B端ndner
Wald
Jahrgang 67 | Oktober 2014
Geologie
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Inhalt
Geologie Editorial.................................................. 4
Das Ende des Lüschersees.......................... 44
4800 Millionen Jahre Bündner Wald............ 5
Von einem, der auszog, um von den
Erdbeben, Massenbewegungen
Steinen zu lernen...................................... 48
und Schutzwald........................................ 10
Keine Vergiftung unserer Böden durch
Die Alpen – gestapelte Gesteinsdecken...... 14
Erdgasförderung........................................ 53
Graubündens Bodenschätze unter
Protokoll der SELVA-
der Lupe................................................... 19
Generalversammlung 2014........................ 55
Kristalle und Mineralien aus
Böschungsstabilisierungssysteme erneut
Graubünden.............................................. 26
auf dem Prüfstand..................................... 61
Radon in Graubünden............................... 29
Vorschau «Bündner Wald»
Geothermie in Graubünden....................... 33
Dezember 2014......................................... 63
Geologieausstellung im Bündner Naturmuseum........................................... 40
Titelbild: Trittsiegel von Prosauropoden am Piz dal Diavel. (Bild: Schweizerischer Nationalpark / Hans Lozza) Bild Inhaltsverzeichnis: Längs- und Querschnitte eines Korallenstocks vom Murtersattel. (Bild: Schweizerischer Nationalpark / Hans Lozza) Bündner Wald 5 /2014 3
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Editorial
Die Geologie mag für manche auf den ersten Blick etwas weit Entferntes, eher Fremdes oder sogar Langweiliges darstellen. Oft erhält erst das, was wir mit unseren Händen greifen können, wirklich auch einen Wert, eine Bedeutung für uns. Wer aus dem Fels Mineralien und andere Rohstoffe birgt und diese ver- oder bearbeitet, beschäftigt sich täglich mit der Geologie (ohne sich dabei zu langweilen!) und weiss, wie spannend sie ist. Auch wer sich einmal Gedanken darüber macht, worauf wir uns bewegen und unsere Häuser bauen und was im wahrsten Sinn des Wortes die Grundlage für jegliches Leben bildet, der ändert seine Meinung sehr rasch. Bei der Betrachtung erdgeschicht licher Aussagen öffnen wir unseren Blickwinkel und sehen uns die Erde aus einer anderen Distanz an. Hie und da werden diese Aussagen auch angezweifelt und kritisch hinterfragt. Ist es denn wirklich möglich, so genau zu sagen, wann was geschehen ist? Vor wie vielen Millionen Jahren die Saurier lebten und wann genau sich unsere Alpen bildeten? Auch ich gehöre manchmal zu jenen, die erdgeschichtliche Ergebnisse und Erkenntnisse infrage stellen. Ob ich nun die heutige Theorie der Entstehung unserer Erde glaube oder nicht, ist nicht in jedem Fall entscheidend. Wichtiger ist unser Bewusstsein, dass die Vorgänge und Abläufe im Erdinneren für uns und das gesamte oberirdische Leben mindestens so einflussreich sind wie Veränderungen und Zusammenhänge über der Erdkruste. Durch langsame Bewegungen im Erdinneren sanken mancherorts einst oberirdische Elemente in tiefere Erdschichten ab, um später wieder
auf gestossen zu werden. Bestimmt, diese Abläufe geschehen in einem Tempo, welches wir nicht mitverfolgen können. Sie zeigen uns aber unmissverständlich, dass jede Erdschicht mit der darüber- und der darunterliegenden Schicht verbunden ist und im Austausch steht. Das heisst also, dass alles, was wir da unten im Boden verändern, bewegen, herumwerkeln und dabei zurücklassen, irgendwann wohl auch auf das oberirdische Leben Einfluss haben wird. Vor allem in den Industriestaaten bewegt sich der Mensch in einer zunehmend schnelllebigen Zeit. Entscheide und Handlungen basieren meist auf sehr kurzfristigem (gewinnorientiertem) Denken. In der Waldwirtschaft sind wir uns ein zumindest etwas langfristigeres Denken gewohnt, was oftmals auch einen weiteren Blickwinkel zulässt. Stellen wir unseren zeitlichen Einfluss auf einer Zeitachse dar, welche der Erdwissenschaftler bei seiner Arbeit braucht, so nehmen wir erst wahr, wie klein wir sind. Wenn wir uns vorstellen, dass es «unsere» Erde erst seit vorgestern gibt, wir nur heute leben und morgen das irdische Leben wieder erlischt, dann erhält so manches einen anderen Wert … Gemeinsam mit verschiedenen Autoren lade ich Sie ein auf eine spannende Ent deckungsreise in Teile des Erdinnern.
Jörg Clavadetscher, Redaktor Bündner Wald Ruinas, CH-7535 Valchava forestal-muestair@bluewin.ch
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4800 Millionen Jahre Bündner Wald
Die Fotosynthese verwandelte die Erde einst in ein Kühlhaus. (Bild: M. Weidmann)
Wenn man in geologischen Zeiträumen unfassbare viertausendsechshundert Millionen Jahre zurückblickt in die Zeit, als das Weltall die Erde gebar, blickt man auch zurück zu den Anfängen des Lebens, denn dieses ist mit der Entwicklung der Erde untrennbar verknüpft. Im Folgenden blicken wir zurück zum fundamentalen Anfang des Bündner Walds, zur «Erfindung» der Fotosynthese. Danach werfen wir einen Blick in die Zukunft – zum unausweichlichen, definitiven Ende des Bündner Walds, das die Erdwissenschaften schon heute recht klar voraussagen können. Treibhauseffekt und Fotosynthese Vor rund vier Milliarden Jahren bestand die Gashülle der Erde aus Gasen, welche die Vulkane in den Himmel husteten: Wasserdampf, CO2, Schwefelwasserstoff sowie Spuren von Stickstoff, Wasserstoff, Kohlenstoffmonoxid, Helium, Methan und Ammoniak (freien Sauerstoff gab es damals noch nicht). Diese Gashülle erzeugte einen natürlichen Treibhauseffekt, welcher die Erdoberfläche bereits damals so stark erwärmte, dass das Wasser in flüssiger Form vorlag. Damit schuf der Treibhauseffekt eine fundamentale Voraussetzung für die Entstehung und Entwicklung des Lebens – die Sonne allein hätte die Erde nicht über den Gefrierpunkt hinaus zu erwärmen vermocht.
Vor rund 3,8 Milliarden Jahren «erfanden» Mikroorganismen die Fotosynthese, bei der als Abfallprodukt Sauerstoff entsteht. Diese biologische Innovation breitete sich in den Ozeanen während Jahrmillionen so stark aus, dass es vor rund 2,4 Milliarden Jahren zur «Grossen Sauerstoff-Katastrophe» kam: Von diesem Zeitpunkt an trat Sauerstoff in Flüssen, Meeren und in der Atmosphäre in freier Form (O2) auf. Warum bezeichnet man diese Entwicklung als «Katastrophe»? Einerseits deshalb, weil freier Sauerstoff für die anaeroben Lebewesen, die damals die Erde bevölkerten, tödlich war. Aus ihrer Sicht war die Freisetzung von Sauerstoff nichts anderes als eine globale Umweltverschmutzung, die ihr Massenaussterben zur Folge hatte. Andererseits war es deshalb eine Kata strophe, weil der Entzug von CO2 aus der Atmosphäre und die gleichzeitige Freisetzung von Sauerstoff in die Atmosphäre den wärmenden Treibhauseffekt zunehmend abschwächten. So begann vor rund 2,3 Milliarden Jahren eine globale Eiszeit, welche vermutlich mehrere Hundert Millionen Jahre dauerte. Sie war so intensiv, dass die Ozeane vollständig zufroren – die Erde erschien aus der Ferne betrachtet wie ein überdimensionaler Schneeball. Bündner Wald 5 /2014 5
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Dieser durch die Entwicklung des Lebens ausgelöste Beinahe-Kollaps des Treibhauseffekts vor 2,3 Milliarden Jahren ist kein Einzelfall. Mehrmals liessen weitere umwälzende Entwicklungen den Treibhauseffekt einbrechen und die Kälte sich ausbreiten. Zum Beispiel damals, als vor rund 700 Millionen Jahren die ersten mehrzelligen Pflanzen entstanden. Oder damals, als sich vor rund 400 Millionen Jahren aus den Wasserpflanzen die ersten einfachen Landpflanzen entwickelten. Karbon, Kohle, Kälte Und auch damals im Karbon-Zeitalter (vor 355 bis 300 Millionen Jahren), als es zu einer gewaltigen Ausbreitung der Biosphäre auf dem Festland kam; damals, als sich die riesigen Wälder des Karbons entwickelten, kam die Kälte. Denn zu dieser Zeit wurde in riesigen Kohlelagerstätten dermassen viel organischer Kohlenstoff gespeichert, dass die CO2-Konzentration in der Atmosphäre auf niedrige Werte absank, und die Wirksamkeit des Treibhauseffekts nachliess. In der Folge kam es zu einer ausgedehnten Vereisung der damaligen Südkontinente Australien, Indien, Antarktis, Afrika und Südamerika. Essenz dieses Rückblicks in die letzten 3,8 Milliarden Jahre: Mit der Fotosynthese kam der Sauerstoff, eine globale Umweltverschmutzung, ein Massenaussterben und eine globale Eiszeit. Beinahe wurden die Lebewesen, die Fotosynthese betrieben, ein Opfer der Veränderungen, die sie auslösten. Evolutiv nachfolgende Lebensformen entdeckten das Abfallprodukt Sauerstoff als Rohstoff, mit dem sich gut leben lässt. Wir gehören auch zu diesen Lebensformen. Wir atmen den Sauerstoff ein, atmen CO2 als Abfallprodukt aus, und sind dem Bündner Wald dankbar, dass er als «Grüne Lunge»
aus dem CO2 wieder Sauerstoff produziert. Eine klassische Win-win-Situation. Der natürliche Treibhauseffekt hat glücklicherweise alle umwälzenden Veränderungen des Lebens auf der Erde «überlebt» und ist noch heute aktiv. Ohne seine wärmende Wirkung würde die globale Mitteltemperatur statt plus 15 minus 18 Grad Celsius betragen. Die Tatsache, dass die «Lebensform Mensch» mit dem Abfallprodukt CO2 den Treibhauseffekt zurzeit verstärkt, ist ein spannender Kontrast zur Tatsache, dass andere Lebensformen in der Vergangenheit den Treibhauseffekt beinahe zum Erliegen brachten, indem sie der Atmosphäre CO2 entzogen. Die Wiedergeburt der Gletscher Wenn wir nun den Blick in die geologisch ferne Zukunft wenden, wird das bisschen menschgemachte CO2 irrelevant. Wilfried Haeberli, Professor am Geographischen Institut der Universität Zürich, schreibt 2004: «Das System Erde wird rund 50 000 Jahre brauchen, um den Einfluss des im 20. und Landpflanzen des Karbons. (Bild: aus Meyers Konversations-Lexikon, 1885-1890)
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21. Jahrhundert anthropogen verstärkten Treibhauseffekts auszubalancieren.» Das heisst: Bereits in geologisch sehr kurzer Zeit geht das Klima wieder den gewohnten eiszeitlichen Gang, den es vor rund 2,7 Millionen Jahren eingeschlagen hat. Wilfried Haeberli: «Innerhalb der nächsten Million Jahre ist mit mehreren Kaltzeiten von der Dimension und Charakteristik jungpleistozäner Glaziale zu rechnen.» In geologischer Bälde werden also die wiederauferstandenen Gletscher die Nachkommen der heutigen Bündner Bäume aus den Bergen vertreiben, so wie sie es in den letzten Millionen Jahren mit den Vorfahren der heutigen Bäume taten. Langfristig werden die Gletscher aber definitiv aussterben. Und langfristig werden die Nachkommen der Bündner Bäume unter etwas ganz anderem leiden als unter eiszeitlicher Kälte. Peter Ward, Professor für Paläontologie an der University of Washington in Seattle: «Der langfristige – und finale – Rückgang an atmosphärischem CO2 hat bereits begonnen. Der gegenwärtige Anstieg durch das Verheizen fossiler Brennstoffe ist ein bedeutungsloser Zacken in einer Kurve, die gnadenlos abwärts verläuft.» Gnadenlos weniger CO2. Und: Gnadenlos heisser. Dies sind die zentralen Probleme, die geologisch langfristig auf den Bündner Wald und die Bündner Gletscher zukommen. Weshalb?
Die Sonne: Ende allen Lebens Die Sonne wird immer grösser, immer strahlender. Seit ihrer Geburt vor viereinhalb Milliarden Jahren hat sich ihre Energie-Einstrahlung auf die Erde um einen Drittel erhöht. Diese Zunahme wird auch in Zukunft anhalten. Mit einschneidenden Folgen: Auf der Erde wird es immer wärmer. Gestein verwittert zunehmend rascher. Dieser Verwitterungsprozess entzieht der Atmosphäre
zunehmend rascher CO2. Die Fotosynthese verschärft diesen Prozess. In rund 800 bis 1000 Millionen Jahren ist Endzeit. Nicht nur für den Bündner Wald, sondern für alle Pflanzen auf diesem Planeten. Entweder deshalb, weil es dann in der Atmosphäre nicht mehr genug CO2 für die Fotosynthese geben wird. Oder deshalb, weil die globale Oberflächentemperatur über der für höhere Lebensformen kritischen Grenze von dreissig Grad Celsius liegen wird. Die Pflanzen werden also entweder an CO2-Mangel zugrunde gehen, an Hitze oder an beidem. Ohne Pflanzen wird es keinen Sauerstoff mehr geben und auch keine Biomasse. Mit den Pflanzen werden also auch die Tiere zugrunde gehen. ANZEIGE
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Heute ist die Sonne Leben spendende Energie
Fossilien sind in Gesteinen gespeicherte Erinnerun
quelle für die Fotosynthese. In ferner Zukunft
gen an vergangene Lebensformen. Wenn die
wird sie allem Leben auf der Erde ein Ende setzen.
Sonne in ferner Zukunft die Erdkruste aufschmilzt,
(Bild: NASA Goddard Space Flight Center)
wird sie all diese Erinnerungen löschen. Im Bild ein Ausbruch des Ätna im Jahr 2011.
Die einfachen Eukaryonten (Lebewesen mit Zellkern) sind hitzeresistenter und können bei einer globalen Mitteltemperatur von 45 Grad Celsius noch überleben. In etwa 1,2 bis 1,3 Milliarden Jahren wird dieser Wert überschritten; dann werden auch sie aussterben. In etwa 1,6 Milliarden Jahren ist dann auch für die letzten, zähesten Lebensformen, die sich am Grunde der Ozeane eine Überlebensnische einrichten konnten, Endzeit. Denn dann wird die Temperatur einen globalen Mittelwert von sechzig bis siebzig Grad Celsius erreichen. Die Ozeane werden zu verdunsten beginnen. Die Luftfeuchtigkeit wird ansteigen. Je grösser die Menge an Wasserdampf in der Atmosphäre, desto heisser ist es, und desto schneller verdunsten die Ozeane. So lange, bis sie ausgetrocknet sind. Nun wird die Oberflächentemperatur rund 250 Grad Celsius betragen. In etwa dreieinhalb bis sechs Milliarden Jahren wird es an der Erdoberfläche voraussichtlich über tausend Grad Celsius heiss sein – so heiss, dass die steinerne Haut der Erde zu schmelzen beginnt und Lava-Ozeane entstehen. Die Erde wird sich durch diese infernalische Hitze nicht aus der Ruhe brin-
(Quelle: Wikipedia)
gen lassen – denn schon heute sind 99 Prozent des Erdinnern heisser als 1000 Grad. Fazit Vor rund 3,8 Milliarden Jahren «erfanden» Mikroorganismen die Fotosynthese. Vor rund 300 Millionen Jahren brachte die Evolution die Samenpflanzen hervor – und damit die ersten Vorfahren des Bündner Walds. Vor 270 Millionen Jahren entstanden die Nadelbäume, und vor rund 100 Millionen Jahren entwickelten sich die Laubbäume. Davon ausgehend, dass in rund 800 bis 1000 Millionen Jahren definitiv Endzeit ist für die Pflanzen, ergibt sich eine Zeitspanne von rund 4800 Millionen Jahren Bündner Wald. Ein unfassbarer, unwirklicher, philosophischer Zeitraum. Ein 4800 Millionen Jahre alter Baum hätte einen Durchmesser von 9600 Kilometern, davon ausgehend, dass jeder Jahresring ein Millimeter breit ist. Im Vergleich dazu wäre ein Baum, der das Alter der Cheopspyramide repräsentiert, gerade mal 9,4 Meter dick.
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Doch nicht die Zeit zählt, sondern der ex treme Wandel, welcher während dieser 4800 Millionen Jahre stattfindet. Das Wissen um diesen Wandel ermöglicht eine atembe raubende Gesamtschau auf die Entwicklung des Bündner Walds. Die Tatsache, dass wir Menschen zurzeit eine «langfristig nachhal tige Nutzung des Walds» anstreben, zeigt, wie unerwartet facettenreich dieser Wandel ist, wenn man von der Milliarden-Jahre-Ge samtschau ins Detail hineinzoomt. Quellen: – Christine Bounama, Werner von Bloh, Siegfried Franck: Das Ende des Raumschiffs Erde. Spektrum der Wissen schaft, Oktober 2004
–P eter Ward: Gaia’s böse Schwester. Spektrum der Wissenschaft, November 2009 – Wilfried Haeberli: Eishaus + 106a. Zu Kli ma und Erdoberfläche im Zürcher Weinland während der kommenden Million Jahre. April 2004 – Schutzgemeinschaft Deutscher Wald: Waldwissen. – Wikipedia Markus Weidmann Dipl. Natw. ETH (Geologe) Büro für erdwissenschaftliche Öffentlichkeitsarbeit, Chur markus.weidmann@bluewin.ch
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Erdbeben, Massenbewegungen und Schutzwald Wenn die Wellen eines starken Erdbebens aus der Tiefe aufsteigen und den Bergen in die Knochen fahren, werden ihre Gipfel und Flanken vom Schüttelfrost ergriffen. Alles, was haltlos auf ihnen liegt, gerät in Bewegung und rutscht, stürzt zu Tal. Etwas weniger poetisch formuliert: Ein stärkeres Erdbeben kann in gebirgigen Gegenden Steinschlag, Blockschlag, Felsstürze und Rutschungen auslösen – und im Winter Lawinen. Meist löst es nicht ein einzelnes Ereignis aus, sondern unzählige Ereignisse an unzähligen Orten – und diese alle zum gleichen Zeitpunkt. Im Folgenden einige konkrete Beispiele aus der Schweiz. 18. September 1601: ein Erdbeben mit Ma gnitude 6,2 in der Region Unterwalden. In der Innerschweiz löste das Beben an ver schiedenen Lokalitäten Hangrutschungen und Bergstürze aus, beispielsweise am «Hah nen» bei Engelberg oder am Bürgenstock. Die Felsmassen stürzten teilweise in den Vierwaldstättersee und lösten dadurch eine Flutwelle aus (oder verstärkten eine bereits bestehende). Im Seebecken des Vierwald stättersees kam es an mehreren Stellen zu so genannten «Seerutschungen», bei denen sich unter der Wasseroberfläche Millionen Kubikmeter Schlamm in Bewegung setzten. 10. September 1774: Die Region Altdorf UR wurde von einem Beben mit Magnitu de 5,9 durchgeschüttelt. Im Bezirk SeedorfIsen thal lösten sich an vier Orten «Rüf fen» (Erdrutsche); dabei wurde der Weg ins Isental zerstört. In Bürglen lösten sich Felsblöcke von der «Steinrübi» und rollten auf das Dorf zu. In Engelberg, Gersau und Schwyz führten kleinere und grössere Rut schungen zum Aufstau von Bächen. Auch im Uferbereich des Vierwaldstättersees kam es an verschiedenen Orten (Flüelen, Sisikon usw.) zu Steinschlag und Rutschungen. Der
ungewohnte Lärm der vielen Massenbewe gungen erschütterte das Urvertrauen der Menschen in die Berge. Ein Augen- oder besser gesagt Ohrenzeuge schrieb: «So ist nicht auszusprechen, wie erschrecklich des 10ten passati das Brüllen und Toben in den Gebürgen war.» 25. Dezember 1905: die Region Domat/Ems wurde von einem Beben mit Magnitude 4,8 heimgesucht. Dabei lösten sich von einer Felswand zwischen Rothenbrunnen und Tu megl/Tomils Steine und rollten ins Tal. Churwalden, 1295 und Visp, 1855 Am 3. September 1295 ereignete sich in der Region Churwalden ein Erdbeben mit Magnitude 6,5. Gemäss Quellen wurden das Kloster Churwalden sowie fünf bis fünf zehn Burgen in der Region gänzlich zerstört. Weitere Burgen und Türme erlitten teilweise schwere Schäden. Eine Chronik berichtet von einem Bergsturz, der vermutlich bei Tu megl/Tomils niederging. Dieses Churwaldner Erdbeben von 1295 war in etwa gleich stark wie das Beben mit Magnitude 6,4, das sich am 25. Juli 1855 in der Region Visp/Törbel VS ereignete. Ein Augenzeuge empfand die Bodenbewegun gen als «. . . Gehoben werden und Sinken, wie in einem Schiffe, wenn eine Welle un ter demselben dahingeht – teils plötzlicher, mehr ruckend und fallend, teils nur einma lig, teils mehrmalig und mit verschiedenem Getöse verbunden.» Das Beben verursachte in der Epizentral region grosse Verwüstungen. Zwischen Visp und St. Niklaus blieb kaum ein Gebäu de unbeschädigt. Zum Teil stürzten ganze Hauswände ein; der Kirchturm von Visp verlor seine Spitze. Insgesamt wurden mehr als 200 Häuser beschädigt. Unterhalb von Grächen wurde ein vierjähriger Knabe von einer einstürzenden Stützmauer erschlagen.
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Ein Gebäude in St. Niklaus (VS) nach dem Beben
Das Beben von 1855 löste unter anderem diese
vom 25. Juli 1855. Zeichnung von E. L.
Rutschung aus. (Abbildung aus: Johann Christian
(Bild: D. Mayer-Rosa, Zürich)
Heusser: Das Erdbeben im Visperthal, Kanton Wallis vom Jahr 1855. Zürich 1856)
Das Erdbeben löste eine Vielzahl von Massenbewegungen aus. Unzählige Felsblöcke lösten sich, Hänge rutschten zu Tal, verschütteten Strassen, liessen bestehende Quellen versiegen, neue entstehen. Ein Augenzeuge berichtet: «Auf einmal schwankte die Erde unter uns, und eine kaum eine Elle hohe Einfassung von Steinen an einer Wiese stürzte ein und rollte uns in den Weg. Wir vermochten kaum, uns auf den Füssen zu halten. Die Schwankungen mochten kaum sechs bis acht Sekunden gedauert haben, und noch konnte ich nicht zur Fassung kommen, da meine Frau, laut schreiend, mir in die Arme gestürzt war, als plötzlich ein tausendfältiges Donnern rings an den mit Wolken bedeckten Felswänden begann. (. . . ) Plötzlich wurde es in dem nahen Walde uns gegenüber lebendig: die stärksten Lärchenbäume und Fichten wurden niedergebogen und zerschmettert, denn riesige Felsstücke brachen durch die Waldung, alles vor sich niedermähend. So standen wir mitten in diesem fürchterlichen Toben der uns umgebenden Natur völlig ratlos.» Ein weiterer Augenzeuge erzählt: «Selbst die Gebirge waren in Bewegung; man ver-
nahm aus denselben fürchterliches Getöse und Krachen, um so grauenvoller, als die Gebirge selbst vom Nebel verhüllt waren. Tausende von Felsblöcken lösten sich ab und stürzten donnernd ins Tal herunter; es schien, als ob die ganze Gebirgsmasse hereinbreche.» Ein dritter Augenzeuge berichtet von Rutschungen, welche der Wald nicht zu verhindern vermochte: «Dagegen hatte das Abrutschen eines Teils des Erdreichs viele Bäume, welche mit einem Teil ihrer Wurzeln vermutlich in Felsklüften festgeklammert waren, während der andere Teil im gleitenden Erdreiche verflochten haftete, von unten her zerrissen und gespalten, zum Teil bis in eine Höhe von acht Schuhen über dem Boden.» Sierre, 1946 Am 25. Januar 1946 kam es im Wallis in der Region Siders-Chippis zu einem Beben der Magnitude 6,1. Vier Todesopfer waren zu beklagen. Insgesamt wurden rund 3500 Gebäude beschädigt. Zu den schwersten Schäden kam es in der Region um Siders Bündner Wald 5 /2014 11
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Die vom Erdbeben in der Vallée de la Liène
Erdbeben in Sierre, 1946. Mehrere Zentimeter
ausgelöste Rutschung. (Bild aus: Marietan, I.:
breite Bodenrisse in der Nähe der Ortschaft
Le tremblement de terre du 25 janvier 1946)
Granges (VS). (Bild: CREALP, Sion)
und Aigle sowie im angrenzenden Berner Oberland. Im Epizentralgebiet beobachtete man verschiedenste Massenbewegungen wie lokale Hebungen und Senkungen der Erdoberfläche, Rutschungen, Steinschlag, Felsstürze, Lawinen, Risse und Spalten in Boden und Gestein. Auf der linken Talseite der Vallée de la Liène löste das Beben eine 500 Meter breite und fünf bis zehn Meter mächtige Rutschung aus, welche ins Bachbett der Liène niederging. Glück im Unglück: Der Bach wurde durch die Rutschung nicht aufgestaut. Auch in Ravoinet kam es zu Rutschungen; dabei wurden fünf Alphütten zerstört. Im Lötschental, im Diablerets-Massiv und im Simplongebiet wurden zahlreiche Lawinen ausgelöst, welche Eisenbahnlinien und Strassen verschütteten. In den Walliser, Berner und Waadtländer Alpen verursachte das Erdbeben mehrere kleinere Felsstürze. Das stärkste Nachbeben vom 30. Mai 1946 (Magnitude 6,0 ) führte zwar nur zu leichteren Schäden an Gebäuden, löste aber am Rawylhorn (rund 13 Kilometer nordnordöstlich von Sierre; auch «Scex des Eaux froi-
des» genannt) auf mehr als 2000 Metern über Meer einen Bergsturz aus. Rund vier bis fünf Millionen Kubikmeter Fels stürzten in die rund 500 Höhenmeter tiefer liegende Mulde des Lac de Luchet, verschütteten den See sowie die umgebenden Alpweiden und zerstörten zwei Alphütten (zum Vergleich: Die gesamte Masse der beiden Randa-Bergstürze von 1991 betrug rund 30 Millionen Kubikmeter). Ein Blick in die Zukunft Je grösser die Magnitude eines Erdbebens, desto voluminöser und zahlreicher sind die Massenbewegungen. Ganz allgemein gilt: Ab Magnitude 4 vermag ein Erdbeben im Epizentralgebiet Steinschlag, Blockstürze, Felsabbrüche und kleinere Rutschungen auszulösen. Ab Magnitude 5 vermag es auch grössere Rutschungen auszulösen und ab Magnitude 6 vermag es auch Felsstürze in Bewegung zu versetzen. Ebenfalls gilt ganz allgemein: Die Wahrscheinlichkeit, dass es in einem bestimmten Gebiet während eines Erdbebens zu Massenbewegungen kommt, ist um so grösser, je häufiger in diesem Gebiet auch dann
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Massenbewegungen auftreten, wenn die Erde nicht bebt. Solche Gebiete mit generell häufigerem Auftreten von Massenbewegungen werden in Graubünden im Bereich von Siedlungen mit sogenannten Gefahrenkarten erfasst. Gemäss Angaben des Schweizerischen Erdbebendienstes ( SED ) in Zürich ereignet sich in Graubünden durchschnittlich alle zehn bis 15 Jahre ein Erdbeben der Magnitude 4 und stärker. Alle 80 bis 120 Jahre ereignet sich ein Beben der Magnitude 5 und stärker; und alle 500 bis 1000 Jahre ereignet sich eines der Magnitude 6 und stärker. Schutzwald und Erdbeben Hat Schutzwald während eines Erdbebens schützende Wirkung? Bis zu einem gewissen Grad: Ja. Dort, wo das Erdbeben Steinschlag auslöst, kann ihn der Wald im Sturz- und Ablagerungsbereich abbremsen. Dort, wo das Erdbeben eine oberflächliche Rutschung auslösen würde, kann tief wurzelnder Wald dies verhindern. Und was das Entstehen von Lawinen während eines Erdbebens betrifft, kann Schutzwald vor allem in ungleichförmigen Bergwäldern Lawinenanrisse verhindern. Schutzwald ist jedoch machtlos, wenn ein Erdbeben einen Felssturz auslöst, wenn es oberhalb des Walds eine Lawine in Bewegung versetzt, oder wenn es den Untergrund tiefgründig ins Rutschen bringt. In diesem Zusammenhang muss man auch die unzähligen Bauwerke erwähnen, die Siedlungen und Verkehrswege tagaus tagein vor Massenbewegungen schützen und während eines Erdbebens einen «Sondereinsatz» haben. So werden Steinschlagnetze Steine und Blöcke auffangen, Schutzdämme werden Felsblöcke und Felssturzmassen zurückhalten und permanente Stahlwerke werden die Schneedecke stabilisieren und
so das Anreissen von Lawinen aus steilen Bergflanken verhindern. Jedoch können auch diese Bauwerke von den Ereignissen, die ein Erdbeben auslöst, überfordert werden – insbesondere dann, wenn sie durch die Bodenbewegungen beschädigt und so in ihrer Funktion geschwächt werden. Fazit bezüglich Wald und Erdbeben: Schutzwald hat während eines Erdbebens eine wichtige Schutzfunktion, da er an unzähligen Orten präsent ist, und so – im Rahmen seiner Möglichkeiten und Grenzen – einen Teil der unzähligen Massenbewegungen verhindert, vermindert oder auffängt. Jedoch muss man während eines stärkeren Bebens auch damit rechnen, dass grössere Massenbewegungen zu Schäden am Wald führen (siehe erster Augenzeugenbericht zum Beben von Visp, 1855). Falls sich das Beben zufälligerweise während einer Periode mit hoher Waldbrandgefahr ereignet und ein Schaden an einer Hochspannungsleitung zu Funkenwurf führt, ist es gut möglich, dass in der Schadenbilanz des Bebens auch Waldbrandschäden verzeichnet werden müssen. Literatur – Markus Weidmann: Erdbeben in der Schweiz. In Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Erdbebendienst. Verlag Desertina, 2002. – Monika Gisler, Markus Weidmann, Donat Fäh: Erdbeben in Graubünden: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Verlag Desertina, 2005. Markus Weidmann Dipl. Natw. ETH (Geologe) Büro für erdwissenschaftliche Öffentlichkeitsarbeit, Chur markus.weidmann@bluewin.ch Bündner Wald 5 /2014 13
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Die Alpen – gestapelte Gesteinsdecken Untertitel Grundschrift
Blick vom Fil de Cassons (Cassonsgrat) oberhalb Flims in Richtung der Schwemmebene oberer Segnesboden. Rechts ist der Piz Segnes ersichtlich, dahinter die Spitzen der Tschingelhörner mit dem Martinsloch. (Bild: Ruedi Homberger)
Das UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona (GR, SG, GL) steht für eine weltweit einzigartige Sichtbarkeit der Gebirgsbildung. Hier kann man mit eigenen Augen sehen, wie unsere Alpen entstanden sind. Seit dem Jahr 2008 ist das Gebiet im Besitz der höchsten Auszeichnung, welche einem Naturgut verliehen werden kann. Das Welterbe Sardona befindet sich somit in der gleichen Liga wie etwa der Grand Canyon, die Galapagosinseln oder die Vulkaninseln von Hawaii ! Eine grossartige Auszeichnung, aber auch eine Verpflichtung für die drei beteiligten Kantone und dreizehn Welterbe-Gemeinden, zu diesem Gebiet langfristig Sorge zu tragen. Das Welterbe Sardona bietet in einer ursprünglichen Landschaft eine ungewöhnlich grosse Dichte an Naturwerten sowie
Biotope und Geotope von nationaler Bedeutung. Wie Gebirge und im Speziellen unsere Alpen entstehen, an solche Themen möchte das Welterbe Sardona die regionale Bevölkerung, aber auch weit hergereiste heranführen und sie dafür begeistern. Das Feldinventar als Basis Stellen Sie sich vor, wie mühselig es ist, geologische Karten zu zeichnen. Im Prinzip soll möglichst jeder Quadratmeter begangen werden, die angetroffenen Gesteine gilt es festzuhalten. Werden die Gesteine überdeckt, wird es schwieriger. So verrät vielleicht mal ein Murmeltierloch auf Wiesen etwas über den Untergrund. Viele Jahre Feldarbeit, bei denen Abertausende von Höhen metern zurückgelegt werden, sind nötig.
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Tektonik Tektonik ist ein Spezialgebiet der Geologie. Sie befasst sich mit dem Studium der Strukturen der Erde, der Bewegungen in ihrem Innern und an der Erdoberfläche sowie der Mechanismen und Kräfte, welche diese Bewegungen antreiben.
Was wir heute über die geologische Entstehung und den tektonischen Bau der Alpen wissen, basiert auf einer ungeheuer zähen und aufwendigen Feldarbeit der Geologen der letzten 200 Jahre. Die geologische Kartierung der Schweiz im 1: 25 000-Massstab ist aber bis heute nicht abgeschlossen. Mit der Feldaufnahme ist es nicht getan. Die Gesteine müssen beschrieben, analysiert und miteinander in Bezug gesetzt werden, die vorgefundenen Bauverhältnisse (Tektonik, siehe Kasten) interpretiert werden. Dies geschieht meist mit konstruierten Profilschnitten. Zahlreiche Tunnel- und Stollenbauten (Verkehr, Wasserkraftwerke) sowie Bohrungen haben das geologische Bild der Alpen weiter verfeinert. Seit wenigen Jahrzehnten können die Geologen auch grössere, unzugängliche Tiefen mithilfe der Seismik untersuchen. So entstand nach und nach das moderne Bild vom Bau der Alpen, wie wir es heute haben. Wie entsteht ein Gebirge? Was wissen Sie über die Alpenbildung? Wir leben in einem Alpenland und doch wissen die wenigsten etwas über die Entstehung von Gebirgen. Im Folgenden ein Erklärungsversuch aus grosser Entfernung und über lange Zeiträume gesehen: Wenn zwei Kontinentalmassen aufgrund der Plattenbewegungen miteinander kollidieren – wie Afrika und Europa – dann wird
in der Regel der Rand der einen Platte ein Stück weit unter den Rand der andern gedrückt. Dabei werden Späne beider Plattenränder abgeschert und übereinandergestapelt – das sind die Späne, die später das Gebirge aufbauen werden. Diese übereinander geschobenen Späne nennen wir Gesteinsdecken, oder einfach nur Decken. Die zahlreichen Decken in der Tiefe führen zu einer Verdickung der Erdkruste in dieser Knautschzone. Diese Knautschzone führt dann durch Auftrieb, vergleichbar dem Effekt als wolle man einen Ballon unter Wasser drücken, zur eigentlichen Heraushebung des Gebirges. Ein Gebirge kann nie «in den Himmel wachsen», weil es ab einer Höhe von einigen Tausend Metern auch unter dem eigenen Gewicht seitlich auseinanderzugleiten beginnt. Wir wissen, dass die Alpen nie wesentlich höher waren als heute. In den letzten 2,6 Millionen Jahre schufen dann die immer wieder bis ins Mittelland vorstossenden Eiszeitgletscher das Relief der Alpen, wie wir es heute kennen. Auch wenn Verwitterung, Erosion und Abtragung unablässig an den Bergen der Alpen nagen, (A) In der Knautschzone der beiden Platten verdickt sich die Erdkruste durch das Stapeln von Gesteinsdecken. (B) Die Knautschzone taucht unter der zusätzlichen Last ein Stück weit in den Erdmantel. (C) Durch das Einsinken entsteht eine Auftriebskraft. (Quelle: Erdwissenschaften S. 247, 2012, Hauptverlag)
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Linien gleicher Hebungsraten in mm/Jahr zur heutigen Zeit, eingetragen auf ein Höhenrelief. Die heutigen Hebungsraten liegen im Alpenraum zwischen 0,5 und 1,6 mm/Jahr. Die Verteilung ist geprägt von markanten «Hochs» und «Tiefs». Die Gegend um Chur hebt sich mit rund 1,4 mm pro Jahr an (alle Angaben brutto, ohne Erosion). (Quelle: UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona)
sie wachsen auch heute immer noch etwas in die Höhe. Wachsen die Alpen? Die Hebungsraten in den Alpen sind noch ein bisschen höher als die Abtragungsraten, wodurch das Gebirge ganz leicht anwächst. Doch in geologisch gesehen naher Zukunft dürfte sich dies ändern und in den Alpen dürfte ein Netto-Abtrag beginnen, welcher das Gebirge langsam einebnen wird. Der Motor hinter der Alpenbildung Warum wir in den Alpen von Bergen umgeben sind? Der Grund dafür ist im Eisen-Nickel-Erdkern zu finden. Dort produzieren die Kristallisation geschmolzenen Eisens – ca. 1 Mio. kg pro Sekunde! – sowie
radioaktive Zerfallsreaktionen permanent gigantische Wärmemengen. Diese Wärme strömt von unten in den zähflüssigen Erdmantel, die fast 3000 km mächtige Ummantelung des Erdkerns. Dessen Gesteine sind wegen der hohen Temperaturen von weit über tausend Grad in einem plastischen Zustand. Die von unten zugeführte Kernwärme erzeugt Konvektionsströme, mit denen die Wärme nach aussen geführt wird, vergleichbar mit dem langsamen Brodeln der Gerstensuppe über der heissen Herdplatte. Nur dass die Brodelströme im Erdmantel viel langsamer sind als im Kochtopf. Das plastische Gesteinsmaterial fliesst mit etwa 10 bis 20 Zentimeter pro Jahr. Die äusserste, feste Gesteinsschicht der Erde ist zerteilt in zwölf grosse und zahlreiche kleine Platten, die auf dem plastischen obersten Erdmantel herumdriften, mit Geschwindigkeiten von einem bis zehn Zentimeter pro Jahr. Die Folgen liegen auf der Hand: Es gibt Zonen, wo Platten auseinanderdriften, solche, wo sie aneinander vorbeischrammen und solche, wo sie sich aufeinander zu bewegen. Diese «Plattentektonik» lässt viele geologische Phänomene auf der Erde schlüssig erklären und ist doch erst seit rund 50 Jahren allgemein anerkannt. Erstaunlich ist, die Erdplatten werden weniger durch das Brodeln der Gerstensuppe angetrieben, sondern von den abtauchenden, kühleren und schwereren Platten heruntergezogen («slap-pull»-Hypothese)! Neu ist auch die Erkenntnis, dass diese bis hinunter zur Mantel-Kern-Grenze sinken können. Gesteinsdecken im Welterbe Sardona Bereits die ersten Alpengeologen waren fasziniert von dieser messerscharfen Linie im Welterbe Sardona im Grenzgebiet der drei Kantone Glarus, St. Gallen und Grau-
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Schematischer Querschnitt durch die Erde: Komplexe Wärmeströmungen bringen die Hitze des Erdkerns unter die feste Erdhülle. Die Erdplatten bewegen sich unter anderem, weil die abtauchenden, kühleren und schwereren Platten nach unten ziehen. Die Patten können bis zur Mantel-Kern-Grenze sinken. (Quelle: UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona)
bünden, die sich an den steilen Bergflanken entlangzieht. Am Piz Sardona ist sie rund um den Gipfelaufbau herum von allen Seiten her sichtbar. Was hat sie zu bedeuten? Ist dies eine geheime Militärstrasse? Ein exponierter Wanderweg? Nein, es handelt sich um das Naturphänomen der «Glarner Hauptüberschiebung».
Was ist eine Überschiebung? Überschiebungen sind ein wichtiger Mechanismus bei der Gebirgsbildung. Dabei zerbrechen ehemals nebeneinanderliegende Gesteinspakete durch enorme Kräfte und werden entlang einer flachen Trennfläche aufeinandergestapelt. Diese Trennfläche bezeichnet man als Überschiebung. Über und unter solchen Überschiebungen lieBündner Wald 5 /2014 17
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Piz Sardona (3056 m) im Vordergrund links, hinten links der Ringelspitz. Die Linie ist eigentlich eine riesige Fläche, welche hier hinzumodeliert wurde. Es handelt sich um die Grenze zweier riesiger Decken, wir nennen diese Trennfläche eine Überschiebungsfläche oder einfach eine Überschiebung. So sieht der Geologe im Felde die Glarner Hauptüberschiebung, eine alte, längst nicht mehr aktive Überschiebung, welche heute an der Erdoberfläche erforscht werden kann. (Bild: Ruedi Homberger)
gen Gesteinsdecken, wir nennen sie häufig einfach nur Decken. Die Stapelung dieser Decken kann dazu führen, dass entlang der Überschiebungsfläche alte Gesteine direkt auf jüngere zu liegen kommen. Die abgetrennten und überschobenen De cken können mehrere Kilometer dick sein. Der Transportweg längs der Überschiebung kann durchaus mehrere zehner Kilometer betragen. Bei der Kollision von Kontinental platten entstehen immer viele solcher Über schiebungen und Decken. Alpenbildung oder Alpenfaltung? Der Begriff der «Alpenfaltung» hält sich hartnäckig. Warum? Weil eben Gesteins falten gerade für Laien sehr auffällig sind. Gesteinsdecken sind jedoch meistens nicht so offensichtlich und klar in der Landschaft erkennbar, eine Ausnahme bildet die Glarner Hauptüberschiebung im Welterbe Sardona. Die Alpen sind aber in erster Linie ein De
ckengebirge, geprägt durch eine Grosszahl von übereinandergeschobenen Gesteins decken. Falten bildeten sich im Zuge dieser Deckenstapelung als begleitende Phänome ne. Deshalb: Besser von Alpenbildung spre chen als von Alpenfaltung! Literaturnachweis Originaltexte: Jürg Meyer, Geologe und Bergführer. www.rundumberge.ch Neuzusammenstellung durch Thomas Buckingham Detailliertere Informationen, Spots & Highlights zum Welterbe Sardona: www.unesco-sardona.ch Thomas Buckingham buckingham geostudios Gribschrain 12b CH-6403 Küssnacht a. R tb@geostudios.ch
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Graubündens Bodenschätze unter der Lupe Bodenschätze bilden die Basis unserer Gesellschaft: Alles, was nicht kultiviert oder gezüchtet werden kann, muss aus der Erde abgebaut werden. Welche Bodenschätze gibt es im Kanton Graubünden und welche werden genutzt? Wie wird bei der Rohstoffgewinnung in Graubünden Rücksicht auf die Umwelt genommen und werden sogar Rohstoffe aus Abfällen zurückgewonnen? Nebst der Industrie sind auch der Tourismus und das Kunstgewerbe auf Bodenschatzsuche. Was sind Bodenschätze? Bodenschätze sind mineralische Rohstoffe, die Grundlage unseres täglichen Lebens sind. Beispiele reichen von Beton über Salz, Kalk in Zahnpasta bis zu Kupfer in Mobiltelefonen oder Autos. Als mineralische Rohstoffe werden Minerale oder Gesteine (Mineralgemische) verstanden, die aus dem Untergrund gewonnen und aufbereitet werden. Oft werden vier Gruppen von mineralischen Rohstoffen unterschieden: Metalle, Industrieminerale, Energierohstoffe sowie Steine und Erden. Metalle können in elementarer Form auftreten, häufiger jedoch werden sie aus metallhaltigen Gesteinen, sogenannten Erzen, gewonnen. Industrieminerale lassen sich mit nur wenig technischer Aufbereitung direkt nutzen; Salz und Gips sind Beispiele. Energierohstoffe umfassen Erdgas, Erdöl oder Kohle. Die mengenmässig wichtigste Gruppe, die Steine und Erden, bezeichnen Rohstoffe aus Lockergesteinen (z. B. Sand, Kies) oder Festgesteinen (z. B. Schotter, Ton oder Kalk) und sind vor allem für die Bauindustrie von Bedeutung. Mineralische Rohstoffe sind in menschlichen Zeiträumen nicht erneuerbar. Sie bilden sich im Laufe der Erdgeschichte durch geologische Prozesse und erneuern sich über geologische Zeiträume, also über Jahrmillionen.
Die Geologie bestimmt das Angebot Um Rohstoffe zu fördern, müssen zwei Bedingungen gegeben sein: Einerseits muss der Rohstoff in der Natur vorkommen und andererseits technisch erreichbar und rentabel abbaubar sein. Vorkommen mineralischer Rohstoffe sind generell stark an die regionale Geologie gebunden. Die Gesteinsvielfalt in Graubünden ist gross, da während der Alpenbildung verschiedene Gesteine zusammengepresst wurden. Im Vergleich zu anderen Weltregionen, wo über hunderte Kilometer dasselbe Gestein den Untergrund bilden kann, sind die Gesteinspakete in den Alpen komplex gelagert, verfaltet und in kleinräumige Stücke zerbrochen. Deshalb gibt es in Graubünden zwar viele Rohstoff-Vorkommen, jedoch nicht alle verfügen über die nötige Menge, Konzentration oder Qualität, um zu rentieren. Der Staat regelt die Nutzung Mit Ausnahme der Steine und Erden, die dem Grundeigentum zugeschrieben werden, sind mineralische Bodenschätze öffentlich und deren Nutzungsrechte liegen bei den Kantonen. Lediglich Graubünden überträgt diese Rechte den Gemeinden. An welchem Ort Rohstoffe abgebaut werden können, wird durch den kantonalen Richtplan festgelegt. Dieser strebt bei Materialabbau und - verwertung aus volkswirtschaftlichen und umweltrelevanten Gründen eine möglichst regionale Selbstversorgung an (Richtplan Kanton Graubünden 2009 ). Vor allem Steine und Erden sind als Baurohstoffe für die Talschaften von grosser wirtschaftlicher Bedeutung und gleichzeitig als «Massenrohstoffe mit beschränkter Wertschöpfung» auf kurze Transportdistanzen angewiesen. Soweit Graubündens elf Regionen geeignete Ressourcen aufweiBündner Wald 5 /2014 19
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sen, sollen diese Potenziale langfristig für den Abbau sichergestellt werden (Richtplan Kanton Graubünden 2009 ). Umwelt, Gewässer, Natur- und Heimatschutzgesetz auf Bundesebene setzen weitere Rahmenbedingungen zur Standortwahl von Abbaustellen.
heute nationale, kantonale und kommunale Schutzobjekte sowie raumplanerische Interessen in der Projektplanung berücksichtigt werden. Ziel der nachhaltigen Planung eines Abbaustandortes sind Lösungen, die von allen Interessengruppen getragen werden können (Bärtschi 2010 ).
Nutzungskonflikte Die Eröffnung neuer Abbaustandorte verläuft selten reibungslos. Durch die Ansprüche, die verschiedene Interessengruppen wie Abbauunternehmen, Landwirtschaft, Umweltschutzverbände, Gemeinde oder Anwohner an einen Standort stellen, entstehen oftmals Nutzungskonflikte. Konflikte mit Waldnutzungen sind ein Beispiel. Während Abbauvorhaben noch vor einigen Jahrzehnten ohne grosse Einschränkungen durchgeführt werden konnten, müssen
Wie nutzt Graubünden seine Bodenschätze? Schon seit der Steinzeit werden in Graubünden Bodenschätze genutzt. Während früher nebst Bausteinen auch Erze gewonnen wurden, spielen heute Steine und Erden die wichtigste Rolle. Kies und Sand (rund 1 Mio. m3 pro Jahr) sowie Kalk und Mergel für die Zementproduktion (ca. 0.65 Mio. m3 pro Jahr) sind klare Spitzenreiter. Gut 50 000 m3 Festgestein werden jährlich als Naturwerkstein, Schotter, Splitt oder für
Aktuelle Abbaustellen von Fest- und Lockergesteinen sowie bedeutendere historische Erzabbaustellen im Kanton Graubünden. (Grafik: Schweizerische Geotechnische Kommission SGTK, 2014)
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spezielle Zwecke verwendet. Rund 20 000 m3 Lehm werden pro Jahr für die Ziegel- und Backsteinproduktion gefördert (Richtplan Kanton Graubünden 2009 ). Energierohstoffe sowie Industrieminerale werden in Graubünden derzeit nicht abgebaut. Kies wie Sand am Meer Als wichtigster Zulieferer der Bauwirtschaft zählt die Sand-, Kies- und Betonbranche zu den existenzsichernden Bereichen der Volkswirtschaft. Die weitaus grösste Menge an Kies und Sand wird zur Herstellung von Beton verwendet. Weiter werden Sand und Kies sowie aus Grobkies gebrochener Splitt als Untergrund für Strassen und Wege eingesetzt. Rund
80 % gehen in den Tiefbau, 20 % in den Hochbau (VBBK 2014). Die Hauptabbaugebiete für Kies und Sand liegen im Churer Rheintal und den jeweiligen Hauptzuflussarmen, Vorder- und Hinterrhein. Es wird aber auch in Mittelbünden, beispielsweise am Furnabach im Prättigau an der Landquart bei Schiers, an der Albula sowie bei Maladers und Salouf abgebaut. Im Engadin befinden sich Abbaustellen bei Pontresina und Zernez (Dariz et al. 2010 ). Kies und Sand werden in Graubünden grösstenteils im Trockenabbau gewonnen. Die meisten Gruben bauen Kies und Sand in nacheiszeitlichen Fluss- oder Bachablagerungen in der Talsohle oder in Bachschuttkegeln ab. Nassabbau erfolgt aus Schwemmabla-
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Ein Schwimmbagger fördert bei Untervaz Kies aus einer Tiefe von 4 – 6 m. (Bild: Christian Ludwig, 2014)
gerungen von Stauseen sowie eiszeitlichen Schotterterrassen mittels Schwimmbaggern (R. Kündig et al. 1997 ). 30 bis 40 % der Bauabfälle werden heute zu Recyclingbeton aufbereitet und tragen so zu einem effizienteren Rohstoffkreislauf bei. Die begrenzten Kies- und Sandvorräte können so bis zu einem gewissen Grad geschont werden. Zurzeit nicht verwertbare Stoffe müssen deponiert werden. Analog zur Rohstoff-Versorgung strebt der Richtplan eine regionale Autarkie an: Die elf Regionen Graubündens haben für gut erreichbare Deponiestandorte – meist ehemalige Abbaustellen – zu sorgen. Sack Zement ! Zement ist der wichtigste Baustoff unserer Gesellschaft: Bei der Energieproduktion (Wasserkraftwerke), der Mobilität (Infrastrukturen des Strassen- und Schienennetzes ) sowie im Hochbau ist Zement allgegenwärtig. Die geologischen Voraussetzungen ermöglichen es der Schweiz, ihren Bedarf an Zement selber zu decken, denn die natürlichen Hauptbestandteile Kalkstein und Mergel gehören zu den Rohstoffen, die
hierzulande reichlich vorhanden sind. Auch Graubünden verfügt über gut bemessene Vorkommen dieser Rohstoffe. Mitte des 20. Jahrhunderts stieg mit dem Bau von Wasserkraftwerken der Bedarf an Zement in Graubünden erheblich an. Während Zement bis dahin via Bahn aus dem Unterland angeliefert wurde, konnte Ende der 50er-Jahre der Grundstein für ein Zementwerk im eigenen Kanton gelegt werden. Untervaz bot sich dabei aus geologischer wie aus verkehrstechnischer Sicht als geeigneter Standort an. Die Abbaugebiete am Fusse des Calanda verfügen heute über Rohstoffreserven für die nächsten 30 Jahre (Holcim 2010 ). Das Zementwerk Untervaz produziert rund 800 000 Tonnen Zement pro Jahr (Holcim 2010 ). Zu Beginn wurde der Zement vorwiegend in Graubünden abgesetzt, heute bleibt noch rund ein Fünftel im Kanton. Steinreiches Graubünden Nebst den Rohstoffen für die Zementproduktion werden in Graubünden weitere Festgesteine in knapp 20 Steinbrüchen abgebaut (siehe Karte). Das Gestein dient zur
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Hauptsache zweierlei Anwendungen: Zum einen werden Festgesteine als Naturstein für die direkte Verwendung an Bauwerken oder für die Bildhauerei, zum anderen als Ausgangsmaterial für die mechanische Zerkleinerung zur Herstellung unterschiedlicher Gesteinskörnungen (Splitt und Schotter) verwendet. Als Natursteine werden verschiedene Gneise, aber auch Serpentinite aus Steinbrüchen ganz Graubündens gewonnen. Der Bedarf schwankt regional stark; einige SteinbruchBetriebe versuchen ihre Produkte auch international abzusetzen. Weltweite Bekanntheit erlangte der Valser Quarzit durch den Bau der Therme in Vals. Namhafte Architekten haben diesen Stein seither weltweit an Bauwerken eingesetzt. Das variantenreiche, grünlich-graue Gestein, bei dem es sich geologisch gesehen um einen Gneis Schotterbett der Rhätischen Bahn bei Chur bestehend aus zwei verschiedenen regionalen Gesteinstypen. (Bild: Schweizerische Geotechnische Kommission SGTK, 2014)
handelt, ist auch in Bern auf dem Bundessowie als Gesteinsparkett auf dem Zürcher Sechseläutenplatz verlegt. Serpentinite werden heute im Puschlav sowie im Raum Disentis als besonders dekorative Natursteine in der Architektur oder für den Ofenbau abgebaut. In Graubünden sind Stützmauern aus Naturstein allgegenwärtig. Um dem Wildwuchs unterschiedlicher Stützmauertypen Einhalt zu gebieten und eine qualitativ hochstehende Baukultur zu wahren, werden die Gesteine möglichst nahe ihres Einsatzortes gewonnen und stammen aus passenden geologischen Formationen mit besonderem Augenmerk auf die Farbgebung (Figi, H., 2010 ). Eine gelungene Umsetzung findet man beispielsweise entlang des Marmorerasees, wo die Stützmauern die lokale Geologie mit Serpentinit und Grünschiefer widerspiegeln. Splitt und Schotter werden hauptsächlich für den Bau von Schienen- und Strassennetz verwendet. Die Rhätische Bahn bezieht ihren Schotter aus Steinbrüchen, die in möglichst kurzer Transportdistanz zu ihrem Schienennetz liegen, so z. B. aus dem Puschlav, dem Engadin sowie Mittelbünden. Festgesteine für spezielle Anwendungen werden im unterirdischen Steinbruch von Felsberg sowie im Steinbruch Crastatscha in Zernez gewonnen. Die dort abgebauten Gesteine werden gesamthaft respektive teilweise für die Herstellung von feuerfesten Dämmstoffen (Steinwolle) in Flums verwendet. Ziegelein, Ziegelein an der Wand... Anfang des 20. Jahrhunderts wurde im Kanton Graubünden in acht Ziegeleien Lehm abgebaut und zu Ziegeleierzeugnissen verarbeitet ( SGTK, 1907 ). Das schweizweite Verschwinden von Tonabbaustellen und deBündner Wald 5 /2014 23
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ren verarbeitenden Ziegeleien machte auch vor Graubünden nicht halt. So ist heute nur noch eine Abbaustelle mit Ziegelei in Landquart in Betrieb. Seit 1863 werden dort für die Region Backsteine und Dachziegel aus Ton, Lehm und Mergel der nahe gelegenen Grube hergestellt. Die vollständig abgebauten Grubenbereiche werden zur Deponierung von sauberem Aushub material verwendet und anschliessend rekultiviert (Ziegelei Landquart 2014 ).
Inserat
Nach der Nutzung ist vor der Nutzung Im Gegensatz zu Verkehrswegen sind Abbaustellen zeitlich begrenzte Eingriffe in die Landschaft. Nach Stilllegung werden sie mit Florinett AG 2014 (10.01.2014) sauberem Aushubmaterial, das in grossen
Mengen anfällt, verfüllt und rekultiviert. Das ursprüngliche Landschaftsbild wird dabei wieder hergestellt. Rekultivierungen können zudem einen Beitrag zur Schaffung vielfältiger Lebensräume und so zur Förderung der Biodiversität leisten. Aber auch andere Nutzungsformen sind denkbar: Für den stillgelegten Steinbruch Calinis in Felsberg sieht ein Konzept vor, Solarpanelen in die terrassierte Landschaft zu integrieren und damit jährlich mehr als 1 Mio. kWh erneuerbare Energie zu produzieren. Geologie als Tourismus-Rohstoff Bodenschätze lassen sich auch touristisch nutzen. Die Tektonikarena Sardona macht
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sich dabei die Glarner Überschiebung, eine UNESCO-geschützte geologische Gleitfläche, zu Nutze, um die Region touristisch zu fördern. Gesteinslehrpfade an geologisch attraktiven Standorten oder Goldwaschkurse im Vorderrheintal nutzen die lokalen Eigenheiten der Gesteine und locken viele Besucher an. Zahlreiche Bergbau-Museen, darunter das wohl Höchstgelegene der Schweiz auf der Alp Taspin im Schams, profitieren heute von längst stillgelegten Bergwerken mit ihren wechselvollen Geschichten und leisten einen Beitrag für den Tourismus, eine der tragenden Säulen der Bündner Volkswirtschaft. Rohstoffe für die Kunst In der Viamala-Schlucht lässt sich die von Wasser geschaffene Kunst am Stein eindrücklich erleben. Enorm ist die Vielfalt an Farben und Formen, die der Bündner Untergrund bietet. Zahlreiche Kunstschaffende lassen sich von Bündner Gesteinen inspirieren und verwenden diese als Grundlage für ihre Werke. Beispielsweise zermahlt der Künstler Urs Furrer auf der Suche nach ursprünglichen, natürlichen Farbpigmenten Gesteine zu Pulver und komponiert dieses zu stimmungsvollen Bildern. Rohstoffe im Kreislauf Die regionale Selbstversorgung mit mineralischen Rohstoffen verbunden mit möglichst kurzen Transportdistanzen sowie der haushälterische Umgang mit Ressourcen sind zukunftsweisende, im kantonalen Richtplan verankerte Grundsätze. Die Karte mit der Verteilung der Abbaustellen über den Kanton zeigt, dass Graubünden diese Grundsätze – sofern die erwähnten Rahmenbedingungen erlauben – auch in die Tat umsetzt. Mit der Förderung von Recyclingbaustoffen als Ersatz für Kies und Sand wird zudem
eine Kreislaufwirtschaft angestrebt wie sie auch vom Bund gefordert wird. Denn Recycling ermöglicht Wertschöpfung aus Abfall durch die Gewinnung wichtiger Sekundärrohstoffe für die Produktion mit gleichzeitiger Schonung primärer Ressourcen. Zudem tragen durch das Recycling von Rohstoffen zahlreiche Unternehmen dazu bei, die Versorgungssicherheit der Wirtschaft zu erhöhen ( BAFU 2013 ). Nach diesem Vorsatz wird auch die Auf bereitungsanlage zur Rückgewinnung von Metallen aus Haushaltskehricht in der kan tonalen Kehrichtverbrennungsanlage in Trimmis betrieben. So können trotz fehlen der rentabler Erzabbaustellen im Kanton Metalle als sekundäre Rohstoffe gewonnen und wiederverwendet werden. Die Referenzen zu diesem Artikel finden Sie unter: http://bit.ly/1wLoxI7
Donat Fulda Schweizerische Geotechnische Kommission SGTK ETH Zürich www.sgtk.ch
Iwan Vitins Schweizerische Geotechnische Kommission SGTK ETH Zürich www.sgtk.ch
Roger Widmer Schweizerische Geotechnische Kommission SGTK ETH Zürich www.sgtk.ch Bündner Wald 5 /2014 25
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Kristalle und Mineralien aus Graubünden Untertitel Grundschrift
Val Medel, von links: La Bianca, Piz Vallatscha, Piz Miez, Scopi. (Pilot: Matthias Zubler) (alle Bilder: Ueli Eggenberger)
Kristalle haben durch ihre Schönheit schon immer fasziniert. Einen rund 15 Mio. Jahre alten Kristall ans Licht zu bringen, ist eine besondere Erfahrung. Unser Kanton weist eine grosse Vielfalt an Mineralien auf. Die grössten Chancen, einen Kristall zu finden, bestehen in der Surselva und um den Piz Beverin. Das Strahlen ist in Graubünden kommunal geregelt. Strahlen – die Suche nach Kristallen Alpines Strahlen ist die Suche nach Kristallen und Mineralien in den Alpen. Ziel der Suche ist die Gewinnung unbeschädigter Sammlerstufen. Die Mineralienvorkommen der Schweiz befinden sich hauptsächlich im Aarund Gotthardmassiv und in den angrenzenden Gebieten der Alpen, vielfach in alpinem Gelände. So hat die Umwelt einen grossen Einfluss auf die Suche nach Kristallen. Insbesondere das Wetter und die objektiven Gefahren sind im Hochgebirge bedeutsam. Das hat zur Folge, dass die Schneehöhe des Winters resp. die Dauer der Schneeschmelze den Beginn der Strahlersaison bestimmen. Stabile oder instabile Wetterlagen im Sommer / Herbst (Gewitterfronten) und der Zeitpunkt des Wintereinbruchs beeinflussen die mögliche Länge der Strahlertätigkeit.
Die Geschichte verarbeiteter Mineralien beginnt in der Jungsteinzeit. Ein Faustkeil aus Silex, der 1974 in Pratteln entdeckt wurde, ist rund 350 000 Jahre alt. Bergkristall-Werkzeuge sind in Siedlungen der Jungsteinzeit gefunden worden. Als Erster beschrieb Plinius der Ältere 80 n. Chr., wo und wie man Bergkristalle in den Alpen abbaut. Mitte des 16. Jahrhunderts wurden in Mailand Kristallschleifereien eingerichtet, in welchen während rund 200 Jahren die wohl schönsten Werke ihrer Art entstanden, die man überhaupt kennt. Es waren Prunkgefässe aus Bergkristall mit Tief- und Hochschnitt in höchster Vollendung, bestimmt für die Fürstenhöfe Europas. Tätig waren die Mailänder auch an fremden Höfen, so z. B. in Florenz, München und Prag. Im 18. Jahrhundert erwarb der preussische König Friedrich II eine grosse Anzahl Kronleuchter in Paris. Das Rohmaterial stammte aus fünf bekannten Klüften, insbesondere aus einer Kluft vom Pfaffensprung bei Wassen UR. Jahrhundert verloren die KristallIm 18. schleifereien an Bedeutung. Gründe waren die aufkommende Glasindustrie mit billigeren Substitutionsprodukten und die starke Konkurrenz aus Übersee an verschleifbarem Rohmaterial in Varietäten, die in den Alpen
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Öffnen einer Kluft am Piz Miez: vorher ( 1 ), während ( 2 ) und nachher ( 3 ).
nicht gefunden werden. Das erwachte Naturverständnis führte dazu, dass die Kristalle als Sammlungsobjekte gesucht wurden. Heute freuen sich die Strahler darüber, Kristalle ans Licht zu bringen. Dadurch werden die Kristalle vor der Zerstörung durch die Erosion bewahrt. Das Reizvolle an der Tätigkeit ist die Arbeit im Hochgebirge und die Hoffnung, einen schönen Fund machen zu können. Es lockt das Unbekannte und Unerwartete. Mineralienvorkommen in Graubünden Schon lange bekannt sind die Vorkommen in der Surselva. Während sich die nördlichen Seitentäler von Val Val, Val Giuv, Val Milà, Val Strem bis in die Val Russein teilweise noch im Aarmassiv befinden und ins Tavetscher Zwischenmassiv reichen, liegen die zur Tessiner Grenze laufenden Täler Val Maighels, Val Curnera, Val Nalps, Val Medel, Val Sumvitg gegen Süden im Gotthardmassiv. Dies bedeutet, dass eine grosse Palette verschiedener Mineralien gefunden werden kann. Jünger ist die Entdeckung der Kristallvorkommen im Schin und um den Piz Beverin. Schöne Phantomquarze sind beim Bau der Rhätischen Bahn gefunden worden und im Bündner Naturmuseum ausgestellt. Eine intensivere Strahlertätigkeit begann ab ca.
1960. Aus dieser Gegend sind vor allem die Quarzvorkommen bekannt. In Felsberg und Tamins wurden zur gleichen Zeit schöne Dauphiné-Quarze gefunden, die an die bekannten Vorkommen in Arkansas erinnern. Speziell zu erwähnen sind die Blauquarze von Felsberg, deren blaue Farbe durch den Einschluss feiner Turmalinfasern entsteht (Tyndall-Effekt). Schon länger bekannt sind die Goldvorkommen am Calanda, die kurze Zeit bergmännisch abgebaut wurden. Die Abbautätigkeit endete jeweils mit dem Konkurs der Firmen. Um 1960 gelang es dem Emser Strahler J. Stieger erneut, Gold in der Goldenen Sonne zu finden. Im Bergell und Misox finden sich die Mineralien in den Pegmatitgängen. Vor allem der blaue Beryll aus dem Bergeller Massiv ist sehr gesucht. Weiter finden sich im ganzen Kanton verstreut Erze. Für die Mineralogie am bedeutendsten sind die Manganerze im Oberhalbstein und in Ferrera, die erstmals aus Graubünden beschriebene Mineralien lieferten.
Wo kommen Kristalle vor Für das Verständnis der Kristallvorkommen hilft ein Blick auf die Entstehung der Mineralvorkommen. Vor 22 bis 10 Millionen Jahren öffneten sich in einer späten Phase Bündner Wald 5 /2014 27
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der alpinen Gebirgsbildung Zerrklüfte. Dies in einer Tiefe von 12 bis 14 Kilometern und bei Temperaturen von 400 bis 450 °C. Durch die Schubkräfte aus der Kollision der afrikanischen mit der europäischen Platte bildeten sich Spannungsrisse, die sich langsam zu Klufträumen öffneten. Der entstehende Hohlraum füllte sich mit hydrothermalen Lösungen, die Mineralien aus dem Nebengestein herauslösten. Durch die Hebung der Alpen und die damit zusammenhängende Erosion kamen diese Klufträume langsam zur Erdoberfläche. Druck und Temperatur nahmen ab und die übersättigten Lösungen begannen auszukristallisieren. Daraus können wir verstehen, dass Kristalle meist in Klüften gefunden werden, die vielfach rechtwinklig zum Gesteinsverlauf gebildet wurden und ein Quarzband der ehemals hydrothermalen Lösung enthalten. Als Beispiel ist die Kluft vom Piz Miez am Lukmanierpass aufgeführt. Art. 724 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches legt fest, dass herrenlose Naturkörper oder Altertümer von wissenschaftlichem Wert Eigentum des Kantons sind, in dessen Gebiet sie gefunden worden sind. Die Strahlertätigkeit ist durch kantonale und kommunale Bestimmungen geregelt. Die Palette reicht von Strahlerverbot (z. B. Kanton St. Gallen) über Strahlerpatente mit und ohne Einschränkungen betreffend Hilfsmittel (Maschinen, Sprengstoff) bis zu Gebieten ohne Einschränkungen. Als Faustregel kann gelten, dass in Gemeinden ohne Regelungen meist auch nicht viel zu finden ist. Es gibt Vereine, in welchen sich die Gleichgesinnten treffen. In Graubünden sind hier die Bündner Sektion der Schweizerischen Vereinigung der Strahler, Mineralien- und Fossiliensammler sowie die Uniun Cristallina
Rauchquarz aus der Kluft am Piz Miez.
in Disentis zu erwähnen. Diese organisieren nebst anderen Tätigkeiten die Mineralienbörsen Chur und Disentis. Bewundert werden können die Mineralien im Bündner Naturmuseum in Chur, im Talmuseum Bregaglia, im Museum der Uniun Cristallina in Disentis sowie im Kloster Disentis, im Museum La Truaisch in Sedrun und im Museum Alpin in Pontresina. Die Bergbautätigkeit kann im Bergbaumuseum Schmelzboden in Davos Monstein erlebt werden.
Ueli Eggenberger 7015 Tamins info@alpine-kristalle.ch www.alpine-kristalle.ch
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Radon in Graubünden Erhöhte Radonkonzentrationen in Woh nungsluft erhöhen das Lungenkrebsrisiko. Der Ursprung des Radons ist der natürli che Untergrund. Hohe Konzentrationen im Wohnbereich kommen durch eine Kombi nation von Untergrundfaktoren sowie der Bauweise zustande. In Graubünden gelten etliche Regionen als Radongefährdungsge biete (Teile der Surselva, einige Gemeinden in Mittelbünden, Klosters, Davos, Oberen gadin und die Bündner Südtäler). Beson ders in den Radongemeinden müssen Neu bauten in radonsicherer Bauweise erstellt werden. Bestehende Gebäude können durch Lüftungs- respektive Entlüftungs massnahmen saniert werden. Radon gilt, nach dem Rauchen, als zweitwichtigste Ursache für Lungenkrebs. Mehr als 200 Lungenkrebsfälle sind in der Schweiz pro Jahr auf Radon zurückzuführen. Uran- und Radiumaktivitäten natürlicher Gesteine: Uran-238 – in Magmatiten
100 –10 000 Bq/kg
– in Sedimenten
20–100 Bq/kg
– in Böden
40 –250 Bq/kg
Radium-226
10 –150 Bq/kg
Während alle Vorgängerisotope fest sind, ist Radon gasförmig; die Zerfallsprodukte des Radons sind wiederum fest. Typische Radonkonzentrationen in verschiedenen Medien: Aussenluft Wohnraum Keller Bodenluft
5–30 Bq/m³ 50–5000 Bq/m³ 100–10 000 Bq/m³ 10–200 kBq/m³
Grundwasser
1–300 Bq/L
Tabelle 02 (Tabelle: Christian Böhm)
Beim radioaktiven Zerfall eines Radium226-Atoms entstehen ein Radon-222-Isotop sowie ein Heliumatom (= Alpha-Teilchen). Ausserdem wird Gammastrahlung freigesetzt. Die Freisetzung von Radon (Emanation) erfolgt im Porenraum. Nur aus einem dünnen Emanationssaum können Radonisotope in den Porenraum gelangen (Abb. 01). In trockenen Poren ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass das vorübergehend freigesetzte Radonatom gleich ins ge genüberliegende Gesteinskorn geschleudert wird und damit nicht mobil ist. Im wassergesättigten oder feuchten Porenraum wird
Tabelle 01 (Tabelle: Christian Böhm)
Das langlebigste Radonisotop Rn-222 (oder Rn) entstammt der Uran-238-Zerfallsreihe. Dieses Uranisotop tritt in allen Gesteinen in 01). geringen Konzentrationen auf (Tab. Uran-238 zerfällt über Thorium, Uran-234 und weitere Isotope zu Radium 226, Letzteres mit einer Halbwertszeit von 1600 Jahren zu Radon. Radon-222 zerfällt mit einer Halbwertszeit von 3,82 Tagen zu Polonium-, dann zu Bismut- und Bleiisotopen. Am Ende der Zerfallsreihe steht das stabile Blei-206. 222
Abb. 01: Freisetzung von Radon im Porenraum. (Bild: Christian Böhm) Bündner Wald 5 /2014 29
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das Radonteilchen gebremst, sodass es vermehrt zur Emanation kommen kann. Im Porenraum werden hohe Radonkonzentrationen von einigen Tausend bis 200 000 Bq/m³ gemessen (= Becquerel pro Kubikmeter Luft = Anzahl Zerfälle pro Sekunde und pro m³ Luft/Tab. 02). Für die Ausbreitung der radonhaltigen Bodenluft ist die Durchlässigkeit des Untergrundes entscheidend. Am einfachsten, das heisst schnell und in grösseren Mengen, kann sich radonhaltige Bodenluft in Bergsturzschutt, gut durchlässigen Murgangschuttlagen oder in Flussschottern ausbreiten. In diesen Situationen kann es zu Radonproblemen in Gebäuden kommen. Ausserdem sind Gebäude, welche direkt auf klüftigem oder verkarstetem Fels erbaut wurden, stark gefährdet (Abb. 02 ).
Abb. 02: Typische Radonsituationen (Bild: Christian Böhm)
Abb. 03: Radonkarte Schweiz. (Quelle: Bundesamt für Gesundheit BAG)
In Kristallingebieten ist der Verwitterungsschutt in der Regel grobkörniger und weist einen geringen Feinanteil auf, was eine gute Durchlässigkeit ergibt. Es ist also nicht der im Allgemeinen höhere Uran- und Radiumgehalt dieser Gesteine, sondern die erhöhte Permeabilität als Grund für die Radongefahr anzusehen. Schweizweit treten Radonproblemfälle wegen des Kristallinuntergrundes gehäuft im Tessin, in Teilen von Graubünden, im Berner Oberland und in einzelnen Regionen im Wallis auf (Abb. 03). Die Häufung von Radonproblemen im Jura (Neuenburg, Jura, Berner Jura) steht mit der Verkarstung in Zusammenhang. Aufgrund der sehr guten Durchlässigkeit in Karstklüften können praktisch unbegrenzte Bodenluftmengen einem auf Fels gebauten Gebäude zuströmen. In Graubünden sind radongefährdete Gebiete die Südtäler Misox, Bergell, Puschlav und das Münstertal. Dort befinden sich etliche Dörfer auf gut permeablem Kristallin-Murgangschutt. Gleiches gilt für etliche Oberengadiner Gemeinden, Teile von Davos und Klosters sowie für etliche Gemeinden im Hinterrheingebiet sowie der Surselva. In Flims-Waldhaus treten Radonprobleme als Folge der guten Durch lässigkeit des Bergsturzschutts auf, in Siat
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sind offene Sackungsanrisse als geologische Ursache anzusehen. In Radongefährdungsgebieten ist längst nicht jedes Gebäude betroffen, denn neben dem geologischen Untergrund spielt die Bauweise eine bedeutende Rolle. Auch hier geht es um die Permeabilität, insbesondere jene der Gebäudehülle. Naturbodenkeller, Risse in der nicht speziell abgedichteten Betonplatte, Spalten zwischen Streifenfun dament und Betonboden, Gebäudefugen und undichte Leitungseinführungen lassen radonhaltige Bodenluft ins Haus. Auch un dichte Erdregister können ein Grund für er höhte Radonkonzentrationen sein. Der sogenannte Kamineffekt im Haus – warme oder erwärmte Luft steigt, was ein Manko, einen Unterdruck, erzeugt, welcher teilweise durch nachströmende Bodenluft ausgeglichen wird –, dieser Kamineffekt führt also zu Radonproblemen. Der Kamin effekt wird verstärkt, z. B. – durch offene Treppenhäuser (Keller – Wohnbereich) – Heizsysteme mit Luftansaugung im Wohnbereich oder Keller Die Höhe der Radonkonzentration in Ge bäuden wird mittels sogenannter Radon dosimeter bestimmt. Zwei bis drei solcher Dosimeter werden im Wohnzimmer, im Keller und allenfalls in nicht unterkellerten Wohnräumen oder in bewohnten Unter geschossräumen während dreier Monate aufgestellt. Idealerweise werden die circa 5 cm grossen Geräte auf der Höhe aufgestellt, auf welcher die Luft eingeatmet wird (also 1 bis 1,5 m hoch, z. B. auf offenes Tablar). Die Messung findet mit Vorteil im Winterhalbjahr – während der Heizperiode – statt. Die Messung liefert eine gemittel te Konzentration in Bq/m³ über die ganze Messperiode.
Welche Radonkonzentrationen als beson ders gesundheitsgefährdend gelten, wird in der Strahlenschutzverordnung definiert. – Mit >1000 Bq/m³ Radon im Wohnbe reich besteht ein dringender Sanierungs bedarf (Grenzwert). – Werte über 400 Bq/m³ sollen mit ein fachen Sofortmassnahmen (z. B. Brechen des Unterdruckes mittels Fensterlüftern) angegangen werden, müssen aber erst im Rahmen eines Umbaues saniert wer den (Richtwertüberschreitung). – Für Arbeitsplätze gilt ein Grenzwert von 3000 Bq/m³. – Im Rahmen einer fürs Jahr 2016 vorge sehenen Revision der Strahlenschutz ver ordnung, welcher eine neue Ri sikoabschätzung der Weltgesundheitsorga nisation WHO vorausgeht, wird die Auf hebung der Richt- und Grenzwerte zu gunsten eines Referenzwertes von 300 Bq/m³ in Erwägung gezogen. Mit der Einführung des geplanten Referenz wertes wären weite Teile der Schweiz neu als Radongebiete einzustufen. Darum soll ten bereits heute Umbauten und Neubau ten so erfolgen, dass dieser neue Referenz wert eingehalten wird. Massnahmen gegen erhöhte Radonkon zentrationen sollten in erster Linie bei Neu bauten in Radongebieten getroffen werden. Der Zutritt radonhaltiger Bodenluft kann durch eine dichte Gebäudehülle erreicht werden: Massnahmen, welche den Wasser Richt- und Grenzwert gemäss schweizerischer Strahlenschutzverordnung: Grenzwert Wohnen
1000 Bq/m³
Richtwert Wohnen
400 Bq/m³
Referenzwert mutm. ab 2016? 300 Bq/m³ Tabelle 03 (Tabelle: Christian Böhm) Bündner Wald 5 /2014 31
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Abb. 04: Radonsichere Bauweise
Steigleitung über Dach entlüftet (Abb. 04). In der Steigleitung wirkt der Kamineffekt, der eine passive Entlüftung verursacht. Die Sanierung bestehender Gebäude kann nach einer Untersuchung durch Spezialisten durch Brechen des Unterdruckes (z. B. Fensterlüfter, Frischluftzufuhr für Kamin), durch Erzeugen von Unterdruck im unbewohnten Kellergeschoss oder durch Überdruck (Frischluftventilator) im Wohnbereich angegangen werden. In erster Linie sollen niedrige Radonkonzentrationen das Lungenkrebsrisiko der Bewohner/innen senken. Erhöhte Radonkonzentrationen in Gebäuden könnten sich in Zukunft wertmindernd beim Verkauf einer belasteten Liegenschaft auswirken. Aus diesen Gründen sollte ganz besonders bei Neubauten auf radonsichere Bauweise geachtet werden.
(Bild: Christian Böhm)
zutritt verhindern, verhindern auch den Zustrom radonhaltiger Bodenluft. Ich persönlich empfehle als radonsichere Bauweise, unter dem Fundament ein geringmächtiges Kiesbett mit eingelegter Drainageleitung vorzusehen. Die Drainage wird mit einer
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Geothermie in Graubünden Erneuerbare Energien stehen im Fokus – weltweit und in der Schweiz. Dementsprechend viel wird derzeit über Geothermieprojekte diskutiert. Auch für Graubünden stellt sich die Frage, welchen Beitrag die Geothermie zur Energieversorgung leisten kann. In Davos wurde eine von Bund (BFE), Kanton (ANU) und Gemeinde geförderte 400 m tiefe Erkundungsbohrung erstellt, um zusätzliche Möglichkeiten der Geothermienutzung abzuklären. Die Ergebnisse des Projektes stimmen positiv für die Realisierung einer ersten Anlage. Geothermische Energie Über 99 Prozent unseres Planeten sind heisser als 1000 °C. Diese hohe Temperatur gibt einen ersten Eindruck, welch gewaltiges Energiepotenzial im Untergrund als geothermische Energie gespeichert ist. Meist ver borgen, zeigt sich diese Energie auf spektakuläre Weise in Vulkanausbrüchen oder heissen Quellen. Je tiefer in die Erde vorgedrungen wird, desto höher werden die Temperaturen; im oberen Bereich der Erdkruste nehmen die Temperaturen um rund 3 °C pro 100 m Tiefe zu.
Geothermische Nutzungsmöglichkeiten Es besteht eine Vielzahl technischer Lösungen um geothermische Energie nutzbar zu machen (Abbildung 1). Die meisten realisierten Anlagen erschliessen mit weniger als 400 m Tiefe den untiefen Bereich, in dem zwei Nutzungsarten besonders verbreitet sind: Grundwasserwärmepumpen (GWWP) und Erdwärmesonden (EWS). Bei den GWWP wird Wasser in einem Entnahmebrunnen gefördert und nach der Nutzung über einen Wärmetauscher in einem Rückgabebrunnen wieder in den Grundwasserleiter zurückgegeben. EWS-Anlagen bestehen aus einer oder mehreren vertikalen Bohrungen, die als Wärmetauscher fungieren. In einem geschlossenen Sondenkreislauf zirkuliert eine Flüssigkeit und nimmt die im Untergrund gespeicherte Energie auf. Die Temperaturen im untiefen Bereich sind zu gering für eine direkte Gebäudebeheizung und werden daher mittels einer Wärmepumpe auf das gewünschte Temperatur niveau angehoben. Tiefer reichende Anlagen (> 400 m Tiefe) können direkt zu Heizzwecken und ab Temperaturen von ca. 100 °C zur Stromproduk-
Abbildung 1: Nutzungsmöglichkeiten geothermischer Energie: (1) Tunnelthermie, (2) alpine StörzonenGeothermie, (3) Grundwasserwärmepumpen (GWWP), (4) Erdwärmesonden (EWS), (5) energetisch aktivierte Bauteile, (6) Erdwärmekollektoren, (7) Erdwärmesondenfeld, (8) direkte Grundwasserwärmeheizung, (9) geothermale Stromproduktion. Grafik verändert nach www.crege.ch.
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tion verwendet werden. Meist wird wie bei den untiefen GWWP Wasser gefördert und nach der thermischen Nutzung wieder in den Untergrund zurückgegeben. Mit geothermischen Anlagen kann sowohl geheizt als auch gekühlt werden. Besonders effizient sind Anlagen, die beide Nutzungsarten kombinieren und als geothermischer Speicher fungieren. Typische Anwendungen für die Wärmenutzung erfolgen bei Einoder Mehrfamilienhäusern, Badeeinrichtungen oder Gewächshäusern. Kühlungen werden häufig zur Wohnungs- und Büroklimatisierung verwendet und nehmen zudem eine wachsende Bedeutung für Industrieanlagen und Rechenzentren mit hoher Abwärme ein. Herausforderungen der Geothermie Geothermische Nutzungen stellen Eingriffe in die Natur dar. Je nach Anlagentyp und den lokalen Verhältnissen entstehen darAbbildung 2: Zulässigkeit für Erdwärmesonden in Graubünden. Quelle: Amt für Natur und Umwelt Graubünden (http://map.geo.gr.ch/ erdwaermenutzung)
aus unterschiedliche natürlich-technische sowie wirtschaftlich-politische Herausfor derungen. Bei der tiefen Geothermie, die vor allem zur Stromproduktion genutzt wird, domi niert auf der wirtschaftlich-politischen Seite das Fündigkeitsrisiko und damit die Rentabilität einer Anlage. Nur bei ausreichen der Durchlässigkeit beziehungsweise Wasserzirkulation und -temperatur kann die Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit gewährleistet werden. Um die Durchlässigkeit der Gesteinsschichten zu erhöhen, können verschiedene chemische und physikalische Verfahren eingesetzt werden. Diese tragen entscheidend zu den natürlich-technischen Risiken bei, zu denen unter anderem Gas austritte und induzierte Seismizität (Erdbeben) zählen. Projekte in der tiefen Geothermie haben in der Schweiz bisher Pilotcharakter und stehen in der untiefen Geothermie einer grossen und stetig wachsenden Anzahl von Anlagen gegenüber. Die Herausforderungen dieser Nutzungen unterscheiden sich deutlich von denen im tiefen Bereich. Auf der natürlich-technischen Seite treten die meisten Probleme durch unzureichende Planung und Ausführung der Anlagen auf. Hohe Priorität hat der Schutz des Grundwassers als wertvolle, lebenswichtige Ressource. Durch sorgfältige Planung können viele Gefahren bereits vor der Ausführung erkannt und die richtigen Massnahmen getroffen werden. Natürliche Gefahren können beispielsweise durch Arteser (unter Überdruck stehendes Grundwasser), Karstphänomene und quellfähige Minerale (Anhydrit) entstehen. Eine wichtige Hilfestellung liefert die Karte der zulässigen Gebiete für Erdwärmesonden (Abbildung 2). Erdwärmesonden werden als nachhaltige Energiequellen auf einen Zeitraum von
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Abbildung 3: Anzahl der Grundwasserwärmepumpen- (GWWP) und Erdwärmesondenanlagen (EWS) in der Schweiz bis 2012 (aus Wärmepumpendaten berechnet). Die EWS stellen mit fast 4/5 den grössten Anteil der verschiedenen Nutzungsarten an der jährlichen Heizenergie geothermischer Systeme dar (2955 GWh im Jahr 2012). Verändert nach Imhasly et al 2013.
mindestens 50 Betriebsjahren ausgelegt, die Lebenserwartung ist noch deutlich höher. Um einen ungestörten Betrieb über diese Zeitspanne zu gewährleisten, müssen die Anlagen ausreichend dimensioniert werden. Zu geringe Sondenlängen sowie -abstände führen zu ineffizienten Systemen, die den Untergrund zu stark abkühlen und dadurch ihre Wirtschaftlichkeit verlieren und zu Systemversagen führen können. Auf der wirtschaftlich-politischen Seite ergeben sich durch die stetig wachsende Anzahl an Erdwärmenutzungen weitere Herausforderungen, wie zum Beispiel die gegenseitige Beeinflussung von Anlagen. Um das vorhandene geothermische Potenzial optimal nutzen zu können, bedarf es einer gezielten Planung und Standort optimierung geothermischer Nutzungen. Insbesondere im Hinblick auf unterschiedliche Anlagengrössen, Nutzungshorizonte
und -tiefen sollten kommunale oder regionale Wärmenutzungskonzepte erarbeitet werden. Geothermie in der Schweiz und in Graubünden Die Schweiz verfügt über eine grosse Anzahl geothermischer Nutzungen und weist weltweit die höchste Dichte geothermischer Anlagen auf (Lund et al 2011). Die Zahl der Erdwärmenutzungen nimmt stetig zu, wobei die EWS mit fast 80 Prozent den grössten Anteil stellen (Abbildung 3). Die gesamte Heizenergie aller geothermischen Systeme betrug im Jahr 2012 knapp 3000 GWh, was einer Einsparung von über 200 000 Tonnen Heizöl beziehungsweise ca. 675 000 Tonnen CO2 entspricht (Imhasly et al 2013). Auch in Graubünden stellen die EWS die grösste Anzahl der installierten Erdwärmenutzungen dar. Seit 1972 wurden über 6000 Bündner Wald 5 /2014 35
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Abbildung 4: Geologisches Profil des Untergrundes im Raum Davos. Mit zunehmender Tiefe steigt die Unsicherheit der Schichtverläufe.
Anlagen bewilligt, mehr als die Hälfte dieser Anlagen zwischen 2007 und 2013 (Stand 2013). Dies belegt das gestiegene Interes se an der Nutzung geothermischer Energie und spiegelt den nationalen Trend wider. Bis Ende 2013 wurden in Graubünden be reits über eine Million Meter für Erdwär menutzungen in den Untergrund gebohrt. Auch zur tiefen Geothermie wurden bereits Untersuchungen durchgeführt: In St. Mo ritz wurde 1991 die erste Geothermietief bohrung im Alpenraum auf 1600 m Tiefe abgeteuft. Aufgrund der sehr geringen hydraulischen Durchlässigkeit des ange troffenen Gesteins konnte mit weniger als 8 / min jedoch nicht genügend Wasser 0 l für eine wirtschaftliche Nutzung gefördert werden. Das Potenzial der geothermischen Stromproduktion ist dennoch vorhanden und wurde vom Amt für Energie und Ver kehr Graubünden mit 15 GWh/a beziffert. Erkundungsbohrung Davos Die Erkundungsbohrung Davos liegt in einer Tiefe von 400 m, einem für geother
mische Anwendungen bisher wenig ge nutzten und erforschten Tiefenbereich. Die hydrothermale Potenzialstudie untersucht, ob und wie der in etwa 100 m Tiefe be ginnende Aquifer (Grundwasserleiter) der Aroser Dolomiten-Decke für geothermi sche Zwecke genutzt werden kann. Dies ist für Davos von grosser Bedeutung, da die Nutzung der untiefen Geothermie auf dem Stadtgebiet durch artesisch gespann tes Wasser im Festgestein und aufgrund getrennter Grundwasserstockwerke im Lo ckergestein stark eingeschränkt ist. In einer Tourismusdestination wie Davos werden auf begrenztem Raum Wohn- und Beher bergungsmöglichkeiten für 13 000 ständige Einwohner und rund 30 000 Gäste ange boten. Dieses Raumangebot kann nur mit grösseren Gebäuden gewährleistet werden. Grössere Gebäude auf verhältnismässig kleinen Parzellen lassen eine wirtschaftli che geothermische Nutzung des untiefen Aquifers mittels Erdwärmesonden praktisch nicht zu. Eine Verlagerung der Wärmeent nahme auf tieferliegende Schichten bleibt,
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neben der Nutzung der Wärme aus dem oberen Grundwasserleiter, die einzige Mög lichkeit. Dieser Grundwasserleiter ist bisher wenig erforscht und wurde daher mittels Seismik, Bohrlochgeophysik und Aquifertests erst malig untersucht. Das besondere Interesse an dem Aquifer ergibt sich aus verschiede nen positiven Grundvoraussetzungen: – Aus verschiedenen Bohrungen ist be kannt, dass der Aquifer zum Teil arte sisch gespanntes Grundwasser führt. Die Verfügbarkeit von Wasser stellt eine zen trale Voraussetzung in den meisten un tiefen Anwendungsbereichen geother mischer Energie dar. – Die Temperaturprognose aus den Vor untersuchungen ist vielversprechend. Je höher die angetroffene Temperatur ist, desto wirtschaftlicher wird die Nutzung zu Heizzwecken. – Beim Bohrstandort sind potenzielle Ab nehmer in unmittelbarer Nähe vorhan den. Bei positiven Untersuchungsergeb nissen kann die Erkundungsbohrung zu einer Nutzung ausgebaut werden. – Der Dolomitaquifer ist hydraulisch von dem oberflächennahen quartären Aqui fer getrennt. Es entstehen daher keine Nutzungskonflikte mit bestehenden An lagen. (Hydro-)Geologie von Davos Der Bohrstandort liegt in den geologisch jungen Lockergesteinen des Landwasser tales. Darunter folgen die Festgesteine der ostalpinen Aroser Dolomiten-Decke und der penninischen Aroser Zone (Abbildung 4). Die verschiedenen Auf- und Abschiebun gen sowie Verwerfungen aus Abbildung 4 geben einen Eindruck der komplizierten La gerungsverhältnisse und der Unsicherheiten des geologischen Modells.
Bekannte Grundwasserleiter finden sich in der quartären Lockergesteinstalfüllung und in der Aroser Dolomiten-Decke. Die tiefe ren Schichten sind potenziell auch wasser führend, wurden allerdings im Raum Davos noch nicht angebohrt. Untersuchungen Der beschriebene komplexe Aufbau der Schichten stellt die groben Zusammen hänge und Erwartungen des geologischen Modells dar. Um ein möglichst vollständi ges Bild der Verhältnisse im Untergrund zu erhalten und das Potenzial geothermischer Nutzungen abschätzen zu können, wurde ein umfassendes Untersuchungsprogramm ausgeführt (Abbildung 5). ANZEIGE
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In einem ersten Schritt wurden seismische Messungen durchgeführt, die eine Übersicht über die tektonischen und strukturellen Verhältnisse geben. Auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse, zum Beispiel über den Verlauf der Grenze zwischen Locker- und Festgestein sowie über Bruchund Störungszonen, konnte ein geeigneter Bohrstandort festgelegt werden. Neben den (hydro-)geologischen Überlegungen wurde auch die Situation potenzieller Abnehmer in der Umgebung in die Evaluation des Bohr standortes miteinbezogen. In einem nächsten Schritt wurden geophysikalische Untersuchungen in der auf 400 m abgeteuften Bohrung durchgeführt. Sie dienen dazu, die Prognosen aus den Voruntersuchungen zu überprüfen und wichtige Parameter im Bohrloch zu messen.
Im letzten Schritt wurden verschiedene hydraulische Aquiferversuche durchgeführt, um die Ergiebigkeit der potenziellen Nutzung auszuwerten. Zudem wurden diverse Grundwassermessstellen eingerichtet und über wacht, um den Einfluss auf den Lockergesteinsaquifer sowie auf bestehende Grundwassernutzungen zu überprüfen. Ergebnisse Die Untersuchungen bestätigten zum Teil die Erwartungen der Voruntersuchungen. Vor allem die oberen 160 m des Dolomit aquifers stellten sich erfreulicherweise als sehr ergiebig und durchlässig dar (natürlicher artesischer Ausfluss von rund 1300 l / min). Der Aquifer zeichnet sich dabei durch die hohe Konnektivität und laterale Ausbreitung der Klüfte aus, ohne dass
Abbildung 5: Untersuchungsschema der Erkundungsbohrung Davos. Die verschiedenen Stufen der Untersuchungen sind in (A) Untersuchungsziel; (B) Untersuchungsschritte; (C) Auswertung und (D) Systemverständnis gegliedert.
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sich jedoch Auswirkungen auf den Wasserspiegel und die Nutzungen im Lockergesteinsaquifer gezeigt hätten. Das sehr grosse Wasserangebot steht jedoch einer Wassertemperatur von lediglich 11,4 °C gegenüber, die damit unter den Erwartungen zurückblieb. Dennoch überwiegen die positiven Ergebnisse und eine Nutzung in der bestehenden Bohrung mit einer Leistung von ca. 1 MW (Jahresarbeit 6 – 8 GWh) wurde als realistisch eingestuft. Aufgrund dieses erfreulichen Befundes wurden bereits erste Schritte in die Wege geleitet, um eine geothermische Nutzung umzusetzen.
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Geologieausstellung im Bündner Naturmuseum Untertitel Grundschrift
Blick in die neu gestaltete Dauerausstellung im Bündner Naturmuseum. (Alle Bilder: Bündner Naturmuseum)
Die Landschaft Graubündens ist wie ein Buch, in dem der Kundige vielfältige geologische Informationen zu ihrem Werden und Vergehen findet. Die neue Dauerausstellung «Erdwissenschaften» des Bündner Naturmuseums in Chur vermittelt in umfassender und unterhaltsamer Weise, wie man dieses Buch lesen kann und was sich darin entdecken lässt. Warum ist Graubünden, wie es ist? Um zu verstehen, warum die Landschaft Graubündens so ist, wie sie ist, muss man die Prozesse, die sie erschaffen haben, verstehen. Sie entfalten ihre Wirkung im Kleinen wie im Grossen, über kurze und lange Zeiträume. Warum stösst man beispielsweise auf dem Urdenfürggli zwischen Arosa und Lenzerheide ganz abrupt auf tiefrotes Gestein? Weil sich hier Radiolarit befindet. Dieses Gestein besteht aus dem Skelettmaterial
sandkorngrosser Organismen, den Radiolarien, die als Plankton im Meer leben. Wenn sie sterben, sinken sie auf den Meeresgrund und bilden über Jahrtausende hinweg mächtige Skelettablagerungen. Was wir heute sehen, waren also einst Millionen dieser kleinsten Lebewesen und das Urdenfürggli war einmal Meeresgrund. Oder: Wie kommt es, dass ein 80 Zentimeter langer Raubfisch, der vor Jahrmil lionen mit seiner letzten Mahlzeit im Magen starb, heute in bestem Zustand auf 2700 m ü. M. im Ducangebiet zu finden ist? Der Fisch sank nach dem Tod intakt auf den Meeresgrund, versteinerte und wurde im Zuge der Alpenbildung in die Höhe gehoben. Dort wurde er von Forschern des Paläontologischen Instituts und Museums der Universi-tät Zürich gefunden, die seit 30 Jahren in akribischer, aufwendiger Arbeit in Grau-bünden Fossilien bergen und untersuchen.
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Das Bündner Naturmuseum gibt Antworten Berge, Felsen, Täler, die Fragen nach dem Warum und Wie ihrer Entstehung aufwerfen, begleiten den aufmerksamen Wanderer in Graubünden auf Schritt und Tritt. Die neue Dauerausstellung «Erdwissenschaften» des Bündner Na-turmuseums in Chur gibt Antworten. Dadurch, dass sie sowohl über einzelne Aspekte als auch über Zusammenhänge informiert, fördert sie das Verständnis für die Landschaft Graubündens und schärft auch den Blick dafür im Gelände. Der Aufbau ist modulartig und widmet sich fünf grossen Themen, nämlich: – Wie die Gesteine Graubündens entstanden
– Wie die Gesteine Graubündens vergehen – Die Dynamik in der Landschaft – Fossilien in Graubünden – Mineralien Graubündens Die ersten drei Module widmen sich in erster Linie den Prozessen, die zur Gestaltung der Landschaft und ihrer Gesteine führten. Bei den Fossilien und Mineralien stehen die Präsentation von Fundstücken und die Erläuterung ihrer Entstehung und Entdeckung im Vordergrund. Geologie verstehen, Landschaft verstehen Im Modul «Wie die Gesteine Graubündens entstanden» erfährt man, dass Gesteine ganz unterschiedlicher Herkunft sind. Sie können aus Ablagerungen im Wasser oder
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aus Magma (geschmolzenes Gestein) ent stehen, oder sich durch Umwandlung aus anderen Gesteinen bilden. Das – zumin dest dem Namen nach – Bündner Gestein schlechthin, der Bündnerschiefer, wird in diesem Modul prominent behandelt. Weiter ist zu sehen, was Fachleute aus Sediment ablagerungen am Grund des Silvaplaner sees lesen können. Mithilfe eines drehbaren «Sedimentrades» lässt sich nachvollziehen, wie in Sedimentgesteinen Ablagerungen entstehen. Ein Zeitungsstapel demonstriert das Ablagerungsprinzip, bei dem die älteste Schicht zu unterst liegt. Um das Gegenteil von Entstehung, nämlich Erosion und Verwitterung, dreht sich das Modul «Wie die Gesteine Graubündens ver gehen». Gestein wird durch Wurzeln, chemi sche Verwitterung und Eis zersetzt und Glet scher, Rutschungen, Fels- und Bergstürze befördern das Material talwärts und formen so das Relief Graubündens. Als grösste Bünd ner Transportfirma agiert dabei der Rhein. Er verfrachtet alljährlich ca. vier Millionen Ton nen Material aus dem Kanton hinaus. Angesichts gewaltiger und über Jahrmillio nen wirkender Kräfte stellt sich die Frage, wie sich diese auf die Landschaft auswirken und sie verändern. Die Auswirkungen sind Versteinerte Fische zeugen von früherem Leben in Graubünden.
in der Tat gewaltig, aber landschaftsprä gende Prozesse laufen häufig so langsam und derart im Kleinen ab, dass wir sie kaum wahrnehmen. Schwerkraft, Gletscher und Bäche modellieren ununterbrochen die Erd oberfläche. Das kundige Auge kann aus Fal ten und Klüften viel über ihre Entstehungs geschichte erfahren. Ein Höhepunkt der Ausstellung ist das Mo dul «Fossilien in Graubünden». Hier lassen über 200 Millionen Jahre alte versteinerte Fische, Saurier, Pflanzen oder Krebse in erst klassigem Erhaltungszustand die Besuche rinnen und Besucher über die Vielfalt längst vergangener Lebewesen und ihrer Lebens räume staunen. Die Versteinerungen sehen teilweise aus, als hätten die Tiere gestern noch gelebt. Nebst vielen originalen Objek ten zieht eine Nachbildung eines vier Me ter langen Dinosauriers, von dem wir heute versteinerte Spuren in Graubünden finden, die Blicke auf sich. Ein herausragendes Ob jekt ist das weltweit einzigartige Skelett des Flugsauriers Raeticodactylus filisurensis. Wie die Kristalle in den Klüften der Ge steine eingebettet sind, gibt es in verschie denen Vitrinen zahlreiche, nach Regionen geordnete Mineralien aus Graubünden zu besichtigen. Eine riesige Vielfalt an For men, Farben und Grössen schlägt den Be trachter in den Bann. Darunter befinden sich einmalige Stücke, die in dieser Aus bildung äusserst schwer zu finden sind. Was ein grosser Fund in sich hat, wird am Beispiel des grossen Rauchquarzes von Vals aufgezeigt. Einer der grössten Funde von Alpengold aus der Surselva fasziniert ebenso wie kleine Goldstufen vom Calan da oder Goldnuggets aus Bächen. Zu erwähnen ist schliesslich der Nachbau ei ner Felswand im Treppenhaus des Bündner Naturmuseums. Dieser zeigt, dass eine Fels wand nicht nur lebloses Gestein ist, sondern
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wichtigen Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten darstellt. Erlebnis Geologie Die neue Dauerausstellung nimmt engen Bezug auf Graubünden, ob es nun um Erläuterungen zur Landschaftsbildung oder die Präsentation von Gesteinen, Mineralien, Fossilien oder den Spuren von Sauriern geht. Wo immer möglich werden dreidimensionale, originale Objekte eingesetzt. Dies gilt für den weltweit einzigartigen Flugsaurier ebenso wie für ein Stück aus einer verstopften Wasserleitung zur Demonstration von Kalkablagerungen. Die Ausstellung profitiert auch von umfangreichen Forschungsarbeiten professioneller und Amateur-Wissenschaftler. Als Beispiele seien hier Sedimentanalysen aus dem Silvaplanersee oder Fossilienfunde genannt. Zur Veranschaulichung griffen die Ausstellungsmacher auf einfache, aber dennoch einleuchtende Präsentationsformen zurück. Die vielen faszinierenden Objekte machen die Ausstellung für alle Altersstufen verständlich und Geologie erlebbar. Sie ani-
mieren dazu, nach einem Museumsbesuch das Erfahrene draussen zu suchen, zu erforschen und zu beobachten und tragen damit zum Verständnis unseres Lebensraumes bei. Die Inhalte und viele Grafiken der Ausstellung wurden von Markus Weidmann, Geologe aus Chur, erarbeitet. Für die Inhalte im Bereich Mineralien zeichnet Ueli Eggenberger, Tamins, verantwortlich. Die Gestaltung erfolgte durch das Innenarchitekturbüro gasser, derungs ( Zürich / Chur ). Seit Ende August 2014 sind die Module «Wie die Gesteine Graubündens entstanden», «Fossilien in Graubünden» sowie «Mineralien Graubündens» für Besucher und Besucherinnen zugänglich, die restlichen werden voraussichtlich bis Frühjahr 2015 für das Publikum geöffnet.
Dr. Ueli Rehsteiner Bündner Naturmuseum Masanserstrasse 31, CH-7000 Chur ueli.rehsteiner@bnm.gr.ch
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Das Ende des Lüschersees dass der ehemalige See mit unterirdischem Abfluss das grosse, benachbarte Rutschgebiet ungünstig beeinflusste.
Blick in die Grube unterhalb von Obertschappina 1890. Der Schwarznolla frisst sich ein, die vegetationslosen Halden rutschen nach. (Copyright: Bundesarchiv)
1910 wurde der Lüschersee oberhalb Tschappina auf dem Heinzenberg trockengelegt. Ein 150 Meter langer Stollen sorgt seither für den Abfluss des Wassers aus dem Seebecken. Grund war die Vermutung,
Der Nolla – ein gefürchteter Wildbach Der Nolla entspringt am Glaspass und am Piz Beverin und mündet nach etwa sieben Kilometern südlich von Thusis in den Hin terrhein. Obwohl es sich dabei eher um ein kleines Flusssystem handelt, war der Nolla bis zu seiner Verbauung ab 1870 einer der schlimmsten Wildbäche in der Schweiz. Ge fürchtet waren seine periodischen Murgän ge, die Nollaausbrüche, mit ihren verheeren den Geschiebeablagerungen im Domleschg. Über ein Dutzend solcher Ausbrüche sind beschrieben. H. C. Escher von der Linth hatte den Aus bruch von 1807 untersucht und schrieb dar über: «Als die Nolla an jenem schauervollen Novembertag diese ungeheure Schuttmas se mit sich hervorwälzte, trieb sie dieselbe bis in das Bett des Hinterrheins, unterbrach dessen Lauf, so dass das Rheinbett im Dom leschgertal trocken wurde, während hinge gen der Hinterrhein über diesem ungeheu ren Schuttdamm zu einem langen See in seinem engen Tal über 40 Fuss (12 Meter) hoch aufgeschwellt wurde. . . . Das ehedem als eines der fruchtbarsten Alptäler bekann te Domleschg liegt nun in grossen Strecken unter einer fast ununterbrochenen Geschie bedecke begraben.» Die gewaltigen Geschiebemassen kamen aus einem sehr aktiven Erosionsgebiet am Schwarznolla unterhalb von Tschappina, der Grube. Dort nagte der Wildbach unun terbrochen am Hangfuss und transportierte Material talwärts. Das liege daran, dass bei Tschappina ein «faules Gebirge» sei. Tat sächlich ist der Tonschiefer des Heinzenber ges sehr verwitterbar und zerfällt sobald er mit Luft in Berührung kommt.
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Durch die stetige Erosion des Nolla in der Grube kamen die darüber liegenden Hänge ins Rutschen. Ganze Inseln mit den darauf stehenden Gebäuden und Hofwiesen lösten sich vom Hang und begannen Richtung Schwarznolla abzugleiten. Risse öffneten sich im Boden und kahle Gleitflächen wurden sichtbar. Mitte des 19. Jahrhunderts reichte die Rutschzone in der Breite von Obertschappina bis zum Glaspass und in der Höhe vom Schwarznolla bis gegen den Heinzenberggrat. Die Bewegung der rutschenden Pakete lag im Bereich von einigen Metern pro Jahr. Die Tschappiner waren natürlich sehr besorgt. Ihre Häuser kamen plötzlich in Schieflage, und Wege wurden durch Risse unterbrochen. Über allem lag zudem die Angst vor einem plötzlichen Abgleiten der ganzen Bergflanke.
ein. Dabei half ihm das grosse, landesweite Hochwasser von 1868, das beim Bund ein Umdenken bezüglich Finanzierung von Bauten zum Hochwasserschutz auslöste. Betreffend Lösungen am Nolla sah von Salis Talsperren als wichtigste Massnahme. Mit ihnen sollte die Bachsohle angehoben werden, um den Hangfuss zu stabilisieren. Nach gewaltigen Nollaausbrüchen in den Jahren 1868, 1869 und 1870 kam der Kanton unter Druck, endlich den Nolla zu zähmen. Der Verbauungsplan von 1870 stammte aus der Feder von Salis. Neben der Planung von acht grossen Sperren skizzierte von Salis auch das Trassee für einen WasserGrube am Schwarznolla, darüber das Rutschgebiet. Links oben der Lüschersee. (Copyright: Staatsarchiv Graubünden)
Pläne zur Verbauung des Nolla Schon Anfang des 19. Jahrhunderts wurde H. C. Escher von der Linth als Experte beigezogen, um Lösungen für die vom Nolla verursachten Probleme vorzuschlagen. Sein Bericht von 1808 nennt als wichtigste Massnahme die Entwässerung des ganzen Rutschhanges und die Aufforstung. Bei der Entwässerung äussert er sich explizit zum Lüschersee. Es sei nicht ausgeschlossen, dass der unterirdische Abfluss des Sees für die aussergewöhnliche Wasserhaltigkeit des Rutschkörpers verantwortlich sei. Escher empfahl Untersuchungen und Messungen zur Abklärung dieser Vermutung. Falls Seewasser in den Rutsch eindringe, so sei der See trockenzulegen. 60 Jahre später war der Nolla immer noch unverbaut. Adolf von Salis, seit 1854 Oberingenieur des Kantons, war überzeugt, dass Verbauungen erfolgen müssen. Er setzte sich deshalb mit grossem Geschick und viel Energie für Massnahmen am Nolla Bündner Wald 5 /2014 45
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Ölbild des ehemaligen Lüschersees mit Piz Beverin.
Blick in den ca. 150 Meter langen Stollen.
Unbekannter Künstler.
(Bild: zVg. von Robert Widmer)
(Bild: zVg. von Familie Schmid)
sammelkanal quer durch den Rutschhang von Glas bis Tschappina. Noch 1870 wurden erste Gelder vom Kanton freigegeben und im Januar 1872 sagte Bern die erhofften Bundessubventionen zu. Die Arbeiten an den Sperren begannen im Herbst 1870. Technische Schwierigkeiten und Uneinigkeit bei der Kostenbeteiligung der Gemeinden unterbrachen aber schon bald den Projektfortschritt. Mit erheblichen Unterbrüchen und Projektänderungen war dann 1901 das Programm umgesetzt und das Geld aufgebraucht. Aufforstung und Entwässerung als Ergänzungen zur Verbauung Der Sperrenbau im Nollatal beruhigte tatsächlich die Hänge, und die Zeit war gekommen, um Aufforstung und Entwässerung zu planen. Die Aufforstung begann 1908 und wurde 1925 als abgeschlossen erklärt. Von ursprünglich anvisierten 218 Hektar wurden 121 Hektar mit 873 000 Bäumen bestockt. Für mehr reichten die bewilligten Mittel
nicht. Bund und Kanton waren sich in der Folge nicht einig, ob die Aufforstung auf der Bruchalp und beim Lüschersee noch weitergehen sollte. Am Ende blieb es bei den heutigen 121 Hektar Staatswald. Bis 1910 versickerten noch immer beträchtliche Wassermengen in Senkungen, Klüften und auch unscheinbaren Löchern mit der Gefahr, in tief liegenden Schichtfugen wie Schmiermittel das Abgleiten der Schieferpakete zu beschleunigen. Das 1906 erstellte Entwässerungsprojekt hatte deshalb zum Ziel, das Rutschgebiet mit einem Netz von Ableitungen zu versehen, um das in den zahlreichen Sickerstellen versiegende Wasser zu fassen und dem Holzkanal zuzuleiten. Hier kam nun auch der Lüschersee ins Spiel, wie einem Bericht des Bundes zur Entwässerung entnommen werden kann: « Zeigt es sich, dass wirklich beträchtliche Wassermengen im Seegrund verloren gehen, so kann die Verbindung dieses Einzugsgebietes mit der Hauptableitung nur durch das Anbohren des Sees geschehen, und weil es am meisten Einfluss auf die Rutschungen
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ausüben dürfte, so wäre diese Ableitung als wichtigster Bestandteil der Entwässerung anzusehen.» Der Lüschersee stand so plötzlich im Mittelpunkt der Entwässerung. Das Ende des Sees Das Urteil über den Lüschersee fiel vermutlich am Augenschein vom 22. Juni 1906. Im Protokoll wird festgehalten: «Es wird allgemein betont, dass eine möglichst intensive Entwässerung des ganzen Einzugsgebietes und namentlich auch die Ableitung des Lüschersees durchaus notwendig sei.» Untersuchungen zum Wasserhaushalt, wie sie Escher gefordert hatte, lagen nicht vor. Dennoch war die Mehrheit der Teilnehmer überzeugt, dass der Lüschersee den grossen Rutsch negativ beeinflusste und abzuleiten sei. Im vom Bundesrat im März 1907 bewilligten Projekt war dann die Ableitung des Lüschersees durch einen Stollen bereits enthalten. Das Ende ist rasch erzählt. 1909 begann der Stollenbau unter Protest der Alpgenossenschaften. Die Arbeiten gingen aber weiter, und der Durchschlag erfolgte am 25. Februar 1910 bei praktisch leerem See. Von 1914 bis 1916 wurden in den ursprünglich mit Holz ausgekleideten Stollen ovale Betonringe eingebracht, um die Abstützung langfristig zu sichern. Seit über 100 Jahren fliesst das sich im Seebecken sammelnde Wasser durch den etwa 150 Meter langen Stollen ab. Die Bildung eines Sees ist so nicht mehr möglich, und der Lüschersee existiert nur noch in der Geschichtsschreibung. Das Rutschgebiet konnte stabilisiert werden. Ob das Ablassen des Lüschersees dazu beigetragen hat, lässt sich nicht beantworten. Andere wichtige Massnahmen wie die Verbauung des Nolla, Aufforstung und Entwässerungen waren gleichzeitig im Gange.
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Von einem, der auszog, um von den Steinen zu lernen
Urs A. Furrer nimmt den unterschiedlichen Duft der Steinpigmente wahr. (Bild: Heinz Erismann)
Der Künstler Urs A. Furrer stellt in seiner Alp-Werkstatt in Buchen im Prättigau Farbpigmente von einzigartiger Schönheit her. Den Rohstoff dazu findet er in den Bündner Bergen auf Schritt und Tritt. Sein Freund Yves Schumacher will diesem Geheimnis auf die Spur kommen und unterhält sich mit ihm über das Wunder der mineralischen Pigmente. Schumacher: Urs, man kennt dich hier als Stein- und Farbenmann. Andere sehen in dir einen Magier oder Alchemisten. Wer bist du? Furrer: Ich bin nur Künstler, also Handwerker, und weder Magier noch Geologe. Aber ich lasse mich von der Magie der Bündner Gesteine verzaubern und banne ihre wundervolle Substanz auf die Leinwand. Dieser Prozess geht bei mir selbstverständlich mit einer geistigen Arbeit einher. Mit Substanz meinst du wohl das Pigment. Jetzt musst du mir noch erklären, was Pigmente genau sind. Pigmente sind farbgebende Substanzen, die sich unter anderem durch ihre chemische Struktur, ihre Festkörpereigenschaften sowie durch ihre Kristallstruktur und die Teilchengrössen unterscheiden. Im Gegensatz zu den Farbstoffen sind diese im Anwen-
dungsmedium nicht löslich. Aus Gesteinen und Erden erzeuge ich sogenannte anorganische Pigmente. Organische Pigmente stammen hingegen aus dem Tier- oder Pflanzenreich. Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen, Steine zu Pigmenten zu pulverisieren? Das war vor etwa 15 Jahren. Ich wollte die Farbe von Bündner Schiefer mit Acrylfarben mischen, mit denen ich mich damals noch herumschlug. Aber die Farbmischungen gingen immer wieder daneben, weil sie nie an die Strahlkraft des echten Schiefers herankamen. Deshalb fing ich versuchsweise an, Bündner Schiefer mit dem Hammer zu zertrümmern und die Körner so lange zu zerreiben und zu sieben, bis nur noch feinstes Steinmehl übrig blieb. Verarbeitest du dazu Gesteine, Steine oder Mineralien? In erster Linie Gesteine, weil Steine ja nur Bruchstücke davon sind. Gesteine bestehen immer aus zahlreichen einzelnen Minera lien, die miteinander im Verbund stehen. Die Zusammensetzung der Gesteine kann geringfügig schwanken und Farbtonveränderungen bewirken. Es gibt aber Gesteine wie beispielsweise den bei uns häufigen
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Calcit, dessen Weiss durch ein einziges Mineral geprägt ist. Wodurch entsteht eigentlich die Farbe des Gesteins? Oh, das ist eine schwierige Frage, die du besser einem Physiker stellst. Als Künstler weiss ich nur so viel: Der Farbreiz selbst entsteht durch Absorption und Remission, das heisst Streuung oder Reflexion bestimmter Frequenzanteile des sichtbaren Lichts. Der ganze Vorgang ist und bleibt für mich ein Wunder der Natur. Weiss man, wie viele Farbtöne im Erdreich verborgen sind? Grundsätzlich gibt es Gesteine in nahezu allen Farbtönen. Und jeder Farbton ist einzigartig. Einzigartig ist auch die Farbenvielfalt in den Bündner Bergen. In meiner Sammlung gibt es unter anderem Juliergelb, Puschlavgelb und Silvrettagelb. Und die Grüntöne heissen bei mir Clemgiagrün, Marmoreragrün, Natonsgrün oder Schamsgrün. Fast hätte ich die zauberhaften Rotund Rosatöne vergessen: Bärenrosa, Flixrot, Klostersrot oder Rheinwaldrosa. Ich liebe aber auch die unbunten Pigmente in den zartesten Grautönen. Davon besitze ich eine Palette mit rund 60 verschiedenen Pigmenten. Unter anderem gehört auch mein gleissend weisses Schijenstrahlweiss dazu, dessen Gesteine manchmal wie Reisszähne aus Bündner Weiden blicken. Weisser geht es nicht mehr . . . Und was ist mit schwarzem oder blauem Gestein? Schwarzes Gestein findet man beispielsweise im Flussbett der Nolla bei Thusis. Es handelt sich hierbei um Tonschiefer, das Pyritheinschlüsse und weisse Adern hat. Die schwarzen Bestandteile bestehen aus
Graphit. Um eine richtig tiefschwarze Farbe zu erzeugen, muss ich aber auf andere Regionen oder auf organische Pigmente ausweichen. Aus dem Wallis erhielt ich von Roger Widmer, technischer Mitarbeiter der Schweizerischen Geotechnischen Kommission, einen rabenschwarzen Anthrazitbrocken, den ich zu Pigment pulverisiert habe. Dienlich sind mir auch Verkohlungsprodukte pflanzlicher oder tierischer Herkunft. Zum Beispiel Beinschwarz oder Rebschwarz. Gegenwärtig erzeuge ich ein abgrundtiefes Schwarz aus unvollständig verbranntem Arvenholz aus dem Kalkbrand in S-charl. Blaue Gesteine sind in den Bündner Bergen ausgesprochen selten. Bisher habe ich nur in der Val Ferrera in Gruoba oberhalb Schmelza, wo in alten Zeiten Kupfererz abgebaut wurde, klitzekleine Bröckchen blauen Azurits gefunden. Diese Kleinstmengen reichen für die Herstellung von Pigment aber bei Weitem nicht aus. So ist also die Farbvielfalt der Bündner Gesteine auf bestimmte Mineralien zurückzuführen? Ja, natürlich. Der Absorptionsvorgang erklärt sich mit dem chemischen Aufbau des betreffenden Gesteins. Die elektromagnetische Strahlung des Lichts wird durch gewisse Atome im Inneren des Gesteins beeinflusst. Farbgebend sind unter anderem Eisen, Chrom, Kupfer, Titan oder Nickel. Wenn die chemische Zusammensetzung des Gesteins eines dieser Elemente enthält, spricht man von selbstgefärbten oder idiochromatischen Steinen. Im Gegensatz dazu stehen fremdgefärbte Gesteine, die man allochromatisch nennt. Ihre Grundsubstanz ist theoretisch farblos. Das Vorhandensein von Spurenelementen oder strukturelle Defekte können eine selektive Absorption verursachen, und deshalb haben sie eine Farbwirkung. Bündner Wald 5 /2014 49
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Legenden zu Seite 50 1) Pigment-Kassette von Urs A. Furrer
malinnädelchen erfolgt. In den Alpen vom Calanda und in der Val Punteglias soll es welche geben.
– an sich schon ein Kunstwerk. 2) Mystisches Graubünden – eine Farbsymphonie aus zahlreichen Gesteinsarten komponiert. 3) Radiolarit aus der Alp Flix oberhalb von Sur verzaubert ein altes Heutuch. 4) Ein altes Nachthemd aus dem Prättigau, durchtränkt mit einem strahlend gelben KonglomeratPigment aus dem Domleschg. ( alle Bilder: zVg v. Urs A. Furrer)
Stimmt es, dass sich mineralische Pigmente durch Erhitzung im Ofen farblich verändern lassen? Absolut. Das trifft namentlich auf Pigmente auf der Basis von Eisenoxid zu. Diese Möglichkeit war schon den Steinzeitmenschen bekannt, die die Höhle von Lascaux mit grossartigen Bildern ausschmückten. Die Pigmente fanden sie als Verwitterungsrückstände von Eisenverbindungen, die im Kalkmergel vorkommen. Auch die alten Meister des Mittelalters erzeugten braune bis tiefrote Pigmente, indem sie den Ocker erhitzten. In Zusammenarbeit mit einer Keramikerin bin ich gegenwärtig am Experimentieren. Im Brennofen, wo Temperaturen von über 1100 Grad Celsius herrschen, wandelt sich die Farbe der mit meinen Pigmenten beschichteten Objekte auf jeweils unerwartete und wundersame Weise. In Graubünden gibt es sicherlich auch farbige Schätze, die du noch aufstöbern möchtest. Ja, zum Beispiel Blauquarze, deren Färbung durch die Lichtstreuung an feinsten Tur-
Dass du schöne, farbige Gesteine sammelst, verstehe ich gut. Warum nimmst du dir aber die Mühe, damit Pigmente herzustellen? Schliesslich können Künstler heute alle Farben fixfertig in Tuben kaufen. Stelle doch mal Probeanstriche mit angerührten Farben aus Naturpigmenten gegenüber einer handelsüblichen Tubenfarbe ! Die Ausstrahlung von mineralischen Naturfarben ist mit industriellen Produkten nicht zu vergleichen. Handelsfarben werden standardisiert. So will es der Markt. Das leuchtet ein. Erkläre mir nun bitte den Herstellungsprozess von Pigmenten in deiner Alp-Werkstatt. Der Prozess ist recht einfach. Zuerst zertrümmere ich die nach Hause geschleppten Gesteinsbrocken in einem Schredder. Alsdann wird das Granulat in meiner Steinmühle solange gemahlen, bis nur noch Steinmehl in einer Korngrösse von 63 Mikrometer und kleiner übrig bleibt. Mit Farbpigmenten alleine bringt man aber noch kein Bild zustande. Wie geht man mit dem Steinpulver um? Man nehme ein Bindemittel und rühre darin das Pigment ein. Welches Bindemittel empfiehlst du? Die Antwort hängt ganz von der Maltechnik der Anwenderinnen und Anwender ab. Grundsätzlich kommt jedes Bindemittel infrage. Ich selbst bevorzuge natürliche Medien wie Gummi arabicum oder Wasserglas. Für Fresken greift auch Kasein sehr gut, das bekanntlich aus Milch erzeugt wird. SelbstBündner Wald 5 /2014 51
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verständlich lassen sich mineralische Pigmente aber auch mit einem farblosen acrylischen Malmittel anrühren. Aber das ist nicht nach meinem Gusto – Acrylfarben basieren auf Kunststoffdispersionen und trocknen zu einem regelrechten Plastikfilm. In deinem Gestell sehe ich über 250 Fläschchen mit verschiedenen Farbtönen. Wie geht es nun weiter? Mein Zentrum und Lebensraum ist der Kanton Graubünden. Mein Ziel ist aber, bis zu meinem Lebensende jeden Schweizer Berg zu pulverisieren. Oder anders gesagt: Ich suche so lange, bis ich alle Farben der Schweiz auf meiner Palette habe. Im Augenblick verlasse ich zuweilen die Alpen
und spüre auch im Schweizer Mittelland und in der Jurakette neue Steinfarben auf. Du bist offenbar nicht nur Künstler, sondern auch Alchemist. Ich wünsche dir noch viele spannende Farbentdeckungen. Danke für das Gespräch ! Urs A. Furrer furrer@urs-a-furrer.ch | www.art-depot.ch
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Keine Vergiftung unserer Böden durch Erdgasförderung Die Debatte um die Förderung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten hat auch die Schweiz erreicht. Die dabei ange wandte Methode, das Fracking, bei dem Millionen Liter Wasser und Chemikalien in den Boden gepumpt werden, wird von wei ten Bevölkerungskreisen abgelehnt. Ver schiedene Kantone kennen bereits ein Fra cking-Verbot oder -Moratorium, in weiteren Kantonen laufen politische Bestrebungen, um die Anwendung der umweltschädigen den Erdgasfördermethode zu verhindern. «Fracking» (von Hydraulic Fracturing) ist eine Methode zur Förderung von Erdgas und Erdöl, das im Gegensatz zu konven tionellen Vorkommen in tieferen Gesteins schichten lagert. Was unverdächtig klingen mag, ist eine äusserst umweltgefährdende Technologie: Beim Fracking werden mit je der Tiefbohrung ein giftiger ChemikalienCocktail, Millionen Liter Süsswasser und Quarzsand in den Boden gepumpt. Fracking hat insbesondere in den USA zu einem re gelrechten Förderboom geführt. Heute werden die verheerenden Folgen sichtbar: Der Förderboom hat eine gefährliche Preis spirale in Gang gesetzt, vergiftet Boden und Wasser, untergräbt die Energiewende, bedeutet eine enorme Klimabelastung und produziert gefährliche Abfälle. Fracking gefährdet Trinkwasserversorgung und führt zu Landverschleiss Verschiedene amerikanische Studien kom men zum Schluss, dass die Trinkwasser qualität im Umfeld von Fracking-Anlagen schlechter ist als anderswo. So sind etwa Brunnen wegen Fracking häufig mit Me than, Ethan und Propan belastet. Fracking führt aber auch zu einem enormen Land verschleiss: Für die Erschliessung von Bohr feldern zur Schiefergasförderung braucht
es Zufahrtswege, Lagertanks, Abwasserbe cken, Regenauffangbecken, Lagerplätze für die Bohrausrüstung, Stellplätze für Lastwa gen sowie für Büro- und Wohncontainer. Pro Bohrplatz werden circa 2 bis 3,6 Hekta ren Fläche benötigt. Erfahrungen in den USA zeigen, dass die geförderten Gasmengen je Bohrloch mit einem Maximalwert beginnen und innerhalb weniger Jahre stark absinken. Die Förderleistung eines neuen Bohrlochs reduziert sich schon im ersten Jahr um 30 bis 90 Prozent. Das bedeutet, dass für eine konstante Gesamtfördermenge fortlaufend neue Bohrplätze erschlossen werden müs sen. In den USA sind dadurch ganze Land striche verunstaltet worden. Ein Teil der Fläche wird nach der Stilllegung des Bohrfel des – in der Regel nach drei bis sechs Jahren – wieder frei. Allerdings besteht die Gefahr, dass die Schiefergasförderung den Boden kontaminiert hat und dieser nicht mehr land wirtschaftlich nutzbar ist. Zudem kommt es durch die Flächeninanspruchnahme und die damit verbundene Entfernung oder Verän derung der vorhandenen Vegetation sowie die Überbauung und Versiegelung des Bo dens zu einem irreversiblen Verlust von Ha bitaten und Landschaftselementen. Gibt es Fracking bald auch in der Schweiz? Anfang 2013 hat die öffentliche Debatte um die Förderung von Erdgas aus unkon ventionellen Lagerstätten auch die Schweiz erreicht. «Texaner wollen Millionen in die Gassuche investieren», titelte etwa die «Berner Zeitung» im Juni 2013. Im Mai 2014 wurde bekannt, dass ein Erdölförderkonsor tium um die SEAG und die Peos AG in den Kantonen Bern und Waadt Probebohrun gen vornehmen will. Gegenüber den Me dien wollte Patrick Lahusen, Vizepräsident der SEAG, zwar offen lassen, ob bei einer Bündner Wald 5 /2014 53
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allfälligen Erdgasförderung Fracking zur Anwendung käme – gleichzeitig betonte er aber, Fracking sei «auch für die Schweiz eine Technologie mit Potenzial». Der Unmut und die Angst der Bevölkerung gegenüber Fracking zeigt sich überall in der Schweiz und in Europa, wo Absichten für Fracking-Projekte bekannt werden. Verschiedene Kantone haben inzwischen gehandelt: Neuenburg, Freiburg und die Waadt kennen heute ein Fracking-Moratorium, Genf ein -Verbot. Im Kanton Zürich, wo ebenfalls Bohrungen geplant sind, ist ein parlamentarischer Vorstoss für ein Verbot hängig. Druck steigt auch auf nationaler Ebene Die Erfahrungen aus den verschiedenen Kantonen zeigen, dass Fracking oder Erdgasförderprojekte im Allgemeinen über die Partei grenzen hinweg abgelehnt werden. So hat im Kanton Neuenburg eine Petition gegen Fracking ausserordentlich breite Unterstützung gefunden. In nur zwei Monaten hat eine unabhängige Bürgergruppe über 10 500 Unterschriften gegen ein Projekt im Val-de-Travers gesammelt. Im Kanton Bern wurde eine von den Grünen mit der Unterstützung von Pro Natura lancierte Initiative von über 19 000 Personen von Stadt und Land unterschrie-
ben. Im März hat das kantonale Parlament eine Motion von Grünen, SP und EVP, die ein Fracking-Verbot fordert, dank der Unterstützung durch weite Teile der BDP, FDP und GLP mit deutlicher Mehrheit überwiesen. Obwohl die Kompetenz zur Regelung der Nutzungsberechtigung für Bodenschätze in der Schweiz bei den Kantonen liegt, steigt nun auch der Druck auf den Bund. Mit einem Postulat wurde ein Bericht zu Fracking in der Schweiz gefordert. Die Antwort des Bundesrates wird im Frühling 2015 erwartet. Nachdem die Erdgasbranche ihre PRBemühungen und Vorbereitungen für Erdgasförderprojekte in den letzten Monaten intensiviert hat, braucht es nun klare Zeichen – auch aus dem Bundeshaus. Dieser Text basiert auf Artikeln aus der Zeitschrift «bewegt» der Grünen Kanton Bern und Unterlagen des Berner Initiativkomitees «Stopp Fracking». Regula Tschanz Geschäftsführerin Grüne Kanton Bern sekretariat@gruenebern.ch
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Protokoll der SELVAGeneralversammlung 2014
Der SELVA Vorstand mit Gästen. Von links: Jürg Michel, Leo Thomann, Regierungspräsident Mario Cavigelli, Vital Lötscher, Alfred Barbüda, Gian Cla Feuerstein, Stefan Engler, Ernst Sax, WVS-Direktor Markus Brunner. (Bild: ANR Stgier)
Die 95. Jahresversammlung der SELVA fand am 30. April 2014 im Restaurant Alpina in Schiers statt. Insgesamt 73 Personen – Mitglieder, zahlreiche Gäste und Medienvertretende – nahmen an der Versammlung teil. Davon waren 52 stimmberechtige Mitglieder, welche 115 Mitgliederstimmen vertraten. 1. Begrüssung durch den Präsidenten SELVA-Präsident Leo Thomann begrüsst die zahlreichen Anwesenden. Einen speziellen Willkommensgruss richtet er an den Regierungspräsidenten Mario Cavigelli und die zahlreich anwesenden Gäste aus der Politik, der Verwaltung und aus den Verbänden der Wald- und Holzwirtschaft. Der Gemeinde Schiers und deren anwesenden Gemeindepräsidenten Christoph Jaag dankt er für das Gastrecht und den Zustupf an den Apéro. In seiner Eröffnungsrede erwähnt Leo Thomann verschiedene Faktoren, die eine erfolgreiche und nachhaltige Waldbewirtschaftung zunehmend schwieriger machen. Stichworte sind das brachliegende Sägewerksareal in Domat/Ems, die durch die hohen Schalenwildbestände verursachten
Schäden am Wald sowie die unterschied lichen Jagdansichten, die Folgen der Klima erwärmung und weitere Einflüsse. Der Präsident erinnert an den Wechsel im Präsidium der SELVA. Im vergangenen Jahr wurde der ehemalige Kantonsförster An drea Florin als Präsident verabschiedet. Anstelle des langjährigen Vorstandsmitgliedes Claudia Kleis-Kümin trat mit dem Ständerat und ehemaligen Bündner «Waldminister» Stefan Engler eine bekannte und sachkundige Persönlichkeit bei. Im vergangenen Jahr hat sich der SELVAVorstand ausführlich mit strategischen Verbandsfragen befasst, und die Ausrichtung der SELVA für die kommenden Jahre wurde festgelegt. Bei den Kernleistungen sollen die Information und die Kommunikation verstärkt werden. Die Dienstleistungen in Projekten sollen gestrafft und teilweise vertieft werden. Neue Schwerpunkte sollen die Waldpolitik zum Thema der Wald-WildProblematik und die betriebliche Beratung für Mitglieder sein. Die Geschäftsstelle befindet sich im personellen Umbruch. Die Anstellung als SekreBündner Wald 5 /2014 55
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tär und Projektleiter von Christophe Trüb, welcher per Ende 2013 die SELVA verliess, hat Urs Rutishauser per 1. Februar 2014 angetreten. Die bisherige Projektleiterin Nina Gansner-Hemmi wird die Geschäftsführung von Paul Barandun übernehmen, welcher in den Ruhestand treten wird. Immer noch schwierig gestaltet sich die Rundholzvermarktung. Absatz ist wohl vorhanden, jedoch erfordern die Logistik und die Transporte einen grossen Aufwand. Die SELVA strebt eine Wiedereröffnung des Sägewerkes in Domat /Ems zugunsten der Waldeigentümer an. Nach den Begrüssungsworten stellt der Präsident fest, dass die Einladung und die Versammlungsunterlagen rechtzeitig versandt wurden und die 95. Jahresversammlung somit gemäss Traktandenliste durchgeführt werden kann. Die anwesenden Mitglieder sind mit der Traktandenliste einverstanden. 2. Grussadressen Christoph Jaag, Grossrat und Gemeindepräsident von Schiers, richtet Grussworte an die Regierungspräsident Mario Cavigelli dankt den Waldbesitzern für ihr Engagement. (Bild: ANR Stgier)
Versammlung. Er unterstreicht den grossen Stellenwert, den der Wald im Prättigau hat. Sei es als prägendes Landschaftselement oder sei es als wichtiger wirtschaftlicher Faktor, den die Wald- und Holzwirtschaft im Prättigau – trotz rückläufiger Bedeutung – immer noch hat. Rund die Hälfte des 60 Quadratkilometer grossen Gemeindege bietes ist bewaldet. Forstliche Themen prägen auch den politischen Alltag im Prät tigau. Beispielsweise das Projekt einer grossen Sägerei in Fideris, welches trotz der Zusicherung bedeutender Liefermengen Rundholz durch die Gemeinden letztendlich in der Volksabstimmung gescheitert ist. Erwähnenswert ist sodann der erfolglose Kampf um die Erhaltung des Standor tes Schiers für das Regionale Amt für Wald und Naturgefahren. Die Verbundenheit der Bevölkerung mit Wald und Holz kommt im ausdrücklichen Wunsch, die gemeinde eigene Sägerei weiter zu betreiben, zum Ausdruck. Auch die Erneuerung der grossen Holzschnitzel-Verbundheizung, w elche die Mittelschule, das Bildungszentrum Palottis, die Sportanlage Oberhof sowie das Regionalspital mit Wärmeenergie versorgt, zeugt von der wald- und holzfreundlichen Gesinnung der Bevölkerung. Stolz ist die Gemeinde zudem auf das p rosperierende Zimmerei- und Schreinereige werbe samt Ausbildungsplätzen. Als aktu elles Projekt wird zurzeit die gemeinde über greifende Zusammenarbeit in der Bewirtschaftung der Wälder mit der Gemeinde Furna geprüft. Christoph Jaag bedankt sich für die Einladung und wünscht ein gutes Gelingen der Jahresversammlung. Regierungspräsident Mario Cavigelli eröffnet seine Grussworte mit dem Hinweis auf die grosse Bedeutung, welche die Holzkette in Graubünden hat. Es geht um die Pflege der Schutzwälder, um die Verarbeitung von
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Rund- und Energieholz, um die klimaneutrale Produktion des Baustoffes und Energieträgers Holz. In all diesen Bereichen der Holzkette Graubünden sind rund 4000 Arbeitsplätze vorhanden. Diese in unserem grossen Kanton dezentral angesiedelten Arbeitsplätze sind volkswirtschaftlich und regionalpolitisch bedeutungsvoll. Mario Cavigelli betont den grossen Schutzwaldanteil in Graubünden und dessen existenzielle Bedeutung für die Infrastrukturen und die Siedlungen im Kanton. Die Pflege dieses Waldes ist eine grosse Herausforderung und unverzichtbar. Sie ist auch kostenintensiv und der Druck für wirkungsvollere und kostengünstigere Bewirtschaftsmethoden steigt. Entsprechende Aktivitäten der Waldbesitzer sind klar erkennbar und erfreulich. Ein Stichwort dazu ist die Thematik von grossen Sägewerken, sei dies in Domat /Ems oder in Fideris. Trotz der aktuell nicht erfreulichen Situation hat sich doch gezeigt, dass heute gerade wegen solchen Projekten eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Wald und Holz stattfindet. Mario Cavigelli betont die Bedeutung, welche die vermehrte Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Playern in der Wald- und Holzbranche hat. Was vor wenigen Jahren noch inexistent war, nämlich eine gemeinsame Stimme gegenüber grossen Holzabnehmern, konnte mit dem Gremium der HOMAKO erfreulicherweise realisiert werden. Weitere Anstrengungen, die auch die Waldbewirtschaftung betreffen, sind die realisierten und laufenden Gemeindefusionen. Der Kanton hat für effizientere und grössere forstbetriebliche Strukturen Anreize geschaffen und unterstützt die entsprechenden Bemühungen in den Regionen. Mario Cavigelli stellt mit Freude fest, dass die Waldbranche die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Erwartungen an sie offen angeht.
3. Wahl der Stimmenzählenden Der Präsident schlägt als Stimmenzähler Maurus Mleczek und Stefan Becker vor. Die Versammlung folgt seinem Vorschlag ohne Gegenstimme. 4. Protokoll der GV vom 1. Mai 2013 in Savognin Das Protokoll der Generalversammlung vom 1. Mai 2013 in Savognin wurde im «Bündner Wald» (Nr. 5 / Oktober 2013) publiziert. Es wird ohne Gegenstimme genehmigt. 5. Jahresbericht 2013 und Aktuelles 2014 SELVA-Präsident Leo Thomann präsentiert
den Jahresbericht 2013 und geht diesen Seite um Seite durch. Aus der Versammlung erfolgen keine Wortmeldungen zum Bericht und er wird ohne Gegenstimme genehmigt. Anschliessend orientiert SELVA-Geschäftsführer Paul Barandun über die laufenden Verbandsaktivitäten 2014. Nebst dem üblichen Tagesgeschäft erwähnt er namentlich das Mitwirken der SELVA in der Holzmarktkommission HOMAKO im Zusammenhang mit einem neuen Sägewerk. Ein weiterer Schwerpunkt waren die personellen Veränderungen mit dem Wechsel von Sekretär / Projektleiter Christophe Trüb zu Urs Rutishauser, mit einer neuen kaufmännischen Mitarbeiterin und mit dem Übergang in der Geschäftsführung von Paul Barandun zu Nina Gansner-Hemmi. Weiter war die Geschäftsstelle mit der Vorbereitung der GV 2014 und den drohenden Schliessungen von RhB-Verladebahnhöfen beschäftigt. Das Projekt Wald-Wild wurde anlässlich des Förstertages vom 26. März gestartet. Am internationalen Holzenergieprojekt FOROPA haben Holzenergie Graubünden und Graubünden Holz mitgewirkt. Eine Holzenergieberatung ist im Unterengadin durchgeführt worden. Bündner Wald 5 /2014 57
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6. Jahresrechnung 2013 und Bilanz per 31. Dezember 2013 Der Präsident präsentiert die Jahresrechnung 2013 und die Bilanz per 31. Dezember 2013. Die Rechnung 2013 weist gegenüber dem Budget 2013 nur wenige Änderungen auf. Der Betriebsaufwand beträgt Fr. 484 971.– und der Nettoerlös Fr. 486 201.–. Der Gewinn beträgt Fr. 1230.–. Budgetiert war ein Gewinn von Fr. 2000.–. 7. Kontrollstellenbericht Die SELVA-Revisoren Arnold Denoth und Christian Theus haben die Buchführung der SELVA geprüft. Christian Theus erläutert den Bericht der Geschäftsprüfungskommission. Er dankt den Organen des Verbandes für die ordnungsgemässe Buchführung sowie die strukturierte Arbeit und empfiehlt der Versammlung die Annahme der Jahresrechnung 2013 und der Bilanz per 31. Dezember 2013 sowie die Entlastung der Organe. 8. Genehmigung Jahresrechnung und Bilanz, Entlastung der Organe Die Jahresrechnung 2013 und die Bilanz per 31. Dezember 2013 werden von der Versammlung einstimmig genehmigt. Die Organe des Verbandes werden ebenfalls einstimmig entlastet. 9. Budget 2013 und provisorisches Budget 2014 Das Budget 2014 (Verlust Fr. 3000.– ) und das provisorische Budget 2015 (Verlust Fr. 3000.– ) werden von der Versammlung einstimmig genehmigt. 10. Statutenrevision Mit den Versammlungsunterlagen haben die Mitglieder die vorgeschlagenen Statutenänderungen erhalten. Nebst einigen formellen Änderungen ist die wichtigste Anpassung die
Neuverteilung der Stimmen. Die Stimmenzahl von Waldeigentümern mit sehr grossen Waldflächen steht nach der momentanen Regelung in einem starken Missverhältnis zu derjenigen von mittleren bis grossen Waldeigentümern. Die Stimmzahlverteilung soll entsprechend angepasst werden. Notwendig geworden ist diese Änderung infolge der diversen Gemeindefusionen in den vergangenen Jahren. Neu hat jedes Einzelmitglied eine Stimme, Waldbesitzer mit einem Hiebsatz bis 3000 Tfm haben drei Stimmen, Waldbesitzer mit einem Hiebsatz von 3001 bis 6000 Tfm haben vier Stimmen, Waldbesitzer mit einem Hiebsatz von 6001 bis 9000 Tfm haben fünf Stimmen und Waldbesitzer mit mehr als 9000 Tfm Hiebsatz haben sechs Stimmen. Mit dieser Revision werden die Kollektivmitglieder gegenüber Einzelmitgliedern höher eingestuft. Sämtliche Statutenänderungen werden von den anwesenden Mitgliedern ohne Gegenstimme genehmigt. Sie treten ab sofort in Kraft und ersetzen die Statuten vom 13. April 2011. 11. Orientierung über den Bündner Waldwirtschaftsfonds BWF Nina Gansner-Hemmi erläutert die mit der Einladung an die Mitglieder abgegebene Bilanz und Erfolgsrechung des Bündner Waldwirtschaftsfonds BWF. Sie zählt namentlich die verschiedenen Projekte, die mit BWF-Geldern mitfinanziert wurden, auf. Im Jahresbericht 2013 sind diese Projekte näher beschrieben. Nina Gansner-Hemmi weist auch auf die verschiedenen Aktivitäten hin, die aufgrund von Gesuchen an den BWF durch den Solidaritätsfonds unterstützt werden konnten. So konnten im 2013 der Skipostenlauf in Pontresina, die Ebexpo in Scuol, die Berufsschau in Samedan, die Sonderschau Wald an der MUMA sowie das Projekt der «Valtellina II» Sur En unterstützt
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werden. Sie ermuntert die anwesenden Waldbesitzer, Gesuche für innovative Projekte an den BWF zu richten. Die BWF-Rechnung und -Bilanz wurden ebenfalls am 25. Februar 2014 durch die SELVA-Revisoren geprüft. Gemäss Statuten ist der SELVA-Vorstand für Budget und Rechnung des BWF zuständig. Die Versammmlung genehmigt die durch Nina Hemmi-Gansner erfolgte BWF-Berichterstattung einstimmig. 12. Varia Markus Brunner, Direktor von Waldwirtschaft Schweiz WVS, überbringt die Grüsse des Nationalen Verbandes. Er freut sich sehr über die Rückkehr der SELVA in den WVS. Markus Brunner berichtet ausführlich über die laufenden Aktivitäten des WVS. Im soeben erschienenen Jahresbericht des WVS ist vieles davon nachzulesen. Beat Philipp, Präsident von Graubünden Wald, orientiert über die Europäischen Forstlichen Nordischen Skiwettkämpfe, die im 2015 auf der Lenzerheide stattfinden werden. Er ruft alle, die in der Wald- und Holzwirtschaft tätig sind, auf, daran teilzunehmen. Es wird mit rund 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 20 europäischen Ländern gerechnet. Daniel Buchli, Präsident der HOMAKO, weist auf die kürzlich erfolgte Medienmitteilung betreffend Sägewerk in Domat / Ems hin, welche von der HOMAKO gemeinsam mit der Pfeifer-Gruppe publiziert wurde. Er gibt ergänzende Informationen zu dieser Mitteilung. Daniel Buchli betont, wieso sich ein Engagement für ein Bündner Sägewerk weiterhin lohnt. Graubünden verfügt über standortgerechte Nadelholzbestände mit grosser Ausdehnung, nachhaltiger Entwicklung und guten Fichtenholzqualitäten. In Domat/Ems steht ein bestens erschlosse-
nes Areal exklusiv für Holz verarbeitende Betriebe bereit und erfreulicherweise unterstreicht die Gemeinde Domat / Ems mit dem Erlass einer Planungszone ihr Bekenntnis zum Sägereistandort Domat / Ems. Trotz der Rückschläge bei der Realisierung eines neuen grossen Sägewerkes in Domat / Ems ist Resignation und nicht weiter kämpfen für die Wald- und Holzwirtschaft in Graubünden keine Strategie. Mit dem Dank an die SELVA-Geschäftsstelle, den SELVA-Vorstand und die SELVAMitglieder schliesst Leo Thomann die Versammlung. Anschliessend an die Jahresversammlung informieren mehrere Referenten zum Thema «Forstbetriebe im Wandel – Fusionen ANZEIGE
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von Gemeinden und Forstrevieren». Simon Theus, stellvertretender Leiter des Amtes für Gemeinden, erläutert die Entwicklung der Gemeinden in einem historischen Rückblick. Sodann zeigt er die Grundlagen für die erfolgten, laufenden und geplanten Gemeindefusionen auf. Beat Philipp vom Amt für Wald und Naturgefahren referiert über die Grundlagen, Anreize und Unterstützungen bei der Zusammenlegung von Forstbetrieben bzw. der Straffung forstbetrieblicher Strukturen. Revierförster und Betriebsleiter Kenneth Danuser zeigt auf, wie die Fusion verschiedener Betriebe zum jetzigen Forst-
und Werkbetrieb Cazis zustande kam und wie der Betrieb heute organisiert ist. Landquart, 12. Mai 2014 Der Protokollführer: Urs Rutishauser
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Böschungsstabilisierungssysteme erneut auf dem Prüfstand Das hochfeste Stahldrahtgeflecht TECCO ® aus dem Hause Geobrugg geniesst für Böschungsstabilisierungen weltweit einen exzellenten Ruf. Anfang dieses Jahres wurde das TECCO ®-Portfolio umfangreich erweitert und trägt seither den Namen TECCO ® SYSTEM3. Höchste Zeit für die Romanshorner Böschungssicherungsspezialisten, die Effektivität dieses Systems vor internationalem Publikum mit einem Grossfeldversuch erneut auf den Prüfstand zu stellen. Insgesamt 23 Grossfeldversuche wurden in den letzten zwei Jahren im Rahmen des KTI-Forschungsprojektes des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung in Winterthur mit flexiblen Böschungsstabilisierungssystemen durchgeführt. Unter Leitung der Berner Fachhochschule Burgdorf sollte zusammen mit dem Industriepartner Geobrugg das Tragverhalten flexibler Böschungsstabilisierungssysteme unter möglichst realen Voraussetzungen analysiert und besser verstanden werden – vor allem auch mit Blick auf ihren optimierten Praxiseinsatz. Mit der Einführung des TECCO ® SYSTEM3 Anfang des Jahres sieht Geobrugg im November die Zeit gekommen, dieses Stabilisierungssystem im direkten Vergleich mit herkömmlichen Produkten vor einem breiten Publikum zu testen und vorzuführen. Grösster Kran der Schweiz kommt zum Einsatz Um das Verhalten der unterschiedlichen Ge flechte wirklichkeitsnah zu überprüfen, wird eine spezielle Versuchseinrichtung eingesetzt und so eine wirklichkeitsnahe Böschung nachgebildet: Ein grosser, mit Kies gefüllter Testrahmen wird sowohl mit einem hochfesten TECCO ®-Geflecht als auch
Gesamtansicht Versuchseinrichtung (Bild: zVg GEOBRUGG)
mit einem anderen marktüblichen Geflecht überzogen. Dieser Rahmen wird anschliessend von einem gigantischen 500-TonnenRaupenkran – dem grössten der Schweiz – schrittweise bis zu einem Winkel von 85 ° angehoben. Dadurch lässt sich präzise beobachten, wie sich die Drahtgeflechte unter der stetig steigenden Materiallast von 230 Tonnen verhalten – und ob sie den Anforderungen an eine nachhaltige Böschungsstabilisierung genügen. Sehen bedeutet verstehen Die öffentlichen Grossfeldversuche von Geo brugg sind seit jeher wahre Publikumsmagnete. Aus gutem Grund, wie Geobrugg-Marketingleiter Jonas Eberhardt festhält: «Da unsere Systeme sehr effektiv vor Naturgefahren schützen, werden sie meist kaum bemerkt – zumal sich die meisten Vorfälle nicht vor den Augen der Öffentlichkeit abspielen.» Wenn die Fachwelt bei Livetests hautnah miterleben kann, ob und wie Böschungsstabilisierungssysteme tatsächlich funktionieren, dann sei das für alle ein echter Zugewinn. «Hier bedeutet sehen auch verstehen», so Jonas Eberhardt abschliessend. Neben dem wissenschaftlich begleiteten Test wird bei diesem Anlass zudem eindrücklich demonstriert, welche Zugkräfte ein 4-mmBündner Wald 5 /2014 61
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Draht aufnehmen kann und welche Stabili tät hochfeste Drahtgeflechte bieten. Ferner wird aufgezeigt, wie installationsfreundlich sich Böschungsstabilisierungen mit diesem System in der Praxis gestalten. Praxistest als Erfolgsfaktor Nicht zuletzt auf Grundlage der bisherigen Testergebnisse konnten die Romanshorner die Entwicklung und damit die Einsatzmög lichkeiten ihres Böschungsstabilisierungs systems Anfang des Jahres erheblich er weitern und fein aufeinander abstimmen: TECCO ®-Geflechte mit 2 mm und 4 mm Drahtstärke ergänzen das etablierte 3-mmGeflecht. Hinzu kommen unter anderem zwei unterschiedlich dimensionierte Krall platten sowie die überarbeitete Bemes sungssoftware RUVOLUM ®. Planer finden innerhalb dieses Systems für jede geolo gische Gegebenheit die passende Lösung, egal ob auf Fels oder Lockergestein. Als besonderen Erfolg stellte das TECCO ® SYS TEM3 seine Leistungsfähigkeit schon im olympischen Sotschi unter Beweis, wo mas sive Baumassnahmen in der Berglandschaft zahlreiche Böschungen instabil machten. In Kombination mit Erosionsschutzmatten von Geobrugg konnten diese Böschungen in nerhalb kurzer Zeit effizient stabilisiert und begrünt werden.
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Vorschau «Bündner Wald» Dezember 2014 Bündner Wald und Klimawandel Der Klimawandel beeinflusst das Ökosystem Wald. Die globalen Auswirkungen schei nen skizziert. Doch was ist in den Bündner Wäldern zu erwarten? Wie können wir uns wappnen? Die WSL führte im Rheintal über mehrere Jahre Untersuchungen zur The matik, die nun spannende Antworten lie fern. Die gesamte nächste Ausgabe nimmt sich dieser Thematik an. Redaktion: Sandro Krättli Vorschau auf die nächsten Nummern: Februar 2015: Winter im Wald Redaktion: Jörg Clavadetscher April 2015: Versammlungsnummer St. Antönien Redaktion: Sandro Krättli
Herausgegeben von Graubünden Wald, Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden und der SELVA. Verleger: Südostschweiz Verlegerin: © Somedia (Südostschweiz Presse und Print Presse AG, Südostschweiz und Print AG), Print, CH-7007 CH-7007 Chur Sekretariat: SELVA, Chur Sekretariat: SELVA, Urs Rutishauser, ChristopheB Trüb, ahnhofBahnhofplatz platz 1, CH-7302 1, CH-7302 Landquart, Landquart, Telefon + 41 Telefon (0) 81 + 41 300 (0)22 8144, 300buendnerwald 22 44, buendnerwald Redaktoren: Jörg Redaktoren: Jörg Clavadetscher, Clava @ selva-gr.ch @ selva-gr.ch detscher, Revier forestal Revierdaforestal Val Müstair, da ValCH-7535 Müstair, CH-7535 Valchava,Valchava, Telefon + 41 Telefon (0) 81 + 41 858(0)588121, 858 forestal-muestair 58 21, forestal-muestair Sandro Krättli, @ bluewin.ch. @ bluewin.ch. Sandro AWN GR, Krättli, Sagastägstrasse AWN GR, Sagastägstrasse 96, CH-7220 Schiers, 96, CH-7220 TelefonSchiers, + 41 (0)Telefon 81 300+ 41 24 11, (0) 81 sandro.kraettli 300 24 11, @ sandro.kraettli wn.gr.ch. awn.gr.ch. Die @ aRedaktion Die behält Redaktion sich vor,behält Beiträge sichinvor, nicht Beiträge verlangter in nicht Form verlangter ohne Rückfrage Form ohne zu ändern. Rückfrage Herstellung: zu ändernSomedia Druckvorstufe Production, (Satz,Postfach Lithos, Belich508, tung) Kasernenstrasse 1, : Südostschweiz CH-7007 Presse Chur, und Print Telefon AG, + 41 Südostschweiz (0) 81 255 Print, 51 11,Antonin Fax + 41 Friberg (0) 81Druck: Südostschweiz 255 51 05. Erscheint sechsmal Presse und jährlich. Print AG, Süd Auflage: ostschweiz 1700 Exemplare Print, Postfach Inserate: Somedia 508, Kasernenstrasse Promotion, 1, CH-7007 Neudorfstrasse Chur, Telefon 17, CH-7430 + 41 (0)Thusis, 81 255Telefon 51 11,+ 41 Fax (0) + 4181(0)650 81 00 70, 255 Fax + 41 52 89. (0)Erscheint 81 650 00 sechsmal 74, thusis@somedia.ch jährlich. Auflage A 1700 bonnementspreise: CHF Exemplare Inserate: Südostschweiz 60.– (inkl. MwSt. Publicitas für Mitglieder AG, Neudorfstrasse Verein 17, CH-7430 Graubünden Thusis, Wald) Telefon Abonnemente/Adressänderungen: + 41 (0) 81 650 00 70, Fax + 41 Aboservice, (0) 81 650Postfach 00 74, thusis@so-publicitas.ch 508, Kasernenstrasse 1,A CH-7007 bonnementspreise: Chur, CHF Telefon 60.– + 41 (für(0) Mitglieder 81 255 54 Verein 54, abo Graubünden Wald) www.buendnerwald.ch Abonnemente/Adressänderungen: Südostschweiz Presse und Print AG, @ somedia.ch, Postfach Für Inseratetexte 508, Aboübernimmt und Zustellservice, die Redaktion Kasernenstrasse keine Verantwortung, 1, CH-7007auch Chur, muss Telefon die Meinung + 41 (0) 81 der255 Beiträge 50 50,nicht mit der Ansicht www.buendnerwald.ch der Redaktoren übereinstimmen. Autoren, die zu obenstehenden Themen publizieren möchten, sind herzlich eingeladen, ihre Für Vorschläge Inseratetexte der Redaktion übernimmt einzureichen. die Redaktion keine Verantwortung, auch muss die Meinung der Beiträge nicht mit der Ansicht der Redaktoren übereinstimmen. Autoren, die zu obenstehenden Themen publizieren möchten, sind herzlich eingeladen, ihre Vorschläge der Redaktion einzureichen.
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