicher Harzkanaldichte mehr Harz floss, bedeutet dies, dass die Unterschiede im Harzfluss höchstwahrscheinlich auf die Fliessgeschwindigkeit des Harzes zurückzuführen sind. Die tieferen Temperaturen der höheren Lagen erhöhen die Viskosität ( Zähflüssigkeit ) des Harzes, was den Harzfluss einschränkt. Die Anzahl der Harzkanäle bewegte sich mehrheitlich zwischen 1 und 4 Kanälen pro Quadratmillimeter. Ein Einbohrloch eines Zwölfzähnigen Föhrenborkenkäfers ( Ips sexdentatus  ) beispielsweise hat eine Fläche von etwa 3,5 mm2, was bedeutet, dass der Käfer beim Eindringen in die Rinde dem Harz von etwa 3 bis 14 Kanälen ausgesetzt ist.

attraktiv für einen Befall durch Rindenbrüter. Anfang Sommer – früh genug, dass fertig entwickelte Generationen noch nicht ausgeflogen waren und spät genug, dass auch spät fliegende Arten noch ansiedeln konnten – wurden von diesen Bäumen je vier 80 cm lange Stücke von Stamm und Ästen herausgeschnitten und im Labor in 5 ). Um Schlupfkästen ausgebrütet (  A bb.  auch Arten mit längerer Entwicklungsdauer zu erfassen, verblieben diese Holzstücke während zweier Jahre darin. Da noch nicht alle Tiere bestimmt sind, beziehen sich die folgenden Resultate für das Wallis und Aostatal nur auf die im Befallsjahr der Bäume geschlüpften Tiere der beiden Probejahre und für den Kanton Graubünden nur auf 2011. Insgesamt ( inklusive natürliche Feinde, siehe nächster Abschnitt ) wurden bisher 111 900 Individuen bestimmt, davon 95 600 Rindenbrüter. In Bezug auf die Besiedlungsdichten von Borkenkäfern Abb. 4: Längsschnitt durch Föhrensplintholz. Die Harzkanäle erscheinen im angefärbten Gewebe blau, die senkrechten Holzfasern rot. (Bild: Barbara Kinigadner)

Rindenbrütende Insekten Um den Befallsdruck von Rindenbrütern in Abhängigkeit der Höhe beurteilen zu können, wurden auf allen Höhenstufen der sechs Gradienten Fangbäume ausgelegt: Die lokalen Forstdienste fällten jeweils im Herbst Bäume mit unterschiedlichen Benadelungsgraden, einem weiteren Mass für ihre Vitalität. Damit wurden die Stämme im Frühling nach der Schneeschmelze Bündner Wald 6 /2014 29

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Abb. 5: Schlupfkästen zum Ausbrüten von Insekten in befallenem Holz. Die einzigen Lichtquellen in den geschlossenen, dunklen Kästen sind die zwei Stutzen oben und unten am Kasten, durch welche die lichtsuchenden Insekten in die Fangdosen gelangen. (Bild: Beat Wermelinger)

zeigte sich kein klares Verteilungsmuster auf den drei Höhenstufen der drei Regionen ( Abb.  6 ). In Graubünden war die Besiedlungsdichte in den obersten Stufen immer höher als in den unteren, während im Aostatal die mittleren Stufen am stärksten besiedelt wurden (  in Sarre gab es keine untere Stufe ). Im Wallis war die Verteilung ziemlich ausgeglichen. Verallgemeinernd Abb. 6: Jährliche Dichten der aus Fangbäumen geschlüpften Borkenkäfer an je zwei Standorten in drei Alpentälern auf drei Höhenstufen ( GR Graubünden, VS Wallis, AO Aostatal ; Fel Felsberg, Sch Scharans, Vis Visp, Sal Salgesch, Aym Aymavilles, Sar Sarre ; N nordexponiert, S südexponiert ; O oben, M mitte, U unten im Höhengradient ). (Grafik: Beat Wermelinger)

Borkenkäfer [n/m 2 /Jahr]

2000 1600 1200 800 400 0

U M O

Fel (S)

Sch (S)

GR

Vis (N)

VS

Sal (S)

Aym (N)

Sar (S)

AO

kann man sagen, dass die Stämme der untersten Lagen entgegen den Erwartungen weniger stark von Borkenkäfern befallen waren. In Tabelle 1 sind für die beiden Gradienten im Kanton Graubünden die Besiedlungsdichten von einzelnen Arten oder taxonomischen Gruppen aufgelistet. Die beiden häufigsten Rindeninsekten waren der Kleine und Grosse Waldgärtner. Ihre Brutdichten waren in den oberen beiden Stufen deutlich höher als unten. Dies galt vor allem für den Grossen Waldgärtner, der auf der höchsten Stufe in allen Re­gio­nen klar am häufigsten war. Auch der Sechszähnige Föhrenborkenkäfer, der als aggressivste Borkenkäferart auf Föhre gilt ( Wermelinger et al. 2008 ), war in den höheren Lagen häufiger. Die Absenz einzelner Arten in den Fangbäumen auf gewissen Höhenstufen zeigt, dass Stämme sehr unterschiedlich befallen werden können. Es ist anzunehmen, dass diese Arten auf den entsprechenden Höhenstufen nicht wirklich fehlten, sondern lokal selten waren oder in anderen, attraktiveren Stämmen brüteten. Die beiden Waldgärtner als häufigste Borkenkäferarten ( Abb.  7 ) zeigten kaum eine Präferenz für bestimmte Vitalitätsklassen der Bäume ( ausgedrückt als Nadelverlust; Abb. 8). Sie brüteten erfolgreich in Bäumen in einem breiten Bereich von 10 bis 50 Prozent Nadelverlust. Man muss sich aber bewusst sein, dass diese Bäume gefällt waren und somit als abgestorbene Stämme besiedelt wurden. Bäume, die zu Lebzeiten mehr als 50 Prozent Nadelverlust hatten, besassen nach ihrem Tod offenbar eine für die Käfer eher unattraktive Rindenqualität. Natürliche Gegenspieler Die wichtigsten natürlichen Feinde von Borkenkäfern sind räuberische Käfer und Fliegen

30

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Felsberg

Scharans

Rindenbrüter

Unten

Mitte

Oben

Unten

Mitte

Zimmermannsbock (Acanthocinus aedilis)

27,3

20,3

1,4

18,3

27,3

Sechszähnige Föhrenborkenkäfer (lps acuminatus)

0,3

146,6

28,8

39,1

Buchdrucker (lps typographus)

43,8

Kupferstecher (Pityogenes chalcographus)

Oben

0,4

1,2

34,4

1,8

12,8

86,0

Kl. Waldgärtner (Tomicus minor)

243,9

821,0

1147,6

824,4

1073,1

1038,1

Gr. Waldgärtner (Tomicus piniperda)

15,5

54,1

144,6

18,3

52,9

785,7

Räuberische Insekten

Unten

Mitte

Oben

Unten

Mitte

Oben

Ameisenbuntkäfer (Thanasimus formicarius)

0,3

6,6

2,5

13,6

5,3

6,0

Langbeinfliegen (Dolichopodidae)

20,2

16,1

12,5

3,5

8,9

8,1

Lanzenfliegen (Lonchaeidae)

0,3

0,8

1,4

0,5

9,1

3,7

Parasitische Insekten

Unten

Mitte

Oben

Unten

Mitte

Oben

Brackwespen (Braconidae)

7,6

8,0

10,9

24,1

17,6

9,1

Pteromalidae

34,2

97,4

40,2

85,4

19,0

1,1

Tab. 1: Liste und Befallsdichten ( Individuen pro m2 ) der wichtigsten Insekten, die aus Föhrenstücken der beiden Bündner Gradienten ausschlüpften.

sowie parasitische Wespen ( vgl. Tab. 1). Beim ) ernähren sich Ameisenbuntkäfer ( Abb.  9  sowohl die Larven unter der Rinde als auch die adulten Käfer auf der Rindenoberfläche räuberisch von Borkenkäfern. Bei den Langbein- und Lanzenfliegen fressen lediglich die Larven in den Brutgängen von Borkenkäfern deren Larven. Wie bei den Rindenbrütern zeigte sich auch bei den räuberischen Insekten kein einheitliches Bild ( Abb. 10 ). Ausser

in Graubünden waren die Räuberdichten in den untersten Lagen jedoch am tiefsten. Die parasitischen Wespen, welche die unter der Rinde lebenden Borkenkäfer parasitieren, waren jedoch eher unten am zahlreichsten. Vom Wallis und Aostatal sind die Daten auch vom zweiten Schlupfjahr vorhanden, also ein Jahr nach der Insektenbesiedlung im Frühjahr. Hier zeigt sich, dass die Rindenbrüter vor allem im ersten Jahr schlüpften, ihre Bündner Wald 6 /2014 31

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Abb. 7: Der Grosse Waldgärtner ( Tomicus piniper-

Abb. 9: Der Ameisenbuntkäfer ( Thanasimus

da ) kommt vor allem in höheren Lagen vor.

formicarius ) ist ein auffälliger Borkenkäferjäger

(Bild: Beat Wermelinger)

auf der Rindenoberfläche. Seine Larven fressen unter der Rinde Larven von Borkenkäfern. (Bild: Beat Wermelinger)

Entwicklung also weniger als ein Jahr dauerte. Am deutlichsten war dies bei den Waldgärtnern zu sehen, von denen im ersten Jahr über 80 000 Tiere schlüpften, im zweiten Jahr kein einziges mehr. Bei den räuberischen Insekten schlüpften die Ameisenbuntkäfer und die Lanzettfliegen ebenfalls vorwiegend im ersten Jahr, die Langbeinfliegen überwinterten jedoch zur Hälfte und flogen erst im nächsten Frühling aus. Dasselbe galt für die parasitischen Brack­wespen. Fazit Die Untersuchungen entlang von Höhengradienten ergaben nur bedingt klare ResulAbb. 8: Brutdichten des Kleinen und Grossen Waldgärtners in Föhren von unterschiedlichem Benadelungsgrad. (Grafik: Beat Wermelinger) Waldgärtnerdichte [n/m 2 ]

1400 1200 1000 800 600 400 200 0

0

10

20

30

40

50

60

70

80

tate zur Beurteilung der Auswirkungen des Klimawandels auf den Befall durch Rindenbrüter. Einerseits wurde deutlich, dass das Harz mit zunehmender Temperatur (  d. h. geringerer Höhenlage  ) leichter fliesst und sich die Föhren so besser gegen einbohrende Käfer zur Wehr setzen können. Bisherige Erfahrungen, wonach sich das Befallsrisiko durch Rindenbrüter mit zunehmenden Temperaturen erhöht, konnten nicht bestätigt werden. Der Befallsdruck war während der untersuchten ein bis zwei Jahre bei wärmeren Bedingungen ( untere Höhenlage im Gradienten ) eher geringer. Die Dichten von räuberischen und parasitischen Insekten verliefen im Gradienten tendenziell zueinander gegenläufig, was bei sich ändernden Temperaturen wenig Auswirkungen auf die Regulation von Rindenbrütern durch natürliche Feinde erwarten lässt. Bei gewissen Borkenkäferarten ist bei höheren Temperaturen eine zweite Generation pro Jahr und damit auch eine zweite Befallsperiode denkbar. Was die prognostizierten trockeneren Sommer ab Mitte dieses Jahrhunderts für die Befallsanfälligkeit der Föhren bedeuten, kann aufgrund unserer Untersuchungen nicht beurteilt werden. Es ist denkbar, dass

Nadelverlust [%]

32

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Räuberische Insekten [n/m 2 /J]

Wermelinger B., Rigling A., Schneider Mathis D., Dobbertin M., 2008: Assessing the role of bark- and wood-boring insects in the decline of Scots pine ( Pinus sylvestris ) in the Swiss Rhone valley. Ecol. Entomol. 33 : 239 – 249.

40 30 20 U M O

10 0

Fel (S)

Sch (S)

GR

Vis (N)

Sal (S)

Aym (N)

VS

Sar (S)

AO

Abb. 10: Jährliche Dichten der aus Fangbäumen geschlüpften räuberischen Käfer und Fliegen an je zwei Standorten in drei Alpentälern auf drei Höhenstufen ( GR Graubünden, VS Wallis, AO Aostatal ; Fel Felsberg, Sch Scharans, Vis Visp, Sal Sal-

Beat Wermelinger Eidg. Forschungsanstalt WSL CH-8903 Birmensdorf beat.wermelinger@wsl.ch

gesch, Aym Aymavilles, Sar Sarre ; N nordexponiert, S südexponiert ; O oben, M Mitte, U unten im Höhengradient ). (Grafik: Beat Wermelinger)

die höheren Temperaturen zwar das Harz schneller fliessen lassen, die fehlenden Niederschläge aber die Harzproduktion limitieren. Dadurch würde die Widerstandskraft der Wirtsbäume insgesamt abnehmen. Literatur CH2011, 2011: Swiss climate change scenarios CH2011. C2SM, MeteoSwiss, ETH, NCCR Climate, OcCC; Zürich, 88 S.

Doris Schneider Eidg. Forschungsanstalt WSL CH-8903 Birmensdorf doris.schneider@wsl.ch

Oliver Jakoby Eidg. Forschungsanstalt WSL CH-8903 Birmensdorf oliver.jakoby@wsl.ch

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Bündner Wald 6 /2014 33

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Verjüngung von Waldföhren und Fichten verschiedener Herkunft Untertitel Grundschrift

Abb. 1: Untersuchungsfläche in Bonaduz mit 15 Regendächern, die 0, 1⁄3, oder 2⁄3 der natürlichen Niederschlagsmenge abführen. (Bilder: U. Wasem)

Die limitierenden Faktoren für den Keimungserfolg und das frühe Wachstum von Fichten und Waldföhren unterschiedlicher Herkunft wurden an drei Standorten im Rheintal experimentell geprüft. Feuchte Verhältnisse als Folge von Standortbe/  oder Witterung sind für dingungen und  den Verjüngungserfolg nötig. Wegen zunehmender Trockenheit im Sommer wird die Verjüngung in Zukunft besonders in Gunstjahren und an feuchten Standorten stattfinden. Trockenheit kann alle Lebensphasen eines Baums beeinflussen. Bei ausgewachsenen Bäumen beeinträchtigt sie in erster Linie die Wuchsleistung und führt erst unter extremen Bedingungen zum Absterben. Für Keimlinge und Recklinge kann hingegen bereits vorübergehende Trockenheit gefährlich werden, da ihr Wurzelsystem noch wenig ausgebildet ist und sie tiefer liegende Wasservorkommen somit nicht erreichen können. In mediterranen oder semiariden Re­ gionen in Spanien und Südfrankreich könnten deshalb selbst geringe klimatische Veränderungen häufiger zu grossen Ausfällen bei der Verjüngung führen. In der Schweiz erachten wir die Verjüngung bei

zunehmender Sommertrockenheit besonders an flachgründigen, sonnenexponierten Orten sowie in grossen, unbeschatteten Waldblössen als Herausforderung für die zukünftige Forstwirtschaft. Die Gruppe Störungsökologie der Eidg. Forschungsanstalt WSL befasst sich seit Längerem mit der Frage, wie sich die prognostizierten klimatischen Veränderungen auf die Waldverjüngung auswirken und wie ein an den Klimawandel angepasstes Baumartenportfolio aussehen könnte, das auch in Zukunft eine natürliche Waldverjüngung ermöglicht. Im Rahmen des Projekts BüWaK und als Teil des Forschungsprogramms Wald und Klimawandel (BAFU/WSL) wurden Keimungserfolg, Überlebensraten und Wachstum von ein- bis dreijährigen Fichten und Waldföhren verschiedener Herkunft unter natürlichen Bedingungen in Bestandeslücken gemessen. So wurde untersucht, wie weit sich unsere Wälder durch die Selektion von geeigneten Individuen selber an zukünftige Klimabedingungen anpassen können oder ob das Einbringen von Samenherkünften aus europäischen Gebieten mit bereits heute trockenerem Klima eine Erfolg versprechende Anpassung an den

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Abb. 2: Ernte und Vermessung der Sämlinge im Herbst 2012. (Bilder: T. Wohlgemuth)

Klimawandel sein könnte. Für die Versuche wurden drei Standorte im Raum Bonaduz – Tamins ausgewählt, die südexponiert sind und unterhalb von 1000 m ü. M. auf kalkhaltigem Gestein liegen. Die Bodeneigenschaften variieren von tiefgründig mit hoher Wasserspeicherkapazität bis flachgründig mit tiefer Wasserspeicherkapazität. An jedem Standort wurden 15 Regenreduktionsdächer installiert, die entweder 0, 1⁄3 oder 2⁄3 der natürlichen Regenmenge abführen (Abb. 1). Im April 2010 und 2011 wurden unter jedem Regendach Fichten- und Waldföhren­samen von vier Herkünften aus dem Rheintal, dem Rhonetal, aus Tirol, von Transsylvanien sowie aus der Ukraine ausgesät. Keimung, Überleben und Wachstum der Sämlinge wurden von 2010 bis 2012 gemessen (Abb. 2 ). Nach insgesamt drei Vegetationsperioden zeigte sich, dass die Regenreduktions­ dächer bei grossen Niederschlagsmengen zu klein waren, um die Bodenfeuchtigkeit entscheidend zu verändern. Dafür hat die saisonale Witterung im Jahr der Keimung den Verjüngungserfolg mehr beeinflusst als alle anderen Faktoren. Bei beiden Baumarten war die Anzahl Keimlinge im Herbst am grössten, wenn auf einen

niederschlagsreichen Frühling ein feuchter Sommer folgte. Die Witterungsbedingungen im Jahr der Keimung beeinflussten das Keimlingswachs­tum auch noch im darauffolgenden Jahr. So wiesen zweijäh­ rige Waldföhren, die im feuchten 2010 gekeimt waren, rund viermal mehr oberirdische Biomasse auf als gleichaltrige Waldföhren, die im trockenen 2011 aufgekommenen waren. Nebst der Witterung spielten auch die Bodeneigenschaften an den drei Standorten eine wichtige Rolle: Während sich die Waldföhre im feuchten 2010 an allen Standorten gut verjüngte, waren Fichtenkeimlinge nur am tiefgründigsten Standort mit der höchsten Wasserspeicherkapazität zahlreich anzutreffen. Im trockenen 2011 konnte sich auch die Waldföhre nur noch an diesem Standort ausreichend etablieren. Im Vergleich zur saisonalen Witterung und den Standort­ bedingungen spielte die Samenherkunft sowohl bei der Fichte als auch bei der Waldföhre während der ersten drei Jahre des Aufwachsens eine vernachlässigbare Rolle. Dass die Waldföhre besser mit trockenen Bedingungen zurechtkommt und in den ersten Jahren schneller wächst als die Fichte, mag banal erscheinen, denn diese Bündner Wald 6 /2014 35

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Resultate widerspiegeln das Fehlen der Fichte beziehungsweise das Vorkommen der Waldföhre in trockenen Gebieten oder an tief gelegenen, zur Austrocknung neigenden Südhängen wie zum Beispiel im Wallis oder am Jurasüdfuss. Darüber hinaus zeigt das Experiment aber deutlich den Einfluss von Standort und Klimavariation und es macht klar, dass die Keimungs- und Wachstumsbedingungen bereits unter den heute herrschenden Klimabedingungen sowohl räumlich als auch zeitlich sehr variabel sind. Der Anwuchserfolg hängt in hohem Masse davon ab, ob einem Mastjahr gute Witterungsbedingungen im folgenden Frühjahr und Sommer folgen oder nicht und auf welchen Untergrund die Samen fallen. Dies gilt umso mehr nach Auflichtungen, Holzschlag und grossflächigen Störungen wie Windwurf oder Waldbränden. Dort wächst in den ersten Jahren eine dichte Krautschicht heran, die die Ansamung und das Aufwachsen von Baumkeimlingen erheblich konkurrenzieren und einschränken kann. So stellt sich die Frage, in welcher Weise der Klimawandel an trockenen Standorten einen Engpass bei der Waldverjüngung bewirken könnte. Gemäss Szenarien der Klimaforscher steigen in Zukunft die Sommertemperaturen und damit die Verdunstungsraten, was gleichzeitig einen höheren Wasserbedarf der Pflanzen als auch ein rascheres Austrocknen der Böden bewirkt. Falls es im Sommer auch noch weniger Niederschläge geben sollte, wird sich die Wasserbilanz zusätzlich verschlechtern. Unter diesen Bedingungen wird das Zusammentreffen einer Samenmast mit günstigen Witterungsbedingungen während der darauffolgenden Vegetationszeit seltener werden. Somit dürfte bei der Fichte eine erfolgreiche Ver-

jüngung an bereits heute trockenen Standorten nur noch selten stattfinden, während eine pulsartige Verjüngung an feuchteren Stand­orten weiterhin wahrscheinlich bleibt. Auch für die Waldföhre dürften günstige Verjüngungsbedingungen seltener werden. Ein Vergleich mit dem Wallis legt jedoch nahe, dass die Waldföhren auch einem wesentlich trockeneren Klima trotzen können und ihr Vorkommen hauptsächlich durch Beschattung und gegenseitige Konkurrenz limitiert wird. So kann in den Tieflagen des Churer Rheintals auch in den nächsten Jahrzenten nach vorübergehend starker oder wiederholter Trockenheit mit einer ausreichenden Waldföhrenverjüngung gerechnet werden, sofern Samenbäume vorhanden sind.

Barbara Moser Eidg. Forschungsanstalt WSL CH-8903 Birmensdorf barbara.moser@wsl.ch

Ulrich Wasem Eidg. Forschungsanstalt WSL CH-8903 Birmensdorf ulrich.wasem@wsl.ch

Thomas Wohlgemuth Eidg. Forschungsanstalt WSL CH-8903 Birmensdorf thomas.wohlgemuth@wsl.ch

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Modelle für die Baumartenverbreitung im Bündnerwald Ändert sich das Klima in ähnlichem Mass wie durch Klimamodelle angekündigt, dann wird es zu einer Umstrukturierung der Baum­artenzusammensetzung im Bündner Wald kommen. Dieser Umbau wird voraussichtlich eher langsam und nicht abrupt ablaufen, ausser wenn Klimaextreme bezüglich Hitze und Trockenheit häufiger und stärker werden. Eiche und Waldföhre werden voraussichtlich ihre Areale stark ausdehnen, während Fichte und Buche sich in höhere Lagen zurückziehen. Die Einwanderung dürfte wegen der komplexen Topografie für neue Baumarten teils erschwert sein. Einleitung Die heutige Verbreitung der Baumarten im Bündner Wald wird durch viele Faktoren bestimmt. Das Klima mit seiner Entwicklung seit der letzten Eiszeit hat einen entschei­ denden Einfluss auf die heutige Verbrei­ tung. Dann sind es aber auch die Böden, die Geologie und v. a. auch die menschliche Nutzungsgeschichte, welche diese Verbrei­ tungsmuster bestimmen. Am Ende der letz­ ten Eiszeit war das Klima deutlich kälter als heute. Es gab aber auch Warmphasen, in welchen das Klima wohl sogar wärmer als heute war ( Kullmann 1999 ). Als Folge die­ ser Klimaänderung haben Baumarten mit grossräumiger Wanderung und mit lokalem Aussterben und Einwandern reagiert. Dazu gab es immer auch Orte, wo bestimmte Baumarten Zeiten überdauert hatten, in welchen die Wuchsbedingungen nicht op­ timal waren. Im Moment ändert sich das Klima wieder stärker, möglicherweise sogar schneller als je zuvor ( I PCC 2013). Das Kli­ ma ändert sich von Jahr zu Jahr zwar rela­ tiv wenig. In 100 Jahren – was etwa dem Planungshorizont im Waldbau entspricht – wird das Klima der Schweiz gemäss neue­

ren Klimamodellen jedoch wesentlich wär­ mer und im Sommer teils trockener sein als heute. Welche Auswirkungen haben solche Veränderungen auf die Baumartenverbrei­ tung im Bünder Wald? Um diese Frage zu beantworten, haben wir Modelle entwi­ ckelt, welche die Verbreitungspotenziale wichtiger Baumarten heute und in ca. 60 bis 80 Jahren darstellen. Verbreitungsmodelle für Baumarten Modelle, welche die Verbreitungspoten­ziale von Baumarten abbilden, basieren auf einer grossen Zahl statistisch erhobener Beobach­ tungen. Das Schweizerische Landesforstin­ ventar ( LFI, Brändli 2010 ) stellt einen ge­ eigneten Datensatz dar, weil er die heutige Verbreitung häufiger Baumarten gut erfasst, und weil er dies in gleich bleibender Beo­ bachtungsintensität über die ganze Schweiz verteilt tut. Damit lassen sich statistische Modelle kalibrieren, welche uns sagen, unter welchen Klima- und Umweltbedingungen heute eine Art vorkommt und unter welchen Bedingungen wir sie nicht finden. Die ver­ schiedenen statistischen Modelle unterschei­ den sich teils darin, dass sie «Vorkommen» oder «Fehlen» von Arten vorhersagen, oder dass sie sagen «mit welcher Wahrscheinlich­ keit» eine Art vorkommt. Letztere Aussage lässt sich aber anhand eines Grenzwertes in Vorkommen und Fehlen transformieren. Wenn also ein Modell vorhersagt, dass eine Art unter den gegebenen Umweltbedin­ gungen fehlt, dann bedeutet dies, dass das Modell unter diesen Bedingungen statistisch gesehen keinen Beweis findet, dass die Art vorkommt ( oder dass die Wahrscheinlich­ keit, dass die Art vorkommt, nur sehr gering ist ). Wenn man Klima- und Umweltkarten zur Verfügung hat, dann lassen sich diese Modelle in den geografischen Raum – etwa den Kanton Graubünden – projizieren, so­ Bündner Wald 6 /2014 37

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Abbildungen 1 und 2: Heutige ( Klimabedingungen von 1961 bis 1990 ) und zukünftige ( 2051 bis 2080 ) Potenzialverbreitung der Buche ( Fagus sylvatica ) im Bündner Wald. Die heute beobachtete Verbreitung ist durch schwarze Punkte angegeben. (Bild: )

dass wir für die gesamte Fläche des Kantons eine Aussage darüber haben, ob das Modell eher Vorkommen oder Fehlen der Baumart vorhersagt. Vergleicht man diese Daten mit der effektiv beobachteten Verbreitung, dann lässt sich berechnen, wie gut das Modell diese Verbreitung erklärt. Ein Modell ist nie vollkommen korrekt, und Fehler treten fast ausschliesslich an den Rändern der Verbreitung auf. Dies kann unterschiedliche Ursachen haben. Zum einen sind eventuell bestimmte lokale Bedingungen nicht korrekt in den Umweltkarten abgebildet. Andererseits sind gar nicht für alle wichtigen Umweltvariablen Karten vorhanden. Schliesslich ist es auch denkbar, dass das Fehlen oder Vorkommen ausserhalb der modellierten Potenzialverbreitung durch historische Ursachen bedingt ist. Der Mensch kann Arten fördern oder mindern. So würde zum Beispiel die Fichte im Schweizer Mittelland kaum ohne menschliche Förderung gedeihen, oder allenfalls nur an steilen, schattigen Lagen. Wenn wir nun Karten von zukünftigem Klima zur Verfügung haben, dann lassen sich

die Verbreitungspotenziale von Baumarten unter möglichem zukünftigem Klima räumlich darstellen. Solche Karten besagen, ob an einem beliebigen Ort das zukünftige Klima für eine bestimmte Art geeignet oder eher ungeeignet ist. Bei Modellprojektionen unter zukünftigem Klima ist zu berücksichtigen, dass dieselben Einschränkungen gelten wie unter heutigem Klima. Wenn wichtige Faktoren, welche die Verbreitung beeinflussen, im Modell nicht erfasst sind, dann wird die Karte der zukünftigen Potenzialverbreitung teilweise ungenau sein. Zudem machen solche Potenzialkarten keine Aussagen darüber, wie rasch solche Veränderungen ablaufen werden. Wenn eine Fläche in Zukunft nicht mehr als geeignet angegeben wird, dann bedeutet dies eventuell, dass die Bedingungen zu limitierend für Baumwachstum sind. Die Art wird wegen physiologischem Stress rasch verschwinden. Es kann aber auch bedeuten, dass die Art unter diesen Klimabedingungen von anderen Baumarten verdrängt wird. Sie kann also aufgrund von Konkurrenz längerfristig dort nicht gedeihen. Waldbewirtschaftung kann

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Abbildungen 3 und 4: Heutige ( Klimabedingungen von 1961 bis 1990 ) und zukünftige ( 2051 bis 2080 ) Potenzialverbreitung der Traubeneiche ( Quercus petraea ) im Bündner Wald. Die heute beobachtete Verbreitung ist durch schwarze Punkte angegeben. (Bild: )

hier unterstützend eingreifen. Aber auch ohne Eingriff würde die sich aus der Konkurrenz ergebende Veränderung Jahrzehnte bis viele Jahrhunderte dauern und nur sehr langsam vonstatten gehen. Die hier präsentierten Modelle wurden im Rahmen des PorTree-Projektes erstellt, welches Teil des vom BAFU und der WSL finanzierten Forschungsprogramms «Wald und Klimawandel» war. Auf der Website können Details zu den Resultaten dieses Projektes eingesehen werden. Erste Ergebnisse sind in einer Zwischensynthese publiziert worden 2011 ). Waldinventur-Daten (  Brang et al.  aus allen am Alpenraum beteiligten Ländern wurden für dieses Projekt zusammengetragen, um Modelle der Verbreitungspotenziale wichtiger Baumarten zu kalibrieren. Einzelne Modelle konnten nur anhand von Schweizer Daten ( LFI ) entwickelt werden, da die Arten entweder in Waldinventuren der umliegenden Länder nicht unterschieden werden, oder weil wichtige Umweltvariablen für diese Arten nur für die Schweiz vorliegen. Insgesamt haben wir sechs verschiedene statistische Modelle verwendet

sie unterscheiden sich alle leicht in den (  Potenzialkarten, welche sie produzieren  ) sowie sechs verschiedene Klimamodelle ( sie projizieren alle etwas unterschiedliche Klimaentwicklungen bis 2100 ). Statistische und Klimamodelle stellen zwei wichtige Quellen der Unsicherheit solcher Potenzialprognosen dar ( Buisson et al. 2010 ). Für jede der 36 möglichen Kombinationen von statistischem und Klimamodell wurde eine Projektion unter zukünftigem Klima modelliert. Anschliessend wurden alle Karten in simuliertes Vorkommen oder Fehlen umgewandelt. Zuletzt wurden für jeden Zeitschnitt alle 36 Karten überlagert und aufsummiert. Die integrale Resultatkarte für einen Zeitschnitt unterscheidet drei Kategorien. Kategorie 1: Die Mehrheit ( > 60 Prozent) aller Modellkombinationen sagt vorher, dass die Umweltbedingungen für die Art geeignet sind (dunkelorange). Kategorie 2: Nur 30 bis 60 Prozent aller Modellkombinationen sagen geeignete Habitate voraus, die Unsicherheit ist hier also sehr gross ( hellorange ). Kategorie 3: Weniger als 30 Prozent aller Modellkombinationen sagen voraus, dass die Art Bündner Wald 6 /2014 39

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hier vorkommen kann. Sie wird mit grosser Wahrscheinlichkeit also fehlen ( beige ). Zukünftige Waldentwicklung im Bündner Wald Im Bündner Wald ist mit einer Veränderung in der Höhenverbreitung von Buche ( Abb. 1) und Fichte zu rechnen. Beide Baumarten werden sich in höhere Lagen zurückziehen. Die mittlere, vorhergesagte Erwärmung im Sommer liegt bei 4 °C oder leicht höher. Da die Temperaturen pro 100 m Höhenveränderung um 0,5 °C abnehmen, bedeutet dies generell eine Verschiebung um 800 Höhenmeter. Bei den prognostizierten gleich bleibenden oder sogar leicht abnehmenden Sommerniederschlägen bedeutet dies auch, dass leicht trockenere Bedingungen eintreten könnten. Für die kühleren höheren Lagen wird dies aber für günstiges Wachstum von Fichte und Buche wohl noch ausreichen. Schwierigkeiten könnten allenfalls auftreten, wenn nicht nur die Durchschnitts­temperatur zunimmt, sondern wenn auch die Schwankungen in den Temperatur- und Niederschlags-Mittelwerten zunehmen. Andere Baumarten können sich unter diesen neuen Bedingungen wohl stark ausbreiten. So ist zu erwarten, dass Eichenarten ( insbes. die Traubeneiche ) sich in Tieflagen des Bündner Abb. 2 ). Waldes stark ausbreiten können (  Auch die Waldföhre und die Lärche dürften sich stärker ausbreiten, da unter den wärmeren und leicht trockeneren Bedingungen für sie grössere Potenzialgebiete vorliegen werden. Das heisst auch, dass Buche und Fichte sich wohl nicht einfach nur generell in höhere Lagen zurückziehen werden, sondern dass sie teilweise durch Waldföhre und Lärche verdrängt werden. Dies wird v. a. in Regionen geschehen, die heute schon relativ trocken sind, wie das Engadin oder das Churer Becken.

Gemäss den Verbreitungspotenzialen unter zukünftigen Klimabedingungen stehen dem Bündner Wald einige also Veränderungen bevor. Es wird kaum zu einem grossflächigen Umbruch kommen, wie er etwa in den USA beobachtet wird (  Allen et al. 2010 ). Wahrscheinlicher ist, dass die Veränderungen ähnlich ablaufen werden, wie sie in den Waldföhren- und Flaumeichenwäldern im Wallis beobachtet werden können ( Rigling et al. 2014 ). Dort sind unterhalb von 700 m Waldföhren in hohem Mass abgestorben, Verjüngung hat für diese Baumart nicht mehr stattgefunden. Da bereits Flaumeichen auf diesen Flächen in Verjüngung begriffen waren, nehmen sie nun rasch zu und werden zu einem Baumartenwechsel führen. Dieser Prozess läuft momentan nur unterhalb von ca. 700 m ab, da es hier nun zu warm / trocken wurde für die Waldföhre. Historische Waldbewirtschaftung hat zudem wohl die Waldföhre unter etwas wärmeren und trockeneren Bedingungen angebaut, als sie dies natürlicherweise getan hätte. Nun ist eine Grenze überschritten, und der Baumartenwechsel geht rasch vonstatten.

Diskussion Die simulierte Potenzialkarte für Buche überschätzt unter heutigen Bedingungen teilweise die Verbreitung im Hinterrheinund im unteren Vorderrheingebiet sowie im Puschlav. In diesen Gebieten ist der Grund nicht einfach ersichtlich, offenbar unterscheiden sich gemäss den Klimakarten die Bedingungen nicht von anderen Regionen der Schweiz und des Alpenraums, wo die Buche heute unter solchen Bedingungen vorkommt. Es ist allerdings bekannt, dass die Buche nie ins Puschlav eingewandert ist. Dies kann einerseits aufgrund der Topografie so geschehen sein, oder aber es sind

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ökologische Gründe dafür verantwortlich ( Frosthäufigkeit oder zeitweise zu trockene Bedingungen  ). Unter zukünftigem Klima dehnt die Buche das Areal stark nach oben aus. Es ist damit zu rechnen, dass im Hinterund Vorderrheintal auch in Zukunft das Potenzial etwas weniger gross als angegeben ist, oder dass die Buche noch länger in tieferen Lagen gut gedeihen kann. Das Puschlav wird wohl auch in Zukunft buchenfrei bleiben resp. wenig Potenzial für Buche aufweisen. Im Engadin scheint die Buche nicht wirklich Fuss fassen zu können. Nur mit grosser Unsicherheit werden in Zukunft wenige Flächen mit geeignetem Potenzial modelliert. Die Traubeneiche kommt heute nur sehr vereinzelt und in tiefen Lagen im Bündnerland vor. Diese Regionen werden vom Modell allgemein gut simuliert. Sie liegen zumeist im heute waldfreien Areal. Unter zukünftigen Bedingungen wird sich die Art mit grosser Wahrscheinlichkeit stark ausdehnen und diese Regionen besiedeln, welche heute von der Buche eingenommen werden. Sie wird die Buche allerdings nicht sehr rasch verdrängen, da die Buche – vorausgesetzt wir erleben keine Extremereignisse, welche den Sommer 2003 übertreffen – auch bei etwas wärmeren und trockeneren Bedingungen noch gedeihen kann. Der Baumartenwandel wird also voraussichtlich relativ langsam ablaufen. Das Unterengadin zeigt bereits ab ca. 2050 und bis Ende Jahrhundert geeignete Habitate. Ob die Art von selber dort rasch einwandern wird, darf bezweifelt werden, denn sie muss dazu lange Wege zurücklegen. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es bei den prognostizierten Klimaänderungen zu einer Umstrukturierung der Baum­ artenzusammensetzung im Bündner Wald kommen wird. Dieser Umbau wird vo-

raussichtlich eher langsam und nicht abrupt ablaufen, v. a. dann, wenn sich der Trend der Klimaänderung der letzten paar Jahrzehnte fortsetzt. Sollten aber Klimaextreme bezüglich Trockenheit und Hitze stärker und v. a. häufiger werden, dann ist es durchaus möglich, dass einzelne Baumarten wie Buche oder Fichte lokal rasch absterben werden. Die Einwanderung neuer Baumarten dürfte in einigen Tälern durch die Topografie sehr erschwert sein ( Puschlav, Unterengadin etc.) und bedingt sorgfältige Planung, falls der Klimawandel wie angekündigt weiter vorangeht. Literatur • Allen CD, Macalady AK, Chenchouni H, et al. ( 2010 ) A global overview of drought and heat-induced tree mortality reveals emerging climate change risks for forests. Forest Ecology and Management 259, 660 – 684. • Brändli, U.-B. ( Red.) 2010. Schweizerisches Landesforstinventar. Ergebnisse der dritten Erhebung 2004 – 2006. Birmensdorf, Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL . Bern, Bundesamt für Umwelt, BAFU . 312 S. • Brang P, Born J, Augustin S, Küchli C, Pauli B, Thürig E, Wemelinger B, Wohlgemuth T & Zimmermann NE, 2011. Forschungsprogramm Wald und Klimawandel. Synthese der ersten Programmphase 2009 – 2011. Birmensdorf, Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL ; Bern, Bundesamt für Umwelt. 51 S. • Buisson L, Thuiller W, Casajus N, Lek S & Grenouillet G, 2010. Uncertainty in ensemble forecasting of species distribution. Global Change Biology 16: 1145 – 1157. Bündner Wald 6 /2014 41

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• I PCC, 2013. Climate Change 2013 : the physical science basis. Contribution of working group I to the fifth assessment report of the intergovernmental panel on climate change. Cambridge University Press, Cambridge, United Kingdom and New York, NY, USA , 1535 S. • Kullmann L, 1999. Early Holocene tree growth at a high elevation site in the

Niklaus E. Zimmermann

Nothernmost Scandes of Sweden ( Lap­ land ) : A palaeobiogeographical case stu­ dy based on macrofossil evidence. Geo­ grafiska Annaler 81(A): 63 – 74 • Rigling A, Bigler C, Eilmann B, et al. ( 2013 ) Driving factors of a vegetation shift from Scots pine to pubescent oak in dry Alpine forests. Global Change Biolo­ gy 19, 229 – 240.

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Global Change Bäume wachsen immer schneller Studie untersucht Trends im Waldwachstum von 1870 bis heute Die Bäume wachsen zwar nicht in den Himmel, aber seit den 1960er-Jahren deutlich schneller. Dem Wald sieht man diese Veränderung nicht an: Die typischen Entwicklungsphasen von Bäumen und ganzen Beständen haben sich kaum verändert, laufen aber beschleunigt ab – um bis zu 70 Prozent. Dies zeigt eine Studie von Wissenschaftlern der Technischen Universität München ( TUM ). Sie basiert auf Langzeitdaten von Versuchsflächen, die seit 1870 kontinuierlich beobachtet werden. Die Arbeit ist kürzlich in «Nature Communications» erschienen. Vor drei Jahrzehnten war das «Waldsterben» in aller Munde: Das Überleben grossflächiger Waldökosysteme schien auf dem Spiel zu stehen. Aktuelle Untersuchungen weisen allerdings eher auf ein beschleunigtes Wachstum als auf einen Kollaps der Wälder hin. Ob, wie und warum Waldbestände innerhalb des letzten Jahrhunderts ihr Wachstum veränderten, wird nach wie vor kontrovers diskutiert. Die jetzt veröffentlichte Studie trägt entscheidend zur Klärung der offenen Fragen bei. Die Untersuchung basiert auf Daten von Versuchsflächen, die seit 1870 systematisch beobachtet werden. Sie zählen damit zu den ältesten waldwissenschaftlichen Anlagen weltweit. Zudem repräsentieren die Waldflächen typische Klima- und Umweltbedingungen in Mitteleuropa. «Unsere Erkenntnisse basieren damit auf einem einzigartigen Datenbestand», sagt Professor Hans Pretzsch vom TUM-Lehrstuhl für Wachstumskunde, der die Studie leitete. Wachstum im Zeitraffer Für Fichte und Buche, jeweils die wichtigste Nadel- und Laubbaumart in Mitteleuropa, ermittelten die TUM-Wissenschaftler ein

Cynthia Schäfer und Eric Thurm, Doktoranden am Lehrstuhl für Wachstumskunde, nehmen eine Jahresring-Probe von einem Baum auf einer Versuchsfläche. (Bild: Leonhard Steinacker / TUM)

deutlich beschleunigtes Wachstum. Buchen entwickelten sich um 77 Prozent schneller als noch 1960, Fichten um immerhin 32 Prozent. Bei Betrachtung ganzer Bestände wuchsen die Buchen um 30 Prozent, die Fichten um 10 Prozent schneller. «Der Wert auf Bestandsebene liegt niedriger als das Wachstum einzelner Bäume, da – vereinfacht gesagt – grössere Bäume mehr Platz brauchen, das heisst, die Gesamtzahl sinkt», erklärt Pretzsch. Die Wissenschaftler führen das rapide Wachstum der Bäume auf das wärmere Klima und die längere Vegetationszeit zurück. Weitere Wachstumsmotoren sind Kohlenstoffdioxid ( CO2 ) und Stickstoff, deren Konzentration seit 100 Jahren stetig ansteigt. «Interessanterweise haben wir beobachtet, dass der saure Regen das Wachstum unserer Versuchsflächen nur vorübergehend beeinträchtigt hat, der Eintrag von Schadstoffen wurde ja auch seit den 1970er-Jahren deutlich reduziert», sagt Pretzsch. «Allerdings Bündner Wald 6 /2014 43

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tung, wie Pretzsch erläutert: «Das bekommen besonders die Pflanzen- und Tierarten zu spüren, deren Habitate von speziellen Waldentwicklungsphasen und -strukturen abhängen. Höhere Mobilität kann für sie zu einer Lebensnotwendigkeit werden.»

Mithilfe von Laser-Scans untersuchen die TUMWissenschaftler, wie sich Strukturen in Baum­ kronen verändern (Bild: Gerhard Schütze / TUM )

liegen nur wenige unserer Versuchsflächen in den Kammlagen der Mittelgebirge – wo die grössten Schäden zu verzeichnen waren.» Veränderung fordert Anpassung Die Bäume wachsen und altern zwar schneller, doch das Erscheinungsbild des Waldes ändert sich deswegen nicht. Aber dieselben Baum- und Bestandsgrössen werden wesentlich früher erreicht als in der Vergangenheit. Davon könnte die Forstwirtschaft profitieren: Die Zieldurchmesser und der bestmögliche Zeitpunkt der Bestandsernte werden früher erreicht. Zudem lässt sich mehr Holz ernten, ohne das Prinzip der Nachhaltigkeit zu verletzen. Allerdings ist die veränderte Zeitskala bislang nicht in die klassischen Ertragsmodelle der Forstwirtschaft eingeflossen, die das Wachstum nur in Abhängigkeit vom Alter betrachten. So besteht die Gefahr, dass der erhöhte Zuwachs gar nicht ausgeschöpft wird. Daneben ist das schnellere Wachstum und die frühere Alterung von Bäumen für das gesamte Waldökosystem von Bedeu-

Langzeitbeobachtung liefert einzigartigen Datenbestand Die Studie basiert auf insgesamt 600 000 Einzelmessungen an Bäumen seit 1870. Über einen so langen Zeitraum lässt sich am Wachstum der Bäume ablesen, wie sie auf die sich wandelnden Umweltbedingungen reagiert haben. Pretzsch: «Obwohl die Versuchsflächen hinsichtlich Klima und Bodenbeschaffenheit variieren, lässt sich überall ein Trend zum schnelleren Wachstum erkennen.» Doch nicht nur die Versuchsflächen und der lange Beobachtungszeitraum machen die Daten so interessant. «Wir betrachten die Bäume nicht isoliert, sondern immer in der Wechselwirkung mit ihren Nachbarn. So können wir verstehen, wie sich die Dynamik einzelner Bäume auf den ganzen Bestand auswirkt. Die Wachstumstrends auf Bestandsebene sind entscheidend für die Forstwirtschaft, wenn wir über Produktivität, CO2-Speicherung und Klimarisiken sprechen», so Pretzsch abschliessend. Publikation • Forest stand growth dynamics in Central Europe have accelerated since 1870 • Pretzsch, H., Biber, P., Schütze, G., Uhl, E., Rötzer, Th., ( 2014 ) • Nat. Commun. 5:4967, DOI: 10.1038 / ncomms5967 Prof. Dr. Hans Pretzsch Technische Universität München Lehrstuhl für Wachstumskunde

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Wald- und  Jagdvorschriften – Ist weniger mehr ?

Wald und Wildtiere vor lauter Gesetzen nicht mehr sehen? (Bild: Sandro Krättli)

Unter diesem Titel fand im August 2014 die traditionelle Wald-Wild-Weiterbildung der Arbeitsgruppe Wald und Wildtiere des Schweizerischen Forstvereins statt. Die Hypothese der Weiterbildung: Durch die zunehmende Gesetzesflut kann die Ziel­ erreichung im Wald ( die standortgerechte Verjüngung ohne Schutzmassnahmen aufzubringen ) sowie bei der Jagd ( Wildschäden auf ein tragbares Mass zu reduzieren ) nicht mehr erfüllt werden: Konflikte sind vorprogrammiert. Fünf Referenten stellten in Landquart und Zollikofen die Situation aus ihrer Sicht dar. Einleitend wurde durch Arthur Sandri ( Landquart ) und Nicole Imesch ( Zollikofen ) die Sicht des Bundes zum integralen Management von Wildtieren und ihres Lebensraums vorgestellt. In den Rahmengesetzen des Bundes sind nur die Grundsätze festgehalten. Insbesondere bei den jagdbaren Arten delegiert der Bund die Kompetenzen der Umsetzung weitgehend an die Kantone. Ist die Zielerreichung nicht mehr gegeben, fordert der Bund ein Wald-Wild-Konzept und gibt mit der Vollzugshilfe Wald-Wild

die entsprechenden Minimalanforderungen vor. Die anschliessende gemeinsame Umsetzung der Massnahmen ist dabei der zentrale Faktor, damit das Konzept nicht bloss in den Archiven verstaubt. Unter dem Schlagwort «Gesetzesflut versus effektive Jagd» zeigte Franz Puchegger auf, dass in Österreich die Jagd-Gesetzestexte von 1945 bis 2014 von 0,6 Kilogramm auf 16,2 Kilogramm zugenommen haben. Ergebnis: Der Wald kann aufgrund der vielen regulativen Gesetze und der damit verbundenen uneffektiven Jagd nicht mehr vernünftig verjüngt werden. Der Ökologische Jagdverband ( ÖJV ) versucht die Jagdvorschriften zu reduzieren, damit effizient gejagt werden kann und die Waldverjüngung wieder eine Chance hat. Veraltete Jagdgesetze, die Politik, Jagdlobbyisten, Trophäenkult und Wildfütterung verhindern eine zeitgemässe Jagd und ein erfolgsorientiertes Wildtiermanagement. Marcel Tschan, Jagdverwalter des Kantons Solothurn, stellte das wohl liberalste Jagdgesetz der Schweiz vor, welches gegenüber dem Rahmengesetz des Bundes nur kleine Bündner Wald 6 /2014 45

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Einschränkungen vorgibt. Er stellte klar, dass ein liberales Jagdgesetz den Jagdgesellschaften bei der Umsetzung der Ziele hilft. Die laufende Totalrevision des Solothurner Jagdgesetzes soll daher nichts daran ändern. Das Wichtigste sei aber, dass auch die ungeschriebenen «Jagdgesetze» und Traditionen, welche die Jäger sich selber auferlegen, begraben werden müssten. Dabei spielt die Aus- und Weiterbildung im Bereich der Jagdplanung eine wichtige Rolle. Auch August Erni, Jäger und Revierförster im Kanton Zürich, vertrat die Meinung, dass es bei der Umsetzung von Vorschriften oft am gesunden Menschenverstand mangle und die Arbeit vor Ort verunmöglicht werde. Insbesondere sei dadurch der NachANZEIGE

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wuchs der Jäger gefährdet, da kaum mehr jemand gewillt sei, sich den teilweise absurden gesetzlichen Auflagen zu unterstellen. Zum Abschluss der Tagung stellte Gottlieb Dandliker das «Genfer Jagdverbotsexperiment» vor. Seit 1974 ist die Jagd im Kanton Genf verboten. Jagdliche Eingriffe erfolgen nur durch die staatliche Naturschutzstelle DGNP in Absprache mit der zuständigen Kommission. Die Jagd ist effizient und kann mit modernsten Methoden erfolgen. Die Kosten sind mit einer Tasse Kaffee pro Einwohner und Jahr vergleichbar und daher sehr vernünftig. Die steigenden Wilddichten schaffen aber zunehmende und neue Probleme. Der Kanton Genf hat deshalb beschlossen, in den kommenden Jahren ein Wald-Wild-Konzept im Sinne des Bundes zu erarbeiten. Unabhängig davon, wie Forst und Jagd organisiert sind, waren sich die Referenten einig, dass Vorschriften kritisch hinterfragt werden müssen. Die gemeinsame Zielsetzung darf nicht durch unnötige und veraltete Regelwerke gefährdet werden. Insofern konnten die Referenten die Frage «Ist weniger wirklich mehr ?» mit einem klaren JA beantworten.

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Europäische Hölzige messen sich in der Biathlon-Arena Lenzerheide

Biathlon ist die Wettkampfsportart des EFNS. (Bild: Flurin Bergamin)

Vom 12. bis 16. Januar 2015 finden die 47.  Europäischen Forstlichen Nordischen Skiwettkämpfe (EFNS) in der Biathlon-Arena Lenzerheide statt. Bei diesem Grossanlass treffen sich Berufsleute der Wald- und Holzbranche aus ganz Europa. Hinter der Veranstaltung stehen Graubünden Wald, der Bündner Forstverein, die Lenzerheide Marketing und Support AG und die Nordic & Biathlon AG. Die EFNS werden seit 1969 jährlich von Wald- und Holzliebhabern aus über 20 Ländern Europas besucht, welche sich Zeit für die Wettkämpfe und für den fachlichen Austausch nehmen. Bei den verschiedenen Biathlon-Wettbewerben treten jeweils gegen 1000 ambitionierte Hobbyläufer gegeneinander an. Die Skiwettkämpfe werden nicht nur für sportliche Hochspannung und Action, sondern auch für ein Fest der Nationen sorgen.

grenzüberschreitende Kameradschaft unter Wald- und Holzprofis. Zudem wird eine öffentliche Plattform für die Belange und die Bedeutung der Wald- und Holzwirtschaft sowie einer nachhaltigen Pflege und Nutzung des Waldes geschaffen. Das ehren­ amtliche Komitee engagiert sich schon seit

Wer kann an der EFNS teilnehmen? Die EFNS ist – wie der Name schon sagt – ein Biathlon-Wettkampf für die europäische Forstfamilie. An der EFNS teilnehmen können daher: • aktive oder pensionierte Angestellte im Wald- und Holzbereich • im Forstbereich Ausgebildete • Waldbesitzer(innen) • Familienmitglieder einer Person, die eine dieser Teilnahmebedingungen erfüll.

Internationaler Gedankenaustausch – öffentliche Plattform für Wald- und Holzwirtschaft Der europäische Forstevent fördert den internationalen Gedankenaustausch und die

Bitte beachten Sie auch, dass Sie nur teilnehmen können, wenn Sie Ihren ständigen Wohnsitz in einem europäischen Land haben.

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Monaten für dieses Projekt und hat ein att­ raktives Programm zusammengestellt. Spannende Wettkämpfe und ein interessantes Rahmenprogramm Den Teilnehmenden sollen nebst spannen­ den Wettkämpfen auf einer topmodernen Anlage auch ein interessantes Rahmenpro­ gramm mit Eröffnungs- und Schlussfeier sowie mit einer Auswahl von Exkursionen und Fachreferaten geboten werden. Für be­ sonders Sportliche lässt sich der Anlass opti­ mal mit der Teilnahme am Planoiras-Volks­ skilauf vom 11. Januar 2015 kombinieren.

Zur Durchführung des Events ist das OK ne­ ben den Athletinnen und Athleten auf frei­ willige Helferinnen und Helfer angewiesen. Interessierte erhalten weitere Informationen unter www.efns.eu oder melden sich beim OK.

Beat Philipp OK EFNS 2015 – Lenzerheide Oberer Vial 4, CH-7204 Untervaz efnslenzerheide@swissonline.ch

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32. Skipostenlauf für das Bündner Forstpersonal Datum und Ort: Samstag, 14. März 2015, Davos – Rinerhorn

Kategorien: Damen, Herren, Lehrlinge, Kinder

Veranstaltung: Riesenslalom und Postenarbeit

Anmeldung: Mit Anmeldetalon bis 6. März 2015 an: Forstbetrieb Davos Landwasserstrasse 15 7276 Davos Frauenkirch 081 414 31 61 andreas.kessler @ davos.gr.ch Nachmeldung an der Tageskasse mit Fr. 5.– Zuschlag.

Zeit: • 8 .00 – 10.00 Uhr: Startnummernausgabe Talstation Rinerhornbahn • 1 0.30 Uhr: Start • 9.30 – 10.15 Uhr: Besichtigung RS • Zirka 15.00 Uhr: Rangverkündigung Zugelassene Sportgeräte: Alle Arten von Snowsport-Geräten – alles, was einem Ski ähnlich sieht. Wettkampfbedingungen: Teilnahmeberechtigt sind alle im Bündner Forstdienst oder bei Forstunternehmen tätigen Personen und deren Frauen, Männer, Freunde/-innen und Kinder.

Startgeld: Damen und Herren Fr. 15.–, Lehrlinge Fr. 7.–, Kinder gratis. Bezahlung des Startgeldes sowie spezielle Tageskarte bei der Startnummernausgabe. Unter Tel. 1600 wird am Vorabend ab 17.00 Uhr informiert, ob der Anlass durchgeführt wird oder nicht.

✂ Anmeldetalon «32. Skipostenlauf Bündner Forstpersonal» Name: Vorname: Ort: Jahrgang: Kategorie: Sportgerät: Ort/Datum: Unterschrift: mit Tageskarte

ohne Tageskarte

Bis 6. März 2015 an:

Forstbetrieb Davos, Landwasserstrasse 15, 7276 Davos Frauenkirch Fax: 081 414 31 69, Mail: andreas.kessler @ davos.gr.ch Bündner Wald 6 /2014 49

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Pistenplan Pistenplan

Legende 50 Bergrestaurant Hubelh端tte 51 Bergrestaurant Jatzmeder 54 Wunder-Bar

Postenarbeit, Verpflegungsstand, Rangverk端ndigung Startnummernausgabe bei der Talstation

Zubringer 6er Gondelbahn Glaris-Jatzmeder Skilift Juonli I - Piste 5

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Interkantonaler Waldfachtag Chur Untertitel Grundschrift

Interessiertes Publikum: Der Försterstudent Martino Lorenzo präsentiert den Waldfachverantwortlichen und seinen Mitstudierenden die Ergebnisse aus seiner Gruppe. (Bild: Nelson Romelli)

Am 20. Oktober 2014 fand in Chur an der ibW eine Tagung mit den Försterstudierenden HF aus Maienfeld und zukünftigen Arbeitgebern statt. Vom Forstpräsidenten bis zum Abteilungschef «Wald» waren insgesamt neun Waldfachverantwortliche aus SG, GR, GL und OW erschienen. Ziel dieser Tagung war, aus erster Hand zu erfahren, was Arbeitgeber von Absolventen der Försterschule erwarten und was wir Försterschüler von ihnen erwarten dürfen. Konstruktive Zusammenarbeit Nach einer kurzen Einleitung von Beat Philipp (Fachvorsteher Wald) nahmen die Anwesenden an Workshops teil. In fünf Gruppen wurden unterschiedliche Fragestellungen behandelt, um anschliessend die Ergebnisse dem Plenum in kurzen Präsentationen vorzutragen. Was ist uns wichtig ? Wir als junge, angehende Förster erwarten von Arbeitgebern eine vertrauensvolle Basis

und Rückhalt auch in kritischen Situationen. Die Zusammenarbeit sollte transparent sein. Auch möchten wir klare Leistungsziele und Kompetenzen definiert und geregelt haben. Was ist für die Arbeitgeber von Belang? Von den Waldfachverantwortlichen wurden verschiedene Aspekte aufgezeigt. Sicherlich spielt es eine Rolle, ob man als Revierförster ohne Forstgruppe oder als Betriebsleiter angestellt wird. Für alle die wichtigsten Punkte waren sicherlich Engagement, ökonomisches Denken und Handeln, breites Fachwissen, Selbstständigkeit und Vertrauen. Als Förster sollte man sich bewusst sein, dass man vielfach mehr Fachwissen hat als sein Amtsvorsteher, der z. B. eine Schlosserei führt. Als junger Betriebsleiter sollte man auch nicht ausser Acht lassen, dass es den alteingesessenen Arbeitern vielleicht nicht immer leicht fallen wird, Neues zu akzeptieren. Hier wird sicherlich auch Personalführung gefordert. Ideal wäre auch, wenn der Förster im Revier «nachwachsen» würde. Er Bündner Wald 6 /2014 51

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besässe dann bereits die geografischen und politischen Ortskenntnisse einer Gemeinde. Alter Förster – neuer Förster ? Für junge Förster wäre es wichtig, dass die Übergabe eines Reviers nicht von heute auf morgen geschieht. Das bedeutet zwar für den Arbeitgeber einen finanziellen Mehraufwand, dieser dürfte aber nicht allzu gross werden, wenn dafür die Einarbeitungszeit kürzer wird. Die Zeit der Doppelbeförsterung birgt aber auch Gefahren. Was, wenn die beiden grundlegende Meinungsverschiedenheiten haben oder einander einfach nicht mögen ?

Zukunft Mit der Ausbildung zum Förster HF legen wir den Grundstein für eine Anstellung als Förster. Diese breit fundierte Ausbildung, sowohl in forstspezifischen Bereichen als auch in Administrationsthemen, vermittelt uns praxisnahe Grundlagen für den späteren Arbeitsalltag. Mit unserem Elan und Willen freuen wir uns auf eine Anstellung als Förster in naher Zukunft.

Jules Weibel und Roman Brazerol, Försterstudenten am ibW Bildungszentrum Wald Maienfeld

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Orlando Lerch am Jungunternehmerforum 2014 Untertitel Grundschrift

Forstunternehmer Orlando Jäger trat am Gründerseminar als Fachperson für die Gründung einer Firma auf. (Bild: Claudia Vieli Oertle)

Das Start-up-Duell am 2. Jungunternehmerforum Graubünden in Chur hat Adrian Hirt vom AlpenHirt für sich entschieden. Das Forum stand ganz im Zeichen des Gründens und der Umsetzung von Geschäftsideen. Die beiden Praxisreferate von velochurier und Flink GmbH gaben Einblick in zwei sehr unterschiedliche Firmengründungsgeschichten. And the winner is ... hiess es kurz vor Ende des 2.  Jungunternehmerforums Graubün­den in der Aula der HTW Chur. Nach den persönlichen Präsentationen von Adrian Hirt mit dem Start-up AlpenHirt aus Tschier­tschen, Sandra Adank-Airoli mit dem neuen Geschäftsfeld Classic Car Collection aus Chur sowie August Schärli mit der ENLUF GmbH aus Klosters folgten die drei Videoclips der Finalisten. Diese wurden von HTW-Studierenden Multimedia Production in Eigenregie erstellt und als Premiere am Abend gezeigt. Jury und Publikum hatten die Qual der Wahl und entschieden sich für den AlpenHirt als Jungunternehmer Graubünden 2014. Gründerseminar mit Praxisbeispiel Nicht nur die Start-up-Finalisten konnten von der Plattform profitieren, die Teilneh-

menden schätzten die Austausch- und Kontaktmöglichkeiten, die das Forum bot. Zu Beginn fand ein Gründerseminar statt, dieses war mit 27 Teilnehmenden ausgebucht. Anhand eines Filmes über den «Weg in die Selbstständigkeit» mit Orlando Lerch von HOLZdrive aus Cazis / Präz wurden durch Fachpersonen Bereiche wie Businessplan, Rechtsformen, Buchhaltung, Personal, Finanzierung, Risikomanagement, Versicherungen, Marketingmassnahmen erläutert. Dieses praxisbezogene Seminar kam bei den Teilnehmenden sehr gut an, es gab regen Austausch. Zwei unterschiedliche Gründerbeispiele Lobende Worte richtete Eugen Arpagaus, Leiter Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden, an die Veranstalterin und erwähnte die Dynamik, die in den letzten drei, vier Jahren im Bereich Jungunternehmertum entstanden sei. «Dies ist wichtig für den Kanton Graubünden und wirkt sich auch für die Talschaften positiv aus.» Zina Cavelti, Fabio Casutt und Martin Schenker, das aktuelle Führungsteam des velochuriers, gaben Einblick in die Unternehmensgründung eines studentischen Projekts. Bündner Wald 6 /2014 53

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Während des Studiums wurde der Businessplan entwickelt. Nach der Gründung der Genossenschaft gab es schon bald Personalwechsel wegen Beendigung des Studiums. Eine weitere Herausforderung war die Umstellung zum Tagesbetrieb, Ausfälle oder Spitzenzeiten mussten vom Führungsteam auch während der Unterrichtszeit organisiert werden. «Momentan planen wir den Ausbau der Lieferzeiten und sind im Gespräch mit einem Partner im Food-Bereich», erläutert Martin Schenker die weiteren Ausbaupläne. Mit der Churer Produktentwicklungsfirma Flink GmbH ging es in die weite Welt hinaus. Einerseits entwickeln und designen die

beiden Unternehmer Remo Frei und Curdegn Bandli Outdoor-Sportbekleidung und -geräte in höchster Qualität und Funktionalität. Andererseits auch Komponenten unter anderem für Geberit im Sanitärbereich. Witzig unterhaltend präsentierten die beiden Unternehmer den Start vor bald zehn Jahren, die Teilnahme an der ersten Fachmesse mit einem Spezialrucksack. Aber auch aktuelle Herausforderungen mit dem Verkaufsstart einer dünnen, wasserresistenten Jacke, deren Entwicklung und Serienfertigung über ein Crowdfunding finanziert werden soll. Claudia Vieli Oertle

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Protokoll GV Graubünden Wald in Donat Traktandenliste 1. Eröffnung durch den Präsidenten 2. Wahl der Stimmenzähler 3. Protokoll der GV vom 31. Mai 2013 in Haldenstein 4. Jahresbericht des Vorstands und Kommissionsberichte 5. Jahresrechnung 2013 und Revisorenbericht 6. Budget 2015 und Festsetzung der Mitgliederbeiträge 7. Wahlen 8. Tagungsort 2015 9. Ernennung von Ehren- und Freimitgliedern 10. Anträge 11. Tätigkeitsprogramm 2014 und Mitteilungen 12. Europäische forstliche nordische Skiwettkämpfe (EFNS) 2014 13. Varia 1. Eröffnung durch den Präsidenten Präsident Beat Philipp eröffnet die 10. Generalversammlung von Graubünden Wald in Donat und heisst 71 Vereinsmitglieder willkommen. Einen speziellen Gruss richtet er an die anwesenden Ehrenmitglieder Andrea Florin, Peder Spinatsch und Edi Taverna sowie an die Ehrengäste Regierungspräsident Mario Cavigelli, Grossrat, und Gemeindepräsident Gian Michael, Waldfachchef Beat Nauli, Korporationspräsident Bergschaft Schams Roman Hassler, Betriebskommissionspräsident Zillis-Schamserberg Nico Tgetgel, GRHolz-Präsident Markus Fischer, SELVAPräsident Leo Thomann, BFUV-Präsident Livio Zanetti, GRHolz-Geschäftsführer Michael Gabathuler, Alt Kantonsförster und Alt-SELVA-Präsident Andrea Florin, Regionalleiter AWN GR Region Mittelbünden Lukas Kobler, Regionalforstingenieurin Cristina

Fisler und Vorstandsmitglied VSF Arnold Denoth. Speziell begrüsst werden auch die Pressevertreter. Es sind viele Entschuldigungen eingegangen, unter anderem, Ständerat Martin Schmid, Nationalrat Hansjörg Hassler, Grossrat Robert Heinz, Waldfachchef Andeer Clo Catrina und Kantonsförster Reto Hefti. Gian Michael, Gemeindepräsident, überbringt die Grussworte der Gemeinde Donat. In seiner Ansprache erwähnt er, dass viele Gemeinden bei der Realisierung des neuen Forstwerkhofs beteiligt waren und dass es grosse Anstrengungen brauchte, dass dies zustande kam. Er wünscht allen Anwesenden einen interessanten und schönen Tag. Weitere Grussworte werden vom Präsidenten der Betriebskommission Zillis-Schamserberg, Nico Tgetgel, überbracht. Die Idee für einen neuen Forstwerkhof entstand bereits 1998. Er betont, dass die Fu­sion der Forstbetriebe gelungen sei und dass die Mitarbeiter sehr zufrieden sind. Einen speziellen Dank richtet er an das AWN GR, insbesondere an Lukas Kobler. In seiner Ansprache blickt der Präsident auf seine siebenjährige Amtszeit zurück. In dieser Zeit hat er spannende und engagierte Menschen kennengelernt und neue wertvolle Kontakte geknüpft. Die durchwegs posi­ tiven Erfahrungen, die Beat gemacht hat, sind für ihn eine Art Entschädigung für die geleistete Arbeit als Präsident. Ein Ziel seiner Amtszeit war, den seit der Fusion des Bündner Forstvereins mit dem Bündner Revierförsterverbands unzufriedenen Försterkollegen eine neue Heimat zu geben. Mit der Bildung der Forstpersonalkommission (FOPEKO) und der 2014 erstmaligen Ausrichtung des «Förstertages» ( 69 Teilnehmer) konnte dieses grösstenteils erreicht werden. Beim Studium der Teilnehmerlisten der letzten Jahre hat der Präsident festge-

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stellt, dass die Kollegen vom AWN GR eher schwach vertreten waren. Er appelliert an den neuen Vorstand, sich Gedanken zu machen, wie man diese Kollegen wieder ins gleiche Boot bringen könne. Es ist wichtig, dass für die zukünftigen Herausforderungen in der Wald- und Forstwirtschaft alle Akteure am gleichen Strick ziehen. Dies geht jedoch nur, wenn man sich gegenseitig kennt und versteht. Der Verein bildet hierzu eine gute Möglichkeit, um die Kameradschaft zu pflegen und den Gedankenaustausch unter Gleichgesinnten zu fördern. In diesem Sinne wünscht unser Präsident eine unterhaltsame Veranstaltung. Die Einberufung der Generalversammlung erfolgte statuten- und termingerecht durch

2 / 2014. Versand der «Bündner Wald»-Nr.  Die Generalversammlung ist damit beschlussfähig. Die Abwicklung der Geschäfte wird gemäss Traktandenliste vorgenommen. Traktandum zehn, «Anträge», entfällt, da keine Anträge zuhanden der GV eingereicht worden sind.

2. Wahl der Stimmenzähler Thomas Voneschen wird einstimmig als Stimmenzähler gewählt. 3. Protokoll der GV vom 31. Mai 2013 in Haldenstein Das Protokoll der neunten GV in Haldenstein wurde in die «Bündner Wald»-Nr. 6 / 2013

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und auf der Homepage von Graubünden Wald ( www.graubuendenwald.ch ) publiziert. Es wird – unter Verdankung an den Protokollführer Arno Kirchen – einstimmig genehmigt. 4. Jahresbericht des Vorstands und Kommissionsberichte Der detaillierte Jahresbericht 2013 wurde 2 / 2014 verin der «Bündner Wald»-Nr.  öffentlicht. Auf eine erneute Wiedergabe des Berichts und der Kommissionsberichte verzichtet der Präsident deshalb. Die Schwerpunkte der Vereinstätigkeit bildeten im letzten Jahr der Skipostenlauf auf der Diavolezza, die Jahresversammlung in Haldenstein, die Lehrabschlussprüfung der

Forstwarte in Chur mit 150 Teilnehmern sowie der Bündner Apéro an der Forstmesse in Luzern. Renaldo Lutz informiert über die Arbeit der Redaktionskommission des «Bündner Waldes». Schwerpunkt war die Aktualisierung der Homepage des «Bündner Waldes». Die neue Homepage wird mit ein paar Folien vorgestellt. Die Auflage des «Bündner Waldes» liegt knapp über 1000 Exemplaren. Sollte diese unter 1000 sinken, hätte dies erhebliche Mehrkosten ( Versand ) zur Folge. Die Probleme mit der Mitgliederverwaltung wurden in der Zwischenzeit behoben. Der Verein zählt aktuell 587 Mitglieder. Seit der letzten Versammlung konnten folgende neue Einzelmitglieder aufgenommen werden: Andreas Laely, Davos Dorf; Antonia Zahner, Eschenz; Benjamin Bantli Maienfeld; Chris Kim, Zizers; Christian Hirschi, Maladers; Claudio Rauch, Ftan; Corsin Stuppan, Ftan; Curdin Gregori, Landquart; Fabian Grond, Scuol; Flurin Caflisch, Maladers; Giani Lombris, Haldenstein; Guido Bundi, Mompé Medel; Hanspeter Thöny, Seewis; Iva Krättli, Churwalden; Jonpi­ tschen Stecher, Scuol; Leo Alig, Vrin; Lukas Käelin, Flims Dorf; Luzi Attenhofer, Nufenen; Mario Lucchinetti, Sils-Maria; Martin Feusi, Maienfeld; Peter Eggenberger, Grabs; Stephan Schenk, Lüen; Thomas Jurt, Chur; sowie Wilhelm Trautmann, Felsberg. Folgende Kollektivmitglieder konnten seit der letzten Versammlung neu gewonnen werden: Gemeinde Arosa, Arosa; Gemeindeverwaltung Tschiertschen-Praden, Praden; Hobi Forst GmbH, Maienfeld; sowie Naturnetz Graubünden, Salouf. Von den Neumitgliedern sind nur wenige an der GV anwesend. In Zukunft sollen diese speziell zur GV eingeladen werden. Das Ziel 20 Neumitglieder pro Jahr wurde dieses Jahr mit 28 Neumitgliedern erreicht.

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Trotzdem ist es notwendig, aktiv mitzuhelfen, um den Nachwuchs zu fördern. Leider sind seit der letzten Versammlung auch drei Todesfälle zu beklagen: Gian Paul Caratsch, S-chanf; Lorenz Koch, Domat/ Ems; und Aurelio Ciocco, Mesocco. Die Versammlung erhebt sich zum Andenken an die Verstorbenen. Der Präsident Beat Philipp bedankt sich bei seinen Vorstandskollegen und bei allen, die in irgendeiner Form zum Wohle unseres Vereins beigetragen haben. Ein spezieller Dank geht an Kantonsförster Reto Hefti, die Organisatoren der GV 2013 in Haldenstein, die Organisatoren des Skipostenlaufs auf der Diavolezza sowie an die Swiss Helicopter für die grosszügige Unterstützung des Skipostenlaufs mit Speis und Trank. Der Jahresbericht von Graubünden Wald wird einstimmig angenommen. 5. Jahresrechnung 2013 und Revisorenbericht Gisep Rainolter erläutert die Rechnung 2013, welche in der «Bündner Wald»-Nr. 2 / 2014 publiziert worden ist. Sie schliesst mit einem 170.95. Neu Einnahmeüberschuss von Fr.  beträgt das Vermögen am 31. Dezember 2013 Fr. 82 152.50. Die Revisoren Pascal Murbach und Mattiu Cathomen haben am 14. Februar 2014 in Tamins die Buchführung geprüft. Der Revisor Mattiu Cathomen verliest den Revisorenbericht. Der Revisor empfiehlt der Versammlung, die Rechnung zu genehmigen und dem Kassier sowie dem Vorstand Decharge zu erteilen. Die Versammlung stimmt einstimmig zu. 6. Budget 2014 und Festsetzung der Mitgliederbeiträge Der Kassier Gisep Rainolter erläutert das Budget 2015. Das Budget 2015 rechnet bei

Einnahmen von Fr. 48 500.– und Ausgaben von Fr. 57 000.– mit einem Ausgabenüberschuss von Fr. 8500.– Der Vorstand macht den Vorschlag, die Mitgliederbeiträge für Einzelmitglieder bei Fr. 60.– und für Kollektivmitglieder bei Fr. 150.– zu belassen. Diskussionslos werden das Budget 2015, wie es in der «Bündner Wald»-Nr. 2 / 2014 publiziert wurde, und die Beibehaltung der Mitgliederbeiträge einstimmig genehmigt. 7. Wahlen Nach dem ersten Jahr der aktuellen Amtsperiode sind folgende Demissionen eingereicht worden: • Beat Philipp, Präsident • Renaldo Lutz, Beisitzer • Mirko Beti, Beisitzer Für die frei werdenden Chargen schlägt der Vorstand folgende Kandidaten vor: • Mario Riatsch, Revierförster Sent, als Präsident • Cristina Fisler, Regionalforstingenieurin, Tiefencastel, als Beisitzerin • Orlando Lerch, Forstunternehmer, Dalin, als Beisitzer Andere Vorschläge werden von der Versammlung nicht gemacht. Mario Riatsch wird von der Versammlung einstimmig und mit Applaus als neuer Präsident von Graubünden Wald gewählt. Cristina Fisler und Orlando Lerch werden in globo einstimmig und mit Applaus als neue Beisitzerin bzw. Beisitzer in den Vorstand von Graubünden Wald gewählt. 8. Tagungsort 2015 Martin Hardegger schlägt vor, die GV 2015 bei sich in St.  Antönien abzuhalten. Der Vorschlag wird von der GV einstimmig angenommen. Bündner Wald 6 /2014 59

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9. Ernennung von Ehren-/Freimitgliedern Johann Biechler, Rudolf Zuber und Fortunat Möhr werden mit Applaus zu Freimitgliedern ernannt. 10. Anträge Es sind keine Anträge eingegangen. 11. Tätigkeitsprogramm 2014 und Mitteilungen Am 15. März 2014 fand der Skipostenlauf in Bivio statt. • Die 1. Liechtensteiner-Bündner Holzerei Meisterschaft findet am 31. Mai 2014 in Schaan statt. • Holzerei-WM 2014 findet vom 10. bis 14. September 2014 : in Brienz statt. • Die DV des VSF wird am 12. September 2014 in Brienzwiler abgehalten. • Die Vorstandssitzung der «ARGE Alpenländischer Forstvereine» findet am 17. Oktober 2014 in Innsbruck statt. Das Tätigkeitsprogramm wird von der Versammlung einstimmig gutgeheissen. Mitteilungen: • Arnold Denoth, Vorstandsmitglied vom VSF überbringt die Grüsse des VSF und erläutert mit einer Präsentation die Schwerpunktthemen 2014 des VSF. Dies sind unter anderem die Holzerei-WM in Brienz, die Ausarbeitung eines GAV für Forstunternehmer für die ganze Schweiz, die Finanzen (Beitragserhöhung) sowie die Wechsel im Präsidium vom VSF. • Die Ausschreibung des Schutzwaldpreises 2014 ist auf der Homepage aufgeschaltet. Die Verleihung des Alpinen Schutzwaldpreises 2014 findet am 30. Januar 2015 in Galtür statt.

• D ie Leistungsvereinbarung 2014 zwischen Graubünden Wald und dem AWN GR wurde erneuert. Neuerdings wird die Vereinbarung jeweils für ein Jahr abgeschlossen. • Vom 12. bis 16. Januar 2015 finden auf der Lenzerheide die 47. Europäischen forstlichen nordischen Skiwettkämpfe (EFNS) statt. Es werden bis zu 1000 Teilnehmer erwartet. 12. Varia In einem Video von Sandro Krättli wird die Schülerveranstaltung Waldtrophy – die «Bündner Wald»-Meisterschaften – vorgestellt (YouTube). Regierungsrat Dr. Mario Cavigelli bedankt sich in seinem Grusswort beim Verein und beim Präsidenten für die vorbildliche Arbeit und erwähnt noch nebenbei, dass sich der Bär momentan in der Nähe von Zuoz aufhält. Vorstandsmitglied Josias Gasser bedankt sich nochmals beim Präsidenten für die sehr angenehme und interessante Zusammenarbeit. Im Anschluss an die Worte von Josias Gasser verabschieden Stephan Becker und die Versammlung die scheidenden Chargenträger mit einem kleinem Präsent und dem Dank für ihr Engagement. Präsident Beat Philipp bedankt sich bei den Versammlungsteilnehmern für ihr Erscheinen und schliesst die 10. GV des Vereins Graubünden Wald um 11.45 Uhr.

Ramosch, 7. Juni 2014 Für das Protokoll Arno Kirchen

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Auszeichnung «proQuercus» 2015 Der Verein proQuercus zeichnet Personen, Organisationen, Aktionen oder Werke aus, welche zur Erhaltung des vielfältigen Natur- und Kulturerbes der Eiche in unserem Land beitragen. Die Gesamtsumme für diese Auszeichnung 2015 beträgt 3000 Franken. Diese kann auf mehrere Preisträger verteilt werden. Gesucht werden verschiedenste Aktivitäten, welche die Eiche zum Thema haben und diese in besonderer Weise fördern. Die Palette möglicher Themen ist gross und umfasst: Erziehung, Ausbildung, Forschung, Kultur, Archäologie, Geschichte, Waldbau, Biodiversität, Holzprodukte, Landschaft etc.

Jedermann ist eingeladen, Bewerbungen oder Vorschläge für die Auszeichnungen 2015 zu unterbreiten. Diese sind bis zum 6. März 2015 dem Vorstand von proQuercus an folgender Adresse zu melden (wenn möglich elektronisch): marcus.ulber @ pronatura.ch oder Marcus Ulber, c /o Pro Natura, Postfach, 4018 Basel. Bei Rückfragen bitte Herrn Marcus Ulber kontaktieren: marcus.ulber  @ pronatura.ch oder Tel. 061 317 91 35. Das Reglement sowie das Anmeldeformular zur Auszeichnung «proQuercus» können unter www.proquercus.org heruntergeladen werden.

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In ricordo di Aurelio Ciocco Ing. forestale Aurelio Ciocco, 30. 7. 1939 – 15. 2. 2014 Aurelio Ciocco è nato e cresciuto a Mesocco. Dopo le scuole elementari in paese e le secondarie a Roveredo, ha frequentato il liceo alla Cantonale di Coira conseguendo nel 1960 la maturità scientifica. Ha poi proseguito gli studi in ingegneria forestale al Politecnico Federale di Zurigo sostenendo periodi di pratica amministrativa a Zugo e tecnica a Faido ottenendo, nel 1965, i diplomi SPF e d’eleggibilità. In quell’anno è stato subito nominato dal Governo cantonale a dirigere l’allora circondario forestale 31, Moesa ( da Grono a Mesocco ). La sua attività professionale ha abbracciato tutti i settori, da quello economico attraverso le realizzazioni di legname resinoso e legna frondifera, alla costruzione di strade, ripari valangari, sistemazione di frane, nonchè rimboschimenti. Aurelio Ciocco fu confrontato con numerosi eventi naturali dannosi, su tutti l’alluvione del 1978 e gli incendi boschivi del 1965 ( Grono ) e 1997 ( Verdabbio ). Egli diede un apporto determinante nella valutazione delle inconvenienze forestali provocate dall’elettrodotto Soazza-Gorduno sui territori di Verdabbio e San Vittore. Svolse a più riprese la funzione di traduttore per l’ispettorato forestale cantonale. Egli passò al beneficio della meritata quiescenza nel 2001. L’ingegner Ciocco si è anche impegnato a livello istituzionale; nel consiglio comunale di Mesocco e, soprattutto, come cofondatore e primo presidente delle organizzazioni regionali della Mesolcina e del Moesano. All’interno dello sci club San Bernardino diede un importante contributo per il rilancio turistico della stazione invernale, segnatamente per lo sci alpino e di fondo.

La sua passione per la fotografia e il suo interesse per la storia, l’arte e l’ambiente naturale locale e regionale lo portarono a elaborare e pubblicare preziosi studi quali: «Mesolcina-Calancatal/Mensch und Natur», «Le fonti minerali di San Bernardino/ l’acuforta», «E. Cerroti/Il pittore di Castaneda dimenticato» e, da ultimo, il capolavoro «Mesòcch e i so sitt» frutto di un impegno ammirevole basato su conoscenze storicoterritoriali eccezionali. Quest’ultimo contributo rappresenta un segno tangibile di dedizione alla propria terra e una testimonianza di rispetto e di riconoscenza verso i suoi antenati e compaesani. Se la salute l’avesse assistito, Aurelio ci avrebbe sicuramente regalato altre perle. I colleghi, la gente e i Comuni sono grati a Aurelio Ciocco per quanto ha dato e per l’esempio che ci ha lasciato. Alla moglie Felicita nata Mantovani e alle figlie Gabriella e Cristina, con le rispettive famiglie, rinnovati sentimenti di vicinanza.

Gabriele Delcò

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Vorschau «Bündner Wald» Februar 2015 ( Über- )Leben im Winter Manchmal scheint es, als ob die grossen Tiere und Pflanzen viele kleine Tricks haben, um den harten Winter zu überstehen und die kleinen Tiere dann aber erst dank der wirklich grossartigen Strategien überleben. Unser Schalenwild können wir oftmals mehr oder weniger über den ganzen Winter beobachten und sehen, wie es den Winter überlebt. Vielen anderen heimischen Arten, welche weit unscheinbarer sind und uns vor allem im Sommer begeistern, können wir im Winter nicht so einfach zusehen. Sie ziehen sich oft aus unserem Blickfeld zurück oder überwintern in einer Form, in der wir sie nicht einmal mehr als das wahrnehmen, was sie eigentlich sind. Und so halten sie so manche Überraschung für uns bereit . . . Redaktion: Jörg Clavadetscher

Das Redaktionsteam dankt im Namen der Trägerschaft der gesamten Leserschaft für die Treue und wünscht besinnliche Festtage und ein glückliches und erfolgreiches 2015. (Bild: Sandro Krättli)

Vorschau auf die nächsten Nummern: April 2015: Versammlung GR Wald in St. Antönien Redaktion: Sandro Krättli Juni 2015: «Bündner Wald»-Gesichter Redaktion: Jörg Clavadetscher

Herausgegeben von Graubünden Wald, Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden und der SELVA. Verleger: Südostschweiz Verlegerin: © Somedia (Südostschweiz Presse und Print Presse AG, Südostschweiz und Print AG), Print, CH-7007 CH-7007 Chur Sekretariat: SELVA, Chur Sekretariat: SELVA, Urs Rutishauser, Christophe­BTrüb, ahnhofplatz 1, ­Bahnhofplatz CH-7302 1, CH-7302 Landquart, Landquart, Telefon + 41 Telefon (0) 81 + 41 300 (0)22 8144, 300buendnerwald  22 44, buendnerwald  Redaktoren: Jörg Redaktoren: Jörg Clava­detscher, Clava­ @  selva-gr.ch @  selva-gr.ch detscher, Revierdaforestal (0) 81 858(0)588121, 858 forestal-muestair  58 21, forestal-muestair  Sandro Krättli, Revier forestal Val Müstair, da ValCH-7535 Müstair, CH-7535 Valchava,Valchava, Telefon + 41 Telefon + 41 @ bluewin.ch. @ bluewin.ch. Sandro 81 300+ 41 24 11, (0) 81 sandro.kraettli  300 24 11, @ sandro.kraettli  wn.gr.ch. AWN GR, Krättli, Sagastägstrasse AWN GR, Sagastägstrasse 96, CH-7220 Schiers, 96, CH-7220 TelefonSchiers, + 41 (0)Telefon  awn.gr.ch. Die @ aRedaktion Die behält Redaktion sich vor,behält sichinvor, Beiträge nicht Beiträge verlangter in nicht Formverlangter ohne Rückfrage Form ohne zu ändern. Rückfrage Herstellung: zu ändernSomedia Druckvorstufe Production, (Satz,Postfach Lithos, Belich508, : Südostschweiz CH-7007 Telefon (0) 81 255 Print, 51 11,Antonin Fax + 41 (0) 81Druck: Südostschweiz 255 51 05. Erscheint sechsmal Kasernenstrasse 1, tung)  Presse Chur, und Print AG, + 41 Südostschweiz Friberg Presse und jährlich. Print AG, Süd­ostschweiz Auflage: 1700 Exemplare Print, Postfach Inserate: Somedia 508, Kasernenstrasse Promotion, 1, CH-7007 Neudorfstrasse Chur, Telefon 17, CH-7430 + 41 (0)Thusis, 81 255Telefon 51 11,+ 41 Fax (0) + 4181(0)650 81 00 70, Fax 255 + 41 52 89. (0)Erscheint 81 650 00 sechsmal 74, thusis@somedia.ch jährlich. Auflage ­A1700 bonnementspreise: CHF 60.– (inkl. MwSt. Exemplare Inserate: Südostschweiz Publicitas für Mitglieder AG, Neudorfstrasse Verein 17, CH-7430 Thusis, Graubünden Wald) Telefon Abonnemente/Adressänderungen: + 41 (0) 81 650 00 70, Fax + 41 Aboservice, (0) 81 650Postfach 00 74, thusis@so-publicitas.ch 508, Kasernenstrasse 1,­ACH-7007 bonnementspreise: Chur, CHF 60.– (für(0) Mitglieder 81 255 54 Verein 54, abo  www.buendnerwald.ch Telefon + 41 Graubünden Wald) Abonnemente/Adressänderungen: Südostschweiz Presse und Print AG, @ somedia.ch, Postfach Für Inseratetexte 508, Aboübernimmt und Zustellservice, die Redaktion Kasernenstrasse keine Verantwortung, 1, CH-7007auch Chur, muss Telefon die Meinung + 41 (0) 81 der255 Beiträge 50 50,nicht mit der Ansicht www.buendnerwald.ch der Redaktoren übereinstimmen. Autoren, die zu obenstehenden Themen publizieren möchten, sind herzlich eingeladen, ihre Für Vorschläge Inseratetexte der Redaktion übernimmt einzureichen. die Redaktion keine Verantwortung, auch muss die Meinung der Beiträge nicht mit der Ansicht der Redaktoren übereinstimmen. Autoren, die zu obenstehenden Themen publizieren möchten, sind herzlich eingeladen, ihre Vorschläge der Redaktion einzureichen.

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