Anderszewski & Münchener Kammerorchester
19. April 2026 11:00 Uhr
Großer Saal
Sonntagsmatineen V
![]()
19. April 2026 11:00 Uhr
Großer Saal
Sonntagsmatineen V

Sa, 2. Mai 2026, 19:30
Mittlerer Saal
JeanGuihen Queyras & Alexander Melnikov
Mit Jean-Guihen Queyras und Alexander Melnikov präsentiert ein absolutes Ausnameduo Werke für Violoncello und Klavier von Ludwig van Beethoven, Claude Debussy und Sergei Rachmaninoff.
Do, 7. Mai 2026, 11:00
Mittlerer Saal
La Venexiana & Teatri 35 Caravaggio und Monteverdi
Das italienische Alte-Musik-Ensemble La Venexiana erweckt gemeinsam mit der Theatergruppe Teatri 35 berühmte Gemälde Caravaggios zur Musik von Claudio Monteverdi zum Leben.
So, 10. Mai 2026, 11:00
Großer Saal
Gaigg, Pashchenko & L’Orfeo Barockorchester
30 Jahre L’Orfeo Barockorchester
Zum 30-jährigen Bestehen des L’Orfeo Barockorchesters hat Michi Gaigg ein prunkvolles Programm rund um Wolfgang Amadé Mozart und Joseph Haydn im Gepäck. Karten und Infos:
Das Programm auf einen Blick
Vielen verschiedenen Facetten des ›Klassischen‹ widmet sich das Münchener Kammerorchester gemeinsam mit dem polnischen Ausnahmepianisten Piotr Anderszewski: Beethovens 1. Klavierkonzert in CDur, das noch ganz im Zeichen der Wiener Klassik steht, trifft auf Sergei Prokofjews humorvolle »Symphonie classique«, für die sich der Komponist 1916–17 maßgeblich von Joseph Haydns Tonsprache inspirieren ließ: »Wenn Haydn heute noch lebte, dachte ich, würde er seine Art zu schreiben beibehalten und dabei einiges vom Neuen übernehmen. Solch eine Sinfonie wollte ich schreiben – eine Sinfonie im klassischen Stil.«
Neben Beethoven und Prokofjew komplettieren das Programm zwei zeitgenössische Werke mit folkloristischer Prägung: das mitreißende Strum von Jessie Montgomery und die Neukomposition Erntegesang der rumänischen Bäuerinnen aus der Maramureş, die Fabio Nieder im Auftrag des Münchener Kammerorchesters geschrieben hat.
Fabio Nieder * 1957
Erntegesang der rumänischen Bäuerinnen aus der Maramureş für Geigenorchester
Ludwig van Beethoven 1770–1827
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 C-Dur op. 15 // 1795, 1800–01
I Allegro con brio
II Largo
III Rondo. Allegro scherzando
// Pause //
Jessie Montgomery * 1981
Strum für Streichorchester // 2006, rev. 2012
Sergei Prokofjew 1891–1953
Symphonie Nr. 1 D-Dur op. 25 »Symphonie classique« // 1916–17
I Allegro
II Larghetto
III Gavotta. Non troppo allegro
IV Molto vivace
Konzertende: ca. 13:00 Uhr
Münchener Kammerorchester
Fabio Nieder // Erntegesang der rumänischen Bäuerinnen aus der Maramureş
Komponieren für Orchester heißt heute sich mit der ›Institution‹ Orchester konfrontieren zu müssen. Diese ›Institution‹ haben wir aus der Vergangenheit geerbt. Dieses Orchester wurde für eine andere Musik konzipiert und gegründet. Die Zahl der Instrumente, ihre Position im Raum et cetera entsprechen den Bedürfnissen der Musik um 1900 und nicht unbedingt unserer zeitgenössischen Musik. Diese Konventionen zu ändern ist für uns manchmal sehr schwierig bis beinahe unmöglich. Ich habe mit meiner Orchestermusik trotzdem versucht, Strategien zu entwickeln, damit eine andere Denkform, ein anderer resultierender Klang möglich sei. In meinen Kompositionen mit dem Titel Der Bilderfresser und Der Bildersetzer, Szenen aus meinem Musiktheaterprojekt Thümmel, oder die Verlöschung des Wortes, habe ich ein großes Orchester in 18 heterogen besetzte Gruppen geteilt. Ähnlich bin ich mit meinem Kammerorchesterstück Z truhle mojej prababki umgegangen: Hier hatte ich das Orchester in acht kammermusikalisch besetzte Gruppen geteilt und jeder Gruppe habe ich ein slowakisches Volkslied anvertraut. Die Gruppen spielten dann wie Kammermusikformationen unabhängig voneinander und teilweise ohne Dirigent:in. Diese Strategien zu entwickeln, um doch noch für die Großbesetzung eines Orchesters komponieren zu können, hat mir die Möglichkeit gegeben, aus der Idee heraus jeweils ein neues Orchester zu kreieren.
Eine weitere Überlegung dieser Art ist mit dem für das MKO komponierten Erntegesang der rumänischen Bäuerinnen aus der Maramureş verbunden. Hier wollte ich ausprobieren, was passiert, wenn ich nur für eine Sektion des Orchesters komponiere, nämlich die der Geigen. Die Geigen sind die größte Sektion einer orchestralen Besetzung. Sie spielen oft in der Tradition nur unisono (je erste und zweite Geigen)
Fabio Nieder // Erntegesang der rumänischen Bäuerinnen aus der Maramureş

Landschaft in der nordrumänischen Region Maramureș
und nur selten werden sie geteilt. Was wäre aber, wenn ich die Geigen vom Rest der großen orchestralen Besetzung herausschneiden würde?
Diese neue Perspektive wollte ich unbedingt ausprobieren!
Fabio Nieder // Erntegesang der rumänischen Bäuerinnen aus der Maramureş
Warum überhaupt die Vervielfältigung der Streicher? Es ging ursprünglich darum, eine akustische Verstärkung eines einzelnen Instruments eines Streichquartetts beziehungsweise Streichquintetts zu erzeugen und das in einer Zeit wo es keine Mikrofone und Lautsprecher gab. Aber heute? Macht es überhaupt Sinn? Gerade diese unzeitgemäße Frage fand ich besonders verlockend! Diese Frage zu fokussieren und dazu eine Antwort zu finden, machte für mich wieder Sinn, für so viele Geigen zu komponieren!
Das traditionelle Unisono der Geigen war der Anfang meiner Überlegungen. Es stellt eine Individualität und zugleich die Kollektivität (alle spielen dasselbe) dar.

Fabio Nieder // Erntegesang der rumänischen Bäuerinnen aus der Maramureş
Das Volkslied, hier ein Volkslied aus dem Dorf Vadu Izei in der nordrumänischen Region Maramureş, gilt als Grundlage meiner neuen Komposition. Als Ausdruck einer Individualität und gleichzeitig einer Kollektivität fand ich das Volkslied für meine Zwecke beinahe prädestiniert! Der von mir verwendete originale Erntegesang, der den zirkulären Charakter der Gesten bei der Erntearbeit beibehält, ist zuständig für die harmonischen, melodischen Wendungen und Färbungen meiner Komposition.
Wie beim Öffnen eines Fächers öffnet sich das anfängliche Unisono zu einer Vielfältigkeit der Stimmen, wo jede Stimme etwas anderes zu sagen hat. Oder, ganz wie in der Tradition der rumänischen MaramureşMusik, eine Hauptlinie wird von anderen Stimmen heterophon umspielt. Durch neue Positionen bestimmter Geigen im Raum, die mit verschiedenen Dämpfern spielen, entstehen EchoPerspektiven wie nah und fern oder vorne und hinten.
Viele von diesen Verfahren erinnern an die Art, wie die nordrumänischen Geiger traditionell ihre Volksmusik spielen. Überhaupt ist die Geige das Hauptinstrument dieser Musik. Viele Geigen spielen oft hochvirtuos zusammen: Zeichen einer perfekten Harmonie zwischen Individuum und Kollektivität in der Gesellschaft! Die Geige ist in meiner Komposition sowohl symbolisch wie auch sehr konkret zu verstehen. Sie ist Trägerin einer harmonischen Vision der Menschheit, wie auch sonst Faktor eines direkten Klangerlebnisses.
Die besondere Arbeit an dieser Komposition für ein Geigenorchester entstand aus purer Freude am Experimentieren, ohne existierende Beispiele in der Geschichte. Ein Neuland mit Wurzeln in der Vergangenheit, der Magie der VolksKunstmusik. Ja, der ›anderen‹ Musikgeschichte! Die Wurzeln, die immer auch unsere waren. Wurzeln, die uns, wohlgemerkt auch mit Gewalt (!), von einem ökonomischpolitischen System kolonialistischer Prägung weggerissen wurden und werden.
Fabio Nieder
»Haydn und Mozart, die Schöpfer der neuern
Instrumental-Musik, zeigten uns zuerst die Kunst in ihrer vollen Glorie; wer sie da mit voller Liebe anschaute und eindrang in ihr innigstes Wesen, ist – Beethoven.«
Im Jahr 1810 veröffentlichte der Schriftsteller E.T.A Hoffmann in der Allgemeinen musikalischen Zeitung eine Rezension von Beethovens 5. Symphonie, die die Musikgeschichtsschreibung fortan prägen sollte. Nicht nur definierte er in seinem Text die ›selbstständige Instrumentalmusik‹ ganz im Geiste seiner Zeit als »romantischste aller Künste«, sondern identifizierte zugleich auch deren Erfinder: Joseph Haydn und Wolfgang Amadé Mozart sind in Hoffmanns Text »die Schöpfer der neuern InstrumentalMusik«, Ludwig van Beethoven wird zu ihrem Vollender. Damit ist hier zum ersten Mal von der musikgeschichtlichen Trias die Rede, die später als ›Wiener Klassik‹ prägend für unsere Vorstellung von ›klassischer‹ Musik wurde. Die musikalischen Errungenschaften von Haydn, Mozart und Beethoven in den Gattungen Streichquartett, Klavierkonzert oder Symphonie wurden von Zeitgenossen und Nachwelt als so bahnbrechend wahrgenommen, dass die Werke schon bald den Status ›zeitloser‹ Klassiker erreichten.
E. T. A. Hoffmann, Rezension von Beethovens 5. Symphonie in der Allgemeinen musikalischen Zeitung vom 4. Juli 1810
In seinem Klavierkonzert Nr. 1 in CDur orientierte sich Beethoven noch stark an seinen Wiener Vorbildern, vor allem die Nähe zu Mozart ist deutlich hörbar. Bereits vor seiner Übersiedelung nach Wien im Jahr 1792 hatte Beethoven in Bonn insgesamt drei Konzerte für Klavier und Orchester komponiert. Am dritten dieser Frühwerke, einem Klavierkonzert in BDur,

Ludwig van Beethoven // Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur

Beginn des Klavierkonzerts Nr. 1 CDur in Beethovens Handschrift
hatte er so lange gefeilt, dass sein 1795 in Wien entstandenes Konzert in CDur früher in Druck ging und als erstes Klavierkonzert gezählt wurde.
Bei der Uraufführung des 1. Klavierkonzerts am 2. April 1800 im Wiener Burgtheater übernahm Beethoven den Solopart selbst. Sowohl sein erstes als auch sein zweites Klavierkonzert komponierte er für den eigenen Gebrauch, da er sich mit ihnen einer breiteren Öffentlichkeit als Komponist und Pianist empfehlen wollte. In seinen frühen Wiener

Jahren trat Beethoven als professioneller Musiker auf den Plan, der es sich nicht erlauben konnte, auch nur eine Gelegenheit zur Selbstpräsentation verstreichen zu lassen. Dabei stellte der Pianist Beethoven den Komponisten zunächst in den Schatten. In den Salons des Wiener Adels galt Beethoven als »Riese unter den Klavierspielern« (Johann Wenzel Tomaschek), als glänzender Improvisator spielte er bei VirtuosenWettkämpfen seine Gegner an die Wand.
Im 1. Klavierkonzert trifft die brillante Virtuosität des Soloparts auf eine erweiterte Orchesterbesetzung mit Pauken, Klarinetten und Trompeten. Der Kopfsatz des Konzerts zeichnet sich durch kontrastreiches Themenmaterial aus, ein marschartiges Hauptthema wird von einem kantablen Seitenthema abgelöst. In der hochvirtuosen Kadenz spiegelt sich Beethovens avancierte Spieltechnik wider, für die er seinerzeit berüchtigt war. Im anschließenden Largo werden wiederum lyrischere Saiten aufgezogen. Das sangliche Thema wird in freier Liedform abwechselnd mit dem Orchester in scheinbar tausendfachen Facetten figuriert und variiert. Erinnerungen an Haydn weckt der humorvolle dritte Satz, ein tänzerisches Rondo. Von der Endphase der Kompositionsarbeit kurz vor der ersten Aufführung wusste Beethovens Freund Gerhard Wegeler folgende Anekdote zu berichten: »Erst am Nachmittag des zweiten Tages vor der Aufführung seines ersten Concerts (C dur) schrieb er das Rondo und zwar unter ziemlich heftigen Kolikschmerzen, woran er häufig litt. Ich half durch kleine Mittel, so viel ich konnte. Im Vorzimmer saßen vier Kopisten, denen er jedes fertige Blatt einzeln übergab. [...] Bei der ersten Probe, die am Tage darauf in Beethoven’s Zimmer statt hatte, stand das Klavier für die Blasinstrumente einen halben Ton zu tief. Beethoven ließ auf der Stelle diese und so auch die übrigen statt nach a, nach b stimmen und spielte seine Stimme aus Cis.«
Jessie Montgomery // Strum
Das einsilbige englische Verb »strum« besitzt lautmalerische Qualitäten. Es bezeichnet das Anschlagen aller Saiten einer Gitarre oder eines anderen Saiteninstruments, deutsche Übersetzungen reichen von »zupfen« über »klimpern« bis hin zu »schrammeln«. So taucht man bereits beim Lesen des Titels von Jessie Montgomerys gleichnamiger Komposition in die Klangwelten des Streichorchesters ein, dessen vielfältigen klanglichen Möglichkeiten im Zentrum von Strum stehen.

Jessie Montgomery // Strum
Die amerikanische Komponistin, Kammermusikerin und Musikpädagogin wurde 1981 in New York geboren und wuchs an der Lower East Side in einer Künstler:innenfamilie auf. Ihre Jugend war gleichermaßen von der radikalen New Yorker Kulturszene in den 1980er und 1990erJahren und den Nachwehen der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung geprägt, in der sich ihre Eltern engagiert hatten. Durch ihr Œuvre ziehen sich daher Themen wie soziale Gerechtigkeit oder die Schwarze Diaspora und deren Einflüsse auf die amerikanische Musikgeschichte. Dieses politische Profil ihres künstlerischen Schaffens vereint Montgomery zugleich mit spielerischer Spontaneität, improvisatorischen Elementen und Einflüssen aus der amerikanischen Folklore.
Diaspora Migrant:innen oder Nachkommen von Migrant:innen, deren Identität und Zugehörigkeitsgefühldurch ihre Migrationserfahrung und ihren Hintergrund geprägt wurden
Strum für Streichorchester ist die finale Version verschiedener Fassungen für Streichquartett, die Montgomery seit 2006 mehrfach überarbeitete. In dem Werk lässt die Komponistin klangliche Texturen durch die Verschränkung verschiedener Motive entstehen: Sie schichtet rhythmische und harmonische Ostinati übereinander und verwebt mit den entstehenden Klangteppichen folkloristische Melodien. Diese Kantilenen wandern von Instrument zu Instrument, sodass räumliche Effekte im Zusammenspiel entstehen. Zentrales TexturMotiv und zugleich rhythmisches Fundament des Werks ist das ›strumming pizzicato‹, bei dem Geige oder Bratsche seitlich vor dem Körper gehalten und wie eine Gitarre gezupft werden. »Ausgehend von amerikanischen FolkIdiomen und dem Geist des Tanzes und der Bewegung hat das Stück eine Art von Narrativ, das mit flüchtiger Nostalgie beginnt und sich in ekstatisches Feiern verwandelt«, beschreibt Montgomery selbst die Idee hinter der Komposition.
Als junger Komponist machte Sergei Prokofjew in Russland mit kompromisslos avancierten Werken Furore: 1891 im Dorf Sonzowka geboren, das damals zum Russischen Kaiserreich gehörte, heute im Oblast Donezk in der Ukraine liegt, kam Prokofjew auf Empfehlung des Komponisten Alexander Glasunow bereits im Alter von 13 Jahren ans St. Petersburger Konservatorium, wo er unter anderem bei Nikolai RimskiKorsakow studierte. Die Uraufführung seiner brachialen Skythischen Suite löste 1916 einen Skandal aus. Mit seiner kurz danach komponierten 1. Symphonie vollzog er jedoch erneut eine radikale Kehrtwende – zurück zur Wiener Klassik. Werke von Joseph Haydn und Wolfgang Amadé Mozart hatte Prokofjew während seines Studiums am Konservatorium kennen und schätzen gelernt, vor allem dank seines Dirigierlehrers Nikolai Tscherepnin. Das Gros der Kompositionsarbeit an seiner 1. Symphonie erledigte Prokofjew während der Sommermonate 1917, die er zurückgezogen auf dem Land in der Nähe von St. Petersburg verbrachte. Eine besondere Herausforderung: Der vir tuose Pianist verzichtete beim Komponieren zum ersten Mal bewusst auf die Hilfe des Klaviers: »So entstand der Plan, eine Symphonie im Stile Haydns zu schreiben, weil mir seine Technik bei meinem Unterricht in der KompositionsKlasse irgendwie besonders klar erschienen war und es unter so vertrauten Umständen leichter sein müsse, sich ohne Klavier in das gefährliche Wasser zu stürzen. Wenn Haydn heute noch lebte, dachte ich, würde er seine Art zu schreiben beibehalten und dabei einiges vom Neuen übernehmen. Solch eine Symphonie wollte ich schreiben –eine Symphonie im klassischen Stil.«
Prokofjews »Symphonie classique« beginnt mit einer fulminanten Initialzündung in DDur, charakteristisch für Werke der Wiener Klassik, auch wenn die musikalische Figur nach einer deutschen Stadt benannt ist:

»Wenn unsere klassisch orientierten Musiker und Professoren (meiner Meinung nach Pseudoklassisch) diese Symphonie hören, werden sie sicherlich vor Empörung aufschreien angesichts dieses neuen Beispiels für Prokofjews Unverschämtheit –seht nur, wie er Mozart nicht in seinem Grab ruhen lässt, sondern ihn mit seinen schmutzigen Händen anstupsen muss und die reinen Perlen der Klassik mit schrecklichen, Prokofjew’schen Dissonanzen verunreinigt. Aber meine wahren Freunde werden erkennen, dass der Stil meiner Symphonie genau dem Mozart’schen Klassizismus entspricht, und werden sie entsprechend schätzen, während das Publikum sich zweifellos einfach damit begnügen wird, fröhliche und unkomplizierte Musik zu hören, die es natürlich mit Applaus belohnen wird.«
Sergei Prokofjew
Als ›Mannheimer Rakete‹ bezeichnet man eine schnelle aufsteigende Tonfolge, die meist zu Beginn oder zum Finale eines Satzes erklingt. Wie Champagnerperlen kullern danach im Pianissimo die Achtelnoten wieder abwärts. Das zierliche zweite Thema in den ersten Violinen zeichnet sich durch absurd große Sprünge über zwei Oktaven aus, begleitet von Akkordbrechungen in den Fagotten. Tänzerischelegant kommt der zweite Satz daher: Über gleichmäßig pulsierenden Achteln entfaltet sich eine zarte Melodie in den ersten Geigen, in die bald auch die Holzbläser einstimmen. Der Mittelteil weckt wiederum mit dem Pizzicato der Streicher und den dazu getupften StaccatoTönen der Fagotte Assoziationen zu symphonischen Werken Pjotr Tschaikowskis: Schon er hatte in seiner Streicherserenade
Elemente der Wiener Klassik aufgegriffen. Mit einer Gavotte als drittem Satz brach Prokofjew mit den historischen Konventionen, die er zuvor ziemlich strikt befolgt hatte: In einer Symphonie der Wiener Klassik würde üblicherweise an dieser Stelle ein Menuett folgen. Das schlichte Thema im 4/4Takt, das bereits durch die Oktavsprünge, die es beinhaltet, einen humoristischen Charakter besitzt, wird dabei zum Ausgangspunkt verschiedener musikalischer Scherze wie Akzentver
schiebungen und unerwartete Modulationen. Ausgehaltene Bordunquinten in den Begleitstimmen verleihen dem folgenden Trio im Piano und Pianissimo eine pastorale Atmosphäre. Bei der Wiederholung des ersten Themas scheint die Dynamik des Trios abgefärbt zu haben: Es erscheint nun ebenfalls verspielt und leise und verklingt mit geheimnisvollen Pizzicati. Der rasante letzte Satz greift wiederum erneut die ›Mannheimer Rakete‹ des Kopfsatzes auf, die im weiteren Verlauf immer wieder zu impulsiven Ausbrüchen führt. Aus dem Zusammenspiel von einem energetisch galoppierenden ersten Thema und einem lyrischen zweiten Thema in der Flöte entwickelt sich so ein fulminantes Finale.
Paula Schlüter Sergei Prokofjew
13. bis 30. Sep 2026
So, 13. Sep 2026, 18:00
Großer Saal
markus poschner, jean rondeau & bruckner orchester linz
Frischer Wind
Markus Poschner und Cembalostar Jean Rondeau bringen mit Francis Poulencs Concert champêtre die Natur in den Konzertsaal, eingerahmt von Claude Debussys La Mer und Ludwig van Beethovens berühmter 6. Symphonie »Pastorale«.
Mi, 16. Sep 2026, 19:30
Großer Saal
philipp
Revolution Mahler!
Das aus Mitgliedern europäischer Spitzenorchester bestehende Mahler Academy Orchestra spielt Gustav Mahlers 9. Symphonie sowie dessen Kindertotenlieder auf Originalinstrumenten.
Mi, 30. Sep 2026, 19:30
Großer Saal
anja bihlmaier, bbc singers & bbc philharmonic orchestra
Brahms’ Requiem
Johannes Brahms’ Deutsches Requiem kombiniert mit Lili Boulangers Psaume 24 in einer internationalen Spitzenbesetzung rund um Anja Bihlmaier und das BBC Philharmonic Orchestra brucknerfest.at


Klavier & Leitung
Piotr Anderszewski ist bekannt für seine tiefgründigen Interpretationen ausgewählter Klavierrepertoires sowie für seine hochgelobte, über Jahrzehnte gewachsene Diskografie. Im Verlauf seiner Karriere konzentrierte er sich vor allem auf das deutschwienerische Repertoire mit Werken von Bach, Mozart, Beethoven, Schumann und Webern. Ebenso gilt sein Interesse der mitteleuropäischen Musik des 20. Jahrhunderts, insbesondere Szymanowski und Janáček. Seit 2000 ist er Exklusivkünstler bei Warner Classics. Seine erste Aufnahme – Beethovens »DiabelliVariationen« – erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Es folgten Grammynominierte Einspielungen ausgewählter BachPartiten sowie der Klavierwerke Szymanowskis, die 2006 mit einem Gramophone Award ausgezeichnet wurden. Seine SchumannAufnahme wurde 2012 vom BBC Music Magazine zur Aufnahme des Jahres gekürt. Weitere Gramophone Awards erhielt er 2015 für Bachs Englische Suiten sowie 2021 für eine Auswahl aus dem zweiten Band des Wohltemperierten Klaviers, die auch als LiveDVD erschien. Darüber hinaus nahm Anderszewski Mozarts Klavierkonzerte sowie Beethovens 1. Klavierkonzert und Werke von Janáček, Szymanowski und Bartók auf. Er arbeitete mit Künstler:innen wie Viktoria Mullova, Frank Peter Zimmermann, Nikolaj Znaider und dem Belcea Quartet. Als Liedbegleiter musizierte er unter anderem mit Matthias Goerne und Ian Bostridge. 2002 wurde er mit dem Gilmore Artist Award ausgezeichnet. Dokumentarfilme von Bruno Monsaingeon beleuchten sein künstlerisches Leben, darunter Piotr Anderszewski plays Diabelli Variations (2001) und Unquiet Traveller (2008). 2016 führte er selbst Regie bei In Warsaw is my name
In der Saison 2025/26 ist er in bedeutenden europäischen Sälen sowie auf Tourneen in Asien und Australien zu erleben. Seine jüngste Aufnahme mit späten Klavierwerken von Brahms erschien im Jänner 2026. Zudem arbeitet er an einem Buch über seine Erfahrungen als Musiker und Interpret.

Mit seinen abwechslungsreichen Konzertprogrammen, die Bekanntes und Neues spannungsreich verknüpfen, begeistert das Münchener Kammerorchester (MKO) sein weltweites Publikum. Das 1950 gegründete Ensemble überzeugt durch besondere Klangkultur und hohes interpretatorisches Niveau. Den Kern bilden 28 fest angestellte Streicher aus 16 Ländern. Mit erstklassigen Gästen aus europäischen Spitzenorchestern erweitert das MKO flexibel seine Besetzung, um im klassischen, romantischen und zeitgenössischen Repertoire Maßstäbe zu setzen. Offenheit, Neugier und die Lust auf ungewöhnliche Formate prägen sein Profil. Die Associated Conductors Jörg Widmann, Enrico Onofri und Bas Wiegers verkörpern das künstlerische Spektrum des MKO – eine einzigartige Konstruktion, die sich in den vergangenen Jahren als vorbildhaft bewährt hat. 2025 wurde die Zusammenarbeit um drei Jahre verlängert. Wichtiger Bestandteil sind zudem Konzerte unter

Leitung der Konzertmeister:innen Yuki Kasai und Daniel Giglberger. Regelmäßig arbeitet das MKO mit Künstlerinnen und Künstlern wie Isabelle Faust, Nicolas Altstaedt oder Patricia Kopatchinskaja zusammen. Gegründet von Christoph Stepp und lange von Hans Stadlmair geprägt, folgten Chefdirigenten wie Christoph Poppen, Alexander Liebreich und Clemens Schuldt. Das Orchester legt großen Wert auf dramaturgische Programme und die Weiterentwicklung des Repertoires. Zahlreiche Werke wurden in Auftrag gegeben und uraufgeführt, unter anderem von Iannis Xenakis, Wolfgang Rihm oder Jörg Widmann; zuletzt von Beat Furrer, Thomas Adès und Lisa Streich. Etwa ein Drittel der Konzerte findet in München statt, rund fünfzig Konzerte jährlich führen das MKO international auf renommierte Bühnen; auch Projekte mit dem GoetheInstitut gehören dazu. Zahlreiche Einspielungen erschienen bei ECM, Sony Classical, Deutsche Grammophon und anderen Labels.

Herausgeberin
Linzer Veranstaltungsgesellschaft mbH, Brucknerhaus Linz, Untere Donaulände 7, 4010 Linz
Künstlerischer Direktor
Norbert Trawöger
Programmplanung & Dramaturgie
Andreas Meier (Leitung), Paula Schlüter
Redaktion
Paula Schlüter
Grafik
Anett Lysann Kraml, Lukas Eckerstorfer
Abbildungen
gemeinfrei (S. 7, 8, 12–13 & 17), Wien Museum (S. 11), Jiyang Chen (S. 14), S. Fowler/Warner Classics (S. 23), D. Delang (S. 24–25)
Programm- und Besetzungsänderungen vorbehalten LIVA – Ein Mitglied der Unternehmensgruppe Stadt Linz
Wir danken für Ihren Besuch und wünschen Ihnen ein schönes Konzert!











