Gesangstexte
Marco da Gagliano
»Vergine bella«
Text: Francesco Petrarca | Übersetzung: Paula Schlüter
Vergine bella, che di sol vestita, coronata di stelle, al sommo Sole piacesti sí, che ’n te Sua luce ascose, amor mi spinge a dir di te parole: ma non so ’ncominciar senza tu’ aita, et di Colui ch’amando in te si pose. Invoco lei che ben sempre rispose, chi la chiamò con fede: Vergine, s’a mercede miseria extrema de l’humane cose già mai ti volse, al mio prego t’inchina, soccorri a la mia guerra, bench’i’ sia terra, et tu del ciel Regina.
Schöne Jungfrau, die du, nur von der Sonne bekleidet, mit Sternen gekrönt, der höchsten Sonne so sehr gefielst, dass sie ihr Licht in dir verbarg, die Liebe treibt mich an, Worte über dich zu sprechen: doch ich weiß nicht, wie ich beginnen soll ohne deine Hilfe und ohne die desjenigen, der sich in dich verliebt hat. Ich rufe sie an, die stets wohlwollend dem antwortete, der sie im Glauben anrief: Jungfrau, wenn dir die äußerste Not der menschlichen Dinge jemals zu Füßen lag, beuge dich meinem Gebet, hilf mir in meinem Kampf, obwohl ich Erde bin und du die Königin des Himmels.
Claudio Monteverdi
»Ohimè, dov’è il mio ben?«
Text: Bernardo Tasso | Übersetzung: Paula Schlüter
Ohimè, dov’è il mio ben?
Dov’è il mio core?
Chi m’asconde il mio core: e chi me ’l toglie?
Dunque ha potuto sol desio d’honore
Darmi fera cagion di tante doglie?
Dunque ha potuto in me più che ’l mio amore
Ambitiose, e troppo lievi voglie?
Ahi sciocco mondo, e cieco!
ahi cruda sorte, Che ministro mi fai de la mia morte.
Ach, wo ist mein Glück? Wo ist mein Herz?
Wer verbirgt mir mein Herz, und wer nimmt es mir?
Hat denn allein das Streben nach Ehre
Mir einen so grausamen Grund für so viel Leid gegeben?
Haben denn in mir ehrgeizige und allzu leichtsinnige Wünsche mehr Macht gehabt als meine Liebe?
Ach, törichte und blinde Welt!
Ach, grausames Schicksal, das du mich zum Diener meines eigenen Todes machst.
»Io son pur vezzosetta pastorella«
Text: Anonymus | Übersetzung: Paula Schlüter
Io son pur vezzosetta pastorella che le guance ha di rose e gelsomini, e questa fronte e questi aurati crini mi fanno altrui parer Driade novella.
Di flora non v’è qui nobil donzella o schiera di pomposi cittadini che, quando in lor m’incontro e faccio inchini il titol non mi dian de la più bella.
Ich bin eine hübsche kleine Hirtin, deren Wangen wie Rosen und Jasmin blühen, und diese Stirn und dieses goldblonde Haar lassen mich wie eine junge Dryade erscheinen.
Es gibt hier keine edle Jungfrau oder Schar von hochmütigen Bürgern, die mir, wenn ich ihnen begegne und mich vor ihnen verneige, nicht den Titel der Schönsten verleihen würden.
E se il giorno de la festa io vado al ballo, mi porta ogni pastor perch’io l’inviti, specchi, fior, frutti o vezzi di corallo.
E non saranno a te punto graditi, caro Lidio, i miei sguardi?
E sempre in fallo ti pregherò, crudel, che tu m’aiti?
Und wenn ich am Festtag zum Tanz gehe, bringt mir jeder Hirte, damit ich ihn einlade, Spiegel, Blumen, Früchte oder Korallenverzierungen.
Und werden dir, lieber Lidio, meine Blicke nicht besonders gefallen? Und werde ich dich immer vergeblich bitten, du Grausamer, dass du mir beistehst?
»Bel pastor dal cui bel guardo«
Text: Ottavio Rinuccini | Übersetzung: Paula Schlüter
Bel pastor, dal cui bel guardo
Spira foco ond’io tutt’ardo, m’ami tu? – Sì cor mio
Com’io desio? –Si cor mio
Dimmi quanto? – Tanto tanto.
Come che? – Come te, pastorella tutta bella.
Questi vezzi e questo dire non fan pago il mio desire; Se tu m’ami, o mio bel foco, dimmi ancor, ma fuor di gioco:
Come che? – Come te, pastorella tutta bella.
Schöner Hirte, aus dessen schönem Blick Feuer strömt, das mich ganz und gar entflammt, liebst du mich? – Ja, mein Herz. So sehr, wie ich es mir wünsche? –Ja, mein Herz. Sag mir, wie sehr? – Sehr, sehr. Wie wen? – So sehr wie dich, meine schöne Hirtin.
Diese Liebkosungen und diese Worte können mein Verlangen nicht stillen; Wenn du mich liebst, oh mein schönes Feuer, sag es mir noch einmal, aber ohne Scherze: Wie wen? – Wie dich, meine schöne Hirtin.
Viepiù lieta udito avrei:
»t’amo al par degli occhi miei.«
Come rei del mio cordoglio questi lumi amar non voglio, di mirar non sazi ancora la beltà che sì m’accora.
Come che? – Come te, pastorella tutta bella.
Fa’ sentirmi altre parole se pur vuoi ch'io mi console.
M’ami tu? – Come la vita?
No, che afflitta e sbigottita d’odio e sdegno e non d’amore, fatt’ albergo di dolore per due luci, anzi due stelle troppo crude, troppo belle.
Come che? – Come te, pastorella tutta bella.
Non mi dir più »come te«; dimmi »io t’amo... io t’amo... come me«.
No, ch’io stesso odio me stesso.
Deh, se m’ami dimmi espresso.
Sì cor mio – Com’io desìo
Dimmi quanto – Tanto tanto. Quanto quanto? – Oh, tanto tanto. Come che? – Come te, pastorella tutta bella.
Noch glücklicher wäre ich, hättest du gesagt: »Ich liebe dich wie meine Augen.« Ich will diese Augen nicht als Ursache meiner Trauer betrachten, denn ich kann mich noch nicht sattsehen an der Schönheit, die mich so betrübt.
Wie wen? – Wie dich, du schöne Hirtin.
Lass mich andere Worte hören, wenn du willst, dass ich Trost finde.
Liebst du mich? – Wie das Leben?
Nein, denn betrübt und erschrocken vor Hass und Verachtung und nicht vor Liebe, bin ich zur Herberge des Schmerzes geworden für zwei Augen, ja, zwei Sterne, die zu grausam, zu schön sind. Wie wen? – Wie dich, du schöne Hirtin.
Sag mir nicht mehr »wie dich«; sag mir »ich liebe dich... ich liebe dich... wie mich«.
Nein, denn ich hasse mich selbst.
Ach, wenn du mich liebst, sag es mir deutlich.
Ja, mein Herz – Wie ich es mir wünsche.
Sag mir, wie sehr – Sehr, sehr. Wie sehr, wie sehr? – Oh, sehr, sehr. Wie wen? – Wie dich, du schöne Hirtin.
»Pur ti miro«
Text: Giovanni Francesco Busenello | Übersetzung: Paula Schlüter
Pur ti miro, pur ti godo, pur ti stringo, pur t’annodo; più non peno, più non moro, o mia vita, o mio tesoro!
Io son tua, tuo son io, speme mia, dillo, di’: »Tu sei pur l’idolo mio«.
Sì, mio ben, sì mio cor, mia vita, sì!
Heinrich Schütz
»Verbum caro factum est«
Text: Johannes 1,14
Vebum caro factum est, Alleluja, et habitavit in nobis, Alleluja, et vidimus, Alleluja, gloriam ejus, Alleluja, gloriam quasi unigeniti a patre, plenum gratia et veritate, Alleluja.
Dich zu sehen, dich zu genießen, dich zu umarmen, dich an mich zu binden; nicht mehr zu leiden, nicht zu sterben, o mein Leben, o mein Schatz!
Ich gehöre dir, ich bin dein, meine Hoffnung, sag es, sag: »Du bist auch mein Idol«.
Ja, mein Liebling, ja, mein Herz, mein Leben, ja!
Das Wort ward Fleisch, Alleluja, und wohnte unter uns, Alleluja, und wir sahen, Alleluja, seine Herrlichkeit, Alleluja, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit, Alleluja.
Claudio Monteverdi
Lamento d’Arianna
Text: Ottavio Rinuccini | Übersetzung: Paula Schlüter
Erster Teil
Lasciatemi morire, Lasciatemi morire!
E che volete voi che mi conforte
In così dura sorte, In così gran martire?
Lasciatemi morire, Lasciatemi morire!
Zweiter Teil
O Teseo, o Teseo mio!
Si che mio ti vò dir, che mio pur sei
Benché t’involi, ahi crudo!
agli occhi miei.
Volgiti Teseo mio,
Volgiti Teseo o Dio
Volgiti indietro a rimirar colei
Che lasciato ha per te la Patria e il regno.
E in queste arene ancora
Cibo di fere di spietate e crude Lascierà l’ossa ignude.
O Teseo, o Teseo mio
Se tu sapessi o Dio
Se tu sapessi, oimé, come s’affanna
La povera Arianna, forse forse pentito
Rivolgeresti ancor la prora al lito
Lasst mich sterben, Lasst mich sterben!
Was wollt ihr, das mir Trost spendet in solch hartem Schicksal, in solch großem Leid? Lasst mich sterben, lasst mich sterben!
O Theseus, o mein Theseus, ja, ich will dir sagen, dass du mein bist,
auch wenn du, ach, du Grausamer, vor meinen Augen entfliehst.
Wende dich um, mein Theseus, wende dich um, Theseus, o Gott, wende dich um und schau auf jene, die für dich Heimat und Königreich verlassen hat. Und in diesen Sanden noch wird sie, als Beute grausamer und gnadenloser Raubtiere, ihre blanken Gebeine zurücklassen.
O Theseus, o mein Theseus, wenn du wüsstest, o Gott, wenn du wüsstest, ach, wie sie sich quält, die arme Ariadne, vielleicht, vielleicht, voll Reue, würdest du noch den Bug zum Ufer wenden,
Ma con l’aure serene
Tu te ne vai felice et io qui piango.
A te prepara Atene
Liete pompe superbe,
Ed io rimango
Cibo di fere in solitarie arene.
Te l’uno e l'altro tuo vecchio parente
Stringeran lieti, et io
Più non vedrovvi
O Madre o Padre mio.
Dritter Teil
Dove dov’è la fede
Che tanto mi giuravi?
Così ne l’alta fede
Tu mi ripon degl’Avi?
Son queste le corone
Onde m’adorni il crine?
Questi gli scettri sono,
Queste le gemme e gli ori?
Lasciarmi in abbandono
A fera che mi strazi e mi divori.
Ah Teseo, ah Teseo mio
Lascierai tu morire
Invan piangendo invan gridando aita
La misera Arianna
c’ha te fidossi e ti diè gloria e vita.
doch mit den ruhigen Winden ziehst du glücklich fort, und ich weine hier.
Athen bereitet dir fröhliche, prächtige Feste, und ich bleibe zurück als Beute für die wilden Tiere in einsamen Arenen.
Deine Verwandten umarmen dich freudig, und ich werde euch nie wiedersehen, o meine Mutter, o mein Vater.
Wo ist die Treue, die du mir so sehr geschworen hast?
So setzt du also dein großes Vertrauen in die Vorfahren?
Sind das die Kronen, mit denen du mein Haupt schmückst?
Sind das die Zepter, sind das die Edelsteine und das Gold?
Mich der Einsamkeit zu überlassen, dem wilden Tier, das mich zerfleischt und verschlingt.
Ach Theseus, ach mein Theseus, wirst du sie sterben lassen, vergeblich weinend, vergeblich um Hilfe schreiend, die arme Ariadne, die dir vertraut hat und dir Ruhm und Leben schenkte.
Vierter Teil
Ahi che non pur rispondi!
Ahi che più d’aspe è sordo a miei lamenti
O nembi, o turbi, o venti
Sommergetelo voi dentr’a quell’onde
Correte, orche e balene, E delle membra immonde
Empiete le voragini profonde!
Che parlo, ahi, che vaneggio?
Misera oimé che chieggio.
O Teseo, o Teseo mio,
Non son, non son quell’io,
Non son quell’io che i feri detti sciolse;
Parlò l’affanno mio, parlò il dolore,
parlò la lingua, si, ma non già il core.
Misera! ancor dò loco a la tradita speme?
E non si spegne, Fra tanto scherno ancor, d’amor Il foco spegni tu morte, omai, le fiamme indegne.
Ach, warum antwortest du nicht!
Ach, du bist taub für meine Klagen, tauber noch als eine Viper.
O Wolken, o Stürme, o Winde, versenkt ihn in jene Wellen!
Eilt herbei, Orcas und Wale, und füllt die tiefen Abgründe mit seinen schmutzigen Gliedern! Was rede ich da, ach, was fantasiere ich?
Elend, ach, was flehe ich da?
O Theseus, o mein Theseus, ich bin nicht mehr die, ich bin nicht mehr die, die jene grausamen Worte sprach; meine Qual sprach, mein Schmerz sprach, die Zunge sprach, ja, aber nicht das Herz.
Elend! Gebe ich der verratenen Hoffnung noch Raum?
Und sie erlischt nicht, inmitten so viel Spott, der Liebe lösche du, Tod, nun das Feuer, die unwürdigen Flammen.
Sigismondo D’India
»Pianget’ occhi miei lassi«
Text: Pietro Petracci | Übersetzung: Paula Schlüter
Pianget’, occhi miei lassi,
E intenerite il core di colei che s’indura al mio dolore;
E, se l’acqua del pianto
Non può l’affetto suo mover alquanto, da l’alma mia che langue, Occhi, versate ormai pianti di sangue.
»Piangono al pianger mio«
Weint, meine müden Augen, und erweicht das Herz derjenigen, die meinem Leid gegenüber ungerührt bleibt; und wenn die Tränen ihre Zuneigung nicht im Geringsten rühren können, aus meiner schmachtenden Seele, Augen, vergießt nun Tränen aus Blut.
Text: Ottavio Rinuccini | Übersetzung: Paula Schlüter
Piangono al pianger mio
Piangono al pianger mio le fere, e i sassi
A miei caldi sospir traggon sospiri.
L’aer’ d’intorno nubiloso fassi, Mosso anch’ egli à pietà de miei martiri.
Ovunque io volgo, ovunque giro i passi
Par che di me si pianga, e si sospiri;
Par che dica ciascun, mosso al mio duolo, Che fai tu qui, meschin, doglioso e solo?
Sie weinen über mein Weinen die wilden Tiere und die Steine weinen über mein Weinen, und meine heißen Seufzer rufen Seufzer hervor. Die Luft um mich herum wird trüb, auch sie bewegt vom Mitleid über meine Qualen. Wohin ich mich auch wende, wohin ich auch meine Schritte richte, scheint es, als würde man um mich weinen und seufzen; scheint es, als sage jeder, bewegt von meinem Leid: Was tust du hier, du Elender, voller Schmerz und ganz allein?
Claudio Monteverdi
»O bone Jesu o piissimi Jesu«
Text: mittelalterliches Gebet | Übersetzung: Paula Schlüter
O bone Jesu
o piissime Jesu, o Jesu fili Mariae Virginis plene misericordiae et pietate.
O Jesus nomen dulce
O Jesus delectabile, quid est enim Jesus
nisi Salvator?
Ergo nomen sanctum tuum esto mihi Jesus et salva me.
»Sì dolce è’l tormento«
O guter Jesus, o frommster Jesus, o Jesus, Sohn der Jungfrau Maria, voller Barmherzigkeit und Frömmigkeit.
O Jesus, süßer Name, o Jesus, voller Wonne, denn was ist Jesus sonst als der Erlöser?
Darum lass deinen heiligen Namen, Jesus, mein sein, und rette mich.
Text: Carlo Milanuzzi | Übersetzung: Paula Schlüter
Si dolce è’l tormento
Ch’in seno mi sta,
Ch’io vivo contento
Per cruda beltà.
Nel ciel di bellezza
S’accreschi fierezza
Et manchi pietà:
Che sempre qual scoglio
All’onda d’orgoglio
Mia fede sarà.
La speme fallace
Rivolgam’ il piè,
Diletto ne pace
Non scendano a me,
E l’empia ch’adoro
Wie süß ist die Qual, die in meiner Brust wohnt, dass ich zufrieden lebe wegen grausamer Schönheit. Möge im Himmel der Schönheit der Stolz wachsen und das Mitleid fehlen: Denn immer wie ein Felsen gegen die Welle des Stolzes wird mein Glaube sein. Der trügerischen Hoffnung wende ich mich ab, Freude und Frieden mögen nicht zu mir herabsteigen, und die Gottlose, die ich verehre,
Mi nieghi ristoro
Di buona mercè:
Tra doglia infinita,
Tra speme tradita
Vivrà la mia fè.
Per foco e per gelo riposo non ho nel porto del Cielo riposo haverò...
se colpo mortale con rigido strale il cor m'impiagò cangiando mia sorte col dardo di morte il cor sanerò...
Se fiamma d’amore
Già mai non sentì
Quel rigido core
Ch’il cor mi rapì,
Se nega pietate
La cruda beltate
Che l’alma invaghì:
Ben fia che dolente,
Pentita e languente
Sospirimi un dì.
verweigere mir Trost durch gnädige Barmherzigkeit: In unendlichem Schmerz, in betrogener Hoffnung wird mein Glaube leben. Durch Feuer und Frost finde ich keine Ruhe, im Hafen des Himmels werde ich Ruhe finden ... Wie ein tödlicher Schlag mit einem eisigen Pfeil mein Herz verwundete und mein Schicksal wendete, so werde ich mein Herz heilen mit dem Pfeil des Todes ... Wenn die Flamme der Liebe noch nie gefühlt hat dieses harte Herz, das mir das Herz raubte, wenn sie Barmherzigkeit verweigert, die grausame Schönheit, die die Seele verzauberte: So sei es, dass sie, schmerzvoll, reumütig und schmachtend, eines Tages nach mir seufzt.
Benedetto Ferrari
»Queste pungenti spine«
Text: Ottavio Orsucci | Übersetzung: Paula Schlüter
Erster Teil
Queste pungenti spine che ne’ boschi d’abisso nodrite ed allevate affliggono trafiggono oh crudeltate il mio Signor e Dio son saette divine che col foco del cielo addolcite e temprate allettano dilettano oh gran pietate il cor divoto e pio. E tu anima mia non sai che sia dolore ancor non senti amore?
Zweiter Teil
Ahi miserella ascolta i tuoi vani diletti i piaceri i contenti inducono conducono oh pene oh stenti te stessa al cieco inferno deh sì mira una volta del tuo celeste amante le ferite e i tormenti che chiamano richiamano oh dolci accenti te stessa al ciel eterno. E pure anima mia non sai che sia dolore ancor non senti amore?
Diese stechenden Dornen, die ihr in den Wäldern der Tiefe nährt und pflegt, die quälen und durchbohren –oh Grausamkeit! –meinen Herrn und Gott, sind göttliche Pfeile, die mit dem Feuer des Himmels gemildert und gestählt, verführen und erfreuen –oh große Barmherzigkeit! –das fromme und gottesfürchtige Herz. Und du, meine Seele, weißt du nicht, was Schmerz ist, spürst du noch keine Liebe?
Ach, du Arme, hör doch deine vergeblichen Freuden, die Wonnen und das Glück, die dich führen, oh Leid, oh Mühen, in die blinde Hölle. Ach, ja, schau doch einmal auf die Wunden und Qualen deines himmlischen Geliebten, die dich rufen, oh süße Klänge, in den ewigen Himmel. Und doch, meine Seele, weißt du nicht, was Schmerz ist, spürst du noch keine Liebe?
Dritter Teil
Stolta che fai? che pensi? il tuo Giesù tradito il tuo Giesù piagato si lacera si macera ohimè che stato solo per darti vita e tu ingrata i sensi ogn’hor più cruda induri sei di cor sì spietato sì rigido sì frigido oh stelle oh fato che non procuri aita? ben veggio anima mia non sai che sia dolore ancor non senti amore?
Letzter Teil
Così dunque vivrai senz’amor senza duolo no no rivolgi il core pieghevole piacevole oh buon fervore a sì gravi martiri e riverente homai pentita e lagrimosa manda dal petto fuore caldissimi dolcissimi d’amor sensi e sospiri. Così anima mia saprai che sia dolore intenderai amore.
Du Törichte, was tust du?
Was denkst du?
Dein verratener Jesus dein verwundeter Jesus er zerreißt sich, er quält sich ach, welch ein Zustand nur um dir das Leben zu schenken und du Undankbare verhärtest deine Sinne stündlich noch mehr dein Herz ist so gnadenlos, so hart, so kalt.
Oh Sterne, oh Schicksal, warum leistet ihr keine Hilfe?
Ich sehe es wohl, meine Seele, weißt du nicht, was Schmerz ist, spürst du noch keine Liebe?
So wirst du also leben, ohne Liebe, ohne Schmerz; nein, nein, wende dein Herz, nachgiebig und lieblich, oh gute Inbrunst, diesen schweren Qualen zu, und lass nun ehrfürchtig, reumütig und tränenreich, aus deiner Brust hervorbrechen die heißesten, süßesten
Gefühle und Seufzer der Liebe. So, meine Seele, wirst du erfahren, was Schmerz ist, und die Liebe verstehen.
Sigismondo D’India
»Mentre che ’l cor«
Text: Francesco Petrarca | Übersetzung: Paula Schlüter
Mentre ch ’l cor da gli amorosi vermi
Fu consumato e’n fiamma amorosa arse,
Di vaga fera le vestigia sparse
Cercai per poggi solitari et ermi;
Et ebbi ardir, cantando, di dolermi
D’Amor, di lei che sì dura m’apparse;
Ma l’ingegno e le rime erano scarse
In quella etade ai pensieri nuovi e infermi.
Quel fuoco è morto e’l copre un picciol marmo, Che se col tempo fosse ito avanzando,
Come già in altri infino alla vecchiezza,
Di rime armato, ond’oggi mi disarmo,
Con stil canuto avrei fatto, parlando, Romper le pietre e pianger di dolcezza.
Während mein Herz von verliebten Würmern zerfressen und von der Flamme der Liebe verbrannt wurde, suchte ich auf einsamen und öden Hügeln nach den Spuren der wilden Schönheit; und ich wagte es, singend, mich zu beklagen bei Amor, über sie, die mir so hart erschien; doch fehlten mir Einfallsreichtum und Reime, um damals den neuen, schwachen Gedanken zu entsprechen.
Jenes Feuer ist erloschen und von einem kleinen Marmorstein bedeckt. Doch wäre die Zeit weiter fortgeschritten, wie bei anderen bis ins hohe Alter, mit Reimen bewaffnet, denen ich heute entsage, hätte ich mit grauer Feder, dichtend, die Steine zerbrechen und sie vor Süße weinen lassen.
Claudio Monteverdi
»Ecco di dolci raggi«
Text: Anonymus | Übersetzung: Paula Schlüter
Ecco di dolci raggi il sol armato
Del verno saettar la stagion florida.
Di dolcissim’amor inebriato, Dorme tacito vento in sen di Clorida.
Tal’hor però, lascivo e odorato
Ondeggiar tremolar fa l’herba florida; L’aria, la terra, il ciel spiran amore:
Arda dunque d'amor, arda ogni core!
Io, ch’armato sin hor d'un duro gelo, Degli assalti d’amor potei difendermi;
Né l’infocato suo pungente telo
Poté l’alma passar o ’l petto offendermi.
Hor che il tutto si cangia al novo cielo, (A due begli occhi ancor non dovea rendermi!)
Sì si disarma il solito rigore: Arda dunque d’amor, arda il mio core!
Siehe, die Sonne, mit sanften Strahlen bewaffnet, durchbricht die blühende Jahreszeit des Winters.
Berauscht von süßester Liebe, schlummert der Wind still in Chloridas Schoß.
Doch nun lässt er, lasziv und duftend, das blühende Gras wogen und flimmern; die Luft, die Erde, der Himmel atmen Liebe: So brenne denn vor Liebe, brenne jedes Herz!
Ich, mit hartem Frost gerüstet, konnte mich bis jetzt gegen die Angriffe Amors verteidigen; und sein glühender, stechender Pfeil konnte weder meine Seele durchdringen noch meine Brust verletzen.
Nun, da sich alles unter dem neuen Himmel wandelt, (Ich hätte mich doch nicht zwei schönen Augen hingeben dürfen!)
Löst sich die gewohnte Strenge: So brenne denn vor Liebe, brenne mein Herz!